V/0392/2012
Pflegebericht 2012
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Berichtsvorlage
2083 Zeichen
V/0392/2012 DER OBERBÜRGERMEISTER Sozialamt Betrifft Pflegebericht 2012 Beratungsfolge 12.06.2012 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen Bericht 13.06.2012 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Bericht 20.06.2012 Integrationsrat Bericht 25.06.2012 Kommunale Seniorenvertretung Bericht Bericht: Der Pflegebericht 2012 des Sozialamtes vermittelt einen Überblick über die ambulanten, teil - und vollstationären Angebote und Leistungen in Münster. Er stellt die aktuelle pflegerische Verso r- gungssituation in Münster dar und gibt e inen Ausblick auf die Planungsvorhaben und weit eren Entwicklungen. Im Schwerpunkt äußert sich der Pflegebericht 2012 zur Situation pflegebedürftiger Menschen mit Migrationsvorgeschichte, älteren hilfe - und pflegebedürftigen Menschen mit Behind erung, zum Aufbau von Quartiersangeboten, zur Entwicklung und Nachfrage vollstationärer Pflegeeinrichtun- gen sowie zur Situation auf dem Pflegearbeitsmarkt. Der Pflegebericht berücksichtigt die kleinräumige Bevölkerungsprognose mit Blick auf die qualita- tive und quan titative Ausrichtung kommunaler Pflegeinfrastruktur. Er verfolgt darüber hi naus die wesentlichen Ziele des Handlungskonzeptes demographischer Wandel mit den Aspekten Barrie- refreiheit, Inklusion sowie der Förderung einer bedarfsorientierten Stadtteil - und Infrastrukturpla- nung für Seniorinnen und Senioren und pflegebedürftiger Menschen. Zur Entwicklung der Pflegestützpunkte in Münster wird auf die Vorlage V/0295/2012 „Erfahrungs- bericht: Pflegestützpunkte in Münster“ in verwiesen. Die Pflegeberichterstattung wird zukünftig dem Schema Kurzdarstellung in den ungeraden und Langversion in den geraden Jahren folgen. In Vertretung Vorlagen-Nr.: V/0392/2012 Auskunft erteilt: Herr Schulze auf´m Hofe Ruf: 492 50 25 E-Mail: SchulzeaufmHofe@stadt-muenster.de Datum: 09.05.2012 Öffentliche Berichtsvorlage 2 V/0392/2012 gez. Thomas Paal Stadtrat Anlage: Pflegebericht 2012
Pflegebericht2012
83519 Zeichen
1
Pflegebericht 2012
2
3
4
Pflegebericht des Sozialamtes der Stadt Münster 2012
Inhaltsübersicht
1. Alterungsprozess in Münster
2. Ältere Menschen mit Migrationsvorgeschichte in M ünster
3. Ältere Menschen mit Behinderung in Münster
4. Gerontopsychiatrisch veränderte Menschen in Müns ter
5. Pflegesituation in Münster
6. Entwicklung in der ambulanten Pflege
7. Quartiersangebote – Wohnen mit Versorgungssicher heit
8. Netzwerke „Älter werden im Stadtbezirk und Stadt teil“
9. Niederschwellige Betreuungsangebote nach § 45b S GB XI
10. Entwicklungen in der Tagespflege
11. Darstellung des Kurzzeitpflegeangebotes
12. Ambulant betreute Wohngemeinschaften
13. Vollstationäre Pflegeeinrichtungen
14. Detailübersicht vollstationäre Pflegeeinrichtungen
15. Planungen vollstationäre Pflegeeinrichtungen
16. Pflegearbeitsmarkt, Pflegefachkräfte und Altenpflegeseminare in Münster
17. Hospiz- und Palliativversorgung in Münster
18. Pflegekonferenz Münster
5
1. Alterungsprozess in Münster
Die 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes vom
November 2009 sagt ein wachsendes Geburtendefizit voraus, weist auf die Veränderung der
Relationen zwischen Jung und Alt hin, kündigt die Alterung und Abnahme der Bevölkerung
im Erwerbsalter an und prognostiziert eine Verdoppelung des Altenquotienten bis 2060.
Diese Darstellungen werden in Teilen auch für Münster zutreffen und zu einer deutlichen
Veränderung des zukünftigen Bevölkerungsaufbaues führen. Der steigende Anteil der Älte-
ren an der Gesamtbevölkerung ist vor allem der noch rasanteren Abnahme der Jüngeren
geschuldet. Auch wenn in Münster die Zahl der Bevölkerung, anders als in vielen Teilen des
Landes nicht schrumpft, sondern kontinuierlich wachsen wird, wird es in der Konsequenz
immer weniger (junge) Menschen geben, die einer wachsenden Anzahl älterer und hochalt-
riger Menschen gegenüberstehen. In Münster wird sich die Zahl der jungen Alten (65 - < 80
Jahre) in den nächsten Jahren recht konstant auf einem Niveau bewegen, wohingegen bei
den Hochaltrigen (80 Jahre und älter) ein kontinuierlicher Anstieg zu erwarten ist. Gleichzei-
tig bedeutet diese Entwicklung auch, dass sich das relative Helferpotential der jungen Alten
ebenso verringern wird.
Die folgende Tabelle des Amtes für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung gibt
diese Tendenz, die im Rahmen der zusätzlichen Materialien der kleinräumigen Bevölke-
rungsprognose: “Alterungsprozess in Münster“ errechnet wurde, sehr deutlich wieder.
Wohnberechtigte Bevölkerung in Münster nach Altersgru ppen,
über 65 Jahre, 1995 bis 2020
0
10
20
30
40
1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020
in Tausend
Jahre, jew. 31.12.
65 - < 80 Jahre
80 Jahre u. älter
Stadt Münste r - Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung
IST PROGNOSE 29 149
11 128
36 027
13 786
35 735
19 983
6
Die zusätzlichen Materialien: „Alterungsprozess in Münster“ der kleinräumigen Bevölke-
rungsprognose 2009 bis 2020 der Stadt Münster sind einsehbar unter
http://www.muenster.de/stadt/stadtplanung/strategie-bevoelkerung.html .
Dargestellt wird hier der demographische Wandel (auch Münster altert), die Entwicklungen
insgesamt und nach Geschlecht, nach Altersgruppen, nach Alten- und Jugendquotienten
sowie nach Durchschnittalter. Sehr plastisch werden die Entwicklungen in den Stadtteilen
(Statistischen Bezirken) mit dem Anteil der 80-Jährigen und Älteren an der Wohnberechtig-
ten Bevölkerung nach Statistischen Bezirken zum 31.12.2020 (prognostiziert) aufgezeigt.
Aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen, zum einen durch die Einführung der
Zweitwohnsitzsteuer zum 01.05.2011 sowie die Nachnutzung der britischen Kasernen und
Wohnstandorte haben und werden sich die Grundlagendaten für die Prognose 2009 – 2020
verändern. Gleichwohl behalten die Aussagewerte in den ergänzenden Materialien zur Vor-
lage V/070/2010 für die Altersgruppe 60 + in der Tendenz ihre Gültigkeit.
2. Ältere Menschen mit Migrationsvorgeschichte in Münster
Die Anzahl der Einwohner der Stadt Münster mit Migrationsvorgeschichte macht etwa 60.000
Personen aus. Das entspricht einem Anteil von etwa 21 % an der Gesamtbevölkerung. Davon
sind ca. 12.000 Personen im Alter zwischen 60 und 90 und mehr Jahren. Die folgende Tabelle
zeigt die Anteile in den verschiedenen Alterskohorten.
Wohnberechtigte Bevölkerung
am 31.12.2010
Mit Migrationsvorgeschichte Gesamt in Altersgruppen
Alter 60 – 69 4.668 25.141
Alter 70 – 79 4.651 23.387
Alter 80 – 89 2.207 12.179
Alter 90 und mehr Jahren 341 2.018
… Gesamt 11.887 62.752
Quelle: SMS Statistik für Münsters Stadtteile (2011): Fach stelle Informationsmanagement und Sta-
tistikdienststelle Migration in Münster.( Hrsg.). S tadt Münster. Amt für Stadtplanung, Verkehrspla-
nung
7
Noch sind alte und hochaltrige Menschen mit Migrationsvorgeschichte – auch in Münster –
gemessen an den absoluten Zahlen eine vergleichsweise kleine Gruppe. Ihr Anteil wird in
den kommenden Jahren allerdings zunehmen. In allen Kulturkreisen zeichnet sich ein Nach-
lassen familiärer Pflegebeziehungen ab. Grundlegende Informationen über die vielfältigen
Angebote der pflegerischen Einrichtungen und weitere Hinweise auf Unterstützungs- und
Betreuungsangebote in Münster sind daher erforderlich. In der Zukunftswerkstatt des Arbeit-
kreises interkulturelle Kontakte der Kommunalen Seniorenvertretung Münster äußerten die
teilnehmenden Seniorinnen und Senioren den Wunsch, umfassend über die pflegerischen
Angebote und Einrichtungen in Münster informiert zu werden. Aus diesem Anlass haben die
Kommunale Seniorenvertretung, der Integrationsrat und das Sozialamt der Stadt Münster
am 23.11.2011 zu der Informationsveranstaltung „Wenn die Kräfte nachlassen…“ alle inte-
ressierten Münsteranerinnen und Münsteraner mit und ohne Migrationsvorgeschichte einge-
laden.
Im Ergebnis wurde deutlich, dass die Beratungsangebote der Altenhilfe und die Unterstüt-
zungsleistungen der Pflegeeinrichtungen noch immer recht selten von älteren Menschen mit
Migrationsvorgeschichte angenommen werden. Sprachbarrieren, Informationsdefizite, Unsi-
cherheit im Umgang mit Behörden und kulturell gewachsene Rollenerwartungen gegenüber
der eigenen Familie scheinen nach wie vor die größten Hemmschwellen für die Inanspruch-
nahme von Unterstützungsleistungen zu sein.
In der Datenauswertung des Abschlussberichtes zur Studie „Wirkungen des Pflege-
Weiterentwicklungsgesetzes“
1 wird festgestellt, dass deutschlandweit acht Prozent der Pfle-
gebedürftigen in Privathaushalten eine Migrationsvorgeschichte haben. Für 68 % von ihnen
ist Deutsch die Muttersprache, daher sind Sprachbarrieren im Rahmen von Informations-
und Beratungsprozessen ein eher geringerer Faktor. Auffällig ist allerdings, die Zurückhal-
tung zur Nutzung professioneller Pflege, wobei es nicht von Belang ist, ob ggf. kulturelle
und/oder religiöse Belange bei ambulanten Pflegediensten nicht oder weniger Berücksichti-
gung finden. Darüber hinaus gibt es unter der Gruppe der Migrantinnen und Migranten noch
immer jene, die Schwierigkeiten bei der Beantragung von Leistungen der Pflegeversiche-
rung haben.
Dem Abschlussbericht ist weiter zu entnehmen, dass jeder zweite Pflegedienst in Deutsch-
land keine Pflegebedürftigen mit Migrationsvorgeschichte betreut. Insgesamt haben 7 % der
1 Vgl. Abschlussbericht zur Studie „Wirkungen des Pf legeweiterentwicklungsgesetzes“, Herausgeber Bundes-
ministerium für Gesundheit, Juni 2011
8
Kunden von ambulanten Pflegediensten ein Migrationsvorgeschichte. Demgegenüber kön-
nen 33 % der Einrichtungen eine muttersprachliche Pflege sicherstellen. Insgesamt kann
davon ausgegangen werden, dass der weitaus größte Teil der seit vielen Jahren in Deutsch-
land lebenden Migrantinnen und Migranten und der pflegenden Angehörigen sich ausrei-
chend gut über die Leistungen und Angebote der Pflege(versicherung) informieren kann.
Etwa 9 % der Pflegebedürftigen in vollstationären Pflegeeinrichtungen haben eine Migrati-
onsvorgeschichte. Die überwiegende Mehrheit hat Deutsch zur Muttersprache. Ein Verstän-
digungsproblem mit dem deutschsprachigen Pflegepersonal existiert daher i.d.R. nicht. Tat-
sächlich wird der größere Anteil der Pflegebedürftigen mit Migrantionsvorgeschichte durch
Pflegekräfte betreut, die einen identischen kulturellen bzw. religiösen Hintergrund hat.
Handlungsaufträge für die kommenden Jahre:
- Interkulturelle Öffnung und Vernetzung der Altenh ilfeangebote durch zugehende und
partizipative Ansätze,
- Achtung der individuellen Werte, der kulturellen und religiösen Prägungen und Be-
dürfnisse älterer und pflegebedürftiger Personen,
- Verankerung kultursensible Altenhilfe und Pflege als Querschnittsthema in den Be-
gegnungsstätten, den Informations- und Beratungsangeboten,
- Einbindung der Selbstorganisationen von Migrantin nen und Migranten und Anerken-
nung der Potentiale und Ressource in die o.g. Prozesse. 2
Als beispielhafte Aktivitäten sind hier die Initiativen des Integrationsrates, der Kommunalen
Seniorenvertretung Münster, der Wohlfahrtsverbände, des Sozialamtes, der Koordinie-
rungsstelle für Migration und interkulturelle Angelegenheiten zu nennen. Der christlich-
islamischen Arbeitskreis hat beispielsweise einen Fleyer zum Umgang mit Muslimen im Kli-
nik und Pflegebetrieb erstellt.
