2012/0262
Demografiebericht 2012
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Amt für Wirtschaft und
Stadtentwicklung
Demografiebericht 2012
Perspektiven für Darmstadt
Statistische Mitteilungen 1|2012
Statistische Mitteilungen 1/2012
Wissenschaftsstadt Darmstadt
ISSN 0415-0422
Das Autorenteam alphabetisch:
Günther Bachmann
Kai Hartmann
Georg Haumann
Michael Kolmer
Tina Pietzsch
Michael Schäfer
Annegret Schmidt
Nachdruck – auch auszugsweise –
nur mit Quellenangabe gestattet
Herausgeberin | Kontakt
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
Im Carree
1
64283 Darmstadt
Telefon (0 61 51) 13-32 02
Telefax (0 61 51) 13-34 55
E-Mail statistik @darmstadt.de
Internet www.darmstadt.de
Vorwort
Liebe Darmstädterin, lieber Darmstädter,
unsere Wissenschaftsstadt ist dynamisch, lebens - und liebenswert: noch nie zuvor in der Ge-
schichte unserer Stadt haben so viele Menschen wie zurzeit hier gewohnt. Um die Zukunft unserer
Stadt gemeinsam gestalten zu können, müssen wi r mehr über die Chancen, Potenziale und Mög-
lichkeiten der Weiterentwicklung Darmstadts wisse n. Erst das Wissen um die Alternativen der
weiteren Stadtentwicklung eröffnet den Raum für nachhaltiges Wachstum, für sozialen Ausgleich
und die Chance für alle Bürgerinnen und Bürger, gleich welchen Geschlechts oder welcher Haut-
farbe, die Zukunft gemeinsam zu gestalten.
Darmstadts Zukunft ist offen: verschiedene We ge der Stadtentwicklung sind möglich. Gerne
möchte ich mit Ihnen zusammen diesen neuen Weg gehen, unsere Stadt voran zu bringen, die bis-
her erreichte hohe Lebensqualität zu erhalten und – wo möglich – zu verbessern. Ein wichtiges
Ziel meiner Arbeit ist es, Sie in die Entscheidu ngen für die nächsten Schritte unserer Stadtent-
wicklung von Anfang an einzubeziehen und die Bürgerbeteiligung auszubauen. Deshalb ist es von
entscheidender Bedeutung, über die möglichen Entwicklungspfade unserer Stadt informiert zu
sein und im vollen Bewusstsein der demokratischen Möglichkeiten unsere Stadt gemeinsam voran
zu bringen.
Diese möglichen Entwicklungspfade unserer Stadt werden hier dargestellt; demografisches Moni-
toring als Basis und die Herausarbeitung der für die Stadtentwicklung wichtigen zukünftigen Ent-
wicklungstrends sind dafür wichtige Vorausse tzungen. Diese grundlegenden Daten werden die
Kindergartenversorgung und Schulplanung, Bedarfe im Wohnungsbau oder Nahverkehr, die Wirt-
schaftsförderung oder die Altenhilfeplanung voranbringen. Sie bieten Orientierung für Bürgerinnen
und Bürger und für die richtigen politischen Ents cheidungen in einer ko mplexer werdenden Welt.
Die in diesem Bericht vorliegenden demografisch en Grunddaten der länger fristigen Stadtentwick-
lung geben berechtigten Anlass zur Hoffnung, dass unsere Stadt in den nächsten Jahren quanti-
tativ und qualitativ wachsen kann und wachsen wird.
Mit dieser Veröffentlichung wird ein Stück Zukunft für Darmstadt greifbarer und gestaltbarer; viele
Experten aus verschiedenen Bere ichen haben ihren Beitrag dazu geleistet, die vorliegenden
Trends weiter zu denken und mit Daten und Fa kten zu begründen. Deshalb wünsche ich dieser
Publikation viele interessierte Le serinnen und Leser sowi e eine fruchtbare Di skussion darüber in
unserer Stadt.
Jochen Partsch
Oberbürgermeister
INHALTSVERZEICHNIS
1 Einleitung................................................................................................................... .........5
2 Zurück in die Stadt – Aktuelle Tendenze n der Stadtentwicklung in Deutsch land.................... 7
2.1 „Stadt“ hat Konjunktur................................................................................................. 7
2.2 Der Trend zurück in die Stadt ......................................................................................8
2.3 Demografis che
Trends in Hessen ...............................................................................10
2.4 Di
e Renaissance der kleinen, wissens- und technologieorientierten Großstadt............. 12
2.5 Fl ächen
verbrauch und Lebensqualität ........................................................................12
2.6 Beteiligungskultur und nac hhaltige Stadtentwicklung .................................................13
2.7 Die Konsequenzen der Veränd erung tradierter Familienbilder.....................................13
2.8
Ungelöste Probleme sozialer Exklusion und eines neuen urban en Prekariats ..............14
2.9 Neue Anforderungen an eine nachhaltige Nahversorgung ............................................14
2.10 Neues Wohnen...........................................................................................................15
3 Zukunft des Wohnens in FrankfurtRheinMain und in Darmstadt.......................................... 16
4 Potenziale der Stadtentwicklung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt...............................19
4.1 Konversi
onsbereich Bessungen-Süd ...........................................................................20
4.1.1
Ausgangssituation.......................................................................................... 20
4.1.2 Ziele der Planung........................................................................................... 22
4.1.3 Aktueller Sachstand ....................................................................................... 23
4.2 Konversionsbereich-West ........................................................................................... 23
4.2.1 Ausgangssituation.......................................................................................... 23
4.2.2 Ziele der Planung........................................................................................... 24
4.2.3 Aktueller Sachstand ....................................................................................... 25
4.3 Ausblick................................................................................................................... ..25
5 Geburten und Sterbefälle................................................................................................... 26
5.1 Geburten in Darmstadt .............................................................................................. 26
5.2 Sterbefälle in Darmstadt............................................................................................30
5.3 Geburten- u nd Sterbesaldo
........................................................................................32
6 Wanderungsbewegungen ................................................................................................... 33
6.1 Entwickl ung
der Wanderungsbewegung in Deutschlan d ..............................................34
6.2 Die Gesamtentwicklung der Wa nderungsbewegung von 1980 bis 2011....................... 34
6.3 Zu- un
d Fortzüge nach Nationalität ............................................................................37
6.4 Zu- und Fortzüge nach Altersgruppen.........................................................................38
6.5 Wanderungs bewegung z
wischen Darmstadt und dem Landkreis Darmsta dt-Dieburg... 39
6.6 Wanderungsbewegung zwischen Darmstad t und Hessen.............................................44
6.7 Wanderun gs
bewegung zwischen Darmstadt, der Bundesrepublik sowie dem Ausl and .44
6.8 Motive und Gründe für die Wanderungsbewegung.......................................................46
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
1
7 Veränderungen in der Altersstruktur in Darmstadt............................................................. 47
7.1 Die Grundstruktur der de rzeitigen Altersgliederung.................................................... 47
7.2
Die Alterspyramide der Wissenschaftsstadt Darmstadt .............................................. 49
7.3 Das „Altern“ der Bevölkerung .................................................................................... 51
7.4 Klei
nräumige Unterschiede in der Altersstruktur ........................................................ 52
8 Die kleinräumige Bevölkerung sentwicklung in Darmstadt................................................... 57
8.1 Darmstadt-Mitte........................................................................................................ 58
8.2 Darmstadt-Nord ........................................................................................................ 59
8.3 Darmstadt-Ost........................................................................................................... 60
8.4 Darmstadt-Bessungen ............................................................................................... 61
8.5 Darmstadt-West ........................................................................................................ 62
8.6 Darmstadt-Arheilgen.................................................................................................. 63
8.7 Darmstadt-Eberstadt................................................................................................. 64
8.8 Darmstadt-Wixhausen................................................................................................ 65
8.9 Darmstadt-Kranichstein............................................................................................. 66
8.10 Kleinräumige Entwicklung in Darmstadt ..................................................................... 66
9 Die demografische Entwicklung Darmstadts bis 2030........................................................ 68
9.1 Die Bedeutung der demografischen Entwicklung........................................................ 68
9.2 Methoden der Bevölk erungsvorausberechnung........................................................... 68
9.3
Annahmen und Basisdaten für Darmstadt.................................................................. 69
9.4 Ergebnisse: Entwicklung der Gesamtbevölkerung Darmstadts .................................... 70
9.5 Entwicklung der Alterspyramide................................................................................. 71
9.6 Entwicklung und Veränderung der Bevölkerung nach Altersgru ppen ...........................71
9.6.1 Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre.................................................................... 71
9.6.2 Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre.................................................................... 72
9.6.3 Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre.................................................................. 72
9.6.4 Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre................................................................ 73
9.6.5 Altersgruppe 20 bis unter 40 Jahre................................................................ 74
9.6.6 Altersgruppe 40 bis unter 60 Jahre................................................................ 75
9.6.7 Altersgruppe 60 bis unter 70 Jahre................................................................ 75
9.6.8 Altersgruppe 70 bis unter 80 Jahre................................................................ 76
9.6.9 Altersgruppe 80 Jahre und älter..................................................................... 77
9.7 Aussagekraft des vorgestell ten demografischen Modells ............................................ 77
9.8 Ergebn
isse weiterer Bevölkerungsprognosen HessenAgentur und Hessisches
Stati s
tisches Landesamt............................................................................................ 78
9.9 Demografisches Monitoring ....................................................................................... 80
10 Zusammenfassung und Ausblick ....................................................................................... 81
11 Literatur................................................................................................................... ......... 84
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
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Statistische Mitteilungen 1|2012
Verzeichnis der Tabellen
1 Darmstädter Konversionsflächen, Flächenbilanz 20
2 Geburten in Darmstadt von 1960 bis 2011 27
3 Alter der Mutter in Darmstadt von 1990 bis 2011 28
4 Geburten in Darmstadt nach Geburtenfolge und Stand der Eltern 29
5 Sterbefälle in Darmstadt von 1960 bis 2011 31
6 Sterbefälle in Darmstadt nach Altersgruppen von 1990 bis 2011 31
7 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) in Darmstadt seit 1980 nach Geschlecht 35
8 Zu- und Fortzüge nach Nationalität 37
9 Wanderungen in Darmstadt von 1980 bis 2011 nach Altersgruppen 39
10 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg
1980-2011 – nach Gemeinden 41
11 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) in Darm stadt seit 1980 nach Herkunft und Ziel 45
12 Altersstruktur der Bevölkerung in Darmstadt am 31.12.2011 48
13 Bevölkerung nach Altersgruppen und statistischen Bezirken am 31.12.2011 53
14 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt-Mitte 58
15 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt-Nord 59
16 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt-Ost 60
17 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt-Bessungen 61
18 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt-West 62
19 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt-Arheilgen 63
20 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt-Eberstadt 64
21 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt-Wixhausen 65
22 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt-Kranichstein 66
23 Einwohnerzahl bis 2011 und Bevö lkerungsvorausberechnung bis 2030 70
24 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre 72
25 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre 72
26 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre 73
27 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre 73
28 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 20 bis unter 40 Jahre 74
29 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 40 bis unter 60 Jahre 75
30 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 60 bis unter 70 Jahre 76
31 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 70 bis unter 80 Jahre 76
32 Entwicklung der Bevölkerung in de r Altersgruppe 80 Jahre und älter 77
33 Bevölkerungsvorausberechnung für die Wissenschaftsstadt Darmstadt bis 2030 78
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
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Verzeichnis der Abbildungen
1 Stadtwelt – Welt der Städte 7
2 Bevölkerungsentwicklung der Städte Westdeutschlands 1980 – 2009 8
3 Baufertigstellungen Wohnungen in We stdeutschland zwischen 1980 und 2006 9
4 Bevölkerungsentwicklung 2000 – 2009 9
5 Künftige Bevölkerungsdynamik 10
6 Kleinräumige Bevölkerungsentwicklung von 2009 – 2050 in Hessen 11
7 Darmstädter Konversionsflächen – Flächenübersicht 19
8 Konversionsbereich Bessungen-Süd, Lageplan 21
9 Ausschnitt Bebauungskonzept Lincoln-Siedlung 22
10 Kelley-Barracks, Eschollbrücker Straße 23
11 Konversionsbereich West, Best and und Eigentumsverhältnisse 24
Verzeichnis der Grafiken
1 Geburten- und Sterbesaldo 32
2 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt 33
3 Wanderungsbilanz in Darmstadt von 1980 bis 2011 36
4 Wanderungsbilanz mit dem La ndkreises Darmstadt-Dieburg 40
5 Wanderungsgewinn/-verlust zwischen Darmstadt und Gemeinden/Städten des
Landkreises Darmstadt-Dieburg 42
6 Wanderungsgewinn/-verlust zwischen Darmstadt und südhessischen Kreisen 44
7 Alterspyramide 1970 49
8 Alterspyramide 1990 50
9 Alterspyramide 2007 50
10 Alterspyramide 2011 50
11 Vergleich der Altersgruppenstärke 1970 zu 2011 51
12 Anteile der 0 bis unter 18-jährigen 54
13 Anteil der 18 bis unter 40-jährigen 54
14 Anteil der 40 bis unter 65-jährigen 55
15 Anteil der 65-jährigen und älter 55
16 Darmstadt – Stadtteile – Statistische Bezirke 57
17 Alterspyramide 2030 71
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
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Statistische Mitteilungen 1|2012
1 Einleitung
Der demografische Wandel und seine Auswirkungen sind für die Städte und Gemeinden in
Deutschland heute ein aktuelles und brisantes Thema: Kommunen müssen sich mit dieser The-
matik, ihren Folgen und Möglichkeiten, ihren Po tenzialen und Veränderungen für die städtische
Gesellschaft beschäftigen. Die wichtigste Erkennt nis – seit mehr als einem Jahrzehnt der intensi-
ven Stadtforschung zu diesem Thema – ist die überraschende Einsicht, dass die Entwicklung in
Deutschland regional sehr unter schiedlich verläuft, und manchmal Entwicklungstrends für Regio-
nen, die nur wenige Kilometer auseinander liegen, sehr verschieden sind und in Zukunft sein
werden.
So sind z.B. in den Prognosen die demografischen Veränderungen für Nordhessen deutlich andere
als für den Süden, und auch zwischen der möglichen zukünftigen Entwicklung im Odenwald und
im industrialisierten Südhessen liegen Unterschie de. Zwar werden auf der einen Seite bestimmte
demografische Entwicklungen „alle“ treffen, von der Kommune über die Region bis zur gesamten
Bundesrepublik. Dies gilt z.B. für die Veränderun g der Altersstruktur, de r sich deutlich erhöhen-
den Zahl so genannter Hochbetagter und der bereits heute feststellbare Anstieg des Durchschnitt-
alters der Gesellschaft. Andererseits aber sind die Auswirkungen des demografischen Wandels re-
gional sehr unterschiedlich: Bestimmte Regionen in Deutschland sind z.B. für junge Familien in-
teressanter als andere und sie tragen so durch Umzug in attraktivere Regionen zu einer Ver-
änderung der demografischen Situation bei.
Bereits im Jahr 2008 hat die Wissenschaftsstadt Darmstadt auf diese Situation reagiert und einen
Demografiebericht
1 erstellt. Ziel der damaligen Veröffentlichung war die Aufarbeitung der demo-
grafischen Entwicklungen in der Wissenschafts stadt Darmstadt anhand aktueller Bevölkerungs-
daten von Ende 2007 vorzunehmen und für Politik, Gesellschaft und Wissenschaft jene Daten und
Trends zu erarbeiten, die über die möglichen demografischen Szenarien differenziert Auskunft
geben. In dieser Veröffentlichung werden neuste Erkenntnisse und aktuelle Daten auf der Basis
vom 31.12.2011 analysiert.
Dies setzt eine tiefer gehende Analyse der zu grunde liegenden strukturellen Entwicklungen, wie
z.B. das Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen sowie der Wanderungsbewegung, der Analyse
der derzeitigen und zukünftig absehbaren Potenziale an Wohnbautätigkeit u.a. voraus. Zusammen
ergeben diese umfangreichen Datenerhebungen, ne uen Auswertungen und Analysen eine aktuali-
sierte Bevölkerungsvorausberechnung, die die re alistische Möglichkeit der weiteren Bevölke-
rungsentwicklung Darmstadts und ihre Varianten abbildet und prognostizieren kann.
Gerade die Betrachtung der Entwicklung der südh essischen Metropolregion, die besondere Lage
Darmstadts im Rhein-Main-Gebiet und enge Verflechtungen mit dem La ndkreis Darmstadt-Die-
burg können durch die nun vorliegende Analyse den Blick auf die zukünftigen, enormen Potenziale
für eine nachhaltige Stadtentwicklung schärfen. Oft hilft der Blick zurück für die Sicht auf die Zu-
kunft: Die Aufarbeitung der regionalpolitischen Ausgangssituation Darmstadts in der Metropol-
region FrankfurtRheinMain steht deshalb am Anfang des ersten großen Themenbereiches.
Kein Einwohnerzuwachs ohne den entsprechenden Wohnraum: Kapitel 3 widmet sich der Zukunft
des Wohnens in der Metropolregion und stellt die Voraussetzungen der Regionalplanung dar, die
in Kapitel 4 am konkreten Beispiel Darmstadts mit seinen ne uen Potenzialen an Wohnbebauung
durch die nun zur Verfügung stehenden Konversion sflächen vorgestellt werden. Dabei umfassen
1 Wissenschaftsstadt Darmstadt, Der Magistrat (Hrsg.) Statistische Mitteilungen 1|2008, Demografiebericht Perspektiven
für Darmstadt, Darmstadt 2008
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
5
die Aspekte der Regional- und Stadtplanung nicht nur die möglichen neuen Wohnflächen, die nach
dem Abzug der US-amerikanischen Streitkräfte zur Verfügung stehen, sondern auch die
Entwicklungsperspektiven für die gewerbliche Nutzung und die ho he Bedeutung Darmstadts als
Wirtschaftsstandort.
Der zweite große Themenbereich mit dem Titel „Entwicklungen und Trends“ umfasst die neuesten
Erkenntnisse zu Geburten, Sterbefällen und Wanderungen in Darmstadt. Die absehbaren Verände-
rungen in Darmstadts Altersstruktur, sowie die Un terschiede in Darmstadts Stadtteilen bezüglich
der demografischen Entwicklung zeigt Kapitel 8 auf.
Der dritte und letzte Themenblock „Prognosen und Perspektiven“ verbindet die unterschiedlichen
Stränge der einzelnen Kapitel zu einem Gesamtüberb lick, der sich in die Zukunft richtet: In Ka-
pitel 9 werden nun die Erkenntnisse aus den demo grafischen, planerischen und wirtschaftlichen
Analysen in einer Bevölkerungsvorausberechnung bis zum Jahr 2030 gebündelt und für die ver-
schiedenen, differenzierten Altersgruppen einzeln vorgestellt.
Grundlegende Daten für die weitere städtische Kindergarten- und Schulentwicklungsplanung oder
Altenhilfeplanung z.B. können damit ermittelt werden; wichtige Optione n der weiteren Stadt-
entwicklung werden überhaupt erst sichtbar und können damit zu einer soliden Grundlage für Ent-
scheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft werden.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
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Statistische Mitteilungen 1|2012
Potentiale und Ziele
2 Zurück in die Stadt – Aktuelle Tendenzen der Stadtentwicklung
in Deutschland
2.1 „Stadt“ hat Konjunktur
Die Entwicklung der Weltbevölkerung im beginnenden 21. Jahrhundert hat zu einer Veränderung
im Zusammenleben der Menschen geführt, die es in der Geschichte der Menschheit bisher so
noch nicht gab. Während 1950 nur 28,9% der Weltbevölkerung in Städten beheimatet waren, sind
es inzwischen bereits über 50% aller Menschen. Dieser Wert wird sich den Prognosen der Ver-
einten Nationen nach bis 2050 auf rund 69% weit er erhöhen, die Zuwanderung vom Land in die
Städte weiter zunehmen. Dieser Trend wird – le icht ablesbar aus Abb ildung 1 – von den sich
ökonomisch entwickelnden Staaten wie China, Indien oder Brasilien getragen.
Für die Stadtentwicklung in Deutschland sind diese Angaben deshalb dem Grunde nach ein
Muster mit geringem Wert. Übergeordnet interessant ist jedoch die Vergleichbarkeit zur „Ex-
plosion“ des Städtesystems in Europa während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert.
Abbildung 1: Stadtwelt – Welt der Städte Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung auf Basis United Nations
Trotzdem hat der Begriff „Stadt“ derzeit Konjunktur – auch und gerade in Deutschland. Bis Ende
der 1990er Jahre, teils sogar bis Anfang der 2000e r Jahre waren Stichworte wie „Niedergang der
europäischen Stadt“, „Amerikanisierung des Städtesystems“, „Funktionsverlust“, „fortschreitende
Suburbanisierung“ oder „Alles geht in der Zwischenstadt auf“ typische Mainstream-Äußerungen in
Diskussionen rund um die Stadtforschung.
Wenn man heute alleine die Zahl der so titulierten Stadtkonferenzen und der Tagungen, die sich
sonst noch mit „Stadt“ auseinandersetzen, zählt oder wenn man beispielsweise feststellt, dass die
IT-Branche „Urban Management“ explizit als Thema erkennt, spätestens dann wird klar: „Stadt“
ist „in“. Es scheint einen Trend zurück in die Stadt zu geben. Dass parallel weitere ältere
wissenschaftliche Ansätze eine Renaissance erlebe n, sei nicht ohne Grund erwähnt. Als Beispiel
mögen Ulrich Becks Thesen zur Risikogesellschaft im Zeichen der Atomkatastrophe in Japan und
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
7
des Atomausstiegs in Deutschland dienen 2. Unter Umständen korreliert die „Wiederentdeckung“
der Stadt mit weiteren Veränderungsprozessen gesellschaftlicher Rahmenbedingungen und
Wertvorstellungen in Deutschland und Europa.
Existiert der Trend zurück in die Stadt aber hinsichtlich der empirisch nachvollziehbaren Be-
völkerungsentwicklung wirklich – oder haben wir es mit einem unfundierten Modebegriff zu tun?
2.2 Der Trend zurück in die Stadt
Betrachten wir die Darstellung der Bevölkerungs entwicklung in westdeutschen Städten seit 1980
(Abbildung 2), so kommen zunächst berechtigte Zweifel auf.
Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung der Städte Westdeutschlands 1980 – 2009
„Zurück in die Stadt?“ Die
Grafik vermittelt den gegen-
teiligen Trend: In Summe ist
die Großstadt, also das Pa-
radigma unserer europä-
ischen Stadt und dessen,
was wir unter Urbanität ver-
stehen, gegenüber allen an-
deren Gemeindetypen der
Verlierer dieses Zeitraums.
Während die Großstädte ge-
rade einmal in der Lage
waren, die Bevölkerungs-
verluste der 1980er Jahre
auszugleichen und sich
knapp über dem Niveau von
1980 zu halten, sind Mittel-,
Klein- und Landstädte sowie
ländliche Gemeinden im Ver-
gleichszeitraum zwischen
10% und knapp unter 20%
gewachsen.
Von einem Ende der Suburbanisierung kann demzuf olge bis hierhin keine Rede sein. Im Zeitraum
einer Generation haben die urbanen Zentren ihre n Status ungefähr erhalten können und es ist
immerhin die Feststellung erlaubt: „Es gibt sie noch – die europäische Stadt atmet noch.“
3
Auch der Blick auf die Baufertigstellungen in Abbi ldung 3 (gewählt sind hier drei Referenzzeiträu-
me) von 1980 bis 2006 spricht keine andere Spra che. Mitte der 1990er Jahre ist ein Höhepunkt
in der Bautätigkeit bedingt, durch die Wende un d die Auflösung des Ostblocks festzustellen. Dem
gegenüber bricht die Anzahl der fertig gestellten Wohnungen 2004 bis 2006 regelrecht ein – unge-
bremste Wachstumsszenarios sind offenbar allgemein nicht mehr angebracht.
2 vgl. Ulrich Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne , Suhrkamp Verlag: Frankfurt a. M. 1986
3 Üblicherweise werden folgende Unterscheidungen beim Begriff „Stadt“ zugrunde gelegt: die Landstadt - unter 5.000
Einwohnern, Kleinstadt mit 5.000 – 20.000, Mittelstadt von 20.000 – 100.000 und die Großstadt mit mehr als 100.000
Einwohnern. Sehr differenziert zur Entwicklung der europäischen Großstadt ist die Studie des Rheinisch-Westfälischen
Instituts für Wirtschaftsforschung, Deutsches Institut für Urbanistik u. a., Second State of European Cities Report,
Research Project fort he European Commission, DG Regional Policy, Essen 2010
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
8
Statistische Mitteilungen 1|2012
Abbildung 3 – Baufertigstellungen Wohnungen in Westdeutschland zwischen 1980 und 2006
Die relative Verteilung nach
Raumeinheiten zeigt, dass
das verdichtete Umland –
also der suburbane Raum –
unverändert mit über 50%
an der Bautätigkeit beteiligt
ist. Dies ist ein deutlicher
Beleg des Booms der „Zwi-
schenstadt“ zumindest bis
2006. Ist der Trend zurück
in die Stadt etwa doch nur
ein Wunschdenken der Pla-
nerherzen und –köpfe? Oder
sind Trendindizien feststell-
bar? Der Blick auf die
Abbildung 4 – Bevölkerungs-
entwicklung 2000 – 2009
gibt erste Hinweise.
Abbildung 4 Bevölkerungsentwicklung 2000 – 2009
Dabei handelt es sich keines-
wegs um eine statistische
Glättung einer Kurve, sondern
um die Wahl eines anderen,
für die vorliegende Fragestel-
lung präziseren Blickwinkels.
Die einzige Gebietskategorie,
die in den 2000er Jahren
relevante Bevölkerungsgewin-
ne realisieren konnte, ist näm-
lich die Großstadt
4. Alle ande-
ren Gemeindetypen schrump-
fen. Die Trendwende vollzieht
sich ziemlich exakt ab dem
Jahr 2004 und drückt sich –
bezogen auf die folgende Be-
trachtung der bundesdeut-
schen Städte – räumlich sehr
differenziert aus.
4 Diese Feststellung gilt sogar für die europäischen Großstädte innerhalb der Europäischen Union, wie die EU-Studie
Second State of European Cities Report für die EU-Kommission, DG Regional Policy, des Rheinisch-Westfälischen Instituts
für Wirtschaftsforschung, des Deutschen Instituts für Urbanistik u. a. vom November 2010 herausarbeitet -siehe dort S.
55 ff.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
9
Abbildung 5 mit der Darstellung der Bevölkerun gsdynamik auf Ebene der deutschen Städte und
Kreise bis 2025 bezieht sich auf das Basisjahr 2005. Der in 2004 einsetzende Trend der Bevöl-
kerungswanderung zurück in die Stadt spiegelt sich also noch nicht voll wider.
Abbildung 5 Künftige Bevölkerungsdynamik
Der demografische Wandel – und über diesen ist hier zu sprechen – wird extreme Disparitäten in
der Bevölkerungsentwicklung und damit in der Verteilung von Wohlstand bzw. der Entwicklung der
einzelnen Städte untereinander erbringen. Neben den Bevölkerungsv erlusten in weiten Teilen der
neuen Bundesländer wird häufiger übersehen, dass auch praktisch das gesamte ehemalige Zonen-
randgebiet Schrumpfungsraum ist und sich eine markante Linie der Bevölkerungsabnahme vom
Ruhrgebiet ausgehend nach Südosten bis in den Bayerischen Wald erstreckt.
Auffällig ist ebenso, dass die Suburbanisierung in manchen Teilräumen aufgrund der extremen
Dynamik oder einer nachholenden Entwicklung weiterhin voranschreitet. Das Umland von Mün-
chen, die Großregion Berlin mit Teilen Brandenb urgs und der Großraum Hamburg sind solche
Beispiele. Es liegt also eine Heterogenität stadtregionaler Entwicklungsprozesse vor: Pauscha-
lisierungen gehen fast immer fehl, der Trend zurück in die Stadt gilt offenbar vorrangig für be-
stimmte Stadtregionen. Gewinnerregionen des de mografischen Wandels sind neben den Genann-
ten ohne Zweifel die Region Stuttgart, die Region München und die Region FrankfurtRheinMain.
2.3 Demografische Trends in Hessen
Auf Hessen herunter gebrochen, sprechen jüng ste Prognosen bis 2050 eine ausgesprochen deut-
liche Sprache: die Großstädte Darmstadt, Frankf urt, Offenbach und Wies baden, die Kernstädte
der prosperierenden Region FrankfurtRheinMain, werden wachsen. Einzige Ausnahme im suburba-
nen Raum ist der Main-Taunus-Kreis. Darmstadt bringt es als „Spi tzenreiter“ der Prognose der
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
10
Statistische Mitteilungen 1|2012
HessenAgentur5 auf veritable 9,4% Wachstum bis 2050 – bei 8,7% Schrumpfung in Hessen ge-
samt. Differenziert wird dies anhand versch iedener Themen wie Wohnraumversorgung, Konver-
sionsflächen in Darmstadt und einer aktuellen Be völkerungsprognose in den folgenden Kapiteln
vorgestellt.
Bemerkenswert ist aber auch die relativ geringe Bevölkerungsabnahme in Kassel mit 4,3% ange-
sichts des dramatischen und gerade zu existenziellen Niedergangs der Nachbarkreise in der Vor-
ausberechnung. Auch hier kann man soweit gehen, zu sagen, dass ein Trend zurück in die Stadt
vorliegt, wenn auch unter anderen Vorzeichen.
Abbildung 6 Kleinräumige Bevölkerungsentwicklung von 2009 bis 2050 in Hessen
Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hat jüngst in einem Zwischenbericht
6 zu einem
entsprechenden Forschungsvorha ben herausgearbeitet, welches die speziellen Bedingungen für
Großstädte sind, die derzeit eine „Renaissance“ erfahren. Bildet man Städtegruppen aus, so wird
zunächst klar, dass Städte über 500 000 Einwohner – positive Rahmenbedingungen vorausgesetzt
– offenbar einen „strategischen Vorteil“ als Zuwanderungsziel besitzen. Es liegt hier nahe, das Ar-
gument der Anziehungskraft der so genannten Kreativen Klasse nach Richard Florida einzu-
führen7. Die drei TTTs – Talente, Technologie und Toleranz – sind wissenschaftlich bisher
praktisch unwidersprochen untrennbar mit dem Trend zurück in die Stadt verbunden.
5 Uwe van den Busch, Bevölkerungsvorausschätzung für die hessischen Landkreise und kreisfreien Städte. Eine Projektion
für den Zeitraum von 2010 bis 2030 und eine Trendfortschreibung bis 2050, HessenAgentur GmbH, Report Nr. 792,
Wiesbaden 2010
6 Jürgen Göddecke-Stellmann, Renaissance der Großstädte – eine Zwischenbilanz, Bundesinstitut für Bau- Stadt- und
Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, BBSR-Berichte KOMPAKT 9/2011, Bonn 2011
7 Richard Florida, The Rise of the Creative Class – and how it´s transforming work, leisure, community, and everyday life.
New York 2003
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
11
2.4 Die Renaissance der kleinen, wissens- und technologieorientierten
Großstadt
Von eben diesem Effekt profitiert aber noch eine zweite Städtegruppe: Die kleinere bis mittelgroße
Großstadt mit einem wissens- und technologieorientierten Profil ist in Deutschland der zweite
wichtige Träger des Trends zurück in die Stadt. Freiburg, Karlsruhe, Konstanz, Ulm oder Regens-
burg finden wir in dieser Städtegruppe8 – und die Wissenschaftsstadt Darmstadt, die durchaus als
Prototyp der geschilderten Entwicklung zu bezeichnen ist.
Der Begriff Prototyp bietet sich nicht zuletzt we gen des typischen Verlau fs der Bevölkerungsent-
wicklung – hier seit 1960 – an. Nach einem Peak der Nachkriegsentwicklung 1971/72 mit knapp
über 142.000 Einwohnern begann eine lang währende Phase der Suburbanisierung mit Bevölker-
ungsverlusten insbesondere ins unmittelbare Umland, die nur Anfang der 1990er Jahre eine
Unterbrechung durch Sondereffekte der Wende hatte. Die eigentliche Trendwende vollzieht sich
ab 1998, also früher als im Bundesdurchschnitt. Seither steigt die Bevölkerungszahl in Darmstadt
kontinuierlich an bis 2011 mit 147.930 ein historischer Höchststand erreicht wird. Gestützt auf
die Analyse intraregionaler Wanderungsbewegungen kann man seitdem feststellen: die Suburbani-
sierung als über vier Jahrzehnte prägendem Fakt or der Stadtentwicklung ist zum Erliegen kom-
men. Darmstadt befindet sich abgesichert in einer Reurbanisierungsphase.
Dabei ist auch auf den Sondereffekt der Einführ ung einer Zweitwohnungssteuer hinzuweisen, der
qualifiziert geschätzt zwischen 2.000 und 2.500 Ummeldungen vom Zweit- an den Erstwohnsitz in
2011 mit sich brachte. Auch dies ist ein typischer Effekt, da zahlreiche Vertreter der beiden ge-
nannten „Gewinner-Städtegruppen“ ein solches Instrument einsetzen, z.B. um maßstabsgerechter
am kommunalen Finanzausgleich zu partizipieren (z.B. Aachen, Dresden, Köln, Mainz, München,
Trier, Tübingen).
2.5 Flächenverbrauch und Lebensqualität
Derzeit stehen wir, wie anhand der Demografie der Großstädte gezeigt, an einem wichtigen Wen-
depunkt der Stadtentwicklung in Deutschland. Die Phasen des Wiederaufbaus und der folgenden
Stadt-Umland-Wanderungen sind abgeschlossen od er gehen ihrem Ende entgegen. Wir treten in
eine neue Phase der Stadtentwicklung ein. Gl eichzeitig korrelieren Veränderungs- und Anpas-
sungszwänge, deren Wechselwirkungen von Forschung und Praxis noch weiter zu analysieren und
erproben sind. Entscheidend ist für die zukünfti ge Entwicklung der Stadt sicher der Ausgleich
zwischen den drei Säulen der Nachhaltigkeit – Ökologie, Ökonomie und soziale Gerechtigkeit. Ein
neues Planungsparadigma für die Stadtentwicklung gewinnt hier mehr und mehr an Kontur.
Die Problematik der Abwägung zeigt sich im Flächenverbrauch in Deutschland, der den Kristalli-
sationspunkt der Nachhaltigkeit darstellt und an dem sich die Konflikte festmachen. Die Bundes-
regierung hat das Ziel formuliert, den Flächenv erbrauch bis zum Jahr 2020 auf 30 ha pro Tag zu
senken, die Siedlungs- und Verkehrsfläche in Deutschland hat zwischen 2007 und 2010 jedoch
um rechnerisch täglich 87 ha zu genommen. Hierbei zeigt sich die Heterogenität raumwirksamer
Entwicklungsprozesse: Wir sind in Deutschland noch längst nicht bei einem wünschenswerten
Flächenverbrauch angekommen. Der Flächenver brauch verlangsamt sich immerhin, denn zwi-
schen 2006 bis 2009 betrug die Zunahme noch 94 ha pro Tag. Zugleich tragen die nicht
8 Jürgen Göddecke-Stellmann, Renaissance der Großstädte – eine Zwischenbilanz, Bundesinstitut für Bau- Stadt- und
Raumforschung im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung, BBSR-Berichte KOMPAKT 9/2011, Bonn 2011, so z. B.
auf S. 7
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
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Statistische Mitteilungen 1|2012
versiegelten Flächen wie Grünanlagen und Sportflächen inzwischen mit ca. 31 ha pro Tag zu
einem teilweise verträglichen Anstieg der Siedlungsfläche bei.
