2021/0232
Gewerbeflächenbedarfsanalyse im Zusammenhang mit vorbereitenden Untersuchungen für eine mögliche städtebauliche Entwicklungsmaßnahme in Darmstadt/Nord
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CIMA Beratung + Management GmbH Neue Weinsteige 44 70180 Stuttgart T 0711-64864-65 cima.stuttgart@cima.de Fokussiert auf die Zukunft von Städten und Regionen. Seit 1988. www.cima.de Stadt+Regionalentwicklung Handel Marketing Digitale Stadt Management Wirtschaftsförderung Immobilien Geschäftsführer Roland Wölfel Registergericht München HRB 85796 Gerichtsstand München UID DE129314570 Steuernummer 14312470390 Wissenschaftsstadt Darmstadt Gewerbeflächenbedarfsanalyse Perspektiv- und Umsetzungsszenario 2040 -Aktualisierter Entwurf vom Juni 2021- Projektbearbeitung: Dr. Stefan Leuninger, Tom Bremer Stuttgart, im Juni 2021 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 2 Die fachlichen Ausarbeitungen fallen unter § 2, Abs. 1 sowie § 31, Abs. 2 des Gesetzes zum Schutze der Urheberrechte. Sämtliche Rechte, vor allem Nutzungs - und Urheberrechte, verbleiben bei der CIMA Beratung + Management GmbH. Der Auftraggeber kann die vor- liegende Ausarbeitung zur Verbreitung innerhalb seiner Organisation mit diesem Hinweis verwenden, sowie an projektrelevante Dritte weitergeben. Jegliche gewerbliche Nutzung ist nicht gestattet. Zu Layoutzwecken wurden möglicherweise Fotos, Grafiken u.a. Abbildun- gen verwendet, für die der CIMA Beratung + Management GmbH keine Nutzungsrechte vorliegen. Jede Weitergabe, Vervielfältigung oder gar Ver- öffentlichung kann Ansprüche der Rechteinhaber auslösen. Wer diese Ausarbeitung -ganz oder teilweise- in welcher Form auch immer weitergibt, vervielfältigt oder veröffentlicht, übernimmt das Haftungsrisiko gegenüber den Inhabern dieser Rechte, stellt die CIMA Beratung + Ma- nagement GmbH von allen Ansprüche n Dritter frei und trägt die Kosten ggf. notwendiger Abwehr solcher Ansprüche durch die CIMA Beratung + Management GmbH. Auftraggeber: Wissenschaftsstadt Darmstadt Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung Im Carree 1 64283 Darmstadt Ansprechpartner: Kai Hartmann Bearbeitung: Dr. Stefan Leuninger (Projektleitung) M.A. Stadtentwicklung Tom Bremer Bearbeitungszeitraum: September 2020 – Juni 2021 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 3 1. Inhalt 1 Zielsetzungen und Rahmenbedingungen ....................... 6 1.1 Ausgangssituation ................................ ............................... 6 1.2 Aufgabenstellung ................................ ................................ 7 1.3 Konzeptionelle Grundlagen ................................ ................ 7 1.4 Zielsetzungen ................................ ................................ ..... 10 2 Untersuchungsraum ......................................................... 12 2.1 Planerisch-funktionale Einordnung ................................ . 12 2.2 Sozioökonomische Strukturen ................................ ......... 14 2.3 Bevölkerungs- und Beschäftigtenentwicklung ............... 17 2.4 Beschäftigtenstruktur ................................ ........................ 20 2.5 Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit................................ ........ 22 2.6 Perspektivszenario Beschäftigung ................................ ... 23 2.7 Wissenschaftsstandort Darmstadt ................................ ... 23 2.8 Tourismus in Darmstadt ................................ .................... 25 2.9 Zusammenfassende Einordnung des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts Darmstadt ................................ .. 25 2.10 Gewerbliche Standortwahl ................................ ................ 27 2.11 Relevante Standorttypen ................................ .................. 29 3 Methodik der Flächenbedarfsprognose ......................... 32 3.1 Kaufpreissammlung ................................ ........................... 35 3.2 Qualitative Gewerbeflächenentwicklung bzw. -nachfrage38 3.3 Trendbasierte Gewerbeflächenbedarfsprognose ............ 40 3.4 Entwicklungsszenarien bzw. Varianten des Gewerbeflächenbedarfs ................................ .................... 43 3.5 Fazit: Gewerbeflächenbedarf ................................ ............ 45 4 Gewerbliche Innenentwicklungspotenziale ................... 47 4.1 Räumliche Verteilung der Gewerbegebiete in Darmstadt47 4.2 Methodik ................................ ................................ ............ 48 4.3 Ermittlung bestehender und perspektivischer Flächenpotenziale ................................ .............................. 48 5 Bilanz ................................................................................. 53 6 Gewerbegebietsentwicklung Darmstadt Nord ............. 56 6.1 Potenzialraum Arheilgen West ................................ ........ 56 6.2 Potenzialraum Wixhausen Ost ................................ ......... 58 6.3 Gesamtbetrachtung Darmstadt-Nord ............................. 59 7 Fazit und Empfehlungen .................................................. 62 7.1 Zusammenfassung ................................ ............................ 62 7.2 Perspektiven ................................ ................................ ...... 63 7.3 Empfehlungen für eine Flächenstrategie ........................ 64 Anhang ................................................................................... 66 Steckbriefe zu den Gewerbeflächenpotenzialen ....................... 66 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 4 2. Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Strukturräume in Hessen ................................................................... 12 Abbildung 2: Zentrale Orte und Regionalachsen in Südhessen .................... 13 Abbildung 3: Stärkekarte Deutschland .................................................................... 14 Abbildung 4: Einpendler nach Darmstadt .............................................................. 15 Abbildung 5: Entwicklung der Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen in Darmstadt 2009-2019 ...................................................................................... 16 Abbildung 6: Bevölkerungsentwicklung Darmstadt, 2012-2030 in Prozent ........................................................................................................................................ 17 Abbildung 7: Bevölkerungsentwicklung Darmstadt 2009-2020 .................... 17 Abbildung 8: Entwicklung der Gesamtbevölkerung, Beschäftigten und Beschäftigtenquote in Darmstadt .................................................................... 18 Abbildung 9: Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Darmstadt und den umliegenden Landkreisen ..................................... 18 Abbildung 10: Prozentuale Verteilung der Beschäftigten in Darmstadt nach Wirtschaftsgruppierungen 2020 ............................................................ 20 Abbildung 11: Arbeitslosenentwicklung in Darmstadt, 2011-2020 ............. 22 Abbildung 12: Entwicklung der Kurzarbeit in Darmstadt 2020 ..................... 22 Abbildung 13: Bevölkerungsprognose bis 2035 und angenommene Beschäftigtenkennziffer ........................................................................................ 23 Abbildung 14: Patentanmeldungen in Hessen je 100.000 Einwohner von 1995-2000 .................................................................................................................. 24 Abbildung 15: Methodik der Gewerbeflächenbedarfsprognose .................. 33 Abbildung 16: Kumulierte Verkäufe von voll erschlossenen, unbebauten Gewerbegrundstücken ab 1.000 qm, 2010 - 2019 .................................... 36 Abbildung 17: Kumulierte Verkäufe von Rohbaubauland Gewerbegrundstücken ab 1.000 qm, 2013 - 2019 .................................... 36 Abbildung 18: Aufbau des Trendmodells ............................................................... 40 Abbildung 19: Flächenbedarfskorridor nach Entwicklungsszenarien (brutto) ........................................................................................................................ 45 Abbildung 20: Gewerbegebiete in Darmstadt ...................................................... 47 Abbildung 21: Räumliche Verteilung der Gewerbeflächenpotenziale i ...... 49 Abbildung 22: Bilanzierter Flächenbedarf bis 2040 ............................................ 54 Abbildung 23: Potenzialraum Arheilgen-West ..................................................... 57 Abbildung 24: Erreichbarkeit des Potenzialraum Arheilgen West ................ 57 Abbildung 25: Potenzialraum Wixhausen Ost ...................................................... 58 Abbildung 26: Erreichbarkeit des Potenzialraum Wixhausen Ost ................ 58 Abbildung 27: Bilanzierter Flächenbedarf - Innenentwicklungspotenziale - Evaluierungsvorschläge ........................................................................................ 65 Abbildung 28: Vorhandene Baulandpotentiale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet DA-Wixhausen ......................................................................... 67 Abbildung 29: Vorhandene Baulandpotenziale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet Kranichstein .............................................................................. 68 Abbildung 30: Vorhandene Baulandpotentiale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet Bürgerpark................................................................................. 69 Abbildung 31: Vorhandene Baulandpotentiale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet Nordwest ................................................................................... 70 Abbildung 32: Vorhandene Baulandpotenziale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet Bunsen-/Haasstraße .............................................................. 72 Abbildung 33: Vorhandenes Baulandpotenzial (B-Planflächen).................... 73 Abbildung 34: Vorhandenes Baulandpotenzial (B-Planflächen).................... 74 Abbildung 35: Vorhandene Baulandpotenziale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet TZ Rhein-Main ......................................................................... 75 Abbildung 36: Vorhandene Baulandpotenziale (B-Planflächen) ................... 76 Abbildung 37: Vorhandene Baulandpotenziale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet Griesheim Airfield ................................................................... 77 Abbildung 38: Vorhandene Baulandpotenziale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet Eberstadt .................................................................................... 78 Abbildung 39: Vorhandene FNP-Flächenpotenziale .......................................... 79 Abbildung 40: Vorhandenes FNP-Flächenpotenzial .......................................... 80 Abbildung 41: Vorhandenes FNP-Flächenpotenzial .......................................... 81 Abbildung 42: Vorhandenes FNP-Flächenpotenzial .......................................... 82 Abbildung 43: Vorhandenes FNP-Flächenpotenzial .......................................... 83 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 5 3. Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Entwicklung der Erwerbstätigen in Darmstadt nach Wirtschaftsbereichen, 2000-2018 ..................................................................... 19 Tabelle 2: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB) nach Wirtschaftszweigen am 31. März 2020 und Veränderungen zu 201221 Tabelle 3: Tourismuszahlen in Darmstadt 2010 bis 2019 ................................. 25 Tabelle 4: Veräußerungen von Gewerbegrundstücken 2010-2019 ............. 37 Tabelle 5: Prognose zu den Gewerbeflächenveräußerungen bis zum Jahr 2040.............................................................................................................................. 37 Tabelle 6: Ø-Flächengröße veräußerter Gewerbegrundstücke, je Verkaufsvorgang, 2010-2019 ............................................................................. 37 Tabelle 7: Im Trendmodell verwendete Flächenkennziffern (FKZ) ................ 41 Tabelle 8: Beschäftigtenprognose Wissenschaftsstadt Darmstadt (2021 – 2040) ............................................................................................................................ 42 Tabelle 9: Rechnerischer Flächenbedarf entsprechend der Trendprognose (2021-2040) ............................................................................................................... 42 Tabelle 10: Gegenüberstellung von Trendprognose und realen Flächenumsätzen (Bedarf pro Jahr) ................................................................. 42 Tabelle 11: Flächenbedarfsprognose bis 2040 gemäß Trendprognose ..... 43 Tabelle 12: Flächenbedarfe entsprechend unterschiedlicher Entwicklungsszenarien (gerundete Werte) ................................................... 45 Tabelle 13: Flächenpotenziale der einzelnen Gewerbegebiete Darmstadts ........................................................................................................................................ 49 Tabelle 14: Übersicht der FNP-Flächenpotenziale .............................................. 51 Tabelle 15: Gegenüberstellung von Gewerbeflächenbedarf (bis 2040) und Potenzialflächen ...................................................................................................... 53 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 6 1 Zielsetzungen und Rahmenbedingungen 1.1 Ausgangssituation Die Wissenschaftsstadt Darmstadt, leistungsfähiges Oberzentrum in Süd- hessen, zählt mit rund 160.000 Einwohnern und über 130.000 Erwerbstäti- gen seit Jahren zu den dynamischsten Wirtschaftsstandorten nicht nur in Südhessen, sondern auch mit Bezug auf die fun ktionalen Verflechtungen zur Metropolregion Rhein -Neckar. Neben den vorhandenen Ressourcen und Stärken, die sich z.B. durch den Unternehmensbesatz und die wissen- schaftlichen Einrichtungen ausdrücken, ergeben sich positive Lokalisati- onseffekte durch die räu mliche Nähe zum Finanzzentrum Frankfurt/Main (inklusive Frankfurt Airport) sowie zu den südlich gelegenen Oberzentren Heidelberg/Mannheim/Ludwigshafen. Vor dem Hintergrund der positiven räumlich-funktionalen Rahmenbedin- gungen, die auch die vorhandenen Verkehrspotenziale berücksichtigen, ist es nachvollziehbar, dass die Wissenschaftsstadt Darmstadt in den letzten Jahren einem enormen Wachstumsprozess durchlaufen hat. Aufgrund der Siedlungsstruktur und den sich daraus ergebenden Restrik- tionen haben sich im Ergebnis der dynamischen Entwicklung u.a. Flächen- konkurrenzen zwischen den wichtigen Funktionen „Wohnen“ und „Arbei- ten“ ergeben. 1 Wissenschaftsstadt Darmstadt, Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände, DGB- Region Südhessen, Industriepolitisches Leitbild der Wissenschaftsstadt Darmstadt (2015). Der Masterplan DA 2030+ formuliert hierzu zusammenfassend: „Fest steht, dass Darmstadt eine attraktive Ausgangssituation hat und die Zukunftsthemen aktiv anpackt. Unsere Stadt ist hervorragend für die ökonomischen und gesellschaftlichen Trends der Zukunft aufgestellt (...).“ Neben dem Masterplan DA 2030+ wurden auch im aktuellen Regionalen Entwicklungskonzept (REK) Südhessen vielfältige Aspekte mit Blick auf die positiven sozio -ökonomischen Entwicklungsperspektiven des Oberzent- rums Darmstadt herausgearbeitet. Die räumliche Kombination von Wissenschaft und Wirtschaft in Verbin- dung mit den vorhandenen Netzwerkstrukturen werden al lgemein als wichtige Entwicklungsmotoren für eine nachhaltige, zukunftsorientierte Stadtentwicklung eingeordnet. Das industriepolitische Leitbild 1 formuliert hierzu: „(Wir) gehen übereinstimmend davon aus, dass die Industrie mit Forschung und Entwicklung, Produktion sowie das produzierende Handwerk auch in Zukunft eine Schlüsselstellung (…) für Darmstadt im Besonderen haben.“ Für die Stabilisierung und Weiterentwicklung der Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Ökonomie – mit dem wichtigen regionalen Kontext – sind ent- sprechende Weichenstellungen bzw. Rahmenbedingungen verbunden. Hierzu zählt nicht zuletzt die Verfügbarkeit eines vielfältigen Mix an leis- tungsfähigen, attraktiven Gewerbestandorten.2 Sowohl für die Sicherung 2 Der Begriff der Gewerbe- oder Wirtschaftsstandorte(-räume) geht über die bauplanungs- rechtlich definierten Gewerbegebiete hinaus. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 7 und Weiterentwicklung der bestehenden Unternehmen als auch die selek- tive Neuansiedlung sowie die Stärkung der Gründerszene – inklusive der Kreativ- und Kulturökonomie. 1.2 Aufgabenstellung Vor dem skizzierten Hintergrund verfolgt das Oberzentrum Darmstadt das Ziel, in Form einer Ge werbeflächenstudie sowohl die zukünftigen Gewer- beflächenbedarfe zu quantifizieren als auch die spezifischen Entwicklungs- chancen für die Wissenschaftsstadt Darmstadt aufzubereiten. Dieser Ziel- setzung liegt die bereits im Masterplan DA 2030+ formulierte Erkenntnis zugrunde, dass ein in Qualität und Quantität ausreichendes Gewerbeflä- chenangebot (in Verbindung mit dem umfassenderen Ansatz der Wirt- schaftsräume) eine wesentliche Grundvoraussetzung darstellt, um die vor- handenen ökonomischen Grundvoraussetzungen aufzugreifen und gezielt bzw. zielgruppengerecht weiterzuentwickeln. Der städtebaulichen Innen- entwicklung kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu und wird im Rahmen der vorliegenden Analyse auch unter dem Aspekt der Wirtschafts- raumentwicklung thematisiert. Die Grundlagen für die Gewerbeflächenentwicklung bzw. Gewerbeflächen- bedarfe in Darmstadt sind vielfältig und umfassen sowohl die Auswirkun- gen und Perspektiven des laufenden Strukturwandels, die Anforderungen der bestehenden Unternehmen, auch des industriellen Sektors, im Hinblick auf mögliche Standortoptimierungsprozesse, die selektive Ansiedlung von Unternehmen zur Weiterentwicklung von Clustern und Netzwerkstrukturen sowie die wichtige Thematik einer Weiterentwicklung von Gründer - und Innovationsökosystemen. Für diese unterschiedlichen Segmente gilt es, die entsprechenden Standortvoraussetzungen und Standortoptionen zu schaffen. 3 Der Regionalplan befindet sich derzeit in der Neuausstellung. Für die Ermittlung von stadtspezifischen Gewerbeflächenbedarfen, nach unterschiedlichen Zielgruppen, werden die vorhandenen Gewerbeflächen- optionen bzw. Freiflächen den prognostizierten Bedarf in Form einer st ra- tegischen Bilanz gegenübergestellt. Im Ergebnis der Bilanzierung werden Aussagen für die eingeleiteten vor- bereitenden Untersuchungen im Norden der Stadt Darmstadt getroffen. 1.3 Konzeptionelle Grundlagen Als wichtige konzeptionell-planerische Grundlagen für die Gewerbeflä- chenentwicklung im Oberzentrum Darmstadt sind insbesondere die beiden nachfolgenden Dokumente heranzuziehen: ▪ Regionales Entwicklungskonzept Südhessen (REK) (2019)3, ▪ Masterplan DA 2030+ Während im erstgenannten Dokument eine transparente Übersicht zu den Strukturen und Entwicklungen in der Region dargestellt wird, lassen sich aus dem zweiten Dokument wichtige stadtentwi cklungspolitische Zielset- zungen für die Wissenschaftsstadt Darmstadt ableiten. 4 Das REK Südhessen macht deutlich, dass bezüglich der Bevölkerungsent- wicklung in der Großregion insbesondere die Oberzentren Frankfurt am Main, Offenbach am Main, Hanau und Dar mstadt sowie deren direkt an- grenzendes Umland ein Wachstum zu verzeichnen hatten. Der Trend der 4 Die beiden Dokumente sind in Gesprächen mit der IHK und dem Regierungspräsidium im Hinblick auf die untersuchungsleitenden Fragstellungen nochmals reflektiert worden. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 8 Urbanisierung ist damit in der Region Südhessen weiterhin nahezu unge- brochen.5 Im Prognosezeitraum 2015 -2030 wird im REK für Südhessen ein Bevölke- rungsplus von 225.000 ausgewiesen. Der aus der Prognose abzuleitende Wohnungsbedarf fokussiert sich wiederum insbesondere auf die Städte Frankfurt am Main, Offenbach am Main sowie Darmstadt und deren nähe- res Umfeld. Ein Grund für diese Tendenzen liegt in der Bedeutung der vorgenannten Städte als Wirtschaftsstandorte. Hierzu wird im REK folgendes formuliert: „Den Oberzentren kommt durch die Konzentration von Arbeitsplätzen (...) eine wichtige Rolle zu.“ Die hieraus abzuleitenden Implikationen für die Gewerbe- und Arbeitsplat- zentwicklung liegen auf der Hand. Denn auch im REK wird richtigerweise formuliert, dass im Sinne einer nachhaltigen Raumentwicklung ein ausge- glichenes Verhältnis zwischen Wohnen und Arbeiten erreicht werden soll (auch um Pendlerbewegungen im Sin ne des Klimaschutzes Schritt für Schritt zu reduzieren). In puncto Beschäftigtenentwicklung weist das REK für die vergangenen Jahre ein durchschnittliches Wachstum von rund plus 1,7 % über die ge- samte Region aus. Hierzu heißt es zusammengefasst: „Insgesamt erweist sich Südhessen als dynamischer Wirtschaftsstandort.