Das Thema "Kultursensible Altenpflege" findet in der täglichen Arbeit des stadtteilorientier-
ten Fachdienstes der Fachstelle Sozialer Fachdienst Senioren und Pflege (SFD), mit dem
Informationsbüros Pflege als Pflegestützpunkt seine Berücksichtigung. Aktuell führt der SFD
mit den leistungsgewährenden Fachstellen des Sozialamtes gemeinsame Informationsver-
anstaltungen bei den Migrantenselbstorganisationen zum Thema Pflege durch.
2 Vgl. Memorandum für eine kultursensible Altenhilfe , Der Beauftragte der Bundesregierung für Migration ,
Flüchtlinge und Migration, 2. Auflage, 2009 sowie H andlungsempfehlungen zur Umsetzung einer kultursens ib-
len Altenpflege in Münster; Arbeitsgruppe „Kultursensible Altenpflege“ der Pflegekonferenz Münster, 2008
9
3. Ältere Menschen mit Behinderung in Münster
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe spricht in seiner Broschüre „Menschen mit Behin-
derung im Alter“ von der historischen Herausforderung, dem demographischen Wandel auch
bezüglich der Menschen mit psychiatrischer und geistiger Behinderung zu begegnen. Eine
exakte zahlenmäßige Erfassung des Personenkreises ist nicht möglich. Es ist davon auszu-
gehen, dass ältere und pflegebedürftige Bewohnerinnen und Bewohner mit geistiger Behin-
derung in stationären Wohneinrichtungen spätestens ab dem Jahr 2020 im größeren Um-
fang betreut werden. Für die Personen in ambulanten Wohn- und Betreuungsformen, die
aktuell eine jüngere Altersstruktur aufweist, wird ab dem Jahr 2025 von einer deutlich stei-
genden Zahl älterer und pflegebedürftiger Menschen ausgegangen. 3
Netzwerkarbeit
Mit den offenen Arbeitskreisen „Älter werden im Stadtteil/Stadtbezirk“, initiiert und koordiniert
von der Kommunalen Seniorenvertretung Münster und der Altenhilfe- und Pflegeplanung
des Sozialamtes, wird seit 2008 „Partizipation auf Augenhöhe“ betrieben. Durch die Vernet-
zung der Anbieter und Einrichtungen der Altenhilfe, Pflege und Eingliederungshilfe innerhalb
eines Quartiers wird es perspektivisch möglich sein, Schnittstellenprobleme und Versor-
gungslücken ausfindig zu machen. Dabei ist die Etablierung neuer Beteiligungs-, Mitgestal-
tungs- und Selbstverwaltungsformen ein wesentlicher Baustein gelingender Quartiersarbeit.
Dazu gehört auch die Beteiligung von Menschen mit Behinderung im Alter. Es ist erklärtes
Ziel, Menschen mit und ohne lebensbegleitende Behinderung aktiv in der Gremienarbeit in
den Quartieren zu beteiligen.
Diese Zielvorgabe wird in den „Handlungsempfehlungen zur Förderung einer gleichberech-
tigten Teilhabe von Menschen mit geistiger Behinderung in Münster (Beschluss des Rates
vom 10.12.2008, Vorlage V/0900/2008) im Kapitel „Menschen mit geistiger Behinderung im
Alter“ die „Öffnung von Angeboten für Seniorinnen und Senioren für Menschen mit geistiger
Behinderung“ als eine Handlungsempfehlung benannt. Das Thema „Behinderung und Alter“
wird auch im vorgesehen Aktionsplan der Stadt Münster zur Umsetzung der UN -
Behindertenrechtskonvention (Beschlussvorlage an den Rat V/0525/2011: Münster auf dem
Weg zur Inklusion; 1. Konzept zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention -
Verfahren zur Erstellung eines Aktionsplans; 2. Bisherige Aktivitäten zur Umsetzung der UN-
Behindertenrechtskonvention) aufgegriffen. Bei der Erarbeitung der Handlungsbedarfe in
3 Vgl. Anforderungen an die Lebensgestaltung älter w erdender Menschen mit geistiger Behinderung in unte r-
stützenden Wohnformen – Ergebnisse einer Literatura nalyse und Expertenbefragung, Kath. Hochschule NRW,
Abt. Münster, 2010, S. 83
10
Münster sollen dabei insbesondere die Schnittstellen zur Altenhilfe in den Blick aufgenom-
men werden. In den bisher vorliegenden Forschungen, die sich mit der Lebensgestaltung
von älteren Menschen mit und ohne lebensbegleitende Behinderung beschäftigen wird deut-
lich, dass sich diese kaum voneinander unterscheiden.4
Beispielhafte Angebote sind die vollstationären Pflegeeinrichtungen „Haus Thomas“ der Ale-
xianer Münster gGmbH und das Ernst-Kirchner-Haus des LWL-Pflegezentrums. Diese bie-
ten hilfe- und pflegebedürftigen Menschen, die eine geistige oder körperliche Behinderung
haben, psychisch/seelisch erkrankt und oder verhaltensauffällig sind, mit einer Vielzahl von
tagesstrukturierenden Angeboten eine angemessene Wohn-, Betreuungs- und Pflegeform.
Ebenso bietet die neu eröffnete Tagesstätte Alex-Dorftreff der Alexianer Münster gGmbH in
Amelsbüren ein tagesstrukturierendes Angebot für Menschen mit Behinderung auf integrati-
ver Ebene an, die aus Altersgründen nicht mehr einen Werkstattbetrieb besuchen können.
4. Gerontopsychiatrisch veränderte Menschen in Münster
Mit Blick auf die 1,2 Millionen Menschen mit Demenz in Deutschland, für die Stadt Münster
werden 3.500 erkrankte Personen geschätzt, ist davon auszugehen, dass jede Münsterane-
rin und jeder Münsteraner im beruflichen Alltag oder im familiären bzw. privaten Umfeld
vermehrt auf demenziell veränderte Menschen treffen wird. Jährlich treten deutschlandweit
etwa 280.000 Neuerkrankungen auf. Immer mehr demenzkranke Menschen werden allein in
privaten Haushalt leben. Gerade im Anfangsstadium der Krankheit wird versucht, den Le-
bensalltag selbständig zu meistern. Hilfen werden häufig nicht in Anspruch genommen oder
sind nicht bekannt. Angehörige sind oftmals nicht vorhanden oder leben nicht vor Ort. Ein
aufmerksames Umfeld aus Nachbarn, Hausärzten, Apothekern, Verwaltungs- und Bankmit-
arbeitern oder Kassiererin im Supermarkt kann helfen, Veränderungen wahrzunehmen und
demenziell veränderte Menschen und ihren Angehörigen auf die notwendige Beratung, Hil-
fen und Unterstützung hinzuweisen.
Mit der Gerontopsychiatrischen Beratungsstelle des Gerontopsychiatrischen Zentrums (GZ)
der Alexianer Münster GmbH, der LWL Klinik Münster (LWL), dem Demenzservicezentrum
für die Region Münster und das westliche Münsterland, der Landesstelle Pflegende Angehö-
rige sowie den Pflegestützpunkten steht in Münster ein breites Netz von Anlaufstellen zur
Verfügung. In drei Institutsambulanzen (GZ, LWL, UKM Universitätsklinikum Münster) kann
der Verdacht einer Demenz überprüft und eine Diagnose gestellt werden. In zwei Kranken-
4 Vgl. Menschen mit Behinderung im Alter, LWL-PsychiatrieVerbund Westfalen, LWL (Herausg.), 2010, S. 17
11
häusern gibt es ausgewiesene gerontopsychiatrische Fachabteilungen (LWL, Fachklinik für
Psychiatrie und Psychotherapie der Alexianer Münster GmbH).
Die Alzheimer Gesellschaft, der Verein Lichtblick e.V. und das Projekt „Von Mensch zu
Mensch“ bieten unterschiedliche Entlastungsmöglichkeiten an. Zehn niedrigschwellige An-
gebote, über Münster verteilt, halten als anerkannte Betreuungsgruppen ein Gruppenange-
bot für vier bis neun Teilnehmerinnen und Teilnehmer vor. Zusammengeschlossen sind die
Träger im AK Demenz.
Das Thema Demenz zu enttabuisieren, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und Solidarität zu
schaffen, ist eine Daueraufgabe des Trägernetzwerkes und der Stadtgesellschaft. Regel-
mäßig finden Öffentlichkeitsarbeit und Schulungen verschiedenster Berufsgruppen wie z.B.
Busfahrer, Bankangestellte und Polizei statt. Eine weitere Zielgruppe sind Menschen mit
Migrationsvorgeschichte und hier insbesondere die Gruppe der 40- bis 60-jährigen, deren
Angehörige eine demenzielle Veränderung haben.
Weitergehende Informationen enthält der Wegweiser Demenz für die Stadt Münster, der an
allen publikumsintensiven Stellen erhältlich ist sowie die Homepage des Informationsbüros
Pflege
http://www.muenster.de/stadt/pflege/demenz.html .
Adressaten dieser Angebote sind nicht ausschließlich demenziell erkrankte Menschen und
deren Angehörige. Seelische Beschwerden, Depressionen, Angsterkrankungen, Persönlich-
keitsstörungen und Psychosen im Alter nehmen immer mehr zu. Ausgehend von dieser
wachsenden Gruppe betroffener jüngerer Älterer gehen die Planungsüberlegungen einher,
Unterstützungs-, Wohn- und Betreuungs- und Pflegeangebote in den Stadtteilen zu überprü-
fen und bei Bedarf entsprechend auszubauen.
12
5. Pflegesituation in Münster
Pflegebedürftige nach Versorgungsart in Münster, Stichtag 15.12.2009
5.573 Pflegebedürftige insgesamt
zu Hause versorgt:
3.443 (62 %)
in Heimen vollstationär ver-
sorgt 2.130 (38 %)
durch Angehörige:
1.909 Pflegebedürftige
zusammen mit/durch ambu-
lante Pflegedienste:
1.534 Pflegebedürftige
durch 27 ambulante Pflege-
dienste
mit
1.120 Beschäftigten
(≈694 Vollzeitstellen)
in 31 vollstationären Pflege-
einrichtungen
mit
1.893 Beschäftigten
(≈1.325 Vollzeitstellen)
Quelle: IT NRW/geschätzte Vollzeitäquivalente, Statistisches Bundesamt/eigene Berechnungen
In der Pflegestatistik NRW werden alle Personen erfasst, die Leistungen nach dem Sozialge-
setzbuch (SGB XI) erhalten. Generelle Voraussetzung für die Erfassung als Pflegebedürftige
ist die Entscheidung der Pflegekassen bzw. des privaten Versicherungsunternehmens über
das Vorliegen von Pflegebedürftigkeit und die Zuordnung der Pflegebedürftigen zu den Pflege-
stufen I bis III (einschließlich Härtefälle). Die Erhebung erstreckt sich auf alle ambulanten Pfle-
gedienste und voll- bzw. teilstationären Pflegeeinrichtungen, mit denen ein Versorgungsvertrag
als zugelassene Pflegeeinrichtung besteht.
Die Anzahl pflegebedürftiger Menschen in Münster hat sich im Vergleichszeitraum von 2007
bis 2009 von 5.714 auf 5.573 Personen leicht zurückentwickelt. Die Tendenz überrascht, da
mit den einhergehenden Alterungsprozessen auch eine erhöhte Anzahl an pflegebedürftigen
Menschen zu erwarten ist. Insofern schert Münster, auch im Vergleich zur Entwicklung in
Nordrhein-Westfalen, insgesamt aus. Während in Münster ein leichter Rückgang pflegebedürf-
tiger Menschen um etwa 2,5 % im genannten Zeitraum zu beobachten ist, wächst die Gesamt-
anzahl in NRW um insgesamt 5 %.
13
Empfängerinnen und Empfänger von Pflegedienstleistungen
aus der Pflegeversicherung in Münster
davon erhielten am 15.12. Ins-
gesamt
je
1 000 Einwoh-
ner
ambulante
Pflege
stationäre
Pflege*
Pflegegeld
am
31.12.*
Am
15.12.
Anzahl
1999 5 447 21 1 295 1 849 2 303
2001 5 395 20 1 352 1 740 2 143
2003 5 187 19 1 349 2 112 1 726
2005 5 294 20 1 339 2 221 1 734
2007 5 714 21 1 605 2 343 1 766
2009 5 573 20 1 534 2 130 1 909
*) Bei der Ermittlung der Gesamtzahl der Pflegebedürftigen in Einrichtungen werden ab der
Erhebung 2009 die Besucher von Tagespflegeeinrichtungen nicht mehr addiert.
*) Ohne Empfänger und Empfängerinnen von Kombinationsleistungen, die bereits bei der
ambulanten oder stationären Pflege berücksichtigt sind.
