2024/0360
Implementierung Starkregenfrühalarmsystem mittels Forschungsvorhaben
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2024/0360
10204 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
27.11.2024
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Dezernat V
Dezernat VI
Amt: Amt für
Klimaschutz und
Klimaanpassung
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2024/0360
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: 069-000-1000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5610-42 Sachkonto: 6861000
Betreff: Implementierung Starkregenfrühalarmsystem mittels Forschungsvorhaben
Vorlage vom: 2 5.11.2024
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat stimmt der fristgerechten Einreichung eines Förderantrags zum
Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“ mit dem Ziel der Implementierung eines
stadtweiten Starkregenfrühalarmsystems zu.
2. Die Finanzierung des Starkregenfrühalarmsystems erfolgt au s bereits etatisierten
Haushaltsmitteln des Amtes für Klimaschutz und Klimaanpassung der Haushaltsjahre
2025 bis 2027. Die erwarteten Kosten für das 2 -jährige Forschungsvorhaben belaufen sich
auf bis zu 800.000 €. Bei einer Förderquote von 80% beliefe sich der städtische
Eigenanteil auf bis zu 160.000 €. Gemeinschaftsvorhaben werden zu 90% gefördert,
sodass sich die Kosten im besten Falle auf bis zu 80.000 € bei einer Teilnahme der
Stadt/Landkreis Kassel reduzieren würden.
- 2 -
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 25.11.2024
1. Hintergrund
Die globale Klimaerwärmung führt zu immer häufigeren und intensiveren Starkniederschlägen.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist als wärmste Stadt in Hessen bereits heute von
Starkniederschlägen betroffen, welche lokal zu Überflutungen führen. Laut Starkregen-
hinweiskarte des Landes Hessen befindet sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt in einem
Bereich besonders hoher Gefährdung für das Auftreten von Starkregen.
Es ist davon auszugehen, dass sich Starkniederschläge in Zukunft häufen und an Intensität
zunehmen. Dieser Effekt ist mittels der Thermodynamik (Clausius-Clapeyron-Gleichung) zu
erklären. So kann 1 Grad wärmere Luft im Mittel 7 % mehr Wasserdampf aufnehmen. Bei einer
aktuell bereits gemessenen deutschlandweiten Erwärmung von knapp über 2 Grad können
Starkniederschläge schon heute ca. 15 % mehr Wasserdampf aufnehmen und entsprechend
intensiv abregnen.
Starkregen verursacht häufig schwerwiegende Folgen mit Schäden an Infrastruktur, Gebäuden
und Personen. Die entstandenen Schäden können hierbei schnell in die Millionenhöhe gehen,
wie die jüngsten Starkregenereignisse im Ahrtal (2021) oder in Südbayern (2023) zeigen. Im
Sinne einer adäquaten Adressierung dieser neuen Realität ist die Implementierung von
Frühalarmroutinen für die Bevölkerung im städtischen Handeln unerlässlich.
Die Stadt Darmstadt weist nach Durchsicht der ersten, noch zu plausibilisierenden Ergebnisse,
der neuen hochauflösenden Starkregengefahrenkarten (unabhängig des Förderantrags – aktuell
in Entwicklung) zahlreiche Bereiche im Stadtgebiet auf, welche eine hohe Verwundbarkeit
gegenüber Oberflächenabflüssen und Überflutungen aufzeigen. Die Ursache hierfür liegt im
hohen Versiegelungsgrad der Stadt. Laut einer in 2023 erschienenen Studie der GDV
(Gesamtverband der Versicherer) sind 57,83 % der Siedlungsfläche versiegelt. Darmstadt
belegt demnach den 18. Platz der am stärksten versiegelten Städte Deutschlands und den 4.
Platz in Hessen hinter den Städten Rüsselsheim, Hanau und Offenbach am Main.
Versiegelungen führen zu vermehrtem und schnellerem Oberflächenabfluss. Die hohe
Verwundbarkeit Darmstadts ist zudem auf die Lage am Rande des Odenwalds zurückzuführen,
welche Stauwetterlagen bei westlicher Anströmung auslösen kann. Zudem führen die
Neigungen in Richtung Stadtgebiet zu vermehrten Oberflächenabflüssen in das Stadtgebiet
hinein.
Neben dezentralen Maßnahmen im Außenbereich sind vorsorgende Maßnahmen im
Stadtgebiet zentral. Hierzu zählen bspw. Maßnahmen des Schwammstadtprinzips, wie
Tiefbeete, wasseroptimierte Baumscheiben, Retentionsmulden oder Retentionsdächer, welche
dezentral Regenwasser zurückhalten. Diese werden aktuell im Kontext des
Klimaanpassungsplans (geplante Veröffentlichung 01. Quartal 2025) erarbeitet.
