1499/2018
Beratung für Männer in Problemlagen
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Männerarbeit - Konzept SKM
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1 Männerberatung Gewalt-und Krisenintervention des SKM Köln Konzept Echte Männer reden Beratungsangebote für Männer Im SKM Köln 2 Männerberatung Gewalt-und Krisenintervention des SKM Köln Konzept Inhaltsverzeichnis: 1. Präambel Seite 4 2. Zielgruppen Seite 4 3. Beratungsangebote Seite 4 3.1. Männerberatung Seite 4 3.2. Männer in Krisen Seite 5 3.3. Gewaltberatung Seite 5 3.4. Väterberatung Seite 6 4. Rahmenbedingungen Seite 7 5. Präventive Angebote Seite 7 3 Männerberatung Gewalt-und Krisenintervention des SKM Köln Konzept 1. Präambel Der Sozialdienst Katholischer Männer e.V. Köln (SKM Köln) ist ein Fachverband der Caritas und in Köln Träger von insgesamt 63 ambulanten und stationären Diensten und Einrichtungen auf den Gebieten der Jugend-, Gesundheits -, Sozial - und Familienhilfe. Zu seinen satzungsgemäßen Aufgaben gehören zu allererst Hilfen für sozial benachteiligte Menschen, für soziale Randgruppen und behinderte oder von Behinderung bedrohte Menschen. Der SKM folgt dem seit 2002 formulierten Grundsatz "Der Mensch am Rand ist unsere Mitte. “ Zudem setzt sich der SKM Köln aktiv für soziale Gerechtigkeit und soziales und demokratisches Zusammenleben ein. Die Angebote des SKM orientieren sich an den Bedarfslagen der Menschen und entsprechen anerkannten fachlichen Standards. Auf Grundlage dieses Leitgedankens hat der SKM ein geschlechtersensible s Beratungsangebot entwickelt, das im Folgenden vorgestellt wird: Warum ist Jungen und Männerarbeit wichtig? Männer wenden sich mit Ihren Schwierigkeiten nur selten an andere und wenden sich weniger an Beratungs- und Hilfeeinrichtungen. Dabei ist bekannt, dass Jungen und Männer infolge von ungelösten Problemen häufiger von Alkohol - und Drogensu cht, Spielsucht, psychiatrische Störungen, Obdachlosigkeit oder Straffälligkeit betroffen sind als Frauen. Erschwerend kommt hinzu, dass Beratungseinrichtungen in ihrer personellen Besetzung weiblich dominiert sind und die Ansprache ist mehr auf Frauen aus gerichtet. Männer finden sich in dieser Struktur nicht wieder und das Angebot ist nicht für bildungsferne Männer konzeptioniert. Und genau darauf hat der SKM reagiert und ein ganzheitliches und männerspezifisches Angebot eingerichtet. Männer in Krisensituationen können von Mann zu Mann ihre männerspezifischen Probleme besprechen und Klarheit über ihre individuelle Situation erlangen. Frauen und Männer haben unterschiedliche Herangehensweisen bei der Beziehungsgestaltung und bei der Bewältigung von Problemen und Krisen. Diese männerspezifischen Krisen und Problemlagen müssen daher auch im Kontext sozialer Arbeit und von Beratungsangeboten Berücksichtigung finden. Dies bedeutet, dass Männer befähigt werden sollen, insbesondere in Krisensituationen ihre nicht erkannten Ressourcen zu nutzen und verantwortungsvolle Entscheidungen zu treffen. Der Beratungsansatz geht davon aus, dass die bewusste Auseinandersetzung mit der eigenen Männlichkeit und die Entwicklung einer individuellen Haltung zum eigenen Mann -Sein ein wichtiger Grundstein für eine erfolgreiche Lebensführung ist. Die Anforderungen an Männer in der heutigen Zeit sind vielfältig u nd komplex. Die verschiedenen Rollenanforderungen sind für viele eine Überforderung. So sollen Männer emotional offen und verständnisvoll sein und gleichzeitig eben stark und „männlich“. Sie sollen die Familie ernähren, versorgen und beschützen. Sie sollen beruflich erfolgreich und 4 Männerberatung Gewalt-und Krisenintervention des SKM Köln Konzept gleichzeitig aktiv am Familienleben teilnehmen und als liebevoller und fürsorglicher Vater ihren Erziehungsteil leisten. Männer