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2019/0153

Abschlussbericht des Fachbeirats zur Überprüfung Darmstädter Straßennamen

Magistratsvorlage 30.04.2019

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2019/0153

8913 Zeichen

Magistratsvorlage 
 
Eingang Magistrats - 
geschäftsstelle:  
02.05.2019 
an den Magistrat  
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung  
 
Beteiligt vor 
Magistratsbeschlussfassung:  
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung  
   OBW zur Befassung  
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung  
   zur abschließenden Beschluss - 
       fassung Fachausschuss  
 
 
Amt: Kulturamt 
 OBW bei abschl. 
Beschlussfassung Magistrat  
Behandlung in  
öffentl. Sitzung  
Ja 
 
Nein 
 
Verteiler:  
 
 
Ja 
 
Nein  
 
Vorlage-Nr. 2019/0153 
 
Magistratsbeschluss -Nr. 
  
 
Internetfähig     
 
Produkt-Nr.:       
Kostenstelle:        Investitionsnummer:        
Kostenträger:        Sachkonto:       
 
Betreff: Abschlussbericht des Fachbeirats zur Überprüfung Darmstädter Straßennamen 
 
Vorlage vom: 30.04.2019  
 
Beschlussvorschlag : 
 
1. Der Magistrat nimmt von dem Abschlussbericht des Fachbeirats Straßennamen  
Kenntnis und dankt den Mitgliedern des Beirats für ihre geleistete Arbeit.  
 
2. Der Magistrat schlägt vor, den Empfehlungen des Beirats zur Umbenennung der Straßen zu 
folgen für: 
 
Hans von der Au  
Gustav Brandis  
Walter Georgii  
Peter Grund 
Christian Heinrich Kleukens  
Richard Kuhn

- 2 - 
Alarich Weiss 
Paul von Hindenburg  
 
3. Die Ergebnisse und Entscheidungen sind öffentlich i n geeigneter Form vorzustellen, zu 
erläutern und zu vermitteln.  
 
4. Die Umbenennungen sollen erfolgen nach Abschluss des Informationsprozesses und der 
Findung neuer Namen.  
 
 
Anlagen: StraßennamenbeiratBewertungen  
Untersuchte Biographien  
 
Datenschutzrelevante Anlage:   
 
Folgekosten:    Ja    Nein 
 
Beschluss des Magistrats vom

- 3 - 
Begründung zur Magistratsvorlage vom 30.04.2019 
 
 
Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Darmstadt hatte den Magistrat mit Beschluss 
vom 19. Februar 2013 be auftragt, alle Namensgeberinnen und Namensgeber  von 
Darmstädter Straßennamen daraufhin zu überprüfen, ob deren Leben bzw. politische 
Einstellung sich mit den Werten einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft vereinbaren 
lässt. Der Magistrat hat diesem Beschluss am 2. September 2013 (Vorlage 2013/02 47) 
zugestimmt. 
 
Daraufhin hat Oberbürgermeister Jochen Partsch am 27. April 2015 einen Fachbeirat 
Straßennamen berufen, der sich aus Historikerinnen und Historikern sowie Beschäftigten der 
städtischen Kulturverwaltung zusammensetzte. Mitgewirkt haben:  
 
Dr. Annegret Holtmann -Mares 
Universitätsarchiv der TU Darmstadt  
 
Dr. Johannes Kistenich -Zerfaß 
Hessisches Staatsarchiv Darmstadt  
 
Dr. Thomas Lange  
Archivpädagoge am Hessischen Staatsarchiv Darmstadt i. R.  
 
Prof. Dr. Dieter Schott  
Institut für Geschichte  der TU Darmstadt 
 
Dr. Peter Engels  
Stadtarchiv Darmstadt  
 
Prof. Dr. Ludger Hünnekens  
Kulturreferent der Stadt Darmstadt  
 
Die konstituierende Sitzung fand am 26. Mai 2015 statt. Den Vorsitz des Beirats übernahm 
Oberbürgermeister Jochen Partsch ; die Geschäftsfü hrung lag beim Leiter des Stadtarchivs 
Darmstadt. 
 
Der Fachbeirat hat seinerseits den Historiker Dr. Holger Köhn , der einschlägige Erfahrungen 
in diesen Forschungsfeldern besitzt,  beauftragt, die Biographien der zu untersuchenden 
Personen zu erarbeiten und insbesondere die Bezüge zur NS -Zeit zu erforschen.  
 
Insgesamt traf sich der Beirat zwischen Mai 2015 und Januar 2018 zu 13 Arbeitssitzungen. 
Die Ergebnisse wurden Herrn Oberbürge rmeister Jochen Partsch bei zwei Terminen am 30. 
August 2017 und am 30. Juli 2018 vorgestellt und erläutert.  
 
In einem ersten Arbeitsschritt wurde aus den rund 530 Namen von Straßen, Wegen und 
Plätzen, die nach Personen benannt sind, eine Liste mit etwa 19 0 Namen zusammengestellt, 
deren Geburtst ag vor dem 1. Januar 1929 liegt  und die in der NS -Zeit gelebt haben. Das 
Stichjahr wurde in Anlehnung an vergleichbare Untersuchungen gewählt. Eine Ausnahme von 
dieser Regel bildete Paul von Hindenburg. Er wurde aufg rund der schon mehrfach in der 
Öffentlichkeit geführten Diskussion in die Liste aufgenommen, obwohl seine Lebenszeit nur 
bis in den Beginn der NS -Zeit reicht.

- 4 - 
Aus der Liste von etwa 190 Namen hat der Beirat nach einer Kurzprüfung diejenigen 
Personen ausge schieden, die aus verschiedenen Gründen (NS -Opfer, Widerstandskämpfer, 
Ausländer, offensichtlich unverdächtige Personen, bereits im Rahmen des Projekts 
„Ehrengräber“ untersuchte Personen) nicht zum Kreis der im Beschluss der 
Stadtverordnetenversammlung gen annten Personen gehörten. Nach der Kurzprüfung blieben 
110 Personen übrig, für die Dr. Holger Köhn Biographien auf wissenschaftlicher Grundlage 
erarbeitete. Dafür wertete er die bereits vorliegende Fachliteratur sowie viele, auch bisher 
unbekannte Quellen in zahlreichen Archiven aus.  Die Ergebnisse wurden jeweils ausführlich 
und nach wissenschaftlichen Kriterien im Fachbeirat erörtert.  
 
Gegenstand der Untersuchung war das Leben der einzelnen Namen geben den Personen in 
den Jahren 1933 bis 1945 und ihre mögli che Verstrickung in das nationalsozialistische 
System. Untersucht wurde, ob die jeweilige Person das NS -Regime aktiv unterstützte bzw. 
eine führende Position im NS -Staat inne hatte oder ob ihre Haltung eher als Mitläufertum 
anzusehen war. Auch die Haltung zum Rassismus im Allgemeinen und zum Antisemitismus 
im Besonderen war Gegenstand der Untersuchung.  
 
Als Ergebnis wird Folgendes festgehalten: Von den 110 überprüften Personen war der Beirat 
in 93 Fällen einmütig der Meinung, den Straßennamen beizubehalten.  In weiteren fünf Fällen 
war der Beirat  nach kritischer Würdigung  für die Beibehaltung des Straßennamens:  Richard 
Hammer, Arnold Krieger, Albin Müller, Heinz Winfried Sabais, Carl Christoph Schmelzer.  
 
In sieben Fällen empfiehlt der Beirat einstimmig die U mbenennung der betreffenden Straße:  
 
Hans von der Au  
Gustav Brandis  
Walter Georgii  
Peter Grund 
Christian Heinrich Kleukens  
Richard Kuhn 
Alarich Weiss 
 
In fünf Fällen war der Beirat im Hinblick auf die Umbenennung geteilter Meinung und 
plädierte mehrheitlich, aber nicht einstimmig für eine Umbenennung:  
 
Robert Cauer 
Bernhard Hoetger  
Karl Krolow 
Max Ratschow 
Paul von Hindenburg  
 
Der Fachbeirat hat eine fundierte und sorgfältige wissenschaftliche Aufarbeitung und 
Bewertung der Biografien der Namensgeberinnen und Namensgeber vorgenommen. In den 
Fällen, in denen sich der Beirat einstimmig für eine Umbenennung ausgesprochen hat, soll 
der Empfehlung gefolgt werden.  
 
Des Weiteren soll die Hindenburgstraße ebenfalls umbenannt werden . Zwar liegt hierzu kein 
einstimmiges Votum des Beirats vor, die historischen und politischen Argumente, die in der 
Einschätzung des Beirates benannt sind, sind nach Auffassung des Magistrats eine 
ausreichende und zwingende Grundlage für die Umbenennung der Straße.

- 5 - 
Im nächsten Schritt sollen die Bürgerinnen und Bürger über die Ergebnisse der Überprüfung 
in geeigneter Form informiert werden. Entscheidungsproze ss und Kontext der vorgesehenen 
Umbenennungen werden erläutert und transparent gemacht.  
 
Vorgesehen sind  dazu unter anderem:  
 
1. Information der Bürgerschaft mittels einer Kurzbroschüre ; Weiterführende Informationen 
auf den digitalen städtischen Informati onskanälen. 
 
2. Eine oder mehrere Informationsveranstaltungen , in denen Mitglieder des Fachbeirats und 
des Magistrats die Entscheidungen erläutern und mit der Bürgerschaft diskutieren. Die 
Informationsveranstaltungen werden ab Oktober 2019 geplant, insbesondere da  zuvor die 
Vorbereitungen für das Brandnachtjubiläum im Vordergrund stehen.   
 
3. Der Fachbeirat Straßennamen hat sich während seiner Beratungen mit der Vermittlung 
seiner Ergebnisse an die Öffentlichkeit befasst. Ein zentraler Punkt im Konze pt des 
Fachbeirats soll eine Ausstellung sein, die im Frühjahr 2020 realisiert werden kann. Die 
Ausstellung soll die Arbeit des Beirats darstellen und seine Entscheidungsfindung in der 
Öffentlichkeit vermitteln. Im Begleitprogramm dieser Ausstellung sollen  Vorträge von 
Beiratsmitgliedern oder von externen Expert innen und Experten stattfinden. Ausstellung und 
ggf. Vorträge werden anschließend publiziert.  
 
Die Umbenennungen der genannten Straßen sollen nach Abschluss der Informationsphase 
und der Findung neu er Namen erfolgen. Hierzu  sollte der Beirat für Straßenbenennung 
Empfehlungen für die Neubenennung erarbeiten. Dafür soll zum Einen auf die der 
Straßenbenennungskommission vorliegende Liste bereits geprüfter Namensvorschläge 
zurückgegriffen werden, die man gels neu zu benennender Straßen bisher noch nicht 
verwendet werden konnten. Darüber hinaus sind Vorschläge aus der Bürgerschaft 
einzubeziehen, die im Rahmen des Informationsprozesses zur Straßenumbenennung 
gesammelt werden.  
 
Darmstadt, den 30 .04.2019 
I/414 
 
 
Dezernat I      Dezernat III 
       i.V. 
 
 
 
 
Jochen Partsch      Jochen Partsch  
Oberbürgermeister      Oberbürgermeister

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Punkt 4: Abschlussbericht des Fachbeirats zur Überprüfung Darmstädter Straßennamen 
 (V-Nr. 2019/0153) 
 
Der Ausschuss empfiehlt der Stadtverordnetenversammlung, der Vorlage 
zuzustimmen. 
 
Gegenstimme: Fraktion UWIGA 
Stimmenthaltung: AfD-Fraktion

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1 
 
Fachbeirat Straßennamen 
 
Bewertungen von 12 Personen, deren Biographien der Fachbeirat als nicht bzw. nur zum Teil 
„straßennamenwürdig“ ansah 
 
Der Beirat hat sich bei den Bewertungen der 12 Biographien von sieben Kriterien leiten lassen, 
um zu vergleichbaren und nachvollziehbaren Aussagen zu kommen: 
 
(1) aktive Förderung des Nationalsozialismus in führender Stellung (Multiplikator) 
(2) aktive Mitarbeit in der NSDAP und/oder deren Massenorganisationen („ohne Not“)  
(3) aktive Verbreitung der NS-Ideologie, u. a. aggressiver Antisemitismus und/oder 
extremer Rassismus, Führerkult in Gedanken und/oder Wirken/Praxis 
(4) Anbiederung an das NS-Regime zum persönlichen Fortkommen/Aufstieg/Karriere 
(„Opportunismus“)  
(5) gezielte Ausnutzung spezifisch nationalsozialistischer oder kriegsbedingter Vorteile 
zugunsten des Betriebs oder des Forschungsbereichs 
(6) gravierende/signifikante Vertuschung bzw. Lügen zur NS-Vergangenheit nach Ende der 
NS-Herrschaft (z.B. im Entnazifizierungsverfahren) (zur Fortsetzung der „Karriere“ bzw. 
zum persönlichen und/oder beruflichen Fortkommen) 
(7) unkritische Befürwortung des Krieges, auch seiner Fortsetzung/Verlängerung, z.B. 
durch Forschung zu Waffen, Massenvernichtungsmitteln 
 
 
1. Hans von der Au 
 
Als Mitglied der SA 1933-45 (1939: Rottenführer, 1943: Scharführer), förderndes Mitglied der 
SS 1933-45 und Mitglied der NSDAP 1937-45 sowie ab 1940 als Mitarbeiter des SS-
Ahnenerbes mit engen Kontakten zu Mitarbeitern des „Persönlichen Stabs des Reichsführers -
SS“ ist Hans von der Au eine deutlich über das zeittypische Maß hinausgehende aktive 
Mitarbeit in NS-Organisationen nachzuweisen und auch eine regelrechte Anbiederung an den 
Nationalsozialismus zu bescheinigen. Außerdem war er als Landesjugendpfarrer an der 
Überführung der evangelischen Jugend in die HJ beteiligt und unterstützte die Einführung von 
Jugend- bzw. Jungmännerabenden mit Jugendlichen aus der HJ bzw. aus den Jungmännern 
der SA. 
Als „Gaureferent im Landschaftsbund Volkstum und Heimat“ und „Leiter der Volksliedstelle 
Hessen“ veröffentlichte von der Au viele volkskundliche Beiträge, darunter einzelne mit 
eindeutig antisemitischem Duktus. Exemplarisch belegen dies zwei Zitate aus der Zeitschrift 
Volk und Scholle, Jahrgang 1938: (1) Eine Besinnung auf die Ausmerzung des jüdischen Anteils 
auf sämtlichen Gebieten unseres …. Geisteslebens und der Kunst ist daher unaufgebbare, immer neu 
gestellte Pflicht jedes Deutschen. (2) …was im Tiefsten der Jud ist: Das, was vernichtet werden soll, 
und zwar vollständig, indem es das Feuer verzehrt, denn er ist der Inbegriff des Lebensfeindlichen, 
Schmutzigen, Unheiligen.… 
 
Der Fachbeirat Straßennamen empfiehlt daher die Aberkennung des Straßennamens.  
 
 
2. Gustav Brandis 
 
Als Vorstandsvorsitzender und „Betriebsführer“ des „NS-Musterbetriebs“ HEAG (1933-1945) 
und als Leiter des Bezirks „Groß-Hessen“ in der Wirtschaftsgruppe Elektrizitätsversorgung 
(1935-1943) wirkte Gustav Brandis (NSDAP-Mitglied 1933-45, Mitglied weiterer NS-
Organisationen) in führender Stellung und aktiv an der Verbreitung der NS-Ideologie mit. Er 
installierte ein Überwachungssystem und übte Druck auf die Belegschaft aus, in NS-
Organisationen einzutreten. Die Mitarbeiterzeitung „HEAG-Kamerad“ nutzte er zur Verbreitung 
der NS-Ideologie. Zitat: (Pessimisten und Angsthasen) geben sich beeinflusst durch das verbotene 
Abhören der Feindsender, der gleichen Täuschung hin wie die Italiener und bilden sich ein, die 
Plutokraten hätten kein Interesse an der Bolschewisierung Deutschlands; sie vergessen dabei, dass 
Plutokraten und Bolschewisten einer einheitlichen Lenkung der Juden unterliegen.

2 
 
Der Fachbeirat Straßennamen empfiehlt daher die Aberkennung des Straßennamens. 
 
 
3. Walter Georgii 
 
Georgii nutzte die Nähe zu NS-Organisationen, um während des Dritten Reichs seine Karriere 
zu befördern. Er war 1926-1937 Professor für Flugmeteorologie an der TH Darmstadt, 1933-
1945 Leiter des Deutschen Forschungsinstituts für Segelflug, 1937-1945 Vorsitzender der 
Prüfungskommission der Ingenieurschule für Luftfahrttechnik an der Deutschen 
Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) in Darmstadt, die unter seiner Leitung zum 
„Nationalsozialistischen Musterbetrieb“ (1941) bzw. „Kriegs-Musterbetrieb“ (1942) 
weiterentwickelt wurde. 1942-1945 war Walter Georgii Mitglied der „Forschungsführung des 
Reichsluftfahrtministers und Oberbefehlshabers der Luftwaffe“, 1943-1945 Geschäftsführer 
dieses von Hermann Göring eingesetzten Gremiums, ab 1943 Wehrwirtschaftsführer. Als 
Inhaber dieser Ämter und Positionen spielte er eine aktive Rolle im Nationalsozialismus. Mit 
energischen Appellen an Institutionen in seinem Einflussbereich, alle Konzentration auf 
Kriegsarbeiten zu verwenden und mit seinen Forschungen, den Segelflug für militärische 
Zwecke nutzbar zu machen, trug Georgii maßgeblich zur Verlängerung des Krieges bei. Er ist 
deshalb als aktiver Unterstützer des NS-Regimes anzusehen. 
 
Der Fachbeirat Straßennamen empfiehlt daher die Aberkennung des Straßennamens. 
 
 
4. Peter Grund 
 
Als Direktor der Kunstakademie Düsseldorf (1933-38), Leiter der Landesstelle Düsseldorf der 
Reichskammer der bildenden Künste (1933-37), Referent der NSDAP für Städtebau bzw. 
Gauamtsleiter für Städtebau im NSDAP-Gau Düsseldorf (1935-38) und als Ratsherr der Stadt 
Düsseldorf (1934-1945) war Peter Grund in führender Stellung und als aktiver Vertreter im NS -
Staat tätig. Er nutzte außerdem seine Beziehungen zu NS-Größen, besonders zum Gauleiter 
(und überzeugten Antisemiten) Friedrich Karl Florian, für die Förderung seiner Karriere. 
Außerdem verbreitete er die NS-Ideologie durch Schriften („Der rassische Wille eines Volkes“).  
1937 hatte Peter Grund die künstlerische Oberleitung der Reichsausstellung „Schaffendes 
Volk“ in Düsseldorf inne (Schirmherr: Hermann Göring); außerdem errang er Erste Preise in 
mehreren Wettbewerben und übernahm Planung und Leitung prestigeträchtiger NS-
Bauvorhaben im Düsseldorfer Norden („Schlageterstadt“). Daneben war Grund von 1929 bis 
etwa 1938 förderndes Mitglied der SS, 1933-1945 Mitglied der NSDAP (im Rahmen seiner 
Lehrtätigkeit trat er in Parteiuniform auf), daneben Mitglied in weiteren Massenorganisationen 
der Partei.  
Außerdem machte Peter Grund in seinem Entnazifizierungsverfahren falsche Angaben. Er hat 
nach 1945 systematisch versucht, seine Rolle in der NS-Zeit zu verschleiern. Trotzdem wurde 
er von der Spruchkammer Darmstadt in die Stufe II (die zweithöchste Stufe) der Belasteten 
eingestuft. Erst mit Hilfe der SPD-Politiker Ludwig Metzger und Ludwig Engel sowie des von 
den Nazis verfolgten SPD-Manns Artur Bratu(!) gelang ihm im Berufungsverfahren eine 
Einordnung in die Stufe V (unbelastet). 
 
Der Fachbeirat Straßennamen empfiehlt die Aberkennung des Straßennamens. 
 
 
5. Christian Heinrich Kleukens 
 
Kleukens war seit 1934 Mitglied der SA, später in leitender Position (1942 SA-Sturmführer, 
1943 SA-Obersturmführer). Außerdem war er ab 1934 Leiter der Fachgruppe Schrift und 
Buchkunst der Ortsgruppe Mainz des „Kampfbundes für deutsche Kultur“, 1935-1945 Mitglied 
der Reichskammer der bildenden Künste und 1937-1945 Mitglied in der NSDAP. Kleukens war 
demnach in mehreren NS-Organisationen nicht nur aktiv tätig, sondern machte dort auch 
Karriere. Auch die Mitgliedschaft im Kampfbund für deutsche Kultur und die 
Veröffentlichungen in der Zeitschrift „Der SA-Mann“ belegen ein aktives Eintreten für die NS-
Ideologie.

3 
 
Literarisch und künstlerisch war er im Sinne der NS-Ideologie tätig und profitierte davon auch 
beruflich: als Buchkünstler und Schriftsteller übernahm er zahlreiche Auftragsarbeiten, brachte 
Reden von NS-Größen in Form und publizierte sie, plante auch eine Monumentalausgabe von 
„Mein Kampf“, die aber nicht erschien. Hinzu kommt, dass er all dies nach 1945 zu vertuschen 
suchte und in seinem Meldebogen im Entnazifizierungsverfahren verschwieg. 
 
Der Fachbeirat Straßennamen empfiehlt daher die Aberkennung des Straßennamens. 
 
 
6. Richard Kuhn 
 
Kuhn machte im Dritten Reich als Professor für Chemie in Heidelberg und als Leiter der 
Abteilung Chemie im Kaiser-Wilhelm-Institut (KWI) für medizinische Forschung, ab 1937 als 
dessen Direktor, eine erfolgreiche Karriere, er bekleidete eine herausragende Stellung als einer 
der bedeutendsten Wissenschaftsorganisatoren des NS-Regimes, in dessen Dienst er sich in 
leitender Funktion stellte. Ab 1938 war er Präsident der Deutschen Chemischen Gesellschaft. 
Kuhn leistete maßgebliche Forschungen zur Entwicklung von Massenvernichtungsmitteln un d 
richtete am KWI eine Kampfstoffabteilung ein, wo intensiv an Nervengasen geforscht wurde.  
Für seinen beruflichen Aufstieg biederte er sich bei den Nationalsozialisten an, z. B. durch 
seine Ergebenheitserklärung für Hitler bei der Ablehnung des Nobelpreises für Chemie 1938 
(Des Führers Wille ist unser Glaube). Seine Korrespondenz (soweit sie erschlossen ist), auch 
private, unterzeichnete er nahezu durchgängig mit Heil Hitler. 
Hinweis: 2005 stellte die Gesellschaft deutscher Chemiker die Verleihung der seit 1968 
vergebenen Richard-Kuhn-Medaille aufgrund von Kuhns Wirkens in der NS-Zeit ein. 
 
Der Fachbeirat Straßennamen empfiehlt daher die Aberkennung des Straßennamens. 
 
 
7. Alarich Weiss 
 
Alarich Weiss war 1935 bis 1943 Mitglied der HJ und meldete sich 1942 freiwillig zur Waffen-
SS; er nahm am Krieg bei der 2. SS-Panzerdivision „Das Reich“ teil, deren Einheiten 
nachweislich an Kriegsverbrechen beteiligt waren (u.a. im Raum Charkow). 
Die Mitgliedschaft in der Waffen SS hat er im Rahmen seines Entnazifizierungsverfahrens 
verschwiegen. 
 
Der Fachbeirat Straßennamen empfiehlt daher die Aberkennung des Straßennamens. 
 
 
8. Robert Cauer 
 
Robert Cauer hat seine Bildhauerkarriere in der NS-Zeit unbehindert fortgesetzt und bekam 
häufig Aufträge. Dass er das Peter-Gemeinder-Denkmal geschaffen hat, deutet auf Nähe zum 
NS-Regime schon vor 1933 hin. Er hat vor und nach 1933 Krieger- und Gefallenendenkmäler 
geschaffen, z. B. 1936 die Bronzestatue einer Soldatenfigur im Sturmangriff (Rinteln) und 
1938-40 das Ehrenmal für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Schüler der Liebig-Oberschule. 
Die Nationalsozialisten haben ihm viele Aufträge verschafft. Er war aber nicht Mitglied der 
NSDAP. Es liegen insgesamt zu wenig Quellen vor, um die Haltung Cauers zum 
Nationalsozialismus eindeutig beurteilen zu können. 
 
Der Fachbeirat Straßennamen war sich deshalb in der Beurteilung Cauers nicht einig und 
spricht sich nicht einstimmig für eine Aberkennung des Straßennamens aus. 
 
 
9. Bernhard Hoetger 
 
Bernhard Hoetger (NSDAP 1934-1938) hat sich an das NS-Regime angebiedert. Er sah sich 
selbst als Anhänger der „Bewegung“ und „Verehrer des Führers“, wurde aber überwiegend von 
der NS-Führung (und von Adolf Hitler selbst) abgelehnt. Sein Opportunismus war demnach

4 
 
erfolglos: die NSDAP hat ihn 1938 aus der Partei ausgeschlossen, einzelne seiner Werke 
wurden als entartet gebrandmarkt. Hoetger erfuhr von den Nationalsozialisten nicht die 
Wertschätzung, die er sich erhoffte, obwohl er sich wiederholt als überzeugter Anhänger des 
Nationalsozialismus bezeichnet hatte und dies auch in seinen Werken demonstrierte: „Der 
Lichtbringer“ in der Bremer Böttcherstraße (1936); Mitarbeit am für Berlin geplanten 
„Deutschen Forum“ (mit NS-Symbolik arbeitende Monumentalarchitektur, ab 1934); Reliefs 
und Plastiken in Berlin-Frohnau (Wohnhaus) und Greifswald (Luftwaffenschule) (1938-1943); 
Hitler-Büste (1939). 
Hoetger stützte durch seine Kunst das System, auch wenn er nicht parteipolitisch tätig und 
kein aktiver Verfechter der NS-Ideologie war; er äußerte sich (zumindest punktuell 
nachweisbar) 1936 antisemitisch: Es war damals (vor 1933) durch die Einflüsse der jüdischen 
Presse sehr schwer eigene, unserem Volke verwandte Formen zu schaffen“. 
 
Der Fachbeirat Straßennamen war sich in der Beurteilung Hoetgers nicht einig und spricht sich 
nicht einstimmig für eine Aberkennung des Straßennamens aus. 
 
 
10. Karl Krolow 
 
Als Mitglied der HJ (seit 1934), Mitglied der NSDAP (1937-1945) und (nach eigenen Angaben) 
1938/39 NSDAP-Blockleiter und Referent beim Reichsführer SS – Reichskommissar für die 
Festigung deutschen Volkstums zeigte Krolow eine relativ große Nähe zu NS -Organisationen, 
auch wenn nicht nachweisbar ist, welche Tätigkeit er beim Reichsführer SS ausgeübt hat. A b 
1940 finden sich Veröffentlichungen von Gedichten auch in NS-Presseorganen; 1944 
publizierte Krolow in der NS-Wochenzeitung „Das Reich“. Sein Gesuch um Aufnahme in die 
Reichsschrifttumskammer 1942 unterschrieb er mit „Heil Hitler“. Zudem hat Karl Krolow in 
seinem Meldebogen zur Entnazifizierung einiges verschwiegen. Auch er hat versucht, seine 
Rolle im NS zu vertuschen. 
 
Einige Mitglieder des Fachbeirats sahen die Verfehlungen Krolows nicht als schwerwiegend 
genug für eine Aberkennung des Straßennamens an. Der Fachbeirat Straßennamen spricht 
sich deshalb nicht einstimmig für eine Aberkennung des Straßennamens aus. 
 
 
11. Max Ratschow 
 
Max Ratschow stand als Mitglied der NSDAP (1933-45) und des Nationalsozialistischen 
Deutschen Ärztebunds (1938-1945) sowie anderer NS-Organisationen dem NS-Regime recht 
nahe. Für eine Aberkennung des Straßennamens spräche aber vor allem, dass Ratschow nach 
eigener Aussage ab 1935 Mitglied des Erbgesundheitsobergerichts beim OLG Hamburg und ab 
1938 „Ständiger Fachrichter“ des Erbgesundheitsgerichts beim 1. Zivilsenat Hamburg war. 
Zuvor hatte er ab 1933 eine Spezialausbildung in erbbiologischer Forschung bei Prof. 
Verschuer absolviert und sich 1936 dort habilitiert. Die Selbstbezeichnung ist aber in den 
Quellen nicht nachweisbar. Es besteht damit zumindest die Möglichkeit, dass Ratschow mit 
seinen Aussagen „prahlen“, seine Leistung hervorheben wollte. 
 
Der Fachbeirat Straßennamen war sich nicht einig, ob die Selbstaussagen Ratschows für eine 
Aberkennung ausreichen, weil ein Nachweis aufgrund fehlender Quellen bisher nicht möglich 
ist. Einige Aktenbestände, die darüber vielleicht Auskunft geben könnten, sind bisher noch 
nicht zugänglich. 
 
Deshalb spricht er sich nicht einstimmig für eine Aberkennung des Straßennamens aus.  
 
 
12. Paul von Hindenburg 
 
Die Mehrheit der Mitglieder des Beirats plädierte für eine Umbenennung der 
Hindenburgstraße. Als Argumente wurden vor Allem die antidemokratische Haltung 
Hindenburgs und seine innere Ablehnung des politischen Systems der Weimarer Republik ins

5 
 
Feld geführt, man könne die Beurteilung der Person Hindenburgs nicht nur auf die anderthalb 
Jahre stützen, die er noch in der NS-Zeit gelebt hat. Abgesehen davon habe er nicht nur Hitler 
zum Reichskanzler ernannt, sondern auch das Ermächtigungsgesetz und andere Gesetze der 
neuen NS-Regierung unterzeichnet und damit unterstützt. 
Es wird darauf hingewiesen, dass in den vergangenen Jahren nach vielerorts intensiver 
Diskussion die Entscheidungen in anderen Kommunen zugunsten einer Umbenennung 
ausgefallen sind. 
Eine Minderheit der Mitglieder trat für eine Beibehaltung des Straßennamens ein; zum einen 
falle Hindenburg, weil er nur am Anfang der NS-Zeit gelebt habe, formal aus dem 
Untersuchungsauftrag heraus, zum anderen habe er seine Entscheidung, Hitler zum 
Reichskanzler zu ernennen, nicht alleine, sondern auch auf Druck seiner Ratgeber getroffen. 
 
Der Fachbeirat Straßennamen war sich in der Beurteilung Hindenburgs nicht einig und spricht 
sich deshalb nicht einstimmig für eine Aberkennung des Straßennamens aus.

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1 
 
 
 
 
 
Projekt Darmstädter Straßennamen 
Biografien erarbeitet von Dr. Holger Köhn, Büro für Erinnerungskultur,  
Zuordnung gemäß der Empfehlungen des Fachbeirats Straßennamen 
 
Vom Fachbeirat zur Umbenennung vorgeschlagen (einstimmig) 
Au, Hans von der            5 
Brandis, Gustav           17 
Georgii, Walter           22 
Grund, Peter           29 
Kleukens, Christian Heinrich         41 
Kuhn, Richard           48 
Weiss, Alarich           58 
 
Fachbeirat hinsichtlich Umbenennung geteilter Meinung 
Cauer, Robert           63 
Hindenburg, Paul von           66 
Hoetger, Bernhard          73 
Krolow, Karl           86 
Ratschow, Max           92 
 
Fachbeirat für Beibehaltung unter Vorbehalten 
Hammer, Richard          99 
Krieger, Arnold                      103 
Müller, Albin (Albinmüller)                    108 
Sabais, Heinz Winfried                     113 
Schmelzer, Carl Christoph                    120 
 
Fachbeirat für Beibehaltung 
Adelung, Bernhard                     126 
Andres, Wilhelm                     129 
Aßmuth, Heinrich                     132

2 
Aßmuth, Peter           134 
Bartning, Otto           135 
Bäumer, Gertrud          139 
Behnisch, Günter          143 
Behrens, Peter           146 
Benz, Georg           150 
Berndt, Otto           152 
Best, Franz           154 
Bock, Ottilie           156 
Böckler, Hans           157 
Bontschits, Jovanka          160 
Borngässer, Wilhelm          162 
Borsdorff, Joachim          164 
Bosch, Robert           167 
Brambach, Otto          172 
Braun, Franziska          176 
Brix, Peter           178 
Brücher, Wilhelm III          181 
Christaller, Helene          183 
Christiansen, Hans          187 
Dächert, Fritz           190 
Damaschke, Adolf          192 
Degen, Valentin          196 
Dernburg, Bernhard          199 
Engel, Ludwig           202 
Esselborn, Karl           206 
Eysenbach, Philipp          209 
Fuchs, Helmut           212 
George, Stefan           214 
Glenz, Fritz           218 
Gruber, Karl           220 
Habich, Ludwig           230 
Hahn, Georg           234 
Hattemer, Elisabeth          237 
Hauptmann, Gerhart          240 
Hensel, Georg           245 
Heuss-Knapp, Elly          248 
Hirsch, Heinrich           252 
Hoelscher, Richard          253

3 
Irene Prinzessin von Hessen und bei Rhein       256 
Jobst, Heinrich           257 
Jung, Jakob           261 
Junkers, Hugo           263 
Kirnberger, Ferdinand          266 
Kirschner, Thomas          271 
Klein, Gretel           273 
Köth, Erika           274 
Korell, Adolf           276 
Kröh, Heinrich Reinhard         278 
Leydhecker, Otto          280 
Lippmann, Johannes          282 
Ludwig Prinz von Hessen und bei Rhein        285 
Marwitz, Gebhard von der         288 
Michel, Wilhelm          290 
Mueller, Rudolf           297 
Noack, Elisabeth          300 
Orff, Carl           306 
Pfeil, Hartmuth           312 
Planck, Max           316 
Poepperling, Hermann          322 
Poepperling, Ludwig          324 
Rady, Ottilie           326 
Rees, Mina           329 
Röhm, Otto           331 
Roßmann, Peter          335 
Rüthlein, Heinrich          336 
Sauerwein, Ludwig          338 
Scharoun, Hans Bernhardt         340 
Schneider, Robert          345 
Schwippert, Hans          349 
Selbert, Elisabeth          356 
Sennhenn, Henriette          361 
Spengler, Georg          363 
Staudt, Reinhold          365 
Stauffenberg, Claus Schenk Graf von        367 
Sternberger, Dolf          372 
Stolz, Robert           377 
Straub, Hans           381

4 
Stühlinger, Wilhelm          383 
Teusch, Christine          386 
Thiess, Frank           390 
Vahle, Inge           400 
Viktoria von Hessen und bei Rhein        402 
Voltz, Emil           403 
Walbe, Heinrich          405 
Walcher, Wilhelm          409 
Wiesenthal, Georg          414 
Windaus, Adolf           418 
Würth, Joseph           422 
Zernin, Heinrich          425 
 
Abkürzungsverzeichnis          429

5 
Von-der-Au-Straße (P 6), benannt 1959 nach 
Hans von der Au (1892-1955) 
Volkskundler, Pfarrer und Studienrat 
* 16. Februar 1892 in Eberstadt [Vater dort Pfarrverwalter] 
1898-1901 Volksschule in Dalheim [Vater dort Pfarrer] 
1901-1905 Progymnasium Alzey [Vater Pfarrer in Flomborn, heute Verbandsgemeinde Alzey-Land] 
1905-1910 Neues Gymnasium Darmstadt [Vater Pfarrer in Arheilgen] 
1910-1914 Studium der evangelischen Theologie in Tübingen und Gießen (I. Examen Februar 1914) 
1914 Einjährig-Freiwilliger im 2. Großherzoglich Hessischen Infanterie-Regiment Nr. 116 in Gießen 
1914 Kriegsfreiwilliger, eingesetzt an West- und Ostfront (zuletzt Unteroffizier) 
1915-1919 Russische Kriegsgefangenschaft 
1917 Lagergeistlicher in Tschita, Ostsibirien 
1918 Vikar der evangelisch-russischen Gemeinde in Irkutsk 
1918 Nach Fluchtversuch im Straflager Tomsk 
1919 Bibliothekar an der Akademie des russischen Großen Generalstabs 
1919/20 Flucht über Wladiwostok und Indien nach Europa und schließlich Rückkehr nach Darmstadt 
1920 Wiederaufnahme des Studiums der evangelischen Theologie (II. Examen Mai 1921) 
1921 Pfarrvikar in Erbach im Odenwald (Ordination am 05.06.1921), Assistent an der franzö sisch-
reformierten Gemeinde in Neu-Isenburg, Verwalter der 2. Pfarrstelle in Reichelsheim im Odenwald 
1921 Hochzeit mit Erna Backhaus in Oldenburg (ein Sohn * 1924) 
1922 Pfarrer in Reichelsheim 
1924 Promotion (Lic. Theol.) in Gießen, „Über das Amt der Ältesten in der Kirche Hessen-Darmstadts“ 
1925-1934 Landesjugendpfarrer der evangelischen Landeskirche Hessen -Darmstadt; zeitweise Vo r-
sitzender des Landesausschusses der deutschen Jugendverbände 
1933-1945 Mitglied der SA(-Reserve II); Eintritt in die SA: 03.11.1933; Rang 1939: Rottenführer 
1933 Mitglied des Kulturausschusses der HJ-Bannführung (Darmstadt) 
1933 Mitglied der „Deutschen Christen“ 
1933-1939 Förderndes Mitglied der SS 
1933-1945 Mitglied der NSV 
1934-1944 Lehrer an der Justus-Liebig-Schule Darmstadt (Oberrealschule) 
Ab 1934 Mitglied des NS-Lehrerbunds 
1936 Ernennung zum Studienrat 
1937-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 5224003, Aufnahme beantragt: 06.06.1937) 
1939 Promotion (Dr. phil.) in Gießen, „Das Volkstanzgut im Rheinfränkischen“ (summa cum laude), 
bei Prof. Alfred Götze 
1939 Teilnahme an der Dritten Internationalen Volkstanz-Tagung in Stockholm

6 
1940 Beginn der Arbeit im Auftrag des „Ahnenerbes“ ( Amt A Hauptamt „Persönlicher Stab des 
Reichsführers-SS“) 
1941 volkskundliche Befragungen in „Umsiedlerlagern der Dobrudscha-Deutschen“ 
1943 Beförderung zum SA-Scharführer 
1944 Einberufung zum Zollgrenzschutz nach Diedenhofen (Lothringen) 
1945 amerikanische Kriegsgefangenschaft und Rückkehr nach Darmstadt 
1945/46 Pfarrtätigkeit in Darmstadt-Eberstadt 
1947 Mitarbeit im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt 
1947/48 Krankenhausseelsorger 
1948 Lehrer an der Viktoriaschule in Darmstadt 
1951 (Mit-)Initiator des ersten deutschen Volkskundekongresses in Jugenheim (Bergstraße) 
1952 Referat auf internationalem Volksmusik-Kongress auf Mallorca (Spanien) 
† 21. Mai 1955 in Darmstadt 
Nach dem Krieg Mitglied der Kommission der Gesellschaft für deutsche Musikforschung; Mitarbeiter 
der Commission des Arts et Traditions Populaires (CIAP, Vorgängerorganisation der Internationa len 
Gesellschaft für Ethnologie und Folklore) 
Ehrungen: 
--- 
Wirken in der NS-Zeit 
Landesjugendpfarrer, Lehrer und Pg. 
Als studierter und promovierter evangelischer Theologe war Hans von der Au von 1925 bis 
1934 als Landesjugendpfarrer der evangelischen Lan deskirche Hessen-Darmstadt aktiv. Das 
Amt war 1922 eingeführt worden, die Jugendpfarrer sowohl Vertreter der evangelischen 
Jugendverbände als auch der gemeindlichen Jugendarbeit. Von der Au löste den ersten La n-
desjugendpfarrer Rudolf Zentgraf ab, der 1925 zum Superintendenten und Oberkirchenrat 
ernannt nach Mainz wechselte, dort unter anderem weiterhin für Jugendarbeit zuständig. 
Im Verlauf des Jahres 1933 geriet die evangelische Jugendarbeit zunehmend unter polit i-
schen Druck. In der ersten Jahreshälfte 193 3 waren die evangelischen Jugendverbände von 
ihrem missionarischen Auftrag im „Dritten Reich“ weitgehend überzeugt. Adolf Hitler gerie r-
te sich als deutsch und christlich, die evangelische Jugend und ihre Vertreter zeigten sich – 
wie viele Kirchenführer – begeistert. Die Landeskirche Hessen -Darmstadt verordnete etwa, 
des neuen Reichskanzlers in den Fürbitten an Ostermontag zu gedenken. Allerdings änderten 
sich die Rahmenbedingungen bis zur im Dezember 1933 beschlossenen Eingliederung der 
evangelischen Jugend in die HJ maßgeblich. Hans von der Au war als Landesjugendpfarrer in 
die Entwicklung involviert. Anfang Juni 1933 schrieb er in einem Brief an Pfarrer Georg 
Probst („treibende Kraft bei den DC“, Dam, S. 211), es sei „gar ins Auge gefasst worden, die 
evangelische Vereinsjugend organisch in die Hitlerjugend einzubauen“. Im gleichen Monat

7 
war von der Au Mitglied des Kulturausschusses bei der HJ -Bannführung. Seine persönliche 
Auffassung formulierte er in einem Brief an Pfarrer Ernst zur Nieden (Jugendpfarrer i n O f-
fenbach) wie folgt: 
„Es scheint mir doch immer mehr fraglich, wie weit wir ein Recht dazu haben, unsere Jugend in das 
Ghetto einsperren zu lassen, von dem aus ihr keine Teilnahme am neuen Staat mehr möglich sein 
wird. […] Von dem totalen Anspruch des S taates kann nicht abgegangen werden durch die H .J. und 
das ist ihr gutes Recht“ (28.07.1933, zitiert nach Neumeier, S. 158). 
Hans von der Au unterstützte in seiner Funktion als Jugendpfarrer die Einführung von J u-
gend- bzw. Jungmännerabenden, deren Stamm di e evangelischen Jugendlichen der HJ bzw. 
die Jungmänner der SA bildeten, die aber auch für andere evangelische Jugendliche und ju n-
ge Männer offen waren. Auf einer feierlichen Einführung dieser Abende in Friedberg am 
13.09.1933 berichtete von der Au von sei ner mehrjährigen Kriegsgefangenschaft in Sibirien. 
Laut Pressebericht war dessen zentrale Botschaft „das Bekenntnis: trotz unsäglichen Leiden 
kann der Glaube und die Liebe zur Heimat nicht erstickt werden. ‚Die deutsche Treue lebt 
noch‘“ (KKD, Bd. II, S. 3 2). Laut eigenen Aussagen (kirchlicher Fragebogen, 12.12.1945) g e-
hörte Hans von der Au im Sommer 1933 den „Deutschen Christen“ (DC) an. 
Im November 1933 trat von der Au der SA bei. Dennoch wurde er bei „Neuordnung des EJW 
und Eingliederung in die HJ“, verf ügt am 16.01.1934, nicht berücksichtigt, worüber sich 
Oberkirchenrat Zentgraf, noch immer Referent für Jugendarbeit beim Landeskirchenamt, 
beim Reichsjugendpfarrer Zahn vehement beschwerte. Von der Au habe lediglich „der Ban n-
führung in Darmstadt gegenüber die Belange der evang. Jugend pflichtgemäß energisch g e-
wahrt“. Als Bevollmächtigter für die Landeskirche käme aus Zentgrafs Sicht nur „unser La n-
desjugendpfarrer“ in Frage, zumal „von der Au in seiner Einstellung zum NS in keiner Weise 
beanstandet werden kann.“ 
Mit der Zusammenlegung der drei Landeskirchen (Hessen -Darmstadt, Nassau, Frankfurt) zur 
Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen (EKNH) endete die Tätigkeit von Hans von der Au 
als Landesjugendpfarrer. Als neuer Landesjugendpfarrer der EKNH wurde Hermann Haaß (bis 
dahin Pfarrer in Wald-Michelbach) berufen. 
Hans von der Au wechselte daraufhin (16.04.1934) in den Schuldienst. Er unterrichtete an 
der Justus-Liebig-Schule in Darmstadt Religion und Latein. Offiziell ernannt wurde „ der Lan-
desjugendpfarrer zu  Darmstadt Lit. Hans von der Au zum Studienrat an der Liebig -
Oberrealschule zu Darmstadt“ am 05.02.1936 (Regierungsblatt 1936, Beilage 5, S. 24). 
Laut einer Beurteilung durch das Sicherheitshauptamt (auf Anfrage des SS-Sturmbannführers 
Sievers [Geschäftsfü hrer des „Ahnenerbes“] beim SD -Unterabschnitt Hessen, Eingang 
24.01.1939, BArch, BDC, NS 21/893 ) gelang es Hans von der Au in der SA „durch rege Vo r-
tragstätigkeit bei Veranstaltungen festen Fuß zu fassen und, ähnlich wie vor 1933, nun auch 
im neuen Staat s eine Gönner zu finden“. Auf der SA -Stammliste wird sein Rang mit „Rotte n-
führer“ angegeben, 1943 wurde er zum „Scharführer“ ernannt. Dass von der Au bis zu seiner 
Einberufung im Mai 1944 in der SA aktiv blieb, legt eine Bemerkung auf einer Postkarte an

8 
seinen Freund Hans Severin vom 18.04.1944 (AdJB, N 32) nahe („Sonntag habe ich den ga n-
zen Tag SA-Dienst“). 
Nach der Aufnahmesperre war Hans von der Au, entsprechend datiert auf den 01.05.1937, 
Mitglied der NSDAP geworden (Mitglieds -Nr. 5224003, laut Karteikart e Aufnahme beantragt 
am 06.06.1937, BArch, BDC, NSDAP -Migliederdatei). Von 1933 bis 1939 unterstützte er als 
förderndes Mitglied die SS. Er war zudem Mitglied der NSV, des NSLB, des RKB und des 
NSKOV. 
Zum 01.05.1944 bekam von der Au den „Gestellungsbefehl“  zum Zollgrenzschutz nach Di e-
denhofen (Lothringen). Er geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Mai 
1945 nach Darmstadt zurückkehrte. 
Volkskundliche Forschung und „Ahnenerbe“ 
In der Zeit zwischen 1933 und 1945 betätigte sich Hans von der  Au verstärkt im Bereich der 
volkskundlichen Forschung. Er veröffentlichte Dutzende volkskundlicher Aufsätze und 
Sammlungen zu Volkstänzen, Volksliedern und Brauchtum. Einige der Beiträge erschienen i n 
der Zeitschrift „Volk und Scholle . Monatshefte für Vol kstum und Heimat der Landschaft 
Rheinfranken-Nassau-Hessen“. Deren Herausgeber, Friedrich Ringshausen,  auch Führer des 
Landschaftsbunds für Volkstum und Heimat, war einer der oben angedeuteten „Gönner“ von 
der Aus im „neuen Staat“. Ringshausen, Mitglied de r NSDAP seit 1923/25 (Mitglieds -Nr. 
8993), übertrug von der Au das Referat für Volkstanz. Von der Au bezeichnete sich fortan als 
Gaureferent im Landschaftsbund Volkstum und Heimat und als Leiter der Volksliedstelle für 
Hessen. Nach Ringshausens Tod 1941 war von der Au einer der drei Verfasser/Unterzeichner 
eines Nachrufs auf den Verstorbenen in „Volk und Scholle“ (1941, Heft 3). 
Die Basis seiner Veröffentlichungen bildeten umfangreiche Sammlungen, die Hans von der 
Au persönlich und in Zusammenarbeit mit and eren Heimat- und Volkstumsforschern anle g-
te. Er galt als profunder Kenner des hessischen Brauchtums, insbesondere des Odenwalds. 
Gemeinsam mit Dr. Heinrich Winter (Heppenheim) bereiste er wiederholt den Spessart 
(1937/1939). Sein spezielles Augenmerk galt den Volkstänzen, auch Gegenstand seiner Di s-
sertation 1939 bei Prof. Alfred Götze in Gießen unter dem Titel „Das Volkstanzgut im Rhein-
fränkischen“ (bewertet mit „summa cum laude“). 
Hans von der Au hielt zahlreiche Vorträge und veranstaltete Tagungen, Lehrgä nge sowie 
Seminare zu volkskundlichen Themen. Bereits zu seiner Zeit als Jugendpfarrer hatte er bei 
Freizeiten sogenannte „Heimatabende“ eingeführt. Er stand in internationalem Austausch 
mit Volkskundlern in Österreich, der Schweiz, Dänemark und dem Elsaß und referierte 1939 
auf der Dritten Internationalen Volkstanz -Tagung in Stockholm. Besonders aktiv war er j e-
doch innerhalb der heimatlichen Region. Wiederholt wurde er in „Volk und Scholle“ als Refe-
rent angekündigt („Pg. Dr. Hans von der Au“), etwa 1941 mi t einem Vortrag zu „Volkstum 
und Schule“ im Rahmen einer Veranstaltung des Heimatbunds als „Vertretung der Bunde s-
leitung“. Im Odenwald hielt er – ebenfalls im Rahmen des Landschaftsbunds für Volkstum 
und Heimat – Lehrgänge und Volkstanz -Seminare auf Schlos s Lichtenberg und regelmäßig 
auf der Burg Breuberg. „Die Teilnehmer gehören fast ausnahmslos der NSDAP, SA, SS, dem

9 
NSFK, NSLB, NSDStB und BDM an“, hieß es dazu in oben genannter Beurteilung von der Aus 
durch den SD-UA Hessen von Januar 1939. 
Einen weiteren „Gönner“ hatte Hans von der Au in Prof. Richard Wolfram, Leiter der „Lehr- 
und Forschungsstätte für germanisch -deutsche Volkskunde des ‚ Ahnenerbes‘, Salzburg – 
Wien“. Auf Wolframs Antrag hin wurden Hans von der Au und sein Kollege Heinrich Winter 
Mitarbeiter des „Ahnenerbes“. Wolfram, seinerseits besonders an der Erforschung der 
Volkstänze interessiert – und ausgestattet mit persönlicher Unterstützung durch den Reich s-
führer-SS Heinrich Himmler –, lobte von der Au als einen der erfolgreichsten Volkstan z-
sammler und besten Volkstanzforscher Deutschlands (Brief an Reichgeschäftsführung des 
„Ahnenerbes“, 30.06.1941, BArch, BDC, NS 21/893). Im März 1940 informierte Prof. Wol f-
ram Hans von der Au (im Auftrag der Reichsgeschäftsführung) darüber, dass dieser „zur Mi t-
arbeit am ‚Ahnenerbe‘“ eingeladen sei und dass er sich „von einer Zusammenarbeit für be i-
de Teile besonders fruchtbare Ergebnisse“ erwarte. Tatsächlich arbeiteten Heinrich Winter 
und Hans von der Au im Jahr 1941 im Auftrag des „Ahnenerbes“ an der „volkskun dlichen 
Erfassung der Dobrudscha -Deutschen“ in „Lagern am Main“. „Ihre Ergebnisse haben sie b e-
reits in zwei umfangreichen Belegbänden an das ‚Ahnenerbe‘ abgeliefert. Die Ergebnisse 
sind ausgezeichnet und Obersturmbannführer Sievers hat auch bereits seine Z ufriedenheit 
mit dieser Arbeit zum Ausdruck gebracht“ (Prof. Richard Wolfram, ebenda). SS -Obersturm-
bannführer Wolfram Sievers, Reichsgeschäftsführer des „Ahnenerbes“, das seit 1940 als Amt 
A dem Hauptamt „Persönlicher Stab des Reichsführers -SS“ angeschlos sen war, bestätigte, 
dass im Auftrag des „Ahnenerbes“ und 
„im Einvernehmen mit dem Reichsführer -SS – Reichskommissar für die Festigung deutschen Volk s-
tums – (SS-Obersturmführer Dr. Walter) die Volkstumsforscher Dr. Winter, Heppenheim, und Dr. 
Hans von der Au, Darmstadt, volkskundliche Aufnahmen […] durchführen“ ( Sievers an den Leiter des 
Lagers Aschaffenburg-Leider, 15.03.1941, BArch Berlin, NS 21/893). 
Ebenfalls 1941 erhielt von der Au von Prof. Wolfram den Auftrag, die Volkstänze im Elsass 
und in Lothring en (besonders „getanzte Balladen“) vor Ort zu erforschen. Das Vorhaben 
konnte allerdings – trotz mehrmaliger Eingaben – nicht durchgeführt werden, da das „A h-
nenerbe“ eine derartige Forschungsreise zum damaligen Zeitpunkt (Sommer 1941) für nicht 
angebracht erachtete. Es blieb bei einem vorbereitenden Aufenthalt von der Aus im Unter -
Elsass an Pfingsten 1941, wofür noch die schriftliche Beauftragung Prof. Wolframs zur Erla n-
gung der Einreise-Erlaubnis genügte. Eine letzte Chance sah von der Au 1944 in seiner Ei nbe-
rufung zum Zollgrenzschutz nach Lothringen: Er wandte sich an das „Ahnenerbe“ mit der 
Bitte, ihm vor Ort volkskundliche Forschungen zu ermöglichen. „Meine dortigen Ergebnisse 
stelle ich dem Ahnenerbe zur Verfügung“, ließ er wissen (Brief an das „Ahnener be“, 
25.04.1944, BArch Berlin, NS 21/893). Im Antwortschreiben (12.05.1944, ebenda) wurde er 
darauf hingewiesen, dass er als Soldat in Lothringen sei und das Amt „Ahnenerbe“ keine 
Möglichkeit habe, seine angefragte Unterstützung zu gewährleisten. Auch der Einsatz von 
Prof. Wolfram, der von der Au nun als „beste[n] und erfolgreichste[n] Volkstanzsammler des 
Altreiches“ pries, konnte dieses Mal nicht helfen (04.04.1944, Richard Wolfram, an SS -
Standartenführer Wolfram Sievers, Reichsgeschäftsführer des Ahnener bes, BArch Berlin, NS

10 
21/237). Wolfram hätte von der Au gerne als seinen Mitarbeiter gesehen, wenn das „A h-
nenerbe“ die Einberufung hätte verhindern können. Doch das war zu der Zeit nur für diej e-
nigen Wissenschaftler möglich, die „unmittelbar an der Durchfü hrung kriegsentscheidender 
Aufgaben beteiligt werden“ sollten (13.04.1944, Amt „Ahnenerbe“, an Prof. Richard Wol f-
ram, Wien, BArch Berlin, NS 21/237). Eine Beschäftigung im Dienste des „Ahnenerbe“ best e-
he durchaus, wie es an gleicher Stelle hieß – nicht aber eine Freistellung von der erfolgten 
Einberufung. 
Intensiven Kontakt beim „Ahnenerbe“ pflegte Hans von der Au des Weiteren zu Dr. Hans 
Ernst Schneider, Abteilungsleiter im persönlichen Stab des Reichsführers -SS und Mitarbeiter 
Prof. Wolframs, der 1945 sei ne Identität in „Hans Schwerte“ änderte. In persönlichen Bri e-
fen, die auf eine gewisse Vertrautheit schließen lassen, tauschten Schneider und von der Au 
Ergebnisse ihrer Forschung im Bereich „Tanzgut“ aus. – Wolfram hatte in seinem oben e r-
wähnten Empfehlungsschreiben vom April 1944 darauf verwiesen, dass von der Au die durch 
„Abkommandierung von Dr. Schneider“ frei gewordene Mitarbeiterstelle besetzen könnte. 
In der mehrfach erwähnten Beurteilung durch den SD -UA Hessen, die sowohl Wolfram Si e-
vers als auch H ans Schneider vorlag, wird von der Aus politische Haltung „als konjunkturb e-
dingt und als nicht einwandfrei zuverlässig“ (Schneider bei der Weiterleitung an Sievers, 
29.01.1939) geschildert. Wörtlich hieß es in der Beurteilung: 
„Von der Au gilt als Mensch m it wenig Charakterstärke, der es vor allem versteht, die jeweils für ihn 
günstige Konjunktur auszunützen. Für ein Amt in der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen erscheint 
er nicht geeignet. Besondere Vorsicht ist bei der Erteilung von Aufträgen durch Parte istellen an von 
der Au notwendig, da er auf Grund seiner bisher gezeigten Haltung immer versuchen wird, einen ihm 
einmal erteilten Auftrag später als Beweis seiner politischen Zuverlässigkeit und Fähigkeit heranz u-
ziehen.“ 
Dennoch unterstützte Reichsgeschäf tsführer Wolfram Sievers die Mitarbeit von der Aus am 
„Ahnenerbe“ und erteilte „selbstverständlich“ (Sievers an Prof. Wolfram, 14.01.1942) seine 
Genehmigung für die Mitarbeit von der Aus an der Herausgabe seiner Aufzeichnungen in der 
Sammlung „Deutsche Vol kstänze“. Unter Verweis auf ein (vermutlich anderes) Gutachten 
des SD fand sich folgende Beurteilung: 
„Nach Ansichten von Parteikreisen handelt es sich bei von der Au um einen evangelischen Theologen, 
der wohl aus dem Dienst der Kirche ausgeschieden sei un d den besten Willen habe, im Sinne der 
Bewegung tätig zu sein, dem es aber andererseits unmöglich sei, sich von seinen christlichen Auffa s-
sungen frei zu machen“ (undatiert, BArch Berlin, NS 15/122). 
Antisemitische Veröffentlichung 
Unter den oben erwähnten Veröffentlichungen findet sich im Jahrgang 1938 von „Volk und 
Scholle“ von der Aus  Aufsatz „Der Jude im Tanz der Landschaft Rheinfranken“, auf den er 
auch in seiner Dissertation „Das Volkstanzgut im  Rheinfränkischen“ verweist (S. 44, FN 156). 
Der Beitrag erschien in zwei Teilen: Im ersten  Teil (Heft 2, S. 41 -51) befasste sich von der Au 
mit dem „Inhalt der Spottlieder auf die Juden“, im zweiten Teil (Heft 3, S. 83-86) stellte er die 
dazugehörigen Tanzformen und deren Verbreitung vor. [In Heft 8, S. 222,  des gleichen Jahr-

11 
gangs wurde zudem eine „Kindheitserinnerung“ einer „aufmerksame[n] Leserin“ zum Thema 
veröffentlicht.] 
Von der Au stellt seinen mit dem Untertitel „Auch ein Kapitel Volksseelenkunde“ versehenen 
Ausführungen einen einleitenden, programmatischen Absatz voran: 
„Der Einfluss des Juden auf die deutsche Kultur, bis zur Machtübernahme 1933 auf ein unerhörtes 
Maß gestiegen, ist endlich im Dritten Reich abgestoppt. Eine Besinnung auf die Ausmerzung des jüd i-
schen Anteils auf sämtlichen Gebieten unseres völkischen, nicht zuletzt des Geisteslebens und der 
Kunst, ist daher unaufgebbare, immer neu gestellte Pflicht jedes Deutschen.“  [Absatz in der Ausgabe 
von „Volk und Scholle“ im HHStAD überklebt] 
In der Folge beschreibt der Autor die Spottlieder und -tänze auf Juden als Ausdruck „von 
dem Schicksal seines [des Bauerns] Daseinskampfes, das ihm der Jude dank fehlender staa t-
licher Maßnahmen bestimmt hatte“. Da das Lied, so von der Au, allgemein als „der reinste 
Niederschlag seelischen Erlebens“ anzusehen sei, s eien die zusammengetragenen Spottli e-
der auf Juden als „ein unbestechliches Zeugnis für die wirkliche Stellung unseres Volkes zum 
Juden“ zu betrachten. Bevor von der Au die von ihm zusammengetragenen Beispiele für 
Spottlieder und -tänze auf Juden thematisch geordnet vorstellt, differenziert er ausdrücklich 
zwischen „Hohn“ und „Spott“. Anders als „Hohn“ (oder „Haß“) deute „der Spott eine innere 
Überlegenheit über seinen Gegenstand, zugleich auch einen gewissen Abstand von ihm an“. 
Mit dem Spott auf Juden, der in der ländlichen Bevölkerung tief verwurzelt sei und auf „ura l-
te Motive“ zurückgreife, sei es allerdings nicht getan gewesen: 
„Freilich, der Spott bringt es nicht zu Taten. Erst der Zorn als männliche Tugend reißt über die innere 
Ausgeglichenheit, die si ch die ‚unbedingte Ruh‘ als Endzustand wünscht, hinaus zur befreienden 
Handlung. Drum durfte die seelische Haltung unseres Volkes zum Juden, wie sie sich im (Spott-)Tanze 
spiegelt, nicht das Letzte sein. Drum hat Deutschland zum Reiche des Führers erweckt werden müs-
sen aus der menschlich verständlichen Ergebenheit in ein nun einmal so gewordenes Schicksal zur 
wach gerüttelten Unruhe völkischen Bewußtseins.“ 
Im zweiten Teil des Aufsatzes wird – nach Auflistung und Auswertung von Spott -Tänzen auf 
Juden – noch die Bedeutung „des Juden“ im ländlichen Brauchtum thematisiert und a b-
schließend auf einen „eingegangenen“ Brauch verwiesen, wonach im Fastnachts - bzw. O s-
terfeuer „der Jud‘“ verbrannt wurde. Darauf bezieht sich Au in seinen abschließenden De u-
tungen: 
„Hier erst geht ganz klar hervor, was im Tiefsten der ‚Jud‘ ist: Das, was vernichtet werden soll, und 
zwar vollständig, indem es das Feuer verzehrt, denn er ist der Inbegriff des Lebensfeindlichen, 
Schmutzigen, Unheiligen. Drum muß er im Kampf mit dem Neuen, Auf strebenden unterliegen. Di e-
sen Kampf hat unser Volk begriffen und – oft mit mythischem Hintergrund – dargestellt im Sieg des 
Lichtes über die Finsternis. Daß ein solcher Vorgang vom Tanz begleitet wird, ist, wie nicht anders zu 
erwarten, für viele Orte belegt. Und hier enthüllt sich noch besser, noch mehr überzeugend das tief s-
te Wissen unseres Volkes vom Wesen d es Juden und seine Haltung ihm g egenüber im Grundsätzl i-
chen hinaus über allen Kampf des Daseinskampfes. Die in Tanz und Brauchtum auf dem Umweg über 
den Spott zum Ausdruck gestaltete Hoffnung und Sehnsucht aber hat ihre E rfüllung gefunden: durch 
Adolf Hitler!“ [„durch Adolf Hitler!“ in der Ausgabe von „Volk und Scholle“ im HHStAD überklebt] 
Der Beitrag endet mit dem Abdruck der Noten der „Antisemiten-Polka aus dem Odenwald“.

12 
Entnazifizierung 
[Quelle: HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 500142] 
Am 25. April 1946 füllte Hans von der Au seinen „Meldebogen auf Grund des Gesetzes zur 
Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus vom 5.3.1946“ aus. Er gab darin folge n-
de Mitgliedschaften in „Naziorganisationen“ an (in Klammern zusätzliche Angaben): 
NSDAP (1937 -1944), Allgemeine SS (Förderndes Mitglied 1933 -1939), SA (Res. 2, Ende 1933 -1944, 
Amt Scharführer 1943), NSLB (1934 -1941?), Reichskolonialbund (?), NSKOV (übernommen aus Ver. 
ehem. Kriegsgef.), VDA (übernommen, 1928), NSV (1934-1944), Rotes Kreuz (?) 
Die Angaben decken sich mit Informationen aus NSDAP -Parteikartei, SA -Stammrolle und 
Parteistatistischer Erhebung 1939. Außerdem gab von der Au in gl eicher Kategorie („Nazior-
ganisationen“) „Bekennende Kirche, 1934[überschrieben: 1933] -1938, z. Austr. gezwungen“ 
zu Protokoll. Auf Grund der gemachten Angaben wurde er zunächst in die Kategorie II (Akt i-
visten) eingestuft; selbst stufte er sich als „Mitläuf er“ ein. Unter „Bemerkungen“ gab er z u-
dem an: 
„Durch Partei kirchl. Amt verloren, Gestapoverf., Parteigerichtsverf. , Redeverbot durch Gaulei ter, 
wissenschaftl. Arbeit b enachteiligt, als Theologe f.  Wehrmacht freigegeben. Infolge Dru ckes zur 
SA’Res 2 gekommen und automatisch z. Partei“ 
Zahlreiche Zeugen bescheinigten Hans von der Au, dass er kein überzeugter Nationalsozialist 
gewesen sein könne. Er sei vielmehr „sachlich mit allem Abstand gegen die Übersteigeru n-
gen und Ungerechtigkeiten des Systems“ eingeste llt gewesen; ein anderer „lernte ihn schä t-
zen als einen Menschen, der, ohne sich um parteipolitische Ziele zu kümmern, seinen Weg 
ging“; ein weiterer wusste zu berichten, dass er „von gewissen Parteistellen scharf abg e-
lehnt“ wurde. Auch die Aussagen vier w eiterer Personen schildern Hans von der Au in ve r-
gleichbarere Art und Weise: 
- „Ein Nazi -Aktivist kann er meines Wissens und seinem ganzen Verhalten nach nicht gut gewesen 
sein.“ 
- „Herr Dr. von der Au ist viel zu religiös veranlagt, als dass er ein Nazi u nd Förderer des Nationalsozi-
alismus hätte sein können.“ 
- „Er gehörte zu den Idealisten, die geglaubt haben, seinen Verband vor der Mitgliedschaft bei der HJ 
dadurch bewahren zu können, dass er selbst in die Partei eintrat. Er hatte aber dort, wie fast all e, 
nichts zu sagen […].“ 
- „Wenn er der Partei näher getreten ist, so hat dies meiner festen Überzeugung nach lediglich darin 
seinen Grund, dass auf ihn als Beamten wie dies allgemein üblich war ein starker Druck ausgeübt 
worden war. Die wahre Gesinnung de s Herren von der Au war stets diejenige eines bewussten und 
aufrechten christlichen Mannes, der in zahlreichen Gesprächen, die ich mit ihm in den letzten Jahren 
vor dem Zusammenbruch führen konnte, mit mir in der eindeutigen Verurteilung des Nazismus und 
seiner schlimmen Methoden durchaus übereinstimmte.“ 
Hans von der Au selbst gab eine dreiseitige Erklärung zu seinem Wirken im NS ab. Er habe 
sich 1933 geweigert in die NSDAP einzutreten, sei aber gedrängt worden, „dann wenigstens

13 
förderndes Mitglied der Sch utzstaffeln zu werden und kam so dazu, dem damaligen Stur m-
bannführer das 1.  Kind zu taufen.“ Er habe im Frühsommer 1933 allen „Versuchungen und 
Lockungen“ widerstanden, evangelische Jugendverbände in die HJ zu überführen. Ergebnis 
seien öffentliche Diskrim inierung seiner Person und Übergriffe der HJ auf evangelische J u-
gendarbeit gewesen. 
„Wohlmeinende Pgg rieten mir damals, die mir übertragene kirchliche Jugendarbeit dadurch zu 
schützen und zu erhalten, daß ich mich einer NS Organisation anschlösse. So meld ete ich mich Ende 
1933 bei der SA-Reserve II an, also nicht aus eigener Initiative, sondern infolge des maßlosen Druckes 
von Seiten der HJ , dem die gesamte kirchliche Jugendarbeit und ich selber als ihr Exponent ausg e-
setzt waren.“ [Hervorhebung – auch im Folgenden – im Original] 
Dennoch, so von der Au, verlor er sein kirchliches Amt als Jugendpfarrer. „Da ich aber nicht 
mehr unter dem DC -Kirchenregiment tätig sein wollte, meldete ich mich auf die gerade frei 
gewordene Religionslehrerstelle an der Liebig -Oberrealschule in Darmstadt.“ Da er nun in 
ein staatliches Dienstverhältnis eingetreten war, sei ein Austritt aus der SA nicht mehr mö g-
lich gewesen. Wegen seiner Mitgliedschaft in der BK sei er von der Gestapo überwacht wo r-
den und wiederholt Vorwürfen ausgese tzt gewesen, Schülerinnen und Schüler negativ zu 
beeinflussen. 
„Als ich dann im Jahre 1938 automatisch nach 5jähriger Zugehörigkeit zu SA -Reserve II unter Zurück-
datierung auf den 1. Mai 1937 Parteigenosse geworden war, meldete ich, allem Vorhergegangenen 
zum Trotz, meine Entlassung aus SA und Partei an, die mir jedoch abgeschlagen wurde.“ 
Weiterhin beschrieb Hans von der Au die Schwierigkeiten, die ihm seitens der NSDAP sowie 
der Gestapo gemacht worden seien. Er habe unter anderem keinerlei Unterstützung fü r sei-
ne volkskundliche Arbeit erhalten; er sei gezwungen worden, aus der BK und dem Pfarrve r-
ein auszutreten. „Als Theologe war ich Volks- und ebenso Parteigenosse 2. Klasse und wurde 
daher von volkskundlichen Fachtagungen trotz meiner anderweitig, besonder s von österrei-
chischer Seite anerkannten Forschungen mit Vorträgen stets abgelehnt.“ Wegen seines 
kirchlichen Standpunkts sei er denunziert und schließlich wegen politischer Unzuverlässigkeit 
angeklagt worden, „wegen Verächtlichmachung der NS Weltanschauun g beim Gau- und spä-
ter beim Reichsparteigericht angezeigt mit dem Ziele meiner Entfernung aus Partei und Amt. 
Das Verfahren wurde schließlich eingestellt und meine Entlassung aus der Partei auf die Zeit 
nach Kriegsende festgesetzt.“ Auch sei gegen ihn – auf Eingabe des Gauwalters des NSLB – 
ein Redeverbot ausgesprochen worden [ein Zeuge bestätigt das Redeverbot, das allerdings 
erst im Herbst 1943 ausgesprochen wurde – was von der Au hier nicht erwähnt]. 
Er schloss seine Ausführungen mit dem Verweis darauf, dass er nie ein Amt in SA oder 
NSDAP inne gehabt habe – seine Ernennung zum Scharführer sei lediglich „nominell“ und 
automatisch erfolgt – und seine theologische Überzeugung ihn „in inneren Gegensatz zur 
NSDAP“ gebracht habe: „Ich habe im Zusammenbruch des  Naziregimes ein Gottesgericht 
erwartet und – erlebt.“ 
Der öffentliche Kläger nahm von der Aus Erklärung sowie die „Persilscheine“ zur Kenntnis 
und beantragte in seiner Klageschrift (14.09.1946) zunächst eine Einordnung in Gruppe III 
(Minderbelastete):

14 
„Auf Grund seiner formalen Belastung wird der Betroffene im Anhang des Gesetzes in der Klasse II 
genannt. Die Überprüfung seiner Entlastungen rechtfertigen jedoch die Einreihung des Betroffenen 
in Klasse III der Minderbelasteten.“ 
In der Begründung der Klages chrift (unter gleichem Aktenzeichen und Datum) wurde jedoch 
eine Einordnung in Kategorie IV (Mitläufer) beantragt sowie eine Sühneleistung von 2.000 
RM. Die Spruchkammer Darmstadt -Stadt schloss sich in ihrem Urteil (17.09.1946) letzterem 
an und übernahm in  ihrer Begründung vollumfänglich die Entlastungen aus von der Aus E r-
klärung. Hans von der Au selbst erkannte den Spruch des Gerichts an – die amerikanische 
Militärregierung hingegen erhob gegen Verfahren und Urteil Einspruch: Den nachweislichen 
Mitgliedschaften (und deren Dauer) sei zu wenig Gewicht beigemessen worden, der B e-
troffene sei sehr wohl in der SA aktiv gewesen – habe sogar das Amt eines Pressereferenten 
inne gehabt und als SA -Vertreter am Reichparteitag in Nürnberg teilgenommen –, das Ve r-
hältnis zur BK habe er 1938 aufgelöst und durch seine Anstellung im Staatsdienst nicht ei n-
mal finanzielle Einbußen ertragen müssen (sein Einkommen hatte er in der entsprechenden 
Spalte des Meldebogens nicht angegeben, was ihm als bewusstes Verheimlichen angelastet  
wurde). In der Eingabe wurde abschließend kritisiert: 
„Die Geschichte über die Verfolgung des Betroffenen, wie sie im letzten Absatz der Begründung des 
Klägers erzählt wird, ist auf keinerlei Beweise gestützt, sondern lediglich eine Zusammenfassung aus 
den eignen Angaben des Betroffenen.“ [offizielle Übersetzung, undatiert] 
Das Hessische Staatsministerium (Schreiben vom 08.01.1947, gez. Regierungsdirektor Dr. 
Weißstein) schloss sich den Bedenken an, hob den Spruch vom 17.09.1946 auf und ordnete 
eine erneut e Durchführung des Verfahrens durch die Spruchkammer Groß -Gerau an. Eine 
Eingruppierung in Klasse IV (Mitläufer) sei keineswegs vertretbar: 
„Zu bewerten ist der frühere [sic!] Beitritt zur SA -Res. II & die bei einem Pfarrer besonders ins G e-
wicht fallende B eförderung zum Scharführer, die Zugehörigkeit zur NSDAP, die fördernde Mitglie d-
schaft zur SS, die Teilnahme am Reichsparteitag 1934, der Austritt aus der Bekenntniskirche und die 
Tatsache, dass der Betroffene selbst hervorhebt, das 1.  Kind eines Sturmbannf ührer[s] getauft zu 
haben.“ 
Das Verfahren wurde daraufhin wieder aufgenommen. Hans von der Au ließ sich nun vom 
Rechtsanwalt Dr. Walz (Darmstadt) vertreten, der die vorherige Erklärung des Betroffenen 
juristisch präzisierte. Neue „Erklärungen“ von Zeugen g ingen ein, die von der Au als Anti -
Nationalsozialisten deklarierten. Zur Gerichtsverhandlung am 19.05.1947 wurden au s-
schließlich Entlastungszeugen gehört (darunter etwa Dr. Heinrich Winter, Heppenheim). 
Nach der Anhörung beantragte der öffentliche Kläger e ine Einstufung in Kategorie IV (Mi t-
läufer) sowie eine Sühneleistung in Höhe von 1.000 RM; der Betroffene bzw. dessen Recht s-
beistand eine Einordnung in Gruppe V der Entlasteten. Im folgenden Spruch wurde Hans von 
der Au in die Gruppe IV (Mitläufer) eingereiht und zu einer Geldsühne von 500 RM verurteilt. 
In der Begründung schloss sich das Gericht vollumfänglich der Argumentation des Betroff e-
nen an: 
„Wiederum wurde die politisch so folgenschwere Tragik der deutschen Intellektuellen an der Persö n-
lichkeit von d er Au deutlich. Zu den Geistes - und Bildungsquellen Christus, Goethe, Plato und der

15 
Jugendbewegung hätte die politische Bestimmung treten müssen. Aber ohne diese hatte er später 
bei keiner politischen Entscheidung die Kraft, sich vom Nationalsozialismus en tgültig [sic!] zu tre n-
nen. […] Jeder wusste, wo er stand. In Berlin war er bei der Gestapo aufgezeichnet in der Liste der zu 
beobachtenden und zu verfolgenden Intellektuellen (Zeuge Dr. Winter). Seine Volkstumsarbeit wu r-
de vernichtet, er selbst persönlich 2 ½ Jahre von Min. -Rat Ringshausen boykottiert. […] Er leistete 
Widerstand in der B.K. und leitete verbotene Briefe und Schriften weiter. […] Die mehrstündige B e-
weisaufnahme zeigte den inneren Widerstand des Betroffenen ebenso klar und deutlich wie das 
durch die Umstände (damalige Kirchenleitung, Überlieferung und Charakter) bestimmte politische 
Mitläufertum.“ 
Gegen Verfahren und Urteil wurde keine Berufung eingelegt, es war somit rechtskräftig. 
Quellen: 
BArch, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
BArch, BDC, NS 21/893 [Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“] 
BArch, BDC, NS 21/237 [Forschungs- und Lehrgemeinschaft „Das Ahnenerbe“] 
BArch, BDC, NS 15/122 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 500142 
HStAD, N 1 in Nr. 178 [SA-Stammliste] 
HStAD, H 3 Nr. 220 [Kennkartenmeldebogen] 
Regierungsblatt 1936, Beilage 5, S. 24 [Ernennung zum Studienrat] 
AdJb, N 32 Nr. 116 
AdJb, N 32 Nr. 141 
AdJb, N 32 Nr. 187 
StadtA DA, ST 61 von der Au, Dr. Dr. Hans Ludwig 
Literatur: 
Au, Hans von der: Der Jude im Tanz der Landschaft Rh einfranken. In: Volk und Scholle 16 (1938), Heft 
2/3 + Heft 8. 
Au, Hans von der: Das Volkstanzgut im Rheinfränkischen. Gießen 1939 [Dissertation]. 
Au, Hans von der: Deutsche Volkstänze aus der Dobrudscha. Regensburg 1955 (Quellen und Fo r-
schungen zur musikalischen Folklore Bd. 3). 
Bogs, Holger: Au, Hans von der. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 46 f. 
Dam, Harmjan: Jugend und Nationalsozialismus in der Evangelischen Landeskirche Nassau -Hessen 
1933-1945. In: Grunwald, Klaus-Dieter/Oelschläger, Ulrich (Hrsg.): Evangelische Landeskirche Nassau-
Hessen und Nationalsozialismus. Auswertungen der Kirchenkampfdokumentation der EKHN. Dar m-
stadt 2014. 
Clemm, Ludwig: Hans v. d. Au. In: JHKGV, Bd. 7 (1956), S. 159 f.

16 
EKHN (Hrsg.): Dokumentation zum Kirchenkampf in Hess en und Nassau (=KKD). 9 Bde. Darmstadt 
1974-1996. 
Gunkel, Hermann: Kirchenkampf und Ev. Mädchenarbeit in Hessen -Darmstadt. In: JHKV 53 (2002), S. 
269-298, hier 287. 
Gunkel, Hermann: Haus Orbishöhe in Zwingenberg an der Bergstraße. Vom evangelischen Mädche n-
erholungsheim 1926 zur diakonischen Jugendhilfeeinrichtung 1998. Geschichtsblätter Kreis Bergstr a-
ße Sonderband 19. Zwingenberg 1998. 
Knöpp, Friedrich: Hans von der Au zum 100. Geburtstag. In: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße 25 
(1992), S. 85-91. 
Neumeier, Klaus: Frankfurter evangelische Jugendarbeit unter Paul Both im 3. Reich. Frankfurt am 
Main 1988. 
Reutter, Rolf: Bibliographie Hans von der Au. In: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße 25 (1992), S. 92 -
106. 
Ripper, Klaus (Hrsg.): Schaffe und ringe, aber si nge! Gedenkschrift zum 100. Geburtstag von Dr. Dr. 
Hans v. d. Au. Hessische Vereinigung für Tanz- und Trachtenpflege. Reichelsheim 1992. 
Severin, Hans: Hans von der Au. Wiesbaden 1967 [Manuskript, zum 75. Geburtstag veröffentlicht in: 
Volkstanz (1967), Nr. 1].

17 
Brandisstraße (K 7), benannt 1952 nach 
Gustav Brandis (1876-1948) 
Vorstandvorsitzender der HEAG 
* 17. Mai 1876 in Tettens/Ostfriesland 
Besuch der Volksschule im Heimatort 
1891-1894 Lehre zum Maschinenschlosser und Dreher bei Firma Yess (Wilhelmshafen) 
1894-1895 Arbeit als Geselle und auf Wanderschaft bei verschiedenen Firmen (Werft, Kammgar n-
spinnerei, Maschinenfabriken) 
1895-1897 Elektrotechnische Ingenieursausbildung am Technikum Bremen (Abteilung Elektrotechnik 
und Maschinenbau); im Anschluss an Ingenieursexamen zunächst Arbeit als Dreher 
1898 Maschinentechniker bei Lüner Hütte (Lünen/Lippe) 
1898-1905 Ingenieur in der Montageabteilung des Kabelwerks Felten und Guilleaume (Mühlheim am 
Rhein), Montageeinsatz auch im Ausland (Belgien, Holland, Portugal) 
1905-1912 Ingenieur und Oberingenieur beim Rheinisch -Westfälischen Elektrizitätswerk (RWE ), E s-
sen 
1908 Leitung des Ausbaus des elektrischen Leitungsnetzes im Kreis Düsseldorf 
1912-1945 In Diensten der HEAG Darmstadt;  zunächst – als Oberingenieur mit Plan  und Bauleitung 
für das Überlandnetz betraut – nur für zwei Jahre von RWE „ausgeliehen“, dann dauerhaft und in 
leitender Funktion; unter seiner Leitung Ausbau des Strom- und Straßenbahn-Netzes 
1918 Wahl in den Vorstand der HEAG 
1919-1945 Vorstandsvorsitzender der HEAG (von 1933-1945 „Betriebsführer“) 
1933-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 2018711; Eintrittsdatum: 01.05.1933) 
1933-ca. 1940 förderndes Mitglied des NSKK 
1934 Hochzeit mit Alice Lingenfelder in deren Geburtsort Neustadt/Haardt 
1935-1945 Mitglied der NSV 
1935-1945 Mitglied der DAF 
1935-1943 Leiter des Bezirks Groß-Hessen der Wirtschaftsgruppe Elektrizitätsversorgung 
1937-1939 Mitglied des Vorstandsrats der Vereinigung von Freunden der Technischen Hochschule 
Darmstadt 
† 19. September 1948 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1937 Feierlichkeit der HEAG zu Ehren von Direktor Brandis anlässlich seiner 25jährigen Betriebszug e-
hörigkeit

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Wirken in der NS-Zeit 
Direktor Gustav Brandis, seit 1919 Vorstandsvorsitzender der HEAG , leitete  von 1933 bis 
1945 als „Betriebs führer“ das Darmstädter Elektrizitäts- und Verkehrsunternehmen. Bereits 
1912, im Gründungsjahr der HEAG, war er als Oberingenieur nach Darmstadt geholt worden 
und zunächst mit der Planung sowie der Bauleitung des Überlandnetzes be traut. Unter se i-
ner Verant wortung wurde das Strom - und Straßenbahnnetz der HEAG maßgeblich ausg e-
baut. In der Wirtschaftsgruppe Elektrizitätsversorgung war er von 1935 bis 1943 Leiter des 
Bezirks Groß-Hessen. 
Gustav Brandis, seit 01.05.1933 Mitglied der NSDAP (Mitglieds -Nr. 2018711) und ebenfalls 
seit Mai 1933 förderndes Mitglied des NSKK, war eigenen Angaben zu Folge von 1935 bis 
1945 Mitglied der NSV sowie der DAF (Teilnahmen an Vertrauensrats -Schulungen der DAF 
sind belegt). Er war ebenfalls Mitglied im NSBDT sowie im NSRL (jeweil s ohne Zeitangabe) 
sowie schon vor 1933 im DRK und im VDA. 
Unter Verantwortung ihres „Betriebsführers“ Gustav Brandis stellte die HEAG im „Dritten 
Reich“ ein nationalsozialistisch durchorganisiertes Unternehmen dar, das zwischen 1941 und 
1945 auch zahlreic he Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter sowie Kriegsgefangene b e-
schäftigte (ausführlich zur Geschichte der HEAG 1933 -1945, auch zur Rolle von Gustav Bra n-
dis, siehe die Ausführungen von Peter Engels in „100 Jahre HEAG“, S. 44 -51, zur Zwangsa r-
beit S. 47). Ende März 1933 wurde eine eigene Zelle „HEAG“ der NSBO gegründet, die später 
in der NS-Einheitsgewerkschaft DAF aufging. Ein großer Teil der Belegschaft („Gefolgschaft“) 
war Mitglied in NS -Organisationen; durch die Aufteilung in Zellen und Blocks wurde zud em 
ein weitreichendes Überwachungssystem installiert.  Der Betriebsrat wurde durch einen mit 
NSDAP-Mitgliedern besetzten Vertrauensrat ersetzt.  Seitens der HEAG -Leitung wurde der 
Belegschaft ein Engagement im NS zumindest nahegelegt. Ein von Brandis unterze ichnetes 
Schreiben ging im September 1933 an diejenigen Belegschaftsmitglieder, die sich bis dahin 
nicht NS-Organisationen angeschlossen hatten bzw. intern als „Antifaschisten“ galten. Darin 
wurden die Arbeitnehmer aufgefordert, sich zukünftig in den Diens t des NS und nicht weiter 
gegen Staat und Führer zu stellen – anderenfalls hätten sie mit entsprechenden Konseque n-
zen zu rechnen („die Folgen zu tragen“). 
Gemeinsam von Firmenleitung und „Gefolgschaft“ wurde ab 1937 die Mitarbeiterzeitung 
„Der Heag -Kamerad“ herausgegeben, die vornehmlich der Verbreitung von NS -Ideologie 
diente. Darin erschienen regelmäßig von Gustav Brandis (bzw. mit „Brandis, Betriebsführer“) 
unterzeichnete Berichte und Aufrufe (Rubrik „Arbeitskameraden!“), die sich an die „B e-
triebsgemeinschaft“ richteten. In der November-Ausgabe 1939 endete ein solcher Appell mit 
„Es lebe Deutschland! Es lebe der Führer! Heil Hitler!“. An anderer Stelle wurde die „B e-
triebsgemeinschaft“ von Brandis „als Hauptpfeiler der vom Führer gewollten Volksgemei n-
schaft“ bezeichnet. Im März 1941 erschien ein von Brandis unterzeichneter Artikel, in dem er 
die Kriegserfolge als „Ergebnisse einer genialen, überragenden Führung, die das Unvorstel l-
bare erreichen konnte“ bezeichnete, „auf Grund des unerschütterlichen Vertraue ns eines 
geeinten Volkes“. Weiter hieß es im Text:

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„Wir haben die unbedingte Zuversicht, daß es gelingen wird, unseren Hauptwidersacher endgültig 
niederzuwerfen, was erst die Krönung des Erreichten bedeutet. Wenn es der engli schen Plutokratie 
nicht mehr ge lingt, sich in alle europäischen Verhältnisse einzumischen und jeglichen sozialen For t-
schritt zu hintertreiben, dann erst wird Deutschland endlich frei sein. […] An dieser Aufgabe tätig 
mitzuwirken, ist heilige Pflicht eines jeden Volksgenossen!“ 
In der De zember-Ausgabe 1941 erschien die Rubrik „Arbeitskameraden!“ auf der Titel seite. 
Brandis ließ wissen: „Wenn jeder in der Heimat opferbereit und selbstlos seine Pflicht erfüllt, 
dann wird unsere Wehrmacht auch weiterhin jeden Gegner bezwingen; - der Endsieg.“ 
Mehrfach wurde im „Heag -Kamerad“ auch über Reden des „Betriebsführers“ berichtet (und 
daraus zitiert), in denen dieser an das Durchhaltevermögen der „Gefolgschaft“ appellierte . 
Vor der versammelten Be legschaft schwor Brandis  „alle Gefolgschaftsglieder zur Einsatzbe-
reitschaft bis zum letzten [sic!] auf“ (Betriebsappell vo m 04.01.1943): „Wenn wir uns selbst 
treu bleiben und an uns und unseren Führer glauben, dann sind wir unüberwindlich und der 
Sieg wird uns sicher sein.“  In ähnlichem Duktus gehalten ist de r wiederum von Brandis u n-
terzeichnete, umfangreiche Beitrag in der Rubrik „Arbeitskameraden!“ in der November -
Ausgabe 1943 (S. 2 f. hier S. 3): 
„Sie [die Pessimisten und Angsthasen] geben sich, beeinflußt durch das verbotene Abhören der 
Feindsender, der gleichen Täuschung hin wie die Italiener und bilden sich ein, die Plutokraten hätten 
kein Interesse an der Bolschewisierung Deutschlands; sie vergessen dabei, daß Plutokraten und Bo l-
schewisten einer einheitlichen Lenkung der Juden unterliegen.“ 
Umfangreiche Würdigung erfuhr – sowohl in der Mitarbeiterzeitschrift als auch in der lok a-
len Presse – das 25-jährige Dienstjubiläum von Gustav Brandis. Am Morgen des 1. Oktobers 
1937 fand in der (mit Hakenkreuz -Fahnen) geschmückten Maschinenhalle des Elektrizität s-
werks am Dornheimer Weg eine große Feierlichkeit aus diesem Anlass statt [auch filmisch 
dokumentiert, StadtA DA]. Die Festredner, darunter OB Otto Wamboldt, Betriebsobmann 
Georg Maul und ein Funktionär der DAF, würdigten die Verdienste und Erfolge von Direktor 
Gustav Brandis und dessen Einsatz zum Wohle der Stadt und der HEAG „im Geist der neuen 
Zeit“. In der lokalen Presse hieß es am folgenden Tag zur Reaktion des Jubilars: 
„Direktor Brandis schloß mit der Hoffnung, daß es ihm noch weiterhin vergönnt sein möge,  seine 
Pflicht als Führer der vom nationalsozialistischen Geiste getragenen Betriebsgemeinschaft zu tun, 
und brachte ein dreifaches ‚Sieg-Heil‘ auf den Führer aus.“ 
Als im August 1943 sein Sohn Theodor als Soldat im Krieg „gefallen“ war, erhielt Brandis Be i-
leidsbekundungen unter anderem von OB Wamboldt, der NSKK Motorstandarte 50, dem NS 
Reichsbund für Leibesübungen Sportgau Hessen-Nassau, der TH Darmstadt, dem Studenten-
führer der TH Darmstadt sowie dem Gauleiter und Reichsstatthalter Sprenger. 
Nach Kriegsende blieb Gustav Brandis bis zu seiner Pensionierung im September 1945 – er 
war unterdessen 69 Jahre alt geworden – in der Unternehmensleitung der HEAG

20 
Entnazifizierung 
[Quelle: HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 513389] 
Im Zuge des Entnazifizierungs verfahrens wurde Brandis seitens einzelner Arbeitnehmer s o-
wie der Arbeitnehmervertretung der HEAG belastet. Reden und Appelle habe er immer im 
Sinne des NS gehalten sowie seine Freude zum Ausdruck gebracht darüber, dass die B e-
triebsgemeinschaft zu „90 % na tionalsozialistisch wäre, die restlichen 10 % müssten auch 
noch überzeugt werden“ (Arbeitnehmervertretung der HEAG, 19.09.1946). Zudem habe er 
Arbeitnehmer unter Druck gesetzt, die sich keiner NS -Organisation anschließen wollten und 
Betriebsangehörige zum Hitler-Gruß aufgefordert. „Der Hauptstolz des damaligen Generald i-
rektors war, wenn er einem Jubilar das Hitler’sche Buch ‚Mein Kampf‘ aushändigen konnte“, 
erklärte ein Betriebsangehöriger, der 1933 in einem von Brandis unterzeichneten Schreiben 
als politisch unzuverlässig erklärt worden war. Von den Belastungszeugen wurde zudem der 
Vorwurf erhoben, Brandis habe unliebsame (weil politisch anders Denkende) ins Abseits und 
aus der Firma gedrängt. „Zusammenfassend kann gesagt werden, dass B[randis] sich in se i-
ner Eigenschaft als Betriebsleiter immer für die nationalsozialistische Idee eingesetzt hat“ 
(Arbeitnehmervertretung der HEAG, 19.09.1946). 
Von den ebenfalls anklagend erwähnten „erhebliche[n] geldliche[n] Zuwendungen an die 
Partei und ihre Organisationen“ ließen sich im Zuge des Verfahrens zwei Zahlungen durch 
die Unternehmensleitung an die HJ ermitteln (jeweils 20.000 RM, 1941 und 1942; eine we i-
tere bereits zugesagte Zahlung sei hingegen nicht mehr erfolgt). 
Den Anschuldigungen gegenüber stehen die Aussage n von Brandis selbst sowie zahlreiche 
Schreiben von Zeugen, die Brandis bescheinigen, trotz seiner Parteizugehörigkeit und seiner 
leitenden Funktion in einem NS -Wirtschaftsbetrieb „kein Nazi“ gewesen zu sein. Nur durch 
den Eintritt in die NSDAP habe Direkt or Brandis seinen (leitenden) Posten bei der HEAG b e-
halten können, einer drohenden Entlassung entgehen – und so „Schlimmeres“ verhindern 
können. Keineswegs habe er die Belegschaft zum „Hitler -Gruß“ angehalten, den er vielmehr 
selbst häufig verweigert habe.  Brandis sei es zu verdanken gewesen, dass Juden in Dar m-
stadt länger als anderenorts öffentliche Verkehrsmittel nutzen konnten. Nie habe er aktiv 
und eigenverantwortlich im Sinne des NS gehandelt. Für die politische Ausrichtung der HEAG 
sei deren Aufsichts rat verantwortlich gewesen, dem die leitenden Personen der NS -
Stadtverwaltung angehörten. 
In der Klageschrift der Spruchkammer Darmstadt -Stadt vom 03.06.1948 wurde schließlich 
der Antrag gestellt, Gustav Brandis in die Kategorie III (Minderbelastete) einzu reihen. Als 
entlastend wurde namentlich die Aussage des Personalchefs der HEAG Wedel gewertet, 
Brandis habe sich für seine Entlassung aus dem KZ Dachau eingesetzt. 
Da Gustav Brandis am 19.09.1948 verstarb, wurde das Verfahren ohne abschließenden 
Spruch eingestellt.

21 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 513389 
HStAD, H 3 Nr. 1119 [Kennkartenmeldebogen] 
StadtA DA, ST 61 Brandis, Gustav 
Literatur: 
HEAG Holding AG: 100 Jahre HEAG. Chronik 1912-2012. Darmstadt 2012.

22 
Georgiiplatz (L 3), benannt 1996 nach 
Walter Georgii (1888-1968) 
Meteorologe, Leiter der Deutschen Forschungsanstalt für Segelflug 
* 12. August 1888 in Meiningen 
Studium der Physik, Mathematik und Geographie in Jena und Leipzig 
1913 Promotion „Das Klima von Meiningen in den Jahren 1878-1911“ 
1914 Staatsexamen in Geografie, Physik und Mathematik 
1915-1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Meteorologe (Frankreich, Belgien, Palästina) 
1919 Habilitation in Meteorologie an der Universität Frankfurt am Main 
1919-1924 Leiter der Abteilung Wetterdienst des Instituts für Meteorologie und Geophysik der Un i-
versität Frankfurt am Main 
1921 Lehrauftrag für aeronautische Meteorologie an der TH Darmstadt 
1924/25 Leitende Tätigkeit an der Reichssee- und Wetterwarte in Hamburg 
1926-1937 Professor für Flugmeteorologie an der TH Darmstadt (persönlicher Ordinarius 1934) 
1926-1933 Leitung des Forschungsinstituts für Segelflug der „Rhön-Rossitten-Gesellschaft“ (RRG) 
1930 Organisation der „1. Wissenschaftlichen Segelflugtagung“ in Darmstadt 
1930-1939 Initiator und Vorsitzender  der Internationalen Studienkommission für den Segelflug 
(ISTUS) 
1933-1945 Leiter des Deutschen Forschungsinstituts für Segelflug (Nac hfolgeorganisation der RRG), 
das 1937 in Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug (DFS) umbenannt wurde 
1934 Wissenschaftliche Expedition nach Südamerika 
1936 Tod seiner Frau Hanny 
1937-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 5348380) 
1937 „Forschungsprofessur“: Versetzung als ordentlicher Professor in den Reichsdienst 
1937-1945 Vorsitzender der Prüfungskommission der Ingenieurschule für Luftfahrttechnik an der DFS 
1939 Ernennung zum Honorarprofessor an der TH Darmstadt (keine Lehrveranstaltungen) 
1942-1945 Mitglied der „Forschungsführung des Reichsluftfahrtministers und Obe rbefehlshabers der 
Luftwaffe“, 1943-1945 Geschäftsführer dieses von Hermann Göring implementierten Gremiums 
1943 Ernennung zum Wehrwirtschaftsführer 
1946-1948 Berater im französischen Luftfahrtministerium, Dienststelle „Arsenal de l’Aéronautique“ 
1948 Berater der argentinischen Regierung in Buenos Aires in Fragen der Meteorologie ; Ordinarius 
an der Universität Mendoza (1950-1955 Professor für Aerophysik) 
1954 Veröffentlichung der Autobiografie „Forschen und Fliegen“ 
Ca. 1955-1960 Tätigkeit in führender Funk tion bei der neu gegründeten DFS (Vorstand des Instituts 
für Flugforschung) 
† 24. Juli 1968 in München

23 
Ehrungen: 
Eisernes Kreuz Erster und Zweiter Klasse sowie türkischer Eiserner Halbmond im Ersten Weltkrieg 
1930 Otto-Lilienthal-Medaille der Wissenschaftl ichen Gesellschaft für Luftfahrt (für besondere Ve r-
dienste auf dem Gebiet der motorlosen Luftfahrt) 
1942 Ehrendoktor der TH Braunschweig 
1948 Ehrenpräsident der Organisation Scientifique et Technique du Vol à Voile (OSTIV, Nachfolgeo r-
ganisation der ISTUS) 
1958 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 
Wirken in der NS-Zeit 
Walter Georgii, Meteorologe und bedeutender Akteur der Segelflugforschung, war in der 
NS-Zeit in führender Funktion in der Luftfahrtforschung tätig. 
Bereits seit 1926 war Georgii als Professor für Flugmeteorologie an der TH Darmstadt . Zur 
gleichen Zeit  übernahm er die Leitung des Forschungsinstituts für Segelflug der „Rhön -
Rossitten-Gesellschaft“ (RRG), das seit 1930 am „Griesheimer Sand“ angesiedelt war. Ab 
1933 firmierte diese Einrichtung der Segelflugforschung unter der Bezeichnung „Deutsches 
Forschungsinstitut für Segelflug“, 1937 schließlich umbenannt (und zugleich aufgewertet) in 
„Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug“ (DFS), weiterhin unter der Leitu ng von „Betriebs-
führer“ Georgii. Nach Kriegsbeginn wurde die DFS aufgrund der militärischen Nutzung des 
Griesheimer Flugplatzes zunächst nach Braunschweig verlagert. Für die expandierende Inst i-
tution stand dort jedoch zu wenig Raum zur Verfügung, weshalb d ie DFS 1940 auf ein Flu g-
platzareal in Ainring bei Straubing auswich. 
Walter Georgii forcierte seit Mitte der 1930er Jahre Entwicklungen, den Segelflug für milit ä-
rische Zwecke nutzbar zu machen. Ein Ergebnis jener Forschungsvorhaben war der (seit 1936 
ausschließlich) von der DFS entwickelte Lastensegler DFS 230, der im Zweiten Weltkrieg für 
Transportflüge eingesetzt wurde. Während des Krieges fanden weiterhin Forschungen zu 
Segelprototypen statt, auch wurden existierende Lastensegler weiterentwickelt – eine reine 
Forschungsanstalt für Segelflug erschien dennoch nicht mehr zeitgemäß. Das Aufgabeng e-
biet der DFS, einer von vier zentralen Forschungsanstalten der Luftfahrtforschung in der NS -
Zeit, verschob sich in Ainring vornehmlich auf „Forschungsprojekte im Kon text der ‚Wu n-
derwaffen‘“ (Lünen, S.  231); besonders intensiv wurde an modernsten, strahlengetriebenen 
Flugzeugmodellen geforscht. 
Georgii, NSDAP -Mitglied seit 1937 (Mitglieds-Nr. 5348380 , BArch, BDC, NSDAP -Mitglieder-
kartei), gelang es, die DFS als „Nation alsozialistischen Musterbetrieb“ zu etablieren. Er hatte 
1943 bei der DFS über 1.000 Beschäftigte unter seiner Verantwortung (Epple, S. 346; in einer 
Statistik von Januar 1943 wurden unter „Gesamte Gefolgschaft“ der DFS 830 Personen g e-
nannt, Archiv der MPG , III/061, Nr.  2116). In einer Stellungnahme der DAF aus dem Jahr 
1943 wurde seine Rolle wie folgt bewertet: 
„Parteigenosse Georgii ist uns als vorbildlicher Betriebsführer bekannt, dem es aufgrund seiner pe r-
sönlichen Haltung und nationalsozialistischen Ak tivität und Erziehungsarbeit an seiner Gefolgschaft

24 
gelang, eine Betriebsgemeinschaft zu schaffen, welcher der Führer demzufolge am 1.  Mai 1941 die 
höchste betriebliche Auszeichnung ‚Nationalsozialistischer Musterbetrieb‘ verlieh“ (DAF, Gauwaltung 
München-Oberbayern, 11.01.1943, BArch, BDC, R 9361-II/287226). 
Im November 1942 wurde die DFS zudem zum „Kriegs-Musterbetrieb“ ernannt (laut Frese, 
S. 393, verfügten 88 Betriebe im Frühjahr 1943 über beide Auszeichnungen). Walter Georgii 
sollte zum „Wehrwirtschaft sführer“ ernannt werden, wozu die Parteileitung Erkundigungen 
hinsichtlich seiner „politischen Zuverlässigkeit“ einholte. Aus den Antwortschreiben wird 
ersichtlich, dass sich Georgii vor Ort nicht maßgeblich in der NSDAP engagierte (was teils mit 
der strengen Geheimhaltung seiner Forschung begründet wurde). Hinsichtlich seiner polit i-
schen Haltung gab es keinerlei Bedenken, was auch Gauleiter Jakob Sprenger aus Darmstadt 
bestätigte. Die NSDAP -Kreisleitung reagierte auf die entsprechende Anfrage mit folgender  
Einschätzung: 
„Am 7.11.1942 wurde der Betrieb zum Kriegsmusterbetrieb ernannt, was auf das Wirken des Profe s-
sor Georgi[i] zurückzuführen ist. Politisch ist Professor Georgi[i] vollkommen einwandfrei“ (NSDAP 
Kreisleitung Berchtesgaden-Laufen, an NSDAP Gaul eitung München-Oberbayern, 11.01.1943, BArch, 
BDC, R 9361-II/287226). 
Georgii wurde daraufhin zum Wehrwirtschaftsführer ernannt (1943 eine Auszeichnung, die 
nur noch Parteigetreuen angetragen wurde). Die DFS expandierte auch in den beiden letzten 
Kriegsjahren, in denen ihr „Betriebsführer“ eine weitere führende Funktion in der Luftfahr t-
forschung zuteilwurde: Georgii war eines von vier Mitgliedern der im Frühjahr 1942 eing e-
richteten „Forschungsführung des Reichsluftfahrtministers und Oberbefehlshabers der Lu ft-
waffe“. Oberstes Ziel des von Hermann Göring implementierten Gremiums war es, „die in 
der Luftfahrtforschung vorhandenen Kräfte und Erkenntnisse in vollem Maße für die Luftrü s-
tung nutzbar zu machen“ ( hierzu und zum Folgenden Archiv der MPG, III/061, Nr. 2109-
2123). Als Vorsitzender des Gremiums agierte Ludwig Prandtl (Direktor des KWI für Str ö-
mungsforschung); weitere Mitglieder waren Adolf Baeumker (langjähriger Abteilungsleiter 
im Reichsluftfahrtministerium, Vorsitzender der Luftfahrtforschungsanstalt Mü nchen) und 
als Geschäftsführer zunächst Friedrich Seewald (Leiter der Deutschen Versuchsanstalt für 
Luftfahrt in Berlin -Adlershof). Aufgabe der Forschungsführung war eine Art „Selbststeu e-
rung“ der wissenschaftlichen Forschung im Bereich der Luftwaffe. Dazu  erhielt das Gremium 
unabhängige Mittelbewirtschaftung sowie erheblichen Einfluss auf die Personalpolitik auf 
Leitungsebene der daran beteiligten Institute. Im November 1943 löste Georgii Seewald als 
Geschäftsführer der Forschungsführung ab und behielt das  Amt bis 1945 inne ; Prandtl, der 
Georgii bereits seit 1920 kannte und schätzte,  hatte sich für Georgii eingesetzt. In dem Vie r-
männergremium wurden alle Aspekte im Bereich der Luftfahrtforschung diskutiert – darun-
ter auch jene heiklen Fragen zum Einsatz von  Gefangenen in Bauvorhaben sowie die (nicht 
umgesetzte) Einrichtung eines neuen Instituts für biologische Luftfahrtforschung. Welche 
Positionen Georgii bei diesen Diskussionen im Einzelnen vertrat, ließ sich anhand des tradier-
ten Materials nicht abschließe nd beurteilen  (die Mitglieder der Forschungsführung waren 
angehalten, alle streng vertraulichen Dokumente, die nicht grundsätzlichen Charakter ha t-
ten, in regelmäßigem Abstand – vorgeschlagen wurde vierteljährlich – zu vernichten). Moritz 
Epple, der die umf angreiche Korrespondenz zwischen Prandtl und Georgii bis Kriegsende

25 
ausgewertet hat, vertrat die Auffassung, dass der überzeugte Patriot Georgii „noch bis u n-
mittelbar vor Kriegsende ernsthaft glaubte, dass ein Durchbruch in der Luftfahrtforschung 
das Krieg sgeschick noch einmal wenden könne“ (S.  346 f., Zitat FN 95, S.  347). In Run d-
schreiben 1944 verbreitete Georgii energische Appelle an Institutionen in seinem Einflussb e-
reich, alle Konzentration auf die Kriegsarbeiten zu verwenden: 
„Denn eines muss in der heutigen, so ernsten Lage immer und immer wieder allen ihren Mitarbeitern 
gegenwärtig sein: die Forschungsaufgaben sind nicht gestellt, um sich durch sie  während des Krieges 
zu beschäftigen, sondern um sie in der kürzestmöglichen Zeit zu lösen, also Ergebnisse zu erzielen . 
[…] Daß die Forschung in dieser ernstesten Zeit des Krieges ihre Aufgabe erfüllt, ist wohl unser aller 
Wunsch. Heil Hitler! Ihr [gez.] Georgii“ (Rundbrief vom 18.04.1944, Archiv der MPG-Archiv, III/061, 
Nr. 2173, Hervorhebungen im Original). 
Noch in einem Weihnachtsbrief 1944 mahnte Georgii an, dass die Forschung im Bereich 
„Schnellstflug“ bis zum Hochsommer (!) Ergebnisse zeitigen müsste.  Und Anfang März 1945, 
im Zuge einer Ansprache anlässlich der Verleihung des Ritterkreuzes zum Kriegsve rdienst-
kreuz an Prandtl, äußerte Georgii , der Forscher habe „trotz der Härte der äußeren Umstä n-
de“ die Verpflichtung, „mit rücksichtslosem Einsatz der Person […] seine Waffen des Geistes 
ganz besonders scharf zu halten und der Kriegsrüstung dienlich zu mac hen“ ( Archiv der 
MPG, III/061, Nr. 521). 
Als Wissenschaftler war Walter Georgii außerordentlich gut vernetzt, auch international. Von 
1930 bis zum Kriegsbeginn 1939 fungierte er als Präsident der Internationalen Studienko m-
mission für den Segelflug (ISTUS).  Er leitete unter anderem 1934 eine vom Reichsluftfahr t-
ministerium geförderte Forschungsreise nach Südamerika (Brasilien, Argentinien), um die 
thermischen Möglichkeiten in den Tropen zu erschließen  (die Forschungsreise wurde auch 
von der Notgemeinschaft de r Deutschen Wissenschaft unterstützt, Dokumente hierzu in 
BArch Berlin, R 73/11202) . In einem Brief aus Buenos Aires ließ Georgii den Rektor der TH 
Darmstadt wissen: „Ich freue mich, daß unsere Expedition eine so erfolgreiche Mission für 
das neue Deutschland durchführen darf“ (16.03.1934, UA TU Darmstadt, TH 25/01, Nr. 207 -
2). Zudem nahm er noch Mitte der 1930er Jahre regelmäßig an internationalen Konferenzen 
im Bereich der Segelflugforschung teil, etwa in Frankreich, Ungarn, Polen und Portugal, wie 
Dokumente in seiner Personalakte sowie im Nachlass Ludwig Prandtls belegen. Noch im 
Frühjahr 1942 besichtigte er Segelflugplätze im nicht besetzten Teil Frankreichs (Avignon, 
Marseille, Toulouse, Archiv der MPG, III/061, Nr. 2109). 
Parallel zu seiner Funktion als  „Betriebsleiter“ der DFS entwickelte sich Georgiis wisse n-
schaftliche Karriere im NS -Regime: Nachdem er 1934 an der TH Darmstadt  mit einem pe r-
sönlichen Ordinariat  versehen worden war,  wurde er 1937 zum ordentlichen Professor im 
Bereich der Luftfahrtforschu ngsanstalten des Reiches ernannt. Mit dieser Professur war er 
folglich in den Reichsdienst berufen und dem Reichsluftfahrtministerium zugeordnet. Die 
Bestätigung der Forschungsprofessur durch Adolf Hitler im Dezember 1937 band Georgii 
„fortan in besonderem  Maße an das Regime“ (Mares, S.  251). Er konnte seine Forschung 
noch stärker auf die DFS konzentrieren, wo er von 1937 bis 1945 auch Vorsitzender der Pr ü-
fungskommission der angegliederten Ingenieurschule für Luftfahrttechnik (IfL) war. Der TH

26 
Darmstadt sol lte er dennoch verbunden bleiben, durch die Berufung auf eine Honorarpr o-
fessur 1939; bedingt durch Kriegsbeginn und  darauf folgenden Umzug der DFS trat Georgii 
zu keinen Vorlesungen mehr in Darmstadt an. Er bewahrte sich eine gewisse Unabhängigkeit 
in der Forschung – der Preis dafür war aber eine enge „Anlehnung an bestimmte Instanzen 
des Regimes – ein ‚unpolitisches‘ Agieren war unter diesen Umständen ausgeschlossen“ 
(Mares, S. 251). 
Zugute kamen Georgii bei seinem geschickten Navigieren durch die polyzent rischen Macht-
strukturen des NS-Regimes seine guten Kontakte zu Personen, die er teils schon seit seinem 
Wirken im Ersten Weltkrieg persönlich kannte und die nun Schlüsselpositionen in Militär, 
Verwaltung und (Luftfahrt-)Forschung innehatten (ausführlicher dazu Mares, S. 248 f.). Einer 
dieser langfristigen Kontakte, der Georgii für die Erreichung seiner Ziele zu Rückendeckung 
verhalf, war Erhard Milch, einem der zentralen Akteure der Luftrüstung, seit 1933 für die 
Umstrukturierung der Luftfahrtforschung (auc h für die Einrichtung der „Forschungsführung“ 
1942) verantwortlich. Georgii kannte Milch eigenen Aussagen zufolge bereits seit Mitte der 
1920er Jahre. 
Als interessante – aber auch problematische – Quelle für das Leben und Wirken Walter G e-
orgiis erwies sich  seine Autobiografie aus dem Jahr 1954, veröffentlicht unter dem Titel 
„Fliegen und Forschen“. Aus Georgiis ausführlichen Schilderungen zu seiner Tätigkeit im Er s-
ten Weltkrieg geht hervor, dass er – wie im Übrigen alle führenden deutschen Meteorologen 
im „Dritten Reich“ – erste aufschlussreiche Erfahrungen im Bereich der Meteorologie wä h-
rend seines Kriegseinsatzes sammelte. Die Arbeit in militärischem Auftrag oder zu militär i-
schen Zwecken war den Meteorologen eine Selbstver ständlichkeit, wie Carl Freytag  konsta-
tierte (Freytag, S.  254). Dass auch im „Dritten Reich“ zu militärischen Zwecken geforscht 
wurde, stand daher überhaupt nicht zur Diskussion.  Ganz in diesem Sinne nutzt Georgii in 
seiner Biografie das Narrativ des „unpolitischen Grundlagenforschers“, da s in der Nac h-
kriegszeit bekanntermaßen weit verbreitet und als Legitimationsmuster erfolgreich war. Wie 
Detlev Mares in seinem insgesamt überzeugenden Aufsatz „Der Meteorologe als Romant i-
ker. Forschen und Fliegen mit Walter Georgii“ darlegt, blendet Georgi i seine NSDAP -
Mitgliedschaft sowie seine Forschungsprofessur 1937 aus dem Erwähnenswerten aus, o b-
wohl er sich „für einen angeblich politikfernen ‚Romantiker‘ besonders stark auf die Strukt u-
ren des NS-Regimes“ einließ (Mares, S. 255 f.). Mares urteilt entsprechend abschließend: 
„‚Forschen und Fliegen‛, die scheinbar harmlose Anekdotensammlung aus der Glanzzeit der Sege l-
fliegerei, entpuppt sich als äußerst problematische Lektüre – und dies nicht so sehr wegen der einen 
oder anderen Auslassung, die sich die Erinnerung des Autors gönnte. Problematisch sind vielmehr die 
grundlegenden Darstellungsmuster, die eine Auseinandersetzung mit dem wirklichen Charakter des 
NS-Regimes unterlaufen und die zudem mit ihrer Behauptung, Forschung könne unpolitisch sein, 
bereits ein politisches Legitimationsargument konstruieren, das den Blick auf die Mechanismen m o-
derner Spitzenforschung verstellt“ (Mares, S. 259). 
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs blieb  Georgii zunächst in Ainring; er wurde von amerika-
nischen Experten zu seinen F orschungen befragt und ihm wurde – ähnlich wie anderen Spi t-
zenforschern – eine Karriere in den USA vorgeschlagen. Georgii entschied sich aber dafür,

27 
1946 in französische Dienste zu treten: Bis 1948 arbeitete er als Berater im französischen 
Luftfahrtministerium, Dienststel le „Arsenal de l’Aéronautique“ in Chatillon sous Bagneux . 
Anschließend zog es ihn auf Anfrage nach Argentinien, wo hin er seit früheren  Forschungs-
aufenthalten gute Kontakte pflegte. In Buenos Aires beriet er die argentinische Regierung in 
Fragen der Meteorologie und in Mendoza erhielt er einen Lehrstuhl für Aerophysik (laut Klee 
1950-1955). Nach seiner Rückkehr trat er wieder in leitender Funktion in der wiedergegrü n-
deten DFS in Erscheinung. 
Aufgrund seines mehrjährigen Auslandsaufenthalts ab  1946 entzog sich Georgii den Entnaz i-
fizierungsverfahren in Deutschland, weshalb diesbezüglich keine Dokumente aufzufinden 
waren. Allerdings fand sich im Nachlass von Otto Hahn ein – von Georgii gewünschtes – 
Schreiben (unterzeichnet schließlich von Otto H ahn und Werner Heißenberg), wonach Geo r-
gii dabei geholfen haben soll, der (jüdischen) Frau von Prof. Rausch von Traubenberg ihr 
Überleben zu sichern (sie habe durch Georgiis Einwirken ein Einzelzimmer in Theresienstadt 
erhalten und schließlich überlebt, „B estätigung“ vom 11.12.1947, Archiv der M PG, III/014, 
Nr. 1129). In einem tradierten Schreiben an den Rektor der TH Darmstadt vom 19.10.1945, 
in dem Georgii anfragte, ob er seine Lehrtätigkeit wieder aufnehmen könne, erwähnte er im 
Postskriptum: „Da die politische Stellung wichtig ist, gebe ich noch an, daß ich Parteimi tglied 
vom Sommer 1937 bin, Mit gliedsnr. 5348480. Kein Am t, kein Rang. Auch sonst nichts “. In 
einem Antwortschreiben wurde er darauf hingewiesen, dass er vor Wiederaufnahme seiner 
Tätigkeit ein Entnazifizierungsverfahren zu durchlaufen habe ( UA TU Darmstadt, TH 25/01, 
Nr. 207-2). 
Walter Georgii hat durch seine Aussagen in den Befragungen der Amerikaner sowie durch 
die Schilderungen in seinem Lebensbericht die Geschichtsschreibung über die deuts che Luft-
fahrtforschung im NS -Regime beeinflusst. Welche Auswirkungen sein Verhalten in der NS -
Zeit als Forscher, „Betriebsführer“ und Forschungsmanager hatte, lässt sich nicht abschli e-
ßend beurteilen. Helmut Maier, Experte im Bereich der Rüstungsgeschichte  im Nationalsozi-
alismus, beurteilt die Rolle der NS-Luftfahrtforschung und ihrer Akteure wie folgt: 
„Zukunftsweisende Entwicklungen wie Strahlflugzeuge und Lenkraketen nährten die Illusion, die m a-
terielle Überlegenheit der Alliierten mit überlegener Techni k kompensieren zu können. Indem die 
Luftfahrtforscher fast bis zur letzten Sekunde auf die Kriegswende hofften und ihr Engagement noch 
intensivierten, trugen sie zur Verlängerung des Krieges maßgeblich bei“ (Maier, S. 104 f.). 
Quellen: 
BArch, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
BArch, BDC, R 9361-II/287226 
BArch Berlin, R 73/11202 
Archiv der MPG, III/014 – Nachlass Otto Hahn, Nr. 1129 
Archiv der MPG, III/061 – Nachlass Ludwig Prandtl, Nr. 521, 1356, 2109-2123, 2173 
UA TU Darmstadt, TH 25/01, Nr. 207-2 [Personalakte Georgii]

28 
StadtA DA, ST 61 Georgii, Prof. Dr. Walter 
Literatur: 
Budrass, Lutz: Zwischen Unternehmen und Luftwaffe. Die Luftfahrtforschung im „Dritten Reich“. In: 
Maier, Helmut (Hrsg.): Rüstungsforschung im Nationalsozialismus. Organisation, Mobilisierung u nd 
Entgrenzung der Technikwissenschaften. Göttingen 2002, S. 142-182. 
Engels, Peter: Georgii, Walter. In: Darmstädter Stadtlexikon 2006, S. 302. 
Epple, Moritz: Rechnen, Messen, Führen. Kriegsforschung am Kaiser -Wilhelm-Institut für Strömungs-
forschung 1937-1945. In: Maier, Helmut (Hrsg.): Rüstungsforschung im Nationalsozialismus. Organ i-
sation, Mobilisierung und Entgrenzung der Technikwissenschaften. Göttingen 2002, S. 305-356. 
Frese, Matthias: Vom „NS -Musterbetrieb“ zum „Kriegs -Musterbetrieb“. Zum Verhältnis  von Deu t-
scher Arbeitsfront und Großindustrie 1936 -1944. In: Michalka, Wolfgang (Hrsg.): Der Zweite Wel t-
krieg. Analysen, Grundzüge, Forschungsbilanz. München 1989, S. 382-401. 
Freytag, Carl: „Bürogenerale“ und „Frontsoldaten“ der Wissenschaft. In: Maier, H elmut (Hrsg.): G e-
meinschaftsforschung, Bevollmächtigte und der Wissenstransfer. Die Rolle der Kaiser -Wilhelm-
Gesellschaft im System kriegsrelevanter Forschung des Nationalsozialismus. Geschichte der Kaiser -
Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus, Band 17. Göttingen 2008, S. 251-267. 
Georgii, Walter: Forschen und Fliegen. Ein Lebensbericht. Tübingen 1954. 
Grüttner, Michael: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik. Heide l-
berg 2004. 
Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritt en Reich. Wer war was vor und nach 1945. (4. Aufl.) Ham-
burg 2013 [Georgii, Walter: S. 179]. 
Ludwig, Karl-Heinz: Technik und Ingenieure im Dritten Reich. Düsseldorf 1974. 
Lünen, Alexander von: Die Deutsche Forschungsanstalt für Segelflug. In: Göller, Andrea s/Holtmann, 
Annegret (Hrsg.): Ein Jahrhundert Luftfahrtgeschichte zwischen Tradition, Forschung und Lan d-
schaftspflege. Der August-Euler-Flugplatz in Darmstadt-Griesheim. Darmstadt 2008, S. 209-238. 
Maier, Helmut: Luftfahrtforschung im Nationalsozialismus. In: Trischler, Helmuth/Schrogel, Kai -Uwe 
(Hrsg.): Ein Jahrhundert im Flug. Luft - und Raumfahrtforschung in Deutschland 1907 -2007. Frankfurt 
am Main/New York 2007, S. 104-122. 
Mares, Detlev: Der Meteorologe als Romantiker. Forschen und Fliegen mit Walter Ge orgii. In: Göller, 
Andreas/Holtmann, Annegret (Hrsg.): Ein Jahrhundert Luftfahrtgeschichte zwischen Tradition, Fo r-
schung und Landschaftspflege. Der August -Euler-Flugplatz in Darmstadt-Griesheim. Darmstadt 2008, 
S. 239-266. 
Trischler, Helmuth: Luft - und Raumfahrtforschung in Deutschland 1900 -1970. Politische Geschichte 
einer Wissenschaft. Frankfurt am Main/New York 1992. 
Trischler, Helmuth (Hrsg.): Dokumente zur Luft- und Raumfahrtforschung in Deutschland 1900 -1970. 
Frankfurt am Main/New York 1992.

29 
Grundstraße (F-G 10), benannt 1967 nach 
Peter Grund (1892-1966) 
Architekt und Stadtplaner 
* 15. November 1892 in Pfungstadt 
Studium der Architektur/Bautechnik an der Landesbaugewerkschule in Darmstadt 
1919-1922 Lehrer an der Landesbaugewerkschule in Darmstadt (Baukonstruktion und Baugestaltung) 
1921 Hochzeit mit Margarete Preß in Pfungstadt (drei Kinder) 
1923-1933 Architekturbüro in Dortmund zusammen mit Karl Pinno (Pinno & Grund) 
Ab 1927 Wohnhäuser in „Gartenstadt“ Dortmund 
1927/30 Nikolaikirche in Dortmund (erstes komplett in Stahlbeton und Glas errichtetes Gotteshaus) 
1928/29 Neubau Industrie- und Handelskammer in Dortmund 
1932 Wettbewerb Reichshauptbank Berlin (erste Preiskategorie, nicht umgesetzt) 
1929-ca. 1938 (Förderndes) Mitglied der SS [Eigenangabe Entnazifizierung: 1934-1938] 
1933-1937 Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste 
1933-1938 Professor und Direktor der Kunstakademie Düsseldorf (de facto bis 1937) 
1933-1937 Leiter der Landesstelle Düsseldorf der Reichskammer der bildenden Künste 
1933-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr.: 3093511) [Eigenangabe Entnazifizierung: 1934-1942] 
1934-1944 Ratsherr in Düsseldorf 
Ca. 1935-1938 Referent der NSDAP für Städtebau  bzw. Gauamtsleiter für Städtebau im NSDAP -Gau 
Düsseldorf 
1935-1937 Planung und Entwurf des Schlageterforums (Entwurf aus finanziellen Gründen nicht u m-
gesetzt) 
1935-1937 Künstlerische Oberleitung der Reichsausstellung „Schaffendes Volk“ in Düsseldorf ( inklu-
sive Mustersiedlung „Schlageterstadt“) 
1936 Wettbewerb Rathaus sowie Industrie- und Handelskammer Königsberg (1. Preis) 
1938 Wettbewerb Rathaus und Stadthalle Castrop-Rauxel (1. Preis) 
1938 Versetzung in den Ruhestand (auf „eigenen Wunsch“; im November 1937 gegen Grund eing e-
leitetes Vorermittlungsverfahren wird daraufhin eingestellt) 
1938-1944 weiterhin wohnhaft in Düsseldorf; freischaffender Architekt (wenig Aufträge) 
Ca. 1944-1946/47 Büro in Miltenberg, dann Umzug nach Darmstadt 
1946 erste Arbeiten als Architekt in Darmstadt 
1946-1948 Mitglied des Amts für Kirchbau und kirchliche Kunst Westfalen 
1947 Entwurf Umgestaltung Bahnhofsvorplatz Dortmund (1. Preis, nicht umgesetzt) 
1947-1959 Oberbaudirektor der Stadt Darmstadt , Leiter des Hochbauamts; in dieser Zeit zahlreiche 
Bauwerke in Darmstadt (darunter Schulen, Stadion, Klinikbau, Kläranlage) 
1949/1950 Wiederaufbauplan für Darmstadt

30 
1949 Berufung in den Städtebauausschuss des Deutschen Städtetags 
1950 Eigenes Wohnhaus in der oberen Dieburger Straße in Darmstadt 
1950 Kaufhaus „Kaufhof“ in Frankfurt am Main 
1950 Entwurf Neubau Westfalenhalle in Dortmund (1. Preis, nicht umgesetzt) 
1951 Umstrittener (Meisterbauten -)Entwurf Stadthaus Darmstadt; Überarbeitungen 1953 -1959 
(nicht umgesetzt; heute: Luisencenter) 
1959-1966 Ruhestand; freischaffender Architekt mit Wohnsitz in Darmstadt 
† 26. Januar 1966 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1955 Ehrensenator der TH Darmstadt 
1957 Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt [Grund habe die Stadt „mit kritischer Behar r-
lichkeit, weitschauendem Sachverstand und feinfühligem Kunstsinn aus dem Chaos geführt und ihr 
eine unverwechselbare Gestalt gegeben“] 
1957 Vorschlag für Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der BRD [Ehrung scheitert an Grunds 
Vergangenheit] 
1966 „Peter-Grund-Bau“, Städtische Kliniken Darmstadt 
Wirken in der NS-Zeit 
Peter Grund, aus Pfungstadt stammender Architekt, hat in Darmstadt vor allem in seiner Zeit 
als Oberbaudirektor der Stadt Darmstadt (1947 -1959) Spuren hinterlassen. Er entwarf den 
maßgeblichen Wiederaufbauplan der Stadt und zeichnete zudem für zahlreiche markante 
Bauwerke verantwortlich, darunte r das John -F.-Kennedy-Haus, die Jugendherberge am Gr o-
ßen Woog, das Böllenfalltor -Stadion, der Neubau des Chirurgischen Instituts, die Commer z-
bank-Filiale in der Rheinstraße sowie zahlreiche Schulgebäude ( etwa Wilhelm-Leuschner-
Schule, Friedrich-Ebert-Schule, Peter-Behrens-Schule). 
Nach Ausbildung und Lehrauftrag an der Landes baugewerkschule Darmstadt war Peter 
Grund 1923 nach Dortmund gezogen, um dort gemeinsam mit Karl Pinno das Architektur -
Büro „Pinno & Grund“ zu betreiben. Das Büro beteiligte sich erfolg reich an zahlreichen 
Wettbewerben, baute in Dortmund Wohnhäuser (allein über ein Dutzend in der sogenan n-
ten „Gartenstadt“), Sakralbauten, Industrie- und Verwaltungsgebäude. Hervorzuheben w ä-
ren die Nikolaikirche (prämierter Entwurf 1927, Fertigstellung 1930 ), die als erstes komplett 
in Stahlbeton und Glas errichtetes Gotteshaus gilt, sowie der Neubau der Industrie - und 
Handelskammer (1928/1929). Die letzte Teilnahme von „Pinno & Grund“ an einem großen 
Wettbewerb fiel in das Jahr 1932: Ihr nicht umgesetzter E ntwurf für den Neubau der Reich s-
bank in Berlin landete in der ersten Preiskategorie (und damit vor den Entwürfen etwa  von 
Emil Fahrenkamp und Hans Poelzig).

31 
(Kunst-)Politisch in leitender Funktion: Kunstakademie, Reichskulturkammer, NSDAP 
Die Architektengemeinschaft „Pinno & Grund“ wurde 1933 aufgelöst, als Peter Grund an die 
Staatliche Kunstakademie in Düsseldorf berufen wurde. Im Zuge einer „Säuberungsaktion“ in 
der Düsseldorfer Kulturszene waren rund ein Dutzend Lehrende der Kunstakademie entla s-
sen (daru nter die Professoren Paul Klee und Heinrich Campendonk) und durch parteinahe 
Personen ersetzt worden. Peter Grund erhielt seine Professur am 15.  Oktober 1933 und 
wurde zugleich mit der „vertretungsweisen Wahrnehmung der Direktorengeschäfte“ b e-
traut. Am 15. Juni 1934 erfolgte schließlich die Ernennung zum Direktor der Kunstakademie. 
Als erster Architekt in dieser Funktion überhaupt  löste Grund nun auch offiziell den parte i-
fernen Kunsthistoriker Walter Kaesbach ab, der von 1925 bis 1933 der Kunstakademie vo r-
gestanden hatte und aus politischen Gründen entlassen worden war. Grund war damit bis zu 
seiner Absetzung 1937 „ranghöchster Vertreter der staatlichen Kunstpolitik in der Region“ 
(Van Dyke, S. 152). Unter seiner Leitung wurden an der Kunstakademie ein semes terbezoge-
ner Lehrplan eingeführt (1934) sowie Vorlesungen zu „Deutsche Kunst“ und „Rassenkunde“ 
etabliert. Er selbst leitete anfangs das 3.  Semester: „Monumental - und Sakralbau“ (Heuter, 
S. 112). 
Gleichzeitig gelangte Grund auch in der Reichskulturkammer in führende Position: Bereits im 
November 1933 wurde er zum Leiter der Landesstelle Düsseldorf der Reichskammer der bi l-
denden Künste berufen (zunächst kommissarisch, von 1934 bis 1937 offiziell). 
Peter Grund war Mitglied der NSDAP (Mitglieds -Nr. 3093511; laut Personalakte der RKK seit 
01.04.1933, Eintrittsdatu m in der  NSDAP-Mitgliederkartei: 01.05.1933). Schon zuvor unte r-
stützte er die allgemeine SS: Laut Personalakte der RKK galt er seit 1932, laut einer „Nac h-
weisung der Parteimitgliedschaften der Akademiel ehrer“ (1935) bereits seit 1929 als (fö r-
derndes) Mitglied der SS. Eigenen Angaben folgend war er Mitglied der NSV, des NS -
Altherrenbunds sowie des NS -Dozentenbunds (jeweils ohne präzise Zeitangaben , HHStAW). 
Zudem war er von April 1934 bis Februar 1944 Ratsherr in Düsseldorf (StadtA Düsseldorf). 
Als Experte für Städtebau war Grund bei der NSDAP im Gau Düsseldorf ein gefragter Mann: 
Er selbst bezeichnete sich im Entnazifizierungsverfahren als „Referent der NSDAP für Städt e-
bau“ (siehe unten); tatsächlich wirk te er nachweislich als Gauamtsleiter im Stab des Gaule i-
ters Düsseldorf. Jener Gauleiter, Friedrich Karl Florian, im Amt 1929 -1945, überzeugter Nati-
onalsozialist und Antisemit, hatte großen Einfluss auf Grunds Karriere. Florian war wohl b e-
reits maßgeblich a n der Berufung Grunds als Direktor der Kunstakademie beteiligt, nac h-
weislich stellte er sich vor seinen Schützling, als dieser ab 1936 in die Kritik geriet. Eine U n-
tersuchung der Stadtverwaltung Düsseldorf kam 1950 zu dem Ergebnis, „dass Grund nach 
1933 aus rein politischen Gründen als Professor und Direktor eingestellt worden“ war. S o-
wohl seine Einstellung als Professor als auch jene als Direktor der Staatlichen Kunstakademie 
Düsseldorf seien lediglich „auf die engen Beziehungen zu massgeblichen Vertretern  des nati-
onalsozialistischen Regimes zurückzuführen“ (StadtA DA, ST 22, Nr. 2737). Auch der ehem a-
lige Kurator der Staatlichen Kunstakademie und Regierungspräsident, Carl Christian Schmid, 
vertrat die Auffassung, dass es Gauleiter Florian war, der Grunds Be rufung durchgesetzt ha-
be. Schmid bestätigte, dass Grund als „Gauamtsleiter für Städtebau in den engeren Gaustab“

32 
Florians eingetreten war. Mit der Akademieleitung oder dem Kollegium, so Schmid, habe es 
keinerlei Rücksprache hinsichtlich der Berufung Grunds  gegeben. Schmid beschrieb  Grund 
als Parteigenossen, der „nahe Beziehungen“ zum Gauleiter aufgenommen habe: 
„Grund trat auch in der Akademie von Anfang an ganz betont als Vertrauensmann der Partei auf. So 
erschien er beispielsweise bei seiner Amtseinführun g durch mich in Parteiuniform, was damals bei 
den Lehrkörpern und den Akademikern starkes Aufsehen erregte und brachte auch zum Ausdruck, 
daß er seine Aufgabe im Sinne der Parteianschauungen erfüllen werde. […]  Im Laufe der Zeit trat 
eindeutig zutage, daß Grund, unbeschadet seiner bis zu einem gewissen Grade anerkannten Fähi g-
keiten als Architekt, für das Amt des Akademiedirektors in jeder Beziehung absolut ungeeignet war 
und daß seine Bemühungen mit parteimäßigen Mitteln sich künstlich Autorität zu verschaf fen, 
Schiffbruch erlitten hatten. Zunächst konnte er wegen seines Rückhalts bei der Gauleitung nicht a b-
gelöst werden“ (14.11.1950, Schmid, StadtA DA, ST 22, Nr. 2737). 
Künstlerische Leitung: Schlageterforum, Schl ageterstadt, Reichsausstellung „Schaffendes 
Volk“ 
In seiner Zeit als Direktor der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf wurde Peter Grund 
mit der Planung und Leitung prestigeträchtiger NS -Bauvorhaben im Düsseldorfer Norden 
betraut. Dazu gehörte das sogenannte Schlageterforum sowie die Planungen zur Mustersied-
lung „Schlageterstadt“, die schließlich 1937 Teil der großen Reichsausstellung „Schaffendes 
Volk“ werden sollte, deren künstlerische Oberleitung ebenfalls Grund oblag. 
Im Norden von Düsseldorf existierte bereits seit 1931 ein Schlageter -Denkmal in Form eines 
31 Meter hohen Holzkreuzes mit zwei konzentrischen Halbkreisen darum. Das Denkmal, 
ganz in der Nähe der historischen Exekutionsstätte des zum Märtyrer und „Blutzeugen“ der 
NS-Bewegung stilisierten Albert Leo Schlageter gelegen (und halboffiz ielle Pilgerstätte von 
Nationalsozialisten), sollte 1933 nach dem Willen der politischen Führung Düsseldorfs zu 
„einer monumentalen Weihestätte des deutschen Volkes“  (Schäfers, S.  120) ausgestaltet 
werden. Als treibende Kraft hinter dem Vorhaben galt der D üsseldorfer Gauleiter Florian. 
Wenngleich 1935 ein Wettbewerb ausgerufen worden war, wurde Peter Grund (eigentlich 
Preisrichter) mit der Planung betraut, da kein „ in städtebaulicher Hinsicht als gelöst zu b e-
trachtende[r] Entwurf“ eingegangen sei. Mit dem E inverständnis von Gauleiter und Obe r-
bürgermeister „wurde Pg. Prof. Grund der Auftrag zur städtebaulichen Klärung des Schlag e-
ter-Forums und des Nordgebietes […] erteilt “ (Protokoll einer Sitzung vom 16.11.1935, 
StadtA DA, ST 22, Nr. 2737 ). Winfried Wendland  (u. a. Kunstreferent im Preußischen Kultu r-
ministerium) bezeichnete 1936 den Auftrag als eine „der bedeutendsten künstlerischen Au f-
gaben, die aus der völkischen Neuordnung des deutschen Volkes erwachsen ist“ (Wendland, 
S. 817). Bereits erste monumentale En twürfe hatten „ das Stückchen heiliger Erde und die 
Landschaft, zu der es gehört, eingefangen in einem mächtigen Wall von 350 Meter Durc h-
messer und etwa 7 Meter Höhe“, wie Grund selbst es im „Gaukampfblatt Rheinische Landes-
zeitung“ beschrieb (RLZ vom 08.12.1935). Obwohl die Pläne von Adolf Hitler genehmigt wo r-
den seien (Zeitzeugen berichten von einem Treffen von Grund und anderen Entscheidung s-
trägern mit Hitler 1936), wurde der 1937 von Grund vorgelegte, nach zahlreichen Änderu n-
gen abschließende Entwurf des Schlageterforums nie verwirklicht. Als wichtiges Argument

33 
für das Scheitern des Projekts können die immensen Kosten angesehen werden ( über 8 Mil-
lionen RM waren dafür veranschlagt, Schäfers, S. 125). 
Parallel zu den Arbeiten am Schlageterforum zeichnete Gru nd für die künstlerische Oberle i-
tung der großen Reichsausstellung „Schaffendes Volk“ verantwortlich, „der Leistungsschau 
aller schaffenden Stände Deutschlands“, die 1937 eröffnet wurde und insgesamt zwischen 
Mai und Oktober etwa vier Millionen Besucher zäh lte (Schäfers, S. 308). Eigentlich 1934 mit 
den Schwerpunkten Städtebau und Siedlung (sowie Gartengestaltung, Kunsthandwerk und 
Gewerbe) konzipiert, bildeten wirtschaftliche und industrielle Aspekte 1937 den Fokus; in 
Anlehnung an den 1936 verabschiedeten Vierjahresplan mit einem Schwerpunkt auf synth e-
tischen Rohstoffen. Eine besondere Herausforderung lag nach Grund darin, bei Erstellung 
eines Generalbebauungsplans die räumliche Ordnung des Ausstellungsgeländes (heute Me s-
se/Nordpark/Siedlung Golzheim) in di e städtebauliche Gliederung des Düsseldorfer Nordens 
einzubeziehen „und den organischen Anschluß an das Schlageterforum herzustellen“ (Grund 
III, S.  75). An der programmatischen Einbettung der Reichsausstellung, die seit November 
1935 unter Schirmherrschaf t von Hermann Göring stand, ließ Grund keine Zweifel aufko m-
men: 
„Die größte Aufgabe, welche uns der Nationalsozialismus für die nächsten Jahre gestellt hat, ist 
schlechterdings nichts anderes, als die schöpferische Gestaltung des Lebensraumes unseres deu t-
schen Volkes. Jede große Idee im Leben der Völker sucht sich ihren Ausdruck in der Gestaltung uns e-
res Daseins, und je größer der rassische Wille eines Volkes ist, desto größer ist auch die schöpferische 
Kraft. Wie alles, was der Nationalsozialismus schafft,  dem Leben des deutschen Volkes und seiner 
ewigen Zukunft dient, so soll auch die Reichsausstellung ‚Schaffendes Volk‘ all die großen Aufgaben 
aufzeigen, die das Leben und Gestalten unseres Volkes berühren“ (Grund V, S.  597; ganz ähnlich 
Grund III, S. 75). 
Unter Grunds künstlerischer Oberleitung, die unter dem Motto „Dienst an der Kunst ist 
Dienst an Deutschland, Diens t am Führer“ (Düsseldorfer Tage blatt vom 18.05.1937)  stand, 
wirkten zum Schluss mehrere Hundert Arbeiter und zahlreiche Architekten, die für einzelne 
Abschnitte verantwortlich waren. Grund selbst zeichnete unter anderem für die Mustersie d-
lung „Schlageterstadt“ verantwortlich, die integraler Bestandteil der Ausstellung war. Seinen 
eigenen Worten folgend sollte „ nach dem Muster alter Städte und D örfer eine einheitliche, 
um einen Mittelpunkt organisch aufgebaute Gemeinschaftssiedlung “ (Grund V, S.  597) ent-
stehen. Dutzende Architekten waren mit Entwürfen von Siedlungshäusern daran beteiligt; 
Grund entwarf und baute ebenfalls zwei Häuser – und zwar i n bester Lage: Sein eigenes 
Wohnhaus sowie direkt gegenüber jenes „luxuriöse Domizil“ (Schäfers, S.  268) des Gaule i-
ters Florian, jeweils mit unverstelltem Blick auf den Rhein (von Grund wiederholt als „deu t-
scher Schicksalsstrom“ bezeichnet, etwa Grund IV, S. 341). Übereinstimmende Aussagen 
legen nahe, dass Grund ein persönliches Verhältnis zu Gauleiter Florian unterhielt (oder, wie 
Schmid es oben formulierte, „nahe Beziehungen“, StadtA DA, ST 22, Nr. 2737 , sowie 
HHStAW).

34 
Ende der politischen Karriere 
Von 1936 an geriet Grund als oberster Repräsentant der Kunstpolitik im Rheinland zune h-
mend unter Druck. Dafür lassen sich nach Sichtung der eingesehenen Quellen unterschiedl i-
che Gründe (bzw. Begründungen) nachweisen. 
Grund hatte sich in Düsseldorf durch sein Auf treten nicht nur Freunde gemacht. Im Kreise 
der Professoren an der Staatlichen Kunstakademie hatte er von Beginn an einen schweren 
Stand. Christoph Heuter sieht in Grund gar einen Akademieleiter, „ der als parteipolitisch 
extrem engagiert und seit seiner Be rufung 1933 innerhalb der Professorenschaft als isoliert 
galt“ (Heuter, S. 427). Einige Professorenkollegen zweifelten Grunds Eignung als Direktor der 
Kunstakademie mehr oder weniger offen an, darunter mit dem Maler Werner Peiner ein 
Protegé Hermann Görings. Auch von Teilen der Schülerschaft (auch vom Führer des NSDStB) 
wurde Grunds Eignung in Frage gestellt. Als Anlass für ein Untersuchungsverfahren wurde 
zudem Grunds Privatleben hinzugezogen: Seine Frau hatte sich von ihm scheiden lassen; ihm 
wurde eine „Beziehung“ zu einer Professorenwitwe nachgesagt, was – so der Vorwurf – den 
Ruf der gesamten Akademie in Frage stellte. Von Architekten -Kollegen wiederum wurde 
Grund Vorteilnahme im Amt vorgeworfen: Unter anderem habe er nicht nur einen Angestell-
ten zu ein em von ihm betreuten Wettbewerb zugelassen, sondern ihn auch noch mit dem 
ersten Preis ausgestattet; für die Oberleitung der Reichsausstellung „Schaffendes Volk“ habe 
er – ohne eine entsprechende Gegenleistung – der Stadt große Summen in Rechnung g e-
stellt und zugesagte Absprachen mit Architekten nicht eingehalten; er sei dafür verantwor t-
lich zu machen, dass die Skulpturen im von ihm verantworteten Haupteingangsbereich der 
Ausstellung nicht rechtzeitig fertiggestellt wurden. 
Als besonders einflussreich erwies sich mit Emil Fahrenkamp derjenige unter den Akademi e-
professoren, der Grunds Nachfolge als Akademiedirektor antreten sollte – was, wie Fahre n-
kamps Biograf Christoph Heuter überzeugend darlegt, kein Zufall war, auch wenn Fahre n-
kamp selbst es anders darste llte (hierzu und zum Folgenden Heuter, S.  89-94). Fahrenkamp, 
„Architekt von Görings Gnaden“ (Heuter, S.  90), zog im Hintergrund die Fäden hinsichtlich 
der Demontage Grunds. Außerdem geriet Grund als Schützling von Gauleiter Florian in i n-
nerparteiliche Machtkämpfe, die sich eigentlich gegen den Einfluss von Florian und möglic h-
erweise weniger gegen seine Person richteten. Insbesondere die Rivalität zwischen dem 
Oberpräsidenten der Rheinprovinz und Gauleiter von Essen, Josef Terboven, und Gauleiter 
Florian sp ielte dabei eine Rolle. Auch Regierungspräsident Carl Christian Schmid war de m-
nach Teil der „Anti-Florian-Koalition“. 
Ein offizieller Anlass für Grunds Absetzung als Leiter der Landesstelle Düsseldorf der Reich s-
kammer der bildenden Künste  bestand in seinem  Bestreben, nach der Auflösung des BDA 
eine eher elitäre, auf das „Leistungsprinzip“ ausgerichtete Vereinigung von Architekten (n e-
ben der Reichskammer für bildende Künste) ins Leben zu rufen. Das wurde vom Präsidenten 
der Reichskulturkammer der bildenden K ünste, Eugen Hönig,  als Affront gewertet und auf 
das Schärfste verurteilt ; Grund sollte umgehend seiner Ämter enthoben werden. Offiziell 
bestritt Grund den Vorwurf und bezeichnete einen entsprechenden Aufruf als Fälschung. Er 
hegte allerdings tatsächlich e ntsprechende Pläne: Aus einem Schreiben von Anfang Juni

35 
1936 ging hervor, dass er 30-40 Kollegen vom 20.-25.06.1936 nach Frankfurt einladen wollte, 
Hotel Frankfurter Hof, zur Gründung einer „Gesellschaft zur Förderung de r deutschen Ba u-
kultur“. Allerdings h atte er diesbezüglich beim Geschäftsführer der Reichskammer der bi l-
denden Künste, Walter Hofmann, vorgefühlt und als Antwort erhalten, dass 
„von Seiten der Kammer nichts einzuwenden [ist]. Der alte Berufsverband BDA dürfe natürlich nicht 
mehr aufgezogen we rden. Aber wir wollen ja auch keine berufsständigen, sondern geistig -
künstlerische Ziele verfolgen, ähnlich wie es die anderen Künstlervereine der Maler, Bildhauer auch 
tun“ (Grund an  Carl Christoph Lörscher [im KDAI Verantwortlicher für den Bereich „Siedl ung“] vom 
08.06.1936, StadtA DA, ST 22, Nr. 2737). 
(Unklar war nach Grund lediglich , ob auch „die Alten“, wie Bonatz, Schmidthenner, Schulze -
Naumburg, Tessenow, eingeladen werden sollten.) 
Rückendeckung erhielt Grund seitens der NSDAP in Person von Gauleit er Florian, der die 
vorgebrachten Argumente gegen Grund nicht teilte, zu entkräften versuchte und schließlich 
eine Absetzung Grunds verweigerte: 
„Ich kann mich daher mit der Abberufung von Professor Grund, der um die städtebauliche Entwic k-
lung der Stadt Dü sseldorf grosse Verdienste hat, und der sowohl seine Akademie als auch sein 
Gauamt zu meiner vollsten Zufriedenheit führ t, nicht einverstanden erklären“ (04.04.1936, Gauleiter 
Florian an den Präsidenten der Reichskammer der bildende n Künste, [Eugen] Hönig,  StadtA DA, 
ST 22, Nr. 2737). 
Dennoch musste Grund dem Druck schließlich nachgeben. Bereits im Juli 1937 war Fahre n-
kamp als kommissarischer Leiter der Staatlichen Kunstakademie eingesetzt worden; ihm 
wurde auch die künstlerische Oberleitung über die Reichs ausstellung „Schaffendes Volk“ 
übertragen. Gegen Grund wurde (aus den oben genannten Gründen) ein „Dienststrafverfa h-
ren“ in Gang gesetzt, das zunächst in einem „Vorermittlungsverfahren“ bestand. Grund 
reichte daraufhin ein Ruhestandsgesuch ein – im Alter v on 45 Jahren; die Ermittlungen g e-
gen ihn wurden eingestellt. Regierungspräsident Schmid ließ ihn wissen, dass die „ Einstel-
lung nur im Anschluß an die von Ihnen beantragte Versetzu ng in den Ruhestand erfolgt ist“ 
(Schreiben vom 07.07.1938, StadtA DA, ST  22, Nr. 2737). Zum 1.  September 1938 wurde 
Grund in den Ruhestand versetzt und mit einem „Ruhegehalt“ ausgestattet, das ihm una b-
hängig von weiteren Einkünften zustand. Fahrenkamp wurde am 16.  Dezember 1938 zum 
Akademiedirektor ernannt und auch Referent für St ädtebauwesen im Stab von Gauleiter 
Florian. Grund kämpfte um seinen Leumund und empfahl sich (ohne großen Erfolg) für we i-
tere Aufgaben, etwa bei Albert Speer ( Brief vom 14.03.1940 , BArch Berlin, BDC, R 9361 -
V/100417). Bis 1944 behielt er das Amt des Ratsherrn in Düsseldorf. 
Entnazifizierung und Ehrungen 
Liest man nur die Entnazifizierungsakte von Peter Grund, ergibt sich ein etwas anderes Bild 
des Architekten in der NS -Zeit. Die Strategie Grunds und seines Verteidigers, Rechtsanwalt 
Ludwig Engel, war eindeu tig: Grund sollte als eigentlich politisch desinteressierter Künstler 
dargestellt werden, der nie ein Parteiamt innehatte, sondern vielmehr aufgrund seines W i-

36 
derstands gegen den Nationalsozialismus von Hermann Göring persönlich aus der Akademie 
gejagt wurde. 
Ludwig Engel versuchte in seiner fünfseitigen Verteidigungsschrift Peter Grunds antinati o-
nalsozialistische Einstellung zu belegen; in 21 (!) Anhängen kamen zahlreiche Entlastung s-
zeugen zu Wort, darunter besonders umfangreich Pfarrer Paul Girkon, der mit  seiner wohl-
wollenden Biografie zu Grund über Jahrzehnte dessen öffentliche Wahrnehmung beeinflus s-
te. Die Gründung der geplanten Architekten -Vereinigung – zu der sich Grund nun vorbehal t-
los bekannte (!) – wurde als Ursache für seine Entlassung präsentiert und mit entspreche n-
den Dokumenten untermauert. Zusätzlich wurden weitere Beispiele für Grunds subversiven 
Widerstand gegen das NS-Regime ins Feld geführt. 
Es lagen aber auch schon früh im Verlauf des Verfahrens Grund belastende Aussagen vor: 
Angefragte Arc hitekten äußerten sich sehr kritisch, erinnerten sich an Grunds Nähe zu 
NSDAP-Größen und seine Tätigkeit als Gauamtsleiter in Düsseldorf. Ein Architekt sagte aus, 
dass Grund „für die NSDAP in Erfassung seiner eigenen Vorteile 100%ig zuverlässig war, zum 
Nachteil jedes anderen Collegen, der nicht Mitglied der Partei war“  (30.12.1946, Adolf Max-
einer). Seitens des Künstlervereins „Malkasten“ aus Düsseldorf konnte man sich die Ber u-
fung Grunds zum Akademiedirektor einzig durch dessen Nähe zur NSDAP erklären  
(12.02.1947) und die Rheinische Sezession Düsseldorf erklärte auf Anfrage: 
„Professor Grund wurde unseres Wissens lediglich aufgrund guter Beziehungen zu einem der höh e-
ren Parteiführer zum Direktor der hiesigen Staatlichen Kunstakademie ernannt. Sein Können un d 
seine Tätigkeit fanden nicht einmal bei seinen Schülern das geringste Verständnis. […] Er war unseres 
Wissens auch Gauamtsleiter der NSDAP. Er soll sogar etwa Mitte vorigen Jahres um eine Erhöhung 
seiner Pension vorstellig geworden sein [was sich durch Quellen belegen lässt, HK]“ (31.01.1947). 
Aufgrund von Grunds Angaben in seinem Meldebogen hielt der Öffentliche Kläger zunächst 
eine Anklage in Kategorie II (Aktivisten) für gerechtfertigt ( 14.11.1946), wobei ausdrücklich 
darauf verwiesen wurde, dass die b egründete Vermutung bestünde, „ daß der Architekt 
Grund zu führenden Nationalsozialisten des 3. Reichs engere Beziehungen gehabt hat, di e er 
bisher nicht angegeben hat “. Grund hatte im Übrigen seine fördernde SS -Mitgliedschaft mit 
„1934-1938“ angegeben, sei ne NSDAP -Mitgliedschaft mit „1934 -1942“. Tatsächlich wurde 
Grund (aufgrund der Ergebnisse der geführten Ermittlungen und Erhebungen) in der Klage-
schrift der Spruchkammer Darmstadt -Stadt vom 27.03.1947 in Kategorie III (Minderbelast e-
te) angeklagt. 
Die Spruchkammer schloss sich der Anklage hingegen nicht an – und schenkte ausschließlich 
den Entlastungszeugen Glauben: Per Spruchkammer-Entscheid vom 3 0.04.1947 (rechtskräf-
tig am 05.06.1947 ) wurde Peter Grund in Kategorie V (Entlastete) eingereiht. Seinem Eng a-
gement als Oberbaudirektor in Darmstadt stand somit nichts mehr im Wege. In der fünfseit i-
gen Begründung wurden die Argumente der Verteidigung (teils im Wortlaut) übernommen. 
Das Gericht kam folglich zu dem Schluss: 
„Die gesetzliche Vermutung, dass der Betroff ene durch seine Mitgliedschaft in der NSDAP und durch 
sein Amt als Landesleiter der Reichskammer der bildenden Künste den Nationalsozialismus wesen t-
lich gefördert hat, ist zweifellos einwandfrei widerlegt. Der Betroffene ist also nur als nominelles

37 
Mitglied anzusehen. Darüber hinaus hat er wie in Abschnitt B geschildert ist, erheblichen aktiven 
Widerstand geleistet und ist deshalb aus seiner Stellung entlassen worden.“ 
Grund habe rassisch Verfolgte unterstützt,  sich mit Gleichgesinnten getroffen, um die „Mö g-
lichkeit der Vernichtung Hitlers zu beraten“,  Propaganda gegen das NS -System verbreitet 
und sich für die Aufnahme von „Nichtariern“ in die RKK eingesetzt . Verifizieren ließen (und 
lassen) sich diese Angaben nicht. 
Vertreter der amerikanischen Militärregie rung in Darmstadt reagierten bestürzt und legten 
umgehend Widerspruch gegen das Urteil ein: 
„Forwarded for disapproval of reinstatement . He is a high ranking State Architect. High Offices in 
NSDAP and Reichskammer der bildenden Künste and derogatory information make him more than a 
follower. Exoneration appears to be impossible. 9.7.47, Richard W. Smith, Capt. CAC“ (StadtA DA, 
ST 22, Nr. 2737). 
Aufgrund des schwebenden Berufungsverfahrens sei Grund sofort allen leitenden Ämtern zu 
entheben (zu den Besprechu ngen zwischen Militäradministration und Stadtverwaltung au s-
führlich die Protokolle in StadtA DA, ST 61, Grund, Prof. Peter und Georg) . Im Mai 1948 sah 
die Militärregierung eine Wiederaufnahme des Verfahrens als unumgänglich an. Neue E r-
kenntnisse lägen vor,  welche belegten, dass Grund in seinem Meldebogen gelogen habe. 
Vertreter der Stadt Düsseldorf hatten Grund auf Anfrage als „exponierte[n]  Vertreter der 
Naziideologie“ (Georg Glock, Bürgermeister Düsseldorf, 27.03.1948 ) bezeichnet, seine Nähe 
zu Gauleiter Florian sowie – was besonders schwer ins Gewicht fiel – seine Position als 
„Gauamtsleiter“ bestätigt. Sollte sich Grunds Tätigkeit als „Gauamtsleiter“ bewahrheiten, 
drohe ihm eine Anklage in Kategorie I (!), machte die Militärregierung deutlich. Als Bela s-
tungszeuge trat besonders Regierungsbaumeister (und Stadtrat) Robert Meyer in Ersche i-
nung. Vor der Berufungskammer nahm Grund zu dessen Anschuldigungen schriftlich Ste l-
lung: 
„Meine Berufung nach Düsseldorf erfolgte ohne Unterstützung der Parteistellen. […] Um eine besse-
re Zusammenarbeit [mit] der Gauleitung herzustellen, wurde ich von den Prof. wiederholt aufgefo r-
dert, mit der Partei enger zusammen zu arbeiten. Ich wurde dann Referent für Städtebauer.“ 
Auf Veranlassung der Gauleitung habe er eine Gauamtsl eiter-Uniform getragen – obwohl es 
dieses Amt gar nicht gegeben habe; er sei  Referent, aber nicht Amtsleiter für Städtebau g e-
wesen. [Zwischenzeitlich war offensichtlich eine Fotografie aufgetaucht, die Grund in Parte i-
uniform zeigte, weshalb deren Tragen nicht  mehr zu leugnen war, siehe „ Männer vom Bau. 
Professor Peter Grund. “ In: Deutsche Bauzeitung 70 (1936), S. 59; ein Brief vom 10.04.1937 
unterschrieb Grund noch mit „Gauamtsleiter“, StadtA Remscheid, A II C/62.] Nach seiner 
Entlassung habe er  zudem „jede Verbindung mit der Partei aufgelöst “ (Meyer wollte Grund 
noch nach seiner Entlassung als Gauamtsleiter gesehen haben, konnte dafür aber keine B e-
weise erbringen – was das Gericht dazu brachte, seine Glaubwürdigkeit infrage zu stellen). 
Die Spruchkammer Darmstadt hielt die Belastungszeugen weiterhin für Neider bzw. für u n-
glaubwürdig – und lehnte ein Wiederaufnahmeverfahren aufgrund Mangels an (neuen) B e-
weisen ab. Entsprechend äußerte sich auch Artur E. Bratu, der die  Ermittlungen im Ber u-

38 
fungsverfahren leitete: „Zusammenfassend ist zu sagen, dass das Verfahren erwiesen hat, 
dass der Betroffene niemals mehr als nominell am Nationalsozialismus teilgenommen hat “ 
(28.01.1949). Das Hessische Staatsministerium sah das anders („Die Ausführungen bezüglich 
des Nichtbestehens oder Bestehens eines Gauamtes für Städtebau sind abwegig und werden 
durch das Organisationsbuch der NSDAP S. 139/140 widerlegt “) und beantragte die Wieder-
aufnahme des Verfahrens ( 24.02.1949). In ihrem endgültigen Beschluss vom 24.06.1949 
(rechtskräftig 13.08.1949) ließ die Spruchkammer Darmstadt  wissen: „Der Antrag des ö f-
fentl. Klägers vom 19. Mai 1949/Me/Ka, auf Wiederaufnahme des Verfahrens gegen den 
Betroffenen wird abgelehnt.“ Begründung: Es seien keine neuen wesentlichen Tatsachen 
und Beweismittel vorgelegt worden, insbesondere „keine sicheren Beweise für eine Tätigkeit 
als Gauamtsleiter oder die Bekleidung eines derartigen Ranges in der NSDAP“. 
Als letzter Vermerk ist in der Entnazifizierungsakte von Peter Grund zu lesen: 
„Kostenrechnung ist nicht zu erstellen, weil Genannter unter die Gruppe der Entlasteten fällt und die 
Kosten von der Staatskasse getragen werden. Nichts mehr zu veranlassen. Zur Ablage an Archiv“ 
(20.06.1950). 
Peter Grund wurde 1955 von der TH Darmstadt zum Ehrensenator ernannt, al s sein Fürspre-
cher erwies sich einmal mehr Paul Girkon. Anlässlich seines 65. Geburtstags 1957 beschloss 
die Stadt Darmstadt, Peter Grund die Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt zu ve r-
leihen. Zugleich wurde vom Magistrat beschlossen, den Vorschl ag von OB Ludwig Engel au f-
zugreifen und Peter Grund für das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der BRD vo r-
zuschlagen. Der Regierungspräsident in Darmstadt ließ OB Engel wissen, dass mit einer en t-
sprechenden Ehrung nicht zu rechnen sei. In der interne n Kommunikation wurden Dok u-
mente aus Düsseldorf genannt, nach deren Sichtung man möglicherweise von einer erne u-
ten Antragstellung absehen sollte. Engel berief sich darauf, dass Peter Grund für seine Ve r-
dienste um den Wiederaufbau der Stadt Darmstadt nach 1 945 geehrt werden sollte. Dem 
zweiten Beschluss des Magistrats vom 7. August 1959 wurde dennoch folgende Passage be i-
gefügt: 
„Im übrigen [sic!] müsse die weitere Behandlung der Angelegenheit der für die Weiterleitung zustä n-
digen Behörde – unter Würdigung de r nunmehr aus früherer Zeit bekannt gewordenen Tatsachen – 
überlassen bleiben.“ 
Zu einer Verleihung des Bundesverdienstkreuzes kam es nicht. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/100417 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/729 
HHStAW, Grund, Peter, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 516026 
HStAD, H 3 Nr. 3568 [Kennkartenmeldebogen mit Bild]

39 
HStAD, R 12 P Nr. 1792 
[Bebauungspläne aus Zeit nach 1945 in HStAD] 
StadtA DA, ST 22, Nr. 2737 Personalakten, Prof. Grund, Peter; Beiakten I und II 
StadtA DA, ST 22, Nr. 2738 Personalakten, Prof. Grund, Peter; Nebenakten 
StadtA DA, ST 45 Grund 
StadtA DA, ST 61, Grund, Prof. Peter und Georg 
StadtA Düsseldorf, 0-1-4-52433 [Namensverzeichnis der Ratsherren] 
StadtA Düsseldorf, 4-59-0-9.0000 
StadtA Düsseldorf, 4-59-0-29.0000 
StadtA Düsseldorf, 4-59-0-30.0000 
StadtA Düsseldorf, 4-59-0-42.0000 
StadtA Düsseldorf, 4-59-0-46.0000 
StadtA Düsseldorf, 5-8-0-180210.0151 und 5-8-0-180210.015 [zwei Porträts von Peter Grund] 
StadtA Remscheid, A II C/62 (alt: Abt. A 559) 
Privatarchiv Peter Friedel 
Baugilde 
Rubrik ‚Wirtschaftsnachrichten – Kleine Mitteilungen‘. In: Baugilde 19 (1937), S. 795. 
Professor Fahrenkamp zum Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie ernannt. In: Baugilde 21 (1939), S. 93. 
Deutsche Bauzeitung 
Männer vom Bau. Professor Peter Grund. In: Deutsche Bauzeitung 70 (1936), S. 59. 
Dr. W.: Das Werk von Professor Peter Grund, Düsseldorf. Zu seinem 50. Geburtstag am 15. November 1942. In: 
Deutsche Bauzeitung 76 (1942), S. 535. 
Literatur: 
Bender, Michael/May, Roland (Hrsg.): Architektur der fünfziger Jahre. Die Darmstädter Meisterba u-
ten. Darmstadt 1998. 
Dotzert, Roland:  Die Darmstä dter Kommunalpolitik seit 1945.  Namen, Daten, Fakten. Darmstadt 
2007. 
Girkon, Paul: Der Architekt Peter Grund. Darmstadt 1952. 
Grund, Peter I: Von der Reichsausstellung „Schaffendes Volk“ in Düsseldorf. In: Deutsche Bauhütte 41 
(1937), S. 220 f. 
Grund, Peter II: Gemeinschaftssiedlung auf der Ausstellung „Schaffendes Volk“ in Düsseldorf. In: 
Deutsche Bauhütte 41 (1937), S. 234-237. 
Grund, Peter III: Schaffendes Volk. Große Reichsausstellung – 1937 – Düsseldorf Schlageterstadt. In: 
Deutsche Bauzeitung 71 (1937), Anhang Kunstdrucke [!],S. 74-93. 
Grund, Peter IV: Düsseldorf-Schlageterstadt. In: Moderne Bauformen 36 (1937), S. 341 f. 
Grund, Peter V: Die Gestaltung der Schlageterstadt. In: Baugilde 19 (1937), S. 597 f.

40 
Langner, Wolfgang: Grund, Peter. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 331. 
Hake, Helga: Professor Peter Grund. Baukunst und Stadtplanung (Begleitheft zur Sonderausstellung  
im Städt. Museum Pfungstadt 2006). Pfungstadt 2006. 
Heuter, Christoph: Emil Fahrenkamp 1885 -1966. Architekt im rheinisch -westfälischen Industrieg e-
biet. Petersberg 2002. 
Schäfers, Stefanie: Vom Werkbund zum Vierjahresplan. Die Ausstellung Schaffendes Volk.  Düsseldorf 
1937. Düsseldorf 2001. 
Spielmann-Deisenroth, Dagmar: Peter Grund. Ein deutscher Architekt. Dortmund 2006. 
Van Dyke, James A.: Franz Radziwill. „Die Gemeinschaft“ und die „Revolution“ in der Kunst. In: Geo r-
ges-Bloch-Jahrbuch des Kunstgeschichtlichen Seminars der Universität Zürich 4 (1997), S. 135-163. 
Wendland, Winfried: Städtebauliche Arbeiten von Peter Grund. In: Deutsche Bauzeitung 70 (1936), 
S. 817-820.

