0193/2022
Vorschau auf die Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen des Wallraf-Richartz-Museums & Fondation
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4510 Vorlagen-Nummer 25.01.2022 0193/2022 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Betriebsausschuss Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud 25.01.2022 Vorschau auf die Sonderausstellungen und Sammlungspräsentationen des Wallraf-Richartz- Museums & Fondation Corboud 2022 Das Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud wird auch in den aktuell herausfordernden Zeiten im Jahr 2022 mit einem breitem Angebot von Ausstellungen und Sammlungspräsentationen hervor- treten. Dabei wird zunächst noch die erfolgreiche Ausstellung „Entdeckt! Maltechniken von Martini bis Monet“ bis zum 13. Februar zu sehen sein, die in innovativer Weise den Herstellungsprozess gemal- ter Kunstwerke thematisiert und das staunenswerte Können der Künstler*innen über Jahrhunderte zur Anschauung bringt. Das Frühjahr 2022 wird sodann durch zwei hochkarätige Präsentationen geprägt: Zunächst wird kurz vor Ostern ein beeindruckender Gemäldezyklus des späten Mittelalters, die siebenteilige sog. „Karls- ruher Passion“, im Kontext der berühmten Mittelalter-Sammlung präsentiert. Dabei wird die im Wallraf bewahrte Tafel – erstmals in Köln – mit den sechs zugehörigen Werken aus der Staatlichen Kunsthal- le Karlsruhe vereint. Anfang Juni starten wir dann unser gemeinsames Projekt mit der Theaterwis- senschaftlichen Sammlung der Universität Köln. In drei aufeinanderfolgenden Präsentationen sollen die wundervollen Automaten und Exponate aus der soeben für die öffentliche Hand erworbenen be- deutenden mediengeschichtlichen Sammlung Werner Nekes im Zusammenspiel mit Werken unserer Gemäldesammlung gezeigt werden. In der zweiten Jahreshälfte wird der bekannte Schauspieler, Schriftsteller, Verleger und Fotograf Hanns Zischler eine Ausstellung für das Graphische Kabinett des Wallraf kuratieren. Eine überra- schende Auswahl aus den Beständen unseres Hauses steht zu erwarten. Unsere große und über viele Jahre vorbereitete Herbst/Winter-Ausstellung wird dann ab Ende Okto- ber 2022 einer der bedeutendsten biblischen Heldinnen gewidmet sein. Versuchte Nötigung und se- xualisierte Gewalt sowie der erfolgreiche Widerstand der Susanna boten und bieten Künstler*innen vom Mittelalter bis in die zeitgenössische Kunst hinein Anlass und Inspiration für großartige Kunst- werke. Es ergibt sich die seltene Gelegenheit, einen seit alters her und bis heute hoch relevanten Themenkomplex aufzufächern – und dabei die Brücke von der sog. „Alten Kunst“ zur Jetztzeit zu schlagen. Es folgt eine Aufstellung der Ausstellungen und Galeriepräsentationen im Überblick, nachfolgend dann einzeln mit erläuternden Texten: Sonderausstellung, die noch in 2021 eröffnet wurde: Entdeckt! Maltechniken von Martini bis Monet noch bis 13. Februar 2022 2 Sonderausstellung 2022: SUSANNA Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo 28. Oktober 2022 bis 26. Februar 2023 Sammlungspräsentationen 2020: Die Karlsruher Passion Ganz • Schön • Heftig 8. April 2022 bis 16. April 2023 Sensation des Sehens Die Sammlung Nekes: Vol. 1 – Barock 3. Juni 2022 bis 23. April 2023 Im graphischen Kabinett: Abenteuer Appiani Die Entdeckung eines Zeichners 18. März bis 6. Juni 2022 Cellini – Goethe – Paffenholz Ein Kunstbuch als Widerstand 24. Juni bis 4. September 2022 Bann und Befreiung – Vom Lesen und Schreiben Kuratiert von Hanns Zischler 23. September 2022 bis 15. Januar 2023 Sonderausstellung, die noch in 2021 eröffnet wurde: Entdeckt! Maltechniken von Martini bis Monet noch bis 13.02.2022 Mit seiner großen Sonderausstellung „Entdeckt!