V/0429/2024
Forschungsprojekt POSITIM am Bohlweg
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Anlage 1_Bericht Forschungsprojekt POSITIM am Bohlweg
73848 Zeichen
Abschlussbericht
Prä-Post-Evaluierung der Umsetzung einer Fahrradstraße 2.0
im Bohlweg, Münster
Durchgeführt im Auftrag der Stadt Münster.
Stadt Münster
Fahrradbüro
Amt für Mobilität und Tiefbau
Stadthaus 3
Albersloher Weg 33
48155 Münster
Telefon: 0251 / 492-7272
E-Mail: fahrradbuero@stadt-muenster.de
Die Ergebnisse stammen zum Teil aus dem Projekt POSITIM, das mit Mitteln der
österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) im Rahmen des Programms
„Mobilität der Zukunft“ gefördert wurde.
Verantwortlich für die Umsetzung Prä- & Post-Studie:
i.n.s. – Institut für innovative Städte
Alter Kirchenweg 27
90552 Röthenbach a.d. Pegnitz
Deutschland
Spatial Services GmbH
Schillerstraße 30
5020 Salzburg, Austria
Österreich
FACTUM – apptec Ventures GmbH
Slamastraße 43
1230 Wien
Österreich
Zusätzlich verantwortlich für die Umsetzung Prä-Studie:
Paris Lodron Universität Salzburg
Fachbereich Geoinformatik – Z_GIS
Schillerstraße 30 | Bauteil 15 | 3. Stock
A-5020 Salzburg
Österreich
con.sens verkehrsplanung zt gmbh
Kaiserstraße 37/15
1070 Wien
Österreich
INHALTSVERZEICHNIS
1 EINLEITUNG ................................................................................... 1
2 METHODEN .................................................................................... 2
3 STUDIENDESIGN ............................................................................ 4
3.1 STICHPROBE .................................................................................. 4
3.2 ABLAUF ......................................................................................... 5
4 UNTERSUCHUNG VOR ORT ............................................................. 6
4.1 PROJEKTBESCHREIBUNG BOHLWEG ................................................ 6
4.2 BESCHREIBUNG TEILNEHMER:INNEN ............................................ 10
4.3 UNTERSUCHTE STRECKE .............................................................. 11
4.4 ERGEBNISSE ................................................................................ 13
4.4.1 Prä-Studie .................................................................................................. 13
4.4.2 Post-Studie ................................................................................................. 28
4.4.3 Vorher-Nachher-Vergleich ............................................................................ 37
4.5 REFLEXION ÜBER AUSWIRKUNGEN ............................................... 40
PROJEKTDATEN................................................................................... 43
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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1 EINLEITUNG
Münster ist in Deutschlan d als Fahrradstadt bekannt. 47 %1 aller täglichen Wege legen die
Münsteraner:innen mit dem Fahrrad zurück. Mit den neuen Qualitätsstandards zu Fahrradstraßen
hat sich Münster im Jahr 2019 selbst hohe Vorgaben zur Gestaltung von neuen Fahrradstraßen
(„Fahrradstraße 2.0“) auferlegt. Aufgrund dessen trat das Konsortium des Forschungsprojektes
POSITIM an die Stadt Münster mit der Anfrage heran, an diesem Projekt mitzuwirken.
Die Gestaltung oder Umgestaltung des öffentlichen Raums wird als wesentliche Voraussetzung
gesehen, die nachhaltige, aktive Mobilität weiter zu fördern. Es fehlt jedoch nach wie vor eine
standardisierte Methodik zur Bewertung der Auswirkungen von Interventionen im st ädtischen
Mobilitätsraum. Das POSITIM Projekt hatte zum Ziel , diese Lücke zu schließen, indem eine
generische Methodik für die Folgenabschätzung und Bewertung von verkehrsplanerischen
Eingriffen durch interdisziplinäre Verknüpfung von Ansätzen aus der Verk ehrssoziologie mit
datenbasierten, räumlichen Bewertungs- und Monitoring-Routinen entwickelt wurde. Ergänzend
zu etablierten Ansätzen (qualitative Erhebungen, GIS -basierte Potenzial- und Umfeldanalysen,
Videos aus der Egoperspektive) nutzt POSITIM als wese ntliche Innovation Humansensorik zur
Verbesserung der Bewertungsmethodik. In Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden wurde
die integrative Methodik in mehreren Feldstudien von 2020 bis 2022 evaluiert und validiert. In
diesem vorliegenden Projekt stand die Frage im Vordergrund, ob eine Umgestaltung des
Bohlwegs als Fahrradstraße Auswirkungen auf den Radverkehr hat. Dies wird insbesondere
durch die Zahl der Radfahrten, gemessene Stressmomente (Humansensorik) sowie die
subjektive Wahrnehmung der Teilnehmenden vorher und nachher bewertet.
Im Projekt POSITIM sollte der Bohlweg in Münster vor und nach der Umgestaltung zur
Fahrradstraße wissenschaftlich untersucht werden, um die Auswirkungen und Wirksamkeit von
Interventionen im Straßenraum zu meesen. Aufgrund von baubedingten Verzögerungen konnte
die Nachher-Erhebung nicht mehr im Projektzeitraum (11/2019 - 10/2022) stattfinden. Die Stadt
Münster hat daraufhin in Eigenregie die Nachher -Untersuchung mit reduziertem Umfang
beauftragt.
Die Methodik, das Studiendesign und die Ergebnisse der Vorher-Nachher-Untersuchung inkl.
der Auswirkungen der Umgestaltung sind in diesem Ergebnisbericht dargestellt und
zusammengefasst.
Die Vorher-Untersuchung fand am 09. und 10.09.2021, die Nachher-Untersuchung am 30. und
31.05.2023 statt.
1 Haushaltsbefragung Stadt Münster 2022
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 2
2 METHODEN
Die Auswirkungen einer konsequenten Radverkehrsförderung sind in der wissenschaftlichen
Literatur gut beschrieben. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für Planungsempfehlungen
und Praktiken. Allerdings ist es nach wie vor schwierig - und daher nicht üblich - die Wirkung von
Maßnahmen im Straßenraum auf Einzelfallebene und in systematischer Weise zu bewerten.
Meistens werden die Auswirkungen von Radverkehrsförderungsmaßnahmen auf aggregierter
Ebene gemessen. Das bedeutet , dass der Modalanteil des Radverkehrs mit Benchmarks, wie
dem Anteil der Wege, die auf Radwegen zurückgelegt wird, der Anzahl der Abstellanlagen oder
der Reichweite von Kampagnen korreliert wird. Weitere Auswirkungen der einzelnen Maßnahmen
auf anderen Ebenen bleiben bei diesem Ansatz verborgen. Folglich werden Wirkungen in
eindimensionalen Räumen gemessen und Kofaktoren sowie systemische Wirkungen werden
nicht ermittelt.
Vor diesem Hintergrund wurde im POSITIM-Projekt ein Mixed-Methods-Ansatz entwickelt. Dieser
Ansatz beinhaltet verschiedene Datenquellen und Methoden, die anschließend durch den
räumlichen und zeitlichen Bezug als Schlüssel integriert werden. Im Rahmen einer Feldstudie vor
und einer Feldstudie nach der Umgestaltung des Bohlwegs, sollen Radfahrer:innen den Bohlweg
mit ihrem Fahrrad befahren. Dabei kamen die folgenden Methoden zur Anwendung:
1. Verkehrszählung
Bei einer Verkehrszählung werden alle Verkehrsteilnehmer:innen an einem Punkt gezählt, dabei
wird nach Fahrzeugart und Fahrtrichtung u nterschieden (ausgenommen Fußverkehr) .
Verkehrszählungen sind Momentaufnahmen, sie sagen nichts darüber aus, wie viele Fahrzeuge
in der Zukunft eine Straße nutzen werden, sie stellen lediglich fest, wie viele Fahrzeuge in einem
bestimmten Zeitraum über ein e Straße gefahren sind. Die Verkehrszählung kann im Vorher -
Nachher-Vergleich für die Untersuchung der Wirksamkeit der Maßnahmen und erwünschten
Ergebnisse verwendet werden.
2. Humansensorische Messungen
Quantitative Humansensorik zielt darauf ab, die physiologischen Reaktionen von Menschen auf
ihre Umwelt zu messen, insbesondere auf Stressoren wie gefährliche Verkehrssituationen,
gefährliche Fußgängerüberwege, enge Fahrradwege, Verkehrslärm und andere. Dies hilft dabei,
eine gemessene Baseline dafür zu erstel len, wo in einer Mobilitätsumgebung stressige oder
gefährliche Orte sind.
3. Fragebogen
Der Fragebogen beinhaltet eine Sammlung an Fragen, die die Demographie, das
Verkehrsverhalten der Teilnehmer:innen, Bewertungen und Einstellungen gegenüber der
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 3
Infrastruktur (u.a. subjektiver Stress und Sicherheit) beinhalten. Weiterhin können auf einer Karte
positive und negative Situationen auf der Befahrung der Infrastruktur markiert werden.
