1829/2024
Beantwortung einer mündlichen Anfrage von Frau Dichant aus der Sitzung des Wirtschaftsausschusses vom 18.04.2024 betreffend "Weiterführung des Angebots "Plan 27" (1153/2024)
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Beantwortung einer mündl. Anfrage Ausschuss
6757 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
V/53
Vorlagen-Nummer 18.06.2024
1829/2024
Beantwortung einer mündlichen Anfrage aus einer früheren Sitzung
öffentlicher Teil
Gremium Datum
Jugendhilfeausschuss 18.06.2024
Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 05.09.2024
Wirtschaftsausschuss 05.09.2024
Gesundheitsausschuss 10.09.2024
Beantwortung einer mündlichen Anfrage von Frau Dichant aus der Sitzung des
Wirtschaftsausschusses vom 18.04.2024 betreffend "Weiterführung des Angebots
"Plan 27" (1153/2024)"
SE Frau Dichant äußert sich positiv zu der Vorlage 1153/2024 und führt aus, dass es be-
stimmt noch mehr als die in der Vorlage genannten 116 Menschen in Köln gebe, die das An-
gebot in Anspruch nehmen könnten. Sie fragt nach den Gründen für die erschöpften Kapazitä-
ten.
Stellungnahme der Verwaltung:
Die Maßnahme Plan27 war mit 116 Teilnehmenden in einem Zeitraum vom 01.05.2022
bis 31.10.2023 bzw. 152 Teilnehmenden im gesamten Förderzeitraum vom 01.05.2022
bis 30.04.2024 voll ausgelastet. Die oben genannte Anzahl der Teilnehmenden im ver-
gangenen Förderzeitraum entspricht dem Erwartungswert von jährlich 65 bis 75 Teil-
nehmenden in der Maßnahme Plan27.
Begründung:
Das stadtweite Angebot verfügt über personelle Kapazitäten für 2 Vollzeitstellen Sozialarbeit
und 0,3 Vollzeitstelle Verwaltung (entsprechend 2,3 Vollzeitäquivalenten). Den überwiegen-
den Teil der Maßnahme-Förderung von 65 Prozent trägt das Jobcenter (Förderung nach SGB
II §16 h), 35 Prozent werden durch städtische Mittel finanziert. Der jährliche Erwartungswert
liegt bei 65 bis 75 Teilnehmenden. Der Wert basiert auf der Konzeptionierung in fachlicher Ab-
stimmung mit dem MAGS während der Projektförderphase des Europäischen Sozialfonds
2017 bis 2019 und auf der laufendenden Evaluation des Angebots. Er erklärt sich dadurch,
dass die intensiven, häufig über Monate andauernden individuellen Begleitungen einen ent-
sprechend hohen Ressourceneinsatz der sozialarbeiterischen Fachkräfte erfordern:
Als aufsuchendes Angebot bietet Plan27 die individuelle Begleitung und Überleitung in
passgenaue Angebote für psychisch stark belastete junge Menschen unter 27, die
durch andere Angebote für diesen Personenkreis mit „Komm-Struktur“, wie zum Bei-
spiel die jeweils links- und rechtsrheinische Beratungsstellen „Proberaum“, nicht er-
reicht werden. Oftmals handelt es sich hierbei um Personen, die sich von Kontakten
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zurückziehen, da sie diese als konflikthaft erleben oder erlebt haben. Der Aufbau von
Kontakt und die engmaschige Begleitung bilden häufig einen zeitaufwendigen, jedoch
notwendigen Bestandteil des individuellen Hilfeprozesses.
Um eine erfolgreiche Vermittlung in Regelangebote zu ermöglichen werden mit den
Teilnehmenden Selbstorganisation, soziale Kompetenz, Durchhaltevermögen, das
selbständige Wahrnehmen von Terminen durch Plan27 trainiert. Zu Beginn der Maß-
nahme werden jedoch die Teilnehmenden oftmals nicht nur aufgesucht, sondern auch
zu Terminen begleitet.
Die jungen Menschen befinden sich häufig in einer vielschichtigen Bedarfslage und
weisen zusätzliche Probleme in mehreren Lebensbereichen wie Wohnen, Schule/Aus-
bildung/Arbeit, Finanzen, soziale Kontakte auf. So erhält etwa ein Drittel der Teilneh-
menden bei Plan27 Vermittlungen in Angebote aller drei wesentlichen Lebensbereiche
Gesundheit, Wohnen und Schule/Ausbildung/Arbeit. Die Probleme werden nach Dring-
lichkeit priorisiert und die Vermittlungen in entsprechender Reihenfolge sowie unter
Berücksichtigung der Belastbarkeit der Person angegangen.