41 
Kleukensweg (Q 8), benannt 1963 nach 
Christian Heinrich Kleukens (1880-1954) 
Buchkünstler und Schriftsteller 
*7. März 1880 in Achim bei Bremen 
Schulbesuch in Bremen 
Um 1900 Mitglied des sozialdemokratischen Wahlvereins 
Ca. 1900-1905 Ausbildung zum Setzer und Drucker in der „Steglitzer Werkstatt“ (Berlin) bei seinem 
Bruder Friedrich Wilhelm Kleukens 
1902 Militärdienst 
1903 Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit (Fabeln) 
Um 1904 Studium an der Königlichen Akademie für graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig; 
wohnhaft in Groß-Deuben bei Leipzig (dort auch SPD-Mitglied) 
1907-1914 Setzer/Drucker und künstlerischer Berater an der (von seinem Bruder Friedrich Wilhelm 
geleiteten) „Ernst-Ludwig-Presse“ in Darmstadt 
1911 Errichtung seines Wohnhauses in Trautheim (Mühltal) 
1912 Heirat mit Luise Krüger, eine Tochter 
1913 Ernennung zum Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie 
1914-1917 Leiter der „Ernst-Ludwig-Presse“ in Darmstadt (während des Kriegs eingestellt) 
1914-1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg (August 1914 – Ende 1918), Frontkämpfer (Westfront, 
50. Infanterie-Division) 
1919 Gründung der „Kleukens-Presse“ in Nieder -Ramstadt (gemeinsam mit Rudolf G. Binding und 
weiteren Freunden) 
1923-1944 erneut Leiter der „Ernst-Ludwig-Presse“ in Darmstadt/Mainz 
1927-1945 Leiter der 1927 gegründeten „Mainzer Presse“ des Gutenberg-Museums in Mainz 
1929-1948 Professur an der Mainzer Staatsschule für Kunst und Handwerk 
1930 Veröffentlichung „Die Großtat der Letter“ 
1932 Radiobeitrag „Die Weltgeltung Deutschlands durch Gutenberg“ 
1932 Veröffentlichung „Der bankrotte Jona“ (Drama) 
1932 Beginn der Herausgabe der „Welt-Goethe-Ausgabe“ (bis 1940 erschienen acht der auf 50 Bände 
konzipierten Ausgabe); gesetzt in von Kleukens entwickelter Handsatzschrift 
1932/33 Mitglied der DNVP 
1933 Mitglied des Stahlhelms 
1933 Veröffentlichung „Deutschlands Weltgeltung und Gutenbergs Großtat“ 
1934 Mitglied der SA (als Stahlhelm-Mitglied SA-Reserve ab 15.6.1934) 
1934 Leiter der Fachgruppe Schrift und Buchkunst der Ortgruppe Mainz des „Kampfbundes für deu t-
sche Kultur“

42 
1934 Veröffentlichung „Die deutsche Kunst der Letter“, verlegt von  der „NS -Kulturgemeinde, Ort s-
verband Mainz“ 
1935-1945 Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste (RKdbK) 
1936 Vortrag „Die Weltgeltung Deutschlands durch Gutenberg“ 
Ca. 1937 -1939 Beiträge in der Zeitung „Der SA -Mann. Kampfblatt der Obersten SA -Führung der 
NSDAP“(ca. 30) sowie in der Zeitschrift „Westmark. Monatsschrift für deutsche Kultur“ (ca. 20) 
1937 Veröffentlichung „30 Jahre Ernst Ludwig Presse“ 
1937-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 5860129, Eintritt: 01.05.1937) 
1937-1945 Mitglied der NSV 
1938-1945 verschiedene Auflagen von „Ein Trostbüchlein für Vormänner“ 
1940 Veröffentlichung „Die Kunst der Letter“ 
1942 Ernennung zum SA-Sturmführer 
1943 Ernennung zum SA-Obersturmführer 
1943 Veröffentlichung „Die Kunst Gutenbergs“ 
1951 Übernahme der Leitung der „Mainzer Drucke“ (es erschienen bis 1954 acht Titel) 
† 7. April 1954 in Trautheim (Mühltal) 
Ehrungen: 
1914 Medaille für Kunst und Wissenschaft (von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein) 
1926 Georg-Büchner-Preis (als Buchkünstler) 
1932 Silberne Medaille für Kunst und Wissenschaft (durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und 
bei Rhein) 
1937 Ehrungen auf der Weltausstellung in Paris (Ernst-Ludwig-Presse, Mainzer-Presse) 
1940 Gutenberg-Preis (Kulturpreis) der Stadt Mainz 
Wirken in der NS-Zeit 
Christian Heinrich Kleukens, produktiver Vertreter der Buchkunstbewegung, hinterließ in 
Darmstadt durch sein Wirken an der Ernst -Ludwig-Presse sowie als (spätes) Mitglied der 
Künstlerkolonie im Bereich der Buchkunst Spuren [er ist jedoch nicht zu verwechse ln mit 
seinem älteren Bruder Friedrich Wilhelm Kleukens, der die Ernst -Ludwig-Presse von deren 
Gründung 1907 bis Herbst 1914 leitete und bis heute sichtbare Einflüsse sowohl auf die Au s-
gestaltung der Mathildenhöhe als auch auf die Darmstädter Kunstausstell ungen der Zeit hat-
te]. Insbesondere in den 1920er/1930er Jahren entwarf Kleukens eine Reihe von Handsat z-
schriften, die er eigenen Arbeiten vorbehielt. Er schuf zwischen 1933 und 1944 zahlreiche 
Werke im Bereich der Schriftkunst, die in Zusammenhang mit dem NS-Regime standen. 
Kleukens lebte seit 1911 in seinem Wohnhaus in Trautheim (Mühltal). Der Schwerpunkt se i-
ner Arbeit lag hingegen seit 1927 in Mainz: Dort leitete er die neu gegründete „Mainzer -
Presse“ im Gutenberg-Museum (1927-1945) und wirkte als Profes sor an der Mainzer Staat s-
schule für Kunst und Handwerk  (1929-1948). Aus diesem Grund hatte er während der NS -

43 
Zeit ein möbliertes Zimmer in Mainz gemietet, wo er die meisten Wochentage verbrachte. 
Spätestens 1935 zog auch die Ernst -Ludwig-Presse (deren Leit er Kleukens seit 1923 wieder 
war) nach Mainz (Kleukens-Archiv, ELP 141i). 
Bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hatte sich Kleukens schriftstellerisch bet ä-
tigt; er verfasste Fabeln und Dramen (zuletzt 1932 „Der bankrotte Jona“). Seine eigentliche 
Profession lag aber im Bereich der typografischen Buchkunst: Für sein „bahnbrechendes s o-
wie weithin wertstiftendes Schaffen im Dienste des Schönen Buches“ bekam Kleukens 1926 
den Georg-Büchner-Preis verliehen. Als größte Herausforderung verstand Kleukens d ie Her-
ausgabe der „Welt-Goethe-Ausgabe“, mit der er 1932 begann. B is 1940 sollten acht der au f 
50 Bände konzipierten Ausgabe erscheinen,  gesetzt – wie alle Produktionen der Mainzer 
Presse – in einer von Kleukens selbst entwickelten Handsatzschrift. 
Kleukens war 1932/33 Mitglied der DNVP und ab 1933 Mitglied des „Stahlhelms“. Im Juni 
1934 wurde er (als Mitglied des „Stahlhelms“) Mitglied der SA( -Reserve). In der SA wurde er 
– eigenen Angaben zufolge – 1942 befördert zum SA -Sturmführer und 1943 zum SA -
Obersturmführer. 1934 war Kleukens „ Leiter der Fachgruppe Schrift und Buchkunst “ des 
„Kampfbundes für deutsche Kultur“, Ortgruppe Mainz (die sich noch im gleichen Jahr – unter 
Zusammenschluss mit der Deutschen Bühne – in „NS-Kulturgemeinde, Ortsverband Mainz“ 
umbenannte). 1937 trat Kleukens in die NSDAP ein ( Mitglieds-Nr. 5860129, Eintritt: 
01.05.1937, BArch, BDC, NSDAP -Mitgliederkartei) und ebenfalls 1937 in die NSV. Von 1935 
bis 1945 war er Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. 
In seiner Tätigkeit als typografischer Buchkünstler, als Setzer und Drucker, produzierte Kle u-
kens zahlreiche Schriftstücke (häufig Auftragsarbeiten), die in unterschiedlicher Weise in 
Bezug zum NS-Regime standen. Als Basis für die folgende Auflistung dienen vor allem Kle u-
kens Angaben bei der RKK (BArch, Berlin, BDC, R 9361 -V/24708) sowie Dokumente aus dem 
„Kleukens-Archiv“, das sich bis vor Kurzem in Privatbesitz befand (sich nun im Besitz der 
Stadt Darmstadt befindet), aber in umfangreichen Auszügen (von Original -Dokumenten) on-
line einzusehen ist [als problematisch erweist sich hierbei, dass es sich um eine nicht näher 
erläuterte Auswahl an veröffentlichten Dokumenten handelt, z usammengestellt von Harald 
Ernstberger]. Kleukens hat wiederholt und über die ge samte NS-Zeit Reden von NS-Größen 
in Form g ebracht und publiziert. Ein Foto dokumentiert etwa, wie er persönlich den Druck 
der „Rede des Reichskanzlers Adolf Hitler vor dem Deutschen Reichstage am 17. Mai 1933“ 
begutachtete, Kleukens-Archiv, MP B35b (siehe auch „Adolf Hitler. Rede vor dem deutschen 
Reichstag am 19. Juli 1940“, Kleukens -Archiv, MP C40, sowie im Dezember 1941 für den NS -
Lehrerbund „Adolf Rosenberg: Nordische Schicksalsgemeinschaft“, Kleukens -Archiv, MP 
C51). Er setzte und druckte Programme und Ehrungen des NS -Kulturvereins bzw. des 
„Kampfbundes für deutsche Kultur“, Ortsgruppe Mainz, in dem er wie erwähnt das Amt des 
„Leiters der Fachgruppe Schrift und Buchkunst “ innehatte, sowie für die SA -Standarte 117 
Mainz. Mit führenden Protagonisten des NS -Regimes in Mainz (bes onders im kulturellen 
Bereich) stand er in Kontakt, darunter das Brüderpaar Alexander und Camillo Sangiorgio (zu 
diesen siehe Garke-Rothbart, besonders S. 111). Camillo Sangiorgio, in leitender Funktion in 
der Ortsgruppe Mainz des „Kampfbundes für deutsche  Kultur“ bzw. der daraus gegründeten

44 
Mainzer NS -Kulturgemeinde tätig, bedankte sich bei Kleukens für dessen Arbeit für den 
„Kampfbund“ und erkundigte sich nach Kleukens Einschätzung: 
„Im Übrigen würde ich mich einmal recht gerne über die Verhältnisse an de r Kunstgewerbeschule, 
besonders die Personalverhältnisse und die Stellung der Fachgruppe des nationalsozialistischen St u-
dentenbundes aussprechen (vertraulich) und bitte um Ihren telefonischen Bescheid, wenn es Ihnen 
einmal passt“ (C [amillo] Sangiorgio an P rof. Ch. H . Kleukens vom 31.05.1933, Kleukens -Archiv, MP 
B39). 
Im Oktober 1940 verfasste und gestaltete Kleukens in bibliophiler Ausführung eine Gedäch t-
nisschrift für die im Juni 1940 verstorbene Maya Sangiorgio (Kleukens -Archiv, MP C41). Al e-
xander Sangior gio, der bereits 1931 als kommissarischer Propagandaleiter der NSDAP -
Ortsgruppe Mainz fungierte, bedankte sich persönlich bei Kleukens; etwas so „formvollendet 
Schönes“ habe er noch nie in Händen gehalten (MP C41f). 
Noch 1944 schuf Kleukens eine bibliophile Sonderausgabe von Kurt Eggers „Der Wettlauf mit 
dem Tode“ (Kleukens-Archiv, MP C72). Das Impressum der Ausgabe, deren Frontseite einzig 
SS-Runen zierten, lautete wie folgt: 
„Druck der Mainzer Presse, Mainz, im März 1944. Im Auftrage der SS -Standarte „Kurt Eggers“ herge-
stellt für den Führer Adolf Hitler, den Reichsführer -SS Heinrich Himmler, den SS -Obergruppenführer 
und General der Waffen -SS Jüttner, den SS -Obergruppenführer und General der Waffen -SS Walter 
Krüger, den SS -Brigadeführer und Generalmajor der  Waffen-SS Fegelein, den SS -Oberführer La m-
merding, den SS -Obersturmbannführer Gunter d’Alquen, den SS -Oberscharführer Siegling“ (Kle u-
kens-Archiv, MP C72i). 
Selbst verfasste (sowie gestaltete und gedruckte) Veröffentlichungen widmete Kleukens dem 
„Führer“ o der er schuf Sondereditionen. Seine Veröffentlichung „Die deutsche Kunst der 
Letter“ (1934) etwa, die auf einem Vortrag gleichen Titels basierte und als Erstveröffentl i-
chung der NS -Kulturgemeinde Mainz herausgegeben wurde, widmete er „Dem Führer des 
deutschen Volkes Reichskanzler Adolf Hitler“ (Kleukens -Archiv, MP B45, Widmungsblatt 
B46a). Ein Sonderexemplar davon fertigte er für Alfred Rosenberg an. Im Rahmen der G u-
tenberg-Festwoche 1936 hielt Kleukens den Vortrag „Die Weltgeltung Deutschlands durch 
Gutenberg“ (16.06.1936, Kleukens -Archiv, MP B108). Gutenberg habe Deutschland vor „die 
Front der Kulturnationen“ gestellt, wie es in der Veröffentlichung „1440 Fünfhundert Jahre 
1940“ hieß (Impressum: „Hergestellt im Sommer 1936 durch Christian Heinrich Kleukens und 
Georg Wittig für den Führer und seine engsten Mitarbeiter “, Kleukens-Archiv MP B75c; teils 
versehen mit Widmungszettel: „Dem Führer des deutschen Volkes Reichskanzler Adolf Hitler 
zum 30. Januar 1937. Christian Heinrich Kleukens[,] Professor an der St aatsschule für Kunst 
und Handwerk Mainz[;] Georg Wittig[,] Studienrat am Adam -Karillon-Gymnasium Mainz“, 
Kleukens-Archiv, MP B76). 
Im Gutenberg-Jahr 1940 plante Kleukens eine Monumental -Ausgabe von Adolf Hitlers „Mein 
Kampf“ (unterschiedliche Entwürfe hier zu im Kleukens -Archiv, MP B106). Im Rahmen des 
geplanten Gutenberg-Monats (April 1940) wurde er als „wehrwichtiger Vortragsredner“ vom 
Deutschen Volksbildungswerk reklamiert (07.03.1940, Amt Deutsches Volksbildungswerk, an 
NSDAP-Reichsleitung, Hauptstelle Kulturpolitisches Archiv, BArch, Berlin, NS 15/30 , vgl. auch

45 
NS 15/131). Bereits 1937 war er als Redner der NS -Kulturgemeinde des Gaues Saarpfalz vo r-
gesehen (BArch Berlin, NS 15/27). Ein im Zuge dessen angefordertes Gutachten ließ keine 
Zweifel an der politischen Eignung von Kleukens aufkommen: 
„Wir teilen Ihnen mit, dass K[leukens] von der zuständigen Gauleitung für politisch zuverlässig erklärt 
wird, dass auch im Kulturpolitischen Archiv Nachteiliges über ihn nicht bekannt ist und dass somit 
gegen eine Zusammenarbeit mit ihm keine Bedenken bestehen“ (05.01.1938, Hauptstelle Kulturpol i-
tisches Archiv, an die DAF, NS-Gemeinschaft Kraft durch Freude, Amt Kulturgemeinde – Amt Deut-
sches Volksbildungswesen, Abteilung II/Vortragswesen, Berlin, BArch Berlin, NS 15/27). 
Eigene Angaben von Kleukens in den Meldebögen der RKK belegen, dass er in den Zeitungen 
„Der SA-Mann. Kampfblatt der Obersten SA -Führung der NSDAP“ und „Westmark. Monat s-
schrift für deutsche Literatur“ dutzende Beiträge veröffentlichte. Zum Jahrgang 19 38 des 
„SA-Manns“ (ein NS-Propagandablatt, das offen gegen Juden und andere Minderheiten hetz-
te) steuerte Kleukens etwa 15 -20 Beiträge bei. Aller Wahrscheinlichkeit nach handelte es 
sich dabei nicht um (inhaltlich) selbst verfasste, sondern um (typografisc h) in Form gebrac h-
te Beiträge (im Sinne der Schriftkunst). Bei Durchsicht des gesamten Jahrgangs fanden sich 
entsprechend viele Gedichte und vergleichbare Texte, die sich typografisch auffallend vom 
übrigen Erscheinungsbild der Zeitung hervorhoben und Kleu kens zugeschrieben werden 
könnten (wenngleich der Name Kleukens an keiner Stelle genannt wurde; seine Selbstauss a-
ge belief sich auf „ein Dutzend“ Beiträge bis Ende 1937 und „30“ bis Ende 1938 im „SA -
Mann“, was 18 Beiträge für den Jahrgang 1938 entspräche). Da von der Zeitung unterschied-
liche regionale Ausgaben publiziert wurden, die nicht vollständig überliefert sind, lassen sich 
keine präzisen Angaben machen. 
Auf der Weltausstellung in Paris 1937 wurden Drucke der verschiedenen Pressen, für die 
Christian Heinrich Kleukens verantwortlich zeichnete, mit hohen Auszeichnungen dekoriert. 
Im Sommer des Gutenberg -Jahrs 1940 erhielt Kleukens den Gutenberg -Kulturpreis (Guten-
berg-Medaille) der Stadt Mainz verliehen. 
Entnazifizierungsverfahren 
„Im März 1933 brach eine  schwere Zeit für mein Werk, dem ich mit ganzer Seele anhing, heran. Ich 
wurde als ‚Edelkommunist‘ und Pazifist verschrieen [sic!]. […] Ab 1933 bin ich ein Märtyrer der Welt -
Goethe-Ausgabe und bin es geblieben bis auf den heutigen Tag“ (Christian Heinrich Kleukens, 
15.08.1947, HHStAW). 
Im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens nahm Kleukens relativ ausführlich zu seinem 
Wirken in der NS -Zeit Stellung; den Tenor des fünfseitigen, maschinengeschriebenen B e-
richts fasst das vorangestellte Zitat gut zusammen. D ie dem Schreiben beigefügten über 20 
Entlastungs-Schreiben bestätigten dessen Kernaussage: Kleukens sei ein scharfer Gegner der 
Nazis gewesen, der NS -Organisationen nur beigetreten sei, da er vom Mainzer OB Robert 
Barth entsprechend unter Druck gesetzt wur de (anderenfalls hätte er an seinem Leben s-
werk, der Welt-Goethe-Ausgabe, nicht mehr weiterarbeiten dürfen; nur so sei er „in die Pa r-
tei hineingeraten“), er sei ein Idealist, der sich einzig der „Kraft und Schönheit der deutschen

46 
Sprache“ verpflichtet gesehen habe, sei sozial, demokratisch und der pazifistischen Idee ve r-
bunden. 
Keine der oben beschriebenen Veröffentlichungen, weder Widmungen noch seine Beiträge 
in NS-Propagandaorganen oder seine typografische Gestaltung von NS -Gedankengut fanden 
hingegen Erwähnung. 
Kleukens selbst berichtete in seiner Erklärung von einer „mehr als vierstündigen Hauss u-
chung“ in seinem Wohnhaus in Nieder -Ramstadt, wobei seine „Mitgliedskarten der Fri e-
densgesellschaft und des Pan -Europa“ gefunden worden seien, was lange Verhöre zur Folge 
gehabt habe: 
„Grob und eindeutig wurde mir erklärt, ich sei für die Goethe -Ausgabe untragbar, wenn ich nicht 
einem nationalen Verband beitrete. Daraufhin beantragte ich meine Aufnahme in den NS -Lehrer-
bund. Dieser lehnte mich ab. Um das große Kul turwerk, die Welt -Goethe-Ausgabe, dennoch zu re t-
ten, entschloss ich mich nach schweren inneren Kämpfen Mitte 1933 dem Stahlhelm beizutreten. Die 
Mitgliedschaft war rein formell. Am Dienst habe ich mich nie beteiligt. Am 15.6.34 wurde der Stah l-
helm in die S A überführt. Ich wurde automatisch der SA -Reserve überwiesen. Kaum fünf oder sechs 
mal habe ich mich an dem sogenannten Dienst beteiligt. Die Mitglieder der SA -Reserve waren fast 
alle frühere Stahlhelmer und ältere Leute, die innerlich die Partei ablehnten. 
Den Geist in meiner Familie zeigt vielleicht am klarsten, dass meine Tochter die einzige Schülerin 
ihrer Klasse in der Viktoriaschule war, die nicht dem B.d.M. angehörte. 
Im Mai 1937 ist die gesamte SA-Reserve in die NSDAP überführt worden. […]“ 
Ebenfalls 1937 sah er sich gezwungen, der NSV beizutreten („das wurde vom Kreisleiter 
energisch verlangt“). Als ihm 1940 mitgeteilt wurde, er bekäme in Kürze den Gutenberg -
Kulturpreis überreicht (der Gauleiter hatte sich einverstanden erklärt), habe er mit Abscheu  
reagiert: 
„Spontan und mit entsprechender Handbewegung entgegnete ich: Der Ekel steht mir so hoch! – Die-
se ‚unvorsichtige‘ Äußerung kann Dr. [Wilhelm] Wehner [ehemals Kreisdirektor der Provinz Rhei n-
hessen und zu der Zeit Vertreter des im Kriegsdienst absenten OB Robert Barth, HK] bezeugen.“ 
Während er seine Schriftkunst im Dienste des Nationalsozialismus nicht erwähnte, ging er 
doch auf seine (schwer zu leugnende) Karriere in der SA ein: 
„Kurze Zeit nach der öffentlichen Verleihung des Kulturpreises erklär te mir Standartenführer König, 
er sei stolz auf mich, ich müsse mir rasch eine Uniform anschaffen, er wolle mich schnellstens befö r-
dern. Erschrocken bat ich, es nicht zu tun, mir stünde ein Rang nicht an, er möge ‚alte Kämpfer ‘ usw. 
beglücken. Mir graue vo r dem ‚Neide‘ dieser; er wisse doch, dass ich bei diesen verschrieen [sic!] 
wäre und ein ‚Spätling‘. Trotzdem erfolgte nun rasch eine Beförderung nach der anderen. 1942 wu r-
de ich gar Sturmführer und November 1943 Obersturmführer der SA -Reserve. Die Beförde rung war 
rein ehrenhalber. Niemals habe ich eine Einheit geführt, nicht einmal eine Schar. Meine innere Revol-
te gegen den Nationalsozialismus kann ich durch zahlreiche Zeugnisse belegen.“ 
Weiter berichtete er davon, wie er im Krieg pazifistische Fabeln ill egal gedruckt und verbrei-
tet habe; oft habe er nicht schweigen können (zum Entsetzen seiner Umwelt). Tatsächlich 
druckte Kleukens im Rahmen der Ernst -Ludwig-Presse zwischen 1937 und 1945 mehrere 
kleine Auflagen von Sammlungen selbst verfasster Fabeln, ab 1 938 unter dem Titel „Ein

47 
Trostbüchlein für Vormänner“ (Kleukens -Archiv, ELP 159-175; Exemplar 1940 in ULB; letztes 
gedrucktes Buch vor Kriegsende vom 07.03.1945). 
Nur zur „Tarnung“, so Kleukens, habe er „das große persönliche Opfer gebracht, mich in die 
Partei hineinsaugen zu lassen. […] Aber ich musste mich tarnen, um das Werk wirklich schü t-
zen zu können“. 
In einem Brief vom 09.10.1936 an seine Tochter schrieb Kleukens:  „Am Sonntag muss ich in 
Mainz sein. Die SA-Standarte hat Sporttag“ (Kleukens-Archiv, MP B77c). 
Als Selbsteinschätzung gab Kleukens im Meldebogen des Entnazifizierungsverfahrens zu Pr o-
tokoll: „Ich bitte Sie, mich als entlastet zu erklären“. [In vorliegenden Kopien nur Verweis auf 
Sühnebescheid vom 05.03.1948, nicht der Bescheid selbst.] 
Quellen: 
BArch, Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
BArch, Berlin, BDC, R 9361-V/24708 
BArch, Berlin, NS 15/27 + NS 15/30 + NS 15/127 + NS 15/131 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Land, Nr. 8227 
HStAD, G 35 E Nr. 9418 
HStAD, R 12 P Nr. 2980 
StadtA DA, ST 61, Kleukens, Prof. Christian Heinrich [et al.] 
Kleukens-Archiv [http://kleukens-archiv.de] 
Der SA-Mann. Kampfblatt der Obersten SA-Führung der NSDAP [Jahrgänge 1933-1938] 
Literatur: 
Ernstberger, Harald: Ernst-Ludwig-Presse. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 215. 
Ernstberger, Harald: Kleukens, Christian Heinrich. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 498. 
Garke-Rothbart, Thomas: „…für unseren Betrieb lebensnotwendig…“. Georg von Holtzbrinck als Ve r-
lagsunternehmer im Dritten Reich. München 2008. 
Kleukens, Christian Heinrich: Die Kunst der Letter. Leipzig 1940. 
Kleukens, Christian Heinrich: Ein Trostbüchlein für Vormänner. Darmstadt 1940. 
Kleukens, Christian Heinrich: Die Kunst Gutenbergs. Mainz 1943. 
Sangiorgio, Camillo (Hrsg.): Deutsche Gemeinschaftsarbeit. Geschicht e, Idee und Bau des Westwalls. 
Mit einem Geleitwort von Robert Ley. Hrsg. durch die Deutsche Arbeitsfront, NSG. Kraft durch Fre u-
de, Reichsamt Deutsches Volksbildungswerk. Wiesbadener Volksbücher Nr. 270. Wiesbaden 1940. 
Sarkowski, Heinz: Kleukens, Christian Heinrich. In: NDB 12 (1979), S. 54 f. 
Verein für Heimatgeschichte Ober-Ramstadt (Hrsg.): Christian Heinrich Kleukens 1880-1954. Geden-
ken 1980. Darmstadt 1980.

48 
Kuhnweg (F 8), benannt 1976 nach 
Richard Kuhn (1900-1967) 
Chemiker 
* 3. Dezember 1900 in Wien 
1910-1918 Gymnasium in Wien (Matura am 18.01.1918) 
1918 Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg (Januar-Oktober 1918, K. u. K. Telegrafenregiment) 
1918-1919 Studium an der Universität Wien 
1919-1922 Studium an der Universität München 
1919/20 Mitglied der Zeitfreiwilligenkompanie 20 in München 
1922 Promotion zum Dr. phil. an der Universität München bei Richard Willstätter 
1922-1926 Assistent am Chemischen Institut der Universität München 
1925 Habilitation für Chemie an der Universität München 
1926-1929 ordentlicher Professor für Allgemeine und Analytische Chemie an der ETH Zürich 
1928 Heirat mit Daisy Hartmann (sechs Kinder) 
1929-1950 Honorarprofessor für Chemie an der Naturwissenschaftlich -mathematischen Fakultät der 
Universität Heidelberg 
Ab 1929 Leiter der Abteilung für Chemie am KWI für Medizinische Forschung, Heidelberg 
1936 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle/Saale 
1936 Mitglied des Vorstands der Deutschen Chemischen Gesellschaft (DChG) 
Ca. 1936-1945 Mitglied der NSV 
1936-1940 Vizepräsident der International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC)/Union I n-
ternationale de Chimie (UIC) 
1937-1967 Direktor des KWI/MPI für Medizinische Forschung, Heidelberg (kommissarische Leitung 
ab April 1936) 
1938-1946 Mitglied der DAF 
1938 Arbeitsgemeinschaft zur Vitaminforschung mit Karl Merck und Heinrich Hörlein 
Ab 1938 Kooperation zwischen KWI und HWA-Gasschutzabteilung 
1938 Leiter der deutschen Delegation auf dem Internationalen Kongress für Chemie, Rom 
1938-1945 Präsident der DChG 
1939-1945 Leiter der Fachsparte für organische Chemie im Reichsforschungsrat (RFR) 
1940 Kandidat für das Amt des Präsidenten der KWG 
1941 Einrichtung der Kampfstoff-Abteilung am KWI für medizinische Forschung 
1942 1. Senator der Reichsfachgruppe Chemie des NSBDT 
1943/44 Nervengasforschung (Tabun-Sarin-Soman) in Kooperation mit dem HWA 
1944 Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Bevollmächtigten für das Gesundheitswesen Karl 
Brandt; vier Treffen Tabun-Sarinvergiftungen betreffend

49 
1948-1966 Senator der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) 
1950-1967 Ordinariat für Biochemie an der Medizinischen Fakultät der Universität Heidelberg 
1955-1966 Vizepräsident der MPG 
1964-1965 Präsident der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) 
† 31. Juli 1967 in Heidelberg 
Ehrungen: 
1934 Adolf-von-Baeyer-Denkmünze, Verein Deutscher Chemiker 
1938 Ehrenmitglied der Chemical Society London 
1938 Nobelpreis für Chemie [Ehrung 1939; Annahme 1948] 
1942 Goethepreis der Stadt Frankfurt 
1944 Emil-von-Behring-Preis der Universität Marburg 
1958 Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste 
1959 Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 
1960 Ehrendoktor der Universität Wien sowie der TH München 
1960 Ehrenmitglied der New York Academy of Sciences 
1961 Ehrenprofessor der Universidade Federal de Santa Maria (Brasilien) 
1961/62 Großes Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 
1964 Großes Bundesverdienstkreuz mit Stern und Schulterband 
1966 Ehrensenator der Max-Planck-Gesellschaft 
1966/67 Ehrendoktor der Universität Heidelberg 
1968 Richard-Kuhn-Medaille (seit 2005 nicht mehr verliehen – aufgrund Kuhns Wirken im NS) 
Mitglied zahlreicher weiterer Akademien der Wissenschaften (Berlin, Göttingen, Heidelberg,  Mün-
chen, Neu Delhi, Wien) sowie anderer wissenschaftlicher Vereinigungen 
Wirken in der NS-Zeit 
„Kuhns Verhalten während der NS -Zeit zeichnete sich durch politische Kompromisse und vorause i-
lenden Gehorsam, (erfolgreiches) Streben nach beruflichem Aufstieg und wissenschaftspolitischer 
Macht sowie (als Österreicher) großdeutsch ausgerichteten Nationalismus aus. Meiner Analyse zufo l-
ge unterstützte er das NS -Regime aus allgemein nationalistischer Überzeugung und aus Opportun i-
tätsgründen, nicht aus Zustimmung zur NS -Rassenideologie. Die Existenz entsprechender G esetze 
oder politischen Drucks erklären Kuhns Verhalten nur zu einem kleinen Teil. Kuhn ging in entsche i-
denden Punkten weiter als es selbst für jemanden in seiner Position nötig war [Deichmann nennt im 
Folgenden Beispiele für Denunziation jüdischer Wissens chaftler, Ergebenheitserklärung für Hitler, 
Giftgasforschung, HK].Vor diesem Hintergrund ist die Frage, ob Kuhn die nationalsozialistische Ide o-
logie von ihrer Überzeugung her teilte, unerheblich gegenüber der Tatsache, dass er das Regime mit 
seinem Ansehen und wissenschaftlichen sowie organisatorischen Fähigkeiten unterstützte und bereit 
war, Massenvernichtungsmittel für Hitler zu entwickeln. Damit wurde er nicht nur für das nationals o-
zialistische Unrecht mitverantwortlich, sondern schadete der Wissenschaft  in Deutschland weit über 
die Zeit des Nationalsozialismus hinaus. Meiner Einschätzung nach kann Richard Kuhn trotz seiner

50 
außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen nicht als Vorbild dienen“ ( Gutachten Deichmann 
2005, S. 8, vgl. Deichmann 2001, S. 427 sowie 2007, S. 497). 
„Richard Kuhn gehörte zu den Uneinsichtigen. Noch am Ende seines Lebenswegs votierte er für eine 
ethikfreie Wissenschaft. Er legitimierte sein Verhalten, durch das er im Dienst der NS -Diktatur die 
Biowissenschaften zur Vernichtungsforschung pervertiert hatte“ (Ebbinghaus/Roth 2002, S. 50). 
„Richard Kuhn wurde, ohne NSDAP -Mitglied zu sein, zu einem der bedeutendsten Wissenschaftso r-
ganisatoren im NS -Regime. Er vereinigte in seiner Person zahlreiche Schlüsselpositionen in wisse n-
schaftlichen Institutionen, chemischen Verbänden und staatlichen Entscheidungsgremien. Als Fach -
spartenleiter des RFR [Reichsforschungsrat s] hatte Kuhn einen umfassenden Überblick über die vom 
RFR geförderten Projekte auf dem Gebiet der Gasschutz - und Kampfstoff-Forschung. Über die Mittel-
vergabe der Kampfstoff -Forschung in der Fachsparte organische Chemie besaß Kuhn alleinige En t-
scheidungsbefugnis“ (Schmaltz 2005, S. 383 f.). 
„Kuhn entsprach damit idealtypisch dem von Fritz Todt schon 1934 entwickelten Prinzip, die ‚richti-
gen Männer‘ für die Berufsverbände zu gewinnen, wobei die Parteizugehörigkeit nicht erforderlich 
war: ‚Es wird aber verlangt, dass nur anerkannte Fachleute vorgeschlagen werden, die absolut positiv 
zum Nationalsozialismus eingestellt sind‘“ (Maier 2015, S. 516, Hervorhebung durch Helmut Maier). 
Das Wirken von Richard Kuhn – einem der erfolgreichsten Naturstoffchemiker seiner Zeit 
und Nobelpreisträger für Chemie für das Jahr 1938 – in der NS -Zeit war in den vergangenen 
15 Jahren Gegenstand ausführlich er wissenschaftlicher Untersuchungen. Besonders die A r-
beiten von Ute Deichmann und Florian Schmaltz haben zur Erforschung (und Bewertung) der 
Rolle Kuhns im NS -System maßgeblich beigetragen. Ute Deichmann, heute Professorin für 
Geschichte und Philosophie der Wissenschaften an der Ben-Gurion Universität (Israel), hat in 
ihrer 2001 veröffentlichten Habilitation „ Flüchten, Mitmachen, Vergessen. Chemiker und 
Biochemiker in der NS -Zeit“ umfangreiches Quellenmaterial zur Verflechtung Richard Kuhns 
mit dem NS-Regime ausgewertet. In einem Gutachten für die Gesellschaft Deutscher Chemi-
ker (GDCh) 2005 kam sie abschließend zu oben zitierten Schlussfolgerungen, woraufhin sich 
die GDCh dazu entschied, die 1968 von der BASF gestiftete Richard -Kuhn-Medaille nicht 
mehr zu verleihen. Florian Schmaltz, heute Forschungsdirektor am MPI für Wissenschaftsg e-
schichte, untersuchte in seiner 2005 veröffentlichten Dissertation zur „Kampfstoff-Forschung 
im Nationalsozialismus “ umfassend und ebenfalls auf breiter Quellenbasis Kuhns Rolle  im 
Zuge der Kampfstoffmittel -Forschung am KWI für medizinische Forschung in Heidelberg . Er 
konnte die herausragende Stellung Kuhns als einem der bedeutendsten Wissenschaftsorg a-
nisatoren im NS -Regime belegen. Helmut Maier, Professor für Technik - und Umwelt ge-
schichte an der Universität Bonn, bestätigte in seiner 2015 veröffentlichten Untersuchung 
„Chemiker im ‚Dritten Reich‘ . Die Deutsche Chemische Gesellschaft und der Verein Deu t-
scher Chemiker im NS -Herrschaftsapparat“ jüngst die Ergebnisse von Deichmann un d 
Schmaltz hinsichtlich der Rolle Richard Kuhns im NS -System. Maier vervollständigte zudem 
das Bild Kuhns und seines Wirkens in der NS-Zeit um Details aus weiteren Beständen, die von 
den Genannten noch nicht ausgewertet worden waren. 
Von 2011 bis 2013 untersuchte ein unabhängiges Team von Forscherinnen und Forschern im 
Auftrag der Stadt Wien unter Leitung von Oliver Rathkolb, Professor für Zeitgeschichte an

51 
der Universität Wien, den Straßennamen -Korpus der Stadt Wien seit 1860. Insgesamt wu r-
den nach der Unt ersuchung 159 Straßennamen als diskussionswürdig eingestuft und in drei 
Kategorien eingeteilt: „Fälle mit intensivem Diskussionsbedarf“ (Kategorie A), „Fälle mit Di s-
kussionsbedarf“ (Kategorie B) sowie „ Fälle mit demokratiepolitisch relevanten biografischen 
Lücken“ (Kategorie C). Von den 4.379 personenbezogenen Straßennamen der österreich i-
schen Hauptstadt wurden nach kritischer wissenschaftlicher Analyse 28 in die Kategorie A 
eingestuft – darunter der Richard -Kuhn-Weg im Bezirk Penzing. Die biografische Skiz ze zu 
Richard Kuhn verfasste Birgit Nemec, Expertin für Wissenschaftsgeschichte, veröffentlicht 
2014 im Band „Umstrittene Wiener Straßennamen“. Nemec bezog sich in ihrer Darstellung 
auch auf den Beitrag von Angelika Ebbinghaus und Karl Heinz Roth, in dem d as Autorenteam 
Kuhn als Opportunisten, Karrieristen und Diener des NS -Regimes beschrieb, der auch (deu t-
lich) nach 1945 an einer ethikfreien Wissenschaft festhielt. – Im Jahr 2014 wurde in Wien 
beschlossen, den Richard -Kuhn-Weg umzubenennen, was bis 2017 ni cht umgesetzt wurde. 
Auf Nachfrage teilte Oliver Rathkolb im Dezember 2015 mit, die Stadt arbeite noch an einer 
möglichen „Gesamtlösung“ hinsichtlich der Straßennamenproblematik in Wien. 
Der umfangreiche Nachlass von Richard Kuhn, der sich im Archiv der Ma x-Planck-Gesell-
schaft in Berlin befindet und unter bestimmten Voraussetzungen sowie unter gewissen Ei n-
schränkungen eingesehen werden kann, wurde bislang nicht hinsichtlich Kuhns Rolle in der 
NS-Zeit extern ausgewertet; eine entsprechende Genehmigung liegt  für das hier zu Grunde 
liegende Forschungsvorhaben vor (erteilt am 17.07.2017 durch Hans -Jürg Kuhn, Sohn 
Richard Kuhns). 
Wissenschaftler ohne Parteibuch in führender Funktion 
Bereits im Alter von 25 Jahren wurde Richard Kuhn Professor für Allgemeine und Analytische 
Chemie an der ETH Zürich  (1926); drei Jahre später, 1929, leitete er bereits die Abteilung für 
Chemie am KWI für Medizinische Forschung in Heidelberg (seinem Wohnsitz über die g e-
samte NS-Zeit), und begleitete eine Professur an der Universität He idelberg. Zu Beginn der 
1930er Jahre gelang es dem Organiker Kuhn, der seinen Forschungsschwerpunkt zunehmend 
auf Naturstoffe verlagerte, gemeinsam mit Otto Meyerhof (zu gleicher Zeit Leiter der Abte i-
lung für Physiologie) das KWI zu einem internationalen Z entrum der Biochemie zu entw i-
ckeln. Kuhns steile wissenschaftliche Karriere blieb 1933 ungebrochen: 1936 wurde er Mi t-
glied des Vorstand s der Deutsche n Chemischen Gesellschaft (DChG) und im gleichen Jahr 
Vizepräsident der International Union of Pure and App lied Chemistry (IUPAC)/Union Interna-
tionale de Chimie (UIC) . 1937 wurde er zum Direktor des gesamten KWI für Medizinische 
Forschung ernannt. Von 1938 bis 1945 war er Präsident der DChG, von 1940 bis 1945 Leiter 
der Fachsparte organische Chemie des Reichsfo rschungsrats (RFR). In diesen Funktionen 
gehörte er zudem hochrangigen wissenschaftspolitischen Entscheidungsgremien an. 
Richard Kuhn war nie Mitglied der NSDAP – über die Gründe hierfür lässt sich nur spekuli e-
ren. Angelika Ebbinghaus und Karl Heinz Roth g ingen davon aus, dass Kuhns österreichische 
Staatsbürgerschaft eine Mitgliedschaft in NSDAP oder anderen NS -Massenorganisationen 
nicht notwendig erscheinen ließ. Ute Deichmann machte darauf aufmerksam, dass Kuhn die

52 
völkische Ideologie wohl fern lag und da ss eine NSDAP-Mitgliedschaft möglicherweise nega-
tive Auswirkungen auf sein Ansehen innerhalb der internationalen wissenschaftlichen Co m-
munity gehabt hätte haben können; „Kuhn war als geübter Taktiker bekannt“ (Deichmann 
2005, S.  3). Verhielt sich Kuhn zu B eginn der NS -Zeit noch politisch „zurückhaltend“ (seine 
Einstellung zum Nationalsozialismus wurde allerdings bereits als „eher positiv“ bewertet, 
Einschätzung der NS -Dozentenschaft vom 31.01.1936, UA Heidelberg PA 4717 ), stellte er 
spätestens 1938 sein wis senschaftliches Renommee in die Dienste des NS -Regimes, wie Ute 
Deichmann resümierte und Helmut Maiers jüngst bestätigte. 
Als ein Beleg hierfür wurde immer wieder Kuhns Ablehnung des Nobelpreises für Chemie 
herangezogen (hierzu und zum Folgenden Deichmann 2007, S.  477). Für seine Forschung 
über Carotinoide und Vitamine erhielt Kuhn 1939 den Nobelpreis für Chemie (für das Jahr 
1938) zugesprochen. Da es deutschen Wissenschaftlern seit 1937 nicht mehr erlaubt war, 
den Nobelpreis anzunehmen, sah er sich – wie sein Kollege Adolf Butenandt im gleichen Jahr 
– dazu gezwungen, die hohe Ehrung abzulehnen. Unter politischem Druck schickte er einen 
(vorformulierten) Brief an die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften, in dem 
er nicht nur den Preis ablehnte, sondern die Verleihung zudem als Versuch brandmarkte, ihn 
zu einem Verstoß gegen einen Erlass des „Führers“ zu animieren. Anders als Butenandt fügte 
Kuhn jedoch handschriftlich hinzu: „Des Führers Wille ist unser Glaube“. 
Ohne erkennbaren Druck wandte sich  Kuhn 1942 an den Rektor der Heidelberger Univers i-
tät, um diesen auf eine ausländische Pressemeldung aufmerksam zu machen: In der Zei t-
schrift „Nature“ war kritisch berichtet worden über die Änderung der Heidelberger Univers i-
tätsinschrift von „Dem lebendige n Geist“ in „Dem deutschen Geist“. Kuhn ließ in dem 
Schreiben seine Zustimmung hinsichtlich der Änderung erkennen (21.07.1942, UA Heide l-
berg PA 4717). 
Als Vizepräsident der IUPAC/UIC von 1936 bis 1940 sowie als Präsident der DChG vertrat 
Kuhn ab 1938 Deuts chland auf dem Gebiet der Chemie im Ausland. Er stellte sein wisse n-
schaftliches Renommee in den Dienst des NS -Regimes. Als Fachspartenleiter des Reichsfo r-
schungsrats war Kuhn überdies „während des Krieges einer der mächtigsten Vertreter der 
wissenschaftlichen Chemie in Deutschland“ (Deichmann 2005, S.  2). Er vereinte in seiner 
Person besonders zwischen 1938 und 1945 Schlüsselpositionen in chemischen Institutionen, 
Verbänden und nationalen Entscheidungsgremien. Dafür war eine NSDAP -Mitgliedschaft 
nicht zwingend erforderlich – eine absolut positive Einstellung zum Nationalsozialismus hi n-
gegen nötige Voraussetzung (siehe Zitat Maier 2015 oben). Kuhn ging in weiten Bereichen 
mit dem NS-Regime konform und unterstützte die NS-Politik (Deichmann 2007, S. 476). 
Als weiteren Beleg für seine Zustimmung gegenüber der NS -Politik gilt Kuhns viel zitierte 
Rede anlässlich des 75 -jährigen Bestehens der DChG im Dezember 1942; Birgit Nemec sieht 
in der Festrede gar „den Gipfel seines wissenschaftlichen und machtpolitischen Bek enner-
tums“ (Nemec, S.  119). Kuhn bezeichnete in der dokumentierten Rede Hitler als den Arch i-
tekten des – auch von der DChG betriebenen – „Zusammenschlusses aller Deutschen“, der 
diese „allumfassend zum Siege geführt“ habe. Die DChG sei „wahrhaft deutsch“, so Kuhn, 
weil „treu, beharrlich und gründlich“. Abschließend ließ Kuhn das Auditorium wissen:

53 
„Wir erkennen, wie im Laufe dieser Zeit die Chemie zu einem Machtfaktor auf unserer Erde empo r-
gestiegen ist. Wir erkennen aber auch, welch überwältigender Anteil an den Grundlagen der heut i-
gen Chemie jenen Völkern des Abendlandes zukommt, die der Menschheit einen Scheele und Be r-
zelius, einen Lavoisier und Pasteur, einen Avogadro und Cannizzaro, einen Liebig und einen Wöhler 
geschenkt haben. Um den Fortbestand diese s Blutes, um die Weiterentwicklung dieser ihrer Kultur 
stehen die Völker Europas heute unter den Waffen, genau so wie die des alten ostasiatischen Kultu r-
raumes für den ihrigen. Wir gedenken der Männer, in deren Hand das gemeinsame Schicksal liegt: 
Dem Duce, dem Tenno und unserem Führer ein dreifaches Sieg Heil!“ (Berichte der Deutschen Ch e-
mischen Gesellschaft 75 [1942], S. 200). 
Kuhns Rede musste unter den anwesenden Wissenschaftlern seitens der deutschen Krieg s-
gegner alle Zweifel daran beseitigen , dass sic h die deutsche chemische Wissenschaft vol l-
ständig den Zielen des NS-Regimes verschrieben hatte. Bereits 1938 hatte sich Kuhn auf e i-
ner Konferenz in Rom als „vorbildlicher Repräsentant nationalsozialistischer Kulturpolitik “ 
gezeigt (Maier, S. 257). Seine Rede aus dem Jahr 1942 belegte, so Helmut Maier, das er weit 
über notwendige Floskeln hinaus sich in den Dienst des NS-Regimes stellte: 
„Kuhn beließ es jedoch nicht bei Formulierungen, die als national -konservative oder patriotische 
Bekundungen eines pflicht bewussten Gelehrten gewertet werden könnten. Als Wissenschaftler von 
Weltrang schlüpfte er in die Rolle eines nationalsozialistisc hen Auslandsattachées [sic!] […]“ (Maier, 
S. 515). 
Verhalten und Verhältnis gegenüber (jüdischen) Kollegen und Mitarbeitern 
Als ein Kritikpunkt an Kuhns Verhalten in der NS -Zeit wurde wiederholt dessen denunziatori-
sches Verhalten gegenüber jüdischen Mitarbeitern der KWG angeführt. 1933 entließ er 
demnach seine jüdischen Mitarbeiter – ohne jeden Versuch zu unternehmen, sie länger zu 
beschäftigen (hierzu und zum Folgenden Deichmann 2001, S.  75 f. und 427, sowie 2007, 
S. 476). Für eine Reihe seiner Kollegen fänden sich ebensolche Versuche dokumentiert. Laut 
der Recherchen von Hans -Jürg Kuhn habe Richard Kuhn hingegen keinem einzigen seiner 
acht „nicht -arischen“ Mitarbeiter gekündigt oder sie gar „vertrieben“; vielmehr habe Kuhn 
versucht, sich für die vom „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“  be-
troffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzusetzen: 
„Für die meisten ‚nic ht-arischen‘ Angehörigen des Instituts für Chemie konnten dank der internati o-
nalen Kontakte von Richard Kuhn und des Ansehens, das das Institut zu jener Zeit genoss, einigerm a-
ßen erträgliche Lösungen gefunden werden“ (Kuhn, Stellungnahme 2017). 
Kuhn habe sich etwa (gemeinsam mit Gustav Krupp von Bohlen und Halbach , erster Vizeprä-
sident der KWG) für die Technische Assistentin Ursula Ehrenberg  eingesetzt, letztendlich 
jedoch vergeblich. Die – gemeinsam mit Richard Willstätter – angedachte Unterbringung von 
Albert Wassermann an der Universität Wien sei allein an einer unbedachten Äußerung des 
Wiener Kollegen gescheitert (Kuhn, Stellungnahme 2017). 
In einem Schreiben an die Generalverwaltung der KWG machte Kuhn 1936 darauf aufmer k-
sam, dass der Kollege Otto Meyer hof – entgegen der Vorschriften – zwei jüdische Mitarbe i-
terinnen (eine davon namentlich genannt: „Frl. Hirsch“) und einen Mitarbeiter (ebenfalls

54 
namentlich genannt: „Herr Lehmann“) beschäftigte. „Selbstverständlich wurden diese drei 
Personen sofort entlass en oder sie verloren ihre Arbeitsmöglichkeit“, konstatierte Ute 
Deichmann (Deichmann 2001, S.  76; hier auch Auszug aus dem Schreiben vom 27.04.1936). 
Deichmann wertete die „Denunziation Kuhns“ als dessen Versuch, seine politische Integrität 
zu untermauern sowie jeden möglichen Schaden vom Institut abzuwenden; es gäbe hing e-
gen „keine Hinweise darauf, daß Kuhn Antisemit war“ (ebenda). Laut der Recherchen von 
Hans-Jürg Kuhn (Kuhn, Stellungnahme 2017) erwies sich die Anschuldigung der „Denunziat i-
on“ als unhaltb ar: Hermann Lehmann habe sich zu besagter Zeit bereits in Cambridge b e-
funden, seine Entscheidung zur Emigration sei wesentlich früher gefallen; Lore Hirsch hat 
ihre Dissertation in Heidelberg abgeschlossen (Promotionsprüfung im Juli 1937) und a n-
schließend als Ärztin im jüdischen Krankenhaus in Hamburg gearbeitet, bevor sie 1939 em i-
grierte; beide Fälle sowie das Gerücht einer dritten Person – die es nach H.-J. Kuhn nie gege-
ben habe – seien der Gestapo bekannt gewesen (Kuhn habe schließlich auf deren Anfrage 
reagiert), weshalb von denunziatorischem Verhalten keine Rede sein könne, so H.-J. Kuhn. 
Otto Meyerhof, der sich 1938 zur Emigration gezwungen sah, kritisierte in einem Brief an 
Kuhn im November 1945 (als ihm noch weder Kuhns „Denunziation“ noch dessen Rol le in 
der Giftgasforschung bekannt waren) Kuhns opportunistisches Verhalten. Er, Meyerhof, we r-
fe niemandem vor, 
„dass er Kompromisse machte, um Amt und Arbeitsstätte zu erhalten. 
Sie selbst aber sind darüber weit hinausgegangen. Ich kann die Kritik nicht v erschweigen, die von den 
Kollegen der alliierten Länder an Ihnen geübt wird, dass Sie Ihre bewunderungswürdige wissenschaft-
liche Leistung und chemische Meisterschaft freiwillig in den Dienst eines Regimes gestellt haben, 
dessen unaussprechliche Abscheulich keit und Verruchtheit Ihnen wohl bewusst war. Dies war mir 
selbst besonders schmerzlich, weil ich wusste, in welchem liberalen Geist Sie aufgewachsen waren 
und wie dieser Ihren Anlagen und Ihrer Natur entsprach“ (01.011.1945, Otto Meyerhof Papers, Un i-
versity of Pennsylvania Archives; der Brief auf offiziellem Briefpapier der University of Pennsylvania 
wurde offensichtlich nie abgeschickt). 
Wie Christoph Schmaltz am Beispiel der „Affäre Grundmann“ umfassend schildert e 
(Schmaltz, S. 387-413), schreckte Kuhn im Zuge patent- und arbeitsrechtlicher Konflikte nicht 
davor zurück, „einen langjährigen Mitarbeiter [Kuhns Assistent en Christoph Grundmann] 
den Repressionsorganen des NS -Staates […] auszuliefern“ (Schmaltz, S.  413), wenn er seine 
Machtposition gefährdet sah. 
(Kampfstoff-)Forschung in der NS-Zeit 
Kuhn war ein hervorragender Wissenschaftler, der nach 1933 – und vor allem während des 
Zweiten Weltkriegs – seine wissenschaftliche Tätigkeit in vollem Umfang in den Dienst des 
Nationalsozialismus stellte (Deichmann  2001, S. 426 f.). Seine Fo rschung wurde anhand der 
tradierten Quellen in der genannten Literatur ausführlich diskutiert (Deichmann, Schmaltz, 
Ebbinghaus/Roth). Im Folgenden werden die zentralen Ergebnisse zusammengefasst.

55 
Als der Zweite Weltkrieg begann, befanden sich Kuhn, wie erwähnt seit 1937 Direktor des 
gesamten KWI für medizinische Forschung (kommissarische Leitung seit April 1936), und sein 
Forscherteam auf dem Höhepunkt ihrer internationalen Anerkennung. Für die Ergebnisse 
seiner Vitaminforschung h atte Kuhn den Nobelpreis für das Jahr 1938 erhalten. Er unte r-
suchte während des Kriegs zunächst eine mögliche Schutzwirkung von Vitaminen gegen 
chemische Kampfstoffe; eine Kooperation mit der Gasschutzabteilung des HWA bestand 
bereits vor 1939. Eine weiter e Stoßrichtung der Vitaminforschung bestand in dem Versuch, 
eine biologische Synthese von Casein zu ermöglichen; ein Rohstoff, der zur Herstellung von 
Gasmasken benötigt wurde. 
Im Januar 1941 wurde von der Gasschutzabteilung des HWA eine Kampfstoffabteilun g am 
KWI für medizinische Forschung eingerichtet. Zentrale Aufgabe dieser Abteilung waren U n-
tersuchungen zu den neuen Nervengasen Sarin und Tabun: Forschungen zu Gegenmitteln, 
Nachweismethoden und Wirkungsmechanismen der Nervengase wurden mit hohem Au f-
wand betrieben (rund ein Drittel der wissenschaftlichen Mitarbeiter des von Kuhn geleiteten 
Instituts waren in die Kampfstoffabteilung involviert). Hinsichtlich der Nachweismethoden 
und Wirkungsmechanismen konnte die Kampfstoffabteilung Erfolge verzeichnen. De m Auf-
trag des HWA, Antagonisten gegen Sarin und Tabun zu entwickeln, konnten Kuhn und seine 
Mitstreiter nicht nachkommen. Die Forschungen am KWI für medizinische Forschung legten 
aber die Voraussetzung für ein noch giftigeres Nervengas, Soman, im Frühjahr 1944, dessen 
Entdeckung Kuhn zugesprochen wird. Soman war nicht nur in geringsten Dosen tödlich, so n-
dern erwies sich aufgrund seiner physikalischen und technischen Eigenschaften als hervorr a-
gend für den Einsatz als Kampfstoff geeignet. Als Kuhn feststellte , dass die Forschung nicht 
zur Entwicklung von Gegenmitteln, sondern zur Herstellung neuer Giftgase führte, stoppte er 
sie nicht: 
„Mit der Synthese des Somans entwickelte er gezielt eine neue Massenvernichtungswaffe, ein Tatb e-
stand, der sich angesichts der  Natur des NS -Regimes anders darstellt als im Falle von Fritz Haber 
[Giftgasforschung im Ersten Weltkrieg, HK]“ (Deichmann 2005, S. 5). 
Im Zusammenhang mit experimenteller Forschung zur toxischen Wirkung der Nervengase 
bemühte sich Kuhn im April 1943 „um d ie Lieferung von Gehirnen ‚jüngerer gesunder Me n-
schen‘, bei denen es sich vermutlich um Hinrichtungsopfer der NS -Justiz handelte“ 
(Schmaltz, S. 585). Weder Kuhn noch andere Wissenschaftler des KWI für medizinische Fo r-
schung waren – soweit aus den Quellen e rsichtlich – direkt an Menschenversuchen in Ko n-
zentrationslagen beteiligt (Schmaltz, S.  558). Kuhn selbst hatte allerdings Kontakt zur 
Reichsuniversität Straßburg und förderte als Fachspartenleiter für organische Chemie im RFR 
unter anderem Experimente des  Mediziners Otto Bickenbach an Häftlingen des Konzentrat i-
onslagers Natzweiler (ausführlich über die Phosgen-Versuche siehe Schmaltz, S. 534-562): 
„Inwiefern Kuhn schon vor Kriegsende Kenntnis über Menschenversuche an Häftlingen und den ei n-
kalkulierten tödl ichen Verlauf der Experimente Bickenbachs in Natzweiler besaß, ist anhand der 
überlieferten Quellen nicht eindeutig festzustellen. Als Fachspartenleiter für organische Chemie trug 
Kuhn Mitverantwortung für die in Abstimmung mit dem Bevollmächtigten für das  Gesundheitswe-
sen, Karl Brandt, im Januar 1944 genehmigten [sic!] Bereitstellung von Mitteln des RFR in Höhe von 
25.000 Reichsmark für die Experimente von Bickenbach. […] Als Bickenbach 1946 vor einem französ i-

56 
schen Militärgericht im Zusammenhang mit den vo n ihm durchgeführten Menschenversuchen des 
vierfachen Mordes angeklagt wurde, äußerte Kuhn in der Korrespondenz mit dem Verteidiger B i-
ckenbachs die Ansicht, daß die Menschenversuche wissenschaftlich ‚wertvoll‘ und zulässig gewesen 
seien“ (Schmaltz, S.  586; in den Unterlagen zum Militärgerichtsverfahren fand sich allerdings laut 
Aussage von Hans-Jürg Kuhn keinerlei Hinweis auf eine Stellungnahme Richard Kuhns, Telefonat vom 
17.07.2017). 
Deichmann, Schmaltz und Ebbinghaus/Roth halten es für sehr unwahrscheinl ich bis nahezu 
ausgeschlossen, dass Kuhn – in seiner exponierten Position, die ihm „Zugang zu streng g e-
heimen Informationen über die laufende Kampfstoff -Forschung im Deutschen Reich und in 
den Forschungseinrichtungen in den besetzten Gebieten“ (Schmaltz, S . 558) verschaffte – 
nichts von Menschenversuchen gewusst haben könnte. Allerdings ließen sich keine Belege 
dafür finden, dass Kuhn vor Kriegsende etwa von den Menschenversuchen Bickenbachs 
wusste. Laut Klee schrieb Kuhn am 10.12.1943 an die DFG über den E insatz eines angebl i-
chen Tbc-Mittels: „Es sind auch schon Versuche am Menschen in einer Lungenheilanstalt bei 
Darmstadt in Angriff genommen worden“ (BArch, R 73/12507, zitiert nach Klee, S. 351). 
Entnazifizierungsverfahren 
Überraschenderweise musste sich R ichard Kuhn – obwohl er die österreichische Staatsbü r-
gerschaft besaß – in Deutschland einem Entnazifizierungsverfahren unterziehen, worauf sich 
in der eingesehenen Literatur  bislang kein Hinweis fand. Auf den ersten Blick noch überr a-
schender erscheint, das s er als „entlastet“ aus dem Verfahren hervorging (Generallandesa r-
chiv Karlsruhe, Signatur 465 q Nr. 14224). 
Kuhn gab zu Protokoll, dass er weder in der NSDAP noch in einer anderen Gliederung der 
Partei Mitglied war. Als Mitgliedschaften gab er an: 1938 -1945 DAF, ca. 1936 -1945 NSV, 
1939-1943 RDF, 1938-1945 NSBDT. Wie seine eigenen Angaben und Nachforschungen hierzu 
ergaben, betrug sein jährliches Einkommen als Direktor des KWI für medizinische Forschung 
Heidelberg zwi schen 33.000 und 45.000 RM. Kuhn  gab auc h an, seit 1938 Präsident der 
Deutschen Chemischen Gesellschaft gewesen zu sein. 
Er selbst schätzte sich als „entlastet“ ein, mit folgender Begründung: „Weil ich weder Nati o-
nalsozialist noch Militarist war“. In der Begründung für die Einstellung des Verfah rens hieß 
es: 
„Prof. Kuhn war weder Mitglied der Partei, noch Mitglied einer ihrer Gliederungen. Er hat weder in 
der NSDAP, noch in einer Gliederung oder Organisation der Partei irgendein Amt bekleidet. Nach 
Auskunft der Politischen Parteien vom 26.8.1946 ist Prof. Kuhn, der seit dem Jahre 1938 in Heide l-
berg wohnhaft ist, politisch in Heidelberg nicht in Erscheinung getreten. Da nach dem Ergebnis der 
Ermittlungen auch sonst keinerlei Verdacht besteht, dass Prof. Kuhn als Aktivist, Militarist oder Nut z-
niesser anzusehen ist, war das Verfahren einzustellen“ (25.09.1946, Generallandesarchiv Karlsruhe, 
Signatur 465 q Nr. 14224). 
Kuhn kooperierte nach Kriegsende mit den Behörden der amerikanischen Militärregierung 
sowie mit alliierten Kampfstoff -Experten, wobei er  Informationen über die Nervengasfo r-
schung teils zurückhielt. Trotz des Verbots jeglicher militärischer Forschung an deutschen

57 
Wissenschaftsinstitutionen durfte er Versuche mit dem Nervengas Lost zu therapeutischen 
Zwecken fortsetzen. Auf die 1947 und 1949  angebotene Fortsetzung seiner Nervengasfo r-
schung in den USA ging er nicht ein. 
Quellen: 
Generallandesarchiv Karlsruhe, Signatur 465 q Nr. 14224 [Spruchkammerakte] 
University of Pennsylvania Archives, Philadelphia, PA, UPT 50 M613, Box 1, fol. 27. 
Archiv der Max-Planck-Gesellschaft, Berlin, Nachlass Richard Kuhn [Einsicht möglich] 
UA Heidelberg PA 1040 
UA Heidelberg PA 4717 
UA Heidelberg Rep 27-752 
Berichte der Deutschen Chemischen Gesellschaft 75 (1942) 
Literatur: 
Deichmann, Ute: Flüchten, Mitmachen, Verge ssen. Chemiker und Biochemiker in d er NS-Zeit. Wein-
heim 2001. 
Deichmann, Ute (2005): Richard Kuhn (1900 -1967). Stellungnahme zu seinem politischen Verhalten 
während der NS -Zeit unter der Fragestellung: Kann Kuhn als Persönlichkeit Vorbildcharakter in der 
Chemie zuerkannt werden . [ https://www.gdch.de/fileadmin/downloads/Service_und_ Informatio-
nen/Presse_OEffentlichkeitsarbeit/PDF/deich_kuhn.pdf] Zugriff: 25.11.2016 
Deichmann, Ute: 'Dem Duce, dem Tenno und unserem Führer ein dreifaches Sieg Heil!' Die Deutsch e 
Chemische Gesellschaft und der Verein de utscher Chemiker in der NS -Zeit. I n: Hoffmann, Die t-
er/Walker, Mark (Hrsg.):  Physiker zwischen Autonomie und Anpassung. Die Deutsche Physikalische  
Gesellschaft im Dritten Reich. Weinheim 2007, S. 459-498. 
Ebbinghaus, Angelika/Roth, Karl Heinz: Vernichtungsforschung. Der Nobelpreisträger Richard Kuhn, 
die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und die Entwicklung von Nervenkampfstoffen während des Dritten 
Reichs. In: 1999. Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts 17 (2002), S. 15-50.  
Jaenicke, Lothar: Richard Kuhn. Ein Talent – doch kein Charakter. In: Nachrichten aus der Chemie  54 
(2006), S. 510-515. 
Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am 
Main 42013, S. 350 f. 
Nemec, Birgit: Richard Kuhn. In: Autengruber, Peter/Nemec, Birgit/Rathkolb, Oliver/Wenninger, Fl o-
rian: Umstrittene Wiener Straßennamen. Ein kritisches Lesebuch. Wien et al. 2014, S. 116-121. 
Maier, Helmut: Chemiker im „Dritten Reich“.  Die Deutsch e Chemische Gesellschaft und der Verein 
Deutscher Chemiker im NS-Herrschaftsapparat. Weinheim 2015. 
Schmaltz, Florian: Richard Kuhn und die Kampfstoffabteilung des Kaiser -Wilhelm-Instituts für medizi-
nische Forschung in Heidelberg. In: Ders.: Kampfstoff-Forschung im Nationalsozialismus. Z ur Koope-
ration von Kaiser-Wilhelm-Instituten, Militär und Industrie. Göttingen 2005, S. 357-586. 
Stoff, Heiko: Wirkstoffe. E ine Wissenschaftsgeschichte der Hormone, Vitamine und E nzyme, 1920 -
1970. Stuttgart 2012.

58 
Alarich-Weiss-Straße (K 9-10), benannt 2013 nach 
Alarich Weiss (1925-1995) 
Professor für Physikalische Chemie 
* 21. Februar 1925 in Regenpeilstein (Oberpfalz) 
1931-1935 Besuch der Volksschule in Stefling (heute Stadtteil von Nittenau, Oberpfalz) 
1935-1942 Besuch des humanistischen Gymnasiums in Regensburg (Abitur Herbst 1942) 
1935-1943 Mitglied der HJ 
1935-1943 Mitglied des Volksbunds für das Deutschtum im Ausland (VDA) 
1942 Angehöriger der SS (SS-Bewerber, SS-Einheit: 10/68. SS-Standarte Regensburg) 
1942-1945 Soldat im Kriegsdienst; Mitglied der Waffen -SS (Juni 1943: 11./SS-Panzerjäger-Abteilung 
„Das Reich“; Einsatzraum: Charkow; Dienstgrad: SS-Oberschütze) 
1946-1951 Studium der Physik in Erlangen (1946-1949), Mainz (1949) und Darmstadt (1949-1951) 
1951 Diplomhauptpr üfung an der TH Darmstadt (Diplomarbeit am Lehrstuhl für Physikalische Ch e-
mie) 
1951-1955 Promotion in Physikalischer Chemie an der TH Darmstadt bei Helmut Witte, „ Elektronen-
dichteverteilung in Calciumfluorid“ 
1955 Heirat mit Elisabeth Kräuter 
1955-1962 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Physikalische Chemie der TH Darmstadt 
1956-1958 Gastwissenschaftler in den USA, an der Staatsuniversität von Indiana (1956 -1957, Wech-
selwirkung zwischen Metalloberflächen und Atomstrahlen) sowie an der TH Pittsb urgh (1957 -1958 
Radiofrequenzspektroskopie) 
1958-1967 Arbeit am Eduard-Zintl-Institut an der TH Darmstadt 
1962 Habilitation in Physikalischer Chemie an der TH Darmstadt 
1965 Abteilungsleiter und Professor a m Eduard-Zintl-Institut der TH Darmstadt für Anorganische und 
Physikalische Chemie 
1967-1972 Lehrstuhl für Physikalische Chemie an der Universität Münster 
1972-1993 Lehrstuhl für Physikalische Chemie III, Chemische Spektroskopie, an der TH Darmstadt 
Vorsitzender der Deutschen Bunsen -Gesellschaft, Mitglied des Vorstands der Gesellschaft Deutscher 
Chemiker, stellvertretender Vorsitzender der Alexander -von-Humboldt-Stiftung, Mitglied des Wi s-
senschaftsrats 
† 10. Oktober 1995 in Darmstadt 
Ehrungen: 
Ehrenmitglied der Deutschen Bunsen-Gesellschaft für Physikalische Chemie 
1990 Erasmus-Kittler-Medaille der TH Darmstadt 
1993 Forschungspreis der Japan Society for the Promotion of Science 
Weitere wissenschaftliche Auszeichnungen

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1995/96 Alarich-Weiss-Preis (gestiftet von seinen  Schülern für hervorragende Arbeiten in d er Physi-
kalischen Chemie an der TU Darmstadt) 
Wirken in der NS-Zeit 
Alarich Weiss, Professor für Physikalische Chemie und „Gründungsvater des Fachbereichs 
Materialwissenschaft“ an der TH Darmstadt sowie nach 1945 Verfasser von über 350 wi s-
senschaftlichen Beiträgen, erlebte die Jahre 1933 -1942 als Schüler. Er schloss sich 1942 der 
SS an und war 1943-1945 als Mitglied der Waffen-SS im Kriegsdienst. 
„Nach Besuch der Volksschule in den Jahren 1931 -1935 war ich Schüler des humanistischen Gymn a-
siums in Regensburg, das ich im Herbst 1942 mit dem Reifezeugnis verließ. Bis zum Mai 1945 leistete 
ich dann Kriegsdienst als Soldat in einem Panzerregiment auf verschiedenen Kriegsschauplätzen im 
Osten, Westen und Südosten Europas“ (Lebenslauf vom 12.02.1965, UA Darmstadt, 201 Nr. 123). 
Bis 1935 besuchte Alarich Weiss die Volksschule in Stefling (heute Stadtteil von Nittenau, Obe r-
pfalz; seine Eltern wirkten dort als Volksschullehrer)  und wechselte anschließend an das hum a-
nistische Gymnasium nach Regensburg, das er im Herbst 1942 im Alter von 17 Jahren mit der 
Reifeprüfung abschloss. Wie sein älterer und sein jüngerer Bruder so lebte auch Alarich 
Weiss seit seinem zehnten Lebensjahr im Internat, dem katholischen Studienseminar St. 
Emmeram in der Marschallstraße 3 (staatlich, aber unter der Leitung eines katholischen Pris-
ters); nur in den Ferien hielt er sich in der Regel bei seinen Eltern im heimatlichen Dorf in der 
Oberpfalz auf. 
Noch zu Schulzeiten meldete sich Alarich Weiss zur SS (zum Folgenden BArch Berlin, BDC, 
VBS 284/62 20014022): Bereits seit 17. Februar 1942 galt er als SS -Bewerber; bei der A n-
nahmeuntersuchung an jenem Tag (fünf Tage vor seinem 17.  Geburtstag) war er für „SS -
tauglich“ befunden worden. Im Zuge der Erfassung zum SS -Dienst (SS-Sturm 10/68 Regen s-
burg) sollte er sich am 10. April 1942 um 18.30 Uhr in der Hauptkantine der Messerschmitt 
GmbH in Regensburg einfinden, wie ihm mit einem Schreiben vom 25. März 1942 mitgeteilt 
wurde. Er sendete das Schreiben mit folgendem Vermerk versehen an den SS -Sturm 10/68 
Regensburg zurück: 
„Es ist mir leider nicht möglich am 10.4. zum Erfassungsappell zu erscheinen, da ich mich vom 1.4. bis 
zum 14.4. bei meinen Eltern befinde (Ferien). Ich bin ja nur während meiner Schulzeit in Regensburg 
im Schülerheim. Senden Sie mir bitte neuen Bescheid zu. Heil Hitler Alarich Weiß“ (25.03.1942, Erfa s-
sung zum SS-Dienst, SS-Sturm 10/68, handschriftlicher Vermerk). 
Laut Eintrag auf der SS -Stammkarte stand Alarich Weiss ab dem 15. September 1942 im 
Dienst des Reichsheers bzw. der Wehrmacht. Unte r „Waffengattung“ fand sich „SS -Panzer-
Jäger“ vermerkt. Letzteres bestätigten Informationen der Deutschen Dienststelle (WASt): 
Meldungen vom 07.06.1943 und vom 01.07.1943 weisen Alarich Weiss, seit 11.01.1943 Mi t-
glied der Waffen -SS, als Mitglied der 11. /SS-Panzerjäger-Abteilung „Das Reich“ aus, unte r-
stellt der SS-Division „Das Reich“ (damaliger Einsatzraum: Charkow; damaliger Dienstgrad: 
SS-Oberschütze). In den Unterlagen des ehemaligen BDC ( BArch Berlin, BDC, VBS 
284/6220014022) fand sich eine Kennkarte [d er Waffen-SS] gestempelt mit „16 März 1945“ 
(Besoldungsnummer 174148; Fp.[Feldpost -]Nr. 48 264). Die Aufschlüsselung der Feldpost -

60 
Nummer (siehe Kannapin, S. 101) sowie die Auskünfte der Deutschen Dienststelle (WASt) 
legen nahe, dass Alarich Weiss Mitglied der 2.  SS-Panzer-Division „Das Reich“ war, die im 
Oktober 1943 aus der SS -Panzergrenadier-Division „Das Reich“ hervorging. Diese Division 
der Waffen -SS wurde im Februar 1944 nach Frankreich verlegt (Lieb 2007, S.  112 ff.), im 
März 1945 schließlich im Zuge des Unternehmens „Frühlingserwachen“ nach Ungarn – was 
auch zur oben genannten knappen Schilderung aus Weiss‘ Lebenslauf passte. Auch seine 
Angaben auf dem Meldebogen der Militärregierung (22.01.1946) deckten sich in gewisser 
Weise mit dieser Lesart: Weiss gab hier zu Protokoll, dass er 1943 in Russland, 1944 in Frank-
reich stationiert und von April 1943 bis Januar 1945 Mitglied der „6. [Kompanie] Panzer -
Reg[iment] II.“ gewesen sei (UA Erlangen, F1,2d Nr . 33 Weiss Alarich ); seine Feldpost -
Nummer gehörte laut Kannapin von Januar bis September 1943 zur „6. Kp. SS -Pz. Rgt. 2 (Das 
Reich)“, also zur 6. Kompanie des SS -Panzer-Regiments 2 („Das Reich“), später 2.  SS-Division 
„Das Reich“ (von September 1943 bis Februar 1944: 7.  Kompanie). Weiss hatte demnach 
seinen „ Arbeitgeber“ (so die Rubrik) annähernd korrekt bezeichnet – lediglich nicht darauf 
verwiesen, dass es sich um eine Einheit der [Waffen-]SS handelte. Unter der Rubrik „Stellung 
oder Dienstgrad“ gab er „Komp[anie] Chef“ zu Protokoll (April 1943 bis Waffensti llstand; 
möglicherweise bezog Weiss diese Angabe auf den zuvor abgefragten Vorgesetzten). Im glei-
chen Meldebogen gab er eine Mitgliedschaft im Volksbund  für das Deutschtum im Ausland 
(VDA) für den Zeitraum 1935 bis 1943 an. Sowohl in diesem Meldebogen als auch im „Perso-
nalblatt für Studierende“ der Universität Erlangen (November 1945, UA Erlangen, F1,2d Nr. 
33 Weiss Alarich) verleugnete Weiss seine Mitgliedschaft in der Waffen -SS, nach der explizit 
gefragt wurde; in beiden Dokumenten gab er als letzten Dienstgrad „Obergefreiter“ an. 
Bestandteil des „Personalbogens für Hochschulstudenten“ (UA Erlangen, F1,2d Nr. 33 Weiss 
Alarich), den Weiss im Dezember 1945 ausfüllte, war eine ausformulierte „Lebensbeschre i-
bung“ mit vorgegebener inhaltlicher Struktur. In jenem Lebenslauf äußerte er sich wie folgt: 
„Infolge der schlechten finanziellen Lage meiner Eltern musste ich auch mit dem Schuleintritt [1935, 
Studienseminar St. Emmeram in Regensburg, HK] in die HJ eintreten, da ich sonst keine Schulgelde r-
mässigung erhalten  hätte. Zu einer unter Schülern höherer Lehranstalten fast allgemein üblichen 
führenden Stelle habe ich es nicht gebracht. Ich hatte eben keinerlei militärisches oder grosssprech e-
risches Talent. 
Im Frühjahr 1943 wurde ich zur Wehrmacht einberufen. Ich wurd e auch als ROB [Reserve -Offizier-
Bewerber, HK] geführt, aber dann im Frühjahr 1944 in der Normandie von meinem Kompanieführer, 
einem Abiturienten der Napola, gestrichen und als ‚unmilitärischer Mensch‘ bezeichnet. So kam es, 
dass ich 1945 beim Zusammenbruch als Obergefreiter entlassen wurde.“ 
Einheiten der 2.  SS-Panzer-Division „Das Reich“ begingen nachweislich Kriegsverbrechen, 
wobei diejenigen im „Partisanenkrieg“ in Frankreich bereits umfangreich erforscht sind (vgl. 
Lieb 2007, S.  360-377, sowie Lieb 201 4). In vielen Darstellungen wurde auf die brutale 
Kampfführung der Division „Das Reich“ im Osten hingewiesen, es fehlt allerdings bis heute 
an einer wissenschaftlichen Aufarbeitung (Lieb 2007, S.  61, Aktualität bestätigt durch E -Mail 
Lieb vom 14.06.2017). Die einzelnen Operationsräume sind dokumentiert (vgl. Weidinger).

61 
Auf Anfrage teilte Jens Westemeier, ausgewiesener Experte für biografische Forschung im 
Bereich der Waffen-SS (siehe Literatur; Empfehlung von Peter Lieb), folgende Einschätzung – 
nach Einsicht in obigen Sachstand zu Weiss (anonymisiert) – mit: 
„Zunächst ist festzustellen, dass es sich mit dem Jahrgang 1925 um eine Generation handelt, die b e-
reits im Kindesalter (1933 acht Jahre alt) im NS -Staat und damit auch in Schule und Freizeit (HJ) nat i-
onalsozialistisch sozialisiert wurde. Aus dem Eintrittsdatum in die W[affen] -SS Januar 1943 lässt sich 
feststellen, dass dieser Eintritt freiwillig erfolgte und der junge Mann sich im Alter von 17/18 Jahren 
zur W[affen]-SS freiwillig meldete – und sich damit bewusst gegen den Dienst in der Wehrmacht und 
für den Dienst in dieser Parteiorganisation entschied. Ich gehe davon aus, dass er überdies, das wäre 
idealtypisch, seit 1933 der HJ angehörte. 
Die Panzerjägerabteilung der SS -Division Das Reich nahm im Frühj ahr 1943 an den Kämpfen um 
Charkow teil, es könnte also sein, dass der SS -Mann bereits dort zum Einsatz kam. Dort kam es beim 
Einsatz des II. SS-Panzer-Korps zu zahlreichen Kriegsverbrechen, insbesondere durch die Leibstanda r-
te. In der Tat sind die Verbrechen der W[affen]-SS in der Sowjetunion noch nicht umfassend erforscht 
[…], es lassen sich aber doch deutliche Muster erkennen, die auf einer Linie mit den bekannteren 
Verbrechen in Frankreich/Italien/Belgien/Griechenland/Jugoslawien liegen. 
Das Wort ‚invol viert‘ ist mir wie das Wort ‚verstrickt‘  zu passiv [bezieht sich auf meine Anfrage, HK] , 
die Division Das Reich beging und führte NS-Gewaltverbrechen durch. 
[…] 
Persönlich halte ich wenig vom ‚Bildersturm‘, allerdings zeugt die freiwillige Mitgliedschaft i n der 
Waffen-SS vor Sommer 1943 von einer überzeugten NS-Haltung in dieser Zeit – das ist aufzuarbeiten, 
die Person einzuordnen und Teil einer solchen, nicht untypischen ‚bundesdeutschen‘ Biografie – vom 
Skandal zur Zeitgeschichte [vgl. Westemeier 2016]. 
Sie werden wohl kaum noch Beweise für eine persönliche Beteiligung und Verübung von Kriegsve r-
brechen finden, das gibt es selbst in Ausnahmefällen wie der Aufarbeitung des sog. Malmedy -
Massakers selten. Allerdings sollte es möglich sein, über die Einheiten d ie mögliche Beteiligung an 
Verbrechen herauszuarbeiten. Es steht jedoch außer Frage, dass [er] genaue Kenntnisse über die 
Verbrechen der W[affen] -SS und seiner Division besaß“ (E -Mail vom 15.06.2017, Jens Westemeier, 
derzeit Mitarbeiter des Projekts „Aufarbeitung der Rolle der Zahnärzteschaft im Nationalsozialismus“ 
am Institut für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der RWTH Aachen). 
Westemeier empfahl zudem eine Anfrage an das Bundesarchiv Ludwigsburg  (auf Anfrage 
kein Befund) sowie möglicherweise e ine Recherche beim Bundesarchiv Militärarchiv Fre i-
burg, Nachlass Vopersal (siehe unten). Den Ausführungen von Peter Lieb folgend, zeichneten 
für die Massaker an der Zivilbevölkerung von Tulle und Oradour -sur-Glane im Juni 1944 a n-
dere Kompanien verantwortlich als die 6./7. Kompanie (Lieb 2007, S. 364 ff.). 
Wie in den oben genannten Meldebögen, verleugnete Weiss auch im Zuge seines Entnazif i-
zierungsverfahrens seine Mitgliedschaft zur Waffen -SS sowie seine Kriegsteilnahme in einer 
SS-Division (StA Amberg, Spruchkammer Kemnath Meldebögen W 368 ). Er gab wiederum 
lediglich seine Mitgliedschaft in der HJ (1935 -1942) zu Protokoll; von der Spruchkammer 
wurde er daher als „Nicht -betroffen“ eingestuft. Laut Auskunft des Staatsarchivs Nürnberg 
hätte Weiss bei Erwähnung seiner Mitgliedschaft in der Waffen -SS kaum einen Studienplatz 
erhalten (E-Mail vom 13.06.2017 von Archivdirektor Dr. Herbert Schott).

62 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, VBS 284/6220014022 
BArch Militärarchiv Freiburg, N 756/111 -115 [genannt „Nachlass Vopersal“, Bestände 111-115 zu (2.) SS -
Panzer(grenadier)-Division „(Das) Reich“] 
BArch Ludwigsburg, Personenrecherche Alarich Weiss [kein Archivgut ermittelt] 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche  
StA Amberg, Spruchkammer Kemnath Meldebögen W 368 [Entnazifizierungsakte/Meldebogen] 
UA Erlangen, F1,2d Nr. 33 Weiss Alarich [Studierendenakte] 
UA Darmstadt, TH 26/01 Nr. 380-19 [Diplomakte] 
UA Darmstadt, 113 Nr. 16889 [Nr. 154] [Promotionsakte] 
UA Darmstadt, 201 Nr. 123 [Habilitationsunterlagen] 
StadtA DA, ST 61 Weiss, Prof. Dr. Alarich 
Literatur: 
Kannapin, Norbert: Die deutsche Feldpostübersicht 1939 -1945. Vollständiges Verzeichnis der Fel d-
postnummern in numerischer Folge und deren Aufschlüsselung. Bearbeitet nach den im Bundesa r-
chiv-Militärarchiv verwahrten Unterlagen des Heeresfeldpostmeisters, Band 3: Nrn. 41992 bis 87919. 
Osnabrück 1982. 
Lieb, Peter: Konventioneller Krieg oder NS -Weltanschauungskrieg? Kriegsführung und Partisanenb e-
kämpfung in Frankreich 1943/44. München 2007. 
Lieb, Peter: Militärische Elite? Die Panzerdivisionen von Waffen-SS und Wehrmacht in der Normandie 
1944 im Vergleich. In: Ders./Schulte, Jan Erik/Wegner, Bernd (Hrsg.): Die Waffen -SS. Neue Forschun-
gen. Paderborn 2014, S. 336-353. 
Mattson, Gregory Louis: SS – Das Reich. The history of the s econd SS division, 1939-45. St. Paul (MN) 
2002. 
Rupp, Claudius: Im Feuer gestählt. Panzerjäger der Waffen-SS Division „Das Reich“. Coburg ²1999. 
Weidinger, Otto: Division Das Reich. Der Weg der 2. SS -Panzer-Division „Das Reich“. Die Geschichte 
der Stammdivision der Waffen-SS, Bd. 4: 1943. Osnabrück 1979. 
Westemeier, Jens: Himmlers Krieger. Joachim Peiper und die Waffen -SS in Krieg und Nachkriegszeit. 
Paderborn 2014 [Dissertation]. 
Westemeier, Jens: Die Junkerschulgeneration. In: Lieb, Peter/Schulte, Jan Erik/Wegner, Bernd (Hrsg.): 
Die Waffen-SS. Neue Forschungen. Paderborn 2014, S. 269-285. 
Westemeier, Jens: Hans Robert Jauß. Jugend, Krieg und Internierung. Konstanz 2016.

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Robert-Cauer-Straße (L 9), benannt 1964 nach 
Robert Cauer (1863-1947) 
Darmstädter Bildhauer 
* 3. Januar 1863 in (Bad) Kreuznach 
Bis 1878 Besuch des Gymnasiums in (Bad) Kreuznach, Abschluss der Obersekunda 
Bildhauer-Schüler seines Vaters Carl Cauer 
1880-1882 Aufenthalt in Rom 
1883 Moltke-Standbild (Donnersberg) 
1885 Militärdienst in Berlin 
1887-1889 Zweiter Aufenthalt in Rom 
1889-1892 Aufenthalt in den USA, zunächst in New York, dann hauptsächlich in St. Louis (Missouri), 
diverse bildhauerische Arbeiten (Büsten, Statuen) 
1893 Portraitbüste von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen 
1902 Hochzeit mit Lotte Ewald; Michel-Mort-Denkmal (Bad Kreuznach) 
1904 Erneuter Aufenthalt in St. Louis (Missouri): General-Franz-Sigel-Denkmal 
1906 Umzug nach Darmstadt  (Heimatstadt seiner Frau; Wohnort seiner Schwester Maria,  der Frau 
Arnold Mendelssohns) 
1906-1907 Bildhauerische Tätigkeiten an der Pauluskirche (Darmstadt), u. a. Christusrelief im Giebe l-
feld des Hauptportals sowie weitere Reliefs 
1909 Plastik „Bockspringer“ 
1911 Dritter USA Aufenthalt, Jahn -Denkmal (St. Louis, Missouri); Reliefs an der Pestalozzi -Schule 
(Darmstadt) 
1915 Fries in der Empfangshalle der Firma Merck (Darmstadt) 
1924 Denkmal für die „Kriegsgefallenen“ in der Johanneskirche (Darmstadt) 
1925 Grabdenkmal (Relief) für Ludwig Wagner (Waldfriedhof Darmstadt) 
1925 Denkmal für die „gefallenen“ Lehrer der Viktoriaschule in Darmstadt 
1927 Artillerie-Denkmal (Darmstadt) 
1930 Kandelaber-Gestaltung (Eisenguss), Geschenk der Firma Roeder an die Stadt Darmstadt 
1931/1932 Grabmal des 1931 verstorbenen nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten und 
Gauleiters Peter Gemeinder (Waldfriedhof Darmstadt) 
1934-1945 Mitglied der NSV 
Ab 1936 Mitglied der RKK 
1936 Bronzestatue einer Soldatenfigur im Sturmangriff (Rinteln) 
1937 Reliefbild Heinrich Reinhard Kröh (Maler); Büste des Darmstädter Stadtarchivars Adolf Müller 
1938 Büste E.T.A. Hoffmanns 
1938-1940 Ehrenmal in der Liebig-Oberschule (Darmstadt); Büste von Johann Heinrich Merck 
† 28. Februar 1947 in Darmstadt

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Ehrungen: 
1916 Verleihung des Professorentitels durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen 
Wirken in der NS-Zeit 
Der Bildhauer Robert Cauer, stammend aus einer in (Bad) Kreuznach beheimateten Künstle r-
familie und seit 1906 in Darmstadt ansässig (der Heimatstadt seiner Frau), hat in seiner über 
sechzigjährigen Schaffenszeit zahlreiche Kunstwerke gestaltet – auch in Darmstadt, auch 
zwischen 1933 und 1945. Dazu zählen neben Portraitbüsten (darunter jene von Johann Hein-
rich Merck 1940) und Plastiken vor allem Reliefs an /in Kirchen und Schulen sowie  in Form 
von Grabgestaltungen. 
Seit 1936 war Robert Cauer als Bildhauer Mitglied der RKK. 1934 trat er der NSV bei, bereits 
vor 1933 dem VDA. 
Der Darmstädter OB Otto Wamboldt befürwortete 1937 eine finanzielle Spende an Cauer 
aus dem „Künstlerdank“ mit folgender Begründung: 
„Seine künstlerische Leistungsfähigkeit wird vo n dem Landesleiter Hessen-Nassau der Reichskammer 
der bildenden Künste gut beurteilt. Die wirtschaftlichen Verhältnisse des Cauer sind äußerst ungün s-
tig. Trotzdem ist Prof. Cauer seit 1.8.1934 Mitglied der NSV. Zu seinen Familienverhältnissen sei ve r-
merkt, dass ein Sohn an der Städtischen Akademie für Tonkunst tätig ist. Dieser Sohn ist Mitglied der 
Partei seit 1.  Oktober 1930 mit der Mitglieds -Nr. 317211. […] Prof. Cauer selbst hat in den letzten 
Jahren nur wenige Aufträge erhalten und somit keinerlei nenn enswerte Einkünfte gehabt. Die polit i-
sche Zuverlässigkeit ist gegeben“ (BArch Berlin, BDC, R 55/30820). 
Bereits 1931/1932 hatte Cauer das Grabmal des 1931 verstorbenen nationalsozialistischen 
Reichstagsabgeordneten Peter Gemeinder gestaltet, dem Leiter des  NSDAP-Gaus Hessen -
Darmstadt. Die Beerdigung Gemeinders auf dem Darmstädter Waldfriedhof wurde von pr o-
minenten Parteimitgliedern besucht und durch SA - und SS-Formationen zu einer politischen 
Kundgebung instrumentalisiert. OB Wamboldt wertete einige Jahre s päter Cauers Berei t-
schaft, das Grabmal Gemeinders zu gestalten, als Ausdruck dessen politischer Haltung. In der 
Berichterstattung zu einer Jubiläums -Ausstellung anläss lich Cauers 75.  Geburtstags wird 
Wamboldt folgendermaßen zitiert: 
„Cauers künstlerisches Schaffen zeuge für sich und ihn selbst, denn Cauer habe nie jenen destrukt i-
ven Tendenzen gehuldigt, die wir heute als entartete Kunst ansprechen, vielmehr sei er Zeit seines 
Lebens ein unbedingt deutschbewußter Künstler gewesen, und nichts spreche überzeug ender für 
ihn, als daß er auch schon inmitten der Kampfzeit zu uns gestanden sei, was ja deutlich aus der Schaf-
fung des Peter-Gemeinder-Grabmals hervorgehe“ (Hessische Landeszeitung 1938). 
Weitere größere Berichte 1933 und 1937 in der Hessischen Landeszeit ung über Cauers L e-
ben und Werk sind mit „Der Schöpfer des Peter-Gemeinder-Grabmals“ überschrieben. 
Cauer hat eine Reihe von Krieger - und Gefallenen-Denkmalen geschaffen, darunter das 1936 
eingeweihte Denkmal des Reserve-Jägerbataillons Nr. 20 in Rinteln. K arl Esselborn beschrieb 
1938 das Standbild des „mit dem Bajonett vorwärtsstürmende[n] Jäger[s] als unübertreffl i-
ches Sinnbild der den Feind abwehrenden Volkskraft“. In Darmstadt entstanden mehrere 
Werke in Erinnerung an den Ersten Weltkrieg: 1924 das Denkm al für die „Kriegsgefallenen“ 
in der Johanneskirche, 1925 das Denkmal für die „gefallenen“ Lehrer der Viktoriaschule und

65 
1927 das sogenannte „Artillerie-Denkmal“, das einen eine Handgranate werfenden Soldaten 
darstellt (daher auch „Der Handgranatenwerfer“ genannt). In der NS -Zeit kam das Ehrenmal 
für die „gefallenen“ Schüler  der Liebig-Oberschule hinzu, das Siegeswillen und Opferberei t-
schaft thematisierte. Cauer entwarf das in der Turnhalle der Schule angebrachte Relief 1938 
im Auftrag der Stadt Darmstadt; 1940 wurde es eingeweiht – nun auch den „gefallenen“ 
Schülern des Zweiten Weltkriegs gewidmet. 
Cauers Persönlichkeit wird als „getragen von einer begeisterten Vaterlandsliebe und einer 
tiefen Religiosität“ (Karl Esselborn 1938) beschrieben. 
Im Meldebogen d es Entnazifizierungsverfahrens gab Cauer 1946 als Selbsteinschätzung 
„Gruppe V“ an. Für das Jahr 1943 notierte er als Einkommen aus seiner künstlerischen Täti g-
keit 4.911 RM (1934/1938 gut 2.000 RM). Er wurde als „Vom Gesetz nicht betroffen“ eing e-
stuft. 
Cauers Tochter Helene resümierte in ihren „Erinnerungen an meinen Va ter“ (1963): „Bis 
über sein 80. Lebensjahr hinaus war Vater unermüdlich tätig. Das Unglück des zweiten verl o-
renen Krieges hat er nicht mehr verkraften können; er ist oh ne Krankheit Anfang 194 7 im 
85. Lebensjahr gestorben.“ 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, R 55/30820 [Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda] 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 28693 (nur Meldebogen) 
HStAD, H 3 Nr. 1419 [Kennkartenmeldebogen] 
Fotos von Cauer sowie seiner Werke in HStAD Bestand R 4 
StadtA DA, ST 61 Cauer, Robert 
StadtA DA, Benennung/Umbenennung von Straßen, Bd. 1 [Provenienz: Hochbauamt (1949-1964)] 
Archiv des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg – Deutsches Kunstarchiv, Nachlass Cauer 
1901-1940, Familienkorrespondenz [nicht verzeichnet, NICHT eingesehen] 
Literatur: 
Das Ehrenmal von Professor Robert Cauer in der Liebig-Oberschule zu Darmstadt. [Als Manuskript 
gedruckt] Darmstadt 1941. 
Esselborn, Karl: Robert Cauer (1863-1947)/Bildhauer. In: Hessische Lebensläufe. Darmstadt 1979, 
S. 61-66 [Erstveröffentlichung 1932]. 
Glüber, Wolfgang: Cauer d. J., Robert. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 125. 
Haupt, Georg: Ein Denkmal. Mit 3 Abb. [Grabdenkmal von Prof. Robert Cauer für Ludwig Wagner, 
1852-1925, auf dem Waldfriedhof Darmstadt]. In: Volk und Scholle 11 (1933), H. 3, S. 61-63. 
Masa, Elke: Die Bildhauerfamilie Cauer im 19. und 20. Jahrhundert – 150 Jahre deutsche Skulpturge-
schichte. Berlin 1988 [darin: Robert Cauer d. J. (1863-1947), S. 65-75]. 
Rick, Kevin: Peter Gemeinder – NS-Gauleiter und vergessener Märtyrer? In: Hessisches Jahrbuch für 
Landesgeschichte 61 (2011), S. 113-135.

66 
Hindenburgstraße (J-K 7), benannt 1915 nach 
Paul von Hindenburg (1847-1934) 
Militär und Politiker, Generalfeldmarschall und Reichspräsident 
* 2. Oktober 1847 in Posen 
Schulbesuch in Posen 
1859-1866 Besuch der Kadettenanstalt in Wahlstatt (Kreis Liegnitz) sowie ab 1863 der Hauptkade t-
tenanstalt in Berlin 
1866 Teilnahme an der Schlacht von Königgrätz 
1870/71 Teilnahme an der Schlacht von Sedan im Deutsch-Französischen Krieg 
1870-1911 Militärlaufbahn; 1903 Kommandierender General, 1905 General der Infanterie 
1879 Heirat mit Gertrud von Sperling (drei Kinder) 
1911 Abschied aus dem Militärdienst in den Ruhestand 
1914 Reaktivierung kurz  nach Beginn des Ersten Weltkriegs, Übernahme der  8. Armee als Oberb e-
fehlshaber (mit Erich Ludendorff als Chef des Stabes), Beförderung zum Generaloberst 
1914 Schlacht bei Tannenberg, in der die 2. Russische Ar mee vernichtend geschlagen wurde; Mythos 
des „Siegers von Tannenberg“: ab November 1914  Oberkommando über alle deutschen Truppen der 
Ostfront; Ernennung zum Generalfeldmarschall 
1916-1919 nach der Entlassung  Erich von Falkenhayns Übernahme  der Obersten Heeresleitung (g e-
meinsam mit Erich Ludendorff), Chef des Generalstabes des Heeres 
1919 Propagieren der sogenannten „Dolchstoßlegende“ v or dem parlamentarischen Untersuchung s-
ausschuss der Nationalversammlung zu den Ursachen der deutschen Niederlage 
1919-1925 Rückzug nach Hannover in den Ruhestand 
1921 Vorsitzender der Deutschenhilfe 
1925-1934 Reichspräsident (bei Wahl 1925 Kandidatur im zweiten Wahlgang) 
1930 Berufung von Heinrich Brüning zum Reichskanzler, ohne das Parlament einzuschalten; Beginn 
der Zeit der Präsidialkabinette 
1932 Ernennungen Franz von Papens (30. Mai) und Kurt von Schleichers (2. Dezember) zum Reich s-
kanzler 
1932 Wiederwahl zum Reichspräsidenten (Sieg im zweiten Wahlgang über den Gegenkandidaten 
Adolf Hitler) 
1933 Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler (30. Januar); Verfügung der Aufl ösung des Reich s-
tags (1. Februar); „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes “ (4. Febru-
ar), „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ (28. Februar) 
† 2. August 1934 auf Gut Neudeck (Ostpreußen) 
Ehrungen (Auswahl): 
1911 Schwarzer Adlerorden 
1915 Orden Pour le Mérite

67 
1916 Großkreuz des Eisernen Kreuzes 
1918 Sonderstufe zum Großkreuz des Eisernen Kreuzes („Hindenburgstern“) 
1921 Ehrenbursch des Corps Montania Freiberg 
Paul von Hindenburg war Ehrendoktor zahlreich er Universitäten sowie Ehrenbürger in mehreren 
hundert (!) deutschen Städten; zahlreiche Straßen und Plätze, Kasernen und Schulen trugen und tr a-
gen seinen Namen. 
Wirken in der NS-Zeit 
Paul von Hindenburg war als Generalfeldmarschall und Chef des Generalsst abes des Heeres 
einer der führenden deutschen Militärs im Verlauf des Ersten Weltkriegs. Als „Sieger/Held 
von Tannenberg“ umgab ihn schon zu Lebzeiten ein (von ihm selbst beförderter) Mythos, 
der bereits kurz nach der Schlacht bei Tannenberg entstand, die Niederlage 1918 überdauer-
te und wirkmächtig blieb (dazu ausführlich Jones, Goltz, Hoegen, Pyta). In der Heimat stand 
er als nationaler Held symbolisch für Sieg und Einheit. Entgegen der lange vorherrschenden 
Auffassung Hindenburgs als apolitischer Militär geht die jüngere Forschung davon aus, dass 
er sich der Macht des Mythos sehr wohl bewusst war und ihn politisch geschickt einzusetzen 
vermochte. 
Nach Ende des Ersten Weltkriegs verbreitete Hindenburg die sogenannte „Dolchstoßlege n-
de“, wonach das deutsche H eer „im Felde unbesiegt“ gewesen sei und erst aus der Heimat 
den „Dolchstoß von hinten“ erhalten habe. Er propagierte  diese Legende unter anderem vor 
dem parlamentarischen Untersuchungs ausschuss der Nationalversammlung zu den Ur sa-
chen des deutschen „Zusammenbruchs“. Laut der „Dolchstoßlegende“ sei die Schuld an der 
Niederlage vor allem bei Sozialdemokraten und anderen demokratischen Kräften zu suchen. 
1919 ging Hindenburg in den Ruhestand, ließ sich 1925 (im Alter von 77 Jahren) aber zu e i-
ner Kandidatur für die Wahl des Reichspräsidenten drängen: Im zweiten Wahlgang trat er als 
Kandidat an, gewann die Wahl und wurde zum ersten direkt gewählten Präsidenten der 
Weimarer Republik. Während bei der Wahl 1925 rechte Parteien den parteilosen Genera l-
feldmarschall zur Kandidatur aufforderten, erhielt Hindenburg bei seiner Wiederwahl 1932 
die Unterstützung der demokratischen Parteien – gegen den (unterlegenen) Kandidaten 
Adolf Hitler. Hitler ging dennoch gestärkt aus den Wahlen im Frühjahr 1932 hervor, die pol i-
tischen Verhältnisse verschoben sich nachhaltig, Gespräche zwischen Reichspräsident Hi n-
denburg und dem aufstrebenden Hitler im Sommer 1932 waren eine der Folgen (dazu jüngst 
Jones, S. 348 ff.). 
Als Reichspräsident nutzte Hindenburg seine verfassungsgemäß starke Position und überging 
ab 1930 das Parlament, den Reichstag, über den Weg der Präsidialkabinette (unter den 
Kanzlern Heinrich Brüning, Franz von Papen und Kurt Schleicher). In der Literatur werden 
Hindenburgs Grundauffassungen durchweg als antiparlamentarisch beschrieben. 
Am 30. Januar 1933 ernannte Hindenburg seinen Konkurrenten in der Präsidentschaftswahl 
von 1932, Adolf Hitler, zum Reichskanzler. Dem aktuellen Forschungsstand folgend, en t-
schied Hindenburg „aus eigener Machtvollkommenheit und aus eigenem Ent schluss“ (Pyta,

68 
S. 792). Kursierende Behauptungen, Hindenburg sei zur Ernennung Hitlers als Reichskanzler 
getrieben worden, ostelbische Großgrundbesitzer hätten vielmehr den Ausschlag für die 
Entscheidung gegeben, erwiesen sich demnach als „pure Spekulatio n“. Im November 1932 
hatte Hindenburg Hitler schon einmal einen Regierungsauftrag erteilt; Hitler wollte sich zu 
diesem Zeitpunkt auf die vom Reichspräsidenten gestellten Bedingungen aber nicht einla s-
sen. Insbesondere verweigerte Hindenburg Hitler den Zugr iff auf sämtliche präsidiale Vol l-
machten. 
Hindenburg hatte seit Herbst 1931 auf die Zusammenfassung aller „nationalen Kräfte“ in 
einer Regierung hingearbeitet: Nationale Einheit als übergeordnetes Ziel. Die Auflösung des 
Reichstags, die immer noch beim Rei chspräsidenten lag und die Hindenburg am 1. Februar 
1933 verfügte, und die daraus folgenden Neuwahlen schienen sowohl Hitler als auch Hi n-
denburg als diesem Ziel dienlich, wie Wolfram Pyta in seiner umfassenden Hindenburg -
Biografie belegte. Mit der Einleitu ng von Neuwahlen entschied sich Hindenburg „bewusst 
und gezielt für eine freiwillige Rücknahme der Präsidialgewalt“ (Pyta, S.  797). Ein Erstarken 
der NSDAP unter ihrem „Führer“, dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler, nahm Hindenburg 
demnach wissentlich und billigend in Kauf. Maßgebend für seine Entscheidung war laut Pyta 
die „Einheit der Nation als oberstem Gut“ (Pyta, S. 798). 
Entgegen älterer Deutungen, die den Reichspräsidenten als leicht manipulierbaren Greis 
darstellten, geht die jüngere Forschung davon  aus, dass Hindenburg bis kurz vor seinem Tod 
bei klarem Verstand und selbstbestimmt agierte. Er trug alle Eingriffe des Jahres 1933 zur 
Ausschaltung des Parlaments, zum Verbot der politischen Parteien sowie der Gewerkscha f-
ten, zur Errichtung einer Einpart eien-Diktatur mit, darunter das „Ermächtigungsgesetz“, das 
ein Abweichen von der Reichsverfassung legitimierte, und das Gesetz „zur Wiederherste l-
lung des Berufsbeamtentums“. Im Februar 1933 erließ Hindenburg die „Verordnung des 
Reichspräsidenten zum Schutz e des deutschen Volkes“, die massive Eingriffe in die Presse - 
und Versammlungsfreiheit ermöglichte. Innenpolitisch überließ er den Nationalsozialisten 
bewusst das Feld: 
„Wenn Hindenburg in der Folgezeit [nach dem 30. Januar 1933] noch Notverordnungen unter zeich-
nete, dann nur, um der Regierung neue Machtmittel an die Hand zu geben, die es ihr gestatteten, 
eine von der Präsidialgewalt unabhängige Basis aufzubauen“ (Pyta, S. 810). 
Hindenburg hinterließ nach seinem Tod am 2. August 1934 ein „politisches Testame nt“ (aus-
führlich dazu Mühleisen sowie Pyta, S.  855-871), das in Teilen einem Rechenschaftsbericht 
über seine Amtszeit als Reichspräsident gleichkam, in dem er unter anderem auch seine Ha l-
tung zu Adolf Hitler und dem Nationalsozialismus bezeugte. Hindenburg  stilisierte sich in 
dem politischen Testament – dessen Vorlage von Franz von Papen stammte, von Hindenburg 
überarbeitet und unterzeichnet – als politischer Akteur, der sich stets von seinem politischen 
Grundsatz der nationalen Einheit habe leiten lassen. – Das Verhältnis zwischen Hindenburg 
und der nationalsozialistischen Bewegung (und auch der Person Adolf Hitlers, den er als 
„böhmischen Gefreiten“ bezeichnete) war bis 1933 von beiderseitigem Misstrauen und A b-
neigung geprägt. – Tenor des politischen Testaments war nach Pytas Auffassung, dass „durch 
die Politik Hitlers das politische Lebenswerk Hindenburgs gekrönt werde“ (Pyta, S.  863). Hin-

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denburg brachte darin sein Wohlgefallen über die seit dem 30. Januar 1933 eingeleitete 
Entwicklung unmissverständlich z um Ausdruck. Im Wortlaut hieß es in dem tradierten Te s-
tament, das Hindenburg im April/Mai 1934 auf Basis des Entwurfs Franz von Papens verfas s-
te: 
„Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung haben zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über 
alle Standes- und Klassenunterschiede zu innerer Einheit zusammenzuführen, einen entscheidenden 
Schritt von historischer Tragweite getan . […] Ich scheide von meinem deutschen Volk in der festen 
Hoffnung, dass das, was ich im Jahre 1919 ersehnte und was in langsamer Reif e zu dem 30. Januar 
1933 führte, zu voller Erfüllung und Vollendung der geschichtlichen Sendung unseres Volkes reifen 
wird“ (zitiert nach Pyta, S. 863). 
Franz von Papen gab im Zuge des Entnazifizierungsverfahrens von Oskar von Hindenburg 
(Paul von Hindenbu rgs Sohn) 1949 zu Protokoll, dass auch die Passagen zu Hitler bereits 
„gedanklich zweifellos“ (zitiert nach Mühleisen, S.  360) in von Papens (nicht tradierten) M a-
nuskript enthalten waren, welches Hindenburg in Auftrag gegeben hatte und das dem 
Reichspräsidenten als maßgebliche Grundlage für seine Version diente. Anders als die (für 
von Papen zentrale) Passage, die Hindenburgs Nachfolge behandelte und die Wiedereinfü h-
rung der Monarchie forderte, nahm Hindenburg den oben zitierten Bogenschlag nicht he r-
aus. Hindenburg trennte jenen Teil des Entwurfs ab, der seine Nachfolge regeln sollte, und 
adressierte diesen an Hitler persönlich (er bestimmte darin offensichtlich Hitler nicht als se i-
nen Nachfolger; das Dokument wurde nie veröffentlicht und ist nicht überliefe rt; ausführlich 
dazu Mühleisen). Das Testament – wie auch das Begräbnis Hindenburgs – wurde von den 
Nationalsozialisten (und von Oskar von Hindenburg) instrumentalisiert zur Legitimation ihrer 
Herrschaft. 
Hindenburg in der Erinnerungskultur 
Da Paul von Hin denburg als Namenspatron in den letzten Jahren wie kaum ein anderer in 
deutschen Städten in die Kritik geraten ist, werden im Folgenden ein paar wenige Anme r-
kungen zum Umgang mit der Thematik (ausführlicher Pöppinghege, Thamer 2012 a) unter 
Bezug auf Darms tadt gemacht sowie zwei ausgewählte Beispiele aus der jüngeren Verga n-
genheit skizziert. 
Hindenburg – vor dem Ersten Weltkrieg kaum oder gar nicht in der Öffentlichkeit präsent – 
erhielt ab 1914 zahlreiche Ehrungen, die ihm als Namenspatron für Straßen, Plätze und Schu-
len, Schiffe, Luftschiffe und Kasernen zuteilwurden. In Darmstadt wurde nach dem „Held von 
Tannenberg“ 1915 die Hindenburgstraße benannt. Eine weitere Welle von Ehrungen dieser 
Art erstreckte sich 1927 anlässlich des 80. Geburtstags des Heroen (und nun schon Reich s-
präsidenten) über die Weimarer Republik. In Folge der durch Hindenburg eingeleiteten 
Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 standen schließlich geradezu flächendecke n-
de doppelte Umbenennungen von Straßen und Plätzen in Adolf -Hitler-Plätze und Hinde n-
burg-Straßen. Während alle Namensnennungen in Bezug auf Adolf Hitler aus den Straße n-
bildern verschwunden sind, gibt es (Stand 2007) noch über 400 Verkehrswege (Straßen, Plä t-
ze, Brücken), die nach Paul von Hindenburg benannt sind. Auch si nd längst nicht alle Ehre n-

70 
bürgerschaften Paul von Hindenburgs rückgängig gemacht worden. Die Stadt Hamburg etwa 
verfolgte eine zunächst diskutierte Aberkennung nach einer Expertise der Forschungsstelle 
für Zeitgeschichte (2015) nicht weiter. Diskussionen u m die Beteiligung Hindenburgs am NS -
Staat führten teils zu Umbenennungen, anderenorts blieben die Ehrungen im Stadtbild (auch 
nach Diskussionen) erhalten, etwa 2015 in Ludwigsburg sowie in Oldenburg (hierzu ausfüh r-
lich Dietmar von Reeken 2018). In Oldenburg erfolgte die Nicht-Umbenennung explizit gegen 
den Vorschlag der eigens zur Prüfung der Straßennamen eingesetzten Kommission – und zur 
Verwunderung mancher Historiker, die in das Verfahren involviert waren: 
„Was mich allerdings überrascht hat, war das Vot um pro Hindenburg -Straße – da hätte ich deutlich 
anders entschieden, denn das verhängnisvolle politische Verhalten Hindenburgs ist wissenschaftlich 
eigentlich eindeutig nachgewiesen, Hindenburg als Namenspate daher kaum tragbar“ (Reeken 2018, 
S. 294, FN 6). 
In Darmstadt initiierte 2005 die Fraktion „Die Linke“ im Stadtparlament eine Umbenennung 
der Hindenburgstraße (hierzu und zum Folgenden Stadtarchivar Dr. Peter Engels, E -Mail vom 
04.12.2017). Auf einen entsprechenden Antrag hin empfahl der „Beirat für St raßenbenen-
nung“ im September 2005 dem Magistrat der Stadt Darmstadt die Umbenennung. Der M a-
gistrat schloss sich im Juni 2006 dieser Empfehlung an – unter der Maßgabe, zuvor die A n-
wohner/Anrainer der Hindenburgstraße zu befragen. Diese sprachen sich im Febr uar 2007 
mit großer Mehrheit gegen eine Umbenennung aus, z ugleich setzte sich die Bürgerinitiative 
„Pro Hindenburgstraße“ für die Beibehaltung des Namens ein . Der Magistrat beschloss d a-
raufhin im März 2007 die Beibehaltung des Straßennamens. Über den Umgan g mit der Hi n-
denburgstraße wurde weiter öffentlich diskutiert. Im Februar 2013 startete der DGB -
Stadtverband Darmstadt im Namen des „ Bündnis gegen rechts Darmstadt und Umgebung“  
einen erneuten Versuch der Umbenennung . Die Stadtverordnetenversammlung lehnte  im 
Oktober 2013 einen entsprechenden Antrag mehrheitlich ab – mit dem Verweis darauf, dass 
zunächst die Ergebnisse des Fachbeirats „Darmstädter Straßennamen“ abgewartet werden 
sollten, der in gleicher Sitzung einstimmig vom Stadtparlament beschlossen wurd e. Öffentli-
che Diskussionen (so im Mai 2014) und Protestaktionen (zuletzt im Januar 2017) folgten. – 
Erstmals war eine Umbenennung der Hindenburgstraße am 30. April 1945 in Darmstadt vo r-
geschlagen worden (und zwar in „Carl Legin -Straße“). Anders als im Fal le des Adolf -Hitler-
Platzes (Luisenplatz) behielt die Hindenburgstraße trotz wiederholter Eingabe jedoch ihren 
Namen (StadtA DA, Straßenbenennungen 1). 
Münster (Westfalen) 
Einen öffentlichen Diskurs um den Namenspatron Hindenburg gab es in der jüngeren Ve r-
gangenheit in Münster, an dessen vorläufigen Ende im März 2012 die Umbenennung des 
Hindenburgplatzes in „Schlossplatz“ stand (nach Beschluss des Rats der Stadt). Im Zuge des 
Verfahrens wurde parallel zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt!?“ (Januar -März 2012) 
auch eine Bürgerumfrage (Zufallsstichprobe auf Basis des Einwohnermelderegisters) durc h-
geführt. In der Bürgerumfrage wurde darauf verwiesen, dass nach neueren Forschungse r-
gebnissen „der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS -Regimes

71 
anzusehen“ sei. Auf die anschließende Frage „Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg 
durch die Namensgebung für den größten Platz Münsters zu ehren?“ antworteten mit „Ja“ 
35 % der Befragten, mit „Nein“ 48 % (Rest: „ohne Angabe“, „weiß nicht/kann i ch nicht beur-
teilen“, „ist mir egal“). Bei einer (nicht -repräsentativen) Umfrage 1997 hatten 55  % der Teil-
nehmenden für die Beibehaltung des Namens ausgesprochen (Frage 1997: „Soll der Hinde n-
burgplatz umbenannt werden?“). Der Historiker Alfons Kenkmann bra chte die unterschiedli-
chen Ergebnisse mit der Informationspolitik der Stadt Münster in Verbindung: 
„Das Ergebnis [von 2012] indiziert eine in der Stadtöffentlichkeit wahrgenommene, historische Ber a-
tungsleistung seitens der Stadtverwaltung. Diese hatte in e iner ‚Informations- und Kommunikations-
phase‘ unterschiedliche Formate, wie Podiumsdiskussionen, Internetauftritte des Stadtarchivs, eine 
Ausstellung ‚Ehre, wem Ehre gebührt‘ samt didaktischen Materialien und Bürgerversammlungen in 
den Bezirken bedient“ (Kenkmann 2018, S. 286). 
Professor Hans-Ulrich Thamer, der neben Professor Kenkmann als Experte in das Verfahren 
2010-2012 involviert war, vertrat die Auffassung, dass es „längst keine ernsthafte g e-
schichtswissenschaftliche Kontroverse über seine [Hindenburgs ] historische Rolle bei der 
Auflösung der ersten deutschen Demokratie“ mehr gebe (Thamer 2012 b). Der Historiker 
gelangte entsprechend zu folgendem Schluss: 
„Spätestens mit der Hindenburg -Biographie von Wolfram Pyta ist die zentrale Rolle Hindenburgs bei 
der Auflösung der Weimarer Republik und dem Brückenschlag zur Diktatur unübersehbar geworden. 
Vor allem hat Pyta mit erdrückendem Quellenmaterial nachgewiesen, dass die Eingriffe Hindenburgs 
als Reichspräsident in das politische Geschehen, das zur Diktatur führte, sehr bewusste Akte eines 
zielgerichteten politischen Handelns waren. Hindenburg war nicht das alterssenile Opfer fremder 
Einflüsterer, wie man das lange zu seiner Rechtfertigung angenommen hat. Er hatte vielmehr ein 
politisches Ziel, das er schließ lich im Bündnis mit Hitler zu verwirklichen erhoffte. Dieses Ziel war die 
nicht verfassungskonforme Vorstellung einer autoritären, nationalen Einheit oder ‚Volksgemei n-
schaft‘, die keinen politischen Pluralismus dulden und auch die politischen Gegner dieser  Ordnung 
ausschalten sollte“ (Thamer 2012 b). 
Gegner der Umbenennung warfen dem Beirat eine einseitige Auslegung der wissenschaftl i-
chen Literatur zu Hindenburgs Rolle in Bezug auf den Nationalsozialismus vor. Einige Emeriti 
der lokalen Universität position ierten sich gegen eine Umbenennung. Ein Bürgerbegehren 
über die Rückbenennung des Schlossplatzes in Hindenburgplatz, für das die Initiative „Pro 
Hindenburg“ in kurzer Zeit 15.000 Unterschriften gesammelt hatte, scheiterte im September 
2012: 59,4 % der Teil nehmenden am Bürgerentscheid sprachen sich gegen eine Rückbene n-
nung aus. 
Hannover 
Auch in Hannover geriet Paul von Hindenburg bei der systematischen wissenschaftlichen 
Untersuchung von namensgebenden Persönlichkeiten in den Fokus (Verfahren ist noch nicht 
vollständig abgeschlossen). Im Zuge einer Art Zwischenbilanz gab der beauftragte Beirat b e-
reits im Oktober 2015 Empfehlungen zu Umbenennungen ab; unter den zehn betroffenen 
Namensgebern befand sich auch Paul von Hindenburg. So empfahl der Beirat die Umbene n-
nung der Straßen „Hindenburgstraße“ (benannt 1916) und „Zur Hindenburgbrücke“ (b e-

72 
nannt 1965). In der Begründung wies der Beirat (unter Bezug auf Pyta 2007) darauf hin, dass 
Hindenburg die nationalsozialistische Diktatur mit der Ernennung des Reichskanzler s Adolf 
Hitler ermöglichte und den Ausbau der Diktatur begrüßte. Der Beirat kam in Hannover zu 
folgendem Fazit: 
„Der Reichspräsident Hindenburg hatte bei der Zerstörung der Republik und beim Ausbau der Dikt a-
tur unter einem antisemitischen Regierungsprogram m die zentrale Rolle. Er hat mit seiner verfa s-
sungsmäßig starken Position ab 1930 den Reichstag über den Weg der Präsidialkabinette auch unter 
Bruch der Verfassung übergangen und Hitler zum Kanzler gemacht. Auch danach trug er die Ma ß-
nahmen mit, die am Ende die nationalsozialistische Diktatur ermöglichten“ (Quelle: siehe unten). 
Von einer symbolischen Streichung aus der Ehrenbürgerliste riet der Beirat hingegen ab. 
Quellen: 
StadtA DA, Straßenbenennungen 1. 
Landeshauptstadt Hannover, Projekt: Wissenschaftlic he Betrachtung von namensgebenden Persö n-
lichkeiten, Empfehlungen des Beirats „Namensgebende Persönlichkeiten“, Tischvorlage zur GOK am 
1. Oktober 2015. 
Literatur: 
Jones, Larry Eugene: Hitler versus Hindenburg. The 1932 Pres idential Elections and the End o f the 
Weimar Republic. Cambridge 2016. 
Goltz, Anna von der: Hindenburg. Power, Myth, and the Rise of the Nazis. Oxford 2009. 
Hoegen, Jesko von: Der Held von Tannenberg. Genese und Funkt ion des Hindenburg -Mythos (1914-
1934). Köln/Weimar/Wien 2007. 
Kenkmann, Alfons: „Anstößige Krieger“ unter dem „Diktat des Zeitgeistes“? Widmungsgetümmel in 
Münster. In: Frese, Matthias/Weidner, Marcus (Hrsg.): Verhandelte Erinnerungen. Der Umgang mit 
Ehrungen, Denkmälern und Gedenkorten nach 1945. Paderborn 2018, S. 279-290. 
Mühleisen, Horst: Das Testament Hindenburgs vom 11. Mai 1934. In: Vierteljahreshefte für Zeitg e-
schichte 44 (1996), S. 356-371. 
Pöppinghege, Rainer: Wege des Erinnerns. Was Straßennamen über das deutsche Geschichtsb e-
wusstsein aussagen. Münster 2007. 
Pyta, Wolfram: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. München 2007. 
Reeken, Dietmar von: Heyl, Hindenburg, Hinrichs. Oldenburger Konflikte um Straßennamen zwischen 
Vergangenheitsbedeutung, Wissenschaft und Politik. In: Frese, Matthias/Weidner, Ma rcus (Hrsg.): 
Verhandelte Erinnerungen. Der Umgang mit Ehrungen, Denkmälern und Gedenkorten nach 1945. 
Paderborn 2018, S. 291-317. 
Thamer, Hans-Ulrich (2012 a): Straßennamen in der öffentlichen Diskussion: Der Fall Hindenburg. In: 
Frese, Matthias (Hrsg.): Fragwürdige Ehrungen!? Straßennamen als Instrument von Geschichtspolitik 
und Erinnerungskultur. Münster 2012, S. 251-264. 
Thamer, Hans -Ulrich (2012 b): Ehren und Erinnern. Straßennamen in der Geschichtskultur einer 
Stadt. Münster 2012 [Manuskript; Rede geh alten im Zuge der Eröffnung der Ausstellung „Ehre, wem 
Ehre gebührt!?“ am 25.01.2012]. 
Zaun, Harald: Paul von Hindenburg und  die deutsche Außenpolitik 1925 -1934. Köln/Weim ar/Wien 
1999.

73 
Hoetgerweg (J 9), benannt 1973 nach 
Bernhard Hoetger (1874-1949) 
Bildhauer 
* 4. Mai 1874 in Hörde (heute Stadtteil von Dortmund) 
1888-1892 Ausbildung zum Stein- und Holzbildhauer in Detmold 
1892-1894 Gesellenwanderjahre in Sachsen, Berlin, Dortmund 
1895-1897 Leiter einer Werkstatt für Kirchenmöbelschnitzerei in Wiedenbrück 
Ca. 1898-1900 Meisterschüler bei Carl Janssen an der Kunstakademie in Düsseldorf 
1900-1907 Übersiedlung nach Paris; hier Stil durch Rodin und Maillol beeinflusst  (Statuetten, Plasti-
ken, Zeichnungen) 
1905 Heirat mit Helene Natalie (genannt Lee) Haken 
1906 Erste Begegnung mit Paula Modersohn-Becker und August Freiherr von der Heydt (Mäzen) 
1907 Rückkehr nach Deutschland (Holthausen bei Büren) 
1911-1914/15 Berufung an die Künstlerkolonie in Darmstadt durch Großherzog Ernst Ludwig von 
Hessen und bei Rhein; Gesamtkunstwerk Platanenhain, allegorischer Figurenzyklus „Licht- und Schat-
tenseiten“ 
1913 Atelier in Fischerhude bei Bremen; Aufenthalt in Florenz 
1914 Beteiligung an der dritten Ausstellung der Künstlerkolonie: Neben Ausgestaltung des Platanen-
hains unter anderem Löwen des Löwentors (Architekt: Albin Müller; seit 1917 Eingang Rosenhöhe) 
1914 Übersiedlung in die Künstlerkolonie Worpswede; Bau und Einrichtung des „Brunnenhofs“; for t-
an Prägung der Künstlerkolonie Worpswede durch Plastiken, Kunstobjekte und Architektur 
1915-1922 „Niedersachenstein“, umstrittenes monumentales Denkmal  in Worpswede in Erinnerung 
an den Ersten Weltkrieg (Bauzeit 1920-1922) 
1916/17 Entwurf der TET -Stadt (nicht umgesetzt ) i m Auftrag von Hermann Bahlsen , Sonderausstel-
lung bei Paul Cassirer (Berlin) 
1918 Einweihung des „Revolutionsd enkmals“ (Piéta) auf dem Friedhof Walle (Stadtteil von Bremen) , 
das an die Niederschlagung der Bremer Räterepublik erinnern sollte 
1918 erstes Treffen mit Ludwig Roselius; in dessen Auftrag später Ausgestaltung de r Böttcherstraße 
in Bremen 
1921/22 Bau eines zweiten Hauses in Worpswede, am Hang des Weyerbergs (Das Kreative Haus) 
1921/22 Café Winuwuk („Wille ist neu und Weg unserer Kunst“) in (Bad) Harzburg 
1924-1927 Gesamtkunstwerk „Hoetger -Ensemble“ in Worpswede: K affee Worpswede (1925), H o-
tel (1926) und Ausstellungsraum „Große Kunstschau“ (1927) 
1925-1936 Künstlerische Arbeiten an der Böttcherstraße in Bremen: Paula -Modersohn-Becker-Haus 
und 7-Faulen-Brunnen (1925-1927), Haus Atlantis (1929-1931), „Der Lichtbringer“ (1936) 
1927/28 „Zyklus des Lebens unter dem Sti gma der Arbeit“, acht Bronzefiguren  an der Backsteinfa s-
sade des Gewerkschaftshauses in Walle (Stadtteil von Bremen) 
1928 Hag-Turm auf der Pressa in Köln; Friedrich-Ebert-Denkmal in Dortmund-Hörde

74 
1931-1934 Aufenthalt in der Schweiz, in Portugal, Frankreich und Italien 
1933 Zerstörung einzelner Werke Hoetgers 
1934 Mitglied der NSDAP in Rom (Mitglieds-Nr. 2791181; Eintritt: 01.10.1934) 
1934 Mitglied der RKdbK 
1934-1936 Übersiedlung nach Berlin -Wilmersdorf; Tätigkeit als Bildhauer und Architekt; gemeinsam 
mit dem Architekten Herbert Helfrich Arbeit am „Deutschen Forum“ 
1936 Ikonografisches Relief „Der Lichtbringer“ am Eingang zur Böttcherstraße in Bremen 
1936 Hitler lehnt  in seiner Rede auf dem Nürnberger Re ichsparteitag „Böttcher -Straßen-Kultur 
schärfstens ab“ 
1936-1938 erneuter Aufenthalt in der Schweiz sowie in Portugal 
1938 Ausschluss aus der NSDAP und aus der RKdbK 
1938-1943 Übersiedlung nach und Aufenthalt in Berlin; Entwurf und Bau seines Atelier -/Wohnhauses 
in Berlin-Frohnau (1939/40, 1943 teilweise zerstört); Reliefs und Plastiken 
1938/39 Reliefs für die Luftwaffenschule Greifswald 
Um 1939 Adolf-Hitler-Büste 
Um 1944 Aufenthalt in Hain (Riesengebirge/Schlesien) 
Ca. 1944-1948 Aufenthalt in Eichendorf (Niederbayern) und Reit im Winkl (Oberbayern) 
1949 Übersiedlung in die Schweiz; Aufenthalt in Beatenberg bei Interlaken 
† 18. Juli 1949 in Interlaken (CH) 
Ehrungen: 
1911 Ernennung zum Professor durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein 
1965 Hoetgerweg in Bremen 
1967 Ehrengrab in Dortmund 
1974 Bernhard-Hoetger-Preis (Träger: Stiftung, aus Hoetger-Nachlass gegründet) 
[weitere Straßenbenennungen] 
Wirken in der NS-Zeit 
Bernhard Hoetger, gelernter Bildhauer, dazu Kunsthandwerker, Maler und Architekt, hat i n 
Darmstadt aus seiner Zeit als Mitglied der Künstlerkolonie (1911 -1914) markante Spuren 
hinterlassen (Gesamtkunstwerk Platanenhain, Löwen des Löwentors). Seitens des NS -
Regimes wurde seine Kunst nicht goutiert – obwohl Hoetger nachweislich ein Anhänger de r 
„Bewegung“ war. 
„Wenn er [Hoetger] in seinen persönlichen Briefen ehrlich war – und es gibt keinen Grund daran zu 
zweifeln –, dann ist das Bild von Bernhard Hoetger als einem Künstler, der die Zeitläufte mißverstand, 
ebenso aufzugeben wie das Bild eines ‚entarteten‘ Künstlers im inneren Exil, auch wenn er und sein 
während der Weimarer Republik entstandenes Œvre Angriffen durch Nationalsozialisten ausgesetzt 
waren. Hoetger war nicht einmal nur Mitläufer, sondern er war Anhänger der Bewegung. Allerdings –

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und das ist wichtig zu betonen – war er nicht aktiv partei- und realpolitisch tätig. Wohl aber stützte er 
durch seine Kunst die Idee des Nationalsozialismus und damit das System“ (Hirthe, S. 278). 
Zu dieser Einschätzung hinsichtlich Hoetgers Verhältnisses zum Nationalsozialismus (und vice 
versa) gelangte der Kunsthistoriker Thomas Hirthe in seinem Beitrag zum „Ausstellungskat a-
log 1998“, nachdem er sich intensiv mit Person und Werk Bernhard Hoetgers in der NS -Zeit 
auseinandergesetzt hatte. Hirthe standen für seine Forschung (auf die im Folgenden ma ß-
geblich rekurriert wird) gerade zugänglich gemachte private Korrespondenzen sowie weitere 
Archivalien aus dem Bernhard Hoetger -Nachlass der Kunstsammlungen Böttcherstraße, 
Bremen, zur Verfügung sowie Quellen aus pri vaten Sammlungen (teilweise veröffentlicht 
unter Dokumentation im „Ausstellungskatalog 1998“, S. 420-501). 
Tatsächlich sah sich Hoetger Anfeindungen von NS -Organen ausgesetzt, wurde seine Kuns t-
auffassung von Adolf Hitler persönlich angegriffen, einzelne se iner Werke zerstört oder als 
„entartete Kunst“ beschlagnahmt. Zugleich versuchte Hoetger von 1933 bis 1943 sich dem 
NS-Regime mit seiner Kunst anzudienen – und bezeichnete sich als überzeugten Anhänger 
der „Bewegung“. 
Bernhard Hoetger als „Opfer“ des Nationalsozialismus 
Bernhard Hoetgers Kunst erfuhr in der NS-Zeit nicht die Wertschätzung, die sich der Künstler 
erhoffte (bzw. die er erwartete). 1933 wurden einzelne Hoetger-Kunstwerke zerstört: Bereits 
im März wurden a uf Beschluss des Bremer Senats die Hoetger-Figuren aus dem „Zyklus des 
Lebens unter dem Stigma der Arbeit“ von der Fassade des Gewerkschaftshauses  in Bremen 
entfernt und  eingeschmolzen; im Zuge von nationalsozialistisch motiviertem Vandalismus 
ebenso zerstört wurden Hoetgers Pietà auf dem Friedh of Bremen -Walle (ein Denkmal zur 
Erinnerung an die gefallenen Arbeiter und Revolutionäre der Räterepublik ) sowie das von 
ihm gestaltete Friedrich -Ebert-Denkmal in Dortmund -Hörde – alles Kunstwerke, die in der 
Zeit der Weimarer Republik entstanden waren. De r nationalsozialistische Vandalismus we n-
dete sich gegen erklärte Feinde der „Bewegung“, gegen Gewerkschaften, Kommunisten und 
Sozialdemokraten; jene Zerstörungen standen noch nicht im Bezugsrahmen der systemat i-
schen „Säuberungsaktion Entartete Kunst“. 
In den Jahren 1935 und 1936 geriet Hoetger als Person und Künstler verstärkt persönlich in 
die Kritik. Besonders Artikel in der NS -Zeitschrift „Das Schwarze Korps. Zeitung der Schut z-
staffeln der NSDAP – Organ der Reichsführung SS“ griffen Hoetger wiederholt an (BArch Ber-
lin, R 43 -II/1320 sowie NS 5 -VI/17612). Kritisiert wurden hier Werke Hoetgers aus der Zeit 
vor 1933. Bezüglich der Figuren am Bremer Gewerkschaftshaus etwa hieß es: 
„Sie dürfen nicht erwarten, Herr Hoetger, daß ihre rassisch -minderwertigen verkrüppelten Jammer-
gestalten deutscher Frauen und Arbeiter unsere Sehnsucht nach gesunden, geistig und körperlich 
hochwertigen Menschen erfüllen können“ (Das Schwarze Korps vom 26.06.1935). 
Gleichermaßen ablehnend äußerten sich Artikel im „Schwarzen Korps“ übe r Hoetgers „Revo-
lutionsdenkmal“ auf dem Waller Friedhof („in den Wirren der Revolte eine schaurige Ang e-
legenheit“, 26.03.1936) und die Böttcherstraße in Bremen (21.08.1935 und 24.10.1935).

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Gerade Hoetgers Arbeiten in der Böttcherstraße wurden wiederholt al s „undeutsch“ g e-
brandmarkt: 
„Allein die völlig unverständliche Architektur eines Hoetger am Eingang der öffentlichen Straße fo r-
dert unsere schärfste Ablehnung heraus, besonders da auch hier wieder versucht wird, durch Jonglie-
ren mit den Worten ‚nordisch, b odenständig, niedersächsisch‘ die gesunde Urteilskraft des unverbi l-
deten Beschauers unsicher zu machen. Die Böttcherstraße gehört in Deutschland zu den unmöglichs-
ten Machwerken auf architektonischem Gebiet, wenn wir jetzt einmal von zahlreichen kubistische n 
Glas- und Betonkästen, morgenländischen Flachdächern und anderen Zweckmäßigkeitsbauten abs e-
hen wollen. Sie steht mit ihren ‚bewußten Verrücktheiten‘, um ein Wort des Führers zu gebrauchen, 
in schroffem Gegensatz zu dem schönen mittelalterlichen Marktplat z“ (Das Schwarzes Korps vom 
21.08.1935). 
Hoetger hatte zwischen 1925 und 1931 große Teile der Böttcherstraße gestaltet, darunter 
besonders hervorzuheben das „Haus Atlantis“. Der Auftrag kam von Ludwig Roselius, ve r-
mögender Kaffeekaufmann (Kaffee HAG) sowie Mäzen und Freund Hoetgers, der Häuser und 
Parzellen der völlig heruntergekommenen Gasse in der Bremer Altstadt erworben bzw. g e-
pachtet hatte. Ideologisch beeinflusst unter anderem von Herman Wirth, Germane n-
schwärmer und Ur-Symbolforscher – der die These vertrat, alle Hochkulturen der Welt seien 
im (in der Nordsee versunkenen) Reich Atlantis entstanden, und daraus eine Überlegenheit 
der „nordischen Kultur“ sowie des deutschen Volkes ableitete – sollte die völlige Umgesta l-
tung der Böttcherstraße den Versuch darstellen, „dem deutschen Volk wieder deutsches 
Denken beizubringen“ (Roselius 1936, zitiert nach Hirthe, S. 286). Hoetger zeigte sich offen 
für Wirths These sowie Roselius‘ Auftrag und arbeitete daran, den Mythos mit dem 1931 
fertiggestellten Bau des „Ha uses Atlantis“ mit Leben zu füllen – mit stark völkischem Be i-
klang (als „eine Manifestation deutsch -völkischen Denkens“, Strohmeyer 1998, S.  220). An 
der Fassade befand sich etwa eine gewaltige Holzskulptur („Lebensbaum“), in deren Zen t-
rum der germanische Gott Odin ans Kreuz genagelt hing (ausführlich zur Böttcherstraße, 
ihrer Entstehungsgeschichte und angedachten Funktion, siehe Beiträge Strohmeyer und 
Boulboullé). 
Als besonders problematisch für Hoetger erwies sich, dass Adolf Hitler in einer Parteitagsr e-
de die Böttcherstraße dezidiert als Beispiel für eine irregeleitete Kunstauffassung nannte: 
„Wir haben nichts zu tun mit jenen Elementen, die den Nationalsozialismus nur vom Hören und S a-
gen her kennen und ihn daher nur zu leicht verwechseln mit undefinierb aren nordischen Phrasen , 
und die nun in irgendeinem sagenhaften atlantischen Kulturkreis ihre Motivforschungen beginnen. 
Der Nationalsozialismus lehnt diese Art von Böttcher-Straßen-Kultur schärfstens ab“ (Hitlers Rede auf 
der Kulturtagung des Parteitags der NSDAP in Nürnberg, 09.09.1936, zitiert nach Eickmeyer, S. 114). 
In Teilen der NS -Presse wurde der Abriss der Böttcherstraße gefordert; im „Völkischen B e-
obachter“ unter der Überschrift „Die Böttcherstraße †“ ein Nachruf veröffentlicht und darin 
noch einmal gerade Hoetgers künstlerischer Beitrag dezidiert auf- und angegriffen: 
„Die Böttcherstraße hat als ‚Hoetger -Straße‘[,] d. h. mit dem Teil, den der Bildhauer Bernhard Hoe t-
ger als Architekten-Dilettant ohne jede architektonische Grundhaltung ‚entwarf‘ und mit seinen plas-
tischen intellektuellen Ausgeburten voll ‚nordischer Symbolik‘ verunzierte, ihre fatale Berühmtheit 
erlangt“ (Völkischer Beobachter vom 25.09.1936, zitiert nach „Ausstellungskatalog 1998“, S. 490).

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Die offizielle Kritik des „Führers“ an Hoe tgers Kunst war schließlich ausschlaggebend für des-
sen Ausschluss aus der NSDAP 1938 (ausführlich dazu siehe unten). 
Hoetger musste wegen seines (freiwilligen) Aufenthalts im Ausland – er lebte von Herbst 
1936 bis Sommer 1938 vorwiegend in der Schweiz – ein Verfahren wegen Hinterziehung der 
„Reichsfluchtsteuer“ über sich ergehen lassen. Die Klage war durch „Das Schwarze Korps“ 
initiiert worden und endete mit dem Urteil des Reichsfinanzhofs vom 01.08.1938 zugunsten 
des Angeklagten. Zwischenzeitlich war Hoetger über einen „Steuersteckbrief“ zur Festnahme 
ausgeschrieben (die Steuerschuld betrug 7.150 RM, Das Schwarze Korps vom 07.10.1937). 
Die Reichskammer der bildenden Künste (RKdbK) nahm das Verfahren dennoch zum Anlass, 
Hoetger im März 1938 aus der RKdbK auszuschließen (Hirthe, S. 279). 
Im Zuge der nationalsozialistischen „Säuberungsaktion Entartete Kunst“ wurden einzelne 
Werke Hoetgers beschlagnahmt; die Anzahl differiert in der Forschung zwischen drei und 16 
Werken. Ob bzw. welche Werke Hoetgers in der groß en Ausstellung „Entartete Kunst“ in 
München 1937 gezeigt wurden, ist unklar (Hirthe, S.  293, FN 3). In einem Schreiben des La n-
desleiters der RKdbK in Berlin aus dem Jahr 1941 wird deutlich, dass Hoetgers maßgebliche 
Werke vor 1933 aus Sicht des NS -Regimes „fast ausnahmslos Werke der entarteten Kunst“ 
darstellten (Brief vom 26.08.1941, zitiert nach Strohmeyer 2000, S. 85). 
Der größte Teil von Hoetgers zwischen 1933 und 1943 entstandenem Werk – Plastiken, Ge-
mälde, Zeichnungen, architektonische Entwürfe – blieb einem kleinen Kreis von Freunden 
bzw. Interessierten vorbehalten (Hirthe, S.  280). Nachdem sein Atelier- und Wohnhaus 1943 
bei einem Luftangriff auf Berlin teilweise zerstört worden war, zog Hoetger mit seiner Frau 
über Hain (Riesengebirge/Schlesien) nach Eichendorf (Niederbayern); im Sommer 1946 ve r-
legte das Ehepaar (laut „Ausstellungskatalog 1998“, S.  501) seinen Wohnsitz nach Reit im 
Winkl (Oberbayern). Nachdem sie im Juli 1948 eine Reisegenehmigung für die Schweiz erha l-
ten hatten, zogen die Hoetgers i n die Schweiz, wo Bernhard Hoetger am 18. Juli 1949 ve r-
starb. In seinen letzten Lebensjahren war er gesundheitlich und psychisch angeschlagen; 
nach 1943 entstanden keine nennenswerten Werke mehr aus seiner Hand. 
Bernhard Hoetger als Anhänger der „Bewegung“ 
In Briefen und Stellungnahmen hat sich Bernhard Hoetger wiederholt als überzeugter An -
hänger der nationalsozialistischen „Bewegung“ und als Verehrer des „Führers“ Adolf Hitler 
bezeichnet. Seine bereits vor 1933 an völkisch -nordische Ideologien angelehnte (expressio-
nistische) Kunst erschien ihm zumindest anknüpfungsfähig an die NS-Ideologie. 
Hoetger erfuhr im Ausland von ersten Zerstörungen seiner Werke. Er äußerte sich zunächst 
verständnisvoll – machte zugleich aber auf die empfundene Ungerechtigkeit der M aßnah-
men aufmerksam: 
„Man hat in Bremen begonnen meine Plastiken am Gewerkschaftshaus abzutragen, und eine größere 
Plastik auf dem Friedhof soll noch abgetragen werden. Später wird wohl der Rest meiner Tätigkeit 
vernichtet werden. – Mich regen diese Eingri ffe nicht auf, denn ich weiß, daß bei so großen polit i-
schen Umwälzungen immer Irrtümer vorkommen – und daß ich ihr Opfer bin, kann mich nicht a b-
schrecken an den guten Willen der Aufbauenden zu glauben. [… ] Ich trage gern die im Gesamt bild

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kleinen Opfer, wenn ich weiß, daß damit der Auftrag gefördert wird. […] Ich glaub e an das zukünftige 
Deutschland“ (Hoetger aus Nizza an Emil Szittya in Paris, 18.04.1933, zitiert nach Hirthe, S. 278). 
Hoetger hielt sich von Sommer 1931 bis zum Herbst 1934 im Ausland auf; i n Portugal, Frank-
reich, in der Schweiz und schließlich in Rom. Im Herbst 1934 trat er in Rom in die NSDAP ein 
(„Auslands-NSDAP“, Mitglieds-Nr. 2791181; Eintritt: 01.10.1934 , BArch Berlin, BDC, NSDAP -
Mitgliederkartei). Ob der Eintritt in die NSDAP mit dem k urz darauf folgenden Umzug nach 
Deutschland in direktem Zusammenhang stand, lässt sich ebenso wenig nachweisen wie ein 
möglicher Zusammenhang zu Hitlers Rede auf dem Reichsparteitag in Nürnberg am 
05.09.1934: Der „Führer“ hatte hier „die vielleicht größte kulturelle und künstlerische Au f-
tragserteilung aller Zeiten“ in Aussicht gestellt – aber nur für Nationalsozialisten und nicht 
für diejenigen, deren Kunstverständnis „auf altertümlichen Überlieferungen beruht“ (vgl. 
Eikmeyer, Dokument 3, S. 63-79, Zitate S. 75). 
„Europäisches Kraftfeld“ und „Deutsches Forum“ (1934-1936) 
1934 wurde Hoetger auf eigenen Wunsch in die RKdbK aufgenommen, als Maler (M 9484) 
und Bildhauer (B 1664). Er war somit offiziell als Künstler anerkannt und konnte entspr e-
chend arbeiten. Noc h während seines Aufenthalts in Rom lernte Hoetger den jungen Arch i-
tekten Herbert Helfrich kennen, Geschäftsführer der römischen Ortsgruppe der NSDAP, der 
später erfolgreich als Architekt für das Reichsluftfahrtministerium arbeiten sollte. Zu Hel f-
rich, der zu der Zeit in Rom studierte, entwickelte Hoetger eine enge Freundschaft. Von Ende 
1934 bis September 1936 lebte und arbeitete Hoetger in Helfrichs Haus in Berlin. Noch in 
Rom (1934) begannen Hoetger und Helfrich mit der Planung eines „vom Geist des Natio nal-
sozialismus getragene[n]“ (Hirthe, S.  280) Großprojekts: Dem „Europäischen Kraftfeld“ bzw. 
dem „Deutschen Forum“ (zum Folgenden ausführlich Hirthe, S.  280-285). Die konzeptionelle 
sowie künstlerische Leitung oblag Hoetger, der Erfahrungen mit der Konzep tion städtebauli-
cher Großprojekte mitbrachte (TET -Stadt Hannover); auch ein erstes, kleineres Modell en t-
stand wohl schon in Rom. In Berlin entwickelte Hoetger die monumentale Anlage in mehr e-
ren dokumentierten Schritten weiter, erweiterte und präzisierte di e Konzeption des u r-
sprünglich „Europäisches Kraftfeld“ betitelten Areals. Auf dem Weg zum „Deutschen Forum“ 
wurde der Entwurf „gleichsam ‚eingedeutscht‘ und ‚nazifiziert‘“ (Hirthe, S.  282). Die Au s-
gangsplanung umfasste fünf riesige Hallen, die durch breite  Alleen und Brückenanlagen mi t-
einander in Beziehung standen, die wiederum durch monumentale Toranlagen begrenzt w a-
ren. Das Projekt war offensichtlich nicht in eine bestimmte Umgebung hinein geplant. Die 
„Nazifizierung“ der Konzeption im Verlauf des Jahres 1935 manifestierte sich eindrücklich in 
einem von Hoetger völlig neu entworfenen Zentralbau: Anstelle der ursprünglich dezentral 
angeordneten „Heldenhalle“ befand sich im abschließenden Entwurf des „Deutschen F o-
rums“ im Zentrum der Anlage ein Kuppelbau „um geben von winkelförmigen Trabanten mit 
begehbaren Flachdächern, die hakenkreuzförmig um sie herum angeordnet“ waren. Die 
Kuppel thronte somit auf einem Unterbau mit dem Grundriss eines Hakenkreuzes. Zugleich 
waren die Alleen noch wesentlich größeren Aufmar schplätzen gewichen. Dem fünf Hallen

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umfassenden Erstentwurf standen (neben offenen Sport - und Aufführungsstätten) nur mehr 
zwei monumentale Hallen entgegen: 
„Während die ‚Kongreßhalle‘ wohl als polyfunktionaler Bau für Veranstaltungen zur Bildung des Pa r-
teivolkes konzipiert war, sollte das allseits von Freiflächen großzügig umgebene ‚Herz der Anlage‘, 
der formal überarbeitete und durch den Reichsadler als Hoheitszeichen bekrönte ‚Kultbau‘ über h a-
kenkreuzförmigem Grundriß, Ort der nationalsozialistisch -pseudoreligiösen Glaubensbildung und -
festigung sein“ (Hirthe, S. 284). 
Monumentale Skulpturen, die Hoetger zeitweise vorgesehen hatte, waren nun nicht mehr 
Teil des Entwurfs der Gesamtanlage, was möglicherweise – ähnlich wie die Reduktion der 
Anzahl der Kuppelbauten – mit deren immensen Kosten in Zusammenhang stand. 
Ein großformatiges Modell des abschließenden Entwurfs wurde Ende 1935 in Bremen ausg e-
stellt und Anfang 1936 in der Städtischen Kunsthalle Nürnberg (Roselius hatte sich direkt an 
den fränkischen Gau leiter Julius Streicher gewandt, der wohl die Ausstellung ermöglichte). 
Anlässlich der Ausstellung wurde eine Faltkarte mit erklärenden Texten produziert. Ein 
Freund Hoetgers, der Kunsthistoriker Nikola Michailow, veröffentlichte im Februar 1936 e i-
nen Arti kel über Hoetgers bildhauerisches und architektonisches Werk, in dem er auf das 
„Deutsche Forum“ Bezug nahm: 
„Seit drei Jahren arbeitet Hoetger gemeinsam mit dem jungen westfälischen Architekten Helfrich an 
einem riesigen Projekt, in dem das ganze Leben de r Nation sinnhafte architektonische Gestalt erha l-
ten soll. […] [I] n diesem Plan [scheint] die schöpferische Synthese aller fruchtbaren Lösungen und 
Errungenschaften der neuen Baukunst enthalten“ (zitiert nach Hirthe, S. 285). 
Die gigantische Anlage wurde n ie umgesetzt; als Indiz dafür, wie sehr sich Hoetger mit dem 
Projekt identifizierte (und dass er bis in die 1940er Jahre daran festhielt), deutete Hirthe 
großformatige Entwürfe Hoetgers für skulpturalen Schmuck des Forums bzw. für vergleic h-
bare nationalsozialistische Bauten aus den Jahren 1941 und 1943 (siehe dazu Abb. 7, Hirthe, 
S. 285). Da es für das Projekt keinen Auftraggeber gab, handelte es sich um „eine freie und 
das heißt auch: aus Überzeugung entstandene Planung“ (Hirthe, S. 284). 
In der NS -Presse wurde das Projekt skeptisch betrachtet. Der gegen Hoetger erhobene Vo r-
wurf, er sei einzig „aus Konjunkturrücksichten“ zum Nationalsozialisten geworden, spielte 
auch für die Bewertung des „Deutschen Forums“ eine wesentliche Rolle: 
„Wer garantiert dafür, daß  Herr Hoetger uns nicht eines Tages durch seinen Testamentsvollstrecker 
wissen läßt, daß dieses hakenkreuzlerische Forumsprojekt ja doch nichts anderes gewesen sei als 
eine ganz üble Pflaume, ein humorvoller Protest gegen das herrschende Nazi -Regime? Ja, j a, Herr 
Hoetger, bei Ihnen muß man auf der Hut sein, man schaut nie ganz durch. Irgendwo bricht der alte 
nordische Schalk immer wieder hervor!“ (Notwendige Klarstellungen: Bernhard Hoetger. In: Das 
Schwarze Korps vom 26.03.1936). 
Relief „Der Lichtbringer“ (1936) 
Das erste öffentliche plastische Werk Hoetgers in der NS-Zeit entstand im Zuge der Böttcher-
straßen-Kritik ab 1935 (zum Folgenden Hirthe, S.  285-288). Es zeigt eindeutig formale Übe r-
einstimmungen mit nationalsozialistischem „Kunstempfinden“: Das groß formatige Relief

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„Der Lichtbringer“ wurde im April 1936 am stadtseitigen Eingang der Böttcherstraße ang e-
bracht und ersetzte dort eine eher ornamental -expressionistische Gestaltung Hoetgers. Auf 
dem Relief zu sehen ist ein schlanker Jüngling – in seiner rechten Hand ein Flammenschwert 
haltend, den linken Arm ausgestreckt – der an den heiligen Michael erinnernd einen dre i-
köpfigen Drachen bedroht. Im Hintergrund sind miniaturhafte Menschen in zeitgenössisch 
einfachen Gewändern zu sehen, die sich dem Lichtbring er mit teils erhobenen Armen z u-
wenden. Hoetger erläuterte in einem Brief an Helfrich vom September 1936 (eine Woche 
nach der erwähnten Rede Hitlers in Nürnberg – Hoetger lebte wieder in der Schweiz –) seine 
Gedanken zu dem Bronzerelief als Ausdruck seiner Begeisterung für den Nationalsoziali s-
mus: 
„Damit glaubte ich nun endlich der Welt beweisen zu können, wie sehr ich unseren Führer und seine 
Taten verehre. Alles habe ich in dieses Relief gelegt und war voller Hoffnung. […] Wie gerne hätten 
wir [Hoetger und Roselius, HK] auf das Relief die Jahreszahl 1933 eingeschnitten, wenn wir nicht b e-
fürchtet haben würden, man könne das als Konjekturabsicht uns unterschieben. Ich glaube auch, daß 
ich machen könnte, was ich wollte, man würde nicht von der einmal gefaßten Meinung gegen mich 
abgehen. […] Warum darf ich nicht mit meiner wahren Begeisterung an dem großen Aufbau Deutsc h-
lands mitarbeiten und warum will man mich nicht verstehen? Ich weiß keinen Ausweg mehr, denn 
ich habe alles, was ich konnte [,] getan und meine l etzten Arbeiten beweisen meine eindeutige, b e-
wundernde Einstellung für das neue Reich. Ich werde somit in aller Stille mich durch vertiefte Arbeit 
vorbereiten und ich hoffe, daß man nach einigen Jahren begreift, daß man mir Unrecht getan hat. Ich 
bin ganz fest durchdrungen, daß die Zeit hier klärend wirkt und daß meine Arbeiten jung, stark und 
groß genug sein werden unser neues Reich zu verherrlichen“ (Hoetger an Herbert Helfrich, Beate n-
berg, 16.09.1936, veröffentlicht in „Ausstellungskatalog 1998“, S. 489 f.). 
Neben dem „Lichtbringer“ -Relief wurden weitere Veränderungen in der Böttcherstraße vo r-
genommen: Im „Himmelssaal“ von „Haus Atlantis“ ließ Roselius die Namen „großer Deu t-
scher“ an den Wänden auftragen; in der Mittelachse des Saals stand nun Hoetgers Sk ulptur 
„Schreitender Knabe“ (1911) – auf einem Sockel mit SS -Runen (Abbildungen von „Der Lich t-
bringer“ und der Skulptur „Schreitender Knabe“ auf SS -Runen-Sockel bei Groth/Herrmann, 
S. 96). Es gelang Ludwig Roselius – der auch der Aufraggeber des „Lichtbringer“-Reliefs war – 
schließlich, dass die Böttcherstraße nicht zerstört wurde; ganz im Gegenteil: sie gelangte im 
Mai 1937 unter Denkmalschutz. – Wiederholt wurde und wird behauptet, dass die Böttche r-
straße als Beispiel für „entartete Kunst“ geschützt wurde , wofür es aber keine eindeutigen 
Belege gibt. Der Senat der Stadt Bremen hatte diese Variante (die Erhaltung als Dokument 
des „Kulturbolschewismus“ in Konkurrenz zur bevorzugt in Erwägung gezogenen Umgesta l-
tung der Böttcherstraße) bereits 1935 ins Spiel g ebracht ( 10.10.1935, Senator Erich Vagts, 
Bremen, an Lammers, Staatssekretär in der Reichskanzlei, Berlin, BArch Berlin, R 43 -II/1320). 
In den tradierten Dokumenten ist wiederholt davon die Rede, dass Adolf Hitler sich gegen 
bauliche Änderungen (im Sinne des Bremer Senats) ausgesprochen habe ( BArch Berlin, R 43-
II/1320). – Das „Lichtbringer“-Relief ziert bis heute den Eingang zur Böttcherstraße und wird 
als „das einzige öffentliche Hitler -Denkmal, das heute noch steht “ ( Christoph Spehr: Der 
Lichtbringer – ein Hitler-Denkmal, 12.11.2013) in Bremen öffentlich diskutiert.

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Thomas Hirthe bewertete das Relief (nach Auswertung von Hoetgers Briefwechseln) als Ve r-
such, seine Loyalität zum NS-Regime zu unterstreichen: 
„Die Darstellung des ‚Lichtbringers‘ entstand also  aus tiefer nationalsozialistischer Überzeugung des 
Künstlers und in einer Zeit, als Hoetger im Ausland propagandistisch für die ‚Bewegung‘ tätig war. Er 
und sein Auftraggeber Roselius waren wohl der festen Ansicht, mit diesem Kunstwerk  die umstritte-
ne, in  ‚kulturbolschewistischer‘ Zeit entstandene Straße in die neue Zeit einbinden zu können“ 
(Hirthe, S. 287 f.). 
Parteiausschlussverfahren (1936-1938) 
Hoetger wertete die Kritik seitens des NS-Regimes insgesamt als großes Missverständnis. Auf 
seine Verehrung des „Führers“ schien auch dessen offene Kritik an der „Böttcherstraßen -
Kultur“ Anfang September 1936 kaum Einfluss ausüben zu können: 
„Die Rede des Führers finde ich in allen Schlußfolgerungen wundervoll. Die Bemerkungen und Hi n-
weise auf die Architektur, d ie Hinweise auf die kulturschaffende Politik [,] die Begründung für die 
gesunde, starke Form der Kunst, alles sind Auslassungen, die dem inneren Gesetz des Nationalsozi a-
lismus folgen. Wir sind bestimmt alle bereit für diese schöne Idee zu schaffen. 
Die Bemerkung über die Böttcherstraße ist nur deswegen gefallen, weil man einen Kreis in der Böt t-
cherstraße vermutet, der sich gegen den Nationalsozialismus gewendet haben soll. […] 
Ich wollte in meinen Formen klar, eindeutig und nordisch vertikal sein. Es war da mals durch die Ei n-
flüsse der jüdischen Presse sehr schwer eigene, unserem Volke verwandt e Formen zu schaffen, noch 
schwerer aber diese Einflüsse zu überwinden und abzustoßen. Wenn es heute einige Menschen gibt, 
die die Böttcherstraße auffassen, als solle e s ein Formenkanon für alle Zukunft darstellen, der irrt 
sich. Auch die Böttcherstraße bleibt immer nur ein Versuch Fremdes abzustoßen“ (Hoetger an Wi l-
helm Teichmann, Beatenberg, 16.09.1936, veröffentlicht in „Ausstellungskatalog 1998“, S. 490). 
Um die Ansc huldigungen, die in der NS -Presse gegen ihn vorgebracht wurden (durch seine 
Werke in der Nachkriegszeit „zersetzend gewirkt zu haben“, „Nationalsozialist aus Konjun k-
turrücksichten“ gewesen zu sein, eine „politisch links gerichtete Haltung vertreten zu h a-
ben“) zu entkräften, entschloss sich Hoetger für einen eher ungewöhnlichen Schritt: Er stel l-
te 1936 selbst einen Antrag auf Untersuchung vor dem Parteigericht der NSDAP -Auslands-
organisation. Das „Parteigerichtsverfahren gegen den Bildhauer Prof. Bernhard Ho etger“ 
endete mit dem Urteil vom 25.04.1938 (Dokumentation „Ausstellungskatalog 1998“, S.  498-
501) – mit dem Ergebnis, dass Hoetger aus der NSDAP ausgeschlossen wurde. Abgesehen 
von der Tatsache, dass dieses Ergebnis das Gegenteil des von Hoetger erhofften  darstellte, 
liefert die umfangreiche Urteilsbegründung einige interessante Aspekte. Für den Ausschluss 
aus „dem Führer-Orden des Dritten Reiches“ als wesentlich betrachtet wurden (laut Urteil s-
begründung) Hoetgers künstlerische Werke vor 1933 sowie seine „ zweifelhafte Rolle“ in p o-
litischer Hinsicht. Das Gericht glaubte Hoetger nicht, dass seine Kunst in der Weimarer R e-
publik unpolitisch gewesen sein soll (wie von ihm behauptet), bescheinigte ihm vielmehr 
eine „ungewöhnliche Wandlungsfähigkeit“, die es ihm z u Lasten auslegte. Besonders schwer 
wog für die Urteilsfindung Hitlers persönliche Kritik: „Entscheidend ist aber, daß er [Hoetger] 
bis kurz vor der Machtübernahme und wahrscheinlich auch heute noch Auffassungen ve r-
tritt, die der Führer in der Kulturrede v om Jahr 1936 als eine Gefahr für die Bewegung gege i-

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ßelt hat.“ Der Ausschluss erschien dem Gaugericht daher alternativlos, wenngleich Hoetger 
kein „schuldhafter Verstoß gegen die Satzungen“ nachgewiesen werden konnte. In der Lit e-
ratur wird der Ausschluss au s der NSDAP wiederholt als Beleg dafür angeführt, dass der 
Künstler als „Opfer“ des NS -Regimes anzusehen sei. In der Urteilsbegründung finden sich 
jedoch Passagen, die selbst bezüglich des Ausschlusses aus der Partei ein differenzierteres 
Bild nötig erscheinen lassen: 
„Das Gaugericht ist vielmehr aufgrund der mündlichen Verhandlung der Überzeugung, daß der Ang e-
schuldigte aus ehrlicher Begeisterung für die Ziele des Nationalsozialismus in die Partei eingetreten 
ist. […] Auch die Tatsache, daß sich der Angesc huldigte in den Nachkriegsjahren um ‚nordische Kunst‘ 
bemüht hat, wenn auch diese ‚nordische Kunst‘ in keiner Weise etwas zu tun hat mit dem, was der 
Nationalsozialismus unter nordischer Kunst versteht, läßt es wahrscheinlich erscheinen, daß sich der 
Angeschuldigte aus innerster Überzeugung zur Partei anmeldete, so wie seine bitteren Erfahrungen 
mit dem Judentum ihm den Eintritt in die Partei wünschenswert gemacht haben mögen. […] Der B e-
weis, daß er aus Konjunkturgründen in die Partei eingetreten ist, ist n icht erbracht worden“ (Dok u-
mentation „Ausstellungskatalog 1998“, S. 500). 
Wenngleich das Gaugericht die Entlassung aus der Partei als erforderlich ansah, vertrat es 
dennoch die Auffassung, dass „Hoetger als Mensch“ nichts vorzuwerfen sei und verknüpfte 
den Parteiausschluss mit der Hoffnung, Hoetger möge der „Bewegung“ nicht verloren g e-
hen: 
„Das Gaugericht hebt aber gleichzeitig hervor, daß gegen Hoetger als Mensch, abgesehen von seiner 
unklaren künstlerischen und politischen Linie, Vorwürfe nicht erhoben werden können, insbesondere 
hat er gegenüber Versuchen, sich im Auslande von Emigrantenkreisen einspannen zu lassen und g e-
gen das Dritte Reich Stellung zu nehmen, eine eindeutige Haltung eingenommen, wie das Gaugericht 
auch zu der Überzeugung gekommen ist, daß er ein ehrlicher Deutscher und begeistert von dem Au f-
bauwerk des Führers ist. […] Das Gaugericht gibt daher der Hoffnung Ausdruck, daß Hoetger, wenn er 
auch nicht Parteigenosse sein kann, sich nicht zurückzieht aus der alle deutschen Menschen umfa s-
senden von der Bewegung geführten Volksgemeinschaft und sich in der Zukunft als wertvolles au f-
bauendes Element in ihr erweist“ (ebenda). 
Späte Arbeiten: Museum Kolberg, Luftwaffenschule Greifswald, Hitler-Büste 
Ebenfalls 1936, noch im Atelier Helfrich in Berlin , entstanden die Büste „Paracelsus“ und die 
Allegorie „Empor“, jeweils ohne Auftraggeber. Thematische Ausrichtung und Gestaltung der 
Bronzen entsprachen der Kunstauffassung des Nationalsozialismus; Hoetger hatte sich von 
seiner expressionistischen Gestaltu ng ab- und seinen impressionistischen Anfängen wieder 
zugewandt. Seine Hoffnung auf Erfolg war nicht unbegründet: Spätestens im Oktober 1936 
besaß Gauleiter Julius Streicher einen Guss der „Paracelsus“-Büste (Hirthe, S. 288). 
Zudem erhielt Hoetger den Auft rag, für das Kulturgeschichtliche Museum in Kolberg zwei 
Büsten anzufertigen (überlebensgroße Köpfe „Gneisenau“ und „Schill“), die im Mai 1937 in 
der „Ehren- und Gedächtnishalle 1807“ auf- und ausgestellt wurden (Hirthe, S.  289 f.). Hoet-
gers Freund Nikolai Michailow war Direktor des Museums; stilistisch hielt sich Hoetger dabei 
strikt an das im Nationalsozialismus vertretene Konzept der Allgemeinverständlichkeit von 
Kunst.

83 
Nach seiner Rückkehr nach Berlin 1938 arbeitete Hoetger an Reliefs für das neue Gebäu de 
der Luftwaffenschule in Greifswald. Möglicherweise war die Arbeit auch der Grund für seine 
Rückkehr nach Deutschland: sein Freund Helfrich hatte ihm den Auftrag vermittelt; Hoetger 
arbeitete 1938/39 folglich (obwohl er aus der Partei ausgeschlossen word en war) für die 
Luftwaffe im nationalsozialistischen Deutschland (Hirthe, S.  290 f.). Dafür muss er wieder 
Mitglied der RKdbK geworden sein (was sich aus den eingesehenen Dokumenten nicht näher 
belegen lässt). Um 1939 entstand auch eine Hoetger zugeschrieb ene Bronzebüste Adolf Hi t-
lers (Hirthe, S. 291). 
Mit Kriegsbeginn 1939 kam die Vergabe öffentlicher Kunstaufträge allgemein zum Erliegen; 
auch für Hoetger, der bis 1943 weiterhin in Berlin lebte und in seinem Atelier in Frohnau 
arbeitete, ergaben sich keine  öffentlichen Aufträge mehr. Ende 1939 bemühte sich Hoetger 
um die Aufnahme in die RKdbK als Architekt (Aufnahme 1940, rückdatiert auf 01.04.1937). In 
einem Brief vom Dezember 1942 an Arno Breker, zu der Zeit einer der wichtigsten Vertreter 
der NS-Kunst im Bereich der Bildhauerei (Gabler, S. 83 ff.), bat Hoetger Breker um Unterstüt-
zung für sein Anliegen, einige seiner Werke im Haus der deutschen Kunst in München au s-
stellen zu dürfen. Als Begründung führte er an: 
„Ich habe in diesen Jahren unentwegt in der S tille meines Ateliers geschafft und ich glaube, nach 
besten Kräften meinen Beitrag im großen Kampf der Nation geleistet zu haben und zu leisten. Sie 
werden verstehen, sehr verehrter Herr Kollege, daß ich es gerade in diesem Zeitpunkt als eine Ve r-
pflichtung empfinde, meine Arbeit in den Dienst der Nation zu stellen, eine Verpflichtung, deren bi s-
herige Nichterfüllung mich innerlich keine Ruhe finden läßt […]“(Hoetger an Arno Breker, Berlin, 
03.12.1942, Dokumentation „Ausstellungskatalog 1998“, S. 497). 
Hoetgers Wirken vor 1933 blieb den Nationalsozialisten bis mindestens 1938 verdächtig; 
seine unterschiedlichen expressiven Spielarten (die ihn aus heutiger Sicht als einen bede u-
tenden Vertreter des Expressionismus erscheinen lassen) waren mit dem engen Kunstve r-
ständnis des NS -Regimes nicht zu vereinbaren. Hoetger passte seine plastischen Werke in 
der Zeit nach 1933 allerdings seinem nationalsozialistischen „Wollen“ entsprechend an. A l-
lein: Bis auf wenige Aufträge, die ihm befreundete Nationalsozialisten beschafft en, blieb 
seine Kunst die Anerkennung des NS-Regimes – um die er sich als von der „Bewegung“ übe r-
zeugter Künstler derart bemühte – versagt. Oder, wie Thomas Hirthe es formulierte: „Er war-
tete auf seine Stunde – die nicht kam“ (Hirthe, S. 280). 
Es ließen si ch keine Entnazifizierungsdokumente recherchieren, obwohl Hoetger um 1946 – 
anders als häufig zu lesen – noch in Deutschland (und noch nicht in der Schweiz) lebte. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
BArch Berlin, R 43-II/1320 
BArch Berlin, NS 5-VI/17612 
STAM, Anfrage Entnazifizierungsakten [keine Dokumente überliefert]

84 
HStAD, R 4 [Bilder von Kunstwerken, auch von „Der Lichtbringer“] 
HStAD, R 12 P Nr. 2365 
Regierungsblatt 1911, Beilage 21, S. 199 [Ernennung zum Professor am 17.06.1911] 
StadtA Da, ST 61, Hoetger, Bernhard 
Kunstsammlungen Böttchers traße, Bremen, Nachlass Hoetger [zum Teil veröffentlicht in „Ausste l-
lungskatalog 1998“] 
Literatur: 
Anczykowski, Maria (Hrsg.) [Ausstellungskatalog 1998]: Bernhard Hoetger. Skulptur, Malerei, De sign, 
Architektur. Bremen 1998. 
Beeh, Wolfgang: Hoetger, Bernhard. In: NDB 9 (1972), S. 370 f. 
Beil, Ralf/Gutbrod, Philipp (Hrsg.): Bernhard Hoetger. Der Platanenhain. Ein Gesamtkunstwerk auf 
der Mathildenhöhe Darmstadt. München 2013. 
Boulboullé, Guido: Worpswede. Kulturgeschichte eines Künstlerdorfes. Köln ²1989. 
Dotzert, Roland/Wolbert, Klaus (Hrsg.): Kunst im öffentlichen Raum. In Darmstadt 1641 -1994, bearb. 
von Emmy Hoch und Erich Eck. Darmstadt 1994. 
Drost, Suse: Das bildneris che und malerische Werk von Bernha rd Hoetger. In: Roselius, Ludwig 
[d. J.](Hrsg.): Bernhard Hoetger. 1874-1949. Sein Leben und Schaffen. Bremen 1974, S. 11-117. 
Eikmeyer, Robert (Hrsg.): Adolf Hitler. Reden zur Kunst - und Kulturpolitik  1933-1939. Frankfurt am 
Main 2004. 
Gabler, Josephine: Arno Breker – Von Paris nach „Germania“. In: Benz, Wolfgang/Eckel, P e-
ter/Nachama, Andreas (Hrsg.): Kunst im NS -Staat. Ideologie, Ästhetik, Protagonisten. Berlin 2015, 
S. 73-88. 
Groth, Katharina/Herrmann, Björn: Bernhard Hoetger. In: Groth, Katharina (Hrsg. ): Mythos und M o-
derne. 125 Jahre Künstlerkolonie Worpswede. Köln 2014, S. 89-96. 
Hammer, Karen E.: Große Kunstschau Worpswede: Das Hoetger -Ensemble. In: Groth, Katharina 
(Hrsg.): Mythos und Moderne. 125 Jahre Künstlerkolonie Worpswede. Köln 2014, S. 190-195. 
Hirthe, Thomas: „Besondere Leistungen für die Bewegung hat er nicht aufzuweisen“ – Bernhard 
Hoetger im Nationalsozialismus. In: Anczykowski, Maria (Hrsg.): Bernhard Hoetger. Skulptur, Malerei, 
Design, Architektur. Bremen 1998, S. 278-299. 
Pehnt, Wolfgang: Bernhard Hoetger. In: Ders.: Die Architektur des Expressionismus. Ostfildern 1998, 
S. 193-202. 
Saal, Wolfgang: Bernhard Hoetger. Ein Architekt des norddeutschen Expressionismus. Dissertation 
Philosophische Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 1989. 
Schmidle, Elisabeth:  Schandmal oder Mahnmal? Vom Umgang mit dem architektonischen Erbe der 
NS-Diktatur. In: Der Bürger im Staat 56 (2006), S. 184-190. 
Strohmeyer, Arn: Ein Haus soll zur Urgeschichte der Menschheit zurückführen – das „Haus Atlantis“ 
in der Bremer Böttcherstraße. In: Anczykowski, Maria (Hrsg.): Bernhard Hoetger. Skulptur, Malerei, 
Design, Architektur. Bremen 1998, S. 216-221.

85 
Strohmeyer, Arn: Kunst im Zeichen der germanischen Vorfahren und der Wiedergeburt Deutsc h-
lands: Lu dwig Roselius und Bernhard Hoetger. In: Ders./Artinger, Kai/Krogmann, Ferdinand: Lan d-
schaft, Licht und niederdeutscher Mythos. Die Worpsweder Kunst und der Nationalsozialismus. 
Weimar 2000, S. 43-110. 
Theile, Albert: Bernhard Hoetger. Recklinghausen 1960. 
Thiemann, Eugen: Bernhard Hoetger. Achim 1990. 
Ulmer, Renate: Hoetger, Bernhard. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 399 f. 
Wehner, Dieter Tino: Bernhard Hoetger. Das Bildwerk 1905 bis 1914 und das Gesamtkunstwerk Pla-
tanenhain. Alfter 1994.

86 
Krolowweg (J 10), benannt 1999 nach 
Karl Krolow (1915-1999) 
Lyriker 
* 11. März 1915 in Hannover 
1921-1925 Besuch der Volksschule in Hannover 
1925-1935 Besuch des Realgymnasiums in Hannover 
Ab 1934 Mitglied der HJ 
1935 sogenannter „Ausgleichsdienst“ 
1935-1942 zunächst Studium der evangelischen Theologie in Göttingen, dann Germanistik, Philoso-
phie und Kunstgeschichte in Göttingen (bis 1939/40) und Breslau (1940-1942) 
1937-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 4819613, Eintritt: 01.05.1937) 
1938/39 Mitarbeiter der studentischen Fachzeitschrift „Junge Geisteswissenschaft“ 
1938/39 NSDAP-Blockleiter 
Ab 1940 Veröffentlichung von Gedichten in großen deutschen Zeitungen, auch in NS-Presseorganen 
1941 Heirat mit Luzie Gaida 
1941/42 Referent (K) beim Reichsführer SS – Reichskommissar für die Festigung deutschen Volk s-
tums 
1942 Rückkehr nach Göttingen, Arbeit als „freier Schriftsteller“ 
1943 „Hochgelobtes gutes Leben“ (erster Gedichtband) 
1944 Autor der NS-Wochenzeitung „Das Reich“ 
1948-1997 Veröffentlichung zahlreicher Gedichtbänd e, darunter „Heimsuchung“ ( 1948), „Die Ze i-
chen der Welt“ (1952), „Wind und Zeit“ (1954) 
1951 Mitglied des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland 
1952 Umzug nach Hannover 
1953/54 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt 
1956 Umzug nach Darmstadt 
1960 Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz 
1960/61 Poetik-Vorlesung an der Universität Frankfurt am Main 
1962 Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 
1967 Umzug innerhalb Darmstadts in die Künstlerkolonie, Park Rosenhöhe 
1972-1975 Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt 
1985 „Nacht-Leben oder Geschonte Kindheit“ (autobiografischer Roman) 
1997 vierbändige Gesamtausgabe seiner Gedichte 
† 21. Juni 1999 in Darmstadt

87 
Ehrungen: 
1956 Georg-Büchner-Preis 
1965 Großer Niedersächsischer Kunstpreis (Staatspreis des Landes Niedersachsen) 
1975 Goethe-Plakette des Landes Hessen 
1975 Großes Bundesverdienstkreuz 
1975 Rainer-Maria-Rilke-Preis für Lyrik 
1975 Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
1976 Ehrendoktor der TH Darmstadt 
1983 Hessischer Kulturpreis 
1985 Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste 
1988 Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg 
2005 Totenmaske im Glückerthaus Darmstadt 
2008 Denkmal auf der Rosenhöhe in Darmstadt 
Wirken in der NS-Zeit 
Karl Krolow, „ nach 1945 der in Präsenz und Qualität beständigste deutsche Lyriker “ (Fritz 
Deppert, DE vom 09.03.2015), lebte und arbeitete seit 1956 in Darmstadt. Nach Abschluss 
seines Studiums wirkte er von 1942 an als „freier Schriftsteller“ in Göttingen. 
Von 1935 bis 1940 studierte Krolow, der 1935 sein Abitur am Realgymnasium in Hannover 
abgelegt hatte, an der Universität Göttingen; anfangs Evangelische Theologie (ein Semester; 
Berufsziel: Pfarrer), dann Germanistik, Philosophie und Kunstgeschichte ( UA Göttingen). Von 
1940 bis 1942 führte er das Studium (mit dem Ziel  Lehramt für höhere Schulen ) an der Uni-
versität Breslau fort. 1942 zog er nach Göttingen, wo er fortan tätig war als „freier Schrif t-
steller“ (die Anführungszeichen beziehen sich zum einen auf die Selbstbeschreibung Kr o-
lows, zum anderen auf die unter den politischen Umständen stark eingeschränkte Form von 
Freiheit). 
Karl Krolow war seit 1934 Mitglied der HJ („Mitglied des Bannstabs 82“), 19 37-1945 Mitglied 
der NSDAP ( Mitglieds-Nr. 4819613, Eintritt: 01.05.1937 ) und NSDAP -Blockleiter (zumindest 
1938/39). Von der (mehrfach beantragten) beitragspflichtigen Mitgliedschaft in der Reich s-
schrifttumskammer wurde er wiederholt freigestellt, da seine „schriftstellerische Tätigkeit 
nur gelegentlicher Art oder geringfügigen Umfanges“ war (1942 und 1944, BArch Berlin, 
BDC, R 9361 -V/26074). Laut eigener Aussagen war er aus „gesundheitlichen Gründen“ vom 
Kriegsdienst entbunden. 
Seit Oktober 1940 hatte Krolo w erste Gedichte in großen deutschen Tageszeitungen verö f-
fentlicht, etwa in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“, der „Berliner Börsenzeitung“ und 
den „Münchner Neuesten Nachrichten“ (vgl. Paulus, S. 301 -303). Zwischen 1940 und 1945 
veröffentlichte der jung e Schriftsteller (zu der Zeit zwischen 25 und 30 Jahre alt) über 100 
Beiträge in über einem Dutzend Zeitungen und Zeitschriften, darunter ab 1942 umfangre i-
chere poetische Diskussionen in „Das Innere Reich. Zeitschrift für Dichtung, Kunst und deu t-

88 
sches Leben“ und 1944 Lyrik in „Das Reich“ (Donahue, S.  28, S. 34 f., vgl. zu „Das Reich“ Bi o-
grafie Arnold Krieger). So erschien etwa in „Das Innere Reich“ 1943 eine Sammelbespr e-
chung unter dem Titel „Betrachtungen von Gedichtband -Titeln“, die Krolows umfangreiches 
Wissen zu zeitgenössischer Lyrik dokumentierte – in der sich aber auch Sätze fanden wie „Es 
ist Ausdruck für die wissende Entschlossenheit, mit der unser Volk in diesem zweiten Wel t-
krieg sein Leben dranzugeben gewillt ist“ (zitiert nach Donahue, S.  36). La ut Ernst Klee 
schrieb Krolow auch für das „NS -Kampfblatt Krakauer Zeitung“ (Klee, S. 340, vgl. Paulus: Hier 
keine Nennung der Zeitung). Von den in „Das Reich“ veröffentlichten Gedichten fand keines 
Aufnahme in Krolows „Gesammelte Gedichte“ (1965, nach Sarkowicz/Mentzer, S. 252). 
Krolows erster Gedichtband (dem ab 1948 zahlreiche folgen sollten) erschien 1943 unter 
dem Titel „Hochgelobtes gutes Leben“. Der 14 Seiten umfassende Band erschien bei Heinrich 
Ellermann und beinhaltete auch Gedichte von Hermann Gau pp (ausführlich zu möglichen 
Deutungsebenen im Kontext der „Inneren Emigration“ Donahue, S. 39-52). 
Nachdem Krolow bereits im Januar 1941 der Reichsschrifttumskammer seine schriftsteller i-
sche Tätigkeit ordnungsgemäß (wie er glaubte) angezeigt hatte, bat er  im März 1942 noc h-
mals um Aufnahme in die Kammer. Sein Gesuch vom 8. März 1942, in dem er eindringlich 
darum warb, ihn als (aufstrebenden) Schriftsteller in die Kammer aufzunehmen, sandte er 
aus Kattowitz/Oberschlesien – unterschrieben mit „Heil Hitler! Ka rl Krolow [Unterschrift 
handschriftlich] Referent (K) beim Reichsführer SS Reichskommissar f.d.F.d.V. [für die Fest i-
gung deutschen Volkstums]“ (BArch Berlin, BDC, R 9361-V/26074). 
Im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens musste Krolow zu dieser Selbstbez eichnung Stel-
lung nehmen. 
Entnazifizierungsverfahren 
Im Niedersächsischen Landesarchiv Hannover befindet sich die umfangreiche Akte zu Kr o-
lows Entnazifizierungsverfahren ( Nds. 171 Hannover Nr. 19096 ), auf deren Inhalt sich die 
folgenden Ausführungen stützen (wenn nicht anders angegeben). 
Für Krolow stellte sich Ende 1946 das Problem, dass seine Beiträge (in der amerikanischen 
Zone) ohne eine erfolgte politische Entlastung nicht mehr gedruckt werden durften. Darau f-
hin ergriff er die Initiative und wandte sich über seinen Göttinger Anwalt an den Entnazifizie-
rungs-Hauptausschuss Göttingen-Stadt mit der Bitte, ein Entnazifizierungsverfahren einzulei-
ten. Dem Schreiben anbei lagen – „[o]bwohl er nur Parteianwärter seit 1.5.1937 und sonst 
nicht belastet ist“ – sechs Entlastungsschreiben sowie der Fragebogen der Military Gover n-
ment of Germany, den Krolow am 27.11.1946 ausgefüllt hatte. Im Fragebogen gab er unter 
dem Punkt „Mitgliedschaften“ bei „NSDAP“ an: „nein (seit 1. Mai 1937 Anwärter)“; bei „HJ 
einschl. BdM“: „nein“. Auf der letzten Seite, unter „Haben Sie jemals, und falls ja, in welcher 
Rolle in der Zivilverwaltung in einem der von Deutschland eingegliederten oder besetzten 
Gebiete gedient oder gearbeitet?“ gab er zu Protokoll: „ja; Angestellter beim Oberpräsid ent 
in Kattowitz, Archivarbeiten (Presse und Kultur) als Nebenverdienst während des Studiums.“ 
[Die Entlastungsschreiben entsprachen den üblichen „Persilscheinen“.]

