2015/0107
Rahmenkonzeption für die Kinder- und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
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2015/0107
3409 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
17.03.2015
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Jugendamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magist rat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2015/0107
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Rahmenkonzeption für die Kinder - und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt
Vorlage vom: 13.03.2 015
Beschlussvorschlag :
Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung nehmen das Rahmenkonzept für die Kinder -
und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt zur Kenntnis.
Anlagen: Rahmenkonzept zur Kinder - und Jugendarbeit 25.02.2015_1
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 13.03.2015:
Das vorliegende Rahmenkonzept für die Kinder - und Jugendarbeit der
Wissenschaftsstadt Darmstadt ist das Ergebnis eines Arbeitsprozesses der im Oktober
2012 gegründeten AG § 78 SGB VIII zur Neustrukturierung der Kinder - und
Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Mit dem vorliegenden Rahmenkonzept ist auf der Grundlage des Abschlussberichtes
vom Dezember 2013 (Magistratsvorlage Nr. 2013/ 0435) ein zentraler Schritt zur
Weiterentwicklung einer zeitgemäßen Kinder- und Jugendarbeit gelungen.
Der Arbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII, bestehend aus Trägern der freien
Jugendhilfe und dem öffentlichen Träger (Jugendamt), ist es gelungen, ein
systematisches und zukunftsorientiertes Rahmenkonzept zu entwickeln, insbesondere
mit dem Blick auf die zukünftigen Qualitätsstandards.
Das am 25.02.2015 im Jugendhilfeausschuss einstimmig beschlossene
Rahmenkonzept ist als Reaktion der Kinder - und Jugendarbeit in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt auf die veränderten Lebensumstände von Kindern und
Jugendlichen zu verstehen.
Die Rahmenkonzeption bietet verbindliche Orientierung für die Ausgestaltung der
Kinder- und Jugendarbeit in der Wissenschafts stadt Darmstadt, in Bezug auf das
vorhandene Angeb ot, seine Erweiterung, Abstimmung, Ergänzung und den
bedarfsgerechten Um- und Ausbau bei veränderten Lebenslagen im gesellschaftlichen
Wandel.
Hervorzuheben sind die fachlichen Standards einer modernen, auf Partizipation,
Emanzipation und Inklusion abzielenden Kinder- und Jugendarbeit.
Darüber hinaus widmet sich die Rahmenkonzeption der Steuerung und
Qualitätsentwicklung der Kinder - und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt.
Im nächsten Schritt wird die AG § 78 SGB VIII im Jahr 2015 an der Umsetzung dieses
Konzeptes weiterarbeiten. Dabei geht es unter anderem um Leistungsvereinbarungen
zur Operationalisierung des Rahmenkonzeptes und den Aufbau eines verbindlichen
Berichtswesens.
Nach Ausarbeitung der Leistungs- und Zielvereinbarungen werden diese den Gremien
zur Beschlussfassung vorgelegt.
Darmstadt, den 13.03.2015
51
Dezernat V
Barbara Akdeniz
Stadträtin
anlage 2
3500 Zeichen
- 2 -
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
17.03.2015
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Jugendamt
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
V 51
Stvv
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2015/0107
Magistratsbeschluss -Nr.
113
Internetfähig
Produkt-Nr.:
Kostenstelle: Investitionsnummer:
Kostenträger: Sachkonto:
Betreff: Rahmenkonzeption für die Kinder - und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt
Vorlage vom: 13.03.2015
Beschlussvorschlag :
Der Magistrat und die Stadtverordnetenversammlung nehmen das Rahmenkonzept für die Kinder -
und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt zur Kenntnis.
Anlagen: Rahmenkonzept zur Kinder - und Jugendarbeit 25. 02.2015_1
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 3 -
Beschluss des Magistrats vom 25.03.2015
Der Magistrat nimmt die Vorlage zur Kenntnis.
- 4 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 13.03.2015:
Das vorliegende Rahmenkonzept für die Kinder - und Jugendarbeit der
Wissenschaftsstadt Darmstadt ist das Ergebnis eines Arbeitsprozesses der im Oktober
2012 gegründeten AG § 78 SGB VIII zur Neustrukturierung der Kinder - und
Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Mit dem vorliegenden Rahmenkonzept ist auf der Grundlage des Abschlussberichtes
vom Dezember 2013 (Magistratsvorlage Nr. 2013/0435 ) ein zentraler Schritt zur
Weiterentwicklung einer zeitgemäßen Kinder- und Jugendarbeit gelungen.
Der Arbeitsgemeinschaft nach § 78 SGB VIII, bestehend aus Trägern der freien
Jugendhilfe und dem öffentlichen Träger (Jugendamt), ist es gelungen, ein
systematisches und zukunftsorientiertes Rahmenkonzept zu entwickeln, insbesondere
mit dem Blick auf die zukünftigen Qualitätsstandards.
Das am 25.02.2015 im Jugendhilfeausschuss einstimmig beschlossene
Rahmenkonzept ist als Reaktion der Kinder - und Jugendar beit in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt auf die veränderten Lebensumstände von Kindern und
Jugendlichen zu verstehen.
Die Rahmenkonzeption bietet verbindliche Orientierung für die Ausgestaltung der
Kinder- und Jugendarbeit in der Wissenschafts stadt Darm stadt, in Bezug auf das
vorhandene Angebot, seine Erweiterung, Abstimmung, Ergänzung und den
bedarfsgerechten Um- und Ausbau bei veränderten Lebenslagen im gesellschaftlichen
Wandel.
Hervorzuheben sind die fachlichen Standards einer modernen, auf Partizip ation,
Emanzipation und Inklusion abzielenden Kinder- und Jugendarbeit.
Darüber hinaus widmet sich die Rahmenkonzeption der Steuerung und
Qualitätsentwicklung der Kinder - und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt.
Im nächsten Schritt wird die AG § 78 SGB VIII im Jahr 2015 an der Umsetzung dieses
Konzeptes weiterarbeiten. Dabei geht es unter anderem um Leistungsvereinbarungen
zur Operationalisierung des Rahmenkonzeptes und den Aufbau eines verbindlichen
Berichtswesens.
Nach Ausarbeitung der Leistungs- und Zielvereinbarungen werden diese den Gremien
zur Beschlussfassung vorgelegt.
Darmstadt, den 13.03.2015
51
Dezernat V
Barbara Akdeniz
Stadträtin
anlage 1
70582 Zeichen
Kinder- und
Jugendarbeit in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Rahmenkonzept
Darmstadt, 25.02.2015
2
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung......................................... ................................................... ... 4
2 Zielsetzung des Rahmenkonzeptes .......................................................... 5
3 Kinder und Jugendliche in der Wissenschaftsstadt Darmstadt................... 6
3.1 Bildungsperspektive............................................................................................................... 6
3.2 Kinderarmut – finanzielle Ausgangsbedingungen von Kindern und Jugendlichen................ 9
3.3 Zielgruppen der Kinder und Jugendarbeit ........................................................................... 12
4 Gesetzliche Rahmenbedingungen der Kinder- und Jugendarbeit.............. 14
5 Handlungsfelder und -formen der Kinder- und Jugendarbeit in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt....................... ............................................. 15
5.1 Offene Arbeit ....................................................................................................................... 15
5.2 Mädchenarbeit..................................................................................................................... 15
5.3 Jungenarbeit ........................................................................................................................ 16
5.4 Aufsuchende und Mobile Arbeit.......................................................................................... 17
5.5 Bildungsarbeit ...................................................................................................................... 17
5.6 Kulturarbeit.......................................................................................................................... 18
5.7 Ferienangebote.................................................................................................................... 18
5.8 Jugendverbandsarbeit.......................................................................................................... 19
5.9 Jugendarbeit im Sportverein................................................................................................ 20
5.10 Kooperationsprojekte von Jugendhilfe und Schule ............................................................. 20
5.11 Schulsozialarbeit .................................................................................................................. 20
5.12 Jugendberufshilfe................................................................................................................. 21
6 Standards der Kinder- und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt ............................................................................................. .... 21
6.1 Lebensweltorientierung....................................................................................................... 21
6.2 Sozialraumorientierung ....................................................................................................... 22
6.3 Kooperation und Vernetzung............................................................................................... 22
6.4 Geschlechtsbewusste Arbeit................................................................................................ 23
6.5 Inklusion............................................................................................................................... 25
6.6 Partizipation......................................................................................................................... 25
6.7 Interkulturelle Aspekte ........................................................................................................ 26
3
7 Steuerung und Qualitätsentwicklung................. ..................................... 28
7.1 Leistungs- und Zielvereinbarungen mit Schutzkonzept....................................................... 28
7.2 Evaluation und Berichterstattung........................................................................................ 29
7.3 Qualitätsentwicklung und Qualitätsdialog........................................................................... 29
8 Umsetzung des Rahmenkonzeptes ........................................................ 30
4
1 Einl eitung
Die Rahmenkonzeption für die Kinder- und Jugendarbe it in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
ist das Ergebnis eines intensiven Arbeitsprozesses der im Oktober 2012 gegründeten AG nach
§ 78 SGB VIII zur Kinder- und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Die Arbeitsgemeinschaft ist ein fortlaufendes Gremi um und dient als Instrument der
partnerschaftlichen Zusammenarbeit des öffentlichen Trägers mit den Trägern der freien
Jugendhilfe. Sie soll neben dem Jugendhilfeausschus s (JHA) nach den Zielvorstellungen des
Gesetzgebers eine bedarfsgerechte Koordination und Kooperation der Dienste und
Einrichtungen der öffentlichen und der freien Kinder- und Jugendarbeit bewirken.
Die Arbeitsgemeinschaft leistet ihren Beitrag zur W eiterentwicklung einer zeitgemäßen Kinder-
und Jugendarbeit im Bereich der Leistungsangebote u nd Organisationsformen, um
gesellschaftlichen Veränderungen gerecht zu werden und um damit die Ziele der Kinder- und
Jugendarbeit (§ 11 (1) SGB VIII: Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwic klung
erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfüg ung zu stellen. Sie sollen an den Interessen
junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur
Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftliche r Mitverantwortung und zu sozialem
Engagement anregen und hinführen.) zu erreichen.
Wenn Kinder- und Jugendarbeit bei sich schnell verä ndernden gesellschaftlichen
Rahmenbedingungen geeignete Formen und Angebote von Förderung und Unterstützung für
junge Menschen und ihre Familien erreichen will, so bedarf es einer umfassenden Planung und
Umsetzung von Maßnahmen und Konzepten, die sich ein mischen, wo die Sozialisation und die
Lebenschancen junger Menschen betroffen sind.