Quelle: Information und Technik Nordrhein-Westfalen (IT NRW)
Die vorliegende Tabelle zeigt, dass:
- 34 % ( ∅ NRW 47 %) der Empfängerinnen und Empfänger von Pflegedienstleistungen
Pflegegeld erhielten, also ausschließlich durch Angehörige versorgt werden,
- 28 % ( ∅ NRW 23 %) der Pflegebedürftigen zum Stichtag 15.12 .2009 Pflegesachleis-
tungen erhielten, also (ergänzend) durch ambulante Pflegedienste versorgt wurden
und
- 38 % ( ∅ NRW 30 %) Leistungen der Pflegekasse als Bewohneri nnen und Bewohner
in vollstationären Pflegeeinrichtungen erhielten.
Anders als im NRW- und auch im Bundestrend zu beobachten, hat in Münster die vollstatio-
näre Pflege vor den Pflegegeldleistungen und den Pflegesachleistung die größte Bedeu-
tung. Auf die Leistungsarten Kurzzeitpflege sowie Tages- und Nachtpflege, (Nachtpflege
wird in Münster nicht und auch in NRW höchst selten angeboten), wird in den folgenden Un-
terpunkten eingegangen. Als zeitlich befristete bzw. ergänzende Leistung der Pflegeversi-
cherung haben sie aus statistischer Sicht ein eher geringes Gewicht.
Die Erhebung zur Pflegestatistik zum Stichtag 15.12.2011 wird aktuell von Information und
Technik Nordrhein-Westfalen erhoben. Neue statistische Daten stehen voraussichtlich Ende
des vierten Quartals 2012 zur Verfügung.
14
Empfängerinnen und Empfänger von Pflegedienstleistungen
aus der Pflegeversicherung in Münster nach Altersstufen
davon erhielten am 15.12.2009 Ins-
gesamt ambulante Pflege stationäre Pflege
Pflegegeld
am
31.12.
Am
15.12.
Anzahl
2009 5.573 1.534 2.130 1.909
weiblich 3.848 1.062 1.680 1.106
männlich 1.725 472 450 803
Anzahl der Pflebedürftigen nach Alter am 15.12.2009
0-65
Jahre 896
168 102 626
65-70
Jahre 264
60 92 112
70-75
Jahre 433
132 118 182
75-80
Jahre 637
182 237 218
80-85
Jahre 1.108
357 443 308
85-90
Jahre 1.273 352 633 288
90-95
Jahre 596
191 295 110
95-und
mehr 366
91 210 65
Quelle: Information und Technik Nordrhein-Westfalen
Die Tabelle zeigt deutlich, 69% der pflegebedürftigen Menschen in Münster sind zum Zeit-
punkt 15.12.2009 weiblich. Dies entspricht dem Bundestrend der einen Frauenanteil von
insgesamt 67% verzeichnet. Ebenso vergleichbar sind die Anteile der Pflegebedürftigen un-
ter 65 Jahren. In Münster liegt der Anteil bei diesen Personen bei 16%, deutschlandweit bei
17%. Der bekannte Trend, mit zunehmendem Alter pflegebedürftig zu werden setzt sich,
trotz zunehmender körperlicher Gesundheit auch bei hochaltrigen Menschen, fort. Auffallend
ist, dass Frauen ab dem achtzigsten Lebensjahr eine deutlich höhere Pflegequote aufweisen
als Männer in diesem Lebensalter. Bundesweit beträgt bei den 85- bis unter 90-jährigen
Frauen die Pflegequote 42 % (Münster 27%), bei den Männern gleichen Alters hingegen
„nur 28 %“ (Münster 24%). Ebenso erfolgt die Annahme, dass neben der unterschiedlichen
gesundheitlichen Entwicklung bei Frauen und Männern auch das differierende Antragsver-
halten bei Männern und Frauen eine Rolle spielen kann. Ältere Frauen leben häufiger allei-
ne, ältere hilfe- bzw. pflegebedürftige Männer werden zunächst von ihren Frauen versorgt.
Häufig wird in diesen Konstellationen auf eine Antragstellung vorerst verzichtet. Auf Münster
bezogen lässt sich die Annahme herleiten, dass ältere Frauen den Antrag auf Einstufung in
die Pflegebedürftigkeit eher scheuen.
15
Gutachten nach Pflegestufe – Zeitraum 01.01.2011 bis 31.12.2011
Anzahl Nicht pfle-
gebedürftig
Unterhalb I I II III
Ambulante Pflege 2.632 477 404 1.106 555 90
18,1 % 15,3 % 42,0 % 21,1 % 3,4 %
Stationäre Pflege 925 42 41 254 406 182
4,5 % 4,4 % 27,5 % 43,9 % 19,7 %
Gesamt 3.557 519 445 1.360 961 272
14,6 % 12,5 % 38,2 % 27,0 % 7,6 %
Quelle: MDK Westfalen-Lippe, Controlling/Datenmanagement, 12.03.2012
Der Medizinische Dienst Westfalen-Lippe hat die Gesamtübersicht der Gutachtertätigkeit des
Jahres 2011 zur Verfügung gestellt. Als nicht pflegebedürftig definiert sind Personen die kei-
nen Hilfebedarf in den Verrichtungen Grundpflege und Hauswirtschaft haben, also jeweils 0
Minuten. Unterhalb Pflegestufe I heißt, dass Antragstellerinnen und Antragsteller mindes-
tens 1 Minute Grundpflege und mindestens 1 Minute hauswirtschaftliche Versorgung, aber
weniger als 45 Minuten Grundpflege (Schlüssel zur Pflegestufe I) im Rahmen des Gutach-
tens erhalten haben. Erkennbar hoch ist die Anzahl der festgestellten 519 nicht pflegebe-
dürftigen Personen im Verhältnis zum den Gesamtgutachten für insgesamt 3.557, die also
weder einen hauswirtschaftlichen noch einen grundpflegerischen Bedarf aufweisen. Ohne
eine abschließende Bewertung vornehmen zu können, stellt sich in diesem Zusammenhang
die Frage, ob und durch wen im Vorfeld eine Information bzw. Beratung z.B. durch die Kran-
kenkassen, die Pflegestützpunkte oder anderen für die Antragstellerinnen und Antragesteller
bzw. deren Angehörige stattgefunden hat. In diesem Zusammenhang wird deutlich, dass
Information und Beratung auch vor einer zu großen Erwartungshaltung individueller pflegeri-
scher Bedarfe schützen kann.
16
Entwicklung der Pflegeeinrichtungen in Münster nach Platzzahl
Pflegerische Infrastruktur in Münster
Stationäre
Pflegeplätze
Ambulant betreute
Wohngemeinschaften
Tages-
pflegeplätze
Kurzzeit-
pflegeplätze
Am
31.12.
Anzahl
1999 1 875 20 84 67
2000 1 960 20 104 78
2001 2 100 20 104 93
2002 2 100 20 104 93
2003 2 145 20 116 105
2004 2 145 20 122 116
2005 2 171 29 107 114
2006 2 261 58 107 131
2007 2 416 77 95 152
2008 2 406 110 113 163
2009 2 481 118 113 183
2010 2 508 137 113 198
2011 2 606 137 152 184
Quelle: Stadt Münster – Sozialamt – eigene Erhebungen
Weitere Informationen im Internet: www.muenster.de/stadt/sozialamt/
Grundaussagen und Tendenzen
Ein Blick auf die Gesamtentwicklung der pflegerischen Infrastrukturversorgung und die
Übersichtskarte der Stadt zeigt deutlich: ein pflegerisches Verbundangebot ist fast in jedem
Stadtteil vorhanden. Auch wenn die Bereiche Information, Beratung, barrierefreies Wohnen
mit Versorgungssicherheit und ein umfassendes teil- und vollstationäres Angebot noch vor-
nehmlich im erweiterten Innenstadtbereich angesiedelt ist, Ansprechpartner vor Ort in den
Außenstadtteilen wie etwa die ehrenamtlich geleiteten Sozialbüros der Kirchengemeinden,
die Initiativen „Von Mensch zu Mensch“, die Sozialbüros der Wohlfahrtsverbände und die
Möglichkeit, sich in die bereits vorhandenen Stadtteilarbeitskreise „Älter werden in…“ einzu-
bringen, bedeuten eine wohnortnahe Beratung und Begleitung und verschaffen einen guten
Überblick über die pflegerische Versorgungslandschaft. Darüber hinaus bieten die beiden
Pflegestützpunkte bei der AOK Nordwest, Königsstr. 18/20 und im Informationsbüro Pflege
des Sozialamtes im Gesundheitshaus an der Gasselstiege 13, die § 7a SGB XI Beratung
der Pflegekassen sowie die gerontopsychiatrischen Beratungsstellen weitere intensive und
umfassende Pflegeberatungsangebote in Münster.
Pflegerische Verbundsysteme sind inzwischen fester Bestandteil einer altersgerechten
Quartiersentwicklung. Im Zuge der demographischen Veränderungen mit den gestiegenen
Lebenszeitprävalenzen (mit steigender Lebenserwartung erhöht sich die Wahrscheinlichkeit
im Lebensverlauf pflegebedürftig zu werden), den durchschnittlichen Pflegezeiten von 3-4
17
Jahren bei allen Pflegebedürftigen 5, der pflegepolitischen Entwicklungen auf Landes- (No-
vellierung des Landespflegegesetzes) wie auf Bundesebene (Gesetz zur Neuausrichtung
der Pflegeversicherung – Pflegeneuausrichtungsgesetz - PNG) sowie dem Mangel an Pfle-
gefachkräften, ist es Aufgabe der Kommune in Stadtteilkonferenzen, Quartiersentwicklungs-
prozessen sowie stadtteilübergreifend in der Pflegekonferenz die komplementären, ambu-
lanten, teil- und vollstationären Angebote darzustellen und die Entwicklungsperspektiven zu
moderieren. Die im Referentenentwurf zur Neuausrichtungen der Pflegeversicherung (PNG)
angekündigten Novellierungen beinhalten z.B. Mehrleistungen bei den ambulante Versor-
gungsleistungen und Wohnformen für an Demenz erkrankte Personen und eine Flexibilisie-
rung der Leistungsinanspruchnahme pflegebedürftiger Menschen bei Pflegediensten (Zeit-
volumen neben Leistungskomplexen). Wie sich diese beiden gesetzlichen Vorgaben bei der
Ausgestaltung der sog. neuen Wohnformen im Alter und speziell bei den Wohngemein-
schaftsmodellen in Münster entwickeln bleibt abzuwarten. Gleichwohl signalisieren die Vor-
gaben des Referentenentwurfes zum PNG sowie die Ankündigungen des Landes Nordrhein-
Westfalen zur Novellierung des Landespflegegesetzes und des Wohn- und Teilhabegeset-
zes deutlich den Weg in Richtung selbstbestimmte Lebensführung im Alter und bei Pflege-
bedürftigkeit im gewohnten Wohnumfeld.
Die vorliegenden statistischen Daten bringen auch deutlich zum Ausdruck, dass die Bemü-
hungen weiterhin in ambulante Pflegearrangements zu investieren, zu verstärken sind. Die
auffallend hohe Versorgungsquote mit 38 % (∅ NRW 30 %) der Empfängerinnen und Emp-
fänger von Pflegedienstleistungen in Münster in vollstationären Pflegeeinrichtungen spricht
ebenso dafür, wie der Wunsch auch bei Hilfe- und Pflegebedürftigkeit so lange wie möglich
im vertrauten Wohnumfeld verbleiben zu können. Eine nachhaltige kommunale Altenhilfe-
und Pflegeplanung hat nicht ausschließlich den einseitigen Ausbau von bestehender pflege-
rischer Infrastruktur im Blick. Im Fokus steht die Teilhabe älterer und pflegebedürftiger Men-
schen, die Förderung und der Aufbau ehrenamtlicher Strukturen und der Selbsthilfe sowie
der Ausbau von quartiersorientierten Wohn- und Betreuungsangeboten. Diese haben im
Einklang mit den Prognosen der kleinräumigen Bevölkerungsentwicklung, den städtebau-
planerischen Vorgaben, den Planungsabsichten der Wohnungswirtschaft und der pflegeri-
schen Einrichtungen zu stehen.
5 Vgl. Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2009, Deutschlandergebnisse
18
6. Entwicklung in der ambulanten Pflege
Die Bedeutung der Versorgung durch ambulante Pflegedienste nimmt zu. Bundesweit ist
von 2007 zu 2009 eine Steigerung von 10 % zu verzeichnen. In Münster haben sich die
Kundenbeziehungen in professionellen ambulanten Pflegeverhältnissen von 1.605 (2007)
auf 1.534 (2009) zurückentwickelt. Im gleichen Zeitraum hat sich dagegen die Anzahl der
Pflegegeldbezieher (familiäre und selbstorganisierte Pflege) von 1.755 Personen auf 1.909
Personen gesteigert. Warum Münster hier aus dem Bundestrend ausschert, kann nicht beur-
teilt werden.