“ verrät das Wallraf-Richartz-Museum die geheimen Maltechniken von Meistern wie Cranach, Rembrandt, Friedrich und Monet. Dafür untersuchten die Kunsttechnolog*innen des Kölner Hauses in den letzten zwanzig Jahren rund zweihundert Gemälde von prominenten Maler*innen aus Spätmittelalter, Barock, Romantik, Realismus, Impressionismus und Symbolismus. Mit Röntgenstrahlen, Infrarot, UV-Licht und Stereomikroskopen schauten die Ex- pert*innen nicht nur auf die Malschicht, sondern auch in sie hinein und durch sie hindurch – egal ob auf Papier, Leinwand, Holz, Metall oder sogar Stein. Die dabei zu Tage geförderten Forschungser- gebnisse sind spektakulär und werden nun erstmals epochenübergreifend präsentiert. Dieser einma- 3 lige Blick hinter die Kulissen von Kunst und Forschung lässt 700 Jahre Malerei in einem neuen Licht erscheinen und begeistert dank seiner Präsentationsvielfalt ein breites Publikum. Sonderausstellung 2022: SUSANNA Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo 28.10.2022 bis 26.2.2023 Mit der weltweit ersten Ausstellung zur biblischen Susanna in der Kunst widmet sich das Wallraf einer Erzähl- und Bildtradition, die auch vor dem Hintergrund der MeToo-Bewegung kaum aktueller sein könnte. Mit „SUSANNA – Bilder einer Frau vom Mittelalter bis MeToo“ zeigt das Kölner Museum, dass Machtmissbrauch und sexualisierte Gewalt schon seit Jahrhunderten in der Malerei verhandelt werden: Die biblische Erzählung von der versuchten Nötigung der Susanna durch zwei Richter übt schon seit dem Mittelalter großen Einfluss auf die Kunst aus. Die Sonderausstellung im Wallraf belegt dies mit hochklassigen Werken von Meister*innen wie Artemisia Gentileschi, Anthonis van Dyck, Eugène Delacroix, Édouard Manet und Lovis Corinth sowie beeindruckenden Arbeiten von zeitgenös- sischen Künstlerinnen wie Kathleen Gilje und Zoe Leonard. Auf packende Weise zeichnet „SUSAN- NA“ die unterschiedlichen Deutungen der biblischen Erzählung, stilistischen Vorlieben, die sich wan- delnde Nachfrage am Kunstmarkt sowie den Wettstreit und die künstlerischen Diskurse nach, die sich am Susannen-Motiv entzündeten. Die Sonderausstellung wird rund neunzig Exponate und Leihgaben aus international renommierten Museen und Sammlungen umfassen. Sammlungspräsentationen 2022: Die Karlsruher Passion Ganz • Schön • Heftig 8.4.2022 bis 16.4.2023 Sie waren Jahrhunderte getrennt, doch Ostern 2022 treffen sich die sieben Tafelbilder der legendären „Karlsruher Passion“ wieder – und zwar für ein ganzes Jahr im Wallraf-Richartz-Museum. Die spätgo- tischen Tafeln mit Szenen aus der Passionsgeschichte Christi gehören zum Besten, was die Malkunst des späten Mittelalters hervorgebracht hat. Jüngste Forschungen vermuten, dass der Straßburger Hans Hirtz, ein Zeitgenosse Stefan Lochners, das Werk gemalt hat. Seine Erzählkunst ist dramatisch und faszinierend zugleich: Energisch treibt er mit seinem Malstil die Handlung von Bild zu Bild voran. Geschickt wiederholt Hirtz dabei bestimmte Figuren und verbindet somit die einzelnen Tafeln mitei- nander. Bildübergreifende Landschafts- und Architekturdarstellungen sorgen zudem für räumliche Kontinuität. Die berühmte „Gefangennahme Christi" aus dem Wallraf erzählt zusammen mit den sechs Tafeln aus der Karlsruher Kunsthalle wieder die gesamte Passionsgeschichte. 4 Sensation des Sehens Die Sammlung Nekes: Vol. 1 – Barock 3.6.2022 bis 23.4.2023 Schattenspiele, Rätselbilder, Wunderlaternen, Stroboskopscheiben und der legendäre Cinemato- graph, mit dem die Gebrüder Lumière 1896 erstmals bewegte Bilder aufnehmen und abspielen konn- ten – dies sind nur einige der 25.000 Objekte aus der faszinierenden Sammlung von Werner Nekes (1944-2017). Der legendäre Filmregisseur aus Mülheim an der Ruhr war von der „Geschichte der Bilderzeugung“, wie er sie selbst nannte, derart fasziniert, dass er in dreißig Jahren die weltweit größ- te und beste Kollektion zur Mediengeschichte der letzten vierhundert Jahre zusammentrug. Im Jahr 2020 gelang es, die Sammlung Werner Nekes in einem Verbund der Theaterwissenschaftlichen Sammlung der Universität zu Köln, dem