Die Arbeitsgruppe hat das Arbeitsfeld überprüft, so rtiert, dargestellt, hinterfragt und
gemeinsam die Grundsätze der Kinder- und Jugendarbe it in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
sowie deren Handlungsfelder und –formen herausgearbeitet.
Dieser Prozess mündete in diesem Konzeptentwurf, we lcher im Gremium der AG § 78 -
zwischen den freien Trägern und dem öffentlichen Ju gendhilfeträger - abgestimmt wurde. Der
Umfang und die Komplexität der Thematik erforderte die Unterstützung durch die externe
Begleitung von Herrn Hopmann (Andreas Hopmann – training & beratung).
1
1 http://www.hopmanns.de/index.php .
5
2 Zielsetzung d es Rahmenkonzeptes
Dieses Rahmenkonzept versteht sich als Reaktion der Kinder- und Jugendarbeit in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt auf die veränderten Le bensumstände von Kindern und
Jugendlichen. Unter anderem sind hier der Ausbau de r Ganztagsbetreuung an Schulen, die
Konkurrenz der Kinder- und Jugendarbeit mit dem kom merziellen Freizeitmarkt und die
digitalen Medien zu nennen.
Begrenzte finanzielle Ressourcen der Kommune sowie der Einzug der Doppik (doppelten
Haushaltsführung) machen eine systematische Ressour censteuerung und die Ausrichtung auf
den „Output“ unabdingbar.
Somit ist die im Rahmen der AG 78 begonnene Neustru kturierung der Kinder- und
Jugendarbeit in Darmstadt als eine Vorstufe von Qua litätsentwicklung im Sinne des § 79a SGB
VIII zu verstehen. Demgemäß gilt es Kriterien für e ine Bewertung der Qualität von Angeboten
aufzustellen und in einem zweiten Schritt Maßnahmen zur Gewährleistung von Qualität zu
entwickeln, anzuwenden und zu überprüfen. Formen de r Qualitätssicherung können nur im
Dialog der beteiligten Akteure der freien und öffentlichen Jugendhilfe entwickelt werden.
Das Konzept soll Orientierung für die Ausgestaltung der Kinder- und Jugendarbeit in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt bieten, in Bezug auf d as vorhandene Angebot, seine
Erweiterung, Abstimmung, Ergänzung und den bedarfsg erechten Um- und Ausbau bei
veränderten Lebenslagen im gesellschaftlichen Wande l. Durch diese Eckpunkte leistet das
Rahmenkonzept einen wichtigen Beitrag auf dem Weg d er Kinder- und Jugendarbeit, sich den
neuen gesellschaftlichen Herausforderungen konstruktiv und zukunftsweisend zu stellen.
Die Kinder- und Jugendarbeit im Bereich der Wissens chaftsstadt richtet sich nach dem
Zielesystem des SGB VIII, nachdem jeder junge Mensc h das Recht auf Förderung seiner
Entwicklung hat. In diesem Rahmen soll der Prozess der Neustrukturierung im Ergebnis die
individuelle und soziale Entwicklung von jungen Men schen fördern und dazu beitragen
Benachteiligungen zu vermeiden und abzubauen (§ 1 SGB VIII).
Wesentliche Punkte hierbei sind:
• eine Struktur, die den verschiedenen Akteuren der K inder- und Jugendarbeit ein
fachlich abgestimmtes und am Bedarf der Zielgruppen ausgerichtetes Handeln in
gemeinsamer Verantwortung ermöglicht.
• Elemente einer zentralen und einer dezentralen Steuerung und verbindliche
Vernetzungsstrukturen (z.B. Ressourcenpool) für die Beteiligten zur Abstimmung der
Angebote,
6
• ein einfacher und niedrigschwelliger Zugang zu diesen Angeboten und auch zur
Angebotsinformation (möglichst auch online),
• das Aufgreifen und Bearbeiten aktueller Trends (Sti chwort „Digitale Medien“) und
Änderungen in den Lebensbedingungen der Kinder und Jugendlichen in Darmstadt
• die Ermöglichung von Verbindlichkeit über Leistunge n (Leistungsbeschreibungen) und
Planungssicherheit für die Träger auf der Grundlage von - nach festzulegenden
Standards - auszuhandelnden Leistungsverträgen und Zielvereinbarungen,
• einem darauf aufsetzenden Berichtswesen sowie
• eine Qualitätssicherung und Qualitätsentwicklung
Diese genannten Punkte sollen sich bei der Umsetzun g und Ausgestaltung des
Rahmenkonzeptes zu einem Steuerungskreis zusammensc hließen, welcher letztlich die
Neustrukturierung der Kinder- und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt bewirkt.
Die seitherigen Ergebnisse aus den Plenumssitzungen und Sitzungen der verschiedenen
Arbeitsgruppen wurden seitens der Fachabteilung zu Empfehlungen für ein Rahmenkonzept
verknüpft. Nach einer Erprobungsphase sollte dieses Rahmenkonzept durch das Plenum der
AG 78 Kinder- und Jugendarbeit in Darmstadt als kon sensfähiges Rahmenkonzept beschlossen
und dem Jugendhilfeausschuss zur endgültigen Beschl ussfassung vorgelegt werden. Eine
turnusmäßige Überprüfung und Anpassungen des Rahmenkonzeptes sind geboten.
3 Kind er und Jugendliche in d er Wissenschaftsstadt
Darmstadt
3.1 Bildungsperspektive
Kinder und Jugendliche in Darmstadt sind keine klei ne Gruppe: Zum 31.12.2013 betrug ihr
Anteil an der Gesamtbevölkerung in der Wissenschaft sstadt Darmstadt ca. 15,6 %. In Zahlen
sind dies rund 23.700 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Darum sieht die
Wissenschaftsstadt Darmstadt es auch als ein Grundziel an, das Image als junge und
innovative, kinderfreundliche, Stadt zu stärken und in Bildung und damit auch in Kinder und
Jugendliche zu investieren .
7
Die Weltoffenheit und die Einbeziehung in ein größe ren Ganzes im Sinne einer
gleichberechtigten Teilhabe aller Kinder und Jugend lichen in lebendigen Stadtteilen und
Wohnvierteln sowie die Familienfreundlichkeit sind zentrale Orientierungspunkte der
städtischen Jugendpolitik.
Insgesamt ist die Lebenslage und die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in Darmstadt
sehr unterschiedlich. Viele Studien zu Kindern- und Jugendlichen zeigen, dass diejenigen, die
optimistisch in die Zukunft blicken und die Kinder- und Jugendlichen, die dieses aufgrund ihrer
sozial prekären Lage nicht können, sich in Deutschl and immer weiter auseinander entwickeln.
Ähnliches kann auch für Darmstadt unterstellt werde n. Auch die Daten der Wissenschaftsstadt
Darmstadt – an dieser Stelle sei auf den Sozialatla s 2013 verwiesen – verdeutlichen, dass die
Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen in den Sta dtteilen und Wohnvierteln sich stark
unterscheiden und dass Kinder- und Jugendliche heut e in einer Einwanderungsgesellschaft
aufwachsen.
Vor diesem Hintergrund weist die Wissenschaftsstadt Darmstadt einer selbständigen Kinder-
und Jugendarbeit in der Bildungsinfrastruktur Darms tadts eine große kommunale und soziale
Bedeutung zu. Im Gegensatz zu anderen Bildungseinri chtungen geht sie von den alltäglichen
Herausforderungen der Kinder und Jugendlichen in ih ren unterschiedlichen Lebenslagen im
Sinne einer Lebensweltorientierung aus. Kinder- und Jugendarbeit ist dabei nach dem SGB VIII
dazu verpflichtet, Kindern, Jugendlichen und junge Erwachsenen unabhängig von ihrer
individuellen Bedürftigkeit und ihrer sozialen, eth nischen und kulturellen Zugehörigkeit
Bildungs- und Freizeitgelegenheiten zu eröffnen (§ 1 SGB VIII). So werden in den Sozialräumen
insbesondere, aber nicht nur junge Menschen angespr ochen, die aufgrund von wirtschaftlichen
und sozialen Benachteiligungen betroffen sind.
Kinder- und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt ist dem entsprechend darauf
ausgerichtet, die Bildungs- und Zukunftschancen aller
Kinder und Jugendlichen in den
Sozialräumen zu verbessern und soziale Zugänge zu schaffen. Denn Bildung ist m ehr als
Schule. Kinder- und Jugendarbeit kooperiert mit Schulen, aber bei der Wahrnehmung ihrer
Bildungsaufgabe geht der Kreis der Kooperationspart ner weit über Schulen hinaus. Sie
8
kooperiert mit den Kindern und Jugendlichen, Famili en, Anwohnern und den Akteuren im
konkreten Sozialraum der Kinder- und Jugendlichen, um Chancen und Möglichkeiten für Kinder
und Jugendliche in ihrem Kontext zu eröffnen. Sie e ntwickelt zusammen mit Schulen neue
Bildungskonzepte und schafft Übergänge in die Schul e. Sie hilft aber auch Schule zu
bewältigen. Sie erreicht Kinder, Jugendliche und Fa milien, die distanziert der Schule
gegenüber stehen.
Dies kann sie nur auf Grundlage ihrer Eigenständigk eit gegenüber der Schule. Die Kinder- und
Jugendarbeit ermöglicht nonformale Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen. Sie
stärkt Kinder und Jugendliche, sich aktiv im Sinne der vom SGB VIII geforderten Partizipation
in die Gestaltung des Stadtteils und die politische n Beteiligungsstrukturen der Stadt
einzumischen. In diesem Sinne übernimmt Kinder- und Jugendarbeit immer auch eine wichtige
Funktion der politischen Bildung.
So trägt sie dazu bei, ein weiteres grundlegendes Z iel der Wissenschaftsstadt Darmstadt – die
Stärkung des bürgerlichen Engagements und der demok ratischen Beteiligungsstrukturen – zu
befördern. In diesem Zusammenhang ist vor allem auc h die Arbeit der Jugendverbände zu
erwähnen, die für Kinder und Jugendliche Angebote d er Jugendverbandsarbeit und weitere
Angebote bereithalten. Die Wissenschaftsstadt Darms tadt fördert die Jugendverbandsarbeit
und die freie Trägerstruktur der Kinder- und Jugend arbeit in Darmstadt, indem sie Mittel für
zentrale Aufgaben zur Koordinierung, Kooperation un d Fortbildung zur Verfügung stellt. Im
Sinne des Subsidiaritätsprinzips sind dadurch die f reien Träger an der fachgerechten
Gestaltung der Kinder- und Jugendarbeit beteiligt und verantworten diese entsprechend mit.