Neben den rein baulichen Maßnahmen ist die Etablierung eines Frühalarmsystems
unumgänglich. Dieses warnt Zivilgesellschaft, Verwaltung, Politik und Bevölkerungs - und
Katastrophenschutz frühzeitig vor Ereignissen außergewöhnlicher und extremer Intensität un d
kann so insbesondere Personenschäden sowie Schäden an Infrastruktur und Gebäuden
deutlich reduzieren.
Im Landkreis Fulda wurde in 2022 ein Starkregenfrühalarmsystem aufgebaut. In über 20
Kommunen und Städten des Landkreises kommt das System aktuell zum Einsatz und hat sich
u.a. bei einem intensiven Starkregenereignis im Mai 2024 bewährt. Durch das System konnten
größere Schäden im Landkreis verhindert werden. Das Starkregenfrühalarmsystem besitzt als
- 4 -
zentrale Komponente zahlreiche Sensoren, welche im Stadtgebiet u.a. an Fließgewässern,
Gebäuden und im Kanal ausgebracht werden. Das Echtzeit Sensor Netzwerk (Atlashub IoT
Hub) besteht aus autarken IoT Sensoren. Diese Geräte werden über verschiedenste Telemetrie -
Protokolle an einen IoT-Hub konnektiert. Dabei werden alle Daten in Echtzeit übertragen, auf
Anomalien überprüft und für weitere Analysen im Alarmsystem bereitgestellt. Sie messen
dementsprechend in Echtzeit Abflüsse und Durchflüsse. Zudem werden Radar -
Niederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes und Starkregengefahrenkarten in das
System eingespeist (siehe Abb.1). Die Warnmeldung erfolgt über mobile Endgeräte an die
Bevölkerung, Politik und Verwaltung sowie Rettungskräfte mit abgestimmten Alarm- und
Einsatzplänen.
Abb.1: Komponenten des Starkregenfrühalarmsystems
Das System soll in einer 2. Optimierungsphase um die Komponente der Infiltration erweitert
werden. Die Infiltration ist eine zentrale Komponente zur Abschätzung der
Versickerungsfähigkeit des Bodens. So können Böden mit hohem Infiltrationsvermögen mehr
Regenwasser versickern. Geringes Infiltrationsvermögen führt zu vermehrt oberflächigem
Abfluss sowie zu geringerer Versickerungsleistung in eingestauten Bereichen nach
Starkregenereignissen. Die Informationen zum Infiltrationsvermögen liegen bereits in einem
digitalen Geodatensatz vor und sollen nun mittels Bodenfeuchtemesssensoren zur Erfassung
des Bodenfeuchtegehaltes bzw. des Dürregrades ergänzt werden.
Die Systemoptimierung soll im Zuge eines Forschungsvorhabens umgesetzt werden. Das
Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“ fördert über die Förderlinie 2 die Nachnutzung
datenplattformbasierter Anwendungsfälle/Use Cases, die bereits erfolgreich implementiert
wurden. Hierüber soll das Forschungsvorhaben beantragt werden. Das Projekt hat aufgrund
seiner bundesweiten Ausstrahlungskraft und innovativem Charakter gute Aussichten auf eine
Förderzusage.
2. Kosten
Die Vorhaben des Förderprogramms „Starke Heimat Hessen“ werden in der Regel mit 100.000
Euro und maximal mit 2,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren
gefördert. Es handelt sich um eine Anteilsfinanzierung in Höhe von in der Regel 80 % der
förderfähigen Gesamtkosten. Bei Einzelvorhaben richtet sich die Förderquote nach § 48 Abs. 2
- 5 -
Hessisches Finanzausgleichsgesetz (HFAG). Die Spannweite der Förderung beträgt bei
Einzelvorhaben 70 % bis 90 %. Bei einem Gemeinschaftsvorhaben ist grundsätzlich ein
Zuschuss in Höhe von 90 % möglich. Der restliche Finanzierungsanteil erfolgt durch
Eigenmittel.
Die erwarteten Kosten für das 2-jährige Forschungsvorhaben belaufen sich auf bis zu 800.000
€ für die Jahre 2025 bis 2027. Ausgehend von einer einer Förderquote von 80 % entfallen
Kosten in Höhe von bis zu 160.000 € als Eigenanteil auf die Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Gemeinschaftsvorhaben werden zu 90 % gefördert, sodass sich die Kosten im besten Falle auf
bis zu 80.000 € bei einer Teilnahme der Stadt bzw. des Landkreises Kassel reduzieren. Eine
Teilnahme der Stadt / des LK Kassel ist durch die HLNUG angefragt. Zusätzliche
Personalkosten fallen nicht an. Der zusätzliche Arbeitsaufwand für die Wissenschaftsstadt
Darmstadt kann durch die Stelle der bzw. des Klimaanpassungsmanager*in im Amt für
Klimaschutz und Klimaanpassung abgedeckt werden.