4. Qualitative Interviews
In diesen Kurzinterviews werden die Teilnehmer:innen im Detail zu ihrem Erleben an
verschiedenen Orten bei der Befahrung befragt, generelle Bewertungen der Infrastruktur
abgefragt und Verbesserungsvorschläge gesammelt. In der Prä -Studie werden zusätzlich
Hoffnungen und Befürchtungen abgefragt, in der Post -Studie der Vergleich vor und nach der
Umgestaltung diskutiert.
5. Unterstützende Videoanalyse
Die Fahrten der Teilnehmer:innen werden mit einer Action -Kamera aus Ego -Perspektive
aufgezeichnet. Wenn die Daten aus den anderen Methoden kritische oder unklare Situationen
nahelegen, können diese mithilfe einer nachträglichen Videoanalyse genauer geklärt werden.
In der Prä-Studie, die im Rahmen des POSITIM Projekts stattfand, kamen zwei weitere Methoden
zur Anwend ung. Einerseits eine räumliche GIS -Analyse und andererseits die Messung des
Überholabstandes mit dem Open-Bike-Sensor. In der Post-Studie, die durch die Stadt Münster in
Auftrag gegeben wurde, wurde auf die Abstandsmessung und die GIS-Analyse verzichtet.
Im Vorfeld der Feldstudie wurde festgelegt, dass der Fokus der Untersuchung vorrangig auf
Radfahrer:innen liegt. Aufgrund dessen wurden für die Feldstudien nur Radfahrer:innen rekrutiert
und der Bohlweg von Teilnehmer:innen im Rahmen der Studie mit dem Rad befahren.
Autofahrten und Begehungen durch Fußgängerinnen wurden nicht untersucht.
Verschneidung der Daten
Als Schlüssel für die Einbettung von Datensätzen wird der gemeinsame räumliche und zeitliche
Bezug sowie die Personen-ID der Proband:innen verwendet. Dies ermöglicht beispielsweise die
Ableitung von geolokalisierten Belastungsmomenten (Moments of Stress = MOS) aus
unterschiedlichen Sensoren. Informationen können auch durch die Analyse der verfügbaren
Daten gewonnen werden (Ableitung von Geschwindigkeitsprofilen aus Trajektorien usw.).
Die Verknüpfung verschiedener Informationsebenen ermöglicht Einblicke, die bei
eindimensionalen Ansätzen verborgen blieben. Die Kombination quantitativer und qualitativer
Daten ermöglicht es, festgestellte Ereignisse oder Besonderheiten zu erforschen und zu erklären.
So können zum Beispiel die Hotspot-Maps, die aus den Daten der Sensoren generiert werden,
mit den selbstberichteten Stresspunkten aus dem Fragebogen und weiter mit den Interviewdaten
verglichen werden und dadurch bestätigt, widerlegt, aber vor allem erklärt werden.
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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3 STUDIENDESIGN
3.1 STICHPROBE
Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse aus dem Prä -Post-Studiendesign zu erhalten, wurde
ein Paneldesign angewendet, d. h. es haben dieselben Teilnehmer:innen an der Prä- wie an der
Post-Studie teil genommen. Dadurch wird ein direkter Prä -Post-Vergleich pro Teilnehmer:in
erreicht und es ist möglich, die individuellen Ausgangssitu ationen der Teilnehmer:innen zu
berücksichtigen. Aufgrund der kurzen Vorlaufzeit für die Post -Studie konnten nur 11 der 44
Teilnehmer:innen aus der Prä-Studie wieder zur Teilnahme bewogen werden. Als Folge nahmen
überwiegend unterschiedliche Teilnehmer:innen an der Prä- und Post-Studie teil.
Die Teilnehmer:innen wurden über verschiedene Kanäle rekrutiert: Soziale Medien, Newsletter,
Zeitungen, städtisches Intranet, sowie in der Post -Studie durch Anschreiben der Personen aus
der Prä -Studie. Die Stadt Münster, insbesondere das Fahrradbüro und die zuständige
Pressestelle unterstützten bei der Rekrutierung der Teilnehmer:innen. Für die Anmeldung wurden
Online-Formulare verwendet, die von der Universität Salzburg zur Verfügung gestellt wurden.
Obwohl eine breit gefächerte Gruppe von Teilnehmer:innen angestrebt wurde, war es aufgrund
der geringen Teilnehmer:innenzahl und der Unsicherheit über die Grundgesamtheit nicht möglich,
eine repräsentative Stichprobe zu rekrutieren.
Nach der Anmeldung zu bestimmten Zeitfenstern erhielten die Teilnehmer:innen eine E-Mail mit
allen Informationen zur Studie. Sie wurden gebeten, ihr eigenes Fahrrad und einen Helm
mitzubringen und es wurde ihnen Zeit- und Treffpunkt mitgeteilt.
Abbildung 1: Teilnehmerin bei Post-Studie im Bohlweg
Quelle: Innovative Städte
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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3.2 ABLAUF
Nach der Ankunft auf dem Testgelände wurden die Teilnehmer:innen begrüßt und über den
Ablauf der Studie informiert. Die Studienleiter:innen erklärten die verschiedenen Sensoren, die
am Körper und am Fahrrad der Teilnehmer:innen angebracht wurden. Sie informierten die
Teilnehmer:innen über die Datenerfassung und den Datenschutz und baten sie, eine
Einverständniserklärung auszufüllen.
Die Teilnehmer:innen wurden für die Studie mit den folgenden Sensoren ausgestattet:
● Physiologische Sensoren zur Messung der Hauttemperatur, des Blutvolumenpulses, der
elektrodermalen Hautreaktion, der Herzfrequenz und der Atemfrequenz , sowie der
Spitzenbeschleunigung.
● Action-Kamera
● Smartphone am Lenker mit installierter Smartphone-App
● Open-Bike-Sensor zur seitlichen Abstandsmessung (nur Prä-Studie)
Die Studienleiter:innen erklärten den Teilnehmer:innen, wie sie mit den verschiedenen Sensoren
umzugehen haben und welche Strecke zu fahren ist. Die Teilnehmer:innen wurden in die
Funktionen der Smartphone -App eingeführt. Sie wurden darauf hingewiesen, sich an die
Verkehrsregeln zu halten und auf die Strecke geschickt. Die Fahrtdauer hing von der
Geschwindigkeit der einzelnen Teilnehmer:innen ab.
Die Teilnehmer:innen wurden gebeten, immer dann, wenn sie auf der Fahrt eine Emotion (Wut,
Freude, Erschrecken, Angst , etc.) verspürten, anzuhalten und in der Smartphone -App einen
kurzen Fragebogen auszufüllen. Dieser erhebt die empfundene Emotion, die Intensität der
Emotion, eine kurze Beschreibung der Situation durch die Teilnehmer:innen, sowie deren
Position, sodass der Punkt später auf einer Karte angezeigt und mit anderen Daten überlagert
werden kann.
Nach der Rückkehr wurden die Teilnehmer:innen gebeten, einen Fragebogen auf einem Tablet
auszufüllen. Dieser dauerte etwa 10 - 15 Minuten. Im Rahmen des Fragebogens beantworteten
die Teilnehmer:innen Fragen zu ihren Erfahrungen und Eindrücken während der Fahrt und zum
Bohlweg generell, sowie zu bestimmten Vorfällen. Auch demografische Daten wurden abgefragt.
Im Anschluss an den Fragebogen wurden die Teilnehmer:innen in ei nem Interview zu ihren
Erfahrungen, Zwischenfällen (Stress und Überholmanöver) bei der Befahrung, ihrer Einstellung
zum Bohlweg, Schwachstellen und möglichen Verbesserungen der Infrastruktur befragt. In der
Post-Studie wurden die Teilnehmer:innen zusätzlich nach ihrer Einschätzung zur Veränderung
der Infrastruktur befragt.
Mit Abschluss der Befragung war die Teilnahme beendet.
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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4 UNTERSUCHUNG VOR ORT
4.1 PROJEKTBESCHREIBUNG BOHLWEG
Der Bohlweg in Münster ist eine Hauptverkehrsstraße und verbindet den äuße ren Straßenring
mit der Innenstadt. Über den Bohlweg ist die Innenstadt von Osten aus zu erreichen. Der Bohlweg
ist also von großer Bedeutung für den Verkehr. Insbesondere f ür den Radverkehr erfüllt der
Bohlweg eine wichtige Funktion, denn er ist Teil der Veloroute Telgte - Münster, einer qualitativ
hochwertigen Fahrradroute vor allem für Pendler:innen.