Vor diesem Hintergrund ist die alltägliche fachlich e Arbeit der Kinder- und Jugendarbeit in
Darmstadt im Kern durch drei Grundelemente charakterisiert:
• Sozialräumliche Bildungsgelegenheiten : Kinder- und Jugendarbeit ist zukünftig auch
aufsuchend orientiert. Kinder und Jugendliche in Darmstadt le rnen vor allem in ihren
Sozialräumen (Stadtteil, Wohnviertel, peer-groups) und Organisationen
(Jugendverbände, Vereine, kulturelle Angebote etc.) . Sie eignen sich ihre soziale
Umgebung immer wieder neu an und gestalten die Sozi alräume dadurch mit. So
schaffen sie sich ihre Räume in den Stadtteilen und Wohnvierteln. Kinder- und
Jugendarbeit geht auf die Kinder und Jugendlichen i n den Stadtteilen zu und knüpft an
ihre sozialräumlichen Lernprozesse an. Sie setzt si ch mit diesen auseinander, eröffnet
in den Stadtteilen Räume und integriert sie in die Bildungslandschaft vor Ort.
• Pädagogische Beziehungsarbeit ist Bildungsarbeit: Kinder- und Jugendarbeit ist offen
und dialogisch orientiert. Im Zentrum der Arbeit je der Fachkraft in der Kinder- und
Jugendarbeit Darmstadts steht der Aufbau gelingende r pädagogischer Beziehungen zu
den Kindern und Jugendlichen in den Sozialräumen. S ie sind der Kern der
9
pädagogischen Arbeit. Dabei haben die Fachkräfte de r Kinder- und Jugendarbeit die
unterschiedlichen Rollenanforderungen und Erwartung en im Stadtteil im Blick.
Grundlegend ist es, die Kinder und Jugendlichen übe r pädagogische Beziehungen zu
erreichen und ihnen darüber Bildungschancen zu eröffnen.
• Anwalt von Kindern und Jugendlichen : Kinder- und Jugendarbeit in Darmstadt ist
partizipativ und parteilich orientiert. Sie verhilf t den Jugendlichen zu einer Stimme und
aktiviert zu Möglichkeiten der demokratischen Betei ligung und Mitwirkung in ihrem
Stadtteil und darüber hinaus. Dies ist im Sinne des Einmischungsauftrages, wie er im
Kinder- und Jugendhilfegesetz verankert ist, zu ver stehen. Es geht darum, die
Beteiligungsspielräume der Kinder und Jugendlichen in den Stadtteilen zu vergrößern
und auf soziale Ungleichheiten und Benachteiligungen aufmerksam zu machen.
Grundlegend geht die Kinder- und Jugendarbeit in Da rmstadt von den Kindern und
Jugendlichen und ihren Sozialräumen aus, um Bildung schancen bedarfsgerecht in den
Stadtteilen zu gestalten. Die Stärkung der Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen und
die strukturelle und inhaltliche Verankerung von Ge schlecht und Diversität im Kontext einer
Verbesserung der Chancengerechtigkeit für Kinder un d Jugendliche in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt sind dabei die zentralen Ziele.
3.2 Kinderarmut – finanzielle Ausgangsbedingungen von Kindern und
Jugendlichen
Wie der 14. Kinder-und Jugendbericht feststellt, is t für die Jugendphase kennzeichnend, dass
Jugendliche auf die Ressourcen der Eltern angewiese n sind, allerdings auch damit beginnen
selbst sich Geldquellen zu erschließen. In diesem Z usammenhang ist bezeichnend, dass sich
im Gegensatz zu der Armutsentwicklung bei Kindern d ie Betroffenheit von Armut bei
Jugendlichen im Alter von 11 bis 20 Jahren in den l etzten 15 Jahren deutlich erhöht hat.
2
Dabei sind folgende maßgebliche sozio-demografische Faktoren zu beobachten:
• Zunahme des Anteils an Jugendlichen mit Migrationshintergrund
• Hohe Armutsrisiken bei Alleinerziehenden
• Wachsender Anteil an Jugendlichen von 18 bis 20 Jah ren, die im Elternhaus
verbleiben. 3
„Unabhängig davon lässt sich jedoch festhalten, das s für Jugendliche – ebenso wie für Kinder
– vor allem drei Risikolagen ausschlaggebend sind:
2 Vgl. Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (2013) – 14. Kinder und Jugendbericht,
http://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs/14-Kinder-und-Jugendbericht.pdf ; Seite 138.
3 Vgl. ebd., Seite 139.
10
- Wenn die Eltern nicht in das Erwerbsleben integriert sind (soziales Risiko) ,
- wenn die Eltern über ein geringes Einkommen verfüge n (finanzielles Risiko) oder
bzw. und
- wenn die Eltern über eine geringe Ausbildung verfüg en (Risiko der
Bildungsferne) (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung 2010; 2012).
Diese Risikolagen bestimmen nicht nur die aktuellen ungleichen Teilhabechancen Jugendlicher,
sondern reproduzieren sich während der Jugendphase über unterschiedliche Prozesse
(Schulleistungen, außerschulische Interessen und Fr eizeittätigkeiten, Zugehörigkeiten,
Mediennutzung, Ausbildung der eigenen Persönlichkei t, Bewältigung der alterstypischen
Entwicklungsaufgaben etc.), mit der Folge, dass die soziale Herkunft und die familialen
Mustergerade in Deutschland im hohen Maße auch die ungleichen Teilhabechancen im
späteren Erwerbsalter prägen.“ 4
Die Ausführungen des 14. Kinder- und Jugendhilfeber ichtes zeigen, dass die Armutsrisiken von
Kindern und Jugendlichen maßgeblich von der Situati on im Elternhaus abhängig ist. Während
der Bezug von SGB II-Leistungen erwerbsfähiger Pers onen (mit Kindern) als Indikator für
Armutsrisiken für Kinder- und Jugendlichen herangez ogen werden könnte, kann der Bezug von
Sozialgeld als Indikator für Kinderarmut gedeutet w erden, denn Sozialgeld erhalten die
Personen, „die nicht erwerbsfähig sind und in einer Bedarfsgemeinschaft mit einem
erwerbsfähigen Hilfeberechtigten leben. Hierzu gehö ren alle in einer Bedarfsgemeinschaft
lebenden Kinder unter 15 Jahren, dauerhaft erwerbsu nfähige Minderjährige bis zum 18.
Lebensjahr sowie volljährige Hilfebedürftige, die vorübergehend erwerbsgemindert sind.“ 5
„Der Anteil der nicht erwerbsfähigen Hilfebedürftig en wird hier auf die Altersklasse der unter
18-Jährigen bezogen. Er lässt sich als Indikator fü r Kinderarmut lesen.“ 6 Verdeutlichend lässt
sich für die Wissenschaftsstadt Darmstadt festhalten: 7
4 Ebd., Seite 140.
5 Wissenschaftsstadt Darmstadt (2013): Sozialatlas 2013 – Beiträge zur Sozialberichtserstattung,
http://www.darmstadt.de/fileadmin/PDF-Rubriken/Rathaus/Formulare/752-
sozial_und_jugendhilfeplanung/Sozialatlas_2013.pdf , Seite 42.
6 Ebd., Seite 42.
7 Ebd., Seite 43.
11
Die aufgeführte Tabelle „verdeutlicht bei den Leist ungsbezieher/innen nach dem SGB II den
Anteil der hilfebedürftigen Kinder und Jugendlichen zu den erwerbsfähigen Hilfebedürftigen.
Sehr auffällig ist im Bezirk 750 Kirchtannensiedlun g der Befund, wonach hier weit über die
12
Hälfte der Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren von Leistungen des SGB II leben müssen
(54,7%).“ 8
Die Neustrukturierung der Kinder- und Jugendarbeit findet vor dem Hintergrund statt, dass
sich Deutschland laut viertem Armuts- und Reichtums bericht der Bundesregierung,
veröffentlicht im Frühjahr 2013, immer stärker in A rm und Reich spaltet. In diesem
Zusammenhang steigt und verfestigt sich auch die Armut von Kindern.
In Darmstadt leben ca. 4000 Kinder- und Jugendliche unter 15 Jahren in Familien
(Haushalten/Bedarfsgemeinschaften) mit SGB II-Leist ungsbezug. Kinder- und Jugendarbeit hat
die Aufgabe soziale Ausgrenzung von Kindern und Jug endlichen zu verhindern und durch
Förderung und Bildung sozialen Aufstieg für Kinder und Jugendlichen in jedem Alter zu
ermöglichen. Ziel muss es sein, auf dem Entwicklung sweg allen Kindern und Jugendlichen eine
individuelle und strukturelle Förderung zu ermöglichen.
Auf der Grundlage, soziale Teilhabe für jedes Kind gleichberechtigt zu gestalten, sind die
veränderten Lebenswelten von Kinder - und Jugendlic hen zu betrachten und wirkungsvolle
Antworten und Strukturen in der Kinder- und Jugenda rbeit zu finden. In Zeiten von
zunehmender Kinderarmut ist es nach wie vor eine Qu erschnittsaufgabe in jedem
Handlungsfeld der Kinder- und Jugendarbeit auf die soziale Durchlässigkeit der Teilhabe zu
achten. Ziel ist es, jedes Kind in Darmstadt zu erreichen, das Förderung und Unterstützung von
Seiten der Kinder- und Jugendarbeit benötigt. Kinde r -und Jugendarbeit ist gezielte
Präventionsarbeit, die verhindern kann, dass soziale Ausgrenzung entsteht.
3.3 Zielgruppen der Kinder und Jugendarbeit
Zielgruppe der Kinder- und Jugendarbeit sind alle K inder, Jugendliche und jungen
Erwachsenen unter 27 Jahren sowie deren Familien, w obei der Schwerpunkt im Alter von sechs
bis 18 Jahren liegt.
Um sich zunächst einen Überblick zu verschaffen sei en hier zunächst verschiedene
Altersgruppen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt z unächst absolut und dann in Relation
bezogen auf den Anteil im Stadtteil dargestellt.
8 Ebd., Seite 42.
13
Zum Verständnis dieser Tabelle: Die Möglichkeit die Tabelle zu lesen sei hier Beispielhaft am
Stadtteil Kranichstein erläutert. Im Stadtteil Kran ichstein leben insgesamt 4.024 junge
Menschen im Alter von bis zu unter 27 Jahren. Ausge hend von der Einwohnerzahl
Kranichsteins (11.683 Einwohner), bedeutet dies ein en Anteil von 34,4%. Über ein Drittel der
in Kranichstein lebenden Menschen sind jünger als 2 7 Jahre. Kranichstein ist somit der
„jüngste Stadtteil“ Darmstadts. Bemerkenswert ist d iese Tatsache auch deshalb, weil dieser
hohe Anteil nicht aufgrund einer studentischen Einwohnerschaft, wie der Vergleich der über 21-
jährigen bis unter 27-Jährigen mit z.B. der Stadtmi tte zeigt, begründet ist. Kranichstein liegt
bei allen anderen Altersgruppen über dem städtische n Durchschnitt. Und dies für die
Altersgruppen der bis zu unter 18-Jährigen jeweils mit Spitzenwert.