89 
Aufgrund seiner Angaben wurde Krolow vom Kreisentnazifizierungsausschuss Göttingen z u-
nächst als „Nazianhänger nur dem Namen nach“ eingestuft (13.02.1947). Allerdings lagen im 
April 1947 neue Erkenntnisse vor: 
„Aus seinen Original -Angaben an die Reichsschrifttumskammer ergibt sich, dass er sich stets als Pa r-
teimitglied ausgegeben hat. In einem An trag vom 8.3.42 unterschreibt er als „Referent (K) beim 
Reichsführer SS Reichskommissar f.d.F.d.V. (für die Festigung deutschen Volkstums)“ (Intelligence 
Section an Kulturausschuss Land Niedersachsen vom 25.04.1947). 
Es würde daher beabsichtigt, so hieß es in dem Schreiben weiter, „ihn wegen Fragebogenfäl-
schung zu verfolgen“. 
In einer schriftlichen eidesstattlichen Erklärung vom 27.08.1947 nahm Krolow zu den A n-
schuldigungen Stellung: In die NSDAP sei er nur auf Drängen seines Vaters eingetreten, der 
„glaubte dadurch seinen einzigen Sohn im späteren Beruf gesicherter zu sehen“. Von der 
Partei habe er nur bei den „monatlichen Beitragszahlungen“ gehört. Da er nie das rote Pa r-
teibuch erhalten habe und auch nie vereidigt worden sei, sei er bei der Angabe davon au sge-
gangen, dass er offiziell als „Anwärter“ gelte; den „vorläufigen Mitgliedsausweis zerriss ich in 
den Tagen des Zusammenbruchs“ [das Original der „Parteianwärterkarte“ – mit abgestem-
pelten Beitragszahlungen bis einschließlich Mai 1938 – befindet sich in den Unterlagen der 
RKK… Außerdem hat Krolow 1939 und 1940 wiederholt seine NSDAP-Mitgliedsnummer – die 
nicht der Anwärter-Nr. entsprach! – in Fragebögen angegeben, siehe BArch Berlin, BDC, VBS 
1/1060062175]. Weiter erklärte Krolow: 
„Während dieses Studiums [in Breslau] habe ich von Ende 1941 -Sommer 1942, ein gutes halbes Jahr 
also, den Nötigungen nachgebend, denen ich als Student, der nicht wehrdienstfähig war und bisher 
nicht einen einzigen Einsatz abgeleistet hatte, mich für befristete Zeit als Reichsange stellter beim 
Gauleiter und Oberpräsidenten von Oberschlesien, in seiner Eigenschaft als Kommissar für die Fest i-
gung deutschen Volkstums verpflichtet. Ich betone, dass diese Dienststelle dem Gauleiter und Obe r-
präsidenten unterstellt war, er war es, der ins pizierte, ernannte usw. Ich führte die Bezeichnung Ku l-
turreferent.“ 
Seine einzige Beschäftigung habe darin bestanden, die deutsche Presse auf Artikel zum „ku l-
turellen Aufbau“ in Oberschlesien hin zu durchsuchen und entsprechende Beiträge ausz u-
schneiden und zu archivieren. Mitglied der SS sei er in keiner Form gewesen. 
Der Kreisausschuss folgte Krolow weitgehend (18.09.1947) und im Entnazifizierungs -Haupt-
ausschuss wurde er am 09.12.1948 schließlich als „Mitläufer“ eingestuft: „Krolow hat den 
Nationalsozialismus unterstützt (Kategorie IV)“. Ihm wurde die Wählbarkeit auf fünf Jahre 
abgesprochen und er hatte die Verfahrenskosten in Höhe von 50, - DM zu tragen. Als „w e-
sentlicher Förderer oder Nutznießer“ des Nationalsozialismus sei Krolow hingegen nicht a n-
zusehen, hieß es in der Begründung, wie auch die Zeugenaussagen bestätigten. 
Krolow legte gegen das Urteil Widerspruch ein. Im März 1949 wurde er zweimal zu Anh ö-
rungen vorgeladen. In der ersten Anhörung am 04.03.1949 wiederholte er weitgehend seine 
Angaben in der  oben genannten eidesstattlichen Erklärung (er habe nie ein NSDAP -
Mitgliedsbuch erhalten; die Tätigkeit als „Referent (K) beim Reichsführer SS“ sei eine Art

90 
Ferienjob gewesen, der auch dazu gedient habe, „mir die finanziellen Mittel für die Beend i-
gung meines Studiums zu verschaffen“). Er bat darum, in Kategorie V (entlastet) eingruppiert 
zu werden. 
Die zweite Vernehmung am 16.03.1949 war notwendig geworden, da Krolow zwischenzei t-
lich mit der parteistatistischen Erhebung (von ihm unterzeichnet am 30.06.1939,  entspre-
chender Auszug in BArch Berlin, BDC, VBS 1/1060062175 ) konfrontiert worden war – worin 
er seine Dienststellung als „Blockleiter“ angab und eine Mitgliedschaft in der HJ zu Protokoll 
gab (zudem „darin führend tätig“ angekreuzt hatte). Krolow gab zu Protokoll: 
„Ich habe in den Jahren 1938/1939 den Blockleiter nur vorübergehend vertreten, m. E. etwa auf die 
Dauer eines Monats. Irgendeine Funktion habe ich meines Erinnerns nicht ausgeübt. Ich habe auf 
dem oben erwähnten Fragebogen angegeben, dass ich Bl ockleiter sei, und zwar deswegen, weil die 
Stimmung unter meinen Kollegen, ich war damals Student an der Universität Göttingen, sehr gegen 
mich gerichtet war, da ich nicht im geringsten das war, was man mit ‚einsatzfreudig‘ bezeichnen 
konnte. Ich möchte ab er nochmals bemerken, dass ich mich weder als Blockleiter gefühlt habe – ich 
habe ja auch nie irgendeine Bestätigung erhalten oder die dafür erforderlichen Papiere wie Ahne n-
nachweis usw. eingereicht – noch dass ich die Tätigkeit eines solchen praktisch überhaupt ausgeführt 
habe. Die ganze Angelegenheit war eine Abrede zwischen dem für mich zuständigen Blockleiter und 
mir, da der zuerst Genannte in dieser Zeit anderweitige Verpflichtungen hatte.“ 
Zur angegebenen HJ -Mitgliedschaft gab er an, er sei als Angehö riger einer „Schüler -Spiel-
schar“ in die HJ überführt worden; die Überführung sei aber seiner Erinnerung nach nicht 
abgeschlossen gewesen, bevor er die Schule verlassen habe. Als Grund für die Angabe in der 
parteistatistischen Erhebung 1939 nannte er folgende Motivation: 
„In dem oben erwähnten Fragebogen habe ich m. E. aus denselben Gründen, aus denen ich mich als 
Blockleiter bezeichnet habe, eine Zugehörigkeit zur HJ und eine Führertätigkeit darin angegeben. Ich 
war aber niemals Mitglied der HJ und bin sel bstverständlich auch nie irgendwie führend tätig gew e-
sen.“ 
In überlieferten Formblättern der „Studentenführung“ gab Krolow wiederholt unter „Erster 
Eintritt in eine Gliederung der NSDAP“ den 10.04.1934 in die HJ an; Dienstrang (Angabe vom 
10.10.1939): „Jg.  [Jungmann] (führ. Mitglied des Bannstabs 82)“ ( BArch Berlin, BDC, VBS 
1/1060062175). Auch in der Kartei der „Deutschen Studentenschaft“ an der Uni Göttingen 
wurde Krolow als Mitglied der HJ seit 10.04.1934 geführt („Dienstrang: Bannstabsmitglied“); 
und auch hier wurde er als „Blockleiter“ der NSDAP geführt (UA Göttingen). 
Am 2. Mai 1949 kam es – auf Krolows Einspruch hin – in Hannover zur öffentlichen Verhand-
lung vor der Spruchkammer für Kulturschaffende. Nach dem Verlesen der Vernehmungspr o-
tokolle vom März stellte der Vorsitzende fest, 
„dass der Betroffene die bisherigen Angaben nicht wahrheitsgemäß gemacht hat und dass dadurch 
seine Glaubwürdigkeit in Frage gestellt wird. Die Mitarbeit bei der Reichsführung SS – Reichskommis-
sar für die Festigung deutschen Volkstums – ist eine Belastung.“ 
Krolow wurde gefragt, ob er „irgendwelche Handlungen gegen den Nat. Soz. nachweisen 
könne“ – und ob er seinen Einspruch zurückziehen wolle. Nachdem er dem Ausschuss noch 
„verschiedenes Material zur Einsicht“ vorgelegt hatte, „erklärt der Betroffene, dass er seinen

91 
Einspruch zurückzieht. Die Verhandlung wird geschlossen“. Die Entscheidung des schriftl i-
chen Verfahrens blieb unverändert bestehen. Wiederholt bat Krolow in der Folge um Gebüh-
renerlass; am 12.06.1950 wurden die Ve rfahrensgebühren auf 30, - DM reduziert; seiner 
nochmaligen Bitte um „Überführung in Kategorie V“ (07.09.1950) wurde nicht stattgegeben. 
Neil H. Donahue, der sich (als erster) intensiv mit Krolows Entnazifizierungsverfahren b e-
schäftigte (vgl. Donahue, S. 53 -71), kam zu dem Ergebnis, dass einige Aussagen Krolows w e-
nig plausibel erscheinen bzw. (zumindest) Fragen aufwerfen würden bezüglich seiner Nähe 
zum NS-Regime (Donahue, S. 70). 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/26074 
BArch Berlin, BDC, VBS 1/1060062175 
Niedersächsisches Landesarchiv Hannover, Nds. 171 Hannover Nr. 19096 [Spruchkammerakte] 
UA Göttingen, Immatrikulationskarten 
HStAD, R 12 P Nr. 3323 
StadtA DA, ST 61 Krolow, Karl 
Literatur: 
Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.): Karl Krolow. München 1983 [Text + Kritik, Heft 77]. 
Deppert, Fritz: Krolow, Karl. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 525 f. 
Donahue, Neil H.: Karl Krolow and the poetics of amnesia in postwar Germany. Rochester et al. 2002. 
Klee, Ernst: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main 
2007, S. 340. 
Paulus, Rolf: Lyrik und Poetik Karl Krolows 1940-1970. Bonn 1980. 
Sarkowicz, Hans/Mentzer, Alf: Literatur in Nazi -Deutschland. Ein biografisches Lexikon. Ham-
burg/Wien 2000, zu Krolow S. 251-253. 
Stahl, Katja: „Hier war die Luft einmal lateinisch“. Der Dichter Karl Krolow in Darmstadt. Marburg 
2010.

92 
Max-Ratschow-Weg (Q-R 7), benannt 1991 nach 
Max Ratschow (1904-1963) 
Mediziner, Begründer der Fachdisziplin der Angiologie 
* 7. August 1904 in Rostock 
1913-1922 Besuch des Humanistischen Gymnasiums in Rostock 
1920 Mitglied eines Freiwilligenverbands („Zeitfreiwilliger“, keine Teilnahme an Kampfhandlungen) 
1921 Eintritt in den Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund 
1922/23 Abschluss des Humanistischen Gymnasiums in Rostock 
1923-1924 Forstlehre in der Mecklenburgischen Staatsforstverwaltung (Abschluss: Revierjäger) 
1923 Teilnahme (nach 4 wöchig er Ku rzausbildung bei der Reichswehr) mit dem Reiter -Regiment 
Ludwigslust/Mecklenburg an der Bekämpfung von Unruhen 
1924-1929 zunächst Studium der Forstwissenschaften, dann der Medizin in Rostock, Freiburg, Wien, 
München, Berlin und Breslau 
1926 Forstverwaltungsprüfung in Schwerin 
1929 Medizinisches Staatsexamen an der Universität Breslau 
1930 Promotion zum Dr. med. an der Universität Breslau, „Experimentelle und klinische Unters u-
chungen über die künstliche Varizenverödung unter besonderer Berücksichtigung der Calorose“ 
1930 Hochzeit mit Adalberta Klara Elisabeth Schrameier (vier Kinder, 27.03.1941 geschieden) 
1930-1932 Assistenzarzt an den Medizinischen Universitätskliniken in Frankfurt am Main 
1932-1938 Assistenzarzt, ab 1934 Oberarzt am Stadtkrankenhaus Hamburg -Altona, 1. Oberarzt der 
Inneren Abteilung (unter Prof. Kroetz) 
1933-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 2817843, Eintritt: 01.05.1933) 
1933 „Spezialausbildung in erbbiologischer Forschung“ bei Prof. Otmar von Verschuer 
1934 Mitglied des Erbgesundheitsgerichts beim 1. Zivilsenat Hamburg 
1934 Studienaufenthalt an der Medical School, University of London, bei Sir Thomas Lewis 
1935 Mitglied des Erbgesundheitsobergerichts beim Oberlandesgericht Hamburg 
1936 Habilitation an der Universität Kiel (damals für Altona zuständig) 
1936-1938 Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebunds 
1937 Bewerbung um Dozentur an der Hansischen Universität Hamburg (abgelehnt) 
1938-1952 Beschäftigung an der Medizinischen Universitäts(poli)klinik Halle/Saale (mit Unterbr e-
chungen durch Kriegsdienst und kurzzeitiger Entlassung 1945) 
1938 Dozent für das Fach Innere Medizin an der Medizinischen Fakultät der Universität Halle -
Wittenberg [offizielle Ernennung zum Dozenten am 10.07.1939] 
1938-1945 Mitglied der Reichsdozentenschaft 
1939 Assistentenstelle an der Medizinischen Universitätsklinik Halle/Saale 
1939 „Die peripheren Durchblutungsstörungen“ 
1939-1940 Kriegsdienst, Abteilungsleiter im Reservelazarett Halle/Saale

93 
1940 Amtswalter im NS Dozentenbund 
1940-1943 (Vertretung der) Oberarztstelle an der Medizinischen Universitätsklinik Halle/Saale 
1941 Leiter des Auslandsamts der Deutschen Dozentenschaft an der Universität Halle-Wittenberg 
1941 Nach Scheidung Heirat seiner Doktorandin Marie Luise Steckner (drei Kinder) 
1942 „Die Sexualhormone als Heilmittel innerer Krankheiten“ 
1943 außerplanmäßiger Professor an der Universitätsklinik Halle/Saale 
1943-1945 erneuter Einzug zum Kriegsdienst: Sanitätssoldat in Eilenburg, Truppenarzt in Zittau und 
Rouen; im April 1945 erkrankt entlassen 
1945 Entlassung durch die Universität Halle im Oktober; Wiedereinstellung auf Anweisung der SMA 
Nach 1945 Mitglied der CDU [ab wann unklar] 
1946 Leitung der Medizinischen Universitätspoliklinik in Halle/Saale 
1946 erneute Ernennung zum außerplanmäßigen Professor an der Universität Halle-Wittenberg 
1948 ordentlicher Professor für Pathologische Physiologie an der Universität Halle-Wittenberg 
1952 Übersiedelung in die BRD mit dem Ziel,  in Nordrhein -Westfalen eine Forschungsklinik für G e-
fäßkrankheiten einzurichten 
1952 Gastprofessor an der Universität Köln 
1953-1963 (bis zu seinem Tod) Ordinarius für Innere Medizin und Direktor der Medizinischen Klinik 
Darmstadt; Aufbau des ersten angiologischen Forschungszentrums (Eröffnung Mai 1963), aus dem 
später die nach ihm benannte Max-Ratschow-Klinik für Angiologie am Klinikum Darmstadt hervorging 
1955 Organisation eines Kongresses deutscher Kreislaufforscher in Darmstadt 
1959 Herausgeber des Standardwerks „Angiologie – Pathologie, Klinik und Therapie der peripheren 
Durchblutungsstörungen“ 
1961 Vizepräsident der „Union Internationale d’Angèilogie“ in Paris 
1962 Präsident der „Deutschen Gesellschaft für Kreislaufforschung“ 
1962 Organisation des „Internationalen Angiologenkongresses“ in Darmstadt 
1963 Honorarprofessor an der Universität Heidelberg 
1963 1. Direktor des neu gegründeten angiologischen Forschungszentrums in Darmstadt-Eberstadt 
† 8. November 1963 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1963 Max-Ratschow-Klinik für Angiologie am Klinikum Darmstadt 
1968 Max-Ratschow-Preis (Gesellschaft für Angiologie) 
1969 Ratschow-Gedächtnismedaille (Curatorium Angiologiae Internationalis)

94 
Wirken in der NS-Zeit 
Max Ratschow gilt als Begründer der Fachdiszip lin der Angiologie, dem  Teilgebiet der Inn e-
ren Medizin, das sich mit Erkrankungen der Arterien, Venen und Lymphgefäße befasst. Wäh-
rend der NS-Zeit war er als Arzt in leitender Funktion an Kliniken in Hamburg und Halle/Saale 
sowie am Erbgesundheitsobergericht in Hamburg tätig. 
„Politisch: Seit 21. November 1921 Mitglied des Deutschvölkischen Schutz - und Trutzbundes. Seit 
1933 Mitglied der NSDAP (2877843). Ich war Mitglied des  Hanseatischen Erbgerichtes.“ [Und unter 
„Berufliche Tätigkeit“:] „Auf Grund meiner erbbiologischen Spezialausbildung wurde ich ständiger 
Fachrichter in beiden Kammern des Hanseatischen Erbgerichts “ (Lebenslauf 1938, UA Halle, Hervo r-
hebung im Original). 
Nach der Promotion an der Universität Breslau 1930 und der Arbeit als Assistenzarzt an der 
dortigen Universitäts -Hautklinik arbeitete Max Ratschow zunächst als Assistenzarzt an den 
Medizinischen Universitätskliniken in Frankfurt am Main  (1930-1932). 1932 wec hselte er an 
das Stadtkrankenhaus nach (Hamburg -)Altona, wo er unter Prof. Kroetz (dem er dorthin g e-
folgt war) vom Assistenzarzt zum Oberarzt avancierte und schließlich bis 1938 die Innere 
Abteilung leitete. Ein Forschungsaufenthalt führte ihn 1934 nach Lo ndon ( Medical School, 
University of London, bei Sir Thomas Lewis); seine Habilitation erfolgte 1936 an der Universi-
tät Kiel, die zu dieser Zeit für Altona zuständige Hochschule. Eigentlich war Ratschow vorg e-
sehen als Leiter des Balneologischen Instituts de r Universität Breslau in Bad Altheide, dessen 
Gründung aber offensichtlich scheiterte (wohl aufgrund wirtschaftlicher Überlegungen, 
Staatsarchiv Hamburg, 361-6; an anderer Stelle gab Ratschow an, er habe das Angebot „aus 
persönlichen Gründen“ abgelehnt, BArch Berlin, BDC, VBS 1/1140004927). 
Ratschow bewarb sich daraufhin 1937 wiederholt auf eine Dozentur an der Hansischen Un i-
versität in Hamburg; in Kiel hatte man sein Begehren abgelehnt, unter anderem mit dem 
Einwand, dass nun (1937) die Universität Hamburg  für Altona zuständig sei. Auch seitens der 
Hansischen Universität stieß Ratschow auf Ablehnung: Der Dekan der Medizinischen Fakultät 
begründete diese mit „grundsätzlichen Erwägungen“ (k ein Bedürfnis, zudem wolle man kei-
nen Präzedenzfall schaffen  und hiesigen Universitätsassistenten nicht „das Vorwärtsko m-
men“ versperren). Die Fakultät war nicht gewillt, sich für eine Dozentur des externen Arztes 
einzusetzen, der sich mit Nachdruck für eine Lehrtätigkeit empfahl: 
„Über die Persönlichkeit des Herrn Dr. Ratschow äusserte sich Prof. Berg dahin, dass er von Herrn Dr. 
Ratschow den Eindruck eines sehr strebsamen jungen Mannes erhalten habe, dem alles daran liege, 
Dozent zu werden und dass offenbar Herr Ratschow ein sehr fleissiger Mensch – wenn auch nicht 
von überragender Originalität – sei“ (Dekan Prof. Keeser, Staatsarchiv Hamburg, 361-6). 
Eine Lehrtätigkeit für Innere Medizin erhielt Ratschow erst 1938 an der Medizinischen Faku l-
tät der Universität Halle -Wittenberg zugesprochen (offizielle Ernennung zum Dozenten i m 
Juli 1939, UA Halle). Nach einigen erfolglosen Anläufen 1941/42 wurde er dort 1943 zum 
außerplanmäßigen Professor ernannt. Von April 1938 bis 1952 war er an der Medizinischen 
Universitäts(poli)klinik Halle/Saale beschäftigt, mit Unterbrechungen durch Kri egsdienst und 
einer kurzzeitigen Entlassung 1945. Von 1940 bis 1943 arbeitete er dort als Oberarzt (in Ve r-
tretung); da eine Planstelle fehlte, durfte er sich nur im „inneren Dienstbetrieb“ als Oberarzt 
bezeichnen.

95 
Politische Tätigkeit und Kriegsdienst 
Ratschow war seit 1921 Mitglied des Deutschvölkischen Schutz - und Trutzbunds und seit 
1933 Mitglied der NSDAP ( Mitglieds-Nr. 2817843, Eintritt: 01.05.1933 , BArch Berlin, BDC, 
NSDAP-Mitgliederkartei). Seit 1938 war er Mitglied der Reichsdozentenschaft, 1940 wurde 
er als Amtswalter im NS Dozentenbund  geführt und ab 1941 bezeichnete er sich als Leiter 
des Auslandsamts der Deutschen Dozentenschaft an der Universität Halle -Wittenberg; ab 
1936 war er Mitglied des Nationalsozialistischen Deutschen Ärztebunds ( BArch Berlin, BDC, 
VBS 1/1140004927, UA Halle, UA Heidelberg). 
Eigenen Angaben zufolge ( BArch Berlin, BDC, VBS 1/1140004927 , UA Halle, UA Heidelberg) 
durchlief Ratschow 1933 eine „Spezialausbildung in erbbiologischer Forschung“ bei Prof. 
Otmar von Ver schuer, Berlin. Aufgrund der dabei erworbenen Sonderkenntnisse war er 
(wiederum eigenen Angaben in unterschiedlichen Lebensläufen vor 1945 folgend) seit 1934 
„Mitglied des Erbgesundheitsgerichtes beim 1. Zivilsenat Hamburg, 1935 Mitglied des Erbg e-
sundheitsobergerichtes beim Oberlandesgericht Ham burg“ ( BArch Berlin, BDC, VBS 
1/1140004927). Wie oben bereits dokumentiert, bezeichnete er sich als „ ständiger Fachrich-
ter in beiden Kammern des Hanseatischen Erbgerichts“. 
Aufgrund der eingesehenen Bestände des Erbgesundheitsger ichts Hamburg (Staatsarchiv 
Hamburg, 224-2) und des Erbgesundheitsobergerichts Hamburg (Staatsarchiv Hamburg, 224-
1) ließen sich Ratschows Angaben nicht bestätigen; sein Name fand sich in keiner der tr a-
dierten Listen zu Mitgliedern des Erbgesundheits - bzw. Erbgesundheitsobergerichts (Perso-
nalakten des Stadtkrankenhauses Altona konnten nicht ermittelt werden). Als problematisch 
erwies sich, das relevante Bestände noch Sperrfristen unterliegen (darunter die Beschlüsse 
der beiden Gerichte). Zudem befinden sich  in den genannten Beständen keine Akten, so n-
dern lediglich Register und Beschlüsse zu Einzelfällen. Die eigentlichen Akten wurden zur 
Ablage an die zuständigen Gesundheitsämter verwiesen, deren Bestände (wenn überhaupt 
vorhanden) unzureichend erschlossen u nd ebenfalls noch mit Sperrfristen belegt sind 
(Staatsarchiv Hamburg, 352-11). Festhalten lässt sich jedoch, dass Max Ratschow offensich t-
lich nicht als offizielles Mitglied in die genannten Gerichte berufen wurde. Die beschlussfa s-
senden Gerichte bestanden aus drei Personen, wovon zwei Ärzte waren (jeweils ein verb e-
amteter Arzt und ein freier Arzt). Die Bestellungen der Mitglieder des Erbgesundheitsg e-
richts sowie des Erbgesundheitsobergerichts Hamburg liegen vor (Staatarchiv Hamburg, 224-
1_3 Band 1 + 2; 224-1_4); Max Ratschows Name fehlt darauf. Auf welcher Ebene und in we l-
cher Form Ratschow an den Gerichten tätig war, ließ sich nicht ermitteln. 
Das Erbgesundheitsgericht Hamburg hatte die Aufgabe, über Anträge auf die „Unfruchtba r-
machung erbkranker Personen“ zu entscheiden. Allein 1934, im ersten Jahr seiner Tätigkeit, 
fasste das Erbgesundheitsgericht Hamburg 2.270 Beschlüsse, die etwa jeweils zur Hälfte 
männliche und weibliche Personen betrafen (Staatsarchiv Hamburg, 224-1_3 Band 1 ); in 76 
Fällen wurde die Unfruchtbarmachung abgelehnt. In der Zeit vom 03.01.-03.04.1935 wurden 
weitere 1.000 Fälle verhandelt, bei deutlich über 90 % eine „Unfruchtbarmachung“ b e-
schlossen, die in der Regel auch umgesetzt wurde (eigene Auswertung, Staatsarchiv Ha m-

96 
burg, 224-2_25; in den Registerbänden findet sich auch die Umsetzung der „Unfruchtbarm a-
chung“ mit Datum dokumentiert). 
Das Erbgesundheitsobergericht Hamburg entschied über Beschwerden zu Beschlüssen der 
Erbgesundheitsgerichte Hamburg, Bremen und Lübeck. In der Regel wurden d ie Beschwer-
den abgelehnt: Von über 390 statistisch erfassten Eingaben im Jahr 1934 wurden lediglich 14 
als begründet angesehen. Der Bestand zum Jahr 1935 umfasst über 1.000 Vorgänge (Staat s-
archiv Hamburg, 224-1_11 Band 2 + 3). 
Während des Zweiten Weltkrieg s wurde Ratschow wiederholt eingezogen (zum Folgenden 
Deutsche Dienststelle, Personenrecherche; Informationen decken sich mit Angaben aus a n-
deren Beständen). 1939 -1940 diente er als Abteilungsleiter im Reservelazarett Halle/Saale . 
In einem Lebenslauf aus d em Jahr 1944 vermerkte Ratschow diesgezüglich: „1939 auf fre i-
willige Meldung Einsatz als Kriegsarzt und Abteilungsarzt eines ResLazarettes“ (04.01.1944, 
BArch Berlin, BDC, VBS 1/1140004927 ). Nachdem er im April 1943 erneut eingezogen wo r-
den war (beantragte  Uk-Stellungen wurden nicht stattgegeben, UA Halle), leistete er seinen 
Dienst als Sanitätssoldat in Eilenburg sowie als  Truppenarzt in Zittau und Rouen; im April 
1945 wurde er erkrankt entlassen. 
NS-Vergangenheit in der Sicht nach 1945 
Da Max Ratschow in der sowjetischen Besatzungszone lebte, musste er sich keinem Entnaz i-
fizierungsverfahren gemäß der Standards der westlichen Besatzungszonen unterziehen. Er 
sah sich aber ebenfalls dazu verpflichtet, wahrheitsgemäß Fragebögen der sowjetischen 
Administration auszufüllen (UA Halle). Darin gab er auf die Frage „Waren Sie jemals Mitglied 
der NSDAP?“ zunächst „nein“ zu Protokoll, überschrieb die Maschinenschrift handschriftlich 
jedoch mit: „1933 corporativ zur Aufnahme gemeldet. 1936 wurde Aufnahme abgelehnt 
(Dokument vorhanden)“ (15.03.1947, UA Halle). 
Über die gesamte NS -Zeit hatte sich Ratschow stets als Mitglied der NSDAP (unter Nennung 
seiner Mitgliedsnummer) bezeichnet. Nun gab er auf kritische Nachfragen zu Protokoll, dass 
er sich nicht habe als NSDAP -Mitglied betrachten können und aus diesem Grund die Form u-
lierung im Fragebogen entsprechend gewählt habe. Er begründete seine Auffassung wie 
folgt: 
„Meine Anwartschaft ist niemals in tatsächliche Mitgliedschaft umgewandelt worden, da mir nur 
eine Bescheinigung i m Jahre 1936 und kein Mitgliedsbuch ausgehändigt worden ist. Ich habe daher 
bei meinem Wohnungswechsel nach Halle/Saale im Jahre 1938 auch eine Anmeldung bei einer der 
Ortgruppen der NSDAP nicht vollzogen“ (Aktenvermerk vom 14.04.1947, gezeichnet M. Ratsch ow, 
UA Halle) 
Ähnlich argumentierte Ratschow auch in einer Entgegnung zu Vorwürfen, die im „Telegraph 
Politik“ vom 09.05.1947 unter der Überschrift „Nazis an der Universität Halle“ ihm gege n-
über erhoben wurden: 
„Es stimmt, daß ich im Zuge der ‚Gleichschalt ung der Hamburger Assistenten‘ 1933 korporativ zur 
Aufnahme in die ehemalige NSDAP und den Ärztebund gemeldet wurde. Der Artikel verschweigt

97 
aber, daß meine Aufnahme im Jan[uar] 1936 vor zahlreichen Zeugen in einer öffen tlichen Sitzung 
abgelehnt wurde, worüber ich noch ein schriftliches Zeugnis besitze “(11.05.1947, Erklärung, UA Ha l-
le). 
In Ratschows Personalakte (UA Halle, PA 12801 Ratschow, Max Prof. ) finden sich (beglaubig-
te) Schreiben, die belegen sollen, dass Max Ratschow kein Nazi und auch kein Mitglie d der 
NSDAP war, darunter auch die Abschrift eines Briefs von Dr. Herta Schmidt vom 03.02.1936. 
In dem Schreiben legt Schmidt, NS-Frauenschaftsleiterin, dar, dass der Ortsgruppenleiter der 
NSDAP Altona ihm (Ratschow) das Mitgliedsbuch nicht aushändigen wür de. Er ließe sich 
auch nicht umstimmen, da Ratschow unter anderem zu lange mit jüdischen Kollegen ve r-
kehrt habe und wegen seiner Nähe zu Prof. Kroetz als „Sozi“ galt. Auf Ratschows Partei -
Karteikarte (BArch Berlin, BDC, NSDAP -Mitgliederkartei) findet sich wie erwähnt unter „Ei n-
getreten“ das (Stempel -)Datum „1.5.33“. Es gibt aber auch einen Eintrag unter „Ausgetr e-
ten“, der sich möglicherweise auf einen internen Vorgang bezieht (unleserliches Aktenze i-
chen, ohne Datum). Unter „Wiedereingetr[eten]“ ist als Datu m der „30.6.36“ vermerkt. 
Ratschow wird in der Kartei zunächst unter „Ortsgr[uppe] Rostock“ geführt, weiterhin unter 
„Ortsgr[uppe] Altona“, „Ortsgr[uppe] Hamburg“ (unter gleicher Adresse – Altona gehörte 
1937 nicht mehr zum Gau Schleswig -Holstein, sondern zum Gau Hamburg) und unter 
„Ortsgr[uppe] Halle“. Ratschow hingegen beteuerte (wie oben zitiert), er habe sich bei se i-
nem Umzug nach Halle deshalb nie bei der dortigen Ortsgruppe gemeldet, weil er davon 
ausgegangen sei, er sei gar kein Mitglied der NSDAP. 
In der erwähnten Gegendarstellung äußerte sich Ratschow auch zu der Feststellung im „T e-
legraph“, er habe eine „Ausbildung in erbbiologischen Untersuchungsmethoden am Institut 
für Erb- und Rassenlehre in Berlin-Dahlem“ erhalten: 
„Es stimmt, daß ich im Feb[ru ar] 1933 3 Wochen am KWI für Anthropologie und Erbforschung bei 
Prof. Verschuer gearbeitet habe, um die Methode der Zwillingsforschung zu erlernen, welche ich für 
eigene wissenschaftliche Arbeiten brauchte. Das seit 1926 bestehende Institut hat niemals ein en 
politischen Charakter gehabt, wohl aber internationale Anerkennung . Prof. Verschuer ist auch heute 
noch Ordinarius für das gleiche Fach“ (11.05.1947, Erklärung, UA Halle). 
Prof. Otmar Freiherr von Verschuer, Humangenetiker und Zwillingsforscher, gilt al s einer der 
führenden Rassenhygieniker der NS -Zeit (Klee, S.  639). Er war Direktor des Instituts für Er b-
biologie und Rassenhygiene in Frankfurt am Main und Richter am Erbgesundheitsobergericht 
sowie (laut Klee) verantwortlich für die Versuche seines Assist enten und Doktoranden Josef 
Mengele in Auschwitz. Das Kaiser-Wilhelm-Institut für Anthropologie, menschliche Erblehre 
und Eugenik , dessen Mitglied (und seit 1942 dessen Direktor) Verschuer war, lieferte die 
„wissenschaftliche“ Legitimitätsgrundlage für die  Erbgesundheits- und Rassenpolitik des NS-
Regimes (Schmuhl, S. 531). 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
BArch Berlin, BDC, VBS 1/1140004927

98 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
Staatsarchiv Hamburg, 361-6 Hochschulwesen-Dozenten- und Personalakten, Signatur: IV 0816 
Staatsarchiv Hamburg, 113-5 Staatsverwaltung - Allgemeine Abteilung, Signatur: B V 92 b UA 12  
Staatsarchiv Hamburg, 224-1 Erbgesundheitsobergericht 
224-1_3 Band 1 + 2 
224-1_4 Beisitzer des Erbgesundheitsobergerichts 
224-1_6 Statistik über Einzelfälle 1935-1938 
224-1_9 Terminlisten des Erbgesundheitsobergerichts 
224-1_9 Band 1 (1935) und 224-1_9 Band 2 (1936-1939) 
224-1_11 Sammlung der Beschlüsse in Beschwerdesache des Erbgesundheitsobergerichts [Sperrfrist] 
Staatsarchiv Hamburg, 224-2 Erbgesundheitsgericht 
224-2_1 Beschlüsse der Erbgesundheitsgerichts 1934 [Sperrfrist] 
224-2_2 Beschlüsse der Erbgesundheitsgerichts 1935 [Sperrfrist] 
224-2_22-42 [Registerbände] 
UA Halle, PA 12801 Ratschow, Max Prof. 
UA Heidelberg, PA 1120 
UA Heidelberg, PA 5405 
StadtA DA, ST 61 Ratschow, Prof. Dr., Max 
Literatur: 
Eberle, Henrik: Die Martin-Luther-Universität in der Zeit des Nationalsozialismus. Halle 2002. 
Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. F rankfurt am 
Main 42013. 
Ratschow, Max: Die Sexualhormone als Heilmittel innerer Krankheiten. Stuttgart 1942. 
Schmuhl, Hans -Walter: Grenzüberschreitungen. Das Kaiser -Wilhelm-Institut für Anthropologie, 
menschliche Erblehre und Eugenik 1927-1945. Göttingen 2005.

99 
Hammerweg (L 8), benannt 1979 nach 
Richard Hammer (1897-1969) 
Darmstädter Arzt und Politiker 
 
* 7. Februar 1897 in Darmstadt 
Besuch des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt; Mitglied der Wandervogel-Bewegung 
1914-1917 Soldat (Infanterist) im Ersten  Weltkrieg (siebzehnjährig Kriegsfreiwilliger), 1917 schwer 
verwundet entlassen (Oberkieferdurchschuss) 
1919-1923 Studium der Medizin in Heidelberg und Innsbruck 
1923 Promotion zum Dr. med. in Heidelberg „Formen der Sexualität in der Jugendbewegung“ 
Ab 1923 Arbeit als niedergelassener Arzt (Allgemeinmediziner) in Darmstadt-Bessungen 
1924-1930 Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (ab 1925 im Vorstand) 
1927 Heirat mit Anna Becker (vier Kinder) 
1930-1933 Mitglied der Radikaldemokratischen Partei (2. Vorsitzender Ortsgruppe Darmstadt) 
Bis ca. 1945 Mitglied folgender Organisationen: SA (Reserve II) , NS-Reichskriegerbund „Kyffhäuser“, 
NSRL, NSV, RLB, RKB 
1939-1945 Anwärter des NS-Ärztebunds (seit 16.01.1939) 
1939-1945 Kriegsteilnehmer, Truppenarzt und Chef arzt verschiedener Sanitätseinheiten: bis 1942 
Regimentsarzt eines Infanterie-Regiments, ab 1943 SOberstabsarzt 
1945 Amerikanische Kriegsgefangenschaft 
Ab 1946 Präsident der Ärztekammer Darmstadt 
Ab 1946 Mitglied der FDP (bis 1948 unter dem Namen LDP) 
1946-1949 Abgeordneter des Hessischen Landtags (LDP) 
1948/49 Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Darmstadt (LDP/FDP), Fraktionsvorsitzender, 
Mandatsniederlegen wegen Wahl zum MdB 
1948 Vorsitzender des FDP-Kreisverbands Darmstadt (anfangs noch LDP) 
Präsident der Aktionsgemeinschaft deutscher Kassenärzte 
1949-1957 Mitglied des Deutschen Bundestags (FDP); Vorsitzender des Gesundheitspolitischen Au s-
schusses im I. und im II. Deutschen Bundestag, Mitglied des Sozialausschusses 
1960 Gründungsmitglied der „Aktionsgemeinschaft der deutschen Ärzte“ 
1960 erneute Wahl zum Kreisvorsitzenden des FDP-Kreisverbands Darmstadt 
† 3. Oktober 1969 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
Ca. 1917 Eisernes Kreuz I. Klasse sowie Hessisches Kriegsehrenzeichen in Eisen 
1956 Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der BRD 
1958 Paracelsus-Medaille der Deutschen Ärzteschaft

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1958 Ehrenvorsitzender des FDP -Kreisverbands Darmstadt  [1960 nochmals zum Kreisvorsitzenden 
gewählt; Rücktritt wohl aus gesundheitlichen Gründen (Herzinfarkt)] 
1962 Ehrenmitglied der hessischen FDP 
1962 Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
Ehrenplakette der Landesärztekammer Hessen 
Dr.-Richard-Hammer-Medaille der Hessischen Ärztekammer 
Wirken in der NS-Zeit 
Richard Hammer, Darmstädter Arzt und Politiker, lebte Zeit seines Lebens in Darmstadt (Bes-
sungen). Er war nach dem Zweiten Weltkrieg in der Lokal - und Landespolitik aktiv, MdB für 
die FDP (1949-1957) und Vorsitzender der Darmstädter Ärztekammer. 
Hammer arbeitete seit 1923 als Allgemeinmediziner in seiner Bessunger Praxis. Während des 
Zweiten Weltkriegs diente er als Sanitäts -Offizier der Wehrmacht. Eingesetzt wurde er 
hauptsächlich an der Ostfront, bis 1942 als Truppenarzt (Regimentsarzt eines Infanterie -
Regiments), ab März 1943 befördert zum Oberstabsarzt (1942-1944 am Heeres -
Genesungsheim 803 Gaspra -Koreis, Krim, dann am Armee -Feldlazarett 770, Deutsche 
Dienststelle [WASt], Personenrecherche) . 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefange n-
schaft. 
Vor 1933 war Hammer ehrenamtlich politisch aktiv. Er stand de n Gedanken Friedrich 
Naumanns nahe, war im Vorstand der Darmstädter DDP und später der Radikaldemokrat i-
schen Partei. Noch 1932 trat er als Demokrat bei einer Kundgebung an der Seite von Julius 
Reiber in Erscheinung (Hessischer Volksfreund vom 14.06.1932, f ür den Hinweis danke ich 
Peter Friedl). 
Über Hammers Wirken in der NS-Zeit gibt es relativ wenige Informationen. Er war offensicht-
lich kein Mitglied der NSDAP. Seit 16.01.1939 wurde er als Anwärter des NS -Ärztebunds ge-
führt. Im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens gab er folgende Mitgliedschaften zu Prot o-
koll: ( NS-)Reichskriegerbund „Kyffhäuser“, NSRL, NSV, RKB, RLB . Er verneinte im entspr e-
chenden Meldebogen eine Mitgliedschaft in der SA. Wie die Forschungen von Albrecht 
Kirschner zur „NS -Vergangenheit e hemaliger hessischer Landtagsabgeordneter“ (Kirschner, 
S. 34) sowie ein Eintrag in Richard Hammers Karteikarte bei der Reichsärztekammer Berlin 
belegen, wurde er allerdings als Mitglied der SA geführt (Reserve II, Zeitraum nicht zu bel e-
gen). 
Richard Hammer war als Jugendlicher in der Wandervogel -Bewegung aktiv. Hier kam er mit 
Carlo Mierendorff in Kontakt, mit dem gemeinsam er das Gymnasium in Darmstadt besuchte 
und Abitur machte. Auch Theodor Haubach war einer der Mitschüler; Hammer und Haubach 
studierten schließlich beide in Heidelberg. Anders als für Mierendorff und Haubach gibt es 
für Richard Hammer keine Hinweise auf Widerstand gegen das NS -Regime. Wahlkampfwer-
bung aus den Jahren 1949 und 1953 (StadtA DA, St 61 Hammer, Dr. Richard), die den FDP -
Bundestagskandidaten Richard Hammer persönlich vorstellte, lässt ihn als Liberalen mit

101 
deutlich nationalistischen Zügen erscheinen. Mit Blick auf Fahrten in der Schulzeit nach 
Böhmen und in die Steiermark hieß es darin 1953: 
„In früher Jugend lernte er so den schw eren Existenzkampf seiner ostdeutschen Brüder kennen und 
wurde zum leidenschaftlichen Verfechter des Großdeutschen Gedankens. Zeit seines Lebens wird er 
ein Feind aller föderalistischen und partikularistischen Bestrebungen bleiben.“ 
Auf dem gleichen Wahlwe rbezettel fand sich ein Foto von Richard Hammer in Wehrmacht s-
uniform, das ihn – Zigarre rauchend – im Kreise von Kameraden an der Ostfront abbildet 
(Bildunterschrift: „Ende Sept. 1941 zwischen Kiewer Kessel und Donez“). Im dazugehörigen 
Text hieß es (ungekürzt): 
„In beiden Weltkriegen war Richard Hammer Soldat. Richtiggehend dabei. In Frankreich, Rußland und 
auf dem Balkan. Der Oberkieferdurchschuss hinderte ihn nicht, auch im zweiten Weltkrieg wieder 
seine Pflicht zu tun. Nur nicht wieder als Infanterist, sondern als Arzt, der vielen tausenden seiner 
Kameraden das Leben retten und die Schmerzen lindern konnte. Vom ersten Tage, bis zum bitteren 
Ende an der Ostfront, dann in amerikanischer Gefangenschaft. Das EK I und das Hessische Kriegse h-
renzeichen in Eisen sind ihm bis heute die teuersten Auszeichnungen.“ 
Unter der Überschrift „Darmstadts Kandidat erklärt:“ finden sich unter seinen Forderungen 
(an zweiter Stelle ): „Der Entnazifizierungsrummel ist noch nicht ganz vorüber. Auch Spruc h-
kammer-Akten gehören in d en Ofen!“; unter Punkt sechs von sieben proklamierte Hammer 
„Die Wiedererrichtung des Deutschen Reiches mit der Reichshauptstadt Berlin“.  Hammers 
Ablehnung der Entnazifizierungsverfahren (auch für die Gruppen I und II), die er im Bunde s-
tag 1950 offensiv ve rtrat, war „von abstrusen Ressentiments gegen die Alliierten begleitet“ 
(Frei, S. 63). 
In seiner Funktion als Präsident der Darmstädter Ärztekammer sowie als politischer Ma n-
datsträger und Mitglied gesundheitspolitischer Ausschüsse hatte Hammer in der Nachk riegs-
zeit gewissen Einfluss auf Entscheidungen im Bereich des Gesundheitswesens. So setzte er 
sich im Juni 1946 persönlich dagegen ein, politisch belasteten Ärzten die Zulassung zu ve r-
weigern (Gerst, S.  48, FN 160). Zeitgleich soll er die Wiederzulassung v on Walther Richtze n-
hain, zeitweise Vorsitzender der Deutschen Friedensgesellschaft in Darmstadt, als praktizi e-
render Arzt in Darmstadt blockiert haben ( siehe DFG-VK Darmstadt). In der jüngst veröffen t-
lichten Publikation zur „Geschichte der hessischen Ärzte kammern 1887-1956“ fanden sich 
keine weiteren Informationen. 
In einem Beitrag des Darmstädter Tagblatts vertrat der Autor die Auffassung, dass Richard 
Hammer „versuchte im Strudel nach dem zweiten Weltkrieg verbliebene Anständigkeit, Stolz 
auf Heimat und V aterland herauszufischen[,] neue Dämme zu bauen“ (DT vom 01.03.1952). 
Bereits in seinem ersten Diskussionsbeitrag im Deutschen Bundestag am 23.02.1950 hatte 
Hammer kundgetan, was er unter „freiheitlicher Gesundheitspolitik“ verstand: „Der Woh l-
fahrtsstaat ist die Voraussetzung für die Verwirklichung des Polizeistaats“. 
Auf dem Meldebogen zum Entnazifizierungsverfahren gab Hammer als Grund für die von 
ihm geforderte Einordnung als „Nicht belastet“ an, dass er „Stadtbekannter Antifaschist“ sei.

102 
Am 11.04.1947 wurde er als „Nicht betroffen“ von der Spruchkammer Darmstadt -Stadt ein-
gestuft. 
Quellen: 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 518480 
HStAD, H 3 Nr. 3815 
HStAD, N 5 Nr. 111 
HStAD, O 59 Koch Nr. 26 
AdJb Bestand B Nr. B/205/031 [Dissertation 1923: Formen der Sexualität in der Jugendbewegung] 
StadtA DA, ST 61, Hammer, Dr. Richard 
[http://www.dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/HammerRichard.htm] Zugriff: 19.09.2016 
Literatur: 
Dotzert, Roland: Die Darmstädter Kommunalpolitik seit 1945. Darmstadt 2007. 
Dotzert, Roland: Hammer, Richard. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 345 f. 
Frei, Norbert: Vergangenheitspolitik. Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS -Vergangenheit. 
München 1996. 
Gerst, Thomas: Ärztliche Standesorganisation und Standespolitik in Deutschland 1945-1955. Stuttgart 
2004. 
Hafeneger, Benno/Velke, Marcus/Frings, Lucas: Geschichte der hessischen Ärztekammern 1887 -
1956. Autonomie – Verantwortung – Interessen. Schwalbach im Taunus 2016. 
Kirschner, Albrecht: Abschlussbericht der Arbeitsgruppe zur Vorstudie „NS-Vergangenheit ehemaliger 
hessischer Landtagsabgeordneter“ der Kommission des Hessischen Landtags für das Forschungsvo r-
haben „Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen“. Wiesbaden 2013.

103 
Kriegerweg (K 9-10), benannt 1979 nach 
Arnold Krieger (1904-1965) 
Schriftsteller 
* 1. Dezember 1904 in Dirschau an der Weichsel 
1912-1920 Besuch des Humanistischen Gymnasiums in Thorn 
1920-1923 Besuch des Marienstiftsgymnasiums in Stettin (Abitur 1923) 
1924-1927 Studium der Philologie an Universitäten in Greifswald, Göttingen und Berlin 
1926 Heirat mit Charlotte Sonja Raykowski, ein Kind [Trennung ca. 1930] 
1927 Uraufführung von „Opfernacht“ (erstes Drama) im Stadttheater Stettin 
1930-1933 Mitglied der Gesellschaft der Friedensfreunde 
1932 Umzug nach Rauchfangswerder in der Nähe von Berlin; ab 1933 verschiedene Adressen, daru n-
ter in Stettin und Berlin 
1933-1945 Mitglied der Reichsschrifttumskammer 
1934 Romane „Mann ohne Volk“, „Spielraum für Monika“ und „Das Blut der Lysa Gora“ bei Rowohlt 
1935 „Ein Menschenherz – was weiter?“ 
1936 „Christian de Wet“ (Drama) 
1940/41 Propagandafilm „Ohm Krüger“ nach dem Roman „Mann ohne Volk“ von Arnold Krieger 
1941 „Der dunkle Orden“ 
1941 „Das erlösende Wort“ (Lyrik) 
1941-1945 Hauptwohnsitz in Misdroy (heute Insel Wollin, Polen) 
1942 Heirat mit Blanka Maria „Tuja“ Koutny, drei Kinder 
1942 „Empörung in Thorn“, „Das Urteil“ 
1944 „Das schlagende Herz“ (Lyrik) 
1944/45 Veröffentlichungen in der Wochenzeitschrift „Das Reich“ 
1945-1947 Wohnsitz in Passau 
1947/48 nach kurzem Aufenthalt in Bad Oberdorf (September 1947) Wohnsitz in Oberstdorf/Allgäu 
1948-1953 Aufenthalt in der Schweiz 
1953 „Zwei zogen aus“ (autobiografischer Bericht) 
1953/54 Umzug nach Darmstadt (auf Einladung von OB Ludwig Engel) 
1954 „Sehnsucht und Bindung“ (Lyrik) 
1955 Roman „Geliebt, gejagt und unvergessen“ (Afrika-Epos; Kriegers größter literarischer Erfolg) 
1957 Gründung des Verlags „Studio Schaffen und Forschen“ in Darmstadt 
1958 „Reichtum der Armen“ (Lyrik) 
1959 Gründung des „Weltbunds freier Menschen“ 
1963 „Der Kuckuck und die Zerreißprobe“ 
† 9. August 1965 in Frankfurt am Main

104 
Ehrungen: 
1967 Gründung des „Freundeskreises Arnold Krieger e. V.“ 
1971 Eiche und Gedenktafel (Platte) für Arnold Krieger im Herrengarten Darmstadt 
Wirken in der NS-Zeit 
Arnold Krieger lebte und arbeitete seit 1953/54 als Schriftsteller in Darmstadt. Aus der Zeit 
zwischen 1933 und 1945 stammen mindestens ein Dutzend Veröffentlichungen, für die Kri e-
ger verantwortlich zeichnete. 
Krieger war weder Mitglied in der NSDAP noch in einer ihrer Unterorganisationen, von 1933 
bis 1945 allerdings Mitglied der RKK (Reichsschrifttumskammer A 1214); im Zuge seines En t-
nazifizierungsverfahrens konnten keine Mitgliedschaften in weiteren NS -Organisationen 
festgestellt werden. Vom Militärdienst war er eigenen Angaben zufolge aus gesundheitlichen 
Gründen ausgeschlossen („Nach sorgfältigen militärärztlichen Untersuchungen zum Militä r-
dienst nicht herangezogen“, StAM). 
Nach 1945 bestritt Krieger vehement G erüchte, wonach er „sich mit den Nazis ganz gut 
stünde“ (BArch Berlin, BDC, R 9361-V/146043). Seine Bücher seien frei von nationalsozialist i-
scher Ideologie; zwei geheim gehaltene Manuskripte stellten eine „vernichtende Kritik des 
Nationalsozialismus“ dar; lediglich der Roman „Das Urteil“ enthalte eine „partielle Bejahung“ 
des Nationalsozialismus, „aber nur, damit die Anklage desto schärfer herauskommt, die ich 
gegen die unmenschliche Zerstörung der gottgewollten Ehen durch den Nationalsozialismus 
erhebe“ (Krieger, 10.06.1947, BArch Berlin, BDC, R 9361 -V/146043; auch StAM). Gegen se i-
nen Willen sei sein Roman „Mann ohne Volk“ als Vorlage für den NS -Propagandafilm „Ohm 
Krüger“ verwendet worden; er sei dagegen sogar gerichtlich vorgegangen, jedoch erfolglos 
[sein Name wurde im Vorspann genannt]. 1936 sei ihm der Pass entzogen worden, was seine 
geplante Emigration (nach Dänemark) verhindert habe. Er zog daraufhin an die Ostsee, nach 
Misdroy (Insel Wollin, heute Polen), wo er bis Januar 1945 in einem abgelegenen An wesen 
„unbehelligt arbeiten konnte“ (Dierks). Zwischen 1935 und 1939 konnte (seinen Ausführu n-
gen zufolge) keines seiner Werke erscheinen. Er habe 1933 -1945 keine einzige öffentliche 
Rede gehalten, sah sich wiederholt Anfeindungen der NS -Presse ausgesetzt und sein schrift-
stellerisches Werk be - bzw. verhindert. 1942 heiratete er in zweiter Ehe Blanka Maria (g e-
nannt Tuja) Koutny, der er den Roman „So will es Petöfi“ (1942) widmete. Tuja Krieger berief 
sich in ihrem Entnazifizierungsverfahren auf ihren Mann: 
„Mein Verhältnis zur Partei ergibt sich aus der Tatsache, daß ich die Frau des Dichters Arnold Krieger 
bin und an seiner tief begründeten Abwehrhaltung und seinem Ringen mit ganzer Kraft teilgeno m-
men habe“ (04.05.1946, Staatsarchiv Landshut). 
Demgegenüber stehen erklärungsbedürftige Einnahmen, die sich 1940 auf über 20.000 RM 
beliefen, 1941 gar auf über 32.000 RM (1942: nochmals über 25.000 RM). Gegenüber der 
Reichsschrifttumskammer erklärte Arnold Krieger:

105 
„Das Jahr 1940 brachte mir nach siebenjährigem Ringen endlich einen großen Aufschwung. Allerdings 
sind die Betriebsausgaben, Kosten für Gehälter usw. r iesig angewachsen. Nur mit größ ten finanziel-
len Anstrengungen (Reisen, viele Ferngespräche usw.) ist es mir gelungen, auch die Bühne bis zu e i-
nem gewissen G rade zu erobern“ (Anlage zur  Erklärung für die Reichsschrifttumskammer [ohne D a-
tum], BArch Berlin, BDC, R 9361-V/25975). 
In Frage-/Meldebögen 1946/47 gab Krieger für den Zeitraum 1933 -1945 als „durchschnittl i-
ches Jahreseinkommen drei -viertausend Mark“ zu Pr otokoll; im Meldebogen vom Mai 1946 
nannte er für das Jahr 1938 ein zu versteuerndes Einkommen von 4.000, für 1943 von 6.000 
RM (die Jahre 1939 -1942 wurden nicht abgefragt, StAM). Der größte Teil seiner Einkünfte 
resultierte (laut seiner eigenen Erklärunge n an die Reichsschrifttumskammer) aus „Buchve r-
öffentlichungen“. Tatsächlich erschienen während des Zweiten Weltkriegs (1939 -1942) min-
destens sieben Titel Arnold Kriegers neu oder in Neuauflage, teils im nationalsozialistischen 
Eher-Verlag, teils (in großer  Auflage) bei Heyne und bei Kiepenheuer. Sechs davon standen 
nach 1945 auf der „Liste der auszusondernden Literatur“ (Anfrage des Öffentlichen Klägers 
der Spruchkammer Passau vom 31.05.1947, StAM; die in Leipzig veröffentlichte Liste galt 
wohl nur in der S BZ). Des Weiteren erschienen die Gedichtbände „Das erlösende Wort“ 
(1941) und „Das schlagende Herz“ (1944). Beide Bände hatten – so wiederum Krieger – nur 
gegen erheblichen Widerstand, nach jahrelangem Ringen, trotz „Schikanen“ erscheinen kö n-
nen. 
Bemerkenswert erscheint zudem, dass Krieger 1944/45 als Autor der NS -Wochenzeitung 
„Das Reich“ in Erscheinung trat, zu dieser Zeit neben dem „Völkischen Beobachter“ das au f-
lagenstärkste NS -Presseorgan. Die seit 1940 erscheinende Zeitung sollte stärker als andere 
NS-Blätter journalistisch hochwertige Artikel vereinen, mit einem starken Schwerpunkt auf 
kulturellen Themen, verfasst von renommierten Journalisten und Schriftstellern. Ein Reda k-
teur der Zeitung sprach rückblickend von „Nationalsozialismus im Frack“ (Reiche l, S.  178); 
unter den Autoren fanden sich auch Persönlichkeiten wie Max Planck und Theodor Heuss 
(siehe auch Biografie Karl Krolow). Stilistisch wie inhaltlich sollte sich die Zeitung von der 
gleichgeschalteten NS -Presse abheben, die sich zunehmend als Pro blem entwickelt hatte. 
Dazu genoss das Blatt gewisse Freiheiten – die Leitartikel verfasste allerdings Joseph Goe b-
bels persönlich, der am 16. Januar 1940 in seinem Tagebuch notiert hatte: „Neuen Dichter 
entdeckt. Arnold Krieger. Namen merken!“ ( so Klee, S.  340). Arnold Krieger war 1944 mit 
mindestens drei Beiträgen vertreten („Stell dich dem Schmerz“, „Das Zeichen“, „Das schl a-
gende Herz“), noch im Januar 1945 erschien sein Gedicht „Die lesende Geliebte“ (DFG-VK 
Darmstadt). Aus welchen Gründen auch immer Aut oren in „Das Reich“ publizierten, lassen 
sich die Beiträge doch mindestens als „Arrangieren“ mit dem NS-Regime deuten: 
„Auch wenn Das Reich zahlreiche Nicht-Nazis beschäftigte, eine Insel des publizistischen Widerstands 
war es deshalb nicht, konnte es nach  Lage der Dinge auch nicht sein. […] Ob die Mitarbeiter dieses 
Blattes für ‚Enthüllungsleser‘ schrieben oder fürs bloße Überleben, sie waren unweigerlich verstrickt 
in das Dilemma von Anpassung und Kollaboration. Ihr Handlungsspielraum war denkbar gering. Vor 
Verweisen und Entlassungen waren auch sie nicht sicher. Andererseits erfüllten sie als Angehörige 
der Intelligenz mit ihrem Schreiben eine objektive gesellschaftliche Funktion, waren sie das publizist i-
sche Aushängeschild eines Regimes, das die Meinungs freiheit verachtete und verfolgte. Von welcher

106 
subjektiv-oppositionellen Motivation sie auch immer geleitet waren, ihr Schreiben schönte das ve r-
brecherische Gesicht des Dritten Reiches“ (Reichel, S. 178). 
In der biografischen Literatur zu Arnold Krieger üb erwiegt die Darstellung des Gewalt ve r-
achtenden, humanistischen Schriftstellers. Entsprechend hielt Roland Dotzert im Stadtlex i-
kon Darmstadt zu Kriegers Wirken fest: 
„In seiner literarischen Arbeit setzte er sich ein für Humanität und vorbeugende Friedensf orschung 
mit dem Wunsch nach einem Ausgleich zwischen Rassen und Religionen. Diese Grundeinstellung 
führte zu mehrfacher Heimatlosigkeit, Wanderschaft, Aufbau neuer Heimat und erneutem Zusa m-
menbruch. Seine Abneigung gegen alle Gewalt führte zur Konfrontati on mit den Nationalsozial isten. 
Sein erster Gedichtband ‚ Das erlösende  Wort‘ wurde 1941 als ‚entartet‘  eingestuft. Krieger wollte 
nach Dänemark emigrieren; die Gestapo vereitelte dies durch Passentzug. Nach dem Krieg emigrierte 
er schließlich in die Schweiz, wo er in bürokratische Konflikte mit der Fremdenpolizei kam.“ 
Carl Steiner hatte in seinem Beitrag („Arnold Kriegers Lyrik. Gesänge eines gläubigen Hum a-
nisten“) in der Jubiläumsschrift des Verlags „ Studio Schaffen und Forschen “ 1994 bereits 
konstatiert: 
„Nachdem sein [Kriegers] erster Gedichtband ‚Das erlösende Wort‘ 1941 von den Nationalsozialisten 
als ‚entartet‘ eingestuft wurde, war das politische Urteil der damaligen Zeit über ihn und sein Werk 
gefällt. An wahre und zeitlos -menschliche Werte dachte m an damals nicht“ (Studio Schaffen und 
Forschen, S. 15). 
Nach seiner Flucht von Hiddensee im Januar 1945 lebte Krieger bis 1947 in Passau (erst 1948 
zog er in die Schweiz). Vor der Spruchkammer Passau -Stadt fand 1946/47 denn auch sein 
Entnazifizierungsverfahren statt (zum Folgenden siehe StAM). Auf die Frage hin, welcher 
„Naziorganisation“ er angehörte, gab er zu Protokoll: „ keiner, nicht einmal der NSV, da mir 
jede Nazi -Organisation verhasst war“ (Hervorhebung im Original). Er bezeichnete sich we i-
terhin als  „Gegner des Nationalsozialismus und Militarismus“. Zu den Vorwürfen seiner 
ehemaligen Vermieterin, es seien in der NS -Zeit zahlreiche Veröffentlichungen Kriegers e r-
schienen und der Film „Ohm Krüger“ basiere auf einem seiner Romane, bezog er wie oben 
geschildert Stellung. An der Einschätzung als „Vom Gesetz nicht betroffen“ [Stempel auf 
Meldebogen ohne Datum] änderte auch der Vorwurf nichts, er habe in Misdroy unbehelligt 
in einer Villa leben können, was für einen Verfolgten des NS -Regimes, als welchen er s ich 
geriere, doch sehr unwahrscheinlich wäre. 
Aufgrund seiner autobiografischen Veröffentlichung „Zwei zogen aus“ (1953), in der sich 
Krieger negativ mit seinem Aufenthalt in der Schweiz auseinandersetzte, geriet er in der 
Schweiz heftig in die Kritik. Er wurde als „Hochstapler“ bezeichnet, der zeitweise eine teure 
Villa gemietet, gleichzeitig aber die Kostgeldschulden für sein Kind nicht bezahlt habe. Z u-
dem wurde ihm zur Last gelegt, er habe sich als Flüchtling und Opfer des Nationalsozialismus 
ausgegeben, „obschon er mindestens profitierender Mitläufer gewesen sei“ (NZZ vom 
09.03.1957 unter Bezug auf Artikel in NZZ von Ende März 1954). Der Autor des NZZ -Artikels 
aus dem Jahr 1954, Peter Zimmermann, bezog sich in seiner Argumentation auf ein Urteil 
aus dem Jahr 1952, dass zur Ausweisung Kriegers aus der Schweiz geführt hatte. Er bezog

107 
sich in seiner Bewertung zudem auf Kriegers Veröffentlichungen im Eher -Verlag, dem Zen t-
ralverlag der NSDAP. Eine von Krieger angestrengte Verleumdungsklage wurde schließlich 
abgelehnt: Das Gericht hob als ein Kriterium hervor, Krieger habe sich „zum mindesten bis zu 
einem gewissen Grade (dieses Ausmaß wird im Artikel nicht präzisiert) mit dem Ungeist der 
Hitlerei identifiziert“ (aus dem Urteil zitiert nach NZZ vom 09.03.1957). 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/146043 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/25975 
Staatsarchiv Landshut, Spruchkammer Passau (Rep. 241/14) Nr. 7273 [Tuja Krieger] 
StAM, Spruchkammerakten Karton 966, Krieger, Arnold 
HStAD, H 14 Darmstadt Nr. R 1270 
HStAD, R 12 P Nr. 3303 
DFG-VK Darmstadt [www.dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/KriegerArnold.htm] (Zugriff: 21.11.2016) 
StadtA DA, ST 61 Krieger, Arnold I+II 
Literatur: 
Dierks, Margarete: Krieger, Arnold. In: NDB 13 (1982), S. 43 f. 
Dotzert, Roland: Krieger, Arnold. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 522. 
Klee, Ernst: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main 
2007. 
Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Faszination und Gewalt des Faschismus. Mü n-
chen 1991. 
Studio Schaffen und Forschen (Hrsg.): Arnold Krieger. 75. Geburtstag. Darmstadt 1979. 
Studio Schaffen und Forschen (Hrsg.): Arnold Krieger (1904 -1965). Zum 90. Geburtstag dem Lyriker 
gewidmet. Darmstadt 1994.

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Albinmüllerweg (H 9), benannt 1987 nach 
Albin Camillo Müller, genannt Albinmüller (1871-1941) 
Architekt 
* 13. Dezember 1871 in Dittersbach bei Frauenstein/Erzgebirge 
1887-1892 Tischlerlehre in der Tischlerei des Vaters; Wander- und Gesellenjahre 
1893-1897 Volontariat und Studium in Mainz; Innenarch itekt in Bromberg; Studienreise durch Nor d-
deutschland 
1897-1899 Innenarchitekt in Köln; Studium an der Kunstgewerbeschule in Dresden; erste Preise bei 
Wettbewerben 
1900 Heirat mit Anna Maria (Änne) Rauch (zwei Kinder) 
1900-1906 Lehrer für Raumkunst und arc hitektonische Formenlehre an der Kunstgewerbe - und 
Handwerkerschule in Magdeburg; ab 1905 Leiter der Abteilung für Innenraum und Architektur 
1905 Ausgestaltung des Trauzimmers im Standesamt Magdeburg 
1906 Gartenpavillon auf der 3. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden 
1906-1914 Mitglied der Künstlerkolonie in Darmstadt; Wohnhaus sowie weitere Häuser auf der Ma t-
hildenhöhe (1911), Mietshäusergruppe (1911-1914), Schwanentempel, Brunnenanlage und Löwentor 
(1914); führend bei Ausstellungen 1908 und 1914 
1906/07-1911 Lehrer für Raumkunst am Großherzoglichen Lehratelier für angewandte Kunst 
1910-1912 Villenarchitektur in Seeheim an der Bergstraße 
1915-1918 (Armierungs-)Soldat im Ersten Weltkrieg 
Ab 1917 Verwendung des Künstlernamens „Albinmüller“ 
1918-1925 Holzhausbauten und Denkmäler 
1920/21 Boelcke-Denkmal in Dessau 
1921 Veröffentlichung „Holzhäuser“ 
1925-1932 Tätigkeiten im Wohnhausbau; Einfamilienhäuser unter anderem in Magdeburg und im 
Erzgebirge 
1926/27 Architekt der Deutschen Theaterausstellung in Mag deburg: Bauten und Innenraumgesta l-
tung, darunter Pferdetor und Aussichtsturm („Albinmüller-Turm“) 
1928-1933 Entwürfe für Sakral- und Monumentalbauten 
1933 Entwurf eines Richard-Wagner-Denkmals 
1933 Veröffentlichung „Denkmäler, Kult- und Wohnbauten. Aus dem Kreis der Darmstädter Künstler-
kolonie“ 
1934-1941 Beschäftigung mit Philosophie, Landschaftsmalerei und schriftstellerische Tätigkeiten 
1936/37 Entwurf für ein Museum (im Auftrag von Mathilde Merck, nicht umgesetzt) 
1937 Entwurf für Grabmal Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein (nicht umgesetzt) 
1940 Veröffentlichung „Heimatland. Bilder und Verse“; „Aus meinem Leben“ (Manuskript) 
† 2. Oktober 1941 in Darmstadt

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Ehrungen: 
1899 Auszeichnung für Innenarchitektur auf der Ausstellung „Heim und Herd“ in Dresden 
1904 „Grand Prix“ für Beitrag im Bereich Innenarchitektur auf Weltausstellung in St. Louis/USA 
1906 Staatsmedaille und Goldmedaille auf der 3. Deutschen Kunstgewerbe-Ausstellung in Dresden 
1907 Ernennung zum Professor durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein 
1910 Goldmedaille auf der Weltausstellung in Brüssel 
1943 Ausstellung „Aus dem Lebenswerk Prof. Albinmüllers“, Mathildenhöhe Darmstadt 
Wirken in der NS-Zeit 
Albin Camillo Müller, der eigentlich Alwin hieß und sich selbst Albinmüller nannte, war einer 
der führenden Architekten der Darmstädter Künstlerkolonie zwischen 1906 und 1914. Er 
zeichnete in dieser Zeit für zentrale Bauten verantwortlich, die bis heute die Mathildenhöhe 
und damit das Stadtbild Darmstadts prägen. In den ersten Jahrzehnten  des 20. Jahrhunderts 
schuf er ein umfangreiches Werk, als Architekt sowie als Gestalter im Bereich angewandter 
Kunst. Seine letzte umfassende Aufgabe als Architekt übernahm er 1926/27 mit der Deu t-
schen Theaterausstellung in Magdeburg. 
In der Zeit des „Dri tten Reichs“ erhielt Albinmüller kaum mehr Aufträge, die zur Ausführung 
gelangten (Gräfe, S.  289-291). Belegt sind der Entwurf für ein Richard -Wagner-Denkmal 
(1933, vermutlich anlässlich eines Wettbewerbs der Stadt Leipzig), ein ausgeführtes Maus o-
leum auf dem Wiesbadener Nordfriedhof (1933, im Auftrag von Robert Jurenka), ein Miet s-
wohnhaus in Darmstadt (1935/36, als sein wohl letztes ausgeführtes architektonisches 
Werk, heute Dolivostraße/Feldbergstraße) sowie die Entwürfe eines Museums (1936/37, im 
Auftrag von Mathilde Merck) und eines Mausoleums für den Leichnam von Großherzog Ernst 
Ludwig von Hessen und bei Rhein (1937). 
Obgleich sein Wirken als Architekt in der NS -Zeit begrenzt war, schien er um Anerkennung 
seitens der Nationalsozialisten bemüht, wie ihm seine Biografin Babette Gräfe attestierte: 
„In der Phase um 1933 -35/36 ist Albinmüller offensichtlich durchaus von nationalsozialistischen 
Ideen und dem Dritten Reich angetan. Vermutlich zuversichtlich, dass nun nicht nur die Weimarer 
Republik weichen muss, sondern auch der von ihm wenig geachtete ‚Internationale Stil‘ überwunden 
ist und der ersehnte deutsche Architekturstil vollendet werden kann, versucht er von den neuen 
Machthabern als Architekt anerkannt zu werden“ (Gräfe, S. 246). 
Gräfe verwies als Be leg für ihre Einschätzung auf Albinmüllers Kunstauffassung, die allg e-
mein „auf Idealismus und einem gewünschten aristokratischem Abstand zur Masse gepaart 
mit romantisierender Religiosität, konservativ -monarchischer und deutsch -nationaler Übe r-
zeugung“ basierte (Gräfe, S. 245). In ihrer Beurteilung von Albinmüllers Wirken in der NS-Zeit 
stützte sich Gräfe besonders auf dessen autobiografische Schrift „Aus meinem Leben“, ein 
186 Seiten umfassendes Manuskript, das Albinmüller wohl um 1940 abschloss (es endet m it 
der Bemerkung, sein Sohn stehe als Soldat „bei unserer Wehrmacht im Feindesland“; Xer o-
kopie in ULB Darmstadt). Seit der Nichtberücksichtigung beim Bau des Theaters in Dessau 
1935/36 habe Albinmüller sich „zunehmend missverstanden und abgeschrieben“ gefü hlt, so

110 
Gräfe weiter (S.  245). Resigniert wandte er sich verstärkt philosophischen Überlegungen s o-
wie der Malerei zu. 
Da es als wichtiges Dokument hinsichtlich Albinmüllers Wirken in der NS -Zeit gewertet wer-
den kann, soll die zentrale Passage aus „Aus mein em Leben“ (bezüglich der NS -Zeit) hier un-
gekürzt wiedergegeben werden (Überschrift: „Nachtrag“): 
„Nun lebe ich zwar seit einer Reihe von Jahren in dieser meiner Einsamkeit; doch zu der erhofften 
rechten philosophischen Beschaulichkeit bin ich noch nicht du rchgedrungen. Dazu ist ja auch die Zeit 
mit ihrem gewaltigen politischen Geschehen nicht angetan. Das Sehnen des deutschen Volkes nach 
Errettung aus Schmach und Knechtschaft des verlorenen Krieges ist durch Adolf Hitler zur Erfüllung 
gekommen. Durch unerhörte Taten hat er – gestützt auf seine N.S.D.A.P. und auf die wiedererricht e-
te Wehrmacht – Deutschland wieder stark gemacht und das Großdeutsche Reich geschmiedet. 
Ich habe immer wieder mancherlei Projekte bearbeitet, die wie viele andere aus früheren Jahre n, 
nicht zur Ausführung gekommen sind. Das gleiche Schicksal ward meinem Theaterprojekt für Dessau 
zuteil. Es wurde übergangen! So sind mir nun jetzt, wo ich mein Schaffen für geklärt halten darf, die 
Möglichkeiten zur rechten reifen und starken Auswirkung  versagt. Ein Museumsbau, den ich für die 
vom verstorbenen Dr. Willy Merck gesammelten exotischen Kunstwerke im Auftrag meiner vereh r-
ten langjährigen Freundin Mathilde Merck projektiert habe, kann bei der Unmöglichkeit, Baumaterial 
bewilligt zu bekommen, z ur Zeit nicht zur Ausführung kommen. Der Bau könnte die Krönung meines 
Schaffens als Architekt sein. – Es wird kaum etwas daraus werden, trotz des starken Willens der Frau 
Mathilde Merck, die als einzige aus dem früheren Kreis des Großherzoglichen Hauses d ie Tradition 
auf künstlerischem und geistigem Gebiete zu pflegen sucht. Sie ist eine wahrhaft tapfere, feinfühlige, 
geistvolle, phantasiereiche Frau von tiefer Innerlichkeit. 
Unter der Regierung Adolf Hitler erstehen indessen überall im Reich, zugleich mit  dem Netz der A u-
tostraßen, große repräsentative Monumentalbauten für Partei und Staat, dazu Kasernen und sonst i-
ge Heeresbauten, gewaltige Fabriken, ausgedehnte Arbeiter- und Bauernsiedlungen. Die Privatbautä-
tigkeit indessen steht unter strengsten Einschrän kungen. Für nicht unbedingt lebensnotwendige 
Bauaufgaben versagen die Behörden die Genehmigung und die Zulassung des Baumaterials. 
Bevor diese einschneidenden Maßnahmen eintraten, konnte ich – 1933 – noch ein außergewöhnl i-
ches, wenn au ch kleines Bauwerk er richten. [Es folgt die Beschreibung des Mausoleums in Wiesb a-
den]“ (Albinmüller, Aus meinem Leben, S. 182). 
Das von Albinmüller angesprochene Museum (zu dessen Entwurf siehe Gräfe, S.  247) sollte 
ebenso unverwirklicht bleiben wie das von ihm entworfene Maus oleum für den Großherzog: 
Gab im Falle des Museums der Mangel an Baumaterial den Ausschlag (so zumindest Albi n-
müllers Begründung), waren es im Falle des Mausoleums die tragischen Umstände des Flu g-
zeugabsturzes der Großherzoglichen Familie (bei dem auch sei ne Auftraggeberin ums Leben 
kam). 
Im Zusammenhang mit Albinmüllers Veröffentlichung „Denkmäler, Kult - und Wohnbauten. 
Aus dem Kreis der Darmstädter Künstlerkolonie“ (1933) wurde in der Presse das „organische 
Gewachsensein“ und die „Erdverbundenheit“ seiner  Baukunst hervorgehoben, die „ehrlich“ , 
„deutsch“ und „von germanischer Kraft“ sei (1933, StadtA DA, ST  61). Allerdings klangen 
schon Bedenken durch, dass sein Oeuvre bereits der Vergangenheit zuzurechnen und kaum 
mit der aktuellen politischen Situation in  Einklang zu bringen sei („Es müssen wehmütige 
Erinnerungen für den Künstler sein. Denn seine Ideen bewegten sich in einer Welt, die ve r-

111 
gangen ist […]“, Volk und Scholle 11 [1933], S. 342). Wie Babette Gräfe konstatierte, gab es 
bereits vor 1933 im Werk Al binmüllers deutliche Anknüpfungspunkte an die NS -Ideologie. 
Allerdings konnte der Architekt weder mit seiner Kunstauffassung punkten noch mit der Tr a-
dition, in der sie gesehen wurde: 
„Albinmüllers Werk ist zwar von völkischem Gedankengut durchzogen, man de nke an die Ansätze, 
germanenideologische Wertesysteme einzubeziehen, oder den Versuch, die Entstehung einer neuen 
deutschen, germanisch -christlichen Religion in seinen späten Entwürfen für Kirchbauten zu unte r-
stützen. Doch mit dem wachsenden Machtanspruch der Nationalsozialisten und dem wachsenden 
internationalen Gewicht des Dritten Reiches treten an die Stelle rückwärts gewandter Sehnsüchte 
innerhalb der nationalsozialistischen Bewegung jene Vorstellungen, die zukunftsgerichtet an der 
Massenkultur orientiert sind. […] Albinmüller ist den Machthabern insgesamt zu unentschlossen, zu 
zerrissen und vor allem noch immer zu großbürgerlich in seiner Geste. Ganz entscheidend scheint 
dabei zu sein, dass der elitäre Anspruch Albinmüllers nicht zu der Massenbewegung d es Nationalso-
zialismus passt“ (Gräfe, S. 248). 
Albinmüller widmete sich in seiner letzten Lebensdekade verstärkt der Malerei, wovon um 
1940 seine Veröffentlichung „Heimatland. Bilder und Verse “ Zeugnis ablegte. Es handelte 
sich dabei vornehmlich um Landsch aftsmalerei aus seiner Erzgebirgsheimat und seiner 
Wahlheimat Darmstadt , die dem vorherrschenden Kunstve rständnis nicht entgegen stand  
und von der Kritik durchaus freundlich aufgenommen wurde (StadtA DA, ST 61). Bereits 1936 
war sein Märchenspiel „Das Christmondrosenreis“ erschienen; das Titelblatt zierte eine Blüte 
mit einem stilisierten Hakenkreuz im Zentrum. 
Im Jahr 1941 starb Albinmüller in Darmstadt, „als enttäuschter Reformer und als ins Abseits 
geratener Idealist“ (Gräfe, S. 249). Aufgrund seines Todes 1941 ließen sich keine Entnazifizie-
rungsdokumente recherchieren. Im eingesehenen Material fanden sich keine Hinweise auf 
Mitgliedschaften in NS-Organisationen. 
Quellen: 
HStAD, G 31 P in Nr. 4345 
HStAD, R 12 P Nr. 4283 
StadtA DA, ST 61 Müller, Albin (Albinmüller) 
StadtA DA, Straßennamen und deren Bedeutung 
ULB Darmstadt, (Teil-)Nachlass Albinmüller (1871-1943) [nur Material vor 1933] 
Literatur: 
Albinmüller: Denkmäler, Kult - und Wohnbauten. Aus dem Kreis der Darmstädter Künstlerkolonie. 
Darmstadt 1933. 
Albinmüller: Das Christmondrosenreis. Schwarzenberg 1936. 
Albinmüller: Heimatland. Bilder und Verse. Darmstadt ca. 1940. 
Albinmüller: Aus meinem Leben. Darmstadt ca. 1940.

112 
Gräfe, Babette: Romantik ist das Schwungrad meiner Seele. Der Traum einer ästhetischen Gegenwelt 
in der Architektur von Albinmüller. Darmstadt 2010. 
Ulmer, Renate: Müller, Albin Camillo. In: NDB 18 (1997), S. 346 f. 
Ulmer, Renate: Müller, Albin Camillo (gen. Albinmüller). In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 648 f.

113 
Sabaisplatz (J 9), benannt 1989 nach 
Heinz Winfried Sabais (1922-1981) 
Schriftsteller und Politiker, Darmstädter Oberbürgermeister 
* 1. April 1922 in Breslau 
1928-1938 Schulbesuch in Breslau (Volks- und Aufbauschule; Mittlere Reife) 
1934-1938 [1933-1941] Mitglied des DJ/der HJ (Jungzug- bzw. Scharführer) 
1938-1940 Kaufmännische Ausbildung bei einer Großhandels-Firma in Breslau 
1940-1941 nach erfolgreicher Handelsgehilfenprüfung Angestellter in der Lehrfirma 
1941 nach Kriegsfreiwilligenmeldung Pflichtdienst beim RAD 
1941-1945 Angehöriger der allgemeinen SS (SS-Einheit 4/16 Breslau) 
1941-1945 Soldat bei der Luftwaffe; Ausbildung zum Flugzeugführer (letzter Rang: Feldwebel) 
1942 Teilnahme an einem Ausleselager, nach erfolgter Auswahl Langemarck-Stipendium 
1943 Heirat mit Ingeborg Wieczorek (drei Kinder) 
1943-1945 nach Absturz frontuntauglich; Studium in Wien und Prag 
1945 Umschulung zum Sprengstoffspezialisten (Fallschirm-Panzer-Division „Hermann Göring“) 
1945 in amerikanischer Kriegsgefangenschaft („Rheinwiesenlager“) 
Ca. 1946 Arbeit als Redakteur in Rudolstadt 
Ca. 1946 „Und über allem sei Liebe“ (erster Gedichtband) 
1947 Lektor und Prokurist im Verlag Kiepenheuer in Weimar 
1948 „Das Todesurteil“ (Erzählung); „Mein Acker ist die Zeit“ 
1948-1949 Chefsekretär des Deutschen Goetheausschusses Weimar/Berlin 
1950 Flucht aus DDR in BRD mit Frau und zwei Kindern, über Berlin nach Darmstadt (Juli 1951) 
1951-1953 Redakteur der Zeitschrift „Neue Literarische Welt“ (Organ der Deutschen Akademie für 
Sprache und Dichtung) in Darmstadt 
1954 Kulturreferent der Stadt Darmstadt 
seit 1955 Mitglied und Generalsekretär (bis 1966) des PEN-Zentrums 
1963 als (hauptamtlicher) Stadtrat Mitglied des Magistrats der Stadt Darmstadt; Wahl zum ersten 
hauptamtlichen Kultur- und Schuldezernenten der Stadt Darmstadt 
1964 „Kleine Darmstädter Literaturgeschichte“ 
1971-1981 Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt 
1971-1981 Präsident des Deutschen Bühnenvereins 
1975 „Sozialistische Elegie“ 
† 11. März 1981 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1967 Otto-Burrmeister-Ring  
1981 Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen

114 
Wirken in der NS-Zeit 
Heinz Winfried (der zweite Vorname taucht erst nach 1945 auf) Sabais, Schriftsteller und 
Kommunalpolitiker, war seit 1953/54 Kulturreferent der Stadt Darmstadt und wurde dort 
1963 zum ersten hauptamtlichen  Kultur- und Schuldezernenten ernannt. Von 1971 bis zu 
seinem Tod 1981 war er dann Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt. In der NS -Zeit war er 
als Schüler in der HJ organisiert, war Langemarck-Stipendiat und Flugzeugführer der Luftwaf-
fe. Im März 1941 begann seine Angehörigkeit zur allgemeinen SS. 
„Ja, ich war Nazi. Und kein Aber. Ich war es vier Jahre lang mit Begeisterung, ungefähr zwischen me i-
nem zwölften und sechzehnten Lebensjahr, also zwischen 1934 und 1939. Danach war ich es mit 
wachsender Verstörung, mit Zweifeln, mit Unbehagen – und zugleich wachsendem Opportunismus, 
weil sonst eine soziale Karriere unmöglich schien. Erst der 20. Juli 1944 und die barbarische Liquid a-
tion der Empörer zerstörten meinen schon erschütterten Glauben an das ‚Dritte Reich‘  der Deu t-
schen und seine Mission zur ‚Neuordnung Europas‘ samt der skeptisch gewordenen Anhänglichkeit 
an den charismatischen Führer. Aber nun war ich gebunden durch einen in der Verzweiflung immer 
störrischer werdenden Patriotismus“ (Sabais, Menschenmaterial, S. 125). 
Sabais reflektierte in dem 1968 veröffentlichten Aufsatz „Menschenmaterial“, dem das v o-
rangestellte Zitat entstammt, sein Wirken als Jugendlicher und junger Erwachsener während 
der NS-Zeit. Seine lebhafte autobiografische Schilderung deckt si ch in großen Teilen mit den 
recherchierten Informationen aus den unten angeführten Quellen. In einzelnen Punkten 
lassen sich aber zumindest Auslassungen im Vergleich zu dokumentierten Informationen und 
Selbstberichten aus der Zeit vor Kriegsende nachweisen. 
Bei Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 war Sabais zehn Jahre alt. Er b e-
suchte die Schule in seiner Heimatstadt Breslau, die er 1938 mit der Mittleren Reife a b-
schloss. Er stammte aus einfachen Verhältnissen ( „Ich bin unter den Massen, im Pr oletariat, 
im Slum geboren “, Menschenmaterial, S. 127), sein Vater – von Sozialdemokraten wie Ko m-
munisten aus unterschiedlichen Gründen enttäuscht – habe politisch „in der Nähe der Sozi a-
listischen Arbeiterpartei“ gestanden; sein Großvater war überzeugter „Sozi“. 
Sabais beschrieb in seinen Erinnerungen anschaulich, wie die Nationalsozialisten in seinem 
Wohnviertel, das eigentlich als „rote Hochburg“ galt, die Macht übernahmen – auch die auf 
der Straße. Bei einer Propagandaveranstaltung in Breslau 1933 kam es  zu einer persönlichen 
Begegnung mit Adolf Hitler, der dem zehnjährigen Heinz die Hand auf den Kopf legte – wo-
raufhin Sabais‘ Großvater seinem Enkel umgehend beim Friseur die Haare scheren ließ, zu 
dessen „grenzenlosen Zorn“ (S.  132). Heinz, der eigentlich  der katholischen Jungschar ang e-
hörte (seine Mutter habe gewollt, dass aus ihm kein Prolet würde), schloss sich der HJ an: 
„Die Nazis fingen an, mir zu gefallen. Sie hatten sich als die Stärksten gezeigt. Unter uns Buben war es 
ein ungeschriebenes Gesetz, daß der Stärkste auch am meisten zu sagen habe“ (Menschenmaterial, 
S. 131). 
Sabais‘ Erinnerungen folgend war ein Schlüsselerlebnis für ihn eine Schlägerei im Sommer 
1934 zwischen Jungscharlern und HJ -Jugendlichen: „Unser Führer befahl, sich nicht zu we h-
ren und ihm ruhig zu folgen“ (S. 133). Er widersetzte sich der Anordnung und stürzte sich auf

115 
die Kontrahenten – was ihm später zu Anerkennung beim Jungvolk verhalf. Vom „romant i-
sche[n] Knabenbund-Charakter“ (S. 136) des Jungvolks angezogen und begeistert, üb ernahm 
er mit 13 Jahren Verantwortung als „Jungzugführer“: 
„Wir waren obenauf: die Zukunft der Nation. Flink wie die Windhunde, zäh wie Leder und hart wie 
Kruppstahl, so wollte  uns ‚der Führer‘ haben. Und wir wollten das auch sein. Wir kriegten es fertig“ 
(Menschenmaterial, S. 135). 
Innerhalb der Familie habe es harte Auseinandersetzungen mit dem Vater gegeben, der S a-
bais‘ damaliger Auffassung nach „ein hoffnungsloser Fall“ war, während er, Heinz, auf der 
Seite der Gewinner stand. Mit 14 Jahren wurde er zur  Hitlerjugend überwiesen, wurde dort 
Kameradschaftsführer, verlor aber – seinen reflektierenden Ausführungen nach – „jeden 
Spaß“ (S. 136). Er wandte sich verstärkt der Literatur zu; wurde als „Klassenprimus, Sportler 
und Jugendführer“ (S.  137) zur Prüfung für die Aufbauschule zugelassen, die er nach A b-
schluss der Volksschule besuchen durfte (1935-1938). Ein in Aussicht gestellter Platz auf dem 
Gymnasium kam aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Gemeinsam mit einem Freund u n-
ternahm er in den Sommerferien lange Radtouren, die ihn unter anderem in die Hauptstadt 
führten – und Ärger einbrachten: 
„In Berlin ereilte uns das Verhängnis. Der HJ -Streifendienst stellte uns auf ‚wilder Fahrt‘. Wir waren 
grimmige Burschen und wollten uns nichts schuldig bleiben. Kurz, wir flogen aus der HJ hinaus. Damit 
war, wir sollten es bald spüren, unser Lebenskarren aus den vorschriftsmäßigen Geleisen gespru n-
gen“ (Menschenmaterial, S. 137). 
Nach der Mittleren Reife absolvierte Sabais  ohne große Begeisterung eine  Kaufmannslehre 
bei einer Breslauer Firma, die en gros mit Lebensmitteln handelte (1938 -1940). Nach Kriegs-
beginn (Sabais war 17 Jahre alt) übernahm er dort verantwortungsvollere Aufgaben, da viele 
Mitarbeiter eingezogen worden waren. Auf Anraten eines seiner Vorgesetzten le gte er nach 
der Handelsgesellenprüfung eine Begabtenprüfung ab (S.  140), die ihm ein Studium ermö g-
lichte. Bis zu seiner Meldung als Kriegsfreiwilliger im März 1941 arbeitete er weiter bei se i-
ner Lehrfirma als kaufmännischer Angestellter. In unterschiedlich en Lebensläufen nach 1945 
gab Sabais zu Protokoll, an der Universität Königsberg immatrikuliert gewesen zu sein; der 
Krieg habe die Aufnahme des Studiums ( Philosophie, Literaturgeschichte, Zeitungs- und The-
aterwissenschaft – versehen mit einem „Reichsstipe ndium“ für Geisteswissenschaften) aber 
vereitelt. 
In seinen 1968 veröffentlichten Erinnerungen beschrieb Sabais die Umstände, die mit der 
hier nicht näher bezeichneten „Begabtenprüfung“ einher gingen (S.  140-142): Neben der 
„Bescheinigung über Dienst und F ührung in der HJ“ musste er demnach einen sogenannten 
„Ariernachweis“ liefern. Während ersteres – trotz seines geschilderten Ausschlusses aus der 
HJ – mit „geringen Schwierigkeiten“ gelang („Es gab Freunde“), gestaltete sich die Ermittlung 
der Vorfahren de mnach als schwierig. Da sein Ahnenpass „eine dunkle Stelle“ aufwies (die 
Eltern einer Urgroßmutter mit jüdisch klingendem Namen konnten nicht ermittelt werden, 
so Sabais), wurde ihm „nahegelegt, mich freiwillig zu einer prominenten Einheit der Waffen -
SS zu melden“:

116 
„Ich zog meinen Großvater und, seit langem wieder, auch meinen Vater zu Rate, was nun werden 
sollte. Die prominenten Einheiten der Waffen -SS genossen großes Ansehen, vielleicht sollte ich – es 
war verführerischer Opportunismus – meinen gescheckte n Ariernachweis durch Dienst unter der 
nordischen Siegrune ein wenig hochzustilisieren versuchen“ (Menschenmaterial, S. 141). 
Seine Familie sowie seine Freundin (und spätere Frau) waren dagegen – auch gegen seinen 
Entschluss, sich freiwillig zur Luftwaffe zu melden, so Sabais: 
„Trotzdem, ich hatte begeisterte Freiwilligkeit zu dokumentieren und so meldete ich mich, begleitet 
vom stummen Kopfschütteln meines Vaters und den wütenden Tränen meiner Freundin, freiwillig 
zur Luftwaffe. Der Weg zur Universität war allein durch den vorgeschriebenen Umweg über das Mas-
sengrab zu sichern, eine absurde Lage. Im Sommer 1941, als ich längst auf der Flugzeugführerschule 
meine Platzrunden zog, schickte mir der Studentenbund die Formulare für eine Freiwilligenmeldung 
zur Waf fen-SS zu. Ich konnte höflich auf mein bereits bestehendes militärisches Dienstverhältnis 
hinweisen und war damit einer großen Gefahr entgangen – kaum durch eigenes Verdienst“ (Me n-
schenmaterial, S. 142). 
Nach seiner Kriegsfreiwilligenmeldung wurde er am 10.03.1941 dem RAD (Abteilung K 4/110 
Breslau-Oswitz, BArch, BDC, R 9361 -III/170081) zugewiesen, wo er seinen Pflichtdienst lei s-
tete (Angaben zu Dauer des Aufenthalts beim RAD divergieren zwischen sieben Wochen und 
vier Monaten) . Er durchlief bei der Luftwaf fe eine Ausbildung zum Flugzeugführer, deren 
Stationen er in einem Lebenslauf aus dem Jahr 1943 folgendermaßen benannte: 
„Am 1.5.1942 [sic! 1941] wurde ich zum 2./Fliegerausbildungs -Reg[iment] 32 eingezogen, wo ich 
meine militärische Grundausbildung erhiel t. Nach Versetzung zum Flug -Anw.-Bat. [Fluganwärterba-
taillon] und zur A/B-Schule 113 kam ich zur F.F.S [Flugzeugführerschule] C 14, der ich als Flugschüler 
(C) angehöre. Beförderungen: 1.5.42 Gefreiter, 1.9.42 Kriegs-Offiziers-Anwärter, 1.3.43 Unteroffizier“ 
(BArch, BDC, R 9361-III/170081). 
Die Angaben decken sich mit  Informationen der Deutschen Dienststelle  (WASt): Sabais g e-
langte im Oktober 1941 an die Flugzeugführerschule A/B 113 (Standort: Brünn) und war im 
Mai 1943 in der Schülerkompagnie der Flugzeugf ührerschule C 14 in Prag -Gbell stationiert. 
Sabais‘ Ausführungen nach 1945 folgend entsprach sein höchster Dienstrang dem eines 
Feldwebels. Demnach nutzte er nach dem Absturz seiner Maschine die „Lazarett - und Gene-
sungszeit“ (Lebenslauf 1972, StadtA DA, ST  61) für ein Studium als Gasthörer. In einem L e-
benslauf aus dem Jahr 1947 fasste er den Kriegseinsatz wie folgt zusammen: 
„Im Mai 1941 wurde ich Soldat und fand Verwendung als Flugzeugführer. Dieser Umstand verschaf f-
te mir die Möglichkeit, fast ganz Europa  kennenzulernen und nach durch Absturz erlittener Frontu n-
tauglichkeit in meinen Garnisonen Wien und Prag insgesamt vier Semester als Gasthörer zu studi e-
ren“ (StadtA Weimar, Kopie StadtA DA, ST 61). 
In den Akten der Deutschen Dienststelle (WASt) dokumentier t fand sich nur ein Hinweis auf 
einen Aufenthalt im Luftwaffenlazarett Wien von Oktober bis Dezember 1943 – wegen einer 
chronischen Mandelentzündung. 
Wie eine Akte aus dem Bestand „Personenbezogene Unterlagen der SS und SA“ aus der 
Sammlung des BDC im Bundesarchiv Berlin (BArch, BDC, R 9361-III/170081) belegt, umfasste

117 
Sabais‘ zu dokumentierende „begeisterte Freiwilligkeit“ im Zuge seines „wachsenden Oppo r-
tunismus‘“ einen Schritt, den er in keinem tradierten Statement oder Lebenslauf nach 1945 
erwähnte – auch nicht in seinem Aufsatz „Menschenmaterial“: Seine Freiwilligenmeldung 
zur allgemeinen SS. In einem Lebenslauf aus dem Jahr 1943 notierte Sabais Folgendes: 
„Seit dem 2. Januar 1933 gehöre ich der HJ an und war als Jungzug - und Scharführer tätig. Am 1.3.41 
wurde ich auf eigenen Wunsch zur SS überwiesen. Am 1.7.1942 wurde ich nach Teilnahme an einem 
Ausleselager in das Langemarck -Studium aufgenommen. Ich beabsichtige nach Freistellung vom 
Wehrdienst Geschichte, Deutsch + Zeitungswissensc haft zu studieren. H einz Sabais “ (Lebenslauf 
1943, BArch, BDC, R 9361-III/170081). 
Der Lebenslauf vom April 1943 war Teil eines Antrags „an den Reichsführer SS, Rasse - und 
Siedlungshauptamt“, in dem Sabais als SS -Anwärter um die Erlaubnis zur Hochzeit mit Ing e-
borg Wieczorek ersuchte (seinen vollen Namen gab er mit Heinz Josef Georg Sabais an). Aus 
dem dokumentierten, umfangreichen Vorgang gehen weitere Informationen hervor: De m-
nach war Heinz Sabais der SS -Einheit „Sturm 4/16 Breslau“ zugehörig; im Frühjahr 1943 gab 
er als Dienstrang „SS-Anwärter“ an, im Frühjahr 1942 war er als „SS -Bewerber“ geführt wor-
den; seine SS-Sippen-Nummer lautete 134681; im vorliegenden sogenannten „kleinen Arie r-
nachweis“ vom Februar 1942 wurde ihm eine „arische Abstammung“ bescheinigt („Bis zu 
den Groß eltern einwandfrei“); das für die Vollmitgliedschaft notwendige Reichsportabze i-
chen lag vor (seine zukünftige Frau musste dies bzw. das BDM -Leistungsabzeichen bis 
30.06.1945 nachreichen), so auch das Flugzeugführerabzeichen. Eine ärztliche Unters u-
chung, durchgeführt durch den Standortarzt der Waffen -SS Prag (Sabais war zu der Zeit auf 
dem Fliegerhorst in Prag stationiert), bescheinigte Sabais‘ „Kriegsfliegertauglichkeit“, bewe r-
tete seine Psyche als „unauffällig“ und seine Begabung als „überdurchschnittlich“ . Sabais‘ 
Gesuch sei bevorzugt zu bearbeiten, da sein Fronteinsatz bevor stand. Die Heiratserlaubnis 
wurde vom „Chef des Heiratsamtes im Rasse - und Siedlungs -Hauptamt-SS“ am 30.06.1943 
erteilt, wobei es Schwierigkeiten mit dem „Ariernachweis“ von Ingeborg Wieczorek gab, 
weshalb die Heiratsgenehmigung nur „auf Verantwortung Ihrer zukünftigen Frau vorläufig 
freigegeben“ wurde (Hochzeit schließlich am 24.07.1943). Selbstgewählte Zeugen besche i-
nigten ihr allerdings, als „Frau eines SS-Angehörigen geeignet“ zu sein. 
Die Zugehörigkeit zur HJ wurde in den vorliegenden Fragebögen von Sabais datiert auf 
02.01.1933-05.03.1941. Das erwähnte „Langemarck -Studium“, in das er nach dem erfol g-
reich absolvierten Ausleselager aufgenommen wurde, fand in Ausführungen nach 1945 keine 
Erwähnung; dort war wiederholt von einem „Reichsstipendium“ die Rede (siehe Lebensläufe 
StadtA DA, ST 61). Um in das Langemarck -Studium aufgenommen werden zu können – es 
war als Begabtenförderungsprogramm für Volks- und Mittelschüler implementiert worden –, 
mussten die dafür vorgeschlagenen jungen Männer ihre politische Zuverlässigkeit unter B e-
weis stellen, was im Zuge der Ausleselager groteske Züge annehmen konnte (hierzu Grüt t-
ner, S. 149-154, besonders S. 150). 
Wie Sabais in seinem Aufsatz „Menschenm aterial“ beschrieb, war er vor Kriegsende „in e i-
nem Schnellkurs vom Flugzeugführer zum Sprengspezialisten umgeschult worden“ (S.  126). 
Er sollte als „Selbstmordspezialist“ (Fallschirm-Panzer-Division „Hermann Göring“) hinter der

118 
Front abspringen, um den gegnerischen Nachschub zu stören. Dazu kam es nicht mehr; seine 
Einheit wurde aufgerieben, er geriet bis Juni 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft in 
sogenannten Rheinwiesenlagern (Büdrich, Rheinfelden und Sinzig; aus letzterem entlassen). 
Im mehrfach zitierten Aufsatz „Menschenmaterial“ versuchte Sabais, seine Begeisterung für 
den Nationalsozialismus („Ja, ich war mit Begeisterung Nazi gewesen, wenigstens als Kind“, 
S. 127) zu erklären. Er verwies darin auch wiederholt auf seinen Opportunismus, ohne de n 
ein Studium für ihn nicht möglich gewesen wäre. Zugleich beschrieb er die wachsende Di s-
tanz zum nationalsozialistischen System; bereits beim Offiziersanwärter -Lehrgang 1941 
konnte er rückblickend erste Anzeichen für das ausmachen (S.  143), was sich später als inne-
re Abkehr manifestieren sollte: 
„Ich war kein Nazi mehr, ich war ein Gefangener des Hitlerstaates, der bewaffnet herumlaufen dur f-
te, um, wie einer meiner Kommandeure sich ausdrückte, ‚verheizt‘ zu werden“ (S. 144). 
Deutlich unterschied Sabais  dabei (an mehreren Stellen) zwischen sich und den Leidensg e-
nossen seiner Generation auf der einen Seite sowie den „listigen Verbrechern“, den „gewis-
senlosen Hasardeuren“, den „Massenmördern und Judenschlächtern“ auf der anderen Seite. 
Welche Schlüsse Sabais a us seinen Erlebnissen zwischen 1933 und 1945 zog, soll im Folge n-
den an einigen zentralen Passagen des Textes exemplarisch verdeutlicht werden. 
Die Situation nach dem Ende der Kampfhandlungen umriss Sabais mit folgenden Worten: 
„Ich war 23 Jahre alt, verheiratet, ein Kind [*06.03.1944, HK], Beruf Student, wohnhaft in Breslau, das 
es nicht mehr gab. Ich haßte mit dem einzigen Haß, den ich jemals empfand, die pathetischen, list i-
gen Verbrecher, die Deutschland in Ruin und Schande geführt hatten. […] So kam ich in ein Gefange-
nenlager am Rhein, fraß Gras und Dreck, lag verhungert in einem Erdloch und studierte den Me n-
schen. Ich fand, er war weder gut noch böse, wohl eher zur Eigen- als zur Nächstenliebe geneigt, aber 
auch eher zur Menschlichkeit als zur Unmenschli chkeit angelegt. Seine größte Gefahr waren Macht 
und Fanatismus und Dummheit. Ihnen wollte ich entgegentreten, wo immer es notwendig werden 
sollte“ (S. 126 f.). 
Auch auf das Thema „Schuldfrage“ ging er ein: 
„War ich in meiner Jugendtorheit schuldig geworde n? Nein, ich empfand keinerlei Schuld. Ich war 
beschämt und erbittert. Ich empfand ein unbändiges Grauen. Dieses Grauen schüttelt mich noch 
heute, so oft ich an meine sinnlos hingeopferten Generationskameraden denke […]. Ich verabscheue 
jede Gewalt. […] Ic h trage den gewissenlosen Hasardeuren, die den deutschen Namen durch ihre 
unvorstellbaren Verbrechen in Schande gebracht haben, meinen Haß und meine Verachtung nach, 
solange Erinnerung in mir ist. Mit Massenmördern und Judenschlächtern gibt es keine Versöh nung. 
Ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind auch Verbrechen gegen die Ehre des Vaterlands und 
beleidigten meine persönliche Ehre als Staatsbürger“ (S. 145). 
Und der Aufsatz endete mit den Worten: 
„Ich war in jungen Jahren Nazi. Ich lebe und arbeite  dafür, daß meine Kinder, ganz gleich unter we l-
cher Flagge, nicht zu Untertanen und staatlichen Leibeigenen gepreßt werden können. So sehr ich 
Gewalt und jene Schwächlinge verabscheue, die, statt Verstand zu zeigen, mit ihr Furore machen

119 
wollen, ich würde den Sicherungsflügel herumlegen, wenn irgendwer mich und meine Nachbarn um 
die gesetzlich verbrieften Menschenrechte betrügen wollte“ (S. 146). 
In Veröffentlichungen nach 1945 erwies sich Sabais wiederholt als Gegner der  „mörderi-
schen Kollektivismen Faschi smus, Kommunismus“ ( „Sozialistische Elegie“, erschienen 1975, 
abgedruckt unter Magistrat der Stadt Darmstadt, S.  65-71, Zitat S.  65; vgl. auch Sabais 1977 
sowie Engels 1999, S. 15). In seiner Antrittsrede 1971 unterstrich er als neu gewählter Obe r-
bürgermeister: 
„Ich habe zwei Diktaturen in unserem Lande am eigenen Leibe erfahren und dafür – wie viele – bitter 
bezahlen müssen. Vom humanen Wert des Fortschritts aus geurteilt, sind Faschismus und Komm u-
nismus die geschichtlichen Versager des 20.  Jahrhunderts mit den sinnlosesten Spesen an Blut und 
Gut der Völker. Zu leben und zu arbeiten lohnt sich nach meiner Überzeugung und Erfahrung am 
ehesten für die soziale Demokratie und in einer sozialen Demokratie. Wo die Menschenrechte die 
Politik regieren, da ist das Vaterland“ (Magistrat der Stadt Darmstadt, S. 29). 
Zu Heinz Sabais, der bis 1950 in der SBZ bzw. der DDR lebte, konnten keine Entnazifizi e-
rungsdokumente ermittelt werden. 
Quellen: 
BArch, BDC, R 9361-III/170081 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
HStAD, R 12 P Nr. 5348 
StadtA DA, ST 61 Sabais [zwei Kartons] 
Literatur: 
Böttiger, Helmut: Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland. Begleitbuch zur Au s-
stellung. Göttingen 2009. 
Engels, Peter: Sabais, Heinz Winfried. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 768. 
Engels, Peter: Heinz Winfried Sabais – Zwischen Ost und West. In: Ders./Wahl, Volker (Hrsg.): Thomas 
Mann und Heinz Winfried Sabais. Begegnungen und Korrespondenzen. Darmstadt 1999, S. 9-16. 
Grüttner, Michael: Studenten im Dritten Reich. Paderborn 1995. 
Hessische Staatskanzlei (Hrsg.): Im Dienste der Demokratie. Die Trägerinnen und Träger der Wilhelm -
Leuschner-Medaille. Wiesbaden 2004. 
Heukenkamp, Ursula (Hrsg.): Unterm Notdach.  Nachkriegsliteratur in Berlin 1945 -1949. Berlin 1996 
[Kurzbiografie S. 553]. 
Magistrat der Stadt Darmstadt (Hrsg.): Heinz Winfried Sabais zum Gedächtnis. 1922 -1981. Oberbür-
germeister der Stadt Darmstadt. Darmstadt 1981. 
Sabais, Heinz Winfried: Menschenmaterial. In: War ich ein Nazi? Politik – Anfechtung des Gewissens. 
München et al. 1968, S. 124-146. 
Sabais, Heinz Winfried: Machtergreifung 1933. Z ur Kritik der Schrift von Henner Pingel „ Darmstadt 
1933, NSDAP-Machtergreifung im Volksstaat Hessen“. Darmstadt 1977.

120 
Schmelzerweg (D 7), benannt 2002 nach 
Carl Christoph Schmelzer (1908-2001) 
Physiker 
* 17. November 1908 in Lichtentanne (Sachsen) 
1916-1919 Besuch der Höheren Bürgerschule in Zwickau 
1919-1928 Besuch des Reform-Realgymnasiums in Zwickau (1928 Abitur) 
1926-1933 Mitglied des „Stahlhelms“ (bis zur Überführung in die SA) 
1927 Sendelizenz für selbstgebaute Amateurfunk-Station in seiner Heimatstadt Lichtentanne 
1928-1930 Studium der Chemie an der TH München 
1930-1935 Studium der Physik an der Universität Jena (bestandene Vorprüfung in Physik 1932) 
1932-1935 Promotion in Physik an der Universität Jena, Dissertation „Absolutmessung dielektrischer 
Verluste bei hohen Frequenzen mit dem Kondensator-Thermometer“ 
1933-1936 und 1939-1945 Mitglied der SA (ab 1939 im Rang des Obertruppführers) 
1935-1936 Privatassistent bei seinem Doktorvater Max Wien in Jena 
1936-1939 Research Associate bei Charles A. Kraus an der Brown University (Providence, USA) 
1939-1945 Assistent am Institut für Technische Physik der Universität Jena 
1939-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 7326821, Aufnahme: 01.12.1939) 
1939-1945 Mitglied der DAF 
1939-1945 Mitglied der NSV 
1940 von Februar bis April als Pionier beim Baulehr-Bataillon Brandenburg Havel 
1942 Heirat mit Erica Margarete Horn (drei Kinder; eines im Kleinkindalter verstorben) 
1945-1948 Internierung durch US-Armee in Heidenheim an der Brenz; dort Mitarbeit an Field Info r-
mation Agency Technical (FIAT)-Berichten 
1948-1952 Wissenschaftlicher Assistent bei Walter Bothe am 1. Physikalischen Institut der Univers i-
tät Heidelberg 
1949 Habilitation an der Universität Heidelberg, „Beiträge zur Methodik dielektrischer Messungen“ 
1952-1960 Tätigkeit bei CERN, Senior-Physicist (ab April 1954 in Genf): Errichtung des Proton -
Synchrotrons (Betriebsbeginn November 1959) 
1954 Ernennung zum außerplanmäßigen Professor an der Universität Heidelberg 
1956 Ernennung zum Honorarprofessor an der Universität Heidelberg 
1958/1966 Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften (ab 1966 ordentliches Mitglied 
der mathematisch-naturwissenschaftlichen Klasse) 
1959-1970 Mitglied (1960 -1965 Vorsitzender) des Wissenschaftlichen Rats bei DESY (Deutsches 
Elektronen-Synchrotron), Hamburg 
1960 Auswärtiges Wissenschaftliches Mitglied des Max-Planck-Instituts für Kernphysik, Heidelberg 
1960-1977 Professor und Direktor des Insti tuts für Angewandte Physik an der Universität Heidelberg 
(ab 1971 beurlaubt, 1977 emeritiert); 1963-1964 Dekan

121 
1971-1978 Wissenschaftlich-technischer Geschäftsführer der Gesellschaft für Schwerionenforschung 
(GSI) in Darmstadt (Einweihung der Forschungsanlage 1977) 
† 10. Juni 2001 in Heidelberg 
Ehrungen: 
1978 Bundesverdienstkreuz 
1982 Ehrendoktor der Universitäten in Frankfurt am Main und Gießen 
2001 Christoph-Schmelzer-Preis 
Wirken in der NS-Zeit 
Christoph Schmelzer, Kernphysiker, Pionier auf dem Gebiet de r Schwerionenbeschleunigung 
und wissenschaftlich-technischer Geschäftsführer der GSI, war in der NS -Zeit als Physiker in 
Jena und in den USA tätig. Er war unter anderem Mitglied der NSDAP und der SA. 
„Die politische Biographie Christoph Schmelzers (Jg. 190 8), der 1935 von Max Wien als Privatassi s-
tent eingestellt wurde, weist sogar eine bemerkenswerte Kontinuität auf. Im Alter von 18 Jahren war 
er bereits 1926 dem Stahlhelm beigetreten und später der SA, 1939 der NSDAP. Unterbrochen wurde 
diese soldatenbündische Sozialisation nur zwischen 1936 und 1939, da Schmelzer ‚befehlsgemäß‘ aus 
der SA ausscheiden mußte, um einen Forschungsaufenthalt an der Brown University in den USA 
wahrnehmen zu können. Kurz vor Kriegsbeginn, im Juni 1939, kehrte Schmelzer als Assist ent an das 
Technisch-Physikalische Institut der Universität Jena zurück. Er wurde nach seinem Wiedereintritt in 
die SA zum Obergruppenführer [sic!] befördert“ (Lemuth/Stutz, S. 620). 
Seit dem Wintersemester 1930/31 studierte Christoph Schmelzer an der Univ ersität Jena 
Physik (mit den Nebenfächern Mathematik und Astronomie, hierzu und zum Folgenden UA 
Jena, N Nr. 21). Im Dezember 1935 reichte er seine Dissertation zum Thema „Absolutmes-
sung dielektrischer Verluste bei hohen Frequenzen mit dem Kondensator-Thermometer“ ein, 
an der er drei Jahre lang gearbeitet hatte, und legte erfolgreich die Promotionsprüfungen ab. 
Im Anschluss arbeitete er als Privatassistent bei seinem Doktorvater Max Wien, einem r e-
nommierten Experimentalphysiker (* 1866), der 1935 emeritiert worden war. Max Wien galt 
als Beispiel eines „patriotic scientist“, der seine Kollegen gegen die fachlichen Außenseiter 
der „Arischen Physik“ zu mobilisieren, zugleich aber für „vaterländische“ Ziele zu sammeln 
suchte (Lemuth/Stutz, S. 602). 
Im Frühjahr 1 933 waren mehrere Jenaer Hochschullehrer dem „Stahlhelm“ beigetreten. 
Namentlich Vertreter des akademischen Nachwuchses waren von Rektor Abraham Esau i n-
formell dazu aufgerufen worden, sich einer Organisation der „nationalen Erhebung“ anz u-
schließen (Lemuth/Stutz, S. 618). Der Physiker Wilhelm Hanle berichtete in seinen Lebense r-
innerungen, dass er sehr erfreut gewesen war, dort auf den bereits etablierten jungen Koll e-
gen Schmelzer zu treffen, den er als herausragendes Talent unter den Jenaer Nachwuchswi s-
senschaftlern bezeichnete (Hanle, S.  61). Seit Oktober 1933 war Schmelzer schließlich Mi t-
glied der SA und avancierte dort zum Scharführer. Der damalige Leiter der SA -Ortsgruppe 
Lichtentanne, in der Schmelzer organisiert war, lobte Schmelzer in einer Beurteilung  für sei-
nen Einsatz:

122 
„Hiermit bescheinige ich dem Scharführer Christoph Schmelzer, geb. am 17.  XI. 08, Lichtentanne, daß 
er vom 20.  8. 1926 bis zu seinem Übertritt in die S.A. am 4.  X. 1933 Mitglied des Stahlhelms, Ort s-
gruppe Lichtentanne, war. Er war Kame rad des Jungsta [Jungstahlhelms, HK] u[nd] später Gruppe n-
führer in einer Wehrsport -Komp[anie]. Immer hat er aktiv im Wehrsport seine Pflicht getan, sowohl 
im Stahlhelm, als auch in der S.A.“ (01.12.1935, Bescheinigung des SA -Sturmbannführers Schaa r-
schmidt, UA Jena, N Nr. 21). 
Für alle Studenten der Jenaer Universität (die in der Deutschen Studentenschaft gezwu n-
genermaßen organisiert waren bzw. ab 1934 im NSDStB) waren Mitgliedschaft und Dienst in 
der SA verpflichtend – wobei die Mitgliedschaft in der SA tat sächlich keineswegs nur auf 
dem Papier stand, sondern mit einem verhältnismäßig hohen Zeitaufwand verbunden war 
(so Bruhn, S. 247). 
Im September 1936 wechselte Schmelzer auf Einladung des Department of Chemistry  der 
Brown University (Providence, Rhode Island) zu einem längeren Forschungsaufenthalt in die 
USA: Bis zum Frühjahr 1939 führte er dort seine Forschungen (besonders zum dielektrischen 
Verhalten von Elektrolyten) als Research Associate bei Charles A. Kraus am Metcalf Research 
Laboratory fort. Schmelzer finanzierte seinem Aufenthalt in den USA durch Stipendien (Me t-
calf- bzw. Anthony-Fellowships, UA Jena, D Nr. 2548). Aus der SA musste er – seinen eigenen 
Angaben aus der Zeit zufolge – für diesen Zeitraum Ausscheiden (UA Heidelberg, PA 8678). 
Im Juni/Juli 1939 kehrte Schmelzer an das Physikalische Institut der Universität Jena zurück. 
In einem 1966 verfassten Lebenslauf notierte Schmelzer zu seiner Forschungsarbeit an der 
Universität Jena Folgendes: 
„1939 Rückkehr nach Deutschland. Zunächst Zeiss -Stipendiat am Physikalischen Institut der Univers i-
tät Jena bei H[elmuth] Kulenkampff, sodann Assistent am Institut für Technische Physik bei G[eorg] 
Goubau. Während des Krieges Forschungs - und Entwicklungsarbeiten im Dezimeterwellengebiet, vor 
allem über Antennen fragen, Schwingungserzeugung, präzise Frequenzmessungen und Messung von 
Materialkonstanten“ (UA Heidelberg, HAW 419 [Akten S.]). 
Helmuth Kulenkampff hatte 1935 in Nachfolge von Max Wien den Lehrstuhl für experime n-
telle Physik sowie die Leitung der Physikal ischen Anstalt übernommen und war so de facto 
zum leitenden Kopf der Jenaer Physik aufgestiegen. Er war kein Mitglied der NSDAP und 
wurde vom NSDDB misstrauisch bis ablehnend beurteilt ( Lemuth/Stutz, S.  615-619). Den 
verwaisten Lehrstuhl für technische Phy sik vertrat ab 1939 Georg Goubau, ein ausgewies e-
ner Experte für Ionosphärenforschung und Funktechnik ( Lemuth/Stutz, S.  635 f.) – obwohl 
ihm seitens des Sicherheitsdiensts der SS ein abwertendes Urteil ausgestellt worden war. Ab 
September/Oktober 1939 war S chmelzer als wissenschaftlicher Assistent Goubaus an der 
Technisch-Physikalischen Anstalt tätig (auf der Stelle eines Dr. Ahrens). Goubau (der noch im 
März 1944 zum ordentlichen Professor für technische Physik berufen wurde) und sein Wi s-
senschaftlerteam be arbeiteten „ausschließlich Wehrmachtsaufträge“ (nach Einschätzung 
von Kulenkampff aus dem Jahr 1942, Lemuth/Stutz, S. 636); wobei die Initiative dazu offe n-
sichtlich von Goubau selbst ausging, der Forschungsvorhaben etwa auf dem Gebiet der 
Richtstrahlenantennen und der Entwicklung von Spezialröhren verfolgte. Forschungsaufträge 
erhielt Goubau auch seitens der Luftwaffe (vgl. Lemuth/Stutz, S. 644).

123 
Schmelzer selbst wurde 1940 nur kurzzeitig in die Wehrmacht eingezogen: Von Februar bis 
April 1940 diente er als  Pionier bei m Baulehr -Bataillon Brandenburg/ Havel (nach eigenen 
Angaben, bestätigt durch Erkennungsmarkenausgabeliste vom 23.01.1940, Deutsche Diens t-
stelle [WASt] , Personenrecherche ). Im August/September nahm er an einer Arbeitstagung 
der Deutschen Akademie für Luftfahrtforschung teil, besuchte die Versuchsstation der Deut-
schen Versuchsanstalt für Luftfahrt in Kochel sowie die  Kriegstagung der Deutschen Physika-
lischen Gesellschaft in Berlin. Offensichtlich gelang es dem Technisch -Physikalischen Institut, 
Schmelzer von da an vom Kriegsdienst befreien zu können, wie eine Bescheinigung nahelegt, 
in der es heißt, Schmelzer sei an „ kriegswichtigen Forschungsaufgaben […] wesentlich betei-
ligt“ gewesen (28.08.1942, Thüringischer Minister für Volksbildung, UA Jena, D Nr. 2548). Für 
die Universität Jena – und selbst für das Technisch -Physikalische Institut – gestaltete es sich 
zunehmend schwierig, Wissenschaftler als unabkömmlich deklarieren zu lassen (vgl. Hendel  
et al., S. 295). An welchen konkreten Forschungsprojekten Schmelzer arbeitete, ließ sich a n-
hand der eingesehenen Quellen nicht ermitteln. Eine dokumentierte Leistungszulage vom 
November 1943 über 100, - RM monatlich legt wiederum nahe, dass Schmelzer an Fo r-
schungsaufträgen hoher Priorität beteiligt war: Das Gel d sollte aus dem Budget eines Pr o-
jekts entnommen werden, das mit der zweithöchsten Dringlichkeitsstufe („SS“; dies war bis 
Juli 1942 noch die höchste Dringlichkeitsstufe) versehen war (09.11.1943, Thüringischer M i-
nister für Volksbildung, an Universitätsren tamt-Kasse, UA Jena, D Nr. 2548 ). Schmelzers r e-
guläres monatliches Einkommen von rund 400, - RM wurde aus Mitteln der Carl -Zeiss-
Stiftung bestritten. Für das Jahr 1943 gab Schmelzer im Zuge seines Entnazifizierungsverfa h-
rens rund 10.000,- RM steuerpflichtiges Jahreseinkommen zu Protokoll (UA Jena, D Nr. 2548; 
UA Heidelberg, PA 8678; zur Rolle der Carl-Zeiß-Stiftung vgl. Matthes, S. 191-280). 
Nach seiner Rückkehr aus den USA im Sommer 1939 war Schmelzer wieder in die SA eing e-
treten und hatte eine Mitgliedscha ft in der NSDAP beantragt, die schließlich im Dezember 
1939 offiziell erfolgte (Mitglieds-Nr. 7326821, Aufnahme: 01.12.1939, beantragt: 19.10.1939, 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei). In einem Schreiben an die Universität Jena teilte 
Schmelzer in Ergänzung seiner Personalbogen diesbezüglich mit: 
„(1) Meinem Gesuch um Wiederaufnahme in die SA., aus der ich befehlsgemäss wegen meiner Reise 
nach den Vereinigten Staaten austreten musste, ist unter gleichzeitiger Beförderung zum Obertrup p-
führer stattgegeben worden. 
(2) Ich habe um meine Aufnahme in die NSDAP nachgesucht. 
Heil Hitler! [Unterschrift]“ (18.09.1939, UA Jena, D Nr. 2548). 
Schmelzer war Mitglied der NSDAP -Ortsgruppe in Lichtentanne (Sachsen), seiner Heima t-
stadt, in der er nach seiner Rückkehr a us den USA wohnte, bis er schließlich 1942 nach Jena 
zog. Im gleichen Jahr – er wohnte bereits in Jena – heiratete er in Lichtentanne Erica Marga-
rete Horn (drei Kinder, wovon eines bereits im Kleinkindalter verstarb, UA Heidelberg, PA 
2972; UA Jena, D Nr. 2548). Für die in der Literatur aufgestellte Behauptung, Schmelzer sei 
zum „SA-Obergruppenführer“ ernannt worden – wie etwa im eingangs erwähnten Zitat aus 
Lemuth/Stutz erwähnt –, ließen sich keine Belege finden (auch nicht in den angegebenen 
Quellen). Es erscheint auch eher unwahrscheinlich, dass Schmelzer eine solche „Ehre“ zuteil

124 
wurde: „Obergruppenführer“ war der höchste Rang, der innerhalb der SA vergeben wurde; 
nach aktuellem Forschungsstand erhielten nur rund siebzig Personen diese höchste „Au s-
zeichnung“. Es handelt sich daher aller Wahrscheinlichkeit nach um einen Fehler in der Tra n-
skription, der sich (unhinterfragt) tradiert hat – „Obertruppführer“ (neunter Dienstrang) und 
„Obergruppenführer“ trennten immerhin zehn Dienstränge. 
Kurz vor dem Besatzungswechsel am 22./23. Juni 1945 wurde Schmelzer mit über 80 weit e-
ren Angehörigen der Universität Jena (Professoren, Assistenten und Hilfskräfte) in die ameri-
kanische Zone nach H eidenheim an der Brenz evakuiert, wo er bis 1948 interniert war bzw. 
lebte. Hier arbeitete er an den Field Information Agency Technical (FIAT) -Berichten der Alli-
ierten mit, die zum Teil von Georg Goubau mitherausgegeben wurden. 
Entnazifizierungsverfahren 
Bereits im Sommer 1947 hatte Walter Bothe, Direktor des Physikalischen Instituts der Un i-
versität Heidelberg und ausgewiesener Experte im Bereich der Kernphysik (1954 Nobelpreis 
für Physik), Kontakt zu Christoph Schmelzer in Heidenheim aufgenommen und versucht, ihn 
für die Universität Heidelberg bzw. für das von ihm geleitete Institut z u gewinnen. Wisse n-
schaftler von der Qualität eines Christoph Schmelzers waren begehrt; doch musste Schme l-
zer – neben bestimmten Ausnahmegenehmigungen, die seine Anstellung erst ermöglichten 
– vor seiner Anstellung in Heidelberg 1948 das Entnazifizierungsve rfahren in Heidenheim 
durchlaufen (hierzu und zum Folgenden UA Heidelberg, PA 8678). 
In seinem Meldebogen hatte Schmelzer seine Mitgliedschaften in DAF und NSV (1939 -1945) 
zu Protokoll gegeben, auch seine Mitgliedschaften in NSDAP und SA (1939 befördert zu m 
„Obertruppführer“). In besagtem Meldebogen verwies er zudem auf die beigefügte Anlage, 
in der er die Umstände hinsichtlich der letztgenannten Mitgliedschaften wie folgt ausführte: 
„Meine Anmeldung und Aufnahme in die NSDAP wurde während meiner Abwesenhei t von Deutsch-
land ohne mein Wissen und ohne meine Zustimmung gegen meinen Willen vorgenommen. […] Im 
Jahre 1933 wurde ich befehlsgemäss und ohne gefragt zu werden aus dem Stahlhelm in die SA übe r-
führt. 1936 musste ich wegen meiner Auslandsreise aus der SA austreten. Ich hatte bei meiner Rüc k-
kehr nach Deutschland 1939 nicht die Absicht wieder der SA beizutreten, wurde aber vom Führer der 
SA-Standarte Zwickau-Sa[chsen] ohne mein Zutun wieder aufgenommen und zum Obertruppführer 
befördert. Während der gesamten Zeit meiner Zugehörigkeit zur SA habe i ch mich nie am Dienst 
beteiligt“ (26.04.1946, UA Heidelberg, PA 8678). 
Die Angaben stehen offensichtlich im Widerspruch zu den oben genannten Aussagen aus 
den Jahren 1935 und 1939. Zu seinem steuerpflichtigen Vermögen , dass Schmelzer für das 
Jahr 1943 mit rund 190.000, - RM bezifferte (1934 und 1938 waren es noch rund 30.000, - 
RM), gab er an, dass dieses bei „Banken in der russischen Zone“ liege und ihm daher nicht 
zur Verfügung stünde. 
Schmelzer wurde am 13.01.1948 von  der Spruchkammer Heidenheim als „Mitläufer“ eing e-
stuft (was seiner Selbsteinstufung entsprach). Als Sühnemaßnahme hatte er 500, - RM zu 
entrichten, deren Eingang sich in den Unterlagen dokumentiert findet. E r hatte zudem die

125 
Kosten für das Verfahren zu tragen – die sich zunächst auf einen Streitwert von 214.000,- RM 
(gemäß seiner Angaben zu Einkommen und Vermögen) bezogen . Allerdings wurden die Ve r-
fahrenskosten schließlich auf 20,- [!] RM festgesetzt, mit folgender Begründung: 
„Der Betroffene hat sein gesam tes Vermögen in der Ostzone durch Beschlagnahme verloren und ist 
völlig mittellos. Sein jetziges Einkommen, das er als Flüchtling für den Wiederaufbau seiner Existenz 
unbedingt braucht, rechtfertigt ebenfalls keine höheren Gebühren. Es handelt sich um eine n erwie-
senen Härtefall“ (19.04.1948, Spruchkammer Heidenheim, UA Heidelberg, PA 8678). 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
UA Heidelberg, PA 2972 
UA Heidelberg, PA 8678 
UA Heidelberg, HAW 419 (Akten S.) 
UA Jena, D Nr. 2548 
UA Jena, N Nr. 21 
StadtA DA, ST 61 Schmelzer, Prof. Dr. Carl Christoph 
Literatur: 
Angert, Norbert: Schmelzer, Carl Christoph. In: NDB 23 (2007), S. 129 f. 
Bruhn, Mike: Die Jenaer Studentenschaft 1933 -1939. In: Hoßfeld, Uwe et al. (Hrsg.): „Kämpferische 
Wissenschaft“. Studien zur Universität Jena im Nationalsozialismus. Köln/Weimar/Wien 2003, S.  235-
261. 
Buchhaupt, Siegfried: Die Gesellschaft für Schwerionenforschung.  Geschichte einer Großforschung s-
einrichtung für Grundlagenforschung. Frankfurt am Main/New York 1995. 
Drüll, Dagmar: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933-1986. Berlin et al. 2009, S. 541 f. 
Hanle, Wilhelm: Memoiren. Gießen 1989. 
Hendel, Joachim et al. (Bearbeiter): Wege der Wisse nschaft im Nationalsozialismus.  Dokumente zur 
Universität Jena 1933-1945. Stuttgart 2007. 
Hoßfeld, Uwe et al. (Hrsg.): „Kämpferische Wissenschaft“. Studien zur Universität Jena im Nationa l-
sozialismus. Köln/Weimar/Wien 2003. 
Lemuth, Oliver/Stutz, Rüdiger: „Patriotic scientists“: Jenaer Physiker u nd Chemiker zwischen beruf s-
ständigen Eigeninteressen und „vaterländischer Pflichterfüllung“. In: Hoßfeld, Uwe et al. (Hrsg.): 
„Kämpferische Wissenschaft“. Studien zur Universität Jena im Nationalsozialismus. Köln/Weimar/ 
Wien 2003, S. 596-678. 
Matthes, Chr istoph: Finanzier – Förderer – Vertragspartner. Die Universität Jena und die optische 
Industrie 1886-1971. Köln/Weimar/Wien 2014. 
Prüß, Karsten:  Kernforschungspolitik in der Bundesrepublik Deutschland.  Projekt Wissenschaftspla-
nung. Frankfurt am Main 1974 [hier S. 149-154].

126 
Adelungstraße (J 7), benannt 1945 nach 
Bernhard Adelung (1876-1943) 
Buchdrucker und SPD-Politiker, Hessischer Staatspräsident 1928-1933 
 
* 30. November 1876 in Bremen 
1882-1890 Volksschulzeit in Bremen; in letzten Schuljahren Laufbursche für ein Herrengeschäft 
1891-1895 Ausbildung zum Schriftsetzer in Bremen 
1896/97 Wanderjahr durch Deutschland, die Schweiz, Norditalien und Österreich 
Ab 1897 Buchdrucker bei unterschiedlichen Arbeitgebern in Mainz 
1897 Mitglied der SPD 
1902-1918 Redakteur/Schriftleiter der „Mainzer Volkszeitung“ 
1903-1908, 1911 -1918, 1919 -1933 Mitglied des Landtags des Großherzogtums Hessen -Darmstadt 
bzw. (ab 1919) des Volksstaats Hessen (SPD) 
1903 Hochzeit mit Johanna Groß aus Mainz 
1904-1918 Stadtverordneter in Mainz 
1905 „Landtags-Handbuch der sozialdemokratischen Partei des Großherzogtums Hessen“ (mit Nac h-
trägen 1908 und 1911) 
1910 „Die Sozialdemokratie in der Gemeinde. Ein kommunalpolitischer Leitfaden für das Großhe r-
zogtum Hessen“ 
1910-1918 Mitglied des Kreistags in Mainz 
1915 Kriegsfreiwilliger an der Westfront; rückbeordert nach Mainz, dort bis Kriegsende leitend in der 
Kriegs- und Ernährungswirtschaft von Mainz und Hessen tätig 
1918-1928 Beigeordneter und Bürgermeister in Mainz 
1919-1928 Präsident der Volkskammer des Volksstaats Hessen (Landtagspräsident) 
1928-1933 Hessischer Staatspräsident und Minister für Kultus und Bildungswesen mit Sitz in Dar m-
stadt 
1933 Ruhestand in Traisa, später (ab 1939/1940) wieder in Darmstadt (Wittmannstraße 29) 
1935-ca. 1940 Arbeit an seinen Lebenserinnerungen (veröffentlicht 1952) 
† 24. Februar 1943 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1923 Ehrensenator der Universität Gießen ( mit „Rücksicht auf seine deutschbewusste Haltung in 
Zeiten schwerster Not“ [bezog sich auf seinen Widerstand in Mainz gegen d ie französische Besatzung 
und deren Befürworter – Adelung wurde von den Franzosen zweimal in den unbesetzten Teil des 
Landes ausgewiesen, 1919 und 1923/25, und war daher zeitweise in Darmstadt gemeldet]) 
1928 Ehrendoktor der  TH Darmstadt  („im Hinblick auf seine außerordentlichen Verdienste um die 
Förderung der kulturellen und wirtschaftlichen Interessen des Hessenlandes“) 
1963 Bernhard-Adelung-Schule in Darmstadt

127 
Wirken in der NS-Zeit 
Bernhard Adelung, seit 1897 Mitglied der SPD, begann seine politische Kar riere in Mainz, wo 
der gelernte Buchdrucker als Stadtverordneter, später als Bürgermeister wirkte. Von 1903 
bis 1933 war er (mit kurzer Unterbrechung) hessischer Landtagsabgeordneter, von 1919 bis 
1928 Landtagspräsident. Im Februar 1928 wurde er als letzte r frei gewählter Staatspräsident 
zum Nachfolger von Carl Ulrich in das höchste politische Amt des Volksstaats Hessen befö r-
dert. Zugleich leitete er fortan das Ministerium für Kultus und Bildungswesen. 
Nach dem (erneuten) Wahlerfolg der NSDAP am 6. März 193 3 drängten führende Mitglieder 
der NSDAP darauf, dass Adelung ihnen (in Person von Heinrich Müller) die Staatsgewalt in 
Hessen übertragen solle. Adelung weigerte sich zunächst, sah sich aber infolge einer Anwe i-
sung von Reichsinnenminister Wilhelm Frick daz u gezwungen, unter Protest die Polizeig e-
schäfte noch am gleichen Tag an „Reichskommissar Dr. Müller“ zu übertragen. Am 13. März 
1933 wurde schließlich Ferdinand Werner (NSDAP) zum Staatspräsidenten gewählt; auf den 
Gegenkandidat Adelung entfielen lediglich  die Stimmen der SPD (die kommunistischen A b-
geordneten waren bereits verhaftet worden). Adelungs politische Karriere war damit bee n-
det; der Landtag wurde aufgelöst. Von den Beamten und Angestellten seines Ministeriums 
verabschiedete sich der scheidende Staatspräsident mit der Bitte, unabhängig von der polit i-
schen Lage stets „die menschlichen Beziehungen in den Vordergrund aller Arbeit“ zu rücken. 
Adelung räumte seine Dienstwohnung in Darmstadt und bezog ein Einfamilienhaus im nahen 
Traisa. Er erhielt zunäch st keine Bezüge, da Reichsstatthalter Jakob Sprenger „jegliche A n-
weisung und Auszahlung von Versorgungsgebühren“ untersagte. Auch Adelungs Sohn Hans 
sowie sein Schwiegersohn Wolfgang Volbach wurden aus staatlichem (Vorbereitungs-)Dienst 
entlassen, worauf die Familie in eine finanziell schwierige Situation geriet. 
In der NS -Zeit hat sich Adelung offenbar nicht mehr politisch betätigt. In einem geheimen 
Dokument des Reichssicherheitshauptamts vom Juni 1939 wird Adelung in einer Aufstellung 
zur „Erfassung führ ender Männer der Systemzeit“ unter „Marxisten -Kommunisten“ gelistet. 
Seinen eigenen Lebenserinnerungen zufolge, die er zwischen 1935 und 1940 verfasste, k a-
men gelegentlich alte Weggefährten in Traisa zu Besuch. Adelung reiste wiederholt nach 
Berlin, wo er – anders als in Darmstadt – unerkannt am kulturellen Leben teilhaben konnte. 
Seine letzten Lebensjahre verbrachte er aus dem politischen Leben zurückgezogen wieder in 
Darmstadt (Wittmannstraße 29). 
Nach schwerer Krankheit starb Bernhard Adelung am 24. Febr uar 1943 in Darmstadt. Die 
Trauerfeier anlässlich seiner Beisetzung wurde von der Gestapo überwacht. Die Todesanze i-
ge durfte in der Presse erst nach der Trauerfeier erscheinen. Nur ein kleiner Kreis von Ve r-
trauten fand sich auf dem Waldfriedhof ein. Die Fo rmulierung „Hessischer Staatspräsident a. 
D.“ fehlt in der veröffentlichten Todesanzeige.

128 
Quellen: 
HStAD, G 35 E Nr. 2/15 
HStAD, R 12 P Nr. 20 
StadtA DA, ST 61 Adelung, Dr. Bernhard 
 
Literatur: 
Adelung, Bernhard: Sein und Werden. Vom Buchdrucker in Breme n zum Staatspräsidenten in Hessen 
(bearb. von Karl Friedrich). Offenbach 1952. 
Franz, Eckhart G.: Adelung, Bernhard. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 13 f. 
Friedrich, Karl: Adelung, Bernhard. In: NDB 1, Berlin 1953, S. 65. 
Rack, Klaus-Dieter/Vielsmeier, Bernd (Hrsg.): Hessische Abgeordnete 1820 -1933. Biografische Nac h-
weise für die Erste und Zweite Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen 1820 -1918 und 
den Landtag des Volksstaats Hessen 1919-1933. Darmstadt 2008.

129 
Andresweg (E 8-9), benannt 2004 nach 
Wilhelm Andres (1908-2004) 
Arheilger Heimatforscher, Kenner der Darmstädter Wald- und Jagdgeschichte 
 
* 15. April 1908 in Arheilgen 
1929 Wissenschaftliche Prüfung an der TH und am Pädagogischen Institut Darmstadt; Unterricht an 
der Volksschule Arheilgen; Schulverwalterstelle in Offenbach 
1930 Schulverwalter an der Volksschule Atzenhain 
1930-1933 Lehrkraft an der Privatschule Lucius (Echzell/Wetterau) 
1933-1935 Schulverwaltung Gießen (genaue Tätigkeit unklar) 
1933-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 1800332) 
1933-1936 Scharführer NSKK 
1935-1942 Schuldienst und wohnhaft in Ober-Hörgern (Kreis Gießen) 
1936 Hochzeit (zwei Kinder 1937 und 1941 geboren) 
1937-1940 Zellenleiter NSV (Zeitraum für Mitgliedschaft in der NSV ist unklar) 
1939 Ernennung zum Lehrer [19.07.1939, Quelle: Regierungsblatt 1939, Beilage 15, S. 130] 
1940 NS-Lehrerbund (Zeitraum der Mitgliedschaft ist unklar) 
1942-1945 Teilnahme am Zweiten Weltkrieg als Mitglied einer Nachrichtenabteilung (seit Sommer 
1944 im Rang eines Feldwebels) 
1945-1949 Russische Kriegsgefangenschaft (Entlassungsschein vom 06.05.1949) 
1949 Wohnhaft in Darmstadt-Arheilgen 
Englischunterricht in E-Klassen der Volksschulen (Carl-Ulrich-Schule), dann in Diesterwegschule 
1958-1965 Rektor der Mornewegschule 
1965-1970 Studienrat am Pädagogischen Fachinstitut Jugenheim 
1978 „Alt-Arheilgen. Geschichte eines Dorfes“ 
1981 „Wildpark Kranichstein: Zur Geschichte des Darmstädter Waldes“ 
1986 „Das Dorf am Ruthsenbach“ anlässlich der 1150-Jahr-Feier Arheilgens 
1988 „Aus Darmstadts Waldvergangenheit“ 
1993 „Kranichstein: Geschichte eines Stadtteils“ 
† 11. März 2004 in Darmstadt-Arheilgen 
Mitglied und Vorsitzender des Kirchenvorstands der evangelisch -lutherischen Auferstehungsgemein-
de Arheilgen sowie Mitglied zahlreicher weiterer Arheilger  Vereine und der Kommission für die Str a-
ßennamen in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1985 Auszeichnung durch die Fritz -Wernath-Stiftung für seine Verdienste um die Arheilger Ortsg e-
schichte 
1989 Verdienstmedaille des Verdienstordens der BRD 
1995 Ernst-Hofmann-Medaille

130 
Wirken in der NS-Zeit 
Wilhelm Andres, der sich insbesondere nach seiner beruflichen Laufbahn im Schuldienst als 
Arheilger Heimatforscher einen Namen machte, war in der NS -Zeit an verschiedenen Sch u-
len im Kreis Gießen tätig. Noch bis 1933 war er an der Pri vatschule Lucius in Echzell (heute 
Wetteraukreis) angestellt. Im April 1933 zog er von Echzell nach Gießen; auf seinen Beso l-
dungsblättern ist unter Dienststelle fortan „Schulverw. Gießen“ gestempelt. Im Mai 1935 zog 
er nach Ober -Hörgern im Kreis Gießen (he ute Wetteraukreis), wo er bis 1942 im Schulb e-
trieb tätig war („Schulverw. Ober Hörgern Obh.“), ab Juli 1939 offiziell als (verbeamteter) 
Lehrer. 
Ab 1942 nahm Wilhelm Andres als Soldat der Wehrmacht am Zweiten Weltkrieg teil. Er war 
Mitglied der Infanterie-Divisions-Nachrichten-Abteilung 389 der im Jahr 1942 neu formierten 
Infanterie-Division 389, die an der Schlacht um Stalingrad beteiligt war. Im weiteren Krieg s-
verlauf wurde  Andres Teil der 252. Infanterie -Division, von der ein Großteil bei Danzig in 
sowjetische Kriegsgefangenschaft geriet. Seit Sommer 1944 diente er eigenen Angaben fo l-
gend im Rang eines Feldwebels. Im Mai 1949 kehrte e r aus sowjetischer Kriegsgefange n-
schaft nach Darmstadt-Arheilgen zurück. 
Wilhelm Andres war datiert auf April 1933 der NSDA P (Ort sgruppe Arheilgen) beigetreten 
(Mitglieds-Nr. 1800332) . Er wechselte wegen Umzugs zur NSDAP -Ortsgruppe Gießen; als 
weitere NSDAP-Ortsgruppen werden in der Mitgliederkartei Lang -Göns, Gambach und Ober-
Hörgern genannt. Von 1933 bis 1936 war er Scharfüh rer des NSKK, von 1937 bis 1940 Zellen-
leiter bei der NSV. Des Weiteren war er Mitglied des NS -Lehrerbunds. Zu welchen Zeiten er 
den genannten NS-Organisationen insgesamt angehörte, ließ sich nicht ermitteln. 
Die Meldebogen für die Kennkarte sowie für das E ntnazifizierungsverfahren füllte Wilhelm 
Andres am 11. Mai 1949 aus, direkt nachdem er aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft in 
seine Heimatgemeinde Darmstadt -Arheilgen zurückgekehrt war. Am nächsten Tag (12. Mai 
1949) stellte er einen Antrag auf Heimkehre r-Amnestie, der rasch positiv beschieden wurde 
(Stempel auf Meldebogen „Heimkehrer -Amnestie, eingestellt durch Kläger am 23. Mai 
1949“). Im Zuge des Verfahrens wurde aus Ober -Hörgern rückgemeldet, dass Andres dort 
während der NS -Zeit nicht weiter aufgefall en sei und man ihn gerne wieder als Lehrer ei n-
stellen würde. 
 
Quellen: 
BArch, NSDAP-Mitgliederkartei 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Stadt (Neuablage), Nr. 76 
HStAD, G 15 Buedingen Nr. M 432 
HStAD, G 35 E Nr. 5/59

131 
HStAD, H 3 Nr. 65370 [Kennkartenmeldebogen] 
HStAD, R 12 P, 51 
StadtA DA, ST 61 Andres, Wilhelm 
 
Literatur: 
Castritius, Helmut: Andres, Wilhelm. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 32. 
Castritius, Helmut: Weltbürger vom Ruthsenbach. Zum Tod von Wilhelm A ndres. In: DE, 18.03.2014 
(Kopie in StadtA DA, ST 61) und in Schützt Darmstadt 2004/2, S. 6 f.

132 
Heiner-Aßmuth-Platz (L 7), benannt 1996 nach 
Heinrich Aßmuth (1907-1995) 
Bessunger Original 
 
* 30. August 1907 in Frankfurt am Main, wohnhaft in Darmstadt 
Besuch der Bessunger Knabenschule 
Lehre als Autoschlosser 
1927 Führerschein 
Arbeitete zeitweise als Tankwart sowie als Arztfahrer (bei Dr. Kurt Bernet, Vater des späteren 
Darmstädter Polizeipräsidenten) 
1932 Schlosser bei der Fima Behrmann 
1934 Schlosser bei der Adam Opel AG in Rüsselsheim 
1934 Hochzeit mit Anna Klein in Groß-Gerau 
1934-1937 Mitglied der DAF 
1936-1941 Mitglied der NSV 
1937 Selbständiger Fuhrbetrieb „Heinrich Assmuth“ 
Um 1938 Pacht der Firma Stoltenkamp (Martinsviertel), Verkauf von Mineralwasser und Likör 
1941-1945 Soldat in einer Transportabteilung (Rang: Obergefreiter) 
1945 Kriegsgefangenschaft [???] 
Wieder in Darmstadt: Anfertigen von/Handel mit Haushaltsgegenständen aus amerikanischen Ko n-
servenbüchsen; Fuhrgeschäft 
1948 Gemüsestand auf dem Forstmeisterplatz 
1949 „Bessunger Markthalle“ in einem Garten in der Sandbergstraße 
1954/55-1968 „Kerwevadder“ der Bessunger Lappingskerb 
1961 Kauf eines alten Hauses [Sandbergstraße 42], Ausbau zu Laden und Wohnsitz 
1976 erster Pächter der Ludwigsklause auf der Ludwigshöhe 
† 14. April 1995 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1968 Ehrung für verdiente Bürger durch Stadt Darmstadt

133 
Wirken in der NS-Zeit 
Zu Beginn der 1930er Jahre arbeitete Heinrich Aßmuth in seinem erlernten Beruf als Schlo s-
ser, zunächst bei der Firma B ehrmann in Darmstadt, dann bei der Adam Opel AG in Rüssel s-
heim. Einem Zeitungsbericht nach habe er „bei den Opel -Werken gearbeitet, bis man ihn 
rausgeschmissen hat, weil er nicht  in die NSDAP eingetreten war“ (DE, 31.05.1977) . Als s i-
cher kann gelten, dass Aßmuth spätestens 1937 selbständig einen Fuhrbetr ieb unterhielt. 
Noch vor dem Zweiten  Weltkrieg hatte er die Firma Stoltenkamp im Darmstädter Martin s-
viertel gepachtet und vornehmlich mit dem Verkauf von Mineralwasser und Likör seinen 
Lebensunterhalt bestritten. 
Heinrich Aßmuth war, eigenen Angaben in seinem Meldebogen folgend, von 1934 bis 1937 
Mitglied der DAF sowie von 1936 bis 1941 Mitglied der NSV. Weitere Mitgliedschaften in NS-
Organisationen sind nicht bekannt. 
Von 1941 an nahm er als Soldat am Krieg teil. Er diente als Obergefreiter in einer Kraftw a-
gen-Transport-Abteilung (993 und 988). 
Bei seiner Rückkehr nach Darmstadt fand er  den Betrieb zerstört vor. Aus amerikanischen 
Konservenbüchsen soll er in der Nachkriegszeit Haushaltsgegenstände hergestellt und damit 
Handel getrieben haben. Gemeldet war ein „Fuhrgeschäft“ in der Heidelbergerstr. 89. Z u-
dem organisierte er Lebensmittel bei den Amerikanern, die er in Bessungen an Rentner ve r-
teilte. 
In seinem Meldebogen schätz te Heinrich Aßmuth sich selbst als „ entlastet“ ein, mit der B e-
gründung, er sei „politisch nicht belastet“. Er wurde von der Spruchkammer als „Vom Gesetz 
nicht betroffen“ eingestuft [Stempel auf Meldebogen ohne Datum]. 
„Gesetze und Umgangsformen regelte er menschlich und unkonventionell“, hei ßt es in einer 
Pressenotiz der Stadt Darmstadt, „in seinem Bessungen, wo man ihn geliebt und geachtet 
habe, auch als Kerwevadder“ (DE, 17.10.1996). 
 
Quellen: 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 31846 
HStAD, H 3 Nr. 12792 [Kennkartenmeldebogen] 
StadtA DA, ST 61 Aßmuth, Heiner 
 
Literatur: 
---

134 
Aßmuthweg (M 8), benannt 1981 nach 
Peter Aßmuth (1856-1939) 
Darmstädter Kommunalpolitiker 
 
* 24. Juli 1856 in Bessungen 
Krankenkassenbeamter/Bürobeamter (seit 1896 in Ruhe), Buchdrucker, Bürogehilfe 
1879 Hochzeit mit Elisabeth Behrmann 
1880 Geburt des Sohns Heinrich 
1892 Geburt der Tochter Anna (gest. 1893) 
1907 Mitbegründer des „Hessischen Volksfreunds“, Mitarbeiter der Zeitung 
1910-1933 Darmstädter Kommunalpolitiker für die SPD 
† 8. Dezember 1939 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
--- 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Die tradierten Informationen über Leben und Wirken von Peter Aßmuth, der 1933 bereits 
sein 77. Lebensjahr vollendete, in der NS -Zeit sind wenig aussagekräftig. Er war Mitbegr ün-
der sowie Mitarbeiter der 1933 auf Anordnung der nationalsozialistischen Regierung eing e-
stellten SPD-Zeitung „Hessischer Volksfreund“. 
Da Peter Aßmuth 1939 (im Alter von 86 Jahren) starb, existieren keine Entnazifizierungsa k-
ten. Es ließen sich keine Hinweise auf eine Unterstützung des NS-Regimes ermitteln. 
 
Quellen: 
StadtA DA, ST12/18 Meldeblatt (für Melderegistratur vor 1945) 
Jubiläumsausgabe des „Hessischen Volksfreunds“ vom 01.10.1932 
 
Literatur: 
---

135 
Bartningstraße (F-G 10), benannt 1967 nach 
Otto Bartning (1883-1959) 
Architekt und Kirchenbaumeister 
 
* 12. April 1883 in Karlsruhe 
1902 Abitur am humanistischen Gymnasium Karlsruhe 
1902-1903 Studium der Architektur an der TH Berlin 
1904-1905 Weltreise (Italien, England, Holland, Dänemark, Süd - und Nordamerika, Japan, China und 
Indien), teils als Schiffsjunge auf einem Segelschiff 
1905 Fortsetzung des Studiums (Abbruch 1907 oder 1908 ohne Abschluss); zugleich freischaffender 
Architekt in Berlin 
1906 erstes selbständiges Bauwerk: Friedenskirche in Peggau (S teiermark); weitere 17 evangelische 
Kirchbauten auf dem damaligen Gebiet Österreichs folgten 
1909-1910 Erster Kirchenbau in Deutschland (Essen) 
1912 Mitglied des Deutschen Werkbunds 
1918 Mitglied der „Novembergruppe“ und Gründungs-Mitglied des Berliner „Arbeitsrats für Kunst“ 
1919 Veröffentlichung „Vom neuen Kirchenbau“ 
1919-1923 Vorstand des Deutschen Werkbunds 
1922 Entwurf der Sternkirche (aufsehenerregend, aber nicht umgesetzt; Modell OB-Archiv TUD) 
1924 Teilnahme am Wettbewerb Gustav-Adolf-Kirche (Berlin) 
1926 Mitbegründer Reichsforschungsgesellschaft für Wirtschaftlichkeit im Bau- und Wohnungswesen 
1926 Mitglied der Architektenvereinigung „Der Ring“ 
1926-1930 Direktor der Staatlichen Bauhochschule in Weimar 
1928 Stahlkirche auf dem Ausstellungsgelände der PRESSA in Köln 
1929-1930 Rundkirche in Essen 
1932-1934 Bau der Gustav-Adolf-Kirche (Berlin) 
1932-1941 Bautätigkeit für die Evangelische Kirche in Deutschland (Markuskirche/ Karlsruhe, Neue 
Kreuzkirche/Chemnitz) sowie für das Kirchliche Außenamt der Deutschen Evangelischen Kirche 
1941-1948 Leiter der Bauhütte der Heiliggeist- und der Peterskirche in Heidelberg 
1943 Umzug von Berlin nach Neckarsteinach bei Heidelberg 
1945 Von Militärregierung als Berater der Bürgermeister in Neckarsteinach eingesetzt 
1945/46 Kolloquien an der Universität Heidelberg 
1946-1951 Sogenannte „Bartning -Notkirchen“ (insgesamt 43 gebaut), unterstützt durch Programm 
des Hilfswerks der EKD, darunter Matthäuskirche (Heimstättensiedlung, 1950) 
1950 Präsident des Bundes Deutscher Architekten (BDA) 
1951 Umzug nach Darmstadt 
1951 Mitinitiator des „Darmstädter Gesprächs“ (ferner Leiter des Gesprächs „Mensch und Raum“) 
1952 Leiter einer Technischen Kommission für den Wiederaufbau der Insel Helgoland 
1952-1954 Bau der Frauenklinik in Darmstadt 
1953 Gründung der Otto-Bartning-Stiftung für Baukunst und bildende Künste mit Sitz in Darmstadt 
1955 ständiger Berater des Berliner Senats für städtebauliche Neugestaltung (West-)Berlins

136 
† 20. Februar 1959 in Darmstadt 
Ehrungen: 
Ehrenbürger von Helgoland 
1924 Ehrendoktor der Theologie der Albertus-Universität Königsberg 
1952 Ehrendoktor der Technischen Hochschule Aachen 
1953 Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 
1958 Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main 
1958 Ernst-Reuter-Medaille in Silber der Stadt Berlin 
1958 Silberne Verdienstmedaille der Stadt Darmstadt 
1958 Großes Verdienstkreuz mit Stern der Bundesrepublik Deutschland 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Otto Bartning, Vertreter des Neuen Bauens, leitete von 1926 bis 1930 die Staatliche Ba u-
hochschule in Weimar, die unmittelbare Nachfolgeeinrichtung des nach Dessau verbannten 
Bauhauses. Unter Bartnings Leitung war die Ausrichtung der Hochschule weniger experimen-
tell, Konzept und Personal wiesen aber starke Kontinuitäten auf. Im Bereich der Archit ektur 
machte Bartning vor allem durch moderne Kirchenbauten auf sich aufmerksam (PRESSA -
Stahlkirche Köln 1928, Rundkirche Essen 1930). Bereits 1919 hatte er sein Werk „Vom neuen 
Kirchenbau“ veröffentlicht, das grundlegende Gedanken zu einem reformierten Sa kralbau 
als Alternative zum „konservativen Bauprogramm der protestantischen Kirche“ vereint. Nach 
dem Wahlsieg der NSDAP in Thüringen 1930 schied Bartning als Leiter der Bauhochschule 
aus dem Amt (sein Vertrag lief aus) und wurde durch Paul Schultze -Naumburg (NSDAP-
Mitglied seit 1930) ersetzt. Bartning hatte jedoch – anders als in der Literatur zum Teil zu 
lesen – selbst bereits im April 1929 sein Ausscheiden nach Vertragsende angekündigt. Der 
von ihm vorgeschlagene Nachfolger fand bei der rechtsbürgerlich -nationalsozialistischen 
Koalitionsregierung keine Berücksichtigung. Bartning kehrte zurück nach Berlin (seinen 
Wohnsitz hatte er nie nach Weimar verlegt – einer der Streitpunkte bezüglich seines Ve r-
trags), wo er an der Errichtung der Siemensstadt (sog. Ringsiedlung 1929-1931) und maßgeb-
lich am Bau der Gustav-Adolf-Kirche (1932-1934) beteiligt war. 
Ab 1933 erhielt Bartning als Architekt keine staatlichen Aufträge mehr. Von den zuständigen 
NS-Behörden wurde er als Mitglied des „Ring“ zu den modernen Architekt en gezählt. Er war 
fortan hauptsächlich für die Evangelische Kirche tätig und errichtete mehrere Kirchenbauten 
im Deutschen Reich, darunter die Markuskirche in Karlsruhe sowie die Neue Kreuzkirche in 
Chemnitz. Zudem arbeitete er für das Kirchliche Außenamt  der Deutschen Evangelischen 
Kirche unter Auslandsbischof Theodor Heckel . Bartning entwarf Kirchenbauten für deutsche 
Gemeinden im Ausland (z.  B. in Heerlen, Barcelona, Lissabon, Sofia, Beirut und Belgrad) und 
reiste in diesem Zusammenhang – noch im Verlauf des Zweiten Weltkriegs – durch Europa. 
Wie Dokumente aus dem Archiv der Badischen Landeskirche in Karlsruhe [im Otto -Bartning-
Archiv der TU Darmstadt] belegen, zeichnete Bartning ab 1941 im Auftrag der Badischen 
Landeskirche für die Restaurierung der Hei liggeistkirche in Heidelberg und für die Konzept i-

137 
on ihres Innenraums verantwortlich. Hierfür rief er eine Bauhütte ins Leben, die er auch le i-
tete. Trotz Beschwerden darüber, dass er nicht häufiger vor Ort anwesend war, pendelte er 
anfangs zwischen Berlin und der Baustelle. Erst 1943, als sein Wohnhaus bei einem Bombe n-
angriff beschädigt worden war, verlegte er seinen Wohnsitz nach Neckarsteinach bei Heide l-
berg, wo er im Alter von 62 Jahren das Kriegsende 1945 erlebte. 
Bartning gehörte in den 1940er Jahren in  Heidelberg zum intellektuellen Gesprächskreis um 
Marianne Weber, der Witwe Max Webers [Quelle: Brief an Gustav Hartlaub, 1951 (Hinweis: 
Sandra Wagner -Conzelmann)]. Eine Mitgliedschaft in der „Bekennenden Kirche“ lässt sich 
nicht nachweisen, wenngleich Bar tnings Familie hierzu engen Kontakt pflegte. Äußerungen 
aus Briefen und anderen privaten Schriftstücken legen jedoch nahe, dass Bartning den 
„Deutschen Christen“ kritisch gegenüberstand. Bartnings Biografin Sandra Wagner -
Conzelmann vertritt nach Durchsicht  dessen überlieferten Nachlasses die Auffassung, Bar t-
ning habe „ganz eindeutig“ sehr unter dem NS -Regime und dem Krieg gelitten. Insbesondere 
der Tod seines Sohnes im Krieg habe seine regimekritische Haltung befördert. In Bartnings 
Nachlass finden sich zud em von ihm unterzeichnete Friedensaufrufe. Es ließen sich andere r-
seits keine Hinweise dafür ermitteln, dass er dem NS -Regime nahe stand.  Weder im Gen e-
rallandesarchiv Karlsruhe (zuständig für die Spruchkammer Heidelberg) noch im HHStAW 
(für Bartnings Wohnor t Neckarsteinach zuständig) ließen sich Entnazifizierungsdokumente 
recherchieren. 
Nach 1945 war Bartning maßgeblich am Notkirchen-Programm des Hilfswerks der EKD betei-
ligt („Bartning-Notkirchen“). Ab 1951 lebte er in Darmstadt, in einem Teil des Ernst -Ludwig-
Hauses auf der Mathildenhöhe. Wiederholt geriet er in Konflikt mit Peter Grund, zu dieser 
Zeit Stadtbaudirektor in Darmstadt. Von 1955 an diente Bartning dem Berliner Senat als B e-
rater für die städtebauliche Neugestaltung der Stadt. 
 
Quellen: 
HStAD, H 3 Nr. 76968 
HStAD, R 12 P Nr. 136 
Otto-Bartning-Archiv der TU Darmstadt [Fachgebiet Kunstgeschichte] 
StadtA DA, ST 61 Bartning, Prof. Dr. Otto und Cläry Bartning 
StadtA Eberbach, A 424 (1939-1952) 
UA Heidelberg, Rep 27-50 
Kommunikation mit Dr. Sandra Wagner-Conzelmann, 22./24.09.2015 
[Keine Entnazifizierungsakten im HHStAW oder Generallandesarchiv Karlsruhe] 
 
Literatur: 
Schneider, Christoph: Das Notkirchenprogramm von Otto Bartning. Marburg 1995. 
Bredow, Jürgen: Materialien zum Werk des Architekten Otto Bartning. Darmstadt 1983.

138 
Nierste, Ulrike: Die Gustav -Adolf-Kirche von Otto Bartning und der Kirchenbau in der Weimarer R e-
publik. Expressionismus und Neue Sachlichkeit. Berlin [Dissertation] 2010. 
Posener, Julius: Otto Bartning. Zum 100. Geburtstag des Baumeisters am 12. April 1983. Berlin 1983. 
Nicolaisen, Dörte: Otto Bartning und die Staatliche Bauhochschule in Weimar 1926 -1930. In: Dies. 
(Hrsg.): Das andere Bauhaus. Otto Bartning und die Staatliche Bauhochschule in Weimar 1926 -1930. 
Berlin 1996, S. 11-44. 
Ulbricht, Justus H.: „Ewige Gotik“ statt „Zahnarztstil mit Siedlungswürfeln“. Der Nationalsozialismus 
im Kampf gegen das Bauhaus. In: Modell Bauhaus [Ausstellungskatalog]. Ostfildern 2009, S. 355-361. 
Wagner-Conzelmann, Sandra: Bartning, Otto. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 60 f.

139 
Bäumerweg (O 8), benannt 1978 nach 
Gertrud Bäumer (1873-1954) 
Frauenrechtlerin, Politikerin und Schriftstellerin 
 
* 12. September 1873 in Hohenlimburg (heute Stadtteil von Hagen) 
Besuch der Volksschule in Kamin (Pommern), der  höheren Mädchenschule n in Mühlheim (Ruhr), 
Halle (Saale) und Magdeburg 
1888-1894 Besuch des Lehrerinnenseminars in Magdeburg 
1894-1898 Lehrerin in Halberstadt, Kamen und Magdeburg 
1896 Mitbegründerin der Magdeburger Lehrerinnenvereinigung 
1898-1900 Oberlehrerinnenstudium in Berlin 
1900-1904 Studium der Germanistik, Theologie, Philosophie und Staatswissenschaften in Berlin 
Ab 1901 Herausgeberin (zusammen mit Helene Lange) des „Handbuchs der Frauenbewegung“ 
1904 Promotion über „Satyros“ von Johann Wolfgang von Goethe 
1910-1919 Vorsitzende des Bunds Deutscher Frauenvereine (BDF) 
1912-1940 Redaktion und zeitweise (ab 1919) Herausgeberin der Zeitschrift „Die Hilfe“ 
1914 Gründerin des „Nationalen Frauendienstes“ im Ersten Weltkrieg 
1916-1936 Herausgeberin der Zeitschrift „Die Frau“ 
1916-1920 Begründung und Leitung des Sozialpädagogischen Instituts in Hamburg 
1919-1920 Mitglied der Verfassungsgebenden Nationalversammlung (für DDP) 
1920-1930 Mitglied des Reichstags und stellvertretende Vorsitzende der DDP 
1922 Berufung ins Reichsinnenministerium: Leiterin Referate für Schulwesen und Jugendwohlfahrt 
1926 Delegierte beim Völkerbund in der Kommission für soziale und humanitäre Fragen 
1930-1932 Reichstagsabgeordnete der Deutschen Staatspartei (DStP) 
1933 Entlassung aufgrund § 4 des „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums “ mit 
Volksschullehrerpension; Umzug von Berlin nach Gießmannsdorf (Schlesien) 
1933 „Lebensweg durch eine Zeitenwende“ (Autobiografie) 
1936 „Adelheid – Mutter der Königreiche“ 
1936 Absetzung als Herausgeberin der Zeitschrift „Die Frau“, bis 1944 weiterhin Mitarbeiterin (mö g-
licherweise auch wieder Herausgeberin) 
1941 „Die Macht der Liebe – Der Weg des Dante Alighieri“ 
1945 Gründungsmitglied der CSU 
1946 „Der neue Weg der deutschen Frau“ 
1948 Umzug nach Bad Godesberg, Unterstützung der CDU 
† 25. März 1954 in Bethel

140 
Ehrungen: 
Benennung zahlreicher Schulen (vor allem in NRW, auch in Karlsruhe, München) und Straßen (u.  a. in 
Goslar, Mannheim, Hannover, Regensburg, Rostock, Tübingen, Wiesbaden) 
 
Wirken in der NS-Zeit 
[Gutachten von Dr. Peter Rassek in „Wissenschaftliche Untersuchung der Straßennamen der Stadt 
Oldenburg“, Oldenburg 2013, S. 14-16] 
Als Politikerin legte Gertrud Bäumer (1873 -1954) bereits im Mai 1932 ihr Mandat als Abg e-
ordnete der Deuts chen Staatspartei nieder und war dadurch an der Zustimmung ihrer Pa r-
teikollegen für das Ermächtigungsgesetz 1933 nicht beteiligt. Im Februar 1933 wurde sie 
wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ ihrer Ämter enthoben und aus der Reichsschrifttum s-
kammer ausgeschlossen. Ihr Name taucht auch in der von der SD erstellten Übersicht „Erfa s-
sung führender Männer der Systemzeit (Liberalisten und Pazifisten)“ von 1939 auf. Das b e-
deutete für sie ständige Überwachung, was sie allerdings bis 1946 nicht geahnt zu haben 
schien. Ihre Schriften „Die Frau in der Krisis der Natur“ und „Grundlagen demokratischer 
Politik“ wurden auf den Index gesetzt. 
Bäumers Position gegenüber dem Aufstieg des Nationalsozialismus‘ war von Misstrauen g e-
prägt, besonders in der Frage der politischen  Partizipation von Frauen im aufziehenden 
„Dritten Reich“. Ihre Position versuchte sie 1933 in einem Brief darzustellen: 
„Was positiv im Gehalt des Nationalsozialismus ist, nämlich die Idee, die ihm den Namen gibt – dazu 
brauchen wir, die wir Nationalsozia le waren, uns nicht durchzuringen. […] Das deutsche Volk hat auf 
das Recht, die Freiheit und den Geist verzichtet – ich kann noch hinzufügen: auf seine seelische Ku l-
tur. […] Ich schäme mich der bornierten Brutalität – dieser mesquinen Rohheit in der Behandlung der 
Gegner, der breitspurigen, triumphierenden Subalternität.“ [Zitiert nach Bach, Marie Luise: Gertrud 
Bäumer, S. 98 f.] 
Wie die Soziologin Ulrike Prokop feststellte, stand aber die bürgerliche Frauenbewegung, der 
Bäumer angehörte, der nationalsozial istischen Machtergreifung 1933 größtenteils „in woh l-
wollender Neutralität“ gegenüber. Für die Beiträge in der von Bäumer herausgegebenen 
Zeitschrift „Die Frau“ stellte Prokop eine Unfähigkeit der Autorinnen (unter ihnen auch Bä u-
mer) fest, „sich auf die aktuelle politische Situation zu beziehen“, und konstatiert darin ledig-
lich einen graduellen Unterschied „zu nationalsozialistischen Phantasien.“ 
In der publizistischen Tätigkeit Bäumers nach 1933 kann von einer regimekritischen Haltung 
nicht die Rede sein. I m Gegenteil, vor allem nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges 
reihte sie sich mit einigen ihrer Beiträge in die Kriegspropaganda ein. Im September 1939 
unterstrich sie die Bedeutung vom Fraueneinsatz im Krieg, und 1940 prangerte sie England 
als eine Gefahr für Europa an. Zur Rolle Deutschlands schrieb sie im selben Jahr: 
„Wir, die wir mit unserem Herzblut Compiègne und Versailles erlebt haben, fühlen in dem Gesch e-
henen von heute … die Schauer unentrinnbarer geschichtlicher Gesetze, erleben … das Wunder, daß 
innerhalb von zwei Jahrzehnten die deutsche Kraft die entscheidende Großmacht in der Gestaltung 
Europas geworden ist.“ [Bach: Gertrud Bäumer, S. 176]

141 
Den Bolschewismus bezeichnete sie nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 im Sinne 
der nationalsozi alistischen Propaganda als „Alb auf der Brust Europas“ und „ansteckende 
Krankheit“, und machte deutlich, dass sie den Krieg gegen die Sowjetunion als eine Befre i-
ung von diesem System verstehe. 
Reflexionen über die Grausamkeit des Krieges stellten sich bei Bäumer verstärkt ab 1943 ein, 
bedingt durch die Nachrichten von Gefallenen aus ihrem Bekanntenkreis und aufgrund eig e-
ner Erfahrungen, da sie während ihrer zahlreichen Vortragsreisen – trotz des offiziellen R e-
deverbots – in Deutschland mehrfach die Bombarde ments der Alliierten erlebt hatte. Den 
Sinn des Krieges stellte sie aber nicht in Frage und äußerte Anfang 1944 offen ihren Stolz 
über das Durchhaltevermögen des deutschen Volkes angesichts des Luftkrieges: 
„Das Ausland ist voller Staunen über die Haltung der deutschen Bevölkerung in den zerstörten Stä d-
ten. Die Erwartungen der Feinde scheinen enttäuscht. Immer mehr Stimmen erheben sich warnend: 
es werde immer klarer, daß das deutsche Volk sich auf diesem Wege nicht zur Kapitulation zwingen 
lasse.“ [Zitiert nach Bach, Marie Luise: Gertrud Bäumer, S. 250] 
In ihren Beiträgen in „Die Frau“ hat sich Bäumer einige Male hinter Hitlers Politik gestellt, 
vertrat ansonsten aber ein eher konservatives, christlich geprägtes Weltbild, das weitgehend 
frei von nationalsozi alistischer Ideologie war. In den privaten Äußerungen konnten nur w e-
nige Spuren kritischer Haltung am Nationalsozialismus entdeckt werden (Behandlung der 
Verschwörer des 20. Juli), und diese machten sich bemerkbar erst in der Endphase des Kri e-
ges und nachd em das Erscheinen der Zeitschrift „Die Frau“ aufgrund des Papiermangels im 
September 1944 eingestellt worden war. 
Gertrud Bäumer wohnte bis 1945 in Schlesien. Vor der anrückenden Roten Armee flüchtete 
sie nach Bamberg. 
Weiterführende und zitierte (Auswahl-)Literatur 
Bach, Marie Luise: Gertrud Bäumer. Biographische Daten und Texte zu einem Persönlichkeitsbild. 
Weinheim 1989. 
Prokop, Ulrike: Elemente des weiblichen Autoritarismus. In: Eckart, Christel/Henze, Dagmar/Jansen, 
Mechthild M./Stolt, Susanne (Hrsg.): Sackgassen der Selbstbehauptung. Kassel 1995, S. 57-73. 
Schumacher, Martin (Hrsg.): MdR. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit 
des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933 -1942. Düsseldorf 
1991, S. 102 f. 
Strotdrees, Gisbert: Anwältin aller Frauenfragen. Gertrud Bäumer. In: Ders.: Es gab nicht nur die 
Droste. Sechzig Lebensbilder westfälischer Frauen. Münster 1997, S. 114 f. 
 