haben Lösungen keine Probleme. Während Frauen weniger Hemmungen haben, sich mit anderen über ihre Sorgen und Nöte auszutauschen und bereit sind, professionelle Hilfeeinrichtungen aufzusuchen, so tun sich Männer oft schwer, sich Probleme einzugestehen und sich Hilfe zu suchen. In Beratungsstellen sind Männer somit deutlich seltener anzutreffen. Eigenständig suchen sie kaum Unterstützung auf. Männer unter sich teilen ihre persönlichen Probleme selten mit und es herrscht weiterhin die Devise vor: Wer mit seinen P roblemen als Mann nicht alleine zu Recht kommt, sei ein Versager und kein richtiger Mann. Eine Ansicht, die besonders unter Männern selbst weiterhin sehr verbreitet ist. Die Folgen dieser Haltung sind oft dramatisch und führen dazu, dass Männer in ihrem Verhalten sich selbst oder anderen gegenüber zerstörerisch handeln. Dieses Verhalten ist nicht nur für die Männer selbst eine Belastung, sondern auch für ihre Familien, Freunde und Kollegen. Durch ein geschlechtsspezifisches Beratungsangebot haben Männer d ie Chance in ihren geschlechtstypischen Männerproblemen Unterstützung zu erfahren. 2. Zielgruppen Das Angebot richtet sich an Jungen und Männer in besonderen sozialen Lebenslagen, unabhängig der sozialen Herkunft. Jeder kann mit seinen individuellen Motivationsgründen ein Beratungstermin wahrnehmen. Allerdings kann ein Beratungskontext auch über eine Vermittlung von Behörden, Einrichtungen oder anderen Menschen des sozialen Umfeldes des Mannes zustande kommen. Auch ist die Kontaktaufnahme über eine Zuweisung (Zwangskontext) möglich, die dem Mann über eine justizielle Auflage auferlegt wurde. Dieser Zugang stellt keinen Widerspruch zu dem Freiwilligkeitsprinzip dar, wenn auch die vermittelten und zugewiesenen Männer selbst etwas an ihrer Lebenssituation positiv ändern wollen und dennoch aus eigener Eigenmotivation heraus den Beratungsprozess antr eten möchten. 3. Beratungsangebote/Inhalte 3.1 Männerberatung Die Männerberatung richtet sich an Männer, die Unterstützung für ihre Probleme suchen oder sich in einer Krise befinden. In der Beratung haben Sie die Möglichkeit mit dem Männerberater diese Themen zu besprechen. Schwerpunkte sind: Probleme in Beziehung und Partnerschaft Probleme im familiären Umfeld Berufliche Schwierigkeiten Depressionen und Burn – Out Krankheit Lebenskrise Gesundheitsfürsorge 5 Männerberatung Gewalt-und Krisenintervention des SKM Köln Konzept Sexualität Eigene Opfererfahrung Die Gründe, um Beratung in Anspruch zu nehmen, sind somit oft vielfältig und selten auf eine Ursache zurückzuführen, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Fa ktoren. Oftmals stecken die Männer bereits in einer Krise oder sind kurz davor. Krisen sind in der Arbeit mit Männern von besonderer Bedeutung. 3.2 Männer in der Krise: Männer haben ein ganz eigenes Krisenverhalten. Dieses speist sich aus ihrer Sozialisation und den gesellschaftlichen Stereotypen. Männer haben keine Probleme, sie haben evtl. vorübergehende Schwierigkeiten, die sie wegorganisieren Als Mann glauben sie, Probleme alleine lösen zu müssen Ein Problem zu haben bedeutet im mä nnlichen Sinne, etwas nicht hinzubekommen, „nicht Herr der Lage zu sein“ Sie halten es nicht aus, mit einem Problem, einer ungeklärten Situation zu leben, sie verdecken, verschieben es Aus dem Problem/den Problemen entsteht die Krise Nach dem Krisenmodell von Caplan geht es um Emotionen, die in der Wahrnehmung von Männern Zeichen für Schwäche sind Aus dieser Abwertung heraus fällt es ihnen schwer Unterstützung von außen anzunehmen Dies kann dazu führen, dass Männer versuchen, sich durch destruktives Verhalten wie z.B. Flucht in den Suchtmittelkonsum, in die Arbeit oder durch Gewalt gegen Andere oder gegen sich selbst eine Krise zu entziehen 3.3 Gewaltberatung