Dies sei hier anhand der Altersgruppen 0-3 Jahre un d über 3 bis unter 7 Jahre dargestellt. In
den beiden genannten in den beiden genannten Alters gruppen wohnen 430 (U3) bzw. 604 (Ü3)
Kinder in Kranichstein. Dies bedeutet hinsichtlich der Gesamtbevölkerung Kranichsteins ein
Anteil von 3,7% (U3) und 5,2% (Ü3). Beide Werte lie gen deutlich über dem städtischen
Durchschnitt bezüglich dieser beider Altersgruppen, nämlich 2,8% (U3) und 3,6% (Ü3).
Daraus lässt sich die Aussage ableiten, dass Kinder im Alter von bis unter 7 Jahren in
Kranichstein bezogen auf die Gesamtstadt überdurchschnittlich stark vertreten sind.
Für die verschiedenen Angebote der Kinder- und Juge ndarbeit müssen die Zielgruppen
entsprechend formuliert werden. Um einen Anhaltspun kt zu haben, von welcher potentiellen
Nutzerzahl der Angebote ausgegangen werden kann, is t es möglich aus den aufgeführten
Tabellen die Prozentzahlen der Altersgruppen auf zu addieren. Bsp.: In Kranichstein sind 7,3%
(5,1% und 2,2%) der Einwohner über 10 bis unter 16 Jahre alt (absolut: 592 und 255, also
847 Kinder und Jugendliche).
14
4 Gesetzliche Rahmenbedingungen d er Kind er- und
Jugendarbeit
Das Recht eines jungen Menschen auf Förderung seine r Entwicklung und auf Erziehung zu
einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit basiert auf Art. 6 des Grundgesetzes sowie § 1 (1)
SGB VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) und wird f ür die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
im § 11 SGB VIII spezifiziert (§11 (1) SGB VIII): „ Jungen Menschen sind die zur Förderung
ihrer Entwicklung erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung zu stellen. Sie sollen
an den Interessen junger Menschen anknüpfen und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet
werden, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu g esellschaftlicher Mitverantwortung und
zu sozialem Engagement anregen und hinführen.“
Hierzu soll Jugendarbeit „junge Menschen in ihrer i ndividuellen und sozialen Entwicklung
fördern und dazu beitragen, Benachteiligungen zu ve rmeiden oder abzubauen“ (§ 1 (3) Satz 1
SGB VIII) „Kinder und Jugendliche vor Gefahren für ihr Wohl schützen“ (ebd. Satz 3) und „dazu
beitragen, positive Lebensbedingungen für junge Men schen und ihre Familien sowie eine
kinder- und familienfreundliche Umwelt zu erhalten oder zu schaffen“.
Kinder- und Jugendarbeit ist eine Pflichtaufgabe na ch dem SGB VIII. Bei den für die
Jugendhilfe zur Verfügung stehenden Mitteln ist dar auf zu achten, dass ein „angemessener
Anteil“ für die Kinder- und Jugendarbeit zur Verfüg ung steht (vgl. § 79 (2) Satz 2). Neben
Familie und Schule erfüllt die Jugendhilfe ihre all gemeine Funktion als dritte Säule der
Sozialisation.
Dem Jugendamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt als öffentlichem Träger der Jugendhilfe
obliegt gemäß § 79 (1) SGB VIII hinsichtlich der Er füllung der Aufgaben nach diesem Buch die
Gesamtverantwortung einschließlich der Planungsvera ntwortung. Weiterhin soll der öffentliche
Träger der Jugendhilfe nach § 79 (2) SGB VIII gewäh rleisten, dass „die zur Erfüllung der
Aufgaben nach diesem Buch die erforderlichen und ge eigneten Einrichtungen, Dienste und
Veranstaltungen den verschiedenen Grundrichtungen d er Erziehung entsprechend rechtzeitig
und ausreichend zur Verfügung stehen (...).“
Weiterhin haben nach § 80 (1) SGB VIII die Träger d er öffentlichen Jugendhilfe im Rahmen
ihrer Planungsverantwortung durch die Jugendhilfeplanung „den Bestand an Einrichtungen und
Diensten festzustellen, den Bedarf unter Berücksich tigung der Wünsche, Bedürfnisse und
Interessen der jungen Menschen und der Personensorg eberechtigten für einen mittelfristigen
Zeitraum zu ermitteln und die zur Befriedigung des Bedarfs notwendigen Vorhaben rechtzeitig
und ausreichend zu planen; dabei ist Vorsorge zu tr effen, dass auch ein unvorhergesehener
Bedarf befriedigt werden kann.“ Bei den §§ 79 und 8 0 SGB VIII handelt es sich um objektive
Rechtsverpflichtungen, die – insbesondere durch die Konkretisierung des § 80 SGB VIII – durch
15
die Jugendhilfeplanung im Rahmen einer kontinuierli chen Aufgabenerfüllung wahrzunehmen
sind.
5 Handlungsfel d er und -formen d er Kind er- und Jugendarbeit
in d er Wissenschaftsstadt Darmstadt
5.1 Offene Arbeit
Die Offene Kinder- und Jugendarbeit ist fester Best andteil des Leistungskatalogs der
Wissenschaftsstadt Darmstadt. Sie wird nach den Gru ndsätzen der Freiwilligkeit, Offenheit und
Selbstbestimmung gestaltet. Es werden Hilfsangebote , Arbeits- und Projektgruppen, sowie
kulturelle Veranstaltungen von mit und für Kinder(n ) und Jugendliche(n) geplant und
ausgerichtet.
Die Offene Arbeit in Darmstadt stellt Bildungs-, Er ziehungs- und Lernräume, sowie Orte mit
Freizeitcharakter als niedrige Einstiegsschwelle fü r die jugendlichen Besucherinnen und
Besuchern bereit. Durch pädagogische Beziehungsarbe it werden verlässliche Strukturen für
eine Orientierung für Kinder und Jugendliche gescha ffen. Die Offene Kinder- und Jugendarbeit
stellt sich aktiv neuen Herausforderungen und reagi ert zeitnah auf alle jugendpolitischen und
die Lebensumstände ihrer Besucherschaft betreffende n gesellschaftlichen Veränderungen. Die
Inhalte hierzu werden von den Fachkräften der städt ischen und freien Träger in einer
fortzuführenden Arbeitsgemeinschaft festgelegt und beständig weiterentwickelt.
5.2 Mädchenarbeit
Wie in den bereits 1999 von der Stadtverordnetenver sammlung verabschiedeten "Leitlinien zur
Förderung der Mädchenarbeit in der Kinder- und Juge ndhilfe in Darmstadt" beschrieben, ist
Mädchenarbeit in Darmstadt ein eigenständiger Arbeitsbereich in der Kinder und Jugendhilfe.
Mädchenarbeit ist die parteiliche Arbeit von Frauen für und mit Mädchen und jungen Frauen.
Parteiliche Mädchenarbeit stellt Mädchen und junge Frauen in den Mittelpunkt der
Aufmerksamkeit und berücksichtigt ihre geschlechtsb edingten und individuellen
Lebensumstände und Lebensentwürfe. Sie trägt dabei immer auch den vielschichtigen und sich
teilweise widersprechenden Anforderungen an Mädchen und junge Frauen Rechnung.
Mädchenarbeit ist in Darmstadt vielseitig aufgestel lt und unterstützt Mädchen darin, zu
selbständigen und eigenverantwortlichen Frauen hera nzuwachsen und den eigenen Lebensweg
(selbst)bewußt und aktiv zu gestalten.
Mädchenarbeit schafft Rahmenbedingungen, damit Mädc hen Potentiale in sich (wieder)
entdecken, sie aktivieren und ausgestalten lernen. Ziel ist es, mit Mädchen und jungen Frauen
16
die gesamte Palette menschlicher Möglichkeiten zu e ntwickeln und sie darin zu bestärken
diese auch für sich zu nutzen.
Neben dieser subjektorientierten Aufgabe setzt sich parteiliche Mädchenarbeit gegen die
Diskriminierung und Unterdrückung von Mädchen und F rauen und für ein gleichberechtigtes
Miteinander der Geschlechter ein, das nicht länger von patriarchalen Gesellschaftsstrukturen
und Gewalt gegenüber Mädchen und Frauen geprägt ist . Parteiliche Mädchenarbeit beinhaltet
somit die drei Dimensionen Geschlechtsidentität, Pä dagogik und Politik und wirkt sowohl
individuell fördernd als auch gesellschaftsverändernd.
Mädchenarbeit bietet Bildungs-, Erziehungs-, Erfahr ungs- und Lernräume, gezielte Beratungs-
und Hilfsangebote, sowie Orte mit Freizeitcharakter für Mädchen und junge Frauen. Durch
geschlechtshomogene Settings, in denen Mädchen sich nicht ständig gegen vorherrschende
Gruppen abgrenzen, behaupten bzw. durchsetzen müsse n, verringert Mädchenarbeit die
Einstiegsschwelle in Angebote der Kinder und Jugendarbeit.
In Darmstadt organisiert sich Mädchenarbeit im Mädc henarbeitskreis (MAK), einem nach §78
SGB VIII anerkannten Fachgremium. Der MAK befasst s ich mit fachlichen Inhalten ebenso wie
mit politischen Themen und der Weiterentwicklung der Mädchenarbeit in Darmstadt.
5.3 Jungenarbeit
Miteiner mehr als 20-jährigen Tradition hat sich di e geschlechterreflektierte Jungenarbeit in
der Wissenschaftsstadt Darmstadt längst zu einem ei genständigen Arbeitsbereich der Kinder-
und Jugendarbeit etabliert.
Die Jungenarbeit 9 versteht sich als Teilbereich der geschlechtsrefle ktierten Pädagogik. Sie
basiert auf einer kritischen Analyse patriarchaler Geschlechterverhältnisse und stereotyper
Geschlechterbilder. Jungenarbeit zielt darauf ab, G eschlechterhierarchien abzubauen, den
Dialog zwischen den Geschlechtern zu fördern und di e selbstbestimmte Entwicklung einer
geschlechtlichen Identität zu unterstützen.
Jungenarbeit unterstützt Jungen in ihrer selbstbest immten Entfaltung, ohne dass sie dabei
durch einengende Geschlechterbilder und –rollen ein geschränkt werden. Hierbei gilt es Vielfalt
zu erkennen, zu akzeptieren, wertzuschätzen und zu fördern.