“ Die positive Beschäftigtenentwicklung vollzog sich in der Region Südhes- sen über alle Sektoren. Sowohl im produzierenden Gewerbe als auch im 5 Inwieweit dieser Megatrend durch die Corona-Pandemie beeinflusst wird, kann noch nicht abschließend beurteilt werden. Unsere aktuellen Analysen in der Region zeigen, dass wir Dienstleistungsbereich hat die Region ein Plus an Beschäftigung zu ver- zeichnen. Im Detail ist zu konstatieren, dass auch das Baugewerbe, der Ein- zelhandel sowie der Bereich Verkehr und Logistik positive Entwicklungs- zahlen aufweisen. Vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklung in Südhessen, die ein Ergebnis der äußerst positiven Standort - und Agglomerationsvorteile i st, wird im REK ein Gewerbeflächenbedarf im Zeitraum 2018 -2030 in einer Größenordnung von rund 3.700 -4.000 ha ausgewiesen. Grundlage für diese Einschätzung bilden Beschäftigtenprognosen, die im dynamischen Entwicklungsszenario von einem Zuwachs von rund 37 0.000, davon rund 120.000 in flächenrelevanten Bereichen, ausgehen. Im Gegensatz zur Prognose im REK Südhessen geht das LEP Hessen von einem deutlich geringeren Wachstum aus. Das LEP prognostiziert auf Basis einer Prognose der Hessenagentur einen jährlichen Beschäftigtenzuwachs von rund 0,1 % für Südhessen. Die Diskrepanz zwischen der Prognose aus dem REK Südhessen und dem LEP ist damit beträchtlich und im Hinblick auf die spezifische Situation der Wissenschaftsstadt Darmstadt zu reflek- tieren. In Bezug auf eine branchenspezifische Segmentierung sind dem REK Süd- hessen folgende Aussagen zu entnehmen: ▪ Im verarbeitenden /produzierenden Gewerbe wird im Prognose- zeitraum von einem zusätzlichen Flächenbedarf in einer Größen- ordnung von 650 ha ausgegangen. ▪ Im Baugewerbe entsteht laut REK ein zusätzlicher Flächenbedarf in einer Größenordnung von rund 400 ha. ▪ Im flächenintensiven Segment Verkehr und Logistik errechnet sich ein zusätzlicher Flächenbedarf in einer Größenordnung von rund 1.350 ha. z.B. erhebliche Wanderungsbewegungen, gerade der jüngeren Bevölkerungsgruppen, von Darmstadt nach Mühltal beobachten können. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 9 ▪ Im Bereich Handel (mit Kfz-Autohäusern) wird ein Flächenbedarf in einer Größenordnung von rund 430 ha angenommen. ▪ In den unterschiedlichen Unternehmens - und haushaltsnahen Dienstleistungsbereichen ergibt sich laut REK ein zusätzlicher Flä- chenbedarf in einer Größenordnung von rund 390 ha. ▪ Weitere rund 105 ha an Flächenbedarf ergeben sich auch für das gerade für Darmstadt relevante Segment der Kommunikations - und Informationsbranche. Neben dieser sektoralen Aussage des Gewerbeflächenbedarfs finden sich im REK weiterführende Aussagen zu den räumlichen Nachfragemustern. Hierzu wird die These formuliert, dass insbesondere die leistungsfähigen Oberzentren aufgrund ihrer Lokalisationsvorteile eine entsprechende Nachfrage nach Gewerbeflächen auslösen. „Es werden zunehmend urbane (oder urban geprägte, Anm.d.V.) Gewerbestandorte nachgefragt, die hochverdichtet sind und in guter räumlicher Nähe zu einem Halt des öffentlichen (Nah-)Verkehrs liegen“. Diese urbanen Standorte, so die Aussagen im REK Südhessen , befinden sich vorwiegend in urbanen Mischgebieten . In der Zusammenführung der sektoralen Nachfrage mit den räumlichen Strukturen ergibt sich laut REK Südhessen eine starke Nachfrage in den Kommunen nach Logistikflächen.6 Im Hinblick auf die Fortschreibung des Regionalplans bzw. der regionalen Flächennutzungsplanung werden im REK Südhessen einige Empfehlun gen 6 Der Bereich Logistik geht heutzutage weit über die Lagerhaltung und den Transport hin- aus und umfasst auch vor- und nachgelagerte Dienstleistungen für regionale Unterneh- men. Hubs mit regionaler und nationaler Bedeutung lassen sich zu vielseitigen Dienstleis- tungsknoten für die ansässige Wirtschaft (v.a. KMU) entwickeln. ausgesprochen, die auch Relevanz für die strategische Gewerbeflächenent- wicklung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt haben: ▪ Grundsätzlich wird empfohlen, bei der Flächenentwicklung in den Kommunen Potenzialanalysen zu erarbeiten, um zu einem mög- lichst realitätsnahen Zukunftsbild zu kommen und die Perspekti- ven und Potenziale der Innenentwicklung adäquat zu berücksich- tigen. ▪ Für den gewerblichen Bereich wird angestrebt, dichter zu bauen, um damit die formulierten politischen Ziele zur Reduzierung der Flächenneuinanspruchnahme zu erreichen. ▪ Der gewerblichen Innenentwicklung, die z.B. das Instrument der Flächenmobilisierung beinhaltet, kommt im REK Südhessen als Zielsetzung eine besondere Rolle zu. ▪ Der gesamte Komplex Logistik wird aufgrund der Flächenbedarf e als besondere regionalplanerische Herausforderung eingeordnet. 7 7 Unter Beachtung der durchgeführten Dokumentenanalyse und Gespräche ergibt sich in diesem Segment für die Wissenschaftsstadt Darmstadt kein wesentlicher Handlungsbe- darf. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 10 1.4 Zielsetzungen Die Formulierung von Zielsetzungen und Leitlinien der ökonomischen Ent- wicklung bzw. der Wirtschaftsförderung stellen die grundsätzlichen Leit- planken der Gewerbeflächenbedarfsprognose dar. Denn nur wenn klar ist, in welche Richtung sich das Oberzentrum entwickel n soll, lassen sich ent- sprechende Aussagen im Hinblick auf Branchen- und Technologiefokussie- rungen und die damit verbundenen Standortansprüche ableiten. Mit dem Masterplan DA 2030+ liegt ein mit der Stadtgesellschaft breit ab- gestimmtes Konzept vor, das sich intensiv mit den Fragestellungen der Siedlungsentwicklung, der Innenentwicklung , der Digitalisierung und den grundsätzlichen Perspektiven der Ökonomie auseinandersetzt. Vor diesem Hintergrund lassen sich wesentliche projektrelevante Ziel- und Strategie- aussagen aus dem Masterplan wie folgt herausarbeiten: ▪ Für die Zukunft wird davon ausgegangen, dass Wissenschaft, Bil- dung und Wirtschaft mit den zukunf tsfähigen Technologien im Stadtraum eine wichtige und sichtbare Bedeutung haben. Enge Verknüpfungen bzw. Synergien zwischen Wissenschaft und Wirt- schaft sowie ein breit aufgestelltes und gut ausgebildetes Poten- zial an Absolventinnen und Absolventen der Hoch schulen bildet eine wichtige Grundlage – nicht zuletzt, um eine aktive Grün- derszene zu realisieren.8 ▪ Für die aktuelle und auch zukünftig angestrebte starke Position des Wissenschafts- und Wirtschaftsstandortes Darmstadt gilt es, die entsprechenden Rahmenb edingungen aufrechtzuerhalten und auszubauen. Die Vielfalt ergibt sich aus einem Mix an traditionell in der Stadt verwurzelten Unternehmen sowie klein - und mittel- 8 Vgl. Masterplan DA 2030+ 9 Der Einzelhandel wird in der vorliegenden Studie weitgehend ausgeblendet, da über den Bestand hinaus sowohl aus den bisherigen Einzelhandelskonzepten als auch aus dem in ständischen Unternehmen. Zur Stärkung und nachhaltigen Ent- wicklung der Potenziale wird im Mast erplan DA 2030+ auch zu- künftig von Ansiedlungsvorhaben und Neugründungsaktivitäten ausgegangen. ▪ Eine der wichtigen oben genannten Rahmenbedingungen bilden vorhandene und verfügbare Flächenpotenziale bzw. Wirtschafts- räume, sowohl für die Bestandsentwicklung, die selektiven Ansied- lungen als auch die Förderung von Jungunternehmen. Neben den starken industriellen Wurzeln gilt es hierbei, auch den Einzelhandel und das Handwerk als wichtige Arbeitgeber zu berücksichtigen. In der Konsequenz bedeutet dies, dass sow ohl attraktive, zielgrup- penorientierte Wirtschaftsräume vorgehalten werden als auch, dass für bestehende Standorte Planungssicherheit gewährleistet wird.9 ▪ Unter räumlichen Gesichtspunkten legt der Masterplan DA 2030+ einen Schwerpunkt auf die Randzonen der Kernstadt, in denen ins- besondere innovative, wertschöpfungsorientierte Quartiere bzw. urbane Räume entwickelt werden sollen. ▪ Mit der verstärkten Fokussie rung auf innenstadtnahe urbane Im- pulsstandorte sollen auch attraktive städtebauliche Akzente im Oberzentrum Darmstadt gesetzt werden. ▪ In der operativen Umsetzung wird empfohlen, dass Flächen für Wissenschaft und Arbeiten strategisch gesichert und baurechtl ich qualifiziert werden sollen. Neue Produktionsformen, die eine ge- wisse „Rückkehr in die urbanen Lebens - und Stadträume“ ermög- lichen, sind hierbei speziell in den Fokus zu nehmen. Beschlussfassung befindlichen Einzelhandels- und Zentrenkonzepten 2020 kein Flächen- bedarf für großflächigen Einzelhandel abgeleitet werden kann. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 11 ▪ In der zusammenfassenden Gesamtbetrachtung legt der Master- plan DA 2030+ nahe, dass aus gewerbepolitischer Sicht eine mo- derate, nachhaltig ausgerichtete Wirtschaft sraumentwicklung in den Fokus zu rücken ist, welche sowohl die integrierten Reserve- potenziale als auch notwendige Flächen für die Weiterentwicklung bestehender Unternehmen sowie die selektive Neuansiedlung be- inhaltet. Zusammenfassung Kapitel 1: Zielsetzungen und Rahmenbedingungen: • Das regionale Entwicklungskonzept (REK) attestiert Südhessen eine gute ökonomische Ausgangssituation mit positiven Perspektiv en. Im Ergebnis wird bis zum Jahr 2030 ein Gewerbeflächenbedarf in einer Größenordnung von ca. 3.700 – 4.000 ha erwartet. • Zur Stärkung und nachhaltigen Entwicklung der ökonomischen Potenziale wird im Masterplan DA 2030+ auch zukünftig von Ansiedlungs- vorhaben und Neugründungsaktivitäten ausgegangen. Eine der wichtigen Rahmenbedingungen bilden vorhandene Flächenpotenziale bzw. Wirtschaftsräume, sowohl für die Bestandsentwicklung, die selektiven Ansiedlungen als auch die Förderung von Jungunternehmen. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 12 2 Untersuchungsraum 2.1 Planerisch-funktionale Einordnung Die kreisfreie Stadt Darmstadt im Süden Hessens ist Bestandteil der wirt- schaftlich starken Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main mit rund 5,5 Mio. Einwohnern. Als Oberzentrum ist die Wissenschaftsstadt Darmstadt Stand- ort hochwertiger, spezialisierter Einrichtungen und bietet Agglomerations- vorteile für die gesamte Region sowie Verknüpfungspunkte großräumiger und regionaler Verkehrssysteme. Mit einer direkten Autobahnanbindung (A5 und A67) an das Finanzzent- rum Frankfurt a.M., nach Mannheim/Heidelberg und die beiden Wirt- schaftsregionen FrankfurtRheinMain und Rhein-Neckar ist Darmstadt ver- kehrlich bestens angebunden. Zudem bieten sowohl die Anbindung an das IC-/ICE-Netz der Deutschen Bahn und die Nähe zum internationalen Air- port Frankfurt verkehrliche Pluspunkte. Quelle: Landesentwicklungsplan Hessen 2020 Abbildung 1: Strukturräume in Hessen Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 13 Entsprechend dem Landesentwicklungsplan Hessen von 2020 10 gilt Darm- stadt als Oberzentrum. Damit verfügt Darmstadt über einen regionalen Versorgungsauftrag nicht nur für das Stadtgebiet selbst, sondern auch für das Umland. Zum landesplanerischen Mittelbereich von Darmstadt zählen die Gemeinden Modautal, Mühltal, Ober-Ramstadt, Roßdorf und Messel. Mit den Oberzentren Frankfurt (ca. 25 km nördlich), Hanau (ca. 34 km nord- östlich), Offenbach (ca. 26 km nordnordöstlich) und Wiesbaden (ca. 37 km nordwestlich) sind neben Darmstadt insgesamt fünf Oberzentren im Re- gierungsbezirk Darmstadt verortet. Umgeben ist die Stadt besonders im Norden und Südwesten von zahlreichen Mittelzentren. Der Südosten da- gegen weist ein geringeres Netz an Mittelzentren auf, wobei eine Vielzahl an Unterzentren die Siedlungsstrukturen charakterisieren. Entlang der überregionalen Entwicklungsachsen (vgl. Abb. 2) ist gemäß Re- gionalplan Südhessen der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur zu konzentrie- ren, wobei diese als Verbindung zwischen den zentralen Orten dienen sol- len. Nach dem Landesentwicklungsplan Hessen 2020 sollen „von jedem zentra- len Ortsteil einer Gemeinde […] die oberzentralen Einrichtungen des nächst- gelegenen Oberzentrums in der Regel in ca. 60 Minuten sowohl mit dem In- dividualverkehr und auch dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sein“ (LEP Hessen, 2020, 5.2.1). „Oberzentren sollen die Versorgung eines Bereichs von mindestens 500.000 Einwohnern, im Ländlichen Raum nicht unter 250.000 Einwohnern mit qua- lifizierten und spezialisierten Einrichtungen und Arbeitsplätzen gewährleis- ten“ (LEP Hessen, 2020, 5.2.1) “Oberzentren haben für die dortige Bevölkerung zugleich die mittel - und grundzentralen Versorgungsaufgaben zu leisten, Mittelzentren zugleich die der grundzentralen Versorgung“ (LEP Hessen, 2020, 5.1).“ 10 Die Hessische Landesregierung hatte am 16. Dezember 2019 beschlossen, die Offenle- gung und Beteiligung zum Entwurf des Landesentwicklungsplans (LEP) 2020 – Raumstruk- tur, Zentrale Orte und Großflächiger Handel – (4. Änderung des Landesentwicklungsplans Hessen 2000) durchzuführen. Quelle: Regionalplan Südhessen/ Regionaler FNP 2010 Abbildung 2: Zentrale Orte und Regionalachsen in Südhessen Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 14 2.2 Sozioökonomische Strukturen Als Oberzentrum mit einer Vielzahl an Einrichtungen des gehobenen Be- darfs, einer dynamischen wirtschaftlichen Struktur und einer sehr gute n verkehrlichen Anbindung, sowohl auf der Straße und Schiene als auch der Nähe zum internationalen Flughafen Frankfurt, bietet Darmstadt eine hohe Wohnstandortsqualität und -attraktivität. Auf einer Gesamtfläche von etwa 122 qm leben in Darmstadt circa 160.000 Menschen. Die stärksten Einpendlerlandkreise Darmstadt -Dieburg, Oden- waldkreis, Bergstraße, Groß -Gerau u nd Offenbach weisen zusammenge- fasst weitere ca. 1.295.000 Einwohner auf. Das Bruttoinlandsprodukt der Wissenschaftsstadt Darmstadt (BIP) wies im Jahr 2018 einen Wert von 12.364 Mio. Euro auf, was einen Anteil am BIP des Landes Hessen von 4,3 % und BIP je Erwerbstätiger Person von 90.072 € ausmacht. Im Vergleich zu den umliegenden hessischen Oberzentren be- legt Darmstadt in letzterer Kategorie den dritten Platz hinter Frankfurt a.M. (97.735 €) und Wiesbaden (93.619 €) und vor Offenbach a.M. (69.434 €). Im Städteranking von 2019 nimmt Darmstadt seit Jahren regelmäßig den Spitzenplatz als zukunftsträchtiger Standort ein. Im umliegenden wirt- schaftskräftigen Rhein -Main Gebiet schafft es lediglich Frankfurt a.M. an Position 27 ins Ranking11. Als Basis für die weitere positive Entwicklung gelten dabei in Darmstadt die fünf Kernbranchen: ▪ Chemie/Pharma/Biotech ▪ Kosmetik ▪ Informations- und Kommunikationstechnologie ▪ Maschinenbau/Elektrotechnik/Mechatronik und ▪ Weltraum- und Satellitentechnologie 11 Vgl. Städteranking 2019, Hrsg: IW Consult, Projektpartner: Wirtschaftswoche und Immo- bilienscout24 Darüber hinaus ist in der Darmstädter Wirtschaft eine zunehmende Orien- tierung hin zu ökolo gischen / nachhaltigen Produkten und Dienstleistun- gen zu erkennen (bspw. Alnatura, Entega (Ökostrom)). Als größter Arbeitgeber fungiert in der Stadt Darmstadt das Pharmaunter- nehmen Merck mit etwa 11.000 Mitarbeitern. Ebenfalls von hoher Bedeu- tung ist die technische Universität Darmstadt, welche mit knapp 5.000 For- schern, Professoren und sonstigen Mitarbeitern einen Beitrag zum Wissen- schaftsstandort Darmstadt leistet. Dem Prognos Zukunft satlas zur Folge wird der Stadt Darmstadt eine im bundesdeutschen Vergleich höchste Stärke zugeschrieben (vgl. Abb. 3). Abbildung 3: Stärkekarte Deutschland Quelle: cima 2020, Prognos Zukunftsatlas 2019 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 15 Ausschlaggebend für diese positive Bewertung im Zukunftsatlas sind ins- besondere folgende Faktoren: ▪ Hoher Anteil junger Erwachsener ▪ Hohe Arbeitsplatzdichte ▪ Niedrige Arbeitslosenquote ▪ Hoher Anteil Hochqualifizierter ▪ Niedrige Schulabbrecherquote ▪ Hohe Anzahl an FuE-Personal in der Wirtschaft ▪ Hohe Patentintensität ▪ Hohe Kaufkraft ▪ Niedrige Kriminalitätsrate ▪ (sehr) Gute Erreichbarkeit über Bundesautobahnen. Die Stadt Darmstadt gilt als Einpendlerziel mit überregionaler Reichweite. Dabei wohnen etwa ein Drittel der in Darmstadt sozialversicherungspflich- tig Beschäftigten in der Stadt selbst. Weitere 50.000 Beschäftigte pendeln aus dem engeren Nahbereich, den Landkreisen Dar mstadt-Dieburg, Berg- straße, Groß-Gerau, Offenbach und Odenwaldkreis, ein. Darunter fällt be- sonders der Landkreis Darmstadt -Dieburg mit fast 32.000 Beschäftigten auf. Aus dem erweiterten Nahbereich pendeln zudem circa 14.000 nach Darm- stadt ein, was einen A nteil von 13,5 % der in Darmstadt arbeitenden Per- sonen entspricht. 5.500 davon kommen aus angrenzenden Bundesländern, verstärkt aus Nordbaden und Rheinhessen. Dabei wirkt sich die in diesem Zusammenhang auch die gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur entlang der hessischen und badischen Bergstraße fördernd auf den Pendlerverkehr aus. Zu den Einpendlern aus dem Nahbereich kommen zudem noch etwa 8.000 Beschäftigten hinzu, welche aus dem übrigen Bundesgebiet nach Darm- stadt pendeln, wobei es sich in der Regel um Fernpendler handelt, welche nur am Wochenende nach Hause fahren oder verstärkt von Zuhause arbei- ten. Quelle: Statistische Berichte 2. Halbjahr 2019, Wissenschaftsstadt Darmstadt Abbildung 4: Einpendler nach Darmstadt Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 16 Die Entwicklung der Gewerbeanmeldungen ist seit 2008 rückläufig, wobei auch die Abmeldungen seitdem zurückgehen (vgl. Abbildung 5). Während es bis 2015 jedoch noch mehr Anmeldungen als Abmeldungen gab, ist das seitdem umgekehrt. Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt Insgesamt gibt es in der Stadt Darmstadt zum Januar 2020 circa 9.700 der IHK-zugehörige Unternehmen mit insgesamt etwa 20.000 Beschäftigten. Die Arbeitslosenquote lag 2019 bei 5,0 %, was ebenso den Bundesdurch- schnitt darstellt. Die regionale Arbeitslosenquote unter Einbezug der um- liegenden Landkreise Darmstadt -Dieburg, Bergstraße, G roß-Gerau und Odenwaldkreis liegt bei 4,3 %12. 12 Quelle: IHK Darmstadt; Bundesagentur für Arbeit „Die Mischung aus guter Infrastruktur, exzellenten Universitä- ten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie wissen- schaftlichen und technologiebasierten Unternehmen ist einzig- artig. Alle Städte in der Rhein -Main-Region haben ihre Stär- ken. Aber als Zentrum für Wissenschaft und Forschung nimmt Darmstadt eine herausgehobene Stellung ein“13 13 J. Partsch in: Standort Darmstadt, Wissenschaftsstadt Darmstadt -250 -200 -150 -100 -50 0 50 100 150 200 0 400 800 1.200 1.600 2.000 2011 2013 2015 2017 2019 Gewerbeanmeldungen Gewerbeabmeldungen Saldo Abbildung 5: Entwicklung der Gewerbeanmeldungen und -abmeldungen in Darmstadt 2009-2019 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 17 2.3 Bevölkerungs- und Beschäftigtenent- wicklung Darmstadt weist v.a. aufgrund der positiven Wanderungsbewegungen seit Jahren ein kontinuierliches Bevölkerungswachstum auf, welches 2020 einen Wert von etwas über 160.000 Einwohnern erreichte (vgl. Abbildung 7). Quelle: Statistisches Bundesamt Nach Daten der Bertelsmannstiftung ist davon auszugehen, dass die Be- völkerungszahl auch bis 2030 weiter zunimmt (vgl. Abbildung 6). Eine ent- sprechend positive Bevölkerungsentwicklung ist auch im Masterplan DA 2030+ formuliert worden. Der entsprechende statistische Bericht des Lan- des (2019) geht im Prognosezeitraum 2019-2040 von einem Bevölkerungs- plus von rund 15 % aus.14 Im regionalen Vergleich weist Darmstadt, genauso wie das nahegelegene Frankfurt a.M. und die gesamte Metropolregion Rhein -Neckar eine stei- gende Bevölkerungsentwicklung auf, während sich die Entwicklung in den ländlichen Regionen südöstlich der Wissenschaftsstadt nicht so positiv dar- stellt. 14 Vgl. hierzu auch die Aussagen in der aktuellen Raumordnungsprognose 2040 des BBSR Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Datenquelle: Demographiebericht Darmstadt, Bertelsmannstiftung, 2015 Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2020 130.000 140.000 150.000 160.000 170.000 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Abbildung 6: Bevölkerungsentwicklung Darmstadt, 2012-2030 in Prozent Abbildung 7: Bevölkerungsentwicklung Darmstadt 2009-2020 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 18 Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, Statistisches Bundesamt , Statistische Berichte Darmstadt Auch die Betrachtung über den dargestellten Betrachtungszeitraum hinaus zeigt, dass die Beschäftigtenentwicklung seit vielen Jahren kontinuierlich steigt. So wies die Wissenschaftsstadt Darmstadt im Jahr 2005 noch ca. 84.000 sozialversicherun gspflichtig Beschäftigte auf, 2010 waren es über 87.000 (+ 3.000 Beschäftigte bzw. + 3,5 %). Bei rund 160.000 Einwohnern weist Darmstadt im Juni 2020 ca. 107.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB) auf. Darunter ist mit 75,2 % der Großteil der Beschäftigten dem tertiären Sektor, d.h. den unterschied- lichen Dienstleistungsbereichen, zugeordnet. Aus der Anzahl der Beschäftigten in Darmstadt und der Einwohnerzahl ergibt sich im Verhältnis eine Kennziffer v on 655-660 Beschäftigten ( SvB) pro 1.000 Einwohner. Mit dieser hohen Arbeitsplatzzentralität, die insbe- sondere im Zeitraum 2015 -2019 deutlich angestiegen ist, wird die ober- zentrale Funktion Darmstadts deutlich. er Rückgang der Beschäftigten- quote im Jahr 2015 ist durch einen deutlichen Bevölkerungszuwachs bei nur leicht erhöhten Beschäftigtenzahlen zu erklären. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Eine ähnlich positive Entwicklung ist auch in den umliegenden Landkrei- sen zu beobachten (vgl. Abbildung 9). Dabei sind in einigen Fällen eine Stagnation bzw. ein Rückgang der Beschäftigung für das Jahr 2020 fest- zustellen, was ggf. mit den ersten Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Arbeitsmarkt zu erklären ist. 56 58 60 62 64 66 68 0 50.000 100.000 150.000 200.000 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Gesamtbevölkerung Beschäftigte (SvB) Bechäftigtenquote 0 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 140.000 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 Bergstraße DA-Dieburg Groß-Gerau Odenwaldkreis Ldk. Offenbach Darmstadt Abbildung 8: Entwicklung der Gesamtbevölkerung, Beschäftigten und Be- schäftigtenquote in Darmstadt Abbildung 9: Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Darmstadt und den umliegenden Landkreisen Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 19 Ebenfalls eine positive Entwicklung ist in der Zahl der Gesamt-Erwerbstäti- gen festzustellen. Diese ist seit 2010 bis 2018 um knapp 14.000 gestiegen. In folgender Tabelle ist die Entwicklung der Erwerbstätigen in Darmstadt- nach Wirtschaftsbereichen gegliedert. Wirtschaftsbereiche 2000 2005 2010 2015 2016 2017 2018 Proz. Verände- rung 2000-2018 Land- und Forstwirt- schaft, Fischerei 200 200 200 300 300 300 300 +50 % Produzierendes Gewerbe 22.500 19.500 19.100 20.900 21.000 21.700 23.000 +2 % Baugewerbe 5.100 4.900 3.900 3.600 3.500 3.600 3.000 -41 % Handel, Verkehr, Gast- gewerbe, Information und Kommunikation 35.400 34.600 32.700 32.600 33.300 33.500 35.500 +0,3 % Finanz-, Versiche- rungs- u. Unterneh- mensdienstleistung, Grundstücks- und Wohnungswesen 18.100 19.200 22.900 25.800 25.100 26.100 26.400 +46 % Öffentliche und sons- tige Dienstleistungen, Erziehung, Gesundheit 41.600 41.900 44.400 47.000 47.900 48.700 49.100 +18 % Summe 123.000 120.300 123.200 130.200 131.100 133.900 137.300 +12 % Quelle: Statistische Ämter des Bundes und der Länder, Datenreport Darmstadt Tabelle 1: Entwicklung der Erwerbstätigen in Darmstadt nach Wirtschaftsbereichen, 2000-2018 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 20 2.4 Beschäftigtenstruktur Allein durch den größten Arbeitgeber der Stadt Darmstadt, der Merck KGaA, sind etwa 11.000 Beschäftigte der Pharmazeutischen Industrie zuzu- ordnen, womit dieser Wirtschaftszweig eine führende Position in der Wirt- schaftsstruktur der Stadt einnimmt. Nachfolgende Abbildung 10 und Tabelle 2 ordnet die sozialversicherungs- pflichtig Beschäftigten am Arbeitsort Darmstadt 2020 ihren jeweiligen Wirtschaftsgruppen zu und zeigt die aktuelle Verteilung sowie die absolute und prozentuale Veränderung zum Jahr 2012 auf. Quelle: Bundesagentur für Arbeit 2020, DL = Dienstleistung 0,0 2,0 4,0 6,0 8,0 10,0 12,0 14,0 Land-, Forstwirtschaft und Fischerei Energie-, Wasser-, Entsorgungswirtsch. Finanz- und Versicherungs-DL Arbeitnehmerüberlassung Verkehr und Lagerei Hrstl. von Vorleistungsgütern Baugewerbe Gastgewerbe sonstige wirtschaftliche DL sonst. DL, Private Haushalte Metall-, Elektro- & Stahlindustrie Öffentl. Verw., Verteidigung, Sozialvers. Heime und Sozialwesen Gesundheitswesen Erziehung und Unterricht Kfz-Handel, -Instandhaltung, -Reparatur Information und Kommunikation Immobilien, wissensch. und techn. DL Hrstl. von häuslich konsum. Gütern Abbildung 10: Prozentuale Verteilung der Beschäftigten in Darmstadt nach Wirtschaftsgruppierungen 2020 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 21 Wirtschaftszweig Anzahl der SvB (31.03.2020) % zur Gesamtzahl SvB (106.759) Absolute Veränderung zum Jahr 2012 Prozentuale Veränderung zum Jahr 2012 Land-, Forstwirtschaft und Fischerei 116 0,1 % +41 +54,7 % Bergbau, Energie- und Wasserversorgung, Entsorgungswirtschaft 1.451 1,4 % +272 +23,1 % Herstellung von überwiegend häuslich konsumierten Gütern (ohne Güter der Metall-, Elektro- und Che- mieindustrie) 14.669 13,7 % +3.312 +29,2 % Metall- und Elektroindustrie sowie Stahlindustrie 4.672 4,4 % +396 +9,3 % Herstellung von Vorleistungsgütern, insb. V. chemi- schen Erzeugnissen und Kunststoffwaren 2.747 2,6 % +1.802 +190,7 % Baugewerbe 2.805 2,6 % -263 -8,6 % Handel, Instandhaltung, Reparatur von Kfz 9.830 9,2 % +264 +2,8 % Verkehr und Lagerei 2.660 2,5 % +19 +0,7 % Gastgewerbe 2.824 2,6 % +334 +13,4 % Information und Kommunikation 10.717 10,0 % +2.236 +26,4 % Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleis- tungen 2.276 2,1 % -69 -2,9 % Immobilien, freiberufliche wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 14.358 13,5 % +1.403 +10,8 % sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen (ohne Arbeitnehmerüberlassung) 3.200 3,0 % -239 -6,9 % Arbeitnehmerüberlassung 2.575 2,4 % +311 +13,7 % Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversiche- rung, Ext. Organisationen 5.871 5,5 % +506 +9,4 % Erziehung und Unterricht 8.820 8,3 % +261 +3,0 % Gesundheitswesen 6.292 5,9 % +903 +16,8 % Heime und Sozialwesen 6.270 5,9 % +1.335 +27,1 % Sonstige Dienstleistungen, Private Haushalte 4.606 4,3 % +110 +2,4 % Summe/Gesamt 106.759 100 % +12.934 +13,8 % Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Tabelle 2: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (SvB) nach Wirtschaftszweigen am 31. März 2020 und Veränderungen zu 2012 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 22 2.5 Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit Wie Abbildung 11 zeigt, sinkt seit 2014 sowohl die absolute Zahl an Ar- beitslosen als auch die Arbeitslosenquote kontinuierlich. Zwar können für das von der Corona -Pandemie bestimmte Jahr 2020 noch keine final en Zahlen gezeigt werden, jedoch ist bereits bis zum Oktober 2020 ein sicht- barer Anstieg der Arbeitslosenzahlen zu erkennen, wenngleich ein Teil Arbeitslosigkeit durch das politische Instrument der Kurzarbeit verhindert werden soll. Der deutliche Anstieg der Kurzarbeiterzahlen und der Kurz- arbeiter-Quote in Darmstadt im Verlauf vom Zeitpunkt kurz vor Ausbruch der Pandemie bis August 2020 ist Abbildung 12 zu entnehmen. Quelle: Bundesagentur für Arbeit 2021 Zwar gehen die Kurzarbeiterzahlen seit April 2020 schrittweise wieder zu- rück, jedoch kann für den Zeitraum ab etwa November 2020 ein erneuter Anstieg der kurzarbeitenden Betriebe und Beschäftigten zu Grunde ge- legt werden. Eine Einordung ab Dezember 2020 kann aktuell lediglich mit Zahlen auf Bundesebene begründet werden, welche jedoch noch nicht auf der räumlichen Ebene Darmstadts zur Verfügung stehen. Es ist davon auszugehen, dass die Wissenschaftsstadt Darmstadt ebenfalls von einem weiter steigenden Anstieg der Kurzarbeiter*innen und kurz arbeitenden Betrieben betroffen ist. 0 1 2 3 4 5 6 7 0 1.000 2.000 3.000 4.000 5.000 6.000 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Dez 20 Arbeitslose, absolut Arbeitslosenquote (in %, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen) 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 0 3000 6000 9000 12000 15000 Feb 20 Mrz 20 Apr 20Mai 20Jun 20 Jul 20 Aug 20 Sep 20Okt 20 Nov 20 Anzahl Kurzarbeiter*innen Kurzarbeitende Betriebe Abbildung 11: Arbeitslosenentwicklung in Darmstadt, 2011-2020 Abbildung 12: Entwicklung der Kurzarbeit in Darmstadt 2020 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 23 2.6 Perspektivszenario Beschäftigung Unter Zugrundelegung eines Eintretens der im Masterplan DA 2030+ prognostizierten Einwohnerzahl von 184.000 bis zum Jahr 2035 15 sowie einer konstant gehaltenen Beschäftigtenkennziffer von rund 660 je 1.000 Einwohner (auf Basis der Beschäftigtenquote aus dem Jahr 2020) ergibt sich rechnerisch eine Zielsetzung von ca. 12 0.000 sozialversicherungs- pflichtig Beschäftigten in Darmstadt im Jahr 2035 (vgl. Abbildung 13). Quelle: Masterplan DA 2030+, Statistik der Bundesagentur für Arbeit Berechnungen der cima Beratung + Management GmbH 15 Die regionalisierte Bevölkerungsprognose der Statistischen Landesamtes Hessen für Darmstadt (2018) bis zu Jahr 2040 weist rund 183.3 00 Einwohner aus (Entwicklung 2.7 Wissenschaftsstandort Darmstadt Neben der Technischen Universität und Hochschule Darmstadt bietet die Stadt mit über 30 wissenschaftlichen Einrichtungen und forschenden Un- ternehmen ein hohes Potenzial im Bereich Forschung - und Entwicklung (FuE), w elches zudem ein großes akademisches Nachwuchs potenzial durch Hochschulabsolventen bietet. Die TU Darmstadt bündelt ihre Forschungsdisziplinen in sechs Profilbe- reiche, in welchen verschiedene Fachbereiche in unterschiedlicher Inten- sität beteiligt sind. Diese Profilbereiche gliedern sich in ▪ Cybersicherheit (CYSEC) ▪ Internet und Digitalisierung ▪ Teilchenstrahlung und Materie ▪ Thermo-Fluids und Interfaces ▪ Energiesysteme der Zukunft und ▪ Vom Material zur Produktinnovation Neben den zahlreichen Forschungskompetenzen und dem Wissenstrans- fer in die Praxis bietet die TU Darmstadt zudem das Gründungszentrum HIGHEST, welches als Angebot für Gründer und Gründungsinteressierte als Begleitung bei der Geschäftsmodellentwicklung, dem Finden passen- der Förderprogramme und die Vernetzung von Unternehmen und Kapi- talgebern fungiert. Durch Forschungskooperationen und Auftragsforschungen ist die TU Darmstadt im direkten Kontakt mit sowohl lokalen als auch internationa- len Unternehmen und forscht im engen Austausch an aktuellen Themen. 2018-2040 = + 15 %), so das s der im Masterplan formulierte Zielwert eine plausible Grundlage im Rahmen dieser Studie darstellt. 50.000 100.000 150.000 200.000 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 Gesamtbevölkerung Beschäftigte (SVB) Abbildung 13: Bevölkerungsprognose bis 2035 und angenommene Beschäf- tigtenkennziffer Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 24 Als Stadt mit einer hohen Anzahl an FuE-Einrichtungen bietet der Stand- ort zudem eine stark überdurchschnittliche Menge an Patentanmeldun- gen im Landesvergleich. Quelle: Innovationsmonitor Hessen 2006 16 www.tu-darmstadt.de; Vorwort der Präsidentin Prof. Dr. Tanja Brühl „Gut verwurzelt und bestens vernetzt können wir (…) wichtige ge- sellschaftliche Zukunftsthemen bearbeiten. Mit den starken Diszipli- nen der Ingenieurs - und Naturwissenschaften, die im engen Aus- tausch mit den profilierten Geistes - und Sozialwissenschaften ste- hen, haben wir ein sehr gutes Fundament, um innovative Forschung voranzubringen“.16 Abbildung 14: Patentanmeldungen in Hessen je 100.000 Einwohner von 1995-2000 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 25 2.8 Tourismus in Darmstadt 2010 2012 2014 2016 2018 2019 Beherbergungs- betriebe 40 41 41 39 43 43 Ø Bettenange- bot 4.211 4.158 4.486 4.537 4.640 4.765 Ankünfte 290.086 310.833 343.309 349.017 353.372 353.655 Übernachtun- gen 596.017 595.027 639.284 714.544 707.139 670.605 Ø Aufenthalts- dauer in Tagen 2,1 1,9 1,9 2,0 2,0 1,9 Bettenauslas- tung in % 38,8 39,1 39 43 41,8 38,6 Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt 2011-2019 Die Tourismuszahlen und das Beherbergungsangebot entwickeln sich in Darmstadt seit Jahren moderat positiv. Dementsprechend steigt das ver- fügbare durchschnittliche Bettenangebot in der Stadt ebenfalls stetig , wobei die Bettenauslastung recht konstant bei etwa 40 % liegt. Ebenfalls sehr konstant ist die durchschnittliche Aufenthaltsdauer von Gästen in Darmstadt, welche bei circa 2 Tagen liegt, was ein „klassischer“ Indikator für die Bedeutung des Geschäfts- und Wissenschaftstourismus ist. Im von der Corona -Pandemie geprägte n Jahr 2020 gingen die Touris- muszahlen in Darmstadt, wie auch im gesamten Bundesgebiet, merklich zurück. 2.9 Zusammenfassende Einordnung des Wirtschafts- und Wissenschafts stand- orts Darmstadt Durch die exzellente Lage in bzw. zu den Metropolregionen Frankfurt / Rhein-Main und Rhein-Neckar, die sich durch eine verkehrsgünstige Lage an der A5 (Nord-Süd-Verbindung) mit mittelbarem Anschluss an den Air- port Frankfurt auszeichnet, ergeben sich positive Rahmenbedingungen für die nachhaltige Entwicklung des Wirtschafts - und Wissenschafts- standort Darmstadt. Neben den lagebezogenen Rahmenbedingungen ist in der Wissenschaftsstadt Darmstadt auf die mittelständischen Strukturen hinzuweisen. Ferner haben sich als wesentliche Standortstärken und Po- tenzialfaktoren unterschiedliche Cluster herausgebildet, die insbeson- dere auch durch intensive Netzwerkbeziehungen zwischen Unternehmen und dem Hochschulbereich bzw. Institutsbereich zu charakterisieren sind. Die positive Bevölkerungsentwicklung in Stadt und Region macht zudem deutlich, dass es sich auch unter dem Aspekt der „weichen Kriterien“ um einen insgesamten Wirtschaftsstandort handelt. Unter den Risikofaktoren sind unter den gegebenen Rahmenbedingungen weniger die strukturelle Ausgangssituation, sondern vielmehr das „h arte Kriterium“ der Flächen- verfügbarkeit für unterschiedliche Zielgruppen zu benennen. Alle aktuel- len Konzepte und Studien, z. B. regionales Entwicklungskonzept (REK), Masterplan DA 2030+, die Raumordnungsprognose 2040 des Bundes, belegen die grundsätzlich e Prosperität und Zukunftsfähigkeit (i.S. einer Resilienz) der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Tabelle 3: Tourismuszahlen in Darmstadt 2010 bis 2019 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 26 3. Standortwahlverhalten und Standorttypen Gegenüber dem rational handelnden, am Ziel der Gewinnmaximierung orientierten Unternehmen, traten spätestens seit den 1970er Jahren ent- scheidungs- und verhaltenstheoretische Überlegungen in den Vorder- grund, um das unternehmerische Standortwahlverhalten erklärbar zu machen.17 Bekannt ist, dass vor allem Klein- und Mittelbetriebe selten den optimalen Standort wählen, sondern sich an einem gegebenen An- spruchsniveau orientieren, dem zumeist eine nur einfache und subjektive Standortbewertung (persönliche Einstellungen gegenüber dem Standort) zugrunde liegt. Dementsprechend lassen sich bestimmte Unternehmen und Betriebe auch nicht eindeutig definierten Standorttypen zuordnen, sondern allenfalls Affinitäten zu bestimmten Ausprägungen zugrunde le- gen – woran sich auch der hier gewählte Untersuchungsansatz orientiert. Dennoch sind Untersuchungen zur Relevanz verschiedener Standortfak- toren nach wie vor von großem praktischem Interesse. Dies gilt vor allem für Gewerbeflächen nachfragende Betriebe, denn der Gewerbeflächen- markt lässt sich tendenziell als Nachfragemarkt beschreiben, auf dem das Angebot an Standorten die reale Nachfrage insgesamt (deutschlandweit) 17 Siehe z. B. Bade, 1979; Derungs, 2008 deutlich übersteigt, was die Auswahlmöglichkeiten merklich vergrößert. Vor dem Hintergrund eines durch interkommunalen, regionalen und i n- ternationalen Wettbewerb geprägten Umfeldes bedeutet dies, dass ins- besondere neu entwickelte Standorte den wachsenden und zunehmend ausdifferenzierten Standortansprüchen genügen müssen. Vor allem konzentriert sich die Betrachtung relevanter Standortfaktor en heute auf die mobilen Betriebe und Unternehmen,18 die, bezogen auf den Gesamtbestand zwar einen nur geringen Anteil der Flächennachfrager darstellen, um die sich der Standortwettbewerb jedoch gerade aus die- sem Grund verschärft. Im Hinblick auf die Besti mmbarkeit relevanter Standorttypen wurde aus dem Workshop deutlich, dass neben den klassischen Standortkategorien, die eine Fläche aufweist, die individuelle Unternehmensentscheidung für oder gegen einen Standort oft durch spezifische Kriterien begründet i st, die im Einzelfall von der objektiven Eignung des Standortes abweichen. 18 Darunter fallen also Standortnachfragen im Rahmen von Neuansiedlungen, d.h. v.a. Verlagerungen oder Ausgründungen bzw. Filial- oder Werks-Neugründungen. Zusammenfassung Kapitel 2: Untersuchungsraum • Die Wissenschaftsstadt weist seit Jahren sehr positive Werte bei der Bevölkerungs- und Beschäftigtenentwicklung aus. • Lagebedingungen, Verkehrspotenzial sowie die Industrie- und Dienstleistungscluster sind als positive Standortfaktoren zu nennen. • Die Prognose von Stadt/Masterplan geht bis zum Jahr 2035 von rund 184.000 Einwohnern aus. Auch die Raumordnungsprognose 2040 des BBSR geht von einer hohen Dynamik in Südhessen/Darmstadt aus. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 27 2.10 Gewerbliche Standortwahl Die Ermittlung von Standortfaktoren konzentriert sich auf diejenigen An- lässe des Flächenbedarfs, die eine Standorterweiterung, Neuansiedlung/ Neuerrichtung oder Betriebsverlagerung zur Folge haben. Dies sind Wachstumsabsichten, Neugründungen oder auch Effekte komparativer Standortvorteile oder -nachteile. Ausgangslage zur Einschätzung des Flächenbedarfs in der Wissenschafts- stadt Darmstadt ist die Feststellun g, dass jeglicher Produktionsprozess ein Grundstück bzw. entsprechende Büro-, Produktions-, Hallen-, Lager-, Labor- oder andere Flächen voraussetzt. Für bereits bestehende Unter- nehmen stellt sich mit der Kapazitätsfrage der Produktion oder Leis- tungserbringung regelmäßig auch die Frage nach der Fertigungstiefe und damit zugleich die Entscheidung zwischen einer organisatorischen Lösung und einer zusätzlichen Flächen - bzw. Grundstücksbeschaffung. Ebenfalls sind innovative Lösungen im Produktionsprozess bzw. der Pro- duktionsanlage möglich, die einen Flächenbedarf teilweise ersetzen kön- nen. Bis zu einem gewissen Grad ist also stets eine Faktorsubstitution zwischen Kapital, Arbeit/ Wissen und Boden möglich. Letztlich wird der Flächenbedarf (Grund und Boden) jedoch nie durch den Mehreinsatz an- derer Faktoren vollständig zu kompensieren sein und stellt somit irgend- wann stets einen Engpassfaktor der betrieblichen Produktion oder Leis- tungserbringung dar. Insgesamt stellt das Wachstum eines Betriebs (hinsichtlich der Produkti- onsmenge u./o. zusätzlicher Beschäftigung) den Regelfall eines zusätzli- chen Flächenbedarfs dar, wobei Auswertungen von Verkaufsstatistiken regelmäßig belegen, dass Wachstum zumeist am bestehenden Betriebs- standort erfolgt. Viele Unternehmen und Betriebe erwerben zu diesem 19 Bei wachsenden Bedarfen eines Unternehmens werden solche Vorhalteflächen, wenn es welche gibt, i.d.R. zuerst in Anspruch genommen. In der Flächenverkaufsstatistik (vgl. Zweck auch frühzeitig entsprechende Erweiterungsflächen (Vorhalteflä- chen), was von den Wirtschaftsförderungen und Stadtplanungen i.d.R. auch durch eine entsprechende Angebotspolitik antizipiert wird (insofern die räumlich en/planerischen Gegebenheiten dies ermöglichen). 19 Erst dann, wenn die Produktionsfunktion eines Betriebs eine Flächenknapp- heit offenkundig macht, eine Substitution des Produktionsfaktors Boden, also der Betriebsfläche, am Standort jedoch nicht mehr durch den Mehr- einsatz anderer Faktoren möglich ist oder unrentabel wird und vor allem das Anspruchsniveau des Entscheiders es erfordert, wird der Flächenbe- darf andernorts befriedigt. Ein weiterer, oftmals unterschätzter Anlass der Flächennachfrage ist die Entwicklung der Prod uktionsstätte und des unmittelbaren Umfeldes, weshalb man auch von Flächenbedarfen aus komparativen Standortvor- und -nachteilen spricht. So wird mit der Produktion bzw. Leistungserbrin- gung bspw. auch das Produktionsmittel „Grundstück“ oder der Standort regelrecht „abgenutzt“. Dies kann z.B. dann der Fall sein, wenn das Un- ternehmen in einer längeren Produktionsgeschichte an seinem Standort verschiedene Gebäude und Anlagen errichtete, oder auch Büro - und La- gerräume so im Stadtgebiet verteilen musste, dass sich die Bedingungen nun negativ auf die Produktionsfunktion auswirken. Der Veränderungs - und Anpassungsprozess, zum Beispiel aus technischen Gründen, findet erst dann ein Ende, wenn ein alternativer, günstigerer Standort gefunden wird und ein Umbau auf dem bestehenden Areal oder weitere Anmietun- gen unter diesen Umständen nicht mehr wirtschaftlich sind. Folglich wird ein Ersatz des Standortes erforderlich. Ein weiterer Grund, der – angesichts zunehmender Nutzungskonkurren- zen um den Grund und Boden – in stark nachgefragten Städten und Re- gionen, wie Darmstadt/Südhessen, offen kundig wird, sind sich verschär- fende Nutzungskonflikte am Standort. Beispielsweise können sich mit der Kaufpreissammlung) wird diese Art der Bodennutzung allerdings nicht sichtbar, da die Grundstücke bereits lange Zeit vor ihrer realen Inanspruchnahme verkauft wurden. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 28 Zeit auch Veränderungen der Kapazität der zu - und abführenden Infra- strukturen ergeben (z.B. Lieferverkehr) sowie hinsichtlich der zulässigen oder akzeptierten Emissionen, wie Lärm, Gerüche, oder Luftverunreini- gungen. Ebenso kann die Stadtentwicklung selbst auch zu einer Verän- derung der benötigten Standortfaktoren führen. Auch Produkt- und Pro- zessinnovationen können eine Gewerbeflächennachfrage begründen, und zwar dann, wenn notwendige Anpassungen nicht am Standort reali- sierbar sind (z.B. aufgrund einer planungsrechtlich festen Gebäudenutz- höhe, realisierter Rasterbreite und -länge innerhalb bestehender Immo- bilien). Oftmals geht die Inanspruchnahme neuer Betriebsstandorte zu- gleich damit einher, dass die frei fallenden Grundstücke vom eigentlichen Eigentümer für längere Zeit gehalten und nicht entsprechend wieder dem freien Markt zugeführt werden, was wiederum verschiedene Ursachen ha- ben kann20 und auch zum Begriff des „Flächenparadoxons“ führt. 