Das Statistische Bundesamt stellt in seiner Pflegestatistik 2009 fest, dass im Jahr 1999 bun-
desweit das Verhältnis von privaten Trägern und freigemeinnützigen Trägern noch annä-
hernd ausgeglichen war. Bis 2009 ist die Anzahl der Pflegedienste in privater Trägerschaft
um 34 % gestiegen, während die Zahl der Pflegedienste der freigemeinnützigen Träger um
13 % abgenommen hat. Auch wenn sich in Münster immer wieder neue kleine private ambu-
lante Pflegedienste am Markt positionieren, ist der allgemeine Trend erkennbar: Die Dienste
werden größer und die Zahl der durch ambulante Dienste versorgten Pflegebedürftigen wird
stärker steigen als die Zahl der Dienste. Ein weiteres Kennzeichen ambulanter Pflegediens-
te ist, dass nahezu alle Anbieter neben den Leistungen nach dem SGB XI auch häusliche
Krankenpflege und fast 2/3 aller Dienste auch Hilfen nach dem SGB XII (Hilfe zur Pflege)
anbieten.
Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass sich die professionelle ambulante Pflegedienst-
leistung in Münster, trotz des vielfach zitierten Pflegefachkraftmangels, weiterentwickeln
wird. Dafür sprechen u.a. die sich abzeichnenden Entwicklungen, erkennbar im Referenten-
entwurf des Gesetzes zur Neuausrichtung der Pflegeversicherung (Pflege-
Neuausrichtungsgesetz- PNG) und Tendenzen, die sich aus dem Pflegeweiterentwicklungs-
gesetz von 2008 insbesondere für ambulante Pflegedienste abzeichnen.
So bieten rund ¾ eine allgemeine Anleitung und Betreuung für Personen mit eingeschränk-
ter Alltagskompetenz nach § 45b SGB XII an. Der Barmer GEK Pflegereport 2011 stellt in
seinen Grundaussagen den steigenden Nutzen der zusätzlichen Betreuungsleistungen dar.
Davon profitieren auch die ambulanten Pflegedienste. Die Zunahme der Inanspruchnahme
ist dabei auf die Erhöhung des Leistungsanspruches von 460,00 €, vor der Reform durch
das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz im Jahr 2008 auf jährlich 1.200,00 € (Grundbetrag)
bzw. 2.400,00 € (erhöhter Betrag) zurückzuführen. Festzustellen ist darüber hinaus, dass
etwa 60 % der Kunden an einer Demenz erkrankt sind, gut 40 % aber nicht. Die zusätzli-
19
chen Betreuungsleistungen werden also in einem erheblichen Umfang von Menschen mit
einer geistigen Behinderung oder einer psychischen Erkrankung in Anspruch genommen.
Dennoch ist aktuell erkennbar, dass sich der Fachkräftemangel auch bei den Leistungen der
ambulanten Pflege widerspiegelt. Inzwischen gibt ein großer Anteil der Sozialstationen in
Münster an, über zu wenig qualifiziertes Personal verfügen zu können. Deutliche Hinweise
dazu ergeben sich aus der Rückmeldung der Kapazitätenkoordination des Informationsbü-
ros Pflege. Die ambulanten Dienste können den aktuell steigenden Anfragen aus den Pfle-
gehaushalten phasenweise kaum noch begegnen.
Die mit der Pflegereform 2008 eingeführte Pflegezeit, d.h. der Anspruch auf eine unbezahl-
te, sozialversicherte Freistellung von der Arbeit bis zu sechs Monaten und die Einführung
der Familienpflegezeit für maximal zwei Jahre ab dem 01.01.2012 (Arbeitszeitreduzierung
für max. zwei Jahre, verbleibende Arbeitszeit von mind. 15 Wochenstunden, es besteht kein
Rechtsanspruch), werden für viele berufstätige pflegende Angehörige eine Verbesserung
mit sich bringen. Ob diese Regelungen insgesamt mehr Angehörige motivieren, als Pflege-
person tätig zu sein, werden zukünftige Erhebungen zeigen. Trotz signifikanter Veränderun-
gen in den Haushalts- und Familienstrukturen, der wachsenden Mobilität von Familienmit-
gliedern und der steigenden Erwerbsquote der Frauen, tragen gut beratende und gut orga-
nisierte Pflegearrangements aus familiärer und professionell ambulanter Pflege mit dazu bei,
häusliche Pflege und den Verbleib im Stadtteil zu ermöglichen.
20
Ambulante Dienste, Stand März 2012
Dienst Straße, Hausnummer Postleitzahl
Acticom Münsterstr. 25 48167
Akti-Med Pflegedienst GmbH Westfalenstr. 171 48165
Aktive-Pflege Münster Hohenzollernring 30 48145
Ambulante Dienste e.V. Bohlweg 10 48147
Ambulante Dienste e.V.
Quartier Gievenbeck Diekmannstr. 130 48161
Ambulante Dienste e.V.
Quartier An der Aa Rjasanstr. 21 48147
Ambulanter Krankenpflegedienst
Julia GmbH Diekmannstr. 6-10 48161
ASB Gustav-Stresemann-Weg 62 48155
AWO SST MSD Höltenweg 116 48155
Bahrenberg Münster Mitte Augustastraße 34 48153
Bahrenberg Münster Nord Kanalstr. 30 48147
Bahrenberg Münster Süd Marktallee 66 48165
Care aktiv An den Loddenbüschen 77 48155
Cathamed Pflege GmbH Münsterstr. 52 48565 Steinfurt
Clemenshospital – Ambulanter Dienst Duesbergweg 124 48153
Caritas Münster Josefstraße 2 48151
Comfort Pflege Ostviertel GmbH Hohenzollernring 67 48145
Erste Hilfe Ambulanter Pflegedienst Hindenburgplatz 68 48143
Ev. Diakoniestation Wichernstr. 22 48147
DRK-Sozialstation Häusliche Pflege Hanses-Ketteler- Str. 2 48165
DRK-Sozialstation Mathildenstift Münzstraße 38 481 43
Humanitas Grevener Str. 105 48159
Jederzeit ambulante Pflege GmbH Hammer Str. 128 481 53
Johanniter Geringhoffstraße 45 – 47 48163
Klarastift – Ambulanter Dienst Andreas-Hofer-Straße 7 48145
Lebens Nah Letterhausweg 103 48167
Leben und Erleben Wolbecker Straße 140 b 48155
Lindenhof Schmüllingstr. 4-6 48159
Meinert Münsterstr. 26 48727 Billerbeck
MiCura Tibusplatz 6 48143
Mobile Alten- und Behindertenhilfe e.V. Augustastraße 28 48153
Münster Pflege Dieckmannstr. 20 48161
Pensler Handorfer Straße 23 48157
Pia causa Josefstraße 4 48151
Pro.cura Hofstraße 17 48167
Pro Tuto Pflegedienst Münsterland Grevener Str. 171 48159
Raphaelsklinik – Ambulante Kranken-
pflege Klosterstr. 75 48143
Seniorenhilfe UG Handorfer Str. 23 48157
21
Soziale Dienste Laer, Beratungsbüro
Münster Warendorfer Str. 97 48145
Vis Vitalis Sophienstraße 1 – 3 48145
VITA-MED Krögerweg 14 48155
Zentrum Mobiler Dienste Pottkamp 15 – 19 48149
7. Quartiersangebote – Wohnen mit Versorgungssicherheit
Um eine selbstständige und selbstbestimmte Lebensführung von hilfe- und pflegebedürfti-
gen Menschen sicherzustellen, fehlt es landes- und bundesweit bislang noch an systemati-
schen quartiers- und stadtteilbezogenen Konzepten. Das Zusammenbringen von Dienstleis-
tung und barrierefreien bzw. barrierereduzierten Wohnungsbeständen ist hier die wesentli-
che Voraussetzung. Auch in Münster wird das Wohnen zuhause bevorzugt. In den Außen-
bezirken bewohnen ältere Menschen i.d.R. selbstgenutztes Wohneigentum, im Innenstadt-
bereich nutzen Ältere überwiegend eine ältere Bausubstanz, die vielfach nicht barrierefrei
ausgestattet ist. Bundesweit wurde festgestellt, dass nur ca. 5 Prozent der Haushalte der
über 60 jährigen barrierefrei oder barrierearm ausgestattet sind. Barrieren zur und in der
Wohnung, Barrieren im unmittelbaren Wohnumfeld bedeuten oft erhebliche Einschränkun-
gen in der Mobilität und bei versorgender Infrastruktur. Eine Abkehr von Versorgungsange-
boten, hier insbesondere beim Einzelhandel in Zentrumsnähe, ist auch in Münster zu beo-
bachten. Der Bedarf an barrierefreien und bezahlbaren Wohnungen ist in Münster schon
jetzt vorhanden, kann aber aufgrund der bekannten Hemmnisse auf dem Wohnungsmarkt
nicht ausreichend bedient werden. Die ökonomischen und technischen Voraussetzungen
sind entsprechend hoch und, mit Blick auf einen Wohnungsmarkt ohne Leerstand, die Inves-
titionsbereitschaft der Wohnungswirtschaft entsprechend gering.
Alleinige bauliche Barrierefreiheit reicht nicht aus. In den Stadtteilen sind die Informations-
und Beratungsangebote entsprechend zu stärken. Noch immer sind vielen pflegebedürftigen
Menschen und ihren Angehörigen die Beratungsangebote in Münster nicht bekannt. Mit den
Pflegestützpunkten, den Beratungsangebote nach § 7a SGB XI der Pflegekassen, den
Quartiersstützpunkten, dem Projekt „Von Mensch zu Mensch“ der Stiftungsverwaltung der
Stadt Münster, der stadtteilorientierten sozialen Arbeit der Wohlfahrtsverbände, den Bera-
tungsbüros und Begegnungsstätten, den ökumenischen Sozialbüros der Kirchengemeinden
verfügt Münster über ein breites Netz von Informations- und Beratungsangeboten in den
Stadtteilen. Wohnungsbau, Wohnumfeldverbesserung, Infrastruktur- und soziale Quartiers-
entwicklung sind nicht als jeweils isolierte Aufgabe zu betrachten. Ein durch das Förderpro-
22
gramm „Altenfreundliche Wohnungen der Stiftung Magdalenenhospital“ und/oder aus Mitteln
des § 40 Abs. 4 SGB XI (individuelle Wohnraumanpassung) barrierefrei hergestellter Woh-
nungsumbau gelingt wegen der Beratung aus einer Hand im Informationsbüro Pflege durch
die Wohn- und Pflegeberatung. „Wohnen mit Versorgungssicherheit“ bedeutet umfassende
Barrierefreiheit und begleitende Dienstleistung, berücksichtigt den demographischen Wan-
del sowie die Umsetzung der UN Behindertenrechtkonvention und entspricht dem Wunsch
vieler älterer und pflegebedürftiger Menschen nach normalen und funktionierenden nach-
barschaftlichen Wohn- und Lebensverhältnissen.
Als Beispiele von gelingenden Stadtteilangeboten sind die Quartierstützpunkte der Ambulan-
ten Dienste e.V. in den Stadtteilen Gievenbeck und Schlachthof, hier in Kooperation mit der
Wohn- und Stadtbau sowie die mobile und aufsuchende Wohn- und Pflegeberatung für die
Stadtbezirke Hiltrup und Süd-Ost des Altenhilfezentrums St. Clemens zu nennen. Die durch
die enge Zusammenarbeit entstehenden Synergien zwischen Wohnungswirtschaft und am-
bulanter Dienstleistung führen nachweislich zu einer geringen Fluktuationsquote im Woh-
nungsbestand und tragen, trotz Hilfe- und Pflegebedürftigkeit von Mieterinnen und Mietern,
mit dazu bei, den Verbleib in der eigenen Wohnung zu gewährleisten.
Neben einer kontinuierlichen Stadtteil- und Netzwerkarbeit, sind Veranstaltungen, wie z.B.
das vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung initiierte 6. Stadtge-
spräch zum Thema: „Wohnen bleiben im Viertel – aber wie – eine Herausforderung an die
Märkte“, am 23.05.2012, vorzüglich geeignet, Fachleute aus der Wohnungswirtschaft sowie
dem komplementären und ambulanten Dienstleistungssektor zusammenzubringen. Mit Bei-
trägen des Vereins Service-Welten, des Projektes Wohnen für Hilfe, der sozialen Mieter-
betreuung von Wohn- und Stadtbau und der Wohnberatung des Informationsbüros Pflege
der Stadt Münster wird Öffentlichkeit hergestellt und über gelungene Projekte in der Quar-
tiersarbeit berichtet.
8. Netzwerke „Älter werden im Stadtteil und Stadtbezirk“
Zur Schaffung passgenauer Strukturen für ältere, hilfe- und pflegebedürftige Menschen hat
die Stadt Münster bereits im Jahr 2008 die offenen Arbeitskreise „Älter werden im Stadt-
teil/Stadtbezirk“ initiiert. Mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern aus dem Quartier und
den Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der vor Ort tätigen Einrichtungen und Trägern entste-
hen Informationsbroschüren, gemeinsame Projekte und Aktionstage. Mit der kommunalen
23
Seniorenvertretung Münster und den Wohlfahrtsverbänden, koordiniert die Altenhilfe- und
Pflegeplanung der Stadt Münster die in der Regel zweimal jährlich tagenden Gremien auf
stadtteil- oder stadtbezirklicher Ebene.
Die Arbeitskreise orientieren sich in ihrer Arbeit an dem Grundsatz „ambulant vor stationär“.