Deshalb kann eine verantwortlic he, nachhaltige Stadtentwickl ung nur auf Innenentwicklung
setzen, um den Flächenverbrauch zu minimieren. Dies ist keineswegs nur eine kern-ökologische
Anforderung, für die Bevölkerung geht es auch um subjektive Lebensqualität gerade in den Ver-
dichtungsräumen.
2.6 Beteiligungskultur und nachhaltige Stadtentwicklung
Die Bedeutung der subjektiven Lebensqualität st ädtischer Bevölkerung zeigt sich auch in der
deutlich gestiegenen Einforderung von Bürgerbet eiligung an Planungsprozessen und der Gestal-
tung der baulichen Umwelt in de n Großstädten. Die zivilgesellschaftliche Aktivierung und Partizi-
pation ist derzeit eine Herausforderung für das (lokale) parlamentarische System und als deut-
liche Reaktion auf postdemokratische Phänomene zu werten.
Dass Stadt und Gesellschaft widersprüchlich sein können, sein wollen, zeigt sich hier sehr schön.
In Teilen ist die zivilgesellschaftliche Aktivierun g eine Gegenströmung zur Individualisierung des
Menschen in der Großstadt. Doch da in Bürge rbeteiligung auch Partikularinteressen vertreten
werden, was aus Sicht des Einzelnen nachvollziehbar ist, ist es ebenso eine Parallelbewegung.
Der Kernpunkt ist jedoch ein ganz anderer: Es is t eine zentrale, wenn nicht die gesellschaftliche
Aufgabe schlechthin, der sich unsere Demokratie stellen muss, neues Vertrauen herzustellen und
aus diesem Vertrauen eine neue Beteiligungskultur entstehen zu lassen. Dazu muss einerseits der
ernsthafte politische Wille bestehen, andererseits sind Verfahren auch neu zu entwickeln und ge-
setzlich zu definieren. Das Bau- und Planungsrec ht kennt die Bürgerbeteiligung durchaus seit
Langem. Die Beteiligung der Öffentlichkeit, wie wir sie heute nach Baugesetzbuch kennen, wird je-
doch nur noch in Teilen akzeptiert und bedarf deshalb einer Überarbeitung. Darmstadt ist hier mit
der Bürgerbeteiligung in der Konversion und der Aufnahme in das Programm Nationale Stadtent-
wicklungspolitik des Bundesstädtebauministeriums als Pilotprojekt an vorderer Front unterwegs:
vor allem schafft dies eine nac hhaltige, weil durch die Bürgerinnen und Bürger mitgestaltete, ent-
scheidungsfeste, abgesicherte Stadtentwicklung.
Verhandlungsbedürftig ist vor dem Hintergrund einer neuen Beteiligungskultur auch das Ver-
hältnis zwischen Investoren und Partizipation. „Stadt“ lebt von privater, rentierlicher Investition.
Diese wiederum braucht Verlässlichkeit in den Entscheidungswegen. „Wem die Stadt gehört?“ und
„ob man Stadt kaufen können darf“, wird deshalb immer wieder neu disk utiert werden. Wenn Be-
teiligung als Standard eine starke Verlässlichkeit für Investitionsentscheidungen schafft, dann wer-
den alle Seiten den größtmöglichen Vorteil haben.
2.7 Die Konsequenzen der Veränderung tradierter Familienbilder
Tradierte Familienbilder lösen sich mit hoher Geschwindigkeit auf. Dies wird auch für Darmstadt
in den folgenden Kapiteln aufgez eigt, wie z.B. bei den Hintergrundinformationen zu Geburtenzah-
len, Wanderungsbewegungen u.a. Die „klassische“ Familie mit zwei Kindern, einem berufstätigem
Mann, der mit dem PKW vom Haus mit Garten im Vorort zur Arbeit pendelt und der nicht-berufs-
tätigen Mutter, die mit dem Zweitwagen Einkäufe und den Transport der Kinder in die Schule,
zum Sportverein etc. bewerkstelligt, mag weiterhin existent sein. Familiär geprägte Solidarbezie-
hungen ohne Formalisierung, Patchworkfamilien et c. sind aber gleichsam vollkommen soziale
Normalität. Gerade die Tatsache, dass in der Regel auf jede famili äre Beziehung inzwischen zwei
oder zumindest 1,5 Berufstätige kommen, ist eine Triebfeder des Trends zurück in die Stadt:
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„Man braucht für die prekären Beschäftigungsverhältnisse, das Arbeiten in Projekten, viele Kon-
takte. Die sind in der Innenstadt, da kann man da nn mal hier und mal dort ein halbes Jahr arbei-
ten. Wenn Sie draußen im Eigenheim wohnen, sind Sie von allem abgeschnitten. Es ist eine Exis-
tenzfrage, in der Stadt zu bleiben. Der wichtige Trend in der Stadt ist Bleiben, nicht Zurück-
kehren“9. Solche und ähnliche Familienlogistik lässt sich angesichts enger Zeitbudgets und
steigender Mobilitätskosten sinnvoller in der Kernstadt abwickeln als anderswo10.
Gleichzeitig senkt der Trend zurück in die Stadt das Immobilienpreisniveau im suburbanen Raum
außerhalb des engsten Gürtels um die Kernstädte tendenziell ab. Mobilitätskosten und Zeitbudget
werden zunehmend gegen Wohnkosten gegen gerechnet. Schließlich laufen die Immobilienmärkte
in peripheren Regionen mit dramatisch rücklä ufigen Bevölkerungszahlen Gefahr, vollkommen zu-
sammen zu brechen. In den Gewinnerstädten de s demografischen Wandels erleben wir wiederum
eine teilweise Umkehrung bekannter immobilienwirtschaftlicher Regeln. Die renditestärkste Funk-
tion setzt sich nämlich wie gemeinhin bekannt in der Nutzungskonkurrenz durch. Das Wohnen –
lange ein ungeliebtes Kind der Investoren – erzielt inzwischen oft höhere Renditen als andere
Nutzungen und verdrängt diese. Mischgebiete nehm en auf diesem Wege vielfach mehr und mehr
den Charakter von Wohnquartieren an.
2.8 Ungelöste Probleme sozialer Exklusion und eines neuen urbanen
Prekariats
Trotz eines hohen durchschnittlichen Wohlstandsniveaus gerade in Städten wie Darmstadt zeigt
sich, dass die Gesellschaft sich fragmentiert und bestimmte Gruppen bei der Entwicklung von Ein-
kommen, Lebensqualität oder Statussicherheit nicht mitgenommen werden. Zugleich ist festzu-
stellen, dass immer mehr Jobs in den Städten nicht mehr ausreichen, um den Lebensunterhalt zu
bestreiten. Multijobber und eines neues Prekaria t sind ein Phänomen einer vermeintlich reichen
Gesellschaft
11. Sozialen Brennpunkten und ihrer Vorbeu gung muss deshalb weiterhin hohe Auf-
merksamkeit zu kommen. Die Befürchtung, dass das Programm Soziale Stadt ausgehöhlt wird,
ist zu recht weiterhin groß. Die Herausforderung, ökologische Nachhaltigkeit, energetische Sa-
nierung und soziale Nachhaltigkeit mit vertretbaren Warmmieten zu vereinen, ist deshalb extrem
wichtig und bedeutsam
12.
2.9 Neue Anforderungen an eine nachhaltige Nahversorgung
Parallel zum Trend zurück in die Stadt ist ein Trend zurück zum Einkauf im Stadtteil feststellbar,
wie dies die Darmstädter Bürgerbefrag ungen von 2006 und 2009 eindrücklich belegen
13. Für
Darmstadt soll hier auf integrierte Projektentwicklungen wie den Rewe-Markt in der Dieburger
Straße oder den Edeka-Markt im Arheilger Ortskern hingewiesen werden.
9 Hartmut Häussermann, Alle bleiben in der Stadt. Kann sie das aushalten?, Interview, erschienen in Demo – die
Monatszeitschrift für Kommunalpolitik, Heft 9/10-2011, Bonn 2011, S. 34 f.
10 Stephanie Pedlow, Die neue Attraktivität der Stadt. Wohnpräferenzen und Motive der Wohnstandortwahl in
familienorientierten Neubaugebieten Darmstadts, Diplomarbeit, herausgegeben vom Institut für Wohnen und Umwelt,
Darmstadt 2011
11 Siehe dazu ausführlich: Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Sozialatlas, Darmstadt 2009
12 Eine neue Untersuchung hat dies für Heidelberg exemplarisch belegt: Der Oberbürgermeister der Stadt
Heidelberg(Hrg.), Amt für Stadtentwicklung und Statistik, Wohntypen in Heidelberg. Eine nachfrageorientierte
Segmentierung des Heidelberger Wohnungsmarktes, Heidelberg, April 2011
13 Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrg.), Bürgerumfrage 2006 bzw. Bürgerumfrage 2009, Darmstadt 2006
bzw. 2009
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Statistische Mitteilungen 1|2012
2.10 Neues Wohnen
Stadtentwicklerisch ist eine de r großen Herausforderungen der Zukunft die nachhaltige Energie-
wende und die flächendeckende en ergetische Sanierung des deutschen, insbesondere Altimmobi-
lienbestandes. 2008 waren 48% der deutschen Priv athaushalte mit Wohneigentum ausgestattet.
Hierbei muss ein Ausgleich zwischen den Zielen der Stadtgestaltung, des Denkmalschutzes und
energetischer Sanierung gefunden werden.
Hervorgehend aus den sich kombinierenden Trends der zivilgesellschaftlichen Aktivierung, sich
verändernden familiären Lebenszusammenhängen und des demografischen Wandels ergeben sich
neue Wohnformen sowohl in genoss enschaftlichen, oft generationenübergreifenden oder inklusiv
angelegten Wohngruppen als auch in (regenerativen) Energieerzeugergemeinschaften. Die Genos-
senschaft als Beteiligungsmodell ist mithin wieder in aller Munde.
Zugleich müssen neue Mobilitätskonzepte auf Quartiersebene für eine nachhaltige Stadtentwick-
lung zwingend umgesetzt werden. Dies wirkt sich nicht nur in spezifischen Maßnahmen und Ange-
boten aus, sondern auch in neuen städtebaulic hen Grundmustern und Ersc hließungsformen. Am
Beispiel der Darmstädter Konversionsflächen wird dies in einem eigenen Kapitel dargestellt.
Ist der Trend zurück in die Stadt und der Versuc h, Flächenverbrauch durch Innenentwicklung zu
minimieren, am Ende doch eine, viel zu facettenreiche Aufgabe, als dass man sie zielsicher lösen
könnte? Nein, denn für die Städte ist offensichtlic h, dass die Energiewende als zukunftssichernde
Aufgabe in der Stadt bzw. im Stadtumbau en tschieden wird. Sie muss deshalb gesamtgesell-
schaftlich eingebettet sein. Die europäische Stadt wiederum hat über Jahrhunderte hinweg ihre
Wandlungsfähigkeit, Integrations- und Innovationskraft bewiesen. Die „Stadt“ als Organismus und
Plattform ist dem Aufgabenspektrum gewachsen und wird sich zum wiederholten Male in ihrer Ge-
schichte über die Herausforderung neu „erfinde n“. Außerdem ist davon auszugehen, dass in den
Städten aufgrund des demografis chen Wandels Veränderungsproze sse eher als anderswo ökono-
misch rentierlich darstellbar sind. Auch dies ist ein Grund, warum aktuell so viel über „Stadt“ ge-
sprochen wird. „Wenn eine Stadt vielfältig sein soll, muss sie für alle Platz haben…“ (Hartmut
Häussermann).
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3 Zukunft des Wohnens in FrankfurtRheinMain und in Darmstadt
Die Einwohnerzahl Hessens wird bis 2020 zunächst geringfügig zurückgehen. In den folgenden
Jahrzehnten wird sich dieser Abwärtstrend beschleunigen. Im Gegensatz dazu können sich bei der
Betrachtung der kleinräumigen Entwicklung auf der Ebene der Regierungsbezirke und stärker
noch auf der Ebene der Landkreise und kreisfreien Städte allerdings si gnifikante Abweichungen
ergeben (siehe Kapitel 2).
Die für die zu erwartende positive Bevölkerungsentwicklung im wesentlichen verantwortlichen
Wanderungsströme werden sich wegen der ökonom ischen Attraktivität des Rhein-Main-Gebietes
vor allem auf Südhessen und Teile des mittelhess ischen Raumes konzentrieren und insbesondere
im Süden bis 2030 zu einer steigenden Einwohnerzahl beitragen. Doch auch in Südhessen werden
die Entwicklungen nicht gleichförmig verlaufen. Wobei die klassischen Muster der Suburba-
nisierungsbewegungen, die die Siedlungsentwicklungen der letzten Jahrzehnte des zwanzigsten
Jahrhunderts prägten, keine Rolle mehr spielen werden.
Die Hessen-Agentur beobachtet dieses Phänomen seit der Jahrtausendwende und stellt in ihrer
jüngsten Studie fest, dass sich der Trend zur Reurbanisierung fortsetzt. Das zugunsten der Städte
veränderte Wanderungsmuster sowie die noch stärker auf den Regierungsbezirk Darmstadt kon-
zentrierten Wanderungsgewinne sind die wesentlichen Veränderungen der aktuellen Bevölkerungs-
vorausberechnung im Vergleich zu den Vorgängerstudien.
14
Die Folgen der erlahmenden Suburbanisierung we rden zunehmend sichtbar: Periphere Standorte
verlieren an Bedeutung und Wa nderungsbewegungen begünstige n und stärken zunehmend die
Zentren. Indiz dafür ist, dass neue Arbeitsplätze vorwiegend in Städten entstehen, die wiederum
als Wohnstandort interessant werden. Auch für ältere Menschen, für die keine arbeitsplatzrelevan-
ten Gründe eine Rolle spielen, werden die Städte wieder attraktiv.
Diese Entwicklungen bleiben selbstverständlich nicht ohne Einfluss auf die Wohnungsmärkte. Die
Bedeutung des Wohnungsmarktes als Standortfakt or nimmt zu. So komp lex wie der demogra-
fische Wandel werden auch die Entwicklung und der Wandel im Wohnungsmarkt zukünftig er-
wartet.
Es wird keinen einheitlichen regionalen Wohnungsm arkt geben. Die Märkte werden inhomogener.
Im Gesamtbild kann es durchaus sein, dass di e Zahl der Haushalte und der Wohnungen ausge-
glichen ist, es ergeben sich aber große Unters chiede in den einzelnen Segmenten. Schon heute
steht oftmals einem Überangebot von teuren Wo hnungen eine wachsende Knappheit an preiswer-
ten, finanzierbaren Wohnungen gegenüber.
So ist deutschlandweit die wese ntliche Erkenntnis der letzten Ja hre, dass die Wohnungs- und Im-
mobilienmärkte immer vielfältiger werden. Wa chsende und schrumpfende Wohnungsmarktre-
gionen existieren nebeneinander. Gleichzeitig nehmen die Preisspannen zwischen den „günstigen“
und „teuren“ Regionen zu.
Diese Entwicklungen und Strukturverschiebungen zeichnen sich teilweise sogar kleinräumig und
in verschiedenen Marktsegmenten ab. Insbeson dere bei Wohnungsmieten und Immobilienpreisen
haben sich die Unterschiede zwischen den regionalen Immobilienmärkten vergrößert.
14 Hessen Agentur, Bevölkerungsvorausschätzung für die hessischen Landkreise und kreisfreien Städte, Wiesbaden 2010
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
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Statistische Mitteilungen 1|2012
Städte in wachsenden Regionen verzeichnen seit Jahren deutliche Mietsteigerungen. Aber auch in
stagnierenden Regionen eröffnen sich durch stei gende Haushaltszahlen bei gleichbleibender Be-
völkerung positive Entwicklungen. Nur in schrumpfenden Räumen ändern sich die Mieten kaum.
Als Folgeeffekt dieser Entwicklung ist insbesondere festzuhalten, dass Immobilien als Anlageob-
jekte besonders in prosperierenden Regionen gefragt sind. Durch die aktuellen Unsicherheiten an
den Finanzmärkten haben Immobi lien einen deutlichen Bedeutung sgewinn gegenüber den tradi-
tionellen Anlageformen wie Staatsanleihen oder sonstige Wertpapiere erhalten. Zusätzlich niedrige
Hypothekenzinsen führen zu Angebotsengpässen in wachsenden Regionen und in der Konsequenz
wiederum zu deutlichen Preissteigerungen.
Tatsache ist, dass Wohnungsbautätigkeit bundeswe it ohne größere Unterschiede zwischen den
Regionen seit Jahren rückläufig ist. 2010 war er stmals wieder ein leichtes Ansteigen des Woh-
nungsbaus in den prosperierenden Regionen – auf niedrigem Niveau – festzustellen, wobei sich
die Bautätigkeit aufgrund der Wohnungsnachfrage zunehmend auf die Städte konzentriert.
Alle Anzeichen führen zu dem Schluss, dass die Ausdifferenzierung der Märkte weiter zunehmen
wird. Wohnstandortentscheidungen fallen perspektivisch immer öfter aufgrund von Aspekten, wie
Lage, Zuschnitt und Qualität des Objektes. Aber auch energetische Gesichtspunkte werden
wichtiger.
Die Wohnungs- und Immobilienmär kte unterliegen derzeit einer Vielzahl dynamischer gesell-
schaftlicher Entwicklungen mit regionalen Differenzierungen und überre gional unsicheren Rah-
menbedingungen.
15
Dazu kommen die sich weiter diversifizierenden Ansprüche, die künftig verstärkt an Wohnraum
gestellt werden. Das aktuell verfügbare Wohnrau mangebot kann die Entwicklung von unterschied-
lichen Wohnmodellen für die unterschiedlichen Nach fragergruppen nicht befriedigen. Die Berück-
sichtigung sich wandelnder Bedürfnisse wird eine Kernaufgabe werden und entscheidend für die
Zukunftsfähigkeit des Wohnungsmarktes sein.
Auch in unserer Region, der Region Frankfur tRheinMain können die ve ränderten Rahmenbedin-
gungen wahrgenommen werden. Im Regierungsbezir k Darmstadt gab es 2009 historisch niedrige
Fertigstellungsraten im Wohnungsneubau. Die oben bereits beschriebene rückläufige Tendenz der
Wohnungsbautätigkeit fand ihren Höhepunkt in den Jahren 2 008 und 2009 mit einem regelrech-
ten Einbruch bei den Ein- und Zweifamilienhäuser n. Im Jahre 2009 erfolgten 80% der Investitio-
nen des deutschen Wohnungsbaus im Bestand. Ab dem Jahr 2010 lässt sich im Wohnungsbau-
Gewerbe wieder mehr der Focus auf Neubau tätigkeit erkennen. Im Geschosswohnungsbau
zeichnet sich eine leichte Belebung auf nied rigem Niveau ab, nachdem sich von 2000 bis 2009
das reale Neubauvolumen im Geschosswohnungsbau halbiert hat.16
Über die gesamte Region FrankfurtRheinMain hinweg wird bis etwa 2030 mit positivem Wachstum
der Bevölkerung gerechnet. Die teilregionalen En twicklungen werden aber sehr unterschiedlich
sein. Das wiederum bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Wohnungsbautätigkeit. In einzelnen
Teilräumen sehr stark, aber auch in stagnierenden Gebieten wird ein stabiler Trend wachsender
Haushaltszahlen für zusätzlich e Wohnungsnachfrage sorgen. In den Stadtregionen Südhessens
wird daher auch in Zukunft mit angespannten Wohnungsmärkten und niedrigen Leerstandsquoten
gerechnet. Preisanstiege werden neben der Nachfrage zunehmend auch aus gestiegenen Energie-
kosten resultieren.
15 Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, Aktuelle Ergebnisse der Raumbeobachtung, Berlin 2011
16 Institut Wohnen und Umwelt, Regionaler Konjunkturbericht 2011, Südhessischer Wohnungsmarkt, Darmstadt 2011
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
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Der Suburbanisierungstrend hat sich in Südhessen wie oben beschrieben jetzt auch erkennbar ab-
geschwächt. Die Kernstädte verzeichnen seit der Jahrtausen dwende positives Bevölkerungs-
wachstum, während in den ländlichen Regionen ve rstärkt rückläufige Bevölkerungsentwicklungen
beobachtet werden. In der Konseq uenz bedeutet das, dass sich auch in Südhessen der Trend zu
Konzentrationsprozessen auf die verstädterten Gebiete fortsetzen wird. Die Kernstädte werden die
zusätzliche Wohnungsnachfrage aus Zuwanderungen aber nur dann in Bevölkerungszuwächse um-
setzen können, wenn ein entsprechendes Siedlungspotential zur Verfügung gestellt werden kann.
Vor diesem Hintergrund dürften Zw eifel am raum-entwicklungspolitischen Umgang in der Region
FrankfurtRheinMain (Regierungsbezirk Südhessen) mit diesem Thema erlaubt sein. Im jüngst
(Oktober 2011) in Kraft getretenen Regionalplan Südhessen wird der Wohnbau-Entwicklung durch
großzügige Flächenausweisung in den Kommunen – ganz im Sinne der überkommenen Subur-
banisierung – nach wie vor ein herausragender Stellenwert eingeräumt und damit eine gezielte
Zentrenentwicklung verhindert.
Den Anstrengungen zur Mobilisi erung innerstädtischen Brache n und Flächenreserven zur Er-
gänzung des Wohnungsmarktes wird in den kla ssischen Denkmustern von Regionalentwicklung
und Regionalpolitik noch zu wenig Bedeutung beigemessen.
In Anbetracht von gestärktem Klimabewusstsein und höherer Mobilitätskosten wird erwartet, dass
der Wohnraum entlang der ÖPNV-Hauptachsen immer interessanter und stärker nachgefragt wird.
Durch Flächenrecycling bzw. Konversion entstand in den letzten Jahren eine Reihe von attraktiven
Stadtquartieren, die hochwertige Angebote innerhalb der Stadtgrenzen bieten.
Auch in Darmstadt besteht durch die Konversion ehemals militärisch genutzter innerstädtischer
Flächen die Chance, dem prognostizierten Bevö lkerungswachstum auch das entsprechende Woh-
nungsangebot zur Verfügung zu stellen (Vergleiche Kapitel 4).
Anpassungsprozesse betreffen aber nicht nur den Wohnungsneubau durch Flächen-Neuaus-
weisung oder Flächenrecycling von Brachen, so ndern auch die Wohnungsbestände. Neben der er-
folgreichen und schon sehr oft beschriebenen Sanierung von Gr ünderzeitvierteln (aber: Auf-
wertung = Verteuerung des Wohnraums) wird de r kommende Augenmerk den Wohnvierteln und
den Einfamilienhausgebieten gelten müssen. Dem gestärkten Interesse an Urbanität kann nur
dann entsprochen werden, wenn die Anpassung in allen Quartieren der ve rstädterten Bereiche
durch geeignetes Handeln gelingt.
Zusammenfassend wird festgestellt, dass die „Rückkehr“ der Bevölkerung vom suburbanen in den
urbanen Raum vor allem auch in der Rhein-Ma in-Region unverkennbar ist und in der Tendenz
sich noch verstärken wird. Es ist daher wichtig, sich auf innerstädtische Entwicklungspotenziale
zu konzentrieren und damit die Innenentwicklung der Städte zu fördern.
Neben der Belebung der Zentren wird ein Schwerpunkt der Wo hnungs- und Immobilienmarktent-
wicklung auf der Anpassungsfähigkeit des Wohnr aumes an die unterschiedlichen Nutzergruppen
liegen. Nicht zuletzt werden Rentner und Pensionäre zu einer wichtigen Nachfragegruppe auf dem
Wohnungsmarkt. Urbanes Wohnen hat Vorteile bei der medizinische n und kulturellen Versorgung
und ist zunehmend attraktiv für die infolge des demografischen Wandels ansteigenden Bevöl-
kerungsanteile der Senioren.
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4 Potenziale der Stadtentwicklung in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt
Darmstadts Einwohnerzahl steigt seit 1998 stetig an (vergleiche Kapitel 6). Entsprechend den
aktuellen Projektionen der Einwohnerentwicklung ist davon auszugehen, dass Darmstadt bis über
den Zeithorizont 2020 hinaus eine wachsende Stad t sein wird. Demzufolge ist weiterhin von Zu-
wächsen sowohl im Bereich des Wohnungsmarktes als auch im Bereich der gewerblichen Entwick-
lung auszugehen. Insbesondere der Wohnungsmarkt ist durch einen allgemeinen Nachfrageüber-
hang gekennzeichnet.
Die hierfür notwendigen städteba ulichen Entwicklungspotenziale si nd in Darmstadt räumlich be-
grenzt: Angesichts der Siedlungsbeschränkungsz one durch die Lärmemission des Flughafens
Frankfurt im Norden sowie vielfacher naturräum licher Restriktionen im übrigen Stadtgebiet sind
praktisch keine Wachstumsmöglichkeiten im Außenb ereich vorhanden, so dass künftige Entwick-
lungen zwangsläufig innerhalb der bestehende n Siedlungsfläche stattfinden müssen. Flächenum-
nutzung und Stadtumbau sind so mit eine zentrale Aufgabe der Stadtentwicklung. Entscheidend
ist dabei, ob und in welchem Umfang die notwen digen Flächenpotenziale auch tatsächlich mobili-
siert werden können. Hierbei müssen vielfältige Parameter, wie z.B. Altlasten oder Erlöserwartun-
gen des Eigentümers, etc. beacht et werden. Zudem weisen die Fl ächen in Darmstadt hinsichtlich
ihrer Lage, ihres Gebäudebestandes und ihrer Verwertbarkeit sehr unterschiedliche Rahmenbedin-
gungen auf.
Abbildung 7 Darmstädter Konversionsflächen-Flächenübersicht
Quelle: Stadtplanungsamt
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Zentraler Schwerpunkt der künfti gen Flächenmobilisierung in Darmstadt wird die weitere zivile
Umnutzung der ehemaligen militärischen Flächen im Stadtgebiet sein. Diese werden im Folgen-
den als Konversionsflächen bezeichnet. Gegen Ende 2008 haben die amerikanischen Streitkräfte
den Standort Darmstadt verlassen. Lediglich zwei kleinere militärische Restnutzungen sind noch
in der Stadt verblieben. Damit wurde Darmstadts langjährige Teilfunktion als Militärstandort
faktisch aufgegeben. Seitdem ist die Bundesan stalt für Immobilienaufgaben (BImA) als neuer
Eigentümer für die Verwaltung und Vermarktung der Flächen zuständig.
Innerhalb des Darmstädter Stadtgebietes befinden sich rund 314 ha ehemals militärisch genutzte
Flächen. Davon können etwa 122 ha als innerstä dtische Konversionsflächen angesehen werden.
Diese Flächen befinden sich zumeist in städtebau lich integrierten Lagen und weisen eine gute Er-
reichbarkeit zur City auf. Die Wissenschaftsstad t Darmstadt hat für die k ünftige Entwicklung der
jeweiligen Flächen bestimmte Schwerpunktnutzungen festgelegt. In einem ersten Schritt konnte
die Offizierssiedlung der ehemaligen St. Barbara-Village als ziviles Wohngebiet mit rund 36 Wohn-
einheiten in Einzel- und Doppelhäusern umgenutzt und vermarktet werden. Außerdem wurde auch
eine kleinere Teilfläche im Konversionsbereich-West für eine gewerbliche Folgenutzung veräußert.
Tabelle 1 Darmstädter Konversionsflächen, Flächenbilanz
Flächengröße in ha
Stadtteil Statistischer
Bezirk Projekt-
gebiet
Brutto-
bauland
Netto-
bauland
Bundeswehr-Kasernen
Starkenburg-Kaserne West 240 14,8 12,0 9,0
US-Kasernen
Kelly-Barracks West 540 47,6 26,3 19,7
Nathan-Hale-Depot West 540 13,2 13,2 9,9
Cambrai-Fritsch-Kaserne Süd 430 24,8 23,5 17,6
US-Kasernen gesamt 85,6 63,0 47,2
US- housing-areas
Lincoln-Siedlung Süd 430 24,3 - -
Jefferson-Siedlung Süd 430 8,5 - -
St. Barbara-Siedlung Eberstadt 730 3,3 - -
US- housing-areas gesamt 36,1 - -
sonstige US-Flächen
Griesheim-Airfield West 540 21,9 9,8 7,4
Darmstadt Training Center West 540 157,4 - -
sonstige US-Flächen gesamt 179,3 9,8 7,4
Insgesamt 315,8 84,8 63,6
4.1 Konversionsbereich Bessungen-Süd
4.1.1 Ausgangssituation
Im südlichen Teil des Stadtteils Bessungen befind en sich die Konversionsareale Lincoln-Siedlung,
Cambrai-Fritsch-Kaserne und Jefferson-Siedlung. Das gesamte Gebiet weist innerhalb des Stadt-
gefüges eine besondere Lage auf: Dieser Raum st ellt den Übergangsbereich zwischen der dicht
bebauten Kernstadt zum Stadtteil Eberstadt dar. Die Flächen liegen im Schnittpunkt eines nahezu
geschlossen umfließenden Wald- und Offenlandgürtels am Fuß der Ludwigshöhe. Zudem treffen
dort die beiden Naturräume des vorderen Odenwalds und der hessischen Rheinebene auf-
einander.
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Der Konversionsbereich Bessungen-Süd besteht aus den beiden Flächen der etwa 24,9 ha großen
Lincoln-Siedlung und der etwa 34,4 ha großen Fläche der Cambrai-Fritsch-Kaserne mit der an-
grenzenden Jefferson-Siedlung.
Abbildung 8 Konversionsbereich Bessungen-Süd, Lageplan
Quelle: Magistrat der Wissenschaftsstadt Darmstadt (Hrg.), Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung, Broschüre
Konversion, Darmstadt September 2011, Seite 13
Die Lincoln-Siedlung ist eine typische Wohnsie dlung aus den 1950er Jahren. Ihr Stadtgrundriss
entspricht dem damals vorherrschenden städtebaulichen Leitbild. Insgesamt 33 Wohnzeilen fügen
sich locker gruppiert in die o ffene Landschaft ein. Die dreige schossigen, mit Satteldächern ver-
sehenen Gebäude sind nahezu baugleich, so dass insgesamt ein monotoner Raumeindruck
entsteht.
Das Gelände der Cambrai-Fritsch-Kaserne ist nach Nordwesten Richtung Bessungen geneigt. Im
Bereich der Jefferson-Siedlung beginnt der Landsc haftsraum der Bergstraße mit westorientierter
Hanglage. Südlich der Jefferson-Siedlung schließen sich großzügig durchgrünte Villengebieten an.
Die Cambrai-Fritsch-Kaserne besteht aus zwei ur sprünglich funktional ge trennten Kasernenanla-
gen, die um einen zentralen Ersc hließungshof angelegt wurden. Di agonal durch den Platz führte
in Verlängerung der Ludwigshöhstraße die alte Wegeverbindung von Bessungen zur Ludwigshöhe.
Dieser Bereich ist als Ensemble denkmalgeschützt. Die Bebauung der Cambrai-Fritsch-Kaserne ist
nach einem orthogonalen Raster geordnet. Typisch für die Kaserne sind die zu Höfen gruppierten
Mannschaftsblöcke und Verwaltungsgebäude aus den 1930er Jahren.
Die Cooperstraße verbindet die Lincoln-Siedlu ng mit der Cambrai-Fritsch-Kaserne und der
Jefferson-Siedlung. Seit Anfang des Jahres 2011 ist die Straße wieder für die Öffentlichkeit durch-
gängig befahrbar, so dass über die östlich anschließende Bogenschneise eine Verbindung zum
Wald an der Ludwigshöhe und der Marienhöhe besteht.
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Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
21
4.1.2 Ziele der Planung
Ausgehend vom hohen Wohnraumbedarf in Darmst adt soll der gesamte Konversionsbereich
Bessungen-Süd als neuer Wohnstandort entwickelt werden. Ein städtebauliches Zusammenwach-
sen der Stadtteile Bessungen und Eberstadt soll dabei grundsätzlich vermieden werden. Die an-
grenzenden Bereiche sind überwiegend durch qualitativ wertvolle Grün- und Waldflächen geprägt
und sollen von einer Bebauung frei gehalten werden.
Um die zivile Nachnutzung der Lincoln- und Jefferson-Siedlung sowie der Cambrai-Fritsch-Kaserne
vorzubereiten, bedarf es eine s umfassenden Planungsprozesses: In einem ersten Schritt wurde
hierzu die Rahmenplanung beauftragt. Diese soll als Instrument der informellen Planung die Ent-
wicklungspotenziale des Projektgebiets der ehemaligen Militärflächen erkunden und aufzeigen.
Die Rahmenplanung stellt die übergeordnete städtebauliche, verkehrliche und landschaftliche Ein-
bindung in einen Kontext. Zudem dient sie als Kommunikationsinstrument und zur Information
von Akteuren und ist zentrale Grundlage für En tscheidungen und weitere Planungen (Bauleit-
planung, Fachplanungen, städtebauliche Verträge).
Im Konversionsbereich Bessungen-Süd sollen ne ue bedarfsgerechte Wo hnquartiere mit unter-
schiedlichen Wohnraumtypen entstehen. Die Umnutzung der Lincoln-Village wird derzeit priori-
siert vorangetrieben. Hier könnten bei maximaler Ausschöpfung der Vorgaben der Rahmen-
planung rund 1.450 Wohneinheiten für etwa 3.000 neue Einwohner entstehen. Um dabei das Ziel
einer sozialen Mischung in den Quartieren zu erreichen, sieht der Rahmenplan für den Bereich der
Lincoln-Siedlung ein differenziertes Bebauungsko nzept vor. Es wird eine kleinteilige Mischung
unterschiedlicher Wohnungsangebote angestrebt. Dabei sollen auch verschiedene Projekte für be-
sondere Wohnformen realisiert werden:
• Sonderwohnformen unter sozialer Trägerschaft (integratives Wohnen)
• besondere Wohnangebote für ältere Menschen
• generationsübergreifende Wohnprojekte
• zur Eigentumsbildung für Familien mit Einkommen in den Grenzen der
Eigentumsförderung des Landes Hessen
• zur Versorgung von Studierenden
Um zu vermeiden, dass sich Quartiere mit sozial instabiler Bevölkerung sstruktur herausbilden,
sollten Sozialwohnungen mit ande ren Wohnformen möglichst kleinr äumig gemischt werden. Als
Voraussetzung für funktionierende Hausgemeinschaften und Nachbarschaften muss daher der Be-
legung eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden. Ziel des Verkehrskonzepts auf Rahmen-
planebene ist es, das entstehende Verkehrsaufkommen möglichst stadt-, umwelt- und sozialver-
träglich abzuwickeln. Hierzu gehören vor allem a ttraktive Angebote im ÖPNV und im Fuß- und
Radverkehr, flankiert von einer entsprechend ausgerichteten Infrastruktur.