Folgende Daten und Fakten veranschaulichen, warum die Beratung der Verursacher von Gewalt ein zentraler Baustein des Beratungsangebotes ist. Einen besonderen Schwerpunkt legt der SKM Köln auf die Beratung von Männern, die Opfer von häuslicher Gewalt geworden sind. 20 Prozent der Opfer von häuslicher Gewal t sind Schätzungen zufolge Männer. Belastbare bundesweite Zahlen fehlen. Das Landes kriminalamt Berlin ermittelt e 2013 bei insgesamt rund 14.300 Fällen von häuslicher Gewalt sogar 23,8 Prozent weibliche Verdächtige. Doch die meisten Hilfsangebote kümmern s ich ausschließlich um weibliche Opfer. Bundesweit gibt es 6 spezifische Beratungsstellen für Männer, die sich gezielt dieser Opfergruppe zuwenden – hierzu zählt auch der SKM Köln . In keiner der bestehenden Beratungsstellen in Köln widmet „Mann“ sich der Thematik der Opfer von Gewalt im häuslichen Kontext, die auch durch Frauen verursacht wird. Dabei geht es nicht immer um physische Gewalt, sondern auch um psychische Gewalt. Gewalt im häuslichen Umfeld wird natürlich auch durch Männer verübt, Op fer sind die Partnerinnen oder Kinder. Die hier beschriebenen Täter haben ebenfalls die Möglichkeit, das Beratungsangebot in Anspruch nehmen, ausgenommen sind Täter von sexualisierter Gewalt. 6 Männerberatung Gewalt-und Krisenintervention des SKM Köln Konzept Die Anwendung von Gewalt ist in den meisten Fällen erlerntes Verhalten. In der Beratung wird den Männern ihre Verantwortung aufgezeigt, die sie für ihr gewalttätiges Handeln tragen und werden damit konfrontiert. So erleben sie ihr Handeln als bewusste Entscheidung und können sich folglich auch gegen die Gewalt entscheiden. Streit, der in Gewalttätigkeit endet, verdeckt oft andere Gefühlslagen, die für Männer so bedrohlich wirken, dass sie diese nicht spüren wollen. Im Rahmen der Beratung werden die Männer für Gefühle wie Ohnmacht, Angst und Traurigkeit sensibilisiert, die sie durch ihre Gewalt unterdrücken. Im Rahmen der Beratungsbeziehung lernt der Mann diese Gefühle zu durch leben. Männer sehen in Auseinandersetzungen oft ihr Gegenüber als verantwortlich für das eigene Handeln. Ziel der Beratung ist somit die volle Verantwortungsübernahme für die begangene Tat – für die eigenen Handlungen. Nur so lernen Männer, für wieviel Leid, Angst, und Verletzung sie verantwortlich sind. Diese, für die meisten Männer erschreckende und beschämende Erkenntnis ist die wichtigste Grundlage sich zukünftig gegen Gewalt zu entscheiden und aus dem Gewaltkreislauf auszusteigen. 3.4 Väterberatung Väter wollen heutzutage verstärkt am Familienleben teilnehmen und bewusst als Vater ihren Teil der Erziehungsverantwortung übernehmen. Männer spüren zusehends, wie viel Lebenszufriedenheit und Freude mit aktiver Vaterschaft und Familienleben verbunden sind und setzen sich aktiv mit ihrer Vaterrolle auseinander und id entifizieren sich mit dieser. Familienpolitische Maßnahmen, wie die Elternzeit haben diese Entwicklung unterstützt. Gleichzeitig verwischen die klassische Geschlechts - und Rollenmuster, wodurch sich Väter mit neuen Anforderungen und Erwartungen auseinandersetzen müssen. In der Väterberatung werden in individuellen Beratungsprozessen gemeinsam mit den Männern diese Aspekte eingehend besprochen. Sie werden befähigt, eine eigene und verantwortungsvolle Haltung zur ihrer Vaterschaft zu finden. Da Väterberatung bereits bei vielen Trägern als Angebot verortet ist, wird der Väterberatung ehr im Kontext der Multiplikatoren Arbeit in den SKM eigenen Familienzentrenten verortet sein. Väterberatung hat in der Männerberatung nur eine untergeordnete Rolle, da dieses Them a aufgrund der personellen Kapazität nicht ausreichend wahrgenommen werden kann und in Köln diesbezüglich schon ein flächendeckendes Angebot vorhanden ist. 7 Männerberatung