Die Finanzierung erfolgt aus bereits im Haushalt des Amtes für Klimaschutz und
Klimaanpassung eingeplanten Mitteln. Nach aktueller Planung teilen sich die Kostenanteile wie
folgt auf:
2025: 200.000 €
2026: 400.000 €
2027: 200.000 €
Dementgegen werden die erwarteten Erträge aus dem Förderprogramm „Starke Heimat
Hessen“ zusätzlich im Haushalt eingeplant. Bei einer konservativen Schätzung (80%ige
Förderquote) entfallen auf die Haushaltsjahre:
2025: 160.000 € (90% = 180.000 €)
2026: 320.000 € (90% = 360.000 €)
2027: 160.000 € (90% = 180.000 €)
3. Zeitrahmen
Der Projektstart ist auf den 01.06.2025 datiert. Es ist eine 2-jährige Laufzeit im Zeitraum
01.06.2025 bis 31.05.2027 vorgesehen.
Dezernat III Dezernat IV Dezernat VI
Michael Kolmer Andre Schellenberg Paul Georg Wandrey
Stadtrat Stadtkämmerer Stadtrat
Dezernat V
Holger Klötzner
Stadtrat
anlage 1
10273 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
27.11.2024
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Dezernat V
Dezernat VI
Amt: Amt für
Klimaschutz und
Klimaanpassung
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
III 69
IV V
VI 37
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2024/0360
Magistratsbeschluss -Nr.
427
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: 069-000-1000 Investitionsnummer:
Kostenträger: 5610-42 Sachkonto: 6861000
Betreff: Implementierung Starkregenfrühalarmsystem mittels Forschungsvorhaben
Vorlage vom: 25.11.2024
Beschlussvorschlag :
1. Der Magistrat stimmt der fristgerechten Einreichung eines Förderantrags zum
Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“ mit dem Ziel der Implementierung eines
stadtweiten Starkregenfrühalarmsystems zu.
2. Die Finanzierung des Starkregenfrühalarmsystems erfolgt au s bereits etatisierten
Haushaltsmitteln des Amtes für Klimaschutz und Klimaanpassung der Haushaltsjahre
2025 bis 2027. Die erwarteten Kosten für das 2 -jährige Forschungsvorhaben belaufen sich
auf bis zu 800.000 €. Bei einer Förderquote von 80% beliefe sich der städtische
Eigenanteil auf bis zu 160.000 €. Gemeinschaftsvorhaben werden zu 90% gefördert,
sodass sich die Kosten im besten Falle auf bis zu 80.000 € bei einer Teilnahme der
Stadt/Landkreis Kassel reduzieren würden.
- 3 -
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Zusätzlich für alle Vorlagen aus dem Bereich des Hochbaus anzugeben:
Klimarelevanz des Vorhabens:
Auswirkungen auf Stadtklima: ja nein
Auswirkungen auf THG -Emissionen: gering1) mittel/groß 2)
Beteiligung Amt f. Klimaschutz & Klimaanpassung: ja nein
Zusätzlich bei Beschlüssen zur Baufreigabe:
Wurden Optimierungspotentiale ausgeschöpft? ja nein
Falls nein, Kompensationsmaßnahmen festgelegt? ja nein
1) bis 10 Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente (CO2e) pro Jahr, 2) über 10 Tonnen CO2e pro Jahr.
Beschluss des Magistrats vom 04.12.2024
Der Vorlage wird zugestimmt.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 25.11.2024
1. Hintergrund
Die globale Klimaerwärmung führt zu immer häufigeren und intensiveren Starkniederschlägen.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist als wärmste Stadt in Hessen bereits heute von
Starkniederschlägen betroffen, welche lokal zu Überflutungen führen. Laut Starkregen-
hinweiskarte des Landes Hessen befindet sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt in einem
Bereich besonders hoher Gefährdung für das Auftreten von Starkregen.
