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V/0640/2010

Schuldenbericht 2009

Vorlagen 06.09.2010

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Nächste Beratung: Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften, Sitzung am 28.09.2010, TOP 4.2

Berichtsvorlage

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Berichtsvorlage

12641 Zeichen

V/0640/2010 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Amt für Finanzen und Beteiligungen 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Schuldenbericht 2009 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
28.09.2010 Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften Bericht 
 
 
Bericht: 
 
 
Im Rahmen der Vorlage V/0372/1998 beschloss der Haupt- und Finanzausschuss, dass die Ver-
waltung künftig jeweils im zeitlichen Zusammenhang mit der Vorlage der Jahresrechnung in der 
Finanz- und Beteiligungskommission  
 
-  über die im abgelaufenen Rechnungsjahr ergriffenen Maßnahmen und Strategien zur Ge-
samtsteuerung von Krediten, Zins-, Tilgungs- und Belastungsverläufen (Controlling beim Cash-
Management und Management für Finanzanlagen und Kredite) und  
-  über Ziele, Strategien, geplante Maßnahmen der Gesamtsteuerung für das laufende und für 
kommende Haushaltsjahre  
berichten soll. 
 
Mit dieser Vorlage kommt die Verwaltung diesem Auftrag nach. 
 
1. Schuldensituation der Stadt Münster 
Die Entwicklung des Schuldenstandes und des damit einhergehenden Schuldendienstes ein-
schließlich der Folgejahre bis zum Jahre 2013 stellt sich nach der derzeitigen Finanzplanung wie 
folgt dar: 
 
Jahr Schulden 
am 31.12.
Bruttokredit-
aufnahmen
Nettokredit-
aufnahmen
Zinsen Tilgung Schulden 
Pro-Kopf
am 31.12.
Schulden- 
dienst Pro-
Kopf
Schulden-
lastindika
tor*
2009 737.504.292 47.292.600 24.095.342 27.439.119 23.197.258 2.701,97 185,51 12,14
2010 737.064.562 23.881.070 -439.730 31.903.000 24.320.800 2.691,23 205,29 12,54
2011 730.381.682 19.067.920 -6.682.880 31.482.000 25.750.800 2.666,83 208,97 14,30
2012 714.296.612 10.645.730 -16.085.070 30.502.000 26.730.800 2.608,10 208,97 13,65
2013 686.749.812 0 -27.546.800 30.051.500 27.546.800 2.507,52 210,31 12,71
 
 
* Ergibt sich aus der Summe der Zins- und Tilgungsleistungen p. a. im Verhältnis zu den Bruttosteuereinnahmen. 
 
Vorlagen-Nr.: 
V/0640/2010 
Auskunft erteilt: 
Herr Deppe 
Ruf: 
492 20 20 
E-Mail: 
Deppe@stadt-muenster.de 
Datum: 
26.08.2010 
Öffentliche Berichtsvorlage

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V/0640/2010 
 
 
Der Schuldenstand hat sich von Ende 2000 mit 437,5 Mio. € bis Ende 2009 auf 737,5 Mio. € um 
68,6 % erhöht. Im Vergleich dazu stieg die Verschuldung im Zeitraum von Ende 1990 (176,6 Mio. 
€) bis Ende 1999 (401,5 Mio. €) um 227 %. 
Der Schuldendienst stieg von 1990 bis 1999 von 20,5 Mio. € auf 37,2 Mio. € und somit um rd. 82 
%. Im Zeitraum von 2000 bis 2009 stieg der Schuldendienst um 28,8 %. 
Nach der aktuellen Finanzplanung 2010 bis 2013 wird sich der Schuldenstand voraussichtlich auf 
rd. 687 Mio. € vermindern. Dies entspricht einem Rückgang in 4 Jahren von rd. – 7,9 %. Der 
Schuldendienst steigt im gleichen Zeitraum um rd. 13,8 %.  
 