Gewalt-und Krisenintervention des SKM Köln Konzept 4. Rahmenbedingungen Wir arbeiten nach den europäischen Richtlinien der Täterarbeit (eurit) Grundhaltung für die Arbeit mit gewalttätigen Menschen Gewalttätiges Verhalten ist veränderbar Täter können und wollen ihr gewalttätiges Verhalten verändern, wenn ihnen eine angemessene, sachdienliche und kompetente Unterstützung zuteil wird. Täterarbeit verurteilt die Gewalttat, jedoch nicht den Menschen. Täter sind für ihr gewalttätiges Verhalten verantwortlich. Die Verantwortungsübernahme für das e igene Gewalthandeln ist die Vor aussetzung für das Gelingen der Beratung/Therapie Jeder Mensch hat die Möglichkeit, sein gewalttätiges Verhalten zu überwinden und zu wachsen. Professionelle Täterarbeit bietet dazu die notwenige kompetente Unterstützung und Hilfe. Ein erfolgreiches Arbeiten unterscheidet Aggression und Gewalthandeln. Aggression ist sowohl die notwendige Fähigkeit zur Grenzsetzung als auch notweniges Mittel der Selbstfürsorge im Gegensatz zum Gewalthandeln als einem Akt der Grenzüberschreitung. Da Gewalt die Auseinandersetzung mit negativ bewerteten Gefühlen vermeidet und in den meisten Fällen der Abwehr von Hilflosigkeit und Ohnmacht dient, ist die Arbeit mit und an den Emotionen ein wesentlicher Bestandteil von Täterarbeit. Die Gesprächsverläufe werden dokumentiert. Die statistischen Daten werden in der Auswertung anonymisiert, so dass keine Zuordn ung zu den beratenden Männern mehr möglich ist. Alle Angaben von Seiten der Männer beruhen sich auf freiwilliger Basis. Das Angebot der Männer-, Krisen- und Gewaltberatung beim SKM Köln richtet sich, unabhängig von Konfession und Weltanschauung an Männer, die sich in einer schwierigen Lebenslage befinden und professionelle Hilfe benötigen. Das Beratungsangebot wird von einem speziell ausgebildeten Männerberater durchgeführt. Anonyme Beratung ist möglich. 5. Präventive Aufgaben Für die Weiterbildung und die Sensibilisierung für das Thema Männer und Gewaltberatung stehen folgende Themen zu Verfügung und können zu Schulungszwecken angefragt werden. Wie gehen Männer mit Gewalt um? Warum geschlechtsspezifische Beratung? Jungen in Kitas Gewalt ist kein Konflikt Gewalt und Aggression Gewalt und hegemoniale Männlichkeit 8 Männerberatung Gewalt-und Krisenintervention des SKM Köln Konzept Sozialisation der Männer Inhalte und Methoden der Männer- und Gewaltberatung Ausgebildete Männer- und Gewaltberater stehen nicht in allen Organisationen zur Verfügung. Daher werden auf Nachfrage auch Mulitplikatorenschulungen oder Coachings für Organisationen angeboten. Insbesondere im Bereich der Kitas setzt sich der SKM für eine Sensibilisierung der Erziehrinnen und Erzieher im Umgang mit Jungs ein. Auch kann ein Angebot zur Väterarbeit und/oder Männergruppen in Bezug auf die Erziehungsarbeit erstellt werden und die Fachkollegen beraten werden. Zur Beratung, Coaching und alle Männer relevanten Themen wenden Sie sich bitte an Klaus Schmitz E-Mail: klaus.schmitz@skm.koeln.de Tel.: 0221/2074-229
Beschlussvorlage Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle V/50 Vorlagen-Nummer 1499/2018 Freigabedatum 01.06.2018 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Beratung für Männer in Problemlagen hier: Einmalige Förderung der Männerberatung des Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) Köln e.V. im Haushaltsjahr 2018 Beschlussorgan Finanzausschuss Gremium Datum Beschluss: Der Ausschuss für Soziales und Senioren beauftragt die Verwaltung, die im Haushaltsplan 2018 im Teilergebnisplan 0504, Freiwillige Sozialleistungen und Diversity, in Zeile 15, Transferaufwendungen veranschlagten Mittel zur einmaligen Bezuschussung von Maßnahmen zur Beratung von Männern in Problemlagen in Höhe von 60.000 € an den Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) Köln e.V. zu bewilligen und auszuzahlen. Der Finanzausschuss beschließt die Freigabe der Mittel in Höhe von 60.000 €. Ausschuss Soziales und Senioren 14.06.2018 Finanzausschuss 02.07.2018 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme 60.