Die Gesetze und Regelwerke machen bisher kaum Vorgaben zur Gestaltung einer
Fahrradstraße, was zur Folge hat, dass es in Deutschland viele unterschiedlich g ut gestaltete
Fahrradstraßen gibt. Von Fahrradstraßen, die lediglich durch das Verkehrszeichen 244.1 (Beginn
Fahrradstraße) erkennbar sind, bis hin zu (farblich) unterschiedlichen Markierungen auf der
Fahrbahn. Die Stadt Münster hat sich mit eigenen Qualit ätsstandards ( „Fahrradstraßen 2.0 “)
Vorgaben zur Gestaltung einer Fahrradstraße gemacht. Ziel ist es, sichere und wiedererkennbare
Fahrradstraßen zu gestalten , z.B. durch eine rot markierte Fahrgasse und
Sicherheitstrennstreifen.
Mit der Umwidmung des Bohlwegs zur Fahrradstraße waren größere Baumaßnahmen
verbunden, um die Straße entsprechend ihrer neuen Funktion als Fahrradstraße anzupassen.
Die Bedingungen für den Rad - und Fußgängerverkehr sollen sich durch die Umbauarbeiten
deutlich verbessern. Der Kfz -Verkehr sollte reduziert werden und darf nun aufgrund von
Abbiegegeboten den Bohlweg nicht mehr komplett durchfahren.
Vor dem Umbau wurden die Radfahrer:innen auf einem getrennten Geh- und Radweg, mit einem
ca. 1,0 m breiten Radweg, auf dem Bürgersteig geführt (vgl. Abbildung 3). Die Trennung zwischen
Rad- und Fußverkehr war durch einen leichten Farbunterschied der Pflastersteine erkennbar.
Nach dem Umbau stehen dem Fußverkehr die Bürgersteige komplett zur Verfügung und der
Radverkehr fährt auf der Fahrbahn (vgl. Abbildung 4).
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 7
Abbildung 2: Teilnehmerin bei der Vorher-Untersuchung auf dem Radweg
Quelle: Stadt Münster/Meike Reiners
Abbildung 3: Querschnitt Bohlweg vor Umgestaltung (alle Angaben in Metern)
Quelle: Stadt Münster
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 8
Abbildung 4: Querschnitt Bohlweg nach Umgestaltung (alle Angaben in Metern)
Quelle: Stadt Münster
Die Fahrradstraße beginnt im Osten ab dem Knoten Bohlweg / Beldensnyderweg und reicht bis
zum Knoten Bohlweg / Gartenstraße im Westen. Der Bordsteinradweg wird am Beldensnyderweg
auf die Fahrradstraße geführt und in Gegenrichtung von der Fahrradstraße auf den
Bordsteinradweg. Am Knotenpunkt Piusallee wurde die Lichtsignalanlage zurückgebaut , hier
wurden Abbiegegebote für den MIV (VZ 209-31 mit ZZ „Radverkehr frei“ und „ Kraftomnibusse
frei“) angeordnet. Der Durchgangsverkehr im Bohlweg ist damit auf Linienverkehr und
Radverkehr reduziert.
Auf Höhe des Ratsgymnasiums wurden größere Umbaumaßnahmen durchgeführt. Dort sollte die
Situation für die Schüler:innen verbesser t wer den. Hier wurde eine Mittel insel mit dem Ziel
einfachere und sicherere Querungen zu ermöglichen umgesetzt ( Abbildung 6). Durch die
Verlagerung der Radfahrer:innen vom Radweg auf die Fahrbahn entstand mehr Platz für die
Fußgänger:innen. Im Zuge des Umbaus wurden die Querungsstellen barrierefrei ausgebaut und
mit einem Blindenleitsystem ausgestattet sowie die Bushaltestelle Piusallee barrierefrei
ausgebaut.
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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Abbildung 5: Querschnitt Ratsgymnasium vor Umgestaltung (alle Angaben in Metern)
Quelle: Stadt Münster
Abbildung 6: Querschnitt Ratsgymnasium nach Umgestaltung (alle Angaben in Metern)
Quelle: Stadt Münster
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 10
4.2 BESCHREIBUNG TEILNEHMER:INNEN
Insgesamt nahmen 75 Personen an der Studie in Münster teil : 44 Personen in der Prä- und 31
Personen in der Post -Studie. 11 Personen nahmen sowohl an der Prä - als auch an der Post -
Studie teil.
Das Durchschnittsalter der Teilnehmer:innen lag bei 44,32 (s2 = 13,56) Jahren. Die Altersgruppen
waren einigermaßen gleich verteilt, mit einer Unterrepräsentation von Teilnehmer:innen über 65
Jahren (siehe Abbildung 7). 52 % der Teilnehmer:innen identifizieren sich als männlich und 48 %
als weiblich.
Abbildung 7: Altersverteilung der Teilnehmer:innen
Drei der Teilnehmer:innen hatten motorische Einschränkungen.
Die meisten Teilnehmer:innen nutzen das Fahrrad als tägliches Verkehrsmittel und sind auch
häufig zu Fuß unterwegs. Die öffentlichen Verkehrsmittel und das Auto werden nur gelegentlich
benutzt (Abbildung 8).
Alle Teilnehmer:innen haben jederzeit ein Fahrrad zur Verfügun g. 56 % haben jederzeit Zugriff
auf ein Auto, 24 % mit Einschränkungen und 20 % gar nicht.
23 % der Teilnehmer:innen wohnen im Bohlweg oder in der näheren Umgebung. 2 0 % der
Teilnehmer:innen fahren (fast) täglich im Bohlweg , 21 % mindestens einmal pro Woc he, 31 %
zumindest einmal im Monat und 28 % (fast) nie (siehe Abbildung 9).
2 s = Standardabweichung
30% 32% 30%
8%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
Alter der Teilnehmer:innen
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 11
Abbildung 8: Verteilung der Verkehrsmittelnutzung
Abbildung 9: Häufigkeit der Nutzung des Bohlwegs
4.3 UNTERSUCHTE STRECKE
Gegenstand der Untersuchung war en der Bohlweg sowie die Kreuzungssituationen auf der
gesamten Länge, von der Gartenstraße im Westen bis zum Niedersachsenring im Osten (siehe
Abbildung 10).
Die Teilnehmer:innen starteten vor dem Ratsgymnasium und befuhren den Bohlweg nach
Westen in Richtung Innenstadt. Nach der Kreuzung Gartenstraße sollten die Teilnehmer:innen
auf Höhe der Promenade wenden. Die Promenade ist eine Grünanlage mit einem breiten Weg
für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen, der komplett um die Innenstadt führt . Nach dem
61%
84%
3% 3%
21%
11%
19%
4% 7%
12%
3%
37%
25%
19%
5% 1%
29%
64%
57%
1%
12% 9%
15%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Zu Fuß Fahrrad Auto als Lenker:in Auto als
Mitfahrer:in
Öffentlicher
Verkehr
Häufigkeiten der Verkehrsmittelwahl
(Fast) täglich Mehrmals pro Woche Mehrmals pro Monat Seltener Nie
(Fast) täglich
20%
Mehrmals pro
Woche
21%
Mehrmals pro
Monat
31%
(Fast) Nie
28%
Wie oft sind Sie im Bohlweg unterwegs?
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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Umkehrpunkt im Westen wird die Gartenstraße überquert und die Teilnehmer:innen soll ten den
kompletten Bohlweg entlang bis zum Niedersachsenring fahren. Die Kreuzung
Niedersachsenring stellt den Umkehrpunkt im Osten dar. Hier sollten die Teilnehm er:innen die
drei Lichtsignalanlagen für Radfahrer:innen und Fußgänger:innen nutzen, um den Bohlweg
wieder in Richtung Westen zu befahren. Es sollte bis zum Umkehrpunkt Promenade und wieder
bis zum Niedersachsenring gefahren werden, bevor die Teilnehmer:in nen wieder zum
Ratsgymnasium zurückkehrten. Auf diese Weise haben die Teilnehmer:innen die Teststrecke
zweimal komplett befahren.
Abbildung 10: Teststrecke entlang des Bohlwegs
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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4.4 ERGEBNISSE
4.4.1 Prä-Studie
Die Prä-Studie wurde am 09. und 10. September 2021 durchgeführt.
Verkehrszählung
Die Verkehrszählung wurde am 9. September 2021 von 0:00 bis 23:59 Uhr durchgeführt.
Während diese n 24 Stunden wurden im Bohlweg insgesamt 6.740 Fahrzeuge gezählt. Die
Aufteilung nach Fahrtrichtungen ergab folgende Verteilung: 54 % ostwärts und 46 % westwärts
fahrende Fahrzeuge. 51 % aller Fahrzeuge waren Fahrräder, 45 % leichte Kfz. Die restlichen 4 %
verteilen sich auf sonstige Fahrzeuge (Krafträder, Busse und Lastkraftwagen).
Es gibt zwei Spitzenzeiten : Die morgendliche Spitzenstunde liegt zwischen 8:00 und 9:00 Uhr,
die nachmittägliche Spitzenstunde zwischen 16:00 und 17:00 Uhr. In der morgendlichen
Spitzenstunde fuhren mehr Fahrzeuge in Richtung Westen, am Nachmittag mehr in Richtung
Osten. Das stündliche Maximum wurde am Nachmittag mit 590 Fahrzeugen verzeichnet.