Abbildung 9 Ausschnitt Bebauungskonzept Lincoln-Siedlung
Quelle: Magistrat 2011, Seite 11
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22
Statistische Mitteilungen 1|2012
4.1.3 Aktueller Sachstand
Im Vorfeld der aktuellen Entwicklungen wurden für die innerstädtischen Kasernenareale bereits
entsprechende Aufstellungsbeschlüsse für künftige Bebauungspläne gefasst. Weiterhin wurden
Satzungen über ein besonderes Vorkaufsrecht der Stadt erlassen.
Nach derzeitiger Sachlage ist nicht geplant, dass die Stadt Flächen erwerben wird. Vielmehr wird
eine direkte Eigentumsübertragung von der BImA an künftige Entw ickler oder Treuhänder ange-
strebt. Hierbei bieten sich unterschiedliche Vorgehensweisen an. Die konkreten Rahmenbedingun-
gen für einen Eigentumsübergang müssen noch endverhandelt werden.
Ein wichtiges Steuerungsinstrument zur Sicherung städtebaulicher Ziele stellt die kommunale Pla-
nungshoheit dar, welche bereits durch die Beau ftragung der Rahmenplanung in einem ersten
Schritt umgesetzt wurde. Der Rahmenplan für den Konversionsbereich Bessungen-Süd wurde im
Rahmen von zwei Bürgerwerkstätten zudem öffentlic h diskutiert und ist durch die Stadtverordne-
tenversammlung am 21.06.2011 beschlossen worden.
Darauf aufbauend soll für den Bereich der Camb rai-Fritsch-Kaserne und Jefferson-Siedlung im
Jahr 2012 ein städtebaulicher und landschaftsplanerischer Wettbewerb durchgeführt werden, wel-
cher die im Rahmenplan getroffe nen Ziele, insbesondere hinsichtlich der Gestaltung der stadt-
räumlichen Zusammenhänge und der Grünzonen, konk retisiert. Alternativ wird die Durchführung
einer städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme entsprechend den §§ 165 ff im Besonderen Städte-
baurecht des Baugesetzbuches (BauGB) geprüft.
4.2 Konversionsbereich-West
4.2.1 Ausgangssituation
Die benachbarten Areale Kelley-Barracks und das Nathan-Hale-Depot befinden sich am westlichen
Stadtrand. Die Flächen grenzen im Norden und Osten an gewerb liche Bauflächen, im Süden an
die Eschollbrücker Straße und im Westen an eine geschlossene Waldfläche an. Das Gebiet liegt in
südlicher Nachbarschaft zum TZ Rhein-Main und bietet damit eine höchst attraktive Lagegunst für
eine gewerbliche Entwicklung. Die Gesamtgröße beider Bereiche beträg t rund insgesamt 62 ha.
Beide Areale verfügen über eine eigenständige technische Infrastruktur.
Abbildung 10 Kelley-Barracks, Eschollbrücker Straße
Foto: Nikolaus Heiss
Die ehemalige Leibgarde-Kaserne wurde 1934 erba ut und nach Übernahme der US-Army 1945 in
den Namen Kelly-Barracks umbenannt. Das Gelände gliedert sich in Mannschafts-, Freizeit-, Ver-
waltungs-/Lager- und Werkstattber eich. Parallel zur Eschollbrücker Straße befinden sich fünf
Mannschaftsblöcke, welche teilweise oder vollständig renoviert wurden. Im mittleren Bereich der
Liegenschaft gibt es verschie dene Verwaltungsgebäude sowie eine Kantine und ein Kirchen-
gebäude. Auf dem Areal befinden sich weiter hin ca. 5,4 ha Sport- und Grünflächen sowie
Stellplätze und Werkstätten. Die Waldfläche im Südwesten umfasst ca. 7,4 ha. Verkehrlich sind
die Kelley-Barracks über die Eschollbrücker Straße erschlossen.
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23
Das Nathan-Hale-Depot grenzt nördlich an die Ke lley-Barracks an. Es wurde 1936 als militärische
Logistikfläche errichtet und 1945 von der US-Army übernommen. Sieben mehrgeschossige Lager-
und Verwaltungsgebäude prägen das Gelände. Dieses Depot wird teilweise noch von den amerika-
nischen Streitkräften genutzt und ist über die Sche ppallee und die Riedstraße an das öffentliche
Straßennetz angebunden. Außerdem besteht eine Gleisanbindung an die Main-Neckar-Bahn.
4.2.2 Ziele der Planung
Mit der Entwicklung der Konversionsflächen soll im Westen Darmstadts ei n neues Gebiet mit ge-
werblichem Entwicklungsschwerpunk t etabliert werden. Der Eige ntümer, die Bundesanstalt für
Immobilienaufgaben (BImA) plant in Zukunft gr ößere, zusammenhängende gewerbliche Bau-
flächen sukzessive zu verkaufen. Dies entspric ht in Grundzügen auch den Vorstellungen der
Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Die Neuordnung soll sich in die bestehende Stru ktur einfügen und an den Bedarfen der an-
sässigen Unternehmen orientieren. Zudem müssen auch die Belange des südlich angrenzenden
Wohngebietes Heimstättensiedlung geprüft werden.
Abbildung 11 Konversionsbereich West, Bestand und Eigentumsverhältnisse
Quelle: Magistrat 2011, Seite 18
Für den Gesamtbereich wird zurzeit eine Rahmenp lanung erarbeitet, die ei ne Umnutzung in ein
Gewerbe- bzw. Gewerbe-Mischgebiet mit entsprec hender Grundstücksneuordnung zum Ziel hat.
Die Planungsergebnisse sollen im Rahmen einer Bürgerwerkstatt öffentlich vorgestellt und dis-
kutiert werden.
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24
Statistische Mitteilungen 1|2012
Die wesentlichen Ziele der beauftragten Planungen sind:
• Betrachtung Nathan-Hale-Depot und Kelley-Barracks im Zusammenhang
• Berücksichtigung von Nachbarschaftsanfragen
• Neustrukturierung des gesamten Areals
• Einbindung in den Siedlungskörper
• Erschließung und Parzellierung
• Schaffung von qualitätsvollen Straßenräumen
Im Zuge der angestrebten Umnutzung der Fläche n in ein Gewerbe-Mischgebiet ist beabsichtigt,
die Verkehrsanbindung über eine neu zu errichte nde äußere Erschließungsstraße zu regeln. Der
Anschluss des Areals an die Bundesautobahn A5 so ll über eine Westranderschließung bzw. die
Verlängerung des Eifelrings nach Süden erfolgen.
4.2.3 Aktueller Sachstand
Die Kelley-Barracks und das Nathan-Hale-Depot si nd im Flächennutzungsplan aktuell als Sonder-
baufläche dargestellt. Mit Aufgabe der militärisch en Nutzung sind die Flächen planungsrechtlich
in den Außenbereich gefallen und werden nach §35 des Baugesetzbuches (BauGB) beurteilt. Die
Rahmenplanung sowie die Öffentlich keitsbeteiligung sind noch ni cht abgeschlossen. Daher kön-
nen noch keine abschließenden Aussagen zur klei nräumigen Ordnung, insbesondere der ehemali-
gen Kelley-Barracks getroffen werden. Dies betri fft zum Beispiel die Mannschaftsblöcke an der
Eschollbrücker Straße. Ihr Erhalt könnte in einer Mischgebietszone mit angemessener Nutzung
offen gehalten werden.
Grundsätzlich besteht seitens der Wirtschaft großes Interesse an den zu entwickelnden Flächen.
Die aktuelle Nachfrage deckt ein breites Interessensspektrum ab. Eine besondere Priorität wird
den Belangen der am Standort ansässigen Firmen eingeräumt. Ein Teilbereich des Nathan-Hale-
Depots wurde bereits an ein angrenzendes Unternehmen verkauft.
Die Fortführung der Westranderschließung vom Eife lring nach Süden ist als langfristiges Entwick-
lungsziel Bestandteil des städtischen Verkehrsen twicklungsplans und des Flächennutzungsplans.
Für den ersten Bauabschnitt bis zur Hilpertstraß e ist das Planfeststellungsverfahren in Vor-
bereitung. Auf der Grundlage des gültigen Bebauungsplans W11 ist zudem auch eine verkehrliche
Verbindung von Kleyerstraße und Riedstraße bauplanungsrechtlich möglich.
4.3 Ausblick
Mit der Nutzung der Konversionsflächen für die St adtentwicklung sind neue Möglichkeiten für die
Wohnraumplanung eröffnet. Diese werden dazu führen, dass im südlichen Teil Bessungens die
Einwohnerzahl ansteigen wird und ein erhebliches Zuwachspotential an Bevölkerung auch für die
Gesamtstadt besteht. Sollte es gelingen, hier insbesondere Wohnraum für junge Familien zu
schaffen, wird dies Auswirkungen auf die Infrastruktur im Stadtviertel haben, wie die Anzahl der
Krippenplätze, die Zahl der Grundschulkinder und vieles andere. Die Nutzung der Konversions-
flächen wird sich auch in der Prognose der zu künftigen Zahl der Stad tbevölkerung bemerkbar
machen: potentiell werden mehr Kinder geboren, die Einwohnerzahl steigt und das Verhältnis der
Zahl der Geburten zu den Sterbefällen in Darmstad t wird sich verändern. Letztere Größe ist ein
wichtiger Indikator für die Zukunftsfähigkeit einer Gesellschaft oder einer räumlichen Einheit. Im
folgenden Kapitel wird gezeigt, wie sich die Zahl der Geburten und der Sterbefälle in den letzten
Jahren verändert und zu welchen demografischen Entwicklungen dies geführt hat.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
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25
Demografische Entwicklungen und Trends
5 Geburten und Sterbefälle
Eine der wesentlichen Grundlagen der Darmstädter Bevölkerungsentwicklung ist die so genannte
natürliche Bevölkerungsentwicklung. Diese besteht aus zwei Komponenten: der Geburtenzahl und
der Sterbefälle pro Jahr, immer bezogen auf di e räumliche Gliederung (hier das Stadtgebiet
Darmstadts). Die Wanderungsbewegung, verursacht durch Zu- und Abwanderung, verändert eben-
falls die Bevölkerungszahl von Jahr zu Jahr und im langfristigen Trend deutlich. Die Entwicklung
der Geburtenzahl und der Sterbefälle wird im Folgenden mit den aktuellen Daten von Ende 2011
analysiert, die Wanderungsbewegung wird anschließend im folgenden Kapitel dargestellt.
Die Entwicklung der Geburtenzahl ist generell von mehreren Faktoren abhängig; wichtigster Faktor
für eine hohe oder niedrige Zahl von Geburt en ist die Zahl der potenziellen Mütter in den
jeweiligen Altersklassen. Die Geburtenzahl in einer Großstadt oder einer Region hängt maßgeblich
von der jeweiligen Altersstruktur der Frauen in de r „reproduktiven Lebensphase“ ab; eine Kennzif-
fer für dieses Verhältnis ist die „zusammengefasste Geburtenziffer“ 17. Diese Geburtenziffer kann
als hypothetische durchschnittliche Kinderzahl einer Frauengeneration interpretiert werden, sie
liegt im hessischen Durchschnitt der Jahre 2004 bis 2008 bei 1,4 Kindern je Frau. Für den so ge-
nannten Generationenersatz sind jedoch im Durchschnitt 2,1 Kinder pro Frau erforderlich, um die
Bevölkerungszahl stabil auf gleichem Stand zu halten. Derzeit wird dieser Wert in keinem
hessischen Landkreis und keiner Kommune erreicht . Offenbach (1,57 Kinder je Frau), Wiesbaden
(1,47) und Darmstadt (1,49) liegen derzeit über dem hessischen Landesdurchschnitt, die Städte
Frankfurt am Main (1,39), Gießen (1,26) und Kassel (1,34) teilweise deutlich darunter.
Kulturelle, soziale und psychologische Trends in der Gesellschaft und die gesellschaftliche Akzep-
tanz von Kindern können die Geburtenrate nach ob en oder unten verändern, die Begriffe Baby-
Boomer und Pillenknick sind gängige Ausdrücke für diese Entwicklungen. Weitere wichtige Fak-
toren für die Geburtenzahl sind die wirtschaftlic he Entwicklung, aktuelle Arbeitsmarkttendenzen
wie die Möglichkeit von Teilzeitarbeit und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, für Frauen wie
für Männer. Die gesellschaftliche Unterstützung von Familien mit Kindern ist für die künftige Ent-
wicklung der Geburtenzahl ebenfalls von nicht unerheblicher Bedeutung.
5.1 Geburten in Darmstadt
Grundlegend muss bei der Betrachtung der Geburtenziffer für Darmstadt berücksichtigt werden,
dass die Geburtenzahl in Darmstadt sich immer au f die Geburtenzahl von Kindern, die von orts-
ansässigen Müttern zur Welt gebracht wurden, bezieht. Die z.B. in Darmstadts Kliniken geborenen
Kinder sind für die Analyse der weiteren städ tischen Bevölkerungsentwicklung dann von Bedeu-
tung, wenn die Mütter in Darmstadt wohnen. Durch die Rolle Darmstadts als Oberzentrum für das
südliche Rhein-Main-Gebiet werden hier natürlich mehr Kinder geboren; im folgenden werden für
die Analyse – wie in der Statistik üblich – nur die Mütter bzw. Kinder berücksichtigt, die auch
Darmstädter Einwohner sind.
Bei der Betrachtung der Geburtenzahl seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges fällt das starke
Ansteigen der Geburtenzahlen bis in die Mitte der sechziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts
auf. Betrug die Geburtenzahl im Jahr 1964 auf dem Höhepunkt der Entwicklung 2.166 Kinder, fiel
die Zahl der Neugeborenen bis 1977 jedoch auf einen Tiefstand von 1.103 Kindern.
17 siehe dazu Hessisches Statistisches Landesamt, Bevölkerung in Hessen 2050, Wiesbaden Januar 2008, S. 2 f. und S. 9
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
26
Statistische Mitteilungen 1|2012
Die Geburtenzahl in Darmstadt hatte sich innerh alb eines Jahrzehnts fast halbiert, der so ge-
nannte „Pillenknick“ in sinkenden Kinderzahlen bemerkbar gemacht. In der Folgezeit schwankten
die Geburtenzahlen in einem Korridor zwischen circa 1.100 und knapp unter 1.300 Kindern. Die
Kinderzahl stieg ab 1988 wieder leicht an und bewegte sich nun in der Größenordnung zwischen
1.320 (in 1988) bis zu 1.500. Im Jahrzehnt von Mitte der achtziger bis Mitte und Ende der neun-
ziger Jahre stieg die Kinderzahl um circa 200 bis 300 Kinder über das Niveau der Geburtenzahlen
des vorhergehenden Jahrzehnts. So betrug z.B. in 1999 die Geburtenzahl 1.433 Neugeborene.
Mit dem neuen Jahrtausend setzte sich der Trend der neunziger Jahre weiter fort; in 2011 wurde
nach 2007 erneut die Grenze von 1.500 Geburten überschritten, ein Wert, der zuletzt 1971 von
statistischer Seite zu vermelden war. Währen d jedoch in 1971 der Trend deutlich nach unten
zeigte, ist der Trend zu einer höheren Geburten zahl in Darmstadt seit 1995 unverkennbar. Durch
die geburtenstarken Jahrgänge der Elterngeneration, die selbst in den Sechzigern geboren wurde,
ist der Zuwachs an Neugeborenen in Darmstadt gegen Ende der neunziger Jahre verständlich.
Tabelle 2 Geburten in Darmstadt von 1960 bis 2011
Jahr Geburtenzahl
1960 1.995
1965 2.080
1970 1.577
1975 1.174
1980 1.213
1985 1.133
1990 1.436
1995 1.256
2000 1.337
2005 1.418
2010 1.485
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010
2011 1.507
Eine sehr spannende Entwicklung hat sich in den letzten Jahrzehnten vollzogen, wenn man das
durchschnittliche Alter der Mütter betrachtet, die Kinder bekommen. Dabei sagen diese
nüchternen Zahlen sehr viel über die Veränd erung der Rolle der Frau in der modernen
Stadtgesellschaft und die gesellschaftlichen Bedingungen aus, unter denen heute Kinder geboren
werden. Denn der Anteil der jungen Mütter, di e in einem Alter unter 20 Jahren ein Kind
bekommen, ist in Darmstadt seit 1960 immer mehr zurückgegangen. So lag der Anteil junger
Mütter unter 20 Jahren in 1960 bei über 8%, im Jahre 1995 bei 2,9% und in 2011 bei 1,9% an
allen Müttern. Das Hauptproblem der Eltern vo n vorangegangenen Generationen, „ungewollt“
schwanger zu werden, haben moderne Verhütungsmittel sowie Fortschritte der Medizin deutlich
vermindert; Familienplanung ist seit circa Mitte der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts sehr
viel leichter geworden.
Mögliche Folgen dieser Entwicklung sind, dass weniger Kinder geboren werden und dass das
durchschnittliche Alter der Mütter steigt. Wie vi elfältige Untersuchungen und Befragungen zeigen,
ist für moderne Mütter eine bessere schulische und berufliche Qualifikation in den letzten
Jahrzehnten immer wichtiger gewo rden. Ein weiterer Grund liegt darin, dass Frauen und Männer
heute später heiraten als in den vergangenen Ja hrzehnten und somit auch später Eltern werden.
Dieser Trend zeigt sich bundesweit; wie sieht das in Darmstadt aus?
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Tabelle 3 Alter der Mutter in Darmstadt von 1990 bis 2011
Alter der
Mutter von
… bis unter
… Jahre
1990 1995 2000 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
unter 16 2 1 - - 1 - 1 1 2 1
16 – 17 4 2 2 - 1 - 3 1 1 2
17 – 18 6 6 10 1 5 3 3 6 5 3
18 – 19 14 11 14 12 7 9 7 7 9 9
19 – 20 29 16 19 24 18 12 14 12 10 13
unter 20 55 36 45 37 32 24 28 27 27 28
20 – 21 45 32 28 28 31 19 26 24 14 27
21 – 22 41 32 44 32 30 31 34 37 25 28
22 – 23 59 33 36 30 36 37 41 36 26 22
23 – 24 62 46 40 56 53 48 55 38 50 38
24 – 25 71 56 61 56 49 46 58 59 43 37
20 – 25 278 199 209 202 199 181 214 194 158 152
25 – 26 111 77 59 69 61 61 62 64 58 50
26 – 27 89 55 62 76 68 70 72 75 72 53
27 – 28 113 100 68 72 77 75 76 71 77 86
28 – 29 110 81 80 73 79 79 73 103 84 74
29 – 30 91 115 84 94 84 99 93 71 85 109
25 – 30 514 428 353 384 369 384 376 384 376 372
30 – 31 121 103 96 80 99 90 99 106 115 127
31 – 32 101 108 100 85 94 114 104 99 110 104
32 – 33 97 77 92 110 89 95 92 91 91 113
33 – 34 70 76 92 87 93 84 99 101 97 91
34 – 35 53 58 80 93 75 114 104 88 85 104
30 – 35 442 422 460 455 450 497 498 485 498 539
35 – 36 32 46 73 83 67 71 84 86 92 94
36 – 37 34 36 54 69 61 96 64 80 68 74
37 – 38 26 32 49 45 76 59 55 76 78 75
38 – 39 19 13 29 57 44 51 54 51 56 62
39 – 40 16 12 26 31 28 40 49 42 41 37
35 – 40 127 139 231 285 276 317 306 335 335 342
40 – 41 10 12 14 25 19 35 29 35 37 31
41 – 42 4 11 13 11 20 19 13 17 20 25
42 – 43 3 2 6 8 10 13 12 13 13 7
43 und älter 3 3 6 11 14 20 8 18 21 11
40 und älter 20 28 39 55 63 87 62 83 91 74
insgesamt 1.436 1.252 1.337 1.418 1.389 1.490 1.484 1.508 1.485 1.507
Durchschnitt 28,2 29,0 29,8 30,3 30,3 30,9 30,5 30,8 31,1 31,1
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Statistische Mitteilungen 1|2012
Aufschluss gibt die Tabelle 3 zu den Geburten in Darmstadt nach dem Alter der Mutter, die hier
wiedergegeben ist. Zuerst ist auffällig, dass das durchschnittliche Alter der Mütter von
28,2 Jahren in 1990 auf 29,8 in 2000 und 30,3 Jahren in 2005 steigt. Mit dem neuen Wert von
2011 (mit 31,1 Jahren) ist das durchschnittliche Alter der Mütter aus Darmstadt weiter ange-
stiegen. Die meisten Kinder wurden – so z.B. in 2011 – von Müttern in der Altersgruppe zwischen
30 und 35 Jahren geboren (insgesamt 539 Kinder), gefolgt von den beiden Altersgruppen der
Mütter zwischen 25 bis 30 Jahre (372 Kinder) und 35 bis 40 Jahre (342 Kinder).
Tabelle 4 Geburten in Darmstadt nach Geburtenfolge und Stand der Eltern
Eltern miteinander verheiratet
Jahr
1.Kind 2.Kind 3.Kind 4.Kind
5. Kind
und
weitere
zu-
sammen
Eltern
nicht
mitein-
ander
verheiratet
Kinder
insgesamt
darunter
auslän-
dische
Kinder
1990 633 404 127 36 33 1.233 203 1.436 273
1995 516 404 99 30 15 1.064 192 1.256 289
1996 549 401 113 36 21 1.120 209 1.329 279
1997 576 412 109 20 20 1.137 260 1.397 275
1998 556 375 121 28 25 1.105 274 1.379 271
1999 566 395 119 30 17 1.127 306 1.433 323
2000 514 384 109 30 13 1.050 287 1.337 196
2001 498 386 114 25 26 1.049 320 1.369 233
2002 538 387 141 31 13 1.110 275 1.385 223
2003 582 390 111 41 17 1.141 281 1.422 203
2004 571 381 95 42 13 1.102 324 1.426 253
2005 549 394 108 40 16 1.107 311 1.418 225
2006 522 385 130 35 13 1.085 304 1.389 212
2007 527 417 134 29 19 1.126 364 1.490 229
2008 507 409 127 38 18 1.099 385 1.484 256
2009 487 409 147 44 10 1.097 411 1.508 241
2010 513 373 143 45 15 1.089 396 1.485 201
2011 486 406 151 49 19 1.111 396 1.507 250
Anteil der Kinder von nicht miteinander verheirateten Eltern
11,0%
12,4%
14,1% 15,3%
21,5% 21,9%
26,7% 26,3%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 2011
Dies zeigt sich auch in den absoluten Zahlen: Im Jahre 1990 betrug die Zahl der werdenden Müt-
ter, die ein Alter von 40 und mehr Jahren hatten, gerade einmal 20 Frauen, in 2011 sind dies
74 Mütter, fast vier mal so viele Frauen wie im Jahr 1990. Dies ist auch ein Ergebnis der Fort-
schritte der Reproduktionsmedizin und dessen gesellschaftliche Akzeptanz.
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Diese deutliche Veränderung im Alter der Mütter setzt sich in den jüngeren Jahrgängen auch nach
unten fort. So z.B. in der Altersgruppe der Frau en zwischen 20 und 25 Jahren, bei der die Zahl
der Mütter von 1990 mit 278 Frauen auf nun 152 Frauen in 2011 gesunken ist. Die Geburtenzahl
in der Altersklasse der Mütter unter 20 Jahren hat sich seit 1990 (55 Kinder) bis 2011 halbiert
(2011: 28 Kinder) und ist damit in dieser Alters klasse auf einem der niedrigsten Werte seit
Jahrzehnten gefallen. Dies bede utet, dass in der Wissenschaftsstadt Darmstadt, ähnlich wie im
bundesdeutschen Trend, heute Frauen zuerst eine Ausbildung anstre ben, bevor die neue
Lebensphase mit eigenen Kindern beginnt. Das Alter des „Mutter-Werdens“ verschiebt sich in eine
spätere Phase des weiblichen Lebenszyklusses. Für die weitere Stadtentwicklung, insbesondere
unter dem Aspekt der Kinderbetreuung in Kindergarten oder Schule, ist diese Kenntnis von
enormer Bedeutung für weitere Planungsprozesse.
Die Zahl der Kinder von nicht verheirateten Mütt ern lag Anfang der 90er Jahre bei circa 15% und
hat sich seit 2000 bei über 20% stabilisiert; in 2011 lag der Wert bei 26,3%. Dies bedeutet, dass
jedes 4. Darmstädter Kind von nicht verheirateten Müttern geboren wurde. An dieser Stelle zeigt
sich wiederum, dass bei jungen Eltern moderne Formen des Zusammenlebens – gemeinsam
Kinder zu haben und nicht verheiratet zu sein – kein Verhalten von unbedeutenden Minderheiten
mehr ist, sondern sich im letzten Jahrzehnt auch in Darmstadt zu einer gesellschaftlichen
Normalität entwickelt hat.
5.2 Sterbefälle in Darmstadt
„Immer älter werden die Darmstädter…“ – dieser Satz gilt zwar nur im statistischen Durchschnitt,
ist aber nicht von der Hand zu weisen. Erfreu licherweise hat die Lebenserwartung der Darm-
städterinnen und Darmstädter in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen: Verbesserte
Gesundheitsfürsorge und medizinischer Fortschritt, die Abwesenheit von Krieg und großen
Naturkatastrophen sowie die bessere und vielfält igere Ernährung sind di e wesentlichen Ursachen
für einen deutlichen Zuwachs in der Lebenserwa rtung von Frauen und Männern. So beträgt die
durchschnittliche Lebenserwartung18 eines in 2009 geborenen Darmstädter Jungen 78,43 Jahre,
für Mädchen liegt der Wert bei 83,05 Jahren.
Differenziert dargestellt und analysiert werden die Statistiken und Daten zur Lebenserwartung im
Kapitel 7 „Altersstruktur“. An dieser Stelle wird vor allem der Trend bei der Zahl der Sterbefälle in
seiner Bedeutung für die Bevölkerungsentwicklung analysiert. Selbstverständlich zählen zu den
Sterbefällen nur Personen, die ihren Hauptwohnsitz in Darmstadt hatten. Auswärtige, die in
Darmstadt zu Tode kommen, gehen ebenso wenig in die Statistik ein wie Personen, die hier mit
Nebenwohnsitz gemeldet waren.
Auffällig ist in der längerfristigen Betrachtung, dass die Zahl der Sterbefälle seit den Achtzigern
des letzten Jahrhunderts bis heute sinkt. Von mehr als 1.600 Sterbefällen zur Mitte der Sech-
ziger, so z.B. 1.639 in 1965, ist die Zahl der verstorbenen Darmstädterinnen und Darmstädter
pro Jahr bis Anfang der achtzige r Jahre relativ konstant geblieben. So betrug die Zahl in 1981
insgesamt 1.749 Personen – dies war bislang zum letzten Mal eine Zahl über 1.700 Personen.
Seitdem ist – innerhalb gewisser Schwankungsbreiten – die Zahl der Sterbefälle rückläufig.
So starben z.B. in 2005 insgesamt 1.339 Person en aus Darmstadt. In den letzten 20 Jahren
waren circa 30% der Verstorbenen jünger als 75 Jahre. Interessant ist, dass diese Quote bis 2011
konstant geblieben ist.
18 Hessisches Statistisches Landesamt, Hessische Kreiszahlen, Band 2/2010, Wiesbaden 2010, S. 24
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
30
Statistische Mitteilungen 1|2012
Tabelle 5 Sterbefälle in Darmstadt von 1960 bis 2011
Jahr Sterbefälle
1960 1.506
1965 1.639
1970 1.599
1975 1.739
1980 1.647
1985 1.662
1990 1.626
1995 1.470
2000 1.466
2005 1.399
2010 1.411
1.000
1.250
1.500
1.750
2.000
1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010
2011 1.420
Die altersstrukturellen Verschiebungen, die sich aufgrund der durchschnittlichen Erhöhung der
Lebenserwartung für die Darmstädter Bevölkerung insgesamt sowie detailliert für Frauen und
Männer ergeben, werden im Kapitel 7 zur Altersstruktur ausführlich dargestellt und analysiert.
Tabelle 6 Sterbefälle in Darmstadt nach Altersgruppen von 1990 bis 2011
Jahr
unter
20
Jahre
20
bis
unter
45
Jahre
45
bis
unter
65
Jahre
65
bis
unter
75
Jahre
75
Jahre
und
älter
insge-
samt
1990 12 70 219 260 1.065 1.626
1995 9 55 210 301 895 1.470
2000 19 48 178 215 1.006 1.466
2005 6 43 179 213 958 1.399
2006 8 40 163 224 900 1.335
2007 13 39 185 220 981 1.438
2008 11 27 175 224 1.009 1.446
2009 12 33 161 210 1.037 1.453
2010 9 39 184 214 965 1.411
2011 7 27 162 229 995 1.420
Sterbefälle nach Altersgruppen 2011
65 bis
unter
75 Jahre
16,1%
75 Jahre
und älter
70,1%
45 bis
unter
65 Jahre
11,4%
20 bis
unter
45 Jahre
1,9%
unter
20 Jahre
0,5%
Für die Zukunft ist abzuwarten, ob sich der Anteil an Sterbefällen von Personen im Alter von über
75 Jahren erhöhen wird. Im Folgenden wird die B ilanz aus Geburten und Sterbefällen aufgestellt,
die die Grundlage für die natürliche Bevölkerungsentwicklung darstellt.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
31
5.3 Geburten- und Sterbesaldo
Die wesentliche neue Erkenntnis, auch für die Statistik etwas überraschend, ist die, dass durch
die steigende Geburtenzahl und die zurückgehende Zahl der Sterbefälle als langfristige Trends
insgesamt die Bilanz der natürlichen Darmstädter Bevölkerungsentwicklung seit 2005 positiv ist.
War der Saldo zwischen Geburten und Sterbefä llen in den siebziger Jahren noch mit circa
500 Personen im negativen Bereich, so z.B. in 1975 mit – 565 Personen, sank dieser Saldo auf
einen Wert um circa – 400 Personen Mitte der Achtziger und circa – 200 Personen Mitte der
Neunziger. Seit der Jahrtausendwende sank der Saldobetrag auf circa 100 Personen, um dann in
2005 ins Positive zu kippen. Erstmals seit vielen Jahrzehnten liegt die Geburtenzahl in Darmstadt
über der Zahl der Sterbefälle; dies gilt für die Jahre 2005 bis 2011 in Folge.
Grafik 1 Geburten- und Sterbesaldo
-800
-600
-400
-200
0
200
400
600
800
1.000
1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010
Dieser Trend hat sich nun durchgesetzt und zu einem Geburtenüberschuss in Darmstadt
beigetragen. Dies bedeutet, dass jenseits der positiven Salden durch die Wanderungsbewegungen
(vgl. Kapitel 6) sich Darmstadts Bevölkerung au ch durch die natürliche Bevölkerungsveränderung
stabilisiert und vergrößert, wenn auch im kleinen Maßstab. Dies ist um so bemerkenswerter, als
in vielen, wenn nicht den meisten Großstädten Deutschlands, die Bevölkerungszuwächse der
letzten Jahre sich nahezu ausschließlich durch die positive Wanderungsbilanz veränderten, in den
seltensten Fällen auch durch die natürliche Be völkerungsentwicklung, wie dies nun in Darmstadt
seit sieben Jahren der Fall ist.
Bei der Zahl der Sterbefälle ist für das nächst e Jahrzehnt davon auszugehen, dass deren Zahl
wieder ansteigt: Insbesondere bei den Männern, aber auch bei den Frauen ist die derzeit eher
„niedrige“ Zahl an Sterbefällen durch eine Sonderentwicklung verursacht, die ihren Anlass in den
Folgen des Zweiten Weltkrieges hat. Durch die Kriegstoten und die weit eren Auswirkungen des
Krieges ist die aktuelle Seniorengeneration zahlenmäßig schwächer besetzt; die Zahl der
Seniorinnen und Senioren und damit auch die Zahl der Sterbefälle werden in Zukunft wieder
zunehmen.
Die Entwicklung des Verhältnisses Geburten zu Sterbefällen alleine erlaubt noch keine Aussage
über die zukünftige Bevölkerungsentwicklung. Als wesentlicher zweiter Aspekt spielt die
Wanderungsbewegung eine stark mit entscheidende Rolle. Diese wird nun in Kapitel 6 analysiert.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
32
Statistische Mitteilungen 1|2012
6 Wanderungsbewegungen
Für die teilweise enormen Veränderungen der Einwohnerzahl Darmstadts im historischen Kontext
lassen sich drei Gründe ausmachen: zum ersten die politisch bedingten Änderungen der Stadtge-
bietsfläche (z.B. die Eingemeindung Wixhause ns und die Ausgemeindung St. Stephans im
Jahr 1977), zweitens das Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen, das bereits im vorhergehenden
Kapitel dargestellt wurde, und drittens die Wanderungsbewegung in die Stadt und aus der Stadt.
Zum besseren Verständnis der recht komplexen Wanderungsbewegung von Bevölkerungsgruppen
nach Darmstadt und aus der Stadt heraus werden – vor der Betrachtung der Zu- und Fortzüge –
die allgemeinen Trends der Bevölkerungsentwicklung insgesamt in Kürze dargestellt.
Grafik 2 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt
125.000
130.000
135.000
140.000
145.000
150.000
1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010
Die langjährigen Trends der Bevö lkerungsentwicklung Darmstadts lassen sich in einer kurzen Be-
schreibung zusammenfassen: Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges stieg die Einwohnerzahl von
knapp unter 100.000 Einwohnern auf über 141.000 Personen bis Mitte der siebziger Jahre, um
dann abzusinken und Mitte der Achtziger einen vorläufigen Tiefststand mit circa 132.000 Ein-
wohnerinnen und Einwohnern zu erreichen. Die politischen Veränderungen in Europa, die zum Zu-
sammenbruch der DDR und insbesondere in Os teuropa zum Auseinande rfallen der UdSSR und
der Auflösung Jugoslawiens führten, lösten erhe bliche innerdeutsche Wanderungsbewegungen in
Richtung westliche Bundesländer und aus Osteuropa in Richtung Bundesrepublik aus. Diese Fak-
toren führten zu einem neue n Höchststand der Einwohnerzahl Darmstadts mit circa
140.000 Einwohnern in 1992. Die Einwohnerzahl Darmstadts sank darauf hin wieder bis 1998 auf
circa 135.000 Personen. Seit 1998 ist die Einwohnerzahl Darmstadts wieder langsam, aber stetig
im Steigen, am Ende des Jahres 2011 wurden 147.930 Einwohner registriert.