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Begründung: Zum Haushalt 2018 stellte der Rat im Teilergebnisplan 0504, Soziale Hilfen, in Zeile 15 Transferauf- wendungen, einmalig 60.000 € zur Bezuschussung der Beratung für Männer in Problemlagen zur Verfügung. Der Finanzausschuss hat sich vorbehalten, über die Mittelfreigabe nach Vorberatung durch den Fachausschuss zu entscheiden. Der Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) Köln e.V. bietet Beratung als Gewalt- und Kriseninter- vention speziell für Männer entsprechend dem als Anlage beigefügten Konzept an und beantragt hier- für eine städtische Bezuschussung in Höhe von 60.000 €. Die beantragte Förderung soll zur anteiligen Finanzierung der in 2018 durch die Männerberatung des SKM Köln entstehenden Personal- und Sachkosten verwendet werden. Der SKM Köln ist seit vielen Jahren in unterschiedlichen Feldern sozialer Arbe it und Beratungsse t- tings aktiv. In den Beratungsdiensten aber auch z.B. in den Familienzentren des SKM Köln zeigt sich zunehmend der Bedarf für ein spezifisches Angebot zur Beratung von Männern in Konflikt - und Kri- sensituationen. Sich verändernde, gesellsc haftliche Rollenbilder und gleichzeitig steigende, an diese Rollen geknüpfte Anforderungen, erzeugen enormen Druck, der bei vielen Männern zu Konflikten und Krisen führt. Gleichzeitig existieren bundesweit kaum Angebote spezifisch für Männer, in denen sie die Belastungen besprechen und Klarheit über ihre individuelle Situation gewinnen können. Aus diesem beobachteten Bedarf heraus entstanden über die Jahre in der Familienhilfe, Jugendhilfe, Suchthilfe oder der Straffälligenhilfe des SKM Köln Angebote, die sich sowohl mit den Themen männ- licher Gewaltausübung und -erfahrung, als auch mit entsprechenden präventiven Ansätzen wie Ju n- gen- und Vätergruppen auseinandersetzten. Gleichzeitig steht das Thema immer auch im Fokus der Beratung, wenn männliche Klienten entsprechende Erfahrungen gemacht haben. Deshalb entschied sich der SKM Köln, die männerspezifische Beratung weiter auszubauen. Der SKM Köln verfügt an vielen Stellen über beraterisch und auch therapeutisch geschultes Personal. Ein Mi t- 3 arbeiter wurde zusätzli ch in einer zweijährigen, berufsbegleitenden Ausbildung zum zertifizierten Männerberater ausgebildet. Seit Beginn des Jahres 2017 bietet der SKM Köln neben den schon vorhandenen Ansätzen eine sp e- zifische Männerberatung an mit den Schwerpunkten Beratung von Männern in (existenziellen) Krisensituationen Täterberatung (Männer, die Gewalt ausüben) Opferberatung (Männer als Opfer häuslicher Gewalt) Prävention (Jungen-, Männer, Vätergruppen) und Multiplikatorenarbeit. Bereits nach kurzer Zeit wurde aufgrund des hohen Bedarfs das Angebot sukzessive auf heute eine volle Stelle ausgeweitet. Vor allem die Beratung von Männern, die Opfer häuslicher und sexualisierter Gewalt bzw. Gewalt im öffentlichen Raum sind, stellt ein Spezifikum des SKM Köln dar. Obwohl belastba re, bundesweite Zahlen fehlen und von einer großen Dunkelziffer auszugehen ist, schätzt man, dass 20 Prozent der Opfer von häuslicher Gewalt Männer sind. Das Landeskriminalamt Berlin ermittelte 2013 bei insg e- samt rund 14.300 Fällen von häuslicher Gewalt so gar 23,8 Prozent weibliche Verdächtige. Hinzu kommen Männer, die Opfer von Gewalt in gleichgeschlechtlichen Beziehungen wurden. Somit liegt die Zahl männlicher Opfer häuslicher Gewalt vermutlich sogar über 20%. Doch die meisten Hilfsa n- gebote kümmern sich a usschließlich