21 Sofern es sich um kleinere Betriebsareale handelt, stellt die Betriebsver- lagerung eine oft gewählte Lösung dar, wie auch im Falle einer expansi- ven Entwicklung. Generell sind kleine Unternehmen mobiler als große, wobei nicht zu vergessen ist, dass i.d.R. sowohl das angestammte Perso- nal gehalten werden soll als auch die bestehenden Lieferbeziehungen 20 Das Eigentümerinteresse kann auf unterschiedlicher Motivation beruhen. Neben einem möglicherweise nur geringen Interesse an kurzfristiger Nutzung, kann auch ein Fall von Überforderung des Eigentümers vorliegen. Nicht selten liegen auch eine mangelnde Kompromissbereitschaft vor, überhöhte Preisvorstellungen (bzw. nur auf Verkauf oder Vermietung gerichtetes Interesse), oder gar Erbstreitigkeiten. Immobilienunternehmen nehmen vielfach auch langzeitige Leerstände bewusst in Kauf, oder nehmen in Erwar- tung politischer Unterstützung (z.B. hins. der Finanzierung notwendiger Gutachten) eine Abwartungshaltung ein. 21 Damit wird im Kern auch der Effekt beschrieben, dass sogar bei einem regional mode- raten Wachstum oder gar Schrumpfungsprozessen stets zusätzliche Wirtsc haftsfläche verbraucht wird (im Wesentlichen sind damit verschiedene eigentumsrechtliche Fragen verbunden). bzw. Fühlungsvorteile22 einer Verlagerung über größere Distanzen meis- tens entgegenstehen. So bleibt ein verlagerungswilliger Betrieb oft der Region verbunden23. Das Vorhandensein hinreichend vieler, qualifizierter Arbeitskräfte ist im Falle von Existenzgründungen (einer der möglichen Fälle zur Neugrün- dung) weniger relevant, da diese Beziehungen im Zuge des Wachstums erst aufgebaut werden müssen und eine Standortentscheidung vielmehr aus der Optimierung des Absatzes heraus getroffen wird (im B2B-Bereich etwa der räumlichen Nähe zum Hauptabnehmer bzw. dem OEM, dem System-/Modullieferanten, dem Komponentenlieferanten etc.). Hinge- gen werden die Kosten der Elementarfaktoren24 grundsätzlich gering ge- halten. Ebenso gründet sich die höhere Mobilität junger, kleiner Unter- nehmen daraus, dass Betriebsstandorte i.d.R. gemietet werden. So liegen zwischen der Gründung und der ersten Verlagerung oft auch nur wenige Jahre, in denen sich die Standortwahlprozesse professionalisieren. 25 Seltener relevant, aber ebenfalls mit einem möglicherweise zunehmen- den Flächenbedarf verbunden, ist die Betriebsschrumpfung. Dies betrifft Fälle, in denen angestammte Standorte aufgegeben werden, um eine Ka- pazitätsanpassung zu realisieren und sich am Markt neu aufzustellen. Nicht selten sind auch langfristige Leerstände die Folge. 22 Hierunter werden betriebliche Vorteile verstanden, die aus einem engen räumlichen Kontakt der Beteiligten resultieren (z.B. spontaner Wissensaustausch) 23 Lokales Beispiel: Verlagerung des innovativen Fahrradherstellers Riese&Müller („Für die Mobilität der Zukunft“) von Darmstadt nach Mühltal 24 Neben der menschlichen Arbeit fallen darunter auch die Betriebsmittel und Werkstoffe. Für den Existenzgründer stellen i.d.R. die dispositiven Faktoren, neben der Leistung (in Form der Gründer selbst) die derivativen Faktoren die entscheidenden Produktionsfak- toren dar. 25 Dass auch etablierte Unternehmen verschiedenster Wirtschaftsbereiche zunehmend Mietflächen nachfragen, ist ein Faktor, den es im weiteren Verlauf dieser Untersuchung nochmals zu vertiefen gilt. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 29 Während sich die Mehrzahl von Studien und Gutachten zum Thema „Standortfaktoren produzierender Unternehmen“ vorrangig auf Se lbst- nutzer als Investoren beschränkt und somit der Kauf von Gewerbe - und Industrieflächen durch die nutzenden Unternehmen selbst im Vorder- grund steht, wird allzu oft vernachlässigt, dass sich mit zunehmendem Dienstleistungsanteil an der Produktion (Tertiär isierung innerhalb des Verarbeitenden Gewerbes) – und v.a. auch bei Branchen wie dem Ver- kehrsgewerbe – die langfristige Bindung an einen Standort zugunsten ei- ner zeitlich begrenzten Verpflichtung verschiebt. Bisweilen bleibt die Bin- dung an einen Standort sogar auf die Laufzeit eines Projektes beschränkt. Denn während nach wie vor oft angenommen wird, dass zumindest im Produzierenden Gewerbe der mit Abstand wichtigste Investor der Selbst- nutzer, also das produzierende Unternehmen, ist, lässt sich nachweisen, dass auch im Verarbeiten Gewerbe oftmals bis zu 40 Prozent der genutz- ten Liegenschaften oder mehr angemietet sind.26 Somit wird es erforderlich, auch Immobilienunternehmen in die Betrach- tung mit einzubeziehen, da auch sie nach bestimmten Kriterien Gewerbe- und Industrieflächen nachfragen. Da davon auszugehen ist, dass diese Akteure über deutlich bessere Marktinformationen verfügen als die meis- ten (v.a. kleinen und mittleren) Betriebe, Suchkosten durch Skalenvorteile reduziert werden und zugleich andere Ents cheidungsparameter der Grundstückswahl zugrunde liegen, haben diese Akteure die Qualität einer eigenen Zielgruppe auf dem Gewerbeflächenmarkt. Dabei ist davon aus- zugehen, dass diese ihr Investitionsverhalten an den Kenntnissen über den Markt der Nutzer orientiert, also von höchsten Wahrscheinlichkeiten einer Weiterverwertung ausgeht, wodurch sich die Flächennachfrage ten- denziell wiederum zunehmend an objektiveren Maßstäben orientiert. 26 Diese Aussage stützt sich auch auf neuere bundesweite Befragungsergebnisse der cima. 27 Die Sicherung bestehender und Schaffung neuer Arbeitsplätze verfolgt das Ziel, sowohl die Unternehmen darin zu unterstützen, möglichst viele Erwerbsmöglichkeiten mit ho- hem Durchschnittseinkommen zu schaffen, Steu ereinnahmen zu steigern und Sozial- ausgaben zu reduzieren und eine zukunftsorientierte, ausgewogene Wirtschaftsstruktur Im Ergebnis hat die Regionalentwicklung mit Akteuren zu tun, die über unterschiedlichste Marktinformationen verfügen und deren Standort- wahlverhalten auf verschiedenste Weise motiviert ist. Wenngleich also im Ergebnis keine eindeutige Zuordnung von Branchen bzw. Unternehmen zu bestimmten Standorttypen möglich ist und es stets S ubstitutionspro- zesse zwischen Standorten geben wird – nur selten erfolgt die Inan- spruchnahme des theoretisch am besten geeigneten Standortes – so be- gründet sich das Erfordernis einer hinreichend genauen Beschreibung von Standortfaktoren und der daran orien tierten Entwicklung von ge- werblichen Standorttypen aus folgenden Feststellungen: ▪ Aus einzelbetrieblicher Sicht liefert ein optimaler Standort den höchsten Beitrag zum Produktionsprozess und somit der Schaf- fung und dem Erhalt von Arbeitsplätzen. ▪ Aus kommunaler Sicht ist die Standortoptimierung aus Gründen der Wahrung der Standortattraktivität notwendig.27 ▪ Eine an Nachhaltigkeitsgesichtspunkten orientierte Stadtent- wicklung sollte stets auch die Folgenutzung von Betriebsstand- orten im Auge behalten, um die Fläc henneuinanspruchnahme mittel- bis langfristig zu reduzieren. 2.11 Relevante Standorttypen Interpretiert man die unterschiedlichen Möglichkeiten, die sich aus der Zulässigkeit von Nutzungsarten, Betriebs- und Anlagenarten abzeichnen, zugleich als Standortfaktor, so wird deutlich, dass es verschiedene Be- triebe geben wird, für die ein Standort geeignet sein kann, der planungs- rechtlich sowohl als Gewerbegebiet (GE) als auch bspw. als Kerngebiet zu schaffen. Schließlich soll der Standort zugleich ein attraktiver Wohnstandort sein. Zusammenfassend lässt sich aus Sicht der Wirtschaftsförderung festhalten, dass die po- sitive Beeinflussung der Arbeits- und Lebensbedingungen durch Schaffung und Erhalt von Arbeitsplätzen das oberste Ziel darstellt. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 30 (MK) oder Mischgebiet (MI) festgesetzt ist. Ebenso kommen bestimmte Sondergebiete (SO) in Frage. Schließlich entscheiden im Einzelfall letztlich die technischen Anlagen und Betriebsabläufe über die Zulässigkeit einer Nutzung. Im Umkehrschluss muss sich die Eingrenzung des hiesigen Un- tersuchungsgegenstands „Gewerbefläche“ aller dings an Eigenschaften orientieren, die überwiegend dem Gewerbe - und Industriegebiet zu ei- gen sind. Diese Typen liegen sowohl der Erfassung der Flächenpotenzi- ale28 als auch der Prognose der Gewerbeflächenbedarfe zugrunde. 2.11.1 Emissionsintensives Gewerbe Die Standorte für emissionsintensives Gewerbe dienen insbesondere der Unterbringung von gewerblichen Betrieben, die in anderen Gebieten auf- grund des Störgrades (Lärmbelästigung, Emissionsausstoß etc.) unzuläs- sig sind. Um diese Betriebe aufnehmen zu können, ist e ine Gebietsaus- weisung mindestens als GI, GIe oder ggf. auch als GE-Fläche erforderlich. Die Standorte weisen zumeist eine exponierte oder teilintegrierte Lage auf und zeichnen sich durch ein konfliktfreies Umfeld aus (keine unmit- telbar angrenzenden Siedlu ngen/Wohngebiete oder Naturschutzge- biete). Darüber hinaus ist i.d.R. eine Schwerlasttauglichkeit der Straßen gegeben, hohe Geräuschemissionen sind zulässig und oft auch ein 24 - Stunden-Betrieb möglich. Nicht selten umfassen Industrie -bzw. Gewer- begebiete für emissionsintensive Betriebe eine Gesamtfläche von über 20 ha. Oftmals sind diese Standorte durch wenige flächenintensive Unterneh- men geprägt und weisen folglich eine grobkörnige Mischung auf. Häu- fige Nutzungsarten und Nutzungen, die in der Praxis tendenziell eher In- dustrie- als Gewerbegebieten zugeordnet werden, sind u.a. Betriebe ▪ des emittierenden Verarbeitenden Gewerbes, 28 Für die Untersuchung in Darmstadt wurden auf Grund dessen ausschließlich Flächen des FNP betrachtet, die eindeutig gewerblicher Natur sind und als Gewerbliche Bauflä- ▪ des Baugewerbes, ▪ der Logistikwirtschaft und Lagerei, ▪ des Ver- und Entsorgungsgewerbes, ▪ der Lagerung und Behandlung von Eisen- und Nichteisenschrot- ten, ▪ Wertstoffhöfe mit Notschlachtanlagen und ▪ Autoentsorgungs- sowie Bauschutt - und Bodenrecyclinganla- gen. 2.11.2 Verkehrsintensives Gewerbe Standorte für verkehrsintensives Gewerbe weisen einige Überschneidun- gen mit Standorten für emissionsinten sives Gewerbe auf, dienen aber in erster Linie Unternehmen der Bereiche Verkehr/ Lagerei und Großhandel. Der zulässige Störgrad (Lärmbelästigung, Emissionsausstoß etc.) liegt entsprechend hoch. Um entsprechende Betriebe aufnehmen zu können, ist eine Gebietsausweisung mindestens als GI oder GIe, SO mit entspre- chender Zweckbestimmung (z.B. GVZ), seltener auch als GE-Fläche erfor- derlich. Meistens besitzen Sonderstandorte eine Größe von über 20 ha. Oftmals zeichnen sich Sonderstandorte durch direkte Wasserstraß enzu- gänge, direkte Anbindungen an den Schienengüterverkehr oder das Vor- handensein von Kombiterminals, die einen kombinierten Verkehr unter- schiedlicher Verkehrsträger ermöglichen, aus. Entsprechend sind häufige Nutzungsarten von Sonderstandorten ▪ das Verarbeitende Gewerbe, ▪ die Logistikwirtschaft und Lagerei sowie ▪ das Ver- und Entsorgungsgewerbe. chen (G) deklariert werden. Als nachrichtliche Übernahme finden sich diese Flächen un- ter der Kategorie „Siedlungsfläche Industrie und Gewerbe“ auch im Einheitlichen Regi- onalplan wieder. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 31 2.11.3 Klassisches Gewerbegebiet Klassische Gewerbegebiete dienen vorwiegend der Unterbringung von nicht erheblich belästigenden Gewerbebetrieben. Diese Gebiete sind als GE oder bisweilen auch GEe-Flächen ausgewiesen. Oftmals befinden sich die klassischen Gewerbegebiete in teilintegrierter Lage. Bei Altstandorten (bis in die frühen 1980er Jahre) ist häufig eine integrierte Lage in den Siedlungskörper vorzufinden. Idealerweise beste- hen keine Konfliktpotenziale mit angrenzenden Siedlungen oder Schutz- gebieten, kann jedoch nicht in jedem Falle vorausgesetzt werden. Klassische Gewerbegebiete beheimaten oftmals zahlreiche Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größen. Häufige Nutzungsarten in klassischen Gewerbegebieten sind u.a. ▪ Betriebe des emissionsarmen Verarbeitenden Gewerbes, ▪ Kfz-Werkstätten, ▪ Großhandelsunternehmen, ▪ Verkehr- und Lagereibetriebe, ▪ Getreidelager, ▪ Holzwerke, ▪ Betriebe zur Lagerung und Behandlung von ni cht gefährlichen Abfällen (z.B. Metall), ▪ Freizeitbetriebe (Go-Kart-Hallen, Fitnessbetriebe etc.). Zusammenfassung Kapitel 3: Standortwahlverhalten und Standorttypen • In der Regel bewegen sich Standortverlagerungen im regionalen Umfeld (u.a. Bindung der Beschäftigten). • Wirtschaftsstandorte benötigen ein ausdifferenziertes Angebot an Wirtschaftsflächen, um den unterschiedlichen Nachfragestruk- turen der Unternehmen gerecht zu werden. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 32 3 Methodik der Flächenbedarfsprognose In der nachfolgenden Abbildung 15 wird die Herangehensweise zur Ein- schätzung des Gewerbeflächenbedarfs für die Wissenschaftsstadt Darm- stadt verdeutlicht. Im Ergebnis der Prognose wird sowohl der absolute Flächenbedarf als auch eine Differenzierung anhand unterschiedlicher Standorttypen vorgenommen. Die Ermittlung des zukünftigen Flächen- bedarfs lässt sich nur als Gesamtbetrachtung unterschiedlicher Ansätze erfassen. Qualitative und quantitative Aspekte sind hierbei in einen ge- eigneten Gesamtkontext zu integrieren. Im ersten Schritt wird eine Prognose des Gewerbeflächenbedarfs mit dem Zeithorizont 2040 durchgeführt. Hierfür wird auf drei verschiedene Ana- lyseverfahren zurückgegriffen: 1) Auswertung der Flächenverkäufe über die Kaufpreissammlung des Gutachterausschusses für Grundstückswerte innerhalb der vergangenen 10 Jahre durch den Gutachterausschuss für Immo- bilienwerte und Extrapolation in die Zukunft 2) Qualitative Einordnung der Gewerbeflächennachfrage und -rea- lisierung aus den vergangenen Jahren. 3) Trendbasierte Gewerbeflächenbedarfsprognose (GIPRO29) 29 Bei dem verwendeten trendbasierten GIPRO-Modell (= Gewerbe- und Industrieflächen- Prognose) handelt es sich um einen nachfrageorientierten Ansatz. Anders als bei der rei- nen Fortschreibung einer bisherigen Flächennachfrage, die ebenso durch einen Man gel an verfügbaren Gewerbeflächen in der Vergangenheit, wie auch durch ein Überangebot dessen erheblich tendiert sein kann, wird hier aus einer differenzierten Trendfortschrei- bung der Beschäftigtenzahlen und der Anwendung verschiedener Parameter (Flächen- kennziffern, Verlagerungs- und Neuansiedlungsquoten, Wiedernutzungsquoten etc.) auf den zukünftigen Flächenbedarf geschlossen. Eine Prognose zukünftiger Gewerbeflächenbedarfe kann nicht allein aus der Perspektive einzelner Wirtschaftsunternehmen bzw. Branchen erfol- gen. Schließlich ist am Gewerbeflächenmarkt die Nachfrage 30 stets auch vom Angebot abhängig, was von den jeweiligen Marktbesonderheiten am Flächenmarkt abhängt. Dementsprechend sind also ebenfalls die be- stehenden und perspektivischen gesamträumlichen Planungen und ein- zelnen Fachplanungen wesentlich. Die aktuellen und perspektivischen Flächenpotenziale werden ermittelt über a) die Erfassung von Innenentwicklungspotenzialen (Potenzialflä- chen im Bestand) sowie b) eine Ermittlung von solchen Flächen, die in den geltenden Flä- chennutzungsplänen als Gewerbliche Baufläche ausgewiesenen sind, auf denen aber noch kein Baurecht besteht (FNP -Potenzi- ale). In der Untersuchung wird also eine eindeutige Unterscheidung von Po- tenzialflächen mit Planungsrecht und solchen Gewerblichen Bauflächen im FNP vorgenommen, für die bislang noch keine planungsrechtliche Zu- lässigkeit der Bebauung besteht. 30 Nachfrage ist i.e.S. definiert als realisierter Bedarf. Die Unterscheidung von Bedarf und Nachfrage sollte aus diesem Grund beachtet werden, was auch entsprechende Folgen für die Interpretation der bisherigen realisierten Nachfrage hat. Ebenso wie die Zu- nahme „echter“ Flächenbedarfe durch Produktionsausweitung oder Neuansiedlung – also solche Bedarfe, die nicht auf reinen Renditeerwägungen (Fläche als Asset) zurück- geführt werden –, sind auch relativ günstige Baulandpreise sowie die aktuelle Niedrig- zinsphase oder andere Ursachen von Bedeutung. Da Grund und Boden nicht vermehr- bar sind, sind mit der Flächeninanspruchnahme also zugleich auch soziale Faktoren und solche des Natur- und Umweltschutzes verbunden. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 33 Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Abbildung 15: Methodik der Gewerbeflächenbedarfsprognose Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 34 Bezüglich der Erfassung und Bewertung von Potenzialflächen ist zu be- achten, dass unter bestimmten Umständen eine Bilanzierung nicht erfol- gen darf. Dies ist z. B. bei privaten Grundstücken dann der Fall, wenn nicht zu erwarten ist, dass der Eigentümer im Betrachtungszeitraum (also bis 2040) eine ei gene gewerbliche Nutzung der Fläche anstrebt, aber aller Voraussicht auch keine Verkaufsbereitschaft zeigt. Ebenso können auch die Preisvorstellungen des Eigentümers stark vom Markt abweichen. 31 Demgegenüber werden Flächenpotenziale im kommunalen Eigentum i.d.R. stets vollständig als Potenzial anzurechnen und mit dem Flächen- bedarf zu bilanzieren sein. Daneben ist auch zu berücksich tigen, dass eine Inanspruchnahme von FNP-Potenzialflächen gegenüber der Entwicklung gänzlich neuer Stand- orte in besonderen Fällen zurückstehen kann. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die als Gewerbliches Bauland (G) dargestellten Flächen nicht entwickelbar sind. Gleichzeitig erfordert diese Einschätzung von der Kommune aber auch eine Umwidmung solche Flächen, um eine übermä- ßige Flächenausweisung zu vermeiden, die nicht im Sinne der gesamtpla- nerischen Anforderungen der Raumordnung ist. 31 Weitere Gründe können z. B. in einer langfristigen Sicherung einer Großfläche bestehen (ohne innerhalb des Prognosezeitraums eine Entwicklung zu beabsichtigen), Lage oder Entwicklungszustand nicht marktgerecht sind etc. Nachdem die Potenzialflächen im Bestand und die FNP -Potenziale be- wertet wurden, werden die prognostizierten Flächenbedarfe bis 20 40 dem realistischen Flächenpotenzial gegenübergestellt. Es wird eine stra- tegische Bilanz der Ausgangslage gezogen. Zusammenfassung Kapitel 4: Methodik der Flächenbedarfsprognose: • Das trendbasierte GIFPRO-Modell stellt eine allgemein anerkannte Methode der Gewerbeflächenbedarfsprognose dar. • GIFPRO basiert auf einer Abschätzung der Beschäftigtenentwicklung, gekoppelt mit beschäftigtenspezifischen Flächenkennziffern. • Die cima setzt in Darmstadt einen Prognosezeitraum bis 2040 an. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 35 4. Prognose des Gewerbeflächenbedarfs bis 2040 Die Ermittlung des zukünftigen Flächenbedarfs steht im Zentrum der Ge- werbeflächenkonzeption. Die Gewerbeflächenbedarfe für die Wissen- schaftsstadt Darmstadt werden in diesem Gutachten über unterschiedli- che Herangehensweisen prognostiziert: Die bisherigen realen Flächen- veräußerungen werden mittels der (aufbereiteten) Statistik der Kauf- preissammlungen der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte analy- siert und im Hinblick auf die künftig zu erwartenden Gewerbeflächenbe- darfe extrapoliert. Da aus den bisherigen Flächenumsätzen allein jedoch weder unmittelbar auf den realen Flächenbedarf geschlossen werden kann, noch eine hinreichende Berücksichtigung der Bevölkerun gs-/ Be- schäftigungseffekte gewährleistet ist, werden ergänzend dazu weitere Prognoseansätze herangezogen. Hierzu wird eine trendbasierte Gewerbeflächenbedarfsprognose ge- wählt. Die Besonderheit des trendbasierten Gewerbeflächenbedarfs - Prognosemodells beste ht darin, dass es zugleich ermöglicht, den Ge- samtbedarf an Gewerbeflächen nach bestimmten Standortanforderun- gen der Unternehmen und Betriebe weiter auszudifferenzieren. Die Grundstückspreise für Gewerbeflächen in der Wissenschaftsstadt lie- gen mit rund 240 EUR/ qm im Jahr 202032 über dem regionalen Niveau des Darmstädter Umlandes. Das Preisgefüge ist einerseits Indikator der Nachfrage und damit auch der Standortqualität der Stadt an sich. Es ist also davon auszugehen, dass weitere Nachfrage nach geeigneten Flächen in Darmstadt anzunehmen. Allerdings könnte eine Verknappung am Flä- chenmarkt auch zu Verdrängungswirkungen (bestehender Betriebe) füh- ren, falls im näheren Umfeld konkurrierende Angebote ähnlicher Qualität an den Markt gebracht werden, während sich i n der Wissenschaftsstadt 32 Quelle: Gutachterausschuss für Immobilienwerte Hessen (2020): Immobilienmarktbe- richt für den Bereich der Wissenschaftsstadt Darmstadt (Auswertungsstand 2019) Darmstadt ein Bestandsmarkt verfestigt (ggf. auch verbunden mit Preis- steigerungen, die sich auf dem privaten Flächenmarkt fortsetzen). Eben- falls entscheidungsrelevant könnte der sich in den letzten Jahren stei- gende Gewerbegrundsteuerhebesatz auswirken. 