Ergänzungen HK 
Quelle: BArch, BDC, R 9361-V/138927 + R 9361-V/13036 
Unter den „Personenbezogenen Unterlagen der Reichskulturkammer (RKK)“ befinden sich 
zwei Bestände zu Dr. Gertrud Bäumer. Während eine Akte sich weitgehend auf Freigaben für 
Publikationen beschränkt (R 9361 -V/13036), finden sich in der anderen politische Beurte i-

142 
lungen zu Gertrud Bäumer. Aus Dokumenten der Geheimen Staatspolizei geht hervor, dass 
Bäumer mit Entscheid vom 25.01.1937 aus der Mitgliederliste der Reichsschriftumskammer 
gestrichen wurde. Begründet wurde der Schritt zunächst mit unzureichenden Personalp apie-
ren. Es wurden im weiteren Verlauf Ermittlungen aufgenommen, die unvollständig überli e-
fert sind. Aus Aktenvermerken und Stellungnahmen geht jedoch hervor, dass Bäumers polit i-
sche Vergangenheit vor 1933 Anlass zu großen Bedenken gab und ein Ausschluss a us der 
Reichsschriftumskammer sowie eine Streichung von der „Schriftleiterliste“ angestrebt wu r-
de. In einem Aktenvermerk vom 26.10.1937, gez. [Rudolf] Metzner [Kreisleiter der NSDAP in 
Niederschlesien 1937 -1941], heißt es unter Bezug auf andere Dokumente, besonders auf 
einen Vermerk von Dr. [Hans] Schmidt -Leonhardt vom 11.03.1936 [Geschäftsführer der 
RKK]: „Nach ihrer politischen und geistigen Einstellung scheint es aber völlig ausgeschlossen, 
dass sie als Schriftleiterin zugelassen wird. Sie war Vertreteri n einer ausgesprochen pazifisti-
schen und feministischen Welt - und Staatsanschauung. […] Ihre Jugendpolitik war so, dass 
man sich einen schärferen Gegensatz gegenüber nationalsozialistischer Anschauung schwe r-
lich vorstellen kann.“ Und weiter heißt es: „Auf Grund dieses Berichtes ist unter dem 27. 
März [1936] verfügt worden, dass gegen die Eintragung der Bäumer als Schriftleiterin seitens 
des Ministeriums [für Volksaufklärung und Propaganda] Einspruch erhoben wird.“ 
Nach Eingang angefragter Stellungnahmen hei ßt es in einem [im Durchschlag nicht ersich t-
lich unterzeichneten] am 20.07.1937 abgelegten Vermerk: „Gertrud Bäumer war vor der 
Machtübernahme eine der wildesten Demokratinnen und, glaube ich, hinreichend bekannt. 
Sonst geben die Berichte der Geheimen Staa tspolizei und der NSDAP nähere Auskunft über 
sie. Ich bin unter allen Umständen für Ausschluss der Bäumer.“ 
Der neue Geschäftsführer der Reichsschrifttumskammer, Wilhelm Ihde, ließ in einem Schre i-
ben an das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaga nda (Abt. IV) vom 21.08.1937 
wissen, dass er „beabsichtige, die Vorgenannte [Gertrud Bäumer], die Mitglied meiner 
Kammer ist, wegen ihrer früheren politischen Tätigkeit auszuschließen“. 
Ein Schreiben des Reichsverbands der deutschen Presse an die Reichssch rifttumskammer 
vom 26.04.1939 enthält die (angefragte) Information, dass Gertrud Bäumer „in der Berufsli s-
te der Schriftleiter geführt wird“. 
 
Entnazifizierung 
In den Beständen der Spruchkammern Bamberg-Stadt und -Land (Staatsarchiv Coburg) konn-
ten auf Anfr age keine Entnazifizierungsdokumente ermittelt werden  (Staatsarchiv Coburg, 
Schreiben vom 11.03.2016). Auch im Staatsarchiv München liegen keine Dokumente zu Ge r-
trud Bäumer vor, was als Zeichen dafür gewertet werden kann, dass aufgrund ihrer Angaben 
kein V erfahren gegen sie eingeleitet wurde, ihr lediglich eine gesiegelte Postkarte mit di e-
sem Bescheid zugesandt wurde und keine Aktenbildung stattfand.

143 
Günter-Behnisch-Straße (K 9-10), benannt 2013 nach 
Günter Behnisch (1922-2010) 
Architekt 
 
* 12. Juni 1922 in Lockwitz bei Dresden 
1928-1934 Volksschule in Lockwitz 
1933-1939 Oberschulen in Dresden und Chemnitz 
1934-1939 Mitglied der HJ 
1934 [oder 1935] Umzug nach Chemnitz 
1939 Kriegsfreiwilliger im Alter von 17 Jahren (Marine) 
1940-1945 (U-Boot-)Ausbildung und Kriegsdienst bei der Marine, höchster Dienstgrad: Oberleutnant 
zur See (1943) 
1944-1945 U-Boot-Kommandant 
Mai/Juni 1945-Februar 1947 Kriegsgefangenenlager Northumberland (GB) 
1947 ca. acht Monate in Osnabrück; SBZ -Behörden untersagten ihm die Rückkehr zur  Familie in 
Chemnitz („Geheimnisträger“ als Marineoffizier) 
1947-1951 Studium der Architektur in Stuttgart 
1951-1955 Hilfskraft bzw. Stundenassistent am Institut von Günter Wilhelm (Universität Stuttgart) 
1952 Gründung eines eigenen Architektur-Büros (mit Bruno Lambart), das sich seit 1966 „Behnisch & 
Partner“ nannte 
1967-1987 Professor für Entwerfen, Baugestaltung und Industriebaukunde an der TH Darmstadt s o-
wie Direktor des Instituts für Normgebung der TH Darmstadt 
1967-1972 Olympiagelände München (mit Frei Otto) 
1982 Mitglied der Akademie der Künste in Berlin 
1984 Erweiterungsbau des Postmuseums Frankfurt am Main 
1987 Zentralbibliothek der Katholischen Universität Eichstätt (mit Karljosef Schattner) 
1991 Professor der International Academy of Architecture in Sofia 
1992 Fertigstellung des Plenarsaals des Bundestags in Bonn (Gewinn des Wettbewerbs: 1973) 
1996 Gründungsmitglied der Sächsischen Akademie der Künste; Bau St. Benno Gymnasium Dresden 
1999-2005 Neubau der Akademie der Künste in Berlin (mit Werner Durth) 
† 12. Juli 2010 in Stuttgart 
 
Ehrungen: 
1944 Eisernes Kreuz II. Klasse 
1972 Großer Architekturpreis des BDA 
1984 Ehrendoktor der Universität Stuttgart 
1992 Ehrenmitglied des BDA

144 
1992 Ehrenmitglied der Royal Incorporation of Architects in Scotland (Edinburgh) 
1995 Ehrenmitglied des Royal Institute of British Architects (London) 
1997 Bundesverdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 
1998 Fritz-Schumacher-Preis 
2006 Ehrenmitglied der Architektenkammer Keyseri (Türkei) 
2008 Deutscher Kritikerpreis (Ehrenpreis) 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Günter Behnisch, nach dem Zweiten Weltkrieg einer der wichtigen Vertreter der modernen 
Architektur in Deutschland und nach seinem Tod als „Baumeister der deutschen Demokr a-
tie“, als „Heinrich Böll der deutschen Architektur“ (FAZ, 14.07.2010) gefeiert, meldete sich 
im Alter von 17 Jahren freiwillig als Offiziersanwärter zur Kriegsmarine (01.12.1939, Crew 
XII/39). 
Nach dem Eintritt in die Kriegsmarine durchlief Behnisch die Grund - und Bordausbildung 
sowie die U -Boot-Ausbildung. Er nahm an Lehrgängen und diversen Kommandos teil; vom 
Seekadett und Fähnrich zur See (1940) über die Dienstgrade Oberfähnrich zur See (1941) 
und Leutnant zur See (1942) bis zum Oberleutnant zur See (01.12.1943). Von April bis J uli 
1944 diente er als 1.  Wachoffizier auf dem U -Boot U 952, das zu der Zeit im westlichen Mi t-
telmeer operierte, wohl keine Schiffe versenkte oder beschädigte und bei einem amerikan i-
schen Luftangriff auf Toulon im Juli 1944 zerstört wurde. 
Im August/September 1944 nahm Behnisch teil am Kommandanten -Lehrgang sowie an der 
Baubelehrung für U 2337 bei der 8. Kriegsschiffbaulehrabteilung in Hamburg. Am 4. Oktober 
1944 wurde er schließlich Kommandant des neu in Dienst gestellten U -Boots U 2337. Nach 
Ausbildungs- und Erprobungsfahrten bei verschiedenen Kommandos und Ausbildungsflotti l-
len (ein verzeichneter Minentreffer auf der Ostsee am 12.01.1945 blieb ohne größere Sch ä-
den) war die einzige verzeichnete „Unternehmung“ die „Verlegungsfahrt“ von Kiel über La r-
vik nach Kristiansand (19.-24.04.1945), wo die Besatzung am 09.05.1945 kapitulierte. Es gibt 
keine Hinweise auf „Feindberührung“. Auch Behnisch selbst konstatierte später, die einzige 
Unternehmung unter seinem Kommando sei die Verlegungsfahrt ohne Feindberührung g e-
wesen. Er geriet in britische Kriegsgefangenschaft und war von Mai/Juni 1945 bis Februar 
1947 im Kriegsgefangenenlager Northumberland (GB). 
Am 22. Juni 1944 war Günter Behnisch mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet wor-
den. 
In seinem Meldebogen v om 11.09.1947 zum Entnazifizierungsverfahren gab Behnisch ledi g-
lich seine Mitgliedschaft in der HJ (1934 -1939) an. Sein Verfahren wurde durch Einstellung s-
beschluss vom 20.02.1948 gemäß Ziffer 1 der Amnestieverordnung vom 06.08.1946 [J u-
gendamnestie] eingestellt.

145 
Behnisch griff seine Tätigkeit als U -Boot-Kommandant in seiner Lehrtätigkeit nach 1945 auf. 
Einer seiner Schüler, Gerhard Matzig, berichtete in einem Nachruf auf Behnisch (SZ, 
14.07.2010), dieser habe seine Studenten U -Boote entwerfen lassen, die in Dresden als Ver-
gnügungsdampfer, Hotel oder Restaurant dienen sollten: „Schwerter zu Pflugscharen – und 
U-Boote zu Lächerlichkeiten. […] Nie wieder Krieg.“ Das sei „Behnischs Rache am Krieg“ g e-
wesen. „Sein Pazifismus war nicht unbewehrt. Aber doch auch viel  mehr als die übliche B e-
hauptung“, so Matzig weiter. Und: „Behnisch, der U -Boot-Kommandant, war nun [1992] 
endgültig der Architekt der Freiheit, der Gestalter eines neuen Deutschlands.“ 
 
Quellen: 
Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand Spruchkammer Stuttgart EL 902/20 Bü 87521 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
UA Stuttgart, 120 Nr. 1426 
StadtA DA, ST 61 Behnisch, Günter 
 
Literatur: 
Blundell-Jones, Peter: Günter Behnisch. Basel et al. 2000. 
Busch, Rainer/Röll, Hans Joachim: Der U -Boot-Krieg 1939 -1945, Bd.  1: Die deutschen U -Boot-
Kommandanten. Hamburg/Berlin/Bonn 1996, S. 26. 
Lohmann, Walter/Hildebrand, Hans H.: Die Kriegsmarine 1939 -1945. Gliederung, Einsatz, Stellenb e-
setzung, Bd. 3. Bad Nauheim 1956-1964 [Blattsammlung], S. 15. 
Spieker, Elisabeth: Gü nter Behnisch. Die Entwicklun g des architektonischen Werkes. Gebäude, G e-
danken und Interpretationen. Stuttgart 2005.

146 
Peter-Behrens-Straße (H 9), benannt 1965 nach 
Peter Behrens (1868-1940) 
Maler, Designer, Typograf, Architekt und Künstler 
 
* 14. April 1868 in Hamburg 
1877-1882 Besuch des Christianeums in Altona 
1886-1891 Studium an Kunstakademien in Karlsruhe, Düsseldorf und München 
1890 wohnhaft in München 
1892 Mitbegründer der Sezession in München 
1897 Gründungsmitglied der Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk 
1899-1902 (Gründungs-)Mitglied der Künstlerkolonie in Darmstadt 
1900 Beteiligung an Weltausstellung in Paris 
1901 Bezug des eigenen Wohnhauses auf Mathildenhöhe Darmstadt – erstes architektonisches Werk 
1902-1903 Meisterkurse am Bayerischen Gewerbemuseum in Nürnberg 
1903-1907 Direktor der Düsseldorfer Kunstgewerbeschule 
1907-1914 Künstlerischer Beirat der AEG in Berlin; Architekturbüro in Neubabelsberg 
1908 Tischventilator der AEG 
1908-1909 Turbinenhalle der AEG in Berlin 
1911-1912 Entwurf/Bau der Deutschen Botschaft in St. Petersburg 
1914 Mitglied des Vorstands der Kölner Werkbundausstellung 
1920/21-1924 Technisches Verwaltungsgebäude der Hoechst AG 
1921 Berufung an die Kunstakademie in Düsseldorf 
1922-1936 Professor und Leiter der Meisterschule für Architektur an der Akademie in Wien 
1925 Gestaltung des Grabmals von Friedrich Ebert in Heidelberg 
1927 einer der Architekten der Stuttgarter Weißenhofsiedlung 
1930-1932 Geschäftsgebäude am Alexanderplatz in Berlin 
1936 Meisteratelier für Baukunst an der Akademie der Künste in Berlin 
1937 Aberkennung der aktiven Mitgliedschaft in der Preußischen Akademie der Künste 
1938 Auftrag zur Neugestaltung der AEG-Zentrale in Berlin 
† 27. Februar 1940 in Berlin 
 
Ehrungen: 
Ehrendoktor der Technischen Hochschule Prag 
1960er Jahre Peter-Behrens-Werkkunstschule Düsseldorf 
1965 Peter-Behrens-Schule Darmstadt 
2015 Peter Behrens School of Arts (Fachbereiche Architektur und Design der Hochschule Düsseldorf)

147 
Wirken in der NS-Zeit 
[Gutachten von Dr. Peter Rassek in „Wi ssenschaftliche Untersuchung der Straßennamen der Stadt 
Oldenburg“, Oldenburg 2013, S. 17-21] 
Der Architekt Peter Behrens (1868 -1940) wurde aufgrund seiner Mitwirkung an den Plänen 
zur Neu -gestaltung der Reichshauptstadt Berlin in der Literatur häufig als der „prominente 
Baumeister des III. Reiches“ bezeichnet. Sein Lob der italienischen Architektur unter Muss o-
lini wurde als Affirmation des Faschismus und als ein Versuch interpretiert, sich den Nati o-
nalsozialisten zu empfehlen und ihre Vorbehalte gegen die eigene Person auszuräumen: 
„Die Ausstellung [5. Triennale in Mailand 1933, PR] ist in der Tat ein Dokument für den erwachten 
völkischen Geist. Man wird versucht, ethischen Geist zu sagen, wenn man den Begriff des Ethischen 
im Sinne des Totalitätsgedankens auffassen will als etwas Formbildendes und aus innerem Trieb G e-
staltendes, im Gegensatz etwa zur spielerisch dekorierenden französischen Kunstauffassung.“ [Be h-
rens: Die Baugesinnung des Faschismus. In: Die neue Linie, Nr. 11, 1933, S. 11, zitiert nach: Kra wietz: 
Peter Behrens, S. 37.] 
Es gibt zwar keine Überlieferungen darüber, dass Behrens den Nationalsozialismus in 
Deutschland begrüßte oder sich positiv darüber äußerte, doch er erhob auch nicht seine 
Stimme gegen die Ausgrenzung und Repressalien, von dene n viele seiner Kollegen betroffen 
waren. Er selbst wurde 1934 im Zuge der Auseinandersetzung um die kunstpolitische Au s-
richtung innerhalb der NSDAP angegriffen und neben anderen Mitglieder des „Ring“ als s o-
genannter „Baubolschewist“ diffamiert, das von ihm  entworfene Landhaus in Neustrelitz als 
„undeutsch“ bezeichnet. Gegen diese Angriffe wehrte sich Behrens in einem Antwortschre i-
ben, dem er ein Goebbels -Zitat voranstellte und in dem er direkt an Rudolf Hess appellierte, 
diese „gewissenslose, berufsmässige Denunziation“ zu unterbinden. 
Aufgrund seiner Reputation konnte er weiterhin an Wettbewerben teilnehmen und bei so l-
chen als Juror auftreten. Behrens gewann 1934 den Wettbewerb zur Gestaltung einer neuen 
Kongresshalle in seiner Geburtsstadt Hamburg mit eine m Projekt ohne „schmückendes nat i-
onalsozialistisches Beiwerk“, die Baupläne wurden jedoch verworfen, da es durchgesickert 
war, dass Hitler den Bau einer Elbbrücke favorisierte, und Hamburg nur die Finanzierung 
eines Bauprojektes tragen konnte. Behrens‘ ung ebrochene Aktivität wertet Georg Krawietz 
als einen „Versuch, in politisch unsicherer Zeit Überzeugungsarbeit für eine positiv empfu n-
dene architektonische Richtung zu leisten“, geleitet von der Überzeugung, „eine moderne 
Baukultur mit ihren unabweisbaren Q ualitätsmerkmalen stehe außerhalb politischer Frag e-
stellung und habe davon unabhängig ihre Daseinsberechtigung – auch in Deutschland“ [Kr a-
wietz: Peter Behrens, S. 39]. 
Bis 1937 blieb Behrens aktives Mitglied der Preußischen Akademie der Künste, im Züge [sic!] 
der „Gleichschaltung“ dieser Institution im Jahre 1933 wurde aber seine „Rassenabsta m-
mung“ untersucht, die ihm und seiner Ehefrau „arische“ Abstammung bezeugte. 1936 wurde 
er zum Leiter eines Meisterateliers für Baukunst an der Akademie ernannt, die zw ar – so die 
Vermutung von Georg Krawietz – aufgrund der Fürsprache Hitlers erfolgte, im Grunde g e-
nommen aber Behrens wohl eher von der Gestaltung der nationalsozialistischen Architektur

148 
fernhalten sollte. Er behielt diese Stellung auch, nachdem ihm 1937 de r Status eines aktiven 
Mitglieds der Akademie entzogen wurde. Behrens verstand diesen Schritt nicht und bemü h-
te sich um die erneute Aufnahme als aktives Mitglied, u.a. mit der Behauptung, er sei bereits 
1934 in Österreich der NSDAP beigetreten. Obwohl, wie  Krawietz es überzeugend darlegte, 
die österreichische NSDAP -Mitgliedschaft Behrens‘ aller Wahrscheinlichkeit nach eine Fä l-
schung war, hinterlässt alleine der Versuch gewisse Zweifel über die Integrität des Künstlers 
und lässt die Vermutung zu, dass er „Ve rsuche unternommen hat, sich mit den neuen 
Machthabern zu versöhnen“ [Windsor: Peter Behrens, S. 171]. 
Im Jahre 1938 bekam Behrens den Zuschlag für die Neugestaltung der AEG -Hauptverwaltung 
in Berlin, die er im Auftrag des Generalbauinspektors Albert Speer  ausführen sollte. Die En t-
scheidung über die Vergabe des Auftrags an Behrens soll Speer im Einvernehmen mit Hitler 
getroffen haben. Peter Bode äußerte die Vermutung, dass der von Behrens entworfene m o-
numentale Bau der deutschen Botschaft in St. Petersburg der Grund dafür war, dass der A r-
chitekt „bei Adolf Hitler und dessen Baumeister Albert Speer nicht völlig in Ungnade fiel“ 
[Bode: Vom Turm, S. 100]. 
Die Arbeiten an dem Projekt der AEG -Zentrale waren von ständigen Versuchen des Archite k-
ten geprägt, seine V ision des Gebäudes gegen die Änderungswünsche der Generalbaui n-
spektion zu verteidigen. Darin zeigt sich zum einen die sehr bedingte Vereinbarkeit von Be h-
rens‘ Baustil mit den Vorstellungen der Nationalsozialisten, die letztlich eine Vereinnahmung 
erschwerte, zum anderen aber auch die mangelnde Bereitschaft Behrens‘, seinen Stil den 
Erfordernissen seiner Auftraggeber anzupassen. Dass Behrens an diesem Projekt bis zu se i-
nem Tod im Jahre 1940 gearbeitet hatte, zeugt zum einen von seinem „ununterbrochene[n] 
Interesse an der städtebaulichen Gestaltung Berlins“ und von der Gewissheit, dass dies für 
ihn „die letzte Möglichkeit einer künstlerischen Betätigung“ darstellte [Krawietz: Peter Be h-
rens, S. 145, 113]. Alan Windsor fasste Behrens‘ widersprüchliche Einstellun g im Dritten 
Reich folgendermaßen zusammen: 
„Vielleicht sollte man so nachsichtig sein anzunehmen, daß er gehofft hatte – wie viele andere deu t-
sche Konservative, die den Versuch unternahmen, ihre Position innerhalb ihrer Verbände angesichts 
der nationalsozialistischen Machtübernahme zu halten – einen mäßigenderen Einfluß auf die Erei g-
nisse ausüben zu können, bis die Dinge sich wieder normalisiert hätten“ [Windsor: Peter Behrens, S. 
171]. 
 
Weiterführende und zitierte (Auswahl-)Literatur 
Bode, Peter M.: Vom Turm das Parsifalmotiv. In: Art, Nr. 6/1990, S. 90-100. 
Ehmcke, Fritz Helmuth: Behrens, Peter, in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 13 f. [Onlinefas-
sung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118508466.html 
Germer, Stefan: Kunst der Nation. Zu einem Versuch, die Avantgarde zu nationalisieren. In: Brock, 
Bazon/Preiß, Achim: Kunst auf Befehl? Dreiunddreißig bis Fünfundvierzig. München 1990, S. 21-40. 
Klee, Ernst: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main 
2007, S. 38.

149 
Krawietz, Georg: Peter Behrens im Dritten Reich. Weimar 1995. 
Schulze, Franz: Mies van der Rohe. Leben und Werk. Berlin 1986. 
Windsor, Alan: Peter Behrens. Architekt und Designer. Stuttgart 1985. 
 
Ergänzungen HK 
Quellen: 
StadtA DA, ST 61 Behrens, Peter 
Handschriftliche Briefe/Karten aus den Jahren 1935/36 ohne nennenswerte politische Äußerung 
 
Literatur: 
Ulmer, Renate: Behrens, Peter. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 68.

150 
Liesjeweg (D 8), benannt 2007 nach 
Georg Benz (1901-1989) 
Arheilger Mundartdichter, bekannt als „Oarhelljer Liesje“ 
 
* 15. November 1901 in Arheilgen 
Besuch der Volksschule in Arheilgen 
Soldat am Ende des Ersten Weltkriegs [???] 
Berufsausbildung zum (Elektro-)Mechaniker 
1922 Erste Veröffentlichungen;  Gedichte unter dem Pseu donym „Oarhelljer Liesje“ im Arheilger A n-
zeiger; später regelmäßige Glosse „Rund um den Ruthsenbach“ zum Arheilger Ortsgeschehen 
1924-1966 Elektromonteur, später kaufmännischer Angestellter in der Lagerverwaltung bei der HEAG 
in Darmstadt 
1926 Schwerer Bet riebsunfall bei Prüfungsarbeiten am Trafohaus Bessungen, schwere Brandverle t-
zungen an Gliedmaßen; darauf innerbetriebliche Umschulung (Lagerverwaltung) 
1934-1945 Mitglied der NSV 
1934-1945 Mitglied der DAF (stellvertretender Blockwart) 
1941-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 8399696, Aufnahme: 01.04.1941) 
1941-1945 Mitglied des RLB 
1945 Leiter des Magazins für Werkzeuge und Maschinen der HEAG in Darmstadt 
1964 „Oarhelljer Lexigon“ 
1966 „Einunddreißig Aspirin“ [„Herrn, Frau Jedermann 31 Aspirin“] 
1968 „Es hot geklingelt…“ 
1974 „1140 Jahre Arheilgen“ 
1975 „Ruthsebachgepläddscher. 100 Gedichte in Darmstädter Mundart“ 
1981 „Lach und sei froh“ 
† 31. August 1989 in Darmstadt 
Vorsitzender des Gesangsvereins Liederzweig; 15 Jahre Vorstand der SG Arheilgen; Auftr itte auf zahl-
reichen Feiern in Arheilgen mit Gedichten in Mundart 
 
Ehrungen: 
1964 Eintrag in das goldene Buch der Stadt Darmstadt 
1965 Bürgerehrung der Stadt Darmstadt 
1971 Auszeichnung der Fritz-Wernath-Stiftung 
1982 Verdienstmedaille des Verdienstordens der BRD 
1986 Bronzene Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
Zudem Ehrungen und Auszeichnungen Arheilger Vereine, u. a. Ehrenmitglied des Gewerbevereins

151 
Wirken in der NS-Zeit 
Der Arheilger Mundartdichter Georg Benz, bekannt unter seinem Pseudonym „Oarhellj er 
Liesje“ (das auch für die Namensgebung des „Liesjewegs“ im Jahr 2007 Pate stand), arbeitete 
die meiste Zeit seines Berufslebens bei der Firma HEAG in Darmstadt, so auch in der NS -Zeit. 
Als Folge eines schweren Betriebsunfalls 1926, bei dem er sich schwe re Brandverletzungen 
an Armen und Beinen zugezogen hatte, konnte er seinen erlernten Beruf als Elektromonteur 
nicht weiter ausüben. Er wurde innerhalb der Firma umgeschult, arbeitete in der Lagerve r-
waltung und leitete (als kaufmännischer Angestellter) nach  dem Zweiten Weltkrieg das M a-
gazin für Werkzeuge und Maschinen. 
Benz wurde nicht als Soldat in den Zweiten Weltkrieg eingezogen (möglicherweise aufgrund 
seiner Verletzungen infolge des Betriebsunfalls). Er lebte die gesamte NS -Zeit über in Arhei l-
gen. Von 1934 bis 1945 war er Mitglied der NSV, im gleichen Zeitraum Mitglied der DAF, e i-
genen Angaben folgend mit der Funktion „stellvertr. Blockmann [wohl Blockwart]“. Von 
1941 an war Benz Mitglied des RLB, im gleichen Jahr trat er der NSDAP bei (Mitglieds -Nr. 
8399696, Aufnahme beantragt: 10.01.1941, Aufnahme: 01.04.1941). Im Zuge seines Entnaz i-
fizierungsverfahrens 1946 begründete er seine NSDAP -Mitgliedschaft wie folgt: „Ich wurde 
1941 PG aufgrund einer Verordnung des Sängerbundes als Vereinsvorsitzender.“  Von Seiten 
der HEAG, seines Arbeitgebers, wurde der Spruchkammer auf Anfrage mitgeteilt, dass Georg 
Benz „politisch nie hervorgetreten“ und über ihn nichts Nachteiliges bekannt sei, er bei se i-
nen Arbeitskollegen „einen sehr guten Ruf“ genieße. [Mehr geht aus der Akte nicht hervor.] 
Neben den genannten Informationen aus der Entnazifizierungsakte sowie der NSDAP -
Mitgliederkartei konnten keine weiteren Belege ermittelt werden, die das Wirken von Georg 
Benz in der NS-Zeit zum Gegenstand hatten. 
 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Stadt (WA), Nr. 4921/48 
HStAD, H 3 Nr. 14214 [Kennkartenmeldebogen] 
HStAD, R 12 P Nr. 173 
StadtA DA, ST 61 Benz, Georg (Mundartdichter) – Zeitungsausschnitte (1961-1989/2003) 
 
Literatur: 
Engels, Peter: Benz, Georg. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 70.

152 
Otto-Berndt-Straße (K 10), benannt 2013 nach 
Otto Berndt (1857-1940) 
Professor für Maschinenbau an TH Darmstadt 
 
* 29. Januar 1857 in Neuruppin 
1875-1880 Studium im Bereich des Maschinenbaus an der  Gewerbeakademie in Berlin  (ab 1879 TH 
Charlottenburg) 
1880-1892 Tätigkeiten in preußischem Staatsdienst, vor allem in der preußischen Eisenbahnverwa l-
tung in Berlin 
1885 Hochzeit mit Margaret[h]e Klövekorn 
1892 Ordentlicher Professor an der TH Darmstadt , Lehrstuhl für Maschinenkunde (Fächer: Mechani-
sche Technologie, Gaskraftmaschinen, Werkzeugmaschinen sowie Eisenbahnmaschinenwesen) 
1896 Gründung eines Labors für praktische Übungen zur Materialprüfung 
1896 Mitglied der Prüfungskommission für das Finanz- und Technische Fach 
1896-1898 und 1915-1916 Rektor der TH Darmstadt 
1905-1912 Dekan des Fachbereichs Maschinenbau an der TH Darmstadt 
1905-1906 Bau des Wasserwerks Bingen 
1907 Gründer und Leiter (bis 1926) der Staatlichen Materialprüfungsanstalt MPA 
1909-1913 Bau des Wasserwerks Inheiden (heute Stadtteil von Hungen) 
1918 Initiator und Vorsitzender (bis 1927) der „Vereinigung von Freunden der TH Darmstadt“ 
1927 Versetzung in den Ruhestand (auf Nachsuchen) 
1928 Wahl in den Darmstädter Stadtrat 
1933 Ausscheiden aus dem Aufsichtsrat der HEAG 
† 9. Februar 1940 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1897 Ernennung zum Geheimen Rat 
1897 Verleihung des Ritterkreuzes I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen 
1900 Verleihung des Rothen Adlerordens II. Klasse 
1902 Goldene Verdienstmedaille für Wissenschaft des Verdienstordens Philipps des Großmütigen 
1906 Verleihung des Kronenordens II. Klasse 
1926 Ehrensenator der TH Darmstadt; Benennung der Otto-Berndt-Halle (heute Mensa der TU) 
1926 Ehrenmitglied der „Vereinigung von Freunden der TH Darmstadt“ 
1927 Ehrendoktor der TH Karlsruhe 
1930 Ehrendoktor der Goethe-Universität Frankfurt am Main

153 
Wirken in der NS-Zeit 
Prof. Otto Berndt, seit seiner Berufung 1892 maßgeblich am Ausbau des Fachs Maschine n-
bau an der TH Darmstadt beteiligt  sowie an der Institution in leitender Funktion tätig, war 
1927, im Alter von 70 Jahren, emeritiert worden. Er zog sich weitgehend in den Ruhestand 
zurück. Zu Beginn der NS-Zeit 1933 war Berndt bereits 76 Jahre alt. 
Anhand der konsultierten Quellen ließen sich keine Hinweise auf eine Beteiligung am NS -
System rekonstruieren. In den Beständen des BDC hat Otto Berndt keine auffindbaren Sp u-
ren hinterlassen; bedingt durch seinen Tod 1940 existieren keine Entnazifizierungsakten. 
Zeitungsberichte aus den 1930er Ja hren, die sich sei ner Person widmeten, liefern  keine Hin-
weise auf seine politische Gesinnung . Lediglich der  Verweis darauf, dass er den Tod seines 
jüngsten Sohnes im Ersten Weltkrieg als „guter Patriot” (DT , 21.06.1935) hingenommen h a-
be, findet sich hier dokumentiert. 1933 wurde er gemeinsam mit den darin vertretenen SPD -
Stadtverordneten aus dem Aufsichtsrat der HEAG ausgeschlossen und durch NSDAP -
Stadtverordnete ersetzt. 
 
Quellen: 
HStAD, G 35 E Nr. 24/19 
HStAD, R 4 Nr. 21020 
StadtA DA, ST 61 Berndt, Prof. Dr. Otto 
 
Literatur: 
Hampe, Manfred/Pahl, Gerhard (Hrsg.): Zur Geschichte des Maschinenbaus an der Technischen Un i-
versität Darmstadt. Düsseldorf 2008. 
HEAG Holding AG: 100 Jahre HEAG. Chronik 1912-2012. Darmstadt 2012. 
Hoffmann, Albrecht: Hessische Lebensb ilder zur Kulturgeschichte des Wassers. Ein biografisches 
Handbuch 1350-1950. Kassel 2005, S. 47. 
Viefhaus, Marianne: Berndt, Otto. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 74 f.

154 
Franz-Best-Weg (Q 8), benannt 1970 nach 
Franz Best (1887-1970) 
Eberstädter Heimatforscher und Heimatmaler 
 
* 21. Dezember 1887 in Darmstadt 
1890 Früher Tod des Vaters 
1894-1902 Schulbesuch in Darmstadt, Grundschule und Mittelschule für Knaben (heute Ohlyschule) 
1902-1907 Glaserlehre im Betrieb des Stiefvaters Gustav Guntrum, Weiterb ildung an Darmstädter 
Gewerbeschule 
1904 Schwerer Arbeitsunfall; aufgrund der Verletzungen 1911 vom Wehrdienst mit der Waffe z u-
rückgestellt 
1906 Stiefvater Guntrum erwirbt Villa Pauline in der Eberstädter Villenkolonie, Umzug aus Pallaswi e-
senstraße 23, Darmstadt, nach Eberstadt 
1907 Mitglied des Eberstädter Vergnügungsklubs „Felicitas“ 
1908 Telegraphist in Diensten der Preußisch-Hessischen Staatseisenbahn; Dienststellen in Darmstadt, 
Bensheim, Urberach und Sprendlingen 
1911 Hochzeit mit Mathilde Sehl 
1915-1918 Freiwillige Meldung zur Telegraphen -Betriebskolonne der Preußisch -Hessischen Eise n-
bahnen, stationiert in Mecheln und Brügge (Belgien) 
1923 Umzug innerhalb Eberstadts in Villa Mathilde (nach Tod der Schwiegermutter) 
1934-1945 Mitglied des RLB 
1935-1945 Mitglied der NSV 
1936/37 Beginn der Freundschaft mit dem Kunstmaler Heinrich Zernin, der ihn Malen und Zeichnen 
lehrt 
1937 Beförderung zum Eisenbahnassistenten, Versetzung ins Telegraphenbüro Darmstadt Haup t-
bahnhof 
1937-1945 Mitglied im Reichsbund der Deutschen Beamten 
1943 Beförderung zum Reichsbahnsekretär, Bahnhof Darmstadt-Eberstadt 
1943 Beginn der Arbeit an umfangreicher Ortschronik Eberstadts (während seiner Nachtschichten) 
1949 Ruhestand nach über 40 Dienstjahren 
1955/1959 Beteiligung an Ausstellungen Eberstädter Laienmaler im Rathaus Eberstadt 
1962 Erste Einzel-Ausstellung im Rathaus Eberstadt (Maler, Zeichner, Holzschnitzer) 
† 22. Mai 1970 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
2012 Ausstellung im Rathaus Darmstadt-Eberstadt anlässlich seines 125. Geburtstags

155 
Wirken in der NS-Zeit 
Franz Best, Heimatmaler und Chronist von (Darmstadt -)Eberstadt, war die meiste Zeit seines 
Berufslebens bei der Eisenbahn beschäftigt. Mit der Beförderung zum Eisenbahnassistenten 
einher ging seine Mitgliedschaft im Reichsbund der Deuts chen Beamten (1937 -1945; im 
Meldebogen 1946 macht Best die Angabe „Deutscher Beamtenbund“, der aber 1933 aufg e-
löst worden war). Im Jahr 1943  wurde Best nochmals befördert, zum Reichsbahnsekretär,  
und vom Darmstädter Hauptbahnhof in seinen Wohnort Darmstadt-Eberstadt versetzt. 
Franz Best war Mitglied der NSV (1935 -1945) sowie des RLB (1934 -1945). Weitere Mitglie d-
schaften in NS-Organisationen ließen sich nicht nachweisen. In seinem Meldebogen aus dem 
Jahr 1946 gibt Best als Selbsteinschätzung (und als Be gründung dafür) „unbelastet“ an, am 
18.04.1947 wurde er von der Spruchkammer als vom Gesetz „nicht betroffen“ eingestuft. 
In die Zeit des NS fiel die Bekanntschaft und Freundschaft mit dem Maler Heinrich Zernin, 
der Best Malen und Zeichnen lehrte. Ab 1943/45 be gann Best mit dem Verfassen einer 
handgeschriebenen Ortschronik von Eberstadt („Mein liebes Eberstadt, mein lieber Franke n-
stein“), die im Stadtarchiv Darmstadt überliefert ist – und in 17 Bänden über 3.000 Seiten 
umfasst. Laut Friedrich Wilhelm Knie ß (Stadtarchiv Darmstadt), der den Bestand 2012 für 
eine Ausstellung zu Leben und Werk Franz Bests auswertete, ist anhand der Chronik keine 
politische Haltung Bests (weder für noch gegen das NS-Regime) herauszulesen. 
 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 42477 (nur Meldebogen) 
HStAD, H 3 Nr. 14630 [Kennkartenmeldebogen] 
StadtA DA, ST 61 Best, Franz 
StadtA DA, Chronik Eberstadts 
 
Literatur: 
Knieß, Friedrich Wilhelm: Best, Franz. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 84.

156 
Ottilie-Bock-Straße (K 10), benannt 2013 nach 
Ottilie Bock (1896-1969) 
Erste dauerhaft an der TH Darmstadt beschäftigte Assistentin (Chemikerin) 
 
* 28. November 1896 in Gambach (Oberhessen) 
Besuch der Stadt- und der Schillerschule in Friedberg (Hessen) 
1916 Reifeprüfung an der Studienanstalt (Viktoriaschule) in Darmstadt 
1916-1921 Studium der Chemie an der TH Darmstadt 
1918 Vordiplomprüfung im Fach Chemie (mit Auszeichnung) 
1921 Diplomprüfung im Fach Chemie (mit Auszeichnung) 
1921-1924 erste dauerhaft an der TH Darmstadt beschäftigte Assistentin (Chemikerin) 
1924 „Das Silicium Analogon des Kalkstickstoffs“ (Dissertation) 
† 1969 
 
Ehrungen: 
--- 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Zu Ottilie Bock, erste dauerhaft angestellte Assistentin (Chemikerin) an der TH Darmstadt 
1921-1924, ließen sich keine biogra fischen Daten zu ihrem Leben 1933 -1945 erheben. Da 
unklar blieb, wo sie sich nach 1945 aufhielt (und ob sich ihr Name möglicherweise durch Hei-
rat geändert hatte), ließen sich keine Entnazifizierungsakten recherchieren. 
 
Quellen: 
UA Darmstadt, 102 Nr. 857 
 
Literatur: 
Viefhaus, Marianne: Frauenstudium. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 265. 
[von Verena Kümmel aktualisierter Online -Beitrag „Studium von Frauen“, http://www.darmstadt-
stadtlexikon.de/s/studium-von-frauen; Zugriff: 19.09.2016]

157 
Böcklerstraße (D-E 7), benannt 1953 nach 
Hans Böckler (1875-1951) 
Sozialpolitiker und 1. Vorsitzender des DGB 
 
* 26. Februar 1875 in Trautskirchen/Mittelfranken 
1876 Umzug nach Fürth, wo der Vater als Kutscher Anstellung findet; Jugendjahre in Fürth 
ca. 1889 dreijährige Lehrzeit im Silber- und Goldschlägerhandwerk; anschließend Wanderjahre 
1894 Eintritt in die SPD und in den Deutschen Metallarbeiterverband (DMV) 
1897-1899 Wehrdienst im Kaiserreich 
1899 Vorsitzender des Fürther Gewerkschaftskartells 
1902 Vorstandsmitglied der AOK Fürth sowie Wahl in den Stadtrat von Fürth; Verlust des Arbeitspla t-
zes wegen Teilnahme an gewerkschaftlichen Maifeiern, die er mitorganisierte 
1903 Hauptamtlicher Gewerkschaftsfunktionär an der Saar 
1908 Mitarbeiter des Metallarbeiterverbands im Bezirk Frankfurt am Main 
1910 Leitung des Metallarbeiterverbands Schlesien mit Sitz in Breslau 
1912 Mitarbeit in der Berliner Zentrale des Metallarbeiterverband s sowie in der Berlin Redaktion der 
Metallarbeiterzeitung 
1914-1915 Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg 
1916 Als Unteroffizier an der Ostfront verwundet (Ende 1915) und als dienstuntauglich aus dem 
Kriegsdienst entlassen; fortan verschiedene Tätigkeiten im Gewerkschaftsbereich 
1918 Ernennung zum Sekretär der neugegründeten „Zentralarbeitsgemeinschaft der  industriellen 
und gewerblichen Arbeitgeber und Arbeitnehmer Deutschlands“; er trat von diesem Posten zurück, 
als er seine sozialpolitischen Vorstellungen nicht verwirklichen konnte 
1920 Bevollmächtigter des Deutschen Metallarbeiterverbands in Köln 
1924-1928 Stadtverordneter der SPD in Köln 
1927 Wahl zum Bezirksleiter des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbunds (ADGB) Rheinland und 
Westfalen-Lippe mit Sitz in Düsseldorf 
1928-1933 Mitglied der SPD-Reichstagsfraktion 
1933 Zweimalige Verhaftung durch Nationalsozialisten 
1934-1945 Zurückgezogen in Köln und später untergetaucht in Ottoherscheidt (Bergisches Land) 
1944 Nach dem Attentat vom 20. Juli offenbar wegen illegaler Gewerkschaftsarbeit gesucht 
1945 Unmittelbar nach Kriegsende Organisation der Neugründung des Gewerkschaftsbunds im 
Rheinland und in Westfalen 
1947 Wahl zum 1. Vorsitzenden auf Gründungskongress des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) 
der britischen Besatzungszone sowie Mitglied des nordrhein-westfälischen Landtags 
1949 Wahl zum 1. Vorsitzenden des DGB der Bundesrepublik Deutschland sowie Wahl zu einem der 
sechs Vizepräsidenten des „Internationalen Bunds Freier Gewerkschaften“ in London 
† 25. Januar 1951 in Köln

158 
Ehrungen: 
1948 Ehrendoktor der Universität Köln 
1949 Senator der Max-Planck-Gesellschaft 
1951 Gemeinsam mit Konrad Adenauer zum Ehrenbürger der Stadt Köln ernannt 
1977 Gründung der Hans -Böckler-Stiftung (gemeinnützige Stiftung des DGB); Hans -Böckler-Preis als 
höchste Auszeichnung der Stiftung und des DGB (vergeben 1980-2001, seit 2003 von Stadt Köln) 
Zahlreiche Straßen in Deutschland tragen Böcklers Namen 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Der Sozialdemokrat und Gewerkschaftsfunktionär Hans Böckler, heute vor allem bekannt 
durch die nach ihm benannte Hans -Böckler-Stiftung des DGB, war seit 1927 als Bez irksleiter 
des ADGB in führender gewerkschaftlicher Funktion tätig (wenngleich er kein Spitzenfunkt i-
onär war). Von 1928 bis zur Auflösung 1933 war er Mitglied des Reichstags für die SPD. 
Böckler, der sich noch 1933 für die Verteidigung der freien Gewerksch aften stark gemacht 
hatte, wurde am 3. Mai 1933 beim Betreten seines Büros in Düsseldorf verhaftet. Er wurde 
gezwungen, sich neben Schnapsflaschen ablichten zu lassen, um seine Person öffentlich zu 
diskreditieren. In der lokalen Presse hieß es am darauffol genden Tag, Böckler und ein gleic h-
ermaßen verhafteter Mitarbeiter hätten nun Gelegenheit, „in Ruhe und ungestörter Abg e-
schlossenheit über eine beendigte Epoche ihres Lebens nachzudenken“. 
Eine Woche nach der Verhaftung wurde Böckler wegen mangelnder Flucht gefahr aus der 
Haft entlassen. Von der Kreis -Betriebsstellenleitung der NSDAP Düsseldorf erging jedoch ein 
Strafantrag wegen Unterschlagung von Geldern und der Beseitigung von Akten. Böckler kam 
wiederholt Vorladungen nicht nach. Im September 1933 wurde er  in der Wohnung seines 
Sohnes in Berlin von der Gestapo verhaftet und am 20. September 1933 im berüchtigten 
Gestapo-Amt in der Prinz -Albrecht-Straße verhört. Er bestritt alle Vorwürfe gegen ihn; blieb 
bis 13. Dezember 1933 in „Schutzhaft“. Wahrscheinlich k ehrte er anschließend nach Köln 
zurück. Dort fand am 5. Februar 1934 die Hauptverhandlung statt, wo er von einem Schö f-
fengericht frei gesprochen wurde. 
Böckler zog sich in der Folge weitgehend in den privaten Bereich zurück. Sein Haus in Köln -
Bickendorf wurde mehrfach durchsucht, die wirtschaftliche Situation der Familie gestaltete 
sich schwierig. Über seine politischen Kontakte sind kaum sichere Quellen tradiert. „Wir h a-
ben wohl in Böcklers Leben zwischen 1933 und 1945 ein Schicksal vor uns, das typisch wa r 
für die Überwinterungs -Strategie eines Teils der sozialdemokratischen Führungsschicht: Z u-
rückgezogenheit, wenige, sehr unauffällige Kontakte, keine Berührung mit offenem Wide r-
stand oder mit Kommunisten, kontinuierlich integriert in die Gemeinschaft alter  Freunde“, 
konstatiert Böcklers Biograf Ulrich Bosdorf (S. 298). 
Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass Wilhelm Leuschner und Jakob Kaiser Kontakt zu Böckler 
aufgenommen hatten und ihm möglicherweise eine leitende Funktion in deren Planungen zu

159 
einer Gewerkschaftsorganisation nach dem NS zudachten (Buschak, S. 254 ff.). Auch Bosdorf 
vertritt die Auffassung, dass in der Summe „ausreichend Anhaltspunkte [vorlägen], um Böc k-
ler im Kreis des Widerstands zu verorten“ (Bosdorf, S. 301). Welche Rolle Böckler im Zusa m-
menhang mit dem geplanten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 zukam, lässt sich nicht kl ä-
ren. In Düsseldorf wurde irrtümlich ein Namensvetter Böcklers, ein Geschäftsmann, verha f-
tet (Klein -Viehöver, S. 58), was Böckler die Gelegenheit gegeben haben soll, i m Bergischen 
Land unterzutauchen (in Ottoherscheid  hatte er sich schon zuvor mehrfach mit seiner Frau 
aufgehalten). 
Hans Böckler erhielt auf der ersten, von der britischen Militärregierung eingesetzten Kölner 
Stadtverordnetenversammlung am 1. Oktober 1945 als Ältester das Wort. Wie im entspr e-
chenden Protokoll nachzulesen ist, bat er die Bevölkerung, gegenüber den neuen Gemei n-
devertretern nur „einen Bruchteil der Geduld und der Nachsicht“ aufzubringen, welche die 
„übergroße Mehrheit dem vergangenen Schandreg ime“ entgegenbrachte. In einem Frag e-
bogen 1946 gab er zu Protokoll: „In der Nazizeit habe ich einfach meine Pflicht getan, war 
wiederholt in Schutzhaft und wurde, wie so viele andere, wirtschaftlich vernichtet. Meine 
jetzige Tätigkeit ist nach Wiederaufnahme Fortsetzung der früheren.“ 
 
Quellen: 
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abt. Rheinland, Bestand NW 1048-42 (Hauptausschuss Stadtkreis 
Köln) Nr. 725 [NICHT eingesehen] 
Blume, Dorlis/Zündorf, Irmgard: Biografie Hans Böckler. In: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum 
Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland; URL: 
http://www.hdg.de/lemo/biografie/hans-boeckler.html [Zugriff 30.10.2015] 
 
Literatur: 
Borsdorf, Ulrich: Hans Böckler. Bd. 1: Erfahrungen eines Gewerkschafters 1875-1945. Essen 2005. 
Buschak, Willy: Arbeit im kleinsten Zirkel. Gewerkschaften im Widerstand gegen die nationalsozialis-
tische Diktatur. Essen 2015. 
Klein-Viehöver, Else/Viehöver, Joseph: Hans Böckler. Ein Bild seiner Persönlichkeit. Köln 1952. 
Milatz, Alfred: Böckler, Hans. In: NDB, Bd. 2. Berlin 1955, S. 371 f.

160 
Jovanka-Bontschits-Straße (K 10), benannt 2013 nach 
Jovanka Bontschits (1887-1966) 
Erste Frau mit dem Abschluss Diplom-Ingenieur (in Architektur) der TH Darmstadt 
 
* 22. Juni 1887 in Nisch (Serbien) 
Besuch des Knabengymnasiums in Belgrad 
1905-1909 Studium der Architektur an der Universität Belgrad 
1909 Praktikum bei der Direktion der serbischen Staatsbahn, Bauabteilung 
1909-1913 Studium der Architektur an der TH Darmstadt 
1911 Vordiplom 
1913 als erste Frau Abschluss als Diplom -Ingenieur[in] in Architektur an TH Darmstadt; eine der er s-
ten Frauen mit regulär abgeschlossener Diplomprüfung in Deutschland überhaupt 
Heirat mit Andreas Katerinitsch (Ko mmilitone aus der Architektur, aus Ukraine stammend), drei Sö h-
ne, Nachname fortan Bončić Katerinić 
1914 Umzug nach St. Petersburg (Russland) 
Ca. 1917 Umzug nach Kiew (Ukraine/USSR) 
1922 Umzug der Familie nach Belgrad (Serbien), Tätigkeit als Architektin für das serbische Baumini s-
terium 
1929-1933 Kursalon und Badehaus in Banja Koviljača 
1930-1938 Gebäude der Stadtverwaltung in Banja Luka 
1933 Gebäude für Lehrerinnenausbildung, Universität Belgrad 
Ab 1939 Gebäude für Veterinärmedizin, Universität Belgrad 
1945 Eintritt in den Ruhestand 
† 1966 in Belgrad (bei einem Wohnungsbrand) 
 
Ehrungen: 
Jovanka-Bontschits-Preis (Förderpreis) des Fachbereichs Material- und Geowissenschaften 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Jovanka Bontschits (Bončić Katerinić), erste Frau mit dem Abschluss als Diplom -Ingenieur(in) 
(Architektur) an TH Darmstadt, lebte zwischen 1933 und 1945 in Belgrad (Serbien). Sie arbe i-
tete dort seit Beginn der 1920er Jahre für das serbische Bauministerium als Architektin. Zu 
den von ihr betreuten Projekten zählten in der fraglichen Zeit Gebäude der Stadtverwaltung 
in Banja Luka (1930-1938) sowie Bauten an der Universität in Belgrad (1933 Gebäude für 
Lehrerinnenausbildung, ab 1939 Gebäude für Veterinärmedizin). 
1945 trat Jovanka Bončić Katerinić in den Ruhestand. Es ergaben sich keine Hinweise auf 
eine Verstrickung mit dem NS-System.

161 
Quellen: 
UA Darmstadt, 102 Nr. 975 
UA Darmstadt, Bontschits, Jovanka (Studentin) [Pressemappe] 
 
Literatur: 
Viefhaus, Marianne: Frauenstudium. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 265. 
[von Verena Kümmel aktualisierter Online -Beitrag „Studium von Frauen“, http://www.darmstadt-
stadtlexikon.de/s/studium-von-frauen; Zugriff: 19.09.2016] 
Viefhaus, Marianne: Frauen an der Technischen Hochs chule Darmstadt. In: Emig, Brigitte (Hrsg.): 
Frauen in der Wissenschaft. Dokumentation der Ringvorlesung vom Wintersemester 1985/86 an der 
Technischen Hochschule Darmstadt. Darmstadt 1988, S. 35-61, hier 45.

162 
Borngässerplatz (H 9), benannt 2004 nach 
Wilhelm Borngässer (1879-1963) 
Musikpädagoge, Kirchenmusiker und Komponist 
 
* 14. August 1879 in Schwabsburg/Rheinhessen 
1895-1898 Lehrerseminar in Alzey 
1898-1901 Erste Tätigkeiten als Lehrer in Griesheim, Bürgel und Trais an der Lumda 
1901 Lehrer in Darmstadt (Ballonschule, definitive Anstellung ab 1907) 
Abschluss seiner musikalischen Studien in Darmstadt bei Hochschullehrer Willibald Nagel und Chri s-
tian Heim; gefördert von Hofkapellmeister Willem de Haan und Kirchenmusikmeister Arnold Me n-
delssohn 
1905-1955 Or ganist an der Stadtkirche Darmstadt; musikalisches Wirken mit dem Musikverein (als 
deren Organist bis 1929) 
1906 Heirat mit Elisabeth (geb. Stöppler), drei Kinder 
1907-1923 Leitung des Lehrergesangvereins [Sängerchors des Lehrervereins Darmstadt] 
1908-1958 Leitung des Stadtkirchenchors bis zu seinem Ausscheiden [1958: 50-jähriges Jubiläum] 
1911-1950 Arbeit in der musikpädagogischen Ausbildung von Kirchenmusikern und Musikerziehern 
in Darmstadt, Mainz, Friedberg, später [12/1945] in Jugenheim 
1919-1933 Mitglied der Demokratischen Partei 
1924 Hauptamtlich als Dozent (Studienrat) am Lehrerinnenseminar, ab 1930 am neugegründeten 
Pädagogischen Institut 
1933-1945 Mitglied der NSV 
1935 Professor an der Hochschule für Lehrerbildung 
1935-1945 Mitglied der Reichsdozentenschaft 
1937-1957 Vorsitzender der Leitung des Amts für Kirchenmusik der EKNH (nach 1945: EKHN) 
1942 Aufführung seines Streichquartetts g-moll im Saalbau Darmstadt 
1942 Lehrauftrag für Musikwissenschaften an der TH Darmstadt 
1944 Einquartierung in Darmstadt-Arheilgen infolge der „Brandnacht“ 
1945 Umzug nach Alsbach 
Nach 1945 maßgeblich am Aufbau des Pädagogischen Instituts Jugenheim beteiligt 
 
Ehrungen: 
1935 Professor ehrenhalber 
1949 Verleihung des Titels eines Kirchenmusikmeisters der EKHN [vor ihm nur Arnold Mendelssohn] 
1952 Verleihung des Bundesverdienstkreuzes 
1959 Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt [bleibende und große Verdienste um das ki r-
chenmusikalische Leben des evangelischen Darmstadts und um das kulturelle, künstlerische und 
geistige Leben der Stadt]

163 
Wirken in der NS-Zeit 
Wilhelm Borngässer , Musikpädagoge und Kirchenmusikmeister, war auch zwischen 1933 
und 1945 in die musikpädagogische  Ausbildung von Kirchenmusikern und Musikerziehern  in 
Darmstadt eingebunden. Er war Studentenrat a m Pädagogischen Institut und wurde 1935 
zum Professor ernannt. Von 1942 an vertrat er an der TH Darmstadt im Zuge eines bezahlten 
Lehrauftrags für Musikwissenschaften den 1940 entlassenen außerplanmäßigen Professor 
Friedrich Noack. Seit 1935 war er Mitglied der Reichsdozentenschaft. 
Von 1933 bis 1945 war Borngässer eigenen Angaben folgend Mitglied der NSV. Im selben 
Meldebogen 1946 gab er auch eine (nicht näher datierte) Mitgliedschaft in der „Reichsm u-
sikkammer“ an. In den Beständen des ehemaligen BDC konnt en keine persönlichen Akten zu 
Borngässer ermittelt werden. Von der amerikanischen Militärregierung wurde seine „B e-
schäftigung“ im Oktober 1945 genehmigt. 
Als Selbsteinschätzung gab Borngässer im Meldebogen „unbelastet“ an. Er begründete dies 
wie folgt: „Nachdem ich von der Militärregierung bestätigt bin und mein Amt mit d. Erric h-
tung des Päd. Instituts in Jugenheim a.d.B. angetreten, kommt das Gesetz, so glaube ich, für 
mich nicht in Frage.“  Zudem verwies er auf seine Mitgliedschaft in der Demokratischen P ar-
tei, der er von 1919 bis zur Auflösung angehörte. Im April 1947 erreichte ihn die Nachricht, 
dass er als „vom Gesetz nicht betroffen“ eingestuft worden war. 
Von 1945 an war Borngässer maßgeblich am Aufbau des Pädagogischen Instituts in Juge n-
heim beteiligt. Den Lehrauftrag an der TH Darmstadt musste er 1946 aufgeben, da Friedrich 
Noack wieder zum Unterricht zugelassen war. 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Land (NB Alsbach), Nr. 1451 
HStAD, R 12 P Nr. 421 
Zentralarchiv der EKHN, Best. 104, Nr. 55 
StadtA DA, St 61 Borngässer, Wilhelm 
UA Darmstadt, TH 25/01 Nr. 72/3 
Literatur: 
Balz, Hans Martin: Borngässer, Wilhelm. In: Darmstädter Stadtlexikon (2006), S. 94. 
Borngässer, Wilhelm: 50 Jahre an der Orgel der Stadtkirche. In: Knodt, Manfred (Hrsg.): Festschri ft 
zur Orgelweihe in der Stadtkirche zu Darmstadt an Ostern, dem 2. und 3. April 1961. Mit Rückblick 
auf 361-jährigen Orgeldienst in der Stadtkirchengemeinde. Langen 1961, S. 43-48. 
Knodt, Manfred: Rundblick vom Stadtkirchturm. Darmstadt 1993. 
Müller, Erich: Deutsches Musiker Lexikon. Dresden 1929, S. 137. 
Schmidt, Isabel: Nach dem Nationalsozialismus. Die TH Darmstadt zwischen Vergangenheit und Z u-
kunftsmanagement (1945-1960). Darmstadt 2015.

164 
Borsdorffstraße (G 9), benannt 1992 [1989] nach 
Joachim Borsdorff (1919-1985) 
Bürgermeister und Stadtkämmerer in Darmstadt, Vorstandsvorsitzender der HEAG 
 
* 30. Juli 1919 in Schnellroda (Provinz Sachsen) 
1929-1938 Humanistisches Domgymnasium in Merseburg/Saale 
1934-1939 Mitglied des NS Reichbunds für Leibesübungen 
1936 Mannschaftsführer deutsche Jugendhockey-Mannschaft 
1936-1943 Mitglied der HJ (ab 1942 Amt: Gefolgschaftsführer der HJ „als verwundeter Soldat“; 
Dienstgrad: Oberscharführer) 
1938 RAD 
1938-1939 Studium an der Universität Leipzig/HfL Cottbus (Sport, Geschichte, Deutsch) 
1939-1942 Kriegsdienst (Infanterie-Regiment 446); nach mehrmaliger Verwundung dienstuntauglich 
entlassen 
1942-1945 Mitglied der Deutschen Studentenschaft 
1942-1945 Studium der Wirtschafts- und Rechtswissenschaften an der Universität Halle/Saale 
1943-1945 Mitglied der NKOV 
1944 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 9662913; Aufnahme beantragt: 11.08.1943) 
1944 Staatsexamen als Diplom-Volkswirt (01.11.1944) 
1944-1945 Wissenschaftlicher Assistent an der rechts - und staatswissenschaftlichen Fakultät ( Prof. 
Muhs) der Universität Halle/Saale (01.05.1944 -31.12.1945, unterbrochen nach Kriegsende durch 
dreimonatige Tätigkeit zur Beseitigung von Kriegsschäden) 
1945 Promotion zum Dr. rer. pol. (17.02.1945), „Volkswirtschaftliche Auswirkungen der Konzerne“ 
1945 Hochzeit mit Ruth Schlatow in Merseburg (04.09.1945) 
1946-1950 Referent und Abteilungsleiter beim Statistischen Landesamt Sachsen 
1950 Flucht in die Bundesrepublik Deutschland 
1950 Aushilfsangestellter in der Arbeitsverwaltung der Stadt Hamburg (zur Überbrückung) 
1950-1951 Referent und stellvertretender Abteilungsleiter im Statistischen Landesamt Bremen 
1951-1954 Referent für Wohnungswesen am Statistischen Bundesamt Wiesbaden 
1954 Beginn der Tätigkeit bei der Stadtverwaltung Darmstadt; Leitung des Statistischen Amts und des 
Wahlamts sowie Leitung des Presse-, Werbe- und Verkehrsamts 
1955 Ernennung zum Magistratsrat und Übernahme in Beamtenverhältnis 
1956 Wahl zum hauptamtlichen Beigeordneten der Stadt Darmstadt (SPD) mit der Amtsbezeichnung 
Stadtkämmerer 
1964 Sportdezernent der Stadt Darmstadt (zusätzlich zum Stadtkämmerer) 
1967 Wahl zum ersten hauptamtlichen Beigeordneten der Stadt Darmstadt mit der Amtsbezeichnung 
Bürgermeister (in Nachfolge von Ernst Holtzmann, CDU) und Stadtkämmerer

165 
1970 Ausscheiden aus Diensten der Stadt Darmstadt 
1970-1985 Vorsitzender des Vorstands der HEAG, Darmstadt 
1971 Vorsitzender der Kaupiana (Förderverein des Vivariums Darmstadt) 
Bis 1985 Erster Vorsitzender der Gesellschaft Hessischer Literaturfreunde 
† 20. März 1985 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1968 Goldene Verdienstnadel der TSG 1846 Darmstadt [ er unterstützte als Stadtkämmerer wohlwol-
lend den Bau der Felsinghalle] 
1970 Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
1980 Ehrenplakette [höchste Auszeichnung] des Hessischen Landessportbunds 
1983 Silberne Verdienstspange der Arbeiterwohlfahrt 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Dr. Joachim Borsdorff, der 1954 nach Darmstadt gelangte und dort als Stadtkämmerer, 
Sportdezernent, Bürgermeister sowie als Vorstandsvorsitzender der HEAG tätig war, besuc h-
te bis 1938 das Humanistische Domgymnasium in Merseburg, das er mit dem Abitur verließ. 
Während der Schulzeit war er als herausragender Sportler in Erscheinung getreten, führte 
etwa die deutsche Jugendhockey -Mannschaft 1936 in England als Spielführer auf d as Feld 
und spielte mit dem HC Merseburg in der höchsten deutschen Spielklasse. Als Leichtathlet 
trat er erfolgreich in den Laufdisziplinen bei Regionalmeisterschaften sowie bei den „mitte l-
deutschen Schülerkampfspielen“ an. Von 1934 bis 1938 war er Mitglie d des NS Reichbunds 
für Leibesübungen. Nach dem obligatorischen Dienst beim RAD (05.04. -25.10.1938) studier-
te Borsdorff in Leipzig bzw. an der Hochschule für Leibesübungen (HfL) in Cottbus Sport s o-
wie Deutsch und Geschichte. 
Borsdorff war von 1936 bis 1943 Mitglied der HJ. Im Oktober 1939 trat er in den Kriegsdienst 
ein (Infanterie-Regiment 446), wurde mehrfach verwundet und „verlor“ ein Bein, woraufhin 
er im September 1942 aus dem Militärdienst entlassen wurde. Als „verwundeter Soldat“ 
bekleidete er in der  HJ das Amt eines Gefolgschaftsführers mit dem Dienstgrad Oberschar-
führer (was seinem militärischen Dienstgrad Feldwebel entsprach). Aus gesundheitlichen 
Gründen war die Wiederaufnahme des Sportstud iums u nmöglich. Borsdorff entschied sich 
zum Studium der W irtschafts- und Rechtswissenschaften an der Universität Halle/Saale, das 
er im November 1944 mit dem Staatsexamen zum Diplom -Volkswirt abschloss. Bereits seit 
Mai 1944 arbeitete er als wissenschaftliche Hilfskraft, ab 1945 dann als Wissenschaftlicher 
Assistent am Staatswissenschaftlichen Seminar der Universität Halle bei Prof. Muhs. Im Fe b-
ruar 1945 folgte die Promotion zum Dr. rer. pol. mit einer Arbeit zu „Volkswirtschaftlichen 
Auswirkungen der Konzerne“. Bis Ende 1945 blieb er als Wissenschaftler an der U niversität 
Halle tätig, unterbrochen durch eine dreimonatige Täti gkeit zur B eseitigung von Kriegsschä-
den in der direkten Nac hkriegszeit. Zum 31.12.1945 kündigte er auf eigenen Wunsch, „um

166 
eine andere Beschäftigung in der Provinz ialverwaltung anzunehmen“ (U A Halle, PA 4793 
Borsdorff, Joachim), und wechselte an das Statistische Landesamt Sachsen. 
Im August 1943 beantragte Joachim Borsdorff die Aufnahme in die NSDAP. Mit Datum 
01.01.1944 wurde er als Mitglied der NSDAP -Ortsgruppe Merseburg, Gau Halle -Merseburg, 
geführt. Von 1943 bis 1945 war er Mitglied der NKOV. Da Borsdorff zwischen 1945 und 1950 
in der SBZ bzw. in der DDR lebte, musste er sich keinem Entnazifizierungsverfahren unterzi e-
hen. Überliefert ist allerdings ein  vierseitiger Fragebogen vom 10.07.1945 , der seine Mi t-
gliedschaften in den genannten NS Organisationen dokumentiert (UA Halle, PA 4793 Bor s-
dorff, Joachim). 
 
Quellen: 
BArch, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
StadtA DA, ST 61 Borsdorff, Dr. Joachim 
UA Halle, PA 4793 Borsdorff, Joachim 
 
Literatur: 
Knieß, Friedrich Wilhelm: Borsdorff, Joachim. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 94 f.

167 
Robert-Bosch-Straße (J-K 5-6), benannt 1999 nach 
Robert Bosch (1861-1942) 
Gründer der Robert Bosch GmbH, Erfinder der Magnetzündung  
 
* 23. September 1861 in Albeck bei Ulm 
1869-1876 Besuch der Realschule in Ulm 
1876-1879 Lehre als Feinmechaniker in Ulm 
1879-1885 Wanderjahre; Tätigkeiten bei wichtigen Unternehmen der Zeit im Bereich der sich entw i-
ckelnden Elektrotechnik im In- und Ausland 
1886 Gründung der „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ in Stuttgart (später Robert 
Bosch GmbH) 
1887 Hochzeit mit Anna Kayser (vier Kinder) 
1887 Entwicklung und Bau eines innovativen Magnetzünders für Gasmotoren 
1901 Bezug der ersten eigenen Fabrik in Stuttgart (45 Mitarbeiter) 
1902 Entwicklung eines Hochspannungs -Magnetzünders für Benzinmotoren; dieser wird zum Au s-
gangspunkt für die internationale Expansion des Betriebs 
1906 Einführung des Achtstundentags (daher Beiname „Der rote Bosch“); gleichzeitig Auseinande r-
setzungen mit Gewerkschaften wegen Rationalisierungsmaßnahmen 
1916 Vorsitzender des Verbands Württembergischer Industrieller 
1917 Umwandlung des auf 7.000 Beschäftigte angewachsenen Betriebs in eine Aktiengesellschaft 
und Entwicklung der ersten Beton-Schlagbohrmaschine 
1918 Mitglied der „Kommission zur Vorbereitung der Sozialisierung der Industrie“; Bosch befürwo r-
tet Mitspracherecht der Betriebsräte, lehnt aber Gewinnbeteiligung ab 
1919 Präsidiumsmitglied des Reichsverbands der deutschen Industrie 
ab 1920 Gründung zahlreicher Wohltätigkeitseinrichtungen 
1922-1933 Mitglied im Senat der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft 
1926 Gründungsmitglied des Stuttgarter Vereins zur Abwehr des Antisemitismus 
1926/27 Scheidung; Hochzeit mit Margarete Wörz (zwei Kinder) 
1927 Bosch  AG produziert zunehmend elektrotechnische Geräte aus dem Konsumbereich, etwa 
Kühlschränke, Radioapparate und Elektrowerkzeuge 
1932 Übernahme der Junkers & Co. GmbH; Veröffentlichung „Die Verhütung künftiger Krisen in der 
Weltwirtschaft“ 
1933 Erwerb der „Ideal-Werke für drahtlose Telephonie AG“ (seit 1938: Blaupunkt-Werke GmbH) 
1937 Umwandlung des Konzerns in eine GmbH 
1937 Einstellung von Carl Goerdeler als Berater 
1939 Zwangsarbeiter in Firmen der Bosch-Gruppe 
1940 Einweihung des „Robert-Bosch-Krankenhauses“ in Stuttgart (gestiftet von Robert Bosch) 
† 12. März 1942 in Stuttgart

168 
Ehrungen: 
1910 Ehrendoktor der Technischen Hochschule Stuttgart (wohl gegen seinen Willen) 
Ca. 1941 Kriegsverdienstkreuz I. Klasse 
1941 Ernennung zum „Pionier der Arbeit“ 
1941 Ehrendoktor der Universität Tübingen 
Zahlreiche Straßen sind nach Robert Bosch benannt 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Robert Bosch – Techniker, Industriepionier und Großunternehmer (Robert Bosch AG, ab 
1937 Robert Bosch GmbH) – war von 1933 bis zu seinem Tod 1942 gezwungenermaßen in 
das NS -Wirtschaftssystem involviert. Gleichzeitig halfen er und führende Angestellte des 
Unternehmens mehreren Juden zu überleben. Bosch und seine Vertrauten (Bosch -Kreis) 
engagierten sich ab 1937 zudem nachweislich im politischen Widerstand gegen Hitler. 
Für Robert Bosch waren die ersten Jahre nach der „Machtergreifung“ 1933 geprägt von Ko n-
flikten (aber auch von Arrangements) mit dem NS -Regime – und von der verfehlten Übe r-
zeugung, dass es sich beim Nationalso zialismus um ein „Übergangsphänomen“ (Scholtyseck, 
S. 146) handele. Das Unternehmen und Bosch persönlich wurden vom württembergischen 
NSDAP-Gauleiter Wilhelm Murr mehrfach attackiert. Gerüchte kursierten, wonach Bosch 
wegen seiner liberalen Einstellung inh aftiert werden sollte; er zog sich auf den bayerischen 
Boschhof zurück. Dennoch hoffte er (wohl noch bis 1935) darauf, den neuen „Führer“ Adolf 
Hitler von der aus seiner Sicht notwendigen Verständigung mit Frankreich überzeugen zu 
können. Bosch traf Hitler  im September 1933 in dieser Angelegenheit, konnte aber nichts 
bewirken – zu einem wirklichen Meinungsaustausch kam es nicht. Für ein Lieblingsprojekt 
Hitlers (den Bau des „Hauses der Kunst“ in München) spendete Bosch 1939 nach Aufford e-
rung 100.000 RM. Ins gesamt entrichtete Bosch bis ins Jahr 1944 rund 1,75 Millionen RM als 
„Adolf-Hitler-Spende“ (Scholtyseck, S. 147). 
Schätzungen basierend auf neueren Forschungen gehen davon aus, dass während des Zwe i-
ten Weltkriegs mindestens 20.000 Zwangsarbeiter bei Unter nehmen der Bosch -Gruppe be-
schäftigt waren, darunter auch 800 Polinnen aus dem KZ Ravensbrück, die im September 
1944 (somit nach Robert Boschs Tod) bei der Dreilinden Maschinenbau GmbH in Kleinmac h-
now Zwangsarbeit leisten mussten. Für letztere wurde eigens ein KZ-Außenlager unter Au f-
sicht der SS errichtet. Auch in den zum Konzern gehörenden Siling -Werken in Langenbielau, 
wo für die Zwangsarbeiter menschenunwürdige Bedingungen herrschten, wurden gegen 
Ende des Kriegs KZ-Häftlinge eingesetzt. 
Robert Bosch war nie Mitglied der NSDAP – ein Eintritt in die Partei wurde selbst seitens der 
NSDAP als aussichtslos eingeschätzt, weshalb dies nie zur Debatte stand. Bosch strebte vie l-
mehr aus sozial -liberaler Denktradition innenpolitisch einen Ausgleich mit der Sozialdem o-
kratie an und außenpolitisch eine Verständigung mit Frankreich. Aus der Firmenleitung zog

169 
er sich zunehmend zurück. Wichtige Entscheidungen wurden nicht mehr von ihm allein, so n-
dern von einem Direktorium getroffen. Bosch wusste, dass führende Vorstandsmit glieder 
der NSDAP beigetreten waren – wohl auch, um den Einfluss der NSDAP auf das Unterne h-
men möglichst gering halten zu können. Sein persönlicher Vertrauter, Hans Walz, wurde 
Mitglied der SS und war Mitglied des „Freundeskreises Himmler“ (wurde aber 1969  wegen 
seines Einsatzes für Juden mit dem Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ geehrt). Als von 
besonderer Bedeutung für die „Sicherheitsdeckung“ des Unternehmens erwies sich Gottlob 
Berger, ein Gegner des Gauleiters Murr und später er SS-Obergruppenführer sowie enger 
Mitarbeiter Heinrich Himmlers. Berger, für den Robert Bosch eine Art Vaterfigur darstellte 
und der sich daher immer loyal verhielt, setzte sich für Bosch und (auch nach dessen Tod) für 
das Unternehmen sowie seine leitenden Angestellten pers önlich ein. Von einem geheimen 
Konto erhielt Berger für seine Dienste von Bosch monatlich 700 RM sowie mehrere Sonde r-
zahlungen in bis zu fünfstelliger Höhe. 
Das Unternehmen Bosch musste ab 1933 Zugeständnisse an das NS -Regime machen, auch 
die Betriebsstruktur betreffende. Aufträge im Bereich der Rüstungsindustrie machten einen 
Großteil des Umsatzes aus, neue Firmen wurden als Teil der Bosch -Gruppe nach NS -
Vorgaben gegründet; insbesondere in diesen Neugründungen wurden Tausende von 
Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern beschäftigt. 
In der wissenschaftlichen Forschung gilt Robert Bosch dennoch als Beleg dafür, dass ein 
Großunternehmer – unter den schwierigen Bedingungen des „Dritten Reichs“ – Widerstand 
gegen das totalitaristische NS -System leisten konnte. „ Für Robert Bosch verkörperte der N a-
tionalsozialismus ziemlich genau das Gegenteil von allem, wofür er eintrat“, konstatiert etwa 
Johannes Bähr in seiner Studie zu Bosch im „Dritten Reich“ (S. 169). Die zur Verfügung st e-
henden Handlungsspielräume hinsichtli ch des Widerstands gegen das NS -Regime habe 
Bosch weitgehend ausgenutzt. Mit dem Rüstungs - und Zwangsarbeitersystem habe er sich 
arrangieren müssen und etwa auf Vorgaben des NS -Regimes zur Behandlung von ausländ i-
schen Zwangsarbeitern kaum Einfluss gehabt: „Selbst eine ‚Wirtschaftsmacht‘ wie Bosch 
musste sich unter dem Druck der Verhältnisse den politischen Gesetzen des Nationalsozi a-
lismus unterwerfen“ (Scholtyseck, S. 552). 
Als entlastend angeführt wird besonders Robert Boschs aktiver Widerstand gegen den v on 
den Nationalsozialisten betriebenen Antisemitismus, den er Zeit seines Lebens ablehnte. 
Bosch war 1926 (gemeinsam mit Hans Walz) Gründungsmitglied des Stuttgarter Vereins zur 
Abwehr des Antisemitismus und setzte auch in seinem Unternehmen einen Geist um , der 
(selbst im Umfeld nach 1933) für antisemitische Hetze wenig Raum bot. Bosch und der Kreis 
seiner Vertrauten (Bosch -Kreis) leisteten verfolgten Juden in mehreren Fällen nachweislich 
Hilfestellung (Verbindungen zur Gestapo erwiesen sich dabei als hilfr eich). Durch die Einrich-
tung spezieller Abteilungen innerhalb des Unternehmens konnten einige Jüdinnen und Juden 
vor der (teils bereits anberaumten) Deportation gerettet werden. Auch erfolgten (geheime) 
finanzielle Zuwendungen an Juden und jüdische Vermitt lungsstellen. Allein zwischen 1938 
und 1940 unterstützte Bosch die Emigration verhafteter und verfolgter Juden mit einem B e-

170 
trag von 1,2 Millionen RM (nach Bähr, S. 188; wohl nur in einem Fall hatte die Robert Bosch 
GmbH gegen den Willen bzw. die Interessen  der Verkäufer jüdisches Eigentum erworben, 
ebenda, S. 192). Auch der Historiker Arno Lustiger zählt Bosch zu den wenigen Industriellen, 
„die alles taten, um jüdische Angestellte und deren Familien zu retten“ (SZ, 20.11.2010). 
Einen Meilenstein bezüglich d es politischen Widerstands nimmt die Einstellung von Carl G o-
erdeler als Berater des Unternehmens 1937 ein. Der ehemalige Leipziger Bürgermeister – 
dessen politische Ansichten sich keineswegs mit denen Boschs deckten – war als eine Art 
Sonderbotschafter bei  Bosch beschäftigt. Auf zahlreichen Auslandsreisen, die als Dienstre i-
sen im Auftrag des Unternehmens deklariert waren, versuchte er in vertraulichen Gespr ä-
chen vor den Absichten Hitlers zu warnen (mit sehr begrenztem Erfolg). Goerdeler vermittel-
te zudem den Kontakt zum militärischen Wide rstand gegen Hitler , über den Robert Bosch 
vermutlich 1939 informiert wurde. Für den Widerstand des Bosch -Kreises stellte Goerdeler 
(darin ist sich die Forschung einig) den Dreh- und Angelpunkt. Robert Bosch selbst sollte di e 
späteren Attentatspläne nicht mehr erleben. 
1936 beging Robert Bosch seinen 75. Geburtstag; zugleich wurde das 50 -jährige Unterneh-
mensjubiläum gefeiert. Da in der zu diesem Anlass verfassten Festschrift die üblichen Huld i-
gungen an das NS -Regime fehlten, sagten die zur Jubiläumsfeier in Stuttgart geladenen Ve r-
treter der Partei ihre Teilnahme ab. Es kam zum Eklat, der in Ermittlungen gegen das Unte r-
nehmen und einer scharfen Verwarnung mündete. Die Unternehmensleitung bemühte sich 
in der Folge noch stärker u m eine Art „Burgfrieden“ (Bähr, S. 178) mit der Gauleitung und 
der DAF. Anlässlich seines 80. Geburtstags 1941 wurden Robert Bosch hohe persönliche Au s-
zeichnungen zuteil: Er wurde von DAF -Chef Robert Ley als „Pionier der Arbeit“ ausgezeic h-
net; von Gauleite r Wilhelm Murr erhielt er das Kriegsverdienstkreuz I. Klasse. Der Robert 
Bosch GmbH wurde die Auszeichnung „Kriegs-Musterbetrieb“ verliehen. 
Nach dem Tod Robert Boschs wurde sein Begräbnis seitens des NS -Regimes instrumentali-
siert: Adolf Hitler ordnete ein  Staatsbegräbnis an; NS -Reichswirtschaftsminister Walther 
Funk würdigte Robert Bosch – der im privaten Kreis (laut seiner Tochter Eva Madelung)  über 
Hitler „Warum bringt denn diesen Kerl niemand um?“ gesagt haben soll (Madelung, S. 7) – 
als Nationalhelden und legte einen Kranz im Namen des „Führers“ nieder. 
 
Quellen: 
BArch, BDC, R 1507/2011 [Reichskommissar für Überwachung der öffentlichen Ordnung] 
BArch, BDC, R 1507/2014 [Reichskommissar für Überwachung der öffentlichen Ordnung] 
 
Literatur: 
Bähr, Johannes: Bosch im Dritten Reich (1933-1945). In: Bähr, Johannes/Erker, Paul: Bosch. Geschich-
te eines Weltunternehmens. München 2013, S. 155-251. 
Heuss, Theodor: Robert Bosch. Leben und Leistung. Stuttgart/Tübingen 1946.

171 
Heuss, Theodor: Bosch, Robert. In: NDB, Bd. 2. Berlin 1955, S. 479-481. 
Madelung, Eva: Einleitung. In: Dies./Scholtyseck, Joachim: Heldenkinder – Verräterkinder. München 
2007, S. 7-20. 
Scholtyseck, Joachim: Robert Bosch und der liberale Widerstand gegen Hitler 1933 bis 1945. Mün-
chen 1999.

172 
Brambachweg (Q 7-8), benannt 1958/59 nach 
Otto Brambach (1885-1949) 
Führende Person im Aufbau des Hessischen Jugendherbergswerks 
 
* 2. August 1885 in Bochum 
Kindheit und Jugend in Bochum, Essen, Neuhaus-Paderborn und Wesel 
Mitglied beim Wandervogel 
Erlernter Beruf: Schmied [laut Kennkartenmeldebogen 1946] 
Nach 1910 beteiligt am Aufbau des Deutschen Jugendherbergswerks 
1911 Hochzeit mit Natalie Herrmann (zwei Kinder) 
1914 Umzug nach Darmstadt und Tätigkeit bei der Stadt Darmstadt (Stadtinspektor) 
1914-1918 vermutlich Teilnahme am Ersten Weltkrieg 
1919-1922 Mitglied der Demokratischen Partei 
1922 Mitbegründer des Bundes deutscher Kriegsdienstverweigerer 
1922-1933 Mitglied der SPD 
1923 Gründung der Ortsgruppe Darmstadt des Hessischen Jugendherbergswerks 
1924-1933 (Mitbegründer und) Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold 
1925-1933 ehrenamtlicher Geschäftsführer des DJH-Gaus Südhessen (Darmstadt) 
1929/1931 Publikation „Das Hessische Jugendherbergswerk“ 
1933 Zurückstufung vom Stadtinspektor zum Obersekretär aufgrund §4 des Gesetzes zur Wiederhe r-
stellung des Berufsbeamtentums 
1933-1945 Mitglied des Reichsbunds der Deutschen Beamten 
1934-1945 Mitglied der NSV 
1935-1939 Förderndes Mitglied der SS 
1935-1945 Mitglied des RKB 
1935-1945 Mitglied des RLB 
1945 Stadt-Oberinspektor in Darmstadt 
1946 Leiter des Städtischen Jugendausschusses in Darmstadt 
† 6. April 1949 in Heidelberg 
 
Ehrungen: 
---

173 
Wirken in der NS-Zeit 
Otto Brambach, der 1914 nach Darmstadt gekommen und spätestens ab 1918 in der Stad t-
verwaltung tätig war, gilt als wichtige Person im Aufbau des Jugendherbergswerks, insb e-
sondere in Südhessen. Bis zur Auflösung 1933 war er Mitglied der SPD sowie ehrenamtlicher 
Geschäftsführer des DJH-Gaus Südhessen in Darmstadt. Ebenfalls bis zur Auflösung 1933 war 
er zudem – eigenen Angaben folgend – Mitglied des Reichsbanners Schwarz -Rot-Gold und 
des Bundes französischer Intellektueller sowie Vorstandsmitglied der deutschen Friedensg e-
sellschaft und des Bundes religiöser Sozialisten. 
1933 war Brambach, unter Berufung auf §4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Beruf s-
beamtentums, innerhalb der Darmstädte r Stadtverwaltung vom Stadtinspektor zum Obe r-
sekretär zurückgestuft worden.  Er blieb zwischen 1933 und 1945 in Diensten der Stadt 
Darmstadt. Laut eigener Angaben im Zuge des Entnazifizierungsverfahrens habe er sich „G e-
halt + Nachzahlungen“ für den Zeitraum 1934-1937 in einem Prozess gegen den Darmstädter 
OB Otto Wamboldt erstreiten müssen. 
Brambach war Förderndes Mitglied der SS (1935 -1939), Mitglied des Reichsbunds der Deu t-
schen Beamten (1933-1945), der NSV (1934-1945) sowie des RKB und des RLB (1935-1945). 
In einem handschriftlichen Ergänzungsblatt zum Meldebogen des Entnazifizierungsverfa h-
rens gab Brambach an, er sei bis Ende 1934 „politische[n] Verleumdungen usw.“ ausgesetzt 
gewesen. Er berichtete des Weiteren von Schikanen durch die Gestapo und seiner M ithilfe 
bei der Flucht des Kreisdirektors [Heinrich] Ritzel ins Ausland. Als Brambach 1935 seinen 
Schwiegersohn (Studienrat Stein, 1933 wegen Hochverrats verhaftet und daraufhin mit 
Brambachs Tochter 1934 nach Spanien geflohen) und seine Tochter aus Spanien zurückholen 
wollte, sei er gemeinsam mit seinem Schwiegersohn „wegen angeblich marxistischer U m-
triebe in Granada verhaftet und aus Spanien für 20 Jahre ausgewiesen “ worden. 1937 sei 
Brambach strafversetzt worden, da er „an stelle des sogen.  Führer-Bildes einen großen Uhu 
aufgehängt hatte und mit Juden weiter Freundschaft hielt “; 1938 sei gegen ihn ein „polit i-
sches Disziplinarverfahren“ eingeleitet worden, da er unter anderem die Teilnahme an B e-
triebsausflügen und Sammlungen verweigert habe. Seine Mutter un d sein Pflegesohn waren 
bereits 1936 nach Amerika ausgewandert. Schließlich sei Brambach selbst 1944/45 „stiller 
Helfer“ einer „Illegalen Gruppe“ [Name möglicherweise „Avemaria“] gewesen. [Alle Angaben 
ließen sich nicht durch andere Quellen verifizieren.] 
Bei Georg Schäfer („Darmstadts Straßennamen“) gibt es den Hinweis, Otto Brambach sei 
Mitglied der illegalen Widerstandsbewegung „Gruppe der jungen Christen“ gewesen. Laut 
Dokumenten des Vermessungsamts im Zuge der Benennung des Brambachwegs 1959 war 
Brambach „Angehöriger der illegalen Widerstandsbewegung (Gruppe 'Der junge Chri s-
toph')“. „Der junge Christoph“ könnte auf eine Romanfigur Dietrich Bonhoeffers verweisen; 
weder in den Aussagen von Brambach selbst noch anhand anderer Quellen ließen sich nähe-
re Informationen über die Existenz einer solchen Gruppe ermitteln.

174 
Seitens der Darmstädter Stadtverwaltung hieß es 1946 (mit Verweis auf Brambachs SPD -
Mitgliedschaft und dessen Zurückstufung 1933): „Brambach ist als überzeugter Demokrat 
hier bekannt.“ 
Im Auftrag des „Reichsverbands für Deutsche Jugendherbergen, Gau Südhessen“ erarbeitete 
Brambach eine umfangreiche Publikation über Geschichte und Entwicklung des „Hessischen 
Jugendherbergswerks“, erschienen im Selbstverlag 1931. Er vertrat darin die Auffassung, 
„wer so wie das deutsche Jugendherbergswerk Millionen von jungen Menschen aller Klassen und 
Schichten Heimat und Vaterland, Volk und Natur, bauliche und landschaftliche Schönheit erschließt, 
wer so von der Wurzel der Gesundheit, Einordnung, Selbständigkeit, D isziplin und Freude bei der 
Jugend seines Volkes anregt und zur Entfaltung bringt, der darf wohl mit Recht von seiner kulturellen 
Sendung sprechen, und dessen Wert sollte gerade in Notzeiten deutscher Kultur das Werk des ga n-
zen Volkes sein“ (S. 273 f.). 
Das Gefühl von „Heimat“ der deutschen Jugend (wieder) zu vermitteln, sei – neben der o p-
timalen Förderung des Jugendwanderns – erklärtes Ziel der Arbeit des Jugendherberg s-
werks. In seinen programmatischen Ausführungen machte Brambach, in der Wandervogel -
Bewegung sozialisiert, klar, welche Bedeutung er – dem das „Vaterland“ und „die deutsche 
Jugend“ am Herzen liege – der „Idee der Menschlichkeit“ beimaß: 
„Ich denke, gerade in Zeiten des Sturmes und Dranges, der Bedrohung des Friedens, der Besch nei-
dung der Recht e muß man diesen Glauben und diese Idee der Menschlichkeit hochhalten. Es ist ja 
leicht, in friedlichen Zeiten dem Frieden zu dienen, aber in jenen Zeiten, wo es gärt und bohrt, wo 
eine unbelehrbare Masse immer wieder nach Gewalt schreit, wo so viele nicht s von Überlegung und 
ruhiger Betrachtung wissen wollen, gerade in solchen Zeiten ist der Glaube an den endgültigen Sieg 
des Rechtes unsere stärkste Stütze, gerade in solchen Zeiten braucht man Kämpfer für die Sache der 
Gerechtigkeit und der Menschlichkeit.  Und auf der Seite dieser Kämpfer möchte ich unsere Jugend 
sehen“ (S. 278 f.). 
Daher stünde die Idee der Jugendherbergen auch im Zeichen der Versöhnung, des Zusa m-
menbringens von jungen Deutschen aller Schichten und Anschauungen: „Nicht auf den 
Kampf wollen wir verzichten, aber auf den Haß!“ (S. 283). 
1933 wurden im Zuge der faktischen Gleichschaltung des DJH alle Sozialdemokraten (nach 
Baldur von Schirach alle „Marxisten“, Kössener Abkommen vom April 1933) aus den Gaule i-
tungen entfernt, so auch Otto Brambach. 
 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 1959 
HStAD, H 3 Nr. 1111 [Kennkartenmeldebogen] 
AdJb, P 1 Nr. 406 
AdJb, A 201 Nr. 336 
AdJb, A 211 Nr. 98

175 
Literatur: 
Brambach, Otto: Das Hessische Jugendherbergswerk. Herausgegeben vom Reichsverband für D eut-
sche Jugendherbergen, Gau Südhessen. Darmstadt 1931. 
Kraus, Eva: Das Deutsche Jugendherbergswerk 1909 -1939. Programm – Personen – Gleichschaltung. 
Berlin 2013.

176 
Franziska-Braun-Straße (K 10), benannt 2013 nach 
Franziska Braun (1885-1955) 
Erste immatrikulierte Studentin an der TH Darmstadt 
 
* 28. Dezember 1885 in Weilburg 
1888 Übersiedlung nach Hanau (Vater dort Direktor des Königlichen Gymnasiums) 
1892-1901 Besuch der Höheren Töchterschule in Hanau 
1893 Umzug in eigenes neuerbautes Haus (Diakonissenstraße 8) 
1901-1906 Besuch des Mädchengymnasiums in Frankfurt am Main (das sich zu der Zeit in Gründung 
befand) 
1906 als Externe Reifeprüfung an der Musterschule in Frankfurt am Main 
1906 Studium an der Hanauer Zeichenakademie (ein Semester) 
1907-1908 Studium der Germanistik (zwei Semester) an der Höheren Handelsschule in Frankfurt am 
Main 
Um 1908 erste Lyrik- und Prosa-Veröffentlichungen in der Heimatzeitung 
1908 Immatrikulation als erste (und zunächst einzige) Studentin (für Architektur) an der TH Dar m-
stadt (vor 1908/09 nur „Hospitantinnen“, Gasthörerinnen, zugelassen) 
1908-1912 Studium an der TH Darmstadt; Beteiligung am Neubau des Hanauer Landgerichts 
1911 Diplom-Vorprüfung 
1912 Verlassen der TH Darmstadt ohne Abschluss, Grund: Verlobung im August 1912 
1913 Heirat mit Heinrich Emil Fliedner, drei Kinder und fortan Führen des Doppelnamens Fliedner -
Braun, Umzug nach Berlin 
1929 nach dem Tod ihres Ehemanns Rückkehr mit den drei Kindern nach Hanau 
1934 „Rhön -Gesänge nach Sage, Geschichte und Wanderungen“ (Gedicht band mit eigenen Zeic h-
nungen) 
1945-1949 nach der Zerstörung des Elternhauses und dem Tod ihrer zwei Söhne im Zweiten Wel t-
krieg Umzug mit der Tochter nach Gersfeld in der Rhön, danach Rückkehr nach Hanau 
1949 „Um den Krähenbaum. Erlebtes, Erdachtes und Erschautes“ (Gedicht- und Balladensammlung) 
1954 Herzleiden 
† 29. Juli 1955 in Hanau 
 
Ehrungen: 
2011 Franziska -Braun-Preis der Carlo und Karin Giersch -Stiftung (Gleichstellungspreis der 
TU Darmstadt)

177 
Wirken in der NS-Zeit 
Franziska, genannt Franzi (Fliedner -)Braun, 1908 erste an der TH Darmstadt immatriku lierte 
Studentin, lebte zwischen 1933 und 1945 verwitwet in ihrem Elternhaus in Hanau. 1933 e r-
schien ihr Gedichtband „Rhön -Gesänge nach Sage, Geschichte und Wanderungen“, den sie 
mit eigenen Zeichnungen illustrierte. 
Während des Zweiten Weltkriegs starben ihre beiden Söhne im Kriegseinsatz. Ihr Elternhaus 
in Hanau wurde bis auf das Souterrain zerstört. Mit ihrer Tochter zog sie 1945 nach Gersfeld 
(Rhön). 
Über das Leben von Franziska (Fliedner -)Braun in der NS -Zeit fanden sich über die im 
TU Archiv Darmstadt tradierten Quellen und Berichte hinaus kaum Hinweise. Entnazifizi e-
rungsakten ließen sich bislang nicht recherchieren; es ergaben sich keine Hinweise auf eine 
Verstrickung mit dem NS-Regime. 
 
Quellen: 
UA Darmstadt, 102 Nr. 1086 
UA Darmstadt, Braun, Franziska, 1. Studentin der THD [Pressemappe] 
 
Literatur: 
Kehr, Nicole/Maier, Tini: Franziska Braun: Die erste Studentin Darmstadts – eine Heldin? Darmstadt 
2009 [Schülerinnenarbeit]. 
Viefhaus, Marianne: Frauenstudium. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 265. 
[von Verena Kümmel aktualisierter Online -Beitrag „Studium von Frauen“, http://www.darmstadt-
stadtlexikon.de/s/studium-von-frauen; Zugriff: 19.09.2016] 
Viefhaus, Marianne: Frauen an der Technischen Hochschule Darmstadt. In: Emig, Brigitte (Hrsg.): 
Frauen in der Wissenschaft. Dokumentation der Ringvorlesung vom Wintersemester 1985/86 an der 
Technischen Hochschule Darmstadt. Darmstadt 1988, S. 35-61, hier 44 f.

178 
Peter-Brix-Weg (B 8), benannt 2008 nach 
Peter Brix (1918-2007) 
Kernphysiker 
* 20. Oktober 1918 in Grauhöft (Ortsteil von Kappeln/Schlei, Schleswig-Holstein) 
1925-1928 Besuch der Grundschule in Kappeln 
1928-1932 Besuch der Mittelschule in Kappeln 
1932-1936 Besuch der Aufbauschule in Kappeln (1936: Abitur) 
1933-1935 Mitglied der HJ („Geldverwalter“ 1934-1935) 
1936 RAD 
1936-1940 Studium der Physik an den Universitäten Kiel und Rochester sowie an der TH Berlin 
1936-1940 Mitglied der Deutschen Studentenschaft 
1937-1940 Mitglied des NSDStB 
1940 Staatsexamen für Lehramt an höheren Schulen in Kiel 
1940-1944 Kriegsdienst (Sturmgeschütz-Abteilung 190) 
1944-1952 Wissenschaftlicher Assistent am 2. Physikalischen Institut der Universität Göttingen unter 
Hans Kopfermann 
1945 Heirat mit Ilse Brink, keine Kinder 
1946 Dissertation „Über die photographische Wirkung mittelschneller Protonen“ 
1952 Habilitation (Physik) 
1952-1953 Postdoctorate Fellow am National Research Council of Canada, Ottawa , bei Georg Her z-
berg 
1953-1957 Wissenschaftlicher Assistent (wiederum von Hans Kopfermann) am 1. Physikalischen Insti-
tut der Universität Heidelberg 
1957-1972 Professor für Physik und Direktor des neu aufgebauten Instituts für Technische Kernphysik 
(seit 1972 Honorarprofessor) der TH Darmstadt 
1960-1968/1975-1977 Mitglied des Wissenschaftlichen Rats des Deutschen Elektronen -Synchrotrons 
(DESY) in Hamburg 
1961/62 Mitglied der ersten deutschen Besuchergruppe am CERN in Genf 
1970/71 Mitglied des Gründungsdirektoriums der Gesellschaft für Schwerionenfor schung (GSI) in 
Darmstadt 
1972-1986 Direktor des Max -Planck-Instituts für Kernphysik; Professor  an der Universität Heidelberg 
(seit 1976 bis zur Emeritierung 1986 mit persönlichem Ordinariat) 
1973 Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften 
1973-1979 Mitglied des Wissenschaftlichen Rats der GSI 
1975 Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle/Saale 
1980-1983 Vizepräsident der DFG in Bonn 
† 21. Januar 2007 in Heidelberg

179 
Ehrungen: 
1942 Eisernes Kreuz II. Klasse 
1988 Ehrendoktor der FU Berlin 
1996 Ehrendoktor der Universität Kassel 
1996 Goldene Promotion der Universität Göttingen 
1997 Ehrenmitglied des Wissenschaftlichen Rats DESY in Hamburg 
Wirken in der NS Zeit 
Peter Brix, renommierter Kernphysiker, Professor und langjähriger Direktor des Instituts für 
Technische Kernphysik an der TH Darmstadt  sowie 1970/71 Mitglied des Gründungsdirekt o-
riums der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) in Darmstadt , war in der NS -Zeit 
Schüler, Student, Soldat und Wissenschaftlicher Assistent. 
Zu Beginn der NS -Zeit war Brix 14 Jahre alt und Schüler an der Aufbauschule in Kappeln 
(Schleswig-Holstein). Von 1933 bis 1935 war er Mitglied der HJ, 1934/35 darin „Geldverwa l-
ter“ (wie er 1945 zu Protokoll gab). 
Nach dem Abitur  1936 wurde Brix eingez ogen zum RAD  (von April bis September 1936 ). Im 
Anschluss studierte er ab dem Wintersemester 1936 Physik an der Universität Kiel und 
wechselte 1938 an die TH Berlin. Von September 1938 bis August 1939 hielt er sich als Sti-
pendiat des Institute of Internati onal Education an der University of Rochester (USA)  auf. Er 
kehrte kurz an die TH Berlin zurück, beendete sein Studium aber 1940 an der Universität Kiel 
(Staatsexamen: 03.03.1940). Während seines Studiums war er Mitglied der Deutschen St u-
dentenschaft (automatisch) sowie von 1937 bis 1940 des NSDStB. 
Von April 1940 bis März 1944 leistete Brix Kriegsdienst als Soldat der Wehrmacht ( bei der 
Artillerie; zu detaillierter Aufstellung der jeweiligen militärischen Abteilungen inklusive Zeit-
angaben etc. siehe eigene  Angaben im Entnazifizierungsverfahren, Niedersächsisches La n-
desarchiv; Informationen decken sich mit DD, Personenrecherche). Er war 1940/41 an der 
Westfront, dann beteiligt am „Griechenlandfeldzug“ (1941) sowie am „Russlandfeldzug“  
(1941/42). Im September  1942 wurde er mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet 
(„Anlass und Grund: Tapferkeit“). 
Zum 1. April 1944 wurde Brix als Leutnant der Reserve aus der Wehrmacht entlassen 
(„Grund: UK -Stellung“) und dem 2. Physikalischen Institut der U niversität Göt tingen unter 
Professor Hans Kopfermann zugeteilt  (der ihn angefordert hatte) , wo er eine wissenschaftl i-
che Assistentenstelle verwaltete  und für das Praktikum zuständig war . Eigenen Angaben zu-
folge, wurde er von Oktober 1944 bis März 1945 nochmals zum „Volkssturm“ eingezogen. 
Da Peter Brix kein „ politischer Aktivismus“ nachgewiesen werden konnte, er lediglich Mi t-
glied der HJ und des N SDStB war, wurde er vom Entnazifizierungs -Hauptausschuss der Stadt 
Göttingen 1949 als „entlastet“ (Kategorie V) eingestuft.

180 
Quellen: 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
Niedersächsisches Landesarchiv, Nds. 171 Hildesheim Nr. 18131 [Entnazifizierungsakte] 
UA Göttingen, Kur 10096 
UA Heidelberg, PA 2609, PA 3405  
UA Darmstadt, TH 25/01 Nr. 84/6 
StadtA DA, ST 61 Brix, Prof. Dr. 
Literatur: 
Buchhaupt, Siegfried: Die Gesellschaft der Schwerionenforschung. Geschichte einer Großforschung s-
einrichtung für Grundlagenforschung. Frankfurt am Main/New York 1995. 
Schmidt, Isabel: Nach dem Nationalsozialismus. Die TH Darmstadt zwische n Vergangenheitspolitik 
und Zukunftsmanagement (1945-1960). Darmstadt 2015. 
Drüll, Dagmar: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933-1986. Berlin/Heidelberg 2009 [zu Brix S. 136].

181 
Brücherweg (E-F 9), benannt 2000 nach 
Wilhelm Brücher III (1886-1952) 
Erster Arheilger Bademeister 
 
* 27. April 1886 in Arheilgen 
Von Beruf Bäcker 
Mitglied der SPD 
1914-1918 Kriegsteilnehmer am Ersten Weltkrieg (Sergeant), schwere Verwundung durch Giftgas 
1918 Mitglied des fünfköpfigen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrats in Arheilgen 
1924 seit Gründung führendes Mitglied der Ortsgruppe des „Reichsbunds republikanischer Krieg s-
teilnehmer e. V. Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ Arheilgen 
1924 Erster Bademeister des neu eröffneten Gemeindeschwimmbads in Arheilgen  („Arheilger Mühl-
chen“) 
1933 Mit Verweis auf § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums aus dem 
Dienst der Gemeinde Arheilgen entlassen 
1933-1934 Mitglied des Reichskriegerbunds 
1940-1942 Mitglied der DAF 
1943/1945 Bademeister der Stadt Darmstadt (seit wann wieder in Diensten ist unklar) 
† 6. Dezember 1952 in Darmstadt-Arheilgen 
 
Ehrungen: 
Eisernes Kreuz I. Klasse (Erster Weltkrieg) 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Wilhelm Brücher III. war seit der Eröffnung des Gemeindeschwimmbads in Arheilgen („A r-
heilger Mühlchen“) Bademeister in seiner Heimatgemeinde. Aufgrund seiner politischen 
Aktivitäten (führendes Mitglied der Ortsgruppe Arheilgen des „Reichsbunds republikanischer 
Kriegsteilnehmer e. V. Reichsbanner Schwarz -Rot-Gold“) wurde ihm 1933 mit Bezug a uf §4 
des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums gekündigt. Er nahm jedoch 
später seinen Dienst als Bademeister wieder auf. Zeitzeugen und Zeitzeuginnen erinnern sich 
daran, dass Wilhelm Brücher während des Zweiten Weltkriegs die Badegäste de s Arheilger 
Mühlchens bei Fliegeralarm lautstark aus dem Wasser und in die Hecken trieb. In seinem 
Meldebogen 1946 gab Brücher unter 1943 und 1945 „Bademeister Stadt Darmstadt“ an. 
Brücher war im Ersten Weltkrieg verwundet worden und zudem 1939 bereits 53 Jahre alt. Er 
wurde nicht zum Kriegsdienst im Zweiten Weltkrieg eingezogen. 
1940-1942 war Brücher Mitglied der DAF; 1933 -1934 war er – eigenen Angaben in seinem 
Meldebogen folgend – Mitglied des Reichskriegerbunds.

182 
In den Entnazifizierungsakten findet sich  eine Auseinandersetzung zwischen Brücher und 
Peter Nicolaus, Vorsitzender der Spruchkammer Lager in Darmstadt, im Sommer 1947 d o-
kumentiert. Brücher hatte Nicolaus beleidigt und bedroht, vermutlich da dieser als Bela s-
tungszeuge gegen einen Verwandten Brüch ers (Fritz Eckhardt) ausgesagt hatte, welcher in 
die Gruppe II (Aktivisten) eingestuft wurde. Brücher hatte zudem Nicolaus sowie dessen 
Sohn den Zugang zum Arheilger Schwimmbad verwehren lassen. Während Nicolaus eine 
politische Motivation für das Verhalten  Brüchers zu Protokoll gab, wertete Brücher bei se i-
ner Vernehmung den Sachverhalt als „Private Angelegenheit“. Nach „eingehenden Ermit t-
lungen […] konnte dem Betroffenen nichts nachteiliges [sic!] in politischer Hinsicht bewiesen 
werden“. 
Wilhelm Brücher, der sich selbst als „unbelastet“ bezeichnete, wurde am 15.04.1947 von der 
Spruchkammer Darmstadt-Stadt als vom Gesetz „nicht betroffen“ eingestuft. 
 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 37040 
HStAD, H 3 Nr. 16042 [Kennkartenmeldebogen] 
StadtA DA, Bildarchiv [Arheilger Mühlchen] 
Dokumentation 90 Jahre Arheilger Mühlchen [http://arheilger-mühlchen.de/index.php/historie] 
 
Literatur: 
Mampel, Georg: 1878-1978. 100 Jahre Sozialdemokratie in Arheilgen. Darmstadt 1986.

183 
Helene-Christaller-Weg (G 9), benannt 2001 nach 
Helene Christaller (1872-1953) 
Schriftstellerin 
 
* 31. Januar 1872 in Darmstadt (geb. Heyer) 
Aufgewachsen in Darmstadt; bis 1887 Schülerin am Hofmann‘schen Institut 
1890 Heirat mit dem Pfarrer und Schriftsteller Erdmann Gottreich Christaller  (vier Kinder); Umzug ins 
Pfarrhaus nach Berneck im Schwarzwald 
1894 Nach Versetzung des Mannes Pfarrfrau in Ottenhausen (Schwarzwald); Kindergottesdie nst und 
erste eigene Geschichten; später Veröffentlichung  von Erzählungen in „Die Hilfe“ (hrsg. von Fried rich 
Naumann), „Die Frau“ (hrsg. von Helene Lange) und anderen Zeitschriften 
1902/1904 Erste eigenständige Veröffentlichungen 
1903 Umzug nach Jugenheim (in das spätere „Blaue Haus“) , nachdem ihr Ehemann wegen satirischer 
Veröffentlichungen (und beginnender  Schwerhörigkeit) das Pfarramt aufgeben musste;  Helene 
Christaller bestreitet fortan mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit das Familieneinkommen 
1907 „Gottfried Ehrmann und seine Frau“ (erster großer schriftstellerischer Erfolg) 
1910 Friedrich Reinhardt Verlag Basel übernimmt ihr Gesamtwerk (schließlich ca. 40 Bücher) 
1910 Reise nach Italien (Studium der Geschichte Franz von Assisis) 
1914 Scheidung von Erdmann Christaller (rechtskräftig 1917) 
1915-1922 Aufenthalte in Darmstadt  (1915 und 1918 -1922): Gründ ung eines Heims für Kinder von 
Munitionsarbeiterinnen; nach dem Tod ihres Ex-Mannes (1922) wieder in Jugenheim („Blaues Haus“) 
1920 Aufenthalt (vier Monate) in Schweden (auf Einladung von Lesern) 
1927 „Als Mutter ein Kind war“ 
1927-1938 Aufenthalte in den Wintermonaten in Villa Laura in Cannero am Lago Maggiore 
1932 Biografie „Albert Schweitzer. Ein Leben für andere“ 
1933-1945 Mitglied der Reichsschrifttumskammer 
1935-1943 Mitglied der NSV 
1935 „Aus meinem Leben“ (autobiografische Aufzeichnungen), „Das blaue Haus“ 
1936 „Adam geht auf Wanderschaft. Lebenslauf eines Pfarrersohnes“ 
1936 „Gottes Hammer“ (Erzählung) 
† 24. Mai 1953 in Jugenheim 
 
Ehrungen: 
1917 Rheinischer Dichterpreis 
Verleihung des Mutterkreuzes 
Helene-Christaller-Weg in Jugenheim („Blaues Haus“ heute Nr. 13)

184 
Wirken in der NS-Zeit 
Helene Christaller, in Darmstadt geboren und  – nach mehrjährigem Aufenthalt als Pfarrfrau 
im Schwarzwald – 1903 an die Bergstraße gelangt, lebte die meiste Zeit ihres Lebens in J u-
genheim; so auch zwischen 1933 und 1945 (gemeinsam mit ihrer Mutter bis zu deren Tod 
1935). Im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts war Christaller – gemessen an der Auflage – 
eine sehr erfolgreiche Schriftstellerin. Karl Esselborn wies ihr 1922 „ohne Zweifel“ die erste 
Stelle unter den hessische n Schriftstellerinnen zu. Auch in den 1930er Jahren blieben ihre 
meist autobiografisch geprägten Erzählungen und Romane beliebt. 1935 erschien „Das Blaue 
Haus“, 1936 „Adam geht auf Wanderschaft“. Bereits 1932 war die Biografie zum Leben A l-
bert Schweitzers (den sie persönlich kannte) erschienen. Ihr Werk wurde vom Schweizer 
Friedrich Reinhardt Verlag (Basel) veröffentlicht. Nach 1933 schrieb Christaller zudem ve r-
einzelt Beiträge ( pro Jahr „1-2 Skizzen“) für verschiedene Zeitungen, darunter Darmstädter 
Tagblatt, Wiesbadener Zeitung, Fränkischer Kurier(BArch, BDC, R 9361-V/4601). 
Als Schriftstellerin war Helene Christaller von 1933 bis 1945 Mitglied der Reichsschrifttum s-
kammer. Von 1935 bis 1943 war sie Mitglied der NSV und spendete in diesem Zeitraum e i-
genen Angaben in ihrem Meldebogen (HHStAW) zu Folge jährlich ca. 30,- bis 50,- RM für die 
„Winterhilfe“. In der überlieferten Akte der Reichsschrifttumskammer vermerkte sie in e i-
nem Fragebogen 1937 unter „Frühere politische Zugehörigkeit?“ ausschließlich „nationa lso-
zial Naumann bis ca. 1906“. Mit Beginn des Krieges ergaben sich Probleme hinsichtlich der 
Auslieferung ihrer in der Schweiz erscheinenden Bücher nach Deutschland. Ein Bittschrei ben 
in diesem Zusammenhang unterschrieb Helene Christaller 1940 mit „Heil Hitler!“. 
Wie bei vielen anderen ihrer Romane dient e das Milieu des protestantischen Pfarrhauses 
auch bei „Adam geht auf Wanderschaft. Lebenslauf eines Pfarrersohnes“ als Hintergrund für 
das Geschehen. Der Protagonist , traumatisiert durch den Einsatz im Erst en Weltkrieg ( „Hei-
mat! Und was nun? Armes Deutschland, dessen Söhne heimkommen wie er“),  äußerte sich 
in dem Werk wiederholt kritisch gegenüber dem Krieg. Der Titel wurde seitens der Nationa l-
sozialisten als „wehrkraftzersetzend“ beurteilt und durfte in Deu tschland nicht  verbreitet 
werden (Chwalek, S. 270 f.). 
Helene Christaller hat zahlreiche Briefe sowie ein „Kriegstagebuch“ (1942 -1947) hinterla s-
sen. Beides wurde in Auszügen veröffentlicht, zusammengestellt von ihrer Urenkelin Ulrike 
Thomas (siehe Literatu r; das „Kriegstagebuch“ hatte Helene Christaller für ihre Kinder b e-
gonnen, wohl aber schon während des Schreibens an dessen Veröffentlichung gedacht). Vor 
1933 äußerte sich Christaller wiederholt kritisch zur Person Adolf Hitlers. In einem Brief vom 
20.03.1932, verfasst in Cannero, Lago Maggiore, heißt es etwa: 
„Dass Hindenburg gewählt wurde, hat mich sehr gefreut; ich bin bereit, mich mit Jugenheimer 
Freunden zu zanken, die Hitler wählten und von denen Reinhard Roehle das schöne Wort ihnen ins 
Gesicht sagte: ‚Nur die allergrößten Kälber wählen ihre Metzger selber‘“ (Thomas, S. 146). 
Am 25.10.1932 schrieb Christaller, „dass wir Bürgerlichen alle für diesmal deutschnational 
wählen, auch die Juden. Aber ohne Begeisterung, als das kleinere Übel“ (ebenda). Die Auto-
rin erscheint in den (veröffentlichten) Aufzeichnungen stark von christlicher Nächstenliebe

185 
geprägt. Am Tag nach dem verheerenden nächtlichen Bombenangriff auf Darmstadt 
(12.09.1944) schrieb  sie in ihr Tagebuch: „Das Schuldkonto der Menschheit wächst mi t ra-
sender Schnelligkeit hier wie dort, bei uns wie bei unsern Feinden. Und die unschuldigen 
Kindlein?“ Und vier Tage später (16.09.1944) war zu lesen: 
„Wann wird dieser Wahnsinn enden? Sieht Hitler nicht, dass er gegen die Übermacht der Feinde e r-
liegen muss, oder will er nicht sehen? Ist er von einem Teufel besessen, der die Vernichtung unseres 
Volkes will und zu dessen Werkzeug er sich hergibt? […] Wenig Menschen können es ertragen, Macht 
zu haben, dazu gehören eine geistige Größe und ein demütiges Herz“ (Thomas, S. 158). 
Die (ausgewählten) Auszüge aus Briefen und dem Tagebuch Helene Christallers legen nahe, 
dass diese ab 1933 stark zurückgezogen lebte und – bei nationalsozialer Gesinnung – dem 
Nationalsozialismus kritisch gegenüberstand. Spätestens ab 194 4 mehren sich Anmerku n-
gen, die die Unsinnigkeit des Krieges kennzeichnen. In einem Eintrag unter „Oktober 1944“ 
heißt es entsprechend: 
„[Konrad, einer ihrer Enkel, *1915] hat den Glauben an den Endsieg noch nicht verloren, der einzige 
in unsrer großen Fami lie, der ihn noch hat. Die meisten von uns, auch ich, haben ihn nie besessen. 
Aber Jugend hungert nach einem Glauben und ist der Propaganda viel mehr geöffnet als das Alter“ 
(Thomas, S. 159 f.). 
Unter dem Eindruck der (nun erst bekannt gewordenen) Gräuelta ten der Nationalsozialisten 
trägt sie am 19.04.1945 in das Tagebuch ein: „Nun verstehe ich, dass Gott es zugelassen hat, 
dass man unsre Städte vernichtete und Unschuldige, die sich nicht wehren konnten, lebe n-
dig verbrennen ließ“ (Thomas, S. 169). 
Im Meldeb ogen des Entnazifizierungsverfahrens gab Helene Christaller als Selbsteinschä t-
zung an, „in keine“ der Gruppen des Gesetzes sich einzugliedern. Sie begründete ihre Ei n-
schätzung mit „ich war nie Nazi + die Partei wusste von meiner Gegnerschaft durch meine 
Bücher“. Ob es zu einer Verhandlung kam, lässt sich anhand der überlieferten Akte nicht 
erkennen; auf dem einzig vorhandenen Meldebogen findet sich darauf kein Hinweis. 
 
Quellen: 
BArch, BDC, R 9361-V/4601 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Land (NB Jugenheim), Nr. 31966 (nur Meldebogen) 
StadtA DA, ST 61 Christaller, Erdmann Gottreich / Familie 
 
Literatur: 
Chwalek, Johannes: „Adam geht auf Wanderschaft“. Ein im NS -Staat verbotenes Buch Helene 
Christallers. In: Geschichtsblätter Kreis Bergstraße 47 (2014), S. 270-273. 
Esselborn, Karl: Helene Christaller (1872 -1953) / Schriftstellerin. In: Hessische Lebensläufe. Dar m-
stadt 1979, S. 67-75 [Erstveröffentlichung 1922]. 
Esselborn, Karl: Helene Christaller. Mit einem Bildnis. In: Volk und Scholle 10 (1932), S. 52-54.

186 
Schmidt, Agnes: Christaller, Helene (geb. Heyer). In: Stadtlexikon Darmstadt 2006, S. 128. 
Schwerte, Hans: Christaller, Helene, geborene Heyer. In: NDB 3 (1957), S. 218. 
Thomas, Ulrike: Helene Christaller – Auszüge aus Briefen und Tagebuchaufzeichnungen 1913 -1947. 
In: Evangelische Kirchengemeinde Jugenheim a.  d. B. (Hrsg.): 750 Jahre „Kirche auf dem Heiligen 
Berg“. Beiträge zur Geschichte Jugenheims. Jugenheim a. d. B. 2013, S. 134-193.

187 
Christiansenweg (J 9), benannt 1993 [Magistratsbeschluss aus dem Jahr 1973 (!)] nach 
Hans Christiansen (1866-1945) 
Maler und Kunsthandwerker, Mitglied der Künstlerkolonie 
 
* 6. März 1866 in Flensburg 
1881-1885 Ausbildung beim Dekorationsmaler Jacobsen in Flensburg (Gesellenprüfung 1885) 
Ab 1885 Wanderschaft als Dekorationsmaler der Firma Gustav Dorén (Hamburg) 
1887-1889 Studium an der Kunstgewerbeschule in München 
1889 Italienreise 
1889-1895 Rückkehr nach Hamburg; Fachschullehrer sowie selbständig tätig als Dekorationsmaler 
1892 „Neue Flachornamente“ (erste eigene Veröffentlichung) 
1893 USA-Reise; Besuch der Weltausstellung in Chicago 
1895 Reisen nach Florenz, Rom und Antwerpen 
1895-1899 Pariser Jahre (Wohnsitz in Paris): Studium an der Académie Julian; selbstä ndig tätig als 
Maler sowie als Designer für Kunsthandwerk 
1896 Erste Entwürfe für die Zeitschrift „Jugend“; künstlerischer Mitarbeiter der Zeitschrift 
1897 Hochzeit mit Claire Guggenheim in Paris (drei Kinder) 
1899 Gründungsmitglied der Künstlerkolonie Darmstadt 
1900 Beteiligung an der Weltausstellung in Paris 
1900-1901 Errichtung der Villa „In Rosen“, Mathildenhöhe Darmstadt, nach Plänen von Joseph Maria 
Olbrich; gesamte Inneneinrichtung, Fassaden- und Gartengestaltung durch Christiansen 
1901 Erste Ausstellung der Künstlerkolonie Darmstadt 
1902 Austritt aus der Künstlerkolonie Da rmstadt; Wohnsitz weiterhin auf der Mathildenhöhe (Villa 
„In Rosen“); fortan längere Aufenthalte in Paris sowie Reisen nach Italien und in die Bretagne; haup t-
sächlich Entwürfe für das Kunsthandwerk 
1904 Beteiligung an der Weltausstellung in St. Louis (USA) 
1911 Umzug nach Wiesbaden; von da an hauptsächlich als Maler tätig (kaum mehr Design für Kuns t-
handwerk) sowie als Verfasser philosophischer Schriften 
Ab 1917 Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Wiesbaden 
1929 Reise in die Bretagne 
1933 Verbot von Ausstell ungen/Veröffentlichungen wegen  jüdischer Herkunft seiner Frau Claire 
Guggenheim; Ausschluss aus der Reichskunst- und der Reichsschrifttumskammer 
† 5. Januar 1945 in Wiesbaden 
 
Ehrungen: 
1899 Ernennung zum Professor durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein 
1999 Anerkennung der Grabstätte von Hans Christiansen (Nordfriedhof Wiesbaden) als Ehrengrab

188 
Wirken in der NS-Zeit 
Hans Christiansen, Gründungsmitglied der Kün stlerkolonie in Darmstadt, (Kunst -)Maler und 
Designer von Kunsthandwerk, lebte seit  1911 in Wiesbaden. Er war dort seit 1917 Lehrer an 
der Kunstgewerbeschule und als Kunstschaffender  tätig, insbesondere als Maler (Por traits), 
auch als Gestalter von hochwertigem Schmuck (im Art Déco). Dazu verfasste er philosoph i-
sche Schriften. 
Bis 1933 v erkehrte die Familie Christiansen in Wiesbaden in besten Kreisen; die Kinder w a-
ren befreundet mit den Söhnen und Töchtern der angesehensten Familien der Stadt. Hans 
Christiansen erhielt als Maler und Schmuck -Designer lukrative Aufträge von Privatpersonen 
und Firmen, darunter die Firma Henkel sowie der Juwelier Carl Ernst. 
1932/1933 verließen die drei Kinder der Familie Deutschland. „Dann kam das schreckliche 
Ende. Die Nazi-Regierung“, wie Christiansens Frau Claire es in einem Brief aus dem Jahr 1947 
formulierte (Zimmermann-Degen II, S.  172). Hans Christiansen erhielt wegen der jüdischen 
Herkunft sei ner Frau , einer geborene n Guggenheim, Ausstellungs - und Publikationsverbot. 
Da er den erforderlichen Nachweis der arischen Herkunft seiner Gattin nicht lief ern konnte, 
wurde er  aus der Reichskunst - und der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen. Laut der 
Erinnerung einer Zeit zeugin soll Christiansen hinsichtlich der  Aufforderung seitens der 
Reichskulturkammer, sich von seiner Frau scheiden zu lassen, 1933 erwidert haben: „Ich las-
se mich nicht scheiden! Heil Hitler“ (zitiert nach Zimmermann-Degen II, S. 173). Er versuchte 
erfolglos, wieder in der Reichskulturkammer Aufnahme zu finden, um seinem Beruf nachg e-
hen zu können. Aus einem tradierten „Fragebogen zur Bearbeitu ng des Aufnahmeantrages 
für die Reichsschrifttumskammer“ von Dezember 1939 geht hervor, dass Christiansen in ke i-
ner NS-Organisation Mitglied war. Unter Bemerkungen trug er ein: „Nachweis der Absta m-
mung folgt nach Eingang der Urkunden“ (BArch, BDC, R 9361 -V/15814; im Bestand findet 
sich ausschließlich der ausgefüllte Fragebogen). Tatsächlich, so Christiansens Biografin Marg-
ret Zimmermann -Degen, habe sich der Künstler darum bemüht sicherzustellen, dass seine 
Frau keine „Volljüdin“ sei und so eine deutsche Ken nkarte zu erhalten habe. Ende 1942 be-
kam Claire tatsächlich eine derartige Kennkarte, wenngleich diese mit zahlreichen Ei n-
schränkungen versehen war. 
Die Informationen zu Christiansens Wirken in der NS -Zeit basieren zu einem Großteil auf 
einem tradierten Br iefwechsel des Malers mit Gustav Dorén (1932 -1941) sowie auf (Tag e-
buch-)Aufzeichnungen seiner Frau Claire. Daraus geht hervor, dass das Ehepaar Christiansen 
bis 1938 noch einigermaß en unbehelligt in der geräumigen  Wohnung in der Wiesbadener 
Wilhelmstraße leben konnte, wenngleich die Verordnungen „betreffs der Juden und Versipp-
ten, zu letzteren wir ja gehörten“ (Claire Christiansen 1947, zitiert nach Zimmermann-Degen 
II, S. 173), ihre Freiheit beständig einschränkten. Besuche bei den Kindern in Paris waren b is 
1938 möglich. Im gleichen Jahr entschied sich das Ehepaar Christiansen, die große Wohnung 
möbliert unterzuvermieten und selbst in die Mansarde des gleichen Hauses zu ziehen. 
Als höchst wertvoller Kontakt sollte sich die Freundschaft von Hans Christianse n mit Karl 
Glässing, dem ehemaligen Oberbürgermeister von Wiesbaden, erweisen. Insbesondere nach

189 
1933 setzte sich dieser für das Ehepaar Christiansen erfolgreich ein und konnte erreichen – 
so zumindest die Einschätzung von Margret Zimmermann -Degen –, dass Claire Christiansen 
auf keiner der Deportationslisten auftauchte (obwohl sich ihr Name auf einer Gestapo -Liste 
aus dem Jahr 1939 befand). Hans Christiansen traf sich regelmäßig mit Glässing, hielt den 
Inhalt der vertraulichen Gespräche aber selbst vor sein er Frau geheim, um diese nicht unn ö-
tig zu beunruhigen. Nach einem Sturz Ende 1942 musste Claire Christiansen fünf Monate 
stationär im Krankenhaus behandelt werden und war auch in der Folge auf die Unterstü t-
zung ihres Mannes angewiesen, der fortan nur noch wenige Portraits von Freunden anfertig-
te, ältere Bilder überarbeitete und an seinen philosophischen Ausführungen schrieb. 
Am 5. Januar 1945 starb Hans Christiansen im Alter von 78 Jahren. Entsprechend liegen ke i-
ne Entnazifizierungsunterlagen vor. 
 
Quellen: 
BArch, BDC, R 9361-V/15814 
StadtA DA, ST 61 Christiansen, Hans und Claire 
 
Literatur: 
Ulmer, Renate: Christansen, Hans. In: Stadtlexikon Darmstadt 2006, S. 128 f. 
Zimmermann-Degen, Margret (I): Hans Christiansen. Leben und Werk eines Jugendstilkünstlers. Kö-
nigstein im Taunus 1981/1985. 
Zimmermann-Degen, Margret (II): Leben und Wirken in Wiesbaden. „Dann kam das schreckliche En-
de. Die Nazi-Regierung.“ In: Beil, Hans et al. (Hrsg.): Hans Christiansen. Die Retrospektive. Institut 
Mathildenhöhe Darmstadt 2014.

190 
Fritz-Dächert-Weg (Q-R 6), benannt 1964 nach 
Fritz Dächert (1902-1963) 
Eberstädter Kommunalpolitiker (SPD) 
 
* 19. Januar 1902 in Eberstadt 
1908-1916 Volksschule in Eberstadt 
1916-1919 Schlosserlehre beim Eisenwerk Eberstadt, Adolf Riesterer; schon zur L ehrzeit Mitglied des 
Deutschen Metallarbeiterverbands 
1919 Nach erfolgreicher Gesellenprüfung Werkzeugmacher bei Motorenfabrik Darmstadt 
1919/1920 Mitglied der USPD (seit 1922 SPD); führende Rolle in der Arbeiterjugend 
Besuch der VHS zur Weiterbildung (Kur se in Kunst, Literatur, Philosophie, Politik, VWL, Arbeitsrecht, 
Sozialpolitik) 
1927 Hochzeit mit Katharina Wälke (fünf Kinder) 
1929-1933 Vorsitzender der SPD in Eberstadt 
1929 Angestellter beim Arbeitsamt Darmstadt 
1930-1933 Leiter der Arbeitsamtsnebenstelle Bensheim 
1931 Vorsitzender der im November 1930 gegründeten Ortsgruppe Eberstadt des „Reichsbanners 
Schwarz-Rot-Gold“ 
1932 Aufbau der „Eisernen Front“ in Eberstadt 
1933 Entlassung aus dem öffentlichen Dienst aus politischen Gründen 
1933 Niederlegen des Postens als SPD-Bezirksvorsitzender Eberstadt (im Mai) 
1937-1944 Werkzeugmacher bei Opel in Rüsselsheim 
1945-1963 Leiter der Bezirksverwaltung Darmstadt-Eberstadt (gleichzeitig Standesbeamter und Orts-
gerichtsvorsteher) 
1946 Ernennung zum Stadtamtmann 
1946-1963 Mitglied der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung Darmstadt (SPD) 
1946 Mitglied im Vorstand des Kreisverbands Darmstadt-Stadt des Roten Kreuzes 
1961 Beförderung zum Magistratsrat (zuvor Stadtoberamtmann) 
† 8. November 1963 in Darmstadt-Eberstadt 
 
Ehrungen: 
1958 Ehrenmitglied der Freiwilligen Feuerwehr Darmstadt-Eberstadt 
1959 Ehrennadel der SPD für 40 Jahre Parteizugehörigkeit 
Ehrenmitglied in zahlreichen Eberstädter Vereinen

191 
Wirken in der NS-Zeit 
Der Sozialdemokrat Fritz Dächert, in (Darmstadt -)Eberstadt vor 1933 und nach 1945 in le i-
tender Funktion politisch tätig, wurde im April 1933 aus politischen Gründen aus seiner Ste l-
lung beim Arbeitsamt Darmstadt (Leiter der Arbeitsamtsnebenstelle Bensheim) auf Grundl a-
ge des „Gesetzes zur Wiederherstellung  des Berufsbeamtentums, §4 Staatsfeindliche Gesi n-
nung“ ohne Pension entlassen . Er sah sich gezwungen, sein Amt als SPD -Bezirksvorsitzender 
in Eberstadt niederzulegen; das „Parteivermögen“ in Höhe von 40 ,05 RM wurde bei ihm b e-
schlagnahmt. Als Vorsitzender d er SPD sowie als Führer des Reichsbanners Schwarz -Rot-
Gold und der Eisernen Font in Eberstadt geriet Dächert in das Visier der Nationalsozialisten. 
Eigenen Aussagen folgend waren die Jahre zwischen 1933 und 1945 geprägt von „wirtschaf t-
liche[n] Entbehrungen und persönlichen Verfolgungen“. Es war ihm zunächst nicht möglich, 
eine Arbeitsstelle zu finden; von April 1933 bis Juli 1937 war er ohne Anstellung. Gelegen t-
lich übernahm er kleinere Jobs, wie etwa 1934 den Vertrieb von Schokoladenhasen für die 
Firma von Paul Wolf. Von April 1937 bis August 1944 arbeitete er als Werkzeugmacher bei 
der Adam Opel AG in Rüsselsheim (später nannte er seine „defaitistische Einstellung“ als 
Grund für das selbst beendete Arbeitsverhältnis). 
In Meldebogen aus dem Jahr 1946 gab Dä chert seine Mitgliedschaft in DAF (1939 -1944) und 
NSV (1938-1945) zu Protokoll. Er war demnach in keiner anderen NS -Organisation Mitglied 
und leistete weder Militär - noch Kriegsdienst (ab 01.05.1941 „reklamiert“). Das „Gesetz zur 
Befreiung von Nationalsozi alismus und Militarismus“ finde bei ihm keine Anwendung, so 
Dächert, da er „Anti -Nationalsozialist“ sei. Von der Spruchkammer wurde er am 17.04.1947 
als „nicht betroffen“ eingestuft. 
Friedrich Wilhelm Knieß kommt zu dem Ergebnis, das Fritz Dächert „[t]rotz  wiederholter Re-
pressionen […] während der Gesamtdauer des Dritten Reichs ein unbeugsamer Gegner des 
Nationalsozialismus“ blieb. 
Fritz Dächert war von 1946 bis zu seinem Tod 1963 Mitglied der Darmstädter Stadtverordne-
tenversammlung für die SPD. Bereits im April 1945 wurde er von Ludwig Metzger unter Z u-
stimmung der amerikanischen Militärverwaltung Darmstadt als Leiter der Ortsverwaltung in 
Darmstadt-Eberstadt eingesetzt. 
 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 40993 (nur Meldebogen) 
HStAD, G 12 A in Nr. 19/7 
StadtA DA, ST 61 Dächert, Fritz 
 
Literatur: 
Dotzert, Roland: Die Darmstädter Kommunalpolitik seit 1945. Namen, Daten, Fakten. Darmstadt 
2007. 
Knieß, Friedrich Wilhelm: Dächert, Fritz. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 133.

192 
Damaschkestraße (P 6), benannt 1951 nach 
Adolf Damaschke (1865-1935) 
Sozialreformer und Volkspädagoge 
 
* 24. November 1865 in Berlin 
Aufwachsen und Schulbesuch in Berlin 
1880-1883 Besuch der Präparandenanstalt (für Volksschullehrer) 
1883-1886 Ausbildung zum Volksschullehrer am „Berliner Seminar für Stadtschullehrer“ 
1888 Zweites Staatsexamen; Volksschullehrer und Vortragstätigkeit 
1891 Vorstandsmitglied (Schriftführer) des „Bundes für Bodenbesitzreform“ 
1893-1896 Schriftführer der Zeitschrift „Der Naturarzt“, Organ des „Bundes der Vereine für volksve r-
ständliche Gesundheitspflege“, in dessen Vorstand Damaschke war 
1895/96 Entlassung aus dem Schuldienst auf eigenen Wunsch; fortan freier Publizist 
1896 Chefredakteur der „Kieler Neuesten Nachrichten“ (nur wenige Monate) 
1896 Mit begründer des „Nationalsozialen Vereins“ (gemeinsam mit Friedrich Naumann; aufgelöst 
1903), für den er 1898 und 1903 zu den Reichstagswahlen antrat (respektables Ergebnis, aber jeweils 
ohne Mandat) 
1898 Mitgründer des sozialreformerischen Vereins „Deutscher Bund für Bodenreform“ ( im gleichen 
Jahr umbenannt in „Bund Deutscher Bodenreformer“) 
1898-1935 Vorsitzender des „Bunds  Deutscher Bodenreformer“ (bis zu seinem Tod) , auch Herausge-
ber der „Blätter für Bodenreform“ 
1900 „Vom Gemeinde-Sozialismus“ 
1902 „Die Bodenreform“ (Hauptwerk, in zahlreichen Auflagen und Übersetzungen erschienen) 
1904 Hochzeit mit Julie Gelzer in Jena (drei Töchter) 
1905 „Geschichte der Nationalökonomie. Eine erste Einführung“ (in zahlreichen Auflagen erschienen) 
Ab 1905 Herausgabe des „Jahrbuchs der Bodenreform“ 
1907 Umzug nach Werder an der Havel 
1914 Herausgeber der Tageszeitung „Deutsche Warte“ 
1915 „Die staatsbürgerliche Aufgabe nach dem Siege“ 
1917 „Friedrich List, ein Prophet und Märtyrer deutscher Weltwirtschaft“ 
1920 Vorsitzender des „Ständigen Beirats für Heimstättenwesen beim Reichsarbeitsministerium“; 
Verabschiedung des Reichsheimstättengesetzes auf Damaschkes Betreiben 
1922 „Marxismus und Bodenreform“ 
1924 „Bibel und Bodenreform“ 
1924/25 Zweiteilige Autobiografie: „Aus meinem Leben“ (1924), „Zeitenwende“ (1925) 
1935 „Ein Kampf um Sozialismus und Nation. Vom Ringen um Boden für jeden Volksgenossen“ 
† 30. Juli 1935 in Berlin

193 
Ehrungen: 
1919 Ehrendoktor der Rechtswissenschaften der Universität Münster 
1925 Ehrendoktor der Theologie der Universität Gießen 
1925 Ehrendoktor der Medizin der Universität Berlin 
1925 Damaschke-Linde (Siedlung „Eigenheim“) und Adolf-Damaschke-Bank in Potsdam 
Ca. 1930 Silberne Staatsmedaille (durch Beschluss des preußischen Staatsministeriums) 
1931 Vorgeschlagen für den Friedensnobelpreis 
Zahlreiche Straßen und Plätze in Deutschland nach Damaschke benannt 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Adolf Damaschke, Sozialreformer und Volkspädagoge, machte sich besonders als Führer der 
Bodenreformbewegung einen Namen. Seine Werke in den Bereichen Nationalökonomie und 
Bodenreformen erschienen im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in zahlreichen Auflagen 
und Übersetzungen. Einer der Erfolge im Zuge seines Kampfs um eine soziale Bodenreform 
(bei der – grob vereinfacht – die Wertsteigerung von Boden der Gesellschaft zu gute ko m-
men sollte) war die Verabschiedung des Reichsheimstättengesetzes 1920. Die aus Damasc h-
kes Sicht notwendige Reform des Enteignungsgesetzes kam allerdings aufgrund der parl a-
mentarischen Mehrheitsverhältnisse nicht zustande. 
Damaschke war Initiator des „Bunds Deutscher Bodenreformer“, dessen Vorsitzender er von 
dessen Gründung 1898 bis zu seinem Tod 1935 war. Auch gab er zahlreiche Zeitschriften und 
Periodika heraus, davon wichtige im Bereich der Bodenreform („Blätte r für Bodenreform“, 
„Jahrbuch der Bodenreform“ etc.), manche bis in die 1930er Jahre hinein. 
Damaschke polarisierte, wurde von Zeitgenossen verehrt oder abgelehnt – und war um 1920 
derart populär, dass er als Kandidat für eine etwaige Volkswahl zum Reichsp räsidenten no-
miniert wurde (zu der es bekanntlich nicht kam; das Parlament einigte sich auf Friedrich 
Ebert). Er stand politisch für „Vaterland, Freiheit, Sozialreform“, wie schon zu Zeiten seines 
politischen Engagements beim Nationalsozialen Vereins. 
Welche Position Damaschke zum Nationalsozialismus einnahm, ist nicht eindeutig zu beu r-
teilen. Mitte der 1920er Jahre setzte er wohl noch große Hoffnungen in die „Hitlerbew e-
gung“, wie in seinen Lebenserinnerungen durchklingt. Zudem befanden sich unter den An -
hängern seiner Bodenreform-Ideen auch Unterstützer der Nationalsozialisten, darunter Mi t-
glieder der NSDAP. Die Leitung der NSDAP stand Damaschke hingegen kritisch bis ablehnend 
gegenüber. 1931 hieß es in einer Erklärung, dass die Partei „kein Interesse hat d ie Bestre-
bungen von Adolf Damaschke zu unterstützen“ (zitiert nach Hugler, S. 24). Zu Beginn der 
1930er Jahre erschien im „Völkischen Beobachter“ eine Reihe von Aufsätzen mit Titeln wie 
„Eine gefährliche Halbheit“, „Verkappter Marxismus“ oder „Bewusste Ver stellung“, in denen 
Damaschkes Veröffentlichungen – und Damaschke persönlich – scharf kritisiert wurden. Der 
Tenor der formulierten Vorwürfe lautete, Damaschkes Bodenreform würde auf marxist i-
schem Gedankengut basieren (er selbst das aber verschleiern oder leugnen) und seine Heim-

194 
stätten-Idee sei offen für alle gedacht (auch für „die vielen Bastarde aus der Rheinlandbese t-
zung, aus Mischehen mit Juden und anderen Fremdrassigen“). Weiter wurde Damaschke 
vorgeworfen, dass er im Vorstand seiner Bewegung Juden bel asse. Als einer seiner schärf s-
ten Kritiker erwies sich Walter Darré (1931 Leiter des Rassen - und Siedlungsamts der SS und 
1933 Reichsbauernführer). In einer Reaktion auf die Veröffentlichungen im „Völkischen B e-
obachter“ erwiderte Damaschke im Jahrbuch der Bodenreform: „Wenn Adolf Hitler den N a-
tionalsozialisten, die sich wahre Sozialisten nennen dürfen, einen Dienst tun will, dann b e-
freie er sie von Herrn Darré“. Von seinen Kritikern wurde Damaschke als „ein innenpolit i-
sches Phänomen bezeichnet, denn kaum ei n anderer Mensch könnte es sich im heutigen 
Deutschland so ungestört wagen, marxistische Ziele zu verfolgen und noch dabei der Gefol g-
schaft weiter völkischer Kreise gewiss zu sein wie Adolf Damaschke“ (Pesl, S. 25). Damaschke 
hatte sich wiederholt von Marx ismus und Kommunismus distanziert. Zu etwa gleicher Zeit 
initiierte der Rechtsprofessor Heinrich Ermann, Adolf Damaschke für den Friedensnobelpreis 
1931 vorzuschlagen (ein Vorhaben, was von Dutzenden Intellektuellen und Verbänden n a-
mentlich unterstützt und im Januar 1931 eingereicht wurde). 
In biografischen Veröffentlichungen zu Adolf Damaschke wird mehrfach geurteilt, Damasc h-
ke habe 1933 resigniert feststellen müssen, dass im NS -Regime eine Zeitenwende ohne ihn 
und die von ihm konzipierte Form der sozialen  Bodenreform stattfand. Er habe sich, so die 
Biografen, vom Nationalsozialismus und dem „Führer“ abgewendet und sich entsprechend 
kritisch geäußert. Als Beleg werden Aussagen von Nachfahren Damaschkes angeführt (die 
sich nicht verifizieren lassen). Nach de r „Machtergreifung“ 1933 sei gegen Damaschke  ein 
Redeverbot ausgesprochen worden  (Hugler, S. 66). Im Vorwort seiner letzten Veröffentl i-
chung („Ein Kampf um Sozialismus und Nation. Vom Ringen um Boden für jeden Volksgeno s-
sen“, Dresden 1935) bezieht Damaschke nicht klar Stellung. 
Immer wieder wird zudem auf die christlich geprägte Motivation Damaschkes verwiesen 
(siehe etwa das Kapitel „Das Fundament: sein Christsein“, Hugler, S. 58 ff.). Theodor Heuss 
bezeichnete Adolf Damaschke als „in seinen Grundantrieben ethisch-humanitär bestimmt“. 
Die letzten Lebensjahre von Adolf Damaschke waren geprägt von einem schweren Krebsle i-
den. Auch deshalb trat er nach 1933 nur noch selten in der Öffentlichkeit in Erscheinung. 
Aufgrund seines Todes im Jahr 1935 existieren keine Entnazifizierungsunterlagen. 
 
Quellen: 
--- 
 
Literatur: 
Damaschke, Adolf: Aus meinem Leben. 2 Bde., Leipzig/Zürich 1924/1925. 
Damaschke, Adolf: Ein Kampf um Sozialismus und Nation. Vom Ringen um Boden für jeden Volksg e-
nossen. Dresden 1935. 
Heuss, Theodor: Damaschke, Adolf Wilhelm Ferdinand. In: NDB, Bd. 3. Berlin 1957, S. 497 f.

195 
Hugler, Klaus: Adolf Damaschke. Gesinnung und Tat. Versuche zum Verständnis und zur Deutung des 
Lebenswerkes eines deutschen Bodenreformers. Cottbus 2015. 
Kassner, Paul: Adolf Damaschke, ein Führer zu Freiheit und Freude. In: Wegweiser für das werktätige 
Volk 7 (1920), S. 33-48. 
Pesel, Ludwig D[aniel]: Nationalsozialismus und Bodenreform. Berlin 1932.

196 
Dr. Valentin-Degen-Weg (K 8), benannt 1994 nach 
Valentin Degen (1902-1961) 
Katholischer Geistlicher 
 
* 3. Januar 1902 in Lorsch 
1921 Abitur (Matura) in Bensheim 
1921-1930 Studium in Innsbruck; Promotion zum Dr. phil. („Der Unterschied von organischer und 
anorganischer Natur nach der Philosophie von H. Driesch“) und Dr. theol. („Georg H ermes und seine 
Stellung in der Philosophie des 19. Jahrhunderts“) 
seit 1922 Mitglied der katholischen Studentenverbindung „Austria“ 
1927 Priesterweihe in Mainz 
1930 Kaplan in Friedberg 
1930-1935 Kaplan in Worms 
1935 Umzug nach Darmstadt, Kaplan (1936/37 Pfarrverwalter) in St. Elisabeth 
1936 Verantwortlicher Redakteur des katholischen Wochenblatts „Darmstädter Nachrichten“  (An-
fang 1937 zwangsweise umbenannt in „Katholisches Kirchenblatt für Darmstadt und Bergstraße“) 
1937-1955/57 Katholischer Studentenseelsorger an der TH Darmstadt 
Ab 1937 Caritas -Sekretär (Direktor der Caritas) in Darmstadt (nach 1945 Bezirksverband Darmstadt 
und Südhessen) 
1937 Sieben Wochen „Schutzhaft“ im Gestapo-Gefängnis Darmstadt 
1939-1945 Mitglied der NSV 
Während des Zweiten Weltkriegs Seelsorger im „Standort-Lazarett“ Darmstadt 
1944 „Ausgebombt“, Aufenthalt im Bensheimer Katharinenstift 
1945 Pfarrverwalter (und später Pfarrer) in St. Ludwig, Darmstadt; maßgeblich involviert in  den Wie-
deraufbau der St. Ludwigskirche sowie in den Bau des Mädchenwohnheims in der Feldbergstraße 
1952-1961 Dekan des Katholischen Dekanats Darmstadt 
1954 Gründung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Darmstadt 
1956 Ernennung zum Geistlichen Rat 
† 16. Oktober 1961 in Darmstadt 
 
Ehrungen 
---

197 
Wirken in der NS-Zeit 
Dr. Valentin Degen, katholischer Geistlicher und nach dem Krieg Dekan des Katholischen 
Dekanats Darmstadt, gelangte 1935 nach Darmstadt , als Kaplan der katholischen Gemeinde 
St. Elisabeth, deren Pfarrverwalter er 1936/37 wurde. Sch on in seiner Zeit als Kaplan in 
Worms (1930-1935) soll er der aufgeschlossenen Jugend „das Rüstzeug gegeben [haben] zu 
aufrechtem Bekenntnis des Glaubens in den Jahren des beginnenden Nationalsozialismus“, 
wie es in einem Nachruf heißt. In Darmstadt überna hm Degen 1937 die Studentenseelsorge 
sowie die Leitung der Caritas. Sein Festhalten an „wahrem Glauben“ habe ihn in Konflikt mit 
dem Nationalsozialismus gebracht, ihm „Bespitzelung, sieben Wochen Gestapohaft und 
strenge Überwachung seiner Arbeit als Studen tenseelsorger in seinen Zirkeln und auf der 
Kanzel eingetragen“ (In Memoriam, S. 17 f.). 
Tatsächlich wurde Degen im Sommer 1937 von der Gestapo verhaftet und vom 28.06. bis 
12.08.1937 im Darmstädter Gestapo-Gefängnis in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Hin-
tergrund der Inhaftierung war die kritische Berichterstattung des „Katholischen Kirchenblatts 
für Darmstadt und Bergstraße“, dessen verantwortlicher Redakteur Degen war. In einem 
Beitrag unter dem Titel „So sieht das katholische Volk seine Priester“ (verö ffentlicht in 
Nr. 24/37 vom 13.06.1937) setzte sich Degen kritisch mit der Berichterstattung im Kontext 
der sogenannten „Sittlichkeitsprozesse“ auseinander. Er erhielt daraufhin eine Verwarnung 
seitens des Reichsministers für Volksaufklärung und Propaganda . Zudem sollte eine aufg e-
zwungene Erklärung zu Degens kritischer Kommentierung in der kommenden Ausgabe veröf-
fentlicht werden. Die Gestapo zwang die Bensheimer Druckerei des „Katholischen Kirche n-
blatts“ eine solche (mit Degens Namen versehene) Erklärung in  die Auflage aufzunehmen. 
Degen wurde vom Drucker informiert und beschwerte sich offiziell. Die Erklärung musste 
dennoch unverändert gedruckt werden, woraufhin Degen und sein Pfarrer -Kollege Danz 
(St. Fidelis) die gesamte Auflage im Griesheimer Pfarrhaus v erbrannten (25.06.1937). Drei 
Tage später wurde Degen verhaftet. Als Haftgrund wurde ihm (so Degen in einem Bericht 
vom 15.03.1947, gedruckt bei Hellriegel, S. 145 -147, hier 147) bei seiner Entlassung „u n-
glaubliche Frechheit“ genannt. 
Degen war von 1938 bi s 1945 Mitglied der NSV und während des Zweiten Weltkriegs See l-
sorger im Standort -Lazarett Darmstadt. In seinem Fragebogen im Zuge des Entnazifizi e-
rungsverfahrens merkte er an, dass er „nichts mit der NSDAP zu tun hatte, sondern prinzip i-
eller u. aktiver Ge gner von Anfang an war“ (24.04.1946). In Befragungen seitens der Amer i-
kaner machte er deutlich, dass er allein das Ausfüllen eines Fragebogens als Zumutung em p-
fand. Den NS bezeichnete er als „inevitable outgrowth of the antihumanism propounded by 
Martin Luther” (zitiert nach Kahn, S. 101). 
In der „Brandnacht“ zum 12. September 1944 war Degen „ausgebombt“ worden. Er fand bis 
Ende Mai 1945 Zuflucht im Katharinenstift in Bensheim.  In der Nachkriegszeit wirkte er als 
Studentenseelsorger, Caritas -Direktor und  Pfarrer der St.  Ludwigsgemeinde Darmstadt. Er 
machte sich unter anderem um den Wiederaufbau der Gemeinde und ihrer Liegenschaften 
(insbesondere der Ludwigskirche) verdient.

198 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 891 (nur Meldebogen) 
HStAD, G 35 E Nr. 51/3 
HStAD, H 3 Nr. 1644 [Kennkartenmeldebogen] 
HStAD, R 12 P Nr. 731 
StadtA DA, ST 61 Degen, Valentin 
 
Literatur: 
Hellriegel, Ludwig (Hrsg.): Widerstehen und Verfolgung in den Pfarreien des Bistums Mainz 1933 -
1945. Bd. 2: Starkenburg, T. 1. Dekanate Ma inz-Land rechtsrheinisch, Bensheim, Darmstadt, Dieburg. 
Mainz 1990, zu Degen S. 143-147. 
In Memoriam. Dr. Dr. Valentin Degen. Darmstadt 1961 [Kopie in StadtA DA, ST 61 Degen, Valentin]. 
Kahn, Arthur D.: Experiment in Occupation. Witness to the turnabout. A nti-Nazi War to Cold War, 
1944-1946. Pennsylvania State University 2004, zu Degen S. 101-105. 
Lehwark, Godehard: Darmstädter Nachrichten. In: Stadtlexikon Darmstadt 2006, S. 151. 
Lehwark, Godehard: Degen, Valentin. In: Stadtlexikon Darmstadt 2006, S. 159. 
Pfarrgemeinderat der katholischen Pfarrgemeinde St.  Elisabeth Darmstadt (Hrsg.): 100  Jahre 
St. Elisabeth Darmstadt 1905-2005. Darmstadt 2005.

199 
Dernburgweg (F 10), benannt 1982 nach 
Bernhard Dernburg (1865-1937) 
Bankier und Politiker 
 
* 17. Juli 1865 in Darmstadt 
Schulbesuche in Darmstadt und (nach Umzug 1875) in Berlin 
1882 Kaufmännische Ausbildung bei der Berliner Handelsgesellschaft 
1885-1886 Einjähriger Militärdienst 
1887 Ausreise in die USA und Fortführung der Ausbildung bei der American Metal Company 
1888 Wechsel zur Bank Ladenburg, Thalmann & Co (USA); Spezialisierung auf Sanierung wirtschaftl i-
cher Unternehmen (ebenfalls in den USA) 
1889 Rückkehr nach Deutschland 
1889-1901 Tätigkeit bei der Deutschen Bank (in leitender Funktion) 
1890 Mitglied des Vorstands der Deutschen Treuhandgesellschaft 
1891 Hochzeit mit Emma Seliger (sechs Kinder) 
1896 Sanierungsprogramm für Northern Pacific Railroad Co. (USA) 
1901 Direktor der „Bank für Handel und Industrie“ in Darmstadt 
Bis 1906 gehörte Dernburg 38 Aufsichtsräte n an ; Aufsichtsratsvorsitzender in Unternehmen der 
Schwerindustrie 
1906 Wechsel in die Politik: D irektor der Kolonialabteilung des Auswärtigen Amts; daraufhin Verkauf 
aller Aufsichtsratsmandate und Aktienbeteiligungen 
1907-1910 Kolonialstaatssekretär: Leiter des neu gegründeten Reichkolonialamts 
1907 (Informations-)Reise nach Deutsch-Ostafrika 
1907 Veröffentlichungen „Koloniale Finanzpolitik“ und „Koloniale Lehrjahre“ 
1908 (Informations-)Reise nach Deutsch-Südwestafrika 
1908 „Dernburgs Programm. Ein Wendepu nkt im Schicksal Deutsch -Ostafrikas. Kolonie oder Nege r-
land unter Deutscher Flagge?“ [unter Pseudonym „Africanus minor“ von Dernburg veröffentlicht] 
1909 mehrwöchige Reise in die USA zum Studium der Baumwollproduktion 
1910 Rücktritt vom Amt des Kolonialstaatssekretärs 
1914 Aufenthalt in den USA; Versuch, der „Gräuelpropaganda“ entgegenzuwirken, scheitert 
1918 Mitglied des Vorstands der DDP 
1919 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung; im Kabinett Scheidemann von April/Mai bis J u-
ni/Juli Finanzminister und Vizekanzler des Deutschen Reichs 
1920-1930 Mitglied des Reichstags für die DDP 
1931-1936 Initiator der Akzept- und Garantiebank, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Akzeptbank AG 
† 14. Oktober 1937 in Berlin

200 
Ehrungen: 
1913 Berufung in das Herrenhaus 
Ehrendoktor der Universitäten Königsberg und München 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Bernhard Dernburg, in Darmstadt geborener Bankier und Politiker, spielte zu Beginn des 
20. Jahrhunderts – insbesondere von 1906-1910 – eine zentrale Rolle in der deutschen Kol o-
nialpolitik. In der Forschung werden entsprechend vor allem Dernburgs Reformen auf di e-
sem Gebiet (teils kontrovers) diskutiert sowie die besonderen Umstände seiner politischen 
Karriere herausgehoben: Es war in der Zeit des Kaiserreichs ungewöhnlich, dass ein jüdisch -
stämmiger Finanzexperte in führender politischer Funktion (als Staatssekretär im Reichsk o-
lonialamt) eingesetzt wurde. 
Bis 1930 gehörte Dernburg dem Deutschen Reichstag an, mit einem Mandat der von ihm 
mitgegründeten DDP. Auf seine Idee hin wurde 1931 im Z uge der Bankenkrise die „ Akzept- 
und Garantiebank“ zur Rettung von Geldinstituten gegründet; bis zur Auflösung 1936 war er 
Vorsitzender des Aufsichtsrats des in Akzeptbank AG umbenannten Instituts. 
Von 1933 an zog sich Dernburg weitgehend aus der Öffentlic hkeit zurück – gezwungenerma-
ßen, wie sein Biograf Werner Schiefel urteilt. Wenngleich zahlreiche persönliche Dokumente 
im Zweiten Weltkrieg verloren gegangen sind, legen tradierte Dokumente nahe, dass er sich 
„zum alten Eisen geworfen“ fühlte (1935). Im Ge iste der nationalsozialistischen Rassepolitik 
galt er als Jude; das NS -Regime ließ den Privatmann Dernburg jedoch wohl weitgehend u n-
behelligt. Bereits in der Kaiserzeit spielte seine jüdische Herkunft eine Rolle – wenngleich 
sein Vater Friedrich im Kindesa lter mit seiner Familie zum protestantischen Glauben konve r-
tiert war; seine Mutter entstammte einer protestantischen Pfarrersfamilie. Sowohl die ant i-
semitische als auch die k onservative Presse hatte 1906 Dernburgs jüdische Herkunft thema-
tisiert und  sich allein aus diesem Grunde gegen seine Berufung in die Reichsverwaltung in 
führender Funktion aus gesprochen. Inhaltlich gab es zeitweise eine Allianz zwischen Der n-
burg und den Antisemiten im Reichstag – die aber fragil war und schnell in Ablehnung u m-
schwingen konnte (siehe dazu ausführlich Christian Stuart Davis). 
Zur Emigration konnte sich Dernburg zunächst nicht entscheiden; später war er zudem zu 
krank. Zwei seiner Söhne wanderten in die USA aus. In unveröffentlichten Aufzeichnungen 
aus dem Jahr 1936, die sich als eine Art Memoiren bezeichnen ließen, äußerte sich Dernburg 
gegenüber dem Nationalsozialismus „vorsichtig kritisch und vermied eine eindeutige Ste l-
lungnahme“, so Schiefel, der das in Privatbesitz befindliche Material einsehen konnte (u n-
terdessen zum Teil veröffentlicht bei Krause -Brewer). Den Antisemitismus betrachtete er 
demnach als „ethischen Fehler des deutschen Charakters“. Aufgrund seines formalen 
Rechtssinns („Rechtsfanatismus“, Schiefel, S. 179) sah er sich zur Loyalität zum (aus seiner 
Sicht u ngeliebten, aber rechtmäßigen) NS -Regime verpflichtet. Dem Juristen Kurt Korf, der 
Dernburg Ende 1936 von seinen Ausreiseplänen berichtete, soll er auf dessen Frage nach 
seiner Einschätzung zur politischen Entwicklung geantwortet haben:

201 
„Die Leute täuschen  sich, wenn sie glauben, daß der Nationalsozialismus von innen heraus zusa m-
menbrechen wird. Das wird nie der Fall sein. Sie täuschen sich auch, wenn sie glauben, daß diese 
Sache sich verbürgerlichen wird, daß Hitler seine Ziele zurückschraubt oder mildert.  Meiner Ansicht 
nach wird der Nationalsozialismus erst nach einer völligen militärischen Niederlage als Abschluß e i-
nes verheerenden Krieges enden. Sie werden selbst dann noch versuchen, mit sich in den Abgrund zu 
reißen, was sie können“ (Krause-Brewer, S. 251 f.). 
In seinen letzten Lebensjahren fand Dernburg, so wiederum Schiefel (S. 180), Befriedigung in 
seiner Rolle als Familienpatriarch. In einem Nachruf auf Dernburg in der englischen Presse 
hieße es: 
„In Nazi Germany Herr Dernburg’s Jewish ancestry deba rred him even if he had wished to do so, 
from playing any part in public life“ (The Daily Telegraph and Morning Post, 16.10.1937). 
In einer SD -Übersicht aus dem Jahr 1939 wird Bernhard Dernburg unter „Erfassung führe n-
der Männer der Systemzeit (Liberalisten – Pazifisten)“ gelistet. 
Da Dernburg 1937 starb, liegen keine Entnazifizierungsa kten vor. Es gibt keine Hinweise d a-
rauf, dass Dernburg in das NS-Regime verwickelt war. 
 
Quellen: 
--- 
 
Literatur: 
Bartmuß, Hartmut: Bernhard Dernburg. Kolonialpolitiker der Kaiserzeit. Berlin 2014. 
Davis, Christian Stuart: Colonialism and Antisemitism during the Kaiserreich: Bernhard Dernburg and 
the Antisemites. In: Leo Baeck Institute Yearbook 53 (2008), S. 31-56. 
Dernburg, Bernhard: Ausschuß zur Untersuchung der Erzeugungs -und Absatzbedingungen der deu t-
schen Wirtschaft. Berlin 1931. 
Hamburger, Ernest: Ein Staatssekretär der wilhelminischen Zeit: Bernhard Dernburg. In: Ders.: Juden 
im öffentlichen Leben Deutschlands. Regierungsmitglieder, Beamte und Parlamentarier in der m o-
narchistischen Zeit, 1848-1918. Tübingen 1968, S. 81-84. 
Krause-Brever, Fides: Vom Brahmsee bis Shanghai. Begegnungen mit Leuten von Format. Mü n-
chen/Hamburg 1987. 
Ritter, Gerhard A.: Dernburg, Bernhard Jakob Ludwig. In: NDB, Bd. 3. Berlin 1957, S. 607 f. 
Schiefel, Werner: Bernhard Dernburg 1865 -1937. Kolonialpolitiker und Bankier im wilhelminischen 
Deutschland. Zürich 1974. 
Schumacher, Martin/Lübbe, Katharina/Schröder, Wilhelm Heinz: M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten 
der Weimarer Republik in der Zeit des Natio nalsozialismus. Politische Verfolgung, Em igration und 
Ausbürgerung, 1933-1945. Eine biographische Dokumentation. Düsseldorf ³1994. 
Utermark, Sören: „Schwarzer Untertan versus schwarzer Bruder“ – Bernhard Dernburgs Reformen in 
den Kolonien Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika, Togo und Kamerun. Kassel 2012.

202 
Ludwig-Engel-Weg (J 9-10), benannt 1981 nach 
Ludwig Engel (1906-1975) 
Darmstädter Oberbürgermeister (1951-1971) 
 
* 30. November 1906 in Darmstadt 
1913-1925 Besuch des Realgymnasiums in Darmstadt 
1925-1929 Studium der Rechts - und Staatswissenschaften an den Universitäten Heidelberg, Mü n-
chen, Berlin, Frankfurt am Main und Gießen 
1925-1933 Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold 
1929 Referendarausbildung im Hessischen Justizdienst 
1929-1933 Mitglied des Republikanischen Richterbunds 
1932 Große Juristische Staatsprüfung und Promotion zum Dr. jur. „Über die Rechtsnatur des Tarifver-
trags, zugleich ein Versuch über das Problem Staat, Demokratie und soziale Klassenverbände“ 
1933 Entlassung aus dem H essischen Justizdiens t (Gerichtsassessor in Gießen) wegen politischer 
Unzuverlässigkeit gemäß § 4 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums 
1933 Niederlassung als Rechtsanwalt in Darmstadt 
1935-1943 Rechtsanwaltsgemeinschaft (Sozietät) mit Ludwig Metzger in Darmstadt 
1935 Entzug der Verteidigung am Strafsenat des Oberlandesgerichts Darmstadt 
1937-1945 Mitglied der NSV 
1937-1945 Mitglied des NS-Rechtswahrerbunds 
1937-1945 Mitglied des RLB 
1943-1945 Kriegsdienst (ab 23.05.1943; Heer, Dienstgrad: Gefreiter) 
1945-1946 Amerikanische Kriegsgefangenschaft (von März 1945 bis Mai 1946) 
1946 Rechtsanwalt und Notar in Darmstadt 
1948 Vizepräsident des Hessischen Staatsgerichtshofs 
1949 Ernennung zum Senatspräsidenten beim Hessischen Oberlandesgericht, Leitung der Zweigstelle 
Darmstadt 
1951-1971 Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt 
1954 Gründung der Gesellschaft für christlich -jüdische Zusammenarbeit in Darmstadt  (Erstunter-
zeichner) 
1956-1968 Präsident der deutschen Sektion des Rats der Gemeinden Europas 
1958-1960 Mitglied des Hessischen Landtags 
1971 Ruhestand 
† 26. September 1975 in Darmstadt

203 
Ehrungen: 
1955 Ehrensenator der TH Darmstadt 
1971 Freiherr-vom-Stein-Plakette des Landes Hessen 
1971 Ehrenbürger der Stadt Darmstadt 
Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der BRD mit Schulterband und Stern 
Ehrenpräsident der Deutschen Sektion des Rats der Gemeinden Europas 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Ludwig Engel, promovierter Jurist und nach dem Zweiten Weltkrieg langjähriger Darmstädter 
OB, war zur Zeit der „Machergreifung“ als Gericht sassessor bei der Staatsanwaltschaft Gi e-
ßen tätig. Im Oktober 1933 wurde er wegen politischer Unzuverlässigkeit (gemäß § 4 des 
Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums) entlassen. Engel war Mitglied des 
Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold (bis zu de ssen Auflösung 1933 ), was ihm – so Engel in se i-
nem Meldebogen vom 18.04.1946 – als „Antinazistische Betätigung“ ausgelegt wurde. Z u-
dem war er Mitglied des Republikanischen Richterbunds  (seit 1929), dessen Mitglieder nach 
der Auflösung 1933 in großer Zahl aus gleichem Grund entlassen wurden. 
Nach seiner Entlassung aus dem Staatsdienst arbeitete Ludwig Engel als Rechtsanwalt in 
Darmstadt. 1934 gründete er gemeinsam mit Ludwig Me tzger eine Anwaltsgemeinschaft  
(offizieller Praxiszusammenschluss am 15.04.1935). Die juristische Tätigkeit war nur unter 
Einschränkungen möglich. Wie Engel selbst berichtete, wurden die beiden Rechtsanwälte 
bereits 1935 „dadurch gemassregelt [sic!], dass uns die Verteidigung am Strafsenat des 
Oberlandesgerichts Darmstadt, vor dem die s ogenannten Hochverratssachen verhandelt 
wurden, entzogen wurde, weil wir als Wahlverteidiger für frühere Kommunisten und Sozia l-
demokraten auftraten und die Interessen unserer Kl ienten mit Nachdruck wahrnahmen “ 
(Ludwig Engel, 08.07.1947, HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 5). 
Ludwig Engel war (laut Meldebogen vom 18.06.1946) von 1937-1945 Mitglied der NSV, des 
RLB sowie der Berufsorganisation NS -Rechtswahrerbund (jeweils ohne Amt; „Angaben über 
das Eintrittsdatum erfolgen nach bestem Wissen und Gewissen , da sämtliche Unterlagen 
verbrannt sind“).  Im Mai 1943 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, wo er als Gefreiter 
beim Heer Kriegsdienst leistete; im März 1945 geriet er in amerikanische Kriegsgefange n-
schaft, aus der er im Mai 1946 entlassen wurde. Im Zuge de s Entnazifizierungsverfahrens 
wurde ihm bescheinigt, dass er „Vom Gesetz nicht betroffen“ sei – was sich mit seiner d o-
kumentierten Selbsteinschätzung deckte. 
Über die Art der Tätigkeit als Rechtsanwalt 1933 -1943 geben die überlieferten zeitgenöss i-
schen Quellen nur bedingt Auskunft. Engel selbst berichtet von diversen Schikanen, die ihm 
(und seinem Sozietäts -Partner Metzger) seitens des NS -Regimes die Arbeit erschwerten. 
Zudem gab Engel an, Wilhelm Leuschner habe über Metzger 1944 Kontakt zu ihm aufg e-
nommen und anfragen lassen, „ob ich bereit sei, bei Gelingen einer bestimmten Aktion – 
was damit gemeint war, dürfte heute klar sein – eine Position in Regierung oder Verwaltung

204 
zu übernehmen, was ich vorbehaltlos bejahte“ (verifizieren lässt sich diese Darstellu ng 
nicht). Das Büro samt Einrichtung wurde in der „Brandnacht“ 1944 weitgehend zerstört. 
Im Zuge eines Spruchkammerverfahrens, in dem Ludwig Engel die Verteidigung eines gewi s-
sen Karl Groh (ehemaliges Mitglied der NSDAP) übernahm, wurde Engel vom Belastung szeu-
gen Peter Keukert scharf attackiert – und seinerseits belastet. Engel habe, so Keukert, im 
Darmstädter Gasthaus „Zum Alten Peter“ mit der Gestapo Orgien gefeiert. Zu der Anschuld i-
gung nahm Engel ausführlich Stellung (Schreiben vom 08.07.1947, siehe obe n). Tatsächlich 
sei er regelmäßig im genannten Lokal verkehrt; gemeinsam mit weiteren Mitgliedern eines 
Skat-Stammtischs, „die sämtlich nicht der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen angehörten 
und nahezu alle, das darf ohne weiteres gesagt werden, Antifasc histen waren“. Im „Alten 
Peter“ verkehrten auch Nazis, „die der SS und dem SD angehörten. Zu diesen unterhielten 
meine Freunde und ich keinerlei persönliche Beziehungen.“ Es sei zu Auseinandersetzungen 
gekommen, die Engel als „nicht ungefährlich“ einschätz te. Allerdings habe es auch Kontakt 
gegeben: 
„Es kam vor, das, wenn meine Freunde und ich zu den letzten Gästen im „Alten Peter“ gehörten und 
am Büffet noch ein Glas Bier tranken, Leute des Tisches, an dem die uniformierten Nazis sassen [sic!], 
ebenfalls an das Büffet traten, um noch etwas zu trinken. Dabei kam es auch zu Gesprächen oder, 
besser gesagt, zu Gesprächsfetzen. Wir gingen dem nicht aus dem Wege, denn dies erschien eine r-
seits zu gefährlich, andererseits hofften wir, in vorgerückter Stunde viellei cht einmal etwas erfahren 
zu können, was dem Einen oder Anderen von uns oder einem unserer sonstigen Freunde von Nutzen 
sein könnte.“ 
Die Anschuldigungen gegen Engel wurden nicht weiter verfolgt, da die Glaubwürdigkeit des 
Zeugen in Frage gestellt wurde (e r hatte 1936 einen Mietstreit gegen Karl Groh verloren – 
Verteidiger damals: Ludwig Engel! – und der von Keukert genannte Zeuge, der Wirt des „A l-
ten Peter“, bestätigte Keukerts Anschuldigungen nicht). 
Die eingesehenen Quellen liefern keine Hinweise auf ein e aktive Teilhabe von Ludwig Engel 
am NS-System. Auch der Historiker Albrecht Kirschner fand bei seinen Recherchen zur „NS -
Vergangenheit ehemaliger hessischer Landtagsabgeordneter“ keine Hinweise auf eine Ve r-
wicklung von Ludwig Engel in das NS-Regime (Kirschner, S. 62). 
 
Quellen: 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 5 
HStAD, G 24 Nr. 145 
HStAD, H 3, 2274 [Kennkartenmeldebogen] 
HStAD, R 12 P Nr. 1094 [Kriegssachschäden-Akte (Kopie)] 
HStAD, G 28 Darmstadt Nr. G 546 [Personalakten der Referendare] 
StadtA DA, St 61 Engel, Dr. Ludwig [4 Mappen]

205 
„Engel, Ludwig“. In: Hessische Biografie [www.lagis-hessen.de/pnd/118530291] (Zugriff: 13.05.2016) 
 
Literatur: 
Dotzert, Roland: Engel, Ludwig. In: Stadtlexikon Darmstadt 2006, S. 208 f. 
Dotzert, Roland: Die Darmstädter Kommunalpolitik seit 1945. Namen, Daten, Fakten. Darmstadt 
2007. 
Kirschner, Albrecht: Abschlussbericht der Arbeitsgruppe zur Vorstudie „NS-Vergangenheit ehemaliger 
hessischer Landtagsabgeordneter“ der Kommiss ion des Hessischen Landtags für das Forschungsvo r-
haben „Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen“. Wiesbaden 2013. 
Lange, Thomas: „…im weitesten Sinn all derer, die guten Willens sind“. Die ersten Jahrzehnte der 
GCJZ Darmstadt. In: Ders ./Triebel, Lothar (Hrsg.): „Geh nicht den alten Weg zurück!“ Festschrift zum 
sechzigjährigen Bestehen der Gesellschaft für Christlich -Jüdische Zusammenarbeit 1954-2014. Darm-
stadt 2014, S. 17-49.