um weibliche Opfer. Hier setzt der SKM Köln für betroffene Kö l- ner Männer etwas dagegen. Seit Beginn dieses Angebotes wurden 39 Personen beraten und betreut, davon allein 27 in den er s- ten vier Monaten des Jahres 2018. Bezüglich der Schwerpunkte der Beratung zeigt sich in etwa eine Drittelung: 1/3 Krisenberatung 1/3 Täterberatung 1/3 Opferberatung Stand April 2018 werden im SKM Köln 15 Personen beraten. Damit sind, neben den Präventionsa n- geboten und der Vernetzungs- und Multiplikatorenarbeit die Beratungskapazitäten aktuell ausgelastet. Vor allem die Vernetzung ist im Moment noch in hohem Umfang notwendig, um das Angebot in der Bevölkerung bekannt zu machen. Eine Ausweitung der Beratungskapazitäten vor allem für männliche Opfer ist aber notwendig und geplant. Mit den Klienten finden in der Regel wöchentliche Termine statt, bei denen die in der Beratung übl i- chen 50 Minuten oft nicht ausreichen, weil es sich um Kriseninterventionen handelt, die nicht nach festgelegten Zeiten gestoppt werden können. Die Beratungsprozesse sind mittel - bis langfristig angelegt und umfassen in der Regel drei und mehr Monate. Aufgrund der besonderen Thematik der Täter -, Opfer- und Krisenberatung, die mit tiefgre i- fenden Veränderungen des Lebens der Betroffenen und prozes sualen Entwicklungen verbunden sind, sind Kurzberatungen nur in wenigen Ausnahmefällen indiziert. Bei Beratungsprozessen von 3 und mehr Monaten sind die Kapazitäten für Neuaufnahmen bei aktuell 15 Beratungsplätzen begrenzt. Außerdem zeigt sich zunehmend ei n Bedarf an Begleitung der Klienten z.B. zur Unterstützung bei Anwälten und bei Gericht. Dies ist notwendig, weil das Öffentlich -Machen des Opfer -Seins für viele Männer hoch schambelastet und entsprechend hoch tabuisiert ist. Sie benötigen hier den Support einer Vertrauensperson, um diese Termine wahrnehmen zu können. Ein Männerberater, der um die häusliche Situation weiß, stellt genau diese Vertrauensperson dar und kann in vielen Fällen auch nicht einfach durch eine andere Begleitung ersetzt werden. Darüber hinaus ist es notwendig, ein öffentliches Bewusstsein für diese Seite häuslicher Gewalt zu schaffen, die für viele noch unbekannt und auf den ersten Blick vielleicht unverständlich ist. In A r- beitskreisen sowie in Multiplikatoren - und öffentlichen V eranstaltungen muss dieses Thema immer wieder aufgegriffen und die Hilfe bekannt gemacht werden. Das gelingt offensichtlich sehr gut. 25% 4 der Männer, die die Beratung im SKM Köln aufsuchen, wurden durch Kriminalpolizei oder Justiz ve r- mittelt, 4% kamen inte rn aus dem SKM, aber 71% sind Selbstmelder. Es ist also gelungen, das A n- gebot so nach außen hin bekannt zu machen, dass es rege angefragt wird. Mit präventiver Ausrichtung finden an verschiedenen, sozialräumlichen Standorten des SKM Köln Jungen-, Väter- und Männergruppen statt, die zum Ziel haben, für Gewalt (verbal und körperlich) zu sensibilisieren und alternative Verhaltensmuster zu stärken. Hier geht es auch um die Auseinande r- setzung mit der eigenen Rolle und einer stabilen, männlichen Identität als protektivem Faktor. Die hohe Nachfrage nach einem männerspezifischen Beratungsangebot zeigt sich auch darin, dass vom SKM Köln mittlerweile eine Warteliste geführt werden muss, auf der aktuell 12 Personen stehen. Das zeigt, dass zum Thema Männerberatung in Kö ln ein enormer Bedarf besteht. In akuten Situati o- nen, z.B. im Fall drohender Suizidalität, erhalten natürlich auch diese Männer eine kurzfristige Krise n- intervention. Die Finanzierung des Angebotes erfolgte bisher durch Eigenmittel des SKM Köln. Anlage: Konzept Männerberatung
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1499/2018
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 01.06.2018
- Erstellt
- 04.05.2018 13:35