AN/0598/2026
Sichere Kreuzungen und Querungen durch vorgezogene Seitenräume (Gehwegna-sen/“freie Ecken“ und „freie Strecken“) – Prioritäre Umsetzung als zentrales Instrument der Erhöhung der Verkehrssicherheit für ungeschützte Verkehrsteilnehmende
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Gem. Antrag nach § 3 (Rat)
6983 Zeichen
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Kölner Rat
Fraktion Die Linke. im Rat der Stadt Köln
Volt Fraktion im Rat der Stadt Köln
An den Vorsitzenden des
Verkehrsausschusses
Herrn Lino Hammer
Herr Oberbürgermeister
Torsten Burmester
Eingang beim Amt des Oberbürgermeisters:
AN/0598/2026
Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates
Gremium Datum der Sitzung
Mobilitätsausschuss 28.04.2026
Sichere Kreuzungen und Querungen durch vorgezogene Seitenräume (Gehwegna-
sen/„freie Ecken“ und „freie Strecken„) – Prioritäre Umsetzung als zentrales
Instrument der Erhöhung der Verkehrssicherheit für ungeschützte
Verkehrsteilnehmende
Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
wir bitten Sie, folgenden Antrag in die Tagesordnung des Ausschusses am 28.04.2026 auf-
zunehmen:
Beschluss:
Die Verwaltung wird beauftragt:
1. auf Grundlage von Fußverkehrs-Checks, eingegangenen Beschwerdelagen (z. B.
durch die Feuerwehr, AWB, Bürger*innen) oder im Rahmen der Schulwegsicherung
identifizierte Querungsstellen kurzfristig durch nicht-bauliche Gehwegnasen (vorgezo-
gene Seitenräume mittels Markierungen, Piktogrammen und Pollern sowie als Statio-
nen für innerstädtische Mikromobilität, z.B. mittels Radabstellbügeln und Aufstellflä-
chen für Leihfahrräder und E-Scooter) zu sichern.
2. eine gesamtstädtische Handreichung zum Konzept der „Freien Ecken“ und „Freien
Strecken“1 zu entwickeln, die als verbindliche Planungsgrundlage für geeignete Kreu-
zungen, Einmündungen und Querungsstellen im gesamten Stadtgebiet dient. Diese
Handreichung ist allen städtischen Planungsstellen, externen Planungsbüros sowie
1 „Freie Strecken“ sollen gut einsehbare und sichere Querungen ermöglichen, an Stellen, an denen kein Fußgän-
gerüberweg möglich ist.
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den ausführenden Bauunternehmen zur Verfügung zu stellen und bei Neu- und Um-
baumaßnahmen im Straßenraum zugrunde zu legen.
3. bei Neu- und Umbaumaßnahmen von Straßen und Knotenpunkten grundsätzlich
baulich vorgezogene Gehwegnasen mit Bordsteinabsenkungen und taktilen Elemen-
ten vorzusehen, sofern dem keine zwingenden verkehrlichen oder technischen
Gründe entgegenstehen.
Das Konzept der „Freien Ecken“ ist hierbei als Standardlösung für geeignete Kreu-
zungen und Einmündungen anzuwenden.
4. die Umsetzung im Bestand zu priorisieren. Oberste Priorität haben:
a) Querungsstellen aus Fußverkehrs-Checks,
b) Standorte mit eingegangenen Beschwerdelagen (z. B. Feuerwehr, AWB, Bür-
ger*innen),
c) Maßnahmen der Schulwegsicherung.
5. dem Mobilitätsausschuss die Handreichung vorzulegen.
6. ihren entsprechenden Ermessensspielraum bei der Anordnung von „Freien Ecken“
auszureizen und zu prüfen, inwiefern das Konzept der Freien Ecken in bestehende
Regelwerke und Standardplanungen der Stadt Köln integriert werden kann.
Begründung:
Die Sicherheit von zu Fuß Gehenden ist ein zentrales Ziel der städtischen Verkehrspolitik, das in hoher
Priorität zu verfolgen ist. Besonders gefährdet sind Kinder, ältere Menschen sowie mobilitätseinge-
schränkte Personen. Ein erheblicher Teil der Unfälle mit Ki ndern ereignet sich beim Überqueren der
Fahrbahn; häufige Ursache sind eingeschränkte Sichtbeziehungen, insbesondere durch parkende Fahr-
zeuge im Kreuzungs- und Einmündungsbereich.