Abbildung 11: Gesamtanzahl der Fahrzeuge im Bohlweg vor der Umgestaltung
0
100
200
300
400
500
600
700
Rad Pkw Sonstige
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 14
Abbildung 12: Anzahl der Fahrzeuge nach Richtung vor der Umgestaltung
GIS-Analyse
Für das Münsteraner Verkehrsn etz wurden morphologische Analysen durchgeführt, um das
Einzugsgebiet der Infrastrukturmaßnahme abzugrenzen und den Grad der Betroffenheit der
Teilnehmer besser zu verstehen.
A) Allgemeine Verflechtungszentralität
Die Analyse der Gesamtnetz-Zentralität (Betweenness Centrality) ergab zunächst eine allgemein
hohe Konnektivität und weniger ausgeprägte Hauptkorridore im Zentrum für kürzeste Wege. Der
Bohlweg hat eine mittlere bis hohe Bedeutung hinsichtlich der Zentralität der kürzesten Wege,
was bedeutet, dass ein relati v hoher Anteil der möglichen kürzesten Routen innerhalb des
Untersuchungsgebiets zumindest teilweise über diese Straße führt. Bei der Berechnung der
Zentralität fahrradtauglicher Wege, die Infrastrukturen mit höherer Eignung für den Radverkehr
bevorzugen, wird der Bohlweg unter den derzeitigen Bedingungen jedoch deutlich weniger
genutzt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass andere Routen in der Nähe eine höhere Qualität
bieten, obwohl sie einen Umweg bedeuten.
0
50
100
150
200
250
300
350
400
Fahrtrichtung Ost Fahrtrichtung West
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 15
Abbildung 13: Zentralität, kürzeste Strecke
Abbildung 14: Zentralität, fahrradfreundliche Strecke
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 16
B) Routen, die durch den Interventionsort „Bohlweg“ führen
Die nähere Betrachtung der Routen, die durch den Bohlweg verlaufen, zeigt dessen Relevanz für
die kürzesten Wege für die West-Ost- und Nord-Ost-Süd-Beziehungen. Insbesondere für letztere
ist nur ein Teilabschnitt des Bohlwegs entscheidend. Für fahrradtaugliche Wege ist die Relevanz
aufgrund des derzeitigen Infrastrukturzustandes jedoch geringer. Vor allem die Verbindungen in
das Zentrum, nach Osten und Nordosten nutzen diese Straße, die längeren Strecken werden aber
auf fahrradfreundlichere und etwas längere Alternativen umgeleitet.
Abbildung 15: Kürzeste Strecken durch den Bohlweg
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 17
Abbildung 16: Fahrradfreundliche Strecken durch den Bohlweg
C) Bedeutung für bestimmte Beziehungen und Rasterzellen
Als Folge eines dicht geknüpften Netzes verursacht das Entfernen des Bohlwegs in einem
theoretischen Szenario hauptsächlich direkt beobachtbare lokale Effekte. Die um mindestens
10 % länger werdenden Quell -Ziel-Relationen sind in der folgenden Abbildung als rote Linien
dargestellt. Sie verdeutlichen die lokalen Auswirkungen vor all em vom Interventionsort zum
Zentrum und nach Nordwesten.
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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Abbildung 17: Umwege > 10 %, wenn der Bohlweg gesperrt wäre (in rot dargestellt)
Die Auswirkungen auf die durchschnittliche Radweglänge pro Ausgangszelle sind ebenfalls
begrenzt. Betrachtet man die Grundeinstellung aller möglichen Routen innerhalb des
Untersuchungsgebiets, die von der jeweiligen Zelle ausgehen, so stellt sich heraus, dass
hauptsächlich die Zellen nordöstlich des Bohlwegs betroffen sind. Die Gesamtsteigerung beträgt
jedoch maximal 0,8 %. Hinsichtlich der Veränderungen der durchschnittlichen Radfahrbarkeit pro
Zelle sind die Auswirkungen wiederum sehr stark auf die unmittelbare Nähe des Bohlwegs
konzentriert. Nur in wenigen Zellen in unmittelbarer Nähe kommt es zu einer Verschlechterung
der Qualität für den Radverkehr, während sich in anderen die Routeneignung für den Radverkehr
aufgrund des zusätzlichen Umwegs verbessert. Dies gilt auch für die Zellen im Westen und
Nordosten, wobei die Gesamtauswirkungen auch hier sehr gering sind.
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 19
Abbildung 18: Betroffene Zellen (Pfadlänge), wenn der Bohlweg gesperrt würde
Abbildung 19: Betroffene Zellen (Radfahrbarkeit), wenn der Bohlweg gesperrt würde
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Seite 20
Insgesamt hat der Bohlweg eine hohe Bedeutung für kurze Wege des Radverkehrs , die
Attraktivität für den Radverkehr ist jedoch eher gering. Besonders relevant ist er für Wege der
West-Ost- und Nord-Ost-Süd-Beziehungen. Aufgrund des dichten Wegenetzes ergeben sich kaum
Auswirkungen für den Radverkehr in Routenlänge oder Fahrradfreundlichkeit bei einer Sperrung
(Herausnahme des Weges aus der Analyse) des Bohlwegs. Auf Basis der verkehrlichen
Bedeutung, deutet die Analyse an, dass Potenzial für eine höhere Attraktivität ge geben ist. Eine
Umgestaltung bietet also ein gewisses Potential zur Verbesserung der Verhältnisse für die
Radfahrenden.
Fragebogen
Die Teilnehmer:innen wurden gefragt, wie sicher auf einer Skala von 1 („Unsicher“) bis 4 („Sehr
sicher“) sie sich bei der Benutzung der verschiedenen Verkehrsmittel im Bohlweg fühlten
(Ausweichoptionen: „Weiß ich nicht “, „Trifft nicht auf mich zu “). Die Verteilung der Antworten
befindet sich in Abbildung 20. Die Durchschnittswerte waren:
● Als Fußgänger:in: 3,10 (s=0,55, n=30)
● Als Radfahrer:in: 2,48 (s=0,64, n=40)
● Als Autofahrer:in: 2,88 (s=0,65, n=26)
Abbildung 20: Verteilung des Sicherheitsempfindens bei Nutzung des Bohlwegs vor der Umgestaltung
14%
2% 7%
49%
44% 42%
7% 42%
9%
5%
2%
9%
5%
7%
21%
2%
33%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Zu Fuß Mit dem Fahrrad Mit dem Auto
Emfpundene Sicherheit
Trifft nicht auf mich zu
Weiß ich nicht
1 - Unsicher
2 - Eher unsicher
3- Eher sicher
4 - Sehr sicher
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 21
Die Teilnehmer:innen (n= 43) wurden auch gefragt, wie gestresst sie sich auf einer Skala von 1
(„sehr gestresst“) bis 4 („entspannt“) fühlten (Ausweichoptionen: „Weiß ich nicht“, „Trifft nicht auf
mich zu“). Die Verteilung der Antworten befindet sich in Abbildung 21.
Die Mittelwerte waren:
● Als Fußgänger:in: 3,25 (s=0,64, n=29)
● Als Radfahrer:in: 2,63 (s=0,62, n=42)
● Als Autofahrer:in: 2,62 (s=0,57, n=28)
Abbildung 21: Verteilung des Stressempfindens bei Nutzung des Bohlwegs vor der Umgestaltung
64 % der Teilnehmer:innen würden ihr 12 -jähriges Kind allein im Bohlweg fahren lassen, 14 %
nicht und 23 % wussten es nicht (Abbildung 22).
Während die meisten Teilnehmer:innen (52 %) der Meinung sind, dass sie den Bohlweg nach der
Umgestaltung nicht häufiger oder seltener nutzen würden, würden fast ebenso viele (48 %) ihn
häufiger nutzen ( Abbildung 23). 86 % der Teilnehmer:innen würden den Bohlweg nach der
Umgestaltung lieber nutzen und 9 % würden ihn genauso gern nutzen wie vorher (Abbildung 24).
5 % schätzten, dass sie ihn weniger gern nutzen würden als vorher. 89 % der Teilnehmer:innen
nehmen an, dass sie den Bohlweg nach dem Eingriff sicherer finden, 7 % denken, sie finden es
gleich sicher und 5 % weniger sicher (Abbildung 25).
23%
7% 2%
35%
47%
33%
7%
42%
26%
2%
2%
5%
7% 7%
26%
2%
28%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Zu Fuß Mit dem Fahrrad Mit dem Auto
Emfpundener Stress
Trifft nicht auf mich zu
Weiß ich nicht
1 - Sehr gestresst
2 - Eher gestresst
3 - Eher Entspannt
4 - Entspannt
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 22
Abbildung 22: Verteilung der Antworten, ob
Teilnehmer:innen ihr 12 -jähriges Kind alleine im
Bohlweg vor der Umgestaltung Fahrrad fahren
lassen würden
Abbildung 23: Verteilung der Antworten, ob
Teilnehmer:innen den Bohlweg nach der
Umgestaltung häufiger nutzen würden
Abbildung 24: Verteilung der Antworten, ob
Teilnehmer:innen den Bohlweg nach der
Umgestaltung lieber nutzen würden
Abbildung 25: Verteilung der Antworten, ob
Teilnehmer:innen den Bohlweg n ach der
Umgestaltung als sicherer empfinden würden
64%
23%
14%
Ja Weiß ich nicht Nein
Wenn Sie ein 12-jähriges Kind
hätten, würden Sie es an dieser
Stelle alleine mit dem Rad
fahren lassen?