206 
Esselbornstraße (F 10), benannt 1981 nach 
Karl Esselborn (1879-1940) 
Landesbibliotheksdirektor, Autor und Heimatforscher 
 
* 1. Februar 1879 in Stuttgart 
1880 Umzug nach Darmstadt (Vater dort Lehrer an der Landesbaugewerkschule) 
1885-1897 Besuch des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt 
1897-1901 Studium der Philol ogie und Rechtswissenschaften in Heidelberg (bis 1898/99) und 
Rechtswissenschaften in Gießen 
1901 Tätigkeit als Gerichtsassessor (juristischer Vorbereitungsdienst) in Darmstadt 
1902 Promotion zum Dr. jur. in Gießen „Die Ministerverantwortlichkeit im Großherzogtum Hessen“ 
1902/03 Militärdienst als „Einjährig-Freiwilliger“ 
1904 Akzessist an der Großherzoglichen Hofbibliothek in Darmstadt (später Hessische Landesbiblio-
thek), von da an in deren Diensten (bis zu seinem Tod) 
1905 Ernennung zum Hilfsbibliothekar; Veröffentlichung der Übersetzung von Cesare Beccarias 
„Über Verbrechen und Strafen“ aus dem Italienischen 
1906 Hochzeit mit der Witwe Wilhelmine „Helma“ Voigt (geb. Ebel) in Gießen 
Ab 1907 Verfasser und Herausgeber  zahlreicher Veröffentlichungen zu Darmstä dter und hessischer 
Geschichte, darunter „Hessische Volksbücher“  (1908-1938), „Hessische Biographien“  (1918-1934), 
„Darmstädter Originale“ (1918), „Schriften zur hessischen Geschichte, Landes- und Volkskunde“ 
1912 Ernennung zum Bibliothekar 
1914-1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg (Offizier, Rittmeister) 
1919/20-1922 Herausgeber der Zeitschrift „Hessische  Heimat", in der er zahlreiche eigene Artikel 
veröffentlichte 
1923 Promotion zum Dr. phil. in Gießen „Der Deutschkatholizismus in Darmstadt“ 
1925-1940 Herausgeber des „Hessischen Landkalenders“ 
1933 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 1888932) 
1934 „Hundert Jahre Historischer Verein für Hessen“ 
1934 Herausgabe des (einmalig erschienenen) „Nationalsozialistischen Hessenkalenders“ 
1935 „Darmstädter Gärten“ 
1935-1940 Direktor der Hessischen Landesbibliothek (seit 1934 deren stellvertretender Direktor) 
† 18. März 1940 in Darmstadt 
Langjähriges Mitglied des Historischen Vereins für Hessen 
 
Ehrungen: 
1908 Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen 
1922 Professorentitel der Universität Gießen

207 
Wirken in der NS-Zeit 
Karl Esselborn, Direktor der Hessischen Landesbibliothek und profunder Kenner der hess i-
schen und Darmstädter Geschichte, stand seit 1904 in Diensten der Hessischen Landesbibli o-
thek (damals noch Großherzogliche Hofbibliothek, heute ULB) in Darmstadt. Er war Verfas-
ser und Herausgeber zahlreicher Veröffentlichungen zu lokaler und regionaler Geschichte. 
1935 trat Esselborn a ls Direktor der hessischen Landesbibliothek in Darmstadt  offiziell die 
Nachfolge von Hanns Wilhelm Eppelsheimer an, der im Herbst 1933 aus politischen Gründen 
in den vorzei tigen Ruhestand versetzt worden war . Bereits seit 1934 wirkte Esselborn als 
stellvertretender Direktor der Bibliothek. 
Esselborn war seit 1933 Mitglied  der NSDAP (Mitglieds -Nr. 1888932). In seinem Tagebuch 
aus dem Jahr 1933, S.  17, findet sich unter dem 29.  April 1933 lediglich der Eintrag : „29. 
Diensttermin. – bei Winter. – Eintritt in die NSDAP; Beitrag an Herrn [nicht eindeutig zu en t-
ziffern, HK] bezahlt.“ Ein weiterer Eintrag vom 2. Juni 1933 (S. 27) verweist auf eine komplett 
der NSDAP beigetretene Einheit , die nicht näher beschrieben wird. [Es liegt die Kopie eines 
weiteren Tagebuchs aus dem Jahr 1934 vor, das nicht vollständig ausgewertet wurde.] 
Bis 1938 gab Esselborn Publikationen in der Reihe „Hessische Volksbücher“ heraus, Leben s-
erinnerungen von Johannes Weitzel 1934, Wilhelm Ulrich 1936, Dosch/Ihrig 1937 und Georg 
Ludwig Kriegk 1938. 1934 erschien der dritte und letzte Band der „Hessischen Biog raphien“ 
(herausgegeben von Herman Haupt). Im gleichen Jahr erschien – im Format dem „Hess i-
schen Landkalender“ ähnlich, den Esselborn bis zu seinem Tod herausgab – die einzige Aus-
gabe des „Nationalsozialistischen Hessenkalenders“ (warum die Reihe nicht for tgesetzt wur-
de, ließ sich nicht klären) unter der Schriftleitung von Karl Esselborn. Das Vorwort (unte r-
zeichnet mit „Der Verlag“) endete mit den Worten: 
„Möge es dem Nationalsozialistischen Hessenkalender vergönnt sein, zu seinem Teil an dem großen 
Werke des Wiederaufbaues des Deutschen Reiches durch den Führer Adolf Hitler beizutragen. Dar m-
stadt, 28. August 1933 Heil Hitler!“ 
Dem eigentlichen Kalender voran gestellt findet sich das Horst -Wessel-Lied. Auf die Kale n-
derblätter folgen Beiträge verschiedener Au toren zu nationalsozialistischen Themen, etwa 
„Die Geschichte der nationalsozialistischen Bewegung in Hessen“ (Wilhelm Haug), „Der U m-
sturz in Darmstadt“ (Hermann Reiße), „Deutsches Volkstum“ (Friedrich Wentzel). Die Beitr ä-
ger begrüßen durchweg das NS -Regime und seine Protagonisten, teils in glorifizierender 
Wortwahl. Ein Beitrag stammt unter dem Titel „Die Spitzen der hessischen Regierung“ (S. 28-
31) aus der Feder des „Schriftleiters“ (Herausgebers) selbst. Esselborn skizziert darin die L e-
bensläufe von vier Spitzenpolitikern der NSDAP in Hessen: Jakob Sprenger, Friedrich Werner, 
Philipp Wilhelm Jung und Friedrich Ringshausen. Keines der Porträts enthält einen Anhalt s-
punkt dafür, dass Esselborn den porträtierten Personen kritisch gegenüber gestanden hätte. 
Positionen, Funktionen und Werdegänge werden kritiklos vorgestellt, wobei Esselborn seine 
eigene Meinung nicht in den Vordergrund rückt (anders als dies in anderen Beiträgen der 
Fall ist).

208 
Weitere eingesehene Beiträge Esselborns nach 1933 sind im Duktus der Zeit verfasst, tragen 
aber keine offensichtlich antisemitischen oder den Nationalsozialismus ausdrücklich verher r-
lichenden Aussagen [seine im Nachlass überlieferten handschriftlichen Notizbücher beziehen 
sich hauptsächlich auf Neuerscheinungen/Lektüre und Theaterereignisse, ULB Nachlass 167, 
Kasten 3]. 
Im Nachruf von Wilhelm Martin Becker in den Mitteilungsblättern des Historischen Vereins 
für Hessen hieß es, Esselborn sei „ seinem Volk und der Partei […]  ein treuer Genosse“ gewe-
sen (S. 373). 
Da Karl Esselbo rn 1940 starb, liegen keine Entnazifizierungsdokumente vor. In welchen NS -
Organisationen (außer der NSDAP) Esselborn Mitglied war, ließ sich nicht ermitteln. 
 
Quellen: 
BArch, NSDAP-Mitgliederkartei 
HStAD, G 35 E Nr. 74/35 
HStAD, O 59 Esselborn Nr. 1 + Nr. 2 [Tagebuchaufzeichnungen 1933-1934] 
HStAD, O 61 BDC Nr. 35 
HStAD, R 12 P Nr. 1135 [Zeitungsartikel] 
StadtA DA, ST 61 Esselborn, Karl 
ULB Darmstadt, Nachlass 167 Karl Esselborn 
 
Literatur: 
Becker, Wilhelm Martin: Nachruf. Karl Esselborn.  In: Mitteilungsblätter des Historischen Ver eins für 
Hessen 1 (1937-1940), S. 373-376. 
Esselborn, Karl (Hrsg.): Nationalsozialistischer Hessen-Kalender 1934. Darmstadt 1934. 
Kempken, Werner: Esselborn -Bibliographie. Die Schriften des Darmstädter Bibliothekars, Historikers 
und Publizisten Karl Esselborn. Teil 1: 1902-1924. Bensheim 1991. 
Stoll, Wilhelm: Esselborn, Karl (Sohn). In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 218 f.

209 
Eysenbachstraße (P 6), benannt 1958 nach 
Philipp Eysenbach (1872-1946) 
Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Eberstadt 
 
30. März 1872 in Eberstadt 
1876 Umzug innerhalb von Eberstadt (nach Darmstädter Str. 6, Neubau Elternhaus) 
1878-1883 Besuch der Volksschule in Eberstadt 
1883 Besuch der Realschule in Darmstadt 
Kaufmännische Ausbildung in einer  „Drogengroßhandlung“ in Frankfurt am Main; Arbeit im elterl i-
chen Betrieb 
1888-1945 [eigenen Angaben folgend] Mitglied im (Deutschen) Reichsbund für Leibesübungen [erst 
1934 gegründet (ab 1938 NSRL); bis 1934 vermutlich in Vorgängerorganisationen] 
1894-1896 Militärdienst beim Feld-Artillerie-Regiment 25 in Darmstadt 
1899 Übernahme des elterlichen Geschäfts (Ölmühle, Ölhandel) durch Bruder Heinrich 
1902-1938 Besitzer eines Kolonialwaren-, Drogen- und Farbengeschäfts in Eberstadt (Ecke Heidelber-
ger Landstraße/Büschelstraße) 
1902 Hochzeit mit Sophie Elisabeth Schwinn aus Nieder-Beerbach 
1903 Geburt des Sohns Karl 
1914 Tod der Mutter 
1915-1918 Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg 
1919-1945 [eigenen Angaben folgend] Mitglied der NSKOV [erst 1933 gegründet; bis 1933 vermutlich 
in Vorgängerorganisation(en)] 
1927-1946 Vorsitzender des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Eberstadt 
1927-1931 Verschönerungsm aßnahmen in und um Eberstadt sowie Anlage  des Naturpfads in Ebe r-
stadt (dessen Einweihung am 11.07.1931) 
Seit 1935 Angehöriger des Opferrings (vermutlich) der NSV 
1935-1945 Mitglied der NSV 
1937-1945 Mitglied der NSDAP [Mitglieds-Nr.: unbekannt] 
1938 Übergabe des Ladengeschäfts an Sohn Karl 
1938-1946 Mitglied des Roten Kreuzes 
† 7. Oktober 1946 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1937 (?) „Eysenbach-Brünnchen“ in Eberstadt nach Philipp Eysenbach benannt 
„Eysenbach-Zimmer“ im Rathaus Darmstadt-Eberstadt (1975 aufgelöst)

210 
Wirken in der NS-Zeit 
Philipp Eysenbach, Besitzer eines Kolonialwaren -, Drogen- und Farbengeschäfts in Eberstadt 
(1902-1938, anschließend Übertragung des Geschäfts an den Sohn), trat besonders als Vor-
sitzender des Verkehrs - und Verschönerungsvereins Eberstadt  (1927-1946) in Erscheinung. 
Er gilt als der Schöpfer des 1931 eingeweihten Naturpfads in Eberstadt. 
Über sein Wi rken in der NS -Zeit geben (nur) autobiografische Veröffentlichungen sowie die 
Dokumente des Entnazifizierungsverfahrens Auskunft. Demnach war Philipp Eysenbach seit 
1937 Mitglied der NSDAP. Die Eigenangabe im Meldebogen wurde vom angefragten Polize i-
präsidium bestätigt: „Soweit von hier aus festgestellt werden konnte, war der Privatier Ph i-
lipp Eysenbach seit dem Jahre 1937 Mitglied der NSDAP; eine Unterlage darü ber liegt hier 
jedoch nicht vor“ (Polizeipräsidium Darmstadt, 09.11.1946). In der NSDAP -Mitgliederkartei 
des BDC ließ sich die Angabe nicht verifizieren – möglicherweise wurde die Mitgliedskarte 
alphabetisch falsch einsortiert (bei Schreibweisen mit „y“ häufiger der Fall). 
Eysenbach war zudem Mitglied in den NS -Organisationen Reichsbund für Leibesübung en 
(NSRLB) und in der Kriegsopferversorgung (NSKOV). Laut Polizeipräsidium konnte ermittelt 
werden, dass er „seit 1935 Angehöriger des Opferrings war und der NSV angehörte“ (letzt e-
res deckt sich mit seinen Eigenangaben). Durch den genannten Zusammenhang ha ndelte es 
sich vermutlich um den „Opferring“ des NSV (der eine reine Wohlfahrtseinrichtung war) und 
nicht um den Opferring der NSDAP. 
In seinen Lebenserinnerungen (verfasst 1944, veröffentlicht 1982) ging Eysenbach nicht auf 
seine NSDAP-Mitgliedschaft ein. Er formulierte darin: 
„Man hatte gehofft, der Krieg würde nach dem erfolgreichen Anfang nicht so lange dauern. Leider 
haben wir heute, den 24. Januar 1944, die Dauer des ersten Weltkrieges schon überschritten und 
sehen noch kein Ende. Die Rückschläge der letzten Jahre erfüllen uns mit Sorge, und die Fliegerangrif-
fe lassen uns nicht zur Ruhe kommen. Wir müssen aber aushalten, denn auf andere Weise läßt sich 
der Krieg nicht zu einem glücklichen Ende führen. Schließlich haben die Kameraden an der Front doch 
noch mehr zu erdulden.“ 
Aus seinem Kriegstagebuch aus den Jahren 1944-1946 – das 1982 „gekürzt“ publiziert wurde 
(wobei der editorische Eingriff in das Manuskript nicht dokumentiert wird) – geht hervor, 
dass Eysenbach ein Freund des Volkslieds  war – und keiner des Jazz . Er wünschte sich Fri e-
den und einen deutsche n Sieg, wobei er an letzteres nicht mehr recht glaubte (und gegen 
Ende des Kriegs überhaupt nicht mehr). Er schildert eindrücklich die „Brandnacht“ und deren 
Folgen (auch in Eberstadt) sowie ausdrück lich, dass die Fliegeralarme und die Ungewissheit 
kaum auszuhalten waren. Hinweise auf eine Einbindung in das NS -Regime finden sich in der 
veröffentlichten Version des Kriegstagebuchs keine. 
Im Zuge seines Entnazifizierungsv erfahrens äußerte Eysenbach folg ende Selbsteinschätzung: 
„Da ich mich nicht aktiv betätigt und keinen Rang bekleidet habe, glaube ich, daß das Gesetz 
auf mich keine Anwendung findet.“  Am 09.05.1947 wurde das Verfahren eingestellt, weil 
Eysenbach unterdessen gestorben war und die Ermittlu ngen im Zuge des Verfahrens „ein 
aktivistisches Verhalten des Betroffenen im Sinne des Gesetzes“ nicht belegen konnten.

211 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Stadt, Nr. 1392/47 E 
HStAD, H 3 Nr. 2376 [Kennkartenmeldebogen] 
HStAD, H 14 Darmstadt Nr. F 441/992 [Nachlass Philipp Eysenbach] 
HStAD, H 14 Darmstadt Nr. R 1039 
StadtA DA, ST 15 A 19/59 [Verkehrs- und Verschönerungsverein Darmstadt und Umgebung e. V.] 
StadtA DA, ST 45 Nachlaß Franz Best [Ortschronik „Mein geliebtes Eberstadt, mein geliebter Franken-
stein“] NICHT eingesehen 
 
Literatur: 
Eysenbach, Philipp: Meine Erinnerungen. Eberstädter Heimathefte 4. Darmstadt 1982. 
Eysenbach, Philipp: Mein Kriegstagebuch. Eberstädter Heimathefte 5. Darmstadt 1982. 
Weißgerber, Wolfgang: Eberstadt im 19. Jahrhundert. Ein heimatkundlicher Bericht. Darmstadt 1969.

212 
Helmut-Fuchs-Weg (E-F 7-8), benannt 2002 nach 
Helmut Fuchs (1922-2000) 
Bezirksverwalter in Darmstadt-Arheilgen 
 
* 16. Februar 1922 in Goldberg (Niederschlesien) 
Ausbildung auf dem Landratsamt Goldberg 
1941 Reichsarbeitsdienst 
1941-1945 Kriegsdienst und Kriegsgefangenschaft 
1945 im Sommer Entlassung aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft 
1945 Tätigkeit beim Landratsamt Marburg 
1946 Hochzeit mit Ruth Anni Hollan-Merten 
1949 Übersiedlung nach Darmstadt; Tätigkeit bei m Institut für sozialwissenschaftliche Forschungen 
in Darmstadt; anschließend Verwaltungsangestellter beim Landeswohlfahrtsverband, hier Vorsitze n-
der des Gesamtpersonalrats von Hessen 
1956-1967 Stadtverordneter in Darmstadt (SPD) 
1967-1972 ehrenamtlicher Stadtrat und Mitglied des Magistrats 
1972-1983 Bezirksverwalter in Darmstadt-Arheilgen [CDU war strikt gegen seine Ernennung!] 
† 18. September 2000 in Darmstadt 
Mitbegründer der IG Arheilger Vereine 
 
Ehrungen: 
1983 Jubiläumsmedaille der Stadt Darmstadt 
1983 Ehrenurkunde der Fritz-Wernath-Stiftung 
1987 Bronzene Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Über das Wirken von Helmut Fuchs, ehemaliger Bezirksverwalter in Darmstadt -Arheilgen 
(SPD), in der Zeit des Nationalsozialismus ist wenig bekannt. 
Fuchs war 1933 erst elf und 1939 bei Kriegsbeginn 17 Jahre alt. Er leistete 1941 den obligato-
rischen Dienst beim RAD. 1941/42 durchlief er die Ausbildung zum Flieger (Flieger -Regiment 
53), von 1943 an diente er in der Panzer -Abteilung Feldherrenhalle. Er geriet in amerikan i-
sche Kriegsgefangenschaft, aus der er im Sommer 1945 entlassen wurde. Es ließen sich keine 
Entnazifizierungsdokumente ermitteln (obwohl er 1945 beim Landratsamt Marburg tätig 
war). Auch im Bundesarchiv lagen keine (personalisierten) Dokumente zu Helmut Fuchs vor.

213 
Quellen: 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
HStAD, R 12 P Nr. 1414 
StadtA DA, ST 61 Fuchs, Helmut 
 
Literatur: 
Dotzert, Roland:  Die Darmstä dter Kommunalpolitik seit 1945.  Namen, Daten, Fakten. Darmstadt 
2007.

214 
Stefan-George-Weg (L 8), benannt 1957 nach 
Stefan George (1868-1933) 
Dichter 
 
* 12. Juli 1868 in Büdesheim bei Bingen 
Besuch der Realschule in Bingen 
1882-1888 Besuch des Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt 
1887 Veröffentlichung der Zeitschrift „Rosen und Disteln“, darin Publikation erster Gedichte 
1888/89 Reisen durch Westeuropa 
1889-1891 Studium an der Berliner Univers ität; Besuch von  Vorlesungen in Philosophie, Romanistik, 
Anglistik, Germanistik und Kunstgeschichte 
1890 Erster Gedichtband/Zyklus „Hymnen“ 
1891 Gedichtband „Pilgerfahrten“; Beginn zahlreicher Übersetzungen; Freundschaft mit Hugo von 
Hofmannsthal 
1892 Mitherausgeber der „Blätter für die Kunst“; aus dem Mitarbeiterkreis erwächst der sogenannte 
„George-Kreis“ als ein loses Bündnis junger Lyriker um George als geistige Autorität („Meister“) 
1897 Gedichtband „Das Jahr der Seele“ 
1898 Erste Begegnung mit Georg Bondi in Rom, der fortan alle Bücher Georges (und viele des Geo r-
ge-Kreises) herausgeben sollte 
1899 Gedichtband  „Teppich des Lebens und d ie Lieder von Traum und Tod mit einem Vorspiel“ ; 
Freundschaft mit Friedrich Gundolf 
1907 Gedichtband „Der siebente Ring“ 
1910-1912 „Jahrbuch für geistige Bewegung“ 
1914 Gedichtsammlung „Der Stern des Bundes“ 
1917 Veröffentlichung von „Der Krieg“ 
1919 Heidelberger Treffen 
1923 Erste Zusammenkunft mit den Brüdern Stauffenberg, die fortan zum George-Kreis zählten 
1928 Gedichtband „Das Neue Reich“ 
1928 Letzte große Lesung des George-Kreises 
1933 Ablehnung der ihm angetragenen (Ehren-)Mitgliedschaft einer neuen „Deutschen Akademie für 
Dichtung“ sowie von Ehrungen anlässlich seines 65. Geburtstags; Rückzug in die Schweiz 
† 4. Dezember 1933 in Minusio bei Locarno (Tessin, CH) 
 
Ehrungen: 
1927 Goethepreises der Stadt Frankfurt am Main 
1932 Goethe-Medaille (von Hindenburg gestiftet)

215 
Wirken in der NS-Zeit 
Stefan George gilt als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker des beginnenden 
20. Jahrhunderts. Seine Werke nahmen zunehmend eine prophetische und religiöse De u-
tungsebene a n. Von besonderer Bedeutung (und nur schwe r von der Person Georges zu 
trennen – gerade Georges Wirkung in der NS-Zeit über seinen Tod im Dezember 1933 hinaus 
betreffend) ist der ihn umgebene Kreis junger Literaten (George -Kreis), die ihren „Meister“ 
verehrten. 
Georges Einstellung zum Nationalsozia lismus wird in der Forschung unterschiedlich eing e-
schätzt. In der Bewertung nimmt Georges Ablehnung der (Ehren-)Mitgliedschaft einer neuen 
„Deutschen Akademie der Dichtung“ eine besondere Bedeutung ein. Häufig wird seine Wei-
gerung Anfang Mai 1933, in der A kademie eine wie auch immer geartete Rolle/Funktion so-
wie einen „Ehrensold“ zu übernehmen, als Beleg für seine Ablehnung des NS -Regimes ge-
deutet. Aktuellere Veröffentlichungen liefern hingegen eine differenziertere Lesart: George 
habe sich nie an Akademien  beteiligt oder für eine öffentliche Funktion interessiert – und 
seine Ablehnung auch in dieser Richtung begründet. Zudem findet sich in Georges Antwor t-
schreiben auf die entsprechende Anfrage ( seitens des Kultusministers Bernhard Rust , ausge-
sprochen durch Kurt Zierold, Leiter der Referate Literatur und Film) folgender Satz: 
„die ahnherrschaft der neuen nationalen bewegung leugne ich durchaus nicht [eingefügt: ab] und 
schiebe auch meine geistige mithilfe [geändert in: mitwirkung] nicht beiseite“ (zitiert nac h Karlauf, 
S. 622). 
Der Brief wurde am 10. Mai 1933 verfasst – es findet sich darin kein Bezug auf die zahlre i-
chen Bücherverbrennungen, die schon deutlich früher annonciert worden waren.  Das g e-
samte Antwortschreiben entzieht sich einer eindeutigen Interpretation (Kauffmann, S. 87). 
Wenngleich George sich (nach außen hin) nicht für politische Diskussionen interessierte und 
öffentliche Auftritte scheute, versuchten die Nationalsozialisten, ihn als geistigen Vorreiter 
zu vereinnahmen. Gerade Gedichte seines Sp ätwerks, 1928 veröf fentlicht unter dem Titel 
„Das Neue Reich“, wurden als Übereinstimmung mit den nationalsozialistischen Idealen g e-
deutet. Tatsächlich lasen auch andere Rezipienten „Das N eue Reich“ in direktem Zusa m-
menhang mit dem „Dritten Reich“ – und de r George -Kreis wurde teils als „bewusster 
Schrittmacher“ (Karlauf, S.  582) des „Dritten Reichs“ angesehen: heldische Elite, Hierarchie 
und korporativer Rechtsstaat, all diese Leitgedanken des George -Kreises ließen sich auf das 
„Dritte Reich“ übertragen. An alysiert man die im „Neuen Reich“ veröffentlichten Gedichte, 
lässt sich insgesamt relativ wenig originär „Politisches“ herauslesen. George selbst verstand 
sein „N eues Reich“ ausdrücklich als ein geistiges,  jenseits von real Existierendem . Dieses 
geistige Reich firmierte auch unter „Das geheime Deutschland“. 
Unter den Mitgliedern des George-Kreises befanden sich auch Juden. Auf Briefe und Berichte 
jüdischer Freundinnen und Freunde, welche die zunehmende Gewalt gegen Juden seitens 
der Nationalsozialisten anpr angerten, reagierte George mit demonstrativer Gleichgültigkeit. 
In Verkennung der Realität verwies er darauf, dass dem Geist die eigentliche Macht zug e-

216 
sprochen gehöre, ihn entsprechend alle politischen, gesellschaftlichen und ideologischen 
Entwicklungen nichts angingen und daher auch nicht kümmerten.  Thomas Karlauf bewertet 
Georges Haltung in Bezug auf Juden wie folgt: 
„Georges Einstellung zu den Juden entsprach dem vor allem im Mittelstand verbreiteten Antisem i-
tismus der ‚ganz gewöhnlichen Deutschen‘, von denen 1933 viele so unempfindlich geworden waren, 
dass die schrittweise Entrechtung der Juden sie nicht wirklich empörte“ (Karlauf, S. 605). 
George konstatierte paradoxerweise, er habe so viele jüdische Freunde (gehabt), dass er sich 
zu diesem Thema nicht äußern müsse. Gegenüber der Öffentlichkeit hüllte sich George al l-
gemein in konsequentes Schweigen gegenüber dem NS -Regime, was von einigen Zeitgeno s-
sen (Walter Benjamin, Klaus Mann) als Ablehnung interpretiert wurde. Kai Kaufmann hing e-
gen argumentiert, Geo rges Schweigen sage lediglich aus, dass er weiterhin nichts mit der 
Tagespolitik zu tun haben wollte. 
Immer wieder verweisen biografische Veröffentlichungen darauf, George habe Schülern  die 
Mitgliedschaft in NS -Organisationen untersagt (so etwa Riedel, S.  196). Dennoch konnte er 
nicht verhindern, dass einige seiner „Jünger“  das „Dritte Rei ch“ als das vom „Meister“ pr o-
phezeite „Neue Reich“ ansahen und mit dem Nationalsozialismus sympathisierten (was sich 
eindeutiger belegen lässt, Kauffmann S. 83 f.). Nach dem Tode Georges waren die Mitglieder 
des George -Kreises uneins, ja tief gespalten, welche Position sie zum Nationalsozialismus 
und dem „Dritten Reich“ einnehmen sollten („während die einen das ‚Neue Reich‘ […] mit 
dem ‚Dritten Reich‘ Adolf Hitlers verwechs elten, erblickten die anderen in ihm das ideelle 
Gegenbild zur nationalsozialistischen Barbarei“, Osterkamp, S.  213). Bekannt ist letztlich, 
dass mit Claus von Stauffenberg, der an Georges Grab Totenwache gehalten hatte (und a n-
fangs zu den Sympathisanten der Nationalsozialisten zählte), ein enger Vertrauter das Atte n-
tat auf Hitler am 20.  Juli 1944 zu verantworten hatte. Als Stauffenberg nach der – ihr Ziel 
verfehlenden – Tat vor das Erschießungskommando im Bendlerblock geführt wurde, habe er 
„Es lebe das geheime Deutschland!“ gerufen (wie Zeugenaussagen belegen sollen). 
Seitens des NS-Regimes wurde Georges Ableben als Tod eines der größten Dichter des deu t-
schen Volkes und geistigen Wegbereiters des neuen Deutschlands inszeniert, der sich 
schließlich ausdrücklich zur „Ahnherrschaft der neuen nationalen Bewegung“ bekannt habe. 
Zahlreiche Zeitungen druckten eine entsprechende Pressemitteilung aus dem Kultusminist e-
rium in der (falschen) Variante, George habe sich zur „Ahnherrschaft der neuen nationalso-
zialistischen Bewegung“ [Hervorhebung HK] bekannt, was die implizierte Lesart unterstre i-
chen mag. Nach Michael Petrow lässt sich 1935 allgemein gesprochen ein Wendepunkt in 
der kulturpolitischen Wertung des Werkes Georges während der NS -Zeit festmachen: von 
der versuchten Vereinnahmung hin zur diffamierenden Ausschließung. 
George starb am 4. Dezember 1933 in Minusio (Tessin), wo er bereits die beiden vorang e-
gangenen Winter verbrachte und sich seit Ende September 1933 ein drittes Mal aufhielt (ihn 
motivierte für den Aufenthalt eher das milde Klima als die Flucht vor dem NS-Regime). 
Offenbar war George in keiner NS -Organisation Mitglied. Aufgrund des Zeitpunkts seines 
Todes liegen entsprechend keine Entnazifizierungsunterlagen vor.

217 
Quellen: 
HStAD, R 12 P Nr. 7898 [Zeitungsartikel zum 65. Geburtstag] 
StadtA DA, ST 61, George, Stefan 
 
Literatur: 
Karlauf, Thomas: Stefan George. Die Entdeckung des Charisma. München 2007. 
Kauffmann, Kai: Das Leben Stefan Georges. Biographische Skizze. In: Aurnhammer, Achim et al. 
(Hrsg.): Stefan George und sein Kreis. Ein Handbuch, Bd. 1. Berlin/Boston 2012, S. 7-94. 
Klussmann, Paul Gerhard: Stefan Anton George. In: NDB, Bd. 6. Berlin 1964, S. 236-241. 
Netuschil, Claus K.: George, Stefan. In: Stadtlexikon Darmstadt 2006, S. 302. 
Osterkamp, Erns t: Das Ne ue Reich. In: Aurnhammer, Achim et al. (Hrsg.): Stefan George und sein 
Kreis. Ein Handbuch, Bd. 1. Berlin/Boston 2012, S. 203-217. 
Petrow, Michael: Der Dichter als Führer? Zur Wirkung Stefan Georges im „Dritten Reich“. M arburg 
1995. 
Riedel, Manfre d: Geheimes Deutschland. Stefan George und die Brüder Stauffenberg. Berlin 2014 
[Original Köln et al. 2006].

218 
Fritz-Glenz-Straße (P 7), benannt 2003 nach 
Fritz Glenz (1922-1996) 
Langjähriger Darmstädter Stadtrat 
 
* 1. Januar 1922 in Darmstadt 
Besuch von Diesterweg- und Ohlyschule 
1931 Mitglied bei Falken und bei Freien Turnern 
Kaufmännische Lehre bei der Firma Kohlen-Köhler in Darmstadt 
1939 Kaufmannsgehilfenprüfung 
1941 Verwaltungsangestellter 
1941 Reichsarbeitsdienst 
1941-1942 Kriegsdienst (Sonderverband 288, Panzer-Grenadier-Regiment Afrika) 
1942-1947 Britische Kriegsgefangenschaft in Ägypten 
1947 Rückkehr nach Darmstadt, wohnhaft im Johannesviertel 
1947 Mitglied in ÖTV und SPD; Beisitzer und Schriftführer des SPD-Ortsvereins Johannesviertel 
1947/49-1984 Verwaltungsangestellter beim Regierungspräsidium Darmstadt (Leiter der Haushalt s-
abteilung beim Entschädigungsamt, Sachbearbeiter im Dezernat für Gewerberecht, bis zum Ruh e-
stand Sachgebietsleiter im Dezernat Zivilverteidigung) 
1959 Unterbezirksvorstand der Darmstädter SPD 
1964 Stadtverordneter in Darmstadt (SPD), Vorsitzender des Liegenschaftsausschusses 
Seit 1966 wohnhaft in Darmstadt -Eberstadt; Vorstandsmitglied der Eberstädter SPD, Initiator und 
Leiter des kommunalpolitischen Arbeitskreises; Mitglied in zahlreichen Vereinen 
Seit 1968 (bis zu seinem Tod) ehrenamtlicher Stadtrat (SPD) in Darmstadt 
1972 Mitbegründer und später langjähriger (Vice-)Präsident des „Komitees der Internationalen Sch ü-
lerspiele“ (1972-1987 Sekretär, seit 1987 Präsident); laut Zeitungsberichten erreichte er „die formelle 
Anerkennung für die Jugendorganisation beim IOC“ 
1974-1994 Vorsitzender der Sportvereinigung Eberstadt 
1983-1989 Vorsitzender des SPD-Unterbezirks Darmstadt 
1995 Reise nach Moskau, um die „Internationalen Schülerspiele“ 1998 vorzubereiten 
† 2. Februar 1996 in Darmstadt 
Über 20 Jahre Personalratsmitglied beim Regierungspräsidium Darmstadt, lange Jahre SPD -
Betriebsgruppenvorsitzender beim Regierungspräsidium und 14 Jahre Hauptpersonalratsmitglied 
(stellvertretender Vorsitzender) beim Hessischen Innenminister 
Mitglied und (seit 1978) Vorsitzender des Theaterbeirats des Staatstheaters; Mitglied des Komitees 
für Städtepartnerschaften

219 
Ehrungen: 
1977 Ehrenbrief des Landes Hessen 
1978 Freundschaftsplakette der Stadt Darmstadt 
1982 Bronzene Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
1984 Bundesverdienstkreuz am Bande 
1985 Ehrung zum Stadtältesten in Darmstadt 
1988 Ehrung für zwanzig Jahre Magistratsmitglied in Darmstadt (er war der erste, dem das gelang) 
1995 Ehrenurkunde im Ledereinband des Landessportbundes Hessen 
Wirken in der NS-Zeit 
Fritz Glenz, Lokalpolitiker und langjähriger Stadtrat in Darmstadt, in seiner Heimatstadt soz i-
alisiert und seit 1931 Mitglied bei den Falken sowie bei den Freien Turnern, wuchs im Joha n-
nesviertel auf, wo seine Eltern die Gaststätte „Glenz“ führten (Kahlertstraße 41), bis 1933 ein 
beliebter Treffpunkt für Sozialdemokraten. Nach dem Schulabschluss absolvierte Fritz Glenz 
eine kaufmännische Ausbildung bei der Firma Kohlen -Köhler in Darmstadt, 1939 legte  er die 
Kaufmannsgehilfenprüfung ab. Da er 1981 sein 40 -jähriges Jubiläum beim Regierungspräs i-
dium Darmstadt feierte, ist davon auszugehen, dass er 1941 als Angestellter der Verwaltung 
in den Staatsdienst eintrat. 
Im Verlauf des Jahres 1941 wurde Glenz, im  Alter von 19 Jahren, zum RAD eingezogen und 
leistete anschließend Kriegsdienst. Zunächst war er Mitglied des Fliegerabwehr -Ersatz-
Bataillons 66, ab Juni 1942 Soldat des Sonderverbands 288 (Panzer -Grenadier-Regiment Af-
rika). Bereits im November 1942 geriet  er bei Benghasi  in britische Kriegsgefangenschaft  
(verschiedene Lager in Ägypten), aus der er im Juni 1947 entlassen wurde. Nach seiner Rück-
kehr nach Darmstadt trat er in SPD sowie ÖTV ein und arbeitete wieder beim Regierungsprä-
sidium Darmstadt, später in leitenden Funktionen. 
In Presseberichten wurde Glenz als „aufrechter und ehrlicher Demokrat“, als „Anwalt und 
Fürsprecher des kleinen Mannes“ bezeichnet. Er selbst äuß erte sich anlässlich seines 
65. Geburtstags wie folgt: „Mein Leben war und ist gezeichne t von einer Absage an Komm u-
nismus und Faschismus!“ (Eberstädter Neue Zeitung, 08.01.1987). 
Es ließen sich keine Entnazifizierungsdokumente zu Fritz Glenz recherchieren. Auch ließen 
sich aus dem vorliegenden Quellenmaterial keine Hinweise auf eine Verstri ckung in das NS -
System nachweisen. 
Quellen: 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
HStAD, R 12 P, 1586 
StadtA DA, ST 61 Glenz, Fritz 
Literatur: 
Dotzert, Roland: Die Darmstädter Kommunalpolitik seit 1945. Namen, Daten, Fakten. Darmstadt 
2007.

220 
Gruberstraße (F 9-10), benannt 1967 nach 
Karl Gruber (1885-1966) 
Architekt, Stadtplaner und Hochschullehrer 
 
* 6. Mai 1885 in Konstanz 
1894-1903 Schulbesuch in Karlsruhe, Freiburg und Konstanz; 1903 Abitur in Konstanz 
1903-1904 Militärdienst als „Einjährig-Freiwilliger“ 
1903/04-1909 Studium der Architektur an der TH Karlsruhe 
Ca. 1909-1913 Assistent seines Lehrers Friedrich Ostendorf an der TH Karlsruhe 
1911 1. Preis im Wettbewerb um den Rathaus-Neubau in Lörrach (nicht realisiert) 
1913 Lehrauftrag an der Kunstgewerbeschule Karlsruhe (Innenarchitektur) 
1914 Promotion an der TH Karlsruhe, „Bilder zur Entwicklungsgeschichte einer deutschen Stadt“ 
1914 Vorstand des Baubüros der Universitäts -Kliniken in Freiburg im Breisgau (bis Kriegsbeginn; 
Dienststellung: Regierungsbaumeister) 
1914-1918 Kriegsdienst in einer Vermessungsabteilung (Mai 1918: Hauptmann der Reserve) 
1919 Hochzeit mit Elisabeth Freiin Teuffel von Birkensee in Karlsruhe (vier Kinder) 
1919-1925 Leiter des Hochbauamts in Freiburg im Breisgau (laut eigener Aussage: Stadtoberbaurat) 
1921-1923 Umbau des städtischen Theaters Freiburg (ehem. Augustinerkloster) zum Stadtmuseum 
1925-1933 Professor für mittelalterliche Baukunst und Kirchenbau an der TH Danzig 
1927-1933 Restaurierung der Marienkirche in Danzig 
1928 Gründungsmitglied der Architektenvereinigung „Der Block“ 
1928-1932 Neubauten der Universität Heidelberg (nach siegreichem Entwurf) 
1930 Mitglied der preußischen Akademie des Bauwesens 
1932 Gründungsmitglied des Kampfbundes Deutscher Architekten und Ingenieure (KDAI) – Ortsgrup-
pe Danzig 
1933 Mitglied der Preußischen Akademie des Bauwesens 
1933-1953 Professor für Städtebau, Gefügelehre und Entwerfen an der TH Darmstadt 
1933-1945 Mitglied der NSV 
1934-1935 Vorstand (Dekan) der Architektur-Abteilung der TH Darmstadt 
1934-1945 Denkmalpfleger (zunächst für Provinz Rheinhessen, ab 1938 für Provinz Oberh essen); in 
dieser Funktion 1935 Mitglied des Denkmalrats 
1934-1939 Restaurierungs- und Umgestaltungsarbeiten in Lübeck 
Mitglied des NSBDT sowie der Reichskammer der bildenden Künste [Zeitraum unklar] 
1937 „Die Gestalt der deutschen Stadt“ 
1938 Teilnahme an Wettbewerb zum Verwaltungsforum in Frankfurt an der Oder (ohne Erfolg) 
1938-1942 Projektierung/Ausführung Neubau des Instituts für Technische Physik der TH Darmstadt

221 
1940 Teilnahme an Wettbewerb zum Rathaus-Neubau in Bromberg (ohne Erfolg) 
1942 Wiederaufbauplan für (teilzerstörte) Altstadt in Lübeck; erste Planungen zum Wiederaufbau 
sowie zur Sicherung der wichtigsten Kirchenbauten von Mainz 
1943 Wissenschaftliches Mitglied der „Nikolaus -Kopernikus-Gemeinschaft – Vereinigung zur Erfo r-
schung des Reichsgaus Danzig-Westpreußen“ 
1943 „Das deutsche Rathaus“ 
1945 Wiederaufbaupläne für die Stadtkerne von Darmstadt (1945 -1947) und Gießen (teilweise au f-
gegriffen 1949) 
1945 Erster Dekan der neuen Architekturfakultät nach dem Zweiten Weltkrieg 
1945-1947 Leiter der Wiederaufbaukommission der Stadt Darmstadt 
1945-1948 Leiter der Wiederaufbaukommission der TH Darmstadt 
1945-1964 Landeskirchenbaumeister der EKHN  (1945-1954); in Darm stadt Wiederaufbau von Stad t-
kirche (1945-1956), Martinskirche (1947-1951), Stiftskirche (1956-1958) sowie Neubau der Friedens-
kirche samt Gemeindezentrum (1956-1964) 
1949 „Der heilige Bezirk in der zukünftigen Stadt“ 
1952 Überarbeitete Neuauflage von „Die Gestalt der deutschen Stadt“ 
1953 Emeritierung (Vorlesungen und Exkursionen bis ca. 1959) 
† 12. Februar 1966 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1909 Goldene Medaille der TH Karlsruhe (für Diplomarbeit) 
1931 Ehrensenator der Universität Heidelberg 
1939 Verleihung des Treuedienst-Ehrenzeichens II. Stufe (gestiftet von Adolf Hitler) 
1955 Ausstellung anlässlich seines 70. Geburtstags auf der Mathildenhöhe Darmstadt 
1965 Ehrendoktor der TH Darmstadt sowie der TH München 
1985 Ausstellung und Kolloquium anlässlich seines 100.  Geburtstags in Darmstadt (EKHN , Stadt 
Darmstadt, TH Darmstadt) 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Karl Gruber hat als Hochschullehrer und Architekt, als Stadtpl aner und Kirchenbauer über 
Jahrzehnte in Darmstadt gewirkt. Er beschäftigte sich mit Baugeschichte und Arch itekturthe-
orie, entwickelte ein auf der mittelalterlichen Stadt aufbauendes Konzept der Stadtplanung. 
Seit 1933 war er Professor an der TH Darmstadt mit einem Lehrstuhl für Städtebau, Gefüge-
lehre und Entwerfen. 
Hochschullehrer und Architekt 
Im Spätherbst 1 932 erhielt Karl Gruber – zu der Zeit Professor für mittelalterliche Baukunst 
und Kirchenbau an der TH Danzig – einen Ruf auf den Lehrstuhl Baukunst V der TH Dar m-

222 
stadt; Ende Januar 1933 nahm Gruber diesen Ruf an. Durch die Veränderung der politischen 
Verhältnisse zog sich das Verfahren in die Länge. Mit Wirkung vom 1. Mai 1933 wurde er 
schließlich zum ordentlichen Professor ernannt. In Darmstadt angekommen, sah er sich einer 
„Diffamierungskampagne“ durch den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund 
(NSDStB) ausgesetzt, initiiert durch Karl Lieser, Führer der Hochschulgruppe des NSDStB. 
Lieser hatte als Privatdozent den vakanten Lehrstuhl nach dem Tod seines Lehrers Karl Roth 
(1932) vertreten und sich selbst Hoffnungen auf dessen Nachfolge gemacht. Sta ttdessen 
kündigte ihm sein neuer Vorgesetzter, Karl Gruber, zum 1. Oktober 1933, da er seinen eig e-
nen Assistenten aus Danzig nach Darmstadt mitzubringen gedachte. Mitte Mai 1933 verfas s-
te Lieser eine Denkschrift über den Umbau der Architektur -Abteilung „im nationalsozialisti-
schen Sinn“, in der er auch (neben anderen Professoren aus der Architektur) Karl Gruber 
persönlich angriff (die Denkschrift ist nicht überliefert; es existieren darüber aber mehrere 
übereinstimmende Aussagen, siehe dazu auch Romero, S.  142 ff. sowie Hanel, S. 84 ff.). Gru-
ber sei, so Lieser, nicht für die Ausbildung von Architekten geeignet, da er – seit den Ne u-
bauten der Universität Heidelberg – als „Kulturbolschewist“ anzusehen sei. Lieser rekurrierte 
dabei auf eine Debatte, die sich nac h der Einweihung des Bauwerks „Neue Universität He i-
delberg“ entspann. Karl Willy Straub, Geschäftsführer des „Blocks“ (dessen Gründungsmi t-
glied Gruber war), griff in seiner 1932 veröffentlichten Schrift „Die Architektur im Dritten 
Reich“ Grubers Bau dezidi ert als Negativbeispiel auf (Straub, S.  61); Paul Schultze-Naumburg 
– von Gruber eigentlich sehr geschätzt – billigte in seinem „Geleitwort“ Straubs Angriffe auf 
Gruber. 
Karl Gruber verwahrte sich vehement gegen die – aus seiner Sicht – haltlosen Vorwürfe (laut 
Gruber bezogen diese sich auf: „Fachliche Eignung unklar. […] Liberalistisch beeinflußt. Nicht 
völkisch“) in Liesers Denkschrift. Auf Unterstützung hoffend, wandte er sich vertrauensvoll 
an den Kollegen German Bestelmeyer in München, der über beste Kontakte zu nationalsozia-
listischen Entscheidungsträgern verfügte (dokumentiert bei Romero, S.  142-144). In einer 
tradierten Erwiderung auf die Lieser’sche Denkschrift urteilte Gruber, dass darin „leichtfertig 
und gewissenlos mit unwahren Behauptungen gearbeitet“ worden sei und führte weiter aus: 
„Ich war zusammen mit Schultze-Naumburg, Schmitthenner und Bestelmeyer Gründungsmitglied des 
Blocks und bin einer [sic!] der Gründungsmitglieder des Kampfbundes für deutsche Kultur, Ortsgru p-
pe Danzig (Mitgliedskarte  vom 1.6.1932). […] Von einer roten oder sonstwie gefärbten badischen 
Regierung bin ich nie in ein Ministerium berufen worden. Diese Behauptung ist erfunden, um mich zu 
verdächtigen. Einer politischen Partei habe ich nie angehört, da ich als Stadtbaurat mi r eine gründl i-
che Verachtung des Parteiwesens angeeignet habe. Gewählt habe ich deutsch -national. […] Von e i-
ner Hochschule kommend, an der durch die gemeinsame Kampfstellung gegen die Polen eine ger a-
dezu ideale Gemeinschaft zwischen Studenten und Dozenten besteht, bin ich von der hier her r-
schenden, wie ich glaube künstlich erzeugten, Übelkeit erregenden Atmosphäre geradezu entsetzt – 
und mit mir die national -sozialistische Danziger Studentenschaft, die ihrer Empörung über die gegen 
mich erhobenen Verdächtigungen auch gebührend Ausdruck verliehen hat“ (13.06.1933, DAM, Nach-
lass; komplette Erwiderung dokumentiert bei Romero, S. 145 f., hier 145) 
Tatsächlich findet sich eine entsprechende Stellungnahme des Hochschulgruppenführers des 
NSDStB Danzig in Grubers Pe rsonalakte (UA Darmstadt, 103 Nr. 232/8), wori n der Unte r-

223 
zeichnende seinen  Darmstädter Kommilitonen darüber  in Kenntnis setzt , dass an Grubers 
Fähigkeiten und politischer Haltung („an dessen nationaler Gesinnung auch nicht der g e-
ringste Zweifel erlaubt ist “) nichts auszusetzen sei  – ganz im Gegenteil . In dem erwähnten 
Bittschreiben an Bestelmeyer äußerte Gruber, dass er „nicht Mitglied der Partei, aber Grü n-
dungsmitglied der Ortsgruppe des K.d.A.I [Kampfbund deutscher Architekten und Ingenie u-
re]“sei, um näher (und überraschend offen, wenn man sich den Zweck seines Schreibens vor 
Augen führt) zu erläutern: 
„Ich selbst habe mich allerdings im Kampfbund nicht sehr stark betätigt, bin auch nicht der Gruppe 
nationalsozialistischer Architekten beigetreten, weil mic h die überall in Kollegenkreisen auftretende 
Sucht, die eigene Richtung als ‚die Architektur des Dritten Reiches‘ zu erklären, angewidert hat“ 
(vermutlich Juni 1933, DAM, Nachlass). 
Um der unsachlichen Kri tik an seiner Bauweise entgegenzu wirken, gab es im Juli 1933 eine 
Ausstellung über Grubers Werke in den Räumlichkeiten der TH Darmstadt, die gleichsam – 
so Heinrich Walbe, d erzeit Vorstand (Dekan) der Architektur -Abteilung – einer Antrittsvorle-
sung und einem „künstlerischen Glaubensbekenntnis“ entsprach. 
Gruber blieb Zeit seines Lebens parteilos, war also nie Mitglied der NSDAP. Seinen eigenen 
Angaben zufolge (HHStAW) war er seit 1933 Mitglied der NSV sowie Mitglied des NSBDT 
(von ihm im Fragebogen als „Fachorganisation“ bezeichnet, ohne Zeitangabe der Mitg lied-
schaft), in dem 1934 der KDAI aufgegangen war, und der Reichskammer der bildenden Kün s-
te. Im Juni 1939 wurde ihm vom Rektor der TH Darmstadt das „vom Führer und Reichskan z-
ler gestiftete Treudienst-Ehrenzeichen 2. Stufe“ ausgehändigt. 
Gruber lehrte über 20 Jahre in seiner Funktion an der TH Darmstadt und begleitete 1934 und 
1935 das Amt des Vorstands (Dekans) der Architektur -Abteilung. Der Analyse von Melanie 
Hanel folgend, wirkten (nach der „Säuberung“ 1933) an der TH Darmstadt ausschließlich 
Architektur-Professoren, die „weder politisch noch aufgrund ihres fachlichen Stils als mis s-
liebig galten“ – und Gruber war nach Hanel der einzige unter ihnen, der in der NS -Zeit eine 
nennenswerte Bautätigkeit vorzuweisen hatte (Hanel, S.  352 f., Zitat 352). Zwischen  1934 
und 1939 war er mit Restaurierungs - und Umgestaltungsmaßnahmen in Lübeck betraut (d a-
zu Weihsmann, S. 618-622). Einige der unter Grubers Leitung sanierten mittelalterlichen G e-
bäude wurden mit „programmatischen NS -Motiven“ verziert. An Konzeption und B au von 
NS-Prestigebauten war er in Lübeck hingegen nicht beteiligt. Den „erste[n] und einzige[n] 
Staatsauftrag nach 1933“ (so Romero, S.  159) erhielt Gruber im Herbst 1938 in Darmstadt: 
Auf Wunsch von Jakob Sprenger, Reichsstatthalter und Gauleiter von Hes sen, wurde er mit 
der Planung des Instituts für Technische Physik an der TH Darmstadt beauftragt. Obwohl sich 
das Institut an kriegswichtigen Entwicklungen beteiligen sollte, verzögerten sich die 1939 
begonnenen Bauarbeiten bis zur Fertigstellung im April 1942 erheblich. Wie Gruber selbst 
ausführte, verzichtete er auch hier „auf alle Motive einer repräsentativen ‚Monumentala r-
chitektur‘“ (Gruber I, 1943, S. 3); das Gebäude wurde 1944 zerstört. 
In der NS -Zeit wurde Gruber seitens der TH als „unabkömmlich“ ein gestuft (gleich zahlre i-
chen anderen Professoren). Noch Anfang 1945 wurde für Gruber („Dienstgrad: Hauptmann

224 
d[er] R[eserve] a[ußer] D[ienst]“)  eine „Z -Karte“ ausgestell t, was ihn vor dem Einzug zum  
Volkssturm bewahrte (UA Darmstadt, 105 Nr. 120). 
Architekturtheoretiker, Baugeschichtler und Stadtplaner: Parallelen zur NS-Ideologie 
In der NS -Zeit verfasste Karl Gruber zwei Monografien, die sein Verständnis von Architektur 
und Städtebau transportieren sollten, welches stark auf dem Idealbild einer mittelalterl ichen 
Stadt fußte (siehe dazu auch Gruber 1938, besonders S.  87). Die mittelalterliche Baukunst 
diente ihm als (verklärtes) Vorbild für gestalterische Aufgaben der Gegenwart (Böhme, 
S. 37); zudem ging er vom Bestehen „ewig gültiger Entwicklungsgesetze“ aus . Beides spiegel-
te sich besonders in seiner 1937 erschienenen Veröffentlichung „Die Gestalt der deutschen 
Stadt“ wider, deren überarbeitete und erweiterte Neuauflage 1952 als Standardwerk Ei n-
gang in die Architekturgeschichte fand (zum Folgenden ausführlich  die Analyse von Romero, 
S. 149-155). Gruber rekurrierte in seinem Werk auf den von ihm konstatierten, fortschre i-
tenden kulturellen Verfallsprozess, dem er in der Stadtplanung durch eine Rückbindung an 
mittelalterliche Ideale entgegenwirken wollte: 
„Aber es sind auch andere Dinge unseres heutigen Lebens, die an das Mittelalter gemahnen, und es 
sind wohl die erfreulichsten: Wir bemühen uns, Staat und Gesellschaft wieder ständisch aufzubauen, 
wir streben wieder nach Gemeinschaft, wir suchen aus der geistigen Isolierung wieder herausz u-
kommen, in die der einzelne schließlich geraten war. Allerdings war die mittelalterliche Gemeinschaft 
religiös fundiert, aber ist nicht unsere Zeit eine der religiös aufgewühltesten? Müssen wir nicht die 
Hoffnung hochhalten, daß s ich das Abendland seines verantwortungsvollen großen Erbes wieder 
bewußt wird und daß der Sinn der furchtbaren Kämpfe der Gegenwart gar kein anderer sein kann, als 
daß die gegen den Materialismus gerichteten Kräfte im Kampf erstarken, um sich später zu sam meln 
und sich über die Schranken der vergangenen Zeit hinweg zu einen? 
Wenn wir heute einen Weg suchen, der uns weder in kollektivistische Gleichmacherei noch in zerse t-
zenden Individualismus führt –, immer wieder wird das Bild der mittelalterlichen Stadt v or unseren 
Augen entstehen, das dem einzelnen im Rahmen der Gemeinschaft seine Freiheit ließ und ihn doch 
einband in das Gesetz, das allein uns Freiheit geben kann“ (Gruber 1937, S. 121 f.). 
Anhand dieses ausführlichen Zitats wird ersichtlich, worum es Gru ber bei der Konstruktion 
städtebaulicher Zusammenhänge ging – und in welcher Weise Grubers architektonisches 
Konzept im Geist der Zeit verhaftet war: Der Ablehnung der modernen Stadt als Sinnbild und 
Ausdruck von Französischer Revolution, Manchester-Liberalismus, allgemeiner Individualisie-
rung. Einflüsse der Kulturmorphologie eines Oswald Spenglers sind offensichtlich, auch Gru-
bers Prägung durch Arbeiten von Paul Schultze -Naumburg und Heinrich Tessenow, führe n-
den Köpfen der sogenannten „Traditionalisten“, Vertretern einer konservativen Zivilisations-
kritik (Böhme, S. 43 f.). Die Glorifizierung der mittelalterlichen Stadt war nicht Grubers Erfi n-
dung – und sie war anknüpfungsfähig an genuin nationalsozialistische Auffassungen: Andr e-
as Romero belegt anhand von V ergleichen mit Textstellen aus Gottfried Feders „Die neue 
Stadt“ (1939) Grubers Nähe zur Ideologie des Nationalsozialismus. Grubers ahistorische B e-
trachtungsweise (mit deutlich völkischem Unterton) wird indessen schon in seinen eigenen 
Worten erkennbar:

225 
„Als die unverbrauchte Kraft der germanischen Volksstämme das Erbe der sterbenden antiken Welt 
antrat, übernahm sie mit diesem Erbe das Ergebnis einer tausendjährigen Entwicklung des Städt e-
baus“ (Gruber 1937, S. 9; bewusst unverändert 1952, S. 9). 
Gruber vertrat die Auffassung, dass n ur dort, wo das Sakrale und das Profane die hierarch i-
sche Rangordnung auf Erden darstelle, wahres Bauen möglich  sei (dazu Böhme, S.  38). Nur 
eine „religiös durchgeistigte Gesellschaft“ (Romero, S.  152) könne nach Gruber die „neue  
Stadt“ sinnvoll gestalten. (Wie er sich die Umsetzung vorstellte, dokumentiert 1949 seine 
Veröffentlichung „Der heilige Bezirk in der zukünftigen Stadt“ .) Hinsichtlich politischer Struk-
turen machte Gruber seine Auffassung deutlich, dass „nur der autoritär e Staat die Belange 
der Allgemeinheit gegenüber der Ichsucht des einzelnen zu wahren in der Lage“ sei (Gruber 
1937, S. 112). 
Grubers zweite Monografie in der NS -Zeit, „Das Deutsche Rathaus“ (1943), ist insbesondere 
ob ihres Erscheinungskontexts hier von In teresse. Inhaltlich lieferte Gruber einen aufwändig 
recherchierten Überblick über Rathaus -Formen in Deutschland und deren historischen B e-
zug. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er Städten im deutschen „Grenzland“, wie Stra ß-
burg und Danzig, „die uns Deutsche n von 1942 höchste Freude und tiefsten Schmerz bede u-
ten, aber auch die Verpflichtung größter Verantwortung […] auferlegen“ (Gruber 1943, S.  7). 
Der Band war „kein bloßes ‚Propagandawerk‘“ (Hanel, S.  353), erschien aber in der Reihe 
„Sonderleistungen der de utschen Kunst“ im Rahmen des „Kriegseinsatzes der Geisteswi s-
senschaften“; ein Großprojekt, das die kulturelle Überlegenheit der Deutschen wissenschaf t-
lich untermauern helfen sollte. Gruber folgte den Vorgaben des interdisziplinären „Gemei n-
schaftswerks“, indem er die Rathaus-Bauten als deutsche Sonderleistungen herausstelle. 
In (Groß -)Städten des „Altreichs“ blieben Grubers veröffentlichte Überlegungen und Anr e-
gungen nach 1937 weitgehend folgenlos; die NS -Planungen entwickelten sich gewisserm a-
ßen in eine entgegengesetzte Richtung (große Achsen, Monumentalbauten). Anders verhielt 
es sich im „neuen deutschen Osten“: Bei Problemen hinsichtlich der Stadterweiterung und 
Stadterneuerung von mittelalterlich geprägten Klein - und Mittelstädten konnte Grubers 
„Gestalt einer Stadt“ zu Rate gezogen werden. Sein städtebaulicher (und ideologischer) A n-
satz mit der mittelalterlichen Bürgergesellschaft im Zentrum, die sich in „gebundener Fre i-
heit“ ihre Städte erbaute, kam dem NS -Kolonisationsideal für die deutsche Besiedelung in 
Polen und Russland sehr nahe. Gruber selbst äußerte sich zwischen 1935 und 1940 wiede r-
holt in Vorträgen und Vorlesungen zum „neuen deutschen Osten“, auch unter programmat i-
scher Perspektive: 
„Wo liegt unsere Aufgabe auf dem Gebiet des Volkstumskampfs? Was ist zu tun? Als erstes und wich-
tigstes, es muß ein Wall von deutschen Menschen  an unserer so dünn besiedelten Ostgrenze entst e-
hen. Wir müssen siedeln […] Außerdem müssen wir das Deutschbewußtsein heben und die Zwische n-
schicht, die sonst dem Polentum anhe imfällt[,] für das Deutschtum werben. Deutsche sollen keine 
Polinnen heiraten. Deutsche Kindergärten müssen geschaffen werden. In den Städten des Ostens 
müssen Kulturzentren entstehen, damit dem Glanz Warschaus ein Gegengewicht geschaffen wird 
und das Gefühl kultureller Vereinsamung bei den Deutschen beseitigt wird. Mit Gewalt un d Krieg ist 
nichts zu machen – es ist eine kulturelle Volkstumsarbeit notwendig“ (Vortragsmanuskript, vermu t-
lich Januar 1935, DAM, Nachlass).

226 
Gruber nimmt 1935 Aspekte der „ethnogra phischen Neuordnung im Osten“ vorweg, die 
Adolf Hitler im Oktober 1939 proklamieren sollte (und die bekanntermaßen in der systemati-
schen Vernichtung von jüdischen und nicht -jüdischen Menschen in Polen mündete, mit dem 
Ziel, Raum für deutsche Siedler zu sch affen). Im geheimen „Generalplan Ost“ (1941) war von 
einem „Wall deutschen Volkstums“ die Rede. Die Nähe zum NS -Gedankengut wird zudem 
deutlich, wenn man Grubers Diktion mit jener späterer Veröffentlichungen im Bereich „G e-
staltung des neuen deutschen Siedl ungsraums im Osten“ vergleicht. Einzelne Autoren bez o-
gen sich gar dezidiert auf Grubers planerische Grundsätze, wie Andreas Romero nachweist 
(S. 156 f.). Noch nach dem deutschen Einmarsch in Polen bekräftigte Gruber seine Begeist e-
rung für den deutschen Ost en, den Raum der „mittelalterlichen Ostkolonisation“. In einem 
Vortragsmanuskript hielt er im Februar 1940 fest, was seines Erachtens nach (und in der für 
ihn typischen Perspektive) die Besonderheit des „deutschen Ostens“ ausmachte: 
„Ein mittelalterliches Amerika für unser Volk, ein Schmelztiegel aller deutschen Stämme und ein 
Raum, in dem die größten kulturellen, staatlichen und baukünstlerischen Ideen des Mittelalters Form 
gefunden haben“ (12.02.1940, DAM, Nachlass). 
Interessant bleibt festzuhalten, dass Karl Gruber – anders als in konservativen Kreisen seiner 
Zeit durchaus gängig, etwa bei Schultze-Naumburg – sein Geschichtsbild nicht von einer anti-
semitisch-rassistischen Ideologie ableitete (dafür finden sich in seinen Veröffentlichungen 
und tradierten Manuskripten zumindest keine Hinweise). Andreas Romero gelangte daher zu 
dem Fazit: „Gruber begrüßt die Staatsform des ‚Dritten Reiches‘, sein Führerprinzip, nicht 
aber seine Inhal te“ (Romero, S.  153). In seiner Formsprache unternahm Gruber durchaus 
den Versuch, seinen Weg im Nationalsozialismus zu finden, wie Werner Durth konstatierte: 
„Grubers Suche nach Kompromissen mit der Kulturdoktrin des neuen Regimes ist unve r-
kennbar“ (Durth, S. 245). 1943 nahm Gruber die Berufung zum wissenschaftlichen Mitglied 
der „Nikolaus-Kopernikus-Gemeinschaft – Vereinigung zur Erforschung des Reichsgaus Da n-
zig-Westpreußen“ an, die im Mai des Jahres von Gauleiter und Reichstatthalter Albert For s-
ter gegründet worden war (UA Darmstadt, 103 Nr. 232/9). 
Nachkriegszeit: Wiederaufbau und Entnazifizierung 
In seinem letzten Lebensabschnitt beschäftigte sich Karl Gruber besonders mit dem Wiede r-
aufbau von Städten und Kirchen. Er brachte seine traditionsgebundene Vorstellung der A r-
chitektur vielerorts ein – konnte sie aber nur zum Teil auch  umsetzen. Bereits 1943/44 hatte 
er mit einem Wiederaufbauplan auf die teilweise Zerstörung der Lübecker Altstadt reagiert. 
Ähnlich wie in den Plänen nach 1945 sollten – Grubers Vorschlag nach – Baudenkmale als 
Kristallisationspunkte dienen, der Wiederaufb au in historischem Geist (nicht aber als Kopie) 
geplant und neuzeitliche Bebauung erst außerhalb des Stadtkerns zugelassen werden. Gr u-
bers Pläne, die er im April 1944 vorlegte und die eine dichte Bebauung vorsahen (angelehnt 
an der mittelalterlichen Vogels chau, aber mit neuer Gebäude - und Nutzungsstruktur), fa n-
den keine Verwendung. In Darmstadt leitete Gruber von 1945 bis 1947 die von OB Ludwig 
Metzger einberufene Wiederaufbaukommission der Stadt sowie bis 1948 den Wiederaufbau 
der TH (Generalbebauungsplan 1946, Schmidt, S.  81 f.). Gerade in Darmstadt prägten (und

227 
prägen) Grubers oben genannte Kirchbauten das Stadtbild, die er vor allem in seiner Funkt i-
on als Landeskirchenbaumeister der EKHN ab 1946 projektierte und umsetzte. Sein Wiede r-
aufbauplan für die Stadt wurde von seinem Nachfolger Peter Grund hingegen nur auf einze l-
ne Elemente begrenzt (etwa Arkaden in der Innenstadt) umgesetzt; Ähnliches gilt hinsich t-
lich seiner Wiederaufbaupläne für Gießen. 
Gruber galt 1945 als politisch unbelastet. Im Fragebogen zu m Entnazifizierungsverfahren 
1946 stufte er sich selbst als „nicht belastet“ ein mit der Begründung, er sei „ bewusst u. aus 
Ueberzeugung der Partei nicht beigetreten“. Zudem verwies er darauf, dass seine „ Berufung 
von der TH D anzig an die TH Darmstadt […]  noch unter der alten Regierung im Januar 1933“  
eingeleitet wurde. Im Februar 1947 wurde er als „v om Ge setz nicht betroffen “ eingestuft 
(diese Einstufung erhielten 22 der letzten 50 Lehrstuhlinhaber der TH Darmstadt). 
Bereits im August 1945 war seine Beschä ftigung an der TH Darmstadt „endgültig bestätigt“ 
worden. Er wurde zum ersten Dekan der neu implementierten Architektur -Fakultät b e-
stimmt. Wie Isabel Schmidt herausgearbeitet hat, wurden unter Grubers Leitung zwei als 
politisch belastet entlassene Professo ren als „technische Hilfskräfte“ wieder eingestellt – 
was einem nicht unerheblichen Verstoß gegen die Auflagen der Amerikaner gleichkam (äh n-
lich wurde mit entlassenen Professoren in anderen Fakultäten verfahren , Schmidt, S. 179 f.). 
Einer der beiden Professoren war Rudolf Geil, für dessen Rückbenennung sich Gruber später 
(erfolglos) einsetzen sollte (Schmidt, S.  217). Gruber setzte sich – erfolgreich – für die Ber u-
fung von Ernst Neufert (der unter anderem Mitglied in Albert Speers Arbeitsstab „Wiede r-
aufbau“ war) auf die Professur von Karl Lieser ein. Im Zuge des Entnazifizierungsverfahrens 
von Lieser, dem ehemaligen Rektor der TH Darmstadt (der Gruber 1933 diffamiert hatte), 
trat Gruber als einziger der gehörten Professoren als Belastungszeuge in Erscheinung  
(HHStAW, Abt. 520/Darmstadt -Zentral, Nr. 519782 , Hanel, S.  115 sowie Schmidt, S.  212); 
Liesers Rektoratszeit bewertete Gruber aber durchaus positiv (ebenso in einem Gutachten 
1955, UA Darmstadt, 103 Nr. 64/2). 
Im Rahmen eines Kolloquiums anlässlich Gruber s 100. Geburtstags 1985 kam es zu hitzigen 
Diskussionen, auch Karl Grubers Nähe zum NS-Regime und seine Rolle nach 1945 betreffend. 
Ehemalige Schüler, Mitarbeiter und Kollegen verteidigten Gruber gegen die als Angriffe 
wahrgenommenen Ausführungen von Helmu t Böhme (siehe Literatur; Diskussion dokume n-
tiert in Karl Gruber 100  Jahre, S. 73-117): Schon zu seiner Danziger Zeit sei Gruber von der 
„braunen“ Umgebung „scheinbar unberührt“ gewesen (S.  95); nach dem Krieg habe er den 
Studenten Halt vermittelt in einer  haltlosen Zeit; er habe sich unter anderem durch eine g e-
wisse Toleranz gegenüber Andersdenkenden ausgezeichnet, seine Lehre habe nicht auf „i r-
gendwelchen vorgefaßten ideologischen Meinungen“ (S. 100) basiert, überhaupt habe er nie 
eine Ideologie vertreten; gerade auf die „Heimkehrergeneration“ habe er hingegen eine u n-
geheure Kraft ausgestrahlt. 
Grubers Biograf Andreas Romero machte in seiner Bewertung von Grubers Rolle an der TH 
Darmstadt deutlich, dass zumindest eine Stilisierung Grubers als von den Nazis  Diffamierter 
nicht haltbar sei (Romero, S.  147 f.): Gruber konnte in der NS -Zeit lehren, forschen, publizi e-

228 
ren und bauen; war 1934 und 1935 Vorstand (Dekan) der Architektur -Abteilung; konnte an 
reichsweiten Wettbewerben (Verwaltungsforum in Frankfurt an d er Oder 1938, Rathaus -
Neubau in Bromberg 1940) teilnehmen; seine finanzielle Existenz war nicht gefährdet (außer 
möglicherweise kurzzeitig im Sommer 1933). Grubers Haltung gegenüber dem NS -Regime 
wertete Romero als widersprüchlich: Trotz seiner Nähe zur NS -Ideologie (z.  B. hinsichtlich 
des „neuen deutschen Ostens“) war er kein NSDAP -Mitglied. Während Kollegen aus dem 
„Block“ im NS -Regime mit staatlichen Aufträgen „überhäuft“ wurden, blieb ihm der Zugang 
zu öffentlichen Bauaufträgen zunächst ganz verschlossen und auch später nur in begrenztem 
Umfang möglich: 
„Hätte Karl Gruber einen der Wettbewerbe, an denen er teilnahm, gewinnen können, so hätte er 
wieder im Blickpunkt einer politischen Fachöffentlichkeit gestanden. So können wir sagen: Er hatte 
Glück gehabt; er konnte während des ‚Dritten Reichs‘  im Schatten seiner Professur leben und arbe i-
ten, ohne sich exponieren zu müssen“ (Romero, S. 148). 
 
Quellen: 
BArch Berlin, NS 5-VI/17588 [Nachrecherche – noch NICHT eingesehen] 
BArch, Militärarchiv Freiburg, N 424 G ruber, Karl [Militärischer Nachlass, Laufzeit: 1914 -1921; B e-
stand besteht größtenteils aus Aufzeichnungen, Karten - und Bildmaterial (auch Fotos) aus der Zeit 
des Ersten Weltkriegs – NICHT eingesehen] 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 5603 (nur Meldebogen) 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 519782 [Entnazifizierungsverfahren Karl Lieser] 
HStAD, H 3 Nr. 3561 [Kennkartenmeldebogen] 
HStAD, O 61 Wolf, Christa Nr. 434 
HStAD, R 12 P Nr. 1768 [Presseberichte] 
HStAD, R 4 Nr. 14022 
StadtA DA, ST 61, Gruber, Karl 
StadtA DA, Skizzen und Pläne (Planserie 05/1945) 
UA Darmstadt, 103 Nr. 64/2 [Personalakte Lieser] 
UA Darmstadt, 103 Nr. 232/8 + 103 Nr. 232/9 [zweibändige Personalakte Gruber] 
UA Darmstadt, 105 Nr. 120 [Akte „Volkssturm“] 
UA Darmstadt, Gruber, Karl Prof. Dr. [Pressemappe] 
Deutsches Architekturmuseum Frankfurt (DAM), Nachlass Karl Gruber 
 
Literatur: 
Böhme, Helmut: Anmerkungen eines Historikers zu Karl Grubers Werk. In: Karl Gruber 100 Jahre. 
Städtebauliches Colloquium an der Technischen Hochschule Dar mstadt am 3. Mai 1985 zum 
100. Geburtstag Karl Grubers. Eine Dokumentation. Darmstadt 1987, S. 33-56.

229 
Durth, Werner: Architekten an der Technischen Hochschule Darmstadt, 1930 -1950. In: Dinçkal, N o-
yan/Dipper, Christof/Mares, Detlev (Hrsg.): Selbstmobilisier ung der Wissenschaft. Technische Hoc h-
schulen im „Dritten Reich“. Darmstadt 2010, S. 233-253. 
Gruber, Karl: Die Gestalt der deutschen Stadt. Leipzig 1937. 
Gruber, Karl: Die Gestalt der deutschen Stadt. In: Ringshausen, Friedrich (Hrsg.): Jahrbuch der Volks - 
und Heimatforschung in Hessen und Nassau 1933 -1938. Verlag Volk und Scholle Darmstadt 1938, 
S. 79-89. 
Gruber, Karl (I): Der Neubau des Instituts für Technische Physik. In: Das Institut für Technische Physik 
der Technischen Hochschule Darmstadt. Darmstadt 1943. 
Gruber, Karl (II): Das deutsche Rathaus. München 1943. 
Hanel, Melanie: Normalität unter Ausnahmebedingungen. Die TH Darmstadt im Nationalsozialismus. 
Darmstadt 2014. 
Karl Gruber 100 Jahre. Städtebauliches Colloquium an der Technis chen Hochschule Darm stadt am 
3. Mai 1985 zum 100. Geburtstag Karl Grubers. Eine Dokumentation. Darmstadt 1987. 
Romero, Andreas: Baugeschichte als Auftrag. Karl Gruber. Architekt, Lehrer, Zeichner. Braunschweig 
1990. 
Schmidt, Isabel: Nach dem Nationalsozialismus. Die TH Darmst adt zwischen Vergangenheit und Z u-
kunftsmanagement (1945-1960). Darmstadt 2015. 
Straub, Karl Willy: Die Architektur im Dritten Reich. Stuttgart 1932. 
Viefhaus, Marianne: Gruber, Karl. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 329 f. [überarbeitete und 
erweiterte Online-Version: Anne Holtmann-Mares]. 
Weihsmann, Helmut: Bauen unterm Hakenkreuz. Architektur des Untergangs. Wien 1998.

230 
Habichweg (L 8), benannt 1958 nach 
Ludwig Habich (1872-1949) 
Darmstädter Bildhauer 
 
* 2. April 1872 in Darmstadt 
1878-1890 Schulbes uch in Darmstadt (Vorschule des Ludwig -Georgs-Gymnasium, Ludwig -Georgs-
Gymnasium, Realgymnasium) 
1879-1886 Zeichnen und Modellieren beim Darmstädter Bildhauer Benedikt König 
1887-1890 Unterricht am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main 
1890 Abschluss des Realgymnasiums in Darmstadt 
1890-1892 Studiu m der Bildhauerei an der Kunsta kademie in Karlsruhe (zusammen mit seinem 
Freund Adolf Beyer), Schüler von Hermann Volz 
1892-1896/1900 Studium der Bildhauerei in München, (Meister-)Schüler bei Wilhelm von Rümann 
1892 Beginn der Tätigkeit als Porträtist am großherzoglichen Hof in Darmstadt 
1894 erstes Modell von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein 
1898 Gründungsmitglied der „Freien Vereinigung Darmstädter Künstler“ 
1899 Eines der sieben Gründungsmitglieder der Künstlerkolonie Darmstadt 
1900 Lebensgroße Figur „Den Sternen entgegen“, in der NS-Zeit mit „Der deutsche Gruß“ tituliert 
1901 Monumentalfiguren („Mann“ und „Frau“) am Ernst -Ludwig-Haus sowie Wandbrunnen am O l-
brich-Haus, Mathildenhöhe Darmstadt 
1901/1904 Beteiligung an den Ausstellungen der Künstlerkolonie (Bronzeplastiken, Medaillen, 
Schmuckstücke) 
1901 „Habich-Villa“ als Wohnhaus für Habich von Joseph Maria Olbrich entworfen und umgesetzt 
Ab 1901 Bildhauerkurse an der Kunstschule von Adolf Beyer in Darmstadt 
1902 Alice-Denkmal auf dem Wilhelminenplatz, Darmstadt 
1903 Goethe-Denkmal im Herrengarten, Darmstadt (Architekt: Adolf Zellner) 
1904 Hochzeit mit Sophie Freiin Löw von und zu Steinfurth (zwei Kinder) 
1905 Gottfried-Schwab-Denkmal, Mathildenhöhe Darmstadt 
1906 Bismarck-Denkmal auf dem Ludwigplatz, Darmstadt 
1906-1910 Professor für Bildhauerei an der TH Stuttgart 
1910-1937 Professor für Bildhauerei an der Akademie der bildenden Künste in Stuttgart 
1913 Hirsch-Figur auf dem Kuppeldach des Kunstgebäudes in Stuttgart 
1914 Mitglied des Denkmalsrats für Württemberg 
1915-1918 Kriegsdienst als Soldat im Ersten Weltkrieg (Ostfront, Rang: Leutnant) 
1918-1919 Direktor der (Württembergischen) Akademie der bildenden Künste in Stuttgart 
1933-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds -Nr.: 3234552), Ortsgruppe Stuttgart, ab 1937 Ortsgruppe 
Darmstadt

231 
Ca. 1933-1945 Mitglied der NSV 
Ca. 1933-1945 Mitglied der RKK 
1937 Emeritierung, Rückkehr nach Darmstadt (Villa Habich, Mathildenhöhe) 
1940 Mitglied des Beirats für Kultur und Volksbildung der Stadt Darmstadt 
1944/1945 wegen Zerstörung seines Darmstädter Wohnhauses zunächst wohnhaft in Traisa bzw. 
Eberstadt 
1945 Umzug nach Jugenheim an der Bergstraße 
† 20. Januar 1949 in Jugenheim 
 
Ehrungen: 
1895 Große Silberne Akademie-Medaille in München (für Columbus-Denkmal in Bremerhaven) 
1897 Kleine Goldmedaille der Internationalen Kunstausstellung München 
Weitere goldene, silberne und bronzene Medaillen im In- und Ausland für seine Kunstwerke 
1900 Ritterkreuz I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen 
1902 Verleihung des Professorentitels  
1916 Eisernes Kreuz II. Klasse 
1917 Hessische Tapferkeitsmedaille 
1940 Kulturpreis der Stadt Darmstadt für „Der deutsche Gruß“ ( erstmals vergeben; mit 3.000  RM 
dotiert) 
1972 Ausstellung im Ernst-Ludwig-Haus Darmstadt 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Ludwig Habich, renommierter Darmstädter Bildhauer und eines der ersten sieben Mitglieder 
der Künstlerkolonie, hatte sein Hauptwerk 1933 bereits vollendet. In Darmstadt zeugen zah l-
reiche Statuen, D enkmäler und Reliefs bis heute von seiner aktiven Zeit in der Künstlerkol o-
nie (1899-1906). 
Von 1910 bis 1937 wirkte Ludwig Habich als Professor für Bildhauerei an der Akademie der 
bildenden Künste in Stuttgart, unterbrochen durch seinen Militärdienst im Er sten Weltkrieg 
(in den Jahren 1918 und 1919 war er als Direktor der nun „Württembergische Akademie der 
bildenden Künste“ genannten Institution tätig). Nach seiner Emeritierung im Jahr 1937 zog 
Habich wieder in seine Heimatstadt Darmstadt, wo er auf der Mat hildenhöhe die „Villa H a-
bich“ bewohnte, bis diese beim Bombenangriff vom 11./12. September 1944 zerstört wurde. 
Er kam kurzzeitig in Traisa bzw. in der Villenkolonie Eberstadt unter, bevor er im Oktober 
1945 nach Jugenheim an der Bergstraße zog, wo er im Januar 1949 verstarb. 
Ludwig Habich war von 1933 bis 1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds -Nr.: 3234552; Eintritt 
datiert auf den 1.5.1933). Zudem war er Mitglied der NSV sowie der RKK.

232 
Laut dem Werkverzeichnis von Peter Weyrauch hat Habich in der NS -Zeit nur wenige neue 
Werke umgesetzt. Einige bereits angefertigte Gips -Modelle wurden in der „Brandnacht“ 
1944 zerstört und in der Folge nicht mehr ausgeführt. 
Im Dezember 1940 wurde Habich die Ehre zuteil, den neu ins Leben gerufenen „Kulturpreis 
der Stadt Darmsta dt“ zu erhalten, der mit 3.000  RM dotiert war. Gauleiter Jakob Sprenger 
zeigte sich auf Anfrage mit der Verleihung einverstanden. Der Preis wurde am 30.  Dezember 
1940 durch OB Otto Wamboldt feierlich überreicht. Wamboldt würdigte in seiner Ansprache 
Habichs Lebenswerk, machte aber deutlich, dass ihm der Kulturpreis vornehmlich für seine 
Skulptur „Der deutsche Gruß“ verliehen wurde (so steht es auch auf der Urkunde geschri e-
ben). Die lebensgroße Bronzestatue  hebt den ausgestreckten rechten Arm zum Gruß. Sie 
geht zurück auf eine Figur , die Habich bereits um 1900 in ganz ähnlicher Weise geschaffen 
hatte (Änderungen sind nur im Detai l festzustellen). Damals war die Plastik  noch „Den Ste r-
nen entgegen“  (Weyrauch, S. 69) tituliert; im Zeichen der „neuen Bewegung“ li eß sich der 
Jünglingskörper „zeitgemäß -germanisierend“ umarbeiten und  umdeuten (bereits 1933/34 
hatte Habich eine Statue unter dem Titel „Empor“ basierend auf „Den Sternen entgegen“ in 
getöntem Gips geschaffen, Weyrauch, S.  75). „Der völlig unpolitische Kü nstler wollte den 
neuen Machthabern sicherlich nicht schmeicheln“, urteilt zumindest Habichs Biograf Peter 
Weyrauch (S. 157). In Habichs Werk finden sich im Übrigen zahlreiche „edle, herrliche Jün g-
lingsgestalten“ (Heyfelder, S.  56), die dem NS -Ideal einer Plastik entsprachen, jedoch in e i-
nem anderen Kontext entstanden. In seiner Dankesrede  anlässlich der Verleihung des Ku l-
turpreises, die in der Presse zitiert wurde, griff Habich eher aktuelle Bezüge auf: 
„Unsere Arbeit für die deutsche Kultur muß eine Danke sleistung sein für die heldenhaften Taten u n-
seres Soldaten. Eine ganz besondere Aufgabe erwartet uns hier in Darmstadt, nämlich im Sinne des 
Appells des Führers Heimstätten und Siedlungen in wirklich künstlerischer Gestaltung und Durchfo r-
mung zu schaffen. Hierbei werden bildende Künstler aller Art sowie die Architekten große Möglic h-
keiten haben“ (Hessischer Landbote, 31.12.1940). 
Ebenfalls 1940 wurde Habich zum Mitglied des Beirats für Kultur und Volksbildung der Stadt 
Darmstadt ernannt (Weyrauch, S. 148). 
Seit seiner Kindheit war Habich befreundet mit Adolf Beyer, mit dem er nach seiner Rüc k-
kehr nach Darmstadt wieder regelmäßigen Kontakt pflegte; beide wohnten in unmittelbarer 
Nachbarschaft. Gemeinsam mit Beyer erlebte Habich die „Brandnacht“ 1944 in einem Keller. 
Entnazifizierungsverfahren 
In seinem Meldebogen zum Entnazifizierungsverfahren gab Habich seine Mitgliedschaft in 
der NSDAP 1933-1945 zu Protokoll – seine aus Anfragen verbrieften Mitgliedschaften in NSV 
und RKK gab er hingegen nicht an. Aus Habich s Angaben geht zudem hervor, dass er (auch 
nach seiner Emeritierung 1937) über relativ hohe Einkünfte verfügte. 
In der Akte finden sich (ausschließlich) zahlreiche „Persilscheine“ tradiert, die Habich unis o-
no darstellen als unpolitischen Künstler, der sich  nur der Bildhauerei verpflichtet sah; der 
während des NS-Regimes keine (staatlichen) Aufträge für NS-Kunst erhalten habe; auch nach

233 
1933 noch Kontakt zu vielen jüdischen Freunden pflegte; nie an NS -Aufmärschen oder Ve r-
sammlungen teilgenommen, dafür sein ganzes Hab und Gut im Krieg verloren habe. 
Allein aufgrund seiner Mitgliedschaft in der NSDAP wurde in der Klageschrift dennoch die 
Einstufung Habichs in Kategorie III (Minderbelastete) beantragt („Andererseits muß dem 
Betroffenen entgegengehalten werden, d aß er durch seine Mitgliedschaft zur NS -Partei von 
allem Anfang bis zum Zusammenbruch einen Teil der Schuld mitzutragen hat, daß die G e-
waltpolitik Hitlers festen Boden fand“). Das Gericht schloss sich dieser Auffassung nicht an, 
folgte hingegen der Einschä tzung von Habichs Anwalt, stufte Habich in Kategorie IV (Mitlä u-
fer) ein und verurteilte ihn zu einer einmaligen Zahlung von 500, - RM (27.10.1947). In der 
Urteilsbegründung wurde auf die oben genannten Zeugenaussagen rekurriert und wörtlich 
erwähnt, dass we gen „dieser seiner Einstellung […] er vielfach Anfeindungen und Schikanen 
ausgesetzt“ gewesen sei. Einer der beiden Beisitzer des Gerichts war Peter Grund. 
 
Quellen: 
BArch Berlin, NS 5-VI/17592 [nachträglich recherchiert – noch NICHT eingesehen!] 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Land, Nr. 5142 
HStAD, R 12 P Nr. 1860 
[Im HStAD unter R4 Portrait von Ludwig Habich (Zeichnung) sowie Bilder der Statuen „Deutscher 
Gruß“ und dessen Vorbild „Empor“] 
StadtA DA, ST 61, Habich, Dr. Ludwig et al. 
 
Literatur: 
Heyfelder, Erich: Ludwig Habich und seine Bildhauerschule an der Stuttgarter Kunstakademie. In: 
Schwäbisches Heimatbuch. Stuttgart 1935, S. 53-66. 
Ulmer, Renate: Habich, Ludwig. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 339. 
Weyrauch, Peter: Der Bildhauer Ludwig Habich (1872-1949). Darmstadt 1990.

234 
Hahne-Schorsch-Platz (H 8), benannt 1976 [NICHT: 1953!] nach 
Georg Hahn (1881-1972) 
Obermeister der Darmstädter Fahrrad-Mechaniker-Innung 
 
* 20. August 1881 in Darmstadt 
Besuch der Mittelschule in Darmstadt; Ausbildung zum Mechaniker (Schlosser Stroh, Arheilger Str.) 
1900-1902 Angehöriger der Kaiserlichen Marine (auf verschiedenen Schiffen), Teilnahme an der Ni e-
derschlagung des Boxeraufstands in China; insgesamt über zwei Jahre in Asien 
1902 Nach der Rückkehr nach Darmstadt Arbeit als Geselle in verschiedenen Firmen 
1913 Eröffnung eines eigenen Fahrradgeschäfts (erstes Verleihgeschäft für Fahrräder in Darmstadt) 
in der Heinheimer Straße; später Umzug in die Große Ochsengasse sowie in die Schwanengasse (heu-
tige Robert-Schneider-Straße/Ecke Schlossgartenplatz) 
1914-1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg (Marine, 1914 Wilhelmshafen) 
1919 Mitgründer und zeitweise Vorsitzender des „Darmstädter Radsportclubs“ 
1924 Teilnehmer der Deutschlandfahrt (Motorradrennen) 
1924 Gründungsmitglied der „Vereinigten Fahrradhändler Darmstadts“ 
1924 Firma Georg Hahn & Co., zu der Zeit bestehend aus Fahrrad -Reparaturwerkstatt in der Großen 
Ochsengasse sowie Fahrrad -Ladengeschäft in eigenem Haus, erhielt den Namenszusatz „ Fahrrad-
haus“ und wurde als „offene Handelsgesellschaft“ geführt; Gesellschafter: Georg Hahn, Mechaniker 
in Darmstadt, und Levi Seligmann, Kaufmann in Darmstadt 
1928-1945 Mitglied des Reichkriegerbunds (ab 1938: NS-Reichkriegerbund) 
1930 Auflösung der offenen Handelsgesellschaft zwischen Georg Hahn und Levi Seligmann 
1933 Leitung (Obermeister) der Darmstädter Fahrrad-Mechaniker-Innung 
1941-1945 Mitglied des RLB 
1942 und 1944 Zerstörung der Werkstätte durch Bombenangriff (jeweils Wiederaufbau) 
1951 Initiator des Wiederauflebens der Martinskerb 
1952 Initiator der Neugründung des „Bezirksvereins Martinsviertel“ (1894 gegründeter Bezirksverein 
war 1933 vom NS-Regime aufgelöst worden) 
1952 Wiedergründung und Vorsitzender des Marinevereins Darmstadt 
1963 50-jähriges Jubiläum des Fahrradhauses; Eigentümer: Sohn Georg 
† 21. Januar 1972 in Darmstadt 
Sportleiter des „Darmstädter Motorsportclubs“; Organisator von Rad - und Motorradrennen in und 
um Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1923 Großer Garbati-Preis (als Sieger des Motorradrennens Zürich-Berlin) 
1955 Ehrennadel für 50 Jahre unfallfreies Fahren

235 
1956 Ehrenvorsitzender Bezirksverein Martinsviertel 
1961 Ehrenurkunde für verdiente Bürger der Stadt Darmstadt 
Ehrenmeister des Deutschen Mechaniker-Handwerks 
Ehrenpräsident des Starkenburger Automobil- und Motorsportclubs 
Ehrenpräsident des Marinevereins Darmstadt 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Georg Hahn, besser als „Hahne -Schorsch“ oder „Hahne-Goggel“ bekannter aktiver „Martins-
viertler“, war in der NS-Zeit als Fahrrad-Schlossermeister Inhaber eines Fahrradgeschäfts und 
Obermeister der Fahrrad-Mechaniker-Innung in Darmstadt. 
Als gelernter Mechaniker und begeisterter Radrennfahrer hatte Hahn 1913 einen Fahrradl a-
den in der Heinheimer  Straße eröffnet, mit dem ersten Fahrrad -Verleih in Darmstadt . 1929 
befand sich das Geschäft mit Zweirad -Werkstatt („Fahrradhaus Georg Hahn & Co. oHG“) in 
der Schwanenstraße (heute Robert -Schneider-Straße)/Ecke Schlossgartenplatz. Seit 1933 
war Hahn als Obermeister mit der Leitung der Darmstädter Fahrrad -Mechaniker-Innung be-
traut. Mitgesellschafter des Fahrradhauses wa r Levi Seligmann. Laut überlieferter Akten im 
Staatsarchiv Darmstadt (HStAD, G 28 Darmstadt Nr. R 1157) wurde die offene Handelsgesell-
schaft zwischen Georg Hahn und Levi Seligmann 1930 aufgelöst; der Grund da für geht aus 
den Akten nicht hervor. Im genannten Bestand findet sich eine Anfrage der Adam Opel AG 
aus dem Jahr 1936 nach den Inhabern der Firma Georg Hahn & Co. in den Jahren 1928 und 
1929. Der Hintergrund für diese Anfrage ließ sich ebenfalls nicht eindeutig klären. 
Die Liegenschaft Schwanenstraße 12, auf der das Fahrradhaus angesiedelt war, gehörte dem 
Juden Arie Zwickler, der sich seit 1934 Arie Stiel nannte. 1939 taucht e in Dokumenten als 
Eigentümer ein Robert Krüger auf (Kaufmann, wohnhaft in Putbus). Über die genauen Moda-
litäten des Eigentümerwechsels – und ob Georg Hahn hierbei eine Rolle spielte – konnte 
nichts Näheres in Erfahrung gebracht werden. 
Georg Hahn war kein NSDAP -Mitglied und gehörte auch keiner anderen genuinen NS -
Organisation an. Von 1 928 an war er Mitglied des Reichskriegerbunds, der 1938 in NS -
Reichkriegerbund umbenannt wurde; zwischen 1941 und 1945 war er eigenen Angaben fo l-
gend Mitglied des RLB. Er war kein Mitglied der Wehrmacht. 
Im Fragebogen zum Entnazifizierungsverfahren (HHStAW) gab er als Begründung zu Prot o-
koll (für seine Annahme, das Gesetz träfe auf ihn nicht zu) : „War stets Nazigegner u. Antif a-
schist“. 
Zu Beginn der 1950er Jahre machte sich Hahn als Initiator der Martinskerb und der Ne u-
gründung des Bezirksvereins Martinsvie rtel einen Namen. Er wurde als „Borjemaaster vom 
Watzeverdel“ tituliert, war Vorsitzender (und später Ehrenvorsitzender) zahlreicher Vereine 
und (beruflicher) Verbände. 
Laut dem vorliegenden „Straßenverzeichnis der Stadt Darmstadt mit Erläuterungen zur N a-
mensgebung“ soll der Hahne -Schorsch-Platz im Martinsviertel 1953 nach Georg Hahn b e-

236 
nannt worden sein – also noch zu dessen Lebzeiten. Den Akten des Beirats für Straßenb e-
nennungen und übereinstimmenden Zeitungsmeldungen folgend, wurde der Hahne -
Schorsch-Platz allerdings 1976 benannt ( also posthum). Im Protokoll des Beirats für Straße n-
benennung aus dem Jahr 1977 findet sich die Klage darüber, dass der Magistrat den Platz 
eigenmächtig benannt habe: „Der Beirat für Straßenbenennung zeigte hiervon sein Befre m-
den, da er nicht wie üblich vor der Benennung gehört wurde.“ 
 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 20565 (nur Meldebogen) 
HStAD, G 28 Darmstadt Nr. R 1157 
HStAD, H 3 Nr. 64178 [Kennkartenmeldebogen] 
StadtA DA, ST 61, Hahn, Georg 
StadtA DA, Nachlass Carlo Schneider, Straßennamen in Darmstadt II [Dokumente 1974-1982] 
[http://www.dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/ZwicklerArie.htm] Zugriff: 19.09.2016 
[http://www.marineverein-darmstadt.de/3.html] Zugriff: 19.09.2016 
 
Literatur: 
Christ, Alexa-Beatrice: Hahn, Georg. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 342 f.

237 
Elisabeth-Hattemer-Straße (F 9), benannt 2011 nach 
Elisabeth „Else“ Hattemer (1870-1948) 
Politikerin 
 
* 9. Januar 1870 in Bensheim (geb. Hemmes) 
Ausbildung zur Oberschullehrerin im katholischen  Internat Moselweis; im Anschluss für kurze Zeit 
Lehrerin in Vallendar (bei Koblenz) sowie in Köln 
1898 Hochzeit mit dem Gymnasialprofessor Karl Hattemer (vier Kinder) , Umzug nach Michelstadt 
(Odenwald), Hausfrau und Mutter 
1901 Umzug nach Darmstadt, wo ihr Mann am Neuen Gymnasium lehrte 
Um 1909 Mitglied des Katholischen Mädchenschutzvereins sowie des Elisabeth Vereins St.  Martin in 
Darmstadt 
1912 Mitglied der städtischen Armen- und Fürsorgedeputation 
1913 Tod ihres Mannes; alleinerziehende Mutter 
1916 Teilnahme an Tagung des Katholischen Deutschen Frauenbunds im Berliner Reichstag 
1919 (möglicherweise schon früher) Vorsitzende der  Ortsgruppe Darmstadt des Katholischen Deut-
schen Frauenbunds (KDF), später dessen Landesvorsitzende 
1919-1933 Mitglied des Hessischen Landtags für das Zentrum 
1922 Mitglied des Reichsfrauenbeirats und Reichsausschusses des Zentrums 
1924/1928 Kandidatin des Zentrums für die Reich stagswahlen (auf hinterem Listenplatz – aber 1928 
als erste Frau; kein Einzug) 
1925-ca. 1939 Leiterin des Caritassekretariats in Darmstadt 
1928 Schiffsreise mit einem ihrer Söhne 
1944 Zugriff durch Gestapo durch Wohnungswechsel verhindert (Quelle: Aussage Enkelin) 
1945 Nach dem Krieg aushilfsweise Lehrerin in Viernheim 
† 19. Dezember 1948 in Viernheim 
Mitglied des Diözesan-Caritas-Vorstands 
 
Ehrungen: 
1918 Verleihung des Ehrenzeichens für Kriegsfürsorge durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen 
und bei Rhein 
Ehrenvorsitzende des Katholischen Frauenbunds Darmstadt 
Ehrenkreuz Pro Ecclesia et Pon tifice (päpstliche Auszeichnung für besondere kirchliche Verdienste; 
verliehen anlässlich der Priesterweihe ihres zweiten Sohnes – auch der erste war Priester)

238 
Wirken in der NS-Zeit 
Elisabeth „Else“ Hattemer war die einzige weibliche Abgeordnete in der Fraktion des Zen t-
rums im Landtag des Volksstaats Hessen (und zwar in allen sechs Wahlperioden 1919-1933). 
Ingrid Langer beschrieb das Naturell von Else Hattemer wie folgt: 
„Sie vereinigte in ihrer Person und in ihrer Biografie – von ihr selbst zutiefst glaubwürdig gelebt und 
dargestellt – Mütterlichkeit mit individuellem Selbstbewusstsein, Naivität und Kompetenz, sowie 
biedere Provinzialität mit katholisch -motivierter Disziplin, die von einem warmen Interess e an den 
Menschen begleitet war“ (Langer, S. 166). 
Die Überlieferung h insichtlich der Biografie Else Hattemers fokussiert auf deren Wirken als 
Landtagsabgeordnete 1919-1933. „Sittenreinheit“, vom Katholischen Deutschen Frauenbund 
(KDF) früh als Leitlinie für alles Tu n propagiert, ließe sich  auch als Richtschnur für die Arbei t 
von Hattemer im H essischen Landtag definieren. Sie setzte sich in Anfragen und Debatten 
für (christlich geprägte) Mädchenbildung sowie Sozialfürsorge ein und kämpfte entschieden 
gegen das sogenannte „Entfesselte Theater“ in Darmstadt. Ihre kulturelle Sto ßrichtung wird 
gut anhand eines von ihr gemeinsam mit der Zentrums -Fraktion 1929 eingereichten Antrags 
zum Thema „Auswüchse in den Darstellungen des Kinos, Theater[s] und in den Auslagen der 
Zeitungsstände“ deutlich. In der Debat te hierzu gab  Else Hattemer den Ton an („Kampf um 
Sein oder Nichtsein der sittlichen Kultur des deutschen Volkes“, „Mißachtung der Fraue n-
würde“ etc., zitiert nach Langer, S.  214). Sie kritisierte in ihrer Rede einzelne Theaterstücke 
in der Tendenz als „vollkommen bolschewistisch“, a lle christlich denkenden Menschen wür-
den sich „mit Empörung und Ekel“ davon ab wenden. In ihren Attacken wu rde sie von Abge-
ordneten der DNVP (darunter Ferdinand Werner) unterstützt. 
Über Else Hattemers Wirken in der Zeit nach 1933 gibt es relativ wenige bel astbare Informa-
tionen. Ilse Langer stützt sich in ihrem biografischen Abriss hier hauptsächlich auf Aussagen 
einer Enkelin. Demnach behielt Hattemer ihre Ämter in KDF und Caritas auch nach 1933 i n-
ne. In Hattemers  Wohnhaus in der Herrmannstraße, dessen erst en Stock sie bis 1939 b e-
wohnte, befanden sich parterre das Caritas -Büro, deren Leiterin sie war,  sowie eine Kinde r-
krippe, die von Schönstädter Schwestern betrieben wurde. Beide Einrichtungen mussten im 
Laufe der 1930er Jahre geschlossen werden. Hattemer zo g sich aus dem öffentlichen Leben 
weitgehend zurück, bezog zunächst eine kleinere Wohnung innerhalb Darmstadts und 
wohnte ab 1940 die meiste Zeit in Viernheim bei einem ihrer Söhne, der dort Pfarrer war. Sie 
blieb aber weiterhin in Darmstadt gemeldet. Laut  ihrer Enkelin wurde nach dem Attentat s-
versuch auf Hitler am 20. Juli 1944 nach Else Hattemer in Darmstadt gefahndet, die sich zu 
der Zeit aber in Viern heim aufhielt und sich so einer möglichen Verhaftung habe entziehen 
können (zumindest der Landeshauptkas se Darmstadt war allerdings ab 1943 ihre Adresse in 
Viernheim durchaus bekannt, wie entsprechende Dokumente belegen, HStAD, G 35 E Nr. 
4367). „Den Nationalsozialismus lehnte sie rigoros ab“, hieß es ohne weitere Erläuterung bei 
Ingrid Langer, S. 221 (im Wortlaut übernommen im – nur wenige Zeilen umfassenden – Bei-
trag von Agnes Schmidt im Stadtlexikon Darmstadt).

239 
Nach Kriegsende – Else Hattemer war bereits 75 Jahre alt – gab sie auf Drängen ihres Sohn s 
aushilfsweise Unterricht für Jugendliche in Viernheim. A uch im KDF war sie weiterhin aktiv: 
Das Protokoll einer Tagung in Frankfurt am Main vom 12.03.1946 vermerkt e, dass „Frau 
Prof. Hattemer“ die Anwesenden begrüßte und in ihrer Rede betonte, „dass wir Frauen, 
auch wenn wir in der heutigen Zeit arm dastehen un d alles verloren haben, eine Gemei n-
schaft bilden müssen, die Gott sehen und nur sich einen Tempel der Liebe bauen“ (zitiert 
nach Langer, S. 221). 
Es ließen sich keine Entnazifi zierungsdokumente zur 1948 verstorbenen Elisabeth Hattemer  
recherchieren. 
 
Quellen: 
StadtA DA, ST 61, Hattemer, [u. a.] Else, geb. Hemmes 
HStAD, G 35 E Nr. 4367 
HStAD, R 4 Nr. 20247 und Nr. 4871 UF 
 
Literatur: 
Langer, Ingrid: Zwölf vergessene Frauen. Die weiblichen Abgeordneten im Parlament des Volkstaates 
Hessen. Ihre politische Arbeit – ihr Alltag – ihr Leben. Frankfurt am Main 1989, S. 166-221. 
Rack, Klaus-Dieter/Vielsmeier, Bernd (Hrsg.): Hessische Abgeordnete 1820-1933. Biografische Nach-
weise für die Erste und Zweite Kammer der Landstände des Großherzogtums Hessen 1820-1918 und 
den Landtag des Volksstaats Hessen 1919-1933. Darmstadt 2008. 
Schmidt, Agnes: Hattemer, Elisabeth. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 351.

240 
Gerhart-Hauptmann-Straße (E-F 8), benannt 1953 nach 
Gerhart Hauptmann (1862-1946) 
Schriftsteller 
* 15. November 1862 in Ober Salzbrunn (Schlesien) 
1868-1878 Schulbesuch in Breslau (Dorf- und Realschule) 
1878-1879 Landwirtschaftsausbildung, aus gesundheitlichen Gründen abgebrochen 
1880-1882 Besuch der Bildhauerklasse der Kunst- und Gewerbeschule in Breslau 
1881 „Liebesfrühling. Ein Lyrisches Gedicht“ (erste Veröffentlichung, Privatdruck) 
1882-1883 Besuch von Vorlesungen in Philosophie und Literaturwissenschaft an der Universität Jena 
1883 Arbeit als freier Bildhauer in Rom (künstlerisches Scheitern und Typhuserkrankung) 
1884-1885 Zeichenausbildung in Dresden und Studium der Geschichte in Berlin (abgebrochen) 
1885 Heirat mit Marie Thienemann, drei Kinder 
1889 „Vor Sonnenaufgang“ (Uraufführung des Stücks begründet Ruhm als Dramatiker) 
1892 „Die Weber“ (Hauptwerk) 
1904 Nach Jahren in Trennung Scheidung von seiner Frau Marie und Heirat mit Margarete Marschalk, 
mit der er bereits einen Sohn hatte (1900) und seit 1901 weitgehend in Agnetendorf (Schlesien) lebte 
1905 Mitglied der „Gesellschaft für Rassenhygiene“ 
1910 „Der Narr in Christo Emanuel Quint“ (erste Romanveröffentlichung) 
1913 „Atlantis“ (erste Verfilmung eines seiner Werke) 
1918 Öffentliches Bekenntnis zur Republik 
1926-1943 Sommermonate auf Hiddensee 
1928 Eintritt in die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademi e der Künste (1926 noch abg e-
lehnt) 
1932 Amerikareise anlässlich des Goethejahrs 
1933 Unterzeichnung einer Loyalitätserklärung der Deutschen Akademie der Dichtung 
1933 Antrag auf Mitgliedschaft in NSDAP  wird abgelehnt [für diesen Antrag gibt es keine Belege , nur 
Zeitzeugenaussagen!] 
1940-1944 Atriden-Tetralogie: Iphigenie in Delphi, Iphigenie in Aulis, Agamemnons Tod, Elektra 
1942 Erscheinen der Ausgabe letzter Hand in 17 Bänden 
1942 Hauptmann-Büste von Arno Breker 
1943-1944 Arbeit am Roman „Der neue Christophorus“ 
1944 „Mignon“ (Novelle; erscheint posthum 1947) 
† 6. Juni 1946 in Agnetendorf/Schlesien

241 
Ehrungen: 
1896-1905 Grillparzer-Preis (1896, 1899, 1905) 
1905 Volksschiller-Preis, Ehrendoktor der University of Oxford, Ehrenmitglied der Berliner Secession 
1909 Ehrendoktor der Universität Leipzig 
1912 Nobelpreis für Literatur 
1922 Ehrungen anlässlich seines 60.  Geburtstags (darunter Gerhart-Hauptman-Festspiele in Breslau, 
Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main, Adlerschild des Deutschen Reichs, Ehrenbürgerschaften) 
1924 Orden Pour le Mérite (Friedensklasse) 
1932 Ehrendoktor der Columbia University 
1942 Ehrungen  anlässlich seines 80.  Geburtstags (darunter Niederschlesischer Schrifttumspreis, S i-
ling-Ring, Ehrenring der Stadt Wien, „Hauptmann-Tage“ in Wien) 
1944 Aufnahme auf  sogenannte „Gottbegnadeten-Liste“: Auflistung der unersetzlichen Künstler (als 
einer von sechs Schriftstellern) 
Posthum Benennung von Straßen und Schulen; mehrere Gedenkstätten und Denkmäler 
Wirken in der NS-Zeit 
Gerhart Hauptmann, bedeuten der deutscher Dramatiker/Schriftsteller um die vorvergang e-
ne Jahrhundertwende und 1912 Träger des Literatur -Nobelpreises, zeigte sich von der Pe r-
son Adolf Hitler begeistert, lehnte aber zentrale Elemente der NS-Ideologie ab. 
„Hauptmann war kein Parteimann (geschweige denn ein Parteigenosse) und wurde es auch 
nach 1933 nicht, er war aber empfänglich für die von Hitler ausgehende Faszination, sofern 
sich dieser als unabhängiger Einzelner, als ‚Weltgenie‘ inszenierte“, konstatierte Haup t-
manns Biograf Peter Spr engel in seiner jüngst erschienen Veröffentlichung zu „Gerhart 
Hauptmann im ‚Dritten Reich‘“ (Sprengel 2015, S.  132). Tatsächlich war Hauptmann kein 
Mitglied der NSDAP; Sprengel schätzt die Geschichte über einen angeblichen Mitgliedsantrag 
Hauptmanns, der nicht bewilligt worden sei, als eher unglaubwürdig ein (vgl. dazu u.  a. den 
Eintrag „Gerhart Hauptmann“ bei Wikipedia). 
Auf der einen Seite verehrte Hauptmann Adolf Hitler, mit dessen Werk „Mein Kampf“ er sich 
intensiv auseinandersetzte (er bezeichnete das  Werk als „die in der Tat sehr bedeutende 
Hitlerbibel“, Klee, S. 232), auf der anderen Seite lehnte er die NS -Rassentheorie (und die da-
von abgeleiteten Rassengesetze vom Sommer 1935) kategorisch ab – obgleich er 1905 eines 
der ersten Mitglieder der „Gesell schaft für Rassenhygiene“ war. Er bewunderte den Redner 
Hitler, reichte ihm anlässlich der feierlichen Eröffnung der Reichskulturkammer am 15. N o-
vember 1933 (Hauptmanns 71. Geburtstag) symbolträchtig die Hand und goutierte, dass sein 
Stück „Die goldene Harfe“ – laut Presseberichten „auf besondere Verfügung des Reichskan z-
lers Adolf Hitler“ – anlässlich der Grundsteinlegung für das „Haus der Deutschen Kunst“ in 
München uraufgeführt wurde. „Rassenmischungen“ galten ihm jedoch als Bereicherung 
(„Trotz Nürnberg und Gott weiß was, Gott / Ich jedenfalls bin ein Hottentott“, zitiert nach 
Sprengel 2009, S.  84); gleichfalls hegte er kein Verständnis für NS -Euthanasie-Maßnahmen 
(Sprengel 2015, S. 134).

242 
Entgegen einer verbreiteten Vorstellung hatte Hauptmann kaum unter Aufführungsverboten 
zu leiden – mit einer wichtigen Ausnahme: An eine Aufführung seines zentralen Werks „Die 
Weber“ war zwischen 1933 und 1945 nicht zu denken. Einzelne, weniger zentrale Stücke 
fielen der Zensur zum Opfer; andere Werke, die sich leichter a n der Blut -und-Boden-
Ideologie anlehnen ließen, stiegen aus der Versenkung. Der bereits erwähnten ersten Urau f-
führung während der NS -Zeit im Jahr 1933 folgten weitere fünf Premieren, wenngleich z u-
nächst nicht auf führenden Bühnen. Erst vor dem Hintergrund des Einflusses des Kriegs (und 
der damit einhergehenden „Lockerung der kulturpolitischen Zügel“, Sprengel 2015, S.  137) 
gelangten Hauptmanns Erstaufführungen wieder an renommierte Häuser. Besonders zu 
nennen wären hier die Premieren im Zuge der Atriden -Tetralogie in Berlin und Wien (Spre n-
gel 2009, S. 310 ff.): Die Aufführung der „Iphigenie in Aulis“, an Hauptmanns 81. Geburtstag 
1943 am Wiener Burgtheater, gilt als sein letzter großer Triumph als Dramatiker. Insbeso n-
dere 1937, im Jahr seines 75. Geburtstags , wurden an zahlreichen Häusern unterschiedliche 
Stücke aus Hauptmanns Repertoire aufgeführt. 
Hauptmann verstand sich als unpolitischer  Dichter; tatsächlich fand nationalsozialistisches 
Gedankengut keinen Eingang in seine veröffentlichten W erke. Jan-Pieter Barbian vertrat die 
Auffassung, dass groteskerweise gerade die harsche Kritik der emigrierten Literaten „den 
unkritischen, aber zunächst noch völlig unentschlossenen Dichter in die Arme der neuen 
Machthaber“ getrieben habe. Hauptmann honorierte die „Errun genschaften“ des NS -
Regimes (Überwindung der Einzelstaaten, Beseitigung der Arbeitslosigkeit, wi rtschaftlicher 
Erfolg) ohne Einschränkung (so Barbian, S.  47). Auch trug er die außenpolitische Entwicklung 
im NS-Deutschland der Jahre 1934-1939 vollständig mit. Bereits im November 1933 wurde in 
deutschen Zeitungen eine Erklärung Hauptmanns veröffentlicht, in der er den „Austritt aus 
dem sogenannten Völkerbund, den unser leitender Staatsmann verfügt hat“, befürwortete.  
Auch der Überfall auf Polen und der Krieg gegen Frankreich, Belgien und die Niederlande 
schien Hauptmann nicht vom  „Führer“ und dem  NS-Regime zu entfremden , wie ein Tag e-
bucheintrag nahelegt: „Deutschland steht vor der Weltherrschaft, jedenfalls von Europa u n-
ter deutscher Führung. […] und ein einziger, übermenschlicher Wille, der Wille Hitlers, hat es 
bewirkt“ (Tagebucheintrag aus dem Nachlass, zitiert nach Barbian, S. 49). 
Weniger eindeutig ist Hauptmanns Auffassung zu Hitlers „Judenpolitik“. Mit ignoranten B e-
merkungen soll Hauptmann die Verfolgung  der Juden durch das NS -Regime abgetan haben 
(Ebermayer, S. 264 , Tagebucheintrag vom 15.02.1934 ) – obwohl viele seiner jüdischen 
Freunde in Konzentrationslager deportiert oder ins Exil getrieben wurden. Hauptmann  wur-
de von (ehemaligen) Weggefährten vorgewo rfen, dass er weiterhin ein erlesenes Frühstück 
in einem Luxushotel dem Blick in die polit ische Realität vorgezogen hätte. Zugleich setz te 
sich Hauptmann 1933 und 1934 in Einzelfällen für rassisch Verfolgte ein, etwa für Max Li e-
bermann und Oskar Loerke, un d verfasste im Oktober 1934 einen Nachruf auf den Verleger 
Samuel Fischer. In den folgenden Jahren fanden sich hingegen kaum mehr Belege dafür, dass 
sich Hauptmann für Verfolgte des NS-Regimes aktiv einsetzte (Barbian, S. 48). Peter Sprengel 
urteilte, dass Hauptmann „die Besonderheit und besondere Gefährlichkeit der auf den Hol o-
caust zielenden antijüdischen Politik Hitlers“ nicht rechtzeitig und in vollem Umfang erkannt 
habe (Sprengel 2015, S. 134 f.)

243 
Das NS -Regime versuchte (so die in der Literatur gängige  Auffassung) den bekannten und 
beliebten Schriftsteller für seine Zwecke zu instrumentalisieren, wenngleich seine Kunst von 
hochrangigen NS-Protagonisten mindestens als ambivalent angesehen wurde. Joseph Goe b-
bels etwa, der inhaltlich wenig mit Hauptmanns B ühnenstücken anfangen konnte, notierte 
im November 1936 in seinem Tagebuch, nachdem er Hauptmann in der B erliner Volksbühne 
begegnet war: 
„[…] ein alter Mann, etwas selbstgefällig und eitel und vollkommen schimmerlos der modernen Zeit 
gegenüber. Mit dem ka nn man keine Lorbeeren mehr ernten. Aber es ist besser, er ist unser Freund 
als unser Feind“ (zitiert nach Barbian, S. 46). 
Ganz in diesem Sinne war Goebbels auch 1942 gewillt, a nlässlich des 80. Geburtstags von  
Hauptmann in Breslau persönlich eine Rede au f den Jubilar zu halten, um gegenüber dem 
Ausland die „großzügige Haltung“ des Natio nalsozialismus zu demonstrieren. U nterschiedli-
che Auffassungen bezüglich der Person Hauptmanns zwischen dem Propagandaminister 
Goebbels (in Personalunion auch Präsident der  Reichskulturkammer) und anderen hochra n-
gigen Parteifunktionären dokumentiert in diesem Zusammenhang die Einschätzung Alfred 
Rosenbergs, der  eine öffentliche Ehrung Hauptmanns ( im Sinne einer kulturpropagandist i-
schen Aufwertung des „Repräsentanten der Repu blik“) entschieden ablehnte. Schließlich 
verzichtete Goebbels auf einen persönlichen Auftritt bei den Feierlichkeiten in Breslau; 
Hauptmann bekam mit dem Niederschlesischen Schrifttums preis eine Ausz eichnung auf 
Gauebene verliehen (ausführlich zu den Planu ngen der Feierlichkeiten und den unterschie d-
lichen Auffassungen seitens des NS -Regimes diesbezüglich Barbian, S.  51-57). Im Zuge der 
Feierlichkeiten nahm Hauptmann von Gauleiter Baldur von Schirach, der extra aus Wien 
nach Breslau gereist war, zudem den Eh renring der Stadt Wien entgegen. Auch wurde ein 
Glückwunsch-Telegramm des „Führers“ verlesen. Am folgenden Tag reiste Hauptmann (g e-
meinsam mit von Schirach und dem Gauleiter von Niederschlesien, Karl Hanke) nach Wien, 
wo im Rahmen der „Hauptmann -Tage“ in 2 3 Vorstellungen sieben Stücke des Dramatikers 
gespielt wurden (Sprengel 2015, S.  141). Ebenfalls in das Jahr 1942 fielen die Veröffentl i-
chung der 17 Bände umfassenden Werkausgabe sowie die Anfertigung der Hauptmann -
Büste durch Arno Breker, zu der Zeit exponierter Vertreter der NS-Kunst. 
Von führenden Stellen des NS -Regimes wurde Hauptmanns politische Anschauung als unz u-
reichend bewertet, wie sich a us einer Stellungnahme des „Amts Rosenberg “ aus dem Jahr 
1942 ableiten ließ: „Bei aller Anerkennung der künstle rischen Gestaltungskraft Hauptmanns 
ist die weltanschauliche Haltung der meisten seiner Werke vom nationalsozialistischen 
Standpunkt aus kritisch zu betrachten“ ( 11.09.1942, BArch, NS 18/307 ). Dennoch wurde 
Hauptmann 1944 als „überragende nationale Persönl ichkeit“ auf die sogenannte „Gottb e-
gnadeten-Liste“ aufgenommen: Er fand Eingang auf die „ Sonderliste der sechs wichtigsten 
Schriftsteller“. 
Ein interessantes (und zugleich irritierendes) Ergebnis der jüngeren biografischen Forschung 
zu Hauptmanns Wirken in  der NS -Zeit liegt in der Erkenntnis, dass in seiner niederschles i-
schen, herrschaftlichen Villa „Wiesenstein“ in Agnetendorf, die der Schriftsteller selbst als 
Ort innerer Emigration verklärte, neben Kritikern der NS -Herrschaft auch einflussreiche R e-

244 
präsentanten des NS-Regimes verkehrten (Sprengel 2009, S. 317-323, Sprengel 2015, S. 142); 
darunter der Generalgouverneur Hans Frank („Judenschlächter von Krakau“), den Haup t-
mann – laut Peter Sprengel – „gerade menschlich“ schätzte. 
In einer seiner letzten Veröf fentlichungen (im Auftrag des Propaganda -Amts Breslau), dem 
Prosatext „Dresden“, berichtete Hauptmann von der Bombardierung der Stadt im Februar 
1945, deren Zeuge er geworden war. Durch gezielte Kürzung gelang es den zuständigen NS -
Stellen, aus der von Hau ptmann eigentlich formulierten Klage eine Anklage (gegen die 
Kriegsgegner) zu machen. 
Nach 1946 gab es Bemühungen  einer „postume[n] Ehrenrettung“ (so Barbian, S.  58), die 
Hauptmanns Einstellung zum Nationalsozialismus zu relativieren versuchten. Jan -Pieter Bar-
bian beurteilte diese aufgrund der ihm vorliegenden Dokumente als nicht gerechtfertigt: 
„Dagegen sprechen seine im Mai 1933 erfolgte Rückkehr nach Deutschland, viel mehr aber noch 
seine äußerliche Anbiederung an die neuen Machthaber, seine gemeinsamen Auftritte mit NS -
Größen in der Öffentlichkeit, die Vielzahl seiner ‚bedauerlichen Erklärungen‘ für das deutsche Vate r-
land und die Bereitschaft, seine Dramen zum Vorteil des Regimes im In - und Ausland aufführen zu 
lassen“ (Barbian, S. 58). 
Barbian attestierte Hauptmann einen Mangel an politischem Gespür, unkritische Autorität s-
gläubigkeit sowie bedingungslosen Nationalismus . Die „Instrumentalisierung“ durch das NS -
Regime ließ Hauptmann demzufolge (wissentlich) geschehen. Seinen früheren Freunden 
musste dies, so Barbian, wie Verrat an vermeintlich gemeinsamen, humanistischen Idealen 
vorgekommen sein. 
Da Hauptmann im Juni 1946 auf seinem Anwesen in Agnetendorf verstarb, ließen sich keine 
Entnazifizierungsdokumente recherchieren. 
Quellen: 
BArch Berlin, NS 18/307 
Literatur: 
Barbian, Jan -Pieter: Zwischen allen Stühlen. Gerhart Hauptmann im „Dritten Reich“. In: Gerhart 
Hauptmann. Text + Kritik 1999, S. 43-63. 
Ebermayer, Erich: Denn heute gehört uns Deutschland... Persönliches und politisches Tagebuch. Von 
der Machtergreifung bis zum 31. Dezember 1935. Hamburg/Wien 1959. 
Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am 
Main 42013, S. 232. 
Sprengel, Peter: Der Dichter stand auf hoher Küste. Gerhart Hauptmann im Dritten Reic h. Berlin 
2009. 
Sprengel, Peter: „Tragik der Menschheit überhaupt“? Gerhart Hauptmann im „Dritten Reich“. In: 
Benz, Wolfgang/Eckel, Peter/Nachama, Andreas (Hrsg.): Kunst im NS -Staat. Ideologie, Ästhetik, Pr o-
tagonisten. Berlin 2015, S. 131-144. 
Tempel, Bernhard: Daten zu Leben und Werk Gerhart Hauptmanns. In:  Gerhart Hauptmann. Text + 
Kritik 1999, S. 110-115.

245 
Georg-Hensel-Weg (J 9), benannt 1997 nach 
Georg Hensel (1923-1996) 
Darmstädter Theaterkritiker, Journalist und Schriftsteller 
 
* 13. Juli 1923 in Arheilgen 
1929-1933 Besuch der Volksschule in Arheilgen 
1933-1941 Besuch der Liebigs-Oberrealschule in Darmstadt 
1934-1941 nach „Überführung“  der Evangelischen Jungschar Mitglied im „Deutschen Jungvolk“ der 
HJ, ab 1938 Mitglied der eigentlichen HJ 
1941 Abitur in Darmstadt 
1941 Mitglied des RAD 
1941-1945 Mitglied der Wehrmacht, Kriegsteilnehmer: Dienst als Funker in Nachrichten -Einheiten, 
höchster Rang 1944: Obergefreiter 
1945 Unterschlupf auf einer Almhütte, dann Rückkehr nach Darmstadt 
1945-1974 Mitarbeiter des Darmstädter Echos; erster Volontär der Zeitung 1945, seit 1952 Leiter des 
Feuilletons 
1946 „Der Narr und die Maske“ (Privatdruck) 
1948-1951 Einladungen zu Tagungen der „Gruppe 47“ 
1949 „Nachtfahrt“ (Roman) 
1950 Heirat mit Anne Elisabeth Müller (ein Sohn) 
Seit 1960 Autor (besonders von Theaterkritiken) für „Theater heute“ sowie für große Tageszeitungen, 
darunter „Die Welt“ und die SZ 
Seit 1964 Mitglied des Rotari Clubs Darmstadt 
1966 „Spielplan. Dramen und Dramatiker von der Antike bis zur Gegenwart“ (Thea terführer, zwe i-
bändiges Standardwerk; mehrfach von Hensel überarbeitet, zuletzt 1995) 
1975 „Der Datterich im Darmstädter Biedermeier“ 
1975-1989 Leitender Theaterkritiker der FAZ, befreundet über 1989 hinaus mit Marcel Reich-Ranicki 
Seit 1984 Ordentliches Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 
1994 „Glück gehabt. Szenen aus einem Leben“ (Autobiografie) 
1995 „Glücks-Pfennige. Lustvolles Nachdenken über Theater, Literatur und Leben“ 
† 17. Mai 1996 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1968 Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik [verliehen von der Deutschen Akademie für 
Sprache und Dichtung für „Spielplan“] 
1973 Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt 
1982 Julius-Bab-Kritikerpreis des Bundesverbands deutscher Volksbühnen

246 
1982 Carl-Zuckmayer-Medaille (Land Rheinland-Pfalz) 
1983 Egon-Erwin-Kisch-Preis 
1995 Goethe-Plakette des Landes Hessen 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Georg Hensel, renommierter Darmstädter The aterkritiker sowie Leiter des Feuilletons  beim 
Darmstädter Echo, später leitender Kritiker der FAZ, war Mitglied der HJ und als junger Mann 
(im Alter von 17 bis 21 Jahren) als Soldat der Wehrmacht Kriegsteilnehmer als „Horchfunker“ 
einer Nachrichtenabteilung. 
Hensel kam 1933 auf die Liebigs -Oberrealschule nach Darmstadt. Er hatte eine sogena nnte 
Freistelle, die er jedes Jahr aufs Neue über herausragende Leistungen bestätigen musste. In 
seiner Autobiografie 1994 beschrieb Hensel, wie sich der Nationalsozialismus auf Jungen wie 
ihn aus seiner Sicht auswirkte: 
„Wer in jenen Jahren aufwuchs, dem wurde der Nationalsozialismus wie ein Sack über den Kopf g e-
zogen. Die Lebensbedingungen mussten nicht einmal bewusst gelernt werden, sie wuchsen uns zu, 
wir wuchsen in sie hinein. Wir kannten nur die Welt, in der wir lebten, und wir hielten sie für normal.  
Um die staatlich verordnete Beschränktheit nur zu erkennen, mußten viele Umstände zusammme n-
kommen: Erlebnisse, Menschen, Bücher“ (Glück gehabt, S. 42). 
Im Jahr 1934 wurde die Evangelische Jugend aufgelöst und ging in der HJ auf. Als Zehnjähr i-
ger kam Hensel so – zuvor Mitglied der Jungschar –  zum „Deutschen Jungvolk“ in der HJ, wo 
er „Jungenschaftsführer“ wurde (was dem Rang eines Unteroffiziers ent sprach). 1936 sollte 
er zum „Jungzugführer“ befördert und zu diesem Zweck in Darmstadt ausgebildet werden. 
Seinen Lebenserinnerungen  zufolge gelangte Hensel während d ieses Lehrgangs zu der E in-
sicht, dass die Welt der HJ mit seiner – schon stark von der Lektüre eigentlich verbotener 
Literatur geprägten – Vorstellungswelt nicht in Einklang zu bringen war: 
„Beim Lehrgang trugen wir nicht die üblichen schwarzen Jungenschaftsblusen, sondern graue Fel d-
blusen und wurden auf dem nahen Exerzierplatz wie Rekruten bis zur Erschöpfung gedrillt. Es gab 
Unterricht über ‚das nationalsozialistische Gedankengut‘, über das ich mir vorher kaum Gedanken 
gemacht hatte. Nun aber kam es systematisch und konzentriert und wurde ungeheuer ernst geno m-
men. Nachts konnte ich nicht schlafen, weil all das zu dem nicht paßte, was ich gelesen und gelernt 
hatte. Bis dahin waren das tägliche Leben u nd die tägliche Lektüre beziehungslos nebeneinander 
hergelaufen. Zum ersten Mal, spät genug, griffen die Leselektionen in den Alltag ein“ (Glück gehabt, 
S. 61). 
Der letzte Eintrag in seinem „Leistungsbuch“ datierte vom 8. August 1936; er gab sein Amt 
auf, wechselte 1938 in die eigentliche HJ, die sich „wenigstens in Arheilgen, auf unzähmbare 
Rüpeleien gegen die Vorgesetzten beschränkte“ (S.  62). Während es ihn 1933 noch empört 
hatte, dass der ortsansässige jüdische Hühnerfutterhändler von der SA in den Tod getrieben 
wurde (Hensel beschreibt dies als eine seiner früh esten Kindheitserinnerungen), stellten für 
ihn die Ereignisse rund um die Pogromnacht im November  1938 keinen Grund mehr für E m-
pörung dar.

247 
Nach dem Abitur 1941 wurde Hensel zunächst zum RAD eingez ogen (RAD 8/242, Arbeit s-
mann, HHStAW, DD). Er meldete sich daraufhin freiwillig zum K riegsdienst, weil er sich nur 
dadurch – so Hensel – die Waffengattung aussuchen konnte. 
„Den Sack der nationalsozialistischen Erziehung hatte ich mir so weit vom Kopf geze rrt, daß ich, sieb-
zehn Jahre alt, wußte: Was man mir in Zukunft auch raten oder befehlen mochte, für mich gab es nur 
noch eine einzige ernsthafte Aufgabe: den Kopf zu retten“ (S. 80). 
Er meldete sich wiederum freiwillig zur Funker -Ausbildung – in der Hoffn ung, so möglichst 
weit von der Front entfernt eingesetzt zu werden. Tatsächlich wurde er 1943 zu einer „Nach-
richten-Fernaufklärungs-Kompanie“ kommandiert (NAFAK 626 , Rang 1944: Obergefreiter, 
HHStAW, DD); schließlich wurde seine Arbeit als „führungswichtig “ eingestuft und ihm „der 
infanteristische Fronteinsatz verboten“. In seinen Kriegstagebüchern stand „kein Wort über 
den Krieg“: 
„Sie lesen sich wie Reisebeschreibungen eines zivilen Touristen. Es sind Notizen und kleine Aufsätze 
über Landschaften, Städte und Menschen. Skizzen von friedlichen Alltäglichkeiten, die es so nicht gab 
zwischen Kursk und dem Asowschem Meer, zwischen Charkow und dem Kaukasus, zwischen Buk a-
rest, Budapest, Bratislava und Baden-Baden“ (S. 90). 
Gemeinsam mit Kameraden desertierte Hens el kurz vor Kriegsende und versteckte sich mit 
einem Freund auf einer Almhütte in Oberbayern. Er wurde schließlich offiziell aus der 
Wehrmacht entlassen, entging so der Kriegsgefangenschaft und kehrte noch im Sommer 
1945 nach Darmstadt (Arheilgen) zurück. Im November 1945 begann er offiziell (mit Geneh-
migung seitens der Militärregierung) seine Ausbildung beim Darmstädter Echo. 
Georg Hensel war außer in der HJ in keiner anderen NS -Organisation Mitglied. Seine Ang a-
ben im Fragebogen des Entnazifizierungsverfah rens (von dem nur der Meldebogen vorliegt) 
stimmen mit denen in seinen veröffentlichten autobiografischen Zeugnissen überein. Hensel 
gab unter dem Punkt „Selbsteinschätzung“ an: „Entlastet (Jahrgang 1923)“. 
 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 3625/47 (nur Meldebogen) 
HStAD, R 12 P Nr. 2133 
StadtA DA, ST 61, Hensel, Georg 
 
Literatur: 
Deppert, Fritz: Hensel, Georg. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 370 f. 
Hensel, Georg: Glück gehabt. Szenen aus einem Leben. Frankfurt am Main 1994. 
Hensel, Georg: Georg Hensel. In: Assmann, Michael (Hrsg.): „Wie sie sich selber sehen“. Antrittsreden 
der Mitglieder vor dem Kollegium der Deutschen Akademie. Göttingen 2000, S.  270-272 [Erstdruck 
1985]. 
Hensel, Georg: Etappen. Viernheim 1956.

248 
Elly-Heuss-Knapp-Weg (L 8), benannt 2004 nach 
Elly Heuss-Knapp (1881-1952) 
Politikerin und Sozialreformerin 
 
* 25. Januar 1881 in Straßburg (Elsaß) 
1899 Lehrerinnenexamen in Straßburg, Lehrerin an einer Privatschule 
1900 Lehrerin für Bürgerkunde an einer Fortbildungsschule für Mädchen in Straßburg 
1905-1906 Studium der Volkswirtschaft an den Universitäten Freiburg im Breisgau und Berlin 
1906 Wiederaufnahme des Unterrichts in Straßburg und Beginn ihrer Vortragstätigkeit 
1908 Heirat mit Theodor Heuss in Stra ßburg (ein Sohn), Umsi edlung nach Berlin; fortan schriftstelle-
rische Tätigkeit 
1911 Lehrerin an der Sozialen Frauenschule Alice Salomons 
1912 Umzug nach Heilbronn 
1914-1918 Arbeitsvermittlung für Frauen von Soldaten im Felde in Heilbronn; Fortsetzung der Vo r-
tragstätigkeit 
1918 Umzug nach Berlin, Lehrerin im Pestalozzi-Fröbel-Haus und in der Sozialen Frauenschule 
1919/20 Erfolglose Kandidaturen zur Weimare r Nationalversammlung (1919) und  zum Deutschen 
Reichstag (1920) 
1923 Mitarbeit in der Evangelischen Gemeinde zum Heilsbronnen in Berlin-Schöneberg, über mehre-
re Jahre Teilnahme an religionspädagogischen Seminaren 
1926-1933 Lehrerin am Burckhardt-Haus in Berlin-Dahlem 
Seit 1928 Rundfunkvorträge 
1931-1933 Mitglied des Kulturbeirats am Berliner Rundfunksender 
1933-1942 Werbefachfrau und -beraterin namhafter Firmen in Deutschland und der Schweiz, Run d-
funk-/Schallplattenwerbung, nach dem Verbot der Rundfunkwerbung ab 1935 Kinowerbefilme 
1934 „Ausblick vom Münsterturm. Erlebtes aus dem Elsaß und dem Reich“ (Autobiografie) 
1939 Italienreise (Mai); Werbefilmarbeiten auf Baltrum (Juli) 
1943 Aufenthalt auf dem „Boschhof“ in Oberbayern, dort Arbeit als Hauslehrerin 
1943 Umsiedlung nach Heidelberg-Handschuhsheim (zu ihrer Schwester) 
1945 Wiederaufnahme der publizistischen Tätigkeit und Umzug nach Stuttgart 
1946-1949 Mitglied des Landtags von Württemberg-Baden in Stuttgart (erst DVP, dann FDP) 
1949 Umsiedlung nach Bonn-Bad Godesberg 
1949 Mitbegründerin des Deutschen Rates der Europäischen Bewegung, dessen Vizepräsidentin 
1950 Umsiedlung nach Bonn, Villa Hammerschmidt 
1950 Gründung der „Elly-Heuss-Knapp-Stiftung Deutsches Müttergenesungswerk“ 
† 19. Juli 1952 in Bonn

249 
Ehrungen: 
Ehrenbürgerin von Badenweiler 
Benennung zahlreicher Schulen und Straßen 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Elly Heuss -Knapp, Politiker in, Publizistin und Sozialreformerin, war 1933 -1945 von ihrem 
öffentlich-politischen Wirken weitgehend ausgeschlossen. Einer breiteren Öffentlichkeit b e-
kannt wurde sie nach 1945 als Ehefrau des ersten deutschen Bundespräsidenten; als ihr 
wichtigstes Vermächtnis gilt das von ihr 1950 ins Leben gerufene Müttergenesungswerk. 
Elly Heuss-Knapp und ihr Mann, Theodor Heuss, gelten (und galten) allgemein als Gegner des 
NS-Regimes. Theodor Heuss wurde von seiner Lehrtätigkeit an der Deutschen Hochschule für 
Politik entbunden; er verlor 1933 auch sein Reichstagsmandat. Heuss arbeitete in der NS-Zeit 
verstärkt an Biografien – für das Familieneinkommen trug vornehmlich Elly Heuss -Knapp 
Sorge. Auch sie war – wohl aufgrund einer Denunziation (Vater, S. 223, Strerath-Bolz, S. 83) – 
zur Aufgabe ihrer Lehrtätigkeit am Burckhardthaus (evangelisches Bildungsinstitut) gezwu n-
gen. Eine Durchsuchung ihres Wohnhauses im Oktober 1933 verstärkte die allgemeine Ve r-
unsicherung. 
Auf Anregung ihres Cousins Hermann Geiger -Otto, der die Wyb ert-Gaba-Werke in Basel le i-
tete, begann Elly Heuss-Knapps Arbeit in der Werbebranche (zum Folgenden siehe die Briefe 
bei Vater, S.  230 ff.). Insbesondere im neuen Feld der Rundfunkwerbung betätigte sie sich 
mit großem (auch finanziellem) Erfolg. Sie verban d gereimte Werbebotschaften mit einem 
musikalischen Warenzeichen – Heuß-Knapp gilt allgemein als Erfinderin des „Jingles“ – und 
nahm zahlreiche Werbeschallplatten auf. Ende 1934 arbeitete sie im Werbereich bereits für 
ein Dutzend Firmen und bewarb bekannte  Produkte und Marken, wie etwa Nivea (Beier s-
dorf) und Persil (Henkel). Im Laufe ihrer Karriere als Werbefachfrau arbeitete sie auch für  die 
Firmen/Marken AEG, Bosch,  Hansaplast, Leica, Kaffee Haag,  Kaloderma, Knorr, Osram, P y-
ramidon und Reemtsma. 1937 kauften Elly Heuss-Knapp und ihr Mann das Haus in der Kamil-
lenstraße 3 in Berlin, in dem sie schon seit Jahren zur Miete wohnten. 
Ab 1935/36 arbeitete Elly Heuss -Knapp erfolgreich an Werbefilmen, die teils staatlich su b-
ventioniert wurden und im Kino liefen. Im  Sommer 1939 etwa weilte sie zu Aufnahmen an 
einem Werbefilm für die Fischereiwirtschaft  auf der Insel Baltrum. Werbung für private Fi r-
men bzw. privaten Konsum wurde immer stärker reglementiert; als dauerhafte Einnahm e-
quelle erwies sich die Werbung für Niv ea. Noch 1941 entwarf Heuss -Knapp für die Hautcr e-
me eine Anzeige. Mit dem Werbeleiter der Produktlinie stand sie in einer Art freundschaftl i-
chen Beziehung (Strerath-Bolz, S. 97). 
Wenngleich Tagebucheintragungen und Briefe Elly Heuss -Knapps ablehnende Haltu ng g e-
genüber dem NS -Regime zu bezeugen scheinen, war sie als Werbefachfrau „zu Kompromi s-
sen gezwungen“ (Horst Ferdinand): F ür das NS -Winterhilfswerk verfasste sie Werbetexte, 
ebenso im Januar 1940 im Auftrag des „Reichsinstituts für wirtschaftl iche Aufklärung“ eine 
Wäschefibel für Hausfrauen ( „Kriegswaschfibel“). Ein ähnlicher Auftrag erreichte sie  von der

250 
„Reichsstelle für Lederwirtschaft“ – bei der ihr Sohn Ernst Ludwig während des Zweiten 
Weltkriegs tätig war. Das Ergebnis war ein Propagandafilm zum Thema „Schuhpflege“. 
Neben ihrer Tätigkeit im Bereich der Werbung verfasste Elly Heuss -Knapp 1934 (im Alter von 
53 Jahren) eine Autobiografie. Eigentlich vom Verlagsleiter des Ullstein -Verlags, Eduard 
Stadtler, dazu animiert, erschien das Buch unter dem Titel „Ausblick vom Münsterturm“  im 
Oktober 1934 im Hans -Bott-Verlag Berlin – Ullstein erschien eine Veröffentlichung zu der 
Zeit offenbar zu gefährlich. 
Elly Heus-Knapp pflegte Kontakte zu Mitgliedern der Bekennenden Kirche, hörte Predigten 
von Martin Niemöller  in Dahlem und soll – so zuletzt ihre Biografin Ulrike Strerath -Bolz – 
auch aufgrund ihrer kirchlichen Kontakte spätestens ab 1938 von der Gestapo überwacht 
worden sein. 
Ab 1941 gab es für die Werbefachfrau kaum mehr Aufträge. Gesundheitlich angeschlagen 
(bereits 1933 und 1935 erlitt sie schwere Herzanfälle) zog sie sich gezwungenermaßen wei t-
gehend aus der Werbearbeit zurück. Im Herbst 1943 verließ sie Berlin und folgte ihrem 
Mann auf den „Boschhof“ nach Oberbayern. Während Theodor dort im Auftrag der Famil ie 
Bosch an seiner Biografie über den 1942 verstorbenen Robert Bosch arbeitete, unterrichtete 
Elly Kinder der Familie Bosch als Hauslehrerin. 
Im November 1943 zog das Ehepaar nach Heidelberg, wo im Haus von Ellys Schwester Mar i-
anne zwei Dachzimmer frei gew orden waren. In Heidelberg erlebte Elly Heuss -Knapp das 
Kriegsende, bevor sie noch 1945 nach Stuttgart übersiedelte, wo ihr Mann zum „Kultmini s-
ter“ Württemberg -Badens ernannt worden war. Hier nahm sie ihre publizistische Tätigkeit 
wieder auf. Als „Krönung ihres sozialen Engagements“ (Goller, S.  22) gründete sie 1950 das 
Müttergenesungswerk. 
In der eingesehenen biografischen Literatur zu Elly Heuss Knapp steht ihr Wirken in der NS -
Zeit nicht im Zentrum. Alexander Goller widmete dem Zeitraum nur wenige Seiten ; Heuss-
Knapps Wirken als Werbefilmerin spart er vollständig aus. Ulrike Strerath -Bolz, die auch auf 
unveröffentlichte Dokumente zugreifen konnte, sich hier aber hauptsächlich auf die Briefed i-
tion Margarethe Vaters stützte, rückte Elly Heuss -Knapp in die N ähe des Widerstands gegen 
das NS-Regime. Belegen lässt sich das kaum. Schon Vater begründete in ihrem Kommentar 
zu den Briefen aus der NS -Zeit die Beobachtung, dass sich in jenen Briefen kaum eindeutige 
Stellungnahmen finden lassen, mit Heuss -Knapps Angst vor der Gestapo (Vater, S.  223). Als 
Beleg für diese Annahme dienten Äußerungen, die Heuss -Knapp aus der Schweiz an em i-
grierte Bekannte geschrieben hat, und die etwas freier ihr Gefühl der Unterdrückung wä h-
rend der NS -Zeit dokumentierten. Die von Margareth e Vater 1961 herausgegebene Brie f-
sammlung entspricht nicht einer wissenschaftlich-kritischen Edition. 
Es ließen sich keine Entnazifizierungsakten zu Elly Heuss-Knapp ermitteln.

251 
Quellen: 
StadtA DA, ST 61 Heuss, Prof. Dr. Theodor und Heuss-Knapp Elly 
 
Literatur: 
Ferdinand, Horst: Heuss -Knapp, Elly. In: Ottnad, Bernd (Hrsg.): Baden -Württembergische Biogr a-
phien, Bd. 2. Stuttgart 1999, S. 218-223. 
Goller, Alexander: Elly Heuss -Knapp. Gründerin des Müttergenesungswerkes. Eine Biographie. 
Köln/Weimar/Wien 2012. 
Pikart, Eberhard: Heuss, Elly Heuss-Knapp, geborene Knapp. In: NDB 9 (1972), S. 56 f. 
Strerath-Bolz, Ulrike: Elly Heuss-Knapp. Wie die First Lady ihr Herz für Mütter entdeckte. Berlin 2012. 
Vater, Margarethe (Hrsg.): Bürgerin zweier Welten: Elly Heuss -Knapp. Ein Leben in Briefen und Au f-
zeichnungen. Tübingen 1961.

252 
Hirschstraße (E 8), benannt 1918 nach 
Heinrich Hirsch (1854-1932) 
Direktor der Spar- und Darlehenskasse Arheilgen 
 
* 1. November 1854 in Darmstadt 
Heirat mit Maria Lang 
Bürgermeisterei-Sekretär in Arheilgen 
Direktor der Spar- und Darlehenskasse Arheilgen 
† 7. November 1932 in Arheilgen 
 
Ehrungen: 
1910 Verleihung des Silbernen Kreuzes des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Heinrich Hirsch , Direktor der Spa r- und Darle henskasse Arheilgen und  Bürgermeisterei-
Sekretär, hat kaum Spuren in den aufgesuchten Archiven hinterlassen. Da er bereits 1932 im 
Alter von 78 Jahren verstorben ist, existieren keine Entnazifizierungsdokumente; und da die 
Straße wohl schon zu Lebzeiten Hi rschs (1918) nach ihm benannt wurde, ließen sich auch 
keine Dokumente diesbezüglich recherchieren. Einzig die Sterbeurkunde liegt vor. 
Es gibt keine Hinweise auf eine Verbindung von Heinrich Hirsch zum NS-Regime. 
 
Quellen: 
Standesamt Arheilgen, Sterbeurkunde Heinrich Hirsch 
Regierungsblatt 1910, Beilage 31, S. 273. 
 
Literatur: 
---

253 
Hoelscherweg (E 7-8), benannt 1978 nach 
Richard Hoelscher (1867-1943) 
Zeichenlehrer und Kunstmaler 
 
* 5. Februar 1867 in Alsfeld 
1873-1883 Schulbesuch in Alsfeld (Vorschule der Realschule sowie Realschule) 
1883-1887 Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Kassel 
1886 erste Ölskizzen 
1887 Prüfung als Zeichenlehrer an höheren Schulen in Berlin 
1887/88 Militärdienst in Kassel („Einjährig-Freiwilliger“) 
1888-1890 Zeichenlehrer an Schulen in Alsfeld und Offenbach am Main 
1890 Umzug nach Darmstadt 
1890-1914 Zeichenlehrer am Neuen Gymnasium in Darmstadt 
1892 erste Ausstellung beim Kunstverein Darmstadt; in Sommerferien Studienreise nach Italien 
1896 „Der Zeichenunterricht im Neuen Gymnasium“ (Programmabhandlung) 
1898 Gründungsmitglied der „Vereinigung Darmstädter Künstler“ (1923 Vorsitzender in der Nachfo l-
ge Adolf Beyers); Anstellung als Oberlehrer 
1908 Mitglied des Kunstausschusses der Hessischen Landesausstellung 
1908 Bildnis von Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein für Mainzer Schwurgerichtssaal 
1911-1914 Beurlaubung vom Schuldienst auf eigenen Wunsch ; Aufenthalt in Alsfeld und Darmstadt, 
Reisen nach London, Paris und in die Niederlande 
1914 Verlassen des Schuldiensts auf eigenen Wunsch, fortan freischaffender Künstler 
1917-1919 Freiwilliger beim vaterländischen Hilfsdienst 
1919 Heirat mit Anna Ruths (Ehe kinderlos) 
1919-1921 acht Wandbilder („Siegfriedbilder“) für Treppenhaus des Realgymnasiums in Darmstadt, 
gestiftet von Ludwig Wagner (London) 
Ca. 1921 -1928 Bilderzyklus mit Darstellungen aus der Edda für die Augustinerschule in Friedberg 
(letzte Bilder laut Esselborn 1936 angebracht) 
1926 „Hessenkinder auf dem Schulweg“ (Sitzungssaal Landesamt für das Bildungswesen Darmstadt) 
1934-1941 Werkschau sowie Teilnahme an großen Kunst-Ausstellungen in Darmstadt 
† 13. März 1943 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1907 Verleihung des Professorentitels durch Großherzog Ludwig von Hessen und bei Rhein 
1928 Georg-Büchner-Preis [„in dankbarer Würdigung seines meisterlichen, von Heimatliebe und kl a-
rem Menschentum geprägten Werkes“] 
1942 Ehrenmünze der Stadt Darmstadt [anlässlich seines 75. Geburtstags]

254 
Wirken in der NS-Zeit 
Richard Hoelscher, aus Alsfeld stammender Zeichenlehrer und Kunstmaler, lebte seit 1890 in 
Darmstadt. Das Gros seiner Werke war maßgeblich durch seine Heimat in der Schwalm g e-
prägt, wo er weiterhin regelmäßig die Sommermonate verbrachte, sowie durch die Gegend 
um Darmstadt beeinflusst (Landschaftsmalerei, Porträts und andere M otive aus bäuerlichem 
Milieu). 
Zwischen 1933 und seinem Tod 1943 lebte Hoelscher als freischaffender Kunstmaler in 
Darmstadt. Seine eher einfachen Kompositionen sowie seine umfangreichen Bild -Zyklen wa-
ren bis dahin weitgehend unpolitisch. „In den Jahren zwischen 1934 und 1943 schloss er sich 
jedoch deutlich der nationalsozialistischen Kunstauffassung an“, wie Barbara Bott konstatier-
te (Bott, S. 147). Unter anderem malte er Bilder von trommelnden Pimpfen und Porträts von 
Adolf Hitler (Regionalmuseum Alsfeld, Nachlass Richard Hoelscher). 
Hoelscher, „Meister der Heimatkunst“, nahm in der NS -Zeit an großen Ausstellungen in 
Darmstadt teil: 1935 Darmstädter Kunstschau „Deutsche Meister“, 1940 Kunstausstellung im 
Städtischen Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhö he und 1941 Zeitgenössische Kunst  
aus dem Südwestdeutschen Raume auf der Mathildenhöhe. Anlässlich seines 50 -jährigen 
Künstlerjubiläums zeigte die Kunsthalle Darmstadt 1934 eine umfassende Werkschau. Mit 
seiner „heimatlichen Kunst“ war er regelmäßig in der Zeitschrift „Volk und Scholle“ vertreten 
(bereits in deren ersten Ausgabe 1922). „Schon frühe hat er [Hoelscher] erkannt, wo die 
starken Wurzeln seiner Kraft und Eigenart liegen und hat sich allen fremdartigen Einflüssen 
und Modeströmungen fern gehalten“, urteilte Karl Esselborn 1937 anlässlich von Hoelschers 
70. Geburtstags (Esselborn, S.  2). „Seine Kunst ist echt und wahrhaftig. Sie wurzelt in dem 
Volkstum seiner oberhessischen Heimat sowohl in der Form - wie in der Farbgebung. Ihr 
Grundzug ist ernst, sie vermeidet das Auffallende und Grelle, atmet aber eine tiefe Innerlic h-
keit“ (ebenda, S. 7). 
Mit der Verleihung der Ehrenmünze der Stadt Darmstadt durch OB Otto Wamboldt anläs s-
lich des 75. Geburtstags Hoelschers 1942 löste – so ein Gratulant im „Lauterbacher Anzeiger“ 
– „das nationalsozialistische Deutschland eine Ehrenpflicht ein, die es seinen würdigsten 
Kulturträgern schuldet“. 
Es ließen sich keine Nachweise für Mitgliedschaften in NS -Organisationen recherchieren. Da 
Richard Hoelscher im März 1943 verstarb, existieren auch keine Entnazifizierungsdokumente 
zu seiner Person. 
 
Quellen: 
HStAD, G 35 E Nr. 6279 
HStAD, R 4, 27715 
HStAD, R 12 P Nr. 2342 [Zeitungsartikel]

255 
StadtA DA, ST 61, Hoelscher, Richard 
Regionalmuseum Alsfeld, Nachlass Richard Hoelscher 
 
Literatur: 
Bott, Barbara: Gemälde hessischer Maler des 19.  Jahrhunderts im Hessischen Landesmuseum Dar m-
stadt. Bestandskatalog. Heidelberg 2003, S. 146-156. 
Christ, Alexa-Beatrice: Hoelscher, Richard. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 399. 
Esselborn, Karl: Ei n Darmstädter Maler -Jubiläum. Zum 70.  Geburtstag von R. Hoelscher. In: 
Darmstädter Wochenschau, Februar 1937, S. 1-7. 
Gombert, Ludwig: Die Siegfrie dbilder im Realgymnasium zu Darmstadt. Stiftung von Ludwig Wagner 
in London. Darmstadt 1925. 
Hoelscher, Richard: Richard Hoelscher. Der Lebensweg des Künstlers von ihm selbst geschildert. In: 
Volk und Scholle 12 (1934), S. 360-362.

256 
Irenenstraße (H 7), benannt 1872 nach 
Irene Prinzessin von Hessen und bei Rhein (1866-1953) 
Tochter von Großherzog Ludwig IV. von Hessen und bei Rhein 
* 11. Juli 1866 in Darmstadt 
1878 Erkrankung an Diphterie; Tod der Mutter; fortan in Obhut ihrer Großmutter Victoria in England 
1888 Heirat mit Heinrich Prinz von Preußen, drei Kinder 
Ehemann bei der preußisch-deutschen Kriegsmarine; Hauptwohnsitz Stadtschloss in Kiel 
1889 Teilnahme an Jungfernfahrt des Kreuzers „Irene“ (zu Familientreffen auf Malta) 
1894 Erwerb des Landguts Hemmelmark bei Eckernförde 
1894 Reise zur Beerdigung Zar Alexander III. sowie zur Hochzeit ihrer Schwester nach St. Petersburg 
1898 Seereise zur „Ostasiatischen Kreuzerdivision“ in Kiautschau 
1918 nach „Matrosenaufstand“ Rückzug auf Landgut Hemmelmark 
1928 Auswanderung des Sohns Waldemar nach Costa Rica; Aufnahme der Enkeltochter Barbara 
1929 Tod des Ehemanns und dessen Bestattung im Familien-Mausoleum auf Hemmelmark 
1939-1945 zeitweise Aufenthalt auf Schloss Kamenz in Schlesien sowie in Berlin und Potsdam 
1945 Rückkehr nach Hemmelmark 
† 11. November 1953 in Hemmelmark 
Ehrungen: 
--- 
Wirken in der NS-Zeit 
Über Irene Pri nzessin von Hessen und bei Rhein, dritte Tochter des Darmstädter Thronfo l-
gerpaares (Ludwig IV. Großherzog von Hessen und bei Rhein und Alice Prinzessin von Gro ß-
britannien), liegen nur wenige Informationen zu ihrem Wirken in der NS-Zeit vor. 
Bei Eckhart G. Franz heißt es: 
„Im Zweiten Weltkrieg lebte Prinzessin Irene z. T. auf Schloss Kamenz in Schlesien, das Sohn Wald e-
mar von seinem Vetter Joachim Albrecht von Preußen geerbt hatte. Waldemar starb auf der Flucht 
1945, während die Mutter, zusammen mit der vom Kriegsausbruch in Europa überraschten Enkelin 
Barbara […] unbeschadet ins zunächst von der Royal Air Force beschla gnahmte Hemmelmark zurück-
kehrte“ (Franz, S. 372 f.). 
Es ließen sich keine Entnazifizierungsakten zu Irene ermitteln, die bei Kriegsende 1945 b e-
reits 78 Jahre alt war. 
Quellen: 
StadtA DA, ST 61, Irene von Hessen, Prinzessin 
Literatur: 
Franz, Eckhart G. (Hrsg.): Haus Hessen. Biografisches Lexikon. Darmstadt 2012, S. 371-373.

257 
Heinrich-Jobst-Treppe (J 9), benannt 2001 nach 
Heinrich Jobst (1874-1943) 
Bildhauer und Medailleur 
 
* 6. Oktober 1874 in Schönlind (heute Ortsteil von Vilseck, Oberpfalz) 
1880 Umzug nach München 
Ab 1888 Ausbildung zum Bildhauer bei Johann Hauptmann in München 
1896-1898 Schüler der Kunstakademie München 
1898-1901 Gehilfe verschiedener Bildhauer, Mitarbeiter von Georg Wrba 
1901-1907 Fachlehrer an der Bildhauerklasse der Städtischen Kunstgewerbeschule München; Arbe i-
ten im Jugendstil 
1907-1914 Mitglied der Darmstädter Künstlerkolonie; Zusammenarbeit und Freundschaft mit einigen 
Mitgliedern der Künstlerkolonie sowie mit Paul Meissner 
1907-1911 Lehrer für Plastik am Großherzoglichen Lehratelier für angewandte Kunst 
1908 Relief am Portal des Hochzeitsturms sowie Portalschmuck am Zentralbad, Darmstadt 
1908 Beteiligung an Hessischer Landesausstellung für freie und angewandte Kunst in Darmstadt 
1909 Triton-Brunnen und Hessen-Löwe auf dem Paulusplatz, Darmstadt 
1909/10 Beneke-Brunnen, Bad Nauheim 
1911-1913 Sprudelhof, Bad Nauheim 
1913 Liebig-Denkmal, Luisenplatz Darmstadt 
Ca. 1914 Löwen sowie Fahnenmasten vor dem Hessischen Landesmuseum, Darmstadt 
1915 Ernst-Ludwig-Brunnen (heute Ludo-Meyer-Brunnen), Offenbach 
1919 Involviert an Gründung des Verbands der bildenden Künstler in Hessen 
1924 Heirat mit Felicitas Fehr (vier Kinder) 
1928 Leibgardisten-Denkmal (Gefallenen-Ehrenmal), Darmstadt 
1933 Justus-Liebig-Plakette 
1934 Hitler-Büste 
1934-1940 Beteiligung an großen Kunst-Ausstellungen in Darmstadt 
1938 Hakenkreuz-Dekor am Neubau der Materialprüfungsanstalt, Darmstadt 
† 10. Februar 1943 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1909 Ernennung zum Professor durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein 
1909 Goldene Medaille Internationale Kunstausstellung München 
1943 Gedächtnisausstellung im Landesmuseum

258 
Wirken in der NS-Zeit 
Heinrich Jobst, vielseitiger Bildhauer und Medailleur, Mitglied der Künstlerkolonie, lebte seit 
1907 in Darmstadt. Er hat in Darmstadt zahlreiche Werke hinterlassen, wovon jene im ö f-
fentlichen Raum (etwa Liebig -Denkmal, Löwen vor dem Landesmuseum, Leibgardiste n-
Denkmal, Reliefs und Ba uplastiken an Hochzeitsturm, Zentralbad und Hauptbahnhof) sowie 
seine Grabdenkmale (Kittler, Olbrich, von Römheld) wohl die bekanntesten darstellen. Z u-
dem entwarf er ab 1907 zahlreiche Medaillen und Plaketten, darunter um 1920 die Ve r-
dienstmedaille der Stadt Darmstadt. 
Zwischen 1933 und seinem Tod 1943 wirkte Jobst in Darmstadt. Er war kein Mitglied der 
NSDAP, muss hingege n Mitglied der RKK gewesen sein  (wenngleich sich dafür keine Belege 
finden ließen). Im Auftrag der Firma E.  Merck gestaltete er 1933 eine  Justus-Liebig-Plakette 
(Quarg, S. 123). 1934 fertigte er Hitler-Büsten an; auch eine Göring-Büste entstammte seiner 
Werkstatt. Für den Neubau der Materialprüfungsanstalt in Darmstadt 1938 entwarf er drei 
dekorative Elemente an der Fassade des Eingangsbere ichs, darunter ein Adler, der in seinen 
Krallen ein Hakenkreuz im Lorbeerkranz hält. 
Ein im Stadtarchiv Darmstadt überlieferter Brief legt nahe, dass Jobst eine Hitler -Büste in 
öffentlichem Auftrag anfertigte. Der Brief vom 16.10.1934 an  Oberst Ferdinand von Hahn, 
von Jobst unterzeichnet „Mit Heil Hitler! bin ich ganz ergebenst“, bestätigt den „Empfang 
von 800 M[ark] für die Hitlerbüste die Herr Reichsst atthalter Sprenger erworben hat “. Nach 
Fertigstellung sollte die bronzene Büste an die „Vertretung Hesse ns in Berlin“ versandt we r-
den. Es wurden Postkarten mit dem Motiv der Hitler -Büste angefertigt (eine davon ist im 
Nachlass Buxbaum überliefert, StadtA DA, ST 45 Bux baum). In zeitgenössischen Zeitungsarti-
keln finden sich Aufnahmen des dekorativen Hakenkreuz-Elements an der Fassade der Mate-
rialprüfungsanstalt, von Jobst entworfen und von seinem Mitarbeiter Hermann ausgeführt. 
Ein Sohn des Künstlers, Heinrich Jobst (jun.), bezeugte in einem Brief aus dem Jahr 1997 se i-
ne Erinnerung an die NS -Zeit (auf dass sein  Vater „nicht in einem falschem Licht gesehen“ 
werde): 
„Nun könnte man annehmen, daß er mit der NS -Regierung einverstanden war, weil er einige Hitle r-
büsten, eine Göringbüste und ein paar Hakenkreuze an Baudekorationen geschaffen hat. Die Gründe 
für seine A nnahme solcher Aufträge liegen einmal darin, daß er eine Familie mit vier Kindern zu e r-
nähren hatte; zum anderen war ihm bewußt, daß, wenn er als Nichtparteimitglied einen derartigen 
Auftrag verweigert hätte, die Gestapo bald im Atelier erschienen wäre.“ 
Nach der im genannten Schreiben dokumentierten Erinnerung des Sohnes habe der Vater 
unter „dieser Zwangssituation“ sehr gelitten, zumal „er [der Vater] Hitler […] regelrecht zu 
hassen begann“. Niemals habe er den Vater „Heil Hitler!“ sagen hören. In die NSD AP sei 
Heinrich Jobst trotz verlockender Angebote, „teils mit versteckten Drohungen“ versehen, nie 
eingetreten. 
Der Heimatforscher Karl-Heinz Hohenschuh, der sich eingehend mit dem Werk von Heinrich 
Jobst beschäftigte, sah den Künstler ebenfalls in finanziellen Zwängen – auch, weil nach 1933 
Aufträge jüdischer Auftraggeber kaum mehr möglich waren. Obwohl die nationalsozialist i-

259 
sche Geisteshaltung „zweifellos Einfluss“ auf das Werk Heinrich Jobsts gehabt hätte, habe 
dieser den Nationalsozialismus abgelehnt: 
„Die mitunter zu hörende Meinung, Jobst sei ein willfähriger Zuarbeiter der Nazis gewesen, ist a b-
surd. Sie kann nur von Leuten geäußert werden, welche die Umstände der Zeit von 1933 bis 1945 
nicht aus eigenem Erleben kennen und deshalb aus heutiger Sicht ni cht begreifen können. Da sich 
Jobst wiederholtem Drängen, in die NSDAP einzutreten, erfolgreich widersetzen konnte, ist das G e-
genteil richtig […]. Er war vielmehr ein Künstler, der sich nur seinem Werke verpflichtet sah“ (Hohe n-
schuh, S. 19). 
Hohenschuh gab  (ohne hierzu eine Quelle zu nennen) an, „eine Gruppe hochrangiger SS -
Leute“ sei in Jobsts Atelier erschienen, habe den Auftrag zur Hitler -Büste erteilt und sogleich 
eine entsprechende Anzahlung getätigt (Hohenschuh, S.  119). Einem Bericht der Frankfurter 
Rundschau zu Folge sei die „Führerbüste“ selbst während der NS-Zeit nur kurzzeitig zu sehen 
gewesen, da Oberpräsident Prinz Philipp von Hessen „die Arbeit des Bildhauers Heinrich 
Jobst für derart misslungen hielt, dass ein neuer Guss auf die Zeit nach dem Krieg verlegt 
wurde“ (FR vom 23.04.2005). 
Heinrich Jobst war während der NS -Zeit an großen Ausstellungen in Darmstadt beteiligt: 
1934 Deutsche Frühjahrs -Ausstellung, 1935 Darmstädter Kunstschau „Deutsche Meister“, 
1937 Lebendige Darmstädter Kunst, 1940 Kun stausstellung im Städtischen Ausstellungsg e-
bäude auf der Mathildenhöhe. 
Noch im Sommer 1943, wenige Monate nach dem Tod des Künstlers, fand in den Räumen 
des Hessischen Landesmuseums eine Gedächtnisausstellung zu Ehren von Heinrich Jobst 
statt, von O B Otto Wamboldt feierlich eröffnet. Kriegsbedingt konnte nur ein Teil seiner A r-
beiten ausgestellt werden. 
Da Heinrich Jobst 1943 starb, ließen sich keine Entnazifizierungsdokumente recherchieren, 
die etwa nähere Angaben zu Mitgliedschaften in NS-Organisationen hätten liefern können. 
 
Quellen: 
HStAD, R 12 P Nr. 2660 
HStAD, G 37 Nr. 3664 
[Unter HStAD, R 4, zahlreiche Bilder von Werken Jobsts] 
StadtA DA, ST 45 Buxbaum Nr. 31 
StadtA DA, ST 61, Jobst, Prof. Heinrich 
[http://www.dfg-vk-darmstadt.de/Lexikon_Auflage_2/JobstHeinrich.htm] Zugriff: 19.09.2016 
 
Literatur: 
Dotzert, Roland/Wolbert, Klaus (Hrsg.): Kunst im öffentlichen Raum. In Darmstadt 1641 -1994, bearb. 
von Emmy Hoch und Erich Eck. Darmstadt 1994.

260 
Esselborn, Karl: Hessische Lebensläufe. Darmstadt 1979, S. 209-212 [Original 1937]. 
Hohenschuh, Karl Heinz: Heinrich Jobst (1874 -1943). Ein Darmstädter Bildhauer aus Bayern. Dar m-
stadt 2005. 
Müller, Bernhard: Neuere Arbeiten von Heinrich Jobst. In: Deutsche Kunst und Dekoration 41 (1917 -
1918), S. 288-296. 
Quarg, Gunter: Medaillen und Plaketten von Heinrich Jobst. In: Kunst in  Hessen und am Mittelrhein 
34 (1994), S. 115-123. 
Schmidt, Joachim: Paulusplatz-Geschichten. 100 Jahre im Tintenviertel. Darmstadt 2014. 
Ulmer, Renate: Jobst, Heinrich. In: Darmstädter Stadtlexikon (2006), S. 449 f. 
Ulmer, Renate: Jugendstil in Darmstadt. Darmstadt 1997, S. 188-192.

261 
Jakob-Jung-Straße (E 8-9), benannt 1953 nach 
Jakob Jung (1867-1943) 
Bürgermeister in Arheilgen 
* 21. März 1867 in Wixhausen 
1892 Heirat mit Katharina [???] in Arheilgen, zwei Kinder; Umzug nach Arheilgen 
Bis 1914 Dreher bei der Firma Carl Schenck 
1905-1910 Vorsitzender des Gewerkschaftskartells Arheilgen (mit Unterbrechung 1908) 
1907-1919 Vorsitzender der SPD-Arheilgen 
1908 auf einer Versammlung der antisemitischen Chris tlich-Sozialen entkräftete Jung die Argumente 
des Referenten 
1914 Gemeinderechner in Arheilgen (Bürgermeisterei) 
1918 Mitglied des (fünf Mitglieder umfassenden) Arbeiter-, Bauern- und Soldatenrats in Arheilgen 
1919-1933 Bürgermeister von Arheilgen (1919 und 1925 ohne Gegenkandidat gewählt) 
1920 Kreisbeigeordneter (1925 wiedergewählt) 
1923 als Bürgermeister von Arheilgen Ablehnung der Anerkennung der „Rheinischen Republik“; am 
26. Oktober daraufhin inhaftiert und bis 6. Dezember im französischen Militärgefän gnis in Wiesb a-
den festgehalten 
1933 Absetzung als Bürgermeister mit Verweis auf die „Verordnung zur Sicherung der Verwaltung in 
den Gemeinden“ durch die NSDAP 
1940 Tod seiner Ehefrau Katharina 
† 19. August 1943 in Darmstadt 
 
Ehrungen: 
1931 Ehrung für 31 Jahre Tätigkeit im Konsumverein, dessen Aufsichtsratsvorsitzender er war 
 
Wirken in der NS-Zeit 
Jakob Jung, SPD-Bürgermeister von Arheilgen, wurde im April 1933 von den Nationalsoziali s-
ten aus seinem Amt entlassen. 
Die SPD war mit 43,5 Prozent der Stimmen no ch bei der Reichstagswahl im März  1933 
stärkste Partei in Arheilgen geblieben. Dennoch wurde Jakob Jung als SPD -Bürgermeister am 
3. April 1933 durch den NSDAP -Ortsgruppenleiter von Arheilgen, Julius Birkenstock, entlas-
sen; mit Verweis auf die „Verordnung zur Sicherung der Verwaltung in den Gemeinden“  (Ab-
setzungsbescheid veröffentlicht bei Mampel, S. 215, siehe auch S. 207 f.). 
Über Jungs Wirken zwischen 1933 und seinem Tod 1943 ließen sich nur wenige Informati o-
nen recherchieren. Laut Georg Mampel galt der l angjährige Vorsitzende der SPD -Arheilgen 
als überzeugter Sozialdemokrat, der sich als Gemeinderat sowie als Bürgermeister von A r-
heilgen für die Belange Benachteiligter eingesetzt hatte. Zu Beginn des 20.  Jahrhunderts be-

262 
zog er offen gegen antisemitische Pos itionen Stellung. Seine beiden Söhne, ebenfalls SPD -
Mitglieder, bekamen in der NS -Zeit Schwierigkeiten bzw. wurden ebenfalls entlassen und 
mussten sich neue Arbeit suchen (Mampel, S. 211 f.). 
Im Oktober 1931 äußerte sich Jung anlässlich einer Ehrung für se ine langjährige Tätigkeit als 
Aufsichtsratsvorsitzender des Konsumvereins zu den Grundgedanken, die seinem Wirken in 
der Genossenschaftsbewegung als Richtlinie dienten: 
„Demokratie, Brüderlichkeit, Wohlwollen und Nächstenliebe als geistiges Band. Nur wenn die Nächs-
tenliebe wieder tiefere Wurzeln fasst, kann der Gedanke der Brüderlichkeit wieder den Boden der 
Zukunft gewinnen. Wir brauchen keine Gewinnmenschen, sondern die Erhaltung des Lebens muß 
Grundsatz bleiben“ (Beilage zum hessischen Volksfreund vom 16.10.1931). 
Aufgrund des Tods von Jakob Jung im Jahr 1943 ließen sich keine Entnazifizierungsdokume n-
te recherchieren. 
Quellen: 
HStAD, P 9 Nr. 325/16 [Jakob-Jung-Straße] 
StadtA DA, ST 61 Jung, Jakob 
StadtA DA, Meldebogen 
Literatur: 
Engels, Peter: Arheilgen. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 39-43. 
Mampel, Georg: 1878-1978. 100 Jahre Sozialdemokratie in Arheilgen. Darmstadt 1986.