Es ist davon auszugehen, dass sich Starkniederschläge in Zukunft häufen und an Intensität
zunehmen. Dieser Effekt ist mittels der Thermodynamik (Clausius-Clapeyron-Gleichung) zu
erklären. So kann 1 Grad wärmere Luft im Mittel 7 % mehr Wasserdampf aufnehmen. Bei einer
aktuell bereits gemessenen deutschlandweiten Erwärmung von knapp über 2 Grad können
Starkniederschläge schon heute ca. 15 % mehr Wasserdampf aufnehmen und entsprechend
intensiv abregnen.
Starkregen verursacht häufig schwerwiegende Folgen mit Schäden an Infrastruktur, Gebäuden
und Personen. Die entstandenen Schäden können hierbei schnell in die Millionenhöhe gehen,
wie die jüngsten Starkregenereignisse im Ahrtal (2021) oder in Südbayern (2023) zeigen. Im
Sinne einer adäquaten Adressierung dieser neuen Realität ist die Implementierung von
Frühalarmroutinen für die Bevölkerung im städtischen Handeln unerlässlich.
Die Stadt Darmstadt weist nach Durchsicht der ersten, noch zu plausibilisierenden Ergebnisse,
der neuen hochauflösenden Starkregengefahrenkarten (unabhängig des Förderantrags – aktuell
in Entwicklung) zahlreiche Bereiche im Stadtgebiet auf, welche eine hohe Verwundbarkeit
gegenüber Oberflächenabflüssen und Überflutungen aufzeigen. Die Ursache hierfür liegt im
hohen Versiegelungsgrad der Stadt. Laut einer in 2023 erschienenen Studie der GDV
(Gesamtverband der Versicherer) sind 57,83 % der Siedlungsfläche versiegelt. Darmstadt
belegt demnach den 18. Platz der am stärksten versiegelten Städte Deutschlands und den 4.
Platz in Hessen hinter den Städten Rüsselsheim, Hanau und Offenbach am Main.
Versiegelungen führen zu vermehrtem und schnellerem Oberflächenabfluss. Die hohe
Verwundbarkeit Darmstadts ist zudem auf die Lage am Rande des Odenwalds zurückzuführen,
welche Stauwetterlagen bei westlicher Anströmung auslösen kann. Zudem führen die
Neigungen in Richtung Stadtgebiet zu vermehrten Oberflächenabflüssen in das Stadtgebiet
hinein.
Neben dezentralen Maßnahmen im Außenbereich sind vorsorgende Maßnahmen im
Stadtgebiet zentral. Hierzu zählen bspw. Maßnahmen des Schwammstadtprinzips, wie
Tiefbeete, wasseroptimierte Baumscheiben, Retentionsmulden oder Retentionsdächer, welche
dezentral Regenwasser zurückhalten. Diese werden aktuell im Kontext des
Klimaanpassungsplans (geplante Veröffentlichung 01. Quartal 2025) erarbeitet.
Neben den rein baulichen Maßnahmen ist die Etablierung eines Frühalarmsystems
unumgänglich. Dieses warnt Zivilgesellschaft, Verwaltung, Politik und Bevölkerungs - und
Katastrophenschutz frühzeitig vor Ereignissen außergewöhnlicher und extremer Intensität un d
kann so insbesondere Personenschäden sowie Schäden an Infrastruktur und Gebäuden
deutlich reduzieren.
Im Landkreis Fulda wurde in 2022 ein Starkregenfrühalarmsystem aufgebaut. In über 20
Kommunen und Städten des Landkreises kommt das System aktuell zum Einsatz und hat sich
u.a. bei einem intensiven Starkregenereignis im Mai 2024 bewährt. Durch das System konnten
- 5 -
größere Schäden im Landkreis verhindert werden. Das Starkregenfrühalarmsystem besitzt als
zentrale Komponente zahlreiche Sensoren, welche im Stadtgebiet u.a. an Fließgewässern,
Gebäuden und im Kanal ausgebracht werden. Das Echtzeit Sensor Netzwerk (Atlashub IoT
Hub) besteht aus autarken IoT Sensoren. Diese Geräte werden über verschiedenste Telemetrie -
Protokolle an einen IoT-Hub konnektiert. Dabei werden alle Daten in Echtzeit übertragen, auf
Anomalien überprüft und für weitere Analysen im Alarmsystem bereitgestellt. Sie messen
dementsprechend in Echtzeit Abflüsse und Durchflüsse. Zudem werden Radar -
Niederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes und Starkregengefahrenkarten in das
System eingespeist (siehe Abb.1). Die Warnmeldung erfolgt über mobile Endgeräte an die
Bevölkerung, Politik und Verwaltung sowie Rettungskräfte mit abgestimmten Alarm- und
Einsatzplänen.
