2023/0024
Pilotprojekt Resilienzsteigerung der Vegetation der Wissenschaftsstadt Darmstadt durch ein Pflanzenkohle-basiertes Pflanzkonzept hier: Fördermittel aus dem Bundesprogramm 'Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel'
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2023/0024
11543 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
18.01.2023
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat III an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Dezernat IV
Amt: Grünflächenamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2023/0024
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: Verschiedene (siehe datenschutzrelevante Anlage)
Kostenstelle: siehe Produkt -Nr. Investitionsnummer: siehe Produkt -Nr.
Kostenträger: siehe Produkt -Nr. Sachkonto:
Betreff: Pilotprojekt Resilienzsteigerung der Vegetation der Wissenschaftsstadt Darmstadt
durch ein Pflanzenkohle -basiertes Pflanzkonzept
hier: Fördermittel aus dem Bundesprogramm "Anpassung urbaner Räume an den
Klimawandel"
Vorlage vom: 18.01.2023
Beschlussvorschlag :
1.) Der Bericht zum Projekt „Dekarbonisierung und Resilienzsteigerung der Stadt Darmstadt
durch ein Pflanzenkohle -basiertes urbanes Pflanzkonzept“, welches im Rahmen des
Bundesprogramms „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ durchgeführt wird,
wird zur Kenntnis genommen.
2.) Die Gesamtsumme beträgt voraussichtlich 1,111 Mio. Euro bei einer Fördersumme von
1 Mio. Euro. Die erforderlichen Haushaltsmittel des Jahres 2023 für den kommunalen
Eigenanteil in Höhe von 10% sind – vorbehaltlich der Haushaltsgenehmigung 2023 –
gemäß datenschutzrelevanter Anlage sowohl im Kernhausha lt als auch im Wirtschaftsplan
des Eigenbetriebs für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD) eingeplant . Der
noch ausstehende Anteil wird über die Haushaltsanmeldung 2024 vorgesehen.
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Anlagen: Mittelübersicht
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
Beschluss des Magistrats vom
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Begründung zur Magistratsvorlage vom 18.01.2023
Grundlagen
Klimaschutz und Klimaanpassung besitzen in Darmstadt höchste Priorität. Der von der
Darmstädter Stadtverordnetenversammlung im September 2019 beschlossene Antrag
„Höchste Priorität für Klimaschutz – Weltklima in Not – Darmstadt handelt“ enthält u.a. ein
klares Bekenntnis zu den Pariser Klimaschutzzielen. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt
verfügt daher über einen im Herbst 2022 aufgestellten Klimaschutzplan 2035, welcher als
Zielmaxime eine Treibhausgasneutralität im direkten Einflussbereich des Magistrats bi s zum
Jahr 2035 vorsieht. Um die globale Zielsetzung des Übereinkommens von Paris – faktisch die
Bewahrung unserer Lebensgrundlagen – zu erreichen, gilt es auch, die Weichen für die
Treibhausgasneutralität der Gesamtstadt zu stellen.
Hohe Temperaturen, niedrige Luftfeuchtigkeit und eine geringere Wasserverfügbarkeit
insbesondere während der Vegetationsphase im Sommer sind klimawandelbedingte
Schwierigkeiten, mit denen Stadtbäume zu kämpfen haben. Die Stressbelastung durch Hitze
und Trockenheit verursacht an verschiedenen Stellen innerhalb der Stadt bereits sichtbare
Schäden an der Vegetation. Andererseits sind Stadtbäume als Kohlendioxid -Senker gerade
bei zunehmenden Hitzeperioden dringend nötig, um das Mikroklima in der Stadt für Mensch
und Tier erträgli ch zu gestalten und als Schattenspender die Lebens - und Aufenthaltsqualität
in der Innenstadt zu erhalten.
Klimawirksame Rasenflächen auf Spielplätzen, in Sportbereichen und Grünanlagen verkahlen
aufgrund der Nutzungsintensität in Verbindung mit der Somme rtrockenheit und verlieren
somit ihren Kühlungseffekt.
Die Strategie zum Umgang mit den städtischen Grünflächen muss sich in den kommenden
Jahren an die sich verändernden Gegebenheiten anpassen. Hierzu bedarf es eines
Pilotprojektes um herauszufinden, wel che neuen Lösungen die Resilienz der Vegetation
gegen schädliche Klimaeffekte erhöhen können.
Zur Finanzierung dieses Pilotprojektes konnten Fördermittel in Höhe von 1 Mio. Euro vom
Bundesinstitut für Bau -, Stadt- und Raumforschung (BBSR) akquiriert werde n. Die Stadt
ergänzt diese Summe um 10 % der Fördersumme, um den im Förderprogramm notwendigen
Eigenanteil der Stadt zu gewährleisten.