48% 52%
0%
Öfter nutzen Gleich oft
nutzen
Weniger oft
nutzen
Wenn im Bohlweg eine
Fahrradstraße gebaut werden
würde, würde ich diesen…
86%
9% 5%
Lieber nutzen Gleich gern
nutzen
Weniger gern
nutzen
Wenn im Bohlweg eine
Fahrradstraße gebaut wird,
würde ich diese…
89%
7% 5%
Sicherer
finden
Gleich sicher
finden
Weniger
sicher finden
Wenn im Bohlweg eine
Fahrradstraße gebaut wird,
würde ich diese…
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 23
Qualitative Interviews
Die Teilnehmer:innen berichteten über Emotionen, Überholmanöver, Ereignisse und irritierende
Dinge an verschiedenen Orten. Die Radwege wurden allgemein als zu schmal beschrieben,
wodurch gefährliche Situationen entstehen können. Die Kreuzung an der Promenade wurde als
unübersichtlich und unangenehm empfunden. Die Situation vor der Schule ist manchmal zu
überfüllt. Verschiedene Kreuzungen und Ausfahrten von Supermärkten sowie Parkplätze sind
schlecht einsehbar und Autos können unvorher sehbare Bewegungen machen, die Radfahrer
gefährden. Der Niedersachsenring wurde als sehr laut, verkehrsreich und unangenehm
empfunden. Eine genauere Auflistung der Kommentare zu bestimmten Orten befindet sich in
Tabelle 2.
Die Teilnehmer:innen berichteten, dass die Radwege im Allgemeinen zu schmal sind und
Überholmanöver durch andere Radfahrende sehr schnell gefährlich werden können. Auf der
anderen Seite ist es gefährlich und manchmal unmöglich, andere Radfahrende zu überholen.
Wenn zwei Radfahrende nebeneinander fahren, gibt es keine Möglichkeit, zu überholen. Mit
Lastenrädern wird es sogar noch enger. Manchmal fahren Radfahrende in der falschen Richtung
auf dem Radweg. Überholmanöver können auch auf dem Fußgängerweg stattfinden, was die
Situation für Fußgänger noch gefährlicher macht.
Wünsche für den Bohlweg
Die meistgeäußerten Veränderungswünsche waren:
Kreuzungen
● Kreuzungen sollen entschärft werden
● Das Einordnen an Kreuzungen soll einfacher werden
● Rechtsabbiegen von Autos soll entschärft werden
Fahrradweg
● Breitere Radwegspuren
● Besserer Belag
● Bessere Markierungen
● Getrennte Spuren für Autos und Fahrräder
Ampeln
● Grüne Welle für Radfahrer:innen
● Keine Ampeln
● Kreisverkehr statt Ampeln
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 24
Autoverkehr
● Straße für Autos schließen
● Bewusstseinskampagnen für Autofahrer:innen
● Barrieren, die die Geschwindigkeit der Autofahrer:innen reduzieren
● Poller für den Autoverkehr errichten
● Fahrradfahrer:innen im Vergleich zu Autos priorisieren
● Weniger bzw. keine Parkplätze am Fahrbahnrand
● Nur Anwohner:innen
● Geschwindigkeitslimit von 30 km/h
● Einbahnstraße
Radnetz
● Fahrradstraße muss bis zur Promenade funktionieren
● Die Fahrradstraße endet in der Ostmarkstraße - sollte durchgängig sein
● Beschilderung/Markierungen („Was ist eine Fahrradstraße?“, Abbiegegebote, Übergang
auf Radweg)
Fußverkehr
● Gehwege breiter machen
● Bessere Trennung von Autos und Fußgängern
Tabelle 1: Hoffnungen und Befürchtungen von Teilnehmer:innen hinsichtlich der Umgestaltung
Hoffnungen Befürchtungen
Entspannteres Fahren, weniger Aufmerksamkeit
erforderlich Kein Effekt
Keine Überholmanöver durch Autos Autos halten sich nicht an Geschwindigkeitslimits
und Überholverbot
Mehr Platz für Radfahrer:innen Keine Kontrollen durch die Polizei
Weniger Lärm Hoher Widerstand von Anwohner:innen und
Autofahrer:innen gegen wegfallende Parkplätze
Weniger Autos Es wird nicht genug sein, die Straße rot zu
bemalen
Besseres Sicherheitsgefühl Es wird viele Diskussionen geben
Besserer Fahrbahnbelag
Es wird stressiger werden, wenn die
Radfahrer:innen denken, dass ihnen die Straße
gehört und sie rücksichtsloser fahren
Mehr Platz bei Überholmanövern Fahrradstraße ist nutzlos wenn es zu viele andere
Verkehrsteilnehmer:innen gibt
Klarere Regeln und Beschilderungen für Autos
(Überholabstand und Geschwindigkeit)
Kinder werden denken, dass sie zu fünft
nebeneinander fahren können
Kinder können auf der Straße spielen Könnte zu Unfällen führen
Mehr Bäume für Schatten und Regenschutz Belästigungen durch Autofahrer:innen
Mehr Sicherheit für Schulkinder Der Autoverkehr verlagert sich nur
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 25
Humansensorik
Insgesamt sammelten 44 Teilnehmer:innen über zwei Tage - Donnerstag und Freitag – 49
Datensätze mit der Smartphone -App. Die Tatsache, dass es mehr Date nsätze als
Teilnehmer:innen gibt, ist auf ein unbeabsichtigtes Beenden der Anwendung durch
Teilnehmer:innen oder einen kurzen Abbruch der Anwendung zurückzuführen. Die Anzahl der
Dateien hat keinen Einfluss auf die Qualität und Kontinuität der Daten.
Der Donnerstag ist bezogen auf die Anzahl an Teilnehmer:innen leicht überrepräsentiert. Die
Daten wurden von 7 :00 Uhr morgens bis 19 :00 Uhr abends erhoben. Die Anzahl der
Teilnehmer:innen in den Morgen - und Nachmittags- bzw. Abendstunden ist ähnlich verteilt, mit
zwei Ausnahmen: Zwischen 08:00 und 09: 00 Uhr gab es nur eine:n Teilnehmer:in und am
Nachmittag ist die Zeit von 16:00 bis 17:00 Uhr überrepräsentiert.
Die meisten Teilnehmer:innen brauchten etwa 20 bis 30 Minuten, um den Kurs zu absolvieren.
Nach der Berechnung der potenziellen MOS (Moments of Stress) wurde die folgende Hotspot -
Karte unter Verwendung des Getis-Ord Gi*-Werkzeugs3 erstellt. Die Stresscluster wurden anhand
der Anzahl von potenziellen Stresspunkten, Anzahl an aufgezeichneten geolokalisierten Daten
und der Anzahl der von dem Stresserkennungs -Algorithmus erkannten MOS gebildet und unter
Verwendung eines Puffers von 20 m um alle Kandidaten normalisiert. Das Ergebnis ist in
Abbildung 26 dargestellt. Aus den Fragebögen und Interviews können den Hotspots Erklärungen
hinzugefügt werden. Diese sind in Tabelle 2 dargestellt.
3 Dieses Werkzeug identifiziert mithilfe der Getis-Ord Gi*-Statistik statistisch signifikante räumliche Cluster mit hohen
Werten (Hotspots) und mit niedrigen Werten (Coldspots).