Im folgenden wird die Wanderungsbewegung im Zeitraum von 1980 bis Ende 2011 dargestellt
und differenziert betrachtet, um Trends zu erkennen und daraus Schlüsse für die mögliche zu-
künftige Entwicklung ableiten zu können. Dabei wi rd auf die Zahl und Struktur der Umzüge nicht
eingegangen. Denn Umzüge finden innerhalb Darmstadts statt, von Stadtteil zu Stadtteil, während
die hier untersuchten Zu- und Fortzüge immer über die Stadtgrenze hinausgehen.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
33
6.1 Entwicklung der Wanderungsbewegung in Deutschland
Bevor im Detail die einzelnen Aspekte der Wand erungsbewegung in Darmstadt analysiert werden,
sollen die Trends der letzten Jahre für Deutschland kurz zusammengefasst werden. Seit der
Wiedervereinigung haben insbesondere die innerdeutschen Wanderungsbewegungen zu großen
regionalen Unterschieden geführt, die keineswegs beendet sind, wie viele Bürgermeister in
ostdeutschen Städten, aber auch in anderen, westlichen Bundesländern feststellen müssen. In
vielen Fällen verstärken sich durch die Abwa nderung von Bevölkerungsteilen die ohnehin schon
bestehenden Unterschiede in Bevölkerungszahl, Altersstruktur, Geburtenrate, Wirtschaftskraft,
Beschäftigung und sozialer Ungleichheit weiter (vgl. Kapitel 2).
Einige Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte – wie FrankfurtRheinMain, München, Hamburg
oder Stuttgart – erzielen derzeit Wanderungsgewinne, während Regionen mit bereits niedriger Be-
völkerungsdichte wie z.B. Gemeinden und Landkr eise in Mecklenburg-Vorpommern zusätzlich
hohe Wanderungsverluste verkraften müssen
19. Viele Regionen mit ohnehin hoher Beschäftigten-
quote, niedrigerer Arbeitslosigkeit und relativ stabilen Einkommenslagen konnten seit etwa 1994
zusätzlich einen Bevölkerungszuwachs durch Zuwa nderung und Wirtschaftswachstum vermelden.
Die Auswirkungen der Wanderungsbewegung sind deshalb quantitativ weit bedeutsamer als die
"natürlichen" Veränderungen der Bevölkerungszahl einer Stadt durch Geburten oder Sterbefälle.
Da sich Zu- und Wegzüge oft nicht ausgleichen, beeinflusst die Wanderung die Bevölkerungsdichte
in den einzelnen Regionen Deutschlands unterschiedlich.
Durch die Wanderungsbewegung ergeben sich somit auch in der Zukunft erhebliche Auswirkungen
nicht nur für den regionalen Arbeitsmarkt, sondern auch für Unternehmen, Immobilieneigen-
tümer, den Einzelhandel, die sozialen Sicherung ssysteme und ähnliches. So wird sich nicht nur
das regionale Arbeitsplatzangebot, sondern auch die Nachfrage nach Baugrund, Immobilien und
sozialer Infrastruktur (Kindergärten, Schulsys tem etc.) regional unterschiedlich entwickeln.
Bereits heute sind Bevölkerung, Altersstruktur, Einkommen, Bildungschancen und Arbeitslosigkeit
innerhalb Deutschlands keineswegs gleich verteilt. Bevölkerungszuwachs oder -rückgang ist
deshalb spätestens seit Mitte der Neunziger Jahre ein wichtiger Indikator für die Zukunftsfähigkeit
einer Region oder Stadt geworden.
6.2 Die Gesamtentwicklung der Wanderungsbewegung von 1980 bis 2011
Die Entwicklung der Wanderungsbewegung für den Zeitraum von 1980 bis 2011 wird in der Tabel-
le 7 wiedergegeben. Neben der Gesamtentwicklung werden die Zu- und Fortzüge nach Geschlecht
dargestellt. Hier ist ersichtlic h, dass jährlich circa 9.000 bis 10.000 Bürger zu- oder wegziehen.
Bei der Betrachtung der Wanderungsbewegung sticht das Jahr 2011 durch den sehr hohen
Bevölkerungszuwachs besonders hervor; die Ursachen dafür können durch das Monitoring der
Bevölkerungsentwicklung angegeben werden. So ist die Einführung der Zweitwohnungssteuer in
Darmstadt ein wesentlicher Grund: alle Bürgerinnen und Bürger mit Nebenwohnung wurden 2010
von der Meldebehörde der Stadt zur Überprüfung ihres Wohnstatus angeschrieben. Bei einer Um-
wandlung vom Status Nebenwohnung in eine Haup twohnung entfällt die Zweitwohnungssteuer für
die Bewohnerinnen und Bewohner. Die Wissenscha ftsstadt profitiert von der Umwandlung da-
durch, dass die Zahl der gemeldeten Personen mit Hauptwohnung wächst und u.a. über die Lan-
deszuweisungen mehr Geld in die Stadtkasse fließt. Als Resultat ist festzuhalten, dass in 2011
insgesamt 1.996 Personen ihren Wohnstatus durch Umwandlung einer Nebenwohnung in eine
Hauptwohnung geändert haben und damit nicht durch Zuwanderung in die Stadt gekommen sind.
19 Die beste Zusammenstellung dieser Daten bietet die CD INKAR vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung.
Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (Hrg.), CD INKAR “Indikatoren und Karten zur Raumentwicklung”, Ausgabe
2010 (siehe auch www.bbsr.bund.de, Stichwort Raumbeobachtung).
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34
Statistische Mitteilungen 1|2012
Tabelle 7 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) in Darmstadt seit 1980 nach Geschlecht
Zuzüge Fortzüge Wanderungsgewinn/verlust
Jahr männ-
lich weiblich insge-
samt
männ-
lich weiblich insge-
samt
männ-
lich weiblich insge-
samt
1980 5.286 4.185 9.471 6.052 4.815 10.867 -766 -630 -1.396
1981 5.499 4.122 9.621 4.316 3.349 7.665 1.183 773 1.956
1982 5.124 4.041 9.165 4.225 3.282 7.507 899 759 1.658
1983 5.188 4.052 9.240 4.392 3.430 7.822 796 622 1.418
1984 5.146 3.967 9.113 5.095 4.132 9.227 51 -165 -114
1980 - 1984 26.243 20.367 46.610 24.080 19.008 43.088 2.163 1.359 3.522
1985 4.168 3.606 7.774 3.899 3.230 7.129 269 376 645
1986 4.190 3.487 7.677 3.872 3.419 7.291 318 68 386
1987 4.490 3.716 8.206 3.952 3.228 7.180 538 488 1.026
1988 4.486 3.695 8.181 3.808 3.063 6.871 678 632 1.310
1989 5.196 4.142 9.338 4.374 3.403 7.777 822 739 1.561
1985 - 1989 22.530 18.646 41.176 19.905 16.343 36.248 2.625 2.303 4.928
1990 5.182 3.975 9.157 4.148 3.286 7.434 1.034 689 1.723
1991 5.393 3.987 9.380 4.589 3.479 8.068 804 508 1.312
1992 6.345 4.436 10.781 5.231 3.823 9.054 1.114 613 1.727
1993 5.513 3.923 9.436 6.397 4.187 10.584 -884 -264 -1.148
1994 5.496 4.275 9.771 5.748 4.391 10.139 -252 -116 -368
1990 - 1994 27.929 20.596 48.525 26.113 19.166 45.279 1.816 1.430 3.246
1995 5.282 4.112 9.394 5.145 3.734 8.879 137 378 515
1996 5.201 4.049 9.250 5.319 3.948 9.267 -118 101 -17
1997 5.241 4.246 9.487 5.614 4.444 10.058 -373 -198 -571
1998 5.518 4.361 9.879 5.531 4.263 9.794 -13 98 85
1999 5.909 4.488 10.397 5.557 4.317 9.874 352 171 523
1995 - 1999 27.151 21.256 48.407 27.166 20.706 47.872 -15 550 535
2000 5.935 4.443 10.378 5.458 3.978 9.436 477 465 942
2001 6.084 4.436 10.520 5.914 4.040 9.954 170 396 566
2002 5.643 4.446 10.089 5.395 3.936 9.331 248 510 758
2003 5.914 4.457 10.371 5.084 3.990 9.074 830 467 1.297
2004 5.796 4.592 10.388 5.495 4.107 9.602 301 485 786
2000 - 2004 29.372 22.374 51.746 27.346 20.051 47.397 2.026 2.323 4.349
2005 5.881 4.592 10.473 5.370 4.151 9.521 511 441 952
2006 5.993 4.751 10.744 5.894 4.251 10.145 99 500 599
2007 6.009 4.781 10.790 5.349 4.221 9.570 660 560 1.220
2008 5.944 4.804 10.748 6.069 4.643 10.712 -125 161 36
2009 6.051 4.631 10.682 5.258 4.292 9.550 793 339 1.132
2005 - 2009 29.878 23.559 53.437 27.940 21.558 49.498 1.938 2.001 3.939
2010 6.292 4.671 10.963 5.585 4.420 10.005 707 251 958
2011 7.704 5.611 13.315 6.058 4.686 10.744 1.646 925 2.571
2010 - 2011 13.996 10.282 24.278 11.643 9.106 20.749 2.353 1.176 3.529
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
35
Ferner hat die Einführung der Zweitwohnungssteuer auch dazu gef ührt, dass real zugewanderte
Personen, z.B. Studienanfänger si ch sofort als Personen mit Hauptwohnsitz registrieren lassen,
um der Erhebung der Zw eitwohnungssteuer zu entgehen. Mit de n Studierenden und weiteren zu-
gewanderten Personen beträgt der Wanderungsgewinn in Darmstadt in 2011 insgesamt
2.571 Neubürgerinnen und Neubürger; zuzüglich der bereits genannten umgemeldeten Personen
in Höhe von 1.996 und der positiven Geburtenrate erzielte Darmstadt somit den in der Grafik 2
zur Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt ersichtlichen besond ers hohen Bevölkerungszuwachs
von 4.654 Personen. In den kommenden Jahren wird wegen dieser Effekte die Absolutzahl der
Zuziehenden steigen, ebenso auch die Zahl de r aus Darmstadt Fortziehenden: statt 10.000 zu
9.000 Personen wird die Relation in einer Größenordnung von circa 14.000 zu 13.000 liegen.
Bei der Tabelle ist zu beachten, dass der letzt e angegebene, summierte Zeitraum von 2010 bis
2011 nicht – wie bei den anderen – fünf Jahre, sondern nur zwei Jahre umfasst. Ein positiver Wert
bedeutet einen Einwohnergewinn; negative Werte be deuten Einwohnerverluste. Dies gilt auch für
die folgenden Tabellen.
Bei Betrachtung der Wa nderungsbewegung ist offensichtli ch, dass im Zeitraum von 1980 bis
2011 die Wanderungsgewinne Darmstadts deutlich überwiegen: Dies bedeutet, dass in der Bilanz
mehr Personen in die Stadt zuziehen als Menschen die Stadt als Fortziehende verlassen. In nur
fünf von insgesamt 32 Jahren ist ein Wanderungsve rlust zu vermelden. Am Anfang des Kapitels
wurde gezeigt, dass Darmstadt – wie Deutschland insgesamt – in diesem Zeitraum eine sehr
dynamische und unstete, nichtlineare Bevölkerungsentwicklung hatte.
In den Jahren 1981 bis 1992 hat Darmstadt fast in jedem Jahr hohe Wanderungsgewinne erzielt,
teilweise sind pro Jahr zwischen 1.000 bis fast 2.000 Personen per Saldo mehr zugezogen. Im
Fünf-Jahreszeitraum von 1995 bis 1999 ist der Wa nderungsgewinn mit insgesamt 535 Personen
am geringsten; in den beiden Jahren 1996 und 1997 wird der Tiefpunkt der Entwicklung mit
leichten Bevölkerungsverlusten durchschritten, um dann ab 1998 wieder Wanderungsgewinne zu
erzielen. Ab 1999 ist die positive Trendumkehr offensichtlich geworden, und bis in die jüngste Zeit
sind weiterhin deutliche Wanderungsgewinne festzustellen. Wie bereits oben festgestellt, ragt das
Jahr 2011 mit einem Wanderungsgewinn von 2.571 Personen heraus. Der Zweitwohnungssteuer-
effekt hat zu dieser einmaligen Zunahme geführt.
Grafik 3 Wanderungsbilanz in Darmstadt von 1980 bis 2011
-1.500
-1.000
-500
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
36
Statistische Mitteilungen 1|2012
Bei der Betrachtung der Zu- und Fortzüge nach Geschlecht ist auffällig, dass bis etwa 1994 höhe-
re Wanderungsgewinne bei Männern, von 1995 bis 1999 bei Frauen zu finden sind. Eine einfache
Erklärung gibt es dafür nicht, bei dieser Auffälligkeit müssen mehrere Faktoren diese Entwicklung
begünstigt haben.
6.3 Zu- und Fortzüge nach Nationalität
Hier ergibt sich folgendes Bild: In den achtziger Jahren ist noch ein deutlicher Wanderungsgewinn
bei den Deutschen fe stzustellen, bis Ende der achtziger Ja hre hat sich das Wanderungsverhalten
in der Bilanz den ausländischen Mitbürgern ange glichen. Seit Anfang der neunziger Jahre wan-
dern deutlich mehr ausländische Mitbürger zu und für die Deutschen wird die Bilanz ab
etwa 1993 zunehmend negativ.
Tabelle 8 Zu- und Fortzüge nach Nationalität
Jahr 1980 –
1984
1985 –
1989
1990 –
1994
1995 –
1999
2000 –
2004
2005 –
2009
2010 –
2011
Zuzüge
Deutsche 34.835 29.380 30.580 30.222 30.015 33.200 15.412
Ausländer 11.775 11.796 17.945 18.185 21.731 20.237 8.866
insgesamt 46.610 41.176 48.525 48.407 51.746 53.437 24.278
Fortzüge
Deutsche 32.193 26.537 30.638 32.112 30.381 31.624 13.891
Ausländer 10.895 9.711 14.641 15.760 17.016 17.874 6.858
Insgesamt 43.088 36.248 45.279 47.872 47.397 49.498 20.749
Wanderungsbilanz
Deutsche 2.642 2.843 -58 -1.890 -366 1.576 1.521
Ausländer 880 2.085 3.304 2.425 4.715 2.363 2.008
insgesamt 3.522 4.928 3.246 535 4.349 3.939 3.529
Wanderungsbilanz
-2.000
0
2.000
4.000
6.000
1980 - 1984 1985 - 1989 1990 - 1994 1995 - 1999 2000 - 2004 2005 - 2009 2010 - 2011
Deutsche
Ausländer
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
37
Dieser Trend verstärkt sich noch in den neunz iger Jahren und hält bis etwa 1999 an. Von 2000
bis 2004 stehen jedes Jahr circa 4.500 Zuzügen von Ausländerinnen und Ausländern etwa
3.500 Fortzüge gegenüber, so dass sich ein Wa nderungsgewinn von fast 1.000 Einwohnerinnen
und Einwohnern je Jahr bei dieser Bevölkerungsgruppe ergibt. Damit wird klar, dass von 1993 bis
2004 Darmstadts Bevölkerungszuwächse ursächlic h auf dem Zuzug der nichtdeutschen Bevöl-
kerung beruhten und dass sich dieser Trend seit 1995 deutlich verstärkt hat.
Seit 2005 ist durch die hohen Zuzugsquoten der deutschen Bevölkerung in die Wissenschaftsstadt
wiederum ein neuer Trend festzustellen: Die de utsche Bevölkerung wächst durch Zuwanderung
wieder stärker. Die in den Jahren 1995 bis 1999 und 2000 bis 2004 feststellbare negative Wan-
derungsbilanz (mehr Fortzüge als Zuzüge) für die deutsche Bevölkerung hat sich als Trend in po-
sitive Wanderungsbilanzen umgekehrt.
Welche Nationalitäten sind durch die Zuzüge in den letzten Jahren in Darmstadt stärker gewor-
den? Quantitativ betrachtet sind dies in größerer Zahl Menschen aus der Türkei, aus Asien, insbe-
sondere China, und den nordafrikanischen Ländern wie z.B. Marokko. Nicht vergessen werden
sollte aber, dass durch Darmstadts vielfältige internationale Einrichtungen im Bereich Forschung
und Wissenschaft, durch große nationale und intern ational tätige Unternehmen – z.B. im Bereich
Softwareentwicklung – auch deutliche Zuwächse bei Menschen aus europäischen oder nord-
amerikanischen Ländern20 zu verzeichnen sind.
Die Zahl der französischen Mitb ürgerinnen und Mitbürger hat sich auf 505 Personen fast verdop-
pelt (2011), und auch die Zahl der Menschen aus den übrigen westeuropäischen Nationen hat
sich fast durchgängig erhöht. Auch die Zahl de r Menschen aus den osteuropäischen Ländern wie
z.B. Polen (1.489 Personen) oder der Russischen Föderation (587 Personen) haben sich deutlich
erhöht. Durch das Ende des Bürgerkrieges in den heutigen Ländern des ehemaligen Jugoslawien
sind hingegen die Zahlen der Bevölkerung aus Bosnien-Herzegowina, Mazedonien, aus dem Ko-
sovo oder Kroatien wieder zurück gegangen, da viele Bürgerkriegsflüchtli nge wieder in ihre Hei-
mat zurückgekehrt sind.
6.4 Zu- und Fortzüge nach Altersgruppen
Sehr aufschlussreich ist die Betrachtung der Wanderungsbewegung, wenn man sich die Entwick-
lung über den genannten Zeitraum für unterschied liche Altersgruppen anschaut. In Tabelle 9 ist
zu erkennen, dass die stärksten Wanderungsgewinne in Darmstadt vor allem bei jungen Menschen
in der Altersgruppe von 20 bis 25 Jahren erzielt wurden. Hierbei ist offensichtlich, dass die Attrak-
tivität Darmstadts vor allem im Bildungsbereich diese positive Wanderungsentwicklung verur-
sacht: Durch die Aufnahme des Studiums an der TU Darmstadt, der Hochschule Darmstadt und
den Fachhochschulen, aber auch durch die relativ positive Beschäftig ungssituation mit einer
Vielzahl von Dienstleistungsberufen für junge Mens chen ist in dieser Altersgruppe eine deutlich
positive Wanderungsbilanz durchgängig für den gesamten Zeitraum erkennbar.
Verluste entstehen vor allem durch die höhere Abwanderungsrate der über 35-jährigen. Auffällig
ist insbesondere die negative Bilanz bei der Al tersgruppe zwischen 35 und 45 Jahren. Interessan-
te Hinweise gibt die Wanderung sgewinn- und Wanderungsverlust rechnung für die Altersgruppen
der Kleinkinder (Altergruppen 0 bis unter 5 Jahr e): Seit etwa 1990 ist die Wanderungsbilanz ins
Negative gekippt, der Tiefpunkt wurde im Ze itraum von 1990 bis 1994 durchschritten, in den
letzten Jahren jedoch scheint sich hier eine Trendumkehr für Darmstadt anzudeuten.
20 Für Interessierte ist eine genauere Analyse der Zuwächse bei den einzelnen Nationalitäten aus dem Datenreport
„Darmstadt in Zahlen“ 2011 im Kapitel "Bevölkerung" erkennbar.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
38
Statistische Mitteilungen 1|2012
Da junge Familien eher aus der Stadt hinaus als in die Stadt ziehen, sinkt auch die Zahl der Klein-
kinder in Darmstadt. Gründe für den Wegzug junger Familien lagen in den letzten Jahrzehnten
auch in der Möglichkeit, z.B. im Landkreis Darmstadt-Dieburg leichter zu günstigen Preisen an
Baugrund oder an Ein- oder Zweifamilienhäuser als in der "teureren" Stadt zu kommen. Unter-
stützt wird dies durch die oben festgestellte Tatsache, dass Personen in den Altersgruppen
zwischen 35 und 45 Jahren, nämlich Eltern mit kl einen Kindern, aus Darmstadt eher weg- als zu-
ziehen. Auffällig ist, dass der Mobilitätswunsch mit zunehmendem Alter der Bürger generell stark
abnimmt, wie die Zahlen für die Personengruppe n ab 45 Jahren zeigen. In den zahlenmäßig in
der Bevölkerung stark ausgeprägten Altersgruppen ab 65 Jahren ist die absolute Anzahl der Zu-
und Fortzüge verschwindend gering.
Tabelle 9 Wanderungen in Darmstadt von 1980 bis 2011 nach Altersgruppen
Zu-/Fortzüge
im Alter von...bis
unter ...Jahre
Zuzüge Fortzüge Wanderungs-
gewinn/verlust
0 - unter 5 Jahre 14.218 16.200 -1.982
5 - unter 15 Jahre 18.177 17.833 344
15 - unter 20 Jahre 18.928 11.177 7.751
20 - unter 25 Jahre 73.791 45.285 28.506
25 - unter 35 Jahre 106.850 107.249 -399
35 - unter 45 Jahre 43.669 48.690 -5.021
45 - unter 55 Jahre 20.178 21.307 -1.129
55 - unter 65 Jahre 8.829 10.815 -1.986
65 - unter 75 Jahre 4.583 5.323 -740
75 Jahre und älter 4.956 6.252 -1.296
insgesamt 314.179 290.131 24.048
Wanderungsbilanz
Festzuhalten ist, dass die Stadt Darmstadt insbesondere für junge Leute in der Altersgruppe zwi-
schen 15 und 35 Jahren attraktiv ist und diese Gruppe aufgrund ihres Lebenszyklusses – aus Aus-
bildungs- oder Beschäftigungsgründen – zuzieht. Nach der Lebenszyklus-Phase der Familiengrün-
dung und der beruflichen Etablierung ziehen Familien mit kleinen Kindern wieder aus der Stadt
fort. Hier stellt sich die Frage, wohin diese Menschen ziehen, ob in den Landkreis Darmstadt-Die-
burg, in die Region Starkenburg oder in eine ganz andere Region De utschlands. Aus diesem
Grund wird im Folgenden das Ziel der Wanderungsbewegung der Fortziehenden untersucht.
6.5 Wanderungsbewegung zwischen Darmstadt und dem Landkreis
Darmstadt-Dieburg
Die Daten der Wanderungsbewegung zwischen de r Wissenschaftsstadt Darmstadt und dem Land-
kreis Darmstadt-Dieburg werden, bezogen auf die jeweiligen Gemeinden des Landkreises, für den
gesamten Zeitraum von 1980 bis 2011 in der Tabe lle 10 wiedergegeben. Durch die Summierung
der Zu- und Fortzüge über den gesamten Zeitraum von 1980 bis heute wird die Struktur der Wan-
derungsbewegung sehr deutlich, die zeitliche Verä nderung der Trends wird jedoch nicht abgebil-
det. Eine Analyse dieser Veränderung ist vonnöt en, um Aussagen über die Trends und die wiete-
ren möglichen Bilanzveränderungen der Zu- und Wegzüge zu erhalten.
Generell ist festzuhalten, dass in Darmstadt in dem genannten Zeitraum von 32 Jahren
76.905 Personen aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg zugezogen, gleichzeitig aber 87.336 Per-
sonen in den Landkreis Darmstadt-Dieburg fortgezogen sind. Hieraus ergibt sich, dass Darmstadt
-10.000 -5.000 0 5.000 10.000 15.000 20.000 25.000 30.000
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
39
über 10.000 Personen an den Landkreis verloren hat, man also durchaus von einem stabilen Ab-
wanderungsverhalten aus Darmstadt in den Landkreis Darmstadt-Dieburg sprechen kann. Wande-
rungsgewinne aus dem Landkreis sind insbeson dere bei den ausländischen Mitbürgern, mit
1.930 Personen, zu verzeichnen.
Im Folgenden werden die Wanderungsbilanzen der Wissenschaftsstadt mit den umliegenden
Städten und Gemeinden des Land kreises Darmstadt-Dieburg au sführlicher untersucht und gra-
fisch dargestellt. Durch die Zusa mmenfassung der Wanderungsbilanz in Gruppen zu je fünf Jah-
ren (bzw. zu sechs Jahren für 2005 bis 2011) lassen sich die Veränderungen im Wanderungsver-
halten von und nach Darmstadt gut erkennen. Es wird für den Landkreis insgesamt offensichtlich,
dass zwar weiterhin mehr Menschen aus Darmst adt in den Landkreis wandern als umgekehrt,
diese Zahl in den letzten Jahren jedoch gesunken ist.
Bei der Betrachtung der Wanderungsgewinne un d -verluste von 1980 bis 2011 ist auffällig, dass
die Darmstädter überwiegend nach Griesheim, Weiterstadt, Mühltal, Pfungstadt, Seeheim-Jugen-
heim und Roßdorf ziehen.
Durch Wanderungsgewinne profitierte Darmstadt im genannten Zeitraum von Zuzügen aus den
Gemeinden Babenhausen, Dieburg, Münster, O tzberg und Eppertshausen. Aus Babenhausen,
Münster und Otzberg sind überwiegend Deutsche zugezogen.
Grafik 4 Wanderungsbilanz mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg
Bei der zeitlichen Betrachtung di eser Gemeinden ergeben sich neue Erkenntnisse. Die deutlichen
Wanderungsverluste der Stadt Darmstadt zu den Städten und Gemeinden, die in den neunziger
Jahren auch durch Zuzüge von Darmstadt profitie rt haben, sind entweder stark zurückgegangen
oder haben sich sogar ins Gegenteil verkehrt. Bei den Gemeinden Mühltal und Roßdorf ist der
Wanderungsverlust geringer geworden, bei Dieburg, Ober-Ramstadt, Re inheim, Groß-Zimmern,
Groß-Bieberau und Groß-Umstadt hat Darmstadt in den letzten Jahren sogar Wanderungsgewinne
zu verzeichnen.
Zusammenfassend sei gesagt, dass der Trend, Einwohner an die westlich und südlich liegenden
Gemeinden und Städte zu verlieren, immer noch besteht, sich teilweise abschwächt, während aus
den östlichen Gemeinden des Landkreises Darmstadt-Dieburg weiterhin neue Darmstädter gewon-
nen werden.
-1.400
-1.200
-1.000
-800
-600
-400
-200
0
200
1980 1983 1986 1989 1992 1995 1998 2001 2004 2007 2010
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
40
Statistische Mitteilungen 1|2012
Tabelle 10 Wanderungen (Zu- und Fortzüge ) mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg
1980-2011 nach Gemeinden
Zugezogen aus Fortgezogen nach Wanderungsgewinn/verlust
Gemeinde Deut-
sche
Aus-
länder
insge-
samt
Deut-
sche
Aus-
länder
insge-
samt
Deut-
sche
Aus-
länder
insge-
samt
Alsbach-Hähnlein 1.479 343 1.822 2.053 334 2.387 -574 9 -565
Babenhausen 839 273 1.112 549 157 706 290 116 406
Bickenbach 948 186 1.134 1.356 224 1.580 -408 -38 -446
Dieburg 1.687 1.113 2.800 1.769 565 2.334 -82 548 466
Eppertshausen 339 79 418 256 76 332 83 3 86
Erzhausen 1.685 381 2.066 1.804 340 2.144 -119 41 -78
Fischbachtal 339 68 407 402 24 426 -63 44 -19
Griesheim 8.215 3.958 12.173 10.976 3.819 14.795 -2.761 139 -2.622
Groß-Bieberau 427 169 596 460 113 573 -33 56 23
Groß-Umstadt 1.529 425 1.954 1.615 277 1.892 -86 148 62
Groß-Zimmern 1.989 587 2.576 2.184 464 2.648 -195 123 -72
Messel 1.204 321 1.525 1.395 232 1.627 -191 89 -102
Modautal 727 97 824 1.011 80 1.091 -284 17 -267
Mühltal 5.135 1.036 6.171 6.763 1.076 7.839 -1.628 -40 -1.668
Münster 1.147 285 1.432 1.005 201 1.206 142 84 226
Ober-Ramstadt 4.049 1.106 5.155 4.610 884 5.494 -561 222 -339
Otzberg 690 99 789 625 101 726 65 -2 63
Pfungstadt 7.063 1.858 8.921 8.483 1.811 10.294 -1.420 47 -1.373
Reinheim 3.135 580 3.715 3.138 474 3.612 -3 106 103
Roßdorf 3.151 792 3.943 4.294 672 4.966 -1.143 120 -1.023
Schaafheim 212 78 290 157 52 209 55 26 81
Seeheim-Jugenheim 5.401 1.168 6.569 6.799 1.010 7.809 -1.398 158 -1.240
Weiterstadt 7.992 2.521 10.513 10.039 2.607 12.646 -2.047 -86 -2.133
insgesamt 59.382 17.523 76.905 71.743 15.593 87.336 -12.361 1.930 -10.431
Wanderungsbilanz der Stadt Darmstadt mit dem Landkreis Darmstadt-Dieburg 1980 bis 2011
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
41
Grafik 5 Wanderungsgewinn/-verlust zwischen Darmstadt und Gemeinden/Städten
des Landkreises Darmstadt-Dieburg
Maßstab -3.000 bis +500 Maßstab -800 bis +200 Maßstab -500 bis +400
Alsbach-Hähnlein
-165 -164
-83
-36
21
-138
-600
-400
-200
0
200
400
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Bickenbach
-89
-17
-72
-153
-58 -57
-600
-400
-200
0
200
400
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Dieburg
-27
-69 -47
13
285 311
-600
-400
-200
0
200
400
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Griesheim
-175
-490 -474
-666
-127
-690
-800
-600
-400
-200
0
200
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Mühltal
-305
-203
-242
-434
-139
-345
-600
-400
-200
0
200
400
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Ober-Ramstadt
70
-415
-24
74 95
-139
-600
-400
-200
0
200
400
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Pfungstadt
-114
-57
-269
-109
-404-420
-600
-400
-200
0
200
400
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Reinheim
-10
-75
28
148141
-129
-600
-400
-200
0
200
400
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Roßdorf
0
-283 -250 -214
-162
-114
-600
-400
-200
0
200
400
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Seeheim-Jugenheim
-479
-108
73
-80
-175
-471
-600
-400
-200
0
200
400
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Weiterstadt
-316
-229
38
-539-541-546
-800
-600
-400
-200
0
200
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Landkreis insgesamt
-2.639
-2.379
-914 -991
-1.728-1.780
-3.000
-2.500
-2.000
-1.500
-1.000
-500
0
500
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
42
Statistische Mitteilungen 1|2012
Grafik 5 Wanderungsgewinn/-verlust zwischen Darmstadt und Gemeinden/Städten
des Landkreises Darmstadt-Dieburg - Fortsetzung
Maßstab -100 bis +150
Eppertshausen
-8
11 2
26
8
47
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Erzhausen
-19
-4
2
-48 -42
33
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Fischbachtal
6 2
-8
-32
-17
30
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Groß-Bieberau
20
9
-2
11
21
-36
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Groß-Umstadt
37
-9 -1
-33
147
-79
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Groß-Zimmern
8
52
-28
-46
37
-95
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Modautal
24
-58 -63
-39-37
-94
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Münster
14 17
-5
69 77
54
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Otzberg
-16
-2
39
-51
15
78
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Schaafheim
-5 -9
1
34
3030
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Babenhausen
88
-19
89
103
76 69
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
2006-
11
Messel
-42 -45 -41
-11
58
-21
-100
-50
0
50
100
150
1980-
85
1986-
90
1991-
95
1996-
2000
2001-
05
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11
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
43
6.6 Wanderungsbewegung zwischen Darmstadt und Hessen
Aus dem vorigen Unterkapitel wissen wir, dass Darmstadt viele Bewohner an die umliegenden Ge-
meinden und Städte im Landkreis Darmstadt-Dieburg verliert, wie aber verhält es sich mit der Re-
gion Südhessen insgesamt? In der Tabelle 11 sind die Zuzüge, die Fortzüge und die Wanderungs-
bilanz mit Hessen, den anderen Bundesländern und dem Ausland zusammengestellt.
Grafik 6 Wanderungsgewinn/-verlust zwis chen Darmstadt und südhessischen Kreisen
Landkreis Bergstraße Odenwaldkreis Landkreis Groß-Gerau
Während Darmstadt durch Fortzüge an die westlichen und süd-
lichen Gemeinden und Städte Bürgerinnen und Bürgern verliert,
gewinnt Darmstadt Neubürger aus den östlichen Teilen des
Landkreises Darmstadt-Dieburg und aus dem Landkreis Offen-
bach. Ferner kommen viele nach Darmstadt Zuziehende aus
Nord- und Mittelhessen, denn auch mit den nördlichen und öst-
lichen Kreisen Hessens hat Darmstadt einen positiven Wan-
derungssaldo. Für Teile der Bevölkerung in den – wirtschaftlich
gesehen – eher strukturschw achen Kreisen Nord- und Ost-
hessens ist es aus verschiedenen Gründen attraktiv, in die
Wissenschaftsstadt Darmstadt zu ziehen.
6.7 Wanderungsbewegung zwischen Darmstadt, der Bundesrepublik sowie
dem Ausland
Erfreulich ist die sehr positive Wanderungsbila nz Darmstadts mit den anderen Bundesländern:
Insgesamt sind im betrachteten Zeitraum über 13.000 Bürgerinnen und Bürger aus den umliegen-
den „Alt“-Bundesländern wie Ba den-Württemberg, Bayern, Rheinland-Pfalz und aus den neuen
Bundesländern und Berlin mehr zugezogen als in diese weggezogen. Dabei ist auffällig, dass der
Strom an Zuwanderern aus den beiden südlichen Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern
zwischen 2000 und 2004 kurzfristig zurückgegang en ist und weiterhin die Zuwanderung aus den
Bundesländern Nordrhein-Westfalen sowie Niedersa chsen zu einer für Darmstadt positiven Wan-
derungsbilanz beiträgt. Der Zustrom an Neubür gerinnen und Neubürgern aus Berlin und den
neuen Bundesländern hält auch weiterhin ungebrochen an. Seit etwa 1985 ist die Be-
völkerungsbilanz Darmstadts mit dem Ausland positi v. Dieser positive Trend hält auch im jüng-
sten Zeitraum an.