Kurzbeschreibung des Vorhabens
Auf verschiedenen Flächen der Wissenschaftsstadt Darmstadt wird vom Grünflächenamt und
vom Mobilitätsamt Pflanzenkohle zur Erhöhung der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens und
als Straßenwasserreinigungsfilter eingebaut. Die positiven Eigenschaften des Substrats, wie
Steigerung der Bodenfruchtbarkeit, hohe Wasserspeicherkapazität und Filterwi rkung, wird
hierbei genutzt.
Die verarbeitungsfertig aufbereitete Pflanzenkohle liefert der Eigenbetrieb für kommunale
Aufgaben und Dienstleistungen (EAD): das vom EAD produzierte Pflanzenkohle -Karbonisat
wird in der Karbonisierungsanlage des EAD auf dem Gelände der Kompostierungsanlage in
Kranichstein mit Kompost vermischt und so zum zertifizierten Schwarzerde -Substrat
weiterverarbeitet. Dieses ist dann für die oben beschrieben en Maßnahmen verwendbar.
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CO2 wird in Form der Pflanzenkohle in geringen Mengen dauerhaft im Boden gebunden.
Ziele des Vorhabens
Durch die Verwendung des Schwarzerden -Substrates bei Baumneupflanzungen, in
Baumrigolen und unter Rasenflächen soll erreicht werden:
- eine Regenwasserspeicherung durch verbesserte Wasserhaltefähigkeit der Böden
- die Steigerung der Baumgesundheit und damit deren Widerstandskraft gegen
schädliche Klimawandelauswirkungen
- die „Grünhaltung“ der Rasenflächen im Sommer zur Erhaltung ihrer positiven
Klimawirkung
- die Regenwasserreinigung und dadurch die Verwend ung von Oberflächenwasser aus
dem Straßenraum
Die Vitalität der Bäume und Rasenflächen führt zu einer erhöhten Verdunstungsleistung und
damit zum Schutz vor Hitzeinseln.
Der Einbau von Pflanzenkohle bewirkt die CO 2-Reduzierung durch CO 2-Bindung.
Beschreibung der Maßnahmen
Sanierungskonzept für Stadtbäume
Durch die Verwendung neu herzustellender Substrate, bei denen Anteile an Pflanzenkohle
(5%, 10%) eingebaut wird, soll die Wasserspeicherfähigkeit der Pflanzenkohle genutzt
werden, um in Trockenz eiten die Wasserversorgung zu verbessern, die Blattmasse der
Bäume zu erhalten und weniger Trinkwasser für die Bewässerung zu benötigen. Dazu sollen
im Rahmen von Ersatzpflanzungen 20 bestehende Standplätze von entfallenen Stadtbäumen
saniert und Bäume in dieses neue Pflanzsubstrat gesetzt werden.
Bisher fließt Oberflächenwasser von den Straßen in den Kanal und nicht in die Baumbeete.
Durch den Einbau eines Kohlefilters soll erreicht werden, dass zukünftig Regenwasser nicht
ungenutzt in den Kanal abgeleit et, sondern im Straßenraum gefiltert wird und dann den
Bäumen durch Rigolenbauweise zur Verfügung steht. Hierfür sollen 12 Baumrigolen z.B.
nach dem Stockholmer Prinzip oder anderen geeigneten Maßnahmen neu errichtet werden.
Das Stockholmer Modell sieht ei ne neue Art des Unterbaus von versiegelten Flächen vor.
Dadurch wird die bisherige stark versiegelte Wegefläche zu unterirdisch nutzbarem
Wurzelraum. Da die bestehenden Baumscheiben in Darmstadt zu wenig Platz haben, wird
hierdurch versucht, durchwurzelbar en, neuen Raum zu schaffen, um die Überlebensfähigkeit
der Bäume zu verbessern.
Sanierungskonzept für Intensivrasenflächen
Das Werferfeld im Bürgerpark und die Intensivrasenfläche auf dem Bolzplatz „Am Fiedlersee“
sowie eine Intensivrasenfläche im Park „Ingelheimer Garten“ sollen durch den Einbau von
Pflanzenkohle eine Resilienzsteigerung gegen Folgen der Trockenheit erfahren. Dafür wird
Pflanzenkohle im Decksubstrat der Rasenflächen eingebracht und dient der Verbesserung
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von Wasserspeicherfähigkeit und Nährstoffbereitstellung. Hierdurch bleibt der Rasen im
Sommer (länger) grün, die Kühlungswirkung kann stattfinden und dient damit der
Verbesserung der Aufenthaltsqualität für die Bevölkerung.