Abb.1: Komponenten des Starkregenfrühalarmsystems
Das System soll in einer 2. Optimierungsphase um die Komponente der Infiltration erweitert
werden. Die Infiltration ist eine zentrale Komponente zur Abschätzung der
Versickerungsfähigkeit des Bodens. So können Böden mit hohem Infiltrationsvermögen mehr
Regenwasser versickern. Geringes Infiltrationsvermögen führt zu vermehrt oberflächigem
Abfluss sowie zu geringerer Versickerungsleistung in eingestauten Bereichen nach
Starkregenereignissen. Die Informationen zum Infiltrationsvermögen liegen bereits in einem
digitalen Geodatensatz vor und sollen nun mittels Bodenfeuchtemesssensoren zur Erfassung
des Bodenfeuchtegehaltes bzw. des Dürregrades ergänzt werden.
Die Systemoptimierung soll im Zuge eines Forschungsvorhabens umgesetzt werden. Das
Förderprogramm „Starke Heimat Hessen“ fördert über die Förderlinie 2 die Nachnutzung
datenplattformbasierter Anwendungsfälle/Use Cases, die bereits erfolgreich implementiert
wurden. Hierüber soll das Forschungsvorhaben beantragt werden. Das Projekt hat aufgrund
seiner bundesweiten Ausstrahlungskraft und innovativem Charakter gute Aussichten auf eine
Förderzusage.
2. Kosten
Die Vorhaben des Förderprogramms „Starke Heimat Hessen“ werden in der Regel mit 100.000
Euro und maximal mit 2,5 Millionen Euro über einen Zeitraum von maximal zwei Jahren
gefördert. Es handelt sich um eine Anteilsfinanzierung in Höhe von in der Regel 80 % der
förderfähigen Gesamtkosten. Bei Einzelvorhaben richtet sich die Förderquote nach § 48 Abs. 2
Hessisches Finanzausgleichsgesetz (HFAG). Die Spannweite der Förderung beträgt bei
Einzelvorhaben 70 % bis 90 %. Bei einem Gemeinschaftsvorhaben ist grundsätzlich ein
Zuschuss in Höhe von 90 % möglich. Der restliche Finanzierungsanteil erfolgt durch
Eigenmittel.
Die erwarteten Kosten für das 2-jährige Forschungsvorhaben belaufen sich auf bis zu 800.000
€ für die Jahre 2025 bis 2027. Ausgehend von einer einer Förderquote von 80 % entfallen
Kosten in Höhe von bis zu 160.000 € als Eigenanteil auf die Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Gemeinschaftsvorhaben werden zu 90 % gefördert, sodass sich die Kosten im besten Falle auf
bis zu 80.000 € bei einer Teilnahme der Stadt bzw. des Landkreises Kassel reduzieren. Eine
Teilnahme der Stadt / des LK Kassel ist durch die HLNUG angefragt. Zusätzliche
Personalkosten fallen nicht an. Der zusätzliche Arbeitsaufwand für die Wissenschaftsstadt
Darmstadt kann durch die Stelle der bzw. des Klimaanpassungsmanager*in im Amt für
Klimaschutz und Klimaanpassung abgedeckt werden.
Die Finanzierung erfolgt aus bereits im Haushalt des Amtes für Klimaschutz und
Klimaanpassung eingeplanten Mitteln. Nach aktueller Planung teilen sich die Kostenanteile wie
folgt auf:
2025: 200.000 €
2026: 400.000 €
2027: 200.000 €
Dementgegen werden die erwarteten Erträge aus dem Förderprogramm „Starke Heimat
Hessen“ zusätzlich im Haushalt eingeplant. Bei einer konservativen Schätzung (80%ige
Förderquote) entfallen auf die Haushaltsjahre:
2025: 160.000 € (90% = 180.000 €)
2026: 320.000 € (90% = 360.000 €)
2027: 160.000 € (90% = 180.000 €)
3. Zeitrahmen
Der Projektstart ist auf den 01.06.2025 datiert. Es ist eine 2-jährige Laufzeit im Zeitraum
01.06.2025 bis 31.05.2027 vorgesehen.
Dezernat III Dezernat IV Dezernat VI
Michael Kolmer Andre Schellenberg Paul Georg Wandrey
Stadtrat Stadtkämmerer Stadtrat
Dezernat V
Holger Klötzner
Stadtrat
anlage 2
224 Zeichen
Punkt 4: Implementierung Starkregenfrühalarmsystem mittels Forschungsvorhaben (V-Nr. 2024/0360) - Kenntnisnahme - Der Ausschuss für Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Umwelt und Stadtplanung nimmt von der Vorlage Kenntnis.
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2024/0360
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 22.11.2024
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00