Landkreis Offenbach
-3 00
-2 00
-100
0
100
200
300
400
1980 -
85
1986 -
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95
1996 -
2000
2000 -
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2005-
11
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-2 00
-100
0
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700
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11
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
44
Statistische Mitteilungen 1|2012
Tabelle 11 Wanderungen (Zu- und Fortzüge) in Darmstadt seit 1980 nach Herkunft und Ziel
Zeitraum
Zielort | Herkunftsort 1980 -
1985
1986 -
1990
1991 -
1995
1996 -
2000
2000 -
2004
2005-
2011
1980 - 2011
insgesamt
Zuzüge aus
LK Darmstadt-Dieburg 14.055 10.212 12.142 13.132 12.822 14.542 76.905
LK Bergstraße 1.385 950 1.068 1.028 1.009 1.615 7.055
LK Groß-Gerau 2.276 1.528 1.834 1.786 1.763 2.368 11.555
LK Offenbach 1.795 1.216 1.257 1.287 1.224 1.650 8.429
Odenwaldkreis 895 550 705 737 770 1.117 4.774
Sonstiges Hessen 8.185 5.579 5.905 5.045 5.619 8.949 39.282
Hessen insgesamt 28.591 20.035 22.911 23.015 23.207 30.241 148.000
Baden-Württemberg und Bayern 5.876 4.219 4.287 4.601 4.196 7.049 30.228
Berlin und Neue Bundesländer 954 1.491 1.764 1.963 2.158 2.793 11.123
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen 4.774 3.966 2.829 3.177 3.055 4.370 22.171
Rheinland-Pfalz und Saarland 3.200 1.958 1.755 1.804 1.743 2.931 13.391
Sonstige Alte Bundesländer 1.041 689 555 519 598 854 4.256
Deutschland insgesamt 44.436 32.358 34.101 35.079 34.957 48.238 229.169
Ausland 8.650 8.693 12.500 10.786 11.926 14.666 67.221
unbekannt 1.298 1.508 2.161 3.526 4.958 4.338 17.789
Zuzüge insgesamt 54.384 42.559 48.762 49.391 51.841 67.242 314.179
Fortzüge nach
LK Darmstadt-Dieburg 15.835 11.940 14.781 15.511 13.736 15.533 87.336
LK Bergstraße 1.282 1.024 1.200 1.189 1.020 1.266 6.981
LK Groß-Gerau 1.994 1.580 2.030 1.807 1.690 2.171 11.272
LK Offenbach 1.046 667 907 839 973 1.425 5.857
Odenwaldkreis 1.174 793 891 921 721 743 5.243
Sonstiges Hessen 5.197 3.362 4.076 4.316 4.627 7.095 28.673
Hessen insgesamt 26.528 19.366 23.885 24.583 22.767 28.233 145.362
Baden-Württemberg und Bayern 5.345 3.689 4.002 4.336 4.212 6.167 27.751
Berlin und Neue Bundesländer 610 394 1.367 1.293 1.437 2.003 7.104
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen 3.534 2.437 2.632 2.463 2.410 3.337 16.813
Rheinland-Pfalz und Saarland 2.260 1.380 1.745 1.641 1.547 2.190 10.763
Sonstige Alte Bundesländer 1.003 606 620 594 636 973 4.432
Deutschland insgesamt 39.280 27.872 34.251 34.910 33.009 42.903 212.225
Ausland 8.727 5.152 7.950 7.403 7.776 10.773 47.781
unbekannt 2.210 3.529 4.523 6.116 6.697 7.050 30.125
Fortzüge insgesamt 50.217 36.553 46.724 48.429 47.482 60.726 290.131
Wanderungsgewinn/verlust
LK Darmstadt-Dieburg -1.780 -1.728 -2.639 -2.379 -914 -991 -10.431
LK Bergstraße 103 -74 -132 -161 -11 349 74
LK Groß-Gerau 282 -52 -196 -21 73 197 283
LK Offenbach 749 549 350 448 251 225 2.572
Odenwaldkreis -279 -243 -186 -184 49 374 -469
Sonstiges Hessen 2.988 2.217 1.829 729 992 1.854 10.609
Hessen insgesamt 2.063 669 -974 -1.568 440 2.008 2.638
Baden-Württemberg und Bayern 531 530 285 265 -16 882 2.477
Berlin und Neue Bundesländer 344 1.097 397 670 721 790 4.019
Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen 1.240 1.529 197 714 645 1.033 5.358
Rheinland-Pfalz und Saarland 940 578 10 163 196 741 2.628
Sonstige Alte Bundesländer 38 83 -65 -75 -38 -119 -176
Deutschland insgesamt 5.156 4.486 -150 169 1.948 5.335 16.944
Ausland -77 3.541 4.550 3.383 4.150 3.893 19.440
unbekannt -912 -2.021 -2.362 -2.590 -1.739 -2.712 -12.336
Wanderungsbilanz insgesamt 4.167 6.006 2.038 962 4.359 6.516 24.048
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
45
Leider müssen in der Bilanz etwa 12.300 Personen als „unbekannt“ ausgewiesen werden: Zur Ver-
vollständigung werden diese Daten hier angegeben. Die Ursache für die Zahl der nach unbekannt
ziehenden oder von unbekannt he r ziehenden Menschen liegt im hessischen Meldegesetz und in
der melderechtlichen An- und Ab meldung von Personen. So muss die Meldebehörde aus melde-
rechtlichen Gründen jene Personen, die nicht mehr in Darmstadt wohnen, deren neuer Zuzugsort
aber unbekannt ist, nach vielfach örtlichen Er mittlungen aus dem Melder egister streichen (=ab-
melden) und damit den tatsächlichen Verhältnissen anpassen. So wird z.B. ein Bürger aus Asien,
der in sein Heimatland zurückkehrt, sich aber in Darmstadt nicht abmeldet, nach „unbekannt“ ab-
gemeldet. Die hohe Zahl der Meldungen mit dem Kennzeichen „unbekannt“ ist also überwiegend
auf ausländische Mitbürger zurückzuführen, die wieder in ihr Heimatland zurückgekehrt sind, sich
aber nicht abgemeldet haben. Dadurch relativiert sich die äußerst positive Wanderungsbilanz
Darmstadts mit dem Ausland etwas.
6.8 Motive und Gründe für die Wanderungsbewegung
Bereits heute gibt es große Unterschiede bei de n Wanderungsgewinnen und -verlusten in den ver-
schiedenen Regionen und Kreisen Deutschlands. Viele Trends, die sich heute bereits erkennen las-
sen, werden sich in Zukunft fortsetzen und es ist offensichtlich, dass sich auch weiterhin Wohl-
stand und Wachstum in den verschiedenen Regionen Deutschlands unt erschiedlich verteilen
werden.
Welches sind die Motive und Gründe dafür, dass Menschen ihre angestammte Heimat oder ihren
bisherigen Wohnort verlassen und sich in eine r anderen Region oder einer Großstadt nieder-
lassen? Wanderung wird ausgelöst, wenn sich Menschen durch eine Zuwanderung in ein Zielgebiet
einen Arbeits- oder Ausbildungspla tz, höhere Löhne, bess ere öffentliche Infrastruktur oder allge-
mein bessere Lebensbedingungen erhoffen. Die Kosten der Wanderung sind – neben den Umzugs-
kosten – eventuell andere Lebenshaltungskosten (z.B. höhere Mieten und Nebenkosten in der
Stadt, höhere Ausgaben für den täglichen Bedarf u.a. ), ggf. eine andere Lebensqualität durch
naturfernere städtische Wohnqua rtiere und den Verlust sozialer Netzwerke oder sozialer Be-
ziehungen. Zu beachten bleibt, dass jedoch nur eine Befragung der nach Darmstadt Zuziehenden
sowie der Fortziehenden die Motive der Wanderung klären und tiefere Einblicke in die Wan-
derungsbewegung geben kann.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
46
Statistische Mitteilungen 1|2012
7 Veränderungen in der Altersstruktur in Darmstadt
Die langsame, fast unmerkliche Veränderung der Al tersstruktur in Darmstadt hat in der Zukunft
erhebliche Auswirkungen. Trotz der gegenwärtig positiven Bilanz der Geburten- zu Sterbefällen
und der ebenfalls für Darmstadt positiven Wanderungsbilanz ist es dennoch von erheblicher Be-
deutung, die weitere Entwicklung der Altersstruktur zu beobachten. Die Veränderung der Alters-
struktur hat nicht nur Auswirkungen auf den re gionalen Arbeitsmarkt, sondern auch auf Unter-
nehmen und ihre Mitarbeiter/i nnen, Vermieter und Immobilienei gentümer, den Einzelhandel, die
sozialen Sicherungs- und Gesundheitssysteme und vieles mehr. So wird sich nicht nur das Fach-
kräfte- und Arbeitsplatzangebot, sondern auch die Nachfrage nach seniorengerechten Immobilien,
nach einer altengerechten Gesund heitsversorgung und sozialer Infrastruktur (z.B. Einrichtungen
für Demenzkranke etc.) regional unterschiedlich entwickeln.
Die Entwicklung des Altersaufbaus unserer bundesdeutschen Gesellschaft ist durch die Diskussion
um die Renten und ihre Finanzierung wieder in den Blickpunkt geraten. Bei den in der Demografie
üblicherweise untersuchten Bevölk erungsvorgängen handelt es sich um Prozesse von langsamer
Veränderung, die erst bei der Betr achtung längerer Zeiträume klar zu erkennen und zu prognosti-
zieren sind. Die aktuellen und zukünftigen Trends der Veränderung der Altersstruktur sind jedoch
bereits seit den achtziger Jahren des 20. Jahrh underts in Deutschland durch Analysen und Gut-
achten der Bevölkerungswissenschaften, aber auch durch die Enquete-Kommission „Demo-
grafischer Wandel“ des Bundestages bekannt.
Die Altersstruktur der Darmstäd ter Bevölkerung ist für viele Planungsbereiche und Untersuchun-
gen von großer Bedeutung, besonders dann, wenn weitere Entwicklungen abgeschätzt oder prog-
nostiziert werden müssen. Grafische Darstellung en der Alters- und Geschlechtsgliederung be-
zeichnet man in der Statistik üblicherweise als Alterspyramide. Doch weist bereits die Altersstruk-
tur der heutigen Darmstädter Bevölkerung nicht mehr jene regelmäßige Pyramidenform auf, wie
sie aus vielen Darstellungen in Lehrbüchern oder der Presse bekannt ist.
Heute ist aus der Alterspyramide ein „Altersbau m“ geworden, der sich nach unten verjüngt und
nach oben eine Krone ausbildet. Extreme Beispiele finden sich bei der Alterspyramide einiger ost-
deutscher Städte, die praktisch auf dem Kopf st ehen: Durch Geburtenrückgang und Fortzug ist
nur noch die Hälfte, manchmal wohnen sogar nur noch ein Drittel der jungen Menschen am Ort.
Die älteren Menschen haben den Wohnort nicht verlassen; die Altersstruktur weist einen hohen
Anteil alter und einen niedrigen Anteil junger Me nschen aus: Daher stellt sich die Pyramide auf
den Kopf. Dies bleibt nicht ohne Folgen für die davon betroffenen Städte, die für ihre Bevölkerung
andere Einrichtungen (Altentreffs statt Jugendzentren z.B.) bereit stellen müssen als Städte mit
höheren Anteilen an Kindern und Jugendlichen. Für die Wissenschaftsstadt ist deshalb eine ge-
nauere Betrachtung der Al tersstruktur unserer Bevölkerung gebo ten, um auch in den Stadtteilen
die sich verändernden Bedarfslagen erkennen zu können.
7.1 Die Grundstruktur der derzeitigen Altersgliederung
Die Bevölkerungen Deutschlands, Hessens und Darm stadts sind durch die geschichtlichen Ereig-
nisse wie zweier Weltkriege, Hungersnöte, „Pillenknick“ und starke Zuwanderung aus dem Aus-
land nach 1960 in ähnlicher Weise beeinflusst worden und weisen daher ähnliche Grundstruk-
turen auf, die hier kurz zusammengefasst werden.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
47
Tabelle 12 Altersstruktur der Bevö lkerung in Darmstadt am 31.12.2011
Alter Geburts
jahr Männer Frauen ins-
gesamt in % Alter Geburts-
jahr Männer Frauen ins-
gesamt in %
unter 1
Jahr 2011 735 687 1.422 0,96 50 1961 1.075 1.041 2.116 1,43
1 2010 707 719 1.426 0,96 51 1960 1.047 1.054 2.101 1,42
2 2009 748 662 1.410 0,95 52 1959 999 1.000 1.999 1,35
3 2008 687 673 1.360 0,92 53 1958 961 989 1.950 1,32
4 2007 740 694 1.434 0,97 54 1957 943 917 1.860 1,26
5 2006 687 617 1.304 0,88 55 1956 947 863 1.810 1,22
6 2005 683 646 1.329 0,90 56 1955 827 821 1.648 1,11
7 2004 662 595 1.257 0,85 57 1954 767 901 1.668 1,13
8 2003 647 650 1.297 0,88 58 1953 743 836 1.579 1,07
9 2002 621 605 1.226 0,83 59 1952 743 816 1.559 1,05
10 2001 600 627 1.227 0,83 60 1951 719 891 1.610 1,09
11 2000 628 608 1.236 0,84 61 1950 771 885 1.656 1,12
12 1999 628 619 1.247 0,84 62 1949 796 868 1.664 1,12
13 1998 644 608 1.252 0,85 63 1948 768 790 1.558 1,05
14 1997 661 581 1.242 0,84 64 1947 682 743 1.425 0,96
15 1996 629 585 1.214 0,82 65 1946 601 629 1.230 0,83
16 1995 562 603 1.165 0,79 66 1945 466 582 1.048 0,71
17 1994 592 601 1.193 0,81 67 1944 651 717 1.368 0,92
18 1993 608 611 1.219 0,82 68 1943 690 770 1.460 0,99
19 1992 852 760 1.612 1,09 69 1942 656 680 1.336 0,90
20 1991 1.034 889 1.923 1,30 70 1941 750 785 1.535 1,04
21 1990 1.330 1.086 2.416 1,63 71 1940 695 875 1.570 1,06
22 1989 1.526 1.124 2.650 1,79 72 1939 669 815 1.484 1,00
23 1988 1.639 1.228 2.867 1,94 73 1938 625 743 1.368 0,92
24 1987 1.615 1.247 2.862 1,93 74 1937 538 664 1.202 0,81
25 1986 1.559 1.236 2.795 1,89 75 1936 527 710 1.237 0,84
26 1985 1.562 1.167 2.729 1,84 76 1935 518 620 1.138 0,77
27 1984 1.453 1.223 2.676 1,81 77 1934 428 589 1.017 0,69
28 1983 1.439 1.195 2.634 1,78 78 1933 346 431 777 0,53
29 1982 1.377 1.218 2.595 1,75 79 1932 290 463 753 0,51
30 1981 1.324 1.234 2.558 1,73 80 1931 313 441 754 0,51
31 1980 1.297 1.139 2.436 1,65 81 1930 309 478 787 0,53
32 1979 1.229 1.075 2.304 1,56 82 1929 278 457 735 0,50
33 1978 1.114 1.027 2.141 1,45 83 1928 275 427 702 0,47
34 1977 1.053 983 2.036 1,38 84 1927 238 414 652 0,44
35 1976 999 1.002 2.001 1,35 85 1926 220 452 672 0,45
36 1975 880 983 1.863 1,26 86 1925 153 425 578 0,39
37 1974 962 887 1.849 1,25 87 1924 121 376 497 0,34
38 1973 984 915 1.899 1,28 88 1923 124 348 472 0,32
39 1972 979 944 1.923 1,30 89 1922 90 303 393 0,27
40 1971 1.040 959 1.999 1,35 90 1921 85 268 353 0,24
41 1970 1.121 953 2.074 1,40 91 1920 87 192 279 0,19
42 1969 1.172 1.106 2.278 1,54 92 1919 43 161 204 0,14
43 1968 1.210 1.082 2.292 1,55 93 1918 21 88 109 0,07
44 1967 1.222 1.062 2.284 1,54 94 1917 20 75 95 0,06
45 1966 1.221 1.125 2.346 1,59 95 – 99 39 195 234 0,16
46 1965 1.178 1.119 2.297 1,55 100 und älter 9 27 36 0,02
47 1964 1.175 1.157 2.332 1,58
48 1963 1.205 1.161 2.366 1,60 insgesamt 73.987 73.943 147.930 100
49 1962 1.104 1.051 2.155 1,46
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
48
Statistische Mitteilungen 1|2012
Einschneidende Ereignisse für die Veränderung der Bevölkerungszusammensetzung waren die
beiden Weltkriege, die insbesondere auf der Seite der Männer viele Kriegstote forderten. Im
Ersten Weltkrieg waren vor allem die Geburtsjahrgänge von 1880 bis 1900 betroffen, die jedoch
aus unserer Altersgliederung verschwunden sind. Ferner sind die Geburtsjahrgänge der beiden Ge-
schlechter zwischen 1915 bis etwa 1920 deutlich schwächer vertreten, weil die niedrigere Zahl an
Heiraten und Geburten durch Hunger und Mangel hier ihren Ausdruck fand. Durch die Not der Fa-
milien in den Zeiten der Weltwirtschaftskrise zwischen 1930 und 1932 wurde manche Heirat und
mancher Kinderwunsch auf später verschoben . Der Zweite Weltkrieg von 1939 bis 1945 verur-
sachte vor allem auf Seiten der Männer viele Kr iegstote, insbesondere in den Geburtsjahrgängen
von 1915 bis 1925. Ferner führte der Zweite Weltkr ieg und die Not der ersten Nachkriegsjahre zu
einem Geburtenrückgang, der die Jahrgänge 1943 bis 1947 besonders betraf.
Nach Überwindung der unmittelbaren Kriegsfolg en und der ärgsten Woh nungsmisere stiegen die
Heirats- und Geburtenzahlen wied er an und führten zu den am stärksten besetzten Jahrgängen
von 1963 und 1964. Etwa ab 1967 gingen die Geburtenzahlen drastisch zurück, der häufig ver-
antwortlich gemachte „Pillenknick“ war nur ein Mi ttel für den Wunsch der Paare, eine selbst
gewünschte kleinere Zahl von Kindern auf die Welt zu bringen.
Die Alterspyramide wird in der heutigen Zeit du rch neuere Entwicklungen verändert: Dazu zählt
insbesondere die Zuwanderung von Migrantinnen und Migranten und ihren Kindern, die hier eine
neue Heimat finden. Selbstverständlich spielen heute allgemeine Entwicklungen wie Zahl, Qualität
und Sicherheit von Arbeitsplätzen, Infrastruktu rangebote wie Hort oder Kindergarten und die
Quantität und Qualität von Bildungsangeboten für den Zu- oder Wegzug von Teilen der Bevöl-
kerung eine wichtige Rolle. Die Wanderungsbewegungen durch Zu- oder Fortzug überlagern
mittlerweile die so genannten natürlichen Bevö lkerungsvorgänge wie Zahl der Geburten oder
Sterbefälle und finden ihren Ausdruck auch in der Darmstädter Bevölkerungspyramide.
7.2 Die Alterspyramide der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Auf den wiedergegebenen Grafiken sind die Alterspyramiden für die Bevölkerung der Wissen-
schaftsstadt Darmstadt für die Jahre 1970, 1990, 2007 und 2011 dargestellt. Nach rechts sind
die absoluten Zahlen der weiblichen Bevölkerung, nach links die der Männer und nach oben ist
das Alter jahrgangsweise abzulesen. Bei der Be trachtung der vier Bevölkerungspyramiden der
Darmstädter Bevölkerung fallen insbesondere folgen-
de Sachverhalte auf.
Deutlich ist der tiefe Einschnitt des Geburtenausfalls
durch den Ersten Weltkrieg zu erkennen, der sich in
der Grafik für 1970 in der Gruppe der Männer und
Frauen mit einem Alter von 52 bis 54 Jahren be-
merkbar macht. Diese Geburtsjahrgänge von 1916
bis 1918 haben teilweise weniger als die Hälfte der
Zahl der Männer der vorhergehenden Jahrgänge auf-
zuweisen, für die Frauen trifft dies ähnlich, aber in
etwas anderer Quantität zu . Bei der Betrachtung der
nachfolgenden Grafiken ist das „Wandern“ dieser
Kerbe in den Bevölkerungspyramiden bei Männern
und Frauen erkennbar.
Grafik 7 Alterspyramide 1970
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
49
In der Grafik für 1990 ist der tiefe Einschnitt um 20 Jahre nach oben gewandert, der Einschnitt ist
in abgeschwächter Form in den Altersgruppen ab circa 72 Jahre erkennbar; in der Grafik für 2007
kann die Einkerbung nur noch bei den Frauen um 90 Jahre erkannt werden.
Grafik 8 Alterspyramide 1990
Eine sehr ähnliche „W anderungsbewegung nach
oben“ von Jahrgängen im zeitlichen Verlauf der
Bevölkerungspyramiden ist auch für die geburten-
starken Jahrgänge leicht nachzuweisen: Wie be-
reits erläutert, waren in der Geschichte der Bun-
desrepublik die geburten stärksten Jahrgänge die
um die Jahre 1963 und 1964. Diese Kinder waren
in der ersten Grafik für das Jahr 1970 etwa sechs
bis sieben Jahre alt, wie man auf der Seite der
Frauen (und Mädchen) als „Ausbeulung“ der un-
tersten Jahrgänge schön erkennen kann. Bei den
Jungen ist diese Entwicklung auch nachvollzieh-
bar, wenn auch schwächer ausgeprägt.
Die spezifische Ausprägung dieser Altersgruppe
ist auch in den nachfolgenden Pyramiden zu ver-
folgen: Jedoch verbinden sich die starken Darm-
städter Jahrgänge ab einem Alte r von etwa 20 Jahren mit zugezo genen Studierenden und jungen
Auszubildenden sowie Erwerbstätigen. Der Teil der Alterspyramide, der den Altersbereich von 20
bis 30 Jahre abdeckt, hat in allen vier Pyramiden die stärksten Jahrgänge.
Grafik 9 Alterspyramide 2007 Grafik 10 Alterspyramide 2011
Besonders deutlich ist der Rückgang der jungen Generation unterhalb der genannten Verbrei-
terung geburtsstarker Jahrgänge ersichtlich, so z.B. in der Alterspyramide für 1990. Während die
Jahrgänge um ein Alter von 25 Jahren herum in der Alterspyramide von 1990 die stärksten Jahr-
gänge verzeichnen, sind die Zahlen für die Kinder und Jugendlichen etwa um ein Drittel pro Jahr-
gang niedriger. Im Verlauf der hier dargestellten Jahre ist dieser Rückgang der Kinderzahlen für
Darmstadt nachweisbar:
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
50
Statistische Mitteilungen 1|2012
Ab der Pyramide von 1990 wird de utlich, dass der „Stamm“ des Altersaufbaus dünner wird und
sich im weiteren Verlauf bis 2007 nach oben hin entwickelt. Diese heute schwach besetzten Jahr-
gänge bilden in den kommenden Jahren und Jahrzehnten die Elterngeneration mit einer noch klei-
neren Kinderzahl als heute und entsprechend schwächer besetzten Jahrgängen in späterer Zeit.
Aus der neuesten Alterspyramide für 2011 sind wesentliche Strukturen, die uns die nächsten
Jahre beschäftigen werden, abzulesen: Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die im unteren
Pyramidenbereich wiedergegeben sind, beträgt je Jahrgang etwa zwei Drittel der Erwachsenen im
Alter von circa 45 Jahren. Ferner ist offensichtlich, dass in der Zeitspanne der nächsten dreißig
Jahre die Zahl der Rentnerinnen und Rentner fast stetig und deutlich ansteigen wird, da sich die
vorher dargestellte „Ausbeulung“ der starken Ja hrgänge trotz Wanderungsverlusten weiter nach
oben verschieben wird.
Bemerkenswert in der Alterspyramide von 2011 ist vo r allem die hohe Zahl junger Männer in den
Altersgruppen von Anfang 20 bis circa 35 Jahre; der Anteil der jungen Frauen in dieser Alters-
gruppe ist deutlich geringer als der der gleichaltrigen jungen Männer. So sind in der Altersgruppe
von 25 Jahren circa 1.600 Männer, jedoch nur et wa 1.200 Frauen. Die Ursache liegt hauptsäch-
lich in der hohen Zahl junger männlicher Studiere nder an Darmstadts Ho chschulen und Universi-
täten, insbesondere der TU Darmstadt mit ihren technisch orientierten Studiengängen.
Dies ergibt für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt eine
wichtige neue Erkenntnis: Bereits bei den „junge n“ Jahrgängen wird die Alterstruktur und der
Altersaufbau der Darmstädterinnen und Darmstädter durch das Wegzugsverhalten von Familien
und das Zuzugsverhalten bildungswilliger junger Menschen deutlich beeinflusst, so dass von einer
„normalen“ Entwicklung für Darm stadt, wie in einem typischen bevölkerungswissenschaftlichen
Lehrbuch dargestellt, kaum noch gesprochen werden kann. Die Besonderheit Darmstadts liegt in
dem Gewinn an jungen Menschen in Ausbildung und Beruf, die die mittlerweile ins Erwachsenen-
alter aufsteigenden schwächeren Darmstädter Geburtsjahrgänge verstärken und den „Alters-
stamm“ stabilisieren (vgl. Kapitel 6).
7.3 Das „Altern“ der Bevölkerung
Die Gruppe der Seniorinnen und Senioren
mit einem Alter von 65 und mehr ist von
1961 bis 1980 stark angewachsen, zwischen
1980 und 2011 liegt der Anteil dieser Alters-
gruppe an der Gesamtbevölkerung einiger-
maßen konstant um die 18%. In den nächs-
ten Jahren werden die Nachkriegsgeneratio-
nen in diese Altersgruppe aufrücken und die-
se wieder deutlicher ansteigen lassen. Beein-
flusst werden diese Prozesse zudem durch
den Zuzug und Fortzug von Seniorinnen und
Senioren, die aus Altersgründen (Alters-
heim), aus familiären Gründen (Wegzug der
erwachsenen Kinder und Enkel) oder anderen
Motiven die Stadt verlassen.
Grafik 11
Vergleich der Altersgruppenstärke 1970
zu 2011
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
51
Bemerkenswert für Darmstadt ist die Beobachtung, dass der langfr istige Saldo bei Seniorinnen
und Senioren, bezogen auf Zu- und Fortzüge, nur geringfügig negativ ist. Darmstadt ist für Se-
niorinnen und Senioren eine attraktive Stadt, di e durch ihr kulturelles und urbanes Angebot viele
ältere Menschen in der Stad t hält. Die Altenhilfeplanung 21 der Wissenschaftsstadt hat diese Ent-
wicklung der Altersstruktur bereits berücksichtigt.
Die besondere Entwicklung zeigt ein Vergleic h der Altersgruppenstärken der Jahre 1970 und
2011, wenn man die Altersstruktur der Personen von 70 Jahren und älter betrachtet. Durch die
höhere Lebenserwartung der Seniorinnen im Vergleich zu den Seni oren haben sich in den letzten
Jahren starke Veränderungen in den hohen und höchsten Altersgruppen ergeben.
Bei der Verteilung der Altersstruktur in 1970 gehen ganz klassisch die Zahlen von den Altersklas-
sen ab 70 Jahren für Männer und Frauen mit zunehmendem Alter zurück. Umso älter die Person-
en, umso weniger Seniorinnen und Senioren hat der jeweilige Jahrgang. Durch verschiedene Ur-
sachen hat sich seit 1970 die Entwicklung der Zahl der älteren Jahrgänge deutlich verändert: Mitt-
lerweile ist die Zahl der älteren Frauen zwisch en 74 und 86 Jahren pro Jahrgang nur wenig zu-
rückgegangen, während die Zahl der Männer mit zunehmendem Alter in den Jahrgangsgruppen
weiterhin deutlich abnimmt. In den meisten Jahr gängen zwischen 74 und 86 Jahren sind deshalb
doppelt und teilweise dreimal so viele Seniorinnen wie Senioren vorhanden.
Dieses in der Vergangenheit praktisch unbekannte Phänomen eines sehr hohen Anteils älterer Mit-
bürgerinnen muss bei der künftigen Altenhilfepl anung der Wissenschaftsstadt stärker berück-
sichtigt werden. Für die zukünftige städtische Planung ist der Anteil der 80-jährigen und älteren
Menschen – mit dem dargestellten hohen Frauenanteil – von wachsender Bedeutung. Hier gilt
generell, dass für Senioren mit zunehmendem Alter die Wahrscheinlichkeit steigt, Hilfen Dritter in
Anspruch nehmen zu müssen. In den nächsten Ja hren ist mit einem zunehmenden Anteil an so
genannten Hochbetagten (Persone n über 80 Jahre) zu rechnen, die spezifisch andere Bedarfs-
lagen haben als jüngere Seniorinnen und Senioren. In einem gemeinsamen Forschungsprojekt der
Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Ruprecht-Kar ls-Universität Heidelberg wurden diese be-
sonderen Bedarfslagen jüngerer und älterer Seni orinnen und Senioren, die sich teilweise deutlich
unterscheiden können, am Beispiel des Da rmstädter Stadtteils Arheilgen untersucht22. Ferner hat
Dr. Engfer vom Institut für Soziologie der TU Darmstadt in einer Befragung in Wixhausen die Ge-
neration 65 plus und ihre Bedürfnisse analysiert (siehe Fußnote 8).
7.4 Kleinräumige Unterschiede in der Altersstruktur
Die Altersgruppen sind in Darmst adt unterschiedlich verteilt – diese regionale Verteilung ver-
schiedener Altersgruppen ist in der Stadtgebietsfläche deutlich nachweisbar; so gibt es Stadtteile,
die z.B. einen höheren Anteil junger Familien, mehr Studierende oder mehr ältere Einwohnerinnen
und Einwohner als andere Stadtteile haben.
In Tabelle 15 sind die absoluten Zahlen sowie die Bevölkerungsanteile an den Altersgruppen für
die Statistischen Bezirke Darmstadts wiedergege ben. Zur besseren Veranschaulichung sind die
demografischen Daten der Altersgruppen in vier Stadtkarten umgesetzt, die nachfolgend erläutert
werden.
21 Wissenschaftsstadt Darmstadt, Der Magistrat, Bericht zur Altenhilfeplanung. Selbstbestimmt Älterwerden in Darmstadt,
Darmstadt 2004, sowie Uwe Engfer, Alt werden im suburbanen Wohnquartier, Abschlussbericht zu einer Befragung der
Generation 65 plus in Darmstadt Wixhausen, Darmstadt Juli 2010
22 Annette Hieber, Frank Oswald, Christoph Rott und Hans-Werner Wahl, Selbstbestimmt Älterwerden in Arheilgen, Dieses
Gemeinschaftsprojekt wurde von der Sozialverwaltung der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der Ruprecht-Karls-
Universität Heidelberg mit Unterstützung des Amts für Wirtschaft und Stadtentwicklung durchgeführt
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
52
Statistische Mitteilungen 1|2012
Tabelle 13 Bevölkerung nach Altersgruppen und statistischen Bezirken am 31.12.2011
Alter von ... bis unter ... Jahre
Statistische Bezirke/ 0 - 18 18 - 40 40 - 65 65 und älter
Stadtteile absolut in % absolut in % absolut in % absolut in %
insgesamt
110 Stadtzentrum 121 8,4 812 56,1 372 25,7 142 9,8 1.447
120 Rheintor/Grafenstraße 251 6,5 2.212 57,0 947 24,4 468 12,1 3.878
130 Hochschulviertel 83 13,0 336 52,5 185 28,9 36 5,6 640
140 Kapellplatzviertel 687 12,2 2.330 41,3 1.711 30,3 911 16,2 5.639
150 St. Ludwig mit Eichbergviertel 881 12,5 3.045 43,1 1.999 28,3 1.137 16,1 7.062
100 DA-MITTE 2.023 10,8 8.735 46,8 5.214 27,9 2.694 14,4 18.666
210 Johannesviertel 744 14,7 2.132 42,1 1.705 33,6 488 9,6 5.069
220 Martinsviertel-West 779 13,3 2.546 43,6 1.817 31,1 694 11,9 5.836
230 Martinsviertel-Ost 810 14,5 2.370 42,4 1.784 31,9 628 11,2 5.592
240 Waldkolonie 887 19,0 1.507 32,3 1.531 32,8 746 16,0 4.671
250 Mornewegviertel 80 10,9 392 53,3 193 26,2 71 9,6 736
260 Pallaswiesenviertel 363 13,2 1.236 44,9 840 30,5 311 11,3 2.750
270 Am Ziegelbusch 609 12,1 2.278 45,4 1.245 24,8 890 17,7 5.022
200 DA-NORD 4.272 14,4 12.461 42,0 9.115 30,7 3.828 12,9 29.676
310 Am Oberfeld 502 14,6 711 20,6 1.215 35,3 1.016 29,5 3.444
320 Mathildenhöhe 299 10,9 1.135 41,3 798 29,0 518 18,8 2.750
330 Woogsviertel 618 12,3 2.049 40,9 1.535 30,6 812 16,2 5.014
340 An den Lichtwiesen 340 15,4 633 28,7 754 34,2 476 21,6 2.203
300 DA-OST 1.759 13,1 4.528 33,8 4.302 32,1 2.822 21,0 13.411
410 Paulusviertel 853 15,4 1.823 32,9 1.809 32,7 1.053 19,0 5.538
420 Alt-Bessungen 891 14,2 2.358 37,7 2.063 33,0 946 15,1 6.258
430 An der Ludwigshöhe 203 14,0 341 23,5 523 36,0 387 26,6 1.454
400 DA-BESSUNGEN 1.947 14,7 4.522 34,1 4.395 33,2 2.386 18,0 13.250
510 Am Südbahnhof 443 14,3 912 29,4 1.003 32,3 744 24,0 3.102
520 Heimstättensiedlung 1.259 17,7 1.890 26,6 2.659 37,4 1.303 18,3 7.111
530 Verlegerviertel 752 14,4 2.050 39,2 1.753 33,5 679 13,0 5.234
540 Am Kavalleriesand 185 24,1 242 31,5 235 30,6 107 13,9 769
500 DA-WEST 2.639 16,3 5.094 31,4 5.650 34,8 2.833 17,5 16.216
Darmstadt-Innenstadt 12.640 13,9 35.340 38,7 28.676 31,4 14.563 16,0 91.219
610 Alt-Arheilgen 690 16,5 1.243 29,7 1.526 36,4 730 17,4 4.189
620 Arheilgen-Süd 691 17,0 932 22,9 1.306 32,1 1.136 27,9 4.065
630 Arheilgen-West 1.474 20,2 1.986 27,3 2.569 35,3 1.252 17,2 7.281
640 Arheilgen-Ost 248 15,3 402 24,7 612 37,7 363 22,3 1.625
600 DA-ARHEILGEN 3.103 18,1 4.563 26,6 6.013 35,0 3.481 20,3 17.160
710 Alt-Eberstadt 859 16,1 1.440 27,1 1.956 36,8 1.067 20,0 5.322
720 Am Lämmchesberg 563 16,4 846 24,6 1.171 34,1 855 24,9 3.435
730 Villenkolonie 742 17,6 856 20,4 1.597 38,0 1.009 24,0 4.204
740 Am Frankenstein 501 14,9 677 20,2 1.284 38,3 891 26,6 3.353
750 Kirchtannensiedlung 1.379 22,5 1.701 27,8 1.995 32,6 1.051 17,2 6.126
700 DA-EBERSTADT 4.044 18,0 5.520 24,6 8.003 35,7 4.873 21,7 22.440
810 Wixhausen-West 361 15,6 635 27,4 867 37,5 451 19,5 2.314
820 Wixhausen-Ost 600 16,9 960 27,0 1.272 35,8 725 20,4 3.557
800 DA-WIXHAUSEN 961 16,4 1.595 27,2 2.139 36,4 1.176 20,0 5.871
910 Kranichstein-Süd 1.844 23,2 2.132 26,8 2.577 32,4 1.399 17,6 7.952
920 Kranichstein-Nord 649 19,7 838 25,5 1.218 37,0 583 17,7 3.288
900 DA-KRANICHSTEIN 2.493 22,2 2.970 26,4 3.795 33,8 1.982 17,6 11.240
Darmstadt-Außenbezirke 10.601 18,7 14.648 25,8 19.950 35,2 11.512 20,3 56.711
Stadtgebiet insgesamt 23.241 15,7 49.988 33,8 48.626 32,9 26.075 17,6 147.930
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
53
In der ersten Kartengrafik (blaue Farbe) ist de r Bevölkerungsanteil der Altersgruppe von 0 bis
unter 18 Jahre in seiner Verteilung über das Stadtgebiet dargestellt. Dunkelblau sind diejenigen
Stadtviertel, die einen Anteil an Kindern und Ju gendlichen an allen Bewohnern von über 20% im
Bezirk haben. Auffällig sind die Stadtteile Kran ichstein, Teile von Arheilgen, und die Kirchtannen-
siedlung in Eberstadt-Süd, die einen sehr hohen Anteil an jungen Menschen haben. 2011 neu
dazu gekommen ist die Villenkolonie mit einem Anteil von über 17% in dieser Altersgruppe.