3.1 Kaufpreissammlung Die reale Nachfrage nach gewerblichen Flächen in der Vergangenheit (Flächenumsätze) ist ein erster Anhaltspunkt zur Einschätzung des zu- künftigen Flächenbedarfs, indem der durchschnittliche jährliche Flächen- verbrauch in die Zukunft fortgeschrieben wird. Hierbei nimmt man also implizit relativ gleich oder zumindest ähnlich bleibende Ausgangsbedin- gungen auch für die Zukunft an. Die konkrete Einschätzung der Flächenbedarfe in Darmstadt wird im Fol- genden auf Basis der aus Immobilienkaufverträgen (Kaufpreissammlun- gen) gewonnenen Daten vorgenommen. Bei der Kaufpreissammlung konzentriert man sich i.d.R. auf gewerbliche Grundstücke mit zukünftiger Nutzung für Produktion, Gewerbe (ohne Handel) und Industrie, ab einer Größe von 1.000 qm, die den Eigentümer wechselten. Die Kaufpreis- sammlung bietet den Vorteil, dass alle genannten Verkaufsfälle, die im Zuge des gewöhnlichen Geschäftsverkehr s erfolgten, erfasst werden, man also ein gutes Bild über die reale Flächennachfrage erhält. Des Wei- teren liegt der Wert dieser Statistik in einem langen Betrachtungszeit- raum. Schließlich wird man vielerorts davon ausgehen können, dass in Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 36 der Vergangenheit überwiegend ein dem Bedarf entsprechendes Flä- chenangebot verfügbar gemacht werden konnte. So wird sich der Groß- teil des Flächenbedarfs auch in Form einer Nachfrage manifestiert haben. Die Kaufpreissammlung umfasst neben den kommunalen Flächenumsät- zen auch private Verkäufe. Allerdings können darin wiederum auch Wei- terverkäufe (also Doppelzählungen) enthalten sein. Hinzu ergibt sich eine Schwierigkeit derart, dass Grundstücksvergaben per (Erb)Pacht nicht ent- sprechend in die Statistik mit einfließen. Ebenso g ilt für den Fall einer Fortschreibung in die Zukunft, dass man davon ausgeht, dass sich we- sentliche Veränderungen relevanter Einflussgrößen nicht ergeben. Zu- dem wird man unterstellen müssen, dass auch am Flächenmarkt die Me- chanismen des Ausgleichs zwischen Angebot und Nachfrage nicht (nach- haltig) ausgehebelt wurden, sondern dass sich das Flächengebot – zu- mindest mit einer zeitlichen Verzögerung – dem Bedarf anpasst, oder diesen gar antizipiert. Dennoch muss bedacht werden, dass insbesondere der Bodenmarkt u .a. aufgrund der Unvermehrbarkeit nicht vollkommen sein kann. An Standorten, die über kein „passendes“ Angebot verfügten, wird sich ein bestehender Bedarf nicht in Form einer Nachfrage vor Ort nieder- schlagen können. Hingegen nimmt an Standorten, die ein de m Bedarf entsprechendes Angebot an Grundstücken und geeigneten Standortan- fordungen vorhalten konnten, die Nachfrage zu. Als weitere Einschrän- kung der Aussagekraft dieser Statistik kommt hinzu, dass im Zuge der Verlagerung oder Neuansiedlung eines Betriebs oftmals auch Flächen für (eventuelle) spätere Erweiterungen erworben und bisweilen viele Jahre lang vorgehalten werden (ggf. auch über den Prognose-Zeithorizont hin- aus, sodass diese Verkäufe streng genommen nicht berücksichtigt wer- den dürften). Eine reale gewerbliche Nutzung erfolgt also nicht, wohin- gegen die Verkaufsstatistik trotzdem hierauf schließen lässt. Dennoch wird diese Statistik für die Untersuchung als eine aussagekräf- tige Datengrundlage über reale Bewegungen am Flächenmarkt herange- zogen, da sie eine gute Möglichkeit der Erfassung bisheriger Gewerbe- flächenumsätze darstellt und zugleich wichtige Informationen auch zur Kalibrierung des weiteren Prognosemodells liefert. Quelle: Gutachterausschuss für Immobilienwerte Darmstadt Bearbeitung: cima Beratung + Management GmbH 2020 Quelle: Gutachterausschuss für Immobilienwerte Darmstadt Bearbeitung: cima Beratung + Management GmbH 2020 0 20 40 60 0 100.000 200.000 300.000 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Fläche, kumuliert [m²] Anzahl, kumuliert 0 2 4 6 8 0 50.000 100.000 150.000 200.000 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 Fläche, kumuliert [m²] Anzahl, kumuliert Abbildung 16: Kumulierte Verkäufe von voll erschlossenen, unbebauten Ge- werbegrundstücken ab 1.000 qm, 2010 - 2019 Abbildung 17: Kumulierte Verkäufe von Rohbaubauland Gewerbegrundstücken ab 1.000 qm, 2013 - 2019 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 37 Im analysierten Betrachtungszeitraum 2010-2019 wurden in der Wissen- schaftsstadt Darmstadt, insgesamt folgende Gewerbeflächen veräußert: Qualität der Gewerbefläche Fläche Voll erschlossen Ca. 245.000 qm Rohbauland Ca. 190.000 qm Quelle: Gutachterausschuss für Immobilienwerte Bearbeitung: cima Beratung + Management GmbH 2020 Umgerechnet auf die Anzahl der Verkaufsvorgänge ergeben sich im 10- Jahres-Zeitraum folgende durchschnittliche Flächengrößen: Quelle: Gutachterausschuss für Immobilienwerte Bearbeitung: cima Beratung + Management GmbH 2020 Bei der Kumulation der Flächenverkäufe im Zeitraum 2010 – 2019 gibt es in der Jahresentwicklung Unterschiede bei der summierten Fläche sowie bei den Verkaufsvorgängen. Die Spanne bei den Verkaufsvorgängen bei voll erschlossenen Flächen liegt zwischen 0 qm (2012) und ca. 54.000 qm (2019). Bei den Grundstücksverkäufen mit der Qualität „Rohbauland“ gibt es in diesem Analysezeitraum 5 Jahre, in denen keine Vorgänge vorhan- den sind und 5 Jahre, in denen die Spanne zwischen ca. 10.000 qm (2016) und ca. 79.000 qm (2013) lag. In der Trendfortschreibung liegen gemittelte Werte aus dem 10-jährigen Analysezeitraum zugrunde. Diese liegen bei rund 24.500 qm (2,45 ha) bei voll erschlossenen Gewerbeflächen und ca. 19.000 qm (1,9 ha) bei Roh- bauland. In Summe ergibt sich damit ein gemittelter Jahreswert im Be- trachtungszeitraum 2010 – 2019 in der Größenordnung von ca. 43.500 qm (4,4 ha) Gewerbegrundstücken. Für eine Trendextrapolation bis zum Jahr 2040 ergeben sich auf Basis des dargestellten Stützzeitraum folgende Größenordnungen: Qualität der Gewerbefläche Fläche Voll erschlossen Ca. 465.500 qm (47 ha) Rohbauland Ca. 361.000 qm (36 ha) Summe Ca. 826.500 qm (83 ha) Quelle: Gutachterausschuss für Immobilienwerte Bearbeitung: cima Beratung + Management GmbH 2020 Tabelle 4: Veräußerungen von Gewerbegrundstücken 2010-2019 Tabelle 5: Prognose zu den Gewerbeflächenveräußerungen bis zum Jahr 2040 Tabelle 6: Ø-Flächengröße veräußerter Gewerbegrundstücke, je Verkaufsvorgang, 2010-2019 Qualität der Gewerbefläche Fläche Voll erschlossen Ca. 6.000 qm Rohbauland Ca. 19.700 qm Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 38 3.2 Qualitative Gewerbeflächenentwicklung bzw. -nachfrage Sowohl über die städtische Wirtschaftsförderung als auch die internatio- nal ausgerichtete Wirtschaftsförderung Frankfurt/RheinMain GmbH 33 werden immer wieder Anfragen bzgl. Gewerbeflächenbedarf in Richtung Darmstadt artikuliert. Die wesentlichen internationalen Nachfragen las- sen sich gemäß Erfahrungen der Wirtschaftsförderung geographisch Ja- pan und den USA zuordnen. Die sektorale Spanne der Nachfrage, die die Wirtschaftsförderung in Darmstadt erreicht, ist erwartungsgemäß sehr differenziert und reicht von einer gastronomischen Einrichtung über Dienstleistungsarbeitsplätze bis zu größeren, zusammenhängenden Flä- chen für Logistik bzw. Lagerhaltung (wobei die letztgenannte Thematik aufgrund der Flächenverfügbarkeiten in der Stadt kaum weiter bearbeitet werden kann). Auf der anderen Seite ist anzumerken, dass die städtische Wirtschaftsförderung bei einer Reihe von bekannt gewordenen unter- nehmerischen Standortveränderungsabsichten in der Region auf Grund fehlenden Flächenangebots keine Flächenoptionen unterbreiten konnte.34 Ein Großteil der Gewerbeflächenentwicklung in den vergangenen Jahren bezog sich auf die ehemals militärisch genutzten Areale in Darmstadt: ▪ Nathan-Hale-Depot mit ca. 13,2 ha, ▪ Kelley-Barracks mit ca. 22,3 ha.35 33 Das Unternehmen setzt bei der Vermarktung/Kommunika tion auf die 4 Kompetenz- merkmale Finanzzentrum, Verkehrsdrehscheibe, globaler Messe- und Veranstaltungs- standort und FuE mit Wissenschaft. 34 In mehreren Abstimmungsrunden zwischen cima sowie Amt für Wirtschaft und Stadt- entwicklung und Stadtplanung wurden s tädtische und regionale unternehmerische Veränderungs-/Standortsuchprozesse erörtert. Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass sich der Schwerpunkt der Ge- werbeflächenentwicklung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt in den vergangenen Jahren eindeutig auf die Innenentwicklung ausgerichtet hat. Die vorh andenen Flächenpotenziale wurden sowohl für eine aktiv - selektive Ansiedlungspolitik (u.a. ALNATURA) als auch die wichtige Be- standsentwicklung genutzt (u.a. DÖHLER). In diesem Kontext ist anzuführen, dass eine Reihe von gewerblich genutz- ten Flächen in den vergangenen Jahren in Wohnungsnutzungen über- führt wurden (u.a. Edelsteinviertel, Echo -Areal, Nähr -Engel-Gelände, EAD-Gelände Niersteiner Straße).36 Ein Blick in die Region zeigt, dass dort einerseits dynamische Entwicklun- gen zu beobachten sind (Stichwort: GE Ruckelshausen in Mühltal). Ande- rerseits steht gerade im Landkreis Darmstadt-Dieburg nur ein begrenztes Gewerbeflächenangebot zur Verfügung.37 35 Diese beiden Standort-/Kasernenareale standen im Fokus der Gewerbeflächenbedarfs- analyse des Behrend-Instituts (2012). 36 Antworten auf die großen Anfragen der Fraktion der FDP und der SPD-Fraktion (jeweils 2019). 37 vgl. www.kip.net Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 39 3.2.1 Informations- und Abstimmungstermin mit der Handwerkskammer Rhein-Main, der IHK Darmstadt und dem Regierungspräsi- dium Darmstadt 4/21 Ziel des gemeinsamen Informations - und Abstimmungstermins mit den drei Institutionen war, die ermittelten Ergebnisse der Gewerbeflächenbe- darfsanalyse inhaltlich und funktionell zu erörtern und im Hinblick auf die Plausibilität abzustimmen. Die wesentlichen Ergebnisse des digitalen Austauschgespräches, unter Beteiligung des Stadtplanungsamtes und des Amtes für Stadtentwicklung und Wirtschaft, lassen sich wie folgt zu- sammenfassen: ▪ Das Oberzentrum Darmstadt nimmt in Südhessen eine beson- dere Funktion ein, v.a. ist eine Dynamik bei der Bevölkerungs - und Wirtschaftsentwicklung ist zu beobachten. ▪ Im Gegensatz zu den allgemeinen Trends beim Büroflächen- markt wird für Darmstadt von einer grundsätzlich positiven Ent- wicklung, in verschiedenen Nachfragesegmenten, ausgegangen. ▪ Die Einbeziehung des Mittelstandes, vor allem auch der hand- werklichen Betriebe, im Rahmen der Gewerbeflächenbedarfsana- lyse wird begrüßt. Die Vorhaltung von entsprechenden Flächen bei größeren Gewerbeflächenneuentwic klungen ist plausibel (z.B. in Form eines Handwerkerparks) . Nicht alle Flächenbedarfe können in der „Innenentwicklung“ abgedeckt werden. ▪ Die Aufbereitung der Analyseergebnisse in Form von Entwick- lungsszenarien wird grundsätzlich begrüßt. Tendenziell wird f ür die Wissenschaftsstadt Darmstadt von positiven Entwicklungen ausgegangen. ▪ Die dezidierte Auseinandersetzung mit entwickelbaren Flächen im Innenbereich, sogenannten Flächenpotenzialen, wird begrüßt. Realistische Annahmen bei der Mobilisierungsfähigkeit s ind zu treffen. ▪ Der Ausschluss von (großflächigem) Einzelhandel bei Gewerbe- flächenneuentwicklungen ist plausibel. Inwieweit Logistikflächen bei Gewerbeneuausweisungen komplett ausgeschlossen werden sollen, ist im Detail zu bewerten. Insbesondere unternehme ns- nahe Logistikflächen sowie die Flächenbedarfe im Sinne einer City-Logistik sind in die Betrachtung einzubeziehen. ▪ Grundsätzlich besteht Einigkeit, dass die „Bestandssicherung“ eine wesentliche Zielsetzung der Gewerbeflächenentwicklung in Darmstadt darstellt. Hierbei wird darauf hingewiesen, dass es bei einigen mittelständischen Unternehmen in Darmstadt in den ver- gangenen Jahren aufgrund von fehlenden Flächenoptionen zu (regionalen) Standortverlagerungen kam. Die Zugrundelegung des Masterplans DA 2030+ sowie des regionalen Entwicklungskonzeptes werden als geeignete Ansätze der grundlegen- den Zielformulierung bewertet. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 40 3.3 Trendbasierte Gewerbeflächenbedarfs- prognose Die realen Verkäufe der vergangenen Jahre lassen wichtige Rückschlüsse auf Quantitäten und Qualitäten hinsichtlich der nachgefragten Lagen, Flächengrößen und Entwicklungstendenzen zu. In der Extrapolation die- ser realen Verkäufe der Vergangenheit in die Zukunft wäre in der Wis- senschaftsstadt Darmstadt bis zum Jahr 2040 von einem Bedarf an ge- werblichen Bauflächen in Höhe von rd. 47 ha an voll erschlossenen Flä- chen auszugehen. Allerdings sind die Verkaufszahlen stets auch vor dem Hintergrund der genannten Einschränkungen zu interpretieren und soll- ten daher nicht als einzige Variable in die Prognose des Flächenbedarfs einfließen. Aus diesem Grund wird als nachfrageorientiertes Modell eine trendba- sierte Gewerbeflächenbedarfsprognose genutzt, um den Gewerbeflä- chenbedarf bis zum Zieljahr 20 40 einzuordnen. Im Kern basiert das ver- wendete Modell auf dem Ansatz des sog. TBS-GIFPRO,38 der von der cima weiter angepasst und auf die jeweiligen regionalen Ausgangsbedingun- gen bezogen wird 39. Das Modell stellt eine Kombination aus Bedarfs- schätzung anhand der Beschäftigtenzahlen und einer ansiedlungsanlass- bezogenen Berechnung dar, wobei zugleich die Statuswechsel von Un- ternehmen (Neugründung, Erweiterung, Verlagerun g, Schließung) mit einfließen. 38 Vgl. dazu auch DIfU - Deutsches Institut für Urbanistik, 2010 Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2020 Durch die Schätzung de r Flächenbedarfe auf Basis der Wirtschaftsabtei- lungen wird zugleich eine Branchendifferenzierung möglich, wodurch sich auch Aussagen bezüglich der nachgefragten Standortfaktoren bzw. der verschiedenen gewerblichen Standorttypen treffen lassen. Dazu wird eine Differenzierung der Beschäftigten nach Nutzergruppen/Wirtschafts- segmente vorgenommen, für die wiederum differenzierte Beschäftigten- prognosen für das Zieljahr 20 40 erstellt werden. Die Ergebnisse werden unterschiedlichen Unternehmenstypen zugeordnet, die sich durch über- wiegend ähnliche Standortanforderungen auszeichnen (Gewichtung). Die nach Unternehmenstypen differenzierten Beschäftigten zahlen werden schließlich unter Rückgriff auf Flächenkennziffern (FKZ), Verlagerungs -, Neuansiedlungs- und Wiedernutzungsquoten auf Flächenbedarfe umge- rechnet. 39 Aufgrund der strukturellen Wandlungsprozesse wurde eine Verringerung der Beschäf- tigtenwerte im Dienstleistungsbereich angesetzt Abbildung 18: Aufbau des Trendmodells Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 41 Anzumerken ist, dass die Beschäftigtenzahl lediglich eine „Hilfsgröße“ zur Flächenbedarfsschätzung darstellt ; denn letztlich sind es nicht die Be- schäftigten, die Gewerbeflächen nachfragen, sondern der einzelne Be- trieb. Jedoch korreliert die Beschäftigtenzahl in den meisten Wirtschafts- abschnitten nachweislich hoch mit der realen Flächennachfrage und bie- tet sich deshalb besonders zur Einschätzung der zukünftigen Flächenbe- darfe an.40 Aus diesem Grund stellt das trendbasierte Prognosemodell eine zentrale Grundlage zur Einschätzung des künftigen Gewerbeflächen- bedarfs dar und wird im Anschluss dem extrapolierten Wert der bisheri- gen Realverkäufe gegenübergestellt und zu einem Gesamtwert abgelei- tet. Dass die trendbasierte Prognose aufgrund der Differenzierung der Flächennachfrage entsprechend der Wirtschaftszweige auch Aussagen zu unterschiedlichen Standorttypen ermöglicht, stellt dabei einen wesentli- chen Vorteil gegenüber der oftmals anonymisierten Kaufpreissammlung dar. 40 Das Modell unterstellt also auf indirektem Weg einen positiven Zusammenhang zwi- schen Beschäftigtenzahl und Flächenverbrauch. Ein möglicherweise starkes Beschäftig- tenwachstum in den ersten Jahren der Prognose, welches höher als der ermittelte Ziel- wert im Jahr 2040 liegt, würde hierbei keine direkten Rückschlüsse auf die Genauigkeit der Prognose ermöglichen, weil sich die Schätzung auf eine Berechnung zum Zieljahr der Prognose bezieht. Es muss ebenso beachtet werden, dass allein aufgrund des ste- tigen Freifallens von Flächen/ Immobilien im Zuge von Nutzerwechseln sogar eine über 3.3.1 Gewerbeflächenbedarf nach Trendprog- nose Als Stützwert für die nachfolgenden Prognosen dient die Entwicklung der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) aus dem Zeitraum 2008 bis 2020 . Dabei kann eine Gesamtzunahme exponentiellen Charakters von etwa 13.000 SvB festgestellt werden, verteilt auf verschiedene Wirt- schaftszweige. Auf Basis dieser Stützwerte wird die Zahl der Beschäftigten in Darmstadt zwischen 2021 und 2040 gemäß der trendbasierten Beschäftigtenprog- nose um etwa 23.000 Personen zunehmen. Ausgehend von der Beschäftigtenentwicklung im Stützzeitraum 2008 bis 2020 wird für Darmstadt bis zum Zieljahr 2040 von einem Wachstum der grundsätzlich gewerbeflächenrelevanten Beschäftigten in Höhe von rund 22.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (SvB) ausgegangen. Dieses Wachstum wird sich vor allem auf die wirtschaftsnahen sowie auf die sonstigen Dienstl eistungen und aus heutiger Sicht in besonderem Maße auch auf das verarbeitende und produzierende Gewerbe beziehen. Gerade für den Büromarkt ist zu beachten, dass sich in einem kurz - bis mittelfristigen Betrachtungszeitraum stagnierende Tendenzen ergeben.41 die Jahre konstante Beschäftigtenzahl einen wachsenden Flächenverbrauch nach sich ziehen wird. Dies zeigen auch die offiziellen bundesweiten Flächennutzungsstatistiken. Zur laufenden Kontrolle bietet sich ein Monitoring an, das in einem Zeitabstand von nicht weniger als 5 Jahren durchgeführt werden sollte. 41 Vgl. z.B. Corona-Winter macht auch den Frankfurter Büromarkt krank, in: Immobilien- Zeitung 1/21 Tabelle 7: Im Trendmodell verwendete Flächenkennziffern (FKZ) Verarbeitendes, produzierendes Gewerbe 200 qm je Beschäft. Baugewerbe 150qm je Beschäft. Verkehr, Logistik und Lagerhaltung 250 qm je Beschäft. Dienstleistungen 75 qm je Beschäft. Handel 150 qm je Beschäft. Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2020 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 42 *: Aufgrund der Einflüsse der globalen Covid-19 Pandemie wird die Zahl an gewerbeflä- chenrelevanten Beschäftigten im Dienstleistungsbereich um ca. 20 % reduziert. **: Der Wert weist lediglich die relevanten Beschäftigten aus. Diese sind wiederum nur teil- weise auch mit den Gewerbeflächennachfragern (Teilmenge davon) identisch. Quelle: Beschäftigtenstatistik der Bundesagentur für Arbeit, 2020 Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Übertragen auf das beschäftigtenbasierte Trendprognose-Modell lässt sich für die Wissenschaftsstadt Darmstadt ein durchschnittlicher Gewer- beflächenbedarf in Höhe von jährlich ca. 7,5 ha (netto) ermitteln. In der Prognose bis 2040 führt dies zu einem rechnerischen Nettoflächenbedarf von etwa 140 ha (netto) (vgl. Tab. 9). Gewerbetypen Flächenbedarf (netto) in ha Flächenbedarf (brutto) in ha Verarbeitendes, produzierendes Gewerbe 82,4 109,9 Baugewerbe 0 0 Verkehr, Logistik und Lagerhaltung 11,4 15,2 Dienstleistungen 48,3 64,4 SUMME 142,4 190 Anmerkung: Die Werte sind als Modell-Ergebnisse zu interpretieren und sollen nicht dazu dienen, eine Scheingenauigkeit zu vermitteln. Es geht also vorrangig um die Größenordnungen und Relationen zueinander. Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Stellt man diese Werte denen der bisherigen Flächeninanspruchnahme (reale Flächenumsätze der Gewerbegrundstücke gemäß Kaufpreissamm- lung) gegenüber, so zeigt sich, dass die Prognosewerte, umgerechnet auf Durchschnittsjahre, nahezu doppelt so hoch sind. Die Anzahl/Summe der Realverkäufe dürfte dabei in Zusammenhang mit den wenigen verfügba- ren Potenzialflächen stehen , sodass u.a. Unternehmensabwande rungen beobachtbar waren. 1) Ø jährlicher Bedarf Trendprognose 2) Ø jährliche reale Flächenumsätze Darmstadt 7,5 ha 4,35 ha Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Ausgangs- wert: Beschäf- tigte 2020 Prognose: Beschäftigte 2040 Rundungswerte Zu-/Ab- nahme der SvB 2021 bis 2040 Rundungswerte Verarbeitendes, produzierendes Ge- werbe 23.539 37.500 14.000 Baugewerbe 2.805 2.200 -600 Verkehr, Logistik und Lagerhaltung 2.660 2.700 40 Dienstleistungen* 46.272 55.000 9.000 Beschäftigte Insgesamt (Gewerbeflä- chen relevant)** 75.276 97.500 22.200 nicht berücksichtigt (z. B. Landwirt- schaft, Erziehung, Heime) 31.483 38.000 6.500 Gesamtbeschäftigte 106.759 136.000 29.000 Tabelle 8: Beschäftigtenprognose Wissenschaftsstadt Darmstadt (2021 – 2040) Tabelle 9: Rechnerischer Flächenbedarf entsprechend der Trendprognose (2021-2040) Tabelle 10: Gegenüberstellung von Trendprognose und realen Flächenum- sätzen (Bedarf pro Jahr) Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 43 Unter Annahme eines ca. 25 %-igen Anteil Grünflächen etc.42 würde der jährliche Gewerbeflächenbedarf (brutto) ca. 10 ha entsprechen. Dabei liegen die Erwartungen gemäß trendbasiertem Flächenbedarfsprognose- modell oberhalb der Werte, die sich aus einer Fortschreibung der Real- verkäufe ergeben. 1) jährlicher Bedarf (netto) Jährlicher Be- darf (brutto) Flächenbedarf 2040 (netto) Flächenbe- darf 2040 (brutto) 7,5 ha 10 ha 142 ha 190 ha 42 Untersuchungen zeigen, dass, je nach Erschließungssystem, Baudichte etc. regelmäßig ca. 25 % der Gesamtfläche eines Gewerbegebietes auf Verkehrsflächen, Grünflächen, Gemeindebedarfsflächen etc. entfallen. 