A-R/0023/2016
Starke Quartiere – Starke Menschen
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
a-r-0023-2016-gruene_starke-quartiere-starke-menschen
14960 Zeichen
Antrag an den Rat Nr. A-R/0023/2016
Ratsantrag
03.05.2016
Der Rat beschließt:
1. Die Stadt Münster entwickelt zur sozialen, inklu siven und
ökologischen Weiterentwicklung der Stadtquartiere s owie zur
Verbesserung, Erhaltung, Sicherung der Lebensqualit ät in den
Quartieren und zur Unterstützung bürgerschaftlicher Initiativen Leitbilder für
Quartiersentwicklung und Quartiersmanagement. Hierz u werden die Überlegungen aus
dem Masterplan Quartier Münster (zur Versorgungssicherheit vom Menschen mit Pflege
und Unterstützungsbedarf) mit einbezogen.
2. Die Stadt Münster beteiligt sich verstärkt an de m integrierten Landesprogramm „Starke
Quartiere – Starke Menschen“.
3. Die Verwaltung wird beauftragt, weitere
Anträge zu den einzelnen und für Münster
geeigneten Förderbereichen beim Land zu stellen.
Begründung:
Stadtwachstum bietet Chancen – stellt aber auch vie le neue Anforderungen an die
Stadtentwicklung
Münster erlebt als wachsende Stadt viele unterschie dliche und zum Teil tiefgreifende
strukturelle Veränderungen. Einige Beispiele:
- Innerstädtische und stadtnahe Wohnquartiere mit gr oßem Wachstumsdruck und
stagnierende Wohnquartiere in den äußeren Stadtteil en driften sozial und
ökonomisch auseinander.
- wirtschaftlicher Strukturwandel und neue Dienstlei stungsangebote greifen in
Wohnbedingungen der Einwohner von Innenstadtquartie ren mehr als nur graduell
ein.
- Trotz überdurchschnittlicher Wohnungsbauzahlen zei gt sich ein zunehmender
Mangel an preiswerten Wohnraum; er droht in vielen innerstädtischen Quartieren mit
wirtschaftlichen Verdrängungsprozessen und sozialer Entmischung.
Die kontinuierliche Zunahme der Einwohnerzahl und d as damit verbundene Wachstum von
Arbeitsplätzen erhöhen den Druck auf die Stadt und ihre Bewohner*innen: Das
Stadtwachstum schafft spezifische Wachstumsprobleme , die sich in den einzelnen
Quartieren der Stadt ganz unterschiedlich auswirken.
Zudem steht auch die soziale Infrastruktur vor neue n Herausforderungen. Viele Angebote
vor Ort müssen erweitert oder konzeptionell weitere ntwickelt werden oder völlig neue
kommen hinzu. Quartiere sind immer auch Orte der sozialen Vielfalt: Quartiere zeichnen sich
immer durch verschiedene Lebensformen und soziale G ruppen aus. Unterschiede und
Toleranz sind Teil des Alltags
Inklusion und Barrierefreiheit sind dabei grundlege nde Gestaltungsprinzipien, die nicht
zuletzt aufgrund der UN-Behindertenrechtskonvention und den Anforderungen durch den
demografischen Wandel Eingang in die Quartiersentwicklung finden müssen.
Bündnis 90/Die Grünen/GAL
Ratsfraktion Münster
Windthorststr. 7
48143 Münster
Fon: 0251 / 8 99 58 10
ratsfraktion@ gruene-muenster.de
www.gruene -muenster.de
„Starke Quartiere – Starke Menschen “
Schließlich bedarf es der Entwicklung neuer zeitgem äßer Versorgungskonzepte, mit denen
die Selbstbestimmung der Menschen in den Wohnquarti eren gesichert werden kann, wenn
z.B. Pflege- und Unterstützungsbedarf besteht. Für „lebendige“ Quartiere, ist dabei auch ein
guter Generationen-Mix, das Zusammenleben von Jung und Alt notwendig. Deshalb ist für
eine zukunftsorientierte Quartiersentwicklung nicht nur eine alters- und behindertengerechte
Gestaltung wichtig, sondern auch eine familien- und kindgerechte Ausrichtung der
Lebensorte. Dies gilt besonders auch für die Gebiet e, die besonders von einem Rückgang
junger Menschen an der Bevölkerung betroffen sind. Nur durch eine Infrastruktur, die auch
eine Attraktivität für Familien und junge Menschen besitzt, lässt sich der wichtige
Generationen-Mix vor Ort auf Dauer sichern. Hierzu sind auch generationenübergreifende
Konzepte wichtig.