Alle Maßnahmen finden auf städtischen Flächen statt.
Pflanzenkohle - und Schwarzerdenproduktion
Auf dem Gelände der Kompostierungsanlage werden städtische Grünabfälle aus dem
öffentlichen Raum sowie aus privaten Haushalten zur anschließenden Karbonisierung
nachhaltig aufbereitet. Durch die Erzeugung von Karb onisaten aus lokal anfallendem
Grünschnittgut und deren direktem Einsatz im Stadtgebiet soll eine deutliche Einsparung an
CO²-Emissionen erzielt werden. Hierbei wird ca. 50% des in der Biomasse vorliegenden
Kohlenstoffs, den die Pflanzen zuvor der Atmosphä re entnommen haben, in einen fixen
Kohlenstoff umgewandelt und verbleibt so lagerstabil im Karbonisat.
Monitoring und Öffentlichkeitsarbeit
Durch die Hochschule Geisenheim wird das Projekt wissenschaftlich begleitet. Es werden mit
Hilfe moderner Messte chnik umfassende Analysen zur Bestimmung der Wirksamkeit von
Pflanzenkohle im Hinblick auf klimatische Verhältnisse, Bodenfeuchte, Nährstoffgehalt im
Boden und evtl. Schwermetallbelastung durchgeführt. Parallel dazu erfolgt ein regelmäßiges
Baummonitoring mit verschiedenen Parametern zur visuellen Vitalitätserhebung.
Mittels Testung der Laubkonditionierung soll das Laub aus verschiedenen kommunalen
Quellen bewertet, dessen Aufbereitungs - und Nutzungsmöglichkeiten skizziert und durch
Pelletierung kompaktie rt werden. Eine Versuchsauswertung und Analyse sowie Ergebnisse
zur großtechnischen Skalierung schließt sich an.
Die Öffentlichkeit soll an zwei Baumrigolen über Infoscreens mit Messdaten einbezogen
werden.
Dazu wird mittels Presse - und Medienarbeit sowi e Informationsmaterial laufend über das
Projekt informiert.
Bundes-Förderprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“
Mit dem Bundesprogramm „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“ sollen investive
Projekte mit hoher Wirksamkeit für Klimaschutz (CO2 -Minderung) und Klimaanpassung, mit
hoher fachlicher Qualität, mit überdurchschnittlichem Investitionsvolumen oder mit h ohem
Innovationspotenzial gefördert werden. Dafür stellt das Bundesinstitut für Bau -, Stadt- und
Raumforschung (BBSR) zur Förderung des Projektes eine Zuwendung aus Bundesmitteln bis
zur Höhe von 1 Mio. Euro zur Verfügung. Das Projekt mit den Bereichen „Er richtung der
Karbonisierungsanlage“ sowie „Einbau von Pflanzenkohle in städtischen Grünanlagen“ und
„Verbesserung bzw. Ausbau von Baumstandorten im Straßenraum“ ist förderfähig. Die
konkrete Höhe der Zuwendung wird erst nach erfolgter Prüfung des Verwendun gsnachweises
im Schlussbescheid festgesetzt. Förderprojekte müssen von den betreffenden Kommunen
mitfinanziert werden. Der Eigenanteil der Kommune beträgt jedoch in jedem Fall 10 % der
förderfähigen Kosten.
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Folgekosten
Mögliche Folgekosten können z.B. durch Wartungsarbeiten an den Rigolen und Filteranlagen
sowie die Überwachung der Belüftungsschächte bei den neu auszubauenden
Baumstandorten anfallen. Diese sind abhängig von den im Rahmen des Pilotprojektes zu
entwickelnden baulichen Maßnahmen und daher aktuell in ihrer Höhe noch nicht bezifferbar.
Sollten weitere Haushaltsmittel für mögliche Folgekosten in der Grünflächenunterhaltung
nach der baulichen Abnahme nötig werden, werden diese durch die Fachämter über die
Haushaltsanmeldungen der Folgejahre ang emeldet.
Dezernat III Dezernat IV
Michael Kolmer André Schellenberg
Stadtrat Stadtkämmerer
anlage 2
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Punkt 3: Pilotprojekt Resilienzsteigerung der Vegetation der Wissenschaftsstadt Darmstadt durch ein Pflanzenkohle-basiertes Pflanzkonzept hier: Fördermittel aus dem Bundesprogramm "Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel" (V-Nr. 2023/0024) - Kenntnisnahme - Der Ausschuss für Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz nimmt von der Vorlage Kenntnis.
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2023/0024
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 18.01.2023
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00