3.4 Entwicklungsszenarien bzw. Varianten des Gewerbeflächenbedarfs Im Rahmen des GIFPRO -Modells werden für Darmstadt Varianten des Gewerbeflächenbedarfs auf Basis von drei Entwicklungsszenarien erar- beitet: ▪ Szenario I: Mittleres Entwicklungsszenario (Trendmodell) Szenario I baut als eine kalibrierte GIFPRO -Prognose für di e Wissen- schaftsstadt Darmstadt auf bundesweit empirisch abgesicherten Kennzif- fern, u.a. Ansiedlungsquote, Verlagerungsquote, Wiedernutzungsquote und nutzungsspezifischen Flächenkennziffern , auf. Diesem Ansatz liegt auch das im Masterplan DA 2030+ formulier te Leitbild einer dynami- schen Bevölkerungsentwicklung mit entsprechenden Bedarfen an Ar- beits- und Ausbildungsplätzen zugrunde. Dem mittleren Entwicklungsszenario liegen für die GIFPRO -Analyse Werte der Beschäftigtentrendprognose sowie gewerbeübliche Kennzi f- fern vor. Dabei wird von einer Wiedernutzungsquote bei brachfallenden Flächen von 55 % (Dienstleistungsflächen 90 %) sowie einer Neuansied- lungsquote von 0,1 (Dienstleistungen 0,7) ausgegangen. Tabelle 11: Flächenbedarfsprognose bis 2040 gemäß Trendprognose Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 44 ▪ Szenario II: Moderate Entwicklung Im Szenario II wird davon ausgegangen, dass sich – nicht zuletzt durch die beobachtbaren Wirkungen der Corona-Pandemie – in den kommen- den Jahren ein geringeres Wirtschaftswachstum mit Auswirkungen auf die (gewerbeflächenrelevante) Beschäftigtenentwicklung ergeben wird.43 Neuansiedlungen werden im Ergebnis voraussichtlich in einem geringe- ren Umfang stattfinden und zusehends wird sich die Nachfrage nach Bü- roflächen – u. a. aufgrund der Zunahme an Heimarbeit – tendenziell ver- langsamen.44 Das Gesund heits- und S ozialwesen wird auch unter Be- schäftigungsaspekten an Bedeutung gewinnen.45 Aus stadtentwicklungspolitischer Sicht wird konsequent darauf hingear- beitet, durch eine Erhöhung des Gewerbeflächenrecycling bzw. eine sig- nifikante Erhöhung der Wiedernutzungsquote von gewerblichen Flächen den gesamtstädtischen Gewerbeflächenbedarf insgesamt zu verringern. Im Detail wird in der GIFPRO-Analyse (Szenario II) davon ausgegangen, dass die Beschäftigtenentwicklung zwar weiterhin positiv, jedoch um 20 % geringer ausfällt al s die Trendprognose voraussagt. Zudem wird die Wiedernutzungsquote von Gewerbestandorten um 20 bzw. 5 (Bereich Dienstleistungen) Prozentpunkte erhöht und die Neuansiedlungs quote um 10 % verringert. 43 Das ifo Leibnitz-Institut für Wirtschaftsforschung geht ab 2023 von einer sinkenden Er- werbsbevölkerung und einer rückläufigen Partizipationsquote aus. Vgl. ifo-Schnelldienst, 12.2020. 44 Vgl. u.a. ZIA - Der Zentrale Immobilien Ausschuss e.V., Herbstgutachten 2020 („Büro- markt auf Richtungssuche“). ▪ Szenario III: Dynamisches Wachstum Im Szenario III wird von einem dynamischen Wachstumsprozess in der Wissenschaftsstadt Darmstadt ausgegangen. Aufgrund der sehr guten Infrastrukturausstattung und Verkehrsanbindung, dem diversifizierten Unternehmensbesatz und den Hochschuleinrichtungen wird in der Ge- samtbetrachtung unterstellt, dass sich Wachstumsprozesse u. a. durch ei- nen hohen Vernetzungsgrad und eine überdurchschnittliche Innovati- onsfähigkeit des Standortes Darmstadt bzw. der Region Südhessen erge- ben.46 Ein beobachtbarer Trend im Hinblick auf eine verstärkte Urbanisie- rung bildet eine Säule der dynamischen Entwicklung. Vor diesem Hinter- grund werden sowohl verstärkte Impulse auf das Gründungsgeschehen, aber auch die dynamische Ansiedlung von neuen und das Wachstum von bestehenden Unternehmen als Annahmen zu Grunde gelegt. Entgegen des Szenario I wird in der GIFPRO Analyse (Szenario III) davon ausgegangen, dass die Beschäftigtenentwicklung um rund 20 % stärker ausfällt als in der Trendprognose dargestellt. Zudem erhöht sich die Neu- ansiedlungsquote um 10 %. 45 Das IAB formuliert hierzu – auch mit Bezug auf die Wirkungen der Corona-Pandemie: „2040 wird das Gesundheits- und Sozialwesen der größte Wirtschaftsbereich sein“. Vgl. IAB Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Presseinfo vom 12.1.2021. 46 Hierzu „War‘s das mit der Krise am Bürovermietungs markt ?“, Zusammenfassung von Flächenumsatz-Studien durch die Haufe Online Redaktion, April 2021. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 45 Ergebnisse der Entwicklungsszenarien Das Szenario I, welches auf bundesweit empirisch abgesicherten Kenn- zahlen basiert, wurde in den letzten Kapiteln eingehend beleuchtet und die Ergebnisse dessen vorgestellt. Für die Szenarien II und III wurden, wie erläutert, die Neuansiedlungs- und Wiedernutzungsquote sowie die Be- schäftigtenkennzahlen in unterschiedlicher Weise aktualisiert. Bei Anset- zung angepasster Zahlen ergeben sich dadurch folgende Daten: Szenario Flächenbedarf pro Jahr netto Flächenbedarf pro Jahr brutto Flächenbe- darf netto Flächenbe- darf brutto I - Trend 7,5 ha 10 ha 142 ha 190 ha II - Mo- derat 6,0 ha 8 ha 115 ha 150 ha III - Dy- namisch 9 ha 12 ha 170 ha 225 ha Berechnungen: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Quelle: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 3.5 Fazit: Gewerbeflächenbedarf Im Hinblick auf die Prognose des Gewerbeflächenbedarfs bis zum Zeit- horizont 2040 sind zum einen unterschiedliche Methoden, zum anderen verschiedene Entwicklungsszenarien bearbeitet bzw. entwickelt worden. Über die differenzierte Auswertung der Kaufpreissammlung des Gut- achterausschusses wurde im Stützzeitraum ein jährlicher Bedarf in einer Höhe von ca. 4,3 bis 4,4 ha (netto) ermittelt. Dieser Wert erscheint uns aus gutachterlicher Sicht als zu gering, um ihn im Hinblick auf die Gewer- beflächenbedarfsprognose zugrunde zu legen. Der Hauptpunkt hierfür liegt in einem „Engpass“ an Gewerbeflächen, die in verschiedenen Doku- menten sowie den durchgeführten persönlichen G esprächen zum Aus- druck kamen. Die den Prognosemodellen und Flächenbilanzierungen zugrunde gelegte trendbasierte Gewerbeflächenprognose kommt im Ergebnis der trendba- sierten Entwicklung (Szenario I) zu einem jährlichen Bedarf von ca. 7,5 ha (netto) an Gewerbeflächen. Dieses Szenario beruht im Wesentlichen auf einer Fortschreibung der relevanten Kennziffern im Rahmen des GIFPRO- Modells. Unterschiedlich werden die strukturellen Wandlungsprozesse sowie die möglichen Wirkungen der Corona -Pandemie von wissenscha ftlicher Seite beurteilt. Insbesondere da für die Corona-Pandemie noch keine zu- verlässigen Modelle entwickelt wurden. Wir gehen dav on aus, dass die eher stagnierenden Entwicklungen in den kommenden 2-3 Jahren in un- terschiedlichen Nachfragesegmenten zu berücksichtigen sind. 0 50 100 150 200 250 2021 2040 Bedarfe in ha Trendbasiert Moderat Dynamisch Tabelle 12: Flächenbedarfe entsprechend unterschiedlicher Entwicklungs- szenarien (gerundete Werte) Abbildung 19: Flächenbedarfskorridor nach Entwicklungsszenarien (brutto) Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 46 In einer unteren Variante („moderates Wachstum“) werden Flächenbe- darfs reduzierende Indikatoren angesetzt (z. B. Verringerung der Ansied- lungsquote), so dass sich in diesem Rechenmodell ein um rund 20 % re- duzierter Gewerbeflächenbedarf bis zum Jahr 20 40 ergibt. In einer obe- ren Variante („dynamisches Wachstum“) wird insbesondere davon aus- gegangen, dass Darmstadt aufgrund der Rahmenbedingungen einen sehr resilienten Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort darstellt. Hieraus resultiert ein Gewerbeflächenbedarf, der rund 20 bis 25 % über den der Trendprognose hinausgeht. In der Gesamtabwägung kommen wir zu dem Ergebnis, dass das der Ge- werbeflächenbedarfsprognose zugrunde gelegte untere und mittlere Szenario eine sinnvolle und plausible Beurteilungsspanne darstellt. In der weiteren Betrachtung werden die rechnerisch ermittelten Prognosedaten im Segment Verkehr und Logistik reduziert, da die Realisierung von groß- flächigen Logistik-Parks aktuell nicht den Zielsetzungen der Stadt - und Strukturentwicklung entspricht. Zusammenfassung Kapitel 5: Prognose des Gewerbeflächenbedarfs 2040 • Im Zeitraum 2010 bis 2019 wurden in der Wissenschaftsstadt Darmstadt insgesamt etwa 65 ha Gewerbeflächen veräußert. • Bis zum Jahr 20 40 wird gemäß der trendbasierten Zukunftsprognose eine Zunahme der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um circa 29.000 prognostiziert. Etwa 22.000 davon sind als gewerbeflächenrelevant einzustufen. • Der prognostizierte Gewerbeflächenbedarf variiert je nach Entwicklungsszenario zwischen jährlich 8 ha (moderate Entwicklung , brutto) und 10 ha (trendbasierte Entwicklung, brutto). Die Werte dieser beiden Szenarien werden auch unter Berücksichtigung aktueller volks- wirtschaftlicher und immobilienökonomischer Studien als realitätsnahe Leitplanken angesehen. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 47 4 Gewerbliche Innenentwicklungspotenziale 4.1 Räumliche Verteilung der Gewerbege- biete in Darmstadt Für das Gewerbeflächenentwicklungskonzept werden in Darmstadt 15 Gewerberäume betrachtet und bewertet. Die Gewerberäume befinden sich vorwiegend in den Stadtteilen im Norden und Westen sowie im In- nenstadtrandbereich (vgl. Abbildung 20). Zusammengefasst sind im Stadtgebiet Darmstadt rund 351 ha gewerbli- che Grundstücksflächen verortet, wovon rund 90 % sich in der Kernstadt befinden. Das Gewerbegebiet Nordwest stellt dabei mit etwa 1,6 Quad- ratkilometern das größte im Stadtgebiet dar (Nummer 6 in Abb. 19). Das flächenmäßig zweitgrößte Gewerbegebiet (Nr. 3 in Abb. 1 9) wird in seinem gesamten Ausmaß von 1,25 k qm vom Pharmaunternehmen Merck genutzt, welches mit über 10.000 Mitarbeitern zugleich der größte Arbeitgeber in der Stadt und Region ist. Mit einem Gewerb esteuerhebesatz von 454 % liegt die Wissenschafts- stadt Darmstadt deutlich über bundesweiten Durchschnitt (361 %) und auch über dem regionalen Vergleich (Ø Regierungsbezirk Darmstadt: 376 %). Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt Abbildung 20: Gewerbegebiete in Darmstadt Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 48 4.2 Methodik Nachdem im vorangegangenen Kapitel 5 der zu erwartende Gewerbeflä- chenbedarf bis zum Zieljahr 2040 eingeschätzt wurde, gilt es, diesem Be- darf das bereits verfügbare Flächenangebot gegenüberzustellen, um eine Erste Flächenbilanz erstellen zu können. Zur Bestimmung eines zusätzlichen Gewerbeflächenbedarfs muss ne- ben den Entwicklungen auf Nachfrageseite in analoger Weise (nach Standorttypen qualifiziert) auch das Flächenangebot betrachtet werden. Ziel dieser Untersuchung ist es daher, das aktuelle, tatsächlich verfügbare sowie auch das perspektivisch zur Verfügung stehende Angebot an Ge- werbeflächen zu erheben und entsprechend der erwarteten Flächenbe- darfe zu bewerten (v.a. hinsichtlich Verfügbarkeit und Marktgängigkeit). Neben den planerisch gem. § 30 BauGB als GE und GI festgesetzten Ge- werbestandorten (und ggf. Fällen nach § 34 BauGB), die gemeinhin als Potenziale der Innenentwicklung zu betrachten sind, werden nachfol- gend auch die lediglich im Flächennutzungsplan (FNP) als gewerbliche Baufläche dargestellten Flächen (FNP-Potenziale) ermittelt und bewertet. Hierüber werden die perspektivischen Potenziale erfasst. Es wurden bestimmte Kriterien vorausgesetzt, welche die Flächen vorwei- sen müssen, um als Flächenpotenzial bewertet zu werden. Die Flächen können dabei sowohl unbebaut, freistehend als auch bebaut oder bewal- det sein. Bebaute Gebiete müssen dabei jedoch entweder einen offen- sichtlichen Leerstand aufweisen oder in Absprache mit der Stadtverwal- tung Darmstadt als aktivierbare Fläche ausgewiesen sein. Faktoren wie eine vorhandene Straßenanbindung oder Eigentumsverhältnisse wurden dabei nicht berücksichtigt. Ebenfalls nicht berücksichtigt wurden Flächen im Ausmaß von unter 1.000 qm. Die Erfassung der Flächenpotenzial e erfolgte durch die cima. Dabei ori- entiert sich die Flächenpotenzialerfassung im Wesentlichen am FNP und den 15 ausgewiesenen Gewerbegebieten. 4.3 Ermittlung bestehender und perspektivi- scher Flächenpotenziale 4.3.1 Vorhandene Baulandpotenziale Die erfassten Flächen konzentrieren sich insbesondere auf das Gewerbe- gebiet Nordwest, in welchem 1 5 der insgesamt 40 erfassten Freiflächen dokumentiert wurden. Insgesamt wurden in elf der 15 Gewerbegebiete in Darmstadt Freiflächen bei der Ortsbegehung erfasst. Im Gewerbegebiet Nordwest konnten insgesamt Freiflächen von ca. 14 ha identifiziert werden. Zuzüglich der Gewerbegebiete Bürgerpark, Bun- sen-/Haasstraße, Mornewegviertel, Verlege rviertel, Kelley-Quartier und dem Technologiezentrum Rhein-Main stellt die Innenstadt in ihren Stadt- teilen Darmstadt-Nord und -West mit knapp 35 ha etwa zwei Drittel aller gewerblichen Freiflächen. Das Gewerbegebiet Eberstadt sowie die Kon- versionsfläche Griesheim Airfield stellen mit etwa 5 bzw. 8,5 ha ebenfalls einen großen Anteil der Freiflächen. Ergänzt wird das Angebot von ver- gleichsweise kleinen Freiflächen in den Wixhausen und Arheilgen. Das Technologiezentrum Nord wird in seinem gesamten Umfang vom Unternehmen Merck KGaA besetzt, weshalb dort keine Freiflächen iden- tifiziert werden konnten. In der Summe liegen somit grundsätzlich entwickelbare, gewerblich nutz- bare Flächen in einer Größenordnung von rd. 50 ha (brutto) vor, zuzüglich der FNP-Potenzialflächen. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 49 Flächenanzahl Summe Fläche in ha (brutto) Wixhausen 1 1,2 Arheilgen 2 0,5 Bürgerpark 1 1 Gewerbegebiet Nord- west 15 13,7 Bunsen-/Haasstraße 3 1,5 Mornewegviertel 1 5,2 Verlegerviertel 1 1,8 TZ Rhein Main 4 1,8 Kelley-Quartier 6 9,9 Griesheim Airfield 1 8,5 Eberstadt 5 4,7 Summe 40 50,1 Quelle: Erhebung der cima Beratung + Management GmbH 2021 Hierbei gilt es zu berücksichtigen, dass alle Baulandpotentiale angerech- net wurden, unabhängig von der tatsächlichen Marktgängigkeit. Eine ein- geschränkte Marktgängigkeit der Flächen muss unterstellt werden, wenn der Grundstückseigentümer (privat und öffentlich) ▪ keine Verkaufsbereitschaft zeigt ▪ überzogene Preisvorstellungen und/ oder langfristige Nutzungsvor- stellungen hat ▪ nur auf Verkauf oder nur auf Vermietung gerichtetes Interesse zeigt ▪ eine mangelnde Kompromissbereitschaft zeigt ▪ Erbstreitigkeiten bestehen ▪ oder kleinräumige Entwicklungshemmnisse (z. B. Altlasten) die Ver- fügbarkeit einschränken. Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: cima 2021 Tabelle 13: Flächenpotenziale der einzelnen Gewerbegebiete Darmstadts Abbildung 21: Räumliche Verteilung der summierten Gewerbeflächenpo- tenziale in Darmstadt Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 50 In den Standortbereichen „Arheilgen West“ und „Wixhausen Ost“ wird die mögliche Durchführung städtebaulicher Entwicklungsmaßnahmen unter- sucht. Als vorläufige Ziele der Maßnahme in den beiden Standortberei- chen ist die Bereitstellung von gewerblichen Flächen zur Befriedigung der entsprechenden Nachfrage sowohl bereits ansässiger Unternehmen (im Sinne einer aktiven Bestandsentwicklung) sowie auch der Nachfrage nach gewerblichen Flächen von externen Unternehmen (im Sinne einer aktiven Ansiedlungspolitik) anzuführen. 4.3.2 FNP-Potenzialflächen Aus planerischer Sicht und hinsichtlich einer Aussage zum zukünftigen Erweiterungsbedarf, sind neben den Innenentwicklungsflächen auch die Potenziale heranzuziehen, die sich aus den bestehenden Flächennut- zungsplänen ergeben (und als realistisch bewertet werden). Denn grund- sätzlich sollte die Aktivierung zusätzlicher Flächen im Außenbereich vor- rangig auf den bereits als Gewerbliche Entwicklungsfläche dargestellten Potenzialen gemäß FNP erfolgen, bevor zusätzliche weitere Flächenent- wicklungen vorbereitet werden. Anders als die Bewertung der Innenentwicklungspotenziale, muss sich die qualitative Einschätzung der FNP-Potenzialflächen allerdings an anderen Kriterien orientieren. Schließlich existiert i.d.R. noch kein städtebauliches Konzept, aus dem sich einzelne Parzellierungen, Lagebeziehungen, Er- schließungssysteme (innere Erschließung) etc. ableiten ließen. Ebenso be- finden sich diese Flächen in aller Regel in privatem Eigentum oder sind längerfristig gebunden (z.B. Pachtverträge). Die Flächen sind entweder verfügbar oder nicht. Daher ist insbesondere bei diesen Flächen auf die Aktivierbarkeit dieser zu achten. In der Wissenschaftsstadt Darmstadt wurden dabei insgesamt sechs Ge- werbepotenzialflächen erkannt . Diese verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. So wu rden FNP-Potenzialflächen in bzw. an den Gewerbe- gebieten Wixhausen, TZ Rhein -Main und Eberstadt erkannt. Zudem konnten bei der Vor-Ort-Erhebung Potenzialflächen in der Siedlung Tann am Rande zur Gemeinde Griesheim und in der Kirchtannensiedlung , im Süden von Eberstadt, identifiziert werden. Die Siedlung Tann ist mit seiner Lage unmittelbar im Darmstädter Kreuz in Schutzwaldfläche zwischen der Kernstadt Darmstadt und der Ge- meinde Griesheim gelegen und somit verkehrlich bestens angebunden. Die Siedlung, welche an sich bereits lediglich etwa 7,5 ha umfasst, ist ge- mäß den FNP zum größten Teil als Wohnbaufläche ausgewiesen. Die ge- werblichen Bauflächen im Nordwesten davon sind durch ein großflächi- ges Bürogebäude, in welchem zahlreiche Unternehmen verortet sind, be- baut. An dieses Bürogebäude angeschlossen wurde von der cima eine Gewerbepotenzialfläche im Ausmaß von circa 1.800qm (0,18 ha) identifi- zert. In der im südlichen Bereich Darmstadts gelegenen Kirchtannen Siedlung, welche nach dem FNP ebenfalls vorwiegend als Wohnbaufläche ausge- wiesen ist, konnte eine Gewerbepotenzialflächen von etwa 0,64 ha iden- tifiziert werden. Diese Freifläche befindet sich auf dem Gelände einer Spezialmaschinenfabrik. Im Ergebnis konnten zusammenfassend etwa 11,4 ha FNP-Potenzialflä- chen identifiziert werden, welche im FNP als gewerbliche Baufläche aus- gewiesen sind. Die Flächen sind in ihrer Aktivierbarkeit differenziert zu betrachten, was unter anderem an aktuellen Besitzverhältnissen als auch natürlichen Umständen wie bspw. der Bepflanzung der Flächen liegen kann. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 51 FNP Gebiets- Bezeichnung Nut- zung Flächen- größe (brutto) Anmerkung Wixhausen G B-Plan Wx 13 Agrar 4,3 Landw. Nutzung G B-Plan Wx 13 Agrar 3,9 Landw. Nutzung Siedlung Tann G Siedlung Tann; Peka Park Grünfl. 0,2 Bewaldet; angrenzend bebaute Wohnbauflächen TZ Rhein Main G B-Plan W 23 Wald 1,6 Bewaldet Eberstadt G Marienburgstr./ Industriestr. Wald 0,5 z.T. bewaldet Kirchtannensiedlung G Kirchtannensiedlung; Grundstück OKA-Spe- zielmaschinenfabrik Grünfl. 0,9 ha Leicht bewaldet; an- grenzend bebaute Wohnbaufläche SUMME 11,4 ha Quelle: Erhebung der CIMA Beratung + Management GmbH 2021 4.3.3 Zwischenfazit Die Wissenschaftsstadt Darmstadt verfügt über einige Flächenpotenziale, wobei die erfassten Flächen zum Teil auch seit längerer Zeit ungenutzt sind (was auf mangelnde Eignung/ Verfügbarkeit schließen lässt ). Zum anderen sind ein weiterer Teil der Flächen erst kurzfristig frei geworden, wobei eine Nachnutzung bereits festgelegt sein kann. Summiert aus den nutzbaren Potenzialflächen (Innenentwicklung, Arron- dierungsflächen) ergeben sich im Stadtgebiet Darmstadt etwa 62 ha Flä- chenpotenzial. Die Potenzialflächen sind dabei über nahezu alle benannten Gewerbege- biete verteilt. Dabei sind sowohl Potenzialflächen für klassisches Gewerbe mit höheren Störwirkungen und Emissionen (v.a. Gewerbegebiet Nord- west) als auch für Unternehmen der Medium-Tech-Branchen und v.a. un- ternehmensbezogene Dienstleister vorhanden. Inbegriffen in den Flächenpotenzialen sind zudem Flächen, welche als Sonderbaufläche ausgewiesen sind und aktuell noch anderweitig genutzt werden, von der Stadt Darmstadt aber als zukünftige Gewerbefläche ge- sehen wird (z.B. ehem. Papierfabrik Eberstadt), sowie FNP -Potenzialflä- chen. Nennenswert bei der Einordnung der vorhandenen Flächenpotenziale sind zudem Kasernenflächen, welche bis dato noch genutzt werden und daher nicht als Potenzialflächen gewertet wurden, bei welchen eine ge- werbliche Nutzung jedoch nicht auszuschließen ist (z.B. Starkenburg -Ka- serne). Das ist besonders vor dem Hintergrund der Umnutzung ge werb- licher Flächen in Wohnraum zugunsten von Marktentlastungen zu nen- nen. Dabei wurden zum Ausgleich US -Konversionsflächen gewerblich umgewidmet. Tabelle 14: Übersicht der FNP-Flächenpotenziale Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 52 Die Besitzverhältnisse der erhobenen Flächenpotenziale, sowohl der vor- handenen Baulandpotenziale als auch der FNP-Potenzialflächen, wurden in Rücksprache mit der Stadt Darmstadt zwischen privaten, städtischen und sonstigen öffentlichen unterschieden (vgl. Abb. 22). Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt, DAVID Buch Die vorhandenen gewerblichen Innentwicklungspotenziale verteilen sich mit etwa 33,7 ha und über 50 % auf Flächen im Privateigentum. Die Stadt Darmstadt sowie das Land Hessen bzw. die Bundesanstalt für Immobi- lienaufgaben (BlmA) sind im Besitz von jeweils ca. 23 % der Potenzialflä- chen. 33,7 13,8 14,2 Privat Städtisch Sonstig öffentlich (BlmA, Land Hessen) Abbildung 22: Eigentumsverhältnisse der gewerblichen Innenentwicklungs- potenziale (in ha) Zusammenfassung Kapitel 6: Gewebeflächenpotenziale Darmstadt • (wieder-/weiternutzbare) Gewerbliche Potenzialräume finden sich im gesamten Stadtgebiet • Die überwiegende Anzahl der Flächen ist im privaten Besitz • Insgesamt wird von rund 62 ha Potenzialflächen im Bestand bzw. FNP-Potenzialflächen ausgegangen. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 53 5 Bilanz Wie im vorangehenden Kapitel ermittelt, liegen die summierten Potenzi- ale aus Innen- und Außenentwicklungsflächen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt bei ca. 62 ha (brutto). Selbst in dem Fall, dass alle diese anrechenbaren Potenziale genutzt wer- den könnten (v.a. im Falle der FNP -Potenziale kann dies nicht sicherge- stellt werden), würden diese Flächen lediglich ausreichen, um weniger als die Hälfte des Bedarfs bis 2040 zu decken. In der realitätsnahen Einordung der potenziell zu aktivierenden Flächen ist folgendes zu berücksichtigen: ▪ Es gibt in Darmstadt kaum aktivierbare Flächenpotenziale im kommunalen Eigentum; d.h. die Möglichkeiten der aktiven Steu- erung der Nutzung sind deutlich eingeschränkt. ▪ Alle empirischen Untersuchungen im Bundesgebiet zeigen, dass die (gewerblichen) Aktivierungsmöglichkeiten von latent vorhan- denen Flächen in der Praxis in Kommunen deutlich unter 100% liegen.47 Für den gewählten Prognosezeitraum setzen wir eine Quotenspanne von rund 60-70 % an mobilisierbaren Flächen, d.h. bereits einen hohen Wert im Kommunalvergleich, an: ▪ Es gibt eine eindeutige stadtentwicklungspolitische Zielsetzung, Innenpotenziale entsprechenden Nutzungen zuzuführen, 47 Vgl. u.a. ISI Institut für Stadt und Immobilie mit Institut für Stadt- und Regionalentwick- lung an der Hochschule Nürtingen-Geislingen, Studie im Auftrag des Ministeriums für ▪ Die gewerbliche Flächennachfrage zeigt sich auf Grund der dar- gestellten Rahmenbedingungen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt auch perspektivisch positiv. ▪ Die mobilisierbare Summe aus den ermittelten ha Innen- und Außenentwicklungsflächen beläuft sich daher auf ca. 40 ha. Berechnung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 Für den Prognosezeitraum ergibt sich ein rechnerisches Flächendefizit in Höhe von rd. 82-113 ha (netto) für die Wissenschaftsstadt Darmstadt. Soll zur Deckung dieser Defizite über entsprechende Darstellungen im Flächennutzungsplan (FNP) eine planungsrechtliche Vorbereitung erfol- gen, so sind auf die Nettoflächen -Defizite wiederum entsprechende An- Verkehr und Infrastruktur Baden-Württemberg, 2018; cima, Aktualisierung der Gewer- beflächenbedarfsanalyse für die Stadt Karlsruhe, 2021 Tabelle 15: Gegenüberstellung von Gewerbeflächenbedarf (bis 20 40) und Potenzialflächen Prognostizierte Bedarfe bis 2040 Flächen- potenziale Bilanz Gesamtbe- darfe (netto) Gesamtbe- darfe (brutto) Gesamtpo- tenzial (brutto) Zusätzlicher Gewerbeflä- chenbedarf (netto) Zusätzlicher Gewerbeflä- chenbedarf (brutto) 115-142 ha 150-190 ha 40 ha 82-113 ha 110-150 ha Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 54 teile für Erschließungsanlagen, Grünflächen, Ausgleichsflächen, Gemein- bedarfsflächen etc. einzukalkulieren, sodass sich ein Bruttoflächenbe- darf in Höhe von rd. 110 bis 150 ha ergibt. Um das weitere Wirtschaftswachst um in der Wissenschaftsstadt Darm- stadt nicht zu gefährden, sollten bereits mittelfristig, also innerhalb der nächsten 3 bis 5 Jahre, nicht nur weitere Flächenausweisungen erfolgen, sondern auch Bauland im erforderlichen Umfang erschlossen werden. Entsprechend dieser Ausführungen wird im Ergebni s der strategischen Bilanz die Aktivierung weiterer Entwicklungsflächen in größerem Umfang und vor allem in räumlichem Zusammenhang mit anderen Nutzungen sowie unmittelbarer Nähe zu den (über)regional relevanten Verk ehrsinf- rastrukturen empfohlen. Geeignete Suchräume sind bereits Gegenstand der Strategie einer po- tenziellen Gewerbegebietsentwicklung im Darmstädter Norden . Im nächsten Schritt werden die beiden in Frage kommenden Potenzial- räume, Arheilgen West und Wixhausen Ost, vor dem Hintergrund der Rahmenbedingungen auf der Mikrostandorteb ene sowie des gewerbli- chen Flächenbedarfs diskutiert, um hieraus eine Empfehlung abzuleiten. Berechnung: CIMA Beratung + Management GmbH, 2021 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 2021 2040 Flächenbedarfe in ha (brutto) Bilanzierter, zusätzlicher Gewerbeflächenbedarf Abbildung 23: Bilanzierter Flächenbedarf bis 2040 in Darmstadt (brutto) in einer Korridorbetrachtung Zusammenfassung Kapitel 7: Bilanz • Für die Wissenschaftsstadt Darmstadt liegt nach Abzug der aufgeführten aktivierbaren Flächen ein Bruttobedarf von circa 110-150 ha an Gewerbeflächen bis zum Jahr 2040 vor. • Die dargestellte Summe am Gewerbeflächenbedarf wird den – gerade durch die aktuellen Entwicklungen ch arakterisierten - prog- nostischen „Unsicherheiten“ gerecht. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 55 Besonders vor dem Hintergrund der aktuellen und nicht ab- sehbaren Entwicklung im Zuge der Corona-Pandemie, welche sowohl aktuell als auch vermutlich in den kommenden Jah- ren Auswirkungen auf die Flächenbedarfe und Flächenveräu- ßerungen hat, wird bis zum Jahr 20 40 ein Flächenbedarfs- Korridor gebildet. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 56 6 Gewerbegebietsentwicklung Darmstadt Nord Besonders vor dem Hintergrund der bereits im Masterplan DA 2030+ be- leuchteten steigenden Flächenbedarfe im gesamten Ballungsraum Frank- furt/ Rhein-Main gilt es, in allen Gemeinden Flächenressourcen zu akti- vieren. Zwar steht die Wissenschaftsstadt auch aufgrund der räumlich funktionalen Verbindungen i m Austausch mit seinen Nachbargemein- den, dennoch soll das qualitative Wachstum im Stadtgebiet selbst aufge- nommen werden. Auch bestärkt durch die Forderung, Teile der Waren- produktion nach Deutschland und Europa zurückzuholen, um u.a. robus- tere Lieferketten zu schaffen , werden in Darmstadt neue Gewerbege- bietsbereiche zu erschließen sein. Als mögliche Potenzialräume sind die beiden Untersuchungsgebiete Arheilgen West und Wixhausen Ost von der Stadt definiert worden. Grundlage dieser städtebaulichen Zielsetzungen bildet – neben der ak- tuellen Gewerbeflächennachfrage – auch die prognostizierte Zunahme an Einwohnern in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Die vorhandene Le- bensqualität und das attraktive Arbeits - und Studienplatzangebot wer- den als wesentliche Faktoren für die positive Bevölkerungsprognose an- geführt.48 In der mit diesen Prognosen einhergehenden Flächennach- frage nach Wohnungen lässt sich hieraus auch ein entsprechender Bedarf an Flächen für Wirtschaft und Wissenschaft formuliere n. Bei diesen marktorientierten Tendenzen und Beobachtungen spielen auch städte- 48 Vgl. Magistratsvorlage Nr. 2019/0302. bauliche Entwicklungstrends, z. B. die Renaissance Innenstadt - bzw. in- nenstadtorientierte Wirtschaftsräume sowie die grundsätzlichen Ansätze einer Reurbanisierung, eine wichtige Rolle.49 6.1 Potenzialraum Arheilgen West Das Untersuchungsgebiet Arheilgen West umfasst ca. 130 ha überwie- gend landwirtschaftlich genutzter Fläche. Die Potenzialfläche westlich der Langener Straße (B3) ergänzt räumlich ein bestehendes Gewerbegebiet an der Weiterstädter Landstraße an drei Seiten. Aus verkehrlicher Sicht ist auf den nahegelegenen S -Bahn-Halt Darmstadt-Arheilgen hinzuweisen. Städtebaulich stellt die Langener Straße die wesentliche Zäsur zwischen dem bestehenden Gewerbestandort sowie den Potenzialflächen und dem vorhandenen Siedlungsbereich bar. Aufgrund der topograf ischen Situation, der verkehrlichen Anbindung 50 sowie den Perspektiven einer städtebaulichen -funktionalen Integration der bestehenden Gewerbeflächen, ist die infrage kommende Potenzial- fläche in Arheilgen West grundsätzlich für eine großflächige Gewerbeflä- chenentwicklung geeignet. Der Potenzialraum Arheilgen West ist sowohl mit Bus, Bahn, Fahrrad und motorisiertem Individualverkehr (MIV) sehr gut zu erreichen. 49 Zum Teil sind diese Entwicklungsperspektiven im Rahmen der Baunutzungsverordnung in Form der Urbanen Gebiete aufgegriffen worden. 50 Eine direkte Anbindung zur A 45 ist nicht vorhanden. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 57 Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt Kartengrundlage: openstreetmap.org Bearbeitung: cima Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 24: Potenzialraum Arheilgen-West Abbildung 25: Erreichbarkeit des Potenzialraum Arheilgen West Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 58 6.2 Potenzialraum Wixhausen Ost Die Potenzialfläche in Wixhausen Ost umfasst rund 100 ha und wird der- zeit insbesondere landwirtschaftlich genutzt. Prägend für die verkehrliche Anbindung ist die Lage der Potenzialräume westlich und östlich der Frankfurter Straße (B3) . Im Norden (Dompfaffweg) als auch im Westen (u.a. Am Oberen Michelfeld) grenzen die Potenzialflächen an Wohnbe- bauung an. Der nächste S-Bahn-Halt befindet sich im Zentrum von Darm- stadt-Wixhausen. Geplant ist bislang u.a. die Entwicklung eines ÖPNV- Depots. Die topografische Situation und die verkehrliche Anbindung über die B3 sind als positive Merkmale dieses Potenzialraums ein zuordnen, anderer- seits ist die direkte Angrenzung an Wohnbaugeb iete sowie die Entfer- nung zum nächsten S-Bahn-Halt zu berücksichtigen. Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt Der Potenzialraum Wixhausen Ost ist sowohl an das städtische ÖPNV- Netz angeschlossen als auch über Radhauptrouten mit dem Fahrrad si- cher zu erreichen. Kartengrundlage: openstreetmap.org Bearbeitung: cima Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 26: Erreichbarkeit des Potenzialraum Wixhausen Ost Abbildung 27: Potenzialraum Wixhausen Ost Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 59 6.3 Gesamtbetrachtung Darmstadt-Nord 6.3.1 Gesamteinordnung In der Gesamtbetrachtung stellen beide Standortbereiche aufgrund der Größenstruktur und der verkehrlichen Erreichbarkeit geeignete Potenzi- alflächen unter gewerbepolitischer Sicht dar. Im Rahmen einer zeitlich gestaffelten, nachfrageorientierten und räumlich d ifferenzierten Stufen- entwicklung ergibt sich damit die Möglichkeit, beide Standortbereiche in die gewerbliche Gesamtentwicklung Darmstadts einzubeziehen. Denn grundsätzlich ergibt es aus stadt- und gewerbepolitischen Gesichtspunk- ten Sinn, in größeren , zusammenhängenden Flächeneinheiten zu Den- ken, um den Nachfragestrukturen des Oberzentrums gerecht zu werden. Eher kleinteilige Nachfragestrukturen lassen sich in den bereits definier- ten Innenbereichsflächen abbilden. 6.3.2 Entwicklungsansätze Leitbild für eine Gewerbegebietsentwicklung im Darmstädter Nor- den: innovativ – nachhaltig – sozial Sowohl bei der Neuentwicklung von Gewerbestandorten in Darmstadt als auch im Rahmen der Bestandsentwicklung sind die unterschiedlichen Kri- terien einer nachhaltigen Entwicklung zugrunde zu legen. Sowohl auf- grund der geringen Flächenverfügbarkeite n in Verdichtungsräumen als auch unter Zugrundelegung von Perspektiven der Standortprofilierung und der notwendigen Berücksichtigung des Klimaschutzes. 51 Vgl. Einzelhandelsentwicklungskonzept Die nachhaltige Entwicklung eines neuen, leistungsfähigen Gewerbestan- dortes im Darmstädter Norden leistet damit sowohl einen positiven Bei- trag für die Umwelt als auch für den Wirtschaftsstandort. Die Bedürfnisse der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden hierbei ebenso be- rücksichtigt wie die der UnternehmerInnen. Mit diesem Ansatz ergibt sich eine strateg ische Chance, den sich entwi- ckelnden „Ökosystem-Ansatz“ für nachhaltige Innovationen konsequent zu fördern. Branchen- und technologiebezogene Perspektiven Legt man die Ergebnisse des Masterplan DA 2030+ sowie der erarbeite- ten Gewerbeflächenbedarfsanalyse zugrunde, stehen in einem größeren, neuen Gewerbegebiet im Darmstädter Norden das verarbeitende und produzierende Gewerbe sowie der (wissensbasierte, unternehmensnahe) Dienstleistungsbereich und das Handwerk im Fokus. Großflächige Einzel- handelsnutzungen sind ebenso kritisch einzuordnen bzw. auszuschlies- sen51 wie großflächige Logistikeinrichtungen ohne einen direkten unter- nehmerischen Bezug. Ein neues, zusammenhängendes Gewerbegebiet im Darmstädter Norden bildet hinsichtlich der Zielgruppen sowohl Potenziale für interessante an- zusiedelnde Unternehmen als auch den wichtigen Bereich der Bestands- entwicklung, d.h. die Berücksichtigung der Bedarfe bereits in Darmstadt ansässiger Betriebe (u. a. Standortoptimierung, Standorterweiterung). D.h. der Standorttyp des „klassischen Gewerbegebietsstandortes“ sollten einen Fokus bei der Entwicklung einnehmen. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 60 Ferner ist eine Unterscheidung zwischen reinen Bürostandorten und Bü- rostandorten mit gewerblicher Prägung zu treffen. Das Wachstum unter- nehmensnaher Dienstleistungen wird auch die Gewerbeflächennachfrage in Darmstadt prägen. Größere Bürostandorte und Büronutzungen mit einen unmittelbaren gewerblichen Bezug sind demnach auch in Darm- stadt Nord richtig verortet (unabhängig von den Nachfragestruktu ren nach einem tendenziell urbanen Umfeld). Grundsätzlich sind bei Ansiedlungsanfragen eher größere, zusammen- hängende Flächen zu präferieren. Es sollten aber auch strukturelle Pro- jekte wie Handwerker - und Gewerbeho f/-park eingeplant werden, um mittelständischen Nachfragestrukturen gerecht zu werden. Mobilität und Erreichbarkeit Im Zusammenhang mit der Neuansiedlung von Betrieben und der akti- ven Bestandsentwicklung rücken die Aspekte Mobilität und Erreichbar- keit zweifelsfrei immer stärker in den Fokus. Ein gewerbe gebietsspezifi- sches Mobilitätskonzept sollte hierbei insbesondere auf die folgenden Aspekte eingehen: ▪ ÖPNV: Die ÖPNV-Anbindung des Gewerbegebietes muss die Bedürf- nisse der Besucher sowie insbesondere der Beschäftigten berücksich- tigen. Hierzu zählen nicht nur die Aspekte wie Linienführung und - taktung, sondern auch die Qualität der Bushaltestellen. ▪ Mobility-Hubs: Mobility-Hubs sind im Rahmen der städtebaulichen Planungen an zentral gelegenen Standorten zu r ealisieren. Hierzu zählen zentrale Sammelparkplätze inklusive von Fahrradabstellplät- zen mit dem Aspekt der E-Mobilität. 52 Stichwort aus dem Expertengespräch mit IHK, 2020. ▪ E-Ladestationen, Wasserstofftankstellen, etc.: Im Kontext der gene- rellen Verkehrswende sind auch immer die erneuerbaren Energieträ- ger mitzudenken. Eine ausreichende Anzahl und Verfügbarkeit an E - Ladestationen und ggf. Wasserstofftankstellen sollte in einem inno- vativen Gewerbegebiet in Darmstadt sichergestellt werden. ▪ Verkehr: Insbesondere mit dem Bedeutungsgewinn der Elektrofahr- räder gilt es zwingend, das neue Gewerbegebiet mit einem ganzheit- lichen Fahrradkonzept auszustatten. Sowohl die Lage im Stadtgebiet als auch die topografische Situation bieten hierfür eine gute Grund- lage. Umwelt- und Klimaaspekte im Rahmen eines Nachhaltigkeitskon- zeptes Das Leitbild eines ökologisch ausgerichteten Gewerbegebietes als Teil ei- ner Nachhaltigkeitsstrategie sollte in Darmstadt nachfolgende Zielset- zungen verfolgen: ▪ Sparsamer Umgang mit den Ressourcen Boden, Wasser und Energie, ▪ angemessene Berücksichtigung des Klimaschutzes durch klimaorien- tierte Gebäudestrukturen, Baustoffe und Gebäudeplanungen sowie ein möglichst reduzierter Versiegelungsgrad mit Begrünungsele- menten auf den Grundstücken, ▪ möglichst geringe Emissionen („Rauchfreie Industrie“ 52), ▪ konsequente Stärkung von nicht-motorisierten Verkehrsmitteln, dem ÖPNV sowie unternehmensorientierte Förderungen (Job -Rad, Ar- beitnehmer-ÖPNV-Tickets). Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 61 In der Gesamtbetrachtung besteht mit weiteren zusammenhängenden Gewerbeflächen im Norden der Wissenschaftsstadt Darmstadt eine gute Chance der Standortprofilierung, die über die Bereitstellung von notwen- digen Gewerbeflächen deutlich hinausgeht. Städtebauliche Qualitäten, z.B. Treffpunkte, Grünräume, sind hierbei ebenso zu berücksichtigen wie soziale Infrastrukturen (die Thematik Kinderbetreuung stellt ein immer stärkeres Argument bei der Attraktivierung von Gewerbegebieten dar). Zusammenfassung Kapitel 8: Gewerbeentwicklung Darmstadt Nord • Die Potenzialräume Arheilgen West und Wixhausen Ost eignen sich als potenzielle Gewerbeentwicklungsgebiete. • Im Darmstädter Norden können die Gewerbeflächenbedarfe räumlich gebündelt werden . • Empfohlen wird ein stufiges gewerblichen Entwicklungsmodell, welches durch Evaluierungen an die tatsächlichen Entwicklungen (u.a. Nachfrageentwicklung, Mobilisierung von Innenentwicklungspotenzialen) angepasst wird. Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 62 7 Fazit und Empfehlungen Der G ewerbeflächenbedarf der Wissenschaftsstadt Darmstadt wird bis zum Zieljahr 2040 auf rd. 115-142 ha (netto) bzw. 150-190 ha Bruttobau- land geschätzt. Diesem Bedarf steht ein mobilisierbares Flächenpotenzial im Innenbereich in Höhe von ca. 40 ha (brutto) gegenüber. Aus der Gegenüberstellung von Flächenbedarf und verfügbarem Innen- entwicklungspotenzial lässt sich ein zusätzlich erforderlicher Gewerbe- flächenbedarf in rd. 110-150 ha Bruttobauland bis zum Jahr 20 40 ableiten. Angesichts der Dynamik der vergangenen Jahre und der Tatsa- che, dass in Darmstadt, wo sich die mit weitem Abstand höchste Nach- frage konzentriert, nur ungenügend Flächenpotenzial verfügbar ist, wird eine kurz- bis mittelfristige Gewerbefl ächenentwicklung als erforderlich angesehen. Nachfolgend werden die wesentlichen Ergebnisse der Dokumenten- und Strukturanalyse, der Gewerbeflächenbedarfsprognose, der Analyse vor- handener Potenzialräume sowie die daraus abgeleiteten Empfehlungen – mit einem besonderen Bezug auf die beiden Potenzialstandorte Arheil- gen West und Wixhausen Ost – dargestellt. 7.1 Zusammenfassung Die wesentlichsten Analyse - und Untersuchungsergebnisse lassen sich wie folgt zusammenfassen: ▪ Die Wissenschaftsstadt Darmstadt stellt einen der attraktivsten Wirt- schaftsstandorte in Südhessen dar. Geprägt durch die verkehrliche Anbindung, den Unternehmens- und Wissenschaftsbesatz sowie die integrierte Lage zu zwei Metropolräumen, Frankfurt/Rhein-Main und Rhein-Neckar, ergeben sich sehr gute Standortvorauss etzungen – auch im Hinblick auf die Akquisition und Bindung von Fach- und Füh- rungskräften. ▪ Das Regionale Entwicklungskonzept (REK, 2019) und die Raumord- nungsprognose 2040 des BBSR (2020) dokumentieren ausgehend von den positiven Standortrahmenbedingungen insgesamt gute Ent- wicklungsperspektiven für die Gesamtregion. Prognostiziert werden eine Zunahme an Beschäftigung und Arbeitsplätzen. Damit einher- gehend wird im REK für die Gesamtregion ein Gewerbeflächenbedarf in einer Größenordnung von 3.700 – 4.000 ha formuliert. ▪ Wesentliche stadtentwicklungspolitische Zielsetzungen für das Ober- zentrum Darmstadt sind im Masterplan DA 2030+ zusammengeführt worden. Der partizipativ entwickelte Masterplan geht von einem Be- völkerungswachstum auf rund 184.000 Einwohner bis zum Jahr 2035 aus. Im Masterplan DA 2030+ wird deutlich formuliert, dass der Wirt- schafts- und Wissenschaftsstandort Darmstadt einerseits über posi- tive Rahmenbedingungen verfügt, andererseits die vorhandenen Po- tenziale gezielt weiterz uentwickeln sind. Hieraus resultiert aus dem Masterplan eine moderate, auf die voraussichtlichen Bedarfe ausge- richtete Gewerbeflächenentwicklung. Auf die Möglichkeiten der In- nenentwicklung wird im Masterplan ein besonderer Wert gelegt, auch um die urban geprägten Nachfragestrukturen zu stärken. ▪ Bereits heute können nicht mehr alle Gewerbeflächenbedarfe von an- sässigen und/oder ansiedlungswilligen Unternehmen befriedigt wer- den. Das gilt besonders für unbebaute Grundstücke und Anfragen, bei denen Produktions- oder andere Hallen eine Rolle spielen. ▪ Die Wissenschaftsstadt Darmstadt verfügt aktuell über rund 107.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. In den vergangenen 10 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 63 Jahren ist nicht nur ein Wachstum bei der Bevölkerungszahl festzu- stellen, sondern au ch bei den Beschäftigtenzahlen. Rechnerisch ergibt sich eine Beschäftigtenquote von rund 655 bis 660 Personen je 1.000 Einwohnern. Die stärksten Zuwächse bei der Beschäftigung lagen in den vergangenen Jahren im Bereich von chemischen Erzeug- nissen und Kunststoffwaren, dem Bereich Information und Kommu- nikation sowie dem forschungs - und wissenschaftlich orientierten Dienstleistungsbereich. Die Erwerbstätigkeit geht über die sozialver- sicherungspflichtig Beschäftigten hinaus. Rund 137.000 Erwerbstä- tige sind in Darmstadt vorhanden. ▪ Die Corona-Pandemie bleibt auch für den Arbeitsmarkt in Darmstadt nicht ohne Folgen. Die Zahl der Kurzarbeite nden hat von Februar 2020 bis Februar 2021 steil zugenommen hat. In diesem Zusammen- hang ist festzustellen, dass auch die Zahl d er Arbeitslosen sich bis Januar 2021 deutlich erhöht hat und die Arbeitslosenquote bei der- zeit rund 6,5 % liegt. ▪ Das Gewerbeflächenangebot konzentriert sich in Darmstadt im We- sentlichen auf 15 Standortbereiche, die größtenteils im Norden und Westen der Stadt sowie im Innenstadtrandbereich liegen. Der jährli- che Flächenumsatz liegt gemäß der Kaufpreissammlung des Gut- achterausschusses bei rund 4,7 ha. ▪ Die Vor-Ort-Befahrungen und -Erhebungen haben im Herbst 2020 in den bestehenden 15 Gewerbestandorten freie Potenzialflächen in ei- ner Größenordnung von rund 62 ha zum Ergebnis gehabt. Hierin ent- halten sind auch Flächenpotentiale, die bereits im Flächennutzungs- plan entsprechend ausgewiesen wurden. Hinzuweisen ist auf Erfah- rungen, wonach in der Praxis nur ein gewisser Anteil dieser Flächen kurz- und mittelfristig mobilisierbar ist. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der Wissen schafts- und Wirt- schaftsstandort Darmstadt über eine sehr gute Ausgangssituation in puncto Arbeitsplatz - und Ausbildungsplatzentwicklung verfügt. Auch wenn die Corona -bedingten Strukturveränderungen im Moment noch nicht absehbar sind, ist aufgrund der strukturellen Rahmenbedingungen von einer resilienten Struktur auszugehen. Ausgehend von den Formulie- rungen des Masterplan DA 2035+ ist auch perspektivisch darauf hinzu- wirken, dass ein qualitativ und quantitativ ausreichendes und differen- ziertes Angebot an Gewerbeflächen im Stadtgebiet zur Verfügung steht. 7.2 Perspektiven Sowohl das Regionale Entwicklungskonzept als auch die demografischen Prognosen und die standortbezogenen Vorteile zeigen die Perspektiven einer resilienten Stadt- und Wirtschaftsentwicklung in Darmstadt auf. Die projektrelevante Trendprognose lässt sich wie folgt zusammenfassen: ▪ Die Gewerbeflächenprognose für das Oberzentrum Darmstadt ba- siert auf einer Prognose der Beschäftigtenentwicklung. Unter Bezug- nahme auf die vorhandenen Standortrahmenbedingungen sowie die statistischen Entwicklungen – aber auch die Zielformulierungen aus dem Masterplan DA 2035+ – wird im Prognosezeitraum von einem Zuwachs von rund 22.000 „flächenbeanspruchenden“ Beschäftigen ausgegangen. Hieraus resultiert – ausgehend vom Ba sisjahr 2020 – ein mittlerer jährlicher Gewerbeflächenbedarf in einer Größenord- nung von rund 7,5 ha (netto Gewerbeflächen). Ergänzt man diesen mittleren Gewerbeflächenbedarf um Flächen für Erschließung, soziale Infrastruktur, Kommunikations - und Begegnungs räume, Mobilität, ergibt sich eine Bedarfsprognose von jährlich ca. 10,0 ha (brutto), was bis zum Jahr 2040 einem rechnerischen Bedarf von ca. 190 ha (brutto) entspricht. ▪ Im Ergebnis einer strategischen Bilanz, d. h. einer Gegenüberstellung der verfügbaren Innenentwicklungspotenziale und den Ergebnissen Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 64 der trendbasierten Gewerbeflächenprognose, ergibt sich ein Gewer- beflächenbedarf in einer Größenordnung von rund 150 ha (brutto). ▪ Im Rahmen einer Szenarienbetrachtung wurden drei Perspektivent- wicklungen für D armstadt analysiert. Im Rahmen eines moderaten Entwicklungsszenarios wurde unter der Annahme, dass sich aufgrund ökonomischer Entwicklungen eine Reduzierung sowohl der Büroflä- chennachfrage als auch bei den Ansiedlungspotenzialen ergibt, von einem geringeren Gewerbeflächenbedarf ausgegangen . Im Rahmen einer dynamischen Szenarienentwicklung wurde demgegenüber ge- schätzt, wie sich aufgrund der zweifelsfrei vorhandenen spezifischen und resilienten Strukturen ein zusätzlicher Wachstumsimpuls für die Wissenschaftsstadt Darmstadt ergibt. ▪ Unter Berücksichtigung der Ergebnisse der Szenarienbetrachtung wird ein Bedarfskorridor von rund 110-150 ha (brutto) bis zum Jahr 2040 als realistisch angesehen. Dieser Korridor umfasst auch die Un- sicherheiten in punkto Flächenpotenzialmobilisierung. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass der dargestellte Bedarfskorridor hinreichende Leitplanken zur Berücksichtigung der Unsicherheiten bei den Zukunftsbedarfen und den voraussichtlichen Mobilisierungserfolgen in der gewerblichen Innenentwicklung umfasst. 7.3 Empfehlungen für eine Flächenstrategie Mittel- und langfristiges Ziel der Gewerbeflächenpolitik des Oberzent- rums Darmstadt ist die Siche rstellung eines quantitativ ausreichenden und qualitativ den Ansprüchen der unterschiedlichen Unternehmen ge- nügenden Flächenangebotes. Den städtebaulichen Rahmen bildet in ge- eigneter Form der Masterplan DA 2035 – die regionale Klammer wird zu- treffend durch die Aussagen im regionalen Entwicklungskonzept sowie die landesplanerischen Vorgaben definiert. In der Vergangenheit wurden von der Stadt zahlreiche Anstrengungen unternommen, um vorhandene un- oder mindergenutzte Flächen im Be- stand zu mobilisieren und a uch die vorhandenen Konversionsflächen in Darmstadt zu entwickeln und einer gewerblichen Nutzung zuzuführen. Die Vergangenheit zeigte aber auch, dass der Gewerbeflächenmarkt in hohem Wettbewerb zum Wohnungsmarkt steht. Vor diesem Hintergrund lassen sich di e strategischen Leitlinien der Ge- werbeflächenpolitik in Darmstadt wie folgt zusammenfassen: ▪ Vorhaltung von geeigneten Flächen für die Bestandssicherung und selektive Ansiedlung von produzierendem und verarbeiten- dem Gewerbe, ▪ Sicherung und Entwicklung von St andorten für unternehmens- bezogene Dienstleistungen, mit einem besonderen Fokus auf der Entwicklung der wissensintensiven Produktion, ▪ Neuentwicklung von (zusammenhängenden) Gewerbeflächen, um den voraussichtlichen Bedarf (u. a. Bestandsentwicklung, An- siedlung) gerecht zu werden, ▪ intensive Abstimmungen mit den Privateigentümern von Gewer- beflächenpotenzialen im Innenbereich, um die Mobilisierung und Aktivierung von diesen Flächen zu unterstützen, ▪ konsequente Umsetzung des Einzelhandelskonzeptes mit einem Ausschluss von (großflächigem) Einzelhandel in Gewerbeflächen- bereichen, ▪ regelmäßige Prüfung von interkommunalen Kooperationen bzw. Institutionalisierung eines Stadt -Umland-Gespräches, insbeson- dere auch um großflächigen, verkehrsorientierten Nachfra- gestrukturen (z. B. Logistik-Hubs) gerecht zu werden, Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 65 ▪ mögliche Prüfung einer Reduzierung der planerisch nicht wün- schenswerten Nutzungen auf Ge werbegrundstücken (u. a. ein restruktiver Umgang mit Wohnungsneubau oder sozialen Ein- richtungen in Gewerbegebieten), ▪ intensive Prüfung des Ankaufs von Flächen, sowohl in Bestands- gebieten als auch bei Neuausweisung, um entsprechende Steu- erungsmöglichkeiten auf Seiten der Stadt Darmstadt sicherzu- stellen, ▪ Aufbau eines Gewerbeflächenmonitorings. Die vorliegende Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse weist für das Oberzent- rum bzw. die Wissenschaftsstadt Darmstadt eine konstante Dynamik nach. Auch im Vergleich mit anderen Standorten zeigt sich, sowohl auf- grund der Standortbedingungen als auch des vorhandenen Unterneh- mensbesatzes, eine Standortentwicklung mit besonderen Chancen und Perspektiven auf. Der vorhandene Masterplan DA 2035 + bietet einen ge- eigneten Zielrahmen, um auch den ökonomischen Veränderungsprozes- sen gerecht zu werden, Die vorliegende Gewerbeflächen-Bedarfsanalyse, mit einem Prognosezeitraum bis zum Jahr 2040, stellt einen Rahmen für das gewerbepolitische und -planerische Handeln der Wissenschaftsstadt Darmstadt dar. In der Zusammenführung aller Ergebnisse können die Untersuchungs- räume im Norden Darmstadts, d.h. Arheilgen West und Wixhausen Ost , aufgrund der Dimensionierung und Lagefaktoren die prognostizierten Gewerbeflächenbedarfe für den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Darmstadt bis zum Jahr 20 40 voraussichtlich in der Gesamtbetrachtung abbilden. Regelmäßige Evaluierungen tragen hierbei zu einer zielgerich- teten Siedlungsentwicklung bei. Abbildung 28: Schematische Darstellung des Gewerbeflächenbedarfes der Wissenschaftsstadt Darmstadt Darstellung: cima Beratung + Management GmbH 2021 Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 66 Anhang Steckbriefe zu den Gewerbeflächenpo- tenzialen Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 67 Gewerbegebiet DA-Wixhausen Quellen: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 29: Vorhandene Baulandpotentiale (B -Planflächen) im Gewerbegebiet DA-Wixhausen ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmer- kung Foto 1 0,7 Frei, be- baubar Agrarnut- zung Land Hessen - Misch- gebiet Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 68 Gewerbegebiet Arheilgen Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 30: Vorhandene Baulandpotenziale (B -Planflächen) im Gewerbegebiet Kranichstein ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 2 0,2 Frei, sons- tiges Genutzt als Lager- fläche Privat - - - 3 0,3 Frei, sons- tiges Genutzt als Lager- fläche Stadt DA - - - Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 69 Gewerbegebiet Bürgerpark Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 31: Vorhandene Baulandpotentiale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet Bürgerpark ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nut- zung Besitz Bau- typ (wenn be- baut) Anmer- kung Foto 4 1,0 Bebaut Leer- stand Privat Flach- bau Ehem. Au- tohaus Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 70 Gewerbegebiet Nordwest Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Das größte Gewerbegebiet Darmstadts weist sowohl die höchste Anzahl als auch die größte Flächensumme an Gewerbepotenzialflächen in Darm- stadt auf. Dabei weisen die Freiflächen in sich unterschiedlichste Größen auf. Besonders die kleinflächigen Areale sind d abei aktuell oftmals noch anderweitig genutzt, sei es als Abstellplatz für Baumaterialien, als Park- platz oder von vertragslosen Autohändlern als Verkaufsfläche. Neben den detailliert gekennzeichneten Gebieten befinden sich beson- ders im Kern des Gewerbegebiets mehrere kleinflächige Flächenpotenzi- ale, welche in der Summe eine Fläche von etwa 1,8 ha aufweisen. Die Darstellung dieser erfolgt zusammengefasst als Nr. 12 ohne detaillierte räumliche Abgrenzungen. Aufgrund der Vielzahl der Freiflächen im Gewerbegeb iet Nordwest wer- den diese tabellarisch auf der folgenden Seite dargestellt. Abbildung 32: Vorhandene Baulandpotentiale (B-Planflächen) im Gewerbe- gebiet Nordwest Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 71 ID Flächengröße in ha Grundstruktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 5 2,9 Frei, bebaubar ungenutzt Privat / Stadt DA - Fläche ist im Verhältnis von ca. 50:50 aufgeteilt auf zwei Besitzer. 6 1,9 Frei, bebaubar ungenutzt Stadt DA / Privat - - 7 0,8 Frei, bebaubar Genutzt als Parkplatz Stadt DA - - 8 0,6 Frei, bebaubar ungenutzt Privat - - - 9 1,2 Frei, sonstiges Genutzt als Parkflä- che Privat - - - 10 1,9 Bebaut Recyclinghof Stadt DA / Privat Lagerfläche - - 11 2,9 Frei, bebaubar Grünfläche Stadt DA - - - 12 1,8 (Summe) Kleinräumige Verdich- tungspotenziale - Privat - - Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 72 Gewerbegebiet Bunsen-/Haasstraße Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 33: Vorhandene Baulandpotenziale (B -Planflächen) im Gewerbegebiet Bunsen-/Haasstraße ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 13 0,1 Frei, leicht bepflanzt Zum Teil ungenutzt Privat - Fläche evtl. auf privatem Grund 14 1,1 bebaut Genutzt als Lager- fläche Stadt DA Flachbau Genutzt u.a. vom städti- schen Grün- flächenamt - 15 0,3 Frei, bebaubar Leicht bepflanzt Privat - - Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 73 Gewerbegebiet Mornewegviertel Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 34: Vorhandenes Baulandpotenzial (B-Planflächen) im Gewerbegebiet Mornewegviertel ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 16 5,2 bebaut Genutzt Privat Hallen- bau, Ga- ragen - - Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 74 Gewerbegebiet Verlegerviertel Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 35: Vorhandenes Baulandpotenzial (B-Planflächen) Im Gewerbegebiet Verlegerviertel ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 17 1,8 bebaut genutzt Privat Ge- schoss- bau Primär Nachverdich- tungspotenzial für be- stehende Nutzungen - Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 75 Gewerbegebiet Technologiezentrum Rhein-Main Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 18 0,5 Frei, be- baubar Ungenutzt Privat - - 19 0,6 Frei, leicht bewaldet, zum Teil bebaut Zum Teil genutzt als Parkplatz Land Hessen Wohnim mobilie Fläche evtl. auf privatem Gelände 20 0,5 Frei, leicht bewaldet Ungenutzt Land Hessen - Fläche auf privatem Ge- lände 21 0,2 Zum Teil bebaut Leerstand Privat Wohnim mobilie ½ Fläche bebaut, ½ Fläche Grün- fläche Abbildung 36: Vorhandene Baulandpotenziale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet TZ Rhein-Main Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 76 Gewerbegebiet Kelley-Quartier Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 22 1,4 Frei, be- baubar ungenutzt Privat - - 23 0,6 Frei, be- baubar ungenutzt Privat - - - 24 0,7 Bebaut Leerstand Privat Wohnim- mobilie Weiteres Gebäude wurde vor kurzem ab- gerissen 25 2,7 Zum Teil bebaut Lagerflä- che ne- benste- hender Unterneh- men BlmA - - - 26 2,2 bebaut ungenutzt BlmA Ge- schoss- bau - - 27 2,3 bebaut genutzt Privat Flachbau Geplante Mischnut- zung Gewerbe/ Wohnen - Abbildung 37: Vorhandene Baulandpotenziale (B-Planflächen) im Gewerbegebiet Kelley-Quartier Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 77 Gewerbegebiet Griesheim Airfield Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 28 8,5 Bebaut Leer- stand BlmA Flach- bau, Hallen- bau, Bü- roimmo- bilien Ehem. Mili- tärgelände am August- Euler-Flug- platz Abbildung 38: Vorhandene Baulandpotenziale (B -Planflächen) im Gewerbegebiet Griesheim Airfield Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 78 Gewerbegebiet Eberstadt Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 39: Vorhandene Baulandpotenziale (B -Planflächen) im Gewerbegebiet Eberstadt ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 29 0,2 Bebaut Lagerflä- che Privat Flachbau - - 30 0,8 Frei, sonstiges Parkplatz, Tennis- platz Privat - - - 31 1,2 Bebaut Firmenge- lände Privat Flachbau - - 32 1,6 Bebaut Ungenutzt Privat Hallen- bau Ehem. Papierfab- rik - 33 0,9 Frei, bebaubar Ungenutzt Privat - Erweiterungsflä- che im Bestand des umliegenden Unternehmens Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 79 FNP-Potenzialflächen FNP-Potenzialflächen: Gewerbefläche Wixhausen Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 40: Vorhandene FNP-Flächenpotenziale in der Gewerbefläche Wixhausen ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmer- kung Foto 50 4,3 Landwirt- sch. Fläche Agrarnuz- tung Stadt DA / Privat - - - 51 3,9 Landwirt- sch. Fläche Agrarnuz- tung Privat / Stadt DA - - - Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 80 FNP-Potenzialflächen: Gewerbefläche Siedlung Tann Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 41: Vorhandenes FNP-Flächenpotenzial in der Gewerbefläche Siedlung Tann ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmer- kung Foto 52 0,2 Leicht be- waldet Ungenutzt Privat - Unebene Boden- struktur, Fläche evtl. auf privatem Grund Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 81 FNP-Potenzialflächen: Gewerbefläche TZ Rhein-Main Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 42: Vorhandenes FNP-Flächenpotenzial in der Gewerbefläche TZ Rhein-Main ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 53 1,6 Bewaldet Ungenutzt Land Hessen / Privat - Erschließungspla- nungen liegen vor, Abstimmung erforderlich - Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 82 FNP-Potenzialflächen: Gewerbefläche Eberstadt Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 43: Vorhandenes FNP-Flächenpotenzial in der Gewerbefläche Eberstadt ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 54 0,5 Zum Teil bewaldet ungenutzt Privat / Stadt - Abschüssige Topogra- phie Gewerbeflächenbedarfsanalyse Wissenschaftsstadt Darmstadt 83 FNP-Potenzialflächen: Gewerbefläche Kirchtannensiedlung Kartengrundlage: Openstreetmap.org Bearbeitung: CIMA Beratung + Management GmbH 2021 Abbildung 44: Vorhandenes FNP-Flächenpotenzial in der Gewerbefläche Kirchtannensiedlung ID Flä- chen- größe in ha Grund- struktur Nutzung Besitz Bautyp (wenn bebaut) Anmerkung Foto 55 0,9 Leicht be- pflanzt Teilge- nutzt als Aufent- haltsflä- che Privat - Fläche auf privatem Grund
2021/0232
4675 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
25.08.2021
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat III
Amt: Amt für Wirtschaft
und Stadtentwicklung OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2021/0232
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Gewerbeflächenbedarfsanalyse im Zusammenhang mit vorbereitenden
Untersuchungen für eine mögliche städtebauliche Entwicklungsmaßnahme in
Darmstadt/Nord
Vorlage vom: 10.08.2021
Beschlussvorschlag :
Der Magistrat nimmt die Gewerbeflächenbedarfsanalyse zur Kenntnis.
Anlagen: Bericht GEFEK Darmstadt
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 10.08.2021
Der Magistrat führt derzeit v orbereitende Untersuchungen für eine städtebauliche
Entwicklungsmaßnahme gem. §§ 165 ff. Baugesetzbuch durch. Gegenstand der
Untersuchung bzw. der Maßnahme ist aktuell das Untersuchungsgebiet Wixhausen -Ost, für
das eine gewerbliche Entwicklungsperspektive geprüft und ggf. auch umgesetzt werden soll.
Diese Nutzungsperspektive ist vor allem durch die anhaltende Nach frage in der jüngsten
Vergangenheit und die eingeschränkten Entwicklungsmöglichkeiten im übrigen Stadtgebiet
begründet. Die bestehende Flächennachfrage von Gewerbe und Industrie stellt aufgrund des
Umfangs und der speziellen Standortanforderungen besondere Herausforderungen an die
Stadtentwicklungsplanung. Zudem bestehen aufgrund einer Siedlungsbeschränkungszone in
diesem Bereich gegenwärtig keine Möglichkeiten f ür eine Wohngebietsentwicklung.
Im Zuge der vorbereitenden Untersuchungen müssen zahlreiche fach liche Grundlagen
erarbeitet und analysiert werden. Infolge der möglichen gewerblichen Nutzungsperspektive
wurde vom Magistrat auch eine Gewerbeflächenbedarfsanalyse beauftragt. Ziel dieser
Beauftragung war es insbesondere, die tatsächliche Bedarfslage für unterschiedliche
Segmente näher zu betrachten und daraus eine Umsetzungsempfehlung für die
Wissenschaftsstadt Darmstadt abzuleiten. Hierbei war es auch zwingend erforderlich, die
Bedarfe und Flächenangebote in einem re gionalen Kontext zu betrachten.
Das zu erstellende Gutachten soll te insbesondere auch der Feststellung dienen, ob die
Durchführung einer Entwicklungsmaßnahme in dem jeweiligen Untersuchungsgebiet zur
Deckung eines „erhöhten Bedarfs an Arbeitsstätten“ im Sinne des § 165 Abs. 3 S. 1 Nr. 2
BauGB erforderlich war. Die Bedarfsermittlung sollte in Form einer Prognose erfolgen, die in
zwei Richtungen notwendig erschien: Zum einen war der gegenwärtige und zukünftige Bedarf
an Arbeitsstätten zu ermitteln. Zum anderen war zu ermitteln, welche Möglichkeit en zur
Deckung des festgestellten Arbeitsstättenbedarfs ohne die Entwicklungsmaßnahme
bestehen.
Im Vorfeld wurden potenziell geeignete Fachbüros ausgewählt, die für eine Bearbeitung in
Frage kommen könnten. Für eine Beauftragung wären auch Kooperationen mi t anderen
Büros oder Instituten denkbar gewesen. Insgesamt wurden sechs Bewerber*innen zu einer
Angebotsabgabe aufgefordert. Nach eingehender Prüfung der vorliegenden Unterlagen hat
sich die Fachverwaltung in Abstimmung mit der Steuerungsgruppe zur Beauftragung der
CIMA Beratung und Management GmbH entschieden. Das vorliegende Gutachten wurde
innerhalb der Fachverwaltung und auch mit externen Experten mehrfach geprüft , diskutiert
und aktualisiert.
Vor Abschluss der mehrjährigen vorbereitenden Untersuchungen ist ein e Fortschreibung des
Gutachtens geplant. Dabei wird zum einen der zum künftigen Zeitpunkt bestehende
Gewerbeflächenbedarf ermittelt sowie durch eine fortlaufende Dokumentation der
Nachfragesituation flankiert. Zum anderen werden die im aktuellen Gutachten identifizierten
Flächenangebote bezüglich ihres Vorhandenseins und ihrer Mobilisierbarkeit evaluiert.
- 4 -
Mit dieser Fortschreibung fußt der mögliche Beschluss einer Entwicklungsmaßnahme unter
anderem auf einer mehrjährig fortgeschriebenen und zum künftigen Z eitpunkt aktuellen
Gewerbeflächenbedarfsanalyse.
Darmstadt, den 10.08.2021
Jochen Partsch Michael Kolmer
Oberbürgermeister Stadtrat
anlage 2
249 Zeichen
Punkt 22: Gewerbeflächenbedarfsanalyse im Zusammenhang mit vorbereitenden Untersuchungen für eine mögliche städtebauliche Entwicklungsmaßnahme in Darmstadt/Nord (V-Nr. 2021/0232) Die Stadtverordnetenversammlung nimmt die Vorlage zur Kenntnis.
Beratungsverlauf (3)
Orte (10)
- Marienburgstraße
- Industriestraße
- Langener Straße
- Weiterstädter Landstraße
- Frankfurter Straße
- Dompfaffweg
- Am Oberen Michelfeld
- Niersteiner Straße
- Im Carree 1
- Haasstraße 3
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2021/0232
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 10.08.2021
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00