263 
Junkersweg (H 7), benannt 1985 nach 
Hugo Junkers (1859-1935) 
Erfinder, Konstrukteur, Unternehmer 
* 3. Februar 1859 in Rheydt (heute Stadtteil von Mönchengladbach) 
1867-1874 Besuch der Höheren Bürgerschule Rheydt 
1875-1878 Höhere Gewerbeschule in Barmen, Abschluss: Abitur 
1878-1883 Studium an den Technischen Hochschulen Charlottenburg, Karlsruhe und Aachen 
1883 Bauführer-Prüfung; Konstrukteur in rheinländischen Maschinenfabriken 
1888-ca. 1893 Tätigkeit in der Dessauer Continental-Gasgesellschaft 
1892 Herstellung des ersten Zweitakt -Gegenkolben-Gasmotors; Patent auf das Kalorimeter (Apparat 
zur Bestimmung des Heizwerts von Gasen) 
1894 Entwicklung des ersten Gasbadeofens auf der Grundlage des Kalorimeters 
1895 Gründung der Firma „Junkers & Co“ (ICO) in Dessau, Fabrik für Gasapparate (ab 1911 auch Bau 
von Flugzeugen) 
1897-1912 Professor für Maschinenbau und Thermodynamik an der TH Aachen 
1898 Heirat mit Therese Bennhold aus Dessau, zwölf [!] Kinder 
1902 Gründung eines Forschungslaboratoriums in Aachen (Entwicklung von Ölmotoren) 
ab 1909 auf Grundlage vorhergehender Forschungen Hinwendung zum Flugzeugbau 
1910 „Patent über eine körperliche Gestaltung der Tragflächen“ (Flügel-Konstruktion) 
1915 Entwicklung und Erstflug des ersten Ganzmetallflugzeugs (J 1) 
1917-1919 „Junkers-Fokker AG“ (ILA) in Dessau 
1919 Gründung der „Junkers -Flugzeugwerke AG“ (ILA) in Dessau; Bau des ersten Ganzmetall -
Verkehrsflugzeugs (F 13), zentral für die Entwicklung der deutschen Luftfahrt 
1921 „Abteilung Luftverkehr der Junkerswerke“; eigenes Unternehmen zur Organisation des Inlan d-
flugverkehrs 
1923 „Junkers Motorenbau GmbH“ (Jumo) in Dessau 
1923 Errichtung einer Flugzeugfabrik in Fili (bei Moskau) 
1924 „Junkers Luftverkehr AG“ (ging aus „Abteilung Luftverkehr“ hervor und 1926 in der „Deutschen 
Lufthansa AG“ auf) 
ab 1925 enge wirtschaftliche Beziehungen zum Bauhaus in Dessau; Beginn der Freundschaft zu Wa l-
ter Gropius 
ab 1932 Produktion der „Ju 52“ (bis Anfang der vierziger Jahre meistgebautes Verkehrsflugzeug) 
1933 Junkers wird zur Übereignung seiner Patente und Aktien an das Deutsche Reich gezwungen; 
Ausscheiden aus dem Unternehmen 
1934 „Forschungsanstalt Prof. Junkers GmbH“; Metallhausforschung 
† 3. Februar 1935 in Gauting bei München

264 
Ehrungen: 
1897 Ernennung zum Professor für Maschinenbau und Thermodynamik (TH Aachen) 
1919 Ehrendoktor (Dr. Ing. e. h.) der TH München 
1925 Ehrendoktor (Dr. phil. h. c.) der Universität Gießen 
1928 Ehrenbürger in Dessau, Rheydt und Aachen 
1929 Ehrensenator der TH Karlsruhe und der TH München 
1933 Senator der Deutschen Akademie 
2001 Technikmuseum „Hugo Junkers“ in Dessau 
Wirken in der NS-Zeit 
Hugo Junkers, Erfinder, Konstrukteur und Unterne hmer, gilt als herausragender deutscher 
Flugzeugpionier. Er besaß bis 1933 zahlreiche wichtige Patentrechte , unter anderem im B e-
reich des Flugzeugbaus. 
Bereits wenige Tage nach der „Machtübernahme“ durch die Nationalsozialisten wurde Hugo 
Junkers aufgefordert, seine privaten Patentrechte auf seine Firmen zu übertragen. Als er dies 
ablehnte, wurde vom anhalti nischen Oberstaatsanwalt Erich Lämmler ein Verfahren gegen 
ihn wegen Verdachts auf Spionage eingeleitet (Vorwurf: Landesverrat). Im Mai 1933 wurde 
Junkers untersagt, während des Verfahrens Dessau zu verlassen; im Juni 1933 unterschrieb 
Junkers (im Beisein von Lämmler) die Übertragung von über hundert privaten Patenrechten 
auf seine Firma (ILA). In der Literatur kursieren Mutmaßungen, wonach Hermann Göring  für 
die Zwangsmaßnahmen verantwortlich zeichn ete – der zehn Jahre zuvor von Junkers als 
Testpilot abgelehnt worden war. 
Im August 1933  erhielten die Dessauer Junkers -Werke einen umfangreichen Staatsauftrag 
zur Produktion mehrerer Tausend Flugzeuge für die  Luftwaffe. Anfang Oktober wurde dann 
im Reichsluftfahrtministerium (RLM) der Beschluss gefasst, Junkers zu r Übergabe von 51  % 
seiner Aktien an die Regierung zu zwingen. Oberstaatsanwalt Lämmler beorderte Junker s, 
der sich in Bayrischzell (nahe München) aufhielt, nach Dessau. Am 17. Oktober 1933 wurde 
Junkers unter Polizeiaufsicht nach Dessau gebracht und offenbar noch in der gleichen Nacht 
zum Verzicht auf seine Aktienmehrheit genötigt. 
Im November 1933 wurden schließlich Geschäftspapiere von Junkers Firmen beschlagnahmt. 
Junkers musste auf Veranlassung des RLM seine Ämter als Aufsichtsratsvorsitzender bzw. 
Geschäftsführer niederlegen; er verlor den Einfluss auf seine sämtlichen Werke. Im Deze m-
ber 1933 wurde er aus Dessau ausgewiesen.  Ohne polizeiliche Gene hmigung durfte er sein 
Landhaus in Bayrischzell zunächst nicht verlassen. 
In seinen letzten Lebensjahren  widmete sich Junkers insbesondere Forschungen im Bereich 
des Leichtmetallbaus auf dem Bausektor: dem Metallhaus (dazu ausführlich Lauff und Scheif-
fele). 1934 gründete er zu diesem Zweck die Forschungsanstalt Prof. Junkers GmbH  Mün-
chen. In München richtete er sich im Frühjahr 1934 (nach der Lockerung des Arrests) eine 
Werkstatt ein und lebte mit seiner Familie in der Stadt (Blunck, S.  276). – Schon seit Mitte

265 
der 1920er Jahre hatte  Junkers Kontakte zum Bauhaus in Dessau gepflegt (Lauff, S.  84 ff., 
Scheiffele, S. 160 ff.); 1929/30 hatte es erste gemeinsame Architekturprojekte gegeben. 
Im Zuge der Aufrüstung wurden die Junkers -Werke (unter Beibehaltung des N amens) zu e i-
ner der größten Produktionsstätten für Militärflugzeuge ausgebaut. Junker s selbst starb 
1935 in der Nähe  von München. Auf die Entwicklung seines ehemaligen Unternehmens zum 
kriegswichtigen Betrieb und der Produktion der Sturzkampfbomber (Stukas ) hatte er keinen 
Einfluss mehr. 
Es ließen sich keine Entnazifizierungskaten zum 1935 verstorbenen Flugzeugpionier reche r-
chieren. Eine wissenschaftlichen Maßstäben genügende Biografie zu Hugo Junkers war nicht 
verfügbar. 
Quellen: 
--- 
Literatur: 
Behrsing, Gert: Junkers, Hugo. In: NDB 10 (1974), S. 695-697. 
Blunck, Richard: Hugo Junkers. Der Mensch und das Werk. Berlin 1942. 
Budraß, Lutz: Die Enteignung von Hugo Junkers. In: Ders.: Flugzeugindustrie und Luftrüstung in 
Deutschland 1918-1945. Düsseldorf 1998, S. 320-335. [NICHT eingesehen, in ULB nicht am Standort!] 
Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am 
Main 42013, S. 293. 
Lauff, Sebastian: Der Traum vom Bauen. Hugo Junkers und die Architektur. Berlin 2001. 
Lorenz, Holger: Kennzeichen „Junkers“. Ingenieure zwischen Faust-Anspruch und Gretchen-Frage. Die 
technischen Entwicklungen und politischen Wandlungen der Junkerswerke von 1931 bis 1961. Mar i-
enberg 2005. 
Scheiffele, Walter: Bauhaus, Junkers, Sozialdemokratie. Ein Kraftfeld der Moderne. Berlin 2003. 
Schmitt, Günter: Hugo Junkers und seine Flugzeuge. Stuttgart 1986.

266 
Kirnbergerstraße (R 7), benannt 1965 nach 
Ferdinand Kirnberger (1875-1962) 
Finanz- und Justizminister im Volksstaat Hessen 
* 12. Januar 1875 in Mainz 
Besuch des humanistischen Gymnasiums 
Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Freiburg im Breisgau, Berlin und Gießen 
1901 Große juristische Staatsprüfung 
Referendar an verschiedenen Mainzer Gerichten; Assessor an verschiedenen Kreis ämtern (darunter 
auch jenes in Darmstadt) 
1905 Heirat mit Auguste Humann, vier Kinder 
1906 Kreisamtmann und Feldbereinigungskommissar in Friedberg 
1912 Tätigkeit beim Kreisamt Offenbach 
1914-1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg; 1915 zum Oberleutnant beförde rt (Feldartillerie); Verset-
zung Ende 1915 in das stellvertretende Generalkommando des 18. Armeekorps (Hauptmann d. R.) 
1915 Ernennung zum Regierungsrat (noch während er „im Felde“ war) 
1917 im Zuge seiner Versetzung nach Darmstadt Übersiedlung der Familie in die Residenzstadt 
1920 Oberregierungsrat beim Landesernährungsamt 
1920/21 Oberregierungsrat der Hessischen Provinzialdirektion Mainz (Familie bleibt in Darmstadt) 
1922 Ernennung zum Ministerialrat im Hessischen Ministerium des Innern  und Mitglied des Ve rwal-
tungsgerichtshofs in Darmstadt 
1926-1934 Präsident des Katholischen Akademikerverbands (KAV) 
1927/28 Nach dem Tod von Otto von Brentano Hessischer Innenminister (Zentrum) 
1928-1933 Hessischer Finanz- und Justizminister unter Bernhard Adelung (1931 auch Übernahme des 
Landwirtschaftsressorts) 
1929 Wahl in das Zentralkomitee der deutschen Katholiken 
Seit 1930 (Mit -)Herausgeber der Schriftenreihe „Kirche und Gesellschaft. Soziologische Veröffentl i-
chungen des Katholischen Akademikerverbandes“ 
1933 Versetzung in den Ruhestand (durch NS-Regime) 
1933 Mitorganisator der „3. Soziologische Sondertagung“ des KAV in Maria-Laach 
1944 im Zuge der „Brandnacht“ Zerstörung seiner Wohnung und der gesamten Einrichtung; zunächst 
Aufenthalt im Odenwald („Notwohnung“ in Fränkisch-Crumbach), dann in Bensheim 
1945 Gründungsmitglied der CDU-Darmstadt (ohne Amt) 
Ab 1946 Autor der neu gegründeten Zeitschrift „Neues Abendland“ 
1946-1951 Direktor (Präsident) des Verwaltungsgerichts Darmstadt 
1947 erneut Präsident des nun wiedergegründeten KAV 
1949 Rückkehr der Familie nach Darmstadt 
1954 Gründungsmitglied der Darmstädter Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit 
† 25. Juni 1962 in Darmstadt

267 
Ehrungen: 
1914 Eisernes Kreuz II. Klasse 
1915 Hessische Tapferkeitsmedaille (verliehen  durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei 
Rhein) 
1924 Ehrenmitglied der katholischen Studentenverbindung K.D.St.V. Rheinpfalz Darmstadt 
1952 Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 
1954 Ehrenpräsident des KAV 
1960 Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
Komturkreuz des Gregorius-Ordens (verliehen mittelbar durch den Papst) 
Wirken in der NS-Zeit 
Ferdinand Kirnberger, Hessischer Finanz - und Justizminister im Volksstaat Hessen, war pr o-
minenter Verwaltungsbeamter und Politiker des Ze ntrums in Hessen und Präsident des K a-
tholischen Akademikerverbands (KAV). 
Kirnberger war für das Zentrum 1927 zunächst als Innenminister in Nachfolge des verstorb e-
nen Otto von Brentano in das Kabinett des Volksstaats Hessen (unter Carl Ulrich) gerückt. 
Von 1928 bis zur Auflösung 1933 wirkte er als Finanz- und Justizminister unter der Regierung 
Bernhard Adelungs, ab 1931 auch für den Landwirtschaftssektor zuständig. 
Im März 1933 wurde Kirnberger vom NS -Regime seines Amts enthoben und in den Ruh e-
stand versetzt. Der biografischen Literatur folgend war Kirnberger zwischen 1933 und 1945 
nicht mehr öffentlich -politisch tätig und widmete sich vornehmlich wissenschaftlichen bzw. 
philosophischen Überlegungen. Ein Ergebnis jener letztgenannten Überlegungen stellte 1947 
die Veröffentlichung „Laiengespräche über den Staat“ dar; ein fiktiver Dialog zweier Pers o-
nen, die sich über gesellschaftlich relevante Themen austauschen. Bei den entfalteten 
staatstheoretischen Gedanken spielten Säulen der „Abendländischen Bewegung“ – christli-
che Werte, abendländische Kultureinheit, Föderalismus – eine zentrale Rolle. 
Bis 1934 blieb Kirnberger jedoch Präsident des KAV (zum Folgenden Albert 2010, S.  48-96). 
Der KAV hatte sich in der Weimarer Zeit zu einer starken Stimme des Sozialkatholi zismus 
entwickelt. Seit 1926 stand der Verband unter der Leitung von Ferdinand Kirnberger, wen n-
gleich Generalsekretär Franz Xaver Münch die eigentliche Leitfigur darstellte – auch Kirnber-
ger selbst sah in Münch den „ überragenden geistigen Führer “ des KAV ( Morsey 2002, S. 23, 
dazu auch ebenda, S.  16). Kirnberger hingegen nahm stärker repräsentative Aufgaben wahr. 
Anders als zahlreiche katholische Vereine in Deutschland stellte sich der KAV 1933 nicht g e-
gen das NS -Regime, sondern versuchte sich vielmehr im „B rückenbau zum Nationalsoziali s-
mus“ (Albert 2010, S. 76-78). Marcel Albert hielt die – bereits von Zeitgenossen vertretene – 
Auffassung für korrekt, „ dass 1933 keine andere katholische Institution in Deutschland in 
vergleichbar spektakulärer Weise auf di e n eue Regierung zugegangen war “ (Albert 2010, 
S. 90). Der Generalvorstand des KAV (zu dem seit 1929 neben Kirnberger und Münch noch 
Franz Xaver Landmesser zählte) sah den Nationalsozialismus anfangs als Chance an, seine 
Interessen verwirklichen zu können. Al s treibende Kraft hinsichtlich der Annäherung an den

268 
Nationalsozialismus kann Landmesser angesehen werden (Conze, S.  53). Auf den „Soziolog i-
schen Sondertagungen“ des KAV in Maria Laach (1931 -1933) nahm die Diskussion um Stä n-
destaatskonzeptionen (in Anlehnung an Othmar Spann, „Ehrengast“ und einziger Redner der 
ersten Sondertagung) breiten Raum ein. Eine gesellschaftsphilosophische Tagung des KAV im 
Oktober 1931 „schwamm unter dem Titel ‚Religion – Rasse – Volkstum – Nation‘ im Strom 
der Zeit“, wie Vanessa Conze konstatierte (Conze, S. 54). 
Als einen Höhepunkt der „Harmonisierungsversuche des Katholizismus gegenüber dem Nat i-
onalsozialismus“ (Conze, S. 55) insgesamt ließe sich die „3.  Soziologische Sondertagung“ des 
KAV im Juli 1933 bezeichnen (dazu ausführlic h Albert 2004, S.  71-91). Als Redner zur Vera n-
staltung (Titel: „Idee und Aufbau des Reiches“) geladen waren Vizekanzler Franz von Papen 
sowie der Oberpräsident der Rheinprovinz, Hermann von Lüninck. Von Papen verkündete 
auf der Tagung den tags zuvor (unter  seiner Mitwirkung in Rom) verhandelten Konkordat s-
abschluss, der von den Anwesenden mit Begeisterung aufgenommen wurde, wenngleich 
sich später auch kritische Stimmen erhoben. Der Generalvorstand sandte am folgenden Tag 
ein Telegramm an Adolf Hitler: 
„Wir durften gestern anläßlich unserer Tagung über die Reichsidee aus dem Munde des Herrn Viz e-
kanzlers v[on] Papen in der Benediktinerabtei Maria -Laach die Grundgedanken des soeben unte r-
zeichneten Konkordates vernehmen. Wir erfuhren, in wie weitherziger Weise Sie, Herr Reichskanzler, 
Ihre Person führend eingesetzt haben für eine großherzige Regelung des Verhältnisses von Kirche 
und Staat. Wir danken Ihnen, Herr Reichskanzler, für diese säkulare Tat und verbinden hiermit das 
Versprechen überzeugter Mitarbeit am Au fbau des neuen Deutschland“ ( unterzeichnet von Kirnbe r-
ger, Münch, Landmesser, zitiert nach Albert 2004, S. 83, FN 162). 
1934 legte Kirnberger sein Amt als Präsident des KAV nieder. Bezüglich der Motive hinsich t-
lich seiner Entscheidung finden sich in der Li teratur unterschiedliche Vorschläge: Er habe 
seinen Status als Beamter nicht gefährden wollen; er habe sich aus politischen Gründen (als 
ehemaliger Zentrumsminister) für die Niederlegung entschieden (vgl. Albert 2010, S.  96 f.). 
Marcel Albert hält als Grun d „die konkordatsgemäße Neustrukturierung des KAV“ für wah r-
scheinlich: ab 1934 musste der KAV viel stärker genuin religiös als gesellschaftlich -politisch 
ausgerichtet werden. Bis zur Niederlegung seines Amts trug Kirnberger die rechtskatholische 
Ausrichtung des KAV sowie die Versuche der Annäherung an das NS-Regime mit. Der katholi-
sche Philosoph Dietrich von Hildebrand, der sich von Beginn an gegen den Nationalsoziali s-
mus stellte, vertrat die Ansicht, Kirnberger habe sich von Münch instrumentalisieren lasse n. 
Schuld an der 
„Geistesverwirrung bei meinem lieben, so frommen und antinationalsozialistischen Kirnberger [war] 
natürlich Münch. Münch war ihm intellektuell und als envergure der Persönlichkeit so überlegen, daß 
es für ihn nicht schwer war, Kirnberger z u veranlassen, sich [in Bezug auf den Nationalsozialismus, 
HK] seinem ‚wishful thinking‘ anzuschließen“ (Hildebrand, S. 40). 
Dass die Hinwendung des KAV zum „Volks -“ und „Volksgemeinschaftsgedanken“ durchaus 
im Sinne seines Präsidenten erfolgte, legen Äuße rungen Kirnbergers aus seiner Zeit als He s-
sischer Minister nahe: Anlässlich einer Jubiläumsfeier des „Vereins für das Deutschtum im 
Ausland“ rekurrierte er in seiner Rede auf das Bild der „Bluts- und Schicksalsgemeinschaft

269 
mit dem österreichischen Bruder volk“. Zudem verwendete er die Begriffe „Volk“ und 
„Deutschsein“ gemäß deutschnationaler Ausdeutung: 
„Das Bedürfnis engster Fühlung mit den Volksgenossen im Ausland darf eben nicht politischer B e-
rechnung entspringen, sondern muß wahre Herzensangelegenheit un d heilige Pflicht des ganzen 
deutschen Volkes werden. […] Das sind wir unseren Brüdern draußen schuldig, die bedrängt von 
fremdem Volkstum ihr Deutschsein hochhalten“ (DZ vom 11.01.1932). 
Nach der Zerstörung seines Wohnhauses 1944 zog Kirnberger übergangsw eise in den Ode n-
wald, in eine sogenannte „Notwohnung“ in Fränkisch -Crumbach. Später ließ er sich dann in 
Bensheim-Schönberg nieder. 
In der Nachkriegszeit wurde Kirnberger erster Direktor des Verwaltungsgerichts Darmstadt 
(1946-1951). Er gründete die CDU in Darmstadt mit und wurde 1947 erneut zum Präsidenten 
des (in diesem Jahr wiedergegründeten) KAV gewählt. Gemeinsam mit seiner Frau kehrte er 
1949 nach Darmstadt zurück. 
Kirnberger war als Vertreter der „Abendländischen Bewegung“ (wie andere am „Brückenbau 
zum Nationalsozialismus“ beteiligte konservative Katholiken) auch nach 1945 tätig, etwa als 
Autor der 1946 gegründeten Zeitschrift „Neues Abendland“ (Conze, S. 55, Schildt, S. 39 f.). 
Es ließen sich im HHStAW (überraschenderweise) keine Entnazifizierungsdo kumente zu Fe r-
dinand Kirnberger recherchieren. 
Quellen: 
HStAD, G 21 B Nr. 5549 
HStAD, G 35 E Nr. 9114 
HStAD, R 4 [Fotos] 
HStAD, R 12 P Nr. 2920 
StadtA DA, ST 61, Kirnberger, Ferdinand 
Literatur: 
Albert, Marcel: „Zwecks wirksamer Verteidigung und Vertretung  der katholischen Weltanschauung“. 
Der Katholische Akademikerverband 1913-1938/39. Köln 2010. 
Albert, Marcel: Die Benediktinerabtei Maria Laach und der Nationalsozialismus. Paderborn et al. 
2004. 
Conze, Vanessa: Der Katholische Akademikerverband. In: Dies.: Das Europa der Deutschen. Ideen von 
Europa in Deutschland zwischen  Reichstradition und Westorientierung (1920 -1970). München 2005, 
S. 51-56. 
Franz, Eckhart G.: Kirnberger, Ferdinand. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 489. 
Hildebrand, Dietrich von: Me moiren und Aufsätze gegen den Nationalsozialismus 1933 -1938 (he r-
ausgegeben von Ernst Wenisch). Mainz 1994. 
Kirnberger, Albert: Geschichte der Familie Kirnberger. Mainz ²1951.

270 
Kirnberger, Ferdinand: Laiengespräche über den Staat. Augsburg 1947. 
Lange, Thomas/Triebel, Lothar (Hrsg.): „Geh nicht den alten Weg zurück!“ Festschrift zum sechzigjäh-
rigen Bestehen der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit 1954-2014. Darmstadt 2014. 
Morsey, Rudolf: Görres -Gesellschaft und NS -Diktatur. Die Geschichte der  Görres-Gesellschaft 
1932/33 bis zum Verbot 1941. Paderborn 2002. 
Schildt, Axel: Zwischen Abendland und Amerika. Studien zur westdeutschen Ideenlandschaft der 50er 
Jahre. München 1999.

271 
Thomasstraße (P 7), benannt 1953 nach 
Thomas Kirschner (1864-1942) 
Förster in Eberstadt 
* 14. November 1864 in Eberstadt 
1881 Gesellenprüfung zum Weißbinder 
1891 Heirat mit Dorothee Kern 
1896 Flurschütze in Eberstadt 
1901 Vorprüfung zum Forstwart 
1903 Fachprüfung zum Forstwart 
1905 Forstwart der Forstwartei Eberstadt III 
1910 Forstwart der Forstwartei Eberstadt II 
1930 Versetzung in den Ruhestand 
1938 Revierförster außer Dienst 
† 22. September 1942 in Nieder-Ramstadt 
Ehrungen: 
--- 
Wirken in der NS-Zeit 
Thomas Kirschner, Förster in Eberstadt, war 1933 bereits 69 Jahre alt. Üb er sein Wirken in 
der NS-Zeit von 1933 bis 1942 ließen sich kaum Informationen recherchieren. 
Da Kirschner 1942 verstarb, liegen keine Entnazifizierungsdokumente vor. Es gibt keine Hi n-
weise auf eine Verstrickung in das NS-System. 
Quellen: 
HStAD, G 33 B Nr. 1163 
HStAD, G 33 B Nr. 1164 
HStAD, G 35 E Nr. 9147 
HStAD, G 38 Eberstadt Nr. 140 
HStAD, G 38 Eberstadt Nr. 165 
HStAD, R 12 P Nr. 2926 
Literatur: 
---

272 
Gretel-Klein-Platz (Q 7), benannt 2008 nach 
Gretel Klein (1911-2005) 
Sozialpolitikerin und Stadtälteste 
* 16. April 1911 in Eberstadt (geb. Kirschner) 
Gelernte Schneiderin und Krankenschwester 
1926 Mitglied der SPD 
1928 Mitglied der Naturfreunde 
Ca. 1932-1938 Einlegerin bei der „G. C. Klebe“ Eberstadt 
1935 Mitglied des DRK 
1949 Vorstand des SPD-Ortsvereins Eberstadt 
1956-1981 Stadtverordnete in Darmstadt; Mitglied in Fachausschüssen (Sozial - und Gesundheitswe-
sen), Krankenhauskommission, Sozialhilfekommission 
1971 Mitglied der letzten Prüfungskammer für Kriegsdienstverweigerer 
1977 Stadtälteste und Alterspräsi dentin bei der konstituierenden Sitzung der Stadtverordnetenve r-
sammlung Darmstadt 
† 18. September 2005 in Darmstadt 
Jugendschöffin und langjährige Vorsitzende der AWO sowie des DRK (zusammen mit ihrem Mann) in 
Eberstadt 
Ehrungen: 
Bürgerehrung der Stadt Darmstadt 
Ehrenbrief des Landes Hessen 
Ehrenkreuz des DRK 
1976 Bundesverdienstkreuz 
2001 Goldene Ehrennadel der SPD für 75 Jahre Parteizugehörigkeit 
Wirken in der NS-Zeit 
Anna Margarete „Gretel“  Klein, gelernte Schneiderin und Krankenschwester, war schon als 
Jugendliche (1926) der SPD beigetreten. Bekannt aufgrund ihres sozialen Engagements als 
„Engel von Eberstadt“, wirkte sie lange Jahre in der Lokalpolitik (langjährige Stadtverordnete, 
Alterspräsidentin und Stadtälteste in Darmstadt). Sie betreute unter and erem eine Altenstu-
be in Eberstadt und setzte sich für die Belange von Jugendlichen ein. 
Die Informationen über Gretel Klein in der NS -Zeit beschränken sich auf den von ihr ausg e-
füllten Meldebogen im Entnazifizierungsverfahren (HHStAW). Darin gab sie an, in  keiner NS-
Organisation Mitglied gewesen zu sein (alle entsprechenden Fragen mit „nein“ beantwo r-
tet). In den 1930er Jahren war sie demnach Arbeitnehmerin (Einlegerin) bei der „G.  C. Klebe 
Eberstadt“ (Einkommen: 600-700 RM); für 1942/1945 gab sie keine berufliche Tätigkeit mehr

273 
zu Protokoll. Sie wurde nach Überprüfung ihrer Angaben als „nicht betroffen“ eingestuft 
(17.04.1947). 
Anlässlich der Einweihung des Gretel -Klein-Platzes 2008 ließ OB Walter Hoffmann wissen: 
„Gretel Klein muss für uns Vorbild sein. Ein e menschliche Gesellschaft und die Demokratie 
sind nur möglich, solange es Menschen wie Gretel Klein gibt“ (Presse -Archiv Wissenschafts-
stadt Darmstadt). 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 39910 (nur Meldebogen) 
StadtA DA, ST 61 Klein, Gretel 
Presse-Archiv Wissenschaftsstadt Darmstadt 
https://www.darmstadt.de/presseservice/archiv-einzelansicht/index.htm?tx_news_pi1[news]=1331&tx_news_pi1 
[controller]=News&tx_news_pi1[action], Zugriff: 17.10.2016 
Literatur: 
---

274 
Erika-Köth-Weg (G 9), benannt 2001 nach 
Erika Köth (1925-1989) 
Darmstädter Kammersängerin 
* 15. September 1925 in Darmstadt 
Schulbesuch in Darmstadt 
Um 1931 Debüt im Kinderchor des Darmstädter Landestheaters 
1933 Erkrankung an Leukämie; sechs Monate vollkommene Lähmung der Beine 
Mitglied des BDM 
Um 1940 kaufmännische Lehre in einer Darmstädter Kohlenhandlung 
Bis 1944 parallel zur Lehre Ausbildung an der Hessischen Landesmusikschule in Darmstadt 
1944 Arbeit in einer Munitionsfabrik in Ober-Ramstadt 
1945 Reinigungsarbeit in der Cambrai-Fritsch-Kaserne in Darmstadt im Zuge der „Sühnemaßnahmen“ 
1945 Fortsetzung der Gesangsausbildung (mit Stipendium) an der Akademie für Tonkunst in Dar m-
stadt; Ausbildung zur Sopransängerin 
1947 Erfolg bei einem Gesangswettbewerb von Radio Frankfurt 
1948 erstes Engagement am Pfalztheater in Kaiserslautern 
1950-1953 Engagement beim Badischen Staatstheater in Karlsruhe 
1951 Heirat mit dem Schauspieler Ernst Dorn 
1953-1978 Ensemblemitglied der Bayerischen Staatsoper in München 
1953-1971 Gastspiele an renommierten Opernhäusern sowie zahlreiche Tourneen, auch in die UdSSR 
sowie nach Japan 
1955-1958 Mitwirkende in 3 Spielfilmen 
1973-ca. 1978 Dozentin für Gesang an den Musikhochschulen Köln und Mannheim 
1978 Rückzug von der Opernbühne; Übersiedelung nach Neustadt-Königsbach an der Weinstraße 
1984 Gründerin der „Internationalen Meistersingerkurse“ in Neustadt an der Weinstraße 
† 20. Februar 1989 in Speyer 
Ehrungen: 
1956 Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt 
1962 Goldene Medaille des Mozart-Vereins Darmstadt 
Verdienstorden von Rheinland-Pfalz sowie Bayerischer Verdienstorden 
1975 Verdienstkreuz I. Klasse des Verdienstordens der BRD 
Wirken in der NS-Zeit 
Erika Köth, international erfolgreiche Opern - und Operettensängerin aus Darmstadt, ve r-
brachte ihre Kindheit und Jugend in Darmstadt.

275 
Zu Beginn der NS -Zeit erkrankte Erika Köth – 1933 acht Jahre alt – an Leukämie; ihre Beine 
waren über Monate gelähmt und es sollte Jahre dauern, bis sie wieder sicher laufen konnte. 
Köth lebte nach dem frühen Tod des Vaters mit der Mutt er und den Großeltern im Darm -
städter Martinsviertel. Sie war Mitglied des BDM, absolvierte eine kaufmännische Lehre bei 
einer Kohlenhandlung in Darmstadt und besuchte parallel dazu die Hessische Landesmusi k-
schule in Darmstadt. Die Gesangsausbildung musste  nach Schließung der Schule 1944 unte r-
brochen werden; Köth wurde zum Arbeitsdienst in einer Munitionsfabrik in Ober -Ramstadt 
verpflichtet. 
Nach Kriegsende war Köth (möglicherweise aufgrund ihrer Zugehörigkeit zum BDM) zu einer 
sogenannten „Sühneleistung“ verpflichtet worden. In einem Presseartikel 1969 hieß es die s-
bezüglich: 
„Da die Maid beim BDM als ehemalige Blockflötenspielerin ein Kreuz machen musste, wurden ihr als 
Sühne für nazistische Betätigung einige Wochen Putzen der Küchenräume in der Cambrai -Fritsch-
Kaserne aufgebrummt. ‚Ohne allzu großes Schuldbewußtsein, dafür mit langem Besen, kleinem E i-
mer, und weiter Tasche trat ich an […]‘“ (DE vom 15.11.1969). 
Später sortierte sie Karteikarten im Arbeitsamt. Köth  sang abends vor amerikanischen Solda-
ten, wa r einziges weibliches Mitglied der 13 -köpfigen „Wilhar -Melodikers“, nahm den G e-
sangsunterricht an der Akademie für Tonkunst mit einem Stipendium versehen wieder auf 
und gewann 1947 [oder 1948] unter 300 Teilnehmenden den ersten Preis bei einem G e-
sangswettbewerb von Radio Frankfurt – Auftakt einer internationalen Gesangskarriere als 
Koloratursopranistin. 
Es ließen sich keine Entnazifizierungsakten zu Erika Köth recherchieren. 
Quellen: 
HStAD, O 59 Faust Nr. 24 
HStAD, O 61 Boss Nr. 100 
HStAD, R 4 Nr. 3426 
HStAD, R 12 P Nr. 3263 
Literatur: 
Adam, Klaus: Herzlichst! Erika Köth. Darmstadt 1969. 
Foltz, Gisela: Erika Köth. In: Brüchert, Hedwig (Hrsg.): Rheinland -Pfälzerinnen. Frauen in Politik, G e-
sellschaft, Wirtschaft und Kultur in den Anfangsjahren des Landes Rhein land-Pfalz. Mainz 2001, 
S. 258-262. 
Kesting, Jürgen: Die großen Sänger, Bd. 3. Hamburg 2008, Erika Köth: S. 1792-1794. 
Steinbeck, Karin: Köth, Erika. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 508 f. 
Werner, Günter: Erika Köth. Ihr Herz ist voller Musik. Landau in der Pfalz 1984.

276 
Korellweg (O 8), benannt 1978 nach 
Adolf Korell (1872-1941) 
Pfarrer und Politiker 
* 20. März 1872 in Ober-Kleen (Kreis Alsfeld) 
1878-1885 Volks- und Bürgerschule in Gießen 
1885-1891 Gymnasium in Gießen 
1891-1895 Studium der Theologie in Gießen 
1891 Mitglied der Burschenschaft „Germania Gießen“ 
1895/96 Besuch des Predigerseminars in Friedberg 
1896 Pfarrverwalter in Alsfeld 
1897-1900 Pfarrdienst in Darmstadt und anschließend in Düdelsheim (Kreis Büdingen) 
1900-1912 Pfarrer in Königstädten (Kreis Groß-Gerau) 
1901 Heirat mit Mathilde Disqué (drei Kinder) 
1903 Mitglied der Freisinnigen Volkspartei (1906, 1909, 1912 erfolglose Kandidaturen für den Reich s-
tag) 
1906 „Fall Korell“: Korell habe in der Stichwahl geheim den Kandidaten der Sozialdemo kraten (nicht 
den Nationalliberalen) unterstützt und zum Wahlsieg verholfen (Disziplinarverfahren eingestellt) 
1911-1918 Mitglied des Hessischen Landtags (Fortschrittliche Volkspartei) 
1912-1928 Pfarrer in Nieder-Ingelheim (Rheinhessen) 
1917/18 freiwilliger Feldgeistlicher einer Infanterie-Division 
1920-1928 Mitglied des Reichstags (DDP) 
1923/24 nach zwischenzeitlicher Ausweisung aus Nieder-Ingelheim (Grund: Teilnahme an separatisti-
schen Aktivitäten) kurzzeitig Pfarrverwalter in Rendel (Oberhessen) 
1924 gemeinsam mit Theodor Heuss Sprecher der DDP -Fraktion für die deutschen Weinbaugebiete 
betreffenden Gesetze im Reichstag 
1927-1931 erneut Mitglied des Hessischen Landtags (DDP) 
1928-1931/32 Minister für A rbeit und Wirtschaft im Volksstaat Hessen (Ende 1931 Au flösung des 
Ministeriums zugunsten des Finanz- und Innenministeriums) 
Ca. 1932-1937 wohnhaft in Wiesbaden 
1937-1939 wohnhaft in Camberg 
1940 Pfarrer in Eschbach im Taunus (Landkreis Usingen) 
† 17. September 1941 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1923 Ehrensenator der Universität Gießen 
Adolf-Korell-Straße in Rüsselsheim

277 
Wirken in der NS-Zeit 
Adolf Korell, Pfarrer und Politiker, Minister des Volksstaats Hessen in der Regierung Adelung 
(1928-1931), hinterließ in der NS -Zeit kaum öffentliche Spuren. Als eines der wenigen  Do-
kumente aus der Zeit 1933 -1941 befindet sich in seinem Nachlass ein Reisepass, ausgestellt 
im Januar 1935 (HStAD, O 26). 
Pfarrer in Ruhe Hermann Gunkel, Korells Biograf im Stadtlexikon Darmstadt, vermerkte zu 
Korells Wirken 1933 bis zu seinem Tod 1941: 
„Mit der NS-Zeit begannen für den aufrechten Demokraten Korell und seine Frau schwere Jahre. Sie 
kamen nur notdürftig unter, in Wiesbaden bis 1937 und in Camberg 1937 bis 1939. Nach langen B e-
mühungen konnte Korell 1940 in Eschbach (Landkreis Usingen) in de n Gemeindepfarrdienst zurück-
kehren. Er starb in D[armstadt] auf der Durchreise zu einer Nachkur in Neunkirchen im Odenwald.“ 
Ludwig Luckemeyer kam in der NDB zu einem ähnlichen Ergebnis: 
„K[orell] litt im Dritten Reich persönlich unter seiner demokratische n Vergangenheit. Nachdem seine 
Pension als Minister 1933 entfallen und er bei s einer Ernennung zum Minister 192 8 aus dem Dienst 
der Evangelischen Kirche ausgeschieden war, lebte er von einer kleinen Rente, bevor er 1940 ins 
Pfarramt (Eschbach im Taunus) zurückkehren konnte.“ 
Karl Holl, der Briefe an den linksliberalen Adolf Korell von Philipp Köhler, einem Vertreter des 
kleinagrarisch-mittelständigen Antisemitismus‘ im Großherzogtum Hessen, aus dem Jahr 
1910 analysierte (aus dem Nachlass Korell), hielt fest : „[…] Korell war nicht nur kein Antis e-
mit, sondern darüber hinaus ein überzeugter und leidenschaftlicher Gegner des Antisem i-
tismus“ (Holl 1967, S. 154; Holl stützte sich bei seiner Einschätzung allerdings auf Aussagen 
von Angehörigen Korells). 
Es ließen s ich keine Entnazifizierungsakten zum 1941 verstorbenen Pfarrer und Politiker r e-
cherchieren. In den eingesehenen Quellen fanden sich keine Hinweise auf eine Verstrickung 
in das NS-System. 
Quellen: 
HStAD, O 26 [Nachlass Adolf Korell] 
HStAD, R 12 P Nr. 8001 
StadtA DA, ST 61, Korell, Adolf und Mathilde 
Literatur: 
Gunkel, Hermann: Korell, Adolf. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 514. 
Holl, Karl: Die Darmstädter Reichstagswahl von 1906 und der „Fall“ Korell. In: Archiv für Hessische 
Geschichte und Altertumskunde NF 27 (1962/67), S. 121-161. 
Holl, Karl: Antisemitismus, Kleinbäuerliche Bewegung und demokratischer Liberalismus in Hessen. 
Drei Briefe Philipp Köhlers an Adolf Korell. In: Archiv für Hessische Geschichte und Altertumskunde 
NF 30 (1967), S. 150-159. 
Luckemeyer, Ludwig: Korell, Adolf. In: NDB 12 (1979), S. 583 f. 
Schumacher, Martin (Hrsg.): M.d.R. Die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit 
des Nationalsozialismus. Politische Verfolgung, Emigration und Ausbürgerung 1933 -1945. Düsseldorf 
31994, S. 261.

278 
Kröhweg (K 7), benannt 1954 nach 
Heinrich Reinhard Kröh (1841-1941) 
Kunstmaler 
* 7. Mai 1841 in Darmstadt 
Ab 1847 Schulbesuch in Darmstadt (zunächst Institut Schwalbach, dann Realschule) 
1858 Zeichenunterricht bei August Lucas 
1860 Besuch der Museumszeichenschule von Galerieinspektor Carl Ludwig Seeger in München 
1863 Studium an der Münchner Akademie beim Historienmaler Carl von Piloty 
1868 Wechsel an die private Kunstschule von Karl Raupp in Nürnberg 
Ca. 1870 Rückkehr nach Darmstadt 
1872 Ernennung zum Großherzoglich-Hessischen Hofmaler in Darmstadt 
1873 Gründung einer eigenen Kunstschule in Darmstadt 
1876 Heirat mit Philippine Luise Müller, drei Kinder 
1879 Zusammenlegung von Atelier und Kunstschule in eigenem Haus in der Kiesstraße, Darmstadt 
1888 Mitglied der Münchener Künstlergenossenschaft; später auch (führend) in der Darmstädter 
Sektion der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft (Ehrenmitglied 1931) 
1889 Beteiligung mit Werken an der Eröffnungsausstellung der Kunsthalle Darmstadt; n eben Po r-
traits verstärkt Landschaftsmalerei 
1898 erste von drei Reisen nach Norditalien, Gardasee (weitere folgten 1907 und 1910) 
1911 umfangreiche Einzelausstellung des Darmstädter Kunstvereins 
1929 Tod seiner Ehefrau 
1931 Einzelausstellung der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft Darmstadt 
1937 Unterstützung aus dem „Künstlerdank“ 
1940 Beteiligung an der Kunstausstellung Darmstadt 
† 14. Dezember 1941 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1911 Verleihung des Professorentitels durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein 
1928 Silberne Preismünze der Stadt Darmstadt 
1931 Ehrenmitglied des Reichsverbandes bildender Künstler 
1936 Jubiläumsausstellung anlässlich seines 95. Geburtstags in Darmstadt 
1941 Jubiläumsausstellung anlässlich seines 100. Geburtstags im Landesmuseum Darmstadt

279 
Wirken in der NS-Zeit 
Heinrich Reinhard Kröh, Darmstädter Landschaftsmaler sowie Maler am Darmstädter Hof, 
war 1933 bereits 92 [!] Jahre alt. 
Die künstlerischen Fähigkeiten des „Altmeister[s] der künstlerisch Schaffenden in Dar m-
stadt“ wurden in der NS -Zeit nicht angezweifelt (hierzu und zum Folgenden BArch Berlin, 
BDC, R 55/31842 ). Kröh war auch in hohem Alter noch künstlerisch aktiv, seine wirtschaftl i-
chen Verhältnisse galten allerdings als prekär, weshalb die „Landesstelle Hessen -Nassau des 
Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda“ den Antrag auf Unterstützung aus 
dem „Künstlerdank“ befürwortete. Unter dem Punkt „Die politische Zuverlässigkeit“ hieß es: 
„ist gegeben“ (Vermerke der mit der Prüfung des Gesuchs befaßten Stel len, 10.06.1937). 
Kröh galt als „der älteste heute noch schaffende Künstler Deutschlands“, der „unwandelbare 
Treue zur deutschen Art und Kunst in seinem Schaffen bewiesen“ habe (Spende Künstle r-
dank an Professor Kröh-Darmstadt, [Friedrich] Ringshausen, 10.03.1937). 
Anlässlich der Jubiläumsausstellung 1936 in Darmstadt wurde das „deutsche Wesen seiner 
Kunst“ herausgestellt („befruchtet vom Erleben echt deutscher Landschaft“, Hessische La n-
deszeitung vom 04.05.1936). Die (obligatorischen) Schreiben der NS -Prominenz anlässlich 
seines 100. Geburtstags 1941 gedachten seiner „von grunddeutscher Haltung beseelten 
schöpferischen Arbeit als Landschaftsmaler“ (Adolf Hitler), bescheinigten ihm ein „von tiefer 
Heimatliebe getragen[es] Schaffen“ (Joseph Goebbels) und lobte n, dass der „Odenwaldm a-
ler“ auch „in den Jahren künstlerischer Verwilderung deutscher Meisterschaft treu gebli e-
ben“ sei (Jakob Sprenger). In der Presseberichterstattung wurde dem „Nestor der deutschen 
Künstlerschaft“ (Hessische Landeszeitung vom 11.05.1941) ebenfalls besonders seine „Treue 
zu den Idealen der deutschen Kunst“ (OB Otto Wamboldt) zu Gute gehalten. Laut Ernst Klee 
habe Gauleiter Sprenger 1941 auch die Verleihung der Goethe -Medaille für Kunst und Wi s-
senschaft für Kröh beantragt, mit der Begründu ng, dieser habe den „Weg zum Führer längst 
vor der Machtergreifung“ gefunden (Klee, S. 340). 
Für Heinrich Reinhard Kröh, der noch 1941 im Alter von 100 Jahren in Darmstadt starb, li e-
ßen sich keine Entnazifizierungsdokumente ermitteln; über Mitgliedschaften  in NS -Orga-
nisationen ist nichts bekannt. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, R 55/31842 
StadtA DA, ST 61, Kröh, Prof. Heinrich [et al.] 
Literatur: 
Esselborn, Karl: Hessische Lebensläufe. Darmstadt 1979, S. 245 f. 
Klee, Ernst: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main 
2007. 
Lorenz, Inge: Der Maler Heinrich Reinhard Kröh (1841 -1941) und die Motive des Odenwaldes. In: Der 
Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes 40 (1993), S. 148-164. 
Magistrat der Stadt Darmstadt et al.  (Hrsg.): Heinrich Reinhard Kröh 1841 -1941. Leben und Werk. 
Darmstadt 1992. 
Netuschil, Claus K.: Kröh, Heinrich Reinhard. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 524 f.

280 
Leydheckerstraße (H 6-7), benannt 1956 nach 
Otto Leydhecker (1869-1950) 
Arzt 
* 20. November 1869 in Darmstadt 
Besuch des LGG 
Studium der Medizin an Universitäten in Marburg, Heidelberg, München, Göttingen und Berlin 
1893 Dissertation „ Ueber einen Fall von Carcinom  des Ductus thoracicus mit chyloe sem Ascites“ an 
der Universität Heidelberg 
1895-1945 praktischer Arzt in Darmstadt; auch Bahn - und Theaterarzt – letztere bis 1937/38 als ei n-
ziger in Darmstadt – sowie Schularzt und Arzt am Städtischen Altenheim (Versorgungsamt) 
Lehrer an der Kunstschule von Adolf Beyer und Ludwig Habich (Anatomie für K ünstler) sowie am 
Fröbel’schen Institut 
1908 Heirat mit Elisabeth Sternfeld (adoptiert, geb. Klappach), drei Söhne (alle drei Ärzte) 
1910 Umzug in Heinrichstraße 23 (Praxis und Wohnhaus) 
1933-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 2290692, Eintritt: 01.05.1933) 
Ca. 1933-1945 Mitglied der NS-Ärztekammer 
Ca. 1933-1945 Mitglied der NSV 
1944/45 Ruhestand (im Alter von 75 Jahren) 
1944 nach Zerstörung des Wohnhauses zwischenzeitlich wohnhaft in Hetzbach (Odenwald), Ben s-
heim, Eberstadt, Künstlerkolonie Darmstadt 
1945 zunächst wohnhaft in Vacha (Rhön), dann wieder in Darmstadt 
1946/49 Wiederaufbau des Hauses in der Heinrichstraße 23 
† 22. September 1950 in Darmstadt 
Mitglied der Bach- und der Goethe-Gesellschaft 
Ehrungen: 
--- 
Wirken in der NS-Zeit 
Otto Leydhecker wi rkte 50 Jahre als praktizierender Arzt in Darmstadt, so auch zwischen 
1933 und seinem Ruhestand 1944/45. Er entstammte einer Darmstädter Ärztefamilie: sein 
Großvater sowie sein Vater arbeiteten in führender Funktion in Darmstädter Kliniken; auch 
die drei Söhne von Otto Leydhecker waren Ärzte. 
Leydhecker wurde 1933 (im Alter von 64 Jahren) Mitglied der NSDAP (Mitglieds -Nr. 
2290692, Eintritt: 01.05.1933) und war Mitglied der NS-Ärztekammer sowie der NSV (jeweils 
ohne Amt). 
Im Zuge seines Entnazifizierungsverf ahrens (zum Folgenden HHStAW, Abt. 520/Darmstadt -
Zentral, Nr. 503725) gab Leydhecker zu Protokoll, dass er in keiner anderen NS -Organisation

281 
als der oben genannten Mitglied war. Er habe sich dazu gezwungen gesehen, der NSDAP 
beizutreten, da er anderenfalls  seinen Beruf nicht mehr hätte ausüben können (er war n e-
ben seiner Tätigkeit als Hausarzt auch als Bahnarzt, Schularzt, Theaterarzt sowie für das Ve r-
sorgungsamt tätig) und damit die Ausbildung seiner Söhne finanziell nicht mehr gesichert 
gewesen wäre. Zudem sei sein Schwiegervater Sternfeld [Adoptivvater seiner Frau, HK] Jude 
gewesen, sein Austritt aus der NSDAP hätte daher die Familie in Gefahr gebracht. 
Die Angaben Leydheckers werden von Zeugen gestützt, darunter der Präsident der Ärzt e-
kammer Darmstadt, Richard Hammer, und der Darmstädter Bürgermeister Julius Reiber. Als 
Zeuge, dessen antinationalsozialistisches Verhalten verbürgt ist, sei hier Pfarrer Karl Grein 
zitiert: 
„Herr Dr. med. Otto Leydhecker […] ist mir schon seit meiner frühesten Jug end bekannt. In den Ja h-
ren der N aziherrschaft hatte ich oft Gelegenheit mich mit ihm zu unterhalten, bei welchen Gespr ä-
chen er die Nazi-Methoden empörend ablehnte. L[eydhecker] ist politisch nicht in Erscheinung getre-
ten und erfolgte sein Eintritt in die NSDAP m.E. n ur aus Selbsterhaltungstrieb; zumal er beamteter 
Arzt war und auf Grund der nichtarischen Herkunft sein er Ehefrau sich schützen musste “ (Pfarrer 
Grein, Darmstadt-Arheilgen, 21.06.1947). 
Wie neueste Untersuchungen belegen, lag die Quote der NSDAP -Mitgliedschaft bei den Är z-
ten der beiden hessischen Ärzte -Kammern mit 53,2 % (inklusive Anwärter 61 %) noch höher 
als im Reichsdurchschnitt (Hafeneger, S. 232). 
Otto Leydhecker wurde von der Spruchkammer Darmstadt -Stadt als „Mitläufer“ (Kateg o-
rie IV) eingestuft, da er während der NS -Zeit nicht „irgendwie politisch in Erscheinung getr e-
ten“ sei. Er musste eine einmalige Zahlung von 300, - RM entrichten. In der Urteilsbegrü n-
dung vom 30.10.1947 hieß es: 
„Sein Schwiegervater, ein Herr Sternfeld[,] war Nichtarier, ein ältes ter Sohn ist nach schweren Mi ß-
handlungen als Antifaschist gestorben, ein zweiter Sohn vermutlich im Februar 1944 als Opfer der 
NSDAP erschossen worden. Es ist unter diesen Umständen durchaus verständlich, wenn der B e-
troffene durch seinen Eintritt und durch  sein Verbleiben bei der NSDAP geglaubt hat, seine Familie 
schützen zu können.“ 
Laut Meldebogen (StadtA DA, ST 61) ist Leydheckers zweitältester Sohn Friedrich (*1911) in 
Russland „gefallen“ (am 12.02.1943); die Söhne Johann (*1909) und Wolfgang (1919 -1995) 
überlebten die NS-Zeit (beide laut entsprechendem Vermerk Mitglied der NSDAP). 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 503725 
HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 71802 
HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 71803 [Leydhecker, Elisabeth] 
StadtA DA, ST 61 Leydhecker, Familie 
Literatur: 
Hafeneger, Benno/Velke, Marcus/Frings, Lucas: Geschichte der hessischen Ärztekammern 1887 -
1956. Autonomie – Verantwortung – Interessen. Schwalbach im Taunus 2016.

282 
Lippmannstraße (K 7), benannt 1959 nach 
Johannes Lippmann (1858-1935) 
Maler 
* 14. Januar 1858 in Offenbach 
Besuch der Realschule in Offenbach 
Zeichenunterricht bei Professor Hermann Müller, der an der Offenbacher Kunstgewerbeschule unter-
richtete; spätere Lehrer: Bildhauer Joseph Keller sowie der Frankfurter Maler Ferdinand Klimsch 
1875-1877 zur Kunstausbildung in Dresden 
1878 Ausbildung am Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main 
Einjährig-Freiwilliger beim Infanterieregiment 81 
Ab 1880 Lithograph in Offenbach; Arbeit für die Lithograp hische Anstalt Schoembs, deren künstler i-
scher Leiter und Mitinhaber er später wurde; Kuratoriumsmitglied der Offenbacher Kunstgewerb e-
schule 
1882 Heirat mit Frieda Schoembs (drei Kinder) 
1889-1935 Mitglied der Freimaurerloge „Carl und Charlotte zur Treue“ in Offenbach 
1895-1897 Sommeraufenthalte bei Paul Schulze -Naumburg in Kösen (Thüringen); Anregungen in 
Landschaftsmalerei 
1898 Atelier in Lützelbach im Odenwald; fortan verstärkt Landschaftsmalerei 
1904 Beteiligung an einer Ausstellung im Münchner Glaspalast 
1907 Erwerb eines Grundstücks in Lichtenberg im Odenwald 
1908 Umzug in neues Haus nach Lichtenberg im Odenwald; fortan freischaffender Maler 
1922 Mitbegründer des Gesangsvereins Lichtenberg-Niedernhausen 
† 8. Februar 1935 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1915 Verleihung des Professorentitels durch Großherzog Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein 
1924 Ehrenmitglied des Odenwaldklubs [laut Dierks: 1929] 
1928 Ehrenbürger von Lichtenberg 
1928 Jubiläumsausstellung anlässlich seines 70. Geburtstags in der Kunsthalle Darmstadt 
1930 Georg -Büchner-Preis [„dem treuen und meisterlichen Schilderer Odenwälder Menschen und 
Landschaften“] 
1933 Jubiläumsausstellung anlässlich seines 75. Geburtstags in der Kunsthalle Darmstadt 
1935 Gedächtnisausstellungen anlässlich seines Todes in Darmstadt und Offenbach 
1985 Gedächtnisausstellung anlässlich seines 50. Todestags, Museum Schloss Lichtenberg 
2008/09 Ausstellung anlässlich seines 150. Geburtstags auf Schloss Lichtenberg

283 
Wirken in der NS-Zeit 
Johannes Lippmann, vor allem bekannt durch s eine Landschaftsbilder und bildlichen Darstel-
lungen des Arbeitslebens der bäuerlichen Bevölkerung, lebte seit 1908 als freischaffender 
Maler in Lichtenberg im Odenwald. 
Bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 war der „Maler des Odenwaldes und 
seiner Menschen“ (Dierks, S. 4) bereits 75 Jahre alt. Er starb im Februar 1935 im Alter von 77 
Jahren an Lungenkrebs. Die Krankheit hatte ihn seine letzten beiden Lebensjahre g e-
schwächt, wie Karl Esselborn in seinem Nachruf berichtete (Esselborn, S.  120 f.). Esselborn 
charakterisierte Lippmanns Malerei als „wunderbar klar und logisch durchdacht“, wobei sie 
dennoch ausgesprochen natürlich wirkte. Zum Künstler selbst äußerte sich Esselborn wie 
folgt: 
„Mit tiefer Religiosität hat er sich in die Landschaft einge lebt, die ihm ein beseelter Organismus ist. 
[…] Die Sicherheit und Geschlossenheit seiner Gestalten und Landschaften machen seine Bilder, d e-
nen man es mitunter anmerkt, daß er von der Lithographie herkommt, im besten Sinne volkstümlich. 
Bis zuletzt war Lip pmann ein rüstig Schaffender, seine urwüchsige Kunst hat ihn selbst jung erhalten 
und sein jung gebliebenes Fühlen trat auch in der Begeisterung zu Tage, womit er die nationale Erh e-
bung begrüßte“ (Esselborn, S. 120; auch Hessische Landeszeitung vom 11.02.1935). 
Schon Adolf Beyer bezeichnete 1928 Johannes Lippmann als „charaktervollen, bodenständig 
gesunden Odenwaldmaler“ (Beyer, S.  327). Anlässlich der Johannes -Lippmann-Gedächtnis-
ausstellung im Kunstverein Darmstadt, bei deren Eröffnung der Leiter der NS -Kulturge-
meinde Darmstadts, Studiendirektor Moser, als Redner auftrat, wurde besonders die stets 
„deutsche Kunst“ Lippmanns hervorgehoben. Im Darmstädter Tagblatt hieß es: „Lippmann 
ist sich immer treu geblieben, alle Richtungen und Ismen konnten ihn nicht aus der Bahn 
werfen. Er blieb ein echter deutscher Künstler in der besten Bedeutung dieses Wortes“ (DT 
vom 15.04.1935). Max Streese äußerte sich in ähnlicher Weise und bewertete die Bedeutung 
sowie die Einstellung des Künstlers wie folgt: 
„Johannes Lippman n zählte zu den wenigen, die schon vor mehr als einem Menschenalter fühlten 
und wußten, was d e u t s c h e gesunde Kunst ist und daß sie eines Tages alles Undeutsche, Blu t-
fremde, überwinden muß, wenn sie als deutsche Kunst sich selbst bewähren will. […] [ F]ür Johannes 
Lippmann gab es keine Kunst, die nicht blut- und schollegebunden ist. Für ihn war es nicht nötig, eine 
Forderung dazu im Schlagwort von Blut und Boden aufzustellen. Er wußte und kannte den une r-
schöpflichen Reichtum, der aus dem ewig lebendig sprudelnden Urquell der Natur strömt, der Lan d-
schaft, der Heimat, des Volkes, dem allen er blutverbunden war“ (DT vom 14.04.1935). 
Auch anlässlich einer Ausstellung in der Kunsthalle Darmstadt 1937 bezeichnete Max Streese 
Lippmanns Werke als „Zeugen echter und wahrer Heimatkunst“ (DT vom 04.04.1937). 
In den biografischen Beiträgen von Margarete Dierks und Jutta Reisinger -Weber wurden 
Lippmanns letzte Lebensjahre nicht im Kontext zum NS -Regime untersucht. Lippmanns Bi o-
grafin Reisinger-Weber konstatierte auf ihrer Homepage jedoch: 
„Wie vielen Malern seiner Zeit, erging es Johannes Lippmann. Seine Werke wurden posthum von den 
Nationalsozialisten für ihre Ideologie vereinnahmt. Dies belegen Zeitungsartikel von 1935 und 1940.“

284 
Es ließen sich zum 1935 verstorbenen  Maler keine Entnazifizierungsunterlagen finden; Hi n-
weise auf Mitgliedschaften in NS-Organisationen fanden sich im eingesehenen Material nicht 
dokumentiert. 
Quellen: 
StadtA DA, ST 61 Lippmann, Johannes, Prof., Maler 
[http://dr-reisinger-weber.jimdo.com/johannes-lippmann], Zugriff: 03.12.2016 
Literatur: 
Beyer, Adolf: Johannes Lippmann. In: Volk und Scholle 6 (1928), S. 324-327. 
Esselborn, Karl: Johannes Lippmann. In: Volk und Scholle 13 (1935), S. 118-121. 
Dierks, Margarete: Im Odenwald. Landschaft und Menschen im Werk des Malers Johannes Lippmann 
1858-1935. Fischbachtal 1985. 
Reisinger-Weber, Jutta: Johannes Lippmann (1858 -1935) – Maler des Odenwalds und seiner Me n-
schen. In: Der Odenwald. Zeitschrift des Breuberg-Bundes 57 (2010), S. 144-161.

285 
Prinz-Ludwig-Weg (H 7), benannt 1988 nach 
Ludwig Prinz von Hessen und bei Rhein (1908-1968) 
Sohn des letzten Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen und bei Rhein 
* 20. November 1908 in Darmstadt 
Kindheit und Jugend auf Schloss Wolfsgarten sowie im Neuen Palais in Darmstadt; Hausunterricht 
1926 externes Abitur am Realgymnasium Darmstadt 
Ca. 1930-1936 Studium der Kunstgeschichte in Darmstadt, Lausanne und München; begonnene Di s-
sertation „Das Problem der künstlichen Beleuchtung in der Malerei“ nicht abgeschlossen 
Ca. 1933-1936 Mitglied der Deutschen Studentenschaft 
1933-1935 Wehrübungen (Sommer 1933 in Ohrdruf; Herbst 1934 bis Sommer 1935 beim Kavallerie -
Regiment 118) 
1936/37 Kulturattaché an der deutschen Botschaft in London 
1937 Heirat mit Margaret Campbell Geddes; nach Tod großer Teile der Familie (Flugzeugabsturz) 
Rückkehr im November nach Darmstadt, Adoption der Tochter seines verunglückten Bruders 
1938 Umzug in Schloss Wolfsgarten (bei Langen) 
1938-1945 Mitglied der NSDAP 
1938-1945 Mitglied der NSV 
Mitgliedschaften im Reichsbund Deutsche Jägerschaft sowie im NS-Reichskriegerbund 
Ca. 1939-1943 mit Kriegsbeginn Dienst als Leutnant in verschiedenen Stäben, zuletzt an der Panze r-
truppenschule Krampnitz (nach „Prinzenerlass“ 1940 nicht im Kampfeinsatz); Rittmeister der Reserve 
(Kavallerie-Regiment 6) 
1942-1944 Fördermitglied des NSFK 
1943 als Angehöriger eines ehemals regierenden Fürstenhauses Ausschluss aus der Wehrmacht; 
Rückkehr nach Wolfsgarten 
Nach 1945 Engagement für Wiederaufbau von Darmstadt sowie Unterstützung von Kunst -, Kultur - 
und karitativen Einrichtungen in Darmstadt (involviert etwa in Schaffung des Bauhaus -Archivs, Neue 
Künstlerkolonie, Rat für Formgebung, Schlossmuseum); Veröffentlichung von Gedichten unter dem 
Pseudonym „Ludwig Landgraf“; lebte mit seiner Frau weiterhin auf Schloss Wolfsgarten 
1958 Mitwirkung am deutschen Pavillon auf der Expo in Brüssel 
1960 Adoption von Moritz von Hessen(-Kassel) 
† 30. Mai 1968 in Frankfurt am Main 
Ehrungen: 
1958 Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
1958 Goethe-Plakette des Landes Hessen 
1964 Ehrenzeichen des DRK 
1972 Erinnerungstafel im Chorraum der Stadtkirche Darmstadt

286 
Wirken in der NS-Zeit 
Ludwig Prinz von Hessen und bei Rhein, zweiter Sohn des Großherzogs Ernst Ludwig, kehrte 
1937 aus London nach Darmstadt zurück, um das Familienerbe anzutreten. 
Zu Beginn der NS-Zeit war Ludwig Student; er hatte Kunstgeschichte in Darmstadt, Lausanne 
und München  studiert. Eine bei Prof. Wilhelm Pinder in München begonnene Dissertation 
über „Das Problem der künstlichen Beleuchtung in  der Malerei“ brachte er nicht zum A b-
schluss (Pinders nationale Auffassung von Kunstgeschichte war leicht mit der NS -Kunstauf-
fassung in Einklang zu bringen  gewesen; Pinder bekannte sich zum Nationalsozialismus, 
Bushart, S. 449). Im Zuge seines Studiums wa r Ludwig (automatisch) Mitglied der Deutschen 
Studentenschaft (Mitgliedszeitraum unklar, HHStAW). 
In den Jahren 1933 -1935 nahm Ludwig an zwei größeren Wehrübungen teil; im Sommer 
1933 in Ohrdruf sowie von Herbst 1934 bis Sommer 19 35 beim Kavallerie -Regiment 118 
(Franz 2012, S. 388). Im Oktober 1935 wurde er bei einem Autounfall auf der Autobahn zw i-
schen Darmstadt und Frankfurt am Main schwer verletzt (Hessische Landeszeitung vom 
09.10.1935). 
Im Oktober 1936 ging Ludwig als Honorarattaché (Kulturattaché) an die deutsche Botschaft 
nach London, einer Einladung des neu ernannten deutschen Botschafters Joachim von Ri b-
bentrop folgend. Ludwig war verlobt mit Margarte Geddes, die 1937 anstehende Hochzeit 
stand allerdings unter keinem guten Stern: Zunächst musste die Zeremonie wegen des Todes 
seines Vaters Großherzog Ernst Ludwig verschoben werden, vom 23. Oktober 1937 auf den 
20. November 1937. Dann stürzte das Flugzeug, das Familienangehörige des Bräutigams von 
Frankfurt nach London bringen sollte, bei einer Zwische nlandung im Nebel bei Ostende (Be l-
gien) ab. Unter den zu beklagenden Todesopfern befanden sich Ludwigs älterer Bruder Er b-
großherzog Georg Donatus, dessen Ehefrau Cäcilie und die gemeinsamen Söhne Ludwig und 
Alexander sowie Ludwigs Mutter Eleonore. Die Hoch zeit wurde in London vollzogen; das 
junge Paar zog noch im November nach Darmstadt, wo Ludwig das Familienerbe antrat und 
seine kleine Nichte Johanna (die nicht mitgereist war) adoptierte. Den Wohnsitz verlegte die 
Familie nach Schloss Wolfsgarten; Johanna starb bereits 1939 an Meningitis. 
Ludwig war (eigenen Angaben im Zuge der Entnazifizierung folgend, HHStAW) Mitglied der 
NSDAP (1938-1945), der NSV (1938 -1945), des Reichsbunds Deutsche Jägerschaft sowie im 
NS-Reichskriegerbund. Im Gedenken an seinen flug begeisterten Bruder existierte eine fö r-
dernde Mitgliedschaft beim NSFK: „Laut Feststellung meiner Verwaltung wurde 1 -RM m o-
natl. Förderbeitrag 1942-1944 gezahlt. Offenbar in Erinnerung an meinen Bruder, der Flieger 
war“ (HHStAW). 
Mit Kriegsbeginn 1939 wurde  Ludwig eingezogen, er leistete als Leutnant Kriegsdienst „zu-
meist in Stabsstellen, zuletzt in der Panzertruppenschule Krampnitz“  (Franz 2012 , S.  488). 
1939 war er in Potsdam stationiert. Aufgrund des sogenannten Prinzenerlasses dürfte er ab 
1940 von Kampfeinsätzen ausgeschlossen gewesen sein. Als Angehöriger eines ehemals r e-
gierenden Fürstenhauses wurde er schließlich 1943 aus der Wehrmacht ausgeschlossen und

287 
kehrte nach Schloss Wolfsgarten zurück. Er verließ die Wehrmacht im Rang eines Rittmei s-
ters der Reserve (Kavallerie-Regiment 6). 
Ludwig sorgte dafür, dass Teile der großherzoglichen Sammlung aus Darmstadt evakuiert 
wurden und so die „Brandnacht“ 1944 überdauerten und nach dem Krieg in Darmstadt e r-
neut ausgestellt werden konnten. 
Im Entnazifizierungsver fahren gab Ludwig als Selbsteinschätzung „Höchstens Mitläufer“ zu 
Protokoll. Die oben genannten Mitgliedschaften in NS -Organisationen wurden im Zuge des 
Verfahrens weder bestätigt noch dementiert; von der angefragten lokalen Verwaltung wu r-
de Ludwig als Mitläufer eingestuft, der „keine politische Tätigkeit ausgeübt“ habe. Streit gab 
es hinsichtlich des Sühnebescheids – nicht bezüglich der tatsächlichen Einstufung als „Mi t-
läufer“ (Kategorie IV), sondern hinsichtlich des zu Grunde gelegten Streitwerts in Höhe von 
6.259.000 RM, woraus sich zusätzlich zur „Sühneleistung“ von 2.000  RM eine „Verfahren s-
gebühr“ in Höhe von 312.950  RM errechnete (zuzüglich 6, - RM für Porto und Auslagen, 
10.04.1948). Der Streitwert wurde nach Einspruch von Ludwigs Rechtsbeistand nachtr äglich 
auf 1.757.000  RM korrigiert; Sühneleistung und Einstufung blieben hingegen bestehen 
(23.07.1948). 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 502506 
HStAD, D 26 [„Wolfsgarten-Archiv“, von Eckhart G. Franz ausgewertet] 
StadtA DA, ST 61 Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein [zwei Mappen] 
Literatur: 
Bushart, Magdalena: Pinder, Georg Maximilian Wilhelm, Kunsthistoriker. In: NDB 20 (2001), S. 448 -
450. 
Franz, Eckhart G.: Ludwig Prinz von Hessen und bei Rhein. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 580 f. 
Franz, Eckhart G. (Hrsg.): Haus Hessen. Biografisches Lexikon. Darmstadt 2012, S. 387-389.

288 
Von-der-Marwitz-Weg (J 10), benannt 2004 nach 
Gebhard von der Marwitz (1914-1993) 
Großherzoglicher Vermögensverwalter 
* 22. Juni 1914 in Jena 
1933 Abitur an der Deutschen Oberschule Berlin-Zehlendorf 
1933 Studium der Rechtswissenschaften (Hauptfach Jura, Nebenfach VWL) in Heidelberg (nur So m-
mersemester) 
1933 Umzug von Heidelberg nach Potsdam (dort wohnhaft 1933-1939) 
Ab 1933 Studium der Rechtswissenschaften in Berlin 
1933-1935 Mitglied der SA 
1938 Geschichtsreferendar in der Justizverwaltung (Beamter) 
1939-1945 Kriegsteilnehmer (Kriegsmarine, 01.09.1943: Oberleutnant zur See der Reserve) 
Ca. 1945-1947 Kriegsgefangenschaft 
1947/48 wohnhaft in Troisdorf (bei Bonn) 
Ca. seit 1947 Mitglied der CDU 
1948 Umzug nach Frankfurt am Main; Heirat mit Christa Zeiss (zwei Kinder) 
1948-1949 Persönlicher Referent des ersten Frankfurter OB Walter Kolb (CDU) 
In leitender Funktion bei Frankfurter Banken, darunter Bankhaus Bethmann 
1951 Wahl in den Vorstand des DRK-Bezirksverbands Frankfurt (Schatzmeister) 
1958-1982 Mitglied des Präsidiums des DRK-Landesverbands Hessen 
1960-1990 Generalbevollmächtigter des großherzoglichen Vermögens (des Hauses Hessen und bei 
Rhein) 
1962 Umzug von Kronberg im Taunus nach Darmstadt 
1962-1970 Vorsitzender des DRK-Bezirksverbands Frankfurt (bis 1983 zweiter Vorsitzender) 
1965-1969 Schatzmeister des CDU-Kreisverbands Darmstadt 
1972-1977 Ehrenamtlicher Stadtrat im Magistrat der Stadt Darmstadt (CDU) 
1977-1981 Stadtverordneter (stellvertretender Stadtverordnetenvorsteher) in Darmstadt; Vorsitz im 
Haupt- und Finanzausschuss 
1974-1989 Aufsichtsratsmitglied der Carl Schenck AG 
† 4. Juni 1993 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1987 Bundesverdienstkreuz am Bande 
1989 Ehrenmitglied des DRK-Bezirksverbands Frankfurt am Main

289 
Wirken in der NS-Zeit 
Gebhard von der Marwitz, lange Jahre Generalbevollmächtigter des großherzoglichen Ve r-
mögens (des Hauses Hessen und bei Rhein) , seit 1962 in Darmstadt ansässig und politisch 
sowie kulturell aktiv, war während der NS-Zeit Student der Rechtswissenschaften und Soldat 
der Kriegsmarine. 
Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten legte Gebhard von der Marwitz an 
der Oberschule in Berlin-Zehlendorf Anfang April 1933 sein Abitur ab. Direkt  im Anschluss an 
seinen Schulabschluss wechselte er zum Studium der Rechtswissenschaften an die Univers i-
tät Heidelberg, wo er allerdings nur für das Sommersemester 1933 eingeschrieben blieb 
(Hauptfach Jura, Nebenfach VWL, UA Heidelberg). Er zog zum Winters emester von Heide l-
berg nach Potsdam und studierte fortan Rechtswissenschaften in Berlin. 
Für von der Martwitz‘ Wirken in der NS -Zeit ließen sich nur wenige Informationen reche r-
chieren. Die folgende Darstellung stützt sich weitgehend auf Selbstangaben in se inem Mel-
debogen im Zuge des Entnazifizierungsverfahrens in Frankfurt am Main (HHStAW). Demnach 
war von der Marwitz 1938 Gerichtsreferendar in der Justizverwaltung (verbeamtet, Beginn 
der Tätigkeit unklar ). Er war Mitglied der SA von November 1933 bis April  1935 (SA-Mann); 
er war kein Mitglied der NSDAP oder einer anderen NS -Organisation. Bis Kriegsbeginn lebte 
er in Potsdam, von 1939 bis 1945 war er bei der Kriegsmarine, seit September 1943 als Ober-
leutnant zur See der Reserve. Unter nicht näher zu klärende n Umständen geriet er 1945 in 
Kriegsgefangenschaft, aus der er 1947 entlassen wurde. 
Das Entnazifizierungsverfahren in Frankfurt am Main wurde eingestellt, da von der Marwitz 
bereits vom Entnazifizierungsausschuss zuständig für den Landkreis Bonn, wo er 19 47/48 
lebte, entlastet worden war (Entnazifizierungs -Hauptausschuss des Regierungsbezirks Köln 
Landkreis, 06.10.1947, Kopie in HHStAW). 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/11, Nr. 11143/1-2 
HStAD, D 27 A Nr. 154 
HStAD, R 12 P Nr. 4078 
UA Heidelberg, Studentenakte (StA Marwitz 1930-1940) 
StadtA DA, ST 61 Marwitz, Christa von der + Gebhard 
Literatur: 
---

290 
Wilhelm-Michel-Straße (L 8), benannt 1953 nach 
Wilhelm Michel (1877-1942) 
Philosoph und Schriftsteller 
* 9. August 1877 in Metz 
1883 Rückkehr der Familie in die Heimat des Vaters (Frankenstein in der Pfalz) 
1883-ca. 1887 Besuch der Dorfschule in Frankenstein in der Pfalz 
Ca. 1887-1896 Besuch des humanistischen Gymnasiums in Mainz (der Heimat seiner Mutter) 
1896-1900 Studium der Rechtswissenschaften in München 
1900/01 Militärdienst als „Einjährig-Freiwilliger“ in Mainz 
1901 Arbeit als freier Schriftsteller in München 
1902 erste Veröffentlichung in der „Münchner Zeitung“ (Kunstberichterstatter) 
1904 „Apollon und Dionysos. Dualistische Streifzüge“ (sein erstes Buch) 
1906-1930 Mitarbeiter der Zeitschrift „Die Weltbühne“ 
1911 „Friedrich Hölderlin“ 
1913 Umzug nach Darmstadt: Schriftleitung der Kunstzeitschriften des Darmstädter Kunstverlegers 
Alexander Koch 
1914-1918 Kriegsteilnehmer, zunächst Infanterie, dann bis Kriegsende Schriftleitung der von der 
deutschen Heeresleitung herausgegebenen „Gazette des Ardennes“ in Charleville (Gefreiter) 
1915 Heirat mit Herta Koch (Tochter des Alexander Koch), vier Kinder [Michels dritte Ehe; Angabe 
1937: insgesamt zehn Kinder; Angabe 1938: acht Kinder (mit Namen)] 
1919 Mitbegründer der Künstlervereinigung „Darmstädter Sezession“ 
1919 „Darmstadts Zukunft als Kunststadt“ 
Ab 1920 Mitarbeiter beim „Hessischen Volksfreund“, vor allem Kunst- und Theaterkritiken 
1922 Aufruf „An die republikanische Intelligenz Darmstadts“ im „Hessischen Volksfreund“ 
1922 „Verrat am Deutschtum. Eine Streitschrift zur Judenfrage“ 
1926 „Martin Buber. Sein Gang in die Wirklichkeit“ 
1927 „Der abendländische Zeus“ 
1928-1930/33 Mitglied des „Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold“, Ortsgruppe Darmstadt (Nr. 422) 
1928-1942 Autor der Zeitschrift „Eckart“ 
1930 „Die Schicksalsfrage des Nationalismus“ 
1931 [1932] „Bekenntnis zur Kirche“ 
1932 „Wir heißen Euch hoffen“ 
1933-1942 Mitglied der Reichsschrifttumskammer 
1934-1942 Mitglied des RLB 
1936 „Das Herz im Alltag“ 
1937 „E. Merck Darmstadt“; „Darmstadt. Ein Gespräch“ 
1939 „Nietzsche in unserem Jahrhundert“ 
1940 „Das Leben Friedrich Hölderlins“ (Hölderlin-Biografie) 
† 16. April 1942 in Darmstadt

291 
Ehrungen: 
1925 Georg-Büchner-Preis 
Wirken in der NS-Zeit 
Wilhelm Michel, Schriftsteller und Philosoph, lebte seit 1913 in Darmstadt, wo er 1942 ve r-
starb. In der NS -Zeit publizierte er vor allem zahlreiche Essays in Zeitungen und Zeitschriften 
(darunter auch NS-Publikationsorgane) sowie 1940 seine große Hölderlin-Biografie. 
„M[ichel] ist ein Gesinnungslump ureigenster Prägung“ (Gestapo Darmstadt, 06.02.1940, BArch Be r-
lin, BDC, R 9361-V/8350). 
In der biografischen Literatur wurde insbesondere Michels Beschäftigung mit dem Dichter 
Hölderlin, mit dessen L eben und Werk er sich über 40 Jahre beschäftigte, als nachwirkende 
Leistung hervorgehoben. Auf Michels Einbettung in die NS -Zeit hingegen fanden sich kaum 
Hinweise. In der Zeit zwischen 1933 und seinem Tod 1942 veröffentlichte Michel Dutzende 
von Essays in  zahlreichen Zeitungen und Zeitschriften. Wie seine eigenen Angaben an die 
Reichskammer Deutscher Schriftsteller dokumentieren, schrieb er neben regelmäßigen Be i-
trägen im „Darmstädter Tagblatt“ auch (unregelmäßig, aber jeweils in zweistelliger Anzahl) 
Artikel für die NS -Tageszeitung „NSZ Rheinfront“ sowie für die Zeitschriften „Westmark“, 
„Völkische Kultur“ und „Eckart“. 
In den 1920er Jahren hatte sich Michel wiederholt für die Republik und gegen den Antisem i-
tismus ausgesprochen. In seinem 1922 veröffentlic hten Aufruf „An die republikanische Inte l-
ligenz Darmstadts!“ etwa forderte er die „Männer der geistigen Arbeit“ zur Teilnahme an 
einer Demonstration auf „für das freie entschlossene republikanische Deutschland“, das er 
durch „Landesfeind[e] im Innern“ bedr oht sah. Im letzten Absatz des Aufrufs (unterzeichnet 
mit „im Namen zahlreicher Kameraden, Wilhelm Michel“) hieß es: 
„Schließt die Reihen mit euren Brüdern von Fabrik und Werkb ank! Zeigt denen, die das Wort ‚Geist‘  
nur als Lästerung im Munde führen, daß de r deutsche Geist endgültig Partei genommen hat für die 
Zukunft und Entwicklung, für Freiheit und Republik!“ (Hessischer Volksfreund vom 25.06.1922). 
Michels ebenfalls 1922 erschienene Publikation „Verrat am Deutschtum. Eine Streitschrift 
zur Judenfrage“  las sich als deutlich formulierte Absage an den Antisemitismus – und vor 
allem als eine Klage darüber, dass Antisemitismus zu Unrecht mit „Deutschtum“ gleichg e-
setzt würde. Es ließen sich zahlreiche Textbeispiele aus der 47 Seiten umfassenden Strei t-
schrift nennen; die folgende längere Passage steht exemplarisch für deren Stoßrichtung (und 
Wortwahl): 
„Man beruft sich, indem man sich als übe lriechender Coyote benimmt, auf deutsches Wesen, deu t-
schen Geist, deutsches Blut. Man behauptet, echtes Deutschtum zu bewäh ren, indem man schäbig 
ist wie eine Kellerassel, ordinär wie ein Strizzi, schamlos wie ein Leichenfledderer, betrügerisch wie 
ein Wechselfälscher. Der Antisemitismus ist nicht bloß eine Sache zwischen Juden und Judenhassern. 
Er ist in erster Linie eine Sac he zwischen Deutschen und einer Horde von Verrätern aller edlen, gei s-
tigen, ritterlichen Überlieferungen des Deutschtums, die wir als etwas Verehrungswürdiges in uns 
tragen. Er ist unser aller Entehrung. Er ist die Schmach, die uns auf Jahrhunderte ans Gal genholz an-

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prangert. Er ist die brennende Schande all derer, die im Deutschtum ein edles, ausgezeichnetes 
Werkzeug zur Verwirklichung der Menschheit erblicken. Er ist unverzeihliche Felonie, Urfall der U n-
treue gegen Volk und Land, er ist die frechste Untern ehmung gegen das Deutschtum, die jemals ins 
Werk gesetzt wurde“ (Verrat am Deutschtum, S. 10). 
Michel war Mitglied des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold (Ortsgruppe Darmstadt), Mitarbei-
ter der Zeitschrift „Die Weltbühne“ und persönlich bekannt mit Wilhelm Leu schner sowie 
Martin Buber. Seine Veröffentlichung „ Martin Buber. Sein Gang in die Wirklichkeit “ (1926) 
stand in der NS -Zeit auf der „Liste des schädlichen und unerwünschten Schrifttums“ ( BArch 
Berlin, BDC, R 9361 -V/8350). Noch im Mai 1932 zeigte ein Foto M ichel gemeinsam am Tisch 
mit Wilhelm Leuschner, dem Intendanten des Darmstädter Landestheaters Gustav Hartung 
und Thomas Mann (andere Datierung: 1931, HStAD, R 4 Nr. 13486). 
Erklärungsbedürftig erscheint anhand Michels Werdegangs in den 1920er Jahren, dass  er 
auch in der NS -Zeit ununterbrochen veröffentlichen durfte (und veröffentlichte). Er war bis 
zu seinem Tod 1942 Mitglied der Reichsschrifttumskammer, publizierte nach 1933 – wie 
oben erwähnt – zahlreiche Artikel (in der Regel in Form von Essays), auch i n den genannten 
NS-Publikationsorganen. 
Als eine erste Annäherung an den Nationalsozialismus ließe sich Michels Veröffentlichung 
„Wir heißen Euch hoffen . Betrachtungen zur neuen Weltstunde “ lesen, die der Philosoph 
bereits 1932 verfasste. Der Rezensent des  Darmstädter Tagblatts las die „Hoffnung auf eine 
neue nationale Lebensmächtigkeit“, wenn Michel formulierte: 
„Was die Geschichte jetzt als Menschenform zur Führung bringen will, das ist die dem Deutschen 
eigene Wesensform. So fest es steht, daß die bisher ige Richtung des Zivilisationsgeistes dieser Me n-
schenform feindliche war, so fest steht es, daß die neue Wendung ihr günstig ist. Der Deutsche hat 
sich nur als Deutscher zu erfüllen, um dieser Zeit gemäß zu sein. Das hat nichts mit einem leichten 
Leben oder mit einer Gewähr für deutschen Welterfolg zu tun, aber es schenkt uns die Freude, unser 
Dasein nach eignen Takten leben zu können“ ( Wilhelm Michel: „Wir heißen Euch hoffen!“; Rezension 
von Herbert Nette im DT vom 09.10.1932). 
Michels Hoffnung, die von ihm vertretene Geisteshaltung eines „wahren Deutschtums“ ließe 
sich mit dem (oder gerade durch den) Nationalsozialismus vorantreiben, zur führenden Gei s-
teshaltung gestalten, durchwirkt später wiederholt seine Essays im „Darmstädter Tagblatt“ 
(zu DT-Beiträgen 1933-1936 vgl. StadtA DA, ST 61). Die (eingesehenen) Beiträge waren w e-
der antisemitisch noch weitgehend in propagandistischem NS -Jargon verfasst. Michels Z u-
stimmung zu den „Errungenschaften“ des NS -Regimes sowie die Anschlussfähigkeit seines 
Begriffs von „Deutschtum“ an die politische Gegenwart wurden darin aber wiederholt deu t-
lich. 
Im Juli 1935 erörterte Michel etwa „Die Frage nach dem, was ‚deutsch‘ ist“. Das von ihm 
propagierte „Deutschtum“ stünde demnach keineswegs im Widerspruch zu Europa – ganz im 
Gegenteil: Was „deutsch“ ist, sei ohne Einbettung in europäische Werte gar nicht denkbar. 
Der Weg der Deutschen durch die Jahrhunderte sei dennoch geprägt von einem „Durchg e-

293 
hen durch so vieles Fremde und Halbfremde, das doch nicht organisch einverleibt werde n 
konnte“. In der (politischen) Gegenwart habe sich dies hingegen grundlegend geändert: 
„Es ist die gegenwärtige deutsche Stunde mit ihrer Frage nach dem, was ‚eigentlich‘ deutsch ist. Es ist 
die Stunde, da der Deutsche als endlich festgewordenes Staatsvol k sich aus den unorganischen Frü h-
verbindungen mit ‚Rom‘ herausnimmt, da er seine geschöpfliche Eigenheit betont unter Berufung an 
die großen Mächte von Blut und Boden – nicht um sich in ein ‚deutsches Abseits‘ einzuriegeln unter 
Verleugnung Europas, sonder n ganz im Gegenteil: um den alten hohen Werten des Erdteils endlich 
lebensrichtig zu begegnen und den germanisch -deutschen Beitrag zur europäischen Kultur und Me n-
schenform in einem zweiten ‚kaiserlichen‘ Tun geschichtlich zu befestigen“ (DT vom 12.07.1935). 
Im weiteren Verlauf des Essays hieß es weiter: 
„Unser Fragen nach dem Eignen hat keinen weltflüchtigen, keinen stadtflüchtigen Sinn; es hat auch 
durchaus keinen zivilisationsflüchtigen Sinn. Wir ziehen uns mit der Frage nach dem, was deutsch ist, 
nicht aus dem Wettbewerb der Weltvölker zurück! Wir treten erst mit voller Kraft in ihn ein! Könnten 
wir an diesem Inhalt der heutigen deutschen Selbstbesinnung irgendwelchen Zweifel hegen: die A u-
tobahnen, die unser Land durchstrahlen, die mächtige deutsche Techn ik, die vorbildliche Verarbe i-
tung brennendster moderner Sozialfragen, die wahrhaft schöpferischen deutschen Vorstöße zur 
Neugestaltung der Völkerbeziehungen würden uns zurufen: Fort mit solchem Zweifel! […] Aber e m-
por mit dem stolzen  Wissen, daß diese Selb stbesinnung uns als desto rüstigere Kämpfer hinausweist 
auf das Feld der weltgültigen Tat.“ 
Technische Errungenschaften und die Sozialpolitik des NS -Regimes wurden auch in anderen 
Veröffentlichungen von Michel positiv dargestellt, so in „Darmstadt. Ein Ges präch“ (1939) 
der Anschluss an die „großartige Reichsautobahn“ (S. 5). In dem Band „E. Merck Darmstadt“ 
(1937), zu dem Michel den Text verfasste, lobte er im Kapitel „Soziale Einrichtungen“ die 
Zusammenarbeit mit der „Deutschen Arbeitsfront“ sowie mit der „NS-Gemeinschaft ‚Kraft 
durch Freude‘“: 
„Kameradschaftlicher Geist, Gefühl der Werkgemeinschaft und auf beiden Seiten der ernste Wille, 
die großen einschlägigen Gesichtspunkte unserer neuen Volksordnung voll zu verwirklichen, geben 
dieser Zusammenarbeit da s Gepräge und die Erfolgsgrundlage. In ihr drückt sich die Erkenntnis aus, 
daß das Werk nur ein Teil der Volksgemeinschaft ist und daß daher alle Maßnahmen des Werkes von 
dem gleichen Geist getragen sein müssen, von dem das ganze Volk getragen wird“ (E. Me rck Darm-
stadt, S. 90). 
Im Essay „Freude macht Freude“, in dem viel von Liebe, Herzensmilde und Verzeihen als he i-
lenden Kräften die Rede war, verwies Michel bezüglich der „Herzensachtung von jedem, der 
mit ehrlichen freudigen Willen mitschafft am Aufbau uns eres Volkes“ (im Kontext eher u n-
vermittelt) auf Adolf Hitler: 
„Standesdünkel, Gesinnungsdünkel, Vorbehalte kleinlicher Art – sind sie überall schon soweit abg e-
räumt, wie sie es angesichts der großen Schicksalsverbundenheit aller Deutschen sein müßten? Der 
Führer hat jedem die Bruderhand gereicht, der es redlich mit Volk und Vaterland meint. Hast du das 
auch schon getan?“ (DT vom 20.12.1935). 
Immer wieder thematisierte Michel in seinen Essays religiöse bzw. religionsgeschichtliche 
Fragestellungen. Dabei fäll t auf, dass für ihn das (protestantische) Christentum elementarer

294 
Bestandteil des „Deutschtums“ war; dass es seiner Ansicht nach keinen „Kampf zwischen 
Christentum und Volkstum“ gab, „sondern ein bisher nie dagewesenes Mächtigwerden des 
einen im andern, de s einen durch das andere“ („Die Bühne im neuen Deutschland“, DT vom 
01.05.1935). Es sollte „das deutsche Herz demütig und tapfer durch Leiden und Tat die Wir k-
lichkeit Gottes, die Herrlichkeit des gottgestifteten Lebens neu in die menschliche Seele 
bringen“ (ebenda, unter Bezug auf die Veröffentlichung „Wesen und Mächte des heldischen 
Theaters“ von Erich von Hartz). „Volksgemeinschaft“, „Deutschtum“, „Deutschlands Ber u-
fung“ – Themen und Begrifflichkeiten, die Michel in seinen Beiträgen immer wieder aufgriff,  
häufig in Zusammenhang gesetzt mit der von ihm konstatierten Besonderheit des „deu t-
schen Wesens“: 
„[…] – aber sieghaft hebt sich aus den wilden und leuchtenden Bildern die schwertführende Gewalt 
des Deutschtums heraus, seine weltgestaltende Berufung, das Bewußtsein, daß es etwas Großes ist 
Deutscher zu sein und deutsches Schicksal mitzuleben!“ („Erinnerung als Kraftspender“, DT vom 
23.01.1935). 
Zeitgenossen betrachteten Michels „Wendung“ vom Republikaner der 1920er Jahre zum 
Befürworter des Nationalsozialismus‘ skeptisch bis ablehnend. Der Architekt Ernst W. Müller 
bezeichnete in einem in Auftrag gegebenen Dossier Michel als  „eine stadtbekannte Persö n-
lichkeit der roten Aera, der sich nach Konjunktur beliebig dreht“ ( Müller an Regierungsrat 
Reiner, März 1934 , HStAD, G 5 Nr.  15). 1934 veröffentlichte die Zeitschrift „Der Datterich. 
Rhein-mainischer Beobachter“ eine sich über mehrere Ausgaben erstreckende Kampagne 
gegen Michel. Die Titelseite der Ausgabe vom 02.11.1934 zeigte in Form einer Karikatur zwei 
Wetterhähne mit Michels Konterfei: Bei jenem von 1920 blies der Wind von links, bei dem 
von 1934 von rechts. Darunter stand zu lesen: 
„Wenn einer auf hoher Warte steht, / Und sich nach jedem Winde dreht 
Und schmettert ohne innere Müh‘ / Mal links, mal rechts sein Kikeriki 
Dann nimmt man solchen wendigen Mann / Nicht ernster als jeden Wetterhahn!“ 
Auf der Titelseite der Ausgabe vom 09.11.1934 fand sich der erwähnte Aufruf von Michel aus 
dem Jahr 1922 nochmals abgedruckt. Und das Titelblatt vom 23.11.1934 schmückte  das 
ebenfalls bereits erwähnte Foto, das Michel noch 1932 mit Leuschner, Hartung und Thomas 
Mann an einem Tisch zeigte, untertitelt mit: 
„Im Mai in diesem Kreis betroffen, / Im Juni heißt er uns schon ‚hoffen‘ – 
Wie nützlich ist doch allezeit / Die Gabe rascher Wendigkeit!“ 
Im Textteil der Zeitschrift wurde Michel eine opportunistische Haltung unterstellt, sein Be i-
trag „Wir heißen euch hoffen“ in das Jahr 1933 datiert und als Reaktion auf die geänderten 
politischen Verhältnisse hin gedeutet. Michel nahm zu  den Vorwürfen explizit Stellung – in-
dem er darauf hinwies, der Text sei bereits im „Juni -Juli 1932 geschrieben“, das Buch könne 
daher nur „eigene, freierwachsende Einsichten“ darstellen. Auch sei sein deutsches Nati o-
nalbewusstsein nachweislich keineswegs neu. Tatsächlich hatte sich Michel bereits in seinem 
Beitrag „Die Schicksalsfrage des Nationalismus“ mit der Entwicklung des Nationalismus in 
Deutschland auseinandergesetzt. Er sah darin eine neue Entwicklung hinsichtlich des Nati o-

295 
nalismus und verwies bere its 1930 darauf, dass „wir ohne Ausnahme gezwungen sind, über 
alte Schablonen hinaus zu denken“. Das „künftige Deutschland“, so Michel weiter, werde 
weder von den alten Linken noch von den alten Rechten allein geprägt sein, „sondern von 
neuen Kräfteverbindungen, in denen möglicherweise auch das nationalistische Element eine 
Rolle spielen wird“ (Die Schicksalsfrage, S.  460). [Er wendete sich gegen „primitive“ Gewalt, 
machte sich stark für Geist und Gottgläubigkeit in Bezug auf Nationalismus.] Die Autoren des  
„Datterich“ werteten in ihrer Replik (09.11.1934, S. 2) Michels Gegenrede als unzureichend: 
Im Sommer 1932 habe er bereits den Aufstieg des Nationalsozialismus erkennen können; an 
ihrer Einschätzung änderten daher Michels Erklärungsversuche nichts: 
„Es steht fest, daß Wilhelm Michel über ein Jahrzehnt lang zur geistigen Prominenz der linken Ric h-
tung zählte und sich als solcher öffentlich und häufig bemerkbar machte. Es steht fest, daß Wilhelm 
Michel ehedem ein Buch verfaßte, in welchem er die Vertreter der  heute herrschenden Anschauu n-
gen mit Ausdrücken belegte, die einfach nicht wiederzugeben sind. Andererseits steht fest, daß Wi l-
helm Michel ohne jeden erkennbaren Übergang plötzlich das Gegenteil von dem anbetet, was er 
früher vertrat, und unter dem Motto ‚ Was geb‘ ich für mein schläächt‘ Geschwätz von gestern‘ das 
derzeit Gültige hymnisch besingt.“ 
1940 kam die Darmstädter Gestapo in einem Dossier über Michel zu einem ganz ähnlichen 
Ergebnis, das im oben vorangestellten Zitat kulminierte: „M[ichel] ist ein Gesinnungslump 
ureigenster Prägung“ (Gestapo Darmstadt, 06.02.1940, BArch Berlin, BDC, R 9361 -V/8350). 
Michel wurde in dem Dossier als Intellektueller der „Systemzeit“ charakterisiert, dessen 
„marxistische Gesinnung“ und „Haltung gegenüber dem Judentum“ Au sdruck in den oben 
bereits genannten Veröffentlichungen aus dem Jahr 1922 fanden; auch der Verweis auf das 
veröffentlichte Foto aus dem Jahr 1932 fehlte nicht. Seine Parteinahme bezüglich des Nati o-
nalsozialismus wurde auch hier als Opportunismus bewertet: Wenngleich er in „staatspolit i-
scher Hinsicht“ nach 1933 nicht in Erscheinung getreten sei, so sei doch dringend empfohlen, 
„seiner Wandlungsfähigkeit eiserne Schranken zu setzen“: 
„Nach den obigen Ausführungen bestehen an der Zugehörigkeit des M[ichel] zur  Reichsschrifttums-
kammer, zu der die hiesige Dienststelle bisher zur Stellungnahme nicht aufgefordert wurde, aus 
staatspolizeilichen Gründen erhebliche Bedenken.“ 
Entsprechend wurde Michel von der NSDAP -Gauleitung als politisch unzuverlässig bewertet 
und g efordert, „die Mitgliedschaft des Michel zur Reichsschrifttumskammer aufzuheben“ 
(Gauhauptstellenleiter, Gauleitung Hessen -Nassau, 23.06.1941, BArch Berlin, BDC, R 9361 -
V/8350). Dennoch blieb Michel bis zu seinem Tod Mitglied der Reichsschrifttumskammer: 
„Die Kammer hat sich eingehend mit der Frage befasst, ob M[ichel] auszuschließen war, hat es j e-
doch dann bei der Mitgliedschaft belassen mit Rücksicht darauf, daß er nach der Machtübernahme 
nicht mehr nachteilig in Erscheinung getreten war“ (Schriftsteller Wilhelm Michel, Ihr Schreiben vom 
28.9.42, BArch Berlin, BDC, R 9361-V/8350). 
Der Reichsschrifttumskammer war im Übrigen schon früher bekannt, dass Michels politische 
Vergangenheit Fragen aufwarf: In einem Schreiben an den Herausgeber der Monatsschrift 
„Völkische Kultur“ machte die Kammer bereits im Februar 1935 (auf Anfrage) darauf au f-
merksam, dass man Michel ob seiner bekannten Angriffe auf den Antisemitismus „auf ke i-

296 
nen Fall“ als Nationalsozialisten bezeichnen könne (Schreiben vom 14.02.1935, BArch Berlin, 
BDC, R 9361-V/8350). 
Da Wilhelm Michel 1942 verstarb, ließen sich keine Entnazifizierungsakten recherchieren. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/8350 
HStAD, G 5 Nr. 15 
HStAD, R 4 Nr. 13486 [erwähnte Gruppenaufnahme zu Tisch] 
HStAD, R 12 P Nr. 4183 
Deutsches Literaturarchiv Marbach, Nachlass Wilhelm Michel [NICHT eingesehen] 
StadtA DA, ST 61, Michel, Wilhelm 
Literatur: 
Michel, Wilhelm: Verrat am Deutschtum. Eine Streitschrift zur Judenfrage. Hannover/Leipzig 1922. 
Michel, Wilhelm: Martin Buber. Sein Gang in die Wirklichkeit. Frankfurt am Main 1926. 
Michel, Wilhelm: Die Schicksalsfrage des Nationalismus. In: Der Morgen. Monatsschrift der Juden in 
Deutschland 6 (1930/31), Heft 5 (Dezember 1930), S. 458-465. 
Michel, Wilhelm: Wir heißen euch hoffen! Betrachtungen zur neuen Weltstunde. Darmstadt 1932. 
Michel, Wilhelm: E. Merck Darmstadt. Darmstadt 1937 [herausgegeben von E. Merck Darmstadt, 
„Den Text verfaßte […] Schriftsteller Wilhelm Michel, Darmstadt“]. 
Michel, Wilhelm: Darmstadt. Ein Gespräch. Darmstadt 1939. 
Michel, Wilhelm: Der Kriegsrat Johann Heinrich Merck. Berlin 1941. 
Netuschil, Claus K.: Michel, Wilhelm. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 633.

297 
Rudolf-Mueller-Anlage (J 8-9), benannt 1974 nach 
Rudolf Mueller (1869-1954) 
Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt 
* 4. August 1869 in Gießen 
Besuch des Ludwig -Georgs-Gymnasiums in Darmstadt sowie des Kaiser -Wilhelm-Gymnasiums in 
Hannover (Abitur in Hannover) 
Studium der Rechtswissenschaften in Gießen, Tübingen, Göttingen, Jena und Berlin 
Nach abgeschlossenem Studium Tätigkeiten im Hessischen Staatsdienst (Großherzogliches Polizeiamt 
Darmstadt, Staatsministerium, Innenministerium) 
1900 Heirat mit Martha Wölkel (drei Kinder) 
1904 kurzzeitig stellvertretender Kabinettssekretär im Staatsministerium 
1908 Kreisamtmann in Heppenheim 
1909 juristischer Beigeordneter der Stadt Darmstadt 
1910/11 Titel „Bürgermeister“ in Darmstadt (1921 für weitere zwölf Jahre bestätigt) 
1914-1918 zunächst Teilnahme am Ersten Weltkrieg, dann Rückversetzung in die Verwaltung in 
Darmstadt 
1919 Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei in Hessen 
1929-1933 Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt 
1929-1933 Vorsitzender des Odenwaldklubs (des Gesamtverbands der Odenwaldvereine; 20 Jahre 
Vorsitzender der Ortsgruppe Darmstadt, 50 Jahre Mitglied des Odenwaldvereins) 
1931 New-York-Reise 
1933 Absetzung als OB durch die Nationalsozialisten (Ende März) 
1945 Treuhänder der amerikanischen Militärregierung für die Grube Messel 
† 1. Juni 1954 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1932 Ehrensenator der Universität Gießen 
1936 Ehrenmitglied des Odenwaldklubs 
1949 Ehrenbürger der Stadt Darmstadt 
Wirken in der NS-Zeit 
Rudolf Mueller, Jurist, leitender Beamter und schließlich ab 1929 OB der Stadt Darmstadt, 
wurde vom NS-Regime Ende März 1933 aus seinem Amt fristlos entlassen. 
Über Muellers Wirken in der Zeit zwischen 1933 und 1945 ist wenig bekannt. In einem Pre s-
sebericht hieß es bezüglich der Zeit nach seiner Entlassung: „Rudolf Mueller zog sich damals 
aus dem öffentlichen Leben zurück und widmete sich vornehmlich seiner  Liebe zur Kunst“ 
(DT vom 04.08.1969). Auch der Beitrag von Susanne Kiraly im Stadtlexikon Darmstadt geht

298 
nicht auf die Zeit ein [es wird lediglich – fälschlicherweise – auf seinen Vorsitz des Ode n-
waldklubs ab 1936 verwiesen; er wurde 1936 zum Ehrenmitglie d ernannt]. Kurz vor seiner 
Entlassung Ende März wandte sich Mueller mit einem Schreiben an die Mitarbeiter der 
Stadt(verwaltung) Darmstadt. Er bezog sich auf den Wahlsieg der Nationalsozialisten in He s-
sen am 13. März 1933 und ließ im Zuge dessen wissen: 
„Es ist klar, dass diese Entwicklung auch in den bürgerlichen Kreisen nicht überall kritiklos hing e-
nommen worden ist, und es sind oft nicht die schlechtesten Elemente, die sich nicht dazu entschli e-
ßen konnten oder können, gleichsam über Nacht sich zu einer anderen Weltanschauung zu beke n-
nen“ (17.03.1933, An die städtischen Beamten, Angestellten und Arbeiter, gezeichnet [ohne „Heil 
Hitler!“] Rudolf Mueller). 
Aber auch die Kommunen müssten sich entsprechend der neuen Lage verhalten, so Mueller 
weiter, und er warb um Loyalität der städtischen Beamten, Angestellten und Arbeiter: 
„Und diese Einstellung zu der neuen Lage kann im Hinblick auf die Not des Vaterlandes und die No t-
wendigkeit eines Wiederaufbaus bei einer ruhigen Fortentwicklung nur eine positive sein, einerlei, ob 
diese oder jene Einzelmaßnahme der Regierung innerlich gutgeheißen werden sollte oder nicht“  
(ebenda, Hervorhebung im Original). 
Deutschland dürfe schließlich nicht im „Chaos“ versinken, weshalb die Angesprochenen ihre  
Pflicht zu tun hätten; si e hätten sich  „unbeschadet der unbedingten Wahrung einer gerec h-
ten und objektiven Einstellung zu allen Bevölkerungsgruppen“ treu und loyal zu verhalten. 
Gegen die kursierende Behauptung, er sei SPD -Mitglied gewesen, verwahrte sich Mueller 
kurze Zeit später  vehement und öffentlich. Er sei tatsächlich schon seiner Herkunft nach 
„bürgerlicher“ Einstellung und habe sich – trotz seines Eintritts 1919 in die „Demokratische 
Partei“ – parteipolitischer Arbeit weitgehend verschlossen: 
„Mein Interesse und meine Kräft e gehörten ausschließlich der Verwaltung meiner Heimatstadt. Das 
Urteil über mein Wollen und den Erfolg meiner 24jährigen kommunalen Arbeit wird eine ruhigere 
Zeit fällen“ (in der Presse veröffentlichte Stellungnahme vom 13.04.1933, StadtA DA). 
Über Muellers Wirken nach seiner Entlassung als OB durch die Nationalsozialisten bis 1945 
gab lediglich der von ihm selbst am 26. April 1946 ausgefüllte Meldebogen im Zuge seines 
Entnazifizierungsverfahrens Aufschluss (HHStAW). Demnach war der abgesetzte OB weder in 
der NSDAP noch in einer ihrer Unterorganisationen Mitglied (alle Fragen mit „nein“ bean t-
wortet). Ob er Mitglied einer der NSDAP verbundenen Organisation war, konnte er nicht mit 
Bestimmtheit ausschließen („Diese Sachen besorgte immer meine im Jahr 1945 ver storbene 
Frau“). Als OB a.  D. bezog er bis 1945  reduzierte Einkünfte (jährlich zwischen 10.000 und 
16.000 RM). Auf die Frage, in welche Gruppe er sich  einordnen würde, antwortete er „In gar 
keine Gruppe“ mit folgender Begründung: „Ich wurde als Antifaschis t am 30.3.33 von dem 
Hitler-Regime aus meinem Amt fristlos entlassen und dadurch geldlich und moralisch schwer 
geschädigt“. Seit Juli 1945 arbeitete er als Treuhänder der Grube Messel für die amerikan i-
sche Militärregierung in Darmstadt, die ihn als politis ch entlastet ansah. Rudolf Mueller wur-
de am 03.02.1947 schließlich als „Vom Gericht nicht betroffen“ eingestuft.

299 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 03656 (nur Meldebogen) 
HStAD, O 29 Nr. 50 
HStAD, R 4 Nr. 1384 
HStAD, R 4 Nr. 21045 
HStAD, R 12 P Nr. 4336 
StadtA DA, ST 61 Müller, Rudolf 
Literatur: 
Kiraly, Susanne: Mueller, Rudolf. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 651.

300 
Elisabeth-Noack-Platz (H 9), benannt 1997 nach 
Elisabeth Noack (1895-1974) 
Musikwissenschaftlerin und Musikpädagogin 
* 29. Juli 1895 in Mainz 
1901-1911 Besuch der Höheren Töchterschule in Darmstadt (nach der Übersiedlung der Eltern) 
1911-1915 Besuch der Ludwigs -Oberrealschule in Darmstadt (August 1914: Notreifeprüfung, März 
1915: Abitur) 
1915 Diakoniehilfsschwester im Städtischen Krankenhaus Darmstadt 
1915-1917 private Musikstudien (1915/16 auch an der TH Darmstadt) 
1917-1921 Studium der Musikwissenschaft an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin 
1919 Abiturergänzungsprüfung (Latein) 
1921 Promotion in Musikwissenschaften „Georg Christoph Strattner (ca. 1645-1708)“ 
1921 Musiklehrerin an verschiedenen Darmstädter Schulen 
1921-1923 Kantorin der Evangelischen Johannesgemeinde Darmstadt 
1921-1934 Mitglied des Reichsverbands deutscher Tonkünstler (im erweiterten Hauptvorstand) 
1922 Staatliche Hessische Prüfung für Gesangslehrer an höheren Schulen (als erste Frau) 
1922-1945 Mitglied des Tonika-Do-Bunds für musikalische Erziehung 
1922-1923 Leiterin des Seminars für Musiklehrer an der Akademie für Tonkunst Darmstadt 
1923-1924 Musiklehrerin am privaten Landerziehungsheim Hochwaldhausen (Oberhessen) 
1924-1929 Musiklehrerin (ab 1925 Studienrätin) an der Helene -Lange-Schule in Schneidemühl (Pr o-
vinz Grenzmark Posen-Westpreußen) 
1925 Preußische Staatsprüfung für das künstlerische Lehramt (in Berlin) und Pädagogische Staatsprü-
fung (in Schneidemühl) 
1925 „Die Bibliothek der Erfurter Michaeliskirche“ 
1927 „Mein erstes Singbuch“ (für Grundschüler nach Tonika-Do-Lehre konzipiert; mehrteilig) 
1929-1934 Dozentin für Musik an der Pädagogischen Akademie Kiel (1932-1934: Hilfsdozentin) 
1929-1931 Lehrbeauftragte an der Landeskirchlichen Schule für Kirchenmusik Eckernförde 
1930 Gauleiterin Schleswig-Holstein im Reichsverband akademisch gebildeter Musiklehrerinnen 
1930 Rundfunkbeiträge zum Thema „Volkslied“ 
1932 „Grenzen und Möglichkeiten des musikalischen Schulfunks und seiner unterrichtlichen Auswe r-
tung“ 
1933/34 Lehrbeauftragte für Musikerziehung an der Hochschule für Lehrerbildung Kiel 
1934-1956 (mit Unterbrechung) Studienrätin an der Hindenburgschule (1 947 umbenannt in Käthe -
Kollwitz-Schule) Kiel 
Bis 1934 Mitglied im Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenverein, dort in mehreren Ausschüssen 
1934-1945 Mitglied der NSV

301 
1934-1945 Mitglied des NSLB 
1935-1945 Mitglied der NS-Frauenschaft [Musikalische Leiterin, Gau Schleswig-Holstein] 
1937-1945 Mitglied der NSDAP (Nr. 5444166) 
1937-1945 Mitglied des Reichskolonialbunds (RKB) 
1937-1945 Mitglied des Volksbunds für das Deutschtum im Ausland (VDA) 
1938 „Chorerziehung“ 
1938-1940 „Deutsche Musiklehre für junge Menschen“ (unveröffentlichtes Manuskript) 
1939-1945 Mitglied des Reichsluftschutzbunds (RLB) 
1940-1945 Mitglied der Reichsmusikkammer (Abteilung Verleger) 
1940-1957 Leiterin des Tonika-Do-Verlags für Musikerziehung in Kiel 
1946-1951 Dozentin für Musik an der Pädagogischen Hochschule Kiel 
1956 Ruhestand (bis April 1957 noch als „Hilfslehrkraft“ an der Käthe-Kollwitz-Schule tätig) 
1957 Rückkehr nach Darmstadt 
1964 „Wolfgang Carl Briegel. Ein Barockkomponist in seiner Zeit“ 
1967 „Musikgeschichte Darmstadts vom Mittelalter bis zur Goethezeit“ 
† 20. April 1974 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1970 Johann-Heinrich-Merck Ehrung der Stadt Darmstadt (anlässlich ihres 75. Geburtstags) 
Wirken in der NS-Zeit 
Elisabeth Noack, Musikwissenschaftlerin und Musikpädagogin, war in der NS -Zeit als Studi-
enrätin und Dozentin im Bereich der Musikausbildung in Schleswig -Holstein tätig. Seit 1940 
leitete sie zudem den Tonika -Do-Verlag in Kiel. Sie war Mitglied der NSDAP und weiterer NS -
Organisationen. 
Die promovierte Musikwissenschaftlerin (Promotion 19 21), in Darmstadt sozialisiert, hatte 
zu Beginn der 1920er Jahre als Musiklehrerin an verschiedenen Darmstädter Schulen gea r-
beitet und an der Akademie für Tonkunst das Seminar für Musiklehrer geleitet, bevor sie 
über Hochwaldhausen (Oberhessen, 1923/24) und Schneidemühl (Provinz Grenzmark Posen-
Westpreußen, 1924-1929) nach Kiel gelangte. Von 1929 bis 1931 war sie Lehrbeauftragte an 
der Landeskirchlichen Schule für Kirchenmusik Eckernförde. Zu Beginn der NS-Zeit agierte sie 
als Dozentin für Musik an der Pädagogischen Akademie Kiel, wo sie seit 1929 lehrte (ab 1932 
eigenen Angaben folgend aufgrund von „Sparmaßnahmen“ als „Hilfsdozentin“). Im Winte r-
semester 1933/34 war sie zugleich Lehrbeauftragte für Musikerziehung an der Hochschule 
für Lehrerbildung Kiel . 193 4 wechselte sie schließlich als Studienrätin an die Hindenbur g-
schule in Kiel (1932-1936 Städtisches Hindenburg-Oberlyzeum), an der sie bis zu ihrer Pens i-
onierung 1956 als (Musik -)Lehrerin tätig blieb (die Hindenburgschule wurde 1947 umb e-
nannt in Käthe -Kollwitz-Schule). Ihrer eigenen Aussage nach  wurde sie 1934 mit Bezug auf 
das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ – gegen ihren Willen – von der

302 
Hochschule in den Schuldienst zurückversetzt ( BArch Berlin, BDC, R 9361 -V/81804 sowie 
LASH). 
Elisabeth Noack war über viele Jahre in Fachverbänden für Musiker und Musiklehrende tätig, 
teils in führender Funktion. Von 1921 bis 1934 war sie Mitglied des Reichsverbands deu t-
scher Tonkünstler ( zeitweise im erweiterten Hauptvorstand  und Geschäftsführende Vor sit-
zende der Ortsgruppe Kiel ), von 1940 bis 1945 in der Reichsmusikkammer (Abteilung Verl e-
ger). Bereits 1930 wurde sie als Gauleiterin Schleswig-Holstein im Reichsverband akademisch 
gebildeter Musiklehrerinnen geführt. Von 1934 bis 1945 war sie Mitglied de s NSLB. Auf der 
Karteikarte des NSLB findet sich vermerkt: „Schulungsleiterin f[ür] musik[alische] Kurse NS -
Frauenschaft, Gau Schleswig -Holstein seit 1932“. [ Im Bundesarchiv sowie in Publikationen 
zum NSLB finden sich Hinweise auf eine Elisabeth Noack, die  als „Reichsfachgruppenleiterin, 
Reichsfachschaft VII (Sozialpädagogische Berufe)“, innerhalb des NSLB in führender Funktion 
tätig war. Hierbei handelt es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um eine Frau gleichen N a-
mens aus Thüringen (Stadtroda), die seit 1 928 der Berufsorganisation der Kindergärtneri n-
nen, Hortnerinnen und Jugendleiterinnen vorstand und nach 1945 ein Waisenhaus in Weimar 
leitete, siehe BArch Berlin, NS 12; Feiten, S. 92; www.stiftunghaar.de.] 
Darüber hinaus war Noack Mitglied in folgenden NS -Organisationen (HHStAW; BArch Berlin, 
BDC, R 9361 -V/81804): 1934 -1945 in der NSV sowie in der NS -Frauenschaft ( Musikalische 
Leiterin, Gau Schleswig -Holstein), 1937-1945 in der NSDAP (Mitglieds -Nr. 5444166, rückd a-
tiert auf 01.05.1937, Antrag vom 21.12.1937, BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei), im 
Reichskolonialbund (RKB) und im Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA). 
Von 1940 bis 1957 leitete sie den Tonika -Do-Verlag in Kiel, ein gemeinnütziges Unterne h-
men, dessen Erlöse weitgehend in den Druck neuer musikpädagogischer Werke flossen. Der 
Verlag wurde seit 1928 von Maria Leo geführt, die die Leitung 1935 wegen ihrer „nichtar i-
schen Abstammung“ aufgeben musste und den Verlag an ihre Freundin Dorothea Gotzmann 
verkaufte. Nach deren Tod 1939 übernahm Elisabeth Noack 1940 die Leitung des Verlags. 
Überlieferte Korrespondenz dokumentiert ein langjähriges freundschaftliches Verhältnis 
zwischen Maria Leo und Elisabeth Noack (ULB Darmstadt, [Teil -]Nachlass Elisabeth Noac k, 
Kasten 11). Auch mit dem Ehepaar Inna und Richard Glaser, das sich 1938 zur Emigration in 
die USA gezwungen sah, verband Noack eine langjährige Freundschaft – Noack war 1956 als 
Bevollmächtigte im Entschädigungsfall Richard Glaser eingesetzt (ULB Darmst adt, [Teil -
]Nachlass Elisabeth Noack, Kasten 5). 
Zwischen 1938 und 1940 verfasste Noack eine „Deutsche Musiklehre für junge Menschen“ , 
die allerdings nicht veröffentlicht wurde (Manuskript in ULB Darmstadt, [Teil -]Nachlass Elisa-
beth Noack, Kasten 1). Das t radierte Manuskript weist kaum politische Äußerungen auf; bei 
der Auflistung der in der Tradition des „Gemeinschaftssingens“ stehenden Institutionen fa n-
den die aktuellen NS-Kreise (etwa „Sing- und Spielscharen der Hitlerjugend“) Erwähnung und 
unter „Literatur für Gemeinschaftssingen“ wurde auf NS-Liederbücher verwiesen.

303 
Entnazifizierungsverfahren 
In Fragebögen der Britischen Militärregierung gab Elisabeth Noack zu Protokoll, sie sei von 
1935 bis 1938 von der Gestapo überwacht worden, „wegen Widerstands gege n den Nati o-
nalsozialismus“ (zum Folgenden BArch Berlin, BDC, R 9361 -V/81804 sowie LASH). Wegen 
„politischer Unzuverlässigkeit“ bestand die Gefahr, so Noack weiter, dass sie ihre Schulstelle 
und die Verbeamtung verlöre. Dies allein sei der Grund für ihren E intritt in die NS -
Frauenschaft sowie in die NSDAP gewesen („Drohungen bewogen mich, in die NS -
Frauenschaft einzutreten und schließlich dem Zwang zum Eintritt in die Partei nachzug e-
ben“) – eine Darstellung, die von befreundeten Lehrerinnen gestützt wurde. [ Seitens des 
Entnazifizierungsausschusses war Noack nahegelegt worden, „Bescheinigungen glaubwürd i-
ger Persönlichkeiten beizubringen“ die bestätigten, „daß Sie durch besonderen Zwang der 
Verhältnisse oder durch Druck zum Eintritt in die NSF und in die Partei  gebracht worden“ sei, 
Schreiben vom 24.08.1946, LASH Abt. 460 Nr. 4228.] 
Zudem sei sie insbesondere durch ihren persönlichen Einsatz für Maria Leo in Gefahr ger a-
ten. Um ihre jüdische Freundin zu schützen, wand sich Noack (wiederum eigenen Angaben 
folgend) am 18.12.1941 an den „damaligen Stabsführer SS Himmler“. Darauf folgten Verhöre 
durch die Gestapo sowie Gerichtsverfahren: 
„Auf dieses vorsichtig und sachlich verfasste Schreiben erfolgte keine Antwort. Stattdessen wurde ich 
im Gebäude der Gestapo […] am 27.1.42 durch einen jungen Regierungsrat verhört nach allen M e-
thoden der Einschüchterung: Anschreien, Bedrohen, Aussageerpressung durch Bedrohung anderer 
Freunde usw. Auch die Drohung mit der ‚schärfsten Strafe, die wir haben‘, dem Konzentrationslager, 
wurde ausgesprochen. 
Die Anklage wurde weitergeleitet an die Partei und sollte von dort an die Schulbehörde weitergehen 
zum Zweck der Einleitung eines Disziplinarverfahrens. Am 9.3.42 erfolgte meine Vernehmung beim 
Kreisgericht, am 13.8. beim Gaugericht. Da i ch inzwischen zur notwendigen Rücksprache in Berlin bei 
Maria Leo war, lief ich unmittelbar in Gefahr, in ein Konzentrationslager überführt zu werden“ (BArch 
Berlin, BDC, R 9361-V/81804). 
Nur ihr Anwalt habe Letzteres verhindern können, was dieser in einer  „Eidesstattlichen Ver-
sicherung“ bestätigte. Maria Leo beging im September 1942 Selbstmord. 
Der zuständige Entnazifizierungsausschuss schloss sich im September 1946 Noacks Darste l-
lung an, woraufhin sie im Schuldienst verbleiben konnte. In der Begründung hieße es: 
„Die Bescheinigungen glaubwürdiger Persönlichkeiten […] ergeben, dass N[oack] in ihrem Musikl e-
ben aufgegangen ist, daß sie in einem jüdischen Kreise verkehrt und gewirkt hat und den Mitgliedern 
dieses Kreises trotz starker Gefährdung treu geblieben  ist und in Gefahren geholfen hat. Sie hat in 
der Schule der nationalsozialistischen Direktorin Widerstand geleistet. N[oack] gehörte weder erzi e-
herisch noch religiös, noch gar politisch zur Partei“ (18.09.1946, Deutscher Entnazifizierungsau s-
schuss auf der Landesebene Schleswig-Holstein, Abteilung Universität, LASH Abt. 460 Nr. 4228). 
Unter Druck geriet Noack, als der oben genannte Vermerk in der Kartei der NS -Frauenschaft 
auftauchte ( „Schulungsleiterin f[ür] musik[alische] Kurse NS -Frauenschaft, Gau Schles wig-
Holstein seit 1932“). In allen Fragebögen hatte Noack stets betont, in keiner NS -Organisation 
je ein Amt inne gehabt zu haben. Die Dokumentation einer leitenden Funktion in der NS -

304 
Frauenschaft (und das seit 1932) stellte ihre Glaubwürdigkeit stark in F rage. Ihr wurde 
Falschaussage und damit Fragebogenfälschung unterstellt – und sie wurde vom Schuldienst 
suspendiert. Noack verteidigte ihre Aussagen vehement. Sie habe tatsächlich nie ein Amt 
begleitet. Auf Anfrage habe sie lediglich mit einigen Frauen ges ungen und ihnen Gesangsun-
terricht erteilt („ Being asked by the NS Frauenschaft to sing with some of its members, and 
instruct them in voice -training, I occasionally gave them lessons “) – wie sie dies bereits seit 
1925 in unterschiedlichen Kreisen getan hät te, darunter auch mit Frauen des „Freiwilligen 
Arbeitsdiensts“ der SPD. Wie Noack in einem Schreiben an die Stadt Kiel berichtete, wurde 
sie im Oktober 1947 von den Vorwürfen freigesprochen: 
„Am 19. Juni 47 wurde ich wegen angeblicher Fragebogenfälschung s uspendiert. Die Gerichtsve r-
handlung vor dem C. C. Court am 6. Oktober 47 ergab meine völlige Unschuld. Die Ursache für die 
Beschuldigung war ein Fehler in der Nazi -Hauptkartei“ (15.12.1947, an Städtisches Schulamt, Betreff: 
Gehaltszahlung, LASH Abt. 811 Nr. 7883). 
Zur Bestätigung ihrer Rehabilitierung wurde die ursprüngliche Entnazifizierungsbeschein i-
gung als wieder gültig gewertet, ihr ein Entlastungszeugnis ausgestellt und die Suspendi e-
rung aufgehoben. 
Ein Brief an Richard Glaser vom 7. Juli 1947, in dem Elisabeth Noack ihre Zerrissenheit in der 
Zeit des Nationalsozialismus und ihre Gedanken zur Frage der Schuld darlegte (ULB Dar m-
stadt, [Teil-]Nachlass Elisabeth Noack, Kasten 5), gibt Auskunft darüber, wie sie ihr Verhältnis 
zum NS-Regime einordnete bzw. n ach außen hin gesehen haben wollte. Tenor des Briefs ist, 
dass Noack selbst sich stets innerlich und im engen Freundeskreis gegen den Nationalsozi a-
lismus positioniert habe, aber sich gezwungen sah, bis zu einem gewissen Grad mit dem NS -
Regime zu kooperieren, um sich und andere nicht in Gefahr zu bringen. Ein „unentrinnbares 
Netz“ habe über den Menschen gelegen, so Noack. Sie sei weder vorbereitet gewesen auf 
die „Tyrannei“ noch habe sie schließlich eine Wahl gehabt ( „Wo gab es das in der Welt, dass 
man Leut en sagte: entweder wir gehen gegen Dich vor, oder Du trittst in unseren Verein 
ein?“). Der folgende Absatz mag veranschaulichen, wie Noack ihr Verhältnis zum NS -Regime 
rückblickend bewertete bzw. kommunizierte: 
„Als ich dann für Maria Leo an Himmler schrie b, um wenigstens den Versuch zu machen, ihr zu he l-
fen, da wusste ich schon, dass das mit 99 % Wahrscheinlichkeit keine Hilfe, sondern nur ein Bekenn t-
nis zu ihr und gegen die Nazis wäre. Aber es musste versucht werden. Und als dies missglückt war 
und die Gestapo mir den Prozess machte und ich ins KZ sollte, - da wäre ich gegangen, wenn sie nicht 
in der infam raffinierten Weise gedroht hätten, den ganzen Kreis um Leo mit hineinzuziehen. Ich hä t-
te die Konsequenz ziehen müssen, fest meine Meinung sagen müssen u nd sterben müssen. Aber – 
genutzt hätte das praktisch nichts und niemand. Leo war nicht zu retten, das hatte man mir eindeutig 
gesagt. Ich selbst wäre als Wahnsinnige oder Sittlichkeitsverbrecherin oder sonst verscharrt worden“ 
(Hervorhebung im Original). 
Noack hielt die These der „Kollektivschuld“ für unangemessen, klammerte namentlich die 
Jugend und „einfache Gemüter“ aus und differenzierte zwischen der „nationalsozialistischen 
Räuberbande“ (den „wirklichen Halunken“) und denjenigen, die sich „verführen“ ließen –

305 
eigentlich aber keine Wahl hatten. Letztere – und zu denen sie sich selbst zählte – hätten 
eine Mitschuld zu tragen: 
„Ihr müsst nicht fragen: Warum habt Ihr nicht laut geschrien, wenn Ihr nicht wisst, dass wir einen 
Knebel im Mund hatten. Und doch fühle ich mich mitschuldig. Denn ich war nicht unwissend […].“ 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/81804 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/148637 
LASH Abt. 460.19 Nr. 428 Geschäftszeichen K 271 
LASH Abt. 460 Nr. 4228 Geschäftszeichen 312/G/52102 
LASH Abt. 811 Nr. 7883 
ULB Darmstadt, (Teil-)Nachlass Elisabeth Noack [Kästen 1, 5 und 11] 
StadtA DA, ST 61 Noack, Elisabeth 
Literatur: 
Bill, Oswald: Noack, Elisabeth. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 675. 
Feiten, Willi: Der Nationalsozialistische Lehrerbund.  Entwicklung und Organisation. E in Beitrag zum 
Aufbau und zur Organisationsstruktur des nationalsozialistischen H errschaftssystems. Weinheim 
1981. 
Hesse, Alexander: Die Professoren und Dozenten der preußischen Pädagogisc hen Akademien (1926 -
1933) und Hochschulen für Lehrerbildung (1933-1941). Weinheim 1995. [zu Noack S. 537-539] 
Schweitzer, Philipp: Noack, Elisabeth. In: Unverricht, Hubert (Hrsg.): Musik und Musiker am Mitte l-
rhein. E in biographisches, orts - und landesgesch ichtliches Nachschlagewerk , Bd. 1. Mainz 1974, 
S. 124 f. [Manuskript eingesehen, StadtA DA, ST 61 Noack, Elisabeth].

306 
Orffweg (C 7-8), benannt 1977 [!] nach 
Carl Orff (1895-1982) 
Komponist und Musikpädagoge 
* 10. Juli 1895 in München 
Um 1900 erster Unterricht für Klavier, Orgel und Cello 
1905-1912 Besuch des Gymnasiums in München (ohne Abschluss) 
1911 „Eliland. Ein Sang vom Chiemsee“ (erster Liederzyklus) 
1912 erstes Chorwerk nach Friedrich Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ 
1912-1914 Studium an der Akademie der Tonkunst in München 
1917 Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg (verschüttet im Schützengraben) 
1918-1919 Kapellmeister an Münchener Kammerspielen, am Nationaltheater Mannheim sowie am 
Landestheater Darmstadt 
1920 Heirat mit Alice Solscher (eine Tochter, Scheidung 1925) 
1924 Mitbegründer der „Günther -Schule“ (neue Verbindung von Bewegung und Musik); Leiter der 
Abteilung für tänzerische Musikerziehung an der „Günther-Schule“ 
1929-1932 Brecht-Kantaten (persönliche Bekanntschaft mit Berthold Brecht 1924) 
1930-1935 „Schulwerk für Kinder“ (Veröffentlichung seiner musikalisch -pädagogischen Arbeiten, 
gemeinsam mit Gunild Keetman) 
1932 „Lukas-Passion“; Übernahme der Leitung des Münchner Bach-Vereins 
1935 „Das Paradiesgärtlein“ (Ballett nach Lautensätzen des 15. Jahrhunderts) 
1936 „Einzug und Reigen der Kinder“ (für die Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Berlin) 
1937 Uraufführung der Bühnenkomposition „Carmina Burana“ in Frankfurt am Main 
1939 Heirat mit Gertrud Willert (Scheidung 1953) 
1939 Uraufführung von  „Der Mond“ (Märchenoper) und von Shakespeares „Sommernachtstraum“ 
(mit neuer Musik von Orff, die jene von Mendelssohn Bartholdy ersetzte) 
1943 Uraufführung von „Die Kluge“ und von „Catulli Carmina“ 
1947 Uraufführung von „Die Bernauerin“ 
1949 Uraufführung von „Antigone“ 
1950-1960 Leiter einer Meisterklasse für musikalische und dramatische Komposition an der staatl i-
chen Hochschule für Musik in München 
1950-1954 „Musik für Kinder“ (fünfbändige Neufassung des Schulwerks) 
1952 neue Komposition zu Shakespeares „Sommernachtstraum“ 
1954 Heirat mit Luise (verwitwete) Schnell (geb. Rinser, Scheidung 1959) 
1955 Umzug nach Diessen am Ammersee 
1959 Uraufführung des Bühnenwerks „Ödipus, der Tyrann“ 
1960 Heirat mit Liselotte Schmitz

307 
1961 Leiter des neugegründeten Orff-Instituts an der Akademie „Mozarteum“ in Salzburg 
1972 Komposition des „Gruß der Jugend“ zur Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in München 
† 29. März 1982 in München 
Ehrungen: 
1944 Aufnahme als Komponist auf die „Gottbegnadeten-Liste“ 
1947 Musikpreis der Stadt München 
1950 Ernennung zum Professor 
1956 Orden „Pour le Mérite“ für Wissenschaften und Künste 
1959 Ehrendoktor der Universität Tübingen; Bayerischer Verdienstorden 
1965 Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main 
1971 Goldene Medaille der Humboldt-Gesellschaft 
1972 Ehrendoktor der Universität München 
1972 Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der Bundesrepublik Deutschland 
1974 Österreichisches Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst 
1975 Ehrenbürger der Stadt München 
1984 Gründung der Carl Orff-Stiftung 
Wirken in der NS-Zeit 
Carl Orff, Komponist und Musikpädagoge, gilt als einer der bedeutendsten Komponisten im 
„Dritten Reich“ (Kater 1995, S.  2) und sein 1934 -1937 entstandenes Bühnenwerk „Carmina 
Burana“ als „weltweit am häufigsten aufgefüh rte Komposition der Musik des 20.  J[ahr-
hunderts]“ (Dangel-Hofmann, S. 590). Orffs „Schulwerk“, ein umfangreiches musikpädagog i-
sches Konzept für Kinder (unter Einbezug der sogenannten „Orff -Instrumente“), erlangte im 
Bereich der Musikpädagogik internationale Bedeutung. 
Carl Orffs Wirken in der NS -Zeit ist seit Mitte der 1990er Jahre zum viel diskutierten Gege n-
stand der historischen Forschung geworden. Dabei wurde seine Verflechtung mit dem NS -
Regime sehr unterschiedlich bewertet (zu den unterschiedlichen Po sitionen vgl. Kater 2004, 
besonders S.  151-154): Manche Autoren sahen in Orff vor allem einen Komponisten, dem 
von den Nationalsozialisten Unrecht zugefügt wurde; andere stellten in den Vordergrund, 
dass Orff mit dem NS -Regime kollaborierte (bis hin zu der  Behauptung, Orff selbst sei Nati o-
nalsozialist gewesen und seine Musik symptomatisch für die NS -Ideologie). Ausführlich hat 
sich der Historiker Michael H. Kater mit Orffs Rolle im Nationalsozialismus auseinanderg e-
setzt. Kater zeichnete das Bild eines egoze ntrischen, im Grunde unpolitischen Künstlers („ Er 
hielt sich aus jeder Kontroverse heraus, bei der es um etwas anderes als sein eigenes Leben 
und seine Musik ging“, Kater 2004, S. 160), der kein Nazi war: 
„Wie es eindeutig ist, dass Orff in der Weimarer Re publik nie ein Linker war, so ist es sämtlichen ve r-
fügbaren Quellen zufolge ebenso eindeutig, dass er das meiste, was Nationalsozialismus und Drittes 
Reich repräsentierten, vor und nach Hitlers Machtübernahme missbilligte und dass er nie der NSDAP 
beitrat“ (Kater 2004, S. 160).

308 
Primitivität und Bruta lität der Nationalsozialisten waren mit Orffs  Vorstellung von Ästheti k 
sowie der Rolle des Künstlers nicht vereinbar. Orff verstand es aber, sich mit dem NS-Regime 
zu arrangieren und erfolgreich zwischen den NS -Ebenen zu lavieren: seine Arbeit war ab 
1937 durchaus und ab 1940/41 sogar sehr erfolgreich. Als Komponist und als Musikpädag o-
ge gelang es ihm demnach, auch unter den Nationalsozialisten Anerkennung zu finden. Um 
seine beruflichen Ziele zu erreichen, um zu m Beispiel NS -Institutionen von seinem „Schu l-
werk“ zu überzeugen – das seines Erachtens nach sowohl in der HJ als auch beim BDM Ve r-
wendung finden konnte –, nutzte bzw. intensivierte er Kontakte zu Personen, die mit dem 
NS-Regime in Verbindung standen bzw. sich für ihn und sein Werk einsetzen konnten (Kater 
2004, S.  161-165, sowie 1995, S.  16-18). Bereits 1936 wurde seine Auftragsarbeit „Einzug 
und Reigen der Kinder“ im Zuge der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Berlin  aufge-
führt (Klee). 
Eine herausragende Stellung in Orffs Werk nahm die 1937 in Frankfurt am Main uraufgefüh r-
te Kantate „Carmina Burana“ ein, an der der Komponist seit 1934 gearbeitet hatte. Die Pr e-
miere verlief allgemein erfolgreich, wurde aber von prominenten Vertretern der nationals o-
zialistischen Kulturkritik scharf kritisiert, darunter eine Besprechung von Herbert Gerigk im 
„Völkischen Beobachter“. Vor allem drei Aspekte des Stücks erwiesen sich als problematisch: 
Orffs Komposition knüpfte nicht an eine romantische Tradition an (auch w enn es weit von 
Atonalität entfernt war), der Text bestand aus einer Mischung aus Latein, Mittelhochdeutsch 
und mittelalterlichem Französisch, und der Inhalt war offen sexuell (wenn nicht pornogr a-
fisch). Aus diesen Gründen hatte das Stück zunächst Schwieri gkeiten an anderen deutsc h-
sprachigen Bühnen gespielt zu werden – es war aber keineswegs verboten und wurde auch 
weiterhin aufgeführt. Allen Problemen zum Trotz, entwickelte sich „Carmina Burana“ dann 
während des Zweiten Weltkriegs zum „phantastischen Erfolg“ (Kater 2004, S. 171). 
Spätestens ab 1941 stand der Komponist Orff bei einflussreichen Protagonisten des NS -
Regimes hoch im Kurs (Kater 1995, S.  20). Schon kurz nach der Premiere der „Carmina Bur a-
na“ 1937 bekam er vom Oberbürgermeister der Stadt Frankfur t am Main, Friedrich Krebs, 
einen Geldpreis in Höhe von 500, - RM zugesprochen – höher als die erhaltene Summe war 
dessen politischer Wert einzustufen. Krebs, erklärter Antisemit, war es ein besonderes A n-
liegen, die Kultur der Stadt Frankfurt von ihrer jüdi schen Tradition zu separieren (hierzu und 
zum Folgenden ausführlich Hanau, S. 250-257). Der Erfolg von Orffs „Carmina Burana“ an der 
Frankfurter Oper wurde – ganz im Sinne von Krebs – überregional wahrgenommen. Im Früh-
jahr 1938 erhielt Orff seitens der Sta dt Frankfurt dann das Angebot, für Shakespeares 
„Sommernachtstraum“ eine neue Musik zu komponieren – die jene des „nichtarischen“ Felix 
Mendelssohn Bartholdy ersetzen sollte. Orff nahm das Angebot an, obwohl ihm die polit i-
sche Dimension nicht verborgenen g eblieben sein konnte. Kater wertete das Engagement 
auch als Ausdruck dafür, dass sich Orff seiner Position im „Kulturestablishment noch immer 
nicht sicher war“ (Kater 2004, S.  169 – zudem habe er den Vorschuss von 5.000, - RM gut 
gebrauchen können, vgl. auch Hanau, S. 253 ff.). Das Stück wurde im Oktober 1939 in Fran k-
furt am Main uraufgeführt (Orff hatte sich schon 1917 erstmals an einer Bühnenmusik zum 
„Sommernachtstraum“ probiert). Die Rezeption der Aufführung fiel unterschiedlich aus

309 
(auch Orff selbst zeigte sich nicht uneingeschränkt zufrieden) – die Auftraggeber aber waren 
angetan: Im Frühjahr 1940 erhielt Orff ein Angebot über einen Vertrag, der ihm von April 
1940 bis Ende 1942 im Monat 500, - RM zusicherte (den Orff vermutlich, aber nicht nac h-
weislich angenommen hat, Hanau, S.  256). Als Gegenleistung wurden unter anderem Ko m-
positionen von ihm erwartet, die in Frankfurt uraufgeführt werden sollten. Als einziges E r-
gebnis dieser Zusammenarbeit erschien die Uraufführung von „Die Kluge“ (1943). Wie and e-
re Premieren außerhalb von Frankfurt (Märchenoper „Der Mond“ 1939 und „Catulli Carm i-
na“ 1943) konnte auch das Stück nur bedingt an den Erfolg der „Carmina Burana“ anknü p-
fen. 
Als ein weiterer Verehrer von Orffs Kompositionen erwies sich Baldur von Schirach, seit 1940 
Gauleiter von Wien. Im Auftrag der Gauverwaltung Wien erhielt Orff einen Vertrag, der ihm 
von April 1942 bis April 1944 monatlich 1.000, - RM einbrachte – und damit einen guten Teil 
seines Einkommens sicherte (dazu ausführlich Kater 2004, S. 174 f.). 
1942 bekam Orff zudem einen „Staatszuschuss“ von 2.000, - RM durch die Reichsmusikka m-
mer zugesprochen. Allerdings geht aus den tradierten Dokumenten der Reichsmusikkammer 
hervor, dass selbst 1942 noch nicht alle Protagonisten der NSDAP von Orffs politischer Zu-
verlässigkeit überzeugt schienen. Seitens der NSDAP -Gauleitung München-Oberbayern etwa 
hieß es in einer Anfrage an das Gaupersonalamt der NSDAP: 
„Bei unserer Dienststelle bestehen Bedenken weltanschaulicher Art gegen das von ihm [Orff] herau s-
gegebene ‚Sc hul-Werk‘, und wir distanzieren uns auch von seinem musikalischen Schaffen“ 
(29.05.1942, Auskunft über den Komponisten Carl Orff, BArch, BDC, R 9361-V/81883). 
Den überlieferten angefragten Stellungnahmen ist zu entnehmen, dass Orff tatsächlich w e-
der der NS DAP noch einer ihrer Unterorganisationen angehörte, er politisch kaum in E r-
scheinung trat und offensichtlich nichts Nachteiliges über ihn bekannt war (BArch, BDC, 
R 9361-V/81883). [Für Eleonore Buenings Behauptung, Orff sei „erst spät (1940) in die Pa r-
tei“ eingetreten, ließen sich keine Belege recherchieren; noch 1943 gab Orff hingegen selbst 
an, kein Mitglied der NSDAP zu sein, vgl. Buening: Die Musik ist schuld.] 
Laut Kater – dem von Kritikern, wie dem ersten Direktor des Orff -Instituts, Hans Jörg Jans , 
ein positivistischer Umgang mit Quellen sowie eine annähernd „inquisitorisch“ anmutende 
Methodik vorgeworfen wurde („ Komponist sein in einer bösen Zeit“ , DIE WELT, 11.02.1999 ) 
– profitierte Orff von „Vergünstigungen und Privilegien“ (Kater 2004, S.  176) des  NS-
Regimes. Insbesondere die Beziehung zum Propagandaministerium habe sich, so Kater, au s-
nehmend positiv entwickelt. Im Sommer 1944 wurde Orff als Komponist in die Liste der au s-
erwählten Künstler aufgenommen (Rathkolb, S.  176), was ihn vom Kriegsdienst al ler Art b e-
freite. 
Orff war also weder Mitglied der NSDAP noch schien er ideologisch mit dem Nationalsozi a-
lismus konform. Wenngleich zu Beginn der NS -Zeit von führenden Personen der NS -
Kulturkritik scharf angriffen und von Teilen der Partei stets misstrauis ch betrachtet, gelang 
ihm – insbesondere während des Zweiten Weltkriegs – schließlich eine erstaunliche berufl i-
che Karriere während der NS-Zeit:

310 
„1944 befand sich Orff auf dem Gipfel einer Karriere, die sich wie durch ein Wunder vollständig g e-
wandelt hatte. Der mittellose Komponist, der zu Beginn des Nazi -Regimes beinahe zum politischen 
Opfer geworden wäre, wurde nun gefeiert und offiziell anerkannt“ (Kater 2004, S. 176). 
Nach 1945 versuchte Orff offenbar bewusst (und erfolgreich), sich als Opfer des NS -Regimes 
zu inszenieren – oder zumindest seine Karriere im „Dritten Reich“ in einem anderen Licht 
darzustellen. Kater vertrat die Auffassung, Orff habe dafür ganz gezielt drei Legenden la n-
ciert (Kater 2004, S.  168), die zum Teil bis in die Gegenwart ihre Wirkm ächtigkeit nicht ei n-
gebüßt haben. So behauptete Orff erstens, sein Stück „Carmina Burana“ sei von 1936 bis 
1940 komplett verboten und über die gesamte Zeit des „Dritten Reichs“ unerwünscht gew e-
sen. Zweitens gab er an, seinen Verlag angewiesen zu haben, all e seine Werke zu vergessen, 
die er vor 1937 komponiert hatte. Die erste Legende ist erwiesenermaßen falsch, für die 
zweite fanden sich zumindest keine Belege. Drittens habe Orff in einem Gespräch mit dem 
amerikanischen Offizier Newell Jenkins eine Rolle im  aktiven Widerstand angedeutet: G e-
meinsam mit seinem Freund Kurt Huber sei Orff Mitbegründer einer „Art Jugendgruppe“ 
gewesen (Huber gründete bekanntermaßen die „Weiße Rose“). Für diese Behauptung, die 
seinen aktiven Widerstand gegen das NS -System belegen sollte, diente allerdings allein die 
Erinnerung von Jenkins als Quelle (anders als Kater bezweifelten manche Historiker – darun-
ter Oliver Rathkolb – deren Glaubwürdigkeit). Bei einem Gespräch im OMGUS-Hauptquartier 
in Bad Homburg im Frühjahr 1946 schien Or ff keine Verbindung zur „Weißen Rose“ angeg e-
ben zu haben. Kater begründete dies damit, dass Orff zu diesem Zeitpunkt (nach dem Tre f-
fen mit Jenkins) sich bereits dagegen entschieden hatte, eine Funktion als Lehrer oder Inte n-
dant anzustreben – wofür er dring end eine entsprechende Eingruppierung benötigt gehabt 
hätte (ausführlich zu diesem Komplex Kater 2004, S.  178 ff.). Nach Katers Recherchen und 
deren Ausdeutung waren alle drei Legenden erfunden und verfolgten einzig das Ziel, Orffs 
„Selbstgleichschaltung“ zu verschleiern: 
„Orffs Legende von einer gegen das Dritte Reich gerichteten Aktivität muss im Kontext seiner beiden 
anderen […] Legenden interpretiert werden: dass die Carmina Burana von den Nazis auf eine schwa r-
ze Liste gesetzt wurde und daher das Werk e ines Widerstand Leistenden war und dass – um die Ein-
zigartigkeit dessen zu betonen – all seine früheren Werke keine Rolle spielten und von seinem Verl e-
ger in den Reißwolf gesteckt werden sollten. Alle drei Legenden waren miteinander verflochten und 
dienten nur einem einzigen Zweck: die Basis für einen makellosen Carl Orff in der Nachkriegszeit zu 
schaffen“ (Kater 2004, S. 185). 
Entnazifizierungsakten wurden in der Literatur nicht genannt; eine Anfrage beim Staatsa r-
chiv München ergab keinen Treffer. 
Quellen: 
BArch, BDC, R 9361-V/30618 
BArch, BDC, R 9361-V/81883 
Staatsarchiv München, Anfrage Entnazifizierungsakten

311 
Literatur: 
Buening, Eleonore: Die Musik ist schuld. In: DIE ZEIT 28 (1995). 
Dangel-Hofmann, Frohmut: Orff, Carl. In: NDB 19 (1999), S. 588-591. 
Hanau, Eva: Nationalsozialistische Kulturpolitik in Frankfurt am Main und Carl Orff. In: Archiv für M u-
sikwissenschaft 56 (1999), S. 245-257. 
Kater, Michael H.: Carl Orff. Ein Mann der Legenden. In: Ders.: Komponisten im Nationalsozialismus. 
Acht Porträts. Berlin 2004, S. 150-191. 
Kater, Michael H.: Carl Orff im Dritten Reich. In: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 43 (1995) S. 1-35. 
Klee, Ernst: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main 
2007, S. 443. 
Prieberg, Fred K.: Musik im NS-Staat. Frankfurt am Main 1982. 
Rathkolb, Oliver: Führertreu und gottbegnadet. Künstlereliten im Dritten Reich. Wien 1991.

312 
Hartmuth-Pfeil-Weg (Q 8), benannt 1963 [bis 1966: Pfeilweg] nach 
Hartmuth Pfeil (1893-1962) 
Grafiker und Zeichner 
* 13. Februar 1893 in Höchst am Main 
1907 Umzug der Familie nach Darmstadt 
1908-1910 Besuch der Kunstschule von Adolf Beyer in Darmstadt 
1910-1914 Studium an der Kunstgewerbeschule München, vor allem bei Prof. Julius Dietz 
1914-1918 Kriegsteilnehmer als Kriegsfreiwilliger, Flugzeugführer 
1918 Rückkehr nach Darmstadt; selbständiger Grafiker, ab 1921 besonders im Bereich der Werbung 
1919 „Theater im Theater“ (erste Folge Darmstädter Karikaturen von Hartmuth Pfeil) 
Ab 1920er Jahre Zusammenarbeit mit dem Verlag Eduard Roether in Darmstadt 
1924-1933 „Bienche Bimmbernell“, Illustrationen zu Sonntagsnachmittagsbetrachtungen von Robert 
Schneider im Darmstädter Tagblatt 
1927 Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Frankfurt am Main 
1929-1960 Werbegrafiker für Fichtel & Sachs (Kugellagerhersteller) in Schweinfurt 
1934-1944 Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste 
1936 Illustrationen zu „Darmstädter Wörterbuch“ von Johann Sebastian Dang 
1936/38-1944 Mitglied des (NS) Reichsbunds für Leibesübungen (NSRL) 
1937-1957 Kalendergestaltung für Fichtel & Sachs (Kugellagerhersteller) in Schweinfurt 
1940 [1941] Polizeihilfsdienst, Revier Oberwachtmeister der Reserve 
1940-1944 Mitglied der NSV 
1941 Illustrationen zu „Wachstubengeschichten“ von Heinrich Rüthlein 
1941-1944 Mitglied des Reichsluftschutzbunds (RLB) 
1944 verpflichtet zu „Schanzarbeiten“ am sogenannten „Westwall“ 
1944-1949 nach „Ausbombung“ wohnhaft in Groß-Umstadt 
1948-1961 „Pimm“, Darmstädter Echo (in fünf Bänden 1950-1959 auch in Buchform) 
1957 Illustrationen zu „Belehr endes und ergötzliches Büchlein von der Darmstädter Straßenbahn“ 
(Text: Karl Friedrich Borée) 
1949 Rückkehr nach Darmstadt; Wiederaufnahme seiner Tätigkeit als Werbegrafiker und Illustrator 
1957-1962 Zeichnungen zum Zeitgeschehen für die Neue Presse, Frankfurt am Main 
1962 „Familie Bimbernell“ im Darmstädter Tagblatt 
† 4. Juni 1962 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1942 Kunstpreis der Stadt Darmstadt 
1953 Ausstellung zum 60. Geburtstag im Hessischen Landesmuseum Darmstadt

313 
1958 Bronzene Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
1958 Ausstellung zum 65. Geburtstag in der Kunsthalle Darmstadt 
1964 Gedächtnisausstellung (Grafik) in der Landes- und Hochschulbibliothek Darmstadt 
Wirken in der NS-Zeit 
Hartmuth Pfeil, Zeichner und Grafiker, wurde in Darmstadt insbesondere durch se ine Karika-
turen bekannt, vor allem durch jene in der lokalen Presse („Bienche Bimmbernell“, „Pimm“). 
Der „Chronist mit dem Zeichenstift“ war als Werbegrafiker und Buchillustrator erfolgreich. In 
Darmstadt gestaltete er zudem die Werbung für das Heinerfest und für die Karnevalsgesel l-
schaft „Narhalla“ (deren Ehrenpräsident er war) sowie zahlreiche Bühnendekorationen für 
die Hessische Spielgemeinschaft. 
Pfeils Wirken in der NS -Zeit wird in der biografischen Literatur als dem Regime gegenüber 
distanziert dargestellt – wenn es denn überhaupt thematisiert wird. Während des Zweiten 
Weltkriegs diente Pfeil zeitweise an der „Heimatfront“ als „Revier Oberwachtmeister der 
[Polizei-]Reserve“; manche Bilder aus dem Sommer 1940 unterzeichnete er mit jener 
Dienstbezeichnung (siehe Keil, S.  118-124), im Meldebogen zu seinem Entnazifizierungsve r-
fahren (HHStAW) gab er als Zeitraum seines Diensts bei der Polizei -Reserve Darmstadt aller-
dings „Aug[ust] bis Okt[ober] 1941“ zu Protokoll (Ernennung zum Oberwachtmeister de m-
nach am „1 0.8.41“). Durch seine Tätigkeit als Werbegrafiker beim Kugellagerhersteller Fic h-
tel & Sachs wurde er schließlich von dieser Art Reserve -Dienst befreit (so Keil, S.  369). Im 
Spätsommer 1944 erhielt Pfeil (im Alter von 51 Jahren) die Einberufung zu Schanzarb eiten 
am sogenannten „Westwall“. Er war eigenen Angaben in seinem Meldebogen folgend Mi t-
glied der NSV (1940 -1944), des RLB (1941 -1944), des NSRL (ca. 1936 -1944, bis 1938 DRL) 
sowie der Reichskammer für bildende Künste (1934-1944). 
Obgleich ein großer Teil seines Werks (wie auch seine Wohnung) in der „Brandnacht“ 1944 
zerstört wurde, sind (aquarellierte) Zeichnungen, Entwürfe, Plakate und Werbegrafiken aus 
der Zeit von 1933 bis 1945 überliefert (Institut Mathildenhöhe, Nachlass Pfeil); viele davon 
zugänglich über die Veröffentlichung „Hartmuth Pfeil. Werke aus fünf Jahrzehnten“ aus dem 
Jahr 1987. Darin heißt es zur Biografie des Grafikers: 
„Der Nationalsozialismus fand in Pfeil keinen Freund. Schon immer gehegte Skepsis wich mit for t-
schreitender Zeit wachsender Abneigung, obwohl der Künstler vermutlich Förderung gefunden hätte, 
da er selber nicht ‚artfremd‘ war und sein Schaffen mit der von den damaligen Machthabern geäc h-
teten und verfolgten ‚entarteten Kunst‘ nichts zu schaffen hatte. So wurde seine Arbeit ni cht behin-
dert, aber er profitierte nichts vom NS -System, wußte stets kühle Distanz zu wahren und ließ sich, 
soweit das irgend möglich war, auch nicht für dessen Propaganda einspannen“ (Keil, S. 369). 
Die in der Publikation veröffentlichten Zeichnungen und Plakate sind denn auch weitgehend 
frei von nationalsozialistischem Pathos; wenn NS -Symbole zu sehen sind, dann eher in da r-
stellender Form: Im Kapitel „Rauher Wind und böse Zeiten“ (S.  117-155) finden sich Zeic h-
nungen, Skizzen und Aquarelle, die etwa Soldat en, Polizisten und Funktionäre in NS -
Uniformen zeigen, Alltagssituationen während der NS -Zeit festhalten und die Arbeiten am

314 
sogenannten „Westwall“ dokumentieren. Ein Aquarell stellt die vierköpfige Familie Pfeil mit 
Gasmasken dar (unterzeichnet mit „Famil ienglück“, Meine Familie, PF [19]42, S.  125). Pfeil 
skizzierte und zeichnete beim „Wettkampftag der SA“ (1942, S.  130 f.), beim „Luftschutzwie-
derholungslehrgang“ (1942, S. 126 f.) sowie beim „Tag der Wehrmacht“ (1942, S.  128 f.). Ein 
aquarelliertes Selbstb ildnis in Polizeiuniform ist unterzeichnet mit „20.8.40, Nie wieder 
Krieg“. 
Alltagsszenen, die keinen direkten Zusammenhang zur NS -Zeit dokumentieren, finden sich 
zudem zahlreich in den anderen Kapiteln des Buchs. Werbedokumente wiederum legen n a-
he, dass s eine Arbeit als Werbegrafiker zumindest in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg 
erfolgreich weiterverlief, etwa in Form der intensiven Zusammenarbeit mit dem Kugellage r-
hersteller Fichtel & Sachs (Plakatserie 1936, S.  349). Wenn sich diese Zusammenarbeit für 
seine Befreiung vom Dienst bei der Polizei-Reserve als ausschlaggebend bewerten ließ, hatte 
sie wohl auch in den 1940er Jahren Bestand. Dafür spräche auch das nahezu unveränderte 
Einkommen Pfeils zwischen 1932 und 1943 (laut seiner eigenen Angaben im Melde bogen, 
HHStAW). Auch mit der Heag in Darmstadt gab es eine Zusammenarbeit, wie die mit Zeic h-
nungen von Pfeil bestückten Quittungsblätter der Heag dokumentieren (zumindest bis 1938, 
StadtA DA, ST 61). 
Plakate aus der Feder Hartmuth Pfeils, die sich in der P lakatsammlung der ULB Darmstadt 
befinden, belegen, dass der Grafiker auch aktiv NS -Symbole in seine gestalterische Arbeit 
einbezog und Plakate gestaltete, die für NS -Veranstaltungen warben. Offensichtlich war es 
Pfeil zumindest nicht durchgängig möglich, s ich nicht für die „Propaganda einspannen“ zu 
lassen. Bei den vorliegenden Plakaten aus den Jahren 1934, 1935 und 1941 handelt es sich 
um Werbung für Veranstaltungen im Kontext des NS -Regimes: Das Plakat für die Ausstellung 
„Handwerk tut Not“ (1934) wirbt a uf stilisierten Zahnrädern in orange und schwarz mit gr o-
ßem weißem Hakenkreuz; ein Plakat mit dem Titel „Stamm Langemarck.  Das Werden  und 
Schaffen der jungen Nation“  (Datierung: 7. April 1935 ) zeigt die  Skizze eines jugendlichen 
Trommlers, auf dessen  Trommel Pfeil über deren gesamte Höhe eine Sigrune platzierte; die 
obere Hälfte eines Plakats, das auf „Kulturelle Veranstaltungen im Kriegsjahr 1941“ verweist, 
zieren Eichenlaub und Schwert gekreuzt, darüber ein golden strahlendes Hakenkreuz in 
schwarz und wei ß. Alle drei Plakate wurden bei der Firma (Druckerei und Verlag) Eduard 
Roether in Darmstadt gedruckt, deren künstlerischer Mitarbeiter Pfeil seit den 1920er Jahren 
war („Roether druckt, Pfeil entwirft“, Keil, S. 369). 
Nach der „Ausbombung“ 1944 lebte Pfei l in Groß -Umstadt, bevor er 1949 wieder nach 
Darmstadt zurückkehrte. In seinem Entnazifizierungsverfahren wurde er als nicht betroffen 
eingestuft – was seiner im Meldebogen dokumentierten Selbsteinschätzung entsprach. U n-
ter „Bemerkungen“ äußerte er: „1944 Total ausgebombt. Mein ganzes künstlerisches L e-
benswerk (Bilder, Zeichnungen[,] und Sammlungen) wurden vernichtet“ (Groß -Umstadt, 
27.04.1946).

315 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Dieburg, NB (A-Z), Pfeil, Hartmuth 
ULB Darmstadt, Plakatsammlung, plak 16/29 Da + plak 19/20 Da + plak 19/33 Da 
StadtA DA, ST 61 Pfeil, Harmuth [sic!] 
Institut Mathildenhöhe, Nachlass Pfeil 
Literatur: 
Kaiser, Hermann: Hartmuth Pfeil. Der Darmstädter Chronist mit dem Zeichenstift. Mit einer biogr a-
phischen Skizze und Werkverzeichnis. Darmstadt 1967. 
Keil, Heinrich: Hartmuth Pfeil. Werke aus fünf Jahrzehnten. Darmstadt 1987. 
Welsch, Sabine: Pfeil, Hartmuth. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 707.

316 
Planckstraße (C 9-10), benannt 1972 nach 
Max Planck (1858-1947) 
Physiker 
* 23. April 1858 in Kiel 
1867 Übersiedlung nach München 
1871-1874 Besuch des Maximilian-Gymnasiums in München (1874 Abitur) 
1874-1879 Studium der Physik und der Mathematik in München und Berlin 
1879 Promotion in München, „Über den zweiten Hauptsatz der mechanischen Wärmetheorie“ 
1880 Habilitation in München, „Gleichgewichtszustände isotroper Körper in verschiedenen Temper a-
turen“ 
1880-1885 Privatdozent an der Universität München 
1885-1889 Außerordentlicher Professor für Theoretische Physik an der Universität Kiel 
1887 Heirat mit Marie Merck (vier Kinder) 
Ab 1889 Professor an der Universität Berlin; ab 1892 Ordinarius (Lehrstuhl für Theoretische Physik); 
Emeritierung 1926 (danach noch weiter an der Universität tätig) 
1894 Aufnahme in die Preußische Akademie der Wissenschaften 
1900 sogenanntes „Plancksches Strahlungsgesetz“; Geburtsstunde der Quantenphysik („Plancksches 
Wirkungsquantum“) 
1903 Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Berlin 
1905 Umzug in Villenkolonie Grunewald 
1908 „Die Einheit des physikalischen Weltbilds“ 
1911 Heirat mit Marga von Hoeßlin (nach dem Tod von Marie Planck 1909, ein Sohn) 
1912-1938 Ständiger Sekretär der Preußischen Akademie der Wissenschaften 
1913/14 Rektor der Universität Berlin 
1914 „Dynamische und statistische Gesetzmäßigkeit“ 
1915 „Das Prinzip der kleinsten Wirkung“ 
1916 Wahl zum Senator der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft (KWG) 
1920 Mitbegründer der „Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft“ (später DFG) 
1922 „Vorlesungen über Thermodynamik“ 
1930-1936/37 Präsident der KWG 
1935 „Die Physik im Kampf um die Weltanschauung“ 
1938 Rücktritt aus Akademie der Wissenschaften 
1943 Gast bei Carl Still in Rogätz bei Magdeburg (Berliner Wohnung stark beschädigt) 
1944 Wohnhaus in Berlin bei Luftangriff völlig zerstört 
1945 Übersiedlung nach Göttingen 
1945-1946 nochmals (kommissarischer) Präsident der KWG 
† 4. Oktober 1947 in Göttingen

317 
Ehrungen: 
1914 Mitglied der American Academy of Arts and Sciences 
1915 Orden „Pour le Mérite“ für Wissenschaften und Künste 
1918 Ehrenmitglied der Deutschen Chemischen Gesellschaft 
1918 Nobelpreis für Physik (Verleihung 1919) 
1921 Liebig-Denkmünze des Vereins Deutscher Chemiker 
1926 Mitglied der Leopoldina 
1928 Adlerschild des Deutschen Reichs 
1929 Max -Planck-Medaille (höchste Auszeichnung für theoretische Physik der Deutschen  Physikali-
schen Gesellschaft; erste Träger 1929: Max Planck und Albert Einstein) 
1933 Harnack-Medaille der KWG 
1937 Ehrensenator der KWG 
1938 Asteroid Nr. 1069 wurde zu Plancks Ehren Planckia genannt 
1945 Goethepreis der Stadt Frankfurt 
1946/47 Ehrenpräsident der KWG; Ehrenpräsident der Max-Planck-Gesellschaft 
1947 Ehrenbürger der Stadt Kiel 
Ehrendoktor der Universitäten Berlin (TH), Frankfurt, München (TH), Rostock, Athen, Cambridge, 
Glasgow, Graz, London 
Wirken in der NS-Zeit 
Max Planck, hoch dekorierter Physik-Nobelpreisträger und herausragender Repräsentant der 
Physik sowie der Naturwissenschaften allgemein, verhielt sich dem NS -Regime gegenüber zu 
Beginn weitgehend loyal. Bei der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 war Planck, 
der bis 1936/37 Pr äsident der Kaiser -Wilhelm-Gesellschaft (KWG) blieb, bereits im 75. L e-
bensjahr. 
Max Planck war ein „bürgerlich-national gesinnter deutscher Patriot“  (Kohl, S. 59), oder, wie 
Fritz Stern es formulierte, für „ Planck waren Staatstreue und patriotischer Stolz Selbstver-
ständlichkeiten und Erbgut der Familie“ (Stern, S. 37) . Seine (anfängliche) Loyalität gege n-
über dem NS -System ließe sich aus eben dieser Grundhaltung heraus deuten, wie Plancks 
Biograf Dieter Hoffmann nahelegte: 
„P[lanck]s gesellschaftspolitisches Denken wurzelte im deutschen Kaiserreich und war nachhaltig von 
nationalkonservativen Anschauungen, preuß[ischem]  Pflichtgefühl und Obrigkeitsgläubigkeit sowie 
den Idealen von Ordnung und Gerechtigkeit geprägt. Der Revolution von 1918 und der Weimarer 
Republik stand er verständnislos gegenüber, wenngleich er mit seinem wissenschaftsorganisator i-
schen Wirken praktisch zur (wissenschafts)politischen Stabilisierung der ungeliebten Republik be i-
trug. Gegenüber dem ‚Dritten Reich‘  verhielt sich P[lanck]  zunächst weitgehend kompromißbereit, 
wodurch nicht zuletzt die Selbstgleichschaltung der Kaiser -Wilhelm-Gesellschaft (KWG) gefördert 
wurde. Mit der Festigung der NS -Terrorherrschaft entwickelte P[lanck] jedoch zunehmend eine elitä-
re innere Distanz zum Nazi -Regime, die gelegentliches Aufbegehren und Zivilcourage einschloß  – so

318 
als er 1935 eine Gedenkfeier für den im Exil verstorbenen Fritz Haber (1868 -1934) organisierte “ 
(Hoffmann 2001, S. 499; ausführlicher Hoffmann 2008, S. 84-103). 
Planck war Mitglied der DVP, bis  zu deren Auflösung durch die Nationalsozialisten (wann er 
der Partei beitrat, ist unklar). Und tatsächlich existieren mehrere Belege dafür, dass sich 
Planck formal dem NS-Regime andiente; er seine „Kompromissbereitschaft“ relativ weit fass-
te, wenn es daru m ging, der deutschen Wissenschaft (und im Besonderen der KWG) ein 
Mindestmaß an Freiheit zu erhalten. Plancks Devise lautete – wie schon nach dem Ersten 
Weltkrieg – „Durchhalten und Weiterarbeiten“. 
Obwohl es Planck – nach Fritz Stern – „niemals i n den Si nn gekommen“ wäre , Menschen 
nach rassischen oder religiösen Kriterien zu beurteilen  (Stern, S. 39, hier noch in Bezug auf 
die Zeit vor 1933, vgl. auch S.  61), wandte er sich im Juli 1933 mit folgenden Worten an I n-
nenminister Frick: 
„Dem Herrn Reichsministe r des Innern beehre ich mich ergebenst mitzuteilen, daß die Kaiser -
Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften gewillt ist, sich systematisch in den Dienst 
des Reiches hinsichtlich der rassenhygienischen Forschung zu stellen“ (14.07.1933, zitiert nach Klee). 
Bereits im Mai 1933 sandte Planck  von der Mitgliederversammlung der KWG ein Telegramm 
an Adolf Hitler, in dem er feierlich gelobte, „daß auch die deutsche Wissenschaft bereit ist, 
an dem Wiederaufbau des neuen nationalen Staates, der Schutz un d Schirmherr zu sein g e-
willt scheint, nach besten Kräften mitzuarbeiten“ (23.05.1933, BArch Berlin, R 43/II, Nr. 
1227a). Planck, der Wehrkraft und Wissenschaft als wichtige Stützen für die Stärke Deutsc h-
lands betrachtete (Fischer, S. 254), ging davon aus, dass nur eine Kooperation mit dem NS -
Staat die Freiheit der deutschen Wissenschaft gewährleisten konnte. Er  war zum einen be-
müht um ein „formal normales Verhältnis zu den Nationalsozialisten, weil er die Autorität 
einer gewählten Staatsmacht nicht anzweife lte“ (Kohl, S.  95). Zum anderen dachte er sich 
dem hohen Anpassungsdruck 1933 unterwerfen zu müssen, wenn er sein Amt nicht an einen 
Nationalsozialisten verlieren wollte. Sein Amt als Präsident der KWG wollte er demnach nicht 
aufgeben, um größeren Schaden  von der Institution abzuwenden. Er hielt „ es für taktisch 
klüger, den neuen Machthabern Konzessionen zu machen, je schneller und zuvorkomme n-
der, desto besser“ (Kohl, S.  85). Weitere Beispiele für diese Vorgehensweise – die von Teilen 
der Forschung als „Sel bstgleichschaltung“ der KWG interpretiert wurde – waren etwa die 
Neuwahlen des Senats der KWG sowie die Anwendung des „Gesetzes zur Wiederherstellung 
des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933“ (dazu ausführlich Kohl, S. 85-90). 
Auf die Frage von Otto Hahn, o b es nicht möglich sei, international anerkannte deutsche 
Wissenschaftler zu einem Protest gegen die Vertreibung jüdischer Kollegen zu bewegen, 
antwortete Planck: 
„Wenn Sie heute 30 solcher Herren zusammenbringen, dann kommen morgen 150, die dagegen 
sprechen, weil sie die Stellen der anderen haben wollen“ (zitiert nach Fischer, S.  248; zur Einordnung 
vgl. Stern, S. 58). 
Planck traf sich – in seiner Funktion als Präsident der KWG – mit führenden Kräften des NS -
Regimes, darunter das Treffen mit Adolf Hitler ( 16. Mai 1933, BArch Berlin, R 43/II, Nr.

319 
1227a), dessen Inhalt bzw. Bewertung in der Forschung umstritten ist. Planck selbst verö f-
fentlichte seine Erinnerung an den Verlauf des Gesprächs 1947 in den „Physikalischen Blä t-
tern“. Demnach habe er sich bei dem Treffen mit dem „Führer“ für den Verbleib Fritz Habers 
in Deutschland eingesetzt. Auf Hitlers Anmerkung, alle Juden seien Deutschlands Feinde, 
habe Planck entgegnet, es gäbe „doch verschiedenartige Juden, für die Menschheit wertvo l-
le und wertlose, unter ers teren alte Familien mit bester deutscher Kultur“ – eine Aussage, 
die Planck von Kritikern als antisemitisch ausgelegt wurde; andere Forscherinnen und Fo r-
scher sahen darin einen rein taktischen, pragmatischen Versuch, sich für jüdische Wisse n-
schaftler einzusetzen (vgl. etwa Kohl, S. 91 f., Fischer, S. 252 f.). 
Auch Plancks Freundschaft zu Albert Einstein lieferte Belege für seine anfängliche Kompr o-
missbereitschaft gegenüber dem NS -Regime – sowie für seinen Einsatz für die Freiheit der 
Wissenschaft. Planck war wesentlich mit dafür verantwortlich, dass Einsteins Relativitätsth e-
orie in der wissenschaftlichen Community Gehör fand; er hatte Einstein nach Berlin geholt. 
Aber auch Planck stellte sich 1933 nicht öffentlich der NS -Hetze gegen Einstein entgegen; 
obwohl er privat eine andere Auffassung vertrat, protestierte er nicht offiziell gegen die B e-
handlung seines Freundes (Fischer, S.  242-248, Hoffmann 2008, S. 86-89). Sein Festhalten an 
Einsteins Forschungsergebnissen brachte Planck allerdings in Schwierigkeiten,  da NS -
Institutionen darin einen Beleg für Plancks politische Unzuverlässigkeit sahen (Kohl, S. 61). 
Die oben bereits erwähnte Gedächtnisfeier zu Ehren Fritz Habers ließe sich als offene Parte i-
nahme für einen jüdischen Kollegen bewerten. Am 29. Januar 1935  organisierte Planck – 
gegen den erklärten Widerstand seitens des NS -Regimes – eine Gedenkfeier anlässlich des 
ersten Todestags des herausragenden Wissenschaftlers. Seine Versuche 1933, die Entlassung 
Habers rückgängig zu machen, waren bekanntermaßen gesch eitert. Ulrike Kohl wertete die 
Veranstaltung als einen „Akt der ‚passiven Opposition‘“ (Kohl, S.  90-94, hier 94). Vereinzelt 
hatte sich Planck für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler eingesetzt (Hoffmann 2008, 
S. 89 f.); es wurde ihm aber auch vorgew orfen, sich zu wenig gegen die Umsetzung des „G e-
setzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ engagiert zu haben (Kohl, S.  88 f.). 
Dieter Hoffmann konstatierte hinsichtlich Planck Verhalten gegenüber jüdischen Mitgliedern 
der Akademie eine „Mischung vermeintlich privaten Anstands und öffentlicher Selbstve r-
leugnung im Dienste offensichtlicher Unmenschlichkeit“ (Hoffmann 2008, S. 99). 
Ab 1936 zog sich Planck zunehmend aus den Geschäften der Generalverwaltung der KWG 
zurück. Anlässlich des 25. Gründungsj ubiläums der KWG im Januar 1936 trug er noch ein 
loyal gehaltenes Telegramm an Hitler vor – hielt in seiner Ansprache aber auch die Erinne-
rung an jüdische Wissenschaftler wach , was seitens  der amerikanischen Presse und auch 
beim anwesenden amerikanischen B otschafter registriert und als mutig interpretiert wurde 
(Kohl, S. 108). Plancks Präsidentschaft endete offiziell 1936; im darauffolgenden Jahr wurde 
sein Nachfolger Carl Bosch in das Amt eingeführt. Die Einrichtung des Kaiser -Wilhelm-
Instituts für Physik 1938 ging noch maßgeblich auf Plancks Engagement während der Zeit 
seiner Präsidentschaft zurück. Als 1938 die Akademie der Wissenschaften gleichgeschaltet 
wurde, trat er aus Protest zurück. Schon Plancks 1935 gehaltene Rede über „Die Physik im 
Kampf um die Weltanschauung“ galt Ernst Peter Fischer als Beleg dafür, „dass Planck als Per-

320 
sönlichkeit des öffentlichen Lebens die notwendigen Anpassungen nach außen hin unte r-
nahm, ohne dass seine Gesinnung davon tangiert wurde“ (Fischer, S.  261). Die von Planck 
vertretene „Theoretische Physik“ geriet verstärkt unter Kritik von Protagonisten der „Deu t-
schen Physik“, die nun in einflussreichen Positionen saßen. Trotz seines fortgeschrittenen 
Alters blieb Planck wissenschaftlich aktiv, reiste und hielt auch nach 1937 zahl reiche Vorträ-
ge. Laut Hoffmann stand Planck „nun weltanschaulich und politisch in deutlicher Distanz zur 
NS-Ideologie wie zum Regime überhaupt“ (Hoffmann 2008, S. 102). 
Bei einem Luftangriff auf Berlin wurde Plancks Haus 1943 schwer beschädigt und unb e-
wohnbar. Er nahm daraufhin die Einladung des Industriellen und Freunds Carl Still auf dessen 
Gut nach Rogätz an der Elbe an. Im Sommer reiste Planck wie üblich mit seiner Frau in die 
Alpen. Auf der Rückreise machte er im Oktober 1943 in Kassel Station, wo er e inen Vortrag 
halten sollte. Bei einem Luftangriff auf Kassel wurde das Haus zerstört, in dem er unterg e-
bracht war. In einem Brief formulierte er daraufhin die Frage „Wann wird dieser Wahnsinn 
ein Ende nehmen?“. Im Februar 1944 wurde schließlich sein Berlin er Wohnhaus völlig ze r-
stört. 
Im Zuge des Attentats auf Hitler geriet Plancks Sohn Erwin in Haft (Hoffmann 2008, S.  103 f.). 
Max Planck wand sich zunächst erfolglos an Heinrich Himmler und nach der Verurteilung 
seines Sohns im Oktober 1943 persönlich an Hitler: 
„Mein Führer! Ich bin zutiefst erschüttert durch die Nachricht, dass mein Sohn Erwin vom Volksg e-
richtshof zum Tode verurteilt worden ist. Die mir wiederholt von Ihnen, mein Führer, in ehrenvollster 
Weise zum Ausdruck gebrachte Anerkennung meiner Leist ungen im Dienste unseres Vaterlandes 
berechtigt mich zu dem Vertrauen, dass Sie der Bitte des im 87sten Lebensjahr stehenden [sic!] G e-
hör schenken werden. Als Dank des deutschen Volkes für meine Lebensarbeit, die ein unvergängl i-
cher geistiger Besitz Deutsc hlands geworden ist, erbitte ich das Leben meines Sohnes“ (zitiert nach 
Fischer, S. 289). 
Doch auch diese und weitere Eingaben (an Hermann Göring und erneut an Himmler) ände r-
ten nichts an der Vollstreckung des Todesurteils am 23. Januar 1945. 
Als Rogätz im  Frühjahr 1945 zur Kampfzone wurde, sahen sich Planck und seine Frau zur 
Flucht gezwungen. Sie gelangten nach äußert anstrengenden Tagen noch im Mai 1945 nach 
Göttingen, wo sie bei einer Nichte Plancks unterkamen. Planck übernahm 1945 noch einmal 
kommissarisch die Präsidentschaft der KWG, die ihm zu Ehren 1948 in Max -Planck-
Gesellschaft (MPG) umbenannt bzw. neu gegründet wurde. 
Es ließen sich zu Max Planck, der im Oktober 1947 nach längerer Krankheit verstarb, keine 
Entnazifizierungsakten recherchieren. 
Quellen: 
BArch Berlin, R 43/II, Nr. 1227a 
Literatur: 
Fischer, Ernst Peter: Der Physiker. Max Planck und das Zerfallen der Welt. München 2007.