 
2. Strategische Ausrichtung des Zinsmanagements 
Im Rahmen des städtischen Schuldenmanagements werden verschiedene Instrumente eines 
aktiven Zinsmanagements eingesetzt (2.1 – 2.4) . Mit den einzelnen Instrumenten wird das Ziel 
verfolgt, unterschiedliche Marktsituationen so zu nutzen, dass die Zinsausgaben be-
grenzt/minimiert werden. Dazu gehört auch, Strukturen zu schaffen, die ein flexibles Reagieren 
auf sich ändernde Marktbedingungen zulassen. Dabei soll nicht übersehen werden, dass in jeder 
Finanzierungsform Risiken liegen. Um diese Risiken zu streuen oder zu begrenzen, wurde mit 
der Vorlage 338/01 festgelegt, dass mindestens 70 % des gesamten Schuldenbestandes aus 
festverzinslichen Krediten (Kommunalkredit auf dem Europäischen Markt, zinsgünstige Kredite 
von der KfW/EIB) bestehen; für den Kreditbestand dürfen darüber hinaus für maximal 15 % Zins-
sicherungsinstrumente angewendet werden sowie für max. 15 % in Schweizer-Franken Darlehen 
aufgenommen werden.  
 
 
2.1 Zinssicherungen 
Mit der ersten Vorlage zum Schuldenmanagement im Jahre 1998 wurden seinerzeit Zinssiche-
rungsinstrumente/Derivate vorgestellt. Dieses Thema wurde im Rahmen der Finanzkommission 
im Jahre 1999 durch eine entsprechende Fortbildungs- und Informationsveranstaltung vertieft. 
Die nachfolgenden Gespräche mit der Finanzkommission und Vertretern der Fraktionen führten 
dazu, dass die Verwaltung den Einstieg in das Geschäftsfeld der „Zinssicherungsinstrumente“ 
unternahm.  
 
Um dieses Feld weiter zu optimieren, wurden mit mehreren Kreditinstituten Gespräche geführt. 
Die Ergebnisse aus diesen Kontakten wurden der Finanz- und Beteiligungskommission in der 
nichtöffentlichen Vorlage Nr. 960/2002 am 06.11.02 vorgestellt. Die Stadt hat im Nachhinein mit 
einem Kreditinstitut einen Vertrag geschlossen; danach erfolgt eine Unterstützung der Stadt im 
Schuldenmanagement durch regelmäßige Portfolioanalysen sowie Beratungsgespräche. Im Jah-
re 2006 erfolgte eine erneute Ausschreibung der Beratungsleistung. Aufgrund der Angebote wur-
de das bisherige Institut wieder mit der Beratung beauftragt. 
 
Erstmalig ist ab 2005 in die Haushaltssatzung folgender Passus aufgenommen worden:  
 
Die Verwaltung wird ermächtigt, im Rahmen der Kreditfinanzierung im laufenden Haushaltsjahr er-
gänzende Verträge zur Optimierung der Zinsstruktur und zur Begrenzung von Zinsänderungsrisiken 
abschließen (z. B. Derivate)
. Dabei wird das Vertragsvolumen im Bereich der Fremdwährung 
(Schweizer Franken) auf 15 % und der variablen Abschlüsse - insoweit sie nicht abgesichert sind – 
auf 30 % des Schuldenstandes zum Jahresende begrenzt. 
 
Durch die verbreitete Nutzung der derivativen Finanzinstrumente hat der Deutsche Städtetag eine 
Musterdienstanweisung aufgestellt. Unter Beteiligung des Personalamtes und des Amtes für Wirt-
schaftlichkeit und Revisionsprüfung wurde diese auf die Verhältnisse der Stadt Münster angepasst.  
Wesentliche Inhalte dieses Regelwerks sind

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- die allg. Anforderungen an den Einsatz von Derivaten 
- die Anforderungen an die Organisation  
- die möglichen Geschäftsfelder  
- der Verfahrensablauf von der Ausschreibung bis zum Abschluss von Geschäften 
- Zuständigkeit im Amt für Finanzen und Beteiligung 
- das Risikomanagement und die Risikosteuerung  
- der Handlungsrahmen und die Verantwortlichkeit innerhalb des Amtes  
  
 
Im Folgenden werden Auszüge den bisher getätigten Geschäften dargestellt. 
 
2.2 Aufnahmen von Darlehen auf dem Schweizer Kapitalmarkt 
 
Zum 31.12.2009 belief sich das Verschuldungsvolumen der in Schweizer Franken aufgenomme-
nen Kredite bewertet mit einem Kurs (Bilanz)  von 1,4819 CHF pro Euro auf rd. 78,3 Mio. € und 
somit auf 10,62 % gemessen am Schuldenstand zum Ende des Jahres 2009. 
 