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 26
Abbildung 26: Stressmomente (Moments of Stress MOS) auf dem Bohlweg vor der Umgestaltung
Tabelle 2: Kommentare zu bestimmten Orten vor der Umgestaltung
Detailkarte
Nummer Positive Kommentare Negative Kommentare
1 Promenade Grünanlagen,
angenehmes Fahren auf
der Promenade, lange
Grünphase an der Ampel
Unklare und unsichere Verkehrssituation beim
Linksabbiegen an der Promenade und beim
Orientieren - Autos lassen Radfahrer:innen nicht
links abbiegen, zu wenig Platz; gefährliches
Abbiegen von Autos vor Radfahrer:innen;
Schlechte Markierungen;
Zu viele Radfahrer:innen - Chaos, wenn alle
Radfahrer:innen gleichzeitig losfahren wollen;
Fußgänger:innen auf dem Radweg aufgrund einer
Baustelle;
zu laut;
Autos stehen auf dem Radweg;
Kreuzung oft durch Autos blockiert;
2 Ratsgymnasium Grünanlagen sehr eng und knappe Situationen mit
herumstehenden und -laufenden Schüler:innen;
viele Fußgänger:innen auf dem Radweg; kann
sehr überfüllt sein; schlechte Straßenverhältnisse
(holprig); Bushaltestelle und Radweg sollten nicht
kollidieren
3 Piusallee Grünanlagen; gelegentlich
fuhren die
viel Verkehr; die Kreuzung wird als gefährlich
empfunden; einige gefährliche Situationen
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 27
Autofahrer:innen
vorsichtig; es ist toll, dass
man an einer roten Ampel
rechts abbiegen kann
aufgrund von Autos, die nicht die Vorfahrt
gewähren, sehr dicht vor Radfahrer:innen
abbiegen, schwer zu erkennen, ob man von
abbiegenden Autos gesehen wird;
schmale Radspur;
Autos fahren von Parkplätzen rückwärts auf den
Radweg
4 Vor den
Supermärkten /
Bahnunterführung
Autos sind rücksichtslos, wenn sie rechts
abbiegen oder aus den Parklücken kommen;
Autos, die zu schnell aus den Parklücken
herausfahren;
Autos, die auf dem Radweg parken/anhalten;
viel Verkehr, rücksichtslose Radfahrer:innen,
Geisterfahrer:innen;
wenig Platz / schmaler Radweg
5 Niedersachsenring die Ampel wird grün,
bevor man ankommt
schnelle Autos; laut und übel riechend;
rücksichtslose Radfahrer:innen auf der falschen
Seite (Geisterradler:innen), lange Wartezeiten
beim Überqueren; Kreuzung wird als gefährlich
empfunden; Pfosten und Knöpfe für die Ampel
stehen dem Radverkehr im Weg; zu wenig Platz
für Radfahrer:innen (nur ein Fahrrad passt auf die
Abbiegespur); schwierig zu orientieren und in die
Spur zu kommen; rechts abbiegende Autos und
Radfahrer:innen stoßen aufeinander, weil beide
Grün haben - führt zu Streitigkeiten; zu viele
Radfahrer:innen aus verschiedenen Richtungen
Interpretation der Ergebnisse
Mehr als 3.000 Radfahrer:innen benutzen täglich den Bohlweg. Bisher mussten sie einen
schmalen Radweg auf dem Bordstein benutzen (getrennter Geh- und Radweg, VZ 241), der nur
etwa 1,0 m breit ist. Der Bohlweg bzw. die Gehwege im Bohlweg werden aber auch von vielen
Fußgänger:innen benutzt, besonders von Schüler:innen. Bei dieser Menge an Radfahrer:innen
kommt die vorhandene Infrastruktur an ihre Grenzen und ist nicht mehr ausreichend. Konflikte
mit Fußgänger:innen, insbesondere mit Schüler:innen des Ratsgymn asiums, waren
vorprogrammiert. Zum Zeitpunkt der Prä -Studie nutzten bereits mehr Radfahrer:innen als Kfz -
Fahrer:innen den Bohlweg, den Radfahrer:innen standen dabei pro Fahrtrichtung 1 ,0 m
Fahrradinfrastruktur zur Verfügung. Abschnittsweise war auch Parken auf der Fahrbahn erlaubt
und möglich aufgrund des breiten Straßenquerschnitts.
Wie die Ergebnisse zeigen, antworteten die Teilnehmer:innen, dass sie sich als Radfahrer:innen
nicht sehr sicher fühlen. Auch das Stressempfinden war höher als erwartet, was durchaus an dem
hohen Verkehrsaufkommen auf den schmalen Radwegen liegen kann. Es ist zu erwarten, dass
sich diese beiden Werte in der Nachher-Studie aufgrund der neuen Infrastruktur ändern werden.
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 28
Die basierend auf physiologischen Daten ermittelten Stressmomente zeigten Hotspots an
Kreuzungen, Ein- und Ausfahrten, Bushaltestellen und dem Ratsgymnasium.
Positive Kommentare gab es vor allem dann, wenn die Umgebung als "schön" / "grün"
wahrgenommen wird und wenn Radfahrer :innen überrascht waren, dass si ch Autofahrer:innen
rücksichtsvoll verhalten. Letzteres sind im Grunde sehr zufällige und seltene Ereignisse. Negative
Kommentare bezogen sich meist auf die Sicherheit, oft aufgrund von Kfz, die bei
Überholmanövern zu nahe kommen oder zu schnell sind (bzw. die Radfahrer:innen als zu schnell
empfinden). Auch der Radwegzustand wurde häufig beklagt. Ebenso wurden rücksichtslose
Radfahrer:innen erwähnt, ebenso Konflikte zwischen schnellen Radfahrer:innen und langsamen
Radfahrer:innen und Fußgänger:innen.
4.4.2 Post-Studie
Die Nachher-Untersuchung wurde im Zeitraum vom 30. bis 31.05.2023 durchgeführt.
Abbildung 27: Aufnahme von der Post-Studie in Münster am 31.05.2023
Quelle: Innovative Städte
Verkehrszählung
Die Verkehrszählung wurde am 31. Mai 2023 von 0:00 bis 23:59 Uhr durchgeführt. Während
dieser 24 Stunden wurden im Bohlweg insgesamt 5.070 Fahrzeuge gezählt. Die Aufteilung nach
Fahrtrichtungen ergab folgende Verteilung: 50 % ostwärts und 50 % westwärts fahrende
Fahrzeuge. 84 % aller Fahrzeuge waren Fahrräder, 13 % leichte Kfz (Pkw). Die restlichen 3 %
verteilen sich auf andere Fahrzeuge (Krafträder, Busse und Lastkraftwagen).
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 29
Die morgendliche Spitzenstunde liegt zwischen 7:00 und 8:00 Uhr. Die Spitzenstunde am
Nachmittag liegt zwischen 15:00 und 16:00 Uhr bzw. am Abend zwischen 18:00 und 19:00 Uhr.
In der morgendlichen Spitzenstunde fuhren mehr Fahrzeuge in Richtung Westen, während am
Nachmittag und Abend mehr in Richtung Osten fuhren. Das stündliche Maximum wurde am
Abend zwischen 18:00 und 19:00 Uhr mit 402 Fahrzeugen verzeichnet.
Abbildung 28: Gesamtanzahl der Fahrzeuge im Bohlweg vor der Umgestaltung
Abbildung 29: Anzahl der Fahrzeuge nach Richtung vor der Umgestaltung
Fragebogen
Die Teilnehmer:innen wurden gefragt, wie sicher auf einer Skala von 1 („Unsicher“) bis 4 („Sehr
sicher“) sie sich bei der Benutzung der verschiedenen Verkehrsmittel im Bohlweg fühlten
(Ausweichoptionen „Weiß ich nicht “, „Trifft nicht auf mich zu “). Die Verteilung der Antworten
befindet sich in Abbildung 30. Mit dem Fahrrad fühlen sich insgesamt 68% der Teilnehmer:innen
0
50
100
150
200
250
300
350
400
450
Rad Pkw Sonstige
0
50
100
150
200
250
300
350
Fahrtrichtung Ost Fahrtrichtung West
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 30
eher sicher oder sicher. 16% fühlen sich eher unsicher. Bei den Fragen zur Erfahrung zu Fuß und
mit dem Auto stimmten viele Teilnehmer:innen mit „Trifft nicht auf mich zu “. Die Mittelwerte
basieren auf geringen Teilnehmer:innenzahlen und sind mit Vorsicht zu interpretieren. Die
Durchschnittswerte waren:
● Als Fußgänger:in: 3,67 (s=0,49, n=13)
● Als Radfahrer:in: 3,08 (s=0,69, n=26)
● Als Autofahrer:in: 2,71 (s=0,76, n=7)
Abbildung 30: Verteilung des Sicherheitsempfindens bei Nutzung des Bohlwegs nach der Umgestaltung
Die Teilnehmer:innen wurden auch gefragt, wie gestresst sie sich auf einer Skala von 1 („sehr
gestresst“) bis 4 („entspannt“) fühlten. Die Verteilung der Antworten befindet sich in Abbildung 31.
64% der Teilnehmer:innen fühlen sich entspannt oder eher entspannt. Auch hier stimmten viele
Teilnehmer:innen bei den Erfahrungen zu Fuß und mit dem Auto mit „Trifft nicht auf mich zu“. Die
Mittelwerte basieren auf geringen Teilnehmer:innenzahlen und sind mit Vorsicht zu interpretieren.