321 
Hoffmann, Dieter: Planck, Max. In: NDB 20 (2001), S. 497-500. 
Hoffmann, Dieter: Max Planck. Die Entstehung der modernen Physik. München 2008. 
Klee, Ernst: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am 
Main 42013, S. 463. 
Kohl, Ulrike: Die Präsidenten der Kaiser -Wilhelm-Gesellschaft im Nationalsozialismus. Max Planck, 
Carl Bosch und Albert Vögler zwischen Wissenschaft und Macht. Stuttgart 2002. 
Planck, Max: Mein Besuch bei Adolf Hitler. In: Physikalische Blätter 3 (1947), S. 143 
Stern, Fritz: Max Planck: Größe des Menschen und Gewalt der Geschichte. In: Ders.:  Das feine 
Schweigen. Historische Essays. München 1999, S. 35-63.

322 
Poepperlingweg (K 9), benannt 1974 nach den Brüdern 
Hermann Poepperling (1890-1944) und Ludwig Poepperling (1885-1939) 
Pädagogen und Schulreformer 
Der ursprüngliche Magistrats -Beschluss vom 15.04.1970 sah vor, einer  Straße in Darmstadt (Stic h-
straße zur Erich -Kästner-Schule) den Namen „Hermann -Poepperling-Weg“ zu geben; auf Antrag von 
OB Ludwig Engel, anlässlich des 80.  Geburtstags von Hermann Poepperling 1970 (StadtA DA, Nac h-
lass Carlo Schneider, Straßennamen in Darm stadt I). Die beschlossene Benennung erwies sich z u-
nächst als  „nicht realisierbar“. 1974 wurde schließlich eine Straße im Neubaugebiet „Am Jungfer n-
weg“ – nun nach den Brüdern Hermann und Ludwig Poepperling („fortschrittliche Schulreformer“) – in 
„Poepperlingweg“ benannt (StadtA DA, Nachlass Carlo Schneider, Straßennamen in Darmstadt II). 
Hermann Poepperling (1890-1944) 
* 12. September 1890 in Bingen 
1911 Promotion in Gießen, „Studien über den Monolog in den Dramen Shakespeares“ 
1913 Umzug von Mainz nach Darmstadt 
1914-1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg 
1918 Heirat mit Luise Lahr in Alzey 
1920 Preisarbeit „Die Erziehung unserer Jugend im Geiste der Völkerversöhnung auf Grundlage deut-
scher Bildung“ (Veröffentlichung 1975) 
1921 Oberlehrer am Realgymnasium zu Darmstadt 
1922 Heirat mit Elisabeth „Elsa“ Diehl in Darmstadt (zwei Kinder) 
1924 Konrektor in Darmstadt 
1932 Oberstudiendirektor an der Liebig-Oberrealschule in Darmstadt 
1933 wegen seiner demokratischen Einstellung seines Amts als Direktor der Liebig -Oberrealschule in 
Darmstadt enthoben; fortan Studienrat an der der Liebig-Oberrealschule 
Ca. 1934-1944 Mitglied des NSLB 
† 19. Mai 1944 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1918 Rückkehr aus Erstem Weltkrieg „ordensgeschmückt“ 
Wirken in der NS-Zeit 
Hermann Poepperling, Pädago ge und Bildungsreformer, hinterließ in der NS -Zeit vergleichs-
weise wenige Spuren. Infolge der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er 1933 
aus führendem Amt an der Liebig-Oberrealschule in Darmstadt entlassen. 
Obwohl Hermann Poepperling 1944 versta rb, existiert ein Entnazifizierungsmeldebogen zu 
seiner Person (HHStAW). Ausgefüllt wurde dieser von seiner Witwe, Elisabeth Poepperling.

323 
Demnach war Hermann Poeperling in keiner NS -Organisation Mitglied, außer im NS -Lehrer-
bund (ohne Zeitangaben). Unter dem Punkt „Bemerkungen“ schrieb Elisabeth Poepperling: 
„Mein 1944 verstorbener Mann wurde im Jahre 1933 wegen seiner demokratischen Einstellung se i-
nes Amts als Direktor der Liebig-Oberschule in Darmstadt enthoben“ (11.06.1948, HHStAW). 
Unter dem Eindruck de s Ersten Weltkriegs hatte Hermann Poepperling die Preisschrift „ Die 
Erziehung unserer Jugend im Geist der Völkerversöhnung auf der Grundlage deutscher Bi l-
dung“ (1920) verfasst, die erst 1975 gedruckt wurde. Darin zeigte er sich als entschlossener 
Kriegsgegner, der die Vermittlung der Friedensidee als zentrale Aufgabe schulischer Bildung 
betrachtete: 
„Prüft man die pazifistische Bewegung auf ihre wesentlichen begrifflichen Merkmale, so ergeben sich 
diese: ihre Ideenhaftigkeit, ihr Glaube an eine Entwicklungs möglichkeit der Menschheit, ihr Wille zur 
praktischen Sittlichkeit und ihr Weltanschauungsgehalt. Die Inbeziehungsetzung dieser Merkmale 
zum deutschen Geist liefert die Begründung für die Berechtigung pazifistischer Jugendbildung, denn 
dem deutschen Geist sind die genannten begrifflichen Wesensmerkmale eigen. 
Es ist entscheidend, wo und wie die zukünftige Schule, die von verstärktem Willen zur philosoph i-
schen Durchdringung der Vielheit ihrer Stoffe beseelt sein muß, die Friedenspädagogik als Erzi e-
hungsaufgabe und die Friedensgesinnung als Weltanschauungsfrage lösen kann und will“ (S. 74). 
Hermann Poepperling plädierte eindringlich für die Lektüre von Kants „Vom ewigen Frieden“ 
in der Schule, um den pazifistischen Gedanken in den Köpfen der Schülerschaft zu v eran-
kern. 
„Am 28. April 1933 wurde Hermann Poepperling seines Amts als Oberstudiendirektor enth o-
ben“, hieß es im Geleitwort zur Veröffentlichung von 1975 (S.  5-8, hier S.  5; Poepperling 
blieb aber als Studienrat an der Schule, Hessisches Regierungsblatt 19 33, S.  127), verfasst 
vom ehemaligen OB Ludwig Engel, der Hermann Poepperling in der NS -Zeit als Rechtsbe i-
stand zur Seite gestanden hatte. Engel zufolge litt Poepperling in den Jahren nach 1933 an 
einem schweren Zuckerleiden. Dennoch musste er sich aufgrun d einer Denunziation 1940 
„vor der Gestapo und einem Sondergericht in Darmstadt“ verantworten (S.  7, auf den Inhalt 
des Verfahrens ging Engel nicht näher ein), was ihn „an den Rand der physischen Erschö p-
fung“ brachte. Engel (selbst ehemaliger Schüler Poepp erlings) beschrieb Hermann Poeppe r-
ling als Vorbild – und dessen Schicksal als Mahnung an zukünftige Generationen. Als Pädag o-
ge habe sich Poepperling früh und stets unbeirrt gegen den Nationalsozialismus gestellt: 
„Schon frühzeitig erkannte er die Gefahr de s Nationalsozialismus und versuchte, in seinen Schülern 
eine demokratische Grundgesinnung zu wecken durch die Erziehung zur Achtung des einzelnen und 
seiner Rechte, zur Toleranz und zur Humanität, um die Jungen immun gegen das totalitäre Gift zu 
machen. Der Gedanke der Völkerversöhnung war für ihn keine Utopie, sondern eine Idee“ (S.  6, vgl. 
auch wortgleiche Passage und Ausführungen darüber hinaus, DE 08.04.1950). 
Hermann Poepperling, der in der Berichterstattung nach 1945 durchgehend als Opfer des 
NS-Regimes beschrieben wurde (StadtA DA, ST 61), starb 1944 als „gesundheitlich gebroch e-
ner Mann“. Es ließen sich keine Hinweise auf eine Verstrickung mit dem NS -Regime recher-
chieren. Ludwig Engel konstatierte in seinem Antrag auf Straßenbenennung 1970:

324 
„Hermann Poepperling wäre nach meiner Meinung nach 1945 der geborene Hessische Kultusminister 
gewesen und auch geworden. Die Tragik seines Lebens entschied anders“ (02.04.1970, OB Engel, 
Benennung einer Strasse nach Oberstudiendirektor Dr. Hermann Poepperling, Stadt A DA, Nachlass 
Carlo Schneider, Straßennamen in Darmstadt I). 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 55242 (nur Meldebogen) 
HStAD, G 35 E Nr. 17613 [Poepperling, Elisabeth] 
Hessische Regierungsblätter 1933-1934 
StadtA DA, ST 61 Poepperling, Dr. Hermann + Ludwig 
StadtA DA, Nachlass Carlo Schneider, Straßennamen in Darmstadt I + II 
Literatur: 
Poepperling, Hermann: Die Erziehung unserer Jugend im Geist der Völkerversöhnung auf der Grun d-
lage deutscher Bildung [Geleitwort von Ludwig Engel]. Darmstadt 1975. 
Ludwig Poepperling (1885-1939) 
* 14. Januar 1885 in Mainz 
1907 Umzug von Alzey nach Darmstadt 
1908 Volontär an der Realschule in Alzey 
1908/09 Lehramtsreferendar an der Höheren Bürgerschule in Dieburg 
1909/10 Lehramtsassessor am Gymnasium Fridericianum in Laubach 
1910 Heirat mit Elisabeth „Elsa“ Braun (mindestens ein Kind) 
1910 Lehrer am Realgymnasium in Darmstadt 
1917 Oberlehrer am Realgymnasium in Darmstadt 
1920 Konrektor am Realgymnasium in Darmstadt 
1924 Oberstudiendirektor an der Oberrealschule zu Mainz 
1933 Amtsenthebung „unter Belassung der Amtsbezeichnung ‚Oberstudi enrat‘ und des Die n-
steinkommens“; Studienrat am Gymnasium in Mainz (Adam-Karrillon-Gymnasium) 
1934 Dienstentlassung und Versetzung in den Ruhestand 
1934 Aufhebung der Dienstentlassung/Ruhestandsversetzung 
1934-1939 Studienrat am Realgymnasium Gießen 
† 9. September 1939 
Ehrungen: 
---

325 
Wirken in der NS-Zeit 
Wie sein jüngerer Bruder Hermann, war Ludwig Poepperling als Lehrer und in führender 
Funktion im Schulbetrieb tätig; auch er beschäft igte sich mit Reformen des (höheren) Schu l-
wesens (StadtA DA, ST 61). 
Ludwig Poepperling, der zu Beginn der 1920er Jahre als Konrektor am Darmstädter Rea l-
gymnasium tätig war, wirkte seit 1924 als Oberstudiendirektor an der Oberrealschule in 
Mainz. Zum 1. Ma i 1933 wurde er seines Amts enthoben und „ unter Belassung der Amtsb e-
zeichnung ‚Oberstudi enrat‘ und des Diensteinkommens“ als Studienrat an das Gymnasium 
zu Mainz versetzt, das 1933 -1945 den Namen „Adam -Karrillon-Gymnasium“ trug und seit 
1953 „Rabanus-Maurus-Gymnasium“ heißt (StadtA Mainz). Im Frühjahr 1934 wurde Ludwig 
Poepperling aus dem Schuldienst entlassen:  als Daten fanden sich in den Quellen der 
29.03.1934 („Dienstentlassung“, Regierungsblatt 1934, S.  100) sowie der 29.05.1934 („Ve r-
setzung in den Ruhestand“, HStAD, G 35 E Nr. 17689). Doch bereits im Spätsommer des gle i-
chen Jahres wurde die Dienstentlassung bzw. Ruhestandsversetzung rückgängig gemacht: 
„Die auf Grund des § 4 des Reichsgesetzes zur Wiederherstellu ng des Berufsbeamtentums vom 
7. April 193 3 erfolgte Entlassung des oben Genannten wurde durch Urkunde vom 30. August 1934 
[…] zurückgenommen. […] Vom 1. Oktober 1934 an entfallen die Bezüge, weil Oberstudiendirektor 
Poepperling von diesem Tage an zum Studienrat am Realgymnasium in Gießen ernannt wurde“ (Hes-
sisches Staatsministerium, gezeichnet [Friedrich] Ringshausen, an die Direktion des Adam -Karrillon-
Gymnasiums Mainz, 06.10.1934, StadtA Mainz, siehe auch Hessisches Regierungsblatt 1934, S. 155). 
Bis zu seinem Tod 1939, wenige Tage nach Kriegsbe ginn, diente Ludwig Poepperling als St u-
dienrat am Realgymnasium in Gießen. Es ließen sich keine Entnazifizierungsdokumente r e-
cherchieren. In den eingesehenen Unterlagen fanden sich keine Hinweise bezüglich einer 
Verstrickung mit dem NS-Regime. 
Quellen: 
HStAD, G 35 E Nr. 17614 
HStAD, G 35 E Nr. 17689 
HStAD, G 53 Laubach Nr. 231 
Hessische Regierungsblätter 1933-1934 
StadtA DA, ST 61 Poepperling, Dr. Hermann + Ludwig 
StadtA Mainz, 209/511 
Literatur: 
---

326 
Ottilie-Rady-Weg (D 7), benannt 2002 nach 
Ottilie Rady (1890-1987) 
Kunsthistorikerin 
* 13. April 1890 in Darmstadt 
1896-1900 Ausbildung am Reineck’schen Institut in Darmstadt 
1900-1906 Besuch der Viktoria-Schule in Darmstadt 
1914/15 Besuche bei ihrem Cousin Carl Thiemann in Dachau 
1915 Geburt der (unehelichen) Tochter Else (Vater: Heeresflieger Paul Hermann Sieglitz) 
1915-1917 Vorbereitung auf nachträgliches Abitur; Besuch des Darmstädter Pädagogiums (1917) 
1917 Erlangung der Hochschulreife am Realgymnasium Gießen (als Externe) 
1917-1922 Studium der Kunstgeschi chte und der Archäologie an der TH Darmstadt (ein Semester) 
sowie an Universitäten in Bonn und Frankfurt am Main 
1922 Promotion in Kunstgeschichte an der Universität Frankfurt am Main, „Das weltliche Kostüm von 
1250-1410 nach Ausweis der figürlichen Grabsteine im mittelrheinischen Gebiet“ 
1922-1937 Assistentin für Kunstgeschichte an der TH Darmstadt (lange Zeit bei Professor Paul Har t-
mann) in der Abteilung für Kultur- und Staatswissenschaften, ab 1931/32 in der Abteilung Architektur 
(zu der Kunstgeschichte nunmehr gehörte); ab 1929 als Privatdozentin 
1929 Habilitation im Fach Kunstgeschichte an der TH Darmstadt (damit erste habilitierte Kunsthist o-
rikerin in Deutschland), „Leben und Werke des Bildhauers Johann Baptist Scholl d. J. (1818-1881)“ 
1929-1932 Privatdozentin für Kunstgeschichte am Pädagogischen Institut in Mainz 
1934-1937 außerordentliche Professorin an der TH Darmstadt (als eine von zwei Frauen) 
1937 Kündigung ihrer Assistentenstelle (April)  an der TH Darmstadt; Umzug nach Berlin unter Beu r-
laubung von ihrer Tätigkeit als Dozentin 
1937-1942 Journalistin in Berlin ; Arbeit am Institut für w issenschaftliche Projektion des Dr.  Franz 
Stoedtner, dort Katalogisieren von Diapositiven für den Kunstgeschichtsunterricht 
1939 Niederlegen der Lehrtätigkeit an der TH Darmstadt 
1939 „Elsa Pfister-Kaufmann, Julius Kaufmann. Ein Künstlerehepaar“ 
1942 Heirat mit Franz Stoedtner (Ottilie Stoedtner) 
1946-1959 nach dem Tod ihres Mannes Franz Stoedtner Leiterin des Instituts für wissenschaftliche 
Projektion (seit 1948 in Düsseldorf angesiedelt) 
1959 Heirat mit ihrem Cousin Carl Thiemann (Ottilie Thiemann-Stoedtner); Umzug nach Dachau 
1966 nach Tod ihres Ehemanns dessen Nachlass -Verwalterin; fortan biografische Studien zu Dacha u-
er Künstlern und Künstlerinnen 
1981 „Dachauer Maler. Die Kunstlandschaft von 1801-1946“ 
† 12. April 1987 in Dachau 
Ehrungen: 
---

327 
Wirken in der NS-Zeit 
Ottilie Rady, 1929 erste habilitierte Kunsthistorikerin Deutschlands, arbeitete zu Beginn der 
NS-Zeit als Assistentin und Privatdozentin an der TH Darmstadt. 
Als gebürtige Darmstädterin hatte Rady bereits an der TH Darmstadt ein Semester Kunstg e-
schichte und Archäologie studiert. Nach ihrer Promotion 1922 in Frankfurt am Main erhielt 
sie eine Assistentenstelle als Kunsthistorikerin bei Paul Hartmann  in der Abteilung für Kultur- 
und Staatswissenschaften an der TH Darmstadt , ab 1931/32 in der Abteilung Architektur, zu 
der Kunstgeschichte nunmehr gehö rte. Nach ihrer Habilitation 1929 war sie als Privatdoze n-
tin an der TH Darmstadt tätig. Zu Beginn der NS -Zeit war Rady eine von drei Frauen im Leh r-
körper des Instituts, wobei eine ihrer beiden Kolleginnen bereits nach dem Wintersemester 
1932/33 die Hochschule verließ (Hanel, S.  375). Am 15. Oktober 1934 wurde Rady zum a u-
ßerordentlichen, außerplanmäßigen Professor [!] ernannt (Regierungsblatt 1934, S. 172). 
Im Frühjahr 1937 verließ Rady Darmstadt und zog nach Berlin. Unter welchen Umständen 
das Dienstverhältnis als Assistentin an der TH Darmstadt endete, ließ sich nicht eindeutig 
klären. In der biografischen Skizze vo n Freia Neuhäuser, einer Freundin Ottilies, hieß es: „Da 
sich Frau Professor mit der Ideologie des Nationalsozialismus nicht einverstanden erklären 
konnte, wurde ihr gekündigt, ohne Zusage auf einen anderen Tätigkeitsbereich“ (Neuhäuser, 
S. 34). In von ihr  selbst erstellten tabellarischen Lebensläufen (jeweils nach 1945 verfasst) 
finden sich folgende Angaben: 
„1937, 1. April verliere ich die Darmstädter Assistentenstelle im Zuge der nazistischen Umbesetzung 
von Frauenberufen auf Männer. 
1937 ff. Ge zwungenermaßen ging ich damals i n den ‚Freien Beruf‘ nach Berlin, […]“ (Prof. Dr. Ottilie 
Thiemann-Stoedtner, Dachau, 10.10.1962, StadtA DA, ST 61). 
„1937 1. April. Meine Assistentenstelle an der T. H. Darmstadt wird gekündigt, ohne Zusage auf eine 
andere Unterbringung. Als Dozentin beurlaubt, übersiedle ich nach Berlin in den freien Beruf. 
1939 Nach Beendigung meiner Beurlaubung lege ich meine Darmstädter Lehrtätigkeit freiwillig ni e-
der“ (1976, StadtA DA, ST 61). 
In Berlin arbeitete Rady zunächst als Journalistin. 1939 erschien ihre biografische Arbeit „Elsa 
Pfister-Kaufmann, Julius Kaufmann. Ein Künstlerehepaar “. Sie lernte den Kunsthistoriker und 
Fotografen Dr. Franz August Stoedtner kennen, in dessen „Institut für wissenschaftliche Pro-
jektion“ sie Diapositive (Lichtbilder) für den Kunstgeschichtsunterricht aussuchte und katalo-
gisierte. Am 16.12.1942 heiratete Rady mit Franz Stoedtner ihren verwitweten, zwanzig Ja h-
re älteren Chef, der im Januar 1946 starb. Ottilie Stoedtner übernahm daraufhin (als Erbin) 
das „Institut für wissenschaftliche Projektion“. 
Es ließen sich keine Entnazifizierungsdokumente zu Ottilie Rady (bzw. Stoedtner; nach ihrer 
zweiten Heirat 1959: Thiemann-Stoedtner) recherchieren. Das „Institut für wissenschaftliche 
Projektion“ sowie der angeglieder te Verlag befanden sich bis 1948 im Ostteil Berlins (Ottilie 
Stoedtner verlegte 1948 Institut und Verlag nach Düsseldorf).

328 
Quellen: 
Regierungsblatt 1934 
StadtA DA, ST 61 Thiemann-Stoedtner, Prof. Dr. Ottilie 
UA Darmstadt, Pressemappe Stoedtner [?] 
Literatur: 
Hanel, Melanie: Normalität unter Ausnahmebedingungen. Die TH Darmstadt im Nationalsozialismus. 
Darmstadt 2014. 
Holtmann-Mares, Annegret: Ottilie Rady (1890 -1987) – mit Willen und Beharrlichkeit zum Ziel. In: 
hoch3, Mai 2015, S. 18. 
Neuhäuser, Freia: Zum  90. Geburtstag der ersten habilitierten Kunsthistorikerin Deutschlands, Frau 
Prof. Dr. Ottilie Thiemann-Stoedtner. In: Amperland 16 (1980), S. 32-36. 
Rady, Ottilie: Zum Andenken an Prof. Dr. Paul Hartmann [ohne Ort, ca. 1944]. 
Rady, Ottilie: Elsa Pfister-Kaufmann, Julius Kaufmann. Ein Künstlerehepaar. Frankfurt am Main 1939. 
Thiemann geb. Rady, Ottilie: Die Schule des Herrn Elias. In: Erlebte Vergangenheit. Darmstädter Bü r-
ger erzählen. Darmstadt 1986, S. 160 f. 
Wächter, Marion: Gezeugt – geboren – verleugnet. Leben und Herkunft der Else Faust (1915 -1956). 
In: Hessische Familienkunde 28 (2005), S. 185-190.

329 
Mina-Rees-Straße (K 6), benannt 2004 nach 
Mina Rees (1902-1997) 
Amerikanische Mathematikerin 
* 2. August 1902 in Cleveland/Ohio (USA) 
Aufgewachsen und Schulbesuch in New York City 
Bis 1923 High School und erstes Studium der Mathematik am Hunter College, New York City 
1923-1925 Master in Mathematik an der Columbia University, New York City 
1925-1945 Dozentin für Mathematik am Hunter College, New York City 
1929-1931 Beurlaubung; Promotion an der University of Chicago , „Division algebras associated with 
an equation whose group has four generators” 
1943-1945 erneute Beurlaubung; als geschäftsführende Assistentin Koordination einer Gruppe hoc h-
rangiger Mathematiker (Applied Mathematics Panel des Office of Scientific Research and Develo p-
ment), die im Auftrag der US -Regierung über militärische Anwendungen im Bereich der Mathematik 
berieten 
1946-1953 Leitung der Mathematik -Abteilung am neu geschaffenen Office of Nav al Research (US -
Navy); Beratung der US-Regierung und andere r staatlicher Stellen bei der Förderung neuer Comp u-
terprojekte (1949-1952 Director of the Mathematical Sciences Division, 1952/53 Deputy Science D i-
rector) 
1950 „The federal computing machine program“ 
1952 „On the solution of nonlinear hyperbolic differential equations by finite differences“ (Veröffen-
tlichung zusammen mit Richard Courant und Eugene Isaacson) 
1953-1961 Dekanin am Hunter College, New York City 
1955 Heirat mit dem Physiker Leopold Brahdy 
1961-1972 Professorin an der neu gegründeten City University, New York City  (1961-1967 Dean of 
Graduate Studies, 1967-1969 Provost of the Graduate School and University Center) 
1964-70 Mitglied des US National Science Board 
1969-1972 Präsidentin der Graduate School an der City University, New York City 
1971 Vorsitzende der American Association for the Advancement of Science (als erste Frau) 
Ab 1972 im Ruhestand; weiterhin beratend und forschend tätig 
† 25. Oktober 1997 in New York City 
Ehrungen: 
1945 President’s Certificate of Merit (USA), King’s Medal for Service in the Cause of Freedom (GB) 
1962 Award of Distinguished Service (Mathematical Association of America) 
1965 Achievement Award (American Association of University Women) 
1983 Public Welfare Medal (höchste Auszeichnung der National Academy of Sciences, USA) 
1989 Computer Pioneer Award (IEEE Computer Society) 
Vielfache Ehrendoktorin (an ca. 20 Universitäten und ähnlichen Bildungseinrichtungen)

330 
Wirken in der NS-Zeit 
Die Amerikanerin Mina Rees gilt als  bedeutende Mathematikerin und Pionierin der Comp u-
tergeschichte, die während des Zweiten Weltkriegs eine Gruppe von Mathematikern koord i-
nierte und damit zum Kriegserfolg der Alliierten beitrug. 
Rees arbeitete in der NS-Zeit als Mathematik-Dozentin (Assistant Professor, ab 1940 Associa-
te Professor) am Hunter College, New York. 1943 ließ sie sich von ihrer wissenschaftlich -
lehrenden Tätigkeit beurlauben, um  in Washington, D. C., die Stelle der geschäftsführenden 
Assistentin beim Leiter des Applied Mathematics  Panel zu übernehmen. In diesem Gremium 
waren von der US -Regierung bedeut ende Mathematiker zusammengezogen worden, um 
über militärische  Forschungen und Anwendungen im Bereich der Mathematik zu beraten. 
Mina Rees war als Wissenschaftsmanagerin in leitender Funktion tätig: 
„In that position and as secretary to the panel, Rees was in a central position with respect to the 
problems that were posed by the various military constituents, efforts to extract the mathematical 
essence of the problems, and the task of finding mathematicians to solve them. Rees represented 
the government in contracting the problems to various universities throughout the country“ ( Green 
et al., S. 867). 
In diversen Projekten beschäftigte sich Rees unter anderem mit Strömungsproblemen bei 
der U -Bootabwehrtechnik oder bei Raketenantrieben. Für ihre Arbeiten wurde sie später 
sowohl von der US -Regierung als auch von  der britischen Regierung mit hohen Ehrungen 
ausgezeichnet. Während des Zweiten  Weltkriegs erhielt Rees  wichtige Einblicke in die Ent-
wicklung elektronischer Rechenanlagen, die sie nach dem Krieg in ihrer (wissenschaftlichen) 
Karriere (auch in ihrer Funktion als Politik-Beraterin) nutzen sollte. 
Mina Rees war als Mathematikerin und Wissenschaftsmanagerin auf höchster Ebene in mil i-
tärische Forschung während des Zweiten Weltkriegs involviert – allerdings auf Seiten der 
Amerikaner und daher gegen das NS-Regime in Deutschland. 
Quellen: 
[http://www.frauen-informatik-geschichte.de/index.php?id=64] Zugriff: 27.12.2016 
Literatur: 
Broome Williams , Kathleen: Improbable Warriors: Women Scientists and the U.S. Navy in World 
War II. Annapolis, Maryland, 2001. [NICHT eingesehen] 
Green, Judy/La Duke, Jeanne/Mac Lane, Saunders/Merzbach, Uta C.: Mina Spiegel Rees (1902-1997). 
In: Notices of the American Mathematical Society 45 (1997), S. 866-873. 
Shell-Gellasch, Amy: In Service to Mathematics: The Life and W ork of Mina Rees.  Boston 2001. 
[NICHT eingesehen]

331 
Otto-Röhm-Straße (G-H 6-7), benannt 1965 nach 
Otto Röhm (1876-1939) 
Chemiker und Unternehmer 
* 14. März 1876 in Öhringen/Württemberg 
Besuch der Lateinschule in Blaubeuren und des humanistischen Gymnasiums in Ulm 
1891 Abschluss der Mittleren Reife 
1891-1894 Apothekerlehre in Blaubeuren 
1894-1897 Apothekergehilfe in Biberach, Zürich und Ulm sowie Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger 
1897/98 Studium der Pharmazie in München als „außerordentlicher Student“ 
1898-1901 Studium der Pharmazie und Chemie an der Universität Tübingen (Vollstudium der Chemie 
nach erfolgreicher Approbationsprüfung in Stuttgart ab 1899) 
1901 Promotion über die „Polymerisationsprodukte der Akrylsäure“ an der Universität Tübingen 
1902 Tätigkeit bei Firma E. Merck sowie bei Landwirtschaftlicher Versuchsanstalt in Darmstadt 
1903 Assistent am städtischen Untersuchungsamt in Stuttgart 
1904 Hauptprüfung zum Nahrungsmitteltechniker in Stuttgart; Veröffentlichung „Maßanalyse“ 
1904-1906 Assistent am städtischen Gaswerk in Gaisburg 
1907 Gründung des Unternehmens Röhm & Haas OHG in Esslingen (gemeinsam mit Otto Haas) 
Ab 1907 Entwicklung technischer Enzyme zur Lederherstellung (Beizmittel „Oropon“), für Waschmit-
tel, zur Textilverarbeitung und Fruchtsaftklärung 
1909 Umzug der chemischen Fabrik Röhm & Haas von Esslingen nach Darmstadt 
1909 Heirat mit Elisabeth Soyka in Dresden (zwei Kinder) 
Ab 1911 Forschungen auf dem Gebiet der Acrylchemie 
1914 Erfindung von Burnus (Wäsche-Einweichmittel) 
Ab 1914 Ausbau der Enzymproduktion im Werk in Darmstadt (für Herstellung von Waschmitteln, 
Textilien, Kosmetika, pharmazeutische Präparate sowie von Fruchtsäften) 
1928 Synthetisieren von Methacrylaten im Labor 
1933 Erfindung des PLEXIGLASES ® (gemeinsam mit Walter Bauer sowie weiteren Mitarbeitern) 
1936 Bericht über „Organisches Glas“ (PLEXIGLAS ®) auf Hauptversammlung der GDCh in München 
1936 PLEXIGLAS ®-Exponate auf der Ausstellung „Deutschland“ in Berlin 
Ab 1937/38 Herstellung von PLEXIGLAS ® vornehmlich für militärische Zwecke (Flugzeugbau) 
1938 Umwandlung der Röhm & Haas AG in eine GmbH; Ausscheiden als Vorstandsvorsitzender 
† 17. September 1939 in Berlin 
Ehrungen: 
1920 Verdienstkreuz für Kriegshilfe 
1922 Ehrenbürger der TH Darmstadt (seit 1924 unter Bezeichnung Ehrensenator geführt) 
1925 Ehrenpräsident des Syndikats der griechischen Gerber

332 
1935 Präsidiumsmitglied der Deutsch-Britischen Gesellschaft 
1937 Grand Prix und Goldmedaille für PLEXIGLAS ® auf Pariser Weltausstellung 
1937 Ernennung zum Generalkonsul von Bulgarien durch König Boris III. 
Wirken in der NS-Zeit 
Otto Röhm, Chemiker, Unternehmer und Erfinder, war während der NS -Zeit Firmenchef der 
Röhm & Haas AG mit Sitz in Darmstadt (ab 1938 GmbH, ab 1971 Röhm GmbH, seit 2007 
Evonik Röhm GmbH). Er entwickelte 1933 mit PLEXIGLAS ® einen Werkstoff, der ab 1937 vor 
allem für militärische Zwecke genutzt wurde. Röhm schien dem Nationalsozialismus kritisch 
gegenüber gestanden zu haben. 
Für die von Otto Röhm und Otto Haas 1907 gegründete Firma war die Anwendung von PLE-
XIGLAS ®  in der Rüstungsindustrie von  großer wirtschaftlicher Bedeutung, besonders in der 
Zeit des Zweiten Weltkriegs – als Röhm selbst bereits verstorben war. Auf der Hauptve r-
sammlung der Gesellschaft Deutscher Chemiker hielt Röhm 1936 erstmals einen öffentlichen 
Vortrag zu dem „Organischen Glas“ (Trommsdorff, S.  237, 280). Die Firma nahm daraufhin 
die Möglichkeit wahr, auf internationalen Ausstellungen ihr Produkt hohen Regierungsve r-
tretern zu präsentieren („100 Jahre Zukunft“, S.  49): Auf der Berliner Ausstellung „Deutsc h-
land“ (1936) fanden  aus PLEXIGLAS ® gefertigte Exponate (darunter auch eine Geige) in der 
Ehrenhalle Platz; auf der Weltausstellung 1937 in Paris erhielt PLEXIGLAS ® höchste Auszeich-
nungen. Das Werksgelände in Darmstadt wurde in der Folge ausgeweitet, neue Fertigungs - 
und Verarbeitungsanlagen gebaut, die insbesondere den Bedarf für die Produktion von Flu g-
zeugkanzeln dienten: Röhm & Haas wurde zum Rüstungsunternehmen. Zu Beginn der NS -
Zeit hatte sich die politische Entwicklung noch negativ auf das (Auslands -)Geschäft der Röhm 
& Haas AG unter ihrem Vorstandsvorsitzenden Otto Röhm ausgewirkt. Das Unternehmen 
verlor jüdische Großkunden in der polnischen Lederindustrie und litt unter den scharfen D e-
visenvorschriften. Seit Mitte der 1930er Jahre expandierte das Unternehmen: Lag die Mitar-
beiterzahl 1934 bei 450, konnte Otto Röhm schon 1937 den 1.000 Mitarbeiter begrüßen. Als 
Röhm 1939 starb, beschäftigte sein Unternehmen über 1.800 Mitarbeiter bei einem Jahre s-
umsatz von über 22 Millionen RM (Klitzsch, S. 715). 
Während das Unternehmen durch die Aufrüstung seitens des NS -Regimes von gewinnbri n-
genden Rüstungsaufträgen profitierte – das Interesse des NS -Regimes an den Kunststoffen 
veränderte die gesamte Firmenstruktur (hierzu ausführlich „100 Jahre Zukunft“, S.  49 ff.) –, 
blieb Röhms Verhä ltnis zum Nationalsozialismus – laut seiner Biografen – distanziert 
(Edschmid, S.  57 ff., Trommsdorff, S.  270 f.). Als problematisch erwies sich für Röhm wä h-
rend der NS -Zeit die jüdische Herkunft seiner Frau, die 1936 verstarb. Dies galt auch als 
Grund für sein Ausscheiden aus wichtigen Fachgremien. In der Biografie von Ernst Tromm s-
dorff hieß es zusammenfassend: 
„Der Verlust seiner Frau, die politische und persönliche Belastung durch den Nationalsozialismus, die 
Diffamierung seiner Familie – sein Sohn mußte  sein Studium in Heidelberg 1935 abbrechen und in 
Paris fortsetzen – das alles drückte auf ihn“ (Trommsdorff, S. 281).

333 
Kasimir Edschmid zitierte aus Tagebuch - und Kalenderblättern persönliche Notizen Röhms, 
die seine Distanz zum NS -Regime belegen sollen. N ach Trommsdorff soll sich Röhm – trotz 
seiner exponierten Stellung als Vorstandsvorsitzender eines Rüstungsbetriebs – mit polit i-
schen Aussagen zurückgehalten, „Bekenntnisse zum Hitler -Reich“ verweigert und Juden pe r-
sönlich geholfen haben (S.  271). Überprüf en lassen sich diese Darstellungen anhand der 
spärlich vorliegenden bzw. zugänglichen Quellen aus der Zeit nur schwer. Allerdings legen 
die im Firmenarchiv überlieferten Dokumente nahe, dass Otto Röhm „dem NS -Regime – bei 
aller Pragmatik – weiterhin kritisch gegenüberstand“ („100 Jahre Zukunft“, S.  54). Seine U n-
abhängigkeit schwand jedoch zunehmend; er geriet im Zuge der „Gleichschaltung“ des U n-
ternehmens innerhalb des Unternehmens ins Hintertreffen (laut Auskunft des Konzerna r-
chivs der Evonik Industries AG  liegen keine neuen Quellen vor, die die Einschätzung aus dem 
Jahr 2007 in Frage stellten; zur Unternehmensgeschichte in der NS -Zeit siehe daher „100 
Jahre Zukunft“, S.  46-61; persönliche Dokumente Otto Röhms befinden sich nach Auskunft 
des Konzernarchivs nach wie vor in Familienbesitz). 
Im Herbst 1937 erlitt Röhm einen Schlaganfall; seine gesundheitliche Verfassung erzwang in 
den letzten Lebensjahren ärztliche Auflagen. Er unternahm 1938 noch eine Reise nach Bulga-
rien, wo er in Sofia zu einer Audienz bei K önig Boris III. geladen war (dieser hatte ihn 1937 
zum Generalkonsul in Frankfurt am Main ernannt, Edschmid, S.  62, Trommsdorff, S. 272). Im 
Zuge der Umwandlung der Röhm & Haas AG in eine GmbH im November 1938 gab Otto 
Röhm seinen Vorstandsvorsitz ab. Sein Sohn gleichen Namens, der seit 1937 seinen Vater im 
Unternehmen unterstütze, kam als Geschäftsführer aufgrund seiner jüdischen Herkunft 
nicht in Frage; Otto Röhm jun. wurde 1940 auf Anweisung des Hessischen Gauleiters Jakob 
Sprenger aus der Firma verwiese n und zu Zwangsarbeit herangezogen („100 Jahre Zukunft“, 
S. 54). 
Laut Angaben seitens des Konzernarchivs liegen dort keine Unterlagen vor, die Entlassungen 
von Betriebsangehörigen aufgrund rassischer oder politischer Verfolgung dokumentierten 
(dazu auch „1 00 Jahre Zukunft“, S.  48 f.). Noch unter Röhms Leitung (1936/37) erwarb das 
Unternehmen allerdings Gelände (rund 10.000 m²), das zuvor der jüdischen Firma Herz B o-
denheimer gehörte („100 Jahre Zukunft“, S.  56). Wenngleich Röhm & Haas den Erwerb b e-
zahlte, einigte sich das Unternehmen im Zuge eines Rückerstattungsverfahrens nach 1945 in 
einem Vergleich auf eine Entschädigung. Der umfangreiche Einsatz von Zwangsarbeitern und 
Kriegsgefangenen im Unternehmen fand erst nach Röhms Ausscheiden aus der Firmenle i-
tung (bzw. nach seinem Tod) während der Kriegsjahre statt („100 Jahre Zukunft“, S. 58-61). 
Eva Wittig – die auch die Texte für die mehrfach genannte Jubiläumsschrift anfertigte – be-
schrieb Röhms Wirken in der NS-Zeit im Stadtlexikon Darmstadt wie folgt: 
„Die größte Entdeckung gelang ihm zusammen mit dem Chemiker Walter Bauer und weiteren Mita r-
beitern 1933 m it PLEXIGLAS ® . Der glasklare, leicht zu verarbeitende Kunststoff, fand während der 
NS-Zeit nahezu ausschließlich für die Herstellung von Flugzeugkanzeln für Rüstungszwecke Verwen-
dung. Das brachte Röhm in ein Spannungsfeld zwischen unternehmerischer Verantwortung Staat und 
Gesellschaft gegenüber und privater Sorge um die Zukunft seiner Familie, da seine Kinder über die

334 
Linie seiner verstorbenen Frau jüdischer A bstammung und damit rassischer Verfolgung du rch das 
Regime ausgesetzt waren“ (Wittig, S. 757). 
Es ließen sich keine Entnazifizierungsakten zum 1939 verstorbenen Otto Röhm im HHStAW 
recherchieren. Röhm scheint kein Mitglied der NSDAP gewesen zu sein; ob er in anderen NS-
Organisationen Mitglied war, ließ sich anhand der ausgewerteten Informationen nicht ermi t-
teln. 
Quellen: 
HStAD, R 4 Nr. 21049 
StadtA DA, ST 61 Röhm, Dr. Otto + Otto (Sohn) 
Evonik Industries AG, Konzernarchiv [Röhm-Archiv] 
Literatur: 
100 Jahre Zukunft. Die Röhm GmbH von 1907 bis 2007 [Jubiläumsschrift, herausgegeben von der 
Röhm GmbH, Text: Eva Wittig]. Darmstadt 2007. 
Edschmidt, Kasimir: In Memoriam Dr. Otto Röhm. Z um 50jährigen Bestehen der Chemischen Fabrik 
Röhm & Haas Darmstadt. Darmstadt 1957. 
Klitzsch, Rainer: Röhm, Otto Karl Julius. In: NDB 21 (2003), S. 715 f. 
Trommsdorff, Ernst: Dr. Otto Röhm. Chemiker und Unternehmer. Düsseldorf/Wien 1976 [²1984]. 
Wittig, Eva: Röhm, Otto Karl Julius. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 756 f.

335 
Peter-Roßmann-Weg, benannt 2013 nach 
Peter Roßmann (1884-1950) 
Gastwirt und Metzgermeister 
* 3. Juli 1884 in Neutsch im Odenwald (heute Gemeinde Modautal) 
Seit 1912 wohnhaft in Darmstadt 
1914 Heirat mit Elisabeth Delp (vier Kinder) 
Ca. 1914 Wohnhaus mit Metzgere i in der Frankfurter Straße 79, später an gleicher Stelle Gastwir t-
schaft „Zum Rosengarten“: Metzger und Gastwirt („Roßmanns Rosengarten“) 
1935-1945 Mitglied der DAF 
† 17. September 1950 in Darmstadt 
Ehrungen: 
--- 
Wirken in der NS-Zeit 
Peter Roßmann war während der NS-Zeit als Metzger und Gastwirt in Darmstadt tätig. In der 
Darmstädterstraße 79 betrieb er die Gaststätte (mit Metzgerei) „Zum Rosengarten“ als Fami-
lienbetrieb. 
Über Peter Roßmanns Wirken in der NS -Zeit beschränken sich die recherchierten Informa ti-
onen auf dessen eigene Angaben im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens (Meldebogen, 
HHStAW). Demnach war Roßmann, wie bereits erwähnt, 1933 -1945 als „selbständiger G e-
werbetreibender“ (Metzger, Gastwirt) tätig. Sein jährliches Gesamteinkommen beziffert e er 
für den angefragten Zeitraum (1932 -1945) mit 5.000-7.000 RM. Laut seiner Angaben war er 
1935-1945 Mitglied der DAF, darüber hinaus weder Mitglied einer weiteren NS -Organisation 
noch Angehöriger der Wehrmacht. Roßmann wurde am 28. März 1947 als „Vom Gesetz nicht 
betroffen“ eingestuft und damit entlastet. 
Es ließen sich keine Hinweise auf eine Verstrickung Peter Roßmanns mit dem NS -Regime 
recherchieren. 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 29916 (nur Meldebogen) 
StadtA DA, Melderegisterblätter 
HStAD Bestand H 3 Nr. 72642 [Kennkartenmeldebogen] 
Literatur: 
---

336 
Rüthleinweg (L 8), benannt 1956 nach 
Heinrich Rüthlein (1886-1949) 
Darmstädter Heimatdichter 
* 26. September 1886 in Darmstadt 
1892-1900 Besuch der Knabenmittelschule in Darmstadt (einer seiner Lehrer dort: Karl Schaffnit) 
Ausbildung und Anstellung in einem Büro 
1909-1911/1919-1933 Mitglied der SPD 
1909 Beginn seiner schriftstellerischen Tätigkeit 
Um 1909 „Die Bekehrung“ (erstes Bühnenstück, einaktige Posse, in kleinem Kreis aufgeführt) 
1910-1913 weitere Lustspiele, darunter „Die Villa“, „Die Brieftasche“, „Die Maibowle“ 
1912 Heirat mit Margarethe Katharina Eichel (ein Sohn) 
1914-1918 Teilnahme als Soldat am Ersten Weltkrieg 
1919-1949 Verwaltungstätigkeit/Beamter bei der Stadt Darmstadt 
1920 „Der Glasschrank“ (bekanntestes Mundartstück) 
1921 „Der Schieberfeind“ 
1929 „Die weißen Handschuhe“ 
1932 „Pistole und Tabakpfeife“ 
1933 Degradierung vom Stadtinspektor zum Stadtobersekretär 
1934-1937 Mitglied der Reichsschrifttumskammer (Mitglieds-Nr. 11346) 
1934-1945 Mitglied der NSV 
1934-1945 Mitglied des Reichsbunds der Deutschen Beamten (RDB) 
1937 „Fräulein Mandarin“ (Uraufführung in Erfurt) 
1941 „Wachstubengeschichten“ 
1944 Zerstörung unveröffentlichter Manuskripte im Zuge der „Brandnacht“ 
1945-1949 Tätigkeit im Versorgungsamt; Stadtamtmann beim Standesamt der Stadt Darmstadt 
† 3. Juli 1949 in Darmstadt 
Ehrungen: 
--- 
Wirken in der NS-Zeit 
Heinrich Rüthlein, Darmstädter Heimat- und Mundartdichter in der Tradition Ernst Elias Ni e-
bergalls, war über die gesamte NS-Zeit in der Darmstädter Stadtverwaltung beschäftigt. 
Während der Weimarer Republik war Rüthlein Mitglied der SPD. Wie es in einer politischen 
Beurteilung durch die Darmstädter Gestapo 1937 hieß (hierzu und zum Folgenden 
01.11.1937, Geheime Staat spolizei an Reichsschrittumskammer, BArch Berlin, BDC, R 9361 -

337 
V/10246), nahm er an SPD -Veranstaltungen teil und „unterstützte den Marxismus auch 
durch Spenden“. Aufgrund seiner Mitgliedschaft in der SPD bzw. der daraus geschlossenen 
„marxistischen Einstellung“ wurde Rüthlein 1933 vom Stadtinspektor zum Stadtobersekretär 
degradiert; von einer Dienstentlassung wurde jedoch abgesehen, da er „sein Amt stets ei n-
wandfrei versehen hat und als ein stets hilfsbereiter Mensch und Kamerad bekannt war“. 
Nach der Machtü bernahme durch die Nationalsozialisten fiel Rüthlein laut Einschätzung der 
Gestapo nicht politisch auf. Er galt weiterhin als politisch unzuverlässig, aber ungefährlich: 
„Seine jetzige politische Einstellung wird dahingehend beurteilt, daß er als langjähri ger früherer SPD-
Mann, der schon von seinem Vater entsprechend beeinflußt worden war, innerlich seiner alten 
Überzeugung treu geblieben ist. Es wird ihm indessen nicht zugetraut, daß er sich jemals aktiv staat s-
feindlich betätigen würde“ (01.11.1937, Geheim e Staatspolizei an Reichsschrittumskammer, BArch 
Berlin, BDC, R 9361-V/10246). 
Rüthlein – der 1937 von der Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer befreit worden 
war, da der Umfang seiner schriftstellerischen Tätigkeit als zu gering g ewertet wurde – stell-
te 1941 einen Antrag auf (erneute) Aufnahme in die Kammer. Hintergrund war die ang e-
dachte Veröffentlichung der „Wachstubengeschichten“, die das Darmstädter Soldatenleben 
vor 1914 zum Inhalt hatte (1941 veröffentlicht mit Illustrationen von Hartmuth Pf eil). Sein 
Aufnahmegesuch wurde offensichtlich abgelehnt, ihm aber nachträglich ein Befreiung s-
schein für die Veröffentlichung ausgestellt (BArch Berlin, BDC, R 9361 -V/10246). Laut B e-
richterstattung in den lokalen Medien (nach 1945) soll eine Szene der „Wachstubengeschich-
ten“ wegen „Verächtlichmachung der Offiziere“ Anstoß im Reichspropagandaministerium 
genommen haben (StadtA DA, ST 61). Einzelne Bühnenstücke (Einakter, Lustspiele, Schwä n-
ke) wurden während der NS -Zeit aufgeführt, darunter im Mai 1937 die Ura ufführung des 
Stücks „Fräulein Mandarin“ in Erfurt. 
Laut eigener Angaben in seinem Meldebogen 1946 (HHStAW) war Rüthlein 1934 -1945 j e-
weils ohne Amt Mitglied der NSV und des Reichsbunds der Deutschen Beamten (RDB); da r-
über hinaus in keiner anderen NS -Organisation tätig. Unter dem Punkt „ Bemerkungen“ no-
tierte er : „Ich wurde als Sozialdemokrat (Mitglied 1909 bis April 1933) degradiert und ve r-
folgt.“ Rüthlein wurde als „Vom Gesetz nicht betroffen“ (24.03.1947) eingestuft. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/10246 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 16426 (nur Meldebogen) 
HStAD, H 3 Nr. 8922 
HStAD, R 12 P Nr. 5308 
StadtA DA, ST 61 Rüthlein, Heinrich und Carl Heinrich 
Literatur: 
Eilers, Helge: Rüthlein, Heinrich. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 765. 
Esselborn, Karl: Hessische Lebensläufe. Darmstadt 1979, S. 413-415 [Erstveröffentlichung 1926]. 
Keil, Heinrich: Hartmuth Pfeil. Werke aus fünf Jahrzehnten. Darmstadt 1987.

338 
Sauerweinstraße (D 8), benannt 1968 nach 
Ludwig Sauerwein (1879-1951) 
Arheilger Lehrer und Heimatforscher 
* 9. Februar 1879 in Roßdorf 
1894-1900 Besuch des Lehrerseminars in Darmstadt 
1900-1906 Lehrer an der Volksschule Arheilgen 
1906-1909 Lehrer an der Gemeindeschule zu Rudlos (Kreis Lauterbach) 
1909-1914 Lehrer an der Gemeindeschule zu Angersbach (Kreis Lauterbach) 
1914-1948 Lehrer an der Volksschule Arheilgen (bis zur Pensionierung) 
1932-1945 Mitglied des NS-Reichskriegerbunds (NSRKB) 
1934-1945 Mitglied des NS-Lehrerbunds (NSLB) 
1934-1945 Mitglied der NSV 
1944 Zerstörung seines Wohnhauses in Darmstadt-Arheilgen im Dezember 
† 9. Oktober 1951 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1960 [1967] Gedenktafel am Arheilger „Dreimärker“ 
Wirken in der NS-Zeit 
Ludwig Sauerwein, in Roßdorf geborener Lehrer und Heimatforscher, lebte über die gesamte 
NS-Zeit als Volksschullehrer in (Darmstadt-)Arheilgen. 
Über Sauerweins Wirken in der NS -Zeit ist wenig bekannt. Neben seiner Tätigkeit als Volk s-
schullehrer war er in der Heimatgeschichtsforschung aktiv. Bei einem Luftangriff auf Dar m-
stadt während des Zweiten Weltkriegs wurd e eine seiner Töchter, die mit ihren Kindern zu 
Besuch war, getötet. Eine Tochter veröffentlichte 1962 (also posthum) „Die Geschichte A r-
heilgens“, aus den von ihr aus dem 1944 zerstörten Wohnhaus geborgenen Unterlagen ihres 
Vaters. Sauerwein war Mitglied i n zahlreichen Vereinen und Chören und half  den Volksbil-
dungsverein und die Volksbibliothek ins Leben zu rufen (Koch, S. 772). 
Laut seiner eigenen Angaben im Zuge des Entnazifizierungsverfahrens (HHStAW) war Ludwig 
Sauerwein Mitglied des NSRKB (1932 -1945) sowie des NS-Lehrerbunds und der NSV (jeweils 
1934-1945). Es ließen sich (auch in weiteren Beständen) keine Mitgliedschaften in anderen 
NS-Organisationen recherchieren. Sein Einkommen betrug 1933 -1945 zwischen 420, - und 
460,- RM. Laut seines Meldebogens aus  dem Jahr 1946 war er verwitwet ( HStAD, H 3 Nr. 
72758). 
Ludwig Sauerwein wurde im April 1947 als vom Gesetz „Nicht betroffen“  eingestuft 
(HHStAW), was seiner Selbsteinschätzung entsprach.

339 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 36792 (nur Meldebogen) 
HStAD, H 3 Nr. 72758 
Regierungsblätter 1906, 1909 und 1914 
StadtA DA, ST 61 Sauerwein, Ludwig 
Literatur: 
Koch, Roland: Sauerwein, Ludwig. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 772 f. 
Sauerwein, Ludwig: Die Geschichte Arheilgens. Darmstadt-Arheilgen 1962.

340 
Scharounweg (F 9), benannt 1978 nach 
Hans Scharoun (1893-1972) 
Architekt 
* 20. September 1893 in Bremen 
1900-1912 Besuch des Gymnasiums in Bremerhaven 
1912-1914 Studium der Architektur an der TH Berlin-Charlottenburg 
1914 freiwillige Meldung zum Kriegsdienst 
1915 Arbeit an Militär-Baubüro zum Wiederaufbau Ostpreußens 
1917 stellvertretender Leiter des Bauberatungsamts in Insterburg/Ostpreußen 
1918-1925 Arbeit als freier Architekt in Insterburg/Ostpreußen; Freundschaften mit Otto Bartning, 
Walter Gropius, Mies van der Rohe, Bruno Taut 
1919 Mitglied der Architektenvereinigung „Die Gläserne Kette“ 
1920 Heirat mit Annemarie „Aenne“ Hoffmeyer in Bremerhaven (Scheidung 1960) 
1921-1925 diverse Wettbewerbsbeiträge 
1925-1932/33 Professor an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau 
1926 Architekturbüro in Berlin mit Adolf Rading und Paul Kruchen; Mitglied der Architektenverein i-
gung „Der Ring“ 
1927-1932 Städtebauliche Entwürfe und Bautätigkeit (Siedlungsbau, Junggesellenhaus) in Berlin 
1928/29 Ledigenheim in Breslau 
1930-1933 Haus Schminke in Löbau 
1933 Übersiedlung von Breslau nach Berlin; Arbeit als freier Architekt 
1933-1942 Bautätigkeit in Berlin: Einfamilienhäuser und Wohnungsbau, darunter 1933 -1940 Wohn-
anlage in Berlin-Spandau (erste Phase bereits 1930-1932) 
Ca. 1934-1945 Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste (Mitglieds-Nr. A 8533) 
1945-1946 Stadtbaurat in Berlin (Leiter der Abteilung für Bau - und Wohnungswesen); Wiederaufbau 
unter dem Leitbild der „Stadtlandschaft“ 
1947-1958 Ordinarius für Städtebau an der Fakultät für Architektur der TU Berlin 
1947-1950 Direktor des neu gegründeten Instituts für Bauwesen an der Akademie der Wissenscha f-
ten 
1951 Entwurf einer Volksschule in Darmstadt („Meisterbauten Darmstadt“, nicht umgesetzt) 
1954-1961 Großsiedlung Charlottenburg-Nord in Berlin 
1954-1971 Hochhausbauten in Stuttgart 
1955-1968 Präsident der Akademie der Künste Berlin 
1957-1963 Meisterentwurf der Philharmonie Berlin 
1958 „Hauptstadtwettbewerb“ (2. Preis): Idee der Stadtlandschaft 
1960 Heirat mit Margit von Plato

341 
1971 Mitglied der Académie d’Architecture, Paris 
† 25. November 1972 in Berlin 
Ehrungen: 
1954 Ehrendoktor der TU Berlin 
1954 Berliner Kunstpreis 
1959 Großes Bundesverdienstkreuz der BRD 
1968 Ehrenpräsident der Akademie der Künste, Berlin 
1959 Plakette der Freien Akademie der Künste, Hamburg 
1962 Ehrensenator der TU Berlin 
1964 Großer Preis des Bundes Deutscher Architekten (für die Berliner Philharmonie) 
1965 Auguste-Perret-Preis der Union Internationale des Architectes, Paris 
1965 Ehrendoktor der Universität Rom 
1968 Großer Preis des Landes NRW für Baukunst 
1969 Ehrenbürger von Berlin 
1971 Ehrenmitglied des Colegio de Arquitectos del Peru 
Wirken in der NS-Zeit 
Hans Scharoun, deutscher Architekt des 20. Jahrhunderts und bedeutende r Vertreter der 
organischen Architektur, lebte und wirkte während der NS-Zeit in Berlin. 
Scharoun war 1932/33 von Breslau nach Berlin gezogen, wo er fortan als freier Architekt 
wirkte; bereits seit 1926 unterhielt er dort gemeinsam mit anderen Architekten ein Stadtbü-
ro, seit 1927 konzentrierte Scharoun seine Entwurfstätigkeit auf die Metropole. Sein Büro 
befand sich nun in der Passauer Straße, bis die Räumlichkeiten 1943 bei einem Luftangriff 
zerstört wurden. Während der gesamten NS -Zeit blieb Scharoun in D eutschland – anders als 
einige seiner Kollegen, die zuvor gemeinsam mit ihm in den Architektenvereinigungen „Die 
Gläserne Kette“ und „Der Ring“ organisiert waren. Wie Andreas Tönnesmann in seinem Be i-
trag zu Hans Scharoun „Im Dritten Reich“ darstellte, arbe itete Scharoun in der NS -Zeit konti-
nuierlich als Architekt – gemessen an der Quantität erfolgreicher als zuvor –, ging aber von 
Beginn an persönlich auf Distanz zum NS -Regime, schwieg öffentlich und versuchte, „Berü h-
rungen mit der Sphäre des Politischen ko nsequent zu meiden“ (Tönnesmann, S.  46). Als Ar-
chitekt konnte sich aber auch Scharoun den politischen Gegebenheiten nicht entziehen, wie 
Tönnesmann mit Blick auf dessen Werk und Wirken treffend konstatierte: 
„Scharouns Bauten nach 1933 können nicht nach dem Gesichtspunkt gestalterischer Qualität in wich-
tige und unwichtige geschieden werden; sie sind in ihrer ganzen Breite Teil seines Œuvres. Lassen die 
Einzelhäuser allein noch den Schluss zu, Scharoun habe den Weg der ‚inneren Emigration‘ gesucht 
und sei letztlich an der Intransigenz des Systems gescheitert, so zeigt der gleichzeitige Wohnungsbau, 
daß es diesen Weg tatsächlich nie gegeben hat. Umgekehrt läßt die ideelle und künstlerische Vera r-
mung, die Scharouns Siedlungsbauten seit 1934 mitvollziehen, die a bgeschirmte Raumkunst der Pr i-
vathäuser unaufrichtig und prätentiös erscheinen. Hier zeigt sich erneut, daß die Vorstellung vom

342 
unpolitischen, neben dem Regime arbeitenden Architekten dringend der Revision bedarf. Planen und 
Bauen wurde nach 1933 notwendig zur politischen Handlung – nicht nur deshalb, weil sich Behörden 
und Architektenschaft willfährig ‚gleichschalten‘ ließen, sondern auch, weil ‚politikfreie‘ Räume nur 
dort existierten, wo das Regime sie im eigenen Interesse zuließ. Scharouns Beispiel zeigt als eines von 
vielen, daß niemand, der auf die Neutralität dieser Räume vertraute, der Verstrickung in die Wide r-
sprüche des Systems entgehen konnte“ (Tönnesmann, S. 69 f.). 
Scharoun konnte bis 1942 insgesamt 13 Einfamilienhäuser verwirklichen (hauptsächli ch in 
Berlin und Brandenburg, dazu ausführlich Tönnesmann, S.  46-60). Er sah sich zu Konzessi o-
nen an NS -Architekturvorstellungen gezwungen, etwa die Dachgestaltung betreffend. Z u-
gleich gelang es ihm wiederholt, die reaktionäre Ideologie des Bauens durch Ko mpromisse 
zu unterlaufen: Straßenfronten unterschieden sich etwa stilistisch markant von fantasievo l-
len Gartenfassaden. Widersprüche kennzeichneten Scharouns Einfamilienhausbauten, in der 
Innen- wie in der Außengestaltung. Tönnesmann interpretierte sie wen iger als Opposition 
denn als Hinweis auf Distanz zum NS -Regime (Tönnesmann, S.  52); um als Architekt in der 
NS-Zeit arbeiten zu können, sah sich Scharoun zu opportunistischem Verhalten gezwungen: 
„Seine Häuser suchen deprimierende Alltagserfahrungen nicht auszudrücken, sondern zu kompensie-
ren, und sie zeigen sich dort zum Nachgeben gegenüber der Diktatur bereit, wo Kompromißlosigkeit 
die bauliche Realisierung gefährdet hätte“ (Tönnesmann, S. 55). 
Stärker noch als im Bereich der Einfamilienhäuser brachte der  öffentliche Siedlungsbau den 
Architekten Scharoun zwangsläufig in die Nähe zum NS -Regime. Zwischen 1933 und 1940 
konnte er wenigstens sechs Siedlungen und Wohnanlagen in Berlin und in Bremerhaven u m-
setzen (ausführlich dazu Tönnesmann, S.  60-70). Scharoun selbst nahm zu diesen Bauten in 
der Zeit nach 1945 keinen öffentlichen Bezug mehr auf. Das früheste Projekt führte – unter 
neuen Vorzeichen – ein Bauvorhaben in Berlin -Spandau fort, dessen erste Bauphase bereits 
1932 abgeschlossen war. Den Eindruck von Kon tinuität konnte die 1934/35 umgesetzte Pl a-
nung Scharouns nicht verwirklichen; spätere Projekte, wie die Klein - und Mittelhaussiedlung 
in Berlin-Kladow (Bauauftrag 1935), waren noch stärker von „stilistische[m] Opportunismus“ 
(Tönnesmann, S. 66) bzw. dem „Verlust früherer Ideale“ (drittes Siedlungsprojekt in Breme r-
haven, Planung 1938, S. 68) gekennzeichnet. 
Singulär erscheint in Scharouns Œuvre der verwirklichte Bau eines privaten Schwimmbads 
für den Brandenburger Hutfabrikanten Silbermann, den Scharoun geme insam mit Hermann 
Mattern 1937 plante. Die realisierte Anlage neben der Fabrik – für die Kinder Silbermanns, 
die als Juden vom Besuch öffentlicher Badeanstalten ausgeschlossen waren – wurde vermut-
lich nur bis Sommer 1939 genutzt. Das Ensemble bestach durch selbstverständliche Eleganz: 
„Unbehelligt von Auflagen und Einsprüchen, aber wohl auch im Bewußtsein, für Opfer des Regimes 
zu bauen, scheint Scharoun hier für einen Moment zu neuer innerer Freiheit gefunden zu haben“ 
(Tönnesmann, S. 71). 
Scharouns letzte r Bau in der NS -Zeit wurde 1942 ausgeführt. Dokumentiert in seiner Akte 
der RKK – Scharoun war Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste (Mitglieds -Nr. A 
8533, Zeitraum unklar, Belege 1936-1944 – von ihm 1945/46 in den unten genannten Frag e-
bögen nicht erwähnt) – findet sich auf Anfrage vom März 1942 der Verweis auf ein Bauvo r-

343 
haben in Berlin-Reinickendorf der Wohnstädtebaugesellschaft Berlin Charlottenburg. Zudem 
erwähnte Scharoun hier ein Projekt mit der Bezeichnung „500 Mann -Bunker“, das er im Auf-
trag des Generalinspektors für die Reichsleitung/Generalbauleitung „zur Vorlage gebracht“ 
habe (13.03.1942, Anfrage des Landesleiters der Reichskammer der bildenden Künste beim 
Landeskulturwalter Gau Berlin, gesamte tradierte RKK-Akte unter Landesarchiv Berlin, A Rep. 
243-04, 7969 [ Film 148, Bilder 0452 -0490, Zitat Bild 0475]). Für die Berechnung seines Ja h-
resbeitrags wurde von der Reichskammer der bildenden Künste für das Jahr 1935 ein ste u-
erpflichtiges Jahreseinkommen von 6.178,- RM zugrunde gelegt. 
Während der Kriegszeit fertigte Scharoun – der nicht zum Kriegsdienst eingezogen worden 
war – zahlreiche Aquarelle, Bleistift- und Federzeichnungen an (vgl. dazu Threuter). Die En t-
würfe in Form von „Architekturphantasien“ stellten öffentliche Bauten in den Mittelpunkt. 
Es ließen sich zu Hans Scharoun keine Entnazifizierungsakten recherchieren; eine entspr e-
chende Anfrage beim zuständigen Landesarchiv Berlin blieb ohne Treffer. Im Fragebogen der 
Militärregierung gab er im August 1945 ein jährliches Einkommen von 15 -20.000 RM für den 
fraglichen Zeitraum (1933 -1944) zu Protokoll; er verneinte darin alle Fragen nach Mitglie d-
schaften in der NSDAP bzw. in deren Hilfsorganisationen (11.08.1945, Military Government 
of Germany, Fragebogen , Landesarchiv Berlin, C Rep. 124 -02, 12002). Auch im Personalfr a-
gebogen der Stadt Berlin verneinte Scharoun alle Fragen zu Mitgliedschaften in NSDAP und 
der Partei nahe stehenden Organisationen, nannte hier als durchschnittliches Jahresei n-
kommen 12.000 RM und gab unter „Bemerkungen“ an: 
„Entlassung aus dem Angestelltenverhältnis bei der Akademie durch die nationalsozialistische Ve r-
waltung wegen meiner künstlerischen und politischen Einstellung“  (25.02.1946, Personalfragebogen, 
Magistrat der Stadt Berlin, Landesarchiv Berlin, C Rep. 124-02, 12002). 
Scharoun wirkte nach dem Zweiten Weltkrieg als Ordinarius der Fakultät Architektur an der 
Technischen Universität Berlin. Im Zuge eines Antrags der Hochschule für Bildende Künste 
auf Berufung Scharouns als Leiter einer Meisterklasse 1948/49 ebendort hi n hieß es seitens 
der dafür Verantwortlichen (Abteilung für Volksbildung), Studenten der TU Berlin würden 
Scharouns Vorlesungen und Übungen meiden. Des Weiteren wurde eine Ablehnung des A n-
trags politisch begründet: 
„Hinzu kommt, dass die Persönlichkeit von Scharoun in politischer Hinsicht – vorsichtig ausgedrückt – 
mindestens zu einigen Bedenken Anlass gibt“ (16.02.1949, Abteilung für Volksbildung, gezeichnet Dr. 
Kruspi, an Stadtrat May, im Haus, Landesarchiv Berlin, B Rep. 014, 1818). 
Welcher Art die hier erwähnten Bedenken waren, wurde nicht näher erläutert. 
Quellen: 
Landesarchiv Berlin, A Rep. 243-04, 7969 (Film 148) [Personenakte RKK] 
Landesarchiv Berlin, B Rep. 014, 1818 
Landesarchiv Berlin, C Rep. 124-02, 12002 [Personalakte]

344 
Literatur: 
Bürkle, Johann Christoph: Hans Scharoun. Zürich 1993. 
Geist, Johann Friedrich/Kürvers, Klaus/Rausch, Dieter: Hans Scharoun. Chronik zu Leben und Werk. 
Berlin 1993. 
Hoh-Slodczyk, Christine: Scharoun, Bernhard Hans Henry. In: NDB 22 (2005), S. 576-578. 
Herbig, Bärbel: Die  Darmstädter Meisterbauten. Ein Beitrag zur Architektur der 50er Jahre. Dar m-
stadt 2000. 
Tönnesmann, Andreas: Im Dritten Reich. In: Hoh -Slodczyk, Christine et al.: Hans Scharoun – Architekt 
in Deutschland 1893-1972. München 1992, S. 46-77. 
Threuter, Christina: Hans Scharouns Architekturzeichnungen aus der Zeit von 1939 bis 1945. Fran k-
furt am Main 1994.

345 
Robert-Schneider-Straße (H 8), benannt 1947 nach 
Robert Schneider (1875-1945) 
Darmstädter Mundartdichter 
* 6. Dezember 1875 in Darmstadt 
1882-1890 Besuch der Volksschule in Darmstadt 
Ca. 1890-1893 Ausbildung zum Buch- und Steindrucker 
1893-1910 Arbeit als Steindrucker 
1900 Heirat mit Elisabethe Hitter (zwei Kinder) 
1900 erste Veröffentlichungen von Gedichten in Darmstädter Mundart (in lokaler Presse) 
1903 „Heinerblut“ (erster Gedichtband) 
1908 „Heinerblut“ (Band 2) 
Ab 1909 Beiträge im Darmstädter Tagblatt (Pseudonym: Bienche Bimmbernell) 
1910 „Die Wildsau un annern lustige Sache in Hesse-Darmstädter Mundart“ (Humoresken) 
1911 Übernahme einer Zigarrenfiliale in Darmstadt 
1914-1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg als „Frontkämpfer“, Landsturmbataillon Darmstadt (1915 
Kompanie-Feldwebel) 
1919-1920 Tätigkeit (Gehilfe) bei der Zentralstelle für Landesstatistik in Hessen 
1920-1945 Beschäftigung bei der Hessischen Versi cherungsanstalt für gemeindliche Beamte; z u-
nächst aushilfsweise, später als Beamter (Ober-Sekretär) 
1922 „Lyrisches und Lustiges“ 
Seit 1923 (bis zur Auflösung) Mitglied der Darmstädter Freimaurerloge „Johannes der Evangelist zur 
Eintracht“ (schließlich „Meister vom Stuhl“) 
1925 „Gedichte“ 
1925 Mitbegründer der „Hessischen Spielgemeinschaft“ 
1926-1931 Mitglied des Journalisten- und Schriftstellervereins Darmstadt 
Ab 1930 „Sonndagsnachmiddags. Betrachdunge in Hesse -Darmstädter Mundart von Bienche Bim m-
bernell“ 
1933 Lobeshymne auf Hindenburg und Hitler („Bienche Bimmbernell“, Darmstädter Tagblatt) 
1933-1935 Mitglied des Reichsverbands Deutscher Schriftsteller (1935 aufgelöst); Fachgruppenref e-
rent der Untergruppe „Mundartdichtungen“ in der Fachgruppe „Erzähler“ d er Verbandsgruppe 
Darmstadt Gau Hessen-Nassau 
1933-1941 Mitglied der Reichsschrifttumskammer 
1934-1945 Mitglied der NSV [wohl auch des RLB] 
1939 „Kraut un Riewe. Gedichte un Geschichte in Hesse-Darmstädter Mundart“ 
1940 „Därrobst. Gedichtcher un Geschichtcher in Darmstädter Mundart“ 
† 18. Mai 1945 in Darmstadt (Suizid)

346 
Ehrungen: 
1914/18 Eisernes Kreuz I. Klasse und Hessische Tapferkeitsmedaille 
1947 Gedenktafel an Robert Schneiders Geburtshaus in Darmstadt 
1975 Robert-Schneider-Denkmal in Darmstadt 
Wirken in der NS-Zeit 
Robert Schneider, Darmstädter Heimat - und Mundartdichter, der vor allem Gedichte und 
Humoresken veröffentlichte, war während der NS -Zeit als verbeamteter Ober -Sekretär bei 
der Hessischen Versicherungsanstalt für gemeindliche Beamte angestellt. 
Als Schriftsteller war Robert Schneider Mitglied der Reichsschrifttumskammer (1933 -1941). 
Zudem war er  Mitglied des Reichsver bands Deutscher Schriftsteller, bis dieser 1935 aufg e-
löst wurde ; er agierte als  Fachgruppenreferent der Untergruppe „Mundartdicht ungen“ in 
der Fachgruppe „Erzähler“ der Verbandsgruppe Darmstadt Gau Hessen -Nassau (BArch Ber-
lin, BDC, R 9361-V/10902). 
„Problematisch und nicht genau zu klären ist Schneiders Verhältnis zum Nationalsozialismus. Zum 
einen beschreibt Robert Stromberger in s einen persönlichen Aufzeichnungen, dass sein Großvater 
Robert Schneider im Dritten Reich quasi Schreibverbot gehabt habe. Zum anderen hat Robert 
Schneider in einer Ausgabe seines „Bienchen Bimbernell [sic!]“ vom 5. Mai 1933 die nationalsoziali s-
tische Herrschaft begrüßt und seine ganze Hoffnung auf Besserung in Hitler und Hindenburg gesetzt. 
Dies war jedoch eine einmalige Veröffentlichung. […] Wir können den Sachverhalt leider nicht en d-
gültig aufklären, weil wir keine Dokumente besitzen, die eine objektive B eurteilung erlauben “ 
(31.05.2011, Provisorische Stellungnahme zum Mundartdichter Robert Schneider, an das Kulturamt, 
Stadtarchivar Peter Engels, StadtA DA, ST 61). 
Wie von Peter Engels korrekt dargestellt, liegen bezüglich Robert Schneiders Einstellung zum  
NS-Regime unterschiedliche Einschätzungen vor – die auf unterschiedlich gearteten Quellen 
basieren. Die erwähnte vielstrophige Ausgabe des „Bienche Bimmbernell“ endet mit folge n-
der Strophe: 
„Hindeburch un Adolf Hitler 
Sinnbild deitscher Aanichkeit! 
Als des Volkes wahre Mittler 
Jetzt un aach for alle Zeit!“ 
Der Beitrag im Darmstädter Tagblatt vom Mai 1933 (StadtA DA, ST 61) wurde als Beleg dafür 
gewertet, dass Robert Schneider dem Nationalsozialismus nahe gestanden habe (Kautz, 
S. 58 f., 82 f.). Demgegenüber erinnerte sich Schneiders Enkel, Robert Stromberger, in seinen 
Lebenserinnerungen sehr detailliert an einen Besuch des Darmstädter Bürgermeisters [ve r-
mutlich OB Otto Wamboldt, HK] im gleichen Jahr. Strombergers Erinnerung nach habe sein 
Großvater in dem Gespräch auf seine schriftstellerische Freiheit verwiesen und im Anschluss 
sich selbst ein „Schreibverbot“ auferlegt (Stromberger, S.  71 ff.). Nun war Stromberger 1933 
drei Jahre alt und – wie er selbst schrieb – bei dem Gespräch nicht direkt zugegen. Tats äch-
lich wurde Schneiders sehr erfolgreiche Kolumne „Bienche Bimmbernell“ allerdings eing e-

347 
stellt (ob dafür Schneider selbst verantwortlich zeichnete, ließ sich nicht verifizieren); anläs s-
lich einer Jubiläumsaugabe 1938 erschien „vum Bienche Bimmbernell“ noc hmals der eher 
unpolitische Beitrag „Wie de Datterich in de Himmel kumme is“ (DT vom 23.10.1938, 200 
Jahre Darmstädter Tagblatt; siehe auch ‚Därrobst [1940]‘, S. 12-20). 
Die von Robert Schneider während der NS -Zeit veröffentlichten Mundart -Gedichtbände 
„Kraut un Riewe “ (1939) und „Därrobst“ (1940) sind weitgehend frei von NS -Jargon; inhalt-
lich erscheinen die Beiträge in der Regel unpolitisch. Als politisch zu deutendes Gedicht ließe 
sich „Deitscher Friehling“ (veröffentlicht 1940 in „Kraut un Riewe“, S.  21 f., Zeit der Verfa s-
sung unklar) bezeichnen, dessen dritte Strophe lautete: 
„Deutsches Härz, du host erdrage 
Viele Johrn der Nod und Schmach, – 
Loß die falsche Welt drum sage 
Was se immer sage mag. 
Guck, en neier Himmel blaue 
Will jetzt iwwer’s deitsche Land 
Hab drum Hoffnung und Verdraun, 
Dann wärd lug un Drug zu Schand. 
Hab Gedult, es wärd allmehlich 
Heller jetzt uff Schritt un Dritt, 
Deitsches Härz, sei deshalb freehlich, 
Blieh un sing un frei dich mit!“ 
Aus dem tradierten Bestand der Reichsschrifttumskammer (hierzu und zum Folgenden BArch 
Berlin, BDC, R 9361 -V/10902) geht hervor, dass Robert Schneider in den Jahren 1936 und 
1937 rund 1.000, - RM aus schriftstellerischer Tätigkeit einnahm; 1940 waren es noch rund 
300,- RM. Aufgrund seiner Angaben wurde Schn eider 1941 aus der Mitgliedschaft zur Gru p-
pe der Schriftsteller entlassen, da er die Vorgaben für „Berufsschriftsteller“ nicht (mehr) e r-
füllte (die Entlassung wurde ausdrücklich formal begründet, Mitgliedschaft gelöscht: 
11.10.1941). Aus den überlieferten Dokumenten geht weiterhin hervor, dass Schneider seit 
1934 Mitglied der NSV war und sich sonst keiner NS -Organisation zurechnete. In einem Fr a-
gebogen aus dem Jahr 1938 gab er seine Mitgliedschaft zur Loge „Johannes der Evangelist 
zur Eintracht in Darmstadt“ mit dem Zusatz „Meister“ zu Protokoll. 
Schneiders Zugehörigkeit zur genannten Loge spielte auch bei seiner Beurteilung durch die 
Gestapo Darmstadt eine Rolle: „Gegen Schneider liegt – ausser seiner früheren Zugehöri g-
keit zu einer Loge – in politischer Be ziehung nichts Nachteiliges vor. Ruf und Leumund sind 
gut“, hieß es auf Anfrage der Reichsschrifttumskammer  (29.06.1938, Betreff: Obersekretär 
Robert Schneider, Gestapo, Staatspolizeistelle Darmstadt ). Die zuständige NSDAP -Stelle b e-
scheinigte auf die gleiche Anfrage, dass Schneider kein NSDAP-Mitglied war und nur der NSV 
sowie dem RLB angehört habe. Schneiders politische Haltung wurde (aus Sicht der NSDAP) 
kritisch beurteilt: 
„Vor der Machtübernahme stand er den Demokraten nahe. Er war Mitglied der Freimaur erloge ‚Jo-
hannes der Evangelist zur Eintracht‘ in Darmstadt bis zur Auflösung und war zuletzt Meister vom

348 
Stuhl. Das Verhalten des Schneider läßt noch zu wünschen übrig. Die Volksgemeinschaft lehnt er ab. 
Den Deutschen Gruß erwidert er nur ungern. Die poli tische Zuverlässigkeit kann nicht bejaht wer-
den“ (12.05.1938, NSDAP Gauleitung Hessen -Nassau, an die RSK Berlin -Charlottenburg, Hervorh e-
bung im Original). 
Die 1947 erfolgte Umbenennung einer Straße nach Robert Schneider in Darmstadt war b e-
reits 1945 vorgeschlagen worden, mit folgender Begründung: 
„[…] er war Dichter, Demokrat und Freimaurer und ist – daran kann kein Zweifel bestehen – ein Op-
fer des Krieges geworden“ (09.10.1945, Betreff: Nazismus und Militarismus, an Oberbürgermeister – 
Hauptverwaltung, Abt. für Gewerbewesen [unterzeichnet: Rüthlein], StadtA DA, Straßenbenennu n-
gen I (bis 1951) [ehemals 62.32.01]). 
Es ließen sich zu Robert Schneider, der im Mai 1945 Suizid beging, keine Entnazifizierungsa k-
ten recherchieren. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/10902 
HStAD, R 4 Nr. 23086 
StadtA DA, ST 61 Schneider, Robert 
StadtA DA, Straßenbenennungen I (bis 1951) [ehemals 62.32.01] 
Literatur: 
Esselborn, Karl: Robert Schneider, 1875 -1945, Mundartdichter. In: Hessische Lebensläufe. Darmstadt 
1979, S. 425-428 [Erstveröffentlichung 1926]. 
Deppert, Fritz: Schneider, Robert. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 798. 
Kautz, Fred: „Weh der Lüge! Sie befreiet nicht“. Der Umgang mit der NS-Vergangenheit im „Stadtlexi-
kon Darmstadt“. Ein deutsches Beispiel. Lich 2008. 
Schneider, Robert: Kraut un Riewe. Gedichte un Geschichte in Hesse -Darmstädter Mundart. Dar m-
stadt ²1951 [Erstveröffentlichung 1939]. 
Schneider, Robert: Därrobst. Gedichtcher un Geschichtcher in Darmstädter Mundart. Darmstadt 
1940. 
Stromberger, Robert: Aus dem Bub werd nix. Lebenserinnerungen. Darmstadt 2010.

349 
Schwippertweg (F 9), benannt 1978 nach 
Hans Schwippert (1899-1973) 
Architekt 
* 25. Juni 1899 in Remscheid 
1917 Abitur, Kriegshilfsdienst in der Landwirtschaft 
1918 Teilnahme am Ersten Weltkrieg als Soldat 
1920-1924 Studium der Architektur an den THs in Hannover, Darmstadt und Stuttgart 
1924 Diplomarbeit an der TH Stuttgart bei Paul Schmitthenner; Praktika in Holzwerkstätten und A r-
chitekturbüros, etwa in Berlin bei Erich Mendelsohn; Möbelentwürfe und Innenraumgestaltung 
1927 erstes Wohnhaus (für Eltern in Duisburg) 
1927-1934 Lehrtätigkeit an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Aachen 
1928 Heirat mit Lies Eisinger (Scheidung 1934) 
1928-1934 Mitglied des Werkbunds 
1930 Katalog „Neuer Hausrat“ 
Ca. 1931-1943 Aufträge für den Kunst-Dienst Dresden bzw. Berlin 
1932-1939 zwölf Einfamilienhäuser, davon allein acht in Aachen 
1934 „Über die Wiedervereinigung der Baukunst mit den freien Künsten“ 
1934/35 Assistentenstelle für Entwurf- und Zeichenübungen an der TH Aachen 
Ca. 1934-1945 Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste 
Ca. 1936-1945 Mitglied der Reichsdozentenschaft 
1936-1946 Lehrtätigkeit im Bereich Handwerkskunde und Freihandzeichnen an der TH Aachen 
1936-1945 Mitglied der NSV 
1937 St. Michaels-Altar im Pavillon „Catholique Pontifical“ als Beitrag zur Weltausstellung in Paris 
1938 Veröffentlichung „Schwippert Hausrat 1938“ 
1938-1942 Mitarbeit an „Deutsche Warenkunde“ 
1938-1943 Entwürfe für Behelfsheime mit Möblierungsvarianten 
1940 „Gerät und Volk“ (Vortragsmanuskript) 
1942 „Von Wohnzeug und Werkzeug“, „Die Bank“, „Der Stuhl“ 
1943 Dissertation an der TH Aachen, „Wertware und Werkkunde“ 
1943/44 Habilitation an der TH Aachen, „Von Werklehre und Werkerziehung“ 
1944/45 Bürgermeister in Aachen (zivile Übergang sregierung); kommissarischer Leiter des Bauamts 
der Stadt Aachen 
1946 kommissarische Leitung der Architekturklasse an der Kunstakademie in Düsseldorf 
1946-1961/68 Professur für Werklehre und Wohnbau an der TH Aachen (unterschiedliche Angaben) 
1948/49 Bau des ersten Deutschen Bundestags in Bonn 
1950 Heirat mit Gerdamaria Terno

350 
1950 Gründungsmitglied des Bundes Deutscher Architekten (BDA) 
1950-1963 Nach Wiedergründung des Deutschen Werkbunds dessen erster Vorsitzender 
1950/51 Bau des Großkraftwerks „Anna“ in Eschweiler 
1951/52 Beteiligt an den Darmstädter Gesprächen „Mensch und Technik“ sowie „Mensch und Raum“ 
1952 Gründungsmitglied des Rats für Formgebung 
1953-1971 verschiedene Kirchbau-Projekte (Wiederaufbau, Ausbau, Neubau), Wohnhäuser und Ve r-
waltungsgebäude 
1954/55 Wohnhaus für den Generalintendanten Gustav Rudolf Sellner in Darmstadt 
1957 Wohnhochhaus im Hansa-Viertel in Berlin (im Zuge der „Interbau“) 
1958 Konzeption des deutschen Beitrags „Städtebau und Wohnen“ zur Weltausstellung in Brüssel 
1958-1960 Georg-Büchner-Gymnasium in Darmstadt (erster Entwurf bereits 1951) 
1959-1966 Direktor der Staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf 
1960-1968 Wohnhochhäuser für Studenten in Aachen 
1967-1973 Geschirr- und Besteckentwürfe für die Firma Carl Pott in Solingen 
† 18. Oktober 1973 in Düsseldorf 
Ehrungen: 
1935 Ehrenkreuz für Frontkämpfer (verliehen „Im Namen des Führers und Reichskanzlers […] in Eri n-
nerung an den Weltkrieg 1914/18“) 
1937 Ehrenurkunde [zweithöchste Auszeichnung nach Grand Prix] anlässlich der Weltausst ellung in 
Paris für „Deutschen St.-Michael-Altar“ (im Pavillon Catholique Pontifical) 
1954 Verdienstkreuz des Deutschen Roten Kreuzes 
1957 Großer Staatspreis NRW 
1959 Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 
Mitglied zahlreicher Akademien und ähnlicher Zusammenschlüsse 
Wirken in der NS-Zeit 
Hans Schwippert, Architekt und Gestalter, der nach 1945 als Architekt der jungen Bundesr e-
publik reüssierte, agierte in der NS -Zeit als Architekt und Hochschullehrer ( nicht zu verwech-
seln mit seinem jüngeren B ruder, dem Bildhauer Kurt Schwippert ). Als sein bekanntestes 
Bauwerk gilt der Deutsche Bundestag in Bonn (1948/49); in Darmstadt war er zu Beginn der 
1950er Jahre an den Darmstädter Gesprächen beteiligt und zeichnete unter anderem für den 
Bau der Georg -Büchner-Schule verantwortlich (1958 -1960). Wenngleich Schwippert weder 
Mitglied der NSDAP war noch der NS -Ideologie nahegestanden zu haben schien, standen die 
Veröffentlichungsorgane, in denen er publizierte, spätestens ab 1938 nachweislich im Dienst 
der NS-Propaganda. 
Schwipperts Wirken in der NS -Zeit wurde in der Biografie von Agatha Buslei -Wuppermann 
(Dissertation, veröffentlicht 2007) thematisiert und im Beitrag von Christopher Oestereich 
(2010 [a]) nochmals ausführlich kritisch diskutiert, wobei hierzu di e unten genannten zentra-

351 
len Quellenbestände herangezogen und ausgewertet wurden. Im umfangreichen Katalog zu 
Hans Schwippert aus dem Jahr 2010 finden sich zudem wichtige Texte Schwipperts kommen-
tiert abgedruckt (Oestereich 2010 [b]). 
Tenor des Forschungsstands zu Schwipperts Wirken in der NS -Zeit ist, dass er weder NSDAP -
Mitglied war noch der NS -Ideologie nahe stand, in seinem Schaffen aber zu weitreichenden 
Kompromissen gegenüber dem NS -Regime bereit war. Agatha Buslei -Wuppermann fasste 
den von ihr konstatierten „Anpassungswillen“ (S. 94) Schwipperts wie folgt zusammen: 
„Als Opportunist wusste er sich der jeweiligen Lage anzupassen, so wie es ihm nützlich erschien. 
Auch stilistisch lehnte er sich vorübergehend an den Repräsentationsstil des ‚Dritten Reiches ‘ an. Es 
gilt als erwiesen, dass sich seine Auftraggeber im Laufe der NS -Zeit in Stellung und Rang steigerten. 
Auftraggeber für seine Möbel für Volkswohnungen war kein Geringerer als Heinrich Himmler“ (Bu s-
lei-Wuppermann, S. 95). 
Schwippert lehrte seit 1927  an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule in Aachen . Nach 
deren Schließung im Frühjahr 1934 begleitete er eine Assistentenstelle für Entwurf- und Zei-
chenübungen an der TH Aachen , wo er ab 1936 einer Lehrtätigkeit im Bereich Handwerk s-
kunde und F reihandzeichnen nachging. Erst 1942 – als er eine Professur vertrat – kam der 
Anstoß zur Promotion, die er 1943 mit einer Dissertation über „Wertware und Werkkunde“ 
erfolgreich abschloss. Noch im gleichen Jahr begann er mit der Habilitation, veröffentlicht 
1944 unter dem Titel „Von Werklehre und Werkerziehung“. Schwippert war als Lehrender an 
der TH Aachen Mitglied der Reichsdozentenschaft und als Architekt Mitglied der Reichs-
kammer der bildenden Künste . Laut eigener Angaben (nach 1945) war er seit 1936 zudem 
Mitglied der NSV. 
Vor 1933 war Schwippert Mitglied des Werkbunds; er trat parteipolitisch nicht in Ersche i-
nung, stand betont konservativ-religiösen Kreisen nahe und arbeitete häufiger in kirchlichem 
Auftrag. Auch nach 1933 schien er sich mit politisch relevanten P rojekten zunächst nicht zu 
beschäftigen. Christopher Oestereich, der besonders intensiv Quellen zu Schwipperts Wirken 
in der NS-Zeit analysiert und kontextualisiert hat, kam daher zu dem Schluss: 
„[…] Schwippert blieb öffentlich vollkommen apolitisch, eine Nähe zu Idee und Politik der Nationalso-
zialisten ist nirgendwo nachweisbar“ (Oestereich [a], S. 78). 
Auffallend erscheint jedoch, dass sich Schwippert – der neben seiner Lehrtätigkeit zwischen 
1932 und 1939 ein Dutzend Einfamilienhäuser baute (Werhahn, S.  83, Buslei-Wuppermann, 
S. 228 f.) – in den Dienst der NS -Propaganda stellte, als Architekt für die Kriegswirtschaft 
tätig war und auch nicht davor zurückschreckte, in NS -Organen zu publizieren, die offen die 
rassenideologisch fundamentierte Siedlungspolitik des NS-Regimes propagierten. 
Wie einige seiner Kollegen aus dem Werkbund (darunter Otto Bartning und Theodor Heuss) 
arbeitete Schwippert von 1931 bis 1943 regelmäßig für den – der Evangelischen Kirche n a-
hen – „Kunst-Dienst“ (KD), der 1928 in Dresden geg ründet worden war (hierzu und zum Fo l-
genden ausführlich und differenziert Dieter Kusske). Der KD wurde 1934 in die Reichska m-
mer der bildenden Künste eingegliedert und diente als ausführendes Organ der Abteilung 
„Evangelische Reichsgemeinschaft christlicher  Kunst“. Von 1937 an fungierte der KD wieder

352 
als selbständiger Verein, allerdings wesentlich im Auftrag des Propagandaministeriums. Die 
Darstellungen in der Sekundärliteratur hinsichtlich der Rolle des KDs in der NS -Zeit schwan-
ken zwischen „Verdrängung und Viktimisierung“ (Kusske, S. 72-102). Spätestens mit der kriti-
schen Untersuchung von Hans Prolingheuer (2001), der den KD als „ mit beachtlichen Gel d-
mitteln, mit Macht- und Weisungsbefugnis ausgestattetes evangelisches Kunstorgan des NS-
Staates“ beschrieb (S. 50), ist die lange vorherrschende und teils weiterhin vertretene De u-
tung des KDs als Ort der inneren Emigration für ehemalige Werkbündler (vgl. Droste „Ve r-
schworene Gemeinschaft“, S.  128 f.) kritisch zu hinterfragen sowie die Darstellung der Mi t-
glieder des KDs als „Opfer“ des NS -Regimes vergleichbar den Juden weitgehend widerlegt 
(Prolingheuer, S.  259). „Mit Gott und Goebbels für ‚christliche Kunst‘ !“ – so ließe sich Pr o-
lingheuers Einschätzung des KDs in der NS -Zeit zugespitzt und in dessen Worten zusamm en-
fassen (S. 11). 
Im Auftrag des KDs und des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda war 
Schwippert für verschiedene Ausstellungen mit verantwortlich. So gestaltete Schwippert den 
Entwurf für Kapelle und Altar des deutschen Beitrags zum „ Catholique Pontifical “ auf der 
Weltausstellung in Paris 1937 (der Vatikan hatte ausgewählten Ländern die Gestaltung von 
Altären ermöglicht; an der Ausführung des deutschen Beitrags waren – dem Konzept der 
Werkgemeinschaft folgend – weitere Künstler beteiligt, Kusske, S. 266). 1939 war er an der 
Ausstellung „Hausrat und Leben“ in Antwerpen beteiligt (Oestereich [a], S.  80). Die Ausste l-
lungsbeteiligungen erfolgten ehrenamtlich (!). Des Weiteren verfasste Schwippert Beiträge 
für die vom KD organisierte „Deutsche W arenkunde“, einer Enzyklopädie von qualitativ 
hochwertigen deutschen Gebrauchsgütern, in Anlehnung an das vom Werkbund 1915 e r-
stellte „Warenbuch“. Seit Ende 1937 war Schwippert Mitarbeiter der „Deutschen Ware n-
kunde“; er wirkte 1937 -1939 im Auftrag des Prop aganda-Ministeriums als Bearbeiter ve r-
schiedener Warengruppen. 
Schwippert veröffentlichte seit 1934 Beiträge in NS -Publikationsorganen. Sein „Plädoyer für 
eine Neuorientierung gestalterischer Arbeit im Sinne einer Integration aller Künste“ (Oest e-
reich [a], S. 80) – eigentlich eine klassische Werkbund -Idee – erschien 1934 unter dem Titel 
„Über die Wiedervereinigung der Baukunst mit den freien Künsten“ (Oestereich [b], S.  525-
528) in der Zeitschrift „Volk im Werden“, die sich der Verbreitung originär national sozialisti-
schen Gedankenguts verschrieben hatte. Der Beitrag war Teil einer Sonderveröffentlichung 
des KDs zum „kommenden Neubau der Nation“, wie es einleitend hieß, und nimmt im G e-
samtwerk eine Ausnahmestellung ein, da er auf den politischen Kontext dezid iert Bezug 
nahm: 
„Dies ist die Hoffnung einer neuen Zeit, daß sie solche Haltung wahrmache. Wie mag sich das braune 
SA.-Gewand vor imitierten Seidentapeten und zwischen Plüschmöbeln und neben jenen ungeheuerl i-
chen Sammlungen von Kitsch, früheren Reiseanden ken oder heutigem angeblichem Kunstgewerbe 
ausmachen? Man sollte nicht einige Stunden marschieren und Kameradschaft üben, um wie nach 
einem anstrengenden Ausfluge in ein ganz anderes Land, nachher wieder in falsche Ansprüche und in 
den aufgelegten Schwinde l vollgestopfter und angeblich gemütlicher Häuser und Wohnungen zum 
Ausruhen zurückzukehren“ (zitiert nach Abdruck, Oestereich [b], S. 527).

353 
Bis zum Beginn  des Zweiten Weltkriegs beweg ten sich Schwipperts Veröffentlichungen 
hauptsächlich um das Thema „Gesamtkunstwerk Bau“ und erschienen auch in Zeitschriften, 
die im Laufe der NS -Zeit verboten wurden (etwa in „Kunst und Nation“). Während des Zwe i-
ten Weltkriegs veröffentlichte er nur mehr in Publikationsorganen, die zu der Zeit als Sprac h-
rohre der nationalsoz ialistischen Ideologie dienten, etwa in der Zeitschrift „Neues Bauer n-
tum“ („fachwissenschaftliche Zeitschrift fü r das ländliche Siedlungswesen“) bzw. in deren 
Beilage „Der Landbaumeister“, wobei der Veröffentlichungskontext sich nur bedingt in der 
inhaltlichen Ausrichtung der Texte widerspiegelte: 
„Schwipperts Publikationstätigkeit in den Kriegsjahren beschränkt sich vollkommen auf Schriften, die 
im Auftrag oder im Dienst der nationalsozialistischen Rasse - und Vernichtungspolitik erscheinen. 
Seine Schriften  selbst weisen demgegenüber keine auch noch so kleine Andeutung auf, ihr Autor 
hätte sich der nationalsozialistischen Ideologie angenähert. Weder im Duktus noch im Inhalt weicht 
er von seinen früheren Positionen ab“ (Oestereich [b], S. 523). 
In der Beilage „Der Landbaumeister“ erschien 1942 eine Reihe mit Aufsätzen von Schwippert 
unter dem Titel „Wohnzeug und Werkzeug“, gedacht als „Aufbau einer bäuerlichen Gerät e-
kunde“, darunter die Beiträge „Bank“ und „Stuhl“ (hierzu und zum Folgenden Oestereich [b], 
S. 534-538; Varianten der genannten Beiträge nahm Schwippert in seine Habilitation auf). Im 
folgenden Jahr erschienen unter seinem Namen zwei Mappenwerke mit Konstruktionszeic h-
nungen zu einfachen Möbeln (zur „Herstellung von Primitivmöbeln und Notgeräten der S ied-
lerselbsthilfe“): „Ländliche Möbel in einfacher Herstellung“ sowie „Behelfsmöbel in 
Selbstherstellung“ – beide herausgegeben vom „Reichskommissar für die Festigung deu t-
schen Volkstums“, Heinrich Himmler. Einer der Chefplaner der NS -Siedlungspolitik war SS-
Oberführer Prof. Konrad Meyer -Hetling, seines Zeichens Herausgeber der Zeitschrift „Neues 
Bauerntum“. Christopher Oestereich hob diesen Kontext in seiner Beurteilung von Schwi p-
perts Wirken in der NS -Zeit hervor (nach dem Verweis auf weitere ehemalige Mi tglieder des 
Werkbunds in Diensten des NS -Regimes, hinsichtlich der Siedlungspolitik vor allem bezogen 
auf die Kriegszeit): 
„Die nationalsozialistische Siedlungsp olitik ist ebenso wenig  unpolitisch wie Industriebau oder Wi e-
deraufbau; ihr Charakter ist jedo ch vielmehr verbrecherisch per se. Ihre Voraussetzungen – Vertrei-
bung und Mord – gehören ebenso zu der deutschen Politik im Krieg wie sie eine Funktion im gesa m-
ten großen Plan des Völkermordens besitzt. Dies ist der Hintergrund, vor dem Schwippert im Auftr ag 
der SS Möbelentwürfe für den Bedarf ländlicher Siedler veröffentlicht“ (Oestereich [b], S. 523 f.). 
Der Beginn des Kriegs 1939 beeinträchtigte Schwipperts berufliche Tätigkeit erheblich. Seine 
Lehrtätigkeit wurde stark eingeschränkt; private Bauaufträge , die er wie erwähnt bis 1939 
ausführte, stellten keine Einnahmequelle mehr dar. „Von Herbst 1939 bis zum Frühjahr 1940 
war Hans Schwippert neben seiner Arbeit an der TH vor allem mit Auslandspropaganda b e-
schäftigt“, resümierte Oestereich ([a], S.  82; auch zum Folgenden). Als Referent und Berater 
war er für das „Deutsche Frauenwerk“ und für das BDM -Werk „Glanz und Schönheit“ tätig. 
Im Mai 1940 bot er sich dem Luftwaffenführungsstab in Berlin an („Wehrbetreuung“ bei der 
Truppe). Schwippert war aber auch weit er als Architekt tätig: Er plante um 1943/44 Notu n-
terkünfte für die Montanblock-Baustab GmbH der „Reichswerke Hermann Göring“ und 1944

354 
für die Rüstungsindustrie. Im Frühjahr 1944 wurde Schwippert mit der Bauleitung im Zuge 
der Verlegung der Veltrup-Werke von Aachen und Werl in Tunnel nahe der belgischen Gre n-
ze betraut (Bauvorhaben „Steinershall Dompfaff 209“); das Unternehmen Veltrup spielte 
eine zentrale Rolle bei Entwicklung und Produktion von Jagdflugzeugen. Der Einsatz Dutze n-
der sogenannter „Ostarbeiter “ lag laut einer Notiz von Schwippert vom Juli 1944 nicht in 
seiner Verantwortung; durchgeführt wurde die Maßnahme von der OT-Einsatzgruppe Ruhr. 
Schwippert nutzte seine unterschiedlichen Betätigungsfelder, um nicht in den Kriegsdienst 
als Soldat eingezogen zu werden. Anfangs schützte ihn sein Einsatz als Frontkämpfer im Er s-
ten Weltkrieg, für den er 1935 noch ausgezeichnet worden war (Buslei -Wuppermann, S. 26). 
Ab 1940 ließ er sich vom KD und von der „Deutschen Warenkunde“ in mehreren Schreiben 
bestätigen, dass er als Mitarbeiter unabkömmlich sei (Breuer, S.  243, Werhahn, S.  320; vgl. 
zu Schreiben seitens der TH Aachen Buslei -Wuppermann, S. 26). In einem im Universitätsa r-
chiv der RWTH Aachen tradierten Schreiben aus dem Jahr 1943 hieß es: 
„[…] laut vorliegen der Belege ist Dipl. -Ing. Schwippert durch den Reichskommissar für die Festigung 
des Deutschen Volkstums und durch den Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei mit Sonde r-
aufgaben betraut“ (05.05.1943, Schreiben der TH Aachen an das Wehrdienstkommando  Aachen, 
zitiert nach Buslei-Wuppermann, S. 95). 
Schwippert wurde demnach – wenn er in Aachen weilte – zum Werkluftschutzdienst der 
Hochschule herangezogen; der Einberufung zur „Heimatflak“, die Ende April 1943 vorlag, 
konnte er aufgrund des Schreibens  hingegen entgehen. Nach dem Ende der NS -Herrschaft 
im Raum Aachen war er von November 1944 bis März 1945 Bürgermeister und bekleidete 
das Amt des kommissarischen Leiters des Bauamts der Stadt Aachen. Er wurde ins Oberpr ä-
sidium berufen und übernahm bis Novembe r 1946 die Abteilung Bauwesen, aus der das 
Wiederaufbauministerium des Landes NRW hervorgehen sollte (Buslei -Wuppermann, S. 27). 
Im Juni 1946 zog er nach Düsseldorf, behielt aber eine kleine Wohnung in Aachen, wo er 
bereits im April 1946 zum Ordentlichen Professor an der RWTH ernannt worden war. 
Schwipperts nach außen vertretene Selbstwahrnehmung seiner Rolle in der NS -Zeit deutete 
sich in einem Vortrag an, den er 1964 anlässlich einer Ausstellungseröffnung hielt: 
„Ich gedenke der Zeit, da ein verschworener  Trupp, im Kunstdienst Berlin getarnt, gemeinsam die 
1000 Jahre durchschritt“ (zitiert nach Oestereich [a], S. 78). 
Zu Lebzeiten Schwipperts fand keine kritische Aufarbeitung der Rolle des KDs in der NS -Zeit 
statt. Schwippert selbst äußer te sich öffentlich nicht zu seiner persönlichen Verstrickung mit 
dem NS-Regime in der oben genannten Form (zu Äußerungen, in denen sich Schwippert als 
Vorsitzender des wieder gegründeten Werkbunds für die Übernahme kollektiver Verantwo r-
tung allgemein einsetzte, vgl. Oestere ich [a], S.  84). Christopher Oestereich beschrieb das 
„System der informell verschworenen Mitläufer“, das nahezu die gesamte technische Elite 
der Architekten umfasste, um mit Blick auf Schwippert zu folgendem Schluss zu gelangen: 
„Hans Schwippert zeigte eb enfalls das typische Verhaltensmuster des oberflächlich unbela s-
teten, doch durchaus nicht gänzlich unbeteiligten vormaligen NS -Volksgenossen. Er bekan n-

355 
te sich nie zu seinen Tätigkeiten für die SS oder für die Rüstungsproduktion. Seine Publikat i-
onen waren nicht zu leugnen; die Organe, in denen sie erschienen waren, jedoch mit Beilä u-
figkeit zu verschleiern“ (Oestereich [a], S. 84). 
Auf Anfrage ließen sich im LAV NRW keine Entnazifizierungsakten recherchieren; im unten 
genannten Bestand fanden sich aber Unterl agen zu seinem Entnazifizierungsverfahren. Er 
gab in seinem Meldebogen zu Protokoll, „in künstlerischer Tätigkeit beschränkt gewesen zu 
sein“ (zitiert nach Buslei -Wuppermann, S.  28); für seine politische Integrität konnte er mit 
Mies van der Rohe (Chicago) und August Hoff (Köln) glaubwürdige Zeugen benennen. 
Quellen: 
Deutsches Kunstarchiv Nürnberg (im Germanischen Nationalmuseum), Nachlass Hans Schwippert 
[Bestand noch unverzeichnet] 
LAV NRW R, NW 355 Nr. 275 [alte Signatur: Hauptstaatsarchiv NRW Düsseldorf, NW 355 Nr. 275] 
UA RWTH Aachen, PA 5748 
Literatur: 
Breuer, Gerda/Mingels, Pia/Oestereich, Christopher (Hrsg.): Hans Schwippert 1899-1973. Moderation 
des Wiederaufbaus. Berlin 2010. 
Buslei-Wuppermann, Agatha: Hans Schwippert 1899-1973. Von der Werkkunst zum Design. München 
2007 [Dissertation]. 
Droste, Magdalena: Der Kunst Dienst. Kunsthandwerk und Design zwischen Kirche und NS -Staat. In: 
Die nützliche Moderne. Graphik & Produ kt-Design in Deutschland 1935 -1955. Münster 2000, S.  116-
130. 
Kusske, Dieter: Zwischen Kunst, Kult und Kollabora tion. Der deutsche kirchennahe „Kunst -Dienst“ 
1928 bis 1945 im Kontext. Bremen 2013. 
Oestereich, Christopher [a]: „Die 1000 Jahre durchstehen“? Hans Schwippert im Dritten Reich. In: 
Breuer, Gerda (Hrsg.): Hans Schwippert 1899 -1973. Moderation des Wieder aufbaus. Berlin 2010, 
S. 76-86. 
Oestereich, Christopher [b]: Schriften und Äußerungen 1928-1973. Eine Anthologie. In: Breuer, Gerda 
(Hrsg.): Hans Schwippert 1899-1973. Moderation des Wiederaufbaus. Berlin 2010, S. 480-679. 
Prolingheuer, Hans: Hitlers fromme Bilderstürmer. Kirche und Kunst unterm Hakenkreuz. Köln 2001. 
Werhahn, Charlotte M. E.: Hans Schwippert (1899 -1973). Architekt, Pädagoge und Vertreter der 
Werkbundidee in der Zeit des deutschen Wiederaufbaus . München 1987 [Dissertation].

356 
Elisabeth-Selbert-Straße (G 9), benannt 1989 nach 
Elisabeth Selbert (1896-1986) 
Politikerin und Juristin 
* 22. September 1896 in Kassel (geb. Rhode) 
1903-1907 Besuch der Volksschule 
1907-1912 Besuch der Amalienschule (Mädchen-Mittelschule) 
1912-1913 Besuch der Gewerbe- und Handelsschule des Frauenbildungsvereins Kassel 
1913-1914 Auslandskorrespondentin einer Kasseler Import- und Exportfirma 
1916-1921 Postbeamtenanwärterin bzw. Postbeamtin im Telegraphendienst der Reichspost 
1918 Eintritt in die SPD 
1918-1933 Mitglied des Bezirksvorstands der SPD in Kassel 
1919-1925 Mitglied des Gemeindeparlaments in ihrem Wohnort Niederzwehren bei Kassel 
1919 Beginn des Engagements für politische Bildung von Frauen und für Gleichberechtigung (Vortr ä-
ge, Veröffentlichungen) 
1920 Heirat mit Adam Selbert (zwei Kinder) 
1920 aktive Teilnahme an der Reichsfrauenkonferenz in Kassel (als Delegierte der SPD) 
1924 Delegierte der SPD-Frauenkonferenz in Berlin 
1925 (externes) Abitur an der Kasseler Luisenschule 
1926-1929 Studium der Rechts - und Staatswissenschaften an den Universitäten in Marburg (als ei n-
zige Frau) und in Göttingen (als eine von fünf Frauen) 
1930 Promotion in Göttingen, „Ehezerrüttung als Scheidungsgrund“ 
1933 Reichstags-Kandidatur für hessische SPD auf Landesliste 
1933 Erwirken der Freilassung ihres Mannes aus dem KZ Breitenau 
1934 Zweites Staatsexamen in Berlin; gegen NS-Widerstand Zulassung zur Anwaltschaft 
1934 Übernahme der Kanzlei zweier jüdischer Rechtsanwälte in Kassel; bis 1945 für den Unterhalt 
der Familie maßgeblich verantwortlich 
1934[36]-1945 Mitglied des NSRB 
1938-1945 Mitglied der NSV 
1938-1945 Mitglied des RLB 
1943 Zerstörung der Kanzlei bei Bombenangriff auf Kassel 
1944 Umzug in ein Hotel nach Melsungen 
1945 Wiederöffnung der Kanzlei (nun auch Zulassung als Notarin); politisch zunächst im „Überparte i-
lichen Ausschuß“ der Stadt Kassel aktiv 
1945-1953 Mitglied im Bezirks- und Parteivorstand der SPD Hessen-Nord 
1946-1952 Stadtverordnete in Kassel 
1946-1958 Mitglied des Hessischen Landtags

357 
1948/49 Mitglied im Parlamentarischen Rat (Ausarbeitung des Grundgesetzes der künftigen BRD) 
1949 Kandidatur für Sitz im ersten Deutschen Bundestag (scheiterte knapp) 
1958-1981 Tätigkeiten als Rechtsanwältin 
† 9. Juni 1986 in Kassel 
Ehrungen: 
1956 Großes Bundesverdienstkreuz 
1969 Wappenring der Stadt Kassel 
1978 Wilhelm-Leuschner-Medaille 
seit 1983 Elisabeth-Selbert-Preis der hessischen Landesregierung für wissenschaftliche und journali s-
tische Arbeit im Geiste der Gleichstellung von Mann und Frau 
1984 Ehrenbürgerin der Stadt Kassel 
Zahlreiche Straßen und Schulen in Deutschland tragen ihren Namen 
Wirken in der NS-Zeit 
Elisabeth Selbert, Juristin und Politikerin, bekannt als eine der vier „Mütter des Grundgese t-
zes“ und als „Anwältin der Gleichberechtigung“, war während der NS-Zeit als Rechtsanwältin 
in Kassel tätig. 
Das Wirken von Elisabeth Selbert in der NS -Zeit wurde in der unten stehenden Literatur b e-
reits eingehend thematisiert, zentrale Quellenbestände – wie etwa Selberts Nachlass im A r-
chiv der deutschen Frauenbeweg ung sowie Interviews nach 1945 – wurden von den Aut o-
rinnen ausgewertet. 
Selberts eigenen Angaben im Meldebogen des Entnazifizierungsverfahrens folgend 
(HHStAW; Angaben decken sich weitgehend mit jenen aus anderen Quellen, auf die bereits 
in der Literatur B ezug genommen wurde) war Selbert als Rechtsanwältin ungefähr seit 1934 
Mitglied des NSRB [wobei der NS Rechtswahrerbund erst 1936 aus dem „Bund Nationals o-
zialistischer Deutscher Juristen“ hervorging]. Selbert war demnach seit 1938 Mitglied der 
NSV und des RLB sowie seit 1940 Mitglied des Deutschen Frauenwerks. 
Selberts Mann, Adam Selbert, wurde 1933 als stellvertretender Bürgermeister von Niede r-
zwehren bei Kassel (dem Wohnort der Familie Selbert) entlassen und im Sommer des gle i-
chen Jahres als „Staatsfeind“  (er galt als „Roter“) einen Monat im KZ Breitenau in „Schut z-
haft“ festgehalten (Drummer/Zwilling 1999, S. 48; Notz verortete ihn fälschlicherweise „ein i-
ge Monate im KZ in Weidenau“). Elisabeth Selbert erwirkte mit „juristischen Argumenten“ 
(Drummer/Zwilling 2010) seine Freilassung; Adam Selbert stand während der NS -Zeit unter 
Aufsicht der Gestapo. 
1934 legte Elisabeth Selbert in Berlin das zweite juristische Staatsexamen ab (laut Dru m-
mer/Zwilling im Oktober, laut Notz im Frühjahr) und beantragte nach besta ndener Prüfung 
ihre Zulassung als Rechtsanwältin. Zu der Zeit war bereits abzusehen, dass Frauen generell 
von Berufen in der Justiz ausgeschlossen werden sollten. Im Juli 1934 trat eine neue Justi z-

358 
ausbildungsverordnung in Kraft, im Dezember 1934 das Gesetz  zur Änderung der Rechtsa n-
waltsordnung, woraufhin Frauen als Anwälte nicht mehr zugelassen wurden (1935 wurden 
nur mehr Anträge männlicher Bewerber positiv beschieden). Dennoch erhielt Selbert am 
15.12.1934 die Zulassung zur Anwaltschaft – gegen den Willen  des Präsidenten des Reich s-
justizprüfungsamts, der Rechtsanwaltskammer sowie des Gauleiters (hierzu und zum Fo l-
gende Drummer/Zwilling 1999, S.  51, Notz, S.  84 f.). Der Präsident des Oberlandesgerichts 
befand sich auf Dienstreise; zwei ältere Richter des Kasseler Oberlandesgerichts, die Selberts 
Vater als Justizbeamten und wohl auch sie selbst gut kannten, händigten ihr in Vertretung 
ihre Zulassung aus. Da Adam Selbert während der NS -Zeit ohne großen Verdienst blieb (er 
war 1933/34 in den Ruhestand versetzt worden, erhielt nur eine kleine Rente und arbeitete 
zeitweise in der Kanzlei seiner Frau), zeichnete Elisabeth Selbert bis 1945 maßgeblich für das 
Familieneinkommen verantwortlich. 
Im Dezember 1934 bezog Selbert eine Kanzlei in guter Lage. Die Sozietät hat te zuvor zwei 
jüdischen Rechtsanwälten gehört, die sich zur Emigration gezwungen sahen. Laut Gisela 
Notz, die sich auf Aussagen Selberts stützte, hatte Selbert den Voreigentümern die Einric h-
tungsgegenstände ordnungsgemäß bezahlt, „[d]ie Praxisübernahme hat  sie korrekt abgew i-
ckelt und sich auch nicht finanziell bereichert“ (Notz, S.  86). Allerdings profitierte Selbert von 
der Emigration der jüdischen Kollegen, worauf Heike Drummer und Jutta Zwilling in ihrer 
Einschätzung verwiesen: 
„Elisabeth Selbert vereinf acht im Rückblick ihre Darstellung, indem sie lediglich die für Geld erwo r-
benen Einrichtungsgüter und Bücher aus jüdischem Besitz erwähnt. Denn realiter übernimmt sie 
1934 die komplette Sozietät von Karl Elias und Leon Roßmann am Königsplatz 42. […] Trotz ihrer gro-
ßen Abscheu gegen Ausgrenzung und Antisemitismus profitiert Elisabeth Selbert von der Verjagung 
ihrer Kollegen und hat als berufsunerfahrene Anwältin einen ausnehmend günstigen Karrierestart“ 
(Drummer/Zwilling 1999, S. 52 f.). 
In der Zeit nach 194 5 setzte sich Selbert in der Debatte um das „Treuhändergesetz“ im He s-
sischen Landtag für diejenigen ein, die „jüdisches Vermögen gutgläubig und loyal erworben“ 
hatten. Andererseits verwies sie wiederholt auf die unrühmliche Rolle der Justiz im „Dritten 
Reich“ und setzte sich dafür ein, dass die (wenigen) zurückgekehrten Juden rasch und unb ü-
rokratisch staatliche Hilfen erhielten (Drummer/Zwilling, S. 53 f., Zitat S. 53). 
In der Folge florierte die Kanzlei. In Interviews nach 1945 erinnerte sich Elisabeth Sel bert 
vornehmlich an Wirtschaftsstraf - und Familienrechtssachen (vgl. Böttger, S.  142 f.). Von g e-
nuin politischen Verfahren (wie Hochverratsprozessen) blieb sie ob ihrer politischen Vorg e-
schichte ausgeschlossen. Drummer/Zwilling beschrieben Selberts Wirken als Anwältin in der 
NS-Zeit dennoch treffend als „Gratwanderung“: Auch familienrechtliche Themen mussten 
unter den Vorgaben des NS -Regimes verhandelt werden; der ideologische Einfluss machte 
selbst vor dem Ehe - und Scheidungsrecht nicht halt – auch wenn Se lbert in der Rückschau 
die Auffassung vertrat, dass Hitler bis 1938 „die Justiz noch nicht erobert“ gehabt habe (Zitat 
Selbert nach Dertinger, S. 18). Ihren eigenen Aussagen folgend versuchte Selbert gemeinsam 
mit einigen Kollegen Widerstand gegen das NS -Regime zu leisten, insofern das möglich war. 
So erreichten sie etwa geringe Strafen, wo Freisprüche möglich erschienen wären – um Ge-

359 
nossen durch Gefängnisstrafen vor dem befürchteten Zugriff der Gestapo zu bewahren ( In-
terview Selbert, siehe Böttger, S. 142). 
Eine ähnliche „Gratwanderung“ erforderte ihre Anwaltstätigkeit in jüdischen Angelegenhe i-
ten (Beurkundungen, Kaufverträge etc.), die sie ihrer Erinnerung folgend emotional stark 
belasteten. Unfreiwillig wurde Selbert zur „Mitseherin, Mithörerin und Mitwis serin des ve r-
brecherischen Handelns während der NS -Zeit“ (Drummer/Zwilling, S.  56). In der Rückschau 
verwies Selbert wiederholt darauf, dass sie für die Versorgung ihrer Familie verantwortlich 
war und sich entsprechend zu Vorsicht gezwungen sah: 
„Aber ich musste natürlich eine gewisse Vorsicht walten lassen, weil ich der Ernährer der Familie war 
und keinesfalls die Existenz aufs Spiel setzen konnte. Aber ich habe keinerlei Kotau gemacht, ich bin 
gelegentlich auch wegen des Hitlergrußes, den ich ablehnte , vor den Präsidenten zitiert worden“ 
(Interview Selbert, siehe Böttger, S. 142). 
1938 trat Selbert (wohl auf Anraten von Freunden) der NSV bei, um nicht weiter aufzufallen. 
Zwischen Juli 1940 und Oktober 1943 vertrat sie als Anwältin mehrere Kasseler Kollegen  (da-
runter auch Georg August Zinn), die in den Kriegsdienst eingezogen worden waren. Ein z u-
sätzliches Einkommen resultierend aus der zusätzlichen Arbeit ließ sich nicht ermitteln. Für 
das Jahr 1943 nannte sie rund 13.000 RM als Jahreseinkommen (HHStAW). Be im verheeren-
den Bombenangriff auf Kassel im Oktober 1943 wurde ihre Kanzlei vollkommen zerstört. 
Selbert arbeitete fortan viel in ihrer Wohnung; die (Arbeits -)Situation war offensichtlich 
zeitweise chaotisch. Als sich die Lage 1944 gefühlt weiter verschlec hterte, entschloss sich 
das Ehepaar Selbert (beide Söhne waren an der Front) vorübergehend im nahe gelegenen 
Melsungen, im Hotel „Lindenlust“, Unterschlupf zu finden. In Melsungen erlebte Elisabeth 
Selbert dann auch das Kriegsende. 
In der Nachkriegszeit ar beitete Selbert als Juristin und Politikerin. Sie war an der Neugrü n-
dung der SPD in Kassel führend beteiligt, übernahm politische Verantwortung in der Stadt - 
und Landespolitik und ist heute bekannt als eine der „Mütter des Grundgesetzes“, wobei sie 
sich vo r allem erfolgreich für die Aufnahme der Gleichberechtigung in die Verfassung ei n-
setzte. 
Im Zuge ihres Entnazifizierungsverfahrens 1946 wurde Elisabeth Selbert als „NB“ [Nicht b e-
troffen] eingestuft, was ihrer Selbsteinschätzung entsprach (HHStAW). 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Stadt, NB S II, Nr. 700 (nur Meldebogen) 
Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung Kassel, Bestand NLP11-ES [nicht eingesehen] 
Literatur: 
Böttger, Barbara: Das Recht auf Gleichheit und Differenz. Elisabeth Selbert und der Kampf der Frauen 
um Art. 3 II Grundgesetz. Münster 1990. 
Dertinger, Antje [Bevollmächtigte der Hessischen Landesregierung für Frauenangelegenheiten]: El i-
sabeth Selbert. Eine Kurzbiographie. Wiesbaden 1986.

360 
Drummer, Heike/Zwilling, Jutta (1999): Elisabeth Selb ert. Eine Biographie. In: Hessische  Landesregie-
rung (Hrsg.): „Ein Glücksfall für die Demokratie“. Elisabeth Selbert (1896 -1986). Die große A nwältin 
der Gleichberechtigung. Frankfurt am Main 1999, S. 9-160. 
Drummer, Heike/Zwilling, Jutta (2010): Selbert, ge borene Rhode, Martha Elisabeth. I n: NDB 24 
(2010), S. 210 f. 
Hessische Landesregierung (Hrsg.): „Ein Glücksfall für die Demokratie“. Elisabeth Selbert (1896-1986). 
Die große Anwältin der Gleichberechtigung. Frankfurt am Main 1999. 
Notz, Gisela: Dr. Elisabeth Selbert. In: Dies.: Frauen in der Mannschaft. Sozialdemokratinnen im Pa r-
lamentarischen Rat und im Deutschen Bundestag 1948/49 bis 1957. Bonn 2003, S. 80-110. 
Selbert, Elisabeth: Rede zur Gleichstellung von Mann und Frau (1949). In: Rathgeb, Eberhard: Di e 
engagierte Nation. Deutsche Debatten 1945-2005. München 2005, S. 57-61.

361 
Henriette-Sennhenn-Straße (D 7), benannt 2002 nach 
Henriette Sennhenn (1919-1996) 
Ärztin 
* 25. März 1919 in Grevenbroich 
1927-1938 wohnhaft in Gürzenich-Düren 
1933-1938 Mitglied des BDM (Nr. 1468293, JM-Führerin) 
1938 Abitur am Gymnasium in Düren 
1938 knapp halbjähriger Dienst beim RAD 
1938-1943 Studium der Medizin an der Universität Köln (wohnhaft in Gürzenich und Köln) 
1941-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 8310819) 
1943 Promotion in Medizin an der Universität Köln, „Zur Spaltung von Peptiden durch menschliche 
Serumenzyme“ 
1943 Übersiedelung als Hilfskassenärztin nach Darmstadt-Arheilgen, wo sie bis zu ihrem Tod lebte 
1943-1949 zunächst Assistentin, dann Teilhaberin in der Pra xis von Dr. Emil Voltz in Darmstadt -
Arheilgen 
Nach 1949 eigene Praxis in Darmstadt-Arheilgen als Allgemeinmedizinerin 
1989 Mitgründerin und Vorstand (bis zu ihrem Tod) des Vereins „Sag ja zum Kind e. V.“ in Darmstadt 
† 27. Dezember 1996 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1981 Bundesverdienstkreuz am Bande 
Wirken in der NS-Zeit 
Henriette Sennhenn, die 1943 als junge Hilfsärztin nach Darmstadt -Arheilgen kam, dort über 
Jahrzehnte als Allgemeinmedizinerin praktizierte und unter anderem beim DRK -Blutspende-
dienst aktiv war,  stammte ursprünglich aus dem Rheinland, wo sie die NS -Zeit als Schülerin 
und Studentin erlebte. Seit 1941 war sie Mitglied der NSDAP. 
„Die Ärztin, die auf Grund ihres Geburtsjahrganges 1919 zu den Jugendlichen zählt, wurde im Jahre 
1943 als Hilfskassenärz tin in Darmstadt-Arheilgen dienstverpflichtet und wie alle im Krieg notdiens t-
verpflichteten Ärzte nach einer Anordnung der Regierung des damaligen Landes Hessen am 
30.9.1945 entpflichtet. Sie ist bis 30.9.1946 als Assistentin dem Dr. med. Voltz in Arheilge n zugeteilt, 
und muß ab 1.10.1946 ihre ärztliche Ausbildung vervollständigen. Für eine eigene Arztstelle kommt 
sie, da in Hessen nicht beheimatet, sondern in die britische Besatzungszone gehörend, vorerst nicht 
in Betracht. Vor 1943 war sie in ihrer Heimat  Düren/Rheinland, sodaß über ihre politische Tätigkeit 
vor 1943 bei uns nichts bekannt ist. Auch aus der Zeit ab 1943 sind keine Unterlagen über eine akt i-
vistische Betätigung im Sinne der NSDAP bei mir bekannt“ (26.09.1946, Vorsitzender der Ärzteschaft 
für den Regierungsbezirk Darmstadt, Dr. [Richard] Hammer [!]). 
Bis 1938 besuchte Henriette Sennhenn das Gymnasium in Düren, das sie mit dem Abitur 
abschloss. Zum Studium zog es sie an die Universität Köln; sie blieb aber zunächst in ihrem

362 
Wohnort Gürzenich (h eute Stadtteil von Düren, rund 35 Kilometer östlich von Aachen) g e-
meldet. In Köln studierte sie zehn Semester Medizin (Physikum 1940, UA Köln) und beendete 
ihr Studium 1943 mit einer Dissertation „Zur Spaltung von Peptiden durch menschliche Se -
rumenzyme“ (veröffentlicht in: Zeitschrift für die gesamte experimentelle Medizin 109 
[1943], S. 742-749). 
Sennhenn war Mitglied des BDM (Nr. 1468293 ); laut Eintrag auf ihrer Matrikelkarteikarte 
seit 01.11.1933 (UA Köln), laut eigener Angaben im Zuge ihres Entnazifizi erungsverfahrens 
war sie im „Jungmädelbund“ 1934-1938 als „JM-Führerin“ (HHStAW). Anfang 1941 beantrag-
te Sennhenn eine Mitgliedschaft in der NSDAP, seit 01.04.1941 wurde sie als Mitglied der 
NSDAP-Ortsgruppe Birgel (einer Nachbargemeinde von ihrem Wohnort Gürzenich) geführt 
(Mitglieds-Nr. 8310819, BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliedskartei). 
Nach ihrer Promotion 1943 gelangte Sennhenn, wie oben in der angefragten Stellungnahme 
von Richard Hammer zu lesen, als notdienstverpflichtete Hilfskassenärztin nach Darm stadt-
Arheilgen, wo sie – zunächst als Assistentin, später als Teilhaberin – in der Praxis von Emil 
Voltz arbeitete, die sie nach dessen Tod 1949 übernahm (StadtA DA, ST 61, Voltz, Emil). Ihr 
Jahresverdienst 1943 -1945 betrug 3.900 RM (HHStAW). Ab November 1944 war auch ihre 
Mutter Amalie in Darmstadt-Arheilgen gemeldet (unter anderer Adresse, laut Meldeangaben 
verwitwet, HStAD, H 3 Nr. 44192). 
Im Zuge ihres Entnazifizierungsverfahrens stufte sich Henriette Sennhenn selbst zunächst als 
„Mitläuferin“ ein, mit  folgender Begründung : „Zwang zur Mitgliedschaft durch Schule und 
später Universität“ (20.04.1946, Meldebogen, HHStAW). Im August berief sie sich – schließ-
lich erfolgreich – auf das in der Presse angekündigte „Amnestie -Gesetz für die Jugend“ 
(Schreiben vom 10.08.1946): Am 21.10.1946 wurde ihr Verfahren mit Verweis auf die „A m-
nestie-Verordnung für Jugendliche vom 19.9.1946“ eingestellt (Stichtag für das Gesetz war 
der 01.01.1919). Im Vordruck der Spruchkammer Darmstadt war zu lesen: „Die Beweisau f-
nahme hat wesentlich Nachteiliges für die Gesamthaltung der Betroffenen nicht ergeben.“ 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliedskartei 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 510366 
HStAD, H 3 Nr. 44192 
StadtA DA, ST 61 Sennhenn, Dr. Henriette 
StadtA DA, ST 61, Voltz, Emil 
UA Köln, Bestand Zugang 489/8 [Matrikelkartei II 1935-1945] 
Literatur: 
---

363 
Georg-Spengler-Straße (E 8), benannt 1953 nach 
Georg Spengler (1884-1940) 
Darmstädter SPD-Politiker 
* 16. April 1886 in Arheilgen 
1920-1933 Vorsitzender der SPD-Arheilgen 
1922 Tod seines Vaters Philipp Spengler (Gründungsmitglied der SPD-Arheilgen) 
1922-1933 Beigeordneter der Gemeinde (Darmstadt-)Arheilgen 
1923 einer der  28 Verhafteten aus Arheilgen im Zuge der „Rhei nischen Republik“ war „Reichsbahn-
bediensteter Georg Spengler, Vorsitzender der SPD und der SPD-Gemeinderatsfraktion“ 
1930 Wiederwahl zum Beigeordneten in Arheilgen (Gegenkandidat: Kommunist) 
1932 Aufruf zur Gründung der „Eisernen Front“ Arheilgen 
1933 Entlassung als Beigeordneter durch NSDAP -Ortsgruppenleiter; Niederlegen des Mandats als 
Gemeinderatsmitglied 
† 5. Mai 1940 in Darmstadt-Arheilgen 
Ehrungen: 
--- 
Wirken in der NS-Zeit 
Georg Spengler, Schlosser und Lokalpolitiker für die SPD in Arheilgen, sah sich im Mai 1933 
zur Aufgabe seiner politischen Aktivität gezwungen. 
Über Georg Spenglers Wirken in der NS -Zeit ließen sich nur wenige Informationen ermitteln. 
Als zentrale Literatur erwies sich die Jubiläumsschrift „ 1878-1978. 100 Jahre Sozialdemokr a-
tie in Arheilgen “ von Georg Mampel aus dem Jahr 1986, in der sic h Spenglers politisches 
Wirken dokumentiert findet – und daher nur wenig Biografisches für die Zeit nach 1933. 
Bis 1933 war Spengler in führender Funktion für die SPD in der Lokalpolitik tätig, seit 1922 
als Beigeordneter in Arheilgen. In einem Rundschreib en Anfang 1932 hatte er seine Reich s-
bannerkammeraden zur Gründung der Eisernen Front in Arheilgen auf gerufen („Wir müssen 
der Stoßtrupp in der [Eisernen] Front sein!“ , 10.01.1932, siehe Mampel, S.  186 f.). Im April 
1933 wurde Spengler gemeinsam mit Bürgerm eister Jakob Jung vom NSDAP -Ortsgruppen-
leiter Julius Birkenstock entlassen (Engels, S.  43, vgl. auch Biografie Jakob Jung, HK). Anfang 
Mai 1933 sahen sich alle acht Gemeinderatsmitglieder der SPD, darunter auch Spengler, d a-
zu gezwungen, ihre Ämter aufzuge ben: „Auf Grund der veränderten Verhältnisse legen die 
Unterzeichnenden ihre Mandate als Gemeind eratsmitglieder hiermit nieder“, hieß es in e i-
ner entsprechenden Erklärung (03.05.1933, zitiert nach Mampel, S. 208). 
Während der NS -Zeit stand Georg Spengler u nter Beobachtung; er musste sich regelmäßig 
(und zwar täglich) auf der Bürgermeisterei melden, wie Georg Mampel berichtete (S. 210).

364 
Es ließen sich für den 1940 verstorbenen Georg Spengler, der in seiner Sterbeurkunde als 
„Hilfswerkführer“ bezeichnet wurde  (Sterberegister Darmstadt -Arheilgen), keine Entnazif i-
zierungsdokumente recherchieren. Es fanden sich im eingesehenen Material keine Hinweise 
auf eine Verflechtung mit dem NS-Regime. 
Quellen: 
Sterberegister Darmstadt-Arheilgen (1940), Nr. 27. 
Literatur: 
Engels, Peter: Arheilgen. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 39-43. 
Mampel, Georg: 1878-1978. 100 Jahre Sozialdemokratie in Arheilgen. Darmstadt 1986.

365 
Reinhold-Staudt-Platz (Q-R 7), benannt 1996 nach 
Reinhold Staudt (1928-1978) 
Politiker 
* 16. September 1928 in Weilmünster 
Besuch der Volksschule in Heppenheim und des Realgymnasiums in Bensheim 
1948 Abitur 
1949-1951 Studium der Evangelischen Theologie an der Universität Heidelberg (drei Semester) 
Ab 1951 Studium der Germanistik, Volkskunde, Soziologie und  Philosophie an der Universität Fran k-
furt am Main 
1952-1956 Verlagsangestellter 
Ab 1955 Redakteur von „Lebendiges Darmstadt“ 
1956-1960 Geschäftsführer des Verkehrs- und Verschönerungsvereins Darmstadt 
1957 Promotion zum Dr. phil., „Studien zum Patenbrauch in Hessen“ 
1960 Eintritt in die SPD; später Mitglied des SPD-Unterbezirksvorstands Darmstadt-Stadt 
1960-1963 Leiter der Pressestelle der Stadt Darmstadt 
1963-1971 Pressereferent und Leiter des Verkehrs- und Werbeamts der Stadt Darmstadt 
1970 Ernennung zum Magistratsdirektor 
1971-1973 Presse- und Kulturreferent der Stadt Darmstadt 
1973-1976 hauptamtlicher Stadtrat für das Dezernat Schule, Jugend und Sport in Darmstadt (SPD; 
Ruhestandsversetzung nach Annahme des Bundestagsmandats) 
Ab 1976 Mitglied der Neuen Darmstädter Sezession 
1976-1978 Mitglied des Deutschen Bundestags für die SPD (Direktkandidat Wahlkreis Darmstadt, bis 
zu seinem Tod) 
1976-1978 Geschäftsführer der Neuen Darmstädter Sezession 
Ab 1977 Ordentliches Mitglied des Sportausschusses und des Aussch usses für Bildung und Wisse n-
schaft im Deutschen Bundestag 
† 11. September 1978 in Darmstadt 
Ehrungen: 
--- 
Wirken in der NS-Zeit 
Reinhold Staudt (verheiratet, vier Kinder), seit 1960 in den Diensten der Stadt Darmstadt, 
Magistratsdirektor, hauptamtlicher St adtrat und bis zu seinem Tod 1978 Mitglied des Bu n-
destags für die SPD, war bei Kriegsende 1945 erst 16 Jahre alt. 
Während der NS-Zeit besuchte Reinhold Staudt zunächst die Volksschule in Heppenheim und 
später das Realgymnasium in Bensheim (Abitur schließli ch 1948). Zu Reinhold Staudts Leben

366 
und Wirken zwischen 1933 und 1945 liegen in den unten genannten Quellen und der g e-
nannten Literatur darüber hinaus keine Informationen vor. 
Quellen: 
HStAD, R 12 P Nr. 6280 [Zeitungsartikel 1973-1981] 
StadtA DA, ST 61 Staudt, Familie 
[http://www.darmstaedtersezession.de/person/reinhold-staudt], Stand: 09.05.2017 
Literatur: 
Dotzert, Roland: Die Darmstädter Kommunalpolitik seit 1945. Darmstadt 2007. 
Staudt, Reinhold: Darmstadt – Porträt einer Stadt. Darmstadt 1967. 
Vierhaus, Rudolf/Herbst, Ludolf (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Mitglie der des Deutschen 
Bundestages 1949-2002, Bd. 2 N-Z. München 2002.

367 
Stauffenbergstraße (K 7), benannt 1968 nach 
Claus Schenk Graf von Stauffenberg (1907-1944) 
Offizier der Wehrmacht und Mitglied des militärischen Widerstands 
* 15. November 1907 in Jettingen 
1913-1916 Besuch einer Privatschule 
Ab 1916 Besuch des Eberhard-Ludwigs-Gymnasiums in Stuttgart (1926 externes Abitur) 
1923 Begegnung mit Stefan George, Aufnahme in dessen Kreis 
1926 Eintritt in das Reiterregiment 17 (später Kavallerie-Regiment 17) in Bamberg 
1927-1928 Besuch der Infanterie-Schule in Dresden  
1928-1929 Besuch der Kavallerie-Schule in Hannover 
1929 Offiziersprüfung (Jahrgangsbester der Kavallerie) 
1930 Beförderung zum Leutnant 
1931 Geschützzugführer beim Kavallerie-Regiment 17 in Bamberg 
1933 Beförderung zum Oberleutnant 
1933 Heirat mit Nina Freiin von Lerchenfeld (fünf Kinder) 
1934-1936 Bereiteroffizier und später Adjutant an der Kavallerie-Schule in Hannover 
1936 Beginn des Studiums an der Kriegsakademie in Berlin; Englandaufenthalte 
1937 Beförderung zum Rittmeister 
1938 2. Generalstabsoffizier (Ib) im Stab der 1. Leichten (ab 1939 6. Panzer -)Division in Wuppertal; 
Teilnahme an der Besetzung des Sudetenlandes 
1939-1943 Kriegsteilnehmer (Polen, Frankreich, Ukraine, Tunesien) 
1940 Hauptmann im Generalstab; Gruppenleiter der Organisationsabteilung im Generalstab des Hee-
res 
1941 Beförderung zum Major im Generalstab 
1942 Einsatz beim Oberkommando des Heeres in Winniza (Ukraine) 
1943 Beförderung zum Oberstleutnant im Generalstab 
1943 Versetzung nach Tunesien als 1. Generalstabsoffizier (Ia) der 10. Panzerdivision; im April schw e-
re Verwundung durch Jagdfliegerangriff; im Juli Entlassung aus dem Lazarett in München; im Oktober 
Ernennung zum Chef des Stabes im Allgemeinen Heereswaffenamt in Berlin unter General Friedrich 
Olbricht 
1943 Einbezug in die militärischen Umsturzversuche und schließlich treibende Kraft des militärischen 
Widerstands („Operation Walküre“-Pläne) 
1944 zum 1. Juli Beförderung zum Oberst im Generalstab 
1944 Lagebesprechungen mit Adolf Hitler 
1944 am 20. Juli Attentat(versuch) auf Adolf Hitler; Umsturzversuch 
† 20./21. Juli 1944 Hinrichtung in Berlin (im Innenhof des Bendlerblocks)

368 
Ehrungen: 
1929 „Ehrensäbel“ für herausragende Leistungen in der Offiziersausbildung 
1940 Eisernes Kreuz I. Klasse 
1943 Goldenes Verwundetenabzeichen 
1943 Deutsches Kreuz in Gold 
Zahlreiche posthume Ehrungen in Form von Gedenktafeln, Gedenksteinen etc., Gedenkstätten, N a-
mensgebungen (Schulen, Kasernen, Straßen etc.) 
Wirken in der NS-Zeit 
Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der am 20. Juli 1944 das (misslungene) Attentat auf 
Adolf Hitler ausführte, war während der NS -Zeit ein hochrangiger Militär, der im Zweiten 
Weltkrieg in führender Funktion im Einsatz war und ab 1940 im Generalstab des Heeres 
diente (1944 ernannt zum Oberst). 1943 schloss er sich dem militärischen Widerstand gegen 
das NS-Regime in der Person Adolf Hitlers an und entwickelte sich schließlich zu einem (aus -
)führenden Akteur der Umsturzpläne. 
Zu Claus Schenk Graf von Stauffenberg existieren tausende Seiten biografischer Literatur – 
die sich zumeist in großem Umfang auf die Aussagen von Zeitgenossen stützen und weit w e-
niger auf tradierte Selbstzeugnisse rekurrieren (können). Die f olgenden Ausführungen stü t-
zen sich auf die 2015 veröffentlichte Darstellung von Peter Steinbach (unter anderem seit 
1983 Wissenschaftlicher Leiter der ständigen Ausstellung „Widerstand gegen den Nationa l-
sozialismus“ in Berlin, der in seine Überlegungen explizit die unten genannten Biografien von 
Eberhard Zeller, Bodo Scheurig, Joachim Kramarz, Christian Müller, Peter Hoffmann und H a-
rald Steffahn einbezog) sowie auf die Biografie von Eberhard Zeller aus dem Jahr 1994. Auf 
eine detaillierte Darstellung der Um sturzpläne sowie der Ereignisse vom 20. Juli 1944 wird 
im Folgenden mit Verweis auf die angegebene Literatur verzichtet. 
Stauffenberg schlug nach dem Abitur 1926 eine militärische Laufbahn ein, bestand 1929 die 
Offiziersprüfung als Jahrgangsbester der Kava llerie und war 1930 im Alter von 23 Jahren – 
außergewöhnlich jung – zum Leutnant befördert worden. In das Jahr 1933 datieren – neben 
der Machtübernahme seitens der Nationalsozialisten – drei für Stauffenberg wichtige Erei g-
nisse: Seine Beförderung zum Oberl eutnant, seine  Heirat mit Nina Freiin von Lerchenberg 
sowie der Tod seines „Meisters“ Stefan George, zu dessen Kreis er und seine Brüder seit 
zehn Jahren gehörten. 
Bis zum Sommer 1934 diente Stauffenberg beim Kavallerie -Regiment 17 in Bamberg (ab 
März 1931 Geschützzugführer). Im Herbst 1934 wechselte er als Bereiteroffizier an die Kaval-
lerie-Schule in Hannover, wo er bis 1936 tätig war; im Oktober 1936 begann er ein Studium 
an der Kriegsakademie in Berlin. Befördert zum Rittmeister (1937), wurde Stauffenber g im 
August 1938 als „Ib“ zur 1.  Leichten Division in Wuppertal (ab Oktober 1939: 6.  Panzer-
Division) kommandiert. Als 2.  Generalstabsoffizier war er verantwortlich für die Versorgung 
der Einheit, mit der er an der Besetzung des Sudentenlands beteiligt war.

369 
Am Überfall auf Polen im September 1939 war die 1.  Leichte Division „an der Südflanke 
maßgeblich beteiligt“ (Steinbach, S.  69, vgl. auch Zeller, S.  68 ff.). Mit der (in 6.  Panzer-
Division umstrukturierten) Einheit zog Stauffenberg, im Januar 1940 zum Hau ptmann im 
Generalstab ernannt, im Mai 1940 in den Krieg gegen Frankreich, bevor er Ende Mai 1940 
zum Generalstab/Oberkommando des Heeres (OKW) versetzt wurde. Im April 1941 wurde er 
erneut befördert (zum Major im Generalstab) und bezog im Juni das Hauptqua rtier des OKW 
in der Nähe von Angerburg in Ostpreußen, bei dem er bis Ende Januar 1943 Dienst tat (zw i-
schenzeitlich – Juni-Oktober 1942 – stationiert im Hauptquartier des Generalstabs bei Wi n-
niza in der Ukraine). 
Kurz nachdem er zum Oberstleutnant im Gener alstab befördert worden war, wurde Stau f-
fenberg Anfang Februar 1943 als „Ia“ (1.  Generalstabsoffizier) der 10. Panzer -Division nach 
Tunis kommandiert. Anfang April 1943 wurde er dort bei einem Luftangriff schwer verwu n-
det. Er verlor sein linkes Auge, im tu nesischen Feldlazarett mussten zudem seine rechte 
Hand sowie zwei Finger der linken Hand amputiert werden. Er gelangte noch im April 1943 
ins Lazarett nach München; die dortige Behandlung wurde unterbrochen durch Genesung s-
aufenthalt in Lautlingen, dem Wohnort seiner Familie. 
Im September 1943 wurde Stauffenberg zum Chef des Stabs im Allgemeinen Heeresamt bei 
General Friedrich Olbricht ernannt (offizieller Dienstantritt in Berlin: 01.10.1943; Aufgabe n-
gebiet: Personal - und Materialbewirtschaftung des Heeres).  Am 1. Juli 1944 erfolgte seine 
Beförderung zum Oberst im Generalstab. 
Stauffenberg war während des Zweiten Weltkriegs mit folgenden Auszeichnungen geehrt 
worden: Eisernes Kreuz I. Klasse  (1940), Goldenes Verwundetenabzeichen sowie Deutsches 
Kreuz in Gold  (1943). Im Juni/Juli 1944 gelangte er im Zuge von Lagebesprechungen meh r-
fach in direkten Kontakt zu Adolf Hitler. 
Die posthumen Ehrungen von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, so auch die Straßenb e-
nennung in Darmstadt 1968, bezogen sich allerdings nicht a uf sein militärisches Wirken in 
der oben skizzierten Form, sondern auf seinen Widerstand gegen das NS -Regime, der sich 
seit 1943 in zahlreichen Treffen in Widerstandskreisen, insbesondere im Kreise des militär i-
schen Widerstands manifestierte – und schließlich im Attentat vom 20. Juli 1944 sowie dem 
Umsturzversuch („Operation Walküre“) gipfelte. Die aktuelle Forschung geht davon aus, dass 
Staufenberg nicht nur entschlossen war, Hitler umzubringen und das NS -Regime zu stürzen, 
nicht „nur“ ausführende, sondern  auch treibende Kraft war und als ein Motor innerhalb der 
deutschen Widerstandsbewegung(en) angesehen werden muss. Bekanntermaßen scheiterte 
das Attentat auf Adolf Hitler und auch der sich an den vorgesehenen Tod des Diktators a n-
schließende politische Umsturz gelang nicht. Stauffenberg wurde noch in der Nacht vom 20. 
auf den 21. Juli 1944 im Innenhof des Bendlerblocks in Berlin hingerichtet. 
Stauffenbergs zahlreiche Treffen mit Kräften des Widerstands, die Vorbereitungen des A t-
tentats und des Umsturzes sowie die Abläufe des 20. Juli 1944 sind bekannt und in der ang e-
gebenen Literatur (und in vielen anderen Werken) detailliert, im Falle des 20. Julis teils minu-
tiös nachgezeichnet, sofern die Quellenlage dies zuließ. Unstrittig ist Stauffenbergs Veran t-

370 
wortung für die Tat; manche Autoren gingen davon aus, dass Stauffenberg schließlich – un-
ter Bezug auf seinen Mentor Stefan George – Hitler als „Personifizierung des Bösen 
schlechthin“ (Steinbach, S.  17) betrachtete. Stauffenberg habe den Unrechtscharakter des 
NS-Regimes – dessen Teil er in führender militärischer Funktion über Jahre hinweg war – 
erkannt und gehandelt, obwohl er einen soldatischen Eid geschworen hatte. Stauffenberg 
kann sicher nicht als Anhänger einer parlamentarischen Demokratie bezeichnet werden; b ei 
einem erfolgreichen Umsturz wäre voraussichtlich um die Struktur Deutschlands gerungen 
worden. Stauffenberg als Patrioten zu charakterisieren, der zunächst mit nationalistischen 
und revisionistischen Zielen des NS -Regimes sympathisierte (was zutrifft), griffe allerdings in 
seiner Bewertung deutlich zu kurz, wie Peter Steinbach argumentierte: 
„Welches Deutschland das Resultat dieser Auseinandersetzungen geworden wäre, wissen wir nicht. 
Aber Stauffenberg nur zum Symbol des Rückwärtsgewandten zu machen, wei l er aus den Horizonten 
seiner Zeit handelte, wäre unhistorisch. Es wäre ebenso leichtfertig, ihn zum Träger der freiheitlichen 
Grundordnung zu erhöhen. Diese Ordnung war ein Resultat der Niederlage. Der Mensch Stauffe n-
berg war Produkt und Gegensatz seiner  Zeit. […] Er handelte nicht, als es zu spät war, sondern er 
handelte, weil er zu den wenigen seiner Zeit gehörte, die Verantwortung suchten und deshalb den 
‚entscheidenden Wurf‘ riskierten. Dies war weitaus gefährlicher, als bis zum Ende des Krieges zur 
Fahne zu stehen, die das Hakenkreuz trug, wie viele, die ihre Feigheit als Eidtreue verklärten . […] 
Stauffenberg wollte durch seine Tat einen Unrechtsstaat beseitigen. Er ist deshalb nicht nur eine 
Person der deutschen, sondern der europäischen Geschichte. Seine Tat hätte Europa vor der Kat a-
strophe eines bis zum bitteren Ende geführten Krieges bewahrt, der Europa verwüstete und schlie ß-
lich für 40 Jahre teilte. Seine Persönlichkeit muss deshalb immer auch in den Zusammenhang der 
deutschen und zugleich der europäischen Geschichte gerückt werden“ (Steinbach, S. 17 f.). 
In der deutschen Erinnerungskultur war bis in die 1960er Jahre die Einschätzung der Nati o-
nalsozialisten, die Stauffenberg und seine Mitstreiter als Verräter ansahen, überaus wir k-
mächtig. Die Einschätzung Staufenbergs wurde (auch später) kontrovers diskutiert, changie r-
te zwischen „Würdigung und Verurteilung“ (vgl. zu einzelnen Phasen Steinbach, S.  20 ff.). In 
der aktuellen Forschungsliteratur wird unter anderem darauf verwiesen, dass Stauffenberg 
auch Kontakte zum zivilen Widerstand suchte, was lange Zeit kaum Beachtung fand (Stei n-
bach, S.  112). Einzelne Äußerungen Stauffenbergs, etwa abfällige Bemerkungen gegenüber 
der polnisch-jüdischen Bevölkerung in einem Feldpostbrief aus dem Jahr 1939, wurden w ie-
derholt als Beleg dafür angebracht, dass sich Stauffenberg nicht (oder nur bedingt) als 
„Held“ eigne. In der heutigen offiziellen Erinnerungskultur überwiegt die Ansicht führender 
Widerstandshistoriker, die darauf verweisen, dass Stauffenberg als „Produk t seiner Zeit“, als 
Soldat der Wehrmacht, der an seinen Eid gebunden war, Verantwortung (mit ihm bewussten 
Konsequenzen) übernommen habe, um das von ihm als Unrechtssystem erkannte NS -
Regime beseitigen zu wollen. 
Literatur: 
Hoffmann, Peter: Claus Schenk Graf von Stauffenberg und seine Brüder. Stuttgart 1992. 
Hoffmann, Peter: Stauffenberg und der 20. Juli 1944. München 1998.

371 
Kramarz, Joachim: Claus Graf von Stauffenberg. 15. November 1907 – 20. Juli 1944. Das Leben eines 
Offiziers. Frankfurt am Main 1965. 
Scheurig, Bodo: Claus Graf von Stauffenberg. Berlin 1964. 
Steffahn, Harald: Stauffenberg. Reinbek bei Hamburg ³2002. 
Steinbach, Peter: Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Wagnis – Tat – Erinnerung. Stuttgart 2015. 
Ueberschär, Gerd R.: Stauffenberg. Der 20. Juli 1944. Frankfurt am Main 2004. 
Zeller, Eberhard: Oberst Claus Graf Stauffenberg. Ein Lebensbild. Paderborn et al. 1994.

372 
Dolf-Sternberger-Weg (J 9-10), benannt 1996 nach 
Dolf Sternberger (1907-1989) 
Sprachkritiker und Politikwissenschaftler 
* 28. Juli 1907 in Wiesbaden 
1913-1916 Besuch der Grundschule („Vorschule“) in Wiesbaden 
1916-1925 Besuch des Staatlichen Realgymnasiums in Wiesbaden (Abitur 1925) 
1925-1932 Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte, später hauptsächlich 
der Philosophie in Kiel, Frankfurt am Main, Heidelberg und Freiburg im Breisgau 
1931 Heirat mit Ilse Bella Blankenstein (geb. Rothschild, ein Stiefsohn), Trauzeugin: Hannah Arendt 
1932 Promotion zum Dr. phil. bei Paul Tillich in Frankfurt am Main, „Der verstande ne Tod. Eine U n-
tersuchung zu Heideggers Existential-Ontologie“ (veröffentlicht 1934) 
1932-1933 Rezensionen in der „Zeitschrift für Sozialforschung“ 
1932-1934 Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der von Professor Viktor von Weizäcker geleiteten S o-
zialpolitischen Arbeitsgemeinschaft in Heidelberg 
1934-1943 Redakteur der „Frankfurter Zeitung“ (Mitarbeit seit 1927), seit 1935 Ressortleiter für Wi s-
senschaft, Erziehung und Bildung 
1934-1939 Essays in der „Neuen Rundschau“ 
1938 „Panorama oder Ansichten vom 19. Jahrhundert“ (weitere Auflagen 1947, 1955) 
Ca. 1943-1945 nach dem vom NS-Regime verhängten Berufsverbot 1943 (Streichen von „Berufsliste“) 
Tätigkeit in einem Fabrikbüro in Heidelberg 
1945-1949 Begründer, Mitherausgeber und Autor der Zeitschrift „Die Wandlung“ ( zusammen mit 
Karl Jaspers, Alfred Weber, Werner Krauss und später auch Marie -Luise Kaschnitz), darin die Glosse 
„Wörterbuch des Unmenschen“ 
1946-1966 regelmäßige politische Kommentare im Hessischen Rundfunk 
1947-1955 Lehrbeauftragter für Politische Wissenschaft an der Universität Heidelberg 
1947-1967 Vorsitzender der Deutschen Wählergesellschaft (von ihm mitbegründet) 
Ab 1949 Kolumnist der Frankfurter Allgemeinen Zeitung 
1950 „Figuren der Fabeln“ 
Ab 1951 Leiter einer politikwissenschaftlichen Forschungsgrup pe, aus der sich das politische Seminar 
des Alfred-Weber-Instituts und 1958 das Institut für Politische Wissenschaft der Universität Heide l-
berg entwickelte 
1950-1958 (Mit-)Herausgeber der Zeitschrift „Die Gegenwart“ 
1952-1961 Gründungsmitglied und Vizepräsident der Deutschen UNESCO-Kommission 
1955-1960 Honorarprofessor an der Universität Heidelberg 
1957 „Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“ (weitere Auflage 1967) 
1958 „Gefühl der Fremde“ 
Ab 1959 Mitarbeiter und Berater bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

373 
1960 Mitbegründer und Herausgeber der Politischen Vierteljahresschrift 
1960-1972 Professor für Politische Wissenschaft an der Universität Heidelberg (Amtsbezeichnung 
ordentlicher Professor seit 1962) 
1962-1964 Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft 
1962-1972 Direktor des Instituts für Politische Wissenschaft der Universität Heidelberg 
1963 Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 
1964 Gastprofessor an der Universität Chicago (USA) 
1964-1970 Präsident des Deutschen PEN-Zentrums 
1972 Emeritierung (Entbindung von seinen amtlichen Verpflichtungen auf eigenen Antrag) 
† 27. Juli 1989 in Frankfurt am Main 
Ehrungen: 
1970 Ehrenvorsitzender der Deutschen Wählergesellschaft 
1971-1977 Ehrenpräsident des PEN-Zentrums der Bundesrepublik Deutschland 
1967 Goethe-Plakette des Landes Hessen 
1967 Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt 
1974 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 
1977 Wilhelm-Leuschner-Medaille des Landes Hessen 
1977 Literaturpreis der Bayerischen Akademie der schönen Künste 
1980 Ehrendoktor der Universität Sorbonne (Paris) 
1982 Ehrendoktor der Universität Trier 
Wirken in der NS-Zeit 
Dolf (eigentlich Adolf) Sternberger, nach 1945 ein herausragender Vertreter der Politikwi s-
senschaften in Deutschland und zugleich erfolgreicher Publizist im politisch -kulturellen B e-
reich, arbeitete während der NS -Zeit als Redakteur der Frankfurter Zeitung (bis 1943), verö f-
fentlichte kultur- bzw. sprachkritische Beiträge und gilt als Vertreter d er sogenannten „ve r-
deckten Schreibweise“. 
Grundlegende Arbeiten über Dolf Sternbergers Schaffen in der NS -Zeit veröffentlichte Wil -
liam J. Dodd (Professor of Modern German Studies an der University of Birmingham), der 
sich – anders als die meisten Biografen, die den Politikwissenschaftler Sternberger nach 1945 
ins Zentrum stellten (vgl. Münkler, Vogel) – der sprachkritischen Veröffentlichungen Ster n-
bergers widmete und dessen umfangreichen Nachlass im Deutschen Literaturarchiv in Ma r-
bach in diesem Sinne auswertete. 
In einem Lebenslauf aus dem Jahr 1948 äußerte sich Sternberger wie folgt zu seinem Wirken 
in der NS-Zeit: 
„Von 1932 bis 1934 wirkte ich in einer sozialpolitischen Arbeitsgemeinschaft mit Sitz in Heidelberg 
mit und lebte währenddessen von einem Stip endium der Notgemeinschaft der deutschen Wisse n-
schaft. Die akademische Laufbahn blieb mir infolge meiner Ehe mit einer Jüdin verschlossen. So wu r-

374 
de ich, übrigens ohne Bedauern, Journalist. Ich war der letzte Redakteur der Frankfurter Zeitung, der 
noch von Dr. Heinrich Simon, dem damaligen Besitzer, persönlich engagiert wurde. Vom August 1934 
bis genau zum 5. Mai 1943 war ich Redakteur an der Frankfurter Zeitung, immer mit Sitz in Frankfurt 
selbst, und bearbeitete dort die Angelegenheiten der Bildung, Kirche  und Wissenschaft; ausserdem 
veröffentlichte diese Zeitung zahlreiche literarische Beiträge von mir. Leider konnte ich einen Posten 
im Auslande aus den vorerwähnten Gründen nicht übernehmen, namentlich nachdem mir im Jahre 
1938 die Erteilung eines neuen Re isepasses vom Frankfurter Polizeipräsidium verweigert worden 
war. Ich darf sagen, dass ich in meiner publizistischen Wirksamkeit während der Hitler -Zeit eine ent-
schieden humanistische Richtung trotz aller Schwierigkeiten und Gefährdungen durchgehalten habe . 
Nach einer Reihe von Konflikten wurde ich am 5. Mai 1943 durch den Reichspropagandaminister – 
zusammen mit drei anderen Kollegen aus der Redaktion [Hausenstein, Reifenberg und Suhr, HK] – 
aus der sogenannten Berufsliste gestrichen und musste das Haus sof ort verlassen. Zum Militärdienst 
wurde ich nicht eingezogen, da ich infolge eines Erlasses Hitlers von Ende 1940 zum Kriegsdienst 
‚nicht zu verwenden‘ war [wegen seiner Ehe mit einer Jüdin, HK]. Unter akuter Bedrohung durch die 
Gestapo siedelten meine Frau  und ich im Juli 1943 fluchtartig nach Heidelberg über. Die folgenden 
Jahre verbrachte ich, unter dauernden Bedrängnissen, in einem Fabrikbüro in Heidelberg; diese T ä-
tigkeit bot mir immerhin die Gelegenheit[,] die menschliche Arbeit in der modernen Industr ie an 
einem Beispiel zu studieren. Der vielfach drohenden und mehrmals über mich verhängten Einber u-
fung zur Zwangsarbeit konnte ich glücklich entgehen“ (Curriculum Vitae von Dr. Dolf Sternberger 
[1948], zitiert nach Dodd 2007, S. 301 f.). 
Wie Dodd überzeug end darlegte, lässt sich Sternberger als Vertreter der „inneren Emigrat i-
on“ bezeichnen, wobei sich der Biograf der Schwierigkeiten der Begrifflichkeit durchaus b e-
wusst zeigte (Dodd 2007, S.  22-25). Sternberger bediente sich bei seinen Veröffentlichungen 
im Themenbereich der Kultur - und Sprachkritik nachweißlich einer „Technik des indirekten 
Ausdrucks“ (Dodd 2007, S.  24), die sich als „verdeckte Schreibweise“ (so Sternberger selbst 
1950) bezeichnen lässt und darunter Eingang in die Forschungsliteratur fand ( ausführlich 
dazu Dodd 2007, S.  149-219). Anhand der zeitgenössischen Rezeption von Sternbergers Ve r-
öffentlichung „Panorama oder Ansichten vom 19. Jahrhundert“  (1938) ließ sich etwa nac h-
weisen, dass schon den Zeitgenossen das „zwischen den Zeilen Lesen“ dur chaus gelang – 
auch der NS-Zensur, wie ein Gutachten der Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrift-
tums („Amt Rosenberg“) belegte (Dodd 2015, S.  69 f.). Allerdings gelang es jenem Rezense n-
ten (Urteil: „unter allen Umständen abzulehnen“, vgl. Ehrke -Rotermund/Rotermund, S. 203) 
nur eine der drei rekonstruierten Ebenen des „verdeckten Schreibens“ zu dechiffrieren. 
Dodd kam daher zu dem Ergebnis, das manche der „verdeckten“ Angriffe auf den Nationa l-
sozialismus auch dem suchenden Leser seitens der Vertrete r des NS-Regimes zugänglich wa-
ren. Es schienen allerdings deutliche Unterschiede im „Dechiffrierungsapparat“ der Lese r-
schaft zu bestehen; die „verdeckte Schreibweise“ war demnach „[k]ein Geheimnis also, aber 
nur bedingt ein offenes“ (Dodd 2015, S.  76). Die Haltung Walter Benjamins, der Sternberger 
in einem Brief und einer Rezension des Mitläufertums bezichtigte, wurde in der akadem i-
schen Diskussion lange übernommen, ohne Benjamins „Diskursposition“ (Dodd 2015, S.  66) 
zu hinterfragen (dazu auch Ehrke -Rotermund/Rotermund, S.  221 f.). Allen Schwächen und 
Fehlschlüssen im Zusammenhang mit Sternbergers Sprachkritik – die seit den 1960er Jahren 
heftig diskutiert und kritisiert wurde – zum Trotz, rückte Dodd Sternbergers aufklärerische

375 
Motivation, einen „in der pub lizierenden ‚inneren Emigration‘ geformte[n] Habitus der Hel l-
hörigkeit“ (Dodd 2007, S.  30) in den Vordergrund seiner Analyse und kam zu dem Ergebnis, 
dass sich Sternberger „als hervorragenden und auch mutigen Exponenten der Essayistik der 
‚inneren Emigration‘ ausweisen“ lasse (Dodd 2007, S. 218). 
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten erschien Sternberger eine akad e-
mische Laufbahn als illusorisch (hierzu und zum Folgenden Dodd 2007, S.  75-78, 84-88). Sei-
ne 1932 vorgelegte Dissertation „Der ve rstandene Tod. Eine Untersuchung zu Heideggers 
Existential-Ontologie“ (veröffentlicht 1934) war in einem Gutachten von Theodor W. Adorno 
noch außergewöhnlich lobend und mit dem „Anspruch auf das Prädikat ‚vorzüglich‘“ b e-
zeichnet worden. Bis 1934 stand Ster nberger in regem Kontakt zu Adorno und weiteren Ve r-
tretern der „Frankfurter Schule“; er veröffentlichte 1932/33 in den ersten beiden Jahrgängen 
der „Zeitschrift für Sozialforschung“ Buchbesprechungen. Sternbergers Frau – mit der er zum 
Teil gemeinsam publi ziert hatte – erhielt nun als Jüdin Publikationsverbot. Die wirtschaftl i-
che Existenz des Ehepaares wurde anfangs über ein Stipendium der Notgemeinschaft der 
deutschen Wissenschaft (Vorgängerorganisation der DFG) sichergestellt, doch war klar, dass 
dies nic ht von langer Dauer sein konnte. In der Redaktion der Frankfurter Zeitung wurde 
Sternberger dann das neu geschaffene Ressort der Bildungspolitik zugeteilt. Die Frankfurter 
Zeitung gehörte zu den wenigen Publikationsorganen, „in denen ‚das andere Deutschlan d‘ 
noch durch Abtasten und Umgehen der Zensur ein kodiertes Leben szeichen von sich geben 
konnte“ (Dodd 2007, S. 24). Bis Mai 1943 konnte Sternberger in der Redaktion der Frankfu r-
ter Zeitung arbeiten und publizieren. Nach 1945 lobte er wiederholt den solida rischen Z u-
sammenhalt innerhalb der Redaktion und die daraus erwachsenden Freundschaften; als pr ä-
gende Erfahrung in der NS-Zeit schilderte er die Treue in seiner Ehe. 
In Folge der Veröffentlichung des Beitrags „Figuren der Fabel“ in der Frankfurter Zeitung 
vom 25.12.1941, soll im Propagandaministerium eine Akte zu Sternberger angelegt worden 
sein, die allerdings auf Intervention des Berliner Büros der Frankfurter Zeitung vernichtet 
worden sein soll (Dodd 2007, S.  78; in den Beständen des ehemaligen BDC im BA rch Berlin 
ließ sich keine Akte zu Sternberger auffinden, HK; Text und ausführlicher Kommentar zu „F i-
guren der Fabel“ bei Ehrke-Rotermund/Rotermund, S. 194-222). 
Über Sternbergers Wirken nach seinem Ausschluss aus der Frankfurter Zeitung im Mai 1943 
und seine Tätigkeit in einem Heidelberger Industriebetrieb (siehe Zitat oben) gibt es wenige 
belastbare Informationen. Laut einer autobiografischen Notiz soll er bis Frühjahr 1945 bei 
der Firma Stotz -Kontakt GmbH beschäftigt gewesen sein (Dodd, S.  76, FN 17); da s Kriegsen-
de erlebte er in einem Sanatorium in Baden -Baden. Nachdem eine Neugründung der Fran k-
furter Zeitung zunächst an der Pressepolitik der amerikanischen Militärregierung scheiterte, 
führten Verhandlungen über eine Zeitschrift von „gehobenem Niveau“ im Oktober 1945 zum 
Erfolg: In der ersten Ausgabe der Zeitschrift „Die Wandlung“ erschien die erste Glosse des 
„Wörterbuchs des Unmenschen“, das Sternberger in Zusammenarbeit mit seinen langjähr i-
gen Kollegen Gerhard Storz und Wilhelm Süskind 1957 als Buchpublikation herausgeben soll-
te.

376 
Es ließen sich weder im HHStAW (zuständig für Frankfurt am Main) noch im Generalla n-
desarchiv Karlsruhe (zuständig für Heidelberg) Entnazifizierungsakten zu Dolf Sternberger 
recherchieren. 
Quellen: 
Deutsches Literaturarchiv, Marbach am Neckar, Nachlass Sternberger [NICHT eingesehen] 
Generallandesarchiv Karlsruhe, 480 Nr. 11412 [Wiedergutmachungsakte 1950-1961, NICHT eingesehen] 
UA Heidelberg, PA 3030 
UA Heidelberg, PA 5985-5987 
UA Heidelberg, Rep 27-1887 
StadtA DA, ST 61 Sternberger, Prof. Dr. Dolf 
Literatur: 
Dodd, William J.: Die „verdeckte Schreibweise“ ein offenes Geheimnis?: Dolf Sternbergers Panorama 
oder Ansichten vom 19. Jahrhundert (1938) im Spiegel der zeitgenössischen Rezensionen. In: Roth, 
Kersten Sven et al. (Hrsg.): S prache, Universität, Öffentlichkeit: Sprachwissenschaftliche Beobachtun-
gen und sprachkritische Anmerkungen. Festschrift für Jürgen Schiewe zum 60. Geburtstag. Bremen 
2015, S. 65-78. 
Dodd, William J.: Jedes Wort wandelt die Welt. Dolf Sternbergers politisch e Sprachkritik. Göttingen 
2007. 
Dotzert, Roland: Die Darmstädter Kommunalpolitik seit 1945. Darmstadt 2007 . [S.  227: Träger der 
Wilhelm-Leuschner-Medaille]. 
Drüll[-Zimmermann], Dagmar: Heidelberger Gelehrtenlexikon 1933-1986. Berlin et al. 2009, S. 603 f. 
Ehrke-Rotermund, Heidrun/Rotermund, Erwin: Zwischenreiche und Gegenwelten. Texte und Vorst u-
dien zur ‚verdeckten Schreibweise‘ im „Dritten Reich“. München 1999. 
Münkler, Herfried: Dolf Sternberger (190 7-1989). In: Jesse, Eckhard/Liebold, Sebastian  (Hrsg.): Deut-
sche Politikwissenschaftler. Werk und Wirkung. Von Abendroth bis Zel lentin. Baden -Baden 2014, 
S. 739-752. 
Vogel, Bernhard: Dolf Sternberger und die Politische Wissenschaft. In: Mohr, Arno/Nohlen, Dieter 
(Hrsg.): Politikwissenschaft in Heidelberg. 50 Ja hre Institut für Politische Wissenschaft. Heidelberg 
2008, S. 240-246.

377 
Robert-Stolz-Straße (C 7), benannt 1977 nach 
Robert Stolz (1880-1975) 
Österreichischer Komponist 
* 25. August 1880 in Graz 
1896 Staatsprüfung für Musik am Wiener Staatskonservatorium 
1897 Opernkorrepetitor am städtischen Theater Graz 
1902 Kapellmeister am Stadttheater Salzburg 
1903 Operettendebüt „Schön Lorchen“ am Stadttheater Salzburg, es folgen über 50 Operetten 
1904 Engagement als Dirigent am Deutschen Theater Brünn 
1905/07-1917 Musikalischer Leiter und Direktor am Theater an der Wien 
1905 Erstaufführung der Operette „Die lustige Witwe“ am Theater an der Wien (dirigiert von Stolz) 
1914-1918 Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg (unter anderem als Kapellmeister) 
1924 Eröffnung eines eigenen Theaters; nach dessen Konkurs Umzug nach Berlin 
1920er Jahre Komponieren von Opern, Singspielen, Musicals, Musiken für Eisspiele und Liedern; d a-
runter weltbekannte Schlager („Servus Du“, „Ob blond ob braun, ich liebe alle Frau‘n“) 
1930 Komposition der Partitur für den Tonfilm „Zwei Herzen im Dreivierteltakt“ 
1936 Operette „Zum Goldenen Halbmond“ 
1935-1937 Komposition von Filmmusik, darunter „Der Himmel auf Erden“ (1935), „Die Austernlilli“ 
(1937), „Musik für Dich“ (1937). 
1938/39 Emigration über Paris in die USA (1940) 
1941/42 Ausbürgerung und Beschlagnahme seines Vermögens durch die Nationalsozialisten 
1941/45 Oskar -Nominierungen für seine Kompositionen zu den Filmen „Spring Parade“ von Henry 
Koster und „It happened tomorrow“ von René Clairs 
1946 Rückkehr nach Österreich 
Ab 1952 Kompositionen für die Wiener Eisrevue 
† 27. Juni 1975 in Berlin 
Ehrungen: 
1934 Große Medaille (Beste Musik) Internationale Filmfestspiele von Venedig 
1946 Professor honoris causa durch die Österreichische Regierung 
1962 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 
1964 Erstes Ehrenmitglied der Volksoper Wien 
1965 Ehrenring der Stadt Graz 
1968 Ehrenring des Landes Steiermark 
1969 Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film 
1969 Ehrenring der Bregenzer Festspiele

378 
1970 zahlreiche Ehrungen anlässlich seines 90.  Geburtstags, darunter Ehrenbürger der Städte Wien 
und Graz, Ehrenmedaille der Stadt Rotterdam, Ehrenring der GEMA, Österreichisches Ehrenzeichen 
für Wissenschaft und Kunst 
1971 Jerusalem-Medaille (für Fluchthilfe in NS-Zeit) 
1973 Ehrenmitglied der Wiener Volksoper 
Wirken in der NS-Zeit 
Robert Stolz, Komponist und Dirigent, der als bedeutender Wiener Operettenkomponist gilt, 
emigrierte 1938/39 aus Österreich zunächst nach Frankreich und 1940 in die USA. Seine M u-
sik galt im „Dritten Reich“ fortan als „unerwünscht“, Stolz wurde 1941/42 ausgebürgert. 
Seit 1924 arbeitete Stolz aus Karrieregründen vornehmlich in Berlin (in Wien war er mit e i-
nem eigenen Theater gescheitert). Er  galt als „einer der erfolgreichsten Komponisten der 
leichten Muse“ (Semrau 2007, S.  183) und wurde durch Schlagermelodien in den neuen M e-
dien Tonfilm und Radio populär. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 
wurden seine Werke weiter aufgef ührt und durchaus positiv besprochen. Semrau etwa z i-
tierte eine wohlwollende Kritik aus dem „Völkischen Beobachter“ anlässlich der Premiere 
der Operette „Zum Goldenen Halbmond“ im März 1936 am Nationaltheater in Osnabrück 
(Semrau 2007, S.  184, Semrau 2000,  S. 138). Auch hochrangige NS -Akteure äußersten sich 
anerkennend (vgl. Semrau 2000, S. 141, Stolz, S. 356). Doch Stolz ließ sich nicht in den Dienst 
der Nationalsozialisten stellen, sondern emigrierte 1938/39 zunächst nach Paris und Ende 
März 1940 in die U SA. Seinen eigenen Angaben in seinen Lebenserinnerungen folgend (vgl. 
neben Stolz/Stolz auch Semrau 2000, S.  143 f.), verließ Stolz bereits im März 1938, im Zuge 
des sogenannten „Anschlusses“ Österreichs, seine Heimat und ging über Zürich nach Paris 
ins Exil. Von Frankreich aus emigrierte er Ende März 1940 schließlich in die USA. 
Es gibt in der Literatur Zweifel an der Version von Stolz, nach der er noch am 12. März 1938 
Wien verlassen haben will, aufgrund eines Anrufs seines Bruders, den er als Warnung ve r-
standen haben wollte und wonach er seine Abreise als Flucht vor der Gestapo interpretierte. 
Ein von Stolz unterschriebenes Dokument vom 11. April 1939 bestätigte seitens des Magis t-
rats der Stadt Wien sein Heimatrecht (Semrau 2000, S.  145, Semrau 2007, S. 184). Unabhän-
gig von dem unklaren Zeitpunkt genieße, so Semrau, die konsequente Entscheidung von 
Stolz, seine Heimat zu verlassen, Anerkennung: 
„Anzunehmen ist jedenfalls, dass Stolz, zu welchem Datum auch immer, seine Heimat aus freien St ü-
cken, aus Abscheu  vor der Kulturpolitik des Reiches und aus Solidarität mit seinen jüdischen Freu n-
den verließ“ (Semrau 2007, S. 185). 
Ganz ähnlich äußerte sich Oliver Rathkolb, der intensiv zu „Künstlereliten im Dritten Reich“ 
(1998) arbeitete. Auf die Frage, welche promin enten Unterhaltungskünstler Österreich wäh-
rend der NS-Zeit freiwillig verlassen hätten, nannte Rathkolb einzig Robert Stolz: 
„Mir fällt in diesem Zusammenhang nur der Komponist Robert Stolz ein […] Der verließ Österreich 
ohne Not nach dem Anschluss, weil i hm vor dem Regime einfach ekelte“ (Rathkolb laut Hager, siehe 
Literatur).