Grafik 12
Anteile der 0 bis unter 18-jährigen
Durch das langjährige Bevölkerungsmonitoring
sind die beiden Statistischen Bezirke Kranich-
stein-Süd (Statistischer Bezirk 910) und die
Kirchtannensiedlung (750) als junge Stadtteile
bekannt; einen ebenso hohen Anteil mit fast
20% an jungen Menschen hat auch der Sta-
tistische Bezirk 920 Kranichstein-Nord. Der in
Darmstadts Westen gelegene Bezirk Am Kaval-
leriesand (540) mit einem Anteil junger Men-
schen zwischen 17 und 20% hat jedoch nur
wenige Einwohner (etwas über 700 Personen)
in einem überwiegen d gewerblich genutzten
Stadtviertel. Durch den Bezug der Häuser in
der vormals amerikanischen St. Barbara-Sied-
lung und dem Baugebie t Wolfhartweg mit jun-
gen Familien und vielen Kindern ist der Anteil
der 0 bis unter 18-jährigen in der Villenkolonie
angestiegen.
Grafik 13
Anteil der 18 bis unter 40-jährigen
Der Bevölkerungsanteil der Personen mit
einem Alter zwischen 18 und 40 Jahren ist in
Darmstadt sehr auf die innerstädtischen Be-
reiche konzentriert, wie aus der nächsten
Grafik (rote Farbe) hervorgeht. Mehr als die
Hälfte aller Einwohnerinnen und Einwohner der
Statistischen Bezirke Rheintor/ Grafenstraße
(120) und Hochschulviertel (130) sind junge
Menschen im angegebenen Alter, in weiteren
Bezirken um die TU Darmstadt herum wie im
Morneweg- und Pallaswiesenviertel (250 und
260) oder im Bogen, südlich und nördlich um
den Rhönring lebt ein höherer Anteil junger
Menschen als im restlichen Stadtgebiet. Große
Teile der Darmstädter Studentinnen und Stu-
denten wohnen in innenstadtnahen mehr-
stöckigen Mehrfamilienhäusern mit älterer
Baustruktur, in Wohngemeinschaften und klei-
nen Appartements.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
54
Statistische Mitteilungen 1|2012
Grafik 14
Anteil der 40 bis unter 65-jährigen
Auch der Bevölkerungsanteil der Altersgruppe
von 40 bis unter 65 Jahre (grüne Farbe) ist nicht
gleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt,
höhere Anteile von über 37% haben die
Statistischen Bezirke in Eberstadt mit der Villen-
kolonie (730) und der Bezirk Am Frankenstein
(740). In Darmstadts Westen, in der Stadtmitte
und in Bessungen ist diese Bevölkerungsgruppe
eher unterrepräsentiert; im Darmstädter Süden
und im Norden sind die Stadtteile, in denen
diese Altersgruppe – statistisch gesehen –
häufiger anzutreffen ist. Dies sind die Wohnorte
der überwiegend erwerbstätigen Bevölkerung
und der im Berufsleben stehenden Ehepaare und
Familien, wie es sich auch aus dem Vergleich
mit der Siedlungsstruktur dieser statistischen
Bezirke erschließt. In den von dieser Alters-
gruppe bewohnten Statistischen Bezirken ist der
Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern deutlich
höher als im übrigen Stadtgebiet.
Grafik 15
Anteil der 65-jährigen und älter
Seniorinnen und Senioren leben vorwiegend im
Darmstädter Osten, aber auch in Eberstadt und
in Arheilgen; besonders auffällig (gelbe Farbe)
sind auch jene statisti schen Bezirke, in denen
sich Seniorenheime
23 befinden. Zu beachten ist,
dass in Arheilgen-Süd das DRK-Seniorenzentrum
„Fiedlersee“ liegt (620), am Südbahnhof (510)
das Altenheim Darmstadt in der Rüdesheimer
Straße und im Statisti schen Bezirk „Am Ober-
feld“ das Altenzentrum an der Rosenhöhe (310).
Der Bezirk „Am Lämmchesberg“ (720) verfügt
zwar über keine stationäre Einrichtung für Senio-
rinnen und Senioren, ist aber ein mit der dort le-
benden Bevölkerung „gealterter“ Wohnbezirk ge-
worden, wie auch die Siedlungsstruktur belegt.
Sozusagen „verjüngt“ hat sich die Heimstätten-
siedlung durch die neuen Wohnmöglichkeiten im
Ernst-Ludwig-Park; mit dem Einzug vieler junger
Familien dort ist auch der Anteil der Personen
über 65 Jahre in der Heimstättensiedlung unter die 20-Prozent-Marke gefallen und deshalb nicht
mehr „im gelben Bereich“ der Stadtkarte. Auffällig ist nun, dass Gesamt-Eberstadt mit Ausnahme
der Kirchtannensiedlung, ganz im Süden, ei nen hohen Anteil von Seni orinnen und Senioren
aufweist.
23 siehe dazu Altenhilfeplan der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
55
Die Stadtteile mit einem derzeit bereits hohen Anteil an Seniorinnen und Senioren werden auch
künftig einen weiteren Zuwachs verzeichnen. Die Stadtteile mit derzeit viel en "jungen Alten" und
Personen zwischen 40 und 65 Jahren in Darmstadts Norden und Süden werden sich zu Stadttei-
len mit überdurchschnittlich vielen Älteren entwickeln. Hier erscheint es wichtig, dass dem damit
einhergehenden erhöhten Bedarf an Infrastruktur zur Erhaltung eines selbst bestimmten Lebens
Rechnung getragen wird. Als Infr astrukturelemente sind wohnortnahe Einkaufsmöglichkeiten für
den täglichen Bedarf und ein gu t ausgebautes Nahverkehrsnetz un verzichtbar. Vor dem Hinter-
grund, dass Altern oft auch mit einem höherem Hilf e- und Pflegebedarf einhergeht, ist der Aufbau
von niederschwelligen Hilfen (Begleitdienste bei Einkäufen, Arztbesuchen, Veranstaltungen) hilf-
reich, um ein längstmögliches Verbleiben in der häuslichen Umgebung zu garantieren, wie unter
anderem die Befragungen der Seni orinnen und Senioren in den Stadtteilen Arheilgen und Wix-
hausen ergaben
24.
Die Untersuchung der Altersstruktur der aktuellen Darmstädter Bevölkerung ergibt, dass die Stadt
– im bundesweiten Vergleich zu anderen Städten – einen hohen Anteil an jungen Menschen als Be-
wohner hat. Dies ist ein wichtiges Potenzial für die zukünftige Entwicklung der Stadt. Die älter
werdende Bevölkerung, und hierbei besonders di e Altersgruppe zwischen 40 und 65, die auch
quantitativ weiter an Bedeutung gewinnen wird, darf jedoch keinesfalls vernachlässigt werden.
Wie stark werden die Anteile der Seniorinnen und Senioren in den nächsten Jahren in Darmstadt
zunehmen? Wie viele Kinder werden in den nächst en Jahren geboren und was bedeutet dies z.B.
für die Darmstädter Krippen-, Hort - und Kindergartenplanung? Diese wichtigen, für die zukünftige
Entwicklung dieser Stadt wesentlichen Fragen werden im Kapitel 9 mit einer detaillierten Be-
völkerungsvorausberechnung für Darmstadt bis 2030 beantwortet.
24 siehe dazu ausführlich Annette Hieber, Frank Oswald, Christoph Rott und Hans-Werner Wahl, Selbstbestimmt
Älterwerden in Arheilgen, Abschlussbericht, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Heidelberg 2006
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
56
Statistische Mitteilungen 1|2012
8 Die kleinräumige Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt
Neben der Betrachtung und Analyse der großen demografischen Trends auf Bundes- oder Landes-
ebene ist für die weitere Stadtentwicklung die „innere“ Entwicklung von Darmstadt und seinen
Stadtteilen von größter Wichtigkeit. Schon die vergangenen Jahrzehnte zeigten, dass die Entwick-
lung von Darmstadts neun Stadtteilen keineswegs g l e i c h m ä ß ig v e r l ä u f t – s e i e s n a c h d e m o g r a -
fischen, sozialen oder anderen Gesichtspunkten25. Das Stadtgebiet Darmstadt ist in neun Stadt-
teile aufgeteilt. Hierbei wird jeder Stadtteil – je nach Größe – in unterschiedlich viele Statistische
Bezirke unterteilt. Diese sind in der Regel historisch gewachsene Viertel oder durch Verkehrsadern
getrennte Bereiche, die einzelne n Bezirke können in der Flächeng röße oder der Einwohnerzahl
sehr unterschiedlich sein. Im Folgenden werden in einem Rückblick auf ein Vierteljahrhundert der
Stadtteilentwicklung die Stadtteile und ihre Statistischen Bezirke vorgestellt und analysiert.
Grafik 16 Darmstadt – Stadtteile – Statistische Bezirke
25 Neben der Veröffentlichung wichtiger Strukturdaten zu Darmstadts Stadtteilen im jährlich erscheinenden Datenreport
ist eine Vielzahl von Berichten zu verschiedenen Aspekten der Stadtteilentwicklung verfügbar, so z. B. die Auswertungen
der Bürgerumfragen, der Sozialatlas, der Strukturatlas, Berichte zum Wohnen in der Stadt, zu den Grünflächen oder zur
Lärmbelastung etc. Alle diese Berichte zeigen die große Vielfalt an Lebensqualität ebenso wie die Chancen und „Risiken“
in einem urbanen Stadtraum.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
57
8.1 Darmstadt-Mitte
Der Stadtteil Darmstadt-Mitte liegt im Zentrum der Stadt und besteht aus den 5 Statistischen
Bezirken: Stadtzentrum, Rheintor/Grafenstraße, Hochschulviertel, Kapellplatzviertel, St. Ludwig
mit Eichbergviertel.
Tabelle 14 Bevölkerungsentwic klung in Darmstadt-Mitte
Jahr (jeweils 31.12. ) Statistische Bezirke/
Stadtteil 1985 1990 1995 2000 2005 2011
110 Stadtzentrum 1.490 1.461 1.401 1.296 1.312 1.447
120 Rheintor/Grafenstraße 2.895 3.317 3.328 3.262 3.455 3.878
130 Hochschulviertel 487 583 568 544 559 640
140 Kapellplatzviertel 5.263 5.293 5.285 5.222 5.159 5.639
150 St. Ludwig mit Eichbergviertel 6.268 6.307 6.010 5.943 6.141 7.062
100 DA-MITTE 16.403 16.961 16.592 16.267 16.626 18.666
Der Statistische Bezirk 110 Stadtzentrum wird
überwiegend dominiert aus Handels- und Büroge-
bäuden. Die Bevölkerungsanzahl hat von knapp
1.500 Personen im Jahr 1985 bis ins Jahr 2000 auf
1.296 abgenommen, um in den letzten Jahren wie-
der leicht anzusteigen. Zum 31.12.2011 hatte der
Bezirk 1.447 Bewohnerinnen und Bewohner.
Der Statistische Bezirk 120 Rheintor/Grafenstraße
liegt westlich des Stadtkerns und besteht haupt-
sächlich aus der so gena nnten Mollerstadt. Dort
findet in den letzten Jahren ein umfassendes Sanie-
rungsprogramm statt. Die Einwohnerzahlen in die-
sem Bezirk sind stark anwachsend. Von 2.895 Per-
sonen in 1985 stieg die Bevölkerung bis zum Jahr
2011 um fast 1.000 Einwohnerinnen und Einwohner
auf 3.878. Dies entspricht einem Anstieg um 34 %.
Der Statistische Bezirk 130 Hochschulviertel be-
steht überwiegend aus Universitätsgebäuden mit ei-
nigen kleinen Wohngebieten dazwischen. Hier leben
über die letzten Jahre gleich bleibend knapp 600 Personen. Durch die Einführung der Zweitwoh-
nungssteuer (siehe Kapitel 6) ist die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner in 2011 auf 640 an-
gestiegen und damit um circa 15% höher. Ähnliche s gilt für die Einwohnerzahl im Statistischen
Bezirk 140 Kapellplatzviertel. Auch hier hat si ch durch den Studentenanteil die Einführung der
Zweitwohnungssteuer bemerkbar gemacht. Der Bezirk liegt südöstlich des Stadtzentrums und
hatte Ende 2011 eine Bevölkerungszahl von 5.639.
Im südlich der City gelegenen Bezirk 150 St. Ludwig mit Eichbergviertel wurde 1985 eine Ein-
wohnerzahl von 6.268 gezählt. Bis zum Jahr 2000 fiel diese unter die 6.000er Grenze auf 5.943.
In den letzten Jahren sind durch mehrere Bauvorhaben neue Wohnungen in diesem Gebiet
entstanden, die Zahl der Einwohnerinnen und Ei nwohner stieg deutlich auf 7.062 Personen zum
31.12.2011. Hier wurde der Bevölkerungszuwachs durch eine Wohnbauverdichtung erreicht.
0
1.000
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1985 1990 1995 2000 2005 2011
110 Stadtzentrum
120 Rheintor/Grafenstraße
130 Hochschulviertel
140 Kapellplatzviertel
150 St. Ludwig mit Eichbergviertel
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
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Statistische Mitteilungen 1|2012
8.2 Darmstadt-Nord
Der Stadtteil Darmstadt-Nord ist mit über 27.000 Personen der bevölkerungsreichste Stadtteil
und besteht aus den 7 Statistischen Bezirken: Johannesviertel, Martinsviertel-West, Martinsviertel-
Ost, Waldkolonie, Mornewegviertel, Pallaswiesenviertel, Am Ziegelbusch. Auch in diesem Stadtteil,
der einen starken Anteil an Studierenden hat, macht sich die Einführung der Zweitwohnungsteuer
im Jahre 2011 deutlich bemerkbar. Vor allem im Johannes- und Martinsviertel sind im letzten
Jahr starke Bevölkerungszuwächse zu verzeichnen.
Tabelle 15 Bevölkerungsentwic klung in Darmstadt-Nord
Jahr (jeweils 31.12. ) Statistische Bezirke/
Stadtteil 1985 1990 1995 2000 2005 2011
210 Johannesviertel 5.148 5.235 4.949 4.744 4.657 5.069
220 Martinsviertel-West 5.665 5.974 5.958 5.511 5.515 5.836
230 Martinsviertel-Ost 5.430 5.696 5.748 5.402 5.328 5.592
240 Waldkolonie 3.984 3.858 3.938 3.766 4.131 4.671
250 Mornewegviertel 577 614 662 630 707 736
260 Pallaswiesenviertel 2.639 2.544 2.474 2.876 2.753 2.750
270 Am Ziegelbusch 3.927 4.200 4.159 4.594 4.622 5.022
200 DA-NORD 27.370 28.121 27.888 27.523 27.713 29.676
Der Statistische Bezirk 210 Johannesviertel grenzt
im Norden an das Stadtzentrum und wird überwie-
gend von Gebäuden der Gründerzeit geprägt. Seinen
Einwohnerhöhepunkt hatte der Bezirk im Jahr 1990
mit 5.235 Personen. Bis ins Jahr 2000 verlor das
Johannesviertel fast 10 Prozent seiner Bürgerinnen
und Bürger. Zum 31.12.2011 hat sich die Ein-
wohnerzahl wieder auf über 5.000 stabilisiert.
Einen ähnlichen Verlauf der Bevölkerungsentwick-
lung haben die beiden Statistischen Bezirke
220 Martinsviertel-West und 230 Martinsviertel-Ost.
Beide haben seit ihrem Bevölkerungshoch in den
neunziger Jahren deutlic h an Einwohnerinnen und
Einwohnern verloren. Hier wirkt sich der oben be-
schriebene Effekt aus. Zum 31.12.2011 hatte das
westliche Martinsviertel 5.836 und das östliche
5.592 Bürgerinnen und Bürger.
Einen völlig andere Entwicklung lässt sich im Sta-
tistischen Bezirk 240 Waldkolonie beobachten. Hier steigt die Einwohnerzahl in den letzten Jahren
kontinuierlich an. Auslöser hierfür ist das so ge nannte Europaviertel auf der Westseite des Haupt-
bahnhofes. Neben vielen Büro- und Verwaltungsgebäuden entsta nd auf dem ehemaligen Bosch-
gelände auch ein neues Wohngebiet. Durch den Bau des Epsilons, einem Wohnkomplex mit mehr
als einhundert Wohneinheiten, hat sich die Einwohnerzahl noch weiter auf 4.671 erhöht.
Der Statistische Bezirk 250 Mornewegviertel gren zt im Westen an das Stadtzentrum und ist
hauptsächlich gewerblich bzw. industriell genutzt. Die Einwohnerzahl des Bezirks hat im letzten
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1985 1990 1995 2000 2005 2011
210 Johannesviertel
220 Martinsviertel-West
230 Martinsviertel-Ost
240 Waldkolonie
250 Mornewegviertel
260 Pallaswiesenviertel
270 Am Ziegelbusch
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
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59
Vierteljahrhundert leicht zugenommen, zum 31.12.2011 waren dort 736 Einwohnerinnen und
Einwohner gemeldet.
Auch der Statistische Bezirk 260 Pallaswiesenviertel ist von Gewerbe, Handel und Industrie ge-
prägt. An Wohnbebauung sind hier überwiegend kleine Wohnquartiere und eine etwas größere
Wohnsiedlung um das Gebiet der Windmühle. Die Einwohnerzahl in diesem Bezirk ist von 2.639 in
1985 bis ins Jahr 1995 leicht gefallen, Ende der 90ziger Jahre deutlich auf seinen Höchststand
von 2.876 gestiegen, um seither wieder lang sam abzunehmen. Ende 2011 lebten dort noch
2.750 Einwohnerinnen und Einwohner.
Der Statistische Bezirk 270 Am Ziegelbusch erfährt in den le tzten 25 Jahren eine deutliche
Einwohnerzunahme. So wohnen in 2011 mit 5.022 Personen 28 Prozent mehr im Viertel als
1985. Die Zunahme ist hauptsächlich durch den Neubau des so genannten Bürgerparkviertels auf
dem ehemaligen Schlachthofgelände erklärbar. Do rt ist in den letzten Ja hren neben Verwaltungs-
gebäuden eine große Anzahl an Wohngebäuden entstanden.
8.3 Darmstadt-Ost
Der Stadtteil Darmstadt-Ost erstreckt sich vo n dem Jugendstilensemble Mathildenhöhe bis zum
Universitätscampus auf der Lichtwiese und besteht aus den 4 Statistischen Bezirken: Am Ober-
feld, Mathildenhöhe, Woogsviertel, An den Lichtwiesen.
Tabelle 16 Bevölkerungsentwicklung in Darmstadt-Ost
Jahr (jeweils 31.12. ) Statistische Bezirke/
Stadtteil 1985 1990 1995 2000 2005 2011
310 Am Oberfeld 3.435 3.370 3.317 3.295 3.309 3.444
320 Mathildenhöhe 2.784 2.777 2.687 2.598 2.632 2.750
330 Woogsviertel 4.976 4.976 5.025 4.754 4.697 5.014
340 An den Lichtwiesen 2.164 2.080 2.035 1.996 2.130 2.203
300 DA-OST 13.359 13.203 13.064 12.643 12.768 13.411
Der Statistische Bezirk 310 Am Oberfeld ist ein
höherwertiges Wohngebiet mit Wald und landwirt-
schaftlicher Fläche. Die Einwohnerzahl des Bezirks
liegt stabil bei ca. 3.300 bis 3.400 Einwohnerinnen
und Einwohner. Ein kleines neues Wohngebiet am
Judenteich hat zu einem leichten Anstieg in den
letzten Jahren geführt. Zum 31.12.2011 waren
3.444 Personen im Bezirk gemeldet.
Auch im Statistischen Bezirk 320 Mathildenhöhe
sind keine großen Schwankungen in der Bevöl-
kerungszahl zu erkennen. Mit 2.750 Einwohner-
innen und Einwohner Ende 2011 liegt der Bezirk
sehr nahe an der Einwohnerzahl von 1985.
Der Statistische Bezirk 330 Woogsviertel ist der
bevölkerungsreichste Bezirk im Osten der Stadt.
Knapp 5.000 Einwohnerinnen und Einwohnern
leben um den Darmstädter Naturbadesee. War die
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3.000
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1985 1990 1995 2000 2005 2011
310 Am Oberfeld
320 Mathildenhöhe
330 Woogsviertel
340 An den Lichtwiesen
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60
Statistische Mitteilungen 1|2012
Bevölkerungszahl Ende der neunziger Jahre noch um 250 Personen gefallen, steigt sie in den
letzten Jahren wieder an und erreicht zum 31.12.2011 die Zahl von 5.014.
Ein von Universität und Sportstätten geprägtes Ge biet ist der Statistische Bezirk 340 An den
Lichtwiesen. Die Einwohnerzahl ist im Laufe der letzten 25 Jahre annähernd konstant geblieben.
Zum Jahresende 2011 waren dort 2.203 Personen gemeldet.
8.4 Darmstadt-Bessungen
Im Süden der Innenstadt liegt der Stadtte il Darmstadt-Bessungen. Der 1888 eingemeindete
Stadtteil besteht aus den 3 Statistischen Bezirk en: Paulusviertel, Alt-Bessungen, An der Ludwigs-
höhe.
Tabelle 17 Bevölkerungsentwicklung in Bessungen
Jahr (jeweils 31.12. ) Statistische Bezirke/
Stadtteil 1985 1990 1995 2000 2005 2011
410 Paulusviertel 4.948 5.180 5.038 5.056 5.101 5.538
420 Alt-Bessungen 6.365 6.438 6.321 6.022 5.972 6.258
430 An der Ludwigshöhe 1.457 1.776 1.918 1.637 1.607 1.454
400 DA-BESSUNGEN 12.770 13.394 13.277 12.715 12.680 13.250
Der Statistische Bezirk 410 Paulusviertel ist ein
überwiegend höherwertiges Wohngebiet mit einer in
den letzten Jahren zunehmenden Einwohnerzahl.
Von 1985 bis zum Jahr 2005 bewegte sich die Be-
völkerungszahl in diesem Bezirk um die Grenze von
5.000 Personen. Seit 2005 konnte nun ein Anstieg
auf 5.538 Personen zum 31.12.2011 festgestellt
werden. Zu diesem Bezirk gehört auch das Studen-
tenwohnheim in der Nieder-Ramstädter Straße. Hier
wirkt sich wie im Stadtteil Darmstadt-Nord der
besondere Effekt der Umwandlung von Zweitwoh-
nungen in Hauptwohnungen aus.
Die Bevölkerungsentwicklung im Statistischen Be-
zirk 420 AltBessungen verlief sehr unterschiedlich.
Der Bezirk verlor fast 500 Einwohnerinnen und Ein-
wohner seit seinem Höchststand 1990 bis 2005. In
den letzten Jahren stieg die Einwohnerzahl wieder
auf 6.258 an und erreicht damit in etwa die Größenordnung der 90er Jahre.
Der Statistische Bezirk 430 An der Ludwigshöhe ist einer der wenigen Bezirke mit fallenden Ein-
wohnerzahlen. Näherte man sich in den 90er Jahren fast der 2.000er Einwohnergrenze, waren am
31.12.2011 dort nur noch 1.454 Personen gemeld et. Der Höchststand der Einwohnerzahl hing
mit den Notunterkünften an der Radrennbahn zusa mmen. Dort wurden in den 90er Jahren viele
Flüchtlinge aus dem Balkankrieg bzw. Übersiedler aus Osteuropa untergebracht.
Ein weiteres Kriterium für die Bevölkerungsabnah me ist sicherlich der Abzug der amerikanischen
Streitkräfte; im Bezirk liegen drei ehemalige Kasernen. Die amerikanischen Militärangehörigen
waren zwar nicht meldepflichtig, jedoch Zivilb edienstete oder Deutsc he, die mit Amerikanern
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1985 1990 1995 2000 2005 2011
410 Paulusviertel
420 Alt-Bessungen
430 An der Ludwigshöhe
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verheiratet waren. Für die Zukunft ist eine Neub ebauung der Konversionsflächen in Planung. Die
Einwohnerzahlen werden also je nach Art der Bebauung in den nächsten Jahren hier deutlich
steigen.
8.5 Darmstadt-West
Ein Gebiet mit bereits erfolgten starken Einwohnerzuwächsen ist der Stadtteil Darmstadt-West mit
den 4 Statistischen Bezirken: Am Südbahnhof, Heimstättensiedlung, Verlegerviertel, Am
Kavalleriesand.
Tabelle 18 Bevölkerungsentwic klung in Darmstadt-West
Jahr (jeweils 31.12. ) Statistische Bezirke/
Stadtteil 1985 1990 1995 2000 2005 2011
510 Am Südbahnhof 3.162 3.092 3.019 3.003 3.004 3.102
520 Heimstättensiedlung 5.533 5.945 5.874 5.827 6.428 7.111
530 Verlegerviertel 3.255 3.607 3.771 4.100 4.401 5.234
540 Am Kavalleriesand 841 752 767 769 798 769
500 DA-WEST 12.791 13.396 13.431 13.699 14.631 16.216
Der Statistische Bezirk 510 Am Südbahnhof hat
seit 25 Jahren eine etwa gleich bleibende Einwoh-
nerzahl. Zum 31.12.2011 waren in diesem Viertel
3.102 Personen gemeldet.
Ganz im Gegenteil dazu steigt die Einwohnerzahl
im Statistischen Bezirk 520 Heimstättensiedlung
deutlich an. Bedingt durch den Abzug der amerika-
nischen Streitkräfte konnte in diesem Gebiet ein
großes Neubauviertel ausgewiesen werden. Im so
genannten Ernst-Ludwig-Park haben sich in den
letzten Jahren viele Familien niedergelassen. Die
Einwohnerzahl des Bezirks stieg von 5.533 in 1985
auf 7.111 zum Jahresende 2011 an. Der Zuwachs
von fast 1.600 Einwohnerinnen und Einwohnern
entspricht einem Anteil von mehr als 28 Prozent.
Noch größer ist der Zuwachs im Statistischen
Bezirk 530 Verlegerviertel. Mit 5.234 Einwohnerinnen und Einwohnern zum 31.12.2011 wohnen
annähernd 2.000 Personen mehr im Bezirk als 1985. Ausschlaggebend ist hierbei kein einzelnes
größeres Neubauwohngebiet, sondern viele kleinere neue Wohnquartiere. Das früher überwiegend
gewerblich genutzte Viertel wurde in den letzten Jahren zunehmend durch kleinere Bereiche mit
Wohnbebauung und Wohnmöglichkeiten für Studierende ergänzt.
Weitgehend ohne Wohnbebauung ist der Statistisc he Bezirk 540 Am Kavalleriesand. Der Bezirk
dient überwiegend als höherwertiges Gewerbeg ebiet mit Büros und Forschung. Wohnbebauung
gibt es nur vereinzelt. Die Bevölkerungszah l mit 769 Einwohnerinnen und Einwohner zum
31.12.2011 ist daher auch sehr gering und über die Jahre hinweg konstant geblieben.
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1985 1990 1995 2000 2005 2011
510 Am Südbahnhof
520 Heimstättensiedlung
530 Verlegerviertel
540 Am Kavalleriesand
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Statistische Mitteilungen 1|2012
8.6 Darmstadt-Arheilgen
Der nördlich der Innenstadt gelegene Stad tteil Darmstadt-Arheilgen besteht aus den
4 Statistischen Bezirken: Alt-Arheilgen, Arheilgen-Süd, Arheilgen-West, Arheilgen-Ost.
Tabelle 19 Bevölkerungsentwicklung in Arheilgen
Jahr (jeweils 31.12. ) Statistische Bezirke/
Stadtteil 1985 1990 1995 2000 2005 2011
610 Alt-Arheilgen 4.089 4.127 4.009 4.155 4.120 4.189
620 Arheilgen-Süd 4.226 4.056 4.092 4.086 4.012 4.065
630 Arheilgen-West 4.773 5.166 5.110 5.328 6.706 7.281
640 Arheilgen-Ost 1.602 1.592 1.471 1.625 1.630 1.625
600 DA-ARHEILGEN 14.690 14.941 14.682 15.194 16.468 17.160
Die zwei Statistischen Bezirke 610 Alt-Arheilgen und
620 Arheilgen-Süd haben beide jeweils über
4.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Bei beiden
Bezirken hat sich die Einwohnerzahl in den letzten
25 Jahren nicht entscheidend verändert. Zum Ende
des Jahres 2011 hatte Alt-Arheilgen 4.189 und
Arheilgen-Süd 4.065 Bürgerinnen und Bürger.
Der Statistische Bezirk 630 Arheilgen-West hinge-
gen hat seine Einwohnerzahl in den letzten
25 Jahren über 50 Prozent gesteigert. Waren 1985
noch 4.773 Einwohnerinnen und Einwohner in die-
sem Bezirk gemeldet, ist diese Zahl bis zum
31.12.2011 auf 7.281 angestiegen. Ausschlagge-
bend für den Bevölkerungsschub waren mehrere
Neubaugebiete. Mit dem so genannten Blütenviertel
und auf dem ehemaligen Schenckgelände ent-
standen großflächige Wohngebiete.
Der bevölkerungsmäßig klei nste Teil von Arheilgen
ist der Bezirk 640 Arheilgen-Ost. Dort nahm die Per-
sonenzahl von 1.602 in 1985 bis auf 1.471 im Jahr
1995 ab. Seitdem steigt die Bevölkerungszahl ganz
leicht an und erreicht Ende 2011 mit 1.625 den
gleichen Stand wie im Jahre 2000.
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1985 1990 1995 2000 2005 2011
610 Alt-Arheilgen
620 Arheilgen-Süd
630 Arheilgen-West
640 Arheilgen-Ost
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8.7 Darmstadt-Eberstadt
Der Stadtteil Darmstadt-Eberstadt liegt im Süden der Stadt und besteht aus den 5 Statistischen
Bezirken: Alt-Eberstadt, Am Lämmchesberg, Villenkolonie, Am Frankenstein, Kirchtannensiedlung.
Tabelle 20 Bevölkerungsentwicklung in Eberstadt
Jahr (jeweils 31.12. ) Statistische Bezirke/
Stadtteil 1985 1990 1995 2000 2005 2011
710 Alt-Eberstadt 5.132 5.177 5.052 5.095 5.076 5.322
720 Am Lämmchesberg 3.695 3.632 3.465 3.423 3.327 3.435
730 Villenkolonie 3.937 4.160 4.077 3.954 3.919 4.204
740 Am Frankenstein 3.070 3.161 3.329 3.351 3.291 3.353
750 Kirchtannensiedlung 6.068 6.154 6.509 6.295 6.121 6.126
700 DA-EBERSTADT 21.902 22.284 22.432 22.118 21.734 22.440
Der Statistische Bezirk 710 Alt-Eberstadt liegt in der
Mitte des Stadtteils und hat eine Einwohnerzahl von
5.322 zum 31.12.2011. Diese Größenordnung hat
sich in den letzten 25 Jahren annähernd konstant
gehalten und unterliegt keinen größeren Schwan-
kungen.
Der Statistische Bezirk 720 Am Lämmchesberg hin-
gegen verliert seit 1985 an Einwohnerinnen und Ein-
wohnern. Von 3.695 Personen in 1985 sank die An-
zahl auf 3.423 zum Jahresende 2000 und ist seit-
dem ziemlich stabil.
1990 hatte der Statistische Bezirk 730 Villenkolonie
seinen Höchststand der Einwohnerzahl mit 4.160.
Seitdem fiel diese bis zum Jahresende 2005 auf
3.919 Personen. Der Abzug der nicht meldepflich-
tigen amerikanischen Streitkräfte aus der St. Bar-
bara Siedlung und der Einzug durch neue Bauherren
in diese Quartiere hat zu einer steigenden Einwoh-
nerzahl beigetragen. Zusätzlich wird nach und nach
das Baugebiet am Wolfhartsweg bezugsreif und be-
wohnt. Auch deshalb ist die Einwohnerzahl in der
Villenkolonie auf 4.204 Personen angestiegen.
Im Statistischen Bezirk 740 Am Frankenstein hat bereits von 1985 bis 1995 eine Zunahme der
Einwohnerzahl stattgefunden. Seit 1995 ist die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner stabil bei
circa 3.300 und liegt zum 31.12.2011 bei 3.353 Bürgerinnen und Bürgern.
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1.000
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1985 1990 1995 2000 2005 2011
710 Alt-Eberstadt
720 Am Lämmchesberg
730 Villenkolonie
740 Am Frankenstein
750 Kirchtannensiedlung
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Statistische Mitteilungen 1|2012
Der Statistische Bezirk 750 Kirchtannensiedlung er fuhr in den letzten 25 Jahren eine sehr unter-
schiedliche Bevölkerungsentwicklung. Die Einwohnerzahl stieg von 1985 um über 400 Personen
bis ins Jahr 1995, danach ist eine deutliche Abna hme feststellbar. Seit seinem Höchststand von
6.509 in 1995 liegt die Einwohnerzahl seit Anfa ng des neuen Jahrhunderts recht konstant bei
circa 6.100 Personen.
8.8 Darmstadt-Wixhausen
Der Stadtteil Darmstadt-Wixhausen wird durch die Bahnlinie in die 2 Statistischen Bezirke
Wixhausen-West und Wixhausen-Ost geteilt.
Tabelle 21 Bevölkerungsentwicklung in Wixhausen
Jahr (jeweils 31.12. ) Statistische Bezirke/
Stadtteil 1985 1990 1995 2000 2005 2011
810 Wixhausen-West 2.087 2.055 2.230 2.204 2.215 2.314
820 Wixhausen-Ost 3.524 3.574 3.517 3.591 3.518 3.557
800 DA-WIXHAUSEN 5.611 5.629 5.747 5.795 5.733 5.871
Ohne größere Schwankungen verläuft die Bevöl-
kerungsentwicklung im Statistischen Bezirk 810
Wixhausen-West. Die Einwohnerzahl stieg von 2.087
in 1985 auf 2.230 in 1995 leicht an. Danach
veränderte sich die Zahl kaum noch und zum
31.12.2011 waren im Bezirk 2.314 Personen ge-
meldet.
Auch im Statistischen Bezirk 820 Wixhausen-Ost
bleibt die Bevölkerungszahl in den letzten 25 Jahren
stabil. Den 3.524 Einwohnerinnen und Einwohnern
in 1985 steht eine Bevölkerungszahl von 3.557 zum
Jahresende 2011 gegenüber.
0
1.000
2.000
3.000
4.000
1985 1990 1995 2000 2005 2011
810 Wixhausen-West
820 Wixhausen-Ost
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
65
8.9 Darmstadt-Kranichstein
Darmstadts jüngster Stadtteil Kranichstein entw ickelte sich überwiegend in den 70er Jahren des
letzten Jahrhunderts. Er gliedert sich in die 2 Statistischen Bezirke Kranichstein-Süd und
Kranichstein-Nord.