Die Stadt Münster hat sieben Einzelkredite in der Fremdwährung Schweizer Franken. Der letzte 
Kredit läuft ohne Prolongation und Ausübung des Kündigungsrechts im Jahre 2019 aus. Gegen-
über der Kreditaufnahme auf dem Deutschen Kapitalmarkt besteht zz.. ein kumulierter Zinsvorteil 
(seit 2001) von 12,9 Mio. €. 
Der Break-Even-Point
1 über alle noch bestehenden CHF Kredite liegt Ende 2009 bei 1,32 CHF/€. 
 
 
2.3 Variable Kredite 
 
Receiver Swap 
Beim Receiver Swap werden auf Basis eines Grundgeschäftes (klassischer Kommunalkredit mit 
einem festverzinslichen Zinssatz) Zinszahlung sströme ausgetauscht, so dass letztendlich die 
zugrunde liegende Verzinsung variabel ist und sich alle 3 oder 6 Monate anpasst. Der Vorteil liegt 
darin, dass die Differenz zwischen kurz- und langfristigem Zinssatz eingespart wird. Das Risiko 
bei diesem Swap liegt darin, dass die kurzfristigen Zinssätze über den Zinssatz steigen können, 
der zum Abschlusstag für einen Kommunalkredit gleicher Laufzeit hätte aufgewendet werden 
müssen. 
 
In dieses Segment hat die Stadt Münster mit rd. 31,7 Mio. € investiert. Es wurden Einnahmen in 
Höhe von rd. 36 T € erzielt. 
 
 
Zinszahlung in Abhängigkeit der Entwicklung von Referenzzinssätzen 
Um gegenüber dem klassischen Kommunalkredit Zinsvorteile zu generieren, ist die Stadt bereit, 
in Abhängigkeit von der Höhe der Differenz zwischen dem 10-Jahreszinssatz und dem 2- Jah-
reszinssatz eine Verzinsung zu zahlen.  
 
Sollte die Differenz aus 10-Jahressatz und 2-Jahressatz über dem fixierten Wert liegen, hat die 
Stadt Vorteile, liegt die Differenz innerhalb einer vorgegebenen Bandbereite hat die Stadt weder 
Vor- noch Nachteile, wird allerdings eine definierte Größe unterschritten, entstehen Nachteile für 
die Stadt. 
 
In derartige Instrumente hat die Stadt rd. 38,3 Mio. € investiert. Aufgrund von Restrukturierungs-
maßnahmen konnte ein Vorteil für 2009 in Höhe von 1.654 T€ erzielt werden. 
 
                                                
 
1 Break Even Point bezeichnet den Kurs, bei der die Vorteilhaftigkeit der Aufnahme in Schweizer Franken 
gegenüber der Aufnahme am Euro Kapitalmarkt ungünstiger wird.

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V/0640/2010 
 
 
2.4 Festverzinsliche Absicherungen 
 
Forward Payer Swap  
Um das günstige Zinsniveau zu nutzen, wurden für Kredite, die erst in der Zukunft zur Zinsan-
passung anstehen, Swap-Vereinbarungen (Stadt zahlt einen Festzins und erhält einen variablen 
Zinssatz) getroffen. An Forward Payer Swaps hat die Stadt zurzeit rd. 43,5 Mio. € im Portfolio. 
 
Das Risiko liegt darin, dass die zukünftigen Zinssätze unter dem ausgehandelten Forwardzins-
satz liegen und die Stadt Münster somit nicht an dem niedrigeren Zinsniveau partizipieren kann. 
 
 
Payer Swap mit Gläubigerkündigungsrecht bzw. Wandlungsrecht 
Zu der grundlegenden Ausgestaltung eines Payer Swaps wird dem Gläubiger das Recht einge-
räumt, zu einem definierten Tag in der Zukunft einen Swap ohne Ausgleichszahlung aufzulösen 
bzw. in eine variable Verzinsung zu wandeln. Dieses Recht ist werthaltig und reduziert den zu 
zahlenden Zinssatz. Das Investitionsvolumen in derartige Instrumente liegt bei 128 Mio. €. 
 
Ohne Berücksichtigung der entsprechenden Geschäfte in Schweizer Franken ergibt sich ein Vor-
teil für 2009 in Höhe von 231 T €. 
 