379 
Während der Zeit seines Pariser Exils und wohl auch noch in den USA suchten Repräsenta n-
ten des NS-Regimes Kontakt zu Stolz, um ihn zu einer Rückkehr ins „Reich“ zu bewegen. Stolz 
sollte keine Repressalien zu befürchten haben; er ließ sich auf das Angebot dennoch nicht 
ein. 
Stolz‘ Abstammung war wiederholt umstritten; die – aus Sicht des NS -Regimes – einwand-
freie Herkunft eines Großelternteils galt noch 1941 als ungeklärt. Zudem galt s eine damalige 
Frau (Stolz war insgesamt fünfmal verheiratet) als „Volljüdin“ (was allerdings ebenfalls u m-
stritten war, vgl. BArch Berlin, BDC, R 9361 -V/83514). Der Komponist arbeitete erwiesene r-
maßen mit zahlreichen Juden zusammen; manche seiner Kollegen s ollen ihn selbst für „j ü-
disch“ gehalten haben. Nicht verifizieren ließ sich die in der Literatur tradierte Geschichte, 
wonach Stolz vor 1938 mehrere Male politisch Verfolgte (darunter Frauen und Kinder) illegal 
bei Fahrten von Berlin nach Wien über die Gre nze gebracht haben soll (noch bei Semrau 
2000, S. 141 f., zuletzt Weniger, S.  489). Die Idee, den Wagen des bekannten Komponisten 
mit Hakenkreuzfahne auszustatten, sei demnach seinem Chauffeur gekommen; es habe bei 
Grenzkontrollen (von 21 solcher Fahrten ist die Rede) keine Probleme gegeben. 
Belegen hingegen lässt sich, dass sich die Berichterstattung gegenüber Robert Stolz nach 
dem Verlassen Österreichs wandelte, das heißt kritisch bis ablehnend wurde. So hieß es e t-
wa zum „freiwilli[en] Emigrant[en]“ im „Völkischen Beobachter“ Ende 1939: 
„In Deutschland ist man aber so großzügig gewesen, die Musik des Herrn Stolz in Nahrung zu setzen. 
Wenn Monsieur Stolz auch kein Jude ist, so wird man wohl kaum einen Unterschied zwischen seiner 
Handlungsweise und der seine r jüdischen Freunde erkennen“ (Musikalische Emigration in Nöten, 
Berliner Zeitung vom Dezember 1939, zitiert nach Eidam, S. 143). 
Auch in internen Vermerken der Reichsmusikkammer wurde die Emigration von Stolz krit i-
siert, welcher schließlich dessen offizie lle Ausbürgerung am 28. März 1942 folgte (ein en t-
sprechender Erlass war bereits im Sommer 1941 ergangen). Aufführungen seiner Komposit i-
onen wurden als „unerwünscht“ bezeichnet, zumal er sich im Exil negativ zum „Dritten 
Reich“ geäußert habe: 
„St[olz] ist nach dem Anschluss Österreichs zuerst nach Paris und nach Beendigung des französischen 
Feldzugs nach USA emigriert. In Interviews, die in amerikanischen Zeitungen erschienen sind, erging 
er sich in wüsten Beschimpfungen des Führers und des Nationalsozialism us‘, sodass seine Ausbürg e-
rung seitens des deutschen Konsulats in Boston beantragt wurde. Lt. Beschluss der Reichsmusikprü f-
stelle vom 4.4.1941 ist die Verbreitung aller Kompositionen von Robert Stolz im gesamtdeutschen 
Bereich unerwünscht, da er sich durch  Deutschland und den Nationalsozialismus verächtlichmachen-
den [sic!] und herabwürdigenden [sic!] Interviews in amerik[anischen] Zeitungen ausserhalb der 
deutschen Volksgemeinschaft gestellt hat“ (Vermerk in Akte Robert Stolz der RKK/RMK, BArch Berlin, 
BDC, R 9361-V/83514). 
Wie Stolz in seinen Lebenserinnerungen beschrieb, war die Zeit im Pariser Exil für ihn keine 
leichte. Er traf dort immerhin auf seine fünfte Frau, Yvonne Louise Ulrich, genannt „Einzi“ 
(vgl. Semrau 2000, S.  120 ff.). In den USA reüssierte  er mit Beiträgen zu Filmmusiken, die 
sogar Oskar -Nominierungen nach sich zogen (aber nicht entsprechend ausgezeichnet wu r-
den). Seine eigenen Bühnenstücke, teils am Broadway in New York aufgeführt, blieben wei t-

380 
gehend erfolglos. Nach Semrau habe Stolz in de n USA dennoch „einen wichtigen Beitrag zur 
Popularisierung der wienerischen Unterhaltungsmusik geleistet“ (Semrau 2007, S. 187). 
Im November 1946 kehrte Stolz nach Österreich zurück (über die – von Stolz aktiv geförderte 
– Legendenbildung hin zum „personif izierten Evergreen“ und „Walzerkönig“ vgl. Semrau 
2007). Auf Entnazifizierungsunterlagen fanden sich in der Literatur keine Hinweise. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/83514 
Literatur: 
Eidam, Klaus: Robert Stolz. Biographie eines Phänomens. Berlin 1989. 
Hager, Angelika: Wie österreichische Publikumslieblinge sich mit dem NS -Regime arrangierten. In: 
profil vom 23.02.2010 [ https://www.profil.at/home/wie-publikumslieblinge-ns-regime-262724], Z u-
griff: 11.05.2017. 
Prieberg, Fred K.: Musik im NS-Staat. Frankfurt am Main 1982. 
Rathkolb, Oliver: Führertreu und gottbegnadet. Künstlereliten im Dritten Reich. Wien 1998. 
Semrau, Eugen: Robert Stolz. Sein Leben. Seine Musik. Salzburg/Wien/Frankfurt am Main 2002. 
Semrau, Eugen: Mehr als ein Leben.  Konstruktion und Funk tion der Robert -Stolz-Legende. In: Scha l-
ler, Wolfgang (Hrsg.): Operette unterm Hakenkreuz. Zwischen hoffähiger Kunst un d „Entartung“. 
Berlin 2007, S. 179-197. 
Stolz, Robert/Stolz, Einzi: Servus Du. Robert Stolz und sein Jahrhundert. München 1980. 
Weniger, Kay: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben ...“. Lexikon der aus Österreich 
emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Hamburg 2011.

381 
Straubplatz (L-M 6), benannt 1983 nach 
Hans Straub (1899-1962) 
Vorsitzender des Siedlerbunds der Heimstättensiedlung 
* 24. Juni 1899 in Hausen an der Fils (Kreis Göppingen) 
Dreher bei der Firma Carl Schenk in Darmstadt 
1926 Umzug von seiner Heimatgemeinde Hausen an der Fils nach Darmstadt, der Heimat seiner z u-
künftigen Frau 
1927 Heirat mit Katharina Zimmermann in Darmstadt 
1938 Bezug des Siedlerhauses im Pulverweg 6 (Heimstättensiedlung Darmstadt-Süd) 
19XX-1962 Vorsitzender (Gemeinschaftsleiter) des Siedlerbunds der Heimstättensiedlung Darmstadt -
Süd 
Bis 1933 Mitglied der SPD und des Reichsbanners 
1933-1945 Mitglied der DAF 
1939-1945 Mitglied der NSV 
1942-1945 Mitglied des RLB 
1946 2. Vorsitzender des von ihm mitbegründeten „Landesverbands Hessischer Kleinsiedler e. V.“ 
1949-1960 1. Vorsitzender des „Landesverbands Hessischer Kleinsiedler e. V.“ (ab 1954 „Deutscher 
Siedlerbund, Landesverband Hessen e.V.“) 
† 23. Oktober 1962 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1960 Ehrenvorsitzender des „Deutschen Siedlerbunds, Landesverband Hessen e.V.“ 
Wirken in der NS-Zeit 
Hans Straub, über lange Jahre Vorsitzender des Siedl erbunds der Heimstättensiedlung  in 
Darmstadt, war während der NS-Zeit als (Eisen-)Dreher Angestellter der Firma Carl Schenck. 
Laut eigener Angaben im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens (HHStAW) war Hans 
Straub von 1933 an organisiert in der DAF, ab 19 39 in der NSV und ab 1942 im RLB. Im en t-
sprechenden Meldebogen bezeichnete er sich als „ aktiv bis 1933 im Reichsbanner u[nd in 
der] SPD“. Im Januar 1947 wurde er als „Vom Gesetz nicht betroffen“ eingestuft. Unter A n-
gaben zur Wehrmacht hatte er „entfällt“ n otiert; im Melderegister der Stadt Darmstadt fand 
sich unter dem Datum 19./24.7.45 der Eintrag „Ehemann kam vom Wehrdienst“ (StadtA DA). 
Straub war 1926 nach Darmstadt gezogen, in die Heimatstadt seiner zukünftigen Frau (Heirat 
mit Katharina Zimmermann 192 7). Seit  1938 war er Hausbesitzer im Pulverhäuserweg 6 
(Heimstättensiedlung): I m nördlichen Teil des Pulverhäuserwegs wurden 1937/38 von der 
„Nassauischen Heimstätte “ Einfamilienhäuser gemäß  dem Reichsheimstätte ngesetz erric h-
tet und nach drei jähriger Bewährung den Siedl ern als Eigentum übergeben. Nach seiner e r-
wähnten Rückkehr vom „Wehrdienst“ war Straub ebendort wieder wohnhaft gemeldet.

382 
Hans Straub war bis zu seinem Tod 1962 Vorsitzender (Gemeinschaftsleiter) des Siedle r-
bunds der Heimstättensiedlung Darms tadt-Süd. Nach dem Zweiten Weltkrieg fungierte er 
zugleich als Vorsitzender des „Landesverbands Hessischer Kleinsiedler e. V.“ (ab 1954 „Deu t-
scher Siedlerbund, Landesverband Hessen e.V.“). 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 2051 (nur Meldebogen) 
HStAD, H 3 Nr. 45759 
StadtA DA, Melderegister 
Literatur: 
Deutscher Siedlerbund, Landesverband Hessen e.V.  (Hrsg.): Deutscher Siedlerbund, Landesverband 
Hessen e.V. 50 Jahre 1946 -1996. Jubiläumsschrift zum 50jährigen Bestehen des Landesverbandes. 
Oberursel 1996. 
Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der Hei mstättensiedlung Darmstadt -Süd 1932 -1957. 
Darmstadt 1957. 
1932-1982. 50 Jahre Heimstättensiedlung. Darmstadt 1982.

383 
Stühlingerweg (E 8), benannt 2004 nach 
Wilhelm Stühlinger (1906-1990) 
Pfarrer 
* 11. August 1906 in Reinheim 
1917-1926 Besuch des Alten Realgymnasiums in Darmstadt (von Reinheim pendelnd, Abitur 1926) 
1926-1933 Studium der Germanistik und Geschichte in Frankfurt am Main und Gießen, dann der 
Evangelischen Theologie an den Universit äten in Gießen, Heidelberg, Tübingen und Göttingen  (dort 
I. Staatsexamen und Assistent seines Lehrers Prof. Carl Stange) 
1933-1945 Mitglied der NSDAP 
Um 1934 Besuch des Predigerseminars in Friedberg und Lehrvikariat in Wöllstein (Rheinhessen) 
1935 Ordination in der Mainzer Christuskirche 
1935-1940 Pfarrverwalter der Evangelischen Kirchengemeinde in Bechtolsheim (Rheinhessen) 
1935 Heirat mit Gertrud Bender (vier Kinder) 
1940-1949 Pfarrer in Bechtolsheim (unterbrochen durch Kriegsdienst/Kriegsgefangenschaft) 
1940-1945 Kriegsdienst (Luftwaffe, Wehrmachtspfarrer) und (französische) Kriegsgefangenschaft 
1949-1973 Pfarrer der Evangelischen Michaelsgemeinde in Darmstadt 
1949-1970 Vorsitzender des Evangelischen Bundes in Darmstadt 
1952-1964 Mitglied der Synode der EKHN (laut anderer Angaben: 1949-1967) 
1952-1958 Vorsitzender des Vorstands der „Vereinigten Martinsgemeinde“, Initiator mehrerer Ba u-
maßnahmen (darunter Komplex Michaelskirche) 
1952-1970 Dekan des Evangelischen Dekanats Darmstadt-Stadt 
Ab 1953 Mitglied im Verwaltungsrat des Hessischen Diakonievereins (Diakonie) 
1954 unter den Erstunterzeichnern der Gründung der Gesellschaft für christlich -jüdische Zusammen-
arbeit in Darmstadt 
1973 Pfarrer im Ruhestand 
1973-1976 Mitarbeit bei der Aktion „Essen auf Rädern“ in Darmstadt 
1976-1978 vertretungsweise Pfarrdienst in der Evangelischen Petrusgemeinde in Darmstadt 
1978-1979 vertretungsweise Pfarrdienst in der Evangelischen Auferstehungsgemeinde in Darmstadt -
Arheilgen 
1979-1987 Veröffentlichungen unter „ Erlebtes und Erlauschtes in Poesie und Prosa “ („Ernst und he i-
ter und so weiter“ 1979, „Besinnliches und Fröhliches“ 1981, „Frisch, fromm, fröhlich, frei“ 1987) 
† 26. Oktober 1990 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1970 Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
1976 Kronenkreuz in Gold des Diakonischen Werks 
1987 Bundesverdienstkreuz

384 
Wirken in der NS-Zeit 
Wilhelm Stühlinger, der seit 1949 als Pfarrer und später als Dekan in Darmstadt wirkte und 
vor allem in der Michaelsgemeinde Spuren hinterlassen hat, schloss in der NS -Zeit seine 
Ausbildung zum evangelischen Pfarrer ab und arbeitet als Gemeinde - und Kriegspfarrer. 
Stühlinger war seit 1933 Mitglied der NSDAP. 
Zu Beginn der NS-Zeit beendete Stühlinger sein Studium der Evangelischen Theologie in Gö t-
tingen, wo er als Assistent seines Le hrers Prof. Carl Stange, eines konservativ -lutherischen 
Theologen, wirkte. Er besuchte anschließend das Predigerseminar in Friedberg (Oberhe s-
sen), ging 1934 zum Abschluss seiner Ausbildung (Lehrvikariat) nach Wöllstein (Rheinhessen) 
und wurde im Mai 1935 i n der Christuskirche zu Mainz ordiniert. Daraufhin wechselte er 
zunächst als Pfarrverwalter, später als Pfarrer an die evangelische Kirchengemeinde im nahe 
gelegenen Bechtolsheim (Rheinhessen, heute wie Wöllstein Landkreis Alzey -Worms), wo er 
schließlich bis 1949 wirken sollte. Im November 1935 heiratete er Gertrud Bender. 
Unterbrochen wurde seine Tätigkeit als Gemeindepfarrer durch seinen Militärdienst im 
Zweiten Weltkrieg (zum Folgenden Deutsche Dienststelle [WASt], Personenrecherche): Stü h-
linger war Anfa ng 1940 einem Truppenteil der Luftwaffe zugeordnet (laut Meldung vom 
08.02.1940: Landesschützenkompanie 2/XII der Luftwaffe). Im Februar 1942 trat er von der 
„Flakhorst-Kompanie (E) Darmstadt“ in den „Stab Kriegslazarett -Abteilung (mot.) 607“ mit 
Einsatzraum Südrussland (Meldung vom 16.02.1942). Im November 1943 wurde als seine 
Dienststellung „Kriegspfarrer“ vermerkt (Meldung vom 05.11.1943; in welchem Zeitraum er 
als Kriegspfarrer tätig war, ist unklar). 1944/45 operierte sein Truppenteil (4./Kriegslazaret t-
Abteilung [mot.] 607) am Oberrhein; laut Presseberichten nach 1945 geriet Stühlinger in 
französische Kriegsgefangenschaft, aus der er noch 1945 wieder nach Bechtolsheim zurüc k-
kehrte. 
Wilhelm Stühlinger trat 1933, noch als Student in Göttingen, der NSDAP bei (Eintritt: 
01.05.1933, Mitglieds -Nr.: 3185158, BArch Berlin, BDC, NSDAP -Mitgliederkartei; zwischen 
der Ortsgruppe Göttingen und der Ortsgruppe Bechtolsheim findet sich der Eintrag „Ort s-
gruppe Friedberg Gau Schlesien“; dabei dürfte es sich um eine falsc he Gaubezeichnung han-
deln, was der Besuch des Predigerseminars in Friedberg [Oberhessen] nahelegt). 
Nach 1945 gab Stühlinger an, dass er 1937 wegen seiner Tätigkeit für den Evangelischen 
Bund angezeigt worden sei und ab 1938 keinen Religionsunterricht mehr  habe halten dürfen 
(Zentralarchiv der EKHN, Personalakte). Beide Angaben ließen sich nicht verifizieren, zumal 
das Protokollbuch der Evangelischen Kirchengemeinde Bechtolsheim nicht tradiert wurde: 
Laut Vermerk von Stühlinger im Protokollbuch nach 1945 la g das Buch seit Kriegsende nicht 
mehr vor (Auskunft von Pfarrer Markus Krieger, Bechtolsheim, vom 29.06.2017). 
Es ließen sich keine Entnazifizierungsdokumente zu Wilhelm Stühlinger recherchieren; eine 
Anfrage beim Staatsarchiv Koblenz, zuständig für Bechtolsheim, blieb ohne Ergebnis. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei

385 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
Zentralarchiv der EKHN, Personalakte 
HStAD, R 12 P Nr. 6459 
Evangelische Kirchengemeinden Bechtolsheim, Biebelnheim, Ensheim & Spiesheim 
StadtA DA, ST 61 Stühlinger, Wilhelm 
Literatur: 
Gunkel, Hermann: Stühlinger, Wilhelm. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 903. 
Lange, Thomas: „… im weitesten Sinn all derer, die guten Willens sind“. Die ersten Jahrzehnte der 
GCJV Darmstadt. In: Ders./Triebel, Lothar (Hrsg.): „Geh nicht den alten Weg zurück!“  Festschrift zum 
sechzigjährigen Bestehen der Gesellschaft für Christlich -Jüdische Zusammenarbeit 1954 -2014, S. 17-
49.

386 
Christine-Teusch-Weg (G 9), benannt 2001 nach 
Christine Teusch (1888-1968) 
Politikerin und Lehrerin 
* 11. Oktober 1888 in Köln-Ehrenfeld 
Katholische Schulbildung in Köln 
1910 Lehrerinnenexamen 
1910-1913 Oberlehrerin am Lyzeum Marienberg in Neuss 
1913 Rektorenprüfung in Koblenz 
1913-1917 im Schuldienst der Stadt Köln 
1915-1917 Vorsitzende des „Katholischen Lehrerinnenvereins“ des Bezirksverbands Köln 
1917 Beurlaubung von der Lehrtätigkeit: Leitung einer Nebenstelle für Frauenarbeit bei der Militä r-
verwaltung in Essen (zuständig für Rüstungsarbeiterinnen) 
Seit 1918 Tätigkeiten in der katholischen Frauen- und Gewerkschaftsarbeit 
1918 Verbandssekretärin des neu gegründeten Frauendezernats in der Kölner Zentrale des „Gesam t-
verbandes der christlichen Gewerkschaften" 
1919 Wahl in die verfassungsgebende Weimarer Nationalversammlung (als  jüngstes Mitglied und als 
eine von sechs Frauen des Zentrums) 
1920-1933 Mitglied des Reichstags für das Zentrum (Mitglied des Sozialpolitischen Ausschusses, als 
Schriftführerin berufen in das Präsidium des Reichstags) 
1923-1965 Vorsitzende des  Deutschen N ationalverbands der Katholischen Mädchenschutzvereine 
mit Sitz in Freiburg im Breisgau 
1933-1936 Rückkehr in die Lehrtätigkeit nach Auflösung des Reichstags: Volksschullehrerin in Köln 
1936 vorzeitige Pensionierung (offiziell aus gesundheitlichen Gründen) 
1945 Mitglied der CDU (Landesvorstand Rheinland) 
1946 Vorstandsmitglied der CDU in der britischen Besatzungszone 
1946 „Die christliche Frau im politischen Zeitgeschehen“ 
1946/47-1966 Landtagsabgeordnete in NRW 
1947-1954 Kultusministerin von NRW (als zweite Frau in Deutschland Ministerin auf Landesebene) 
1953 Leitung der Kultusministerkonferenz 
Mitbegründerin der „Studi enstiftung des Deutschen Volkes“ , des „Deutschen Akademischen Au s-
tauschdienstes“ sowie der „Forschungsgemeinschaft der deutschen Wissenschaft“ 
† 24. Oktober 1968 in Köln 
Ehrungen: 
1954 Ehrensenator[in] der RWTH Aachen 
1956 Großes Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband der BRD (als erste Frau) 
1963 Ehrenbürgerin der Universität Köln 
Benennung zahlreicher Straßen und Plätze (insbesondere in NRW)

387 
Wirken in der NS-Zeit 
Christine Teusch, über Jahrzehnte in der katholischen Frauen - und Gewerkschaftsarbeit täti-
ge Politikerin und Lehrerin, erste Kultusministerin Nordrhein -Westfalens (1947-1954), muss-
te während der NS -Zeit ihre politische Arbeit als R eichstagsabgeordnete aufgeben, war aber 
weiter im karitativen Bereich tätig. 
Die folgenden Informationen stützen sich weitgehend auf die „politische Biografie“ zu Chri s-
tine Teusch, die 2014 von Kathrin Zehender auf Basis einer Dissertation erschien. Zehend er 
hatte noch die Gelegenheit, den Nachlass von Teusch im Historischen Archiv der Stadt Köln 
auszuwerten, bevor dieser nach dem Einsturz des Gebäudes 2009 zu großen Teilen zerstört 
wurde bzw. bis heute nicht mehr zugänglich ist. 
Teusch war seit Bestehen de s Reichstags 1920 dessen Mitglied für das Zentrum, die Partei 
des politischen Katholizismus‘. Sie engagierte sich besonders in sozialpolitischen Fragen, war 
Mitglied des Sozialpolitischen Ausschusses (stellvertretende Vorsitzende) und als Schriftfü h-
rerin berufen in das Präsidium des Reichstags. Sie konnte ihr Mandat bis zuletzt behaupten, 
wurde sogar am 21. März 1933 nochmals als Schriftführerin in das Präsidium des Reichstags 
gewählt. Bei der Abstimmung über das umstrittene „Ermächtigungsgesetz“ soll sie i ntern 
dagegen votiert haben, schloss sich dann aber – wie alle ihre Parteikollegen – der Mehrheit 
innerhalb der Fraktion an, die schließlich geschlossen dafür stimmte. 
Nach der Gleichschaltung des Reichstags durch das NS -Regime und der erzwungenen Selbs t-
auflösung der Zentrumspartei im Juli 1933 war Christine Teuschs politische Karriere zunächst 
beendet – und eine für sie schwierige Zeit begann, wie ihre Biografin konstatierte: 
„Das Dritte Reich wurde für Christine Teusch zur Leidenszeit. Das Ende des politi schen Katholizismus, 
die Verfolgung von Katholiken, insbesondere der Beamten, und die massiven Einschränkungen in der 
katholischen Verbandsarbeit waren für sie nur schwer zu verkrafte n. Auch persönlich erging es ihr 
nicht gut. Sie musste Verhöre, Hausdurch suchungen und Drohungen des NS -Regimes ertragen. All 
dies zehrte an ihrer Gesundheit, um die es schon in den 1920er Jahren nicht gut bestellt war“ (Z e-
hender, S. 95). 
Anfang April 1933 erreichte Teusch ein Schreiben, das ihre Wiedereinberufung in den Kölner  
Schuldienst in Aussicht stellte, da der Reichstag „bis auf weiteres beurlaubt“ sei (Zehnder, 
S. 95). Laut des Schreibens war ihr Dienstantritt für Herbst 1933 avisiert; in persönlichen 
Aufzeichnungen fanden sich bereits vor den Sommerferien Einträge, die auf Tätigkeiten im 
schulischen Lehrbetrieb verwiesen. In ihrem Nachlass fanden sich zudem zahlreiche Kran k-
meldungen dokumentiert, teils über längere Zeiträume. Im Frühjahr 1934 musste Teusch 
Durchsuchungen erdulden (zeitlebens unverheiratet, lebte sie zusa mmen mit ihrer Zwillings-
schwester Käthe in einer Wohnung in Köln -Ehrenfeld) sowie Verhöre seitens der Gestapo 
ertragen. Daraufhin wurde sie in den Kölner Vorort Worringen (straf -)versetzt, konnte aber 
über den Kontakt zu einer Schulrätin eine Rückversetzun g in ihren Heimat -Stadtteil Köln -
Ehrenfeld erwirken (Juni 1934). „Als prominente Vertreterin des politischen Katholizismus 
und bekannte Verfechterin der Weimarer Republik war Teusch von Anfang an dem Terror 
des NS-Regimes ausgesetzt“, resümierte Zehnder na ch Studium des Teusch’chen Nachlasses

388 
(S. 96). In Folge wiederholter Krankmeldungen bzw. Kuraufenthalte und einer amtsärztlichen 
Untersuchung (Herbst 1935) wurde Teusch schließlich zum 1. Juni 1936 wegen Dienstunf ä-
higkeit in den vorzeitigen Ruhestand versetzt (im Alter von 47 Jahren). 
Kathrin Zehender äußerte Zweifel daran, dass Teuschs schlechter Gesundheitszustand allein 
für die Dienstunfähigkeit verantwortlich zu machen sei (S.  98, 103). Sie begründete ihre 
Zweifel mit der regen Arbeits - und Reisetätigkeit, die Teusch auch weiterhin etwa im Ra h-
men ihrer Funktionen als Vorsitzende des Deutschen Nationalverband s der Katholischen Mä d-
chenschutzvereine und anderer katholischer Verbände wahrnahm (belegbar anhand von Kale n-
dereintragungen). Daher könne auch von „ innerer Emigration“ und einem völlig zurückgez o-
genen Leben Teuschs, wie in der Literatur wiederholt zu lesen ist (exemplarisch Eich, S.  85; 
Morsey, S.  205), nicht die Rede sein. Trotz einschneidender Maßnahmen seitens des NS -
Regimes gegen die katholische V erbandsarbeit zugunsten von NS -Organisationen (dem 
Mädchenschutz wurden etwa Stellenvermittlungen untersagt, die Bahnhofsmission aufg e-
löst, ebenso weitere katholische Verbände), blieb Teusch in führender Funktion  intensiv in 
die Arbeit etwa des Mädchenschu tzes involviert. Zu ihrem engen Kreis an Bezugspersonen 
(zu denen sie teils über die gesamte NS -Zeit in regelmäßigem Kontakt stand) gehörten auch 
Personen des (katholischen) Widerstands gegen das NS -System. Es ließe sich daraus alle r-
dings kein aktiver Widerstand gegen das NS-Regime rekonstruieren: 
„Weder die erschwerten Bedingungen durch die NS-Herrschaft noch Drohungen, Verfolgung oder die 
Kriegswirren konnten Christine Teusch daran hindern, sämtliche Kontakte innerhalb des Verbandsk a-
tholizismus aufrecht z u erhalten und nach wie vor reichsweit tätig zu sein. Dabei ging es primär d a-
rum, die katholischen Verbände im Nationalsozialismus, aber nicht etwa gegen ihn zu erhalten. So 
leistete Teusch in erster Linie ‚passiven Widerstand‘. Mit katholischen Widerstand skreisen stand sie 
allenfalls indirekt über dessen Mitglieder in Kontakt“ (Zehender, S. 99, Hervorhebung im Original; vgl. 
auch Lauterer, S. 245 f.). 
Selbst während des Krieges wurden Konferenzen und Tagungen abgehalten , an deren Pl a-
nung und Durchführung Teusch beteiligt war. 
Gemeinsam mit ihrer Schwester Käthe reiste Teusch während der Kriegszeit zu teils längeren 
Erholungsaufenthalten, etwa nach Heigenbrücken (Spessart), St. Peter (Schwarzwald), Si m-
pelveld (Niederlande), Prüm (Eifel) und Reit im Winkel. H äufig hielt sie sich vor Ort in kirchl i-
chen Einrichtungen auf (Klöstern etc.) , wo sie als ehemalige Zentrumspolitikerin und Vo r-
standsmitglied unterschiedlicher katholischer Verbände gern gesehen war. 
Die let zten Kriegsmonate verbrachte Teusch  im Karolinen -Hospital in Neheim -Hüsten. Der 
Grund für den Aufenthalt ist in der Literatur umstritten  (vgl. Zehender, S. 111 f.; Lauterer, 
S. 246 f.): Sie soll dort mit ihrer Zwillingsschwester nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 u n-
tergetaucht sein; es gibt auch Hinweis e (Briefe und Berichte Dritter) die nahe legen, dass 
Teusch dort zumindest die letzte Zeit vor Kriegsende in sogenannter „Schutzhaft“ verbrac h-
te, ja sogar von der SS umgebracht werden sollte . Andere Autoren gehen hingegen davon 
aus, Teusch habe sich nicht aufgrund politischer Verfolgung nach Neheim -Hüsten begeben, 
sondern da sich ihre Schwester (bei einem Bombenangriff auf Köln verletzt) im dortigen

389 
Hospital zur Genesung aufhielt. Teusch habe demnach ihren Aufenthalt erst nach 19 45 ent-
sprechend umgedeutet: 
„Auch kann von einer Verhaftung, wie sie bei Sozialdemokratinnen und Kommunistinnen schon 1933 
gang und gäbe war, keine Rede sein. Teusch stellte später ihr Leben in der beschützenden Klausur 
des Franziskanerklosters sinnentstellend als Schutzhaft dar. Diese Stilisierung korrespondiert mit dem 
angeblichen Mordversuch der SS unmittelbar vor dem Einmarsch der Amerikaner […] “ (Lauterer, 
S. 246 f., Hervorhebung im Original). 
Christine Teuschs Entnazifizierungsakte liegt im Landesarchiv Nordrhein -Westfalen vor [ bis-
lang nicht eingesehen]. 
Quellen: 
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abt. Rheinland, Bestand NW 1049 (Hauptausschuss Regierung s-
bezirk Köln) Nr. 18438 [NICHT eingesehen] 
Literatur: 
Eich, Klaus-Peter: Schulpolitik in Nordrhein-Westfalen 1945-1954. Düsseldorf 1987. 
Küppers, Heinrich: Christine Teusch. In: Heyen, Franz -Josef (Hrsg.): Rheinische Lebensbilder. Köln 
1997, S. 197-215. 
Morsey, Rudolf: Christine Teusch (1888-1968). In: Fürst, Walter (Hrsg.): Aus dreißig Jahren. Rheinisch-
Westfälische Politikerporträts. Köln 1979, S. 202-209. 
Lauterer, Heide -Marie: Parlamentarierinnen in Deutschland 1918/19 -1949. Königstein im Taunus 
2002. 
Zehender, Kathrin: Christine Teusch. Eine politische Biografie. Düsseldorf 2014.

390 
Thießweg (J 9), benannt 1981 nach 
Frank Thiess (1890-1977) 
Schriftsteller 
* 13. März 1890 auf Gut Eluisenstein bei Uexküll (in der Nähe von Riga, heute Lettland) 
1893 Emigration der Familie nach Berlin 
Schulzeit in Berlin (mehrfacher Schulwechsel) und Aschersleben 
Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Berlin und Tübingen 
1913/14 Promotion, „Die Stellung der Schwaben zu Goethe“ 
1915 im April kurzzeitiger Einzug als Armierungssoldat an die Ostfront, bereits im Mai „untauglich“ 
entlassen 
1915 Heirat mit einer Lehrerin (Trennung 1919) 
1916-1919 Redaktionsassistenz beim Berliner Tagblatt sowie weitere journalistische und schriftstelle-
rische Tätigkeiten 
1919/20 Aufenthalt in München, Mittenwald und Berlin 
1920/21 Dramaturg an der Volksbühne in Stuttgart 
1921 „Der Tod von Falern“ (Romandebut) 
1921-1923 Theaterkritiker beim „Hannoverschen Anzeiger“ 
1922 Heirat mit Florence Losey (zweite Ehe) 
Seit 1923 freier Schriftsteller in Berlin und am Steinhuder Meer 
1923 „Die Verdammten“ 
1924-1931 Romanzyklus „Jugend“ („Der Leibhaftige“, „Das Tor zur Welt“,  „Abschied vom Paradies“, 
„Der Zentaur“) 
1927 „Frauenraub“ 
1933 „Die Verdammten“ und „Frauenraub“ auf „Lister der unerwünschten Literatur“ 
1933 „Johanna und Esther“ 
1934 „Der Weg zu Isabelle“ (verfilmt 1939 unter dem Titel „Der Weg zu Isabel“) 
1935 „Der ewige Taugenichts“ (Bühnenstück) 
1936 „Tsushima“ 
1937 „Stürmischer Frühling“ 
1938-1945 Tätigkeiten wie Drehbücher für UFA-Filmproduktionen 
1941 „Das Reich der Dämonen“ 
1941 Heirat mit Yvonne de Juge (dritte Ehe) in Rom (ein Kind) 
1942/1946 Doppelroman über Caruso: „Neapolitanische Legende“ und „Caruso in Sorrent“ 
1944 Geburt der Tochter Irene in Wien 
1945-1952 Aufenthalt in Bremen(-Oberneuland) 
1945 sogenannte „große Kontroverse“ mit Thomas Mann über die „innere Emigration“

391 
1947-1975 umfangreiches literarisches Werk 
1950 Vizepräsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung 
1952 Umzug nach Darmstadt, wo er bis zu seinem Tod lebte und wirkte 
1952-1953 Herausgeber der Zeitschrift „Neue Literarische Welt“ 
1955 Vizepräsident der Akademie der Wissenschaften  und der Literatur in Mainz, Leiter der Liter a-
turklasse 
† 22. Dezember 1977 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1950 Ehrenmitglied des Schutzverbands deutscher Autoren 
1955 Großes Verdienstkreuz der BRD 
1955 Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt (erster Träger) 
1960 Silberne Verdienstplakette der Stadt Darmstadt 
1961 Großes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich 
1968 Goethe-Plakette des Landes Hessen 
1968 Konrad-Adenauer-Preis 
Wirken in der NS-Zeit 
Frank Thiess, Schriftsteller und „Drahtzieher im Literaturbetrieb“, der von 1952 bis zu seinem 
Tod 1977 in Darmstadt lebte, wirkte in der NS -Zeit einerseits als Autor sehr erfolgreicher (in 
hoher Auflage veröffentlichter) Bücher, der zumindest anfangs versuchte, seine Arbeit dem 
NS-Regime anzupassen bzw. Kontakte zu seinen Gunsten zu nutzen, andererseits waren ei n-
zelne seiner Werke verboten, manche konnten als regimekritisch gelesen werden. Thiess 
war in der Nachkriegszeit umstritten und geriet aufgrund von Veröffentlichungen in den 
1960er Jahren erneut in die Kritik. 
„In der Tat handelt es sich bei Thiess‘ antibolschewistischen, antidemokratischen, elitären und org a-
nisch geprägten Vorstellungen sowie seinem Bekenntnis zur christlich -abendländischen, humanisti-
schen Tradition um konservativ -revolutionäres Gedankengut“ (Wolf, S.  308, in Bezug auf Thiess‘ R o-
man „Das Reich der Dämonen“, annähernd Wortgleich schon Westenfelder, S. 286). 
Die (Forschungs-)Literatur zum Autor Frank Thiess und zu dessen Wirken in der NS -Zeit ist 
umfangreich wie uneinheitlich: De utungen schwanken von (verdecktem) Widerstand gegen 
das NS-Regime bis hin zu dessen offensichtlicher Unterstützung. Yvonne Wolf stellte in ihrer 
Dissertation zu „Frank Thiess und der Nationalsozialismus“ in den „historischen Werken“ des 
Autors (auf deren U ntersuchung ihre Analyse basierte) ein „ambivalentes Changieren zw i-
schen völkisch -nationalen und NS -kritischen Positionen“ fest (Wolf, S.  9). Helmut Böttiger, 
der sowohl den Nachlass von Frank Thiess in der ULB auswertete (Stand: 2009) wie Dok u-
mente im Deu tschen Literaturarchiv in Marbach (darunter Thiess‘ Tagebuch aus dem Jahr 
1945) kam zu folgendem Schluss: 
„Es fällt auf, dass die Grundlinien des Thiess’schen Denkens immer dieselben bleiben, ob in der We i-
marer Republik, dem ‚Dritten Reich‘ oder in der Nac hkriegszeit und in der Bundesrepublik: Immer

392 
geht es um das aristokratische Prinzip des ‚Geistes‘, der eine Führungsrolle übernehmen soll, und um 
eine Beschwörung der Gefahr, die von der Masse ausgeht“ (Böttiger, S. 32). 
Thiess ließe sich zu den Anhängern einer „konservativen Revolution“ zählen, die während 
der Weimarer Republik die parlamentarische Demokratie vehement ablehnten und in gewi s-
ser Weise dem Nationalsozialismus den Weg ebneten. Er war aber weder Mitglied der 
NSDAP noch schien er deren Auftreten zu goutieren: 
„Doch die Nazis, die konkrete Ausformung der völkisch -antidemokratischen Strömungen der Weima-
rer Zeit, waren Thiess durchaus unsympathisch. Seine Haltung war zu elitär für die kleinbürgerlich -
pöbelhaften Massen und die krakeelenden NSDAP -Funktionäre, er fühlte sich von ihnen abgestoßen. 
Das ‚Geistige‘, die ‚deutsche Kultur‘ waren für ihn die obersten Werte“ (Böttiger, S. 16). 
Es ließen sich aber durchaus Belege dafür auffinden, dass Thiess zumindest bis 1936 Mittel 
und Wege zu finden suchte (und auch fand), um weiterhin schriftstellerisch tätig zu sein bzw. 
publiziert werden zu dürfen – und dabei zu (ausformulierten) Konzessionen an das NS -
Regime bereit war. 
Als Beispiel, das auch in der Literatur häufig genannt wurde, dient das von Frank Thie ss ver-
fasste Vorwort zur 1933 erschienen Neuauflage seines 1924 publizierten Romans „Der Lei b-
haftige“, erster Band seines Romanzyklus‘ „Jugend“ (in der Neuauflage S.  9-15, Vorwort zur 
„vom Dichter durchgesehenen Sonderausgabe“ in Auszügen auch bei Loewy, S . 199 f.). Darin 
deutete Thiess den Text in unterschiedlichen Dimensionen als anknüpfungsfähig an den N a-
tionalsozialismus, gab nachträglich denjenigen Recht, die ihn als „antisemitischen Roman“ 
lasen (vgl. auch Deppert, S.  919) und rief dazu auf, „mit ausg ekehrtem Herzen in ein neues 
Zeitalter aufzubrechen!“. Von der Kritik (vgl. etwa Grimm, S.  44), so ist in der Literatur zu 
lesen, sei stets übersehen worden, dass der Verlag Zsolnay das Vorwort initiiert und Thiess 
„offenbar nolens volens mitgespielt“ habe , um weiter veröffentlichen zu dürfen (Ange r-
mann, S.  249 und 260, Zitat S.  260, beim Sachverhalt rekurrierend auf Wolf, S.  4). Thiess 
selbst allerdings nannte in einem Brief an Staatsrat Hans Hinkel vom Oktober 1934 „Die 
Leibhaftigen“ als einen jener Roman e, aufgrund derer er sich „den unauslöschlichen Hass 
der jüdischen Literatenschaft und der jüdischen Presse zugezogen hatte, während sie z u-
gleich in ihrer Art als geistige Wegbereiter des neuen Deutschlan d ihre Aufgabe erfüllen 
durften“: 
„Ich habe 1924 im ‚Leibhaftigen‘ im ersten Zeitroman der Nachkriegsliteratur so rücksichtslos die 
Mechanisierung und Verjudung des deutschen Denkens dargestellt, dass ich mir damit fast die g e-
samte Linkspresse zu entrüsteten Feinden machte“ (beide Zitate 26.10.1934, Frank T hiess, an Staats-
rat Hans Hinkel, BArch Berlin, BDC, R 9361-V/11407). 
Die „unverwechselbare Deutschheit“ seiner Bücher, so Thiess weiter, sei über die Grenzen 
des „Dritten Reichs“ wahrgenommen und erkannt worden: 
„Diese Bücher hatten zur Folge, dass man mic h als typischen Vertreter des neuen Deutschland zu 
Vorträgen ins Ausland rief, wo ich mehr als irgend ein anderer für das Verstehen des nationalsoziali s-
tischen Gedankengutes wirken konnte“ (26.10.1934, Frank Thiess, an Staatsrat Hans Hinkel, BArch 
Berlin, BDC, R 9361-V/11407).

393 
Mehrfach wandte sich Thiess bei Problemen an Staatsrat/Staatskommissar Hans Hinkel (vgl. 
Dokumente in RKK-Akte Thiess, BArch Berlin, BDC, R 9361-V/11407 sowie im Deutschen Lite-
raturarchiv in Marbach, vgl. zu Letzteren Böttiger, S.  17), wiederholt setzte sich Hinkel (e r-
folgreich) für den Autor ein. Mit einem Brief vom 30. Januar 1936 bedankte sich Thiess bei 
Hinkel dafür, dass dieser „schon soviel Gutes für mich getan“ habe und bat erneut um Unter-
stützung, diesmal hinsichtlich der noch nicht endgültig genehmigten Aufführung eines Bü h-
nenstücks („Der ewige Taugenichts“). Hans Hinkel, seit 1933 Reichsorganisationsleiter des 
Kampfbundes für deutsche Kultur  und Dritter Geschäftsführer der Reichskulturkammer , war 
zu der Zeit im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda als Sonderbeauftra g-
ter für „Kulturpersonalien“ zuständig („Sonde rreferat Hinkel – Judenfragen“) und zeichnete 
damit maßgeblich für die „Entjudung“ des deutschen Kulturbetriebs verantwortlich. 
Wenngleich zwei von Thiess ‘ Werken 1933 auf die „Liste der unerwünschten Literatur“ g e-
setzt worden waren („Die Verdammten“ und „Frauenraub“), ist „ein Totalverbot der Werke 
von Thiess […] nicht ergangen und auch nicht zur Durchführung gelangt“ (05.09.1935, [R u-
dolf] Erckmann an Staa tskommissar Hinkel, im Haus [ Reichsministerium für Volksaufklärung 
und Propaganda ], BArch Berlin, BDC, R 9361 -V/11407). Die Reichsstelle zur Förderung des 
deutschen Schrifttums sah Thiess offensichtlich kritisch; laut Hinkel hatte sie ein Totalverbot 
dessen Werks angestrebt. Thiess‘ Publikationen wurden aber von Fall zu Fall geprüft, wie es 
hieß, und es gab zunächst keine Beanstandungen bezüglich der nach 1933 verfassten Texte. 
Zumindest für eine Förderung von Thiess sahen allerdings auch andere NS -Stellen keinen 
Grund: 
„Ein Anlaß zur Förderung von Thiess bestand auf der anderen Seite nicht, da seine Probleme, seine 
Darstellungen und seine Diktion so stark den Charakter des individualistischen liberalen Zeitalters 
tragen, daß er nicht als einer der vorwärtsw eisenden Autoren angesehen werden kann“ (05.09.1935, 
[Rudolf] Erckmann an Staatskommissar Hinkel, BArch Berlin, BDC, R 9361-V/11407). 
In seinem bereits erwähnten Schreiben an Hans Hinkel vom Oktober 1934 begründete Thiess 
gegenüber dem Staatskommissar auch seine Nicht-Mitgliedschaft in der NSDAP: 
„Um endlich auch die negativen Seite[n] dieser Angelegenheit zu berühren, so lag der Grund, der 
mich verhinderte, in die Partei einzutreten, lediglich darin, dass ich seit 1920 öffentlich gegen das 
Parteiensystem a ls solches Stellung genommen hatte und einen Mangel an Folgerichtigkeit darin 
erblickte, in die NSDAP einzutreten, so lange sie sich ‚Partei‘ nannte. Dazu kam, dass die Bildung der 
Harzburger Front mich plötzlich ein Zusammengehen mit der Reaktion fürchten  liess, wogegen ich 
große Bedenken hatte. Dass dem Führer trotzdem das grosse politisch -taktische Manöver ohne 
Preisgabe seiner Ziele gelang, darf uns heute nicht veranlassen, die, welche einst darum bangten, als 
Gegner abzulehnen“ (26.10.1934, Frank Thies s, an Staatsrat Hans Hinkel, BArch Berlin, BDC, R 9361 -
V/11407). 
Thiess konnte 1936 den Roman „Tsushima“ über den russisch -japanischen Seekrieg 1905 
veröffentlichen – der schließlich in hunderttausender Auflage publiziert und zum größten 
Verkaufserfolg für  Thiess überhaupt wurde –, „kein faschistisches oder nationalsozialist i-
sches Buch, doch ein Werk, das die beiden unter dem Nationalsozialismus protegierten Ge n-
res des historischen und des Kriegsromans in sich vereinte“ und den Anforderungen des

394 
Marktes genügte (Wolf, S.  184, ausführlich dazu S.  125-185). Reinhold Grimm vertrat 1972 
die Auffassung, dass zumindest dieser Roman keineswegs als Beitrag zur „inneren Emigrat i-
on“ gelesen werden könnte (Grimm, S. 45 f.). 
In der Literatur ebenfalls umfangreich diskut iert wurde Thiess‘ 1939 begonnener und 1941 
veröffentlichter Roman „Das Reich der Dämonen“ (etwa Wolf, S.  186-308, Helbig 2000, He l-
big 2005, S.  143-148, Angermann, S.  251 f.). Er wurde teils als „sehr bedeutendes Werk der 
literarischen ‚Inneren Emigration‘ “ bewertet (Angermann, S.  252), das einen „erheblichen 
Grad an Oppositionsgeist offenbaren“ würde (Helbig 2005, S.  146). Häufig wurde in der Lit e-
ratur darauf verwiesen, dass das Werk, dessen erste Auflage rasch vergriffen war, vom NS -
Regime schließlich verboten wurde (so etwa Loewy, S. 325). Marcus Hajduk hingegen vertrat 
die These, das Buch sei nie verboten, sondern lediglich ein Besprechungsverbot durch das 
Amt Rosenberg ausgesprochen worden – das wiederum auch nur einen Monat währte 
(Hajduk, S. 396). Thiess selbst habe, so Hajduk unter Berufung auf Barbian (Barbian, S.  413), 
in seiner Selbstinszenierung als Opfer des NS -Regimes das Verbot in die Welt gesetzt. Als 
erwiesen erscheint zumindest, dass das Werk nicht – wie Thiess behauptete – „prompt nach 
Erscheinen des Werkes“ verboten wurde (Thiess 1972, S.  133). Thiess hatte den Roman sp ä-
ter als „Geschichtswerk des Widerstands“ bezeichnet (Thiess 1972, S.  135). Louis Ferdinand 
Helbig kam am Ende seiner ausführlichen Erörterungen (Helbig 2000) zu folgendem Schluss: 
„Sein Roman ‚Das Reich der Dämonen‘ verdient das Prädikat ‚Geschichtswerk des Widerstands‘ und 
er als Schöpfer Anerkennung dafür, die Notwendigkeit zum Widerstand bewußt gemacht zu haben, 
denn geistiger Widerstand beginnt stets mit Bewußtsein“ (Helbig 2000, S. 126). 
Andere Autoren urteilten zurückhaltender, da in besagtem Werk kein Aufruf zum Wide r-
stand gegen ein – wie auch immer geartetes – Unrechtssystem zu lesen sei (vgl. etwa We s-
tenfelder, S. 280-288). Grimm machte darauf aufmerksam, dass viele d erjenigen Stellen, die 
tatsächlich als „regimekritisch“ angesehen werden könnten, erst in den Auflagen nach 1945 
eingefügt wurden, nicht aber in den ersten beiden Auflagen zu finden waren („1. -10. Ts.“ 
und „10.-31. Ts.“), welche in der NS-Zeit erschienen (Grimm, S. 43). 
Norbert Angermann, emeritierter Professor für Osteuropäische Geschichte und ausgewies e-
ner Fachmann für die mittelalterliche Geschichte des Baltikums, der sich 2008 in seinem Au f-
satz „Frank Thiess und der Nationalsozialismus “ mit dem Wirken v on Thiess in der NS -Zeit 
auseinandersetzte, bewertete „Das Reich der Dämonen“ ebenfalls als „regimekritisch“. A n-
germann gelangte nach der Auswertung umfangreichen Quellenmaterials (darunter der 
Thiess’sche Nachlass in der ULB Darmstadt) zu folgender Beurteilung: 
„Als Ergebnis der vorliegenden Materialzusammenstellung kann aber festgehalten werden, daß 
Thiess das nationalsozialistische Regime entschieden ablehnte. Dieses Bild läßt sich auch durch Publ i-
kationen aus der Nachkriegszeit bestätigen, in denen der Autor immer wieder seinen Abscheu vor 
Hitler und dessen Schergen zum Ausdruck bringt“ (Angermann, S. 255). 
Angermann, der auch andere Romane von Thiess als „regimekritisch“ deutete, verwies unter 
anderem auf das maschinenschriftliche, unveröffentlichte Man uskript „Wie war es mö g-
lich?“ aus dem Nachlass Frank Thiess der ULB Darmstadt (undatiert, vermutlich gegen

395 
Kriegsende verfasst), in dem Thiess auf die totalitäre Kontrolle während des „Dritten Reichs“ 
verwies und damit in gewisser Weise auch seine „Flucht“  in die „innere Emigration“ legit i-
mierte (vgl. ausführlicher Angermann, S.  255 f.). – Kürzlich gelangten neue Quellen in den 
Nachlass der ULB (der derzeit neu verzeichnet wird), darunter Tagebücher von Frank Thiess 
aus den 1930er Jahren. Norbert Angermann fand nach Auswertung der Tagebücher aus den 
Jahren 1933-1935 sich in seiner früheren Beurteilung von Frank Thiess‘ Einstellung zum N a-
tionalsozialismus bestätigt: Anfangs habe Thiess die „klaren Verhältnisse“ nach der „Mach t-
ergreifung“ zwar begrüßt, doch no ch 1933 (und in der Folgezeit verstärkt) habe er sich in 
den Tagebüchern deutlich kritisch gegenüber dem NS -Regime geäußert (laut Gespräch mit 
Norbert Angermann am 11.06.2017 in Darmstadt). Eine kritische Auswertung des erweite r-
ten Nachlasses steht noch aus. 
Auf den ersten Blick überraschend erscheint, dass Thiess  gleichzeitig mit so unterschiedl i-
chen Personen wie dem Philosophen Hermann Graf Keyserling und dem Monarchisten Fried-
rich Reck -Malleczewen befreundet war sowie mit dem l inken Revolutionär Kurt Hil ler; es 
verbanden die Genannten mit Thiess  „die gemeinsamen vitalistischen und aristokratischen 
Züge“ (so Böttiger, S.  18). Am verblüffendsten aus heutiger Sicht erscheint jedoch die lang-
jährige und intensive Freundschaft mit dem jüdischen Schriftsteller H ermann Broch, in dem 
Thiess nach 1945 fraglos einen integren Fürsprecher hatte. Broch, der sich 1938 zur Emigr a-
tion aus Österreich (über Großbritannien in die USA) gezwungen sah, stand mit Thiess bis 
1938 und dann wieder ab 1948 in regem Briefkontakt (groß e Teile in ULB Darmstadt, Nac h-
lass Frank Thiess). Der überlieferte Briefwechsel (rund 200 Briefe) gibt Aufschluss darüber, 
wie sich Thiess gegenüber Broch – der die Machtübernahme der Nationalsozialisten von B e-
ginn an als Katastrophe wahrnahm – zum NS-Regime äußerte: 
„Die deutsche Situation sehe ich nicht so verzweifelt an wie sie. Sie werden sich auch darüber klar 
sein, dass rein politisch gesehen ein großer Fortschritt dadurch zustande gebracht wurde, dass en d-
lich klare Verhältnisse, scharf akzentuierte F ronten geschaffen worden sind. Den Weg des radikalen 
Nationalstaates mussten wir gehen, nachdem die deutschen Kommunisten dumm genug gewesen 
sind, die Zeichen der Zeit nicht zu begreifen und starr bei ihrem Parteischema und den Dogmen der 
III. Internationalen blieben“ (Brief von Thiess an Broch vom 18.03.1933, zitiert nach Böttiger, S. 20). 
Spätere Briefe können als Hinweis darauf gelesen werden, dass Thiess dem Nationalsozi a-
lismus ablehnend gegenüberstand: 
„Ich mache mir gewiss keine Illusionen über das, w as Österreich heute ist und nach der ganzen Wel t-
lage heute sein kann, aber ich weiß Sie dort und ein paar andere Menschen, die mir lieb sind, zu all e-
dem ist die Luft bei Euch, wie ungesund Ihr sie auch mit Recht empfinden mögt, nicht mit diesen 
Miasmen der Verlogenheit, der Angst und des Hasses geladen und allein durch die Tatsache offener 
Grenzen nach allen Ländern frischer als bei uns, wo man es tageweise kaum noch zu ertragen ve r-
mag“ (Brief von Thiess an Broc h vom 13.01.1935, ULB Darmstadt, Nachlass Thie ss, zitiert nach Bötti-
ger, S. 21, Hervorhebung im Original). 
Als intimer Kenner des genannten Briefwechsels kann Paul Michael Lützeler angesehen we r-
den, Rosa May Distinguished Univers ity Professor in the Humanities sowie Direktor des  Max 
Kade Center for Co ntemporary German Literature  (Washington University in St. Louis), de s-

396 
sen ausführlich kommentierte Publikation des Briefwechsels noch 2017 erscheinen soll 
(Wallstein-Verlag Göttingen). Lützeler bewertete das Verhältnis zwischen Thiess und Broch – 
auf Anfrage – wie folgt: 
„Es entwickelte sich bald eine wirkliche Freundschaft, und Thiess blieb der denkbar beste Berater und 
gleichzeitig kritische Leser Brochs bis 1938, als Broch, da er Jude war, ins Exil gehen musste. In den 
für Broch ausgesprochen schwierigen  Monaten zwischen März und Juli 1938 blieb Thiess ein treuer 
Freund und schickte ihm auf Bitten Brochs hin auch das Manuskript seines antifaschistischen Romans 
‚Die Verzauberung‘ über die Schweiz nach England nach. Broch gehörte zu einer Reihe von jüdische n 
Freunden von Frank Thiess, aber mit keinem blieb er so eng befreundet wie mit Broch. Als nach dem 
Krieg Thiess als Gefolgsmann der Nazis bezeichnet wurde, veröffentlichte Broch 1948 sowohl in der 
New Yorker Exilzeitschrift ‚Aufbau. Reconstruction‘ [vgl. Böttiger, S. 22] wie auch in der ‚Hamburger 
Akademischen Rundschau‘ eine ‚Erklärung‘, in der er betonte, dass er Frank Thiess immer nur als 
Verächter der Nationalsozialisten gekannt habe, und dass – anders als viele sog. ‚Arier‘ – Thiess ihm 
auch vor der F lucht nach England 1938 geholfen habe“ (E -Mail von Paul Michael Lützeler vom 
14.06.2017). 
Als weiteres Indiz für die Ablehnung nationalsozialistischen Gedankenguts wertete Lützeler 
(wie andere Autoren auch) die Tatsache, dass Thiess 1932 den jüdischen Verl eger Paul Zsol-
nay wählte und im Zsolnay -Verlag auch nach 1933 publizierte. Von Paul Zsolnay, dem Thiess 
freundschaftlich verbunden blieb, liegt denn auch ein Leumundsschreiben für Frank Thiess 
von September 1945 vor, in dem der Verfasser seine Überzeugung zum Ausdruck brachte, 
dass Thiess („mein intimer Freund“) „die Nazis und alles, wofür sie eintraten, hasste“ 
(23.09.1945, Paul Zsolnay, London, an Herrn Stier tom Moehlen, Staatsarchiv Bremen, Nach-
lass Senator a. D. Hermann Wolters 7, 143-58). 
Thiess hielt sich seit 1923 hauptsächlich in Berlin und am Steinhuder Meer auf. Während der 
NS-Zeit wechselte er häufiger seinen Aufenthaltsort; sein Landgut am Steinhuder Meer ve r-
kaufte er 1936 (laut Angermann aufgrund „finanzieller Schwierigkeiten“, S.  249), er hielt sich 
zeitweise in Österreich auf, zwischenzeitlich auch in Italien (Loewy, S.  325). Im Oktober 1941 
heiratete er in Rom (in seiner dritten Ehe) Yvonne de Juge; seine Tochter Irene wurde im 
Januar 1944 in Wien geboren ( Staatsarchiv Bremen, Meldekarte ). Thiess „schlug sich im N a-
tionalsozialismus als Drehbuchautor durch“, konstatierte Helmut Böttiger (Böttiger, S.  22): 
Von 1938 bis 1945 wurden Drehbücher aus seiner Feder von der UFA verfilmt; auch sein 
1934 veröffentlichter Roman „Der Weg zu Isabelle“ kam 19 39 in die Kinos (unter dem Titel 
„Der Weg zu Isabel“). Der Film „Diesel“ (1942), für den Thiess ebenfalls das Drehbuch g e-
schrieben und der die stets siegreiche deutsche Technik zum Gegenstand hatte, erhielt das 
Prädikat „staatspolitisch wertvoll“ (Klee, S.  610). Ebenfalls 1942 erschien im Übrigen auch 
der erste Teil von Thiess‘ zweiteiliger Romanbiografie über den Tenor Enrico Caruso („ Nea-
politanische Legende“). Zu Beginn des Jahres 1945 weilte er im Rahmen von Recherchen zu 
einer Filmproduktion der UFA (Fi lm über den Aufbau der Zeiss -Werke) in Dresden, später 
befand er sich in Berlin, wie sich jeweils anhand seiner Tagebuchaufzeichnungen aus dem 
Jahr 1945 rekonstruieren lässt.

397 
Das Kriegsende erlebte Thiess schließlich in Bremen – unter einigermaßen skurrilen Umstän-
den: Von April bis Oktober 1945 hielt er sich mit seiner Ex -Frau Florence bei deren (neuen) 
Schwiegereltern, dem alten Ehepaar Apking auf, während seine Frau Yvonne mit der g e-
meinsamen Tochter Irene im Salzkammergut weilte, in Bad Aussee – dem ehemaligen Domi-
zil von Hermann Broch (Tagebuch 1945, Deutsches Literaturarchiv in Marbach, vgl. Böttiger, 
S. 25 ff.). Thiess blieb in Bremen und lebte ab Oktober 1945 in Bremen -Oberneuland ( dort 
gemeldet bis Oktober 1952 an drei unterschi edlichen Adressen, Sta atsarchiv Bremen, Me l-
dekarte), bevor er im Herbst 1952 nach Darmstadt übersiedelte. 
Nach Kriegsende lieferte sich Thiess die sogenannte „große Kontroverse“ mit Thomas Mann, 
in der er den emigrierten Literaten heftig attackierte und für sich die Wortführers chaft der 
„inneren Emigration“ reklamierte (und auch die Verwendung der Begrifflichkeit „innere 
Emigration“ seit 1934 – wie Böttiger belegt möglicherweise nicht zu Unrecht, S.  17; vgl. zu 
anderer Meinung Grimm, S.  42 f., dem der Nachweis vom November 1934 allerdings noch 
nicht vorlag). Einen umfassenden Überblick über Thiess‘ Rolle in der „großen Kontroverse“ 
lieferte Marcus Hajdu in seiner Dissertation 2002 (erschienen 2003). Hajdu wertete darin 
auch Briefe von und an Thiess in diesem Kontext aus (S.  354-409), deren kritische Komme n-
tare aufschlussreiche Hinweise über Thiess‘ Verhältnis zum NS -Regime lieferten. Hajdu ve r-
suchte nachzuweisen, dass sich Thiess nach 1945 ganz bewusst als Opfer des NS -Regimes zu 
inszenieren suchte. 
Eine weitere Kontroverse um den  Autor Frank Thiess entspann sich im Zuge der Verleihung 
des umstrittenen Konrad -Adenauer-Preises an Thiess und zwei weitere Preisträger 1968. 
Dabei wurde Thiess seine positive Besprechung des geschichtsrevisionistischen Buchs „Der 
erzwungene Krieg“ des am erikanischen Historikers David L. Hoggan aus dem Jahr 1962 vo r-
geworfen. Thiess hatte die Thesen Hoggans über die Vorgeschichte des Zweiten Weltkriegs 
unkritisch übernommen (was selbst Norbert Angermann als „bedauerlich“ be - bzw. veru r-
teilte, S.  256). Massive Proteste lösten zudem Thiess Beiträge in der „Deutschen National -
Zeitung und Soldaten -Zeitung“ aus dem Jahr 1965 aus. In einem Beitrag wies Thiess darauf 
hin, dass es „prinzipiell richtig, ja notwendig“ sei, neben der deutschen Schuld auch nich t-
deutsche Verbrechen zu berücksichtigen – „[n]icht um die deutschen Untaten zu verkleinern, 
sondern um den anderen vor Augen zu führen, wessen der Mensch überhaupt fähig ist und 
daß es keine Unterschiede zwischen bösen und guten Nationen gibt“ (Thiess 1965, zitiert  
nach Angermann, S.  257). Das ständige Schreien nach „Bestrafung Schuldiger“ mit Blick auf 
die NS-Zeit verhindere eine wirkliche Einkehr, so Thiess weiter. Im Zuge der Proteste gegen 
die Preisverleihung veröffentlichten 50 deutsche Professoren eine Erkläru ng, in der sie die 
Veröffentlichungen in rechtsextremen Publikationsorganen brandmarkten und die Preisve r-
leihung sowie deren Begleitumstände „als Symptome gefährlicher Irreführung und befrem d-
licher Fehleinschätzung“ werteten (unter den Unterzeichnern: Karl  Otmar Freiherr von Ar e-
tin, Theodor Eschenburg und Dolf Sternberger, DE vom 11.05.1968). Heinz Winfried Sabais, 
der die Laudatio auf Thiess halten sollte (vgl. StadtA DA, ST 61), setzte sich in der Kontrove r-
se für Thiess ein; Thiess selbst ließ wissen:

398 
„Die im Zusammenhang mit dem Adenauerpreis gegen mich gerichteten Unterstellungen und Angri f-
fe werde ich weder mit Gegenerklärungen noch Verleumdungsprozessen beantworten. Wer mein 
Lebenswerk, meine autobiographischen Bücher und meine Haltung während der Hitl erjahre kennt, 
wird diesen Standpunkt zu würdigen wissen. Meine Zeit ist mir zu kostbar, um sie mit Pressegefec h-
ten zu verschwenden“ (DT, 11.05.1968). 
Die Preisverleihung wurde zunächst verschoben, später in Abwesenheit von Thiess (und von 
Sabais) durchgeführt. Im Darmstädter Tagblatt kommentierte Max Peter Maaß die Angriffe 
auf Thiess im Zuge der Preisverleihung mit Unverständnis: „Wir setzen uns Irrtümern aus, 
wenn wir nonkonformistische Persönlichkeiten in Schubladen politischer Richtungen einor d-
nen wollen“ (DT vom 14.05.1968). 
In einem Leserbrief setzte sich Thiess 1970 für die Freilassung des schwerkranken Rudolf Heß 
ein („Gnade für Heß“, Bayern -Kurier vom 03.01.1970): Die Grausamkeit einer langjährigen 
Einzelhaft stünden im Widerspruch zur christlichen  Moral. Außerdem habe Heß alles unte r-
nommen, um einen Krieg zwischen Deutschland und England zu verhindern. Bereits 1947 
hatte Thiess einen Brief der Witwe von Alfred Jodl ( Chef des Wehrmachtführungsstabes im 
Oberkommando der Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs, der im Oktober 1946 hin-
gerichtet worden war) beantwortet: 
„Sie schrieben, dass er [Alfred Jodl, HK] in Nürnberg sein Leben für Deutschland gab, und ich möchte 
diesen Satz vielleicht noch anders verstehen als Sie ihn gemeint haben, nämlich in je nem symbol i-
schen Sinne des freien Opfers trotz der scheinbaren Unfreiheit, in der er sich befand, und darin liegt 
die Größe des Todes und seine Fruchtbarkeit. Vom Standpunkt der Pharisäer aus gesehen, wurde 
auch Jesus bestraft, doch die Christen wendeten d iese ‚Strafe‘ in ein Opfer, das er für die Sünden der 
Menschheit brachte, und so ging von Golgatha ein Strom des Lebens aus“ (02.03.1947, Frank Thiess 
an Luise Jodl, Deutsches Literaturarchiv Marbach, zitiert nach Böttiger, S. 32). 
Zu Frank Thiess ließen s ich keine Entnazifizierungsakten ermitteln. Er war, wie erwähnt, von 
1945 bis 1952 in Bremen(-Oberneuland) gemeldet (Staatsarchiv Bremen, Meldekarte), bevor 
er von dort nach Darmstadt zog; es konnten aber weder ein Meldebogen noch eine Spruc h-
kammer-Akte ausfindig gemacht werden. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, R 9361-V/11407 
Staatsarchiv Bremen, Nachlass Senator a. D. Hermann Wolters 7, 143-58 
Staatsarchiv Bremen, Meldekarte 
ULB Darmstadt, Nachlass Frank Thiess [auszugsweise eingesehen] 
Deutsches Literaturarchiv Marbach [NICHT eingesehen] 
StadtA DA, ST 61, Thiess, Dr. Frank 
E-Mail von Paul Michael Lützeler vom 14.06.2017

399 
Literatur: 
Angermann, Norbert: Frank Thiess und der Nationalsozialismus. In: Garleff, Michael: Deutschbalten, 
Weimarer Republik und Drittes Reich, Bd. 2. Köln/Weimar 2008, S. 245-262. 
Barbian, Jan -Pieter: Literaturpolitik im „Dritten Reich“. Institutionen, Kompetenzen, Betätigungsfe l-
der. München 1995. 
Böttiger, Helmut: „Nie wird der Geist eines modernen Staates unserer Auffassung von Geist entspr e-
chen“. Drahtzieher im Literaturbetrieb  (1): Frank Thiess. In: Ders.: Doppelleben. Literarische Szenen 
aus Nachkriegsdeutschland. Begleitbuch zur Ausstellung. Göttingen 2009, S. 12-33. 
Deppert, Fritz: Thiess, Frank. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 918 f. 
Dotzert, Roland: Die Darmstädter Kommunalpolitik seit 1945. Darmstadt 2007. [S. 225: Erster Träger 
der Johann-Heinrich-Merck-Ehrung 1955] 
Grimm, Reinhold: Innere Emigration als Lebensform. In: Ders./Hermand, Jost (Hrsg.): Exil und Innere 
Emigration. Third Wisconsin Workshop. Frankfurt am Main 1972, S. 31-73. 
Hajdu, Marcus: „Du hast einen anderen Geist als wir!“. Die „große Kontrov erse“ um Thomas Mann 
1945-1949. Gießen 2003 [Dissertation Gießen 2002]. 
Helbig, Louis Ferdinand: Auseinandersetzungen um Dik tatur und Emigration. Frank Thiess im R o-
manwerk und im öffentlichen Disput. In: Kroll, Frank -Lothar (Hrsg.): Europäische Dimensionen 
deutschbaltischer Literatur. Berlin 2005, S. 133-154. 
Helbig, Louis Ferdinand: „Das Reich der Dämonen“ als „Geschichtswerk des Widerstandes“. Frank 
Thiess und die „Innere Emigration“. In: Kroll, Frank -Lothar (Hrsg.): Deutsche Autoren des Ostens als 
Gegner und Opfer des Nationalsozialismus. Beiträge zur Widerstandsproblematik . Berlin 2000, 
S. 111-126. 
Klee, Ernst: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main 
2007. 
Loewy, Ernst: Literatur unterm Hakenkreuz. Das Dritte Reich und seine Dichtung. Frankfurt am Main 
1983 [Original 1969]. 
Thiess, Frank: Es gibt keinen Unterschied zwischen bösen und guten Nationen. In: Deutsche National-
Zeitung und Soldaten-Zeitung vom 21.05.1965. 
Thiess, Frank: Jahre des Unheils. Fragmente erlebter Geschichte. Wien/Hamburg 1972. 
Westenfelder, Frank: Genese, Problematik und Wirkung nationalsozialistischer Literatu r am Beispiel 
des historischen Romans zwischen 1890 und 1945. Frankfurt am Main et al. 1989 [Dissertation Karl s-
ruhe 1987]. 
Wolf, Yvonne: Frank Thiess und der Nationalsozialismus. Ein konservativer Revolutionär als Dissident. 
Tübingen 2003.

400 
Inge-Vahle-Weg (M 6), benannt 2004 nach 
Inge[borg] Vahle[-Gießler] (1915-1989) 
Künstlerin 
* 6. Februar 1915 in Krevese (Altmark) als Ingeborg Gießler 
Umzug der Familie nach Stendal (Altmark) 
1934 Abitur am Oberlyzeum in Stendal 
1934-1935 Studium an der Hochschule für Ku nsterziehung in Berlin -Schöneberg sowie der Philos o-
phie und Kunstgeschichte an der Kunstakademie in Berlin 
1935-1938 Studium an der Kunstakademie in Düsseldorf 
1938-1956 freiberuflich künstlerische Tätigkeit in Stendal (plastisch, grafisch und textil) 
1939 Heirat mit Fritz Vahle (zwei Kinder) 
1942 Geburt des Sohns Friedrich-Eckart (genannt Fredrik), 1945 Geburt des Sohns Karsten 
Ab 1946 Ausstellungen (zunächst mit ihrem Mann Fritz Vahle) und Ausstellungsbeteiligungen im In - 
und Ausland 
1955 „Bildteppich der Gegenwart“ 
1956 Übersiedlung nach Darmstadt; weiterhin künstlerische Tätigkeit: Malerei, Tapisserien, Mosaike, 
textile Objekte 
1959 Glasmosaike in der Georg-Büchner-Schule in Darmstadt 
1963-1969 Glasfenster der Evangelischen Stephanuskirche in Gelsenkirchen-Buer 
1968-1978 zahlreiche (Einzel-)Ausstellungen im In- und Ausland, darunter in Darmstadt 1968 (Kuns t-
halle) und 1975 (Staatstheater) 
1969 „Künstler in Darmstadt“ 
Seit 1970 Mitglied des Deutschen Werkbundes 
In 1980er Jahren Autorin sogenannter „Ringbüch er“ (Bild - und Schriftcollagen, darunter ca. 1988 
„Gegenwärtige Vergangenheit“), Rauminstallationen 
† 26. November 1989 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1954 Diplom d‘honneure, X. Triennale in Mailand 
1957 Diplom der Zusammenarbeit, XI. Triennale in Mailand 
1975 Johann-Heinrich-Merck-Ehrung der Stadt Darmstadt 
Wirken in der NS-Zeit 
Inge Vahle, seit 1956 in Darmstadt lebende Künstlerin, deren künstlerisches Repertoire nach 
1945 unterschiedliche Ausdrucksformen umfasste (Malerei, Collagen, Tapisserien und and e-
re textil e Objekte, Mosaike, Ringbücher, Rauminstallationen), war in der NS -Zeit Schülerin, 
Studentin und freischaffende Künstlerin.

401 
Vahle (damals noch Gießler) besuchte das Oberlyzeum in Stendal, das sie 1934 mit dem Ab i-
tur verließ. Sie zog zum Studium zunächst na ch Berlin, wo sie an der Hochschule für Kunster-
ziehung in Berlin-Schöneberg sowie an der Berliner Kunstakademie Philosophie und Kuns t-
geschichte studierte. 1935 wechselte sie zum Studium an die Kunstakademie in Düsseldorf; 
dort lernte sie ihren späteren Man n Fritz Vahle kennen (Heirat 1939), der ebenfalls an der 
Kunstakademie tätig war. Der damalige Direktor der Kunstakademie, Peter Grund, sollte Inge 
Vahle 1963 in das dreiköpfige Team holen, das die Entwürfe für die Evangelische Stephanu s-
kirche in Gelsenkir chen-Buer erarbeitete; Vahle gestaltete die Betonglaswände der Kirche 
(Umsetzung ab 1968, also erst nach Grunds Tod). 
Von 1938 an arbeitete Inge Vahle als freischaffende Künstlerin in Stendal, bis sie 1956 mit 
ihrer Familie in den Westen, nach Darmstadt zo g. 1942 wurde ihr Sohn Friedrich-Eckart (ge-
nannt Fredrik) geboren, 1945 der zweite Sohn  Karsten. Ihr künstlerisches Schaffen war zu 
der Zeit von Landschaftsmalerei geprägt, insofern die veröffentlichten Bilder aus den 1930er 
und 1940er Jahren als exemplari sch für diesen Lebensabschnitt angesehen werden können 
(vgl. Klein 2015, S.  8-11). Ihr Mann Fritz war 1940 -1945 als Soldat im Kriegsdienst (Fran k-
reich, Norwegen, Russland). 
Es ließen sich zu Inge Vahle, die bis 1956 in Stendal lebte, keine Entnazifizierung sakten re-
cherchieren. 
Quellen: 
HStAD, R 12 P Nr. 6728 
StadtA DA, ST 61 Vahle, Fritz, Inge, Fred(e)rik 
Literatur: 
Christ, Alexa-Beatrice: Vahle, Inge. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 936. 
Inge und Fritz Vahle. Retrospektive [Katalog Kunsthalle]. Darmstadt 1993. 
Klein, Christiane (Hrsg.): Inge Vahle. Textil – Textur – Text. Darmstadt 2015. 
Vahle, Inge: Ausstellungskatalog Kunsthalle Darmstadt. Darmstadt 1968.

402 
Viktoriastraße/Viktoriaplatz (H 7), benannt 1872/1892 [!] nach 
Viktoria von Hessen und bei Rhein (1863-1950) 
Enkelin von Königin Viktoria von Großbritannien und Irland 
5. April 1863 auf Schloss Windsor Castle (London) 
1883-1912 Vorsitz im Alice-Hospital und für die Alice-Schwesternschaft in Darmstadt 
1884 Heirat mit Prinz Ludwig von Bat tenberg (ab 1917 Louis Mountbatten, Marquess of Milford H a-
ven) in Darmstadt (vier Kinder) 
1885 Geburt der ersten Tochter auf Windsor Castle 
Ab 1887/88 Hauptwohnsitz auf Malta; längere Aufenthalte auf Schloss Heiligenberg (Jugenheim) 
Ab 1902 Ehemann hauptsä chlich in der Admiralität in London eingesetzt (1912 -1914 Erster Seelord, 
Chef der britischen Kriegsmarine) 
1916 Hochzeit des ältesten Sohnes George 
1921 Tod ihres Ehemanns, fortan Wohnung im Kensington Palace (London) 
24. September 1950 in London 
Ehrungen: 
1884 Benennung der Viktoriaschule in Darmstadt 
Wirken in der NS-Zeit 
Prinzessin Viktoria von Hessen, verwitwete Marchioness of Milford Haven, lebte lange Zeit 
ihres Lebens in Großbritannien. 
Bei Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 war Viktoria im  70. Lebensjahr. Sie lebte 
nach dem Tod ihres Ehemanns 1921 in einer Wohnung im Kensington Palace. Als dieser wäh-
rend des Zweiten Weltkriegs bombardiert wurde, zog sie nach Windsor Castle; sie starb 1950 
in London. 
Viktoria stand während der NS -Zeit in Kon takt unter anderem zu ihren Familienmitgliedern 
in Darmstadt, musste 1937 den Tod ihres Bruders sowie kurze Zeit später den Tod weiterer 
Verwandter beim bekannten Flugzeugunglück in Ostende beklagen sowie 1938 den Tod i h-
res ältesten Sohnes George. 
Es ließen sich keine Informationen recherchieren, die eine Verstrickung mit dem NS -Regime 
nahelegten. 
Quellen: 
StadtA DA, ST 61 Viktoria von Hessen, Prinzessin 
Literatur: 
Franz, Eckhart G.: Battenberg, Ludwig Prinz von. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 61. 
Franz, Eckhart G. (Hrsg.): Haus Hessen. Biografisches Lexikon. Darmstadt 2012. 
Knodt, Manfred: Viktoria – die Namensgeberin der Viktoriaschule. Darmstadt 1995.

403 
Emil-Voltz-Straße (E 8), benannt 1953 nach 
Emil Voltz (1881-1949) 
Praktischer Arzt 
* 7. April 1881 in Langenbergheim 
Studium der Medizin an der Universität Gießen 
1908 Promotion in Medizin an der Universität Gießen, „ Beitrag zur Frage der chirurgischen Behan d-
lung der Wanderniere“ (Referent: Peter Poppert, Chirurgie) 
Seit 1910 wohnhaft in (Darmstadt-)Arheilgen 
1911 Heirat mit Anna Hoffmann aus (Darmstadt-)Arheilgen (zwei Kinder) 
Praxis als Praktischer Arzt in (Darmstadt-)Arheilgen 
Ca. 1934-1945 Mitgliedschaften in DAF, NSV, RKB, RLB, NSRL sowie Opferring 
1935 Tod seiner Frau Anna (geb. Hoffmann) 
1937-1945 Mitglied der NSDAP 
1938-1945 Mitglied des NS Reichskriegerbunds 
1939-1945 Mitglied des NS-Ärztebunds 
† 30. Oktober 1949 in Darmstadt-Arheilgen 
Ehrungen: 
--- 
Wirken in der NS-Zeit 
Emil Voltz war über die gesamte NS -Zeit als Praktischer Arzt mit eigener P raxis in (Dar m-
stadt-)Arheilgen tätig. Er war Mitglied der NSDAP sowie weiterer NS-Organisationen. 
Die Informationen zum Wirken von Emil Voltz in der NS -Zeit gründen hauptsächlich auf se i-
ner Entnazifizierungsakte (HHStAW) sowie auf der NSDAP -Mitgliederkartei (BArch Berlin, 
BDC). Laut letzterer war Voltz, wohnhaft in der Darmstädterstr. 52 in Darmstadt -Arheilgen, 
seit 01.05.1937 Mitglied der NSDAP (Aufnahme beantragt am 19.05.1937; Mitglieds -Nr.: 
5902693). Im Fragebogen zu seinem Entnazifizierungsverfahren ga b er an, seit 1938 „Anwär-
ter“ der NSDAP gewesen zu sein. Zudem nannte er seine Mitgliedschaft im NS -Ärztebund 
(„5.5.39-zuletzt“) als einzige weitere Mitgliedschaft in „einer Naziorganisation“. Im Zuge der 
anschließenden Nachforschungen konnten jedoch weite re Mitgliedschaften in NS -Orga-
nisationen sowie in Organisationen, die unter nationalsozialistischem Einfluss standen, e r-
mittelt werden: In der Parteistatistischen Erhebung (der NSDAP) aus dem Jahr 1939 fanden 
sich unter Emil Voltz Mitgliedschaften in DAF,  NSV, RKB, RLB, NSRL sowie  Opferring (ab 
01.12.1934) dokumentiert. Der angefragten Ärztekammer war „eine aktive Tätigkeit im Si n-
ne des Nationalsozialismus nicht bekannt“ (Sühnebescheid vom 20.02.1947). 
Emil Voltz, dessen Frau Anna 1935 verstorben und desse n Sohn (*  1913) „im Donbogen“ 
1942 „gefallen“ war (HStAD, H 14 Darmstadt Nr. F 444/1199 ), gab als jährliches steuerpflic h-

404 
tiges Gesamteinkommen in der NS -Zeit rund 20.000 RM zu Protokoll; er hatte eine/n Ang e-
stellte/n in seiner Praxis. Auf die Frage „In wel che Gruppe des Gesetzes gliedern Sie sich 
ein?“ notierte er: „Mitläufer = nominelles Mitglied“. Als „Mitläufer“ (Gruppe IV) wurde er 
auch seitens der Spruchkammer Darmstadt -Stadt eingestuft (20.02.1947); er hatte eine 
Geldsühne in Höhe von 2.000 RM zu trag en. [Im Fragebogen hatte er mit „7.4.88“ ein fa l-
sches Geburtsdatum angegeben.] 
Seit 1943 wurde Voltz von der Ärztin Henriette Sennhenn in seiner Praxis unterstützt, die 
zunächst als seine (notdienstverpflichtete) Assistentin, später als seine Teilhaberin f ungierte. 
Nach Voltz‘ Tod 1949 übernahm Sennhenn die Arheilger Praxis (er bedachte sie – laut einer 
Ergänzung zu seinem Testament zehn Tage vor seinem Tod – mit der Einrichtung der Praxis, 
HStAD, H 14 Darmstadt Nr. F 444/1199). 
Die Straßenbenennung Emil Vo ltz zu Ehren erfolgte 1953/54 im Zuge noch ausstehender 
Umbenennungen nach der Eingemeindung von Arheilgen zu Darmstadt 1937 (Stichwort: 
Doppel-Benennungen). 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 505053 
HStAD, H 3 Nr. 73739 
HStAD, H 14 Darmstadt Nr. F 444/1199 
UA Gießen, Promotionsdatenbank 
StadtA DA, Ordner Darmstädter Straßennamen 
StadtA DA, ST 61, Voltz, Emil 
Literatur: 
Voltz, Emil: Beitrag zur Frage der chirurgischen Behandlung der Wanderniere. Gießen 1908.

405 
Walbeweg (H 9), benannt 1965 nach 
Heinrich Walbe (1865-1954) 
Architekturprofessor und Denkmalpfleger 
* 6. März 1865 in Lauban (Schlesien) 
Besuch der Landesschule Pforta (Abitur 1884) 
1884-1889 Studium der Architektur an der TH Aachen 
1889 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in München 
1890-1894 Referendariat als Regierungsbauführer in Bad Nauheim sowie in  Köln; Beginn seiner Lauf-
bahn in staatlichen Bauverwaltungen 
1895 Heirat mit Mathilde Meißner (drei Kinder) 
1895-1902 Tätigkeiten als Architekt und Baumeister in Köln, Sorau und Halle  an der Saale (dort zum 
Stadtbaumeister ernannt) 
1902-1933 ordentlicher Professor für Baukunst an der TH Darmstadt 
Ab 1902/03 Denkmalpfleger für die Provinz Oberhessen 
1907-1909 Rektor der TH Darmstadt 
Ab 1912 (spätestens) Mitglied des Deutschen Werkbunds 
1912-1920 Errichtung des Verwaltungsgebäudes der Firma Merck in Darmstadt 
1913-1916 Dekan der Architekturfakultät an der TH Darmstadt 
1920 Gefallenendenkmal im Hochschulstadion in Darmstadt 
1920-1921 erneut Rektor der TH Darmstadt 
Ab 1922 Kirchenbaumeister der EKHN: Neubauten, Wiederaufbau, Sanierungen 
Ab 1924 Denkmalpfleger auch für den südlichen Teil der Provinz Starkenburg 
1928-1930 erneut Dekan der Architekturfakultät an der TH Darmstadt 
1933 Ruhestandsversetzung 
1942 „Das hessisch-fränkische Fachwerk“ 
Bis 1943 öffentliche Vorlesungen zum Thema „Alte Bauweisen in Hessen, praktische Denkmalpflege“ 
1944-ca. 1947 nach Zerstörung seines Wohnhauses in Darmstadt für drei Jahre Umzug nach Nördli n-
gen (dort wohnte ein Sohn) 
Ab ca. 1947 gemeinsam mit seiner Frau in einem Darmstädter Altersheim in Heppenheim 
† 20. Januar 1954 in Heppenheim 
Ehrungen: 
1907 Verleihung des Ritterkreuzes I. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen 
1908 Geheimer Baurat 
1932 Ehrendoktor der Universität Gießen (Dr. theol. h. c. – für seine Verdienste um den Wiederau f-
bau von Kirchen) 
1953 Bundesverdienstkreuz

406 
Wirken in der NS-Zeit 
Heinrich Walbe, über Jahrzehnte als Professor für Baukunst an der TH Darmstadt und als 
Denkmalpfleger im Großh erzogtum Hessen tätig, beantragte 1933 seine Versetzung in den 
Ruhestand. Er publizierte in der NS -Zeit Beiträge zu Baukunst - und Heimatforschung, darun-
ter das Standardwerk „Das hessisch-fränkische Fachwerk“ (1942). 
Seit 1902 wirkte Walbe an der Architektu r-Abteilung der TH Darmstadt als Professor für 
Baukunst; er versah wiederholt Ämter als Dekan und Rektor der Hochschule. Zugleich mac h-
te er sich als Denkmalpfleger für den Erhalt zahlreicher Kunstdenkmäler im Großherzogtum 
Hessen verdient und wirkte als Ki rchenbaumeister der Evangelischen Landeskirche (heute: 
EKHN). Politisch ließ er sich als national -konservativ einstufen; er vertrat in den 1920er Ja h-
ren die Deutsche Volkspartei in der Darmstädter Stadtverordnetenversammlung. 
Im Herbst 1933 beantragte Walb e seine Versetzung in den Ruhestand. Manfred Efinger fo l-
gend, waren für seine Entscheidung nicht allein altersbedingte Gründe verantwortlich: 
„Nach den heftigen Auseinandersetzungen an der TH Darmstadt im Frühjahr 1933 und den nationa l-
sozialistischen Anfeindungen durch Studierende und Dozenten stellte der 68 -jährige Heinrich Walbe 
am 14. September 1933 den Antrag auf Versetzung in den Ruhestand. Diesem Antrag wurde bereits 
am 23. Oktober 1933 durch Reichsstatthalter Jakob Sprenger (1884 -1945) stattgegeben. Dass Walbe 
keinesfalls aus freien Stücken aus dem Amt geschieden war, deutet ein Schreiben an, das er am 
30. Oktober 1933 an den TH-Rektor Hans Busch (1884-1973) richtete“ (Efinger 2015). 
Auch Melanie Hanel wollte einen Zusammenhang zwischen Walbes Ruhesta ndsgesuch und 
den Ereignissen an der Architektur -Abteilung im Jahr 1933 (Stichwort: „Lieser -Affäre“) nicht 
ausschließen (Hanel, S.  95). Walbe, der weder Mitglied der NSDAP noch der SA war (Hanel, 
S. 214), zeigte sich im Zuge des Entnazifizierungsverfahrens  von Karl Lieser (zu dem Walbe 
als Zeuge beitrug) über dessen  gehässige Kommentare bezüglich der politischen bzw. ch a-
rakterlichen Eigenschaften seiner Kollegen empört – stimmte aber den fachlichen Urteilen 
Liesers zum Teil zu  (HHStAW, Abt. 520 DZ Nr. 51978 2, auch Hanel, S.  115). Im erwähnten 
Schreiben an Rektor Busch zeigte sich Walbe dankbar für seine Zeit als Professor an der TH 
Darmstadt, bedauerte aber zugleich, dass gerade in seinem letzten Semester „das Vertrauen 
zwischen Studenten und Dozenten fast ganz aufgehoben zu sein schien“ (UA Darmstadt, 103 
Nr. 693/2). 
Nach der offiziellen Emeritierung 1933 hielt Walbe bis 1943 weiterhin Vorlesungen zum 
Thema „Alte Bauweisen in Hessen, praktische Denkmalpflege“  an der TH Darmstadt ( UA 
Darmstadt, 103 Nr. 693/2 ). Er war zudem weiterhin als Denkmalpfleger und Bauforscher 
(publizistisch) tätig. Hervorzuheben seien die maßgeblich von ihm beeinflusste Instandse t-
zung der Michaelskapelle (Königshalle) in Lorsch (Rückbaumaßnahmen abgeschlossen 1935) 
sowie die Beschreibungen der Kunstdenkmäler des Kreises Gießen, die 1933/1938 als Bände 
des Hessischen Denkmalwerks (Kunstdenkmäler im Volksstaat Hessen) erschienen. Das 
„Jahrbuch der Volks - und Heimatforschung in Hessen und Nassau 1933 -1938“ (herausgege-
ben von Friedrich Ring shausen im „Verlag Volk und Scholle“) veröffentlichte 1938 Walbes 
Überlegungen zu historischen Siedlungs - und Hausformen in Hessen; 1942 erschien schlie ß-

407 
lich das Standardwerk „Das hessisch-fränkische Fachwerk“ (Schriften der Volks- und Heimat-
forschung, Bd.  4). Die genannten Veröffentlichungen lassen Walbe als einen Vertreter „g e-
sunder deutscher Baukunst“ (Heinz Rudolf Rosemann 1936, zitiert nach Durth, S.  244) e r-
scheinen, dokumentierten aber – über den Veröffentlichungszusammenhang hinaus – keine 
inhaltliche Nähe Walbes zum NS -Regime. Auch Zeitungsmeldungen anlässlich seines 70sten 
Geburtstags 1935 legen keine persönliche Verstrickung mit dem NS -Regime nahe (StadtA 
DA, ST 61). 
Nach der Zerstörung seiner Darmstädter Wohnung im September 1944 zog Walbe mit sei ner 
Frau nach Nördlingen (der jüngste Sohn Wolfgang wirkte als Amtsgerichtsrat in Nördlingen; 
er starb in den letzten Kriegstagen). Seine letzten Lebensjahre verbrachte Walbe dann g e-
meinsam mit seiner Frau in einem Altersheim der Stadt Darmstadt in Heppenh eim (Müller, 
S. 124). 
Es ließen sich zu Heinrich Walbe, der bei Kriegsende 80 Jahre alt war, keine Entnazifizi e-
rungsdokumente recherchieren, weder im HHStAW noch im für Nördlingen zuständigen StA 
Augsburg. 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520 DZ Nr. 519782 [Entnazifizierungsverfahren Karl Lieser] 
StA Augsburg, Spruchkammer Nördlingen Akten 2903 [Entnazifizierungsverfahren Ilse Walbe 
(Schwiegertochter), NICHT eingesehen] 
HStAD, R 4 [mehrere Fotos] 
HStAD, R 12 P Nr. 6870 
Regierungsblätter 1903-1933 
UA Darmstadt, 103 Nr. 693/2 [Personalakte] 
UA Darmstadt, 918 [Teilnachlass Walbe] 
StadtA DA, ST 61, Walbe, Prof. Heinrich 
Literatur: 
Durth, Werner: Architekten an der Technischen Hochschule Darmstadt  1930-1950. In: Dinç kal, No-
yan/Dipper, Christof/Mares, Detlev (Hrsg.): Selbstm obilisierung der Wissenschaft. Technisch e Hoch-
schulen im „Dritten Reich“. Darmstadt 2010, S. 233-253. 
Efinger, Manfred: Der Architekturprofessor Heinrich Walbe (1865-1954). In: Hoch³ 11 (2015), S. 22. 
Guther, Max: Die Architekturprofessoren der THD von 184 1 bis 1945 und ihre Planungen für Hoc h-
schule und Stadt Darmstadt. In: THD Jahrbuch 1980, S. 107-143. 
Hanel, Melanie: Normalität unter Ausnahmebedingungen. D ie TH Darmstadt im Nationalsozialismus . 
Darmstadt 2014. 
Müller, Otto: Heinrich Walbe. In: Mitteilung sblätter des Historischen Vereins für Hessen 3 (1954), 
S. 123 f.

408 
Viefhaus, Marianne [online überarbeitet von Manfred Efinger]: Walbe, Heinrich. In: Stadtlexikon 
Darmstadt (2006), S. 955. 
Walbe, Heinrich: Siedlungs - und Hausformen in Modellen dargestellt. I n: Ringshausen, Friedrich 
(Hrsg.): Jahrbuch der Volks- und Heimatforschung in Hessen und Nassau 1933-1938. Darmstadt 1938, 
S. 209-214 (+ Tafeln 39-46).

409 
Wilhelm-Walcher-Weg (B 8), benannt 2008 nach 
Wilhelm Walcher (1910-2005) 
Physiker 
* 7. Juli 1910 in Kaufbeuren (Allgäu) 
1916-1920 Besuch der Volksschule in Kaufbeuren 
1920-1926 Besuch der Realschule in Kaufbeuren 
1926-1929 Besuch der Oberrealschule in Kempten (Allgäu), Abitur 1929 
1929-1931 Studium der technischen Physik an der TH München (Vordiplom) 
1931-1933 Studium der Physik an der TH Berlin (Diplom im Oktober 1933) 
1933-1937 wissenschaftlicher Assistent am Physikalischen Institut der TH Berlin, unter anderen bei 
Gustav Hertz 
1933-1939/1945 Mitglied des NSKK 
1937 Promotion an der TH Berlin bei Hans Kopfe rmann, „Über einen Massenspektrographen hoher 
Intensität und die Trennung der Rubidiumisotope“ 
1937-1942 Wechsel mit Kopfermann als dessen Assistent an das Institut für Experimentalphysik der 
Universität Kiel 
1938-1948 Veröffentlichungen zu „(massenspektroskopischer) Isotopentrennung“ 
1940 Heirat mit Erika Baumbach, geb. Büchner (zwei Kinder) 
Ab 1939 (externer) Mitarbeiter der Firma Telefunken 
1940-1945 Mitglied der NSV 
1940/41-1945 Mitglied des NS-Dozentenbunds 
1942 Habilitation an der Universität Kiel, „Beiträge zur massenspektroskopischen Isotopentrennung“ 
1942 kurzzeitige Vertretungsprofessur an der Universität Kiel (Lehrstuhl für Experimentalphysik) 
1942-1947 Wechsel mit Kopfermann als dessen Assistent an das 2. Physikalische Institut der Universi-
tät Göttingen 
1944 Ernennung zum Oberassistenten 
1947-1978 Professor und Direktor des Physikalischen Instituts der Philipps-Universität Marburg 
1949 Dekan der Naturwissenschaftlichen Fakultät der Philipps-Universität Marburg 
1950 Vorsitzender des Philosophischen Fakultätentags 
1952-1954 Rektor der Philipps-Universität Marburg 
1957 Aktion gegen atomare Aufrüstung („Göttinger 18“) 
1959-1961 Vorsitzender des Verbands Deutscher Physikalischer Gesellschaften (heute Deutsche Phy-
sikalische Gesellschaft) 
1961-1967 Vizepräsident der DFG 
1969 maßgeblich beteiligt an der Gründung der GSI 
1978 Emeritierung 
† 9. November 2005 in Marburg

410 
Ehrungen: 
1975 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 
1976 Ehrendoktor der Ruhr-Universität Bochum 
1989 Ehrenmitglied der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 
Wirken in der NS-Zeit 
Wilhelm Walcher, Physiker, nach 1945 an der Gründung der GSI maßgeblich beteiligt, arbe i-
tete während der NS -Zeit als Wissenschaftler an Physikalischen Instituten der TH Berlin s o-
wie der Universitäten in Kiel und Göttingen. Während des Zweiten Weltkriegs war er an Pr o-
jekten der Rüstungsforschung beteiligt, darunter das deutsche Uranprojekt. 
Walcher schloss im Herbst 1933 sein Studium der Physik an der TH Berlin erfolgreich ab 
(„Mit Auszeichnung bestanden“, hierzu und zum Folgenden UA Göttingen, Kur Walcher, Wil-
helm – die Göttinger Kuratoriumsakten umfassen auch Walchers Personalakten der Universi-
tät Kiel). Er blieb bis 1937 als wissenschaftlicher Assistent am Physikalischen Institut der  TH 
Berlin und erlernte vor allem bei Gustav Hertz das Rüstzeug für seine wissenschaftliche Ka r-
riere. Seine Dissertation 1937  „Über einen Massenspektrographen hoher Intensität und die 
Trennung der Rubidiumisotope“  an der TH Berlin betreute Hans Kopfermann,  dem er noch 
im gleichen Jahr als Assistent an das Institut für Experimentalphysik der Universität Kiel fol g-
te, um weiter vor allem im Bereich der massenspektroskopischen Isotopentrennung fo r-
schen zu können. Vorliegende Angebote seitens der Industrie schlug Walcher zu Gunsten des 
wissenschaftlichen Arbeitens aus; ein Vermerk weist allerdings darauf hin, dass er neben den 
Einkünften im Rahmen seiner Assistentenstelle „einige Einkünfte“ resultierend aus einem 
„Mitarbeiterverhältnis zur Firma Telefunken “ verbuchen konnte. Auch nach Kriegsende gab 
Walcher ab 1939 eine „Mitarbeitervergütung (Telefunken)“ an, die bei etwa 2.500 RM jäh r-
lich gelegen haben dürfte (Fragebogen der Militärregierung vom 25.05.1945, NLA Hannover, 
Nds. 171 Hildesheim Nr. 322 ; sein Assisten tengehalt betrug demnach 1934 -1938 zwischen 
3.000 und 3.900 RM, sein Einkommen insgesamt belief sich 1939 -1944 auf 6.500-7.600 RM). 
Die Verlängerung seiner Assistentenstelle wurde wiederholt bewilligt; auch seitens der NS -
Dozentenschaft formierte sich dage gen kein Widerstand. Walchers Chef, Hans Kopfermann, 
machte sich für ihn stark und lobte seine wissenschaftlichen wie pädagogischen Fähigkeiten. 
Im Mai 1940 heiratete Walcher Erika Baumbach (geb. Büchner), noch während seiner Kieler 
Zeit kamen die Söhne Th omas (1941) und Stephan (1942) zur Welt. Seine Frau war zuvor 
verheiratet mit dem Physiker Siegfried Baumbach – der am gleichen Kieler Institut tätig war, 
derzeit aber im Krieg Dienst tat. Es gab Bestrebungen, einen der beiden Wissenschaftler zu 
versetzen, die aber vor Walchers Wechsel nach Göttingen offenbar nicht umgesetzt wurden. 
Mit seinen „Beiträgen zur massenspektroskopischen Isotopentrennung“  habilitierte sich 
Walcher an der Universität Kiel und vertrat im Sommersemester 1942 sogleich den Lehrstuhl 
für Experimentalphysik. Zudem wurde er im Juni 1942 zum Dozenten der Physik an der Un i-
versität Kiel ernannt. Für die Behauptung, Walchers Habilitationsschrift sei wegen politischer 
Unzuverlässigkeit zunächst abgelehnt worden und nur durch die Einflussnahme Kopfer-

411 
manns schließlich angenommen worden (Wikipedia), fanden sich im eingesehenen Quelle n-
material keine Belege. 
Im Herbst 1942 folgte Walcher wiederum Kopfermann an das 2.  Physikalische Institut der 
Universität Göttingen. Neben Walcher wurde mit Wolfgang Paul auch Kopfermanns zweiter 
Assistent zum 1. Oktober 1942 aus Kiel nach Göttingen versetzt (04.07.1942, Reichsminister 
für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung), der mit Walcher bereits an der TH Berlin st u-
diert hatte und – wie Walcher – Kopfermann bereits nach Kiel gefolgt war. Obwohl Walcher 
offensichtlich über den Oktober 1942 hinaus noch vertretungsweise das Institut für Exper i-
mentalphysik in Kiel leitete (bis sein Nachfolger den Dienst antreten konnte), zog er mit der 
Familie im August 1942 nach Göttingen. Zwei Jahre später, im August 1944 wurde Walcher 
an der Universität Göttingen zum Oberassistenten ernannt; wiederum hatte sich Kopfe r-
mann für ihn eingesetzt. 
Walcher war zu keiner Zeit Mitglied der NSDAP. Laut eigener Angaben in Fragebögen der 
Militärregierung 1945 und 1946 war er von 1940/41 bis 1945 Mitglied des NS -Dozenten-
bunds und der NSV, von November 1933 bis September 1939 Mitglied des NSKK. Auch in 
Fragebögen zur NS -Zeit hatte er regelmäßig als einzige Mitgliedschaft in einer NS -Organi-
sation das NSKK angegeben (allerdings auch nach 1939 nicht auf einen Austritt verwiesen). 
Bis 1947 blieb Walcher am 2. Physikalischen Institut, bevor er als Professor für Experime n-
talphysik an die Philipps-Universität nach Marburg wechselte, wo er über drei Jahrzehnte als 
Direktor des Physikalischen Instituts wirkte. Über Details zu seiner Forschungsarbeit wä h-
rend seiner Göttinger Zeit gaben die eingesehenen Quellen kaum Aufschluss. In einem 
Schriftenverzeichnis aus dem Jahr 1944 verwies Walcher neben den gen annten Aufsätzen 
auf „Ferner: Verschiedene geheime Berichte“. Als aufschlussreich erwiesen sich hier die Fo r-
schungsergebnisse von Gerhard Rammer, der 2004 mit seiner Arbeit „ Die Nazifizierung und 
Entnazifizierung der Physik an der Universität Göttingen“ ebenda promovierte. Rammer wer-
tete (neben umfangreichem Archivmaterial) Interviews aus , die Mark Walker mi t Wilhelm 
Walcher geführt hatte  („Wilhelm Walcher, befragt von Mark Walker, 4. Juni 1985. Privatbe-
sitz“, Rammer, S. 587). 
Wie Wolfgang Paul blieb auch W ilhelm Walcher über die gesamte Göttinger Zeit uk -gestellt 
(Rammer, S. 160; vgl. auch Steiner, S.  199). Grund dafür war offenbar ihre Reklamation für 
Arbeiten im Bereich der Isotopentrennung für den Uranverein (Paul kann wie Walcher hier 
als Experte angesehen werden, Habilitation 1944 „Ein Massenspektrometer zur Bestimmung 
von Isotopenmischungsverhältnissen“). Wie Walcher war Paul 1933 in Form einer „symbol i-
sche[n] politischen Anpassung“ (Rammer, S.  160) dem NSKK beigetreten – allerdings trat er, 
Wolfgang Paul, im Mai 1937 auch der NSDAP bei. Die Überlieferung zu Rüstungsprojekten 
am Göttinger Institut ist nur bruchstückhaft überliefert. Eine Auflistung „Kriegsarbeit von 
Instituten der Mathematisch -Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universi tät Göttingen“ 
vom Februar 1943 belegt, dass Walcher (in leitender Funktion) mit seinen Kollegen an ve r-
schiedenen Rüstungsprojekten höchster Dringlichkeitsstufen forschte:

412 
„Die Abteilung 2 (altes Kieler Institut) bearbeitete einen SS -Auftrag des Heeres, einen SS -Teilauftrag 
der Kriegsmarine und einen SS -Teilauftrag der Luftwaffe. Die wissenschaftlichen Mitarbeiter waren 
Wilhelm Walcher (leitend), Wolfgang Paul (Assistent) und [Helmut] Schaefer (Mitarbeiter)“ (Rammer, 
S. 301 – SS steht hier für die Dringlichkeitsstufe!). 
Das 2. Physikalische Institut arbeitete schon 1941, bevor Kopfermann mit seinem Kieler 
Team nach Göttingen gelangte, an zahlreichen Kriegsaufträgen für Heereswaffenamt, Kriegs-
marine und Reichsluftfahrtministerium. Als Spezialist für Massenspektroskopie war Walchers 
Wissen auch und besonders im Forschungsbereich der Kernspaltung gefragt. „ Mit seinen 
Fähigkeiten war er im deutschen Uranprojekt willkommen, wo er an einer massenspektr o-
skopischen Methode zur Trennung des U  235 Isotops vom natürlichen Uran arbeit ete“ 
(Rammer, S. 158). Davon zeugen auch seine beiden Aufsätze in der Zeitschrift für Physik aus 
dem Jahr 1944 (siehe Literatur). Walcher gelang es – Rammer folgend – mit „politischer Mi-
nimalanpassung“ (und damit ist die Mitgliedschaft im NSKK gemeint, S.  159) Kariere zu m a-
chen. Neben seiner Forschungstätigkeit war er stets in die Lehre am Institut eingebunden (zu 
Lehrveranstaltungen ab 1943 vgl. Rammer, S. 437 f.). 
Gerade an Walchers Mitwirken am deutschen Uranprojekt waren nach Kriegsende auch die 
Alliierten stark interessiert: 
„Von den in Deutschland durchgeführten physikalischen Forschungen genoss vor allem das Uranpr o-
jekt die besondere Aufmerksamkeit der Alliierten. Die mit der Ermittlung aller diesbezüglichen Aktiv i-
täten beauftragte Alsos-Mission suchte, die vorrückenden alliierten Truppen begleitend, all jene Orte 
auf, in denen das Uranprojekt betrieben wurde und wo daran beteiligte Wissenschaftler vermu tet 
wurden. In der sogenannten ‚Strassburg Summary‘  listeten die Alliierten 242 deutsche Wissenschaf t-
ler auf und bewerteten in einer Zehn-Punkte-Skala ihre Bedeutung für das Uranprojekt. Unter den 24 
wichtigsten Personen (6 bis 10 Punkte) befand sich nur ein Physiker aus den Göttinger Universitätsi n-
stituten. Dies war Wilhelm Walcher (6 Punkte), dessen Ar beiten zur Isotopentrennung von Bede u-
tung waren“ (Rammer, S. 310). 
Offensichtlich wurde gegen Walcher kein Entnazifizierungsverfahren eröffnet. Laut han d-
schriftlichem Vermerk auf dem Fragebogen der Militärregierung vom 25.05.1945 lag gegen 
Walcher kein belastendes Material in den Beständen der NSDAP vor („Nothing against him in 
NSDAP Files“, NLA Hannover, Nds. 171 Hildesheim Nr. 322). 
Quellen: 
BArch, B 522/Philosophischer Fakultätentag 
NLA Hannover, Nds. 171 Hildesheim Nr. 322 [Entnazifizierungsakten] 
UA Marburg, Bestand 308/13 
UA Kiel, Bestand 47 Universität [Kieler Kuratoriumsakten in UA Göttingen, Kur Walcher Wilhelm!] 
UA Göttingen, Kur Walcher, Wilhelm 
Literatur: 
Kamke, Detlef: Prof. Dr. Ing., Dr. rer. nat. h. c. Wilhelm Walcher 70 Jahre. In: Physikalisc he Blätter 36 
(1980), S. 234 f.

413 
Rammer, Gerhard: Die Nazifizierung und Entnazifizierung der Physik an der Universität Göttingen. 
Göttingen 2004 [Dissertation]. 
Steiner, Peter M.: Wolfgang Paul im Gespräch. In: Frieß, Peter/Ders. (Hrsg.): Forschung und Tech nik 
in Deutschland nach 1945. München 1995, S. 197-214. 
Walcher, Wilhelm: Über eine Ionenquelle für massenspektroskopische Isotopentrennung. In: Zei t-
schrift für Physik 122 (1944), S. 62-85. 
Walcher, Wilhelm: Trennung der Thalliumisotope. I. Massenspektrosk opische Trennung. In: Zei t-
schrift für Physik 122 (1944), S. 401-406.

414 
Wiesenthalweg (L 7), benannt 1988 nach 
Georg Wiesenthal (1909-1972) 
Historiker, Archäologe, Volkskundler 
* 29. November 1909 in Darmstadt 
1916-1919 Besuch der Bessunger Mittelschule 2 
1919-1928 Darmstädter Realgymnasium (Abitur 1928) 
1928-ca. 1934 Studium der Geschichte, Germanistik, Volkskunde und Kunstgeschichte in Frankfurt 
am Main (1928-1930) und in Gießen (Mitglied der Burschenschaften Tuiskonia und Adelphia) 
1932-1945 Mitglied der NSDAP (Mitglieds-Nr. 927952, Eintritt: 01.02.1932) 
1934 vorgeschichtliche Ausgrabungen auf dem Glauberg (Oberhessen) 
Ca. 1935-1938 Tätigkeiten (Volontär) in der vorgeschichtlichen Abteilung des Hessischen Landesm u-
seums und beim Hessischen Denkmalarchiv in Darmstadt 
1935-1945 Mitglied des NSDStB (laut eigener Angabe) 
1936/37 Dissertation „Die alten Namen der Gemarkung Glauberg “ (veröffentlicht 1936, Promotion s-
urkunde März 1937) 
1937-1938 NSDAP-Blockleiter in Darmstadt 
1938-1939 Assistent am Museum der Stadt Worms 
1938-1939 Mitarbeit beim SD (Sicherheitsdienst der SS) in Worms 
1938-1941 Veröffentlichungen in „Volk und Scholle“, darunter „ Sonnenrad und Hakenkreuz in rhei n-
hessischen Bodenfunden“ (1939) 
1939 „Das Wormser Stadtgebiet in vor - und frühgeschichtlicher Zeit mit einer archäologischen Sie d-
lungskarte“ 
1939-1945 Kriegsdienst (Dienstrang zuletzt: Leutnant) 
1940 Heirat mit Herta DXXXsch [?] in Darmstadt 
1945-1950 Russische Kriegsgefangenschaft 
1950 für kurze Zeit nochmals am Museum der Stadt Worms tätig 
Ca. 1950-1953 Tätigkeit beim Amt für Bodendenkmalpflege in Darmstadt 
Ab 1953 Tätigkeit am Stadtmuseum Darmstadt (Leiter, als Sachbearbeiter im Dienst der Stadt Dar m-
stadt); zahlreiche lokalhistorische Publikationen und Vorträge; Mitglied des Heinerfestausschusse s 
sowie der Vereinigung Alt Darmstadt 
1953 „Darmstadts Bodenurkunden“ 
1955 „Darmstädter Anekdoten“ 
1956 „Darmstädter Kalender“ 
1968 „Stadtführer Darmstadt“ 
† 28. Juni 1972 in Darmstadt 
Ehrungen: 
---

415 
Wirken in der NS-Zeit 
Georg „Schorsch“ Wiesenthal, Darmst ädter Heimatforscher, in Darmstadt besonders ab den 
1950er Jahren als Leiter des Stadtmuseums Darmstadt und Autor zahlreicher lokalgeschich t-
licher Veröffentlichungen präsent, war noch vor 1933 Mitglied der NSDAP, zeitweise Bloc k-
leiter und kurzzeitig in Diensten des Sicherheitsdienstes der SS. 
Wiesenthal studierte ab 1928 Geschichte, Germanistik, Volkskunde und Kunstgeschich te, bis 
zum Wintersemester 1929/30 in Frankfurt am Main, anschließend an der Ludwigsuniversität 
in Gießen. Er war aktives Mitglied der Burschenschaften Tuiskonia und Adelphia. Im Sommer 
und Herbst 1934 nahm er an vorgeschichtlichen Ausgrabungen auf dem Glauberg (Kreis 
Büdingen) teil; 1936 erschien „zur Erlangung der Doktorwürde bei der Philosophischen F a-
kultät der Hessischen Ludwigsuniversität zu Gießen“ seine Dissertation „Die alten Namen der 
Gemarkung Glauberg“. Seit Juli 1935 war er in Darmstadt als Volontär  in der vorgeschichtli-
chen Abteilung der Kunst - und historischen Sammlungen des Hessischen Landes museums 
tätig (bis ca. 1937) sowie  beim Hessischen Denkmalarchiv im Schloss. Von 1938 an wirkte er 
als Assistent am Museum der Stadt Worms. 
Zwischen 1937 und 1941 veröffentlichte Wiesenthal zahlreiche Artikel zu vor - und frühg e-
schichtlichen Themen mit lokalem bzw. regionalem Fokus in der Ze itschrift „Volk und Scho l-
le“ sowie in weiteren Zeitschriften und Zeitungen. Wie in seinem Beitrag „ Sonnenrad und 
Hakenkreuz in rheinhessischen Bodenfunden “ (1939) spannte er teils einen Bogen von der 
(germanischen) Frühgeschichte bis in die derzeitige Gegenwart: 
„Auch das Hakenkreuz wird als uraltes Heils - und Sonnenzeichen oft in vorgeschichtlichen Gräbern 
gefunden. Es wurde aus dem Radkreuz, der einfachsten Darstellung des Sonnenrads […], entwickelt. 
Dieses alte Heilszeichen und Sinnbild des Lebens lebt s chon seit Jahrtausenden auf deutschem B o-
den. […] Es hält sich durch das ganze Mittelalter, auch in der christlichen Kunst; es behauptet sich vor 
allem in den Werken der Volkskunst und wird im Anfang unseres Jahrhunderts Sinnbild der völk i-
schen Bewegung, bis es heute in der Fahne des Dritten Reiches wieder seine Bedeutung als Heilsze i-
chen nordischen Wesens und germanischen Volkstums erlangt hat“ (Wiesenthal, Georg: Sonnenrad 
und Hakenkreuz in rheinhessischen Bode nfunden. In: Volk und Schol le 17 (1939), S. 205-210, Zitat 
S. 205; vgl. auch Beiträge in der Hessischen Landeszeitung, StadtA DA, ST 61). 
Bereits zu Beginn des Jahres 1932 war Wiesenthal der NSDAP beigetreten ( Mitglieds-Nr.: 
922952, Eintritt : 01.02.1932 , BArch Berlin, BDC, NSDAP -Mitgliederkartei). Lau t eigener A n-
gaben (HHStAW) fungierte er von 1937 bis 1938 als Blockleiter der NSDAP. In seinem Meld e-
bogen im Zuge des Entnazifizierungsverfahrens gab er zudem zu Protokoll, dass er zu seiner 
Zeit in Worms (1938 -1939) Mitarbeiter des SD (Sicherheitsdienst d er SS) gewesen war (mit 
dem Vermerk: „Mitarbeit ohne V -Mann Ausweis“). Von 1935 bis 1945 war er – ebenfalls 
seinen eigenen Angaben folgend – Mitglied des NSDStB. 
Von 1939 bis 1945 war Wiesenthal als Soldat der Wehrmacht im Kriegsdienst; seine Tru p-
penzugehörigkeiten, Dienstgrade und Einsatzorte lassen sich anhand der angefragten Info r-
mationen der Deutschen Dienststelle (WASt) relativ detailliert rekonstruieren: Aus den d o-
kumentierten Meldungen geht hervor, dass Wiesenthal 1940 dem Pionier -Bataillon 229 a n-
gehörte (unterstellt der 197.  Infanterie-Division) mit Einsatzraum Posen (später: Niederla n-

416 
de), 1941 in der Bäckerei -Kompanie 112 diente (unterstellt der 112.  Infanterie-Division, 
Dienstgrad: Kriegs -Verwaltungsinspektor), 1942/43 als Zahlmeister dem Armee -Verpfle-
gungsamt 515 zugewiesen war (Einsatzräume: Weißrussland, Südrussland), von welchem er 
im Oktober 1943 zur Wehrkreisverwaltung XII Wiesbaden abging. Im März 1944 war er in 
Reims stationiert (Stab III/Grenadier -Regiment 1058, 91.  Infanterie-Division), i m Mai 1944 
wurde er der Verwaltungs-Kompanie 179 zugeteilt. Laut eigener Angaben war er von August 
bis Dezember 1944 als Fahnenjunker beim Pionier -Ersatz-Bataillon 34 und anschließend bei 
der Pionier -Schule 1 Dessau -Roßlau stationiert, zuletzt (laut HHStAW  seit 01.04.1945) im 
Dienstrang eines Leutnants. 
Anfang Mai 1945 geriet Wiesenthal in Dömitz an der Elbe in Kriegsgefangenschaft und blieb 
schließlich bis Ende 1949 in einem sowjetischen Kriegsgefangenenlager in Minsk (Weißrus s-
land) in Haft. Zum Jahresbegi nn 1950 entlassen, kehrte er über das Heimkehrer -Lager 
„Waldschänke“ in Bad Hersfeld für kurze Zeit nach Worms zurück (laut Knieß), um noch im 
Frühjahr 1950 zum Amt für Bodendenkmalpflege nach Darmstadt zu wechseln (gemeldet in 
Darmstadt seit März 1950, HStAD, H 3 Nr. 58996). 
Das Entnazifizierungsverfahren gegen den Spätheimkehrer Georg Wiesenthal wurde unter 
Bezug auf das „Gesetz zum Abschluss  der politischen Befreiung in Hessen vom 30.11.1949 “ 
eingestellt. In der Begründung wurde explizit darauf verwiesen , dass „der Tatbestand die 
Einstufung in die Gruppe der Belasteten oder Hauptschuldigen nicht rechtfertigt, insbeso n-
dere die Beweisunterlagen für eine solche Einstufung nicht ausreichend erscheinen“ 
(22.12.1950 Zentralberufungskammer Hessen; ein entspreche nder Beschluss erfolgte am 
10.01.1951, beides HHStAW). Seinerzeit angefragte Informationen und Dokumente, vo r-
nehmlich zu Wiesenthals Tätigkeit beim SD, konnten nicht ermittelt werden. 
Seit 1973 verfügt das Stadtarchiv über einen umfangreichen Nachlass zu G eorg Wiesenthal, 
der laut Auskunft von Dr. Peter Engels jedoch keine persönlichen Dokumente zu Wiesenthals 
Wirken in der NS-Zeit enthält. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, NSDAP-Mitgliederkartei 
Deutsche Dienststelle (WASt), Personenrecherche 
HHStAW, Abt. 520/Frankfurt (A-Z), Wiesenthal, Georg 
HStAD, H 3 Nr. 58996 
HStAD, R 12 P Nr. 7172 
UA Gießen, Promotionsdatenbank 
StadtA DA, ST 61 Wiesenthal, Dr. Georg und Karl (Vater) 
StadtA DA, Nachlass Georg Wiesenthal 
StadtA Worms, 202/160

417 
Literatur: 
Knieß, Friedrich Wilhelm: Wiesenthal, Georg. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 989 f. 
Wiesenthal, Georg: Die alten Namen der Gemarkung Glauberg. Gießen 1936. 
Wiesenthal, Georg: Sonnenrad und Hakenkreuz in rheinhessischen Bodenfunden. In: Volk und Scholle 
17 (1939), S. 205-210.

418 
Windausweg (F 8), benannt 1976 nach 
Adolf Windaus (1876-1959) 
Chemiker 
* 25. Dezember 1876 in Berlin 
1883-1895 Besuch des Französischen Gymnasiums in Berlin 
1895-1899 Studium zunächst der Medizin (1895 -1897), dann der Chemie an den Universitäten Fre i-
burg im Breisgau und Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin 
1899 Promotion an der Universität Freiburg im Breisgau bei Heinrich Kiliani, „Neue Beiträge zur 
Kenntnis der Digitalisstoffe“ 
Um 1900 Militärdienst in Berlin als Einjährig-Freiwilliger 
1900-1901 Vo lontärassistent am Institut für Chemie der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin (bei 
Emil Fischer) 
1901-1913 Tätigkeit an der Universität Freiburg im Breisgau (seit 1906 außerordentlicher Professor) 
1903/04 Habilitation an der Universität Freiburg im Breisgau, „Über das Cholesterin“ 
1913-1915 ordentlicher Professor für Medizinische Chemie an der Universität Innsbruck 
1915 Heirat mit Elisabeth Resau (drei Kinder) 
1915-1944 Professor für Chemie und Direktor des Allgemeinen Chemischen Instituts an der Univers i-
tät Göttingen 
1919-1924 Mitglied der Demokratischen Partei 
1925-1938 Untersuchungen hauptsächlich im Bereich der Vitamin-Forschung 
1935 Ruhestandsgesuch (abgewiesen) 
1938 Forschungsreise nach Paris 
1944 Emeritierung (auf eigenen Wunsch) 
† 9. Juni 1959 in Göttingen 
Ehrungen: 
1922 Mitglied (seit 1943 Ehrenmitglied) der Deutschen Akademie der Naturfor scher Leopoldina Ha l-
le/Saale 
1927 Adolf-von-Baeyer-Denkmünze des Vereins Deutscher Chemiker 
1928 Nobelpreis für Chemie 
1938 Pasteur-Médaille (Paris) 
1938 Treuedienst-Ehrenzeichen 1. Stufe (für 40 Jahre Dienstleistung) 
1941 Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft (verliehen durch Adolf Hitler, ausgehändigt 1942) 
1943 Kriegsverdienstkreuz I. und II. Klasse 
1951 Großes Verdienstkreuz der BRD (ausgehändigt 1952) 
1952 Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste 
1959 Bundesverdienstkreuz mit Stern

419 
1977 Adolf-Windaus-Medaille der Universität Göttingen 
Ehrendoktor der Universitäten Göttingen und Freiburg (1949) sowie der Tierärztlichen Hochschule 
Hannover (1953) und der TH München 
(Ehren-)Mitglied weiterer Akademien und wissenschaftlicher Gesellschaften, darunter Ehrenmitglied 
des Vereins Deutscher Chemiker 
Wirken in der NS-Zeit 
Adolf Windaus, Chemiker und Nobelpreisträger, war während der NS -Zeit bis zu seiner Em e-
retierung 1944 Direktor des Chemischen Instituts der Universität Göttingen. 
Windaus wirkte seit 1915 als Professor für Chemie an der Universität Göttingen, über lange 
Jahre fungierte er als Direktor des Allgemeinen Chemischen Instituts. Für seine herausragen-
de Forschung im Bereich der Vitamine erhielt er 1928 den Nobelpreis für Chemie; die Vit a-
minforschung bildete auch nach 1933 seinen Forschungsschwerpunkt (dazu ausführlich 
Haas, S. 40-83, vgl. auch Stoff, S.  123-137). Windaus galt als einer der führenden  Chemiker 
seiner Zeit. 
Über Windaus‘ Haltung zum NS -Regime lieferten Unterlagen aus dem ehemaligen BDC 
(BArch Berlin, BDC, VBS 1/1200025989 ), aus seiner umfangreichen Personalakte der Unive r-
sität Göttingen (UA Göttingen, Kur[atoriumsakten] Windaus, Adolf) sowie aus seinem Entna-
zifizierungsverfahren ( Niedersächsisches Landesarchiv, Nds. 171 Hildesheim Nr. 324 ) Au f-
schluss. 
An der Qualität seiner wissenschaftlichen Forschung bestand auch seitens der NSDAP keiner-
lei Zweifel, wie aus politischen Beurteilungen au s den Jahren 1934, 1939 und 1941 hervo r-
ging – an seiner Einstellung gegenüber „Führer und Bewegung“ hingegen sehr wohl: Bei aller 
wissenschaftlichen Verdienste sei Windaus „weltanschaulich keineswegs tragbar“ hieß es in 
einer Stellungnahme vom Juni 1934 (h ierzu und zum Folgenden BArch Berlin, BDC, VBS 
1/1200025989). Er sei und bleibe Demokrat, habe etwa den Besitzer eines Hotels offen mit 
Boykott gedroht, wenn dieser die Hakenkreuzfahne hisste. Aus parteipolitischer Perspektive 
erschienen Vortragsreisen ins  Ausland sowie besondere Ehrungen kritisch zu prüfen bzw. 
abzulehnen. Auch später – laut der tradierten Beurteilungen aus den Jahren 1939 und 1941 
– ließen sich keine Hinweise darauf finden, dass Windaus „seine frühere grundsätzliche a b-
lehnende Haltung geg enüber dem heutigen Staat geändert“ habe (12.10.1941, NSDAP -
Ortsgruppe „Hainberg“ Göttingen). Er wurde allgemein als politisch uninteressiert bezeic h-
net; als Forscher, der nur an seiner Wissenschaft interessiert gewesen sei („Er lebte in sple n-
did isolation“). In einem späten Vermerk über die (aus Sicht der Partei eher unbefriedigende) 
Situation an der Mathematisch -Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen 
hieß es: 
„Windaus, Adolf o. emer. o. Professor der Chemie 
grüsst bis zum heutigen Tag bewusst nicht mit dem deutschen Gruss, hat es abgelehnt, auf dem G e-
biet der Gaskriege zu arbeiten, ein wissenschaftlich hochbedeutender und innerlich unbedingt vo r-
nehmer Mann, aber im ganzen von durchaus vormärzlichen [sic!] Stil“ (Abschrift ohne Datum, we nn 
tatsächlich nach Emeritierung: Juni 1944 oder später).

420 
Windaus, der offenbar keiner NS-Organisation angehörte (Mitgliedschaft im RLB nicht ausge-
schlossen, Niedersächsisches Landesarchiv, Nds. 171 Hildesheim Nr. 324 ) und nach 1933 aus 
dem Präsidium der D eutschen Chemischen Gesellschaft sowie dem Vorstand der Kaiser -
Wilhelm-Gesellschaft entfernt wurde, geriet wiederholt in Konflikt mit Verantwortlichen des 
NS-Regimes, wenn es um Stellenbesetzungen und andere dienstliche Handlungen in seinem 
universitären Verantwortungsbereich (etwa Habilitationen) ging. Er weigerte sich zudem an 
politischen Kundgebungen der NSDAP teilzunehmen oder zur Teilnahme daran aufzurufen. 
Relativ g ut dokumentiert ist ein Vorgang aus dem Jahr 1935 (UA Göttingen, Kur Windaus, 
Adolf sowie Niedersächsisches Landesarchiv, Nds. 171 Hildesheim Nr. 324): Ein e Gruppe na-
tionalsozialistischer Studenten zeigte Mitarbeiter von Windaus bei der SA an, die mit dem 
einzigen jüdischen Doktoranden am von Windaus geleiteten Institut für Organische Chemie  
verkehrten. Windaus wandte sich daraufhin im September 1935 an das Ministerium für Wi s-
senschaft, Erziehung und Volksbildung mit der Bitte um seine Entpflichtung zum April 1936 – 
da er nicht das Gefühl habe, für ein entschiedenes Vorgehen gegen die „Ruhest örer“ auf den 
Rückhalt des Ministeriums zählen zu können. Der jüdische Doktorand sei ein „ordentlicher, 
begabter und fleissiger Mann, der bei mir sein Doktorexamen machen will“. Windaus beklag-
te sich in dem Schreiben auch darüber, dass Assistenten - wie Habilitationsstellen nicht mehr 
nach Begabung und Prinzipien der Leistung vergeben würden – wie er dies schon immer 
praktizierte –, und zog vor diesem Hintergrund persönliche Konsequenzen: 
„Ich bin zu alt, um die ethischen Anschauungen, in denen ich aufgewach sen bin, noch ändern zu kön-
nen. Da es mir unmöglich ist unter den gegenwärtigen gespannten Zuständen in Göttingen wisse n-
schaftlich weiter zu arbeiten, halte ich es für das Richtige, meinen Platz zu räumen und ihn frei zu 
machen für einen Mann, der die jetz ige Entwicklung und die Jugend besser versteht als ich“ 
(02.09.1935, Windaus, an das Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, Berlin). 
Windaus wurde daraufhin nach Berlin bestellt und ihm erläutert, dass sein Rücktritt nicht 
erwünscht sei; den Hauptaktivisten der „aufsässigen Studenten“ wurde ein Wechsel der Un i-
versität nahegelegt (dem sie folgten). Tatsächlich wurde der jüdische Student, Klaus Neisser, 
in Göttingen promoviert; er emigrierte nach seiner Promotion nach Brasilien (Deichmann, 
S. 84).  
Bis 1938 war es Windaus  möglich, Reisen zu Vorträgen und Tagungen im Ausland wahrne h-
men (belegt sind Reisen in die Schweiz, nach Holland und 1938 letztmals eine Forschungsre i-
se nach Paris, UA Göttingen, Kur  Windaus, Adolf); allerdings wurden ihm e inzelne Auslands-
reisen untersagt. Sein Einkommen belief sich auf bis zu 220.000 RM jährlich (1941 -1944); 
neben seinem Gehalt erhielt er eine „Beteiligung am Reingewinn der Firma E.  Merck-
Darmstadt an dem Vitaminerlös“ ( Niedersächsisches Landesarchiv, Nds. 171 Hildesheim Nr. 
324, zu entsprechendem Vertrag aus dem Jahr 1927 vgl. Haas, S. 38 f. sowie 97 ff.). 
Im März 1943 bat Windaus erneut um eine Versetzung in den Ruhestand; dieses Mal machte 
er gesundheitliche Gründe geltend. „Selbstverständlich werde ich m ich bemühen, krieg s-
wichtige Arbeiten fortzusetzen“ , fügte er dem Schreiben abschließend noch an  (04.03.1943, 
an den Dekan der Mathematisch -Naturwissenschaftlichen Fakultät, UA Göttingen, Kur

421 
Windaus, Adolf). Über ein Jahr später wurde seinem Gesuch schließ lich entsprochen (Emeri-
tierung im Mai/Juni 1944). 
Während der Kriegszeit war Windaus – entgegen aller Vorbehalte seitens der NSDAP – mit 
der Goethe-Medaille für Kunst und Wissenschaft ( 1941 verliehen durch A dolf Hitler, ausg e-
händigt 1942) sowie mit dem Kriegsverdienstkreuz I. und II. Klasse ausgezeichnet worden. 
Im November 1945 verfasste Adolf Windaus einen zehn seitigen, maschinengeschriebenen 
Bericht, in dem er sich mit Fragen der Schuld in Bezug auf das „Dritte Reich“ beschäftigte 
(Niedersächsisches Landesarchiv, Nds. 171 Hildesheim Nr. 324). Er brachte darin seine Ge g-
nerschaft zum Nationalsozialismus zum Ausdruck , die sich nach Kriegsende noch verschärft 
habe, als er von den Gräueltaten in Konzentrationslagern hörte, die ihm zuvor – anders als 
von den Alliierten allgemein behauptet – so nicht bekannt gewesen seien. Windaus wendete 
sich in seiner Darstellung gegen eine „Kollektivschuld“ der Deutschen (ohne dass der Begriff 
genannt wurde) und verwies abschließend auf das, was ihm als „Schuld der Alliierten “ e r-
schien. Er selbst verstand sich – bei aller konsequenten Ablehnung des Nationalsozialismus – 
nicht als dem aktiven Widerstand zuzurechnen, da er nie einer „politischen Untergrundb e-
wegung“ angehört habe. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, VBS 1/1200025989 
Niedersächsisches Landesarchiv, Nds. 171 Hildesheim Nr. 324 
UA Göttingen, Kur[atoriumsakten] Windaus, Adolf 
Literatur: 
Haas, Jochen: Vigantol. Adolf Windaus und die Geschichte des Vitamin D. Stuttgart 2007. 
Stoff, Heiko: Wirkstoffe. Eine Wissenschaftsgeschicht e der Hormone, Vitamine und Enzym e, 1920 -
1970. Stuttgart 2012. 
Deichmann, Ute: Flüchten, Mitmachen, Vergessen. Chemiker und Biochemiker in der NS -Zeit. Wein-
heim 2001.

422 
Würthweg (J 8), Benennung beschlossen 1956 (benannt 1959) nach 
Joseph Würth (1900-1948) 
Darmstädter Verleger und Kunstdrucker 
* 17. März 1900 in Darmstadt 
Besuch des Ludwig-Georgs-Gymnasiums in Darmstadt 
1915 Mitbegründer der Vereinigung „Die Dachstube“; Illustrator, Setzer und Mitherausgeber des 
gleichnamigen Flugblatts (1915-1918) 
1918 Abitur 
1918-1920 Studium der Kunstgeschichte in Frankfurt am Main 
1919 Gründungsmitglied der Darmstädter Sezession und zeitweise deren Geschäftsführer (1926) 
1921-1923 Herausgeber der Theaterzeitschrift „Das neue Forum“ 
1921/1927 Gründung des „Darmstädter Verlags“ (seit 1927 „Darmstädter Verlag. Handpresse Joseph 
Würth“; Vorgänger: „Verlag der Dachstube“); fortan Verlegen bibliophiler Bücher – handgesetzt, 
handgedruckt und handgebunden 
1929 Heirat mit Charlotte „Lotte“ Weygandt 
1934-1944 Mitglied der Reichskulturkammer 
Ca. 1940-1944 Mitglied des RLB 
Ca. 1942-1944 Mitglied der NSV 
1944 „In memoriam Carlo Mierendorff“; Organisation der Beerdigung von Carlo Mierendorff auf dem 
Waldfriedhof in Darmstadt 
1944-1946 nach Zerstörung von Wohnung und Werkstatt in Darmsta dt wohnhaft in Ruhpolding (Villa 
Edelweiß) 
1946-1948 wieder Druck bibliophiler Bücher sowie der Jugendzeitschrift „Helle Segel“ 
† 12. Oktober 1948 in Darmstadt 
Ehrungen: 
--- 
Wirken in der NS-Zeit 
Joseph „Pepy“ Würth, Verleger, Setzer und Kunstdrucker, lebt e und arbeitete bis 1944 in 
Darmstadt. Nach der Zerstörung seiner Werkstatt und großer Teile seines Besitzes zog er 
nach Ruhpolding, von wo aus er 1946 wieder nach Darmstadt zurückkehrte. 
Würth druckte und verlegte auch während der NS -Zeit in seinem 1927 o ffiziell gegründeten 
„Darmstädter Verlag. Handpresse Joseph Würth“ vor allem bibliophile Bücher, bei denen es 
eher um das handgemachte Erscheinungsbild denn um eine hohe Auflage ging. Seine Wer k-
statt/Druckerei befand sich nach wie vor auf dem Anwesen seine s Wohn- und Elternhauses 
in der Hoffmannstraße 19 – wo bereits 1915 „Die Dachstube“ gegründet worden war.

423 
Es erschienen handgefertigte Bücher unter anderem von Fritz Usinger („Die Stimmen“ 1934 , 
„Die Geheimnisse“ 1937, „Geist und Gestalt “ 1939, „Hermes“ 1941), Wilhelm von Ploennies 
(„Leberecht vom Knopf“ 1935) und Kasimir Edschmid („Das Drama von Panama“, 1937 in 
einer Auflage von 1.500 Exemplaren) sowie drei „Jahreszeiten“ -Bände des Illustrators Albert 
Schäfer-Ast (1938-1942). Zwischen 1938/40 und 1944 ers chienen weitere bibliophile Han d-
pressendrucke, darunter ein Schiller -Gedichtband („Der junge Eros“ 1940) sowie 1944 der 
Almanach „Ein gutes Jahr 1944“, letzterer herausgegeben von Henriette von Schirach. Würth 
soll sich dazu gezwungen gesehen haben, den al s Weihnachtsgabe des Kriegsbetreuung s-
diensts entstandenen Almanach herzustellen, um weiter als Verleger tätig sein zu können 
(vgl. Material in StadtA DA, ST 61). 
Als besonders aufwändig produzierter Druck sollte 1944 die „Carmina Burana“ von Carl Orff 
auf Würths Handpresse hergestellt werden, „in lateinisch, altfranzösisch und althochdeutsch 
gedruckt, mit handschriftlichen Noten und Texten von Carl Orff und 42 handkolorierten 
Zeichnungen von Eva Schwimmer“ (StadtA DA, ST 61). In enger Zusammenarbeit mit Orf f 
und Schwimmer entstand ein Prachtband, dessen Auflage von 1.700 Exemplaren schon vor 
Drucklegung ausverkauft war. Beim verheerenden Luftangriff auf Darmstadt am 11./12. Se p-
tember 1944 verbrannte die gesamte bereits versandfertige Auflage. Erhalten blieb allein ein 
Andruck, den Carl Orff später der Witwe Würths zur Verfügung stellte. Neben der Auflage 
der „Carmina Burana“ wurden auch weitere Originalzeichnungen und Handschriften sowie 
große Teile von Würths Besitz zerstört. 
Im Jahr 1944 organisierte Würth die Beisetzung von Carlo Mierendorff auf dem Darmstädter 
Waldfriedhof, anlässlich derer Theodor Haubach die Gedenkrede hielt. Würth hatte den 
Leichnam seines in Leipzig bei einem Luftangriff im Dezember 1943 getöteten Freundes nach 
Darmstadt bringen lassen  (wie nach 1945 zu lesen war gegen den Willen des dortigen Ga u-
leiters), wo seine Asche im Grab der Eltern beigesetzt wurde (am 22.02.1944). – Mierendorff 
hatte noch 1941 die deutsche Übersetzung von Texten des schwedischen Lyrikers Carl M i-
chael Bellmann un ter Pseudonym bei Würth verlegen lassen („Bachanal im Grünen“, mit 
Federzeichnungen von Eva Schwimmer). 
In Presseberichten nach 1945 wurde wiederholt darauf verwiesen, dass Würth auch wä h-
rend der NS -Zeit zu den Freunden aus der „Dachstuben“ -Zeit den Kontak t zu halten suchte; 
seine Werkstatt sei bis zur Zerstörung 1944 eine „Oase der Freiheit“ gewesen (so Kurt Heyd 
im DE vom 15.03.1980). 
Nach der Zerstörung seines Wohnhauses und der angeschlossenen Druckerei im Herbst 1944 
zog Würth (auf Vermittlung seines F reundes Kasimir Edschmid) mit seiner Frau und seiner 
Mutter nach Ruhpolding (Oberbayern), in die Villa Edelweiß, von wo aus er im September 
1946 nach Darmstadt zurückkehrte. Bis zu seinem frühen Tod 1948 war er wieder als Verl e-
ger in Darmstadt tätig (Ertei lung der Verlagslizenz – unter der alten Firmenbezeichnung – 
durch die Militärregierung am 27. Juni 1946); die alte Handpresse konnte allerdings nicht 
wieder in Gang gebracht werden.

424 
Laut eigener Angaben im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens (HHStAW) war Joseph 
Würth seit 1934 Mitglied der Reichskulturkammer, etwa seit 1940 des RLB und seit 1942 der 
NSV (er gab im Meldebogen die Eintritte in RLB und NSV mit Fragezeichen an und datierte 
alle Mitgliedschaften bis 1944). Er war demnach kein Mitglied der W ehrmacht, als steue r-
pflichtiges jährliches Gesamteinkommen (in RM) gab er für 1934 „Kein“, für 1938 „ca. 1.000“ 
und für 1943 „6.972“ zu Protokoll. Unter Selbsteinschätzung vermerkte er „ Unbelastet“, als 
Begründung dafür gab er an: „Weil ich keiner Naziorga nisation unter 1 angehört und in de n-
jenigen unter 2 keine Tätigkeit ausgeführt habe“  (10.05.1946, Ruhpolding). Er wurde als 
„Vom Gesetz nicht betroffen“ (Stempel undatiert) eingestuft. 
Quellen: 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 44239 (nur Meldebogen) 
HStAD, H 3 Darmstadt Nr. 11865 
HStAD, R 4, 21063 
HStAD, R 12 P Nr. 7335 
StadtA DA, ST 61 
StadtA DA, Benennung von Straßen/Umbenennung von Straßen, Bd. 1 [Provenienz: Hochbauamt 
(1949-1964)] 
StadtA DA, Archiv-Kasten mit Mappen Kommission für Straßenbenennung [1956-1977] 
Literatur: 
Netuschil, Claus K.: Würth, Joseph. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 1008 f. 
Netuschil, Claus K.: Der Darmstädter Verlag – Handpresse Joseph Würth. Ein Beitrag zur Verlagsg e-
schichte und Buchkunst in Darmstadt 1927-1948. Darmstadt 1980.

425 
Zerninstraße (P 6-7), benannt 1949 [noch zu Lebzeiten!] nach 
Heinrich Zernin (1868-1951) 
Darmstädter Kunstmaler 
* 23. November 1868 in Darmstadt 
1873 Umzug in die Neckarstraße 9 in Darmstadt 
1875-1887 zunächst Besuch des Instituts von Theodor Maurer, anschließend des Realgymnasiums in 
Darmstadt (bis zur Untersekunda); erster Zeichenunterricht beim Maler August Fritz 
1887 Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger 
1887-1891 letzter Schüler des Darmstädter Kunstmalers Heinrich Hoffmann 
Ca. 1889 -1890 Besuch der großherzoglichen Museumszeichenschule im Darmstädter Residen z-
schloss, Unterricht bei Ludwig Hofmann-Zeitz (gemeinsam mit seinem Vetter Leo Kayser) 
1891-1892 Schüler des Darmstädter Kunstmalers Heinrich Richard Kröh 
Ab 1892 freischaffender (Landschafts-)Maler 
1892/93 nach Aufenthalt in Berlin mehrmonatiger Aufenthalt mit Leo Kayser in München, Naturst u-
dien, Bekanntschaft mit Paul Weber 
1893-1925 neben der (Landschafts-)Malerei umfangreiches Werk an Radierungen 
1894 Heirat mit Magdalena „Leni“ Hufnagel; von München Rückkehr nach Darmstadt 
1895 Italienreise (mit Frau Leni und Leo Kayser), Besuch bei Arnold Böcklin in der Nähe von Florenz 
Um 1900 Kopien alter Militärbilder im Auftrag seines Bruders Alfred Zernin 
1900 Herausgabe einer Mappe mit Lithografien (im Selbstverlag) 
1913 Umzug nach (Darmstadt-)Eberstadt, fortan dort wohnhaft 
1918 zum Hilfsdienst verpflichtete Hilfskraft beim Stadtmuseum Darmstadt (bei Karl Noack, Kunstg e-
schichtliche Sammlungen); etwa zu der Zeit auch Mitarbeit an den „Hessisc hen Biographien“ sowie 
am Künstlerlexikon Thieme-Becker 
Ab 1920 Leiter des Ortsvereins Darmstadt der Allgemeinen Deutschen Kunstgenossenschaft 
Ca. 1934-1945 Mitglied der RKK, der NSV, des RLB und des RKB 
1937/39 Spende „Künstlerdank“ 
1938 Gesamtausstellung seines Werks in der Kunsthalle Darmstadt 
1944 Zerstörung seines Ateliers in der Rheinstraße in Darmstadt 
1949 Tod seiner Frau 
† 17. November 1951 in Darmstadt 
Ehrungen: 
1938 Ausstellung (Gesamtschau) anlässlich Zernins 70. Geburtstags in der Kunsthalle Darmstadt 
1942 Kulturpreis der Stadt Darmstadt (gemeinsam mit dem Komponisten Paul Zoll) 
1968 Gedächtnisausstellung anlässlich seines 100. Geburtstags im Justus-Liebig-Haus in Darmstadt

426 
Wirken in der NS-Zeit 
Heinrich Zernin, Darmstädter Kunstmaler, Schüler u nter anderem von Heinrich Hoffmann 
und Heinrich Reinhard Kröh, wirkte auch während der NS -Zeit als Kunstmaler in Darmstadt( -
Eberstadt). 
Seit 1913 lebte Heinrich Zernin in (Darmstadt -)Eberstadt, sein geräumiges Atelier in Dar m-
stadt (Rheinstraße) nutzte er z unehmend als Lager für sein umfangreiches Werk. Über sein 
Wirken in der NS-Zeit lieferte die biografische Literatur nur wenige Informationen. Eine Nähe 
zum Nationalsozialismus wurde ihm einhellig abgesprochen. Seine Biografin Anette Wagner -
Wilke äußerte sich etwa wie folgt: 
„In den 1930er Jahren wird es ruhiger um Heinrich Zernin. Mit dem sich verbreitenden nationalsozi a-
listischen Gedankengut sympathisiert er nicht. In den Jahren des Zweiten Weltkrieges lebt Heinrich 
Zernin zurückgezogen in Eberstadt und arbeitet weiter an seinen Bildern“ (Wagner-Wilke, S. 18). 
Anlässlich Zernins 70. Geburtstags 1938 zeigte die Kunsthalle Darmstadt eine Gesamtausstel-
lung seines Werks, die laut zeitgenössischer Presseberichte von Publikum und Kritik sehr 
wohlwollend aufgenommen wurde (StadtA DA, ST 61). Ernst W. Müller etwa würdigte Zer n-
ins künstlerisches Werk und schloss mit den Worten: 
„Zernin hat seiner Heimat viel gegeben, die Heimat aber weilte lange, lange Jahre nicht bei sich 
selbst, sondern bei ihren liberalistischen F einden und gab Zernin nur kargen Lohn. Er aber ging nie 
mit der Mode[,] sondern blieb sich selber und der Heimat treu. Mögen nun endlich auch unserem 
deutschen Maler Heinrich Zernin die wohlverdienten Herbstreben reifen“ (23.11.1938, StadtA DA, 
ST 61). 
Im Jahr 1942 erhielt Zernin den Kulturpreis der Stadt Darmstadt zugesprochen, gemeinsam 
mit dem Komponisten Paul Zoll. Leider, so war zu lesen, war zur Preisverleihung durch OB 
Otto Wamboldt „Altmeister Zernin krankheitshalber am Erscheinen verhindert“ (Stadt A DA, 
ST 61). Auch Claus K. Netuschil verwies in einer biografischen Skizze auf Zernins Fernbleiben 
anlässlich jener Feierlichkeiten: 
„In den damaligen Zeitungsmeldungen hieß es, Zernin entschuldige sein Fernbleiben krankheitsha l-
ber. Der Künstler, der keineswegs konform mit dem politischen System des dritten Reiches ging, feh l-
te bei der Preisverleihung aus Gründen der Überzeugung. Nach dem Krieg wollten viele nicht verst e-
hen, warum Zernin den Preis überhaupt angenommen hatte. Zur Ablehnung f ehlte dem 74 -jährigen 
die Kraft“ (Netuschil 1978 [keine Seitenzahlen]; vgl. ähnliche Deutung bei Wagner-Wilke, S. 18). 
Zernin war Mitglied der Reichkulturkammer für bildende Künste (Mitglieds-Nr. 1170) sowie – 
eigenen Angaben im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens fol gend (HHStAW) – Mitglied 
der NSV, des RKB und des RLB. Zu zeitlichen Angaben sah er sich 1946 nicht in der Lage, da 
alle Unterlagen in seinem Atelier verbrannt seien . Er gab zudem eine „einmalige Altersspe n-
de vom Künstlerdank 1200 M“ zu Protokoll. Wie tradierte Unterlagen aus der RKK-Akte Zern-
ins dokumentieren ( BArch Berlin, BDC, R 55/33399 ), verteilte sich der Betrag offenbar auf 
mehrere Einzelspenden ab 1937. Die Zuwendungen aus dem „Künstlerdank“ mussten jeweils 
beantragt und begründet werden. Vor der Ge nehmigung wurden unter anderem bei den 
lokalen NSDAP -Parteiorganen Erkundigungen eingeholt. Zu Zernin – der zu keiner Zeit Mi t-

427 
glied der NSDAP war – wurde entsprechend die NSDAP -Ortsgruppe Darmstadt -Eberstadt 
angefragt; gegen eine Zuwendung bestanden offensichtlich keine Bedenken: 
„Der angefragte Kunstmaler Heinrich Zernin war vor der Machtübernahme schon national eingestellt 
und großer Judengegner und bejaht den heutigen Staat bedingungslos. Z. ist also politisch zuverlä s-
sig“ (17.08.1938, Ortsgruppe Eberstadt der NSDAP, i. A. Amtsleiter Hütten, an das Reichsministerium 
für Volksaufklärung und Propaganda Spende „Künstlerdank“, BArch Berlin, BDC, R 55/33399, Hervo r-
hebung im Original). 
Zernins Lebensverhältnisse wurden wiederholt als „bescheiden“, seine wirtsch aftliche Lage 
als „schlecht“ bezeichnet , seine künstlerische Begabung als „herausragend“ bzw. „übe r-
durchschnittlich“ beurteilt. Der Altmeister selbst machte geltend, dass er kaum mehr Bilder 
verkaufte und zu „70  % arbeitsunfähig erklärt“ sei. Anlässlich ei ner Anfrage 1939 gab der 
Ortsgruppenleiter der NSDAP-Ortsgruppe Darmstadt-Eberstadt folgende Auskunft: 
„Der Kunstmaler Heinrich Zernin ist politisch zuverlässig. Er ist mir persönlich seit etwa 1920 bekannt, 
hat sich niemals aktiv oder passiv gegnerisch be tätigt und hat schon Jahre vor der Machtübernahme 
mit der Bewegung sympathisiert. Seine wirtschaftlichen Verhältnisse sind gering. Künstlerisch b e-
trachtet gehörte er einer älteren Schule an, doch sind seine Bilder, insbesondere seine Aquarelle 
heute noch r echt ansprechend. Insbesondere hat Zernin niemals Konzessionen an den Kulturbo l-
schewismus gemacht“ (10.05.1939, Ortgruppenleiter der NSDAP -Ortsgruppe Darmstadt -Eberstadt, 
an das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda Spende „Künstlerdank“, BA rch Berlin, 
BDC, R 55/33399). 
Beim Luftangriff auf Darmstadt im September 1944 wurde Zernins Atelier in der Rheinstraße 
und darin große Teile seines Œuvres zerstört (Wagner -Wilke beziffert den Verlust mit 400 
Bildern, S. 19). 
Im Zuge seines Entnazifizierungsverfahrens stufte sich Zernin selbst in „die Gruppe der Unbe-
lasteten“ ein, mit der Begründung: „Nach Artikel 9 des Gesetzes ist keine [sic!] der dort a n-
geführten Absätze auf mich anwendbar, da ich po litisch ganz uninteressiert bin “. Er wurde 
am 18.04.1947 als „Vom Gesetz nicht betroffen“ eingestuft. 
Quellen: 
BArch Berlin, BDC, R 55/33399 
HHStAW, Abt. 520/Darmstadt-Zentral, Nr. 42910 (nur Meldebogen) 
HStAD, H 3 Nr. 74084 
HStAD, R 12 P Nr. 7398 
StadtA DA, ST 61, Zernin, Heinrich 
StadtA DA, ST 45, Nachlass Franz Best 
Literatur: 
Heinrich Zernin als Dokumentator seiner Heimatstadt. Darmstadt 1979. 
Netuschil, Claus K.: Heinrich Zernin (1868-1951). Darmstadt 1978.

428 
Netuschil, Claus K.: Zernin, Heinrich. In: Stadtlexikon Darmstadt (2006), S. 1015. 
Netuschil, Claus K.: Von Eugen Bracht bis Pierre Kröger. E in Darmstädter B ilderschatz von 1900 bis 
2000. Darmstadt 2014. [zu Zernin S. 100 ff.] 
Wagner-Wilke, Annette (Hrsg.): Heinrich Zernin (1868 -1951). Ein Eberstädter Heimatmaler. Dar m-
stadt ²2013.

429 
Abkürzungsverzeichnis 
ADGB  Allgemeiner Deutscher Gewerkschaftsbund 
AdJb  Archiv der deutschen Jugendbewegung 
AOK  Allgemeine Ortskrankenkasse 
AWO  Arbeiterwohlfahrt 
BArch  Bundesarchiv 
BDA  Bund Deutscher Architekten 
BDC  Berlin Document Center 
BDM  Bund Deutscher Mädel 
BK  Bekennende Kirche 
BRD  Bundesrepublik Deutschland 
CDU  Christlich Demokratische Union Deutschlands 
DAF  Deutsche Arbeitsfront 
DAM  Deutsches Architekturmuseum Frankfurt am Main 
DC  Deutsche Christen 
DDR  Deutsche Demokratische Republik 
DE  Darmstädter Echo 
DESY  Deutsches Elektronen-Synchrotron 
DFG  Deutsche Forschungsgemeinschaft 
DGB  Deutscher Gewerkschaftsbund 
DJ  Deutsches Jungvolk 
DJH  Deutsches Jugendherbergswerk 
DNVP  Deutschnationale Volkspartei 
DRK  Deutsches Rotes Kreuz 
DT  Darmstädter Tagblatt 
EJW  Evangelisches Jugendwerk 
EKHN  Evangelische Kirche in Hessen und Nassau 
EKNH  Evangelische Landeskirche Nassau-Hessen 
FAZ  Frankfurter Allgemeine Zeitung 
Gestapo Geheime Staatspolizei 
GDCh  Gesellschaft Deutscher Chemiker 
GSI  Gesellschaft für Schwerionenforschung 
HEAG  Hessische Eisenbahn-Aktiengesellschaft [1941: Hessische Elektrizitäts-Aktiengesellschaft] 
HJ  Hitler-Jugend 
HK  Holger Köhn 
HHStAW Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden 
HStAD  Hessisches Staatsarchiv Darmstadt 
HWA  Heereswaffenamt 
JM  Jungmädelbund 
KAV  Katholischer Akademikerverband 
KD  Kunst-Dienst 
KDAI  Kampfbund Deutscher Architekten und Ingenieure

430 
KDF  Katholischer Deutscher Frauenbund 
KKD  Kirchenkampf 
KWG  Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft 
KZ  Konzentrationslager 
LDP  Liberaldemokratische Partei (Hessens 1946-1948) 
MA  Militärarchiv 
MdB  Mitglied des Deutschen Bundestags 
MPG  Max-Planck-Gesellschaft 
NDB  Neue Deutsche Biographie 
NS  Nationalsozialistisch/Nationalsozialismus 
NSBDT  Nationalsozialistischer Bund Deutscher Technik 
NSBO  Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation 
NSDAP  Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei 
NSDDB  Nationalsozialistischer Deutscher Dozentenbund 
NSBDT  Nationalsozialistischer Bund Deutscher Technik [vor 1936: Techniker] 
NSDStB  Nationalsozialistischer Deutscher Studentenbund 
NSFK  Nationalsozialistisches Fliegerkorps 
NSKK  Nationalsozialistisches Kraftfahrkorps 
NSKOV  Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung 
NSRB  Nationalsozialistischer Rechtswahrerbund 
NSRL  Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen 
NSV  Nationalsozialistische Volkswohlfahrt 
OB  Oberbürgermeister 
PG/Pg.(Pgg) (NSDAP-)Parteigenosse(n) 
RAD  Reichsarbeitsdienst 
RFR  Reichsforschungsrat 
RKB  Reichskolonialbund 
RKdbK  Reichskammer der bildenden Künste 
RKK  Reichskulturkammer 
RLB  Reichsluftschutzbund 
RM  Reichsmark 
RWTH  Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule 
SA  Sturmabteilung 
SD(-UA)  Sicherheitsdienst des Reichsführers SS(-Unterabteilung) 
SPD  Sozialdemokratische Partei Deutschlands 
SS  Schutzstaffel 
StadtA (DA) Stadtarchiv (Darmstadt) 
StAM  Staatsarchiv München 
SZ  Süddeutsche Zeitung 
TH(D)  Technische Hochschule (Darmstadt) 
UA  Universitätsarchiv 
VDA  Verein für das Deutschtum im Ausland [1933: Volksbund für das Deutschtum im Ausland]

anlage 5

1524 Zeichen

Punkt 12: Abschlussbericht des Fachbeirats zur Überprüfung Darmstädter Straßennamen 
 (V-Nr. 2019/0153) 
 
Stadtv. Akdeniz (Bü90/Die Grünen) stellt folgenden Antrag: 
In der Magistratsvorlage findet sich auf Seite 5 unter Pkt. 2 die Formulierung "... 
insbesondere da zuvor die Vorbereitungen für das Brandnachtjubiläum  im 
Vordergrund stehen."  
 
Um diese unglücklich e Formulierung aus der Vorlage zu nehmen stellt die Fraktion 
Bü90/Die Grünen den Antrag, in der Vorlage eine redaktionelle Änderung 
vorzunehmen: " ... insbesondere da zuvor die Vorbereitungen für die Ausstellung 
zum Gedenken an die Brandnacht vor 75 Jahren  im Vordergrund stehen."  
 
Der Änderung wird zugestimmt.  
 
Stimmenthaltung: 2 Stimmen aus AfD  
 
Die AfD-Fraktion beantragt Einzelabstimmung der Umbenennung der 
Hindenburgstraße .   
 
Der Umbenennung der Hindenburgstraße wird zugestimmt.  
 
Gegenstimmen: 1 Stimme aus AfD, 1 Stimme aus FDP und 1 Stimme aus UWIGA  
Stimmenthaltung: 2 Stimmen aus FDP  
 
Stadtv. Bauer (UWIGA) stellt folge nden Antrag: 
Der  Beschlussvorschlag wird um eine Ziffer 5. wie folgt ergänzt:  
 
Gebühren, die Anwohnern der betroffenen Straßen durch die Tätigkeit städtischer 
Dienststellen im Zusammenhang mit der Umbenennung der Straßen entstehen, 
werden von der Stadt Da rmstadt übernommen.  
 
Dem Antrag wird einstimmig zugestimmt.  
 
Den restlichen Punkten der Vorlage wird zugestimmt.  
 
Gegenstimmen: 2 Stimmen aus AfD, 1 Stimme  aus FDP und 1 Stimme aus UWIGA  
Stimmenthaltung: 2 Stimmen aus FDP

anlage 3

8931 Zeichen

- 2 - 
 
Magistratsvorlage 
 
Eingang Magistrats- 
geschäftsstelle: 
02.05.2019 
an den Magistrat 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
 
Beteiligt vor 
Magistratsbeschlussfassung: 
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung  
   OBW zur Befassung 
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung 
   zur abschließenden Beschluss- 
       fassung Fachausschuss 
 
 
Amt: Kulturamt 
 OBW bei abschl. 
Beschlussfassung Magistrat  
Behandlung in  
öffentl. Sitzung 
Ja 
 
Nein 
 
Verteiler: 
I 41 414 
III 62 
 
Stvv 
 
 
 
Ja 
 
Nein  
 
Vorlage-Nr. 2019/0153 
 
Magistratsbeschluss-Nr. 
185 
 
Internetfähig     
 
Produkt-Nr.:       
Kostenstelle:       Investitionsnummer:       
Kostenträger:       Sachkonto:       
 
Betreff: Abschlussbericht des Fachbeirats zur Überprüfung Darmstädter Straßennamen  
 
Vorlage vom: 30.04.2019 
 
Beschlussvorschlag: 
 
1. Der Magistrat nimmt von dem Abschlussbericht des Fachbeirats Straßennamen  
Kenntnis und dankt den Mitgliedern des Beirats für ihre geleistete Arbeit.  
 
2. Der Magistrat schlägt vor, den Empfehlungen des Beirats zur Umbenennung der Straßen zu 
folgen für: 
 
Hans von der Au 
Gustav Brandis 
Walter Georgii 
Peter Grund 
Christian Heinrich Kleukens  
Richard Kuhn

- 3 - 
 
Alarich Weiss 
Paul von Hindenburg 
 
3. Die Ergebnisse und Entscheidungen sind öffentlich in geeigneter Form vorzustelle n, zu 
erläutern und zu vermitteln.  
 
4. Die Umbenennungen sollen erfolgen nach Abschluss des Informationsprozesses und der 
Findung neuer Namen. 
 
 
Anlagen: StraßennamenbeiratBewertungen  
Untersuchte Biographien 
 
Datenschutzrelevante Anlage:   
 
Folgekosten:    Ja    Nein 
 
Beschluss des Magistrats vom 08.05.2019 
 
Der Vorlage wird zugestimmt.

- 4 - 
Begründung zur Magistratsvorlage vom 30.04.2019  
 
 
Die Stadtverordnetenversammlung der Stadt Darmstadt hatte den Magistrat mit Beschluss 
vom 19. Februar 2013 beauftragt, alle Namensgeberinnen und Namensgeber  von 
Darmstädter Straßennamen daraufhin zu überprüfen, ob deren Leben bzw. politische 
Einstellung sich mit den Werten einer freiheitlich demokratischen Gesellschaft vereinbaren 
lässt. Der Magistrat hat diesem Beschluss am 2.  September 2013 (Vorlage 2013/0247) 
zugestimmt. 
 
Daraufhin hat Oberbürgermeister Jochen Partsch am 27. April 2015 einen Fachbeirat 
Straßennamen berufen, der sich aus Historikerinnen und Historikern sowie Beschäftigten der 
städtischen Kulturverwaltung zusam mensetzte. Mitgewirkt haben:  
 
Dr. Annegret Holtmann-Mares 
Universitätsarchiv der TU Darmstadt  
 
Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß 
Hessisches Staatsarchiv Darmstadt  
 
Dr. Thomas Lange 
Archivpädagoge am Hessischen Staatsarchiv Darmstadt i. R.  
 
Prof. Dr. Dieter Schott 
Institut für Geschichte der TU Darmstadt 
 
Dr. Peter Engels 
Stadtarchiv Darmstadt 
 
Prof. Dr. Ludger Hünnekens 
Kulturreferent der Stadt Darmstadt  
 
Die konstituierende Sitzung fand am 26. Mai 2015 statt. Den Vorsitz des Beirats übernahm 
Oberbürgermeister Jochen Partsch; die Geschäftsführung lag beim Leiter des Stadtarchivs 
Darmstadt. 
 
Der Fachbeirat hat seinerseits den Historiker Dr. Holger Köhn , der einschlägige Erfahrungen 
in diesen Forschungsfeldern besitzt,  beauftragt, die Biographien der zu untersu chenden 
Personen zu erarbeiten und insbesondere die Bezüge zur NS -Zeit zu erforschen. 
 
Insgesamt traf sich der Beirat zwischen Mai 2015 und Januar 2018 zu 13 Arbeitssitzungen. 
Die Ergebnisse wurden Herrn Oberbürgermeister Jochen Partsch bei zwei Terminen a m 30. 
August 2017 und am 30. Juli 2018 vorgestellt und erläutert.  
 
In einem ersten Arbeitsschritt wurde aus den rund 530 Namen von Straßen, Wegen und 
Plätzen, die nach Personen benannt sind, eine Liste mit etwa 190 Namen zusammengestellt, 
deren Geburtstag vor dem 1. Januar 1929 liegt  und die in der NS-Zeit gelebt haben. Das 
Stichjahr wurde in Anlehnung an vergleichbare Untersuchungen gewählt. Eine Ausnahme von 
dieser Regel bildete Paul von Hindenburg. Er wurde aufgrund der schon mehrfach in der 
Öffentlichkeit geführten Diskussion in die Liste aufgenommen, obwohl seine Lebenszeit nur 
bis in den Beginn der NS-Zeit reicht.

- 5 - 
 
Aus der Liste von etwa 190 Namen hat der Beirat nach einer Kurzprüfung diejenigen 
Personen ausgeschieden, die aus verschiedenen Gründen (NS -Opfer, Widerstandskämpfer, 
Ausländer, offensichtlich unverdächtige Personen, bereits im Rahmen des Projekts 
„Ehrengräber“ untersuchte Personen) nicht zum Kreis der im Beschluss der 
Stadtverordnetenversammlung genannten Personen gehörten. Nach der Kurzprüf ung blieben 
110 Personen übrig, für die Dr. Holger Köhn Biographien auf wissenschaftlicher Grundlage 
erarbeitete. Dafür wertete er die bereits vorliegende Fachliteratur sowie viele, auch bisher 
unbekannte Quellen in zahlreichen Archiven aus.  Die Ergebnisse wurden jeweils ausführlich 
und nach wissenschaftlichen Kriterien im Fachbeirat erörtert.  
 
Gegenstand der Untersuchung war das Leben der einzelnen Namen geben den Personen in 
den Jahren 1933 bis 1945 und ihre mögliche Verstrickung in das nationalsozialistis che 
System. Untersucht wurde, ob die jeweilige Person das NS -Regime aktiv unterstützte bzw. 
eine führende Position im NS-Staat inne hatte oder ob ihre Haltung eher als Mitläufertum 
anzusehen war. Auch die Haltung zum Rassismus im Allgemeinen und zum Antise mitismus 
im Besonderen war Gegenstand der Untersuchung.  
 
Als Ergebnis wird Folgendes festgehalten: Von den 110 überprüften Personen war der Beirat 
in 93 Fällen einmütig der Meinung, den Straßennamen beizubehalten. In weiteren fünf Fällen 
war der Beirat nach kritischer Würdigung für die Beibehaltung des Straßennamens:  Richard 
Hammer, Arnold Krieger, Albin Müller, Heinz Winfried Sabais, Carl Christoph Schmelzer.  
 
In sieben Fällen empfiehlt der Beirat einstimmig die Umbenennung der betreffenden Straße:  
 
Hans von der Au 
Gustav Brandis 
Walter Georgii 
Peter Grund 
Christian Heinrich Kleukens  
Richard Kuhn 
Alarich Weiss 
 
In fünf Fällen war der Beirat im Hinblick auf die Umbenennung geteilter Meinung und 
plädierte mehrheitlich, aber nicht einstimmig für eine Umbenennung: 
 
Robert Cauer 
Bernhard Hoetger 
Karl Krolow 
Max Ratschow 
Paul von Hindenburg 
 
Der Fachbeirat hat eine fundierte und sorgfältige wissenschaftliche Aufarbeitung und 
Bewertung der Biografien der Namensgeberinnen und Namensgeber vorgenommen. In den 
Fällen, in denen sich der Beirat einstimmig für eine Umbenennung ausgesprochen hat, soll 
der Empfehlung gefolgt werden.  
 
Des Weiteren soll die Hindenburgstraße ebenfalls umbenannt werden. Zwar liegt hierzu kein 
einstimmiges Votum des Beirats vor, die historischen und politischen Argumente, die in der 
Einschätzung des Beirates benannt sind, sind nach Auffassung des Magistrats eine 
ausreichende und zwingende Grundlage für die Umbenennung der Straße.

Im nächsten Schritt sollen die Bürgerinnen und Bürger über die Ergebnisse der Überprüfung 
in geeigneter Form informiert werden. Entscheidungsprozess und Kontext der vorgesehenen 
Umbenennungen werden erläutert und transparent gemacht.  
 
Vorgesehen sind dazu unter anderem: 
 
1. Information der Bürgerschaft mittels einer Kurzbroschüre ; Weiterführende Informationen 
auf den digitalen städtischen Informationskanälen.  
 
2. Eine oder mehrere Informationsveranstaltungen , in denen Mitglieder des Fachbeirats und 
des Magistrats die Entscheidungen erläutern und mit der Bürgerschaft diskutieren. Die 
Informationsveranstaltungen werden ab Oktober 2019 geplant, insbesondere da zuvor die 
Vorbereitungen für das Brandnachtjubiläum im  Vordergrund stehen.  
 
3. Der Fachbeirat Straßennamen hat sich während seiner Beratungen mit der Vermittlung 
seiner Ergebnisse an die Öffentlichkeit befasst. Ein zentraler Punkt im Konzept des 
Fachbeirats soll eine Ausstellung sein, die im Frühjahr 2020 realisiert werden kann. Die 
Ausstellung soll die Arbeit des Beirats darstellen und seine Entscheidungsfindung in der 
Öffentlichkeit vermitteln. Im Begleitprogramm dieser Ausstellung sollen Vorträge von 
Beiratsmitgliedern oder von externen Expert innen und Experten stattfinden. Ausstellung und 
ggf. Vorträge werden anschließend publiziert.  
 
Die Umbenennungen der genannten Straßen sollen nach Abschluss der Informationsphase 
und der Findung neuer Namen erfolgen. Hierzu  sollte der Beirat für Straßenbenennung 
Empfehlungen für die Neubenennung erarbeiten. Dafür soll zum Einen auf die der 
Straßenbenennungskommission vorliegende Liste bereits geprüfter Namensvorschläge 
zurückgegriffen werden, die mangels neu zu benennender Straßen bisher noch nicht 
verwendet werden konnten. Darüber hinaus sind Vorschläge aus der Bürgerschaft 
einzubeziehen, die im Rahmen des Informationsprozesses zur Straßenumbenennung 
gesammelt werden. 
 
Darmstadt, den 30.04.2019 
I/414 
 
 
Dezernat I      Dezernat III 
       i.V. 
 
 
 
 
Jochen Partsch     Jochen Partsch 
Oberbürgermeister     Oberbürgermeister

Beratungsverlauf (4)

TOP 13
TOP 185
TOP 4
TOP 12

Orte (123)

  • Dieburger Straße
  • Rheinstraße
  • Robert-Cauer-Straße
  • Dolivostraße
  • Adelungstraße
  • Wittmannstraße 29
  • Sandbergstraße 42
  • Bartningstraße
  • Günter-Behnisch-Straße
  • Peter-Behrens-Straße
  • Otto-Berndt-Straße
  • Ottilie-Bock-Straße
  • Böcklerstraße
  • Jovanka-Bontschits-Straße
  • Borsdorffstraße
  • Robert-Bosch-Straße
  • Franziska-Braun-Straße
  • Wilhelmstraße
  • Damaschkestraße
  • Esselbornstraße
  • Eysenbachstraße
  • Darmstädter Straße 6
  • Fritz-Glenz-Straße
  • Kahlertstraße 41
  • Gruberstraße
  • Arheilger Straße
  • Heinheimer Straße
  • Robert-Schneider-Straße
  • Schwanenstraße 12
  • Elisabeth-Hattemer-Straße
  • Gerhart-Hauptmann-Straße
  • Hirschstraße
  • Irenenstraße
  • Jakob-Jung-Straße
  • Kirnbergerstraße
  • Thomasstraße
  • Kiesstraße
  • Leydheckerstraße
  • Heinrichstraße 23
  • Lippmannstraße
  • Wilhelm-Michel-Straße
  • Planckstraße
  • Mina-Rees-Straße
  • Otto-Röhm-Straße
  • Frankfurter Straße 79
  • Sauerweinstraße
  • Elisabeth-Selbert-Straße
  • Henriette-Sennhenn-Straße
  • Georg-Spengler-Straße
  • Stauffenbergstraße
  • Robert-Stolz-Straße
  • Viktoriastraße
  • Emil-Voltz-Straße
  • Hoffmannstraße 19
  • Zerninstraße
  • Neckarstraße 9
  • Dornheimer Weg
  • Georgiiplatz
  • Luisenplatz
  • Hoetgerweg
  • Krolowweg
  • Max-Ratschow-Weg
  • Hammerweg
  • Kriegerweg
  • Albinmüllerweg
  • Schmelzerweg
  • Andresweg
  • Aßmuthweg
  • Bäumerweg
  • Liesjeweg
  • Franz-Best-Weg
  • Borngässerplatz
  • Brambachweg
  • Peter-Brix-Weg
  • Brücherweg
  • Helene-Christaller-Weg
  • Christiansenweg
  • Fritz-Dächert-Weg
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  • Auf der Ludwigshöhe
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  • Von-der-Marwitz-Weg
  • Feldbergstraße 1952
  • Büschelstraße
  • Viktoriaplatz

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Details

Vorlagen-Nr.
2019/0153
Typ
Magistratsvorlage
Datum
30.04.2019
Erstellt
29.09.2026 00:00