Freie Ecken als wirksames Instrument der Verkehrssicherheit
Mit dem Konzept der Freien Ecken verfügt die Stadt Köln über ein erprobtes und wirkungsvolles Instru-
ment zur Verbesserung der Sichtverhältnisse an Kreuzungen. Durch gezielte Markierungen, das Frei-
halten von Eckbereichen sowie ergänzende Elemente wie Fahrradbügel oder Pol ler wird verhindert,
dass Fahrzeuge die gesetzlich ohnehin freizuhaltenden Sichtdreiecke zuparken. Dadurch werden die
Sichtbeziehungen zwischen zu Fuß Gehenden, Radfahrenden und dem motorisierten Verkehr deutlich
verbessert.
Die Freien Ecken setzen die bes tehenden Regelungen der Straßenverkehrsordnung konsequent und
dauerhaft um und sorgen für klar erkennbare, übersichtliche Kreuzungsbereiche. Sie verkürzen Que-
rungsdistanzen, reduzieren Konflikte beim Abbiegen und erhöhen insgesamt die Verkehrssicherheit –
ohne aufwendige bauliche Eingriffe und mit vergleichsweise geringem finanziellem Aufwand. Sie sind
deshalb ein zentrales Element der Erhöhung der Verkehrssicherheit für zu Fuß Gehende und sollen mit
hoher Priorität stadtweit in großer Zahl umgesetzt werden .
Erfolgreiche Umsetzung in Köln – Beispiel Nippes
Die Stadt Köln hat bereits an mehreren Standorten Freie Ecken erfolgreich umgesetzt. Besonders her-
vorzuheben sind die Erfahrungen im Stadtbezirk Nippes, wo an verschiedenen Kreuzungen und Ein-
mündungen Freie Ecken eingerichtet wurden. Dort zeigen sich die Vorteile dieses Ansatzes besonders
deutlich: bessere Übersichtlichkeit, reduzierte Gefahrensituationen und eine spürbare Verbesserung der
Sicherheit für zu Fuß Gehende und Radfahrende.
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Die positiven Rückmeldungen und die gute Akzeptanz vor Ort belegen, dass Freie Ecken ein praktikab-
les und wirksames Mittel sind, um schnell und sichtbar die Verkehrssicherheit zu erhöhen. Diese Erfah-
rungen sprechen dafür, das Konzept nun systematisch und prior isiert im gesamten Stadtgebiet auszu-
rollen.
Bedeutung für die Schulwegsicherung
Im Umfeld von Schulen ist die Sicherung von Sichtbeziehungen von besonderer Bedeutung. Kinder sind
im Straßenverkehr besonders gefährdet, da sie Verkehrssituationen anders wah rnehmen und einschät-
zen als Erwachsene. Parkende Fahrzeuge an Kreuzungen und Einmündungen versperren häufig den
Blick auf querende Kinder oder herannahende Fahrzeuge und erhöhen damit das Unfallrisiko erheblich.
Freie Ecken und bauliche Gehwegnasen sind da her ein zentraler Baustein der Schulwegsicherung. Sie
schaffen klare Sichtachsen, verkürzen die Querungswege und sorgen für übersichtliche und besser
wahrnehmbare Querungsstellen.
Gesamtstädtischer Ansatz
In Kombination mit den Ergebnissen von Fußverkehr s-Checks, der vorhandenen Beschwerdelagen o-
der der Schulwegesicherung ermöglichen Freie Ecken sowie Freie Strecken eine zielgerichtete,
schnelle und kosteneffiziente Verbesserung der Verkehrssicherheit. Eine stadtweite Umsetzung in ho-
her Priorität trägt de m Schutz der schwächsten Verkehrsteilnehmenden Rechnung und leistet einen
wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Verkehrsunfällen im öffentlichen Raum.
Quellen:
https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Verkehrsunfaelle/Publikatio-
nen/Downloads-Verkehrsunfaelle/unfaelle-kinder-5462405217004-
1_2021449.pdf?__blob=publicationFile
20 "Freie Ecken" für Köln - Stadt Köln
https://www.stadt-koeln.de/artikel/73929/index.html
Mit freundlichen Grüßen
gez. gez. gez.
Christiane Martin
GRÜNE-
Fraktionsvorsitzende
Dr. Günter Bell
Linke-
Fraktionsgeschäftsführer
Lucas Sickmöller
Volt-
Fraktionsgeschäftsführer
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0598/2026
- Typ
- Gem. Antrag nach § 3 (Rat)
- Datum
- 16.04.2026
- Erstellt
- 16.04.2026 11:58