Nur durch diese umfassende Unterstützung kann eine Stabilisierung der Lebenssituation der
Teilnehmenden und eine Nachhaltigkeit des Angebots sichergestellt werden.
Es gibt darüber hinaus eine hohe Anzahl weiterer junger Menschen mit psychischen
Problemen, die das Angebot in Anspruch nehmen könnten.
Begründung:
Plan27 ist seit Projektstart 2017 stark frequentiert, seit 2022 ist die Nachfrage nochmals ange-
stiegen. Anfragen bei Plan27, die nicht zeitnah berücksichtigt werden können, werden aufge-
nommen, damit Personen entsprechend kontaktiert werden können, sobald ein Platz frei wird.
So nahmen - wie oben aufgeführt - 116 Personen bis zum 31.10.2023, 152 Personen im ge-
samten Förderzeitraum vom 01.05.2022 bis 30.04.2024 an dem Angebot Plan27 teil. Darüber
hinaus gab es in diesem Zeitraum Anfragen von weiteren 120 Personen, die nicht in die Maß-
nahme aufgenommen werden konnten, weil die Maßnahme voll ausgelastet war.
Der Trend, dass Jugendliche und junge Erwachsene mit psychischen Erkrankungen und/oder
psychischen Krisen zunehmend in Erscheinung treten, äußert sich bundesweit. So stellt das
Robert Koch-Institut (2024) fest: „Letzte Entwicklungen zeigen einen besorgniserregenden
Trend psychischer Probleme vor allem in der Gruppe der in Deutschland lebenden jungen Er-
wachsenen“[1]. Laut der Trendstudie “Jugend in Deutschland 2024: Verantwortung für die Zu-
kunft? Ja, aber“[2] von Schnetzer, Hampel und Hurrelmann geben 51 % der 2024 befragten
jungen Menschen an, psychisch belastet zu sein, 36 % fühlen sich erschöpft, 17 % fühlen sich
hilflos. Diese Werte waren gegenüber den letzten drei Jahren gestiegen. 11 % der Befragten
berichten, aktuell wegen psychischer Störungen in Behandlung zu sein. Sorgen bereiteten
den jungen Menschen laut Studienbericht auch aktuelle Themen wie Krieg in Nahost, teurer
und knapper Wohnraum und der Klimawandel. Auch für Köln wurde im 3. Versorgungsbericht
des Kölner Kompetenznetzwerks aus Praxis und Forschung (CoRe-Net) zum Thema „Mentale
Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in den Corona-Jahren 2020/2021“ festgestellt:
„Psychische Herausforderungen und Belastungen bei Kindern und Jugendlichen im Kölner
Raum nehmen deutlich zu – gerade in Folge der Coronapandemie“[3]. Demzufolge erhöhten
sich Wartezeiten für Behandlungsangebote.
[1] RKI - Fachgebiet 26 Psychische Gesundheit - Studie zur psychischen Gesundheit von jungen Erwachsenen in
Deutschland (JEPSY-Studie), abgerufen am 16.05.2024.
[2] Schnetzer, Simon (Studienleitung); Hampel, Kilian; Hurrelmann, Klaus: Trendstudie “Jugend in Deutschland
2024: Verantwortung für die Zukunft? Ja, aber“, E-Publikation Trendstudie "Jugend in Deutschland 2024" - zu den
Insights (simon -schnetzer.com), abgerufen am 16.05.2024
[3] Universität zu Köln, https://portal.uni -koeln.de/universitaet/aktuell/presseinformationen/detail/mentale -gesund-
heit-von-kindern -und-jugendlichen-1, abgerufen am 16.05.2024
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Dies unterstreicht die Notwendigkeit und Dringlichkeit von „U-27“-Angeboten wie
Plan27 für junge Menschen mit psychischen Problemen in Köln.
Gez. Dr. Rau
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1829/2024
- Typ
- Beantwortung e. mündl. Anfrage (Auss.)
- Datum
- 18.06.2024
- Erstellt
- 05.06.2024 16:24