Sie binden alle Träger vor Ort gleichberechtigt ein. Durch die Vernetzung der Dienste im
Bereich der Altenhilfe und Pflege ist es möglich innerhalb eines Quartiers Schnittstellenprob-
leme und Versorgungslücken ausfindig zu machen. Die Etablierung neuer Beteiligungs-,
Mitgestaltungs- und Selbstverwaltungsformen sind dabei wesentliche Bausteine gelingender
Quartiersarbeit. Die Beteiligung von Seniorinnen und Senioren als Stadtteilexperten ist von
großer Bedeutung, da nur die Betroffenen selbst beurteilen können, ob Angebote ausrei-
chend sind und wie diese verbessert werden können. Es ist erklärtes Ziel, ältere Menschen
aktiv in der Gremienarbeit in den Quartieren zu beteiligen. Hier stehen sie im direkten Kon-
takt zu den sozialen Diensten und können meinungsbildend tätig sein. Perspektivisch soll
die Geschäftsführung der Stadtteilarbeitskreise zwischen den Wohlfahrtsverbänden und der
Stadt Münster in Kooperation durchgeführt werden. Diese Absprache ist ein wesentlicher
Bestandteil der Leistungsvereinbarungen zur stadtteilorientierten sozialen Arbeit für die Per-
sonengruppen nach Kapitel 3 bis 9 SGB XII. Neben der beratenden und aufsuchenden Ein-
zellfallarbeit in allen Stadtteilen Münsters ist die Netzwerk- und Öffentlichkeitsarbeit wesent-
licher Bestandteil der Leistungsvereinbarung zwischen den Wohlfahrtsverbänden und der
Stadt Münster.
Diese Vorgaben sind mit Blick auf die Weiterentwicklungen des Landespflege- sowie Wohn-
und Teilhabegesetzes richtungsweisend. Das Land Nordrhein-Westfalen prüft in diesem Zu-
sammenhang eine finanzielle Unterstützung in Form eines befristeten Personalkostenzu-
schusses für die Kommunen. Im Wege des Einsatzes von Quartiersentwicklerinnen und
Quartiersentwicklern in den Kommunen soll eine Verknüpfung mit dem sog. „Masterplan
Quartier“ der Landesregierung hergestellt werden.
24
9. Niederschwellige Betreuungsangebote nach § 45b SGB XI
In Münster bieten verschiedene Träger, Einrichtungen, ambulante Pflegedienste, Betreu-
ungsanbieter und Kirchengemeinden häusliche Besuchs- und Unterstützungsdienste sowie
Betreuungsgruppen für Personen mit eingeschränkter Alltagskompetenz an. Durch die ge-
stiegenen Leistungsansprüche im Rahmen des Pflege- Weiterentwicklungsgesetzes 2008
hat die Inanspruchnahme der Betreuungsleistungen deutlich zugenommen. Ambulante
Pflegedienste und Betreuungsanbieter bieten durch die Bezirksregierung Düsseldorf (im
Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen) zu genehmigende Einzelbetreuung zur Entlastung
der pflegenden Angehörigen an. Die Kosten für die Angebote variieren. Sie sind ständig ak-
tualisiert auf der Homepage des Informationsbüros Pflege abrufbar.
Die unten aufgeführten Betreuungsgruppen bieten sog. Betreuungsnachmittage für vier bis
neun Personen, begleitet von einer Fachkraft und durchgeführt von geschulten ehrenamtli-
chen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, an. Bei diesen sog. „anerkannten Betreuungsange-
boten“ besteht ebenso die Möglichkeit für Menschen mit erheblichem Betreuungsbedarf auf
Refinanzierung durch die Pflegekasse mit monatlich von bis zur 100,00 € oder 200,00 €. Die
Kosten für einen i.d.R. dreistündigen Betreuungsnachmittag liegen bei etwa 20,00 € pro Be-
sucherin und Besucher. Das Projekt „Von Mensch zu Mensch“ der städtisch verwalteten Stif-
tung Magdalenenhospital unterstützt den stadtteilorientierten Aufbau von Betreuungsgrup-
pen und refinanziert die Schulungsmaßnahmen, die von der Gerontopsychiatrischen Bera-
tungsstelle der Alexianer Münster GmbH durchgeführt werden.
1. Alzheimer Gesellschaft Münster e.V. im Friederik e-Fliedner-Haus
2. Alzheimer Gesellschaft Münster e.V. im Mehrgener ationenhaus
3. Kath. KG St. Josef Gelmer, Hand in Hand, Mehrzwe ckhalle Gelmer
4. Ev. Gemeindehaus Amelsbüren
5. Haus der Begegnung St. Ida Gruppe D
6. Katholische Kirchengemeinde St. Franziskus Pfarr bezirk St. Norbert Cafè Nostalgie
7. Projekt LichtBlick e.V. , Alexianer Münster GmbH
8. Cafe Samstag, Arbeiter-Samariter-Bund Regionalve rband Münster e.V.
9. Miteinander, Katholische Kirchengemeinde St. Jos ef Kinderhaus
25
26
10. Entwicklungen in der Tagespflege
Einrichtung Plätze Straße, Hausnummer Post-
leitzahl
Stadt-
bezirk Stadtteil
Clemens-Wallrath-Haus 20 Josefstr. 4 48151 Mitte Josef
Achatiushaus 12 Münsterstr. 48167 Südost Wolbeck
St. Clemens 15 Kortumweg 56-58 48165 Hiltrup Hiltru p-Mitte
Hs. Benteler 12 Prozessionsweg 54 48145 Mitte Mauri tz-Mitte
Meckmannshof 24 Meckmannweg 74 48163 West Mecklen-
beck
Wohnstift
am Südpark 15 Clevornstr. 5 48153 Mitte Schützenhof
Papst-Johannes-Paul-Stift 15 Culmer Str. 16 48157 N ord Coerde
Friederike-Fliedner-Haus 12 Coerdestr. 56 48147 Mi tte Kreuz
Altenheim Elisabeth 15 Südlohnweg 1 48161 West Gievenbeck
Josef Stift 12 Twenhövenweg 18 48167 Südost Angelmodde
Gesamtplatzzahl 152
Die drei neuen in 2011 eröffneten Tagespflegeeinrichtungen bieten insgesamt 39 zusätzli-
che Plätze in Münster an. Dieses erweiterte Angebot führt insgesamt zu einer spürbaren
Entspannung der aktuellen Nachfrage. Bis auf zwei zu 100 % ausgelasteten Einrichtungen
melden alle übrigen Anbieter freie Kapazitäten an das Informationsbüro Pflege weiter. Aktu-
ell sind keine weiteren Planungsvorhaben bekannt. Das ursprünglich vorgesehene, auf dem
Grundstück der evangelischen Kirchengemeinde in Nienberge geplante Tagespflegeprojekt,
wird nicht weiter verfolgt. Bei Betrachtung der Verteilung der Einrichtungen auf der Stadtkar-
te ist die grundsätzlich gute Angebotssituation erkennbar. In den nordöstlichen und nord-
westlichen Stadtteilen ist, bei weiterer Beobachtung des Nachfrageverhaltens mittel- bis
langfristig ein behutsamer Ausbau des Tagespflegeangebotes denkbar.
Schwankungen bei der Auslastung der Tagespflegeangebote sind weiterhin an der Tages-
ordnung. Die Öffnungszeiten an den Wochentagen von 8.00 Uhr morgens bis 16.00 Uhr
nachmittags, lassen mit Blick auf die Lebenswirklichkeit berufstätiger pflegender Angehöri-
ger noch zu wenig Spielräume erkennen. In den meisten Bundesländern, auch in Nordrhein-
Westfalen, ist die vielfach geforderte integrierte Tagespflege, d.h. die Kopplung an eine vollsta-
tionäre Pflegeeinrichtung, trotz erkennbarer Synergieeffekte in den Bereichen Pflege und
Betreuung, nicht vorgesehen. Es ist allerdings zu beobachten, dass einige Tagespflegeeinrich-
tungen um mehr Flexibilität bemüht sind und punktuell auch an Wochenenden geöffnet haben.
Im Sinne gelingender Quartiersarbeit richten sich die Tagespflegen am Stadtteil aus und su-
chen gezielt die Zusammenarbeit z.B. mit den Demenzbetreuungsgruppen.
27
28
11. Darstellung des Kurzzeitpflegeangebotes
Die namentliche Darstellung der eingestreuten Kurzzeitpflegeplätze in vollstationären Pfle-
geeinrichtungen ist in der Übersicht der vollstationären Pflegeeinrichtungen aufgeführt. In
Münster werden aktuell in vier Einrichtungen 76 solitäre (siehe Tabelle) und insgesamt 108
eingestreute Kurzzeitpflegeplätze angeboten. Im Januar 2011 wurde das Haus Dominic in
Amelsbüren mit 20 Plätzen geschlossen. Die Inanspruchnahme des Kurzzeitpflegeangebo-
tes, mit der Zielsetzung einer Anschlussbetreuung nach einen Krankenhaus- oder Rehabili-
tationsaufenthalt oder Krankheits- und Urlaubszeiten der pflegenden Angehörigen zu über-
brücken, ist nach wie vor stark schwankend. Insgesamt war für das Jahr 2011 bei beiden
Angebotsformen eine sehr hohe Auslastung festzuhalten. Im dritten und vierten Quartal wa-
ren im Rahmen der Kapazitätenkoordination des Informationsbüros Pflege aufgrund der
starken Nachfrage erstmals seit Jahren wieder Engpässe bei der Belegung zu beobachten.
Der Auslastungsgrad der solitären Kurzzeitpflegeeinrichtungen lag phasenweise bei weit
über 95 %, eingestreute Plätze waren durch vollstationäre Belegung der Plätze blockiert.
Insbesondere in Überleitungssituation bietet die Kurzzeitpflege die sehr gute Möglichkeit in
anschließende häusliche Pflegesituationen zu überbrücken bzw. diese zu organisieren. Es
empfiehlt sich daher weiterhin bei Neubaumaßnahmen vollstationärer Pflegeeinrichtungen
eine gewisse Anzahl eingestreuter Kurzzeitpflegeplätze einzurichten. Mögliche neue solitäre
Kurzzeitpflegeangebote sollten in Abstimmung mit der kommunalen Pflegeplanung und der
Pflegekonferenz entwickelt werden. Hier empfiehlt sich eine Anbindung an Krankenhaus-
und/oder Rehabilitationseinrichtungen.
Solitäre Kurzeitpflege Platz
zahl
Straße, Haus-
nummer PLZ Stadtbezirk Stadtteil
4. Seniorenzentrum
Gievenbeck 15 Gartenbreie 1 48161
West Gievenbeck
17. Clemenshospital 18 Düesbergweg 143 48153 Mitte Düesberg
19. „Haus Maria“ 20 Westfalenstr. 109 48165 Hiltrup Hiltrup-Mitte
23. Raphaelsklinik 23 Klosterstr. 75 48143 Mitte Dom
Summe 76
29
30
12. Ambulant betreute Wohngemeinschaften
Einrichtung Platz
zahl Straße PLZ Stadt-
bezirk Stadtteil
Wohngemeinschaften
Casa Mauritz
Klarastift 15
Andreas-Hofer-Str. 86 48145 Mitte Herz-Jesu
Haus Taubenstraße
Alexianer 8
Taubenstraße 12 48149 Mitte Herz-Jesu
Hof Schultmann
Alexianer 12
Stratmannweg 21 48163 West Mecklen-
beck
Irmgard Buschmann
Haus/Klarastift
11/8 Am Küchenbusch 15 48161 West Gievenbeck
Villa Hittorfstraße
Alexianer 10
Hittorfstraße 10 48149 Mitte Schloss
Villa Kahmann
DRK 11
Gremmendorfer Weg
44 48167 Südost Gremmen-
dorf
Villa Mauritz
Alexianer 10
Kaiser-Wilhelm-Ring 34 48145 Mitte Mauritz-
Mitte
WG Josef-Beckmann
Str. DRK 11 Josef-Beckmann-
Straße 5-7 48159 Nord Kinderhaus
Nienberge
CBM 7/7
Kirmstr.
18/Gartenstiege 6 48161 West Nienberge
Haus Genius
DKV Residenz 8
Tibusplatz 1-7 48143 Mitte Buddenturm
Diakonie Münster 11/8 Schulstr. 47 48149 Mitte Kreuz
Summe 136
Planung/Bau
Alte Vikarie
Alexianer Münster
GmbH
10-12
Herrenstr. 10 48165 Südost Wolbeck
Dreifaltigkeitskirche
Verein für Wohnhilfen
e.V.