Die Mittelwerte waren:
● Als Fußgänger:in: 3,83 (s=0,39, n=12)
● Als Radfahrer:in: 3,16 (s=0,75, n=26)
● Als Autofahrer:in: 2,50 (s=0,76, n=8)
26% 23%
3%
13%
45%
10%
16%
10%
3%
58%
16%
77%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Zu Fuß Mit dem Fahrrad Mit dem Auto
Empfundene Sicherheit
Trifft nicht auf mich zu
Weiß ich nicht
1 - Unsicher
2 - Eher unsicher
3 - Eher sicher
4 - Sehr sicher
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 31
Abbildung 31: Verteilung des Stressempfindens bei Nutzung des Bohlwegs nach der Umgestaltung
71 % der Teilnehmer:innen würden ihr 12 -jähriges Kind allein im Bohlweg fahren lassen, 13 %
nicht und 16 % wussten es nicht (Abbildung 32). 35 % der Teilnehmer:innen nutzen den Bohlweg
nach der Umgestaltung häufiger als zuvor, die meisten Teilnehmer:innen (65 %) nutzen d en
Bohlweg aber genauso häufig ( Abbildung 33). 81 % der Teilnehmer:innen nutzen den Bohlweg
seit der Umgestaltung lieber, 13 % gleich gern und 6 % weniger gern (Abbildung 34). 77 % der
Teilnehmer:innen finden den Bohlweg nun sicherer als zuvor, 10 % gleich sicher und 13 %
weniger sicher (Abbildung 35).
Abbildung 32: Verteilung der Antworten, ob
Teilnehmer:innen ihr 12 -jähriges Kind alleine im
Bohlweg nach der Umgestaltung Fahrrad fahren
lassen würden
Abbildung 33: Verteilung der Antworten, ob
Teilnehmer:innen den Bohlweg nach der
Umgestaltung häufiger nutzen würden
32% 29%
3%
6%
35%
6%
16%
16%
3%
3%
3%
58%
16%
71%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
90%
100%
Zu Fuß Mit dem Fahrrad Mit dem Auto
Empfundener Stress
Trifft nicht auf mich zu
Weiß ich nicht
1 - Sehr gestresst
2 - Eher gestresst
3 - Eher entspannt
4 - Entspannt
71%
16% 13%
Ja Ich weiß es
nicht
Nein
Wenn Sie ein 12-jähriges Kind
hätten, würden Sie es an dieser
Stelle alleine mit dem Rad
fahren lassen?
35%
65%
0%
Häufiger Gleich
häufiger
Weniger
Häufig
Seit der Bohlweg eine
Fahrradstraße ist, nutze ich
diesen...
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 32
Abbildung 34: Verteilung der Antworten, wie
gerne Teilnehmer:innen den Bohlweg nach der
Umgestaltung nutzen
Abbildung 35: Verteilung der Antworten, wie
sicher Teilnehmer:innen den Bohlweg nach der
Umgestaltung finden
Die Teilnehmer:innen empfinden die neue Situation im Bohlweg als hilfreich und als keine
Verschlechterung im Vergleich zur Situation davor. Das Verkehrsklima im Bohlweg wird als
wenig aufreibend, Druck erzeugend, nervös machend oder chaotisch empfunden. Gleichzeitig
gibt es doch eine leichte Zustimmung, dass die Situation im Bohlweg die Einhaltung von
Regeln, Aufmerksamkeit und Wachsamkeit erfordert (Abbildung 36).
Abbildung 36: Verkehrsklima im Bohlweg nach der Umgestaltung. Mittelwerte der Zustimmung auf einer
Skala von 1 „Stimme nicht zu“ bis 4 „Stimme zu“
81%
13%
6%
Lieber Gleich gern Weniger gern
Seit der Bohlweg eine
Fahrradstraße ist, nutze ich
diesen...
77%
10% 13%
Sicherer Gleich sicher Weniger
sicher
Seit der Bohlweg eine
Fahrradstraße ist, finde ich
diesen...
1 2 3 4
… ist hilfreich
… ist eine Verschlechterung zu davor
… erfordert Aufmerksamkeit
… erfordert Vorsicht
… erfordert die Einhaltung von Regeln
… erzeugt Druck
… ist chaotisch
… macht nervös
… erfordert Wachsamkeit
… ist harmonisch
… ist aufreibend
… ist fair
… lässt den Verkehrfluss unbehindert fließen
Die Verkehrssituation am Bohlweg...
Stimme nicht zu Stimme zu
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 33
Qualitative Interviews
Generell begrüßten viele Teilnehmer:innen die Fahrradstraße, auch wenn sie noch
Verbesserungspotential sehen. Positive Aspekte, die beobachtet wurden, sind ein besseres
Miteinander, langsamer und achtsamer fahrende Autofahrer:innen, mehr und gepflegtere
Grünanlagen, mehr Platz beim Fahren und Ausweichmöglichkeiten, ein geringerer
Geräuschpegel, schnelleres Durchkommen durch den Bohlweg (höhere
Durchschnittsgeschwindigkeit), besserer Verkehrsfluss und insgesa mt weniger Verkehr. Die
Konfliktsituation mit Schüler:innen vor dem Ratsgymnasium besteht laut Aussagen der
Teilnehmer:innen nicht mehr. Das Mehr an Radverkehr wird auch positiv gesehen. Der rote Belag
wurde von einigen Teilnehmer:innen als gut befunden (v on anderen wiederum nicht 4) und die
Möglichkeit nebeneinander zu fahren, begrüßt. Das Thema Beschilderung kam häufig als zu
verbessernder Punkt auf. Viele Radfahrer:innen haben das Gefühl, dass die in einer
Fahrradstraße geltenden Regeln am Beginn und Ende der Straße noch besser kommuniziert
werden sollten.
Die Teilnehmer:innen berichteten erneut von Emotionen, Überholmanövern, Begegnungen und
Irritationen an verschiedenen Orten auf der Route. Ein Großteil der genannten Probleme bezog
sich auf dieselben Orte wie in der Prä-Studie, beispielsweise die Situation an der Promenade, die
Situation vor den Supermärkten und am Niedersachsenring. Gleichzeitig waren dies auch die
Bereiche, bei denen sich im Vergleich zur Prä -Studie baulich nichts geändert hat. An der
Promenade war erneut das Linksabbiegen bzw. Einordnen bei großen Verkehrsmengen als
Problem genannt worden. Bei den Supermärkten wurden erneut die auf Parkplätze ein - und
ausfahrenden Autos genannt. Hier kam durch die Umgestaltung der Übergang von der
Fahrradstraße zum Radweg als Problem hinzu. Gegenüber dem Niedersachsenring blieb die
Wahrnehmung als laut und verkehrsbelastet bestehen. Viele der Teilnehmer:innen fanden es
angenehm, an der Piusallee keine Ampel zu haben, sondern mit Vorfahrt durchfahren zu können.
Auch die Situation vor dem Ratsgymnasium wurde als besser empfunden. Es gab weiterhin
Überholmanöver durch Autofahrer:innen, die den Radfahrer:innen nicht gefielen, da sie zum Teil
knapp vor oder nach der Verkehrsinsel passierten, oder entgegenkommende Autos erst kurz vor
ihnen wieder einscheren. Kritisiert wird, dass sich an der Kreuzung Piusallee kaum
Verkehrsteilnehmer:innen an die Verkehrsregeln halten. Eine genauere Auflistung der Orte und
Bewertungen kann in Tabelle 3 eingesehen werden.
Weitere Verbesserungsvorschläge der Teilnehmer:innen waren:
● Fertigstellen der Fahrradstraße bis zum Ring
● Autos komplett ausschließen, bis auf Anwohner
4 Diese Aussagen bezogen sich nicht auf den roten Asphalt im Bohlweg, sondern auf die Roteinfärbung anderer
Fahrradstraßen im Bohlweg. Als problematisch werden der Rollwiderstand und die Umweltverträglichkeit, auch
aufgrund mehr Abriebs, gesehen.
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 34
● Situation an der Promenade verbessern
○ Links-Abbiege-Situation an Promenade besser lösen
○ Vorgezogene Grünphase für Radfahrer:innen an der Promenade
● Überholverbot für Autos
● Zebrastreifen
● Besserer Übergang von Fahrradstraße in Radweg (bessere Beschilderung / Markierung)
● Mehr Kontrollen durch die Polizei
● Anderer Fahrbahnbelag
● Mehr Aufklärung für Autofahrer:innen
● Bessere Lösung des Knotens Piusallee
○ Bessere und klare Beschilderung
○ Physische Barriere für Autos – nur noch rechts abbiegen
○ Autos durchfahren lassen
○ Geschwindigkeitsschwellen für Autos auf Piusallee
○ Stoppschilder für Autos die aus der Piusallee kommen
● Generell bessere Beschilderung:
○ Was ist eine Fahrradstraße? Rechte und Pflichten
○ Einfahrt in Fahrradstraße für Autos besser markieren – vor Einfahrt klarmachen,
dass Durchfahrt nicht möglich ist
○ Geschwindigkeitsbegrenzungen
○ Übergang Fahrradstraße auf Radweg
○ Vorfahrt an Kreuzungen
● Längsparker-Parkplätze neben Ratsgymnasium entfernen
● Mehr Grün, Bäume
● Bessere Abgrenzung von Auto- und Radfahrer:innen (getrennte Infrastruktur)
● Verkehrsinsel ohne Stufe pflastern
● Geschwindigkeitsschwellen bei Einfahrt in Fahrradstraße vom Ring her kommend
Humansensorik
Insgesamt sammelten 31 Teilnehmer:innen 34 Smartphone -Datensätze an zwei Tagen -
Mittwoch und Donnerstag. Die Tatsache, dass es mehr Dateien als Teilnehmer:innen gibt, ist auf
ein unbeabsichtigtes Beenden der Anwendung durch Teilnehmer:innen oder einen kurzen
Abbruch der Anwendung zurückzuführen. Die Anzahl der Dateien hat keinen Einfluss auf die
Qualität und Kontinuität der Daten.