 
Receiver-/Payer Swaption 
Mit einer Receiver-/Payer Swaption wird das Re cht verkauft, dass ein Dritter entscheiden kann, 
ob die Stadt in der Zukunft in eine Swapvereinbarung eintritt. Dieses Recht kann wird an einem 
vorher definierten Tag ausgeübt. Weiterhin sind alle weiteren Bedingungen, z. B. zu zahlender 
Zinssatz und Laufzeit, vertraglich festgeschrieben. Für den Verkauf dieses Rechtes erzielt die 
Stadt einen Erlös. Sollte das zukünftige Zinsniveau über/unter dem vertraglich vereinbartem Zins 
liegen, verfällt die Option/zahlt die Stadt den vereinbarten Zins. Insgesamt hat die Stadt im Jahre 
2009 rd. 787,8 T € an Einnahmen erzielt.  
 
Insgesamt hat die Stadt noch bestehende Swaption mit einem Volumen von rd. 101,6 Mio. €.  
 
 
Forward Rate Agreement 
Im Jahr 2008 wurden FRA (Forward Rate Agreements) mit einem Volumen von rd. 32,5 Mio. € 
abgeschlossen. Ein FRA ist ein Zinstermingeschäft (Derivat), das es ermöglicht, einen Zinssatz 
für einen in 
der Zukunft liegenden Zeitraum zu sichern. 
Die Vereinbarung erfasst dabei nicht die eigentliche Geldaufnahme, es wird nur ein Tausch von 
Zinszahlungen vereinbart. 
Der Käufer eines FRA sichert sich den Zins. Er sichert sich damit gegen steigende Zinsen ab und 
verzichtet dafür auf die Einsparchancen, die fallende Zinsen bieten. Da durch die Finanzkrise der 
Euribor stark gefallen ist, konnte an den fallenden Zinsen nicht mehr partizipiert werden.  
Der Verlust betrug in 2009 rd. 370,7 T€. 
 
 
Kredit mit Sonderausstattung 
Im Jahre 2004 wurde ein Kredit (7,7 Mio. €) aufgenommen. Die ersten fünf Jahre wurden variabel 
verzinst und die darauf folgenden fünf Jahre mit dem 10 Jahressatz. Durch den Anstieg des Euri-
bors im Jahre 2008 und 2009 wurden die anfänglichen Vorteile aufgezehrt, so dass für das Jahr 
2009 ein Verlust in Höhe von 38 T€ entstand.

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V/0640/2010 
 
Insgesamt stellt sich das Jahr 2009 jedoch positiv dar und schließt mit einem Vorteil von rd. 4,3 
Mio. € gegenüber der klassischen passiven Schuldensteuerung ab. Der durchschnittliche Zins-
satz belief sich im Jahre 2009 auf 3,75 %  (Vorjahr: 3,94 %). Die Tilgungsrate beträgt bei 
35jähriger Kredit-Laufzeit rd. 3,0 %. 
 
 
Gesamtübersicht
Historie
2009 im Verhältnis 
 in € zum HH Ans. CHF Eur ggü. Ans.
Schuldenstand 737.504.292 T € T € %
Zinsvorteil 2009 929 3.334 14,26%
CHF- Markt 929.298 3,11% 2008 1.099 1.930 9,96%
Eur - Markt 3.333.947 11,15% 2007 3.049 -147 8,83%
Gesamtvorteil 4.263.246 14,26% 2006 2.390 2.714 18,46%
2005 1.248 2.203 12,01%
Limitauslastung bezogen auf den Schuldenstand 2004 1.443 1.513 10,02%
variabel 71.714.194 9,72% 2003 1.386 389 6,32%
CHF 78.309.868 10,62% 2002 1.030 378 4,13%
136,9500 CHF/EUR 2001 290 328 2,51%
2000 24 340 1,45%
Break even CHF gesamt 131,6500 CHF/EUR
Gesamt 12.888 12.983 25.871
Schuldenportfolio  2009
Break even bei Sicherung der
bisherigen CHF Vorteile
 
 
I. V. 
 
 
gez. Bickeböller 
Stadtkämmerin

Beratungsverlauf (1)

28.09.2010 Ausschuss für Finanzen, Beteiligungen und Liegenschaften
TOP 4.2 Bericht Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Details

Vorlagen-Nr.
V/0640/2010
Typ
Vorlagen
Datum
06.09.2010
Erstellt
06.10.2020 14:37