8
Kinderhauser Str. 63 48147 Mitte Uppenberg
Ambulant betreute Wohngemeinschaften für an Demenz erkrankte und hilfe- und pflegebe-
dürftige Menschen gehören – noch immer – zu den sog. neuen alternativen Wohnformen. Die
vielfach beschriebenen Umsetzungsprobleme des Wohn- und Teilhabegesetzes auf NRW
Ebene wurden in Münster pragmatisch umgesetzt und haben sich aus Sicht der Stadt Münster
nicht grundsätzlich investitionshemmend ausgewirkt. Erstmals hat die Diakonie Münster ein
Wohngemeinschaftskonzept mit einer abgeschwächten Betreuungsform für hilfe- und pflege-
bedürftige Menschen in einem öffentlich geförderten Wohnprojekt umgesetzt. In der WG
Schulstraße finden acht Mieterinnen und Mieter ein barrierefreies öffentlich gefördertes Appar-
tement mit einem niedrigschwelligen Betreuungsangebot vor. Für ältere und pflegebedürftige
Nichtsesshafte wird der Förderverein für Wohnhilfen e.V. mit der Wohn und Stadtbau eine
Wohngemeinschaft in der ehemaligen Dreifaltigkeitskirchen errichten.
31
32
13. Vollstationäre Pflegeeinrichtungen
1. Achatius-Haus
2. Altenheim Friedrichsburg
3. Altenheim Haus Heidhorn
4. Altenheim St. Elisabeth
5. Altenhilfezentrum Langzeitpflege Haus Franziska
6. Altenzentrum Klarastift
7. AWO-Seniorenzentrum Münster-Albachten
8. AWO-Seniorenzentrum Münster-Gievenbeck
9. CBM-Altenwohnheim Kardinal-von-Galen-Stift
10. CBM-Altenwohnheim Maria Hötte Stift
11. CBM-Altenwohnheim Papst Johannes Paul Stift
12. CBM-Altenwohnheim St. Lamberti
13. CBM-Altenwohnheim Wohnstift am Südpark
14. Cohaus-Vendt-Stift
15. DKV-Residenz am Tibusplatz
16. Evangelisches Altenhilfezentrum Meckmannshof
17. Evangelisches Seniorenzentrum Handorfer Hof
18. Evangelisches Seniorenzentrum Martin-Luther-Haus
19. Evangelisches Wohnstift Haus Simeon
20. Friederike-Fliedner-Haus
21. Haus Maria Trost
22. Haus Wilkinghege
23. Johanniter-Stift Münster
24. LWL-Pflegezentrum Münster
25. Marienheim
26. Meyer-Suhrheinrich-Haus
27. Perthes-Haus
28. Residenz Aaseehof
29. Schölling-Lentze-Heim
30. Seniorenheim Michaelweg
31. Haus vom Guten Hirten Pflegebereich
32. Haus Thomas, Alexianer Amelsbüren
33. "Wohnen in Pastors Garten", Pfarrhausgrundstück
33
34
Verhältnis der 80-jährigen und Älteren zum Angebot stationärer Pflegeplätze in
den Stadtbezirken
Quelle: Eigene Erhebung
Ein Blick auf die Grafik macht die explizit gute Angebotssituation stationärer Pflegeeinrich-
tungen im Stadtbezirk West deutlich. Allerdings zählt das Martin-Luther-Haus im Stadtteil
Sentrup mit seinen 151 Plätzen, trotz unmittelbarer Innenstadtnähe, statistisch gesehen zum
Stadtbezirk West. Insofern relativieren sich die Daten bei anderer sozialräumlicher Betrach-
tungsweise zwischen dem Stadtbezirk Mitte und West. Die dargestellte Pflegequote von
17,9 % würde unter Berücksichtigung der 136 Wohneinheiten in ambulant betreuten Wohn-
gemeinschaften auf ca. 19 % aufgerundet. Die 24 Stunden Versorgung von vollstationärer
Pflege und Wohngemeinschaften ist mit Blick auf die Vergleichbarkeit auch hinsichtlich einer
quartiersnahen Versorgung angezeigt.
Mit der Errichtung des Pflegeheimes in Roxel ist jeder Stadtteil im Stadtbezirk West nach
den Vorgaben alter Pflegebedarfsplanung ausgestattet. Ebenso wurde die Vorgabe der
stadtteilorientierten pflegerischen Grundversorgung, also die Errichtung einer vollstationären
Pflegeeinrichtung in Stadtteilen mit einer Mindestgröße von 6.500 Einwohnern abgeschlos-
sen. Mit den zunehmenden Alterungsprozessen und dem gleichzeitig Bevölkerungswachs-
tum einiger Außenstadtteile, der Entwicklung der Konversionsflächen durch den Abzug der
britischen Streitkräfte mit Wohnbebauung, kommen perspektivisch die Außenstadtteile
Pflegequote
Verhältnis der über 80-Jährigen zum Angebot station ärer Pflegeplätze
18,8
28,2
10,2
5,4
9,9
21,9
17,9
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
16000
Mitte West Nord Ost Südost Hiltrup Stadt Münster
0
5
10
15
20
25
30
über 80-Jährige stationäre Pflegeplätze Pflegequote Ø Pflegequote MS
35
Nienberge, Kinderhaus, Mauritz-Ost, Gremmendorf, Hiltrup-Ost sowie im Stadtbezirk Mitte
der Stadtteil Rumphorst für die Entwicklung von Wohn-, Betreuungs- und Pflegeverbundsys-
tem in Frage.
Entwicklung der Pflegestufen in Prozent in Alten- und Pflegeheimen in Prozent
Jahr 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Pflegestufe 0 11 10 9 8 9 10 10 9 9
Pflegestufe 1 32 32 34 36 37 38 38 38 40
Pflegestufe 2 42 42 40 41 40 38 38 38 36
Pflegestufe 3 15 15 17 15 14 14 14 15 15
Quelle : Eigene Erhebungen
Die Verteilung der Pflegestufen in der vollstationären Pflege ist in den vergangenen Jahren
in Münster nahezu gleichbleibend. Nach wie vor liegt der Anteil der Pflegestufe 0 in den
münsteraner Einrichtungen bei 9 %. Ebenso ist ein vergleichsweise hoher Anteil an Heim-
bewohnerinnen und Heimbewohnern mit der Pflegestufe 1 zu erkennen und mit 40 % auf
dem höchsten Stand seit 2003. Dies entspricht nicht der Wahrnehmung, dass Pflegebedürf-
tige zunächst alle pflegerischen Möglichkeiten im häuslichen, also ambulanten Bereich
wahrnehmen. Erklärbar ist diese Stagnation auch nicht mit den Aufnahmebedingungen in
Zeiten schwacher Nachfrage, in denen die Heimträger eher bereit sind, Anfragen von Men-
schen mit Pflegestufe 0 und/oder Pflegestufe 1 zu bedienen. Der hohe Anteil an Single-
Haushalten, auch bei alten und hochaltrigen Menschen in Münster sowie die erschwerten
Bedingungen in Familien ambulante Betreuung und Pflege in der eigenen Häuslichkeit zu
organisieren, sind in Münster ebenso Faktoren für einen (zu) frühen Einzug in ein Pflege-
heim. Eine gute Informations- und Beratungslandschaft, die auf komplementäre und präven-
tive ambulante Angebote im Vorfeld der Aufnahme in eine vollstationäre Pflegeeinrichtung
hinweist, ist zielführend. Das gilt insbesondere für die sog. Überleitungs- und Entlassungssi-
tuationen älterer, hilfe- und pflegebedürftiger Menschen in Krankenhaus-, Kurzzeitpflege-
und Rehabilitationsphasen. Hier ist eine enge Abstimmung zwischen den Informations- und
Beratungsstellen, ambulanten Pflegediensten, Hausärzten, Krankenhäusern, Kurzzeitpfle-
gen und Rehabilitationseinrichtungen, auch im Rahmen der Antragstellung auf Kostenüber-
nahme durch Pflegekassen und Sozialhilfeträger, notwendig.
Das Sozialamt hat mit der Einrichtung des Sozialen Fachdienstes für Senioren und Pflege
und der Einstellung einer Pflegefachkraft zum 01.01.2010 bei der Überprüfung der Heim-
notwendigkeit, im Rahmen eines gezielten Fallmanagements im Bereich Hilfe zur Pflege
nach dem SGB XII, in vielen Konstellationen dazu beigetragen, nicht notwendige und ver-
36
frühte Heimaufnahmen zu vermeiden. In der Beschlussvorlage V/0302/2011 wurden im Zeit-
raum vom 01.01.2010 bis zum 01.04.2011 durch die Prüfung der Heimnotwendigkeit und die
Durchführung eines Fallmanagement die Einsparungen bei der Hilfe zur Pflege nach dem
SGB XII auf etwa 250.000,00 € beziffert. Das Fallmanagement des Sozialen Fachdienstes
mit der zeitnahen zugehenden und aufsuchenden sozialarbeiterischen und pflegerischen
Kompetenz trägt bei leistungsberechtigten Pflegebedürftigen (Hilfen zur Pflege nach dem
SGB XII) mit dazu bei, eine tragfähige Entscheidung für den Verbleib in der eigenen Häus-
lichkeit oder einer notwendigen Heimaufnahme herbeizuführen.
Auslastung in vollstationären Pflegeeinrichtungen
Zeitpunkt 01/10 04/10 07/10 10/10 01/11 04/11 07/11 10/11
Platzzahl
2447 2447 2561 2570 2570 2559 2559 2569
Nicht belegte Plätze 117 119 181 160 158 77 69 113
Auslastung in Prozent
95,22 95,14 92,93 93,77 93,85 96,99 97,30 95,60
Quelle: Eigene Erhebungen
Die Auslastung münsteraner Pflegeheime liegt im Mittelwert in den vergangenen zwei Jahre
bei 95 %, also einer Vollauslastung nach § 3 Abs. 6 GesBerVO Landespflegegesetz. Mitge-
zählt werden hier die eingestreuten Kurzzeitpflegeplätze. Diese machen von den aktuell ins-
gesamt 2.606 Plätzen in vollstationären Einrichtungen, 108 Plätze aus. D.h. es handelt sich
um variable „Betten“, die je nach Nachfrage regulär oder als Kurzzeitpflegeplatz angeboten
werden.
Die Belegungssituation hat sich insgesamt positiv entwickelt und stellt sich aktuell zufrieden-
stellend dar. Allerdings hat sich im Sommer 2011 die Nachfrage nach vollstationären Pfle-
geplätzen kurzzeitig recht deutlich nach oben entwickelt. Der genaue Anlass war, wie auch
in der Belegungssituation bei der Kurzzeit- und Tagespflege zu beobachten, nicht exakt
auszumachen. Im Rahmen der Kapazitätenkoordination des Informationsbüros Pflege wur-
den Anfragen erstmals nach einigen Jahren wieder an das Umland weitergegeben.
37
Aktuell zeichnet sich eine Entspannung in der Belegungssituation ab. Die Auslastungsabfra-
ge zum 01.01.2012 wurde eine Belegung von 93,61 % von den Heimen zurückgemeldet.
Dieser vergleichsweise geringe Wert steht auch im unmittelbaren Zusammenhang mit der
Eröffnung der Einrichtung „Wohnen in Pastors Garten“ zum 01.01.2012 des Stiftes Tilbeck in
Roxel. Hier scheiterte trotz hoher Nachfrage die zügige Belegung daran, dass nicht genü-
gend Fachpersonal zur Verfügung stand.
Der Wachstumstrend und die Investitionsbereitschaft bei den vollstationären Pflegeeinrich-
tungen scheinen zunächst gestoppt. Im Jahr 2009 ist bundesweit erstmals der Anteil der
Pflegebedürftigen in stationärer Pflege minimal rückläufig. Der Anteil der Pflegebedürftigen,
die über ambulante Pflegedienste versorgt werden stieg in den Jahren von 2007 bis 2009
um ca. 10 %.