Quartiersentwicklung, Quartierskonzepte und Quartie rsmanagement – neue Konzepte
für Städte in der Veränderung
Mit dem demografischen und sozialen Wandel sowie Mo dernisierungsnotwendigkeiten sind
zahlreiche Anforderungen für die Wohnraum- und Nahv ersorgung, Infrastrukturausstattung
und Daseinsvorsorge, die Stadterneuerung sowie die Kinder-, Familien-, Bildungs-, Schul-,
Arbeitsmarkt-, Sozial- und Integrationspolitik wie auch der Umweltpolitik verbunden. Zugleich
gilt es die Anforderungen eines inklusiven Gemeinwesens mit einzubeziehen.
Die Beachtung
dieser sozialen, demografischen, wirtschaftlichen, baulichen,
umweltbezogenen und anderen Entwicklungen führt daz u, dass das „Quartier“ als
Betrachtungs- und Handlungsebene in Kommunen wachse nde Bedeutung gewinnt. Das gilt
sowohl aus der Sicht der dort lebenden und arbeiten den Menschen, die auf veränderte
Lebens- und Wohnbedingungen in der direkten Umgebun g ihrer Wohnung, Hauses oder
Arbeitsplatzes sehr sensibel reagieren, als auch fü r die Kommune als Träger der örtlichen
Daseinsvorsorge. Für beide gilt das Quartier als besonders beziehungsreiches und wichtiges
Umfeld.
Stichworte wie Gentrifizierung, Segregation, Lärmbe lastung oder Leerstand, Stadtbrache
und Verslumung bezeichnen strukturelle Verschlechte rungen in „benachteiligten
Stadtquartieren“, denen Gemeinden durch vielfältige Maßnahmen entgegenzuwirken
versuchen. Umgekehrt fördern Gemeinden, quartiersbe zogene Aufwertungs- und
Erneuerungsprozesse wirtschaftlicher und baulicher Art, die mit dem Zuzug neuer
Bevölkerungsschichten einhergehen, nach Kräften. Du rch Investitionen in Infrastruktur und
gemeindliche Angebote in den Bereichen Bildung, Kul tur, Freizeit usw. versuchen sie, die
Revitalisierung zu stabilisieren.
Auch die anhaltende Zuwanderung von Flüchtlingen na ch Deutschland stellt die Städte nicht
nur gesamtstädtisch vor Probleme der Unterbringung und Integration. Sie verlangt ebenso
nach quartiersbezogenen Konzepten und Maßnahmen, oh ne die die Aufnahme und
Integration der Neubürger*innen in ihre Umgebung ni cht oder nur mit Widerstand gelingen
wird.
Quartiere für alle Generationen
Quartiersentwicklung, Quartierskonzepte und ein int egriertes Quartiersmanagement stellen
neue und innovative Strategie der Stadterneuerung d ar. Ihr konzeptioneller Ansatz ist ein
ganzheitlicher. Vielfältige Instrumente der gemeindlichen Daseinsvorsorge werden gebündelt
und auf das Quartier als Teilbereich der Stadt fokussiert. Quartiersmanagement erscheint als
eine kommunale Art des „Social Engeneering“.
Entwicklung und Management auf der Ebene von Quarti eren helfen sowohl Städten mit
prosperierender Wirtschaft und Einwohnerzuwachs, al s auch Gemeinden, die durch
Wegzug, Leerstand und sozioökonomische Problemlagen belastet werden. Zudem geht es
darum die Infrastruktur auf die zeitgemäßen Anforde rungen einer inklusiven
Stadtgesellschaft auszurichten. Im Unterschied zu d en bereits seit den 1960er Jahren
gebräuchlichen Strategien der Stadterneuerung, besonders den klassischen städtebaulichen
Sanierungen, stehen bei der Quartiersentwicklung un d dem Quartiersmanagement
städtebauliche und bodenordnende Maßnahmen nicht im Vordergrund. Sozialpolitisch
orientierte Instrumente der städtebaulichen Erneuer ung, insbesondere das Programm
„Soziale Stadt“, können demgegenüber als Vorläufer und als Prototypen der
Quartiersentwicklung und des Quartiersmanagements a ngesehen werden. Sie nutzen die
gesamte Bandbreite der kommunalen Handlungsmöglichk eiten, von sozialpolitischen
Instrumenten, über wohnungswirtschaftliche Aktivitä ten bis hin zu Maßnahmen des
Immissionsschutzes und der Schaffung kultureller Angebote. Vorbereitung und Durchführung
verlangen nach interdisziplinären Arbeitsweisen inn erhalb der Verwaltung, vorzugsweise
durch Projektorganisation geleistet werden kann.