Tabelle 22 Bevölkerungsentwicklung in Kranichstein
Jahr (jeweils 31.12. ) Statistische Bezirke/
Stadtteil 1985 1990 1995 2000 2005 2011
910 Kranichstein-Süd 5.901 6.338 6.966 6.926 7.384 7.952
920 Kranichstein-Nord 1.888 3.438 3.438 3.358 3.366 3.288
900 DA-KRANICHSTEIN 7.789 9.776 10.404 10.284 10.750 11.240
Der bevölkerungsreichere der beiden Kranichsteiner
Stadtteile ist der Statistische Bezirk 910 Kranich-
stein-Süd. Seit 1985 hat sich die Zahl der Ein-
wohnerinnen und Einwohner von 5.901 auf mittler-
weile fast 8.000 Personen gesteigert. Das entspricht
einer Zunahme um 35 Prozent. Das neu ausge-
wiesene Baugebiet K6 sorgt seit 2000 mit seiner
Bebauung für einen Zuwachs von 800 Bewoh-
nerinnen und Bewohnern im Statistischen Bezirk.
Da die Bebauung hier noch nicht abgeschlossen ist,
kann mit einer weiteren Zunahme in den nächsten
Jahren gerechnet werden.
Der Statistische Bezirk 920 Kranichstein-Nord hin-
gegen hat seine starke Zuzugsphase im Jahr 1990
beendet. Seither bleibt die Zahl der Einwohnerinnen
und Einwohner recht stabil und erreicht zum
31.12.2011 eine Höhe von 3.288 Personen.
8.10 Kleinräumige Entwicklung in Darmstadt
Wie in den vorherigen Unterkapiteln dargestellt, verläuft die Bevölkerungsentwicklung in Darm-
stadts 36 Statistischen Bezirken sehr unterschiedlich. Bereits im Demografiebericht von 2008
wurde erläutert, dass es in Deutschland Regi onen mit Wachstum der Bevölkerungszahl, mit
Stagnation oder mit Rückgängen gibt, die oft nur wenige Kilometer auseinander liegen. Ähnliches
ist für die kleinräumige Situation in Darmstadts Stadtteilen festzustellen: insgesamt hatte die
Wissenschaftsstadt Darmstadt seit 2000 eine Bevölkerungszunahme von 8,6%, die sich aber
nicht gleichmäßig auf alle Stadtteile verteilt. Die stärkste Zunahme konzentriert sich erwartungs-
gemäß auf die Bezirke, in denen größere Neubaugebiete ausgewiesen wurden, wie im Ernst
Ludwig-Park/Heimstättensiedlung, in Arheilgens Bl ütenviertel (im Bezirk Arheilgen-West mit über
50% Anstieg bei der Bevölkerungszahl), im Bürgerparkviertel/Ziegelbusch, in der Waldkolonie mit
dem Europaviertel und dem Epsilon oder in Kranichstein-Süd mit über 35% Zuwachs.
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
7.000
8.000
9.000
1985 1990 1995 2000 2005 2011
910 Kranichstein-Süd
920 Kranichstein-Nord
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
66
Statistische Mitteilungen 1|2012
Auch im Verlegerviertel, in der Mollerstadt und in St.Ludwig mit Eichbergviertel ist eine klare
Steigerung bei der Bevölkerungszahl erkennbar. Hier existieren keine geschlossenen Neubauge-
biete, der Grund für die Zunahme liegt in der Verdichtung der Wohnbebauung. Der Zuwachs ver-
schiedener kleiner neuer Wohnquartiere, die Umwandlung von Gewerbefläche in Wohnfläche, so-
wie die neuen Wohnmöglichkeiten für Studierend e und Senioren führen hier zu höheren Ein-
wohnerzahlen.
Trotz der positiven Einwohnerentwicklung gibt es auch Statistische Bezirke, in denen die
Einwohnerzahl in den letzten 10 Jahren abnahm oder stagnierte, sich jedenfalls die Einwohnerzahl
weniger stark als im gesamtstädtischen Zuwachs en twickelte. So ist der Bezirk An der Ludwigs-
höhe seit 1990 in der Einwohnerzahl weiter leicht abgesunken, wird aber durch die die Bebauung
der Konversionsflächen in der Lincoln-Siedlung , Cambrai-Fritsch-Kaserne und der Jefferson-Sied-
lung in den nächsten Jahren die vermutlich höchste Wachstumsrate erzielen.
Häufig liegt die Entwicklung der Bevölkerungsstagna tion in einem kleinen städtischen Bereich an
einer Vielzahl von Gründen, die in der Summe zu diesem Ergebnis beitragen. Für bestimmte Bau-
gebiete aus den sechziger Jahren des letzten Jahr hunderts lassen sich als wichtigste Ursache die
Lebenszyklusphasen feststellen: ein junges Paar baut oder erwirbt eine Wohnung bzw. ein Haus,
lebt darin, bekommt Kinder, die Kinder gehen mit dem Erwachsenwerden aus dem Haus und die
Eltern bleiben bis zum Tode dort wohnen, wie dies z.B. für Teile Arheilgens oder Eberstadts
festzustellen ist. Für andere städtische Quartiere, z.B. im Johannes- oder Martinsviertel, sind die
Bedingungen für eine Familiengründung nicht immer optimal, wenn die Kombination von Lebens-
mittel-Nahversorgung, Kindergarten, Schule, Spor tverein, Parkplatz fürs eigene Fahrzeug sowie
Arbeitsplatz-Nähe nicht stimmen. Dort ist beim Zuwachs der Anzahl der Familienmitglieder der
Fortzug in andere Stadtteile geradezu „vorpr ogrammiert“. Auch die Umwandlung von Mietwoh-
nungen in Wohneigentum führt zu einer Veränd erung der sozialen Zusa mmensetzung der Quar-
tiersbevölkerung. Offensichtlich ist bei Umzugswünschen der Darmstädter in den letzten Jahren
ein anderer Stadtteil oder ein anderes Viertel Darmstadts die erste Wahl, wie die Ergebnisse der
Bürgerumfragen 2006 und 2009 belegen, und nicht me hr unbedingt – wie in den letzten Jahr-
zehnten vor 2004 – die umliegenden Landkreisgemeinden.
Zumindest seit 2005 ist in der Region Darmstadt der „Trend zurück in die Stadt“ recht deutlich
ausgeprägt, der offensichtlich zu einem Ende der Suburbanisierung ge führt hat. Durch die
günstige Lage auf dem Arbeitsm arkt, durch die Vielzahl von Bildungs- und Forschungseinrichtun-
gen und moderner Unternehmen wird in der Wissenschaftsstadt, nicht zuletzt durch die Konver-
sionsflächen, mit weiteren deutlichen Bevölkerun gszuwächsen zu rechnen sein. Der derzeit fest-
stellbare Engpass auf dem Wohnungsmarkt wird si ch mittelfristig durch die Konversionsprojekte
entspannen (siehe Kapitel 2 bis 4).
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
67
Prognosen und Perspektiven
9 Die demografische Entwicklung Darmstadts bis 2030
9.1 Die Bedeutung der demografischen Entwicklung
Die Folgen des demografischen Wandels und di e künftige Bevölkerungsentwicklung haben teil-
weise enorme Auswirkungen auf die Infrastruktur der Städte, wie z.B. die Zahl und Größe der Kin-
dertagesstätten, Schulen, Jugend- und Alteneinrichtungen, Sport- und Freizeiteinrichtungen aber
auch die Ver- und Entsorgung. Ferner sind die Entwicklung des Immobilienmarktes und der Wohn-
raumversorgung, Straßenbau und Verkehrsplanung, der kommunale Haushalt und die öffentlichen
Finanzen strukturell an die Bevölkerungsentwicklung gekoppelt. Ohne qualifizierte Fachkräfte sto-
ßen auch Unternehmen an Grenzen des Wachstum s, wenn Aufträge wegen Personalmangel ab-
gelehnt oder Qualitätsstandards aus Expertenmangel nicht garantiert werden können. Von großer
Bedeutung sind daher verlässliche Aussagen über die demografische Entwicklung in den kommen-
den Jahren. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Veränderung des Altersaufbaus und der Stärke
der Altersgruppen, weil diese in direktem Zusammenhang mit der Infrastrukturplanung, der Stadt-
entwicklung und der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung insgesamt stehen.
Neben den derzeit aktuellen Bevölkerungsvor ausberechnungen des Stat istischen Bundesamtes
26
sind eine größere Anzahl von neueren Studien über die zukünftige demografische Entwicklung der
Bundesrepublik insgesamt und des Landes Hessen erschienen. Insbesondere dem Hessischen
Statistischen Landesamt
27 und der HessenAgentur 28 ist es zu verdanken, dass nun auch für Hes-
sen auf der Ebene der Kreise und kreisfreien Städte aktuelle und differenzierte Daten zur demo-
grafischen Entwicklung vorliegen. Je nach Datengrundlage, Erkenntnis und Erscheinungszeitpunkt
der jeweiligen Untersuchung ergeben sich etwa s unterschiedliche Sichtweisen auf die demogra-
fische Zukunft Darmstadts (vgl. Kapitel 2).
Im Mittelpunkt dieses Kapitels steht jedoch die eigene Bevölkerungsvorausberechnung der
Wissenschaftsstadt Darmstadt, die auf der Basi s aktueller Daten, moderner demografischer
Theorien und zeitgemäßer statistischer Methodik beruht. Vor allem die weitere quantitative Ent-
wicklung der Altersgruppen bis zum Jahr 2030 is t für die städtische En twicklung von höchstem
Interesse. Ferner werden Instrumente und Meth oden des demografischen „Monitorings“ vorge-
stellt29, die für die vorliegenden Analysen bereits eingesetzt wurden, und die auch in Zukunft
helfen sollen, die weitere Entwicklung des demografischen Wandels zu beobachten und
gegebenenfalls positiv im gesamtstädtischen Sinne zu beeinflussen.
9.2 Methoden der Bevölkerungsvorausberechnung
Bevölkerungsvorausberechnungen sind keine Prognosen, denn das Ziel ist nicht die exakte,
prinzipiell nicht mögliche Vorhersage der zukü nftigen Bevölkerungszahl von Darmstadt. Die auf-
wändige Berechnung zeigt vielmehr, welche Bevö lkerungsentwicklung unter Berücksichtigung
verschiedener, wahrscheinlich eintretender Anna hmen realistisch erwart et werden kann. Sie
berücksichtigt daher nur Faktoren, die in die Mo delle eingegangen sind und zeigt die Richtung
26 Statistisches Bundesamt, Bevölkerung Deutschlands bis 2060, 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung,
Wiesbaden 2009
27 Hessisches Statistisches Landesamt, Bevölkerung in Hessen 2060. Ergebnisse der regionalisierten
Bevölkerungsvorausberechnung bis 2030 auf der Basis 31.12.2008, Wiesbaden 2010.
28 Uwe van den Busch, Bevölkerungsvorausschätzung für die hessischen Landkreise und kreisfreien Städte. Eine Projektion
für den Zeitraum von 2010 bis 2030 und eine Trendfortschreibung bis 2050, HessenAgentur GmbH, Report Nr. 792,
Wiesbaden 2010
29 Verband Deutscher Städtestatistiker, Arbeitsgemeinschaft Bevölkerung, Indikatoren und Merkmalskatalog zum
demografischen Wandel. Frankfurt a. M. 2011
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
68
Statistische Mitteilungen 1|2012
und das erwartbare ungefähre Ausmaß der weiter en Entwicklung an. Professionelle Bevölkerungs-
vorausberechnungen sind deshalb realistische „Szenarien“ möglicher Entwicklungen unter defi-
nierten Modellannahmen. Die Annahmen beziehen si ch in der Regel auf die weitere Entwicklung
der Geburtenzahlen, der Sterblichkeit und der Wanderungen (Zu- und Fortzüge aus Darmstadt).
Bekanntlich können sich durch politische, wirtsc haftliche und gesellschaftliche Rahmenbedingun-
gen maßgebliche Einflussgrößen wie Wanderungen oder Geburtenrate ändern. Das vorrangige Ziel
ist deshalb, die Veränderung vo n Bevölkerungsdaten und -strukturen unter bestimmten, aus den
derzeit gültigen Rahmenbedingungen abgeleiteten Annahmen zu berechnen. Die hier angewandte
Methode ist in der Städtestatistik üblich, erprob t und beruht – methodisch gesehen – auf einer
Komponentenfortschreibung mit Annahmen.
9.3 Annahmen und Basisdaten für Darmstadt
Von entscheidender Bedeutung für die realisti sche Modellbildung einer Bevölkerungsvorausbe-
rechnung sind gute Annahmen und möglichst aktuelle Basisdaten. In den vorangegangenen Ka-
piteln wurden die statistischen Basisdaten zur Entwicklung der Geburten, der Sterberate und der
Wanderungsbewegungen für die hier folgende Bevölkerungsvorausberechnung bereits vorgestellt.
Als Basis wird der Bevölkerungsbestand aus de r städtischen Fortschreibung zum 31.12.2011
nach Geschlecht und Alter zugrund e gelegt, ferner die Geburtenziffe rn für Frauen im Alter von 15
bis 45 Jahre und die aktuelle Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes. Vorrangiges Ziel ist es
nun, die absolute Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner mit Hauptwohnung in Darmstadt bis
zum Jahr 2030 und besonders die Verteilung der Altersstruktur nach Altersgruppen zu ermitteln.
Wie aus den bisherigen Analysen (vgl. Kapitel 6) hervorgeht, ist die Bedeutung der Wanderungsbe-
wegung für die zukünftige Darm städter Entwicklung entscheidend. Um Annahmen über die Wan-
derungen der nächsten 15 Jahre zu treffen, wurde das Wand erungsverhalten der letzten 15 Jahre
differenziert analysiert und eingearbeitet. Darmstadt hatte in der Zeit von 1997 bis 2011 einen
durchschnittlichen jährlichen Wanderungsgewinn von 790 Personen. Dies ist eine außerordentlich
hohe durchschnittliche Zuwanderung in die Wissen schaftsstadt; in den le tzten fünf Jahren lag
dieser Wert sogar noch höher. So lag in 2011 die Zahl der Zuzüge mit 2.571 Personen mehr als
dreifach über dem Durchschnitt der letzten Ja hre, da durch die neu eingeführte Zweitwoh-
nungssteuer viele Zuziehende, in sbesondere Studiere nde, sich gleich mit Hauptwohnung an-
meldeten anstelle einer Nebenwohnung. Für di e weitere Betrachtung werden die Wanderungen
analog der Entwicklung der Jahre 1997 – 2011 nach Geschlecht und Altersstruktur zugrunde ge-
legt: Es wird somit angenommen, dass z.B. starke Zuzüge bzw. Fortzüge in den gleichen Alters-
gruppen erfolgen, die auch in den letzten 15 Jahren dominant waren.
Für eine realistische Modellbildung werden 3 Varianten der Wanderungsbewegung angenommen:
Variante 1: Der jährliche Wanderungsgewinn beträgt 250 Personen und ist in den folgenden
Diagrammen als grüne Linie dargestellt.
Variante 2: Jährlich werden 500 Zuzüge me hr als Fortzüge angenommen, Darmstadts
Wanderungsgewinn beträgt jährlich 500 Personen und ist durch die rote Farbe
erkennbar.
Variante 3: Jährlich werden 750 Zuzüge mehr als Fortzüge angenommen, der
Wanderungsgewinn ist jährlich gleich 750 Personen und wird in den Diagrammen
in blauer Farbe wiedergegeben
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
69
Die Variante 2 ergibt für die weitere Entwicklung Darmstadts bis 2030 di e realistischsten Ergeb-
nisse, die Varianten 1 und 3 sind die Alternat ivrechnungen für eine schwächere Zuwanderung
(Variante 1) oder eine stärkere Zuwanderung (Variante 3). Innerhalb dieser „Bandbreite“ wird sich
nach derzeitigem Wissensstand die weitere Entwicklung Darmstadts vollziehen. Die jährliche Wie-
terberechnung der Altersgruppen und der Gesamt einwohnerzahl beruht auf den jeweiligen Ergeb-
nissen des Vorjahres unter Ei nbeziehung der Geburten, der St erbefälle und der Wanderungs-
bewegung.
9.4 Ergebnisse: Entwicklung der Gesamtbevölkerung Darmstadts
Bei den drei Annahmen wird in der Variante 1 im Jahr 2030 die Bevölkerungszahl Darmstadts
151.838 Personen betragen. Dies bedeutet, dass selbst bei einer Abschwächung der positiven
Wanderungsbewegung die gegenwärtige Bevölkerungszahl Darmstadts in den nächsten Jahren an-
steigen wird. Die Variante 1 wurde mit einem Ansatz von nur 250 Personen durch Zuwanderungs-
gewinn pro Jahr berechnet, und trotzdem wird die Zahl der Ei nwohnerinnen und Einwohner in
dieser Variante bis 2030 ansteigen. Bei Variante 2 ergibt sich für 2030 bereits 157.288 Personen
und bei Variante 3 eine kontinuierliche Erhöhung auf 162.738 Personen.
Der zeitliche Verlauf der Bevölk erungsvorausberechnung – unter di esen vorsichtig gewählten An-
nahmen – ist im Schaubild für die drei verschiede nen Varianten dargestellt. In der Grafik ist er-
kennbar, dass bei Variante 3 ein sehr deutlic her Bevölkerungszuwachs in Darmstadt zu ver-
zeichnen ist, bei Variante 2 ein stetiger Zuwach s bis zum Jahr 2030 und bei Variante 1 wie oben
geschildert ein leichter Zuwach s. Auf jeden Fall kann davon ausgegangen werden, dass die Ein-
wohnerzahl von Darmstadt in den nächsten Jahren sich weiter nach oben entwickeln wird.
Tabelle 23 Einwohnerzahl bis 2011 und Bevölkerungsvorausberechnung bis 2030
130.000
135.000
140.000
145.000
150.000
155.000
160.000
165.000
170.000
1997 2000 2003 2006 2009 2012 2015 2018 2021 2024 2027 2030
Einwohnerzahl Jährlicher Wanderungsfaktor:
250 500 750
2011 2015 2020 2025 2030
+ 250 147.930 149.127 150.496 151.438 151.838
+ 500 147.930 150.152 152.905 155.337 157.288
+ 750 147.930 151.177 155.314 159.236 162.738
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
70
Statistische Mitteilungen 1|2012
Insgesamt ist davon auszugehen, dass nach einer Fortschreibung der Trends der letzten Jahre die
Bevölkerungszahl Darmstadts in den nächsten Jahren bis 2030 sogar deutlich höher als zum
gegenwärtigen Zeitpunkt liegen wi rd. Der höchste Stand der Bevölkerungszahl in Darmstadt lag
als bisheriger „Rekord“ im Jahre 1972 bei 142.133 Einwohnern; danach fiel die Einwohnerzahl bis
1998 auf 135.315 Personen, um dann fortlaufend bis 2011 auf 147.930 anzusteigen.
9.5 Entwicklung der Alterspyramide
Wie sich der Altersaufbau der Darmstädter Bevölk erung bis 2030 ändern wird, ist an der Alters-
pyramide ablesbar. Alle drei Varianten unterscheiden sich bei der weiteren Entwicklung der Alters-
pyramide wenig, deshalb ist hier die mittlere Variante 2 dargestellt. Die so genannten starken
Jahrgänge der 1960-er Jahre wachsen weiter nach ob en auf der Altersskala, so sind in 2011 die
sehr stark besetzten Altersgruppen etwa um die 45 Jahre alt und in 2030 bei circa 65 Jahren,
nicht mehr weit vom Rentenalter entfernt (vgl.
Kapitel 7).
Die jüngsten Generationen (Altersgruppe von 0 bis
unter 10 Jahre) sind, bei Jungen wie bei Mädchen,
nur etwa halb so stark besetzt wie die stärksten
Jahrgänge. Erfreulich ist jedoch, dass in Darmstadt
die jüngsten Jahrgänge wieder etwas mehr Kinder
ausweisen als noch vor 5 oder 10 Jahren. Bei den
Personen über 80 Jahren wird die höhere Anzahl von
Frauen im jeweiligen Altersjahrgang gegenüber der
Anzahl der Männer deutlich. Der Unterschied zwi-
schen den Geschlechtern wir d a b e r n i c h t m e h r s o
deutlich auftreten wie in der Vergangenheit.
Grafik 17 Alterspyramide 2030
9.6 Entwicklung und Veränderung der Bevölkerung nach Altersgruppen
Neben der weiteren Entwicklung der Gesamtzahl der Darmstädter Bevölkerung bis 2030 ist für
städtische und andere Planungen die Entwicklun g spezifischer Altersgruppen von größter Bedeu-
tung. Darin liegt auch die Besonderheit der hier vorgestellten Bevölkerungsvorausberechnung, da
andere Studien zwar die zukünftige Gesamtbevö lkerung vorausberechnen, die Aussagen zu den
Altersgruppen aber häufig mangels differenzierter Daten fehlen.
9.6.1 Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre
Bei der Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre fällt die unterschied-
liche Entwicklung in den drei Varianten auf. In allen drei Varianten liegt die Kinderzahl im Jahr
2030 über der Kinderzahl im Ausgangsjahr 2011: selbst das äußerst vorsichtig gerechnete Modell
mit dem Wanderungsfaktor von 250 zeigt eine Wachstumsphase bis 2020. In den Varianten 2 und
3 mit den Wanderungsfaktoren 500 und 750 steigt di e Kinderzahl sehr deutlich an, erreicht im
Zeitraum 2020 bis 2025 ihren Höchstwert, um dann langsam abzusinken. Vor allem für die
nähere Zukunft ist für alle Pla nungsbereiche von entscheidender Bedeutung, dass – gleich welche
Variante zugrunde gelegt wird – die Kinderzahl dieser Altersgruppe von 4.258 Kindern in 2011 auf
mehr als 4.500 Kinder in 2015 steigen wird; sehr wahrscheinlich ist ein Wert zwischen 4.550 und
Alterspyramide 2030
Männer | Frauen
1.600 1.200 800 400 0 400 800 1.200 1.600
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
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4.600 Kindern. Für den Zeitraum von 2015 bis 2020 müssen sich alle Planungsbereiche auf eine
Kinderzahl von deutlich über 4.600 Kindern einstellen.
Tabelle 24 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 0 bis unter 3 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor Jahr
+ 250 + 500 + 750
2011 4.258 4.258 4.258
2015 4.518 4.558 4.599
2020 4.578 4.699 4.820
2025 4.445 4.638 4.831
2030 4.287 4.525 4.763
9.6.2 Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre
Bei der Entwicklung der Bevölkerung in der Alters gruppe 3 bis unter 6 Jahre ist bei allen drei
Varianten die Entwicklung relativ ähnlich dynamisch anwachsend wie bei der soeben vorgestellten
Altersklasse, allerdings ist der Zeitpunkt des de utlichen Zuwachses etwas in die Zukunft verscho-
ben. Von 2011 bis etwa 2015 wird sich eine stabile Phase mit etwas mehr als 4.100 Kindern
ergeben. Im Zeitraum von 2015 bis 2020 wird die Kinderzahl um etwa 400 Kinder zunehmen und
sehr lange auf diesem hohen Niveau bleiben: auch in diesen Altersgruppen sind die Kinderzahlen
in 2030 in allen Varianten höher – zum Teil deutlich – als der Ausgangswert von 2011. Auch hier
ist für die Planungsbereiche festzustellen, dass sich die Kinderzahl in dieser Altersgruppe erhöhen
wird, jedoch noch eine kurze Phase der Stabilität bis 2015 genutzt werden kann, die ent-
sprechenden infrastrukturellen Voraussetzungen zu schaffen.
Tabelle 25 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor Jahr
+ 250 + 500 + 750
2011 4.098 4.098 4.098
2015 4.109 4.134 4.159
2020 4.364 4.454 4.545
2025 4.348 4.518 4.689
2030 4.173 4.406 4.639
9.6.3 Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre
Eine andere Entwicklung wie in den beiden soeben dargestellten Altersgruppen der Vorschulkinder
ergibt sich bei der weiteren Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre:
Hier ist in allen drei Varianten mit einem deutlichen Zuwachs zu rechnen.
4.000
4.200
4.400
4.600
4.800
5.000
5.200
2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029
4.000
4.200
4.400
4.600
4.800
5.000
2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029
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Statistische Mitteilungen 1|2012
Tabelle 26 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 6 bis unter 15 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor Jahr
+ 250 + 500 + 750
2011 11.313 11.313 11.313
2015 11.617 11.664 11.711
2020 12.064 12.198 12.333
2025 12.517 12.820 13.123
2030 12.642 13.174 13.706
Anders als im hessischen Durchschnitt werden die Schülerzahlen in den kommenden Jahren wei-
ter deutlich ansteigen; einzig in der Variante 1 wird nach dem Höhepunkt im Jahr 2025 sich die
Zahl bis 2030 stabilisieren und nicht mehr so stark wachsen wie in den beiden anderen Varianten.
Auffällig ist, dass in allen drei Varianten die Anzahl der Kinder und Jugendliche in dieser
Altersgruppe von 2011 mit 11.313 bis 2015 um 300 bi s 400 zunehmen wird und in der Folge bis
2020 weiter steigt. In Variante 2 werden die Sc hülerzahlen bis 2025 um circa 1.500 Kinder zu-
nehmen, in Variante 3 um mehr als 1.800 Kinder. Auch wenn die Entwicklung generell stark von
der Wanderungsbewegung geprägt ist (Zu- oder For tzug von Eltern mit schulpflichtigen Kindern),
muss in allen drei Varianten bis 2020 mit teilweise stark steigenden Schülerzahlen gerechnet
werden. Insbesondere die Entwicklung der Kinderzahl in dieser Altersgruppe muss in den kom-
menden Jahren per statistischem Monitoring genau beobachtet werden, um zu einer verlässlichen
Schulentwicklungsplanung beitragen zu können. Generell jedoch ist festzuhalten, dass bezüglich
der räumlichen Kapazitäten in den Schulen durch den Schulträger, die Wissenschaftsstadt Darm-
stadt, als auch für die Lehrerzuweisung per Schulentwicklungsplanung, wofür das Hessische Kul-
tusministerium zuständig ist, auf diese absehbaren Zuwächse per Planung reagiert werden muss.
9.6.4 Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre
Die Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe von 15 bis unter 20 Jahre ergibt ebenfalls in
allen drei Varianten eine Steigerung der Bevö lkerungszahl. Hierbei spielt die Wanderungsbewe-
gung keine so bedeutsame Rolle mehr, da in dieser Altersgruppe (bzw. bei den Eltern) die Zu-
bzw. Fortzüge nicht so dominierend sind.
Tabelle 27 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor Jahr
+ 250 + 500 + 750
2011 6.403 6.403 6.403
2015 6.510 6.542 6.574
2020 6.616 6.676 6.737
2025 6.915 7.014 7.112
2030 7.150 7.317 7.483
10.000
11.000
12.000
13.000
14.000
2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029
5.500
6.000
6.500
7.000
7.500
8.000
2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
73
Die Veränderungen beruhen hauptsächlich auf dem Nachrücken der unt erschiedlich starken
Geburtsjahrgänge. So wird die Anzahl der Jugendlichen in der Altersgruppe 15 bis unter 20 Jahre
von derzeit 6.403 in 2011 voraussichtlich um 500 bis 750 Personen bis 2025 steigen. Bis 2030
werden in der ersten Variante 7.150, in der zweiten Variante 7.317 und in der dritten 7.483 Ju-
gendliche errechnet. Diese Daten sind für die weitere Berufsschulplanung wichtig, aber auch für
die Zahl der Ausbildungsplätze in Darmstadt.
9.6.5 Altersgruppe 20 bis unter 40 Jahre
Eine große Dynamik weist die Entwicklung der Be völkerung in der Altersgruppe von 20 bis unter
40 Jahre auf: Hier ist in den Varianten 1 und 2 mit einem Zuwachs bis etwa 2020 zu rechnen,
dann mit einem Rückgang der Bevölkerungszahl, in Variante 3 mit einem Zuwachs, der erst gegen
2025 seinen Höhepunkt erreicht und dann fällt. In der mittleren Variante 2 wird die Bevölkerungs-
zahl bis 2020 um fast 2.000 Personen von 47.157 auf 49.065 anwachsen und bis 2030 um etwa
1.000 Personen auf 46.375 zurückgehen; damit lieg t in der mittleren Variante die Zahl von 2030
unter der von 2011. In Variante 3 wird diese Al tersgruppe um mehr als 3.000 Personen anwach-
sen, um dann auf 48.749 Personen zurückzugehen. Nur in der Variante 3 wird die Zahl am Ende
des Betrachtungszeitraums im Jahr 2030 höher liegen als in 2011: Durch einen starken Zuzug
von Personen dieser Altersgruppe (blaue obere Li nie) könnte ein Rückgang in dieser auch quanti-
tativ bedeutenden Gruppe bis zum Jahr 2030 abge mildert werden. Es ist für die Wissenschafts-
stadt Darmstadt von großer Bedeutung, gerade diese – in der Regel mi t hohen Anteilen berufs-
tätige – Altersgruppe in Darmstadt zu halten, da sich fallende Zahlen in dieser Altersklasse nega-
tiv in vielerlei Aspekten bemerkbar machen würd en. Eine bedeutende Anzahl junger Menschen,
die in diese Altersgruppe fallen, sind Studierende – dies bedeutet, dass sinkende Studierenden-
zahlen sich demografisch sofort in dieser Alte rsgruppe bemerkbar machen. Dies ist generell der
bundesdeutsche Trend: durch die Veränderung de r Altersstruktur der Bevölkerung insgesamt –
wie bereits vorgestellt – wird auch die Studierendenzahl bundesweit sinken, was jedoch sehr
unterschiedliche und relativ schwer prognostizier bare Auswirkungen auf einzelne Studienorte
haben wird (Studiengebühren, Kapazitäten, Studienpräferenzen etc.).
Tabelle 28 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 20 bis unter 40 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor Jahr
+ 250 + 500 + 750
2011 47.157 47.157 47.157
2015 47.551 48.218 48.884
2020 47.641 49.065 50.489
2025 46.572 48.590 50.608
2030 44.002 46.375 48.749
Die enormen Zukunftspotenziale der Wissenschaftsstadt im Be reich Ausbildung, Studium und
Arbeitsplätze können dazu führen, dass junge Leute auch weiterhin in hohem Maße zuziehen und
sich hier niederlassen. Offenkundig ist, dass nur durch eine Kombination familienpolitischer Maß-
nahmen, interessanter Wohnangebote für diese Al tersgruppe und attraktiver Arbeitsplätze ein
Rückgang vermieden oder abgemildert werden ka nn. Für diese Altersgruppe ist deshalb die wei-
tere Arbeitsmarktentwicklung in Darmstadt und FrankfurtRheinMain von fast entscheidender Be-
deutung für Gewinn oder Verlust an Einwohnerinnen und Einwohnern. Gerade die Zahl der jungen
42.000
44.000
46.000
48.000
50.000
52.000
54.000
2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
74
Statistische Mitteilungen 1|2012
Studierenden ist für die zahlenmäßige Entwicklun g der Personen zwischen 20 und 40 Jahren von
großer Bedeutung. Das demografische Monitoring wird deshalb in Zukunft die quantitative Ent-
wicklung dieser Altersgruppe besonders beobachten.
9.6.6 Altersgruppe 40 bis unter 60 Jahre
Ganz anders stellt sich die Entwicklung der Be völkerung in der Altersgruppe von 40 bis unter
60 Jahre in Zukunft dar: Bei allen drei Varianten wird die Zahl der Bevölkerung dieser Altersgrup-
pe in 2025 leicht unter der von 2011 liegen, danach st eigt die Zahl der Personen in dieser Alters-
gruppe teilweise rasant an. Aus der bereits vorgestellten Alterspyramide ist ersichtlich, dass es
sich hierbei um die Altersgruppen mit den am st ärksten besetzten Jahrgängen handelt. Etwa bis
2015 wird diese Altersgruppe auf jeden Fall noch ko nstant bleiben, erst danach wird sich – je
nach Variante – die Anzahl der Personen bis etwa 2025 in allen drei Varianten leicht vermindern.
Tabelle 29 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 40 bis unter 60 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor Jahr
+ 250 + 500 + 750
2011 40.713 40.713 40.713
2015 40.400 40.569 40.738
2020 39.250 39.717 40.184
2025 38.222 39.134 40.047
2030 39.389 40.960 42.531
So wird voraussichtlich diese Altersgruppe in Variante 1 – nach kurzer Stabilitätsphase – von
40.713 auf 39.389 Personen in 2030 zurückgehen; dies sind etwa 1.500 Personen weniger als
zum Stand von 2011. In Variante 2 ist ebenfalls eine stabile Phase bis etwa 2015 absehbar, um
dann bis 2025 ebenfalls um etwa 1.600 Personen abzusinken, um innerhalb der nächsten 5 Jahre
bis 2030 um 1.800 Personen wieder anzuwachsen. Bei Variante 3 wird bei ähnlichem Verhalten,
nämlich einem vorübergehenden Absinken bis 2025 dann in 2030 der Stand von 2011 wieder um
1.800 Personen überschritten.
9.6.7 Altersgruppe 60 bis unter 70 Jahre
Die weitere Entwicklung der Bevö lkerung in der Altersgruppe vo n 60 bis unter 70 Jahre verläuft
dynamisch: Nach anfänglicher stabiler Phase bis etwa 2014 wird in allen drei Varianten bis 2030
– mit geringfügigen Unterschieden – die Bevölkerungszahl von 2011 sehr deutlich überschritten.
Insbesondere ab dem Jahr 2014 ist das Anwachsen dieser Altersgruppe erkennbar. Offensichtlich
ist, dass hierbei die Wa nderungsbewegung praktisch keine Rolle mehr spielt, da sich alle drei Va-
rianten mit nur unwesentlichen Unterschieden glei ch entwickeln: Die Tendenz weist in Richtung
deutliche Zunahme dieser Altersgruppe nach 2014.
Anders als in den bisher dargestellten Entwic klungen, die besonders durch die Wanderungsbe-
wegung geprägt waren, entwickelt sich diese Alte rsgruppe durch ihre stark besetzten Jahrgänge.
Die geburtenstarken Jahrgänge schieben sich in den folgenden Jahren nach und nach in diese
Altersgruppe und werden verstärkt ins Rentenalter eintreten.
35.000
37.500
40.000
42.500
45.000
2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029
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75
Tabelle 30 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 60 bis unter 70 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor
Jahr
+ 250 + 500 + 750
2011 14.355 14.355 14.355
2015 14.660 14.683 14.706
2020 15.769 15.831 15.892
2025 17.996 18.116 18.236
2030 18.727 18.935 19.142
9.6.8 Altersgruppe 70 bis unter 80 Jahre
Bei der Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe von 70 bis unter 80 Jahre wird es zuerst
zu einem deutlichen Anstieg bis zum Jahr 2013 kommen, erst dann wird die Zahl der Personen in
dieser Altersklasse fallen und sich auf etwas niedrigerem Niveau stabilisieren, um nach 2023 wie-
der anzuwachsen. Dennoch muss mit einer Zunahme um circa 900 bis 1.000 Personen gegenüber
dem heutigen Stand bis zum Jahr 2030 gerechnet werden.
Bei allen drei Varianten ist mit einer voraussichtlichen Einwohnerzahl von 13.000 Personen im
Alter von 70 bis unter 80 Jahren für das Jahr 2030 zu rechnen. Die Verteilung Frauen zu Männern
wird, wie bereits in Kapitel 7.3 dargelegt, voraussichtlich leicht unterschiedlich aussehen.