6
In der Pflegelandschaft zeichnet sich auch im Bereich der vollstationären Pflegeeinrichtun-
gen eine quartiersförmige Entwicklung ab. Wie schnell sich allerdings Konzepte, wie z.B. die
sog. 5. Generation des Altenwohnbaus (sog. KDA-Quartiershäuser [Kuratorium Deutsche
Altershilfe]) mit den Prinzipien Leben in Privatheit, Leben in Gemeinschaft, Leben in der Öf-
fentlichkeit auch in Münster zukünftig verwirklichen lassen, kann noch nicht prognostiziert
werden. Der Trend zu mehr Wohn- und Lebensnormalität auch in stationären Pflegeeinrich-
tungen, die Öffnung zum Stadtteil sowie einer geänderten Organisations- und Versorgungs-
struktur (Helfermix) ist Bestandteil des Konzeptes KDA-Quartiershaus. Auch mit Blick auf die
Entwicklungen des Pflegearbeitsmarktes treibt das KDA die Entwicklung, Erprobung und
Erforschung neuer Konzepte voran. 7
6 Vgl. Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2009, Deutschlandergebnisse
7 Vgl. Die 5. Generation: KDA-Quartiershäuser; Ansät ze zur Neuausrichtung von Alten- und Pflegeheimen,
Peter Michell-Auli u. Christina Sowinski, Köln 2012
38
14. Detailübersicht vollstationäre Pflegeeinrichtungen
Einrichtungen der vollstationären Pflege, Stand April 2012
Einrichtung Straße, Hausnummer PLZ Stadtbezirk Stadtteil Platzz. EZ DZ Eingst
KP EZ-Quote
1 Cohaus-Vendt-Stift Krumme Str. 39/40 48143 Mitte Aegidii 82 46 18 56,1
2 Altenheim St. Elisabeth Südlohnweg 1 48161 West G ievenbeck 92 92 5 100,0
3 Friederike-Fliedner-Haus Coerdestr. 56 48147 Mitt e Kreuz 80 70 5 6 87,5
4 Friedrichsburg Offenbergstraße 19 48151 Mitte Plu ggendorf 138 114 12 82,6
5 LWL Pflegezentrum Mstr. Friedr.-W.-Weber-Str.
30 48147 Mitte Uppenberg 80 72 4 2 90,0
6 Haus Heidhorn - Hiltrup Westfalenstr. 490 48165 H iltrup Amelsbüren 51 51 6 100,0
7 Haus Maria Trost Sankt-Mauritz-Freiheit
52 48145 Mitte Herz-Jesu 84 76 4 90,5
8 Haus Simeon Am Berg Fidel 70 48153 Hiltrup Berg-F idel 155 143 6 5 92,3
9 Haus Wilkinghege Wilkinghege 55 48159 Nord Kinderhaus
West 65 65 100,0
10 Kardinal-von-Galen-Stift Clemens-August-Platz
8a 48167 Südost Angelmodde 66 54 6 2 81,8
11 Altenzentrum Klarastift Andreas-Hofer-Str. 70 48145 Mitte Herz-Jesu 143 129 7 90,2
12 Altenheim St. Lamberti Scharnhorststr. 4-8 48151 Mi tte Pluggendorf 83 65 9 2 78,3
13 Maria-Hötte-Stift Düesbergweg 143 48153 Mitte Düesb erg 123 91 19 6 74,0
14 Marienheim An der Alten Kirche 5 48165 Hiltrup Hilt rup-Mitte 83 71 6 1 85,5
15 Martin-Luther-Haus Fliednerstr. 17 48149 West Sentr up 151 133 9 10 88,1
16 Ev. Altenzent. Meckmannshof Meckmannweg 74 48163 West Mecklenbeck 171 59 56 7 3 4,5
17 Seniorenheim Michaelweg Michaelweg 53 48149 West Gi evenbeck 41 21 10 4 51,2
18 Perthes-Haus Wienburgstr. 60 48147 Mitte Uppenberg 87 49 19 2 56,3
19 Schölling-Lentze-Heim Bohlweg 5 48147 Mitte Schlach thof 21 21 0 100,0
20 Wohnstift am Südpark Clevornstraße 5 48153 Mitte Sc hützenhof 74 62 6 4 83,8
21 DKV-Residenz am Tibusplatz Tibusplatz 1 48143 Mitte Buddenturm 49 39 5 79,6
22 Achatius-Haus Wolbeck Münsterstr. 24 b/c 48167 Südo st Wolbeck 66 66 4 100,0
39
Einrichtung Straße, Hausnummer PLZ Stadtbezirk Stadtteil Platzz. EZ DZ Eingst
KP EZ-Quote
23 Haus v. Guten Hirten - Pflege Mauritz-Lindenweg 61 48145 Mitte Herz-Jesu 16 12 2 75,0
24 Handorfer Hof Handorfer Str. 24 48157 Ost Handorf 6 6 66 2 100,0
25 Meyer-Suhrheinrich-Haus Marktallee 42 48165 Hiltrup Hiltrup-Mitte 42 42 100,0
26 Haus Franziska Westfalenstr. 109 48165 Hiltrup Hilt rup-Mitte 20 20 100,0
27 Seniorenzentrum Gievenbeck Gartenbreie 1 48151 West Gievenbeck 81 81 100,0
28 Seniorenzentrum Albachten Rottkamp 49 48163 West Al bachten 66 56 5 10 84,8
29 Papst Johannes Paul Stift Culmer Str. 16 48157 Nord Coerde 72 72 0 2 100,0
30 Johanniter-Stift Münster Weißenburgstr. 48 48151 Mi tte Geist 80 80 0 5 100,0
31 Residenz Aaseehof Pottkamp 25 48149 Mitte Schloss 8 0 72 4 15 90,0
32 Alexianer – Haus Thomas Alexianerweg 8 48163 Hiltru p Amelsbüren 54 54 4 100,0
33 Wohnen in Pastors Garten Alte Dorfstr. 10 48161 Wes t Roxel 40 40 4 100,0
Summe 2606 2184 211 108 83,8
Ausgewiesene Sonderformen
1. Stationäre Hausgemeinschaftsangebote für an Demenz Erkrankte: Klarastift, Meyer-Suhrheinrich-Haus (ausschließlich), DKV Residenz
2. Angebot für Wachkomapatienten, 22 Plätze im Klarastift, sukzessive Erweiterung auf 22 Plätze geplant
3. Angebote für junge Pflegebedürftige, 18 Plätze im Achatius-Haus Wolbeck
Hinweis
Umbaumaßnahmen im Altenheim St. Elisabeth; aktuel l können nur 53 der 92 Plätze belegt werden, Baumaß nahmen sind im 2. Quartal abge-
schlossen
40
15. Planungen vollstationärer Pflegeeinrichtungen
Planungen/Umbau/Erweiterung von Pflege-/Wohneinrichtungen (Stand März 2012)
Standort
Stadtteil
• Investor
• Träger
• Betreiber
Wohnen Pflege Planungs-
stand
Vorauss.
Baube-
ginn
Vorauss.
Fertig-
stellung
Umbau/Erweiterung bestehender Einrichtungen
Altenheim St.
Elisabeth
Missionsschwes-
tern vom Hlst. Her-
zen Jesu von
Hiltrup
Betreutes
Wohnangebot
vorgesehen
Reduzierung auf
92 Einzelzimmer; 6
eingestreute Kurz-
zeitpflegeplätze
Bauphase Sommer
2012
Cohaus-
Vendt-Stift,
Aegidii
Cohaus-Vendt-Stift
Erhöhung Einzel-
zimmeranteil;
Platzzahlneutralität
Bauphase 2012 2013
Neubau
Kastanienhof Michels Kliniken
GmbH & Co. KG
Umbau einer
Schule in eine
vollstationäre Pfle-
geeinrichtung mit
58 Plätzen
Umbaupha-
se
Frühjahr
2012
Frühjahr
2013
Die einzig neue und bereits durch Abstimmungsbescheinigung an den Investor Michels
Kliniken GmbH & Co. KG vollstationäre Pflegeeinrichtung wird in der Ostmarkstraße 9 der
Kastanienhof mit 58 Bewohnerplätzen sein. Weitere konkrete Vorhaben bzw. Planungsab-
sichten sind der Pflegeplanung nicht bekannt.
Es ist davon auszugehen, dass die bekannten Investitionshemmnisse in Bezug auf die Ab-
schreibungsmöglichkeiten für Aufwendungen langfristiger Anlagegüter nach § 4 GesBerVO
(Verordnung über die gesonderte Berechnung nicht geförderter Investitionsaufwendungen
für Pflegeeinrichtungen nach dem Landespflegegesetz), zu einem Investitionsstau, wie
nach der Novellierung des Landespflegegesetzes im Jahre 2003 zu beobachten war,
Hauptgrund für die Zurückhaltung von Investoren und Betreibern ist. Mit Blick auf die vom
Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) vorgelegten Eck-
punkte für eine vorgezogene Reform des Landespflegerechtes und des Wohn- und Teilha-
begesetzes soll im Interesse einer zügigen Modernisierung von Pflegeeinrichtungen die
Abschreibungsfrist von 50 auf 25 Jahren gesenkt werden. Es ist davon auszugehen, dass
diese Signale der Landesregierung mittelfristig wieder eine Investitionsbereitschaft für die
Errichtung vollstationärer Pflegeeinrichtungen erkennbar werden lässt. Bis zum Jahr 2018
werden alle Häuser eine Einzelzimmerquote von 80 % erreicht haben müssen. Inwiefern
41
die Landesregierung das vorgegebene Ziel, ebenso bis zum 01.08.2018 landesweit eine
angemessene Einrichtungsgröße von 80 Plätzen umsetzen wird, bleibt abzuwarten.
16. Pflegearbeitsmarkt, Pflegefachkräfte und Altenpflegeseminare in Münster
Auch wenn die Anzahl der Auszubildenden im 1. Lehrjahr nach Auskunft des Bundesminis-
teriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend steigt, ändert das nichts an der Tatsa-
che, dass seit geraumer Zeit bundesweit ein Mangel Pflegefachkräften herrscht. Dem grö-
ßer werdenden Pflegebedarf steht ein nicht im gleichen Maße nachwachsendes Angebot
an Fachkräften gegenüber. Die Gründe liegen noch immer am negativen Image eines ver-
meintlich physisch wie psychisch besonders belastenden Berufes und der vermeintlich
kurzen durchschnittlichen Verweildauer im Beruf. Auf einem zusehends entspannten Ar-
beitsmarkt orientiert sich der Nachwuchs an anderen Berufsfeldern. Allerdings kommen
verschiedenen Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass der durchschnittliche Berufs-
verbleib in der Altenpflege bei den jüngeren Ausbildungskohorten mit 11,7 Jahren nicht
kürzer ist als der Berufsverbleib in anderen, vergleichbaren sogenannten Frauenberufen.
8
85 % der bundesweit im Berufsfeld Pflege Beschäftigten sind Frauen. Die Mehrheit des
Personals, ca. 61 % ist, insbesondere in den ambulanten Pflegediensten ist teilzeitbeschäf-
tigt.
9 Für Münster sind diese Annahmen übertragbar. Neue Pflegeeinrichtungen sowie am-
bulante Dienste haben große Probleme ausreichendes Fachpersonal einstellen zu können.
Darüber hinaus beobachten die Pflegeeinrichtungen einen verstärkten Wettbewerb um
Pflegefachkräfte.
In Münster bilden vier Altenpflegeseminare Schülerinnen und Schüler zu staatlich aner-
kannten Altenpfleger/innen und staatlich anerkannten Altenpflegehelfer/innen aus:
- Evangelische Ausbildungsstätte des Münsterlandes für pflegerische Berufe e.V.,
Coerdestr. 60, 48147 Münster
- Bildungsinstitut Münster e. V., Anton-Bruchhausen -Str. 6, 48159 Münster
- Fachseminar für Altenpflege, Johanniter-Akademie, Weißenburgstr. 60-64, 48151
Münster
8 Vgl. „Berufsverläufe von Altenpfleger/innen, IWAK Frankfurt; Joost u.a. 2009
9 Vgl. Infobüro Pflege; www.bmg.bund.de
42
- Fachseminar Altenpflege St. Franziskus, Caritas-F ortbildungsinstitut Münster
GmbH, Josefstr. 2, 48151 Münster
Pro Jahrgang besuchen jeweils bis zu 25 Schülerinnen und Schüler die dreijährige Ausbil-
dung zur Altenpflege in den Seminaren. Jährlich gehen etwa 80 bis 90 examinierte Absol-
ventinnen und Absolventin ins Berufsleben. Ewa 50 Schülerinnen und Schüler absolvierten
2011 die einjährige Ausbildung in der Altenpflegehilfe.
Maßnahmen der Arbeitsagentur
Für die Ausbildungszweige Altenpflegehelfer/in werden im Rahmen der Förderung der
beruflichen Weiterbildung mit sogenannten „Bildungsgutscheinen“ von der Arbeitsagentur
Münster die gesamten Ausbildungskosten übernommen. Gute Möglichkeiten bietet hier der
duale Ausbildungsgang der den Abschluss von zwei Verträgen, einem praktischen mit der
Altenpflegeeinrichtung und einem theoretischen mit dem Fachseminar vorsieht. Insbeson-
dere für die Altenpflegeeinrichtungen ist das Programm der Agentur für Arbeit äußerst inte-
ressant, da die Auszubildenden de facto keine Kosten verursachen. Darüber hinaus för-
dern die Arbeitsagenturen über Modelle wie „Weiterbildung Geringqualifizierter und be-
schäftigter Älterer in Unternehmen“ (WeGebAU) oder dem Förderprogramm „Initiative zur
Flankierung des Strukturwandels“ (IFLAS) die Ausbildung zum/zur Altenpflegehelfer/in.
Maßnahmen des Ministeriums für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter des
Landes Nordrhein-Westfalen (MGEPA)
Bereits Ende 2010 fehlten in NRW rund 3.000 Absolventinnen und Absolventen in den
Pflegeberufen. Insbesondere im Bereich der Altenpflegefachkräfte wurde und wird zu we-
nig ausgebildet. Aufgrund der hohen Teilzeitquote ist der Bedarf an „Personen“ noch hö-
her. Die Landesregierung macht u.a. den Mangel an Ausbildungsverhältnissen bei den
ambulanten wie stationären Pflegeeinrichtungen mitverantwortlich für diese Entwicklung.
Im Gesetzentwurf der Landesregierung zur Änderung des Landesaltenpflegegesetzes ist
daher die (Wieder) Einführung einer Umlagefinanzierung der Ausbildungsvergütung vorge-
sehen. Das Deutschen Institut für angewandte Pflegeforschung (dip) stellt in seinen Unter-
suchungen zum Thema fest, dass ausbildende Pflegeeinrichtungen gegenüber nicht aus-
bildenden Einrichtungen im Wettbewerb benachteiligt sind. Mit der Einführung des Umla-
geverfahrens sieht die Landesregierung das Gleichgewicht auf dem Ausbildungsmarkt der
Pflegeberufe wieder hergestellt.
