Mandari Insight

2016/0414

Städtepartnerschaft mit San Antonio/USA

Magistratsvorlage 29.09.2016

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2016/0414

11885 Zeichen

Magistratsvorlage 
 
Eingang Magistrats - 
geschäftsstelle:  
12.10.2016 
an den Magistrat  
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung  
 
Beteiligt vor 
Magistratsbeschlussfassung:  
Amt 15 
Dezernat I an die Stadtverordnetenversammlung  
   OBW zur Befassung  
   zur Kenntnis 
   zur Beschlussfassung  
   zur abschließenden Beschluss - 
       fassung Fachausschuss  
 
 
Amt: Amt für 
Interkulturelles und 
Internationales  
 OBW bei abschl. 
Beschlussfassung Magistrat  
Behandlung in  
öffentl. Sitzung  
Ja 
 
Nein 
 
Verteiler:  
 
 
Ja 
 
Nein  
 
Vorlage-Nr. 2016/0414 
 
Magistratsbeschluss -Nr. 
  
 
Internetfähig     
 
Produkt-Nr.:       
Kostenstelle:        Investitionsnummer:        
Kostenträger:        Sachkonto:       
 
Betreff: Städtepartnerschaft mit San Antonio/USA  
 
Vorlage vom: 29.09.2016  
 
Beschlussvorschlag : 
 
Der Magistrat stimmt der Begründung der Städtepartnerschaft mit San Antonio/USA zu.  
 
 
 
 
 
Anlagen: Kostenplan Magistratsvorlage  
 
Datenschutzrelevante Anlage:   
 
Folgekosten:    Ja    Nein

- 2 - 
Beschluss des Magis trats vom

- 3 - 
 
Begründung zur Magistratsvorlage vom 29.09.2016 
 
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt versteht sich als eine weltoffene und tolerante Stadt, die sich 
sowohl auf nationaler als auch internationaler Ebene den gegenwärtigen globalen Herausforderun gen 
stellt. In den letzten sechs Jahrzehnten entwickelte Darmstadt weit über den europäischen Rahmen 
hinaus zahlreiche und vielfältige internationale Beziehungen, mit dem Bewusstsein für eine 
gemeinsame globale Verantwortung. Gerade die verstärkte Verbindu ng zu den USA ist hinsichtlich 
der gesamtpolitischen Weltlage unentbehrlich.  
 
Die Beziehungen zwischen Deutschland und den USA beruhen auf gemeinsamen historischen 
Erfahrungen, Werten und Interessen. Nach dem Zweiten Weltkrieg leisteten die Vereinigten St aaten 
einen enormen Beitrag zum Aufbau einer demokratischen Grundordnung und einer stabilen 
Wirtschaft in der neuen Bundesrepublik. Die USA etablierten sich als zuverlässiger Partner und 
spielten eine tragende Rolle bei der deutschen Wiedervereinigung. Akt uell stellen sich die beiden 
westlichen Demokratien gemeinsam den gegenwärtigen globalen Krisen und Herausforderungen wie 
Klimawandel, Bevölkerungsexplosion, weltweite Migrationsbewegungen und globale Finanzmärkte. 
Eine engere Vernetzung ist nicht nur auf politischer Ebene notwendig. Nichtstaatliche 
Organisationen, multinationale Unternehmen, Forschungs -  und Wissenschaftseinrichtungen sind 
ebenfalls aktiv in die Prozesse von Demokratieförderung und Konfliktbewältigung eingebunden.  
 
Jahrzehntelang war Darms tadt ein wichtiger Stützpunkt der US -Streitkräfte. Der als "Army 
Community of Excellence"  ausgezeichnete Standort war auf vielfältige Weise mit der Darmstädter 
Zivilgesellschaft verbunden, was zu zahlreichen Begegnungen und Austauschgelegenheiten führte.  
 
Auf kommunaler Ebene bietet sich eine Städtepartnerschaft mit der texanis chen Metropole San 
Antonio aufgrund gemeinsamer Werte und themenspezifischer Schwerpunkte und auch im Hinblick 
auf gemeinsame Erfahrungen als „Arrival Cities“ in einer Einwanderungsg esellschaft besonders an. 
Der Ausbau der Partnerschaft ermöglicht neue Wirtschafts - und Wissenschaftskooperationen sowie 
Fachkooperationen zwischen den Forschungs - und Bildungseinrichtungen. Die bereits geknüpften 
Kontakte im Bereich der Schulen, Hochschul en und Kultur bergen großes Potenzial für eine 
langfristig erfolgreiche und intensive Zusammenarbeit. Ferner können beide Städte von ihren 
bisherigen Erfahrungen und Best Practice -Beispielen im Bereich der nachhaltigen Stadtentwicklung 
und Städtestatistik profitieren und auf dieser Grundlage neue innovative Projekte erarbeiten, unter 
Einbindung von Schlüsselakteuren der Wissenschaft und Wirtschaft.  
 