Ein wesentlicher Unterschied zu herkömmlichen Strat egien der Stadterneuerung und der
Stadtentwicklung besteht darin, dass Quartiersentwi cklung und Quartiersmanagement
bewusst als „Bottom-Up“-Prozesse und nicht „Top-Down“ angelegt werden. Bei der Definition
von Zielen, Projekten, der Aufstellung von Konzepte n und auch beim Management sollen
Bewohner, Nutzer, Gewerbetreibende bzw. ihre Vertre ter in Initiativen, Gruppen und
Vereinen maßgeblich mitbeteiligt werden. Durch Dialog, Austausch und Partizipation können
die Potenziale und Energien, die durch das Aufeinan dertreffen und Ineinanderwirken der
unterschiedlichen Lebenswelten entstehen, genutzt w erden für eine positive
Gebietsentwicklung. Im Idealfall entwickeln „Bewohn er*innen und Zivilgesellschaft“ das
Leitbild der Quartiersentwicklung und organisieren den Managementprozess mit
Unterstützung der Stadt. Dabei wird das Leitbild au ch mitgeprägt von einer „inklusiven“
Sozial- und Quartiersplanung.
Quartiersentwicklung, Quartierskonzepte und Quartiersmanagement für Münster
Münster sollte deshalb verstärkt quartiersbezogene Planungs- und Managementkonzepte
nutzen. Dabei sollten die Erfahrungen aus dem Proje kt „Soziale Stadt“ und darüber hinaus
von Städten mit einbezogen werden, die bereits über weitergehende praktische Erfahrungen
der Quartiersentwicklung und des Quartiersmanagements bei der Stadterneuerung verfügen,
wie zum Beispiel Wuppertal, Bamberg oder in einigen Berliner Bezirken. Hier gilt es in
Münster Leitbilder für Quartiersentwicklung und Qua rtiersmanagement in den einzelnen
Stadtteilen zu entwickeln. Darüber hinaus ist auch eine weitergehende ressortübergreifende
Stadt- und Quartiersplanung notwendig. Mit Quartier skonzepten soll dabei eine integrierte
und gemeinsame, aufeinander abgestimmte Sozial-, Wo hn- und Stadtplanung erfolgen.
Die Stadt Münster selbst ist mit der Erarbeitung de s „Masterplans Quartier“ bereits
bundesweit beispielhaft in die Entwicklung eines Qu artierskonzeptes eingestiegen, mit dem
die soziale Infrastruktur zukunftsgerecht gestaltet werden und die Angebote in den
Stadtquartieren insbesondere für Menschen mit Pfleg e- und Unterstützungsbedarf eine
umfassende Versorgungssicherheit bieten sollen. Der Masterplan Quartier Münster (zur
Versorgungssicherheit vom Menschen mit Pflege und U nterstützungsbedarf), der eine
Grundlage für ein gesamtstädtisches Konzept bieten soll, befindet sich derzeit in der
Erarbeitung.
Diese Arbeit gilt es zu verstetigen und kontinuierl ich auf die Stadtquartiere zu
übertragen.
Landesprogramm „Starke Quartiere – Starke Menschen“
Das 2015 ins Leben gerufenes integrierten Landespro gramm „Starke Quartiere – Starke
Menschen“ soll die Kommunen dabei unterstützen, für die benachteiligten Stadt- und
Ortsteile, in denen sich ökonomische, soziale, demo grafische, städtebauliche und
ökologische Probleme konzentrieren, ein integrierte s Handlungskonzept zu entwickeln,
dieses in eine systematische Präventionsstrategie e inzubetten und umzusetzen. Mittel dazu
sind integrierte Handlungskonzepte. Sie sollen syst ematische Präventionsstrategien
ermöglichen.
Das Programm bündelt Förderzugänge, konkret der NRW-EU Programme des Europäischen
Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE), des Europäi schen Sozialfonds (ESF) und des
Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) sowie
weiteren nationalen und landesweiten Aktivitäten fü r die Jahre 2014 bis 2020. Für NRW
stehen für die Förderung von benachteiligten Quarti eren und Ortsteilen bis 2020 rund 175
Millionen Euro zur Verfügung. Dazu kommen in gleich er Höhe Mittel der nationalen
Kofinanzierung aus Bundes- und Landesmitteln und au s Mitteln von Kommunen, Vereinen
und Privaten.