Die Jungenarbeit bezieht sich auf die Lebenslagen v on Jungen und orientiert sich an deren
Interessen, Themen und Bedürfnissen. Fachkräfte set zen sich mit den Jungen über deren
Themen und Wünsche auseinander, bringen ihnen Empat hie und Wertschätzung entgegen,
bieten ihnen Orientierung, bestärken und fördern si e, zeigen Grenzen auf, kritisieren, irritieren,
hinterfragen und konfrontieren.
9 In diesem Text meint Jungenarbeit stets eine „geschlechterreflektierte Jungenarbeit“. Dieser Begriff wird - der
besseren Lesbarkeit halber - allerdings nicht durchgängig verwandt.
17
Um nicht vorherrschendes Männlichkeitsverhalten zu reproduzieren oder hervorzurufen ist die
Haltung des Jungenarbeiters für eine gelingende Jun genarbeit von zentraler Bedeutung.
Notwendig ist die Bereitschaft des Jungenarbeiters, sich mit den gesellschaftlichen
Geschlechterverhältnissen, mit der eigenen Sozialis ation zum Mann sowie mit den eigenen
Geschlechterbildern auseinanderzusetzen.
Jungenarbeit und Mädchenarbeit stehen nicht in Konk urrenz, vielmehr ergänzen beide die
koedukative Kinder- und Jugendarbeit und profitiere n voneinander. Die Jungenarbeit benötigt
den Austausch, die kritische Auseinandersetzung und die Kooperation mit der Mädchenarbeit.
In Darmstadt organisiert sich die Jungenarbeit in d er Arbeitsgemeinschaft Jungenarbeit (AGJ).
Dieses Fachgremium setzt sich aus rund 30 Fachkräft en diverser Einrichtungen und
Institutionen aus der Wissenschaftsstadt Darmstadt und aus dem Landkreis Darmstadt-
Dieburg zusammen. Aktuell entwickelt die AGJ Leitli nien zu einer geschlechtersensiblen
Jungenarbeit.
5.4 Aufsuchende und Mobile Arbeit
Die Aufsuchende und Mobile Arbeit stellt ein eigens tändiges Arbeitsfeld an der Schnittstelle
zwischen Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit dar. A ufsuchende und Mobile Arbeit ist
sozialraum-, bedürfnis-und adressatenorientiert und hat damit eine ganzheitliche und
subjektorientierte Ausrichtung. Sie arbeitet mit Ei nzelpersonen, Cliquen und jugendkulturellen
Szenen und wendet sich vorrangig an junge Menschen, für die der öffentliche Raum von
zentraler Bedeutung und sozusagen Sozialisationsort ist.
Grundsätzliches Ziel der Arbeit ist die Verhinderun g bzw. Verringerung von Ausgrenzung und
Stigmatisierung der Adressaten sowie die Verbesseru ng deren Lebenssituation. Daher bietet
die Aufsuchende und Mobile Arbeit jungen Menschen a lltagsorientierte Hilfsangebote, die ihre
soziale Integration fördern und Benachteiligungen abbauen sollen.
Auf einer übergeordneten Ebene versucht Aufsuchende und Mobile Arbeit durch Lobby- und
Öffentlichkeitsarbeit die Bedarfslagen der Adressat en für die Öffentlichkeit transparent zu
machen. Durch Gremienarbeit, einer fach- und ressor tübergreifenden Vernetzung sowie durch
Kooperationen mit anderen sozialen Dienstleistern s ollen den jungen Menschen neue
Ressourcen erschlossen und eine Verbesserung der An gebote und Infrastruktur im Sozialraum
erreicht werden.
5.5 Bildungsarbeit
Die Kinder- und Jugendarbeit ermöglicht nicht-forme lle Bildungsprozesse und bestärkt zudem
ihre Zielgruppe darin, sich aktiv in die Gestaltung ihres Umfelds und die politischen
Beteiligungsstrukturen einzumischen. Diese Bildungs prozesse sind mehr flexibel und offen als
intendiert und beinhalten die Möglichkeit des allta gsorientierten und sozialen Lernens in der
18
Gruppe (vgl.: Sturzenhecker, B./ Lindner, W. (Hrsg. ): Bildung in der Kinder- und Jugendarbeit.
Vom Bildungsanspruch zur Bildungspraxis. Weinheim und München 2004).
Kinder- und Jugendarbeit beinhaltet eine ganzheitli che, subjektorientierte Bildungsarbeit, die
sich an den Vorstellungen, Wünschen und Bedarfen de r Kinder und Jugendlichen orientiert.
Der hier verwendete Bildungsbegriff geht von einer Entwicklungsförderung und nicht von einer
Verhinderung von Fehlentwicklung aus.
5.6 Kulturarbeit
In der kulturellen Jugendbildung setzen sich Kinder und Jugendliche auf kreative Weise mit der
eigenen und fremden Alltagskultur auseinander, soda ss kulturelle Jugendbildung einen
essenziellen Beitrag zu Toleranz und Akzeptanz leis tet. Außerschulische kulturelle
Jugendbildung umfasst die Bereiche Bildende Künste, Film, Fotografie, Literatur, Musik,
Theater und Interkulturelle Begegnungen.
Kulturelles Schaffen fördert den eigenen Ausdruck, die Spontaneität sowie die Fähigkeit zur
Gruppenarbeit und ist somit wichtiger Bestandteil d er Persönlichkeitsentwicklung.
Jugendkulturarbeit intensiviert und sensibilisiert das gesamte Empfinden. Jugendkultur ist eine
Alltagskultur und geht in der Regel direkt von einz elnen „Jugendszenen“ aus. Insbesondere
Musik hat einen sehr hohen Stellenwert für die Juge ndlichen. Die kritische Auseinandersetzung
und das aktive „Umgehen“ mit Jugendkultur brauchen Möglichkeiten und fachkundige
Pädagoginnen und Pädagogen mit vielfältigen Zusatzq ualifikationen. Hierfür sollten „Räume“
im doppelten Sinn des Wortes zur Verfügung gestellt werden, in denen sich die Jugendlichen
kreativ entfalten und entwickeln können.
5.7 Ferienangebote
Eine verlässliche und bezahlbare Ferienbetreuung is t eine Grundvoraussetzung zur
Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Aus diesem Gru nd wurden in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt seit 1971 kommunale Ferienangebote durchg eführt und durch die umfangreichen
Ferienspielangebote freier Träger ergänzt.
Im Jahr 2003 wurde von einem externen Institut eine Bedarfserhebung zum Ferienangebot in
Darmstadt durchgeführt. Hieraus resultieren die mom entan (Stand Oktober 2013) gültigen
Richtlinien zur Förderung von Ferienspielangeboten und eine den Bedarfen der Sozialräume
angepasste Angebotsstruktur der freien Träger unter Koordinierung der Kinder- und
Jugendförderung.
Die sich immer schneller verändernde Lebenssituatio n von Kindern, Jugendlichen und deren
Familien erfordert in diesem Bereich weiterhin eine ständige Nachsteuerung der Angebote, um
die unterschiedlichen Bedarfe und Notwendigkeiten abzudecken.
19
Die zukünftige Ausrichtung von Ferienspielen muss d aher die Sozialraum- und
Lebensweltorientierung ebenso im Blick haben, wie d ie Verlässlichkeit der Angebote für die
jeweiligen Familien. Das bedeutet zeitlich ausgewei tete, qualitativ begleitete und wohnortnahe
Angebote in allen hessischen Schulferien nach dem Bedarf der jeweiligen Sozialräume.
Es benötigt altersangemessene Angebote mit und ohne Übernachtung um den Interessen der
Kinder und Jugendlichen und deren Familien gerecht zu werden. Die Ferien- und
Freizeitmaßnahmen sind, in Abgrenzung zum Auftrag d er Schule, eine originäre Aufgabe der
freien Träger der Kinder- und Jugendarbeit.
Kinder und Jugendliche müssen sich in verschiedenen Rollen und sozialen Gruppen erleben
und wahrnehmen. Dies ist für die Persönlichkeitsent wicklung und individuelle Förderung der
Kinder und Jugendlichen wichtig.
Um die Ferienangebote zielführend zu vermitteln und keine Konkurrenzsituationen zu erzeugen
ist eine Kooperation der Schulen mit weiteren Anbietern von Ferienmaßnahmen anzustreben.
5.8 Jugendverbandsarbeit
In Jugendverbänden wird Jugendarbeit von jungen Men schen selbst organisiert,
gemeinschaftlich gestaltet und mitverantwortet. Sie stellen eine wichtige Lern- und Lebenshilfe,
indem sie vielfältige Ferien-, Freizeit- und Bildun gsmaßnahmen für Kinder und Jugendliche
anbieten.
Aufgrund vielfältiger Verbandsprofile bieten sie sp ezifische Identifikationsmöglichkeiten für
diese Zielgruppe. Jugendverbandsarbeit ist auf Daue r und Nachhaltigkeit angelegt und eröffnet
Kindern und Jugendlichen einen Lernort für demokrat ische Prozesse und partizipative
Strukturen. Jugendverbände bieten außerschulische J ugendbildung und sinnvolle
Freizeitgestaltung in der Gruppe an. Jugendverbands arbeit fördert die Bereitschaft von Kindern
und Jugendlichen ehrenamtlich Verantwortung zu über nehmen und die Gesellschaft aktiv
mitzugestalten. Besondere Strukturmerkmale von Juge ndverbänden sind Freiwilligkeit,
Ehrenamtlichkeit, Partizipation, Parteilichkeit für Kinder und Jugendliche sowie
Werteorientierung.
Die Jugendverbandsarbeit ist für die Jugendarbeit i n Darmstadt von zentraler Bedeutung. Das
Engagement von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Jugendverbänden trägt zu deren
Persönlichkeitsentwicklung in all ihren Facetten be i und kann dadurch dem Gemeinwohl
dienen.
Durch den Ausbau der Familienfreundlichen Schule we rden allerdings immer mehr Kinder und
Jugendliche in Ganztagsschulen betreut und können d ementsprechend am Nachmittag nur
noch schwer die Angebote der Jugendverbände nutzen.
20
Hier gilt es im weiteren Prozess der Neustrukturier ung der Kinder- und Jugendarbeit neue
Wege miteinander zu finden. Die wertvolle Arbeit in den Jugendverbänden ist mit den
Angeboten der Ganztagsschule zu vernetzen und ein A usgleich zwischen formaler und non-
formaler Bildung zu schaffen.
5.9 Jugendarbeit im Sportverein
Jugendarbeit in Sportvereinen soll zum einen das sportliche Engagement im Verein fördern
und zum anderen die Persönlichkeitsentwicklung von jungen Menschen unterstützen und
dadurch dem Gemeinwohl dienen. Durch den Ausbau der Familienfreundlichen Schule werden
allerdings immer mehr Kinder und Jugendliche in Gan ztagsschulen betreut und können
dementsprechend am Nachmittag nur noch schwer an Angeboten der Sportvereine teilnehmen.