43
In der Vergangenheit hat sich das Land darüber hinaus insbesondere dafür eingesetzt,
Hauptschüler als Pflegefachkräfte zu examinieren und sog. „Branchenfremde um die 50“
(Jahre) umschulen zu lassen. Ebenso ist es ein Anliegen, Schülerinnen und Schüler mit
Migrationsvorgeschichte – für eine „kultursensible Betreuung“ in den Pflegeeinrichtungen
zu gewinnen.
Maßnahmen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ)
Mit dem Projekt Servicenetzwerk Altenpflegeausbildung hat das BMFSFJ für Altenpflege-
einrichtungen und ihre Träger von 2007 bis 2010 ambulante und stationäre Pflegeeinrich-
tungen in allen Fragen der Altenpflegeausbildung beraten. Zum Abschluss des Service-
netzwerkes Altenpflegeausbildung Ende September 2010, hat das Statistische Bundesamt
die Zahl der Schüler/innen in der Altenpflege für das Schuljahr 2009/2010 veröffentlicht.
19.447 Schülerinnen und Schüler der Altenpflege haben im Schuljahr 2009/2010 ihr erstes
Ausbildungsjahr absolviert. Das sind 3.935 oder gut 25% mehr als im Jahr zuvor, eine er-
hebliche Steigerung, nachdem der Anstieg der Schülerzahlen in den drei Jahren davor nur
durchschnittlich 4% betragen hatte.
Wie der aktuellen Medienberichterstattung im Rahmen der Pflegereform zu entnehmen ist,
hat sich hat sich die zuständige Bund-Länder Arbeitsgruppe darüber verständigt, die noch
getrennten Ausbildungsgänge für Alten- und Krankenpfleger in eine Ausbildung für den
Beruf „Pflegekraft“ zusammenzuführen. Auch wenn die Finanzierungsfrage der neuen
Pflegeausbildung noch zu klären ist, sind sich im Grundsatz, von den Pflegeverbänden
über die Krankenkassen bis zu den Ausbildern in den Krankenhäusern und Pflegeeinrich-
tungen, alle darin einig, damit die Attraktivität der Pflegeberufe zu steigern und die Ausbil-
dung zu vereinheitlichen.
Viele Initiativen, Veranstaltungen und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen und Kampag-
nen auf Bundes- und Länderebene haben in den letzten Jahren dazu beigetragen, die Be-
deutung der Altenpflegeausbildung für die Sicherung des zukünftigen Fachkräftebedarfs in
Altenpflegeeinrichtungen zu unterstreichen. Im Servicenetzwerk Altenpflegeausbildung
wurde in den vergangenen dreieinhalb Jahren eng mit den Pflegeeinrichtungen in ganz
Deutschland zusammengearbeitet. Es wurden Fortbildungen angeboten, Informationen zur
Altenpflegeausbildung zusammengetragen und Arbeitshilfen entwickelt. Damit ist es ge-
lungen, einen Beitrag zur Sensibilisierung der Altenpflegeeinrichtungen für das Thema
44
Ausbildung und damit zu mehr und besserer Ausbildung auf der praktischen und betriebli-
chen Seite zu leisten. 10
Initiative in der Stadt Münster
Auf Anregung der beiden Arbeitsgemeinschaften der Altenheimleitungen in Münster hat
sich die Strategiegruppe „Altenpflege“ erstmals im November 2011 getroffen. Die Spreche-
rinnen und Sprechern der Pflegeeinrichtungen in Münster, Vertreter der Altenpflegesemi-
nare, Arbeitsagentur und Stadt Münster verfolgen das gemeinsame Ziel, nachhaltige Maß-
nahmen bzw. Kampagnen zur Sicherung des Pflegefachkräftebedarfes, insbesondere zur
Erhöhung der Ausbildungsquoten in den Altenpflegeseminaren zu entwickeln. Wie auch
auf Landesebene diskutiert, zählen die Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und des
Personalmanagements, die Weiterqualifizierung und die Schulungsangebote sowie attrak-
tive Kinderbetreuungsangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu den gemeinsamen
Zielen, um dem Mitarbeitermangel und der Personalfluktuation entgegenzuwirken.
Ebenso ist vorgesehen, dass zukünftig die Altenpflegeseminare in der Pflegekonferenz
Münster vertreten sind. Mit den insgesamt vier Altenpflegeseminaren ist Münster jetzt und
für die Zukunft gut aufgestellt. Gleichwohl sind die Herausforderungen, die sich mit der
wachsenden Zahl der hilfe- und pflegebedürftigen Menschen in Münster einstellen werden,
im Sinne einer ausgewogenen pflegerischen Versorgungslandschaft zu begegnen.
17. Hospiz- und Palliativversorgung in Münster
„Das Sterben verlagert sich ins Krankenhaus oder Pf legeheim. Die Zahl der über 30-
Jährigen und älteren, die im Krankenhaus verstarben , ist zwischen 2000 und 2009 von
401.000 auf 423.000 Menschen im Jahr gestiegen. Gle ichzeitig wuchs die Zahl der im
Pflegeheim Verstorbenen von 140.000 auf 159.000. Da mit verstarben 70 Prozent in Kran-
kenhäusern und Pflegeheimen. 2000 lag die Quote bei 65 Prozent.“ 11
Der 2008 gegründete Arbeitskreis ambulante und stationäre Hospiz- und Palliativversor-
gung in Münster trifft sich in der Regel zweimal jährlich und informiert sich wechselseitig
über Angebote und Arbeitsinhalte der Beratungsstellen, Anbieter und Einrichtungen in
Münster. Das Netzwerk setzt sich aus der Hospizbewegung Münster e.V., dem Palliativ-
10 Vgl. Homepage BMFSFJ
11 Vgl. BARMER GEK Pflegereport, Pressekonferenz, Berlin 29. November 2011
45
netz Münster e.V., der Alpha-Hospizansprechstelle NRW, dem Lebenshaus Münster, dem
Johannes Hospiz Münster, den Palliativstationen des Herz-Jesu-Krankenhauses und des
St. Franzisikus-Hospitals, dem ambulanten Hospiz- und Palliativdienst des Johanneshos-
pizes, den stationären Altenpflegeeinrichtungen, den drei anerkannten Palliativpflegediens-
ten DRK-Sozialstation, ev. Diakoniestation und Caritas Münster, den Arbeitskreisen der
ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen, der Krebsberatungsstelle des Tumor-
netzwerkes Münsterland, dem Kinderhospizes Königskinder, der Stiftung Hospizarbeit in
Münster und dem Informationsbüros Pflege zusammen. Münster verfügt über 18 vollstatio-
näre Hospizplätze. Aktuell erweitert das Johanneshospiz um zwei Plätze, so dass im Laufe
des Jahres für Münster insgesamt 20 Plätze zur Verfügung stehen werden. Im Rahmen der
Stichtagsabfragen zur Belegung der vollstationären Hospize bewegte sich die Auslastung
im Jahr 2011 i.d.R. zwischen 90 und 100 Prozent. Ergänzt wird das stationäre Angebot
durch die Palliativstationen des St. Franziskus Hospitals mit neun und des Herz-Jesu-
Krankenhauses mit sechs Betten.
Nach den intensiven, auch öffentlich geführten Debatten zur Errichtung eines stationären
Kinderhospizes in Münster, hat der ambulante Kinderhospiz Königskinder die Arbeit in der
renovierten Alten Kaplanei St. Mauritz seine Arbeit aufgenommen. Das neu eröffnete Haus
steht als Ort der Beratung und Begegnung lebensbedrohlich erkrankten Kindern und Ju-
gendlichen sowie deren Angehörigen offen.
Das Netzwerk Hospiz- und Palliativversorgung Münster stellt sich im Rahmen des
Schmerz- und Palliativtages am 27. Oktober 2012 vor.
18. Pflegekonferenz
Die nach § 5 Landespflegegesetz NRW tätige Pflegekonferenz Münster folgt dem Ziel, eine
leistungsfähige und wirtschaftliche ambulante, teilstationäre, vollstationäre und komple-
mentäre Angebotsstruktur für alle pflegebedürftigen Menschen in Münster zu gewährleis-
ten.
Jährlich finden im Frühjahr und Herbst zwei Sitzungen statt. Neu aufgenommen in die
Pflegkonferenz wurde 2011 der Verband der privaten Krankenversicherung e.V. In der ge-
meinsamen Sitzung der Gesundheits- und Pflegekonferenz am 16.11.2011 wurden zwei
Projektgruppen für die Themen „Entlassungs- und Überleitungsmanagement“ sowie „ärztli-
che und fachärztliche Versorgung in vollstationären Pflegeeinrichtung“ eingerichtet. Die
46
Arbeitsgruppen sind mit Mitgliedern beider Konferenzen und zusätzlichen Fachleuten be-
setzt und haben den Auftrag konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Ein weiterer
Themenschwerpunkt 2011 war die Darstellung der ersten Arbeitsergebnisse des Aktions-
bündnisses Schmerzfreie Stadt Münster für vollstationäre und ambulante Pflegeeinrichtun-
gen.
Im Rahmen der Weiterentwicklung zur Reform des Landespflegegesetzes finden sich im
sog. Eckpunktepapier der Landesregierung Nordrhein-Westfalen konkrete Aussagen zur
Sicherung einer demographiefesten Infrastruktur für alte, pflegebedürftige Menschen und
deren Angehörige wieder. Zur Planung und Begleitung auf örtlicher Ebene sieht die Lan-
desregierung zukünftig folgende Instrumente vor, die eine quartiersbezogene Bedarfsana-
lyse und darauf aufbauende Planung ermöglichen und sich damit nachhaltig auf die Vor-
gaben der Altenhilfe- und Pflegeplanung sowie die Arbeit der Pflegekonferenz auswirken
werden:
- Ausweitung der im Rahmen der Altenpflegeausbildun g eingerichteten Datenbank
PFAD.nrw; neben den Daten über die Versorgung mit Pflegefachkräften sollen
auch vorhandene Informationen über pflegerische Angebote der Kommunen für
Planungszwecke genutzt werden.
- Erarbeitung und Implementierung eines wissenschaf tlich fundierten Erhebungs-
und Planungsinstrumentes zur Unterstützung der örtlichen Ebene bei der Be-
darfsklärung der Altenhilfe- und Pflegeangebote.
- Erweiterung der Aufgaben der Pflegekonferenz dahi ngehend, Neubauvorhaben
von vollstationären Pflegeeinrichtungen umfassend vorzustellen und zu beraten,
wenn nach Aufnahme des Betriebs der Einrichtung Ansprüche auf Investitions-
kostenförderung durch Pflegewohngeld geltend gemacht werden soll.
12
12 Vgl. Presseinformation – 139/2/2012 – die Landesregierung Nordrhein-Westfalen
Beratungsverlauf (4)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (75)
- Königsstraße 18
- Westfalenstraße 171
- Rjasanstraße 21
- Münsterstraße 52
- Münzstraße 38
- Hammer Straße 128
- Augustastraße 28
- Josefstraße 4
- Hofstraße 17
- Klosterstraße 75
- Handorfer Straße 23
- Clevornstraße 5
- Culmer Straße 16
- Coerdestraße 56
- Andreas-Hofer-Straße 86
- Taubenstraße 12
- Hittorfstraße 10
- Schulstraße 47
- Herrenstraße 10
- Kinderhauser Straße 63
- Ostmarkstraße 9
- Weißenburgstraße 60
- Bohlweg 10
- Gustav-Stresemann-Weg 62
- Höltenweg 116
- Hohenzollernring 67
- Tibusplatz 6
- Krögerweg 14
- Kortumweg 56
- Prozessionsweg 54
- Meckmannweg 74
- Südlohnweg 1
- Twenhövenweg 18
- Düesbergweg 143
- Stratmannweg 21
- Kaiser-Wilhelm-Ring 34
- Mauritz-Lindenweg 61
- Am Küchenbusch 15
- Am Berg Fidel 70
- An der Alten Kirche 5
- An den Loddenbüschen 77
- Hanses-Ketteler-Straße 2
- Grevener Straße 105
- Geringhoffstraße 45
- Wolbecker Straße 140b
- Schmüllingstraße 4
- Warendorfer Straße 97
- Gremmendorfer Weg 44
- Josef-Beckmann-Straße 5
- Offenbergstraße 19
- Sankt-Mauritz-Freiheit 52
- Clemens-August-Platz 8a
- Scharnhorststraße 4
- Wichernstraße 22
- Dieckmannstraße 20
- Sophienstraße 1
- Krumme Straße 39
- Fliednerstraße 17
- Wienburgstraße 60
- Alte Dorfstraße 10
- Gasselstiege 13
- Kanalstraße 30
- Letterhausweg 103
- Gartenbreie 1
- Kirmstraße 18
- Gartenstiege 6
- Wilkinghege 23
- Alexianerweg 8
- Marktallee 66
- Pottkamp 15
- Kinderhaus 25
- Michaelweg 31
- Pluggendorf 83
- Düesberg 19
- Rottkamp 49
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0392/2012
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 15.05.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37