Die Förderkulisse dieser Mittel ist weitgespannt. Z .B. können früh ansetzende Hilfen für
Kinder, Jugendliche und Familien, der Auf- und Ausb au sozialer Präventionsketten ebenso
bezuschusst werden wie der Ausbau von Jugendwerkstä tten, die Entwicklung
altersgerechter Quartiere, die baulichen Maßnahmen im Wohnungsbestand wie auch zur
Verbesserung des öffentlichen Raums und des Wohnumf eldes. Förderfähig sind auch
Maßnahmen für die ökologische Verbesserung und die energetische Erneuerung von
Quartieren. Bevorzugt werden kommunale Projekte gef ördert, die einen Modell- oder
Vorbildcharakter haben.
Mit dem sog. Stadtentwicklungskredit als neuem Fina nzierungsinstrument können zudem für
privatwirtschaftliche Investitionen in schwierigem Investitionsumfeld passgenaue
Finanzierungsmöglichkeiten eröffnet werden.
Integrierte Handlungskonzepte können fortlaufend ab der Veröffentlichung des
gemeinsamen Aufrufs der Programme des EFRE, des ELE R und des ESF eingereicht
werden. Der Aufruf erfolgte am 10. Februar 2015. Di e für die Auswahl von zu fördernden
Projekten zuständige Interministerielle Arbeitsgruppe tagt bedarfsgerecht entsprechend dem
Antragseingang. Der Projektaufruf der Landesregierung NRW liegt diesem Antrag als Anlage
bei.
Die Stadt Münster nutzt bereits einzelne Förderprog ramme aus dem integrierten
Landesprogramm wie den Masterplan altengerechte Qua rtiere NRW oder Maßnahmen aus
dem Wohnungsbauförderprogramm oder weitere Programm e. Darüber hinaus sollten die
Fördermöglichkeiten der einzelnen Programmbereiche noch intensiver genutzt werden.
Hierzu ist zu prüfen welche Programme zur Umsetzung in Münster noch zusätzlich gut
geeignet sind und genutzt werden können.
Potentielles Fördergebiet Münster-Coerde
Coerde ist ein kulturell sehr bunter Stadtteil. Wie der Statistik
1 zu entnehmen ist, liegt der
Ausländeranteil und der Anteil der Bevölkerung mit Migrationsvorgeschichte im Vergleich zur
gesamten Stadt Münster mehr als doppelt so hoch. Co erde ist zudem ein sehr kinderreicher
Stadtteil mit vielen Großfamilien und alleinerziehe nden Eltern. Über 60% der Familien
erhalten Sozialleistungen. Diese Daten belegen wie vielschichtig, wichtig und notwendig
vernetzte Hilfsangebote sind und dauerhaft sein werden, um den Stadtteil zukunftsgerecht zu
machen.
Im Rahmen der Präventionskette sind bereits Kooperationsstrukturen im Quartier vorhanden,
die es zu stärken, auszubauen und an deren bisherig e Erfolge es anzuknüpfen gilt, um alle
Chancen für Kinder und Jugendliche von Anfang an si cherzustellen. Bestehenden Mängeln
in der städtebaulichen Situation und bei den Wohnungsqualitäten ist aktiv entgegenzuwirken,
um einen zukunftsfähigen Wohnstandort zu schaffen. Das Zentrum von Coerde
(Coerdemarkt-Hamannplatz) beispielsweise muss mit B ürgerbeteiligung als attraktiver Platz
mit hoher Aufenthaltsqualität und als soziale und kulturelle Mitte entwickelt werden.
1 siehe http://www.muenster.de/stadt/stadtplanung/zahlen.html
http://www.efre.nrw.de/0_2_Aktuelles/2015_02_10_Aufruf_Quartiersentwicklung/Aufruf_Praeventive_Quartiersent
wicklung.pdf
Münster-Coerde ist somit prädestiniert als erstes Fördergebiet.
Weitere Erläuterungen zum Antrag erfolgen mündlich.
Jutta Möllers
Otto Reiners
Gerhard Joksch
Harald Wölter
Helga Bennink
Susanne Dähne
Christoph Kattentidt
Annette Kemper
Raimund Köhn
Jörn Möltgen
Dr. Didem Ozan
Carsten Peters
Pascal Powroznik
Sylvia Rietenberg
Tim Rohleder
Dr. Rita Stein-Redent
Beratungsverlauf (1)
Orte (1)
- Windthorststraße 7
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- A-R/0023/2016
- Typ
- Antrag an den Rat
- Datum
- 04.05.2016
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37