Hier gilt es, im weiteren Prozess der Neustrukturie rung der Kinder- und Jugendarbeit neue
Wege miteinander zu finden. Die wertvolle Arbeit in den Sportvereinen ist mit den Angeboten
der Ganztagsschule zu vernetzen und ein Ausgleich z wischen formaler und non-formaler
Bildung zu schaffen.
5.10 Kooperationsprojekte von Jugendhilfe und Schule
In Schule treffen vielfältige Interessenlagen und k omplexe Aufgaben aufeinander, es findet ein
Zusammentreffen unterschiedlichster Belange am Ort Schule statt. Die Schule hat einen
gesetzlichen (Bildungs-) Auftrag. Die Lehrkräfte si nd in erster Linie Fachkräfte für das
Organisieren des Lernens und des Vermittelns von fa chlichen Inhalten. Die Mitarbeitenden der
Jugendhilfe sind besonders bei individuellen Bedürf nissen von Kindern und Jugendlichen, als
auch bei unterstützenden und präventiven Hilfsleist ungen die Spezialisten. In der Vernetzung
dieser beiden Systeme liegt die große Chance um Kindern und Jugendlichen Lebenschancen zu
eröffnen, eine erfolgreiche Schullaufbahn zu ermöglichen und Chancengleichheit herzustellen.
Die Kinder- und Jugendhilfe in Darmstadt ist in For m der flächendeckenden Schulsozialarbeit
und darüber hinaus auch im sozialräumlichen Bezug g ut mit Schule vernetzt. Schule und
Jugendhilfe müssen gemeinsam überlegen, wie sie int egrierte Angebote realisieren können, um
das Recht jedes Kindes und Jugendlichen auf die För derung seiner Entwicklung und Bildung zu
ermöglichen.
5.11 Schulsozialarbeit
Schulsozialarbeit ist ein präventives Angebot. Es r ichtet sich vorrangig an Kinder, Jugendliche,
deren Eltern und an Lehrkräfte. Die Aufträge orient ieren sich daran, eine gleichberechtigte
Teilhabe an Bildung und dem gesellschaftlichem Lebe n anzustreben.
Kooperationsvereinbarungen mit Schulen, weiteren Ei nrichtungen der Kinder- und
Jugendarbeit, sozialen Diensten und Behörden, regel n Angebote, Zuständigkeiten und
21
Aufgaben. Für die Zielgruppen werden niedrigschwell ige Kontaktangebote vorgehalten. Ebenso
sind Einzelfallhilfe, Gruppenangebote und Projektar beit Methoden in der fachlichen Arbeit.
Schulsozialarbeit versteht sich als Bindeglied zwis chen Schule und Lebenswelt von Kindern,
Jugendlichen und deren Familien.
5.12 Jugendberufshilfe
„Die wirtschaftliche Entwicklung und die Situation am Arbeitsmarkt beeinflussen unmittelbar
die Erwerbschancen und damit die Einkommensverhältnisse der Bevölkerung. Sie sind zentrale
Rahmenbedingungen für die Wohlstandsentwicklung und die Lebenslagen der Bevölkerung in
unserer Stadt. Zur Erhöhung der Chancengleichheit s ind zielgruppenspezifische Angebote für
sozial benachteiligte Menschen auf dem Ausbildungs- – und Arbeitsmarkt von zentraler
Bedeutung.“ (Ausbildungs- und Arbeitsmarktstrategie 2013-2016 der Wissenschaftsstadt
Darmstadt)
Teilhabechancen zu ermöglichen, Verteilungsgerechtigkeit durch sozialpolitische Intervention,
Existenzsicherung, passgenaue Förderung der Zielgruppen und die Stärkung der regionalen
Netzwerke sind die Handlungsschwerpunkte in der Jug endberufshilfe. Eine kontinuierliche
Anpassung der Angebote gelingt durch gemeinsame Aus wertung der Ausbildungs- – und
Arbeitsmarktsituation und einer gemeinsamen Planung von Projekten und Maßnahmen.
6 Standards d er Kind er- und Jugendarbeit in d er
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Folgende Standards sind in allen oben aufgeführten Handlungsfeldern der Kinder- und
Jugendarbeit zu berücksichtigen und zentrale Kriter ien für die Evaluierung und
Qualitätsentwicklung der einzelnen Angebote.
6.1 Lebensweltorientierung
Alltagsorientierung und Lebensweltorientierung könn en nach Hans Thiersch synonym
verwendet werden. Die Lebensweitorientierung bezeic hnet die weitgehend anerkannte
grundsätzliche Orientierung (bzw. das Paradigma) mo derner sozialer Arbeit, also auch der
Kinder- und Jugendarbeit
Im Rahmen der Kinder- und Jugendarbeit wird Unterst ützung und Hilfe nicht in einem
besonderen Setting geleistet, sondern in den jeweil s gegebenen Lebensverhältnissen der
Betroffenen entwickelt. Der Fachmann stellt keine D iagnose als Basis eines Behandlungs- oder
22
Hilfeplans, sondern versucht, die in den jeweiligen Lebensverhältnissen vorhandenen
Ressourcen zu aktivieren. Wie der Betroffene seine Situation, seine Schwierigkeiten sieht und
wie er damit umgeht, muss dabei sowohl respektiert als auch in Frage gestellt werden.
Orientierung dafür bietet eine kritische (also gene rell auf Widersprüche zu hinterfragende)
Vorstellung des Alltags, der in der Lebenswelt gele bt wird. Der Alltag ist bestimmt von
(notwendigen) Routinen, eingeschliffenen Denk- und Handlungsmustern, die Sicherheit bieten.
Gleichwohl gibt es aber auch Alternativen, Chancen und Möglichkeiten, die zu einem
„gelingenderen“ Alltag führen können. Da die Lebens welt und insofern auch der Alltag
gesellschaftlich geprägt sind, beinhalten die Allta gsorientierung, bzw. die lebensweltorientierte
Kinder- und Jugendhilfe immer auch ein politisches Mandat. Dieses Mandat entspricht dem
gesetzlichen Auftrag (§ 1 KJHG).
6.2 Sozialraumorientierung
Die Angebote dr Kinder- und Jugendarbeit in der Wis senschaftsstadt Darmstadt sollen
sozialräumlich ausgerichtet sein. Die Sozialraumori entierung stellt hierbei eine Methode der
Sozialen Arbeit dar und führt den früheren Ansatz der "Gemeinwesenarbeit" fort. Im Mittelpunkt
steht weniger der oder die Einzelne als vielmehr das gesamte Lebensumfeld.
Die Methode soll dazu beitragen das bauliche, struk turelle, soziale und andere Ressourcen
gemeinsam aufgebaut und unterstützt werden. Dies so ll ebenfalls dazu beitragen, dass
Menschen in ungünstigen Lebenssituationen ermutigt werden, die Veränderungen in ihrem
Wohngebiet selbst in die Hand zu nehmen.
6.3 Kooperation und Vernetzung
Um die vielfältigen Angebote in der Wissenschaftsst adt Darmstadt im Sinne der Kinder und
Jugendlichen aufeinander abzustimmen, Angebote zu o ptimieren und Parallelstrukturen zu
vermeiden, bedarf es stadtteilbezogener und fachlicher Netzwerke.
Hier können Synergien genutzt sowie Kenntnisse und Erfahrungen über die unterschiedlichen
Arbeitsweisen und Kulturen der Beteiligten ausgetau scht werden. Ziel ist eine systematische,
vertrauensvolle Kooperation der Akteurinnen und Akt eure auf Augenhöhe zu erreichen. So
vernetzen sich die Einrichtungen der Kinder- und Ju gendarbeit stadtweit mit anderen sozialen
Einrichtungen und Diensten, mit Schulen und Aufsuchender Arbeit.
Die Kinder- und Jugendarbeit in Darmstadt versteht sich als Netzwerkarbeit mit dem Ziel
Projekt- und Produktionsnetzwerke zu gestalten. Die vielfältigen Akteure im Gemeinwesen, wie
öffentliche und freie Jugendhilfe, Schule, Vereine, Polizei, Wirtschaft, Sport, Verbände u.a.
Organisationsformen und Einrichtungen bilden künfti g mehr (Projekt- und Produktions-)
Netzwerke im Hinblick auf Funktionalität und Überwindung von Organisationsbarrieren.
23
Die Kinder- und Jugendarbeit in Darmstadt initiiert als Innovationsträger die Gestaltung
städtischer Sozialräume im Interesse der Kinder- un d Jugendlichen. Dabei werden im Rahmen
von Vernetzungsgruppen Akteure des Gemeinwesens ein bezogen, um mit ihnen gemeinsam
Themen, Projekte und Initiativen zu entwickeln. Der Kontakt zur Forschung soll künftig z.B.
über den SWQT (Sozialwissenschaftlicher Qualitätstr ansfer) zur Herstellung von Win-Win-
Situationen stärker genutzt werden.
Vernetzung und Kooperation zwischen der Kinder- und Jugendarbeit und den Akteuren des
Gemeinwesens wird zur Notwendigkeit, wenn der Auftr ag der Kinder- und Jugendhilfe erfüllt
werden soll, den jungen Menschen und ihren Familien die jeweils erforderliche Unterstützung
zeitgerecht, bedarfsorientiert, wirtschaftlich und effektiv zur Verfügung zu stellen.
Die Bündelung der vorhandenen Kräfte und Ressourcen ist nicht nur aufgrund von
finanzpolitischen Rahmenbedingungen notwendig. Sie ist auch erforderlich im Hinblick auf
Strukturierung und Optimierung der Zusammenarbeit i m Stadtgebiet Darmstadt mit dem Ziel
unter Berücksichtigung der Trägerbeteiligung, gemei nsame Strategien zu entwickeln, um die
Lebenslagen und/oder Lebenswelten junger Menschen s tändig zu verbessern. Dies setzt
voraus, dass die unterschiedlichen Akteure der Kind er und Jugendarbeit über den eigenen
Tellerrand hinausblicken und die Kooperationspartne r und deren Aufgabenstellungen und
Möglichkeiten kennen.
Verstärkte Kooperation durch eine Ressourcenbündelu ng aufgrund der Schaffung
entsprechender Netzwerke hängt nicht nur vom „sich gegenseitig Kennen“ ab, sie erfordert
auch entsprechende Strukturen. Mit dem Auftrag zur Bildung von Arbeitsgemeinschaften, der
Verpflichtung zur Beteiligung freier Träger an der Jugendhilfeplanung und der Verpflichtung
zur Zusammenarbeit mit anderen öffentlichen Stellen und Einrichtungen enthält das SGB VIII
ein Instrumentarium und einen Auftrag zur Zusammenarbeit in generellen Fragen.