Über San Antonio:  
San Antonio liegt im Süden des Bundesstaates Texas am gleichnamigen Fluss, knapp über 200k m 
Luftlinie entfernt von der mexikanischen Grenze. Mit rund 1,4 Millionen Einwohnern ist San Antonio 
die siebtgrößte Stadt der USA und nach Houston zweitgrößte Stadt des Bundesstaates Texas.  
Entlang des San Antonio River stellt der als begrünte Fußgängerpa ssage ausgebaute sogenannte 
Riverwalk ein besonderes Beispiel für Innenstadtrevitalisierung in den USA und einen enormen 
Besuchermagnet dar. Aufgrund dieser Besonderheit, wegen der spanisch -mexikanischen Prägung 
und der vergleichsweise zurückhaltenden Skyl ine wird San Antonio in der Literatur gelegentlich 
zusammen mit Boston, New Orleans oder San Francisco zu den wichtigsten Beispielen gezählt, die 
sich hinsichtlich ihrer räumlichen Strukturen den üblichen Mustern der US -amerikanischen Stadt 
entziehen. Vers tärkt wird dies in jüngerer Zeit durch innovative Stadtentwicklungsprojekte, die auf 
eine Attraktivierung von ehemaligen Brachen und gesamten Quartieren abzielen. Zu diesen ist nicht 
zuletzt auch das landschaftsplanerische Konzept zur Verknüpfung der fünf ehemaligen spanischen 
Missionen zu zählen, die 2015 als Weltkulturerbe -Stätten anerkannt wurden.

- 4 - 
Auf die Missionen geht auch die Stadtgründung 1718 in der vormals vom indigenen Volk der Payaya 
besiedelten Gegend zurück – konkret auf die als erstes erricht ete Misión San Antonio de Valero, 
bekannt geworden als „The Alamo“. In der folgenden fast 300 -jährigen Geschichte war San Antonio 
zunächst Teil des spanischen Kolonialreichs, sodann Mexikos (ab 1821), zwischen 1836 und 1845 
der unabhängigen Republik Texas und schließlich der Vereinigten Staaten.  
Relevant für die Städtepartnerschaft ist auch die Rolle von San Antonio und gesamt Süd -Texas als 
wichtige Zielregion der deutschen Auswanderungswellen des 19. Jahrhunderts, die sich nicht nur in 
Ortsnamen sondern au ch in einem intensiven bürgerschaftlichen Vereinsleben manifestieren, in dem 
der 600 Mitglieder starke und 150 Jahre alte „Beethoven Maennerchor“ als Gesangs - und 
Treffpunktverein hervorsticht und zu dem bereits ein enger Kontakt geknüpft ist.  
Beispielhaft für die deutsche Historie von San Antonio sei hier angefügt, dass noch im Jahr 1900 die 
drei Sprachen Spanisch, Englisch und Deutsch zu jeweils ungefähr einem Drittel von der 
Einwohnerschaft verwendet wurden. Der Gründer des ersten Krankenhauses der Stadt  und darüber 
Vater des texanischen Gesundheitswesens ist der 1820 in Darmstadt geborene Ferdinand von Herff. 
Seine Nachfahren, mit denen ebenfalls Kontakt besteht, sind bis heute als namhafte Geschäftsleute 
in San Antonio aktiv.        
 
 
Der Weg zur Partne rschaft: 
Die ersten Begegnungen auf politischer Ebene fanden bereits in Darmstadt und San Antonio statt: 
Im Juli 2015 unterzeichneten Oberbürgermeister Jochen Partsch und die Bürgermeisterin der Stadt 
San Antonio Ivy R. Taylor in Darmstadt eine Absichtserk lärung, in der sie den Willen bekundeten, 
den Austausch und die Zusammenarbeit ihrer beiden Städte zu fördern. Die Unterzeichnung des 
Freundschaftsabkommens erfolgte im April 2016 in San Antonio ebenfalls durch Oberbürgermeister 
Jochen Partsch und Bürgerme isterin Ivy R. Taylor.  
 
Sowohl Darmstädter Gymnasien (Eleonorenschule, Edith -Stein-Schule, Justus-Liebig-Schule, 
Viktoriaschule und Lichtenbergschule) als auch High -Schools in San Antonio (Sandra Day O’Connor 
High School und Tom C. Clark High School) habe n großes Interesse an einer Zusammenarbeit im 
Rahmen eines Austausches bekundet.  
 
Die Technische Universität Darmstadt mit dem Dezernat für Internationales und einzelne 
Fachbereiche stehen mit der University of Texas at San Antonio (UTSA) bezüglich künfti ger 
Kooperations- und Austauschmöglichkeiten bereits in Kontakt.  
 
Ferner befinden sich in den beiden Städten bedeutende Kulturstätten, die über die Landesgrenzen 
hinaus bekannt sind. Die Missionsstationen in San Antonio wurden 2015 mit dem UNESCO -Titel 
ausgezeichnet. Die Entscheidung, ob die Darmstädter Künstlerkolonie Mathildenhöhe UNESCO -
Welterbestätten wird, erwarten wir im Jahr 2020.   San Antonio verfügt somit bereits über die 
notwendige Expertise und bietet sich als erfahrener Partner im Bewerbungsve rfahren um die 
UNESCO-Auszeichnung an.  
 