Deutschen Filminstitut/Filmmuseum Frankfurt am Main und der Filmuniversität Babelsberg für die öffentliche Hand in Deutschland durch einen gemeinsamen Ankauf zu erhalten. Ein Großteil der Bestände steht künftig unter der Obhut der Theaterwissenschaft- lichen Sammlung der Universität zu Köln. Gemeinsam mit dieser bringt das Wallraf die Sammlung Nekes nun mit eigenen Werken zusammen. In gleich drei aufeinander folgenden Ausstellungen tref- fen die „laufenden Bilder“ auf Gemälde aus Mittelalter, Barock und Neuzeit. Den Auftakt zu der Aus- stellungstrilogie „Sensation des Sehens“ macht im Sommer 2022 „Die Sammlung Nekes – Vol. 1 – Barock“. Im großen Fenstersaal der Barockabteilung wird dafür eine Wunderkammer errichtet, in der augentäuschender Realismus und dramatische Bewegtheit auf die Besucher*innen warten. Im Graphischen Kabinett: Abenteuer Appiani Die Entdeckung eines Zeichners 18.3. bis 6.6.2022 Der bedeutende Freskenmaler und Gründer der Mainzer Kunstakademie Joseph Ignaz Appiani (1706–1785) ist bisher als Zeichner kaum bekannt. Und auch in seiner Biographie gibt es beträchtli- che Lücken. Doch das Wallraf wird im Frühjahr 2022 mit seiner Graphikschau „Abenteuer Appiani“ endlich Licht in dieses Dunkel bringen und lädt seine Besucher*innen zu einer Spurensuche der kunsthistorischen Art ein. Unlängst entdeckten Experten in der rund 70.000 Blatt umfassenden Gra- phiksammlung des Kölner Museums ein bedeutendes Konvolut von Appiani-Arbeiten, die bis dahin als Werke von anderen Künstlern galten. Mit diesen bis dato unbekannten Schätzen wird das Wallraf den Rokokokünstler nun erstmals umfassend als Zeichner würdigen. Cellini – Goethe – Paffenholz Ein Kunstbuch als Widerstand 24.6. bis 4.9.2022 Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832) war ein großer Bewunderer des Renaissancekünstlers Benvenuto Cellini (1500–1571) und übersetzte nicht nur dessen Autobiographie ins Deutsche, son- 5 dern auch die Anleitung „Über die Grundsätze nach welchen man das Zeichnen erlernen soll“. Mitten im Zweiten Weltkrieg illustriert der Kölner Künstler und Kommunist Peter Josef Paffenholz (1900– 1959) von Goethe übersetzte Cellini-Kunstbuch mit zwölf Holzschnitten, obwohl er seit Jahren von den Nazis mit Verhören, Hausdurchsuchungen und Berufsverbot drangsaliert wurde. Entsprechend der Empfehlung des italienischen Meisters, sich beim Erlernen des Zeichnens dem Anatomiestudium zu widmen, zeigt Paffenholz einen Künstler beim Abzeichnen eines menschlichen Skeletts. Doch die- ses Skelett wandelt sich in der Bildabfolge rasch vom anatomischen Modell zu einer Allegorie des Todes und steht damit in der Bildtradition des Totentanzes. Mit seinen Blättern illustriert Paffenholz also nicht nur das zeichnerische Ideal der Renaissance, sondern kommentiert die Herrschaft der Na- tionalsozialisten in einer gezielten Indirektheit, die bis heute nachhallt. Bann und Befreiung – Vom Lesen und Schreiben Kuratiert von Hanns Zischler 23.9.2022 bis 15.1.2023 Hanns Zischler (*18. Juni 1947) ist Schauspieler, Schriftsteller und Fotograf. Wegen seiner Liebe zur bildenden Kunst hat das Wallraf-Richartz-Museum ihn eingeladen, im Herbst 2022 eine Ausstellung zu kuratieren. Zischler hat diese Einladung gerne angenommen und sagt zu seinem Projekt: „Der Zauber und die Macht, ja Gewalt, die in der künstlerischen Darstellung vom Lesen und Schreiben anschaulich werden, bilden ein sehr spezielles Genre. Beim Gang durch das Graphische Kabinett habe ich mich auf die Suche nach sprechenden Beispielen für die vielfältigen – intimen, privaten, reli- giösen und politischen – Motive gemacht.“ Welche Werke Hanns Zischler dabei ausgewählt hat und wie er sie präsentieren wird, verrät das Wallraf ab dem 23. September 2022. Gez. Charles
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0193/2022
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 25.01.2022
- Erstellt
- 14.01.2022 12:32