Basis der Kooperation sind ein gemeinsames Problemb ewusstsein und einvernehmliche
Zielvereinbarungen aufgrund der formulierten Ziele sowie die Einbeziehung aller für die
Zielerreichung notwendigen Akteure.
Vernetzung und Kooperation brauchen einen Planungsa uftrag, eine Absicherung, eine
Koordination, eine gemeinsame Zielformulierung und die Beteiligung aller Akteure.
Handlungsrahmen und Zielformulierungen sollten rege lhaft evaluiert werden um die Gestaltung
der Kinder- und Jugendarbeit im beabsichtigten Sinne zu gewährleisten.
6.4 Geschlechtsbewusste Arbeit
Geschlechtsbewusste Arbeit ist gesetzlich mehrfach verankert. Angefangen beim EU-Recht; hier
Amsterdamer Vertrag von 1999, Artikel 8, der die Ve rpflichtung der EU zu Gender
Mainstreaming festlegt über Grundgesetz Art. 3 Abs. 2 der einen Staatsauftrag enthält:
24
„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fordert die tatsächliche Durchsetzung der
Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender
Nachteile hin.“ Und § 9 Nr. 3 SGB VIII, Kinder- und Jugendhilfe, der besagt, dass bei der
Aufgabenerfüllung im Bereich der Kinder- und Jugend hilfe die unterschiedlichen Lebenslagen
von Mädchen und Jungen berücksichtigt, Benachteilig ungen abgebaut und die
Gleichberechtigung von Mädchen und Jungen gefordert werden müssen.
Um den fachlichen Standard der Arbeit zu gewährleis ten, muss die Möglichkeit zur Fortbildung
und Supervision und die Teilnahme an fachbezogenen Gremien innerhalb der Arbeitszeit
gewährleistet werden. Auf diesen Grundlagen sind al le Projekte, Maßnahmen, Personal,
Organisation, Budget zu planen, zu steuern und zu realisieren.
Jungen und Mädchen können sich in Bezug auf ihre In teressen, Zugänge, Lebenslagen,
Probleme, Lebensentwürfe unterscheiden. Werden dies e Unterschiede nicht berücksichtigt,
findet in der Regel eine bevorzugte - meist aber un reflektierte - Orientierung an Jungen statt,
die Mädchen benachteiligt - aber auch den Jungen nicht gerecht wird.
Mädchen und Jungen erfahren durch eine geschlechtss pezifische Sozialisation massive
Einschränkungen ihres jeweiligen Handlungs- und Ent wicklungspotentials, indem sie für eine
gelingende männliche oder weibliche Geschlechtsiden tität das jeweils andere nicht leben
können oder abwerten müssen. Damit sind spezielle Konflikte und Risiken verbunden.
Mädchen und Jungen sind mit Widersprüchen zwischen modernen und traditionellen
Rollenerwartungen sowie zwischen Männlichkeits- ode r Weiblichkeitsnormen und eigenem
Erleben konfrontiert. Die daraus entstehenden Verun sicherungen und Überforderungen
brauchen Orientierung und Begleitung. Dies gilt ebe nso für die Entwicklung von
Gleichberechtigungsansprüchen im Prozess des Hinein wachsens in die Gesellschaft. Jungen
und Mädchen leben in einer Gesellschaft, in der nac h wie vor zahlreiche Ungerechtigkeiten
zwischen den Geschlechtern bestehen, Mädchen und Fr auen in vielen Bereichen benachteiligt
und Jungen und Männer privilegiert sind. Eine gleic hberechtigte Gesellschaft braucht Mädchen
und Jungen, die in der Lage sind, Gleichberechtigung zu leben und zu gestalten.
Für die Mädchen und Jungenarbeit bedeutet dies, das s beiden Geschlechtern auch
Erfahrungen außerhalb des koedukativen Rahmens eröf fnet werden müssen und ihnen eine
gleichwertige Verteilung von Raum, Zeit und Aufmerk samkeit durch das erwachsene
Fachpersonal angeboten werden muss. Beiden Geschlec htern muss Gelegenheit gegeben
werden, Erfahrungen mit dem eigenen Geschlecht in D ifferenz zu den Erfahrungen mit dem
anderen Geschlecht erleben zu können. Dies ermöglic ht Stärken und Schwächen zu erkennen
und für jedes Geschlecht der positiven und negativen Wertschätzung zu unterziehen.
25
Von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erfordert ein e geschlechtsbewußte Arbeit die Reflektion
der eigenen Haltung und die Sensibilität in Bezug a uf Geschlechterstereotypen. Der Erwerb
geschlechtsbewußter Kompetenz ist Bestandteil der P ersonalentwicklung. Mädchen- und
Jungenarbeit benötigen den wertschätzenden Austausc h und die Kooperation untereinander.
Insbesondere im Hinblick auf die Weiterentwicklung von Konzepten zur Genderfrage sind beide
gemeinsam gefordert.
6.5 Inklusion
"Inklusion“ bezeichnet einen Zustand der selbstvers tändlichen Zugehörigkeit aller Menschen
zur Gesellschaft. Damit verbunden ist die Möglichke it aller zur uneingeschränkten Teilhabe in
allen Bereichen der Gesellschaft. Das Konzept der I nklusion wendet sich damit gegen die
Diskriminierung oder das "an den Rand drängen" (Mar ginalisierung) von Menschen aufgrund
zuschreibbarer Merkmale wie z.B. religiöse und welt anschauliche Überzeugungen, Geschlecht,
Soziallage, Alter, kulturelle Hintergründe, Hautfar be, sexuelle Orientierung und körperliche
oder geistige Behinderungen. Verschiedenheit wird als Normalität betrachtet."
Jeder Mensch hat ein Recht auf "Inklusion", also da rauf, ein gleichberechtigter Teil der
Gesellschaft zu sein. So steht es in der Behinderte nrechtskonvention der Vereinten Nationen,
die seit 2009 auch in Deutschland gilt.
Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung wurde Ende 2006 von der
Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) vera bschiedet. Doch von der rechtlichen zur
tatsächlichen Gleichstellung behinderter Menschen ist es noch ein weiter Weg.
Im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit liegt es in der Verantwortung der freien und
öffentlichen Träger, dass die Ziele der UN- Behinde rtenrechtskonvention umgesetzt werden. Es
gilt zusammen mit den Trägern und Einrichtungen der Behindertenhilfe Kooperationen zu
entwickeln, um jungen Menschen mit Behinderung mehr gesellschaftliche und kulturelle
Teilhabe zu ermöglichen. Die Träger der Jugend- und der Behindertenhilfe können hier von den
jeweiligen Kompetenzen profitieren und Synergien herstellen.
6.6 Partizipation
Partizipation ist die wirkungsvolle und nachhaltige Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
bei allen sie betreffenden Angelegenheiten. Sie fin det auf unterschiedlichen Ebenen (lokal,
regional, überregional, europäisch) statt und umfas st unterschiedliche Formen der Beteiligung
(z.B. Jugendparlamente, Jugendausschüsse, lokale Ad -hoc-Gruppen, internetgestützte
Formen). Partizipation ist auch ein Lernprozess, in dem junge Menschen bürgerschaftliche und
demokratische Verhaltensweisen erproben und einüben . Die Gestaltung von
Partizipationsprozessen leistet somit einen wichtigen Beitrag zur Demokratieerziehung.
26
Für eine gelingende Sozialisation benötigen junge M enschen vielfältige und weitreichende
Gestaltungsmöglichkeiten. Da ihnen die vollen polit ischen Bürgerrechte (noch) nicht
zugestanden werden, ist es wichtig, ihnen weitreichende Beteiligungsrechte einzuräumen.
Partizipation bedeutet für die Kinder- und Jugendar beit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
die Teilhabe aller Beteiligten, also von Kindern, J ugendlichen, jungen Erwachsenen, deren
Familien und den fachlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
In der Praxis der Kinder- und Jugendarbeit sind vie lfältige Formen der Kinder- und
Jugendbeteiligung entwickelt worden, wobei jeweils eine Lösung gefunden werden muss, die
zu den Bedingungen und der Zielgruppe vor Ort passt . Zu unterscheiden sind direkte,
repräsentative, offene oder projektorientierte Form en. Die Partizipationsangebote müssen
mit den Unterschieden bezüglich sozialer Schicht, B ildungshintergrund und konkreter
Lebenssituation der Zielgruppe umgehen und, wo nöti g, gezielt fördern. Die freiwillige
Mitwirkung von Kindern und Jugendlichen braucht Spa ß und aktivierende Methoden
Dies wird im Dialog und partnerschaftlichen Aushand lungsprozess zwischen den Fachkräften
und den jungen Menschen geschehen. Partizipation wi rd in die Konzeptionen der Kinder- und
Jugendeinrichtungen, d. h. in die alltägliche Praxi s, übernommen. Beteiligungsformen und –
strukturen werden von den pädagogischen Fachkräften dialogisch mit Kindern und
Jugendlichen entwickelt. Dadurch wird “Zuhören“ gew ährleistet, Anliegen werden ernst
genommen, Beteiligungsprozesse werden begleitet – unterstützt und moderiert.
Das Leben in der Gemeinschaft wird so als demokratischer Meinungsbildungsprozess gestaltet.
Kinder und Jugendliche lernen in weitestgehender Tr ansparenz Planungs- und
Entscheidungsprozesse kennen und den Umgang mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen,
da auch die Beteiligungsform von ihnen mitbestimmt wird.
Partizipation als Instrument für die Gestaltung kin dgerechter bzw. jugendlicher Lebenswelten
setzt auch auf Seiten der Träger der Kinder- und Ju gendarbeit ein Umdenken voraus. Es geht
um den Wandel weg von einer angebotsorientierten Ar beit hin zu einer Ermöglichungsstruktur
für selbstbestimmte, offene und flexible Aktionsfor men, die die Kinder und Jugendlichen dort
abholt, wo sie leben. Das Umdenken betrifft sowohl die Organisationen im Feld der Kinder- und
Jugendarbeit als auch die hier tätigen Fachkräfte. Wichtige Unterstützungsinstrumente für
diese Umorientierungsprozesse sind Fortbildungen, F achaustausch, gemeinsame Projekte,
usw.
6.7 Interkulturelle Aspekte
Deutschland ist ein Einwanderungsland und steht in engen politischen, kulturellen und sozialen
Verbindungen mit anderen Ländern. Deshalb leben hie r Menschen mit unterschiedlichen
kulturellen Hintergründen. Häufig wird das Potentia l dieser Vielfalt nicht genutzt. Es bedarf
27
vielmehr Anstrengungen auf allen Ebenen der Gesells chaft, Kinder und Jugendliche aus
verschiedenen Herkunftsländern zu integrieren.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt, mit einem Anteil von 16,1% von jungen Menschen mit
Migrationshintergrund an der Gesamtzahl der unter 2 7-jährigen, stellt sich dieser
Herausforderung in besonderem Maße.