Mit einer Ausstellung zum Thema Eintritt der USA in den Ersten Weltkrieg wird San Antonio einen 
wichtigen Beitrag zur Erinnerungsarbeit in Darmstadt im Rahmen des Darmstädter Gedenkjahrs 
2017 leisten.   
 
Auch das Jazzinstitut Darmstadt und die Organisation Musical Bridges Around the World (MBAW) in 
San Antonio sind bereits in die Umsetzung gemeinsamer Projekte unter Einbeziehung verschiedener 
Künstler, Schulen und Vereine eingebunden.  
  
Die Partnerschaft mit San Anto nio wird durch bürgerschaftliche Begegnungen und Aktivitäten 
begleitet und gestärkt. So bekundeten zum Beispiel die Triathleten der Sportgemeinschaft Arheilgen

- 5 - 
e.V. bereits vor der Unterzeichnung des Freundschaftsabkommens ihr großes Interesse die 
Zusammenarbeit durch aktives Engagement zu unterstützen. Für das Jahr 2017 ist bereits die 
Teilnahme der texanischen Metropole San Antonio am Darmstädter Heinerfest angedacht.  
 
Auch in den Bereichen Wirtschaft und Wissenschaft bestehen zahlreiche Anknüpfungspunkte  und 
inhaltliche Querverbindungen, die eine Städtepartnerschaft zwischen Darmstadt und San Antonio 
vielversprechend machen.  
Als Standort, dessen Bedeutung weit über Süd - und Gesamt-Texas hinausreicht, verfügt San Antonio 
über mehr als 1.000.000 Arbeitsplät ze und rund 160.000 Studierende in 15 Colleges und 
Universitäten der Stadtregion. Die Wirtschafts - und Wissenschaftscluster zeigen eine hohe 
Deckungsgleiche mit den Stärken von Darmstadt: Zu den wichtigsten Branchen zählen die Luft - und 
Raumfahrt, Biowisse nschaften/Gesundheit, erneuerbare Energien und vor allem der IT -Sektor mit 
einem Schwerpunkt auf IT -Sicherheit – eine weitere wichtige Analogie zu Darmstadt.  
Herausragend ist hier zum Beispiel das Institute for Cyber Security an der University of Texas at San 
Antonio, für die eine explizit von der Technischen Universität formulierte Kooperations - und 
Austauschabsicht besteht (s.o.).  
 
Großes Potential für wissenschaftliche Beziehungen besteht darüber hinaus in Bezug auf das 
Southwest Research Institute, eine r stiftungsgetragenen privat organisierten Forschungseinrichtung 
mit ingenieurwissenschaftlichem Schwerpunkt, die 2.700 Menschen bei einem Budget von rund 600 
Millionen US-Dollar beschäftigt. Von dort wurden zum Beispiel bereits wesentliche Beiträge zur 
Rosetta-Mission der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA geleistet, die von Darmstadt aus 
gesteuert wurde (ESOC) und in diesem Herbst zu Ende gegangen ist.  
 
Chancenreich sind außerdem Kooperationen im Bereich Gründung und Gründungsförderung. San 
Antonio verfügt über eine agile Startup -Szene mit mehreren öffentlichen und privaten 
Gründungsinitiativen, die in Darmstadt unter anderem dem HIGHEST -Programm an der Technischen 
Universität vergleichbar sind. Auch auf diesem Feld sind Austauschbeziehungen in Vorbere itung. 
Ergänzt wird dies durch den Austausch, der bereits im Rahmen eines gemeinsamen Workshops 
einen Auftakt genommen hat, mit der San Antonio Chamber of Commerce und der San Antonio 
Hispanic Chamber of Commerce. Von dort wird jeweils eine Städtepartnerschaft ausdrücklich 
begrüßt. 
 
Die städtische finanzielle Förderung beinhaltet an erster Stelle den vor gesehenen Schulaustausch. In 
Zusammenarbeit mit der Stadtwirtschaft sind Reisekosten - und Aufenthaltskostenzuschüsse 
vorgesehen, die es auch finanzschwachen Familien/Schülerinnen und Schülern erlauben, 
teilzunehmen.  
Für 2017 sind als Anschubfinanzierung a ls städtischer Beitrag 10000, -- EUR und in den Folgejahren 
je 5000,-- EUR für diese wichtige Jugend - und Bildungsarbeit einzustellen.  
 
Darmstadt, den 29.September 2016  
531 PL 
 
Dezernent I  
 
 
 
 
 
    
Jochen Partsch  
Oberbürgermeister

Beratungsverlauf (4)

TOP 31
TOP 31
TOP 5
TOP 556

Details

Vorlagen-Nr.
2016/0414
Typ
Magistratsvorlage
Datum
29.09.2016
Erstellt
29.09.2026 00:00