Wie auch aus der Grafik ersichtlich, ist das Wa nderungsverhalten dieser Altersgruppe ebenfalls
nicht sehr stark ausgeprägt, da sich in allen drei Varianten sehr ähnliche Muster der weiteren Ent-
wicklung abbilden. Auslöser für den Anstieg ist in erster Linie wiederum das „Nachrücken“ der ge-
burtenstarken Jahrgänge (siehe Alterspyramide), die dann auch die weitere Entwicklung dieser
Altersklasse nach 2025 prägen werden.
Tabelle 31 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 70 bis unter 80 Jahre
Jährlicher
Wanderungsfaktor Jahr
+ 250 + 500 + 750
2011 12.081 12.081 12.081
2015 12.314 12.325 12.336
2020 11.792 11.819 11.847
2025 11.951 12.002 12.053
2030 12.910 12.994 13.077
12.000
14.000
16.000
18.000
20.000
2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029
11.000
11.500
12.000
12.500
13.000
13.500
14.000
2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029
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76
Statistische Mitteilungen 1|2012
9.6.9 Altersgruppe 80 Jahre und älter
Die Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgr uppe von 80 Jahren und älter zeigt im unter-
suchten Zeitraum bis 2015 noch nicht die dramatis chen Änderungen, wie sie derzeit teilweise die
öffentliche Diskussion bestimmen. Hierbei spielt die Wanderungsbewegung praktisch keine Rolle
mehr, die Stärke der jeweiligen Jahrgänge dominiert das Bild der weiteren Entwicklung. Unmittel-
bar kommen in den auf 2011 folgenden Jahren die Kriegsjahrgänge zum Tragen. Wie bereits in
Kapitel 7 Veränderungen der Altersstrukturen dargelegt, sind die Geburtsjahrgänge der 30er
Jahre durch Kriegstote und die der 40er Jahre durch mangelnde Geburten nicht so stark besetzt.
Tabelle 32 Entwicklung der Bevölkerung in der Altersgruppe 80 Jahre und älter
Jährlicher
Wanderungsfaktor Jahr
+ 250 + 500 + 750
2011 7.552 7.552 7.552
2015 7.448 7.459 7.470
2020 8.422 8.444 8.467
2025 8.472 8.505 8.538
2030 8.558 8.603 8.648
Bis circa 2013 geht die Anzahl der Personen geringfügig zurück, um dann bis 2023 wieder anzu-
wachsen und das Niveau von 2011 deutlich zu übersc hreiten. Es ist jedoch weiterhin mit einem
Ansteigen der Zahl der Hochbetagten zu rechnen, nicht zuletzt, weil durch starke Jahrgänge, eine
bessere Gesundheitsvorsorge und ein weiteres Ansteigen der Lebenserwartung diese Gruppe
zahlenmäßig anwachsen wird. Insbesondere für die weitere Planung der städtischen Maßnahmen
ist die Entwicklung der Bevölker ung in den Altersgruppen ab 70 Jahre und älter von besonderer
Bedeutung, so z.B. bei der Fortschreibung des städtischen Altenhilfeplans.
9.7 Aussagekraft des vorgestellten demografischen Modells
Die enorme Aussagefähigkeit der hier vorgestellt en Bevölkerungsvorausberechnung ist erst durch
die differenzierte Darstellung de r Bevölkerungsentwicklung in de n verschiedenen Altersgruppen
deutlich geworden. Selbstverständlich wird sich die weitere Entwicklung der Darmstädter Bevölke-
rung insgesamt und in den Alte rsgruppen in der Wirklichkeit et was anders vollziehen, denn für
eine exakte Prognose der tatsächlichen demografischen Entwicklung sind zu viele „Parameter“ un-
bekannt, schwer oder gar nicht voraussagbar. In sbesondere das Wanderungsverhalten ist – wie
aus den Varianten der dargestellten unterschiedlichen Entwicklung der Altersgruppen erkennbar –
für die weitere Zukunft von erheblicher Bedeutung.
Um die Aussagefähigkeit und Güte des vorgestellten Modells abzuschätzen, ist der Vergleich mit
vorliegenden anderen Bevölkerungsvorausberechnungen unabdingbar . Im Überblick sind in der
Tabelle 33 die beiden wichtigen anderen Bevölkerungsvorausberechnungen mit Bezug zu Darm-
stadt, die des Hessischen Statistischen Landesamtes und der HessenAgentur, zusammengestellt.
7.000
7.500
8.000
8.500
9.000
9.500
2011 2013 2015 2017 2019 2021 2023 2025 2027 2029
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
77
9.8 Ergebnisse weiterer Bevölkerungsprognosen
HessenAgentur und Hessisches Statistisches Landesamt
Im Vergleich der Darmstädter stadteigenen Bevölkerungsvorausberechnung mit Berechnungen an-
derer Institute zeigt sich, dass die verschiedenen Ansätze und Szenarien bis 2030 recht unter-
schiedliche Werte ergeben.
Tabelle 33 Bevölkerungsvorausberechnung fü r die Wissenschaftsstadt Darmstadt bis 2030
Berechnung durch … 2015 2020 2025 2030
Wissenschaftsstadt Darmstadt, Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung | Statistik und Stadtforschung
Varianten mit einem jährlichen Wanderungsfaktor von …
Variante 1 mit + 250 149.127 150.469 151.438 151.838
Variante 2 mit + 500 150.152 152.905 155.337 157.288
Variante 3 mit + 750 151.177 155.314 159.236 162.738
Hessisches Statistisches Landesamt 143.317 144.103 143.317
HessenAgentur 146.000 149.000 151.000 153.000
Das Hessische Statistische Landesamt (HSL) ni mmt als Grundlage der Berechnung den Bevölke-
rungsbestand der hessischen kreisfreien Städte und Kreise zum 31.12.2008, die bundesweit ab-
gestimmte Entwicklung der Geburt en und Sterbefälle sowie die Zu- und Fortzüge auf Landes-
ebene. Die Weiterberechnung der Bevölkerungsen twicklung erfolgt dann entsprechend der Kom-
ponentenmethode für alle Kreise und kreisfreien Städte in Hess en mit den bundesweit koordi-
nierten Datengrundlagen. Das HSL berechnet seine Prognose von 2010 mit einer recht niedrigen
Zuwanderung ins Land Hessen (untere Wanderungsvariante der Bundesstatistik).
Nach der vom HSL eingeschätzten Entwicklung liegt die Bevölkerungszahl Darmstadts in 2015 bei
143.317 Personen; die städtische Berechnung er gibt für 2015 eine Einwohnerzahl von 150.152
Personen bei einem angenommen en Wanderungsplus von 500 Personen pro Jahr (siehe Vari-
ante 2). Auffällig ist, dass sich die beiden Ergebnisse, die Variante der Wissenschaftsstadt und die
des Hessischen Statistischen Landesamtes30, sehr deutlich unterscheiden. Die Einwohnerzahl, die
das Hessische Statistische Landesamt für Darmst adt im Jahr 2015 errechnet, wurde bereits im
Jahr 2010 erreicht; in 2011 liegt die Einwohnerzahl bereits bei fast 148.000 Personen. Die
Gründe, warum die Bevölkerungsvorausberechnung des Hessischen Statistischen Landesamtes so
deutlich von der realen Entwicklung und in der Prognose von der st ädtischen Berechnung
abweicht, sind verständlich, wenn man die methodischen Grundlagen berücksichtigt:
• der deutliche „Trend zurück in die Stadt“, der in Hessen insbesondere für die beiden
Großstädte Frankfurt a. M. und Darmstadt gilt, wurde aufgrund der bundesweiten
„Vorgaben“ durch das Statistische Bundesamt nicht richtig abgebildet. Zudem hat dieser
Trend erst ab ca. 2004/2005 stark eingesetzt, konnte sich in den Daten der
Wanderungsbewegung bei der Trendrechnung durch den kurzen Betrachtungszeitraum
nicht richtig „entfalten“
• die wachsende Zahl der Studierenden, die in die beiden Großstädte Frankfurt a. M. und
Darmstadt – vor allem aus dem Bundesgebiet – zugezogen sind, wurde offensichtlich
methodisch nicht ausreichend berücksichtigt, weder bei der bundesdeutschen
Berechnung noch bei der innerhessischen Berechnung der Wanderungsbewegung
30 Hessisches Statistisches Landesamt, Bevölkerung in Hessen 2060. Ergebnisse der regionalisierten
Bevölkerungsvorausberechnung bis 2030 auf der Basis 31.12.2008, Wiesbaden 2010
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
78
Statistische Mitteilungen 1|2012
• die starke Abwanderung aus Nord- und Osthessen in die südhessischen Großstädte, ins-
besondere durch junge Leute wegen der Studienmöglichkeiten und der besseren
Ausbildungs- und Arbeitsmarktsituation, konnte ebenfalls im Modell nicht berücksichtigt
werden.
• die Einführung der Zweitwohnungssteuer in Darmstadt führte zu einer Statusänderung
bei den Personen, die ihren Nebenwohnsitz in einen Hauptwohnsitz umwandelten und
damit zu der enormen Zahl an Hauptwohnungszuwächsen im Jahr 2011 beitrugen.
Diese Aspekte werden im derzeit neuesten Gutachten der HessenAgentur explizit als methodische
Schwierigkeit der Prognoserechnung aufgeführt: „So haben sich beispielsweise die bereits in der
Vorgängerstudie aus dem Jahr 2007 zu beobacht enden Veränderungen im Stadt-Umland-Wande-
rungsmuster zu Gunsten der Städte sowie eine insgesamt stärkere Konzentration der Wande-
rungsgewinne auf den Regierungsbezirk Darmstadt weiter fortgesetzt und sogar noch verstärkt.“31
Der Autor der Studie der HessenAgentur, Uwe van de n Busch, führt ferner aus: „Kapitel 1 gibt zu-
nächst einen Rückblick auf die demografische Entwicklung in den hessischen Kreisen in den ver-
gangenen Jahren seit 2000. Hier werden die spez ifischen regionalen Muster herausgearbeitet, die
auch die zukünftige Entwicklung beeinflussen werden.“ Methodisch werden bei der HessenAgen-
tur-Studie die regionalen Abweichungen in der hessischen Bevölkerungsentwicklung gesondert be-
rücksichtigt: dies trägt – wie im Folgenden zu sehen sein wird – zu einer realistischeren Be-
rechnung der Bevölkerungsentwicklung bei.
Der methodisch andere Ansatz de r HessenAgentur in ihrer aktuellen Analyse für die vorgenom-
mene „Bevölkerungsvorausschätzung für die hessis chen Landkreise und kreisfreien Städte“ bis
zum Jahr 2030 bzw. bis 2050 wird in Kapitel 1 de r Publikation erläutert und zur Trendfortschrei-
bung der hessischen Bevölkerungsentwicklung bis 2050 genutzt. Die Ergebnisse der Berechnun-
gen der HessenAgentur sind zum Vergleich ebenfalls in Tabelle 33 wiedergegeben.
Beim Vergleich der Ergebnisse zeigt sich, dass die Ergebnisse der Bevölkerungsvorausberechnung
der HessenAgentur für 2015 unter der Standardvari ante der Wissenschaftsstadt liegt: die städ-
tische Prognose liegt für 2015 bei 150.152 Einwohnern, die HessenAgentur bei 146.000 Ein-
wohnern. Dieser Wert wurde von der Wissenschaftsstadt Darmstadt jedoch bereits im Sommer
2011 überschritten. Interessanterweise nähern sich beide Vorausberechnungen für das Jahr 2020
und für 2030 etwas mehr an: so liegt der städti sche Wert bei 152.905 (Variante 2) und der der
HessenAgentur bei 149.000 für das Jahr 2020, für 2030 bei 155.337 (Variante 2) und 151.000
(HessenAgentur).
Dies ist verständlich, da die Datengrundlage der HessenAgentur die Daten von 2009 zugrunde
legt und das Berechnungsverfahren methodisch „nur“ die letzten Jahre der Wanderungsbewegung
bis 2009 auswerten kann; wegen der besonders posi tiven Zuwanderungsstatistik in die Stadt in
den letzten Jahren ergeben sich für das städtische Modell – aufgrund neuerer Datengrundlagen –
höhere und realistischere Einwohnerzahlen.
Festzuhalten bleibt, dass die Studie der HessenAgentur von den Trends her die weitere Entwick-
lung der Bevölkerungszahl in Darmstadt exakt so beschreibt, wie es die städtische Prognose mit
aktuelleren Daten ebenfalls festgestellt hat: „G enerell ist festzustellen, dass die in den 90er
Jahren noch zu beobachtenden Stadt- / Umlandwanderungen für die unmittelbar zurückliegenden
Jahre in dieser Stärke nicht mehr charakteristisch sind.“ Der Autor führt weiter aus: „Das geän-
derte Stadt-Umland-Wanderungsmuster sowie di e stärker auf den Regierungsbezirk Darmstadt
konzentrierten Wanderungsgewinne stellen die we sentlichen Veränderungen der hier vorliegenden
31 Uwe van den Busch, Bevölkerungsvorausschätzung für die hessischen Landkreise und kreisfreien Städte. Eine Projektion
für den Zeitraum von 2010 bis 2030 und eine Trendfortschreibung bis 2050, HessenAgentur GmbH, Report Nr. 792,
Wiesbaden 2010, S. 1 ff
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
79
Bevölkerungsvorausberechnung im Vergleich zu de n beiden Vorgängerstudien dar…Den höchsten
Bevölkerungszuwachs wird in dieser Zeit die Stadt Darmstadt mit 6,5 % haben, gefolgt vom Main-
Taunus-Kreis (+5%) und den Städten Frankfurt (+ 5%), Offenbach (+4%) und Wiesbaden (+ 3%).“
„Relativ hohe Anteile an junger Bevölkerung werden neben der Stadt Offenbach langfristig auch
die Städte Darmstadt, Frankfur t und Wiesbaden sowie die Landkreise Main-Taunus, Hochtaunus
und Groß-Gerau haben…“ – diese Schlussfolger ungen decken sich mit den analytischen Fol-
gerungen aus der Bevölkerungsvorausberechnung der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
9.9 Demografisches Monitoring
Für die weitere Stadtentwicklung und Stadtp lanung ist die intensiv e Beobachtung der Be-
völkerungsentwicklung insgesamt, sowie nach ei nzelnen Altersgruppen für die nächsten Jahre
dringend geboten. Dazu gehören unter anderem folgende Untersuchungsbereiche:
• Die Zahl der Kinder bis 3 Jahre ist von entscheidender Bedeutung für das städtische
Krippenangebot und andere Familieneinrichtungen
• Die Zahlen der Schulkinder sind von großer Bedeutung für die weitere
Schulentwicklungsplanung, die Schulbausanierung und z.B. die Mittagessensversorgung
der Schulkinder angesichts neuer Schulkonzepte
• Die Zahl der älteren Kinder und jungen Erwachsenen ist für die Berufsschul- und
Ausbildungssngebote notwendig
• Die steigende Zahl der jungen Erwachsenen sucht eigenen Wohnraum, Studien- und
Arbeitsplätze, nutzt aber auch Freizeitmöglichkeiten, Sportstätten u.v.m.
• Die Zahl der Erwerbstätigen für den Arbeitsmarkt und der mögliche, prognostizierte
Fachkräftemangel muss weiter beobachtet werden
• Die Seniorenpolitik muss sich auf städtische Prognosen verlassen können.
Dies ist nur eine Auswahl der Entwicklungstrends, die durch ein Monitoring zur demografischen
Stadtentwicklung beobachtet werden und in die weitere Stadtentwicklung und Stadtplanung einge-
hen können. Die Potenziale der Stadtentwicklung im Bereich der durch de n Abzug der amerika-
nischen Truppen freiwerdenden Flächen müssen in den kommenden Jahren für den Stadtteil süd-
liches Bessungen ebenfalls durch ein ausgefeiltes Monitoring begleitet werden.
Deshalb wäre auch eine räumlich höhere Auflösung, z.B. nach Stadtteilen oder Statistischen Be-
zirken von Interesse; dazu liegen der Städtestat istik teils langjährige Erfahrungen aus anderen
Städten vor. Problematisch ist bei der kleinräu migen Bevölkerungsvorausberechnung aber die je-
weilige Umsetzung der Stadtplanung: Wird ein vorg esehenes Baugebiet nicht erschlossen und be-
baut wie geplant, ist die kleinräumige Vorausbe rechnung der Bevölkerungs entwicklung hinfällig.
Beste Beispiele für solch möglic herweise problematische kleinräumige Vorausberechnungen sind
die Auswirkungen der Flughafenplanung für Darm stadts nördliche Stadtteile Wixhausen und Ar-
heilgen oder die kurzfristig schnell durchgeführ te Errichtung von Studentenwohnheimen. Diese
Entwicklungen können per Monitoring begleitet, jedoch nur schwer prognostiziert werden.
Darmstadt ist jedoch keine Insel: Die demografis chen Trends bezüglich der weiteren Entwicklung
zwischen Darmstadt und dem Landkreis Darmstad t-Dieburg aus z.B. schulpolitischer und ver-
kehrspolitischer Sichtweise sind von großer Bedeutung für eine nachhaltige Strukturentwicklung
im Agglomerationsraum Darmstadt/Darmstadt-Dieburg (vgl. Kapitel 2) und in der Metropolregion
FrankfurtRheinMain. Das moderne demografische Monitoring für die Wissenschaftsstadt wird
deshalb auch die Entwicklung in den Nachbarkre isen und in der Region beobachten und diese
Trends berücksichtigen.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
80
Statistische Mitteilungen 1|2012
10 Zusammenfassung und Ausblick
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist südlic hes Oberzentrum der Metropolregion Frank-
furtRheinMain. Ihr politisches Handeln auf verschiedenen Feldern, zunächst vorrangig in der Wirt-
schafts-, Umwelt- und Kulturpolitik, ist selbstvers tändlich lokal, aber eben auch regional ausge-
richtet. Internationale Sichtbarkeit und Vermar ktung einerseits sowie Lösung von Verflechtungs-
problemstellungen andererseits sind nur über ei ne räumlich doppelt ausgerichtete Strategie zu
verwirklichen. Eine aktive Regionalpolitik, die mitgestaltet, ist integraler Bestandteil städtischen
Handelns im polyzentrischen Verd ichtungsraum. Nicht nur die Ener giewende seit Fukushima, die
zunehmende Wahrnehmung der globalen Klimaveränderung mit regionalen Auswirkungen und die
symbolhaften Auseinandersetzung en um den Bau des Stuttgarte r Hauptbahnhofes erzwingen
geradezu, politisch „über den Tellerrand“ hinaus zu denken und zu handeln.
Die Chancen der Wissenschaftsstadt innerhalb der Metropolregion FrankfurtRheinMain sind in vie-
len Bereichen exzellent. Darmstadt bringt als hochtechnologi egeprägter Wirtschafts- und ausge-
wiesener Wissenschaftsstandort das wichtigste „Produktionsmittel“ moderner Ökonomien in das
regionale Vermarktungskonzert ein – nämlich Wi ssen, Knowhow, Forschungs- und Entwicklungs-
kompetenz. Garant dieses modernen Standortvorteils sind zahlreiche hochqualifizierte Mitarbeiter
in vielen Bereichen und Unternehmen der Stadt, Frauen wie Männer, Alte und Junge. Die dadurch
vorhandene Standortattraktivität befördert neue Trends des Lebens und Arbeitens in der Groß-
stadt, die sich in demografischer Hinsicht immer deutlicher bemerkbar machen.
Kapitel 2 hat herausgearbeitet, dass der Trend "Zur ück in die Stadt" zwar ein junges Phänomen
ist, welches eine starke regionale Differenzierung aufweist. Sein empirischer Nachweis spätestens
ab etwa 2004 ist jedoch bereits valide möglich. Suburbanisierungsprozesse verlangsamen sich
demnach entweder oder werden sogar umgedreht. Im Vorteil ist dabei neben den "großen Groß-
städten" jenseits der 500 000 Einwohner-Marke vor allem der Stadttypus der kleinen bis mittleren,
wissens- und technologieorientier ten Großstadt, für den die Wissenschaftsstadt Darmstadt eines
der Referenzbeispiele ist. Diese Renaissance des europäischen Stadtmodells geht einher mit
einem tiefgreifenden gesellschaftlichem Strukt ur- und Wertewandel, de ssen prägnanteste Aus-
prägungen zum Beispiel die Auflösung des tradierten Familienbegriffs oder die aktuellen Suche
nach einer neuen bürgerschaftlichen Beteiligungskultur sind. Die Metropolregion als Ganzes wie-
derum ist absehbar ein Gewinner des demografischen Wandels in Deutschland und zählt interna-
tional zu den wenigen europäischen Standorten , denen (zumindest in Teilbereichen) Weltbe-
deutung zugerechnet wird. FrankfurtRheinMain ist im wörtlichen und übertragenen Sinn ein
Alphastandort.
Die Beobachtung der Veränderungen in den urbanen und suburbanen Räumen, wie in den vorher-
gehenden Kapiteln vorgestellt, führt zu klaren Konsequenzen für eine neue Strategie der Stadtent-
wicklung, auch in demografischer Sichtweise. Eine gute Abschätzung der weiteren demogra-
fischen Entwicklung Darmstadts ist deshalb für viele Planungsbereiche von großer Bedeutung, die
wichtigen Grunddaten dazu wurden in Kapitel 9 vorgestellt.
Viele städtische Planungen im Bereich Kindergärten und Horte, Schulen, Infrastruktur wie Straßen
und Verkehrswege, Ver- und Entsorgung, Jugendze ntren und Altentreffs si nd in hohem Maße von
guten Vorausberechnungen abhängig, aber auch weitere Bereiche wie die Wohnungswirtschaft
können bei guter Vorausschau Fehlinvestitionen und Fehlallokationen vermeiden. Durch voraus-
schauendes Handeln städtischer Akteure können in gewissem Maße demografische Trends beein-
flusst, durch eine aktive Bürgerbeteiligung be i anstehenden Planungsentscheidungen kann eine
hohe Legitimation politischer Entscheidungen herbeigeführt werden.
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
81
Zugleich deutet sich bereits heute an, dass de r demografische Wandel immobilienwirtschaftlich
eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ werden kö nnte. Auch die Metropolregion FrankfurtRhein-
Main erlebt u.U. recht kleinräu mig eine Fragmentierung in gesu chte und abseitig liegende Wohn-
und Gewerbestandorte.
Der Zukunft des Wohnens, d.h. der Wohnformen und der Bedarfsgruppen, muss deshalb ein be-
sonderes Augenmerk gelten. Detailanalysen sind unverzichtbar. Kapitel 4 leistet dies für die räum-
lichen Stadtentwicklungspotenziale Darmstadts. I nnenentwicklung ist in der Wissenschaftsstadt
nicht nur zwingend räumlich vorgegeben, sondern es ist ein nachhaltiges Planungsparadigma. Der
sorgsame, gut vorbereitete Umgang mit den Konversionsflächen ist dabei zentral. Entscheidend
für die Erreichung der Ziele der b undesdeutschen Energiewende ist jedoch die Entwicklung in der
Stadt: moderne, energiesparende Technologien bei Neubauten und eine konsequente Strategie
der sanften Modernisierung älterer Gebäude in de n gewachsenen Stadtquartieren, die Bürger und
Mieter beteiligt und die sozialen Aspekte einer differenzierten Stadtgesellschaft nicht vergisst.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht ausreichend, eine lokale Strategie zum demografischen Wan-
del für die Wissenschaftsstadt alleine zu erarbeiten, ohne die Eingebundenheit demografischer
Veränderungen in die weitere Entwicklung von Wi rtschaft, Kultur und der Zivilgesellschaft in
FrankfurtRheinMain zu berücksichtigen. Die regionale Entwicklung in Südhessen wurde insbeson-
dere in den Kapiteln 2 und 3 dargestellt; die intensive Wechselwirkung mit der regionalen Entwick-
lung zeigt sich in der fortlaufenden Beobachtung der Wanderungsbewegung zwischen Darmstadt
und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg im letzten Jahrzehnt (siehe Kapitel 6).
Der „Trend zurück in die Stadt“ ist für Darmstadt keine rhetorische oder wissenschaftliche Frage
mehr, sondern Ausdruck realer Ve ränderungen im suburbanen Gürtel um die Stadt: Drastisch er-
höhte Mobilitätskosten und das Bedürfnis nach guter und ggf. exzellenter Schulbildung für die
eigenen Kinder führt zu einer Wa nderungsbewegung in die Stadt. Auch der Zugewinn an Lebens-
qualität und „freier Zeit“ dank verringerter Arbeitswege schlägt in eine positive Orientierung zu-
gunsten des urbanen, städtischen Raums um.
Nur durch gezielte, altersspezifische Angebote kann städtische Politik auf demografische Entwick-
lungen Einfluss nehmen. Dazu gehören gezielte familienpolitische Maßnahmen und Angebote für
eine kinderfreundliche Stadt wie z.B. die weitere Verbesserung der Kinderbetreuung für berufs-
tätige Eltern durch ganztägige Kindergarten- und Hortangebote sowie flexible und schnelle Hilfs-
angebote bei familiären Problemlagen durch sozi ale Netzwerke („Familien willkommen“ u.a.). Für
die Altersgruppen der Kinder bis 3 Jahre und der Altersgruppe 3 bis unter 6 Jahre wurde gezeigt,
dass bis 2030 mit einer Zunahme der Kinderzahlen unter 6 Jahren zu rec hnen ist. Stabilisierung
des vorhandenen Angebots, Erweiterung des Zeit budgets der Öffnungszeiten und weitere qualita-
tive Verbesserungen der Angebo te im Kindergarten- und Hortbereich sind hier Möglichkeiten
städtischer Politik.
Der teilweise starke Anstieg der Zahlen der Schülerinnen und Schüler erfordert auf mehreren Ebe-
nen moderne Ansätze städtischer Politik: Ausbau vorhandener Schulen, eine Erweiterung der Öff-
nungszeiten der Schulen mit Mittagessens- und Frei zeitangeboten und besse re Integration schu-
lischer und gesellschaftlicher Aufgaben im Stadtteil sind gefordert. Gerade der zunehmende Anteil
von Schulkindern mit Migrationshintergrund – nicht nur in den Stadtteilen Kranichstein und Eber-
stadt – erfordert auch hier ein „Denken und Handeln über den Tellerrand“ hinaus.
Bislang erstreckte sich in vielen Städten Deut schlands die Anforderung an demografische Stadt-
entwicklung auf die Bereitstellung von günstigem Wohnraum und Baugrund für junge Paare und
Familien. Durch die Veränderung moderner Arbeit sstrukturen, durch Arbeitszeitflexibilisierung
Demografiebericht 2012 | Perspektiven für Darmstadt
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Statistische Mitteilungen 1|2012
und die schnelle Wiedereingliederung junger Mü tter ins Berufsleben sind die Anforderungen an
Stadtpolitik jedoch größer geworden, junge Familien zu unterstützen.
An der steigenden, sich stabilisierenden oder falle nden Zahl der Berufstätigen wird sich auch die
demografische Zukunft Darmstadts mit entscheide n: Ein Halten der gegenwärtig hohen Zahl an
Erwerbstätigen wäre ein sehr großer Erfolg moderner Stadtpolitik. Nach den Hochrechnungen zur
weiteren Bevölkerungsentwicklung in Kapitel 9 wird die Zahl der potentiell erwerbsfähigen Bevöl-
kerung in Darmstadt bis zum Jahr 2020 relativ stabil bleiben; dies bedeutet jedoch erhebliche An-
strengungen von verschiedenen Akteuren in den Bereichen Arbeitsmarkt, Wirtschaftspolitik, Bil-
dungs- und Forschungseinrichtungen sowie Infras truktur in Darmstadt, die Wissenschaftsstadt
weiterhin so attraktiv wie möglich zu gestalten, um die hohe Attraktivität – nicht nur für junge
Fachkräfte – aufrecht zu erhalten. Eine große Be deutung für die künftige Einwohnerzahl hat auch
die weitere Entwicklung des Arbeitsmarktes, die Za hl der Arbeitsplatzangebote sowie die Attrakti-
vität der Technischen Universität und der Hochsc hulen für Studierende aus Deutschland und der
Welt.
Das enorme Anwachsen der Teile der Bevölkerung, die das 60. Lebensjahr überschritten haben,
ist bis 2030 und darüber hinaus deutlich absehbar. Die Anpassung städtischer Infrastruktur an
die Bedürfnisse älterer Menschen muss aus stadtentwicklerischer Sicht innerhalb des nächsten
Jahrzehnts erfolgen, um differenziert auf die Lebenslagen von Seniorinnen und Senioren reagieren
zu können. Durch die Spezialunt ersuchungen zur Lebenssituation älterer Menschen in Arheilgen
und Wixhausen konnten wichtige Ziele städtischer Politik bereits erarbeitet werden: Anpassungen
der Verkehrs- und Einkaufswege durch moderne Ei nzelhandelskonzepte, Seviceleistungen und ge-
sundheitspolitische Maßnahmen können schrittweise die Lebensqualität einer wachsenden Zahl
älterer Mitbürgerinnen und Mitbürger stabilisieren und ggf. verbessern. Die konsequente Fort-
schreibung des städtische n Altenhilfeplans und die Berücksichtigung der wissenschaftlichen Er-
kenntnisse aus den vorliegenden Untersuchungen sind Voraussetzungen für ein würdevolles Leben
im Alter.
Zu den wichtigen Aufgaben des demografischen Monitorings zählt insbesondere die fortgesetzte
Beobachtung der Struktur der Zu- und Fortzüge nach Altersgruppen und Ge schlecht, um die erar-
beiteten Daten auch bei zukünf tigen Berechnungen weiter aktualisieren zu können. Die Bevöl-
kerungsstatistik ist eine der wichtigen Standardau fgaben der Statistik und in Zukunft von noch
größerer Bedeutung. Bei Veränderung der Trends, z.B. bei der Wanderungsbewegung, können die
vorliegenden Varianten der weiteren Bevölkerungsentwicklung aktualisiert, mit der realen Entwick-
lung verglichen und damit in der Vorhersagekraft noch weiter verbessert werden. Viele Effekte
sind auch durch noch bessere Bevölkerungsvor ausberechnungen in ihrer langfristigen Wirkung
kaum voraussehbar, können aber bei einer steten Beobachtung aktueller Trends der Bevöl-
kerungsentwicklung („demografisches Monitoring“) die planeris chen Grundlagen der Stadtent-
wicklung entscheidend verbessern und aktualisieren. Dies gilt z. B. insbesondere für die weitere
Schulentwicklungsplanung in der Wissenschaftsstadt. Der „Informations-Mehrwert“ besteht häufig
nicht mehr in der reinen Übermittlung demografischer oder statistischer Daten, sondern in der ge-
zielten Analyse demografischer Trends für viele Bereiche städtischen Handelns auf Grundlage mo-
derner Software-Werkzeuge, neuer empirischer Methoden und aktueller Statistiken.
Mit den in dieser Veröffentlichung vorgestellten Daten und Analysen zur Wanderungsbewegung,
Altersstruktur, zur Geburtenentwicklung und zur Sterberate der Darmstädter Bevölkerung sind
wesentliche Grundlagen für ein modernes demografisches Monitoring in Darmstadt geschaffen.
Auch in dieser Hinsicht ist die Wissenschaftsstad t Darmstadt als eine der kleineren Großstädte in
Europa auf die demografischen Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte gut vorbereitet.
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Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
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Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
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Herausgeberin | Kontakt
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung
Im Carree 1
64283 Darmstadt
Telefon (0 61 51) 13-32 02
Telefax (0 61 51) 13-34 55
E-Mail statistik @darmstadt.de
Internet www.darmstadt.de
05.2012
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2012/0262
3472 Zeichen
Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 01.08.2012 an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss Amt: Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung Behandlung in öffentl. Sitzung Ja Nein OBW bei abschl. Beschluss- fassung Magistrat Ja Nein Internetfähig Verteiler: Vorlage-Nr. 2012/0262 Magistratsbeschluss-Nr. Produkt-Nr.: 121020 Kostenstelle: 15-004-1000 Investitionsnummer: Kostenträger: 1210-21 Sachkonto: Betreff: Demografiebericht 2012 Vorlage vom: 30.07.2012 Beschlussvorschlag: Der vorliegende „Demografiebericht 2012 – Perspektiven für Darmstadt“, Statistische Mitteilungen 1/2012, wird zur Kenntnis genommen. Anlagen: Demografiebericht 2012 Datenschutzrelevante Anlage: Folgekosten: Ja Nein - 2 - Beschluss des Magistrats vom - 3 - Begründung zur Magistratsvorlage vom 30.07.2012 Nach 2008 legt die Wissenschaftsstadt Darmstadt in 2012 zum zweiten Mal einen Demografiebe- richt vor, der im Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung als übergreifende Studie der Abteilungen Statistik und Stadtforschung sowie Stadt- und Regionalentwicklung erarbeitet wurde. Der Bericht zeigt die Perspektiven für die weitere Bevölkerungsentwicklung auf und stellt viele wich- tige Detailinformationen für die weitere Stadtentwicklung vor. In der Veröffentlichung werden neues- te Erkenntnisse und aktuelle Daten auf der Basis vom 31.12.2011 analysiert. Eine Bevölkerungszahl von über 150.000 Personen ist demnach spätestens Mitte des Jahrzehnts zu erwarten, perspekti- visch sind 157.000 Darmstädterinnen und Darmstädter bis 2030 möglich. Die ersten Themenblöcke der Studie widmen sich dem aktuellen Stand der Stadtentwicklung in Deutschland, beleuchten Trends wie die Reurbanisierung nach Jahrzehnten des Schrumpfens von Kernstädten und ordnen Darmstadt als Idealtyp einer wissensbasierten Großstadt in diesen Kontext ein. Potenzialflächen der konkreten Stadtentwicklung werden identifiziert. Außerdem liegt der Blick der Autorengruppe auf der Zukunft des Wohnens in der RheinMain-Region. Danach folgen tief gehende Analysen der zugrunde liegenden strukturellen Entwicklungen in Darm- stadt, wie dem Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen sowie der Wanderungsbewegung. Zusam- men ergeben diese umfangreichen Datenerhebungen, neuen Auswertungen und Analysen eine aktualisierte Bevölkerungsvorausberechnung, die die realistische Möglichkeit der weiteren Bevölke- rungsentwicklung Darmstadts bis zum Jahr 2030 und ihre Varianten abbildet. Die Ergebnisse wer- den für die verschiedenen Altersgruppen einzeln aufgegliedert. Durch diese Form des demografischen Monitorings wird für die politischen Entscheidungsträger eine solide Aufarbeitung der Szenarien einer zukünftigen Bevölkerungsentwicklung bereitgestellt. Bürgerinnen und Bürger gewinnen durch die Lektüre eine Orientierung über die Perspektiven ihrer Heimatstadt. Vor allem aber erhalten die Fachplaner im Bereich Kinderbetreuung, Schulen, Woh- nungsbau, Verkehr, Altenhilfe etc. eine wichtige Arbeitsgrundlage für die kurz-, mittel- und langfristi- ge bedarfsorientierte Planung. 30.07.2012, 15.3gb, 15kol Jochen Partsch Oberbürgermeister
Beratungsverlauf (4)
Orte (15)
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- Im Carree 1
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2012/0262
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 30.07.2012
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00