In der Kinder- und Jugendarbeit bietet sich die Cha nce, jungen Menschen aus verschiedenen
Herkunftsländern gegenüber zu treten, ihnen Angebot e zur Integration zu machen und
Offenheit und Toleranz erfahrbar zu machen. Interku lturelle Jugendarbeit öffnet Wege zur
Integration, indem sie Wissen und Verständnis für a ndere Kulturkreise schafft und zu Toleranz
und zur Überwindung von kulturellen Grenzen beiträg t. Kommunikations-möglichkeiten von
und mit Kindern und Jugendlichen mit Migrationshint ergrund werden gefördert, Begegnungen
ermöglicht. Integrationsangebote an junge Menschen setzten die Bereitschaft voraus, sich mit
der eigenen Kultur auseinander zu setzen. Sie betreffen und ändern auch junge Menschen ohne
Migrationshintergrund. Der Erwerb interkultureller Kompetenz ist Bestandteil der
Mitarbeiterfortbildung und der Personalentwicklung.
Als ein zentraler Aspekt, kann die Interkulturelle Öffnung angesehen werden. Es handelt sich
dabei um ein Querschnittsthema, das wie Gender Main streaming und Inklusion alle Bereiche
und Institutionen der Kinder- und Jugendarbeit glei chermaßen betrifft. Interkulturelle Öffnung
meint, die Regelangebote den Bedürfnissen und Anfor derungen der Einwanderungsgesellschaft
anzupassen. Ziel ist es, dadurch Zugangsbarrieren u nd Hemmschwellen abzubauen und einen
gleichberechtigten Zugang aller zu den Angeboten zu ermöglichen. Bei der Interkulturellen
Öffnung handelt es sich um einen Prozess, der Verän derungen hinsichtlich der Strukturen,
Arbeitsweisen, der Qualität der Angebote und der eigenen Einstellungen erfordert.
Besondere Schwerpunkte im Bereich interkultureller Kinder- und Jugendarbeit bilden die
Ermöglichung der eigenen kulturellen Ausdrucksweise sowie die Förderung der Kommunikation
und Interaktion von Kindern und Jugendlichen unters chiedlicher soziokultureller und religiöser
Herkunft durch Sensibilisierung, Begegnung, Beziehu ngsaufbau, sowie der Auseinandersetzung
mit unterschiedlichen Wertesystemen und Kulturen.
Der Aspekt des interkulturellen Lernens vollzieht s ich in drei Bereichen, die ineinander greifen
und eine Einheit bilden. So sind Identitätsbildung auf individueller Ebene, die Anerkennung
kultureller Koexistenz der Gruppen und in übergeord netem Sinn, die gesamtgesellschaftliche
Interaktion, Bestandteile der Lernerfahrungen.
Die genannten Aspekte sind unter der Zielsetzung zu sehen, den jungen Menschen die
Entwicklung einer eigene kulturellen Identität zu e rmöglichen, sowie die unterschiedlichen
Orientierungs- und Lebenswelten von Individuen und Gruppen zu achten.
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Die Struktur der Einrichtungen, der Kinder- und Jug endarbeit, der Prozess der Hilfeerbringung
und die Beratungsergebnisse sollen systematisch auf ihre interkulturelle Ausrichtung überprüft
werden. Es sollen Ziele und Evaluationskriterien fo rmuliert werden, die die Arbeit überprüfbar
machen und die eine Handlungsanweisung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter darstellen.
Ziel der Interkulturellen Öffnung der Kinder- und J ugendhilfe ist also, dass sich alle Kinder und
Jugendlichen, auch die Kinder und Jugendlichen mit Migrationshintergrund, aufgenommne
fühlen und einen gleichberechtigten Zugang zu allen Angeboten finden. Interkulturelle Öffnung
ist die Fähigkeit einer Organisation, erfolgreich m it Kindern, Jugendlichen und deren Familien
aus unterschiedlichen Lebenswelten zu kommunizieren , wobei im Vordergrund nicht die
Sprachschwierigkeiten oder Zugehörigkeiten zu einer anderen Herkunftskultur, sondern die
Potentiale und Ressourcen stehen.
7 Steuerung und Qualitätsentwicklung
7.1 Leistungs- und Zielvereinbarungen mit Schutzkonzept
Es werden zukünftig ausschließlich Leistungsverträg e mit den einzelnen freien Trägern bzw.
Verbänden geschlossen, die die zu erbringenden Leis tungen sowie die dafür an den Träger
ergehenden Mittel regeln. Mit städtischen Einrichtu ngen sowie mit den Verantwortlichen des
Bereichs Kinder- und Jugendarbeit der Stadtverwaltu ng werden analog schriftliche
Zielvereinbarungen geschlossen. Die Leistungen erge ben sich aus dem jeweiligen Konzept, das
entsprechend den hierin beschriebenen Aufgaben der jeweiligen Einrichtung/des Trägers/des
Verbandes Bestandteil der Leistungsverträge bzw. Zielvereinbarung wird.
Auf diese Weise werden grundsätzlich alle Leistunge n der Wissenschaftsstadt Darmstadt für
die Kinder- und Jugendarbeit über Leistungsverträge und Zielvereinbarungen geregelt.
Um den Trägern Planungssicherheit zu gewährleisten, haben die Leistungsverträge und
Zielvereinbarungen eine Laufzeit von 3 Jahren. Dana ch werden entsprechend dem neuen
Konzept auch die Verträge und Vereinbarungen erneuert.
Die Finanzierung von städtischen Einrichtungen und freien Trägern orientiert sich bzgl. der
Personalkosten an den geltenden tariflichen Rahmenbedingungen.
Vor Ausarbeitung der Leistungsverträge und Zielvereinbarungen werden die jeweiligen
Konzepte, die ein Jahr vor Auslaufen der alten Verträge bzw. Vereinbarungen vorliegen müssen,
von der Verwaltung geprüft. Sie wird dabei unterst ützt und beraten von der AG nach §78. Bei
Fundierung durch eine entsprechende Bedarfsermittlu ng und Schlüssigkeit des (Stadtteil- bzw.
stadtweiten) Konzepts und der darin enthaltenen Aufgaben der einzelnen
Einrichtungen/Träger/Verbände werden diese ausgearbeitet und rechtswirksam geschlossen.
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Mit allen Trägern sind zudem Vereinbarungen gemäß § 8a des Achten Sozialgesetzbuches (SGB
VIII) abzuschließen.
7.2 Evaluation und Berichterstattung
Die Dokumentationen der Einrichtungen liefern grundlegende Informationen über die tägliche
pädagogische Arbeit. Diese werden einrichtungs- und trägerübergreifend in einer
vergleichbaren Form erbracht.
Selbstevaluation ist eine „ehrliche“ Plattform der fachlichen Reflexion und des kollegialen
Austauschs innerhalb der Einrichtungen bzw. Träger. Hierzu werden Ausschnitte und
Begebenheiten aus der pädagogischen Praxis gemeinsa m beschrieben, reflektiert und
„gedanklich überprüft“. Formen der Selbstevaluation sind in Abgrenzung zum Berichtswesen
und Controlling zu sehen. Sie werden getrennt von d iesen Prozessen durchgeführt. Insofern ist
Selbstevaluation ein nach innen gerichtetes dialogisches Verfahren zur Qualitätssicherung.
Es geht hier zudem nicht um eine Überprüfung von Er gebnissen oder Wirksamkeit von Kinder-
und Jugendarbeit, sondern um ein „kritisches Überdenken“ des fachlichen Handelns.
Professionelle Selbstevaluation erfordert ein systematisches und regelmäßiges Vorgehen.
Geleitet von der AG nach §78 wird ein entsprechender Kriterienkatalog entwickelt.
Selbstevaluation ist zudem ein wichtiger Inhalt von Fortbildungen. Die notwendigen
Arbeitsmaterialien zur Dokumentation und Selbstevaluation werden ebenfalls im Rahmen von
Fortbildungen verbreitet und weiterentwickelt.
Zudem wird ein aussagekräftiges und vergleichbares Berichtswesen aufgebaut und regelhaft
ausgewertet.
7.3 Qualitätsentwicklung und Qualitätsdialog
Grundlegendes Element aller Aktivitäten der Kinder- und Jugendarbeit in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt ist ein integrierter u nd kontinuierlicher Qualitätsdialog
zwischen allen beteiligten Akteuren auf allen Ebene n. Dieses schließt gemeinsame,
verbindliche, einrichtungs- und trägerübergreifende Prozesse und Strukturen ein.
Qualität in der Kinder- und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt wird durch
dialogische Formen der Zusammenarbeit erreicht. Eine dialogisch arbeitende Kinder- und
Jugendarbeit ist als kommunikativer Prozess im Sinne stetiger Beteiligungs- und
Aushandlungsprozesse zu verstehen.
Qualität ist gekennzeichnet durch bedarfsgerechte und koordinierte Leistungen der
einzelnen Träger und Einrichtungen aufgrund der in der sozialräumlichen Bedarfsermittlung
festgestellten Bedarfe. Qualität ist des Weiteren gekennzeichnet durch flexibles Aufgreifen
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aktueller Entwicklungen.
8 Umsetzung d es Rahmenkonzeptes
Das Rahmenkonzept wird nach der Verabschiedung im J ugendhilfeausschuss (JHA) der
Wissenschaftsstadt Darmstadt kontinuierlich weitere ntwickelt und auf der fachlichen und
operativen Ebene spezifiziert. Die AG nach §78 wird dahingehend die Rahmenbedingungen
schaffen, um unter Einbeziehung aller beteiligten A kteure, zukunfts- und tragfähige Konzepte
der Kinder- und Jugendarbeit zu entwickeln und fortzuschreiben.
Die Erarbeitung der Instrumente unter Punkt 7. werd en ab 2015 die entscheidenden Schritte
zur Umsetzung des Rahmenkonzeptes sein. Hierbei wir d die AG nach §78 im Zuge ihres
Auftrages beteiligt.
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Punkt 8: Rahmenkonzeption für die Kinder- und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt (V-Nr. 2015/0107) - Kenntnisnahme - Der Ausschuss nimmt von der Vorlage Kenntnis.
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Punkt 22: Rahmenkonzeption für die Kinder- und Jugendarbeit in der Wissenschaftsstadt Darmstadt (V-Nr. 2015/0107) Der Ausschuss nimmt von der Vorlage Kenntnis.
Beratungsverlauf (4)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2015/0107
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 13.03.2015
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00