18 Teilnehmer:innen nahmen am Mittwoch und 13 Teilnehmer:innen am Donnerstag teil. Die
Daten wurden von 7:00 Uhr morgens bis 19:00 Uhr abends erhoben. Die Zeitfenster zwischen
8:00-9:00 und 12:00 bis 13:00, 16:00 bis 17:00 sind unterrepräsentiert. Die Zeitspanne zwischen
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 35
13:00 und 15:00 Uhr ist leicht überbelegt. Die anderen Zeitfenster hatten zwischen zwei und vier
Teilnehmer:innen.
Die meisten Teilnehmer:innen brauchten etwa 20 bis 30 Minuten, um den Kurs zu absolvieren.
Nach der Berechnung der potenziellen MOS (Moments of Stress) wurde die folgende Hotspot -
Karte unter Verwendung des Getis-Ord Gi*-Werkzeugs erstellt. Die Stresscluster wurden anhand
der Anzahl von potenziellen Stresspunkten, Anzahl an aufgezeichneten geolokalisierten Daten
und der Anzahl der von dem Stresserkennungs -Algorithmus erkannten MOS gebildet und unter
Verwendung eines Puffers von 20m um alle Kandidaten normalisiert. Das Ergebnis ist in
Abbildung 37 dargestellt. Aus den Fragebögen und Interviews können den Hot spots
Erläuterungen hinzugefügt werden. Diese sind in Tabelle 3 dargestellt.
Abbildung 37: Stressmomente (Moments of Stress - MOS) im Bohlweg nach der Umgestaltung
Tabelle 3: Kommentare zu bestimmten Orten nach der Umgestaltung
Detailkarte
Nummer Positive Kommentare Negative Kommentare
1 Promenade Aufstellfläche gut; Eigene
Spur für Radfahrer:innen
vor den Autos,
Platzverfügbarkeit,
entspannte Einfahrt in den
Bohlweg
Linksabbiegen und Einordnen schwierig; Zu viele
Fußgänger:innen, Fahrrad- und
Autofahrer:innen, immer jemand im Weg und aus
allen Richtungen kommend; nicht sicher wer
Vorrang hat; Autos kommen zügig von
geradeaus
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
Seite 36
2 Ratsgymnasium Autos können durch
Verkehrsinsel nicht
überholen, Ruhig und
schön, ohne viele Autos,
Platzverfügbarkeit, viel
Grün
Verkehrsinsel in der Mitte, einparkende Autos
und Bus blockieren Fahrbahn, zwingt zum
Warten – Manche Radfahrer:innen weichen über
Verkehrsinsel auf Gegenfahrbahn aus; Enge
Fahrbahn - mehr als zwei Räder passen nicht
nebeneinander, Autos beschleunigen direkt nach
oder vor Verkehrsinsel zum Überholen,
Drängelnde Autos hinter einem können
unangenehm sein
3 Piusallee Besser ohne Ampel,
besserer Verkehrsfluss,
schnelleres Durchkommen,
geringere Geräuschkulisse
Verwirrende Situation – als Fahrradfahrer:in beim
ersten Mal nicht klar ob man abbiegen muss,
durch Pfeile auf dem Fahrbahnbelag nicht
ersichtlich, dass sie nur für Autos gelten und zu
klein, sowie unklare Beschilderung, zu klein,
Chaotische Verkehrssituation, Auto- und
Fahrradfahrer:innen halten sich nicht an
Vorrangregelung – fahren ohne zu schauen ein;
Autos blockieren Kreuzung beim Abbiegen;
Autos halten sich nicht an Abbiegeregelung, sind
verwirrt von Neuregelung, verhalten sich
deswegen unberechenbar
4 Vor den
Supermärkten /
Bahnunterführung
Alter Abschnitt Radweg noch nicht umgestaltet;
Übergang von Fahrradstraße auf Radweg
schlecht ersichtlich, keine Schilder, manche
Leute fahren an der Stelle geradeaus; Radweg
und Übergang sehr holprig, Radweg sehr eng,
überholen nicht möglich; ein- und ausfahrende
Autos aus Aldi gefährlich; Geisterfahrer:innen;
Fußgänger:innen auf Radweg; Menschen, die
aus Bus aussteigen landen direkt auf dem
Radweg
5 Niedersachsenring Verkehr gut geregelt Kreuzungsbereich sehr eng mit Ampelpfosten im
Weg, überholen von Radfahrer:innen kann
schwierig sein; Am Ring hohe Geräuschkulisse
und viel Verkehr, lange Wartezeit auf grüne
Ampel
Interpretation der Ergebnisse
Die Ergebnisse zeigen, dass an den Orten, die in der Prä -Studie Hotspots waren und an denen
Infrastrukturänderungen vorgenommen wurden (vor dem Ratsgymnasium, Piusallee, z.T. vor den
Supermärkten) nun weniger Stress gemessen und berichtet wurde.
An den Ho tspots hingegen, an denen die Infrastruktur unverändert blieb (Promenade,
Niedersachsenring), waren die Ergebnisse ähnlich wie in der Prä-Studie.
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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Die Teilnehmer:innen berichteten von einem guten Verkehrsfluss im Bohlweg und einem
schnellen Durchkommen ohne Stopps. Die Fahrradstraße wird als angenehm empfunden und als
Verbesserung zur Situation davor wahrgenommen. Dazu trägt auch der geringere Kfz -Verkehr
im Bohlweg bei.
Trotz weniger gemessenem Stress, ist die Situation an der Piusallee aufgrund der Abbiegeregeln
für Autos und Missachten der Vorrangs - und Abbiegeregeln durch andere
Verkehrsteilnehmer:innen für viele Teilnehmer:innen verwirrend. Auch abgesehen davon, gibt es
weiterhin Wünsche für Verbesserungen, beispielsweise das Weiterführen der Fahrradstraße bis
zum Niedersachsenring und eine Verbesserung der Kreuzungssituationen.
4.4.3 Vorher-Nachher-Vergleich
Verkehrszählung
Die Maßnahme, den Bohlweg in eine Fahrradstraße umzubauen, sollte auch insgesamt zu einer
Verkehrsberuhigung der Straße durch weitere Maßnahmen, z.B. Abbiegegebote an der Piusallee,
führen. Dieses Ziel konnte, den vorliegenden Daten nach zu urteilen, erreicht werden. Der Kfz-
Verkehr konnte deutlich, um ca. 78 %, reduziert werden. Der Radverkehr dagegen hat um weitere
25 % zugenommen und ist damit mit Abstand die vorherrschende Verkehrsart im Bohlweg. Die
Vorher-Nachher-Zahlen können dem Balkendiagramm der Abbildung 38 und Tabelle 4
entnommen werden.
Abbildung 38: Verkehrszählung Vorher-Nachher-Vergleich nach Verkehrsmittel in 24h
3426
4283
3044
678
270 109
6740
5070
0
1000
2000
3000
4000
5000
6000
7000
8000
Vorher Nachher Vorher Nachher Vorher Nachher Vorher Nachher
Fahrrad Pkw Sonstige Gesamt
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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Tabelle 4: Verkehrszählung Vorher-Nachher-Vergleich nach Verkehrsmittel in 24h
Verkehrszählung - Vorher-Nachher-Vergleich
Fahrrad Pkw Sonstige Gesamt
Vorher Nachher Vorher Nachher Vorher Nachher Vorher Nachher
3.426 4.283 3.044 678 270 109 6.740 5.070
Fragebogen
Aufgrund der geringen Zahl von 11 Personen, die sowohl bei der Prä - als auch bei der Post -
Studie teilnahmen, wurde eine statistische Analyse nach Paneldaten (der Vergleich derselben
Personen vor und nach der Untersuchung) verworfen und ein allgemeiner Vergleich aller
Personen vor und nach der Umgestaltung vorgenommen. Hierfür wurden t -Tests5 für
unabhängige Stichproben verwendet, wobei bei einem Wert p < 0,05 das Ergebnis als signifikant
angesehen wird.
Sowohl beim selbstberichteten Stress, als auch bei der selbstberichteten Sicherheit ga b es
signifikante Veränderungen nach der Umgestaltung. So war der empfundene Stress beim
Fahrradfahren (t(66) = -2,62, p < 0,001, MPrä= 2,63, MPost = 3,16) und beim Zufußgehen (t(36,93)
= -3,67, p = 0,011, MPrä=3,25, MPost = 3,83) nach der Umgestaltung signifikant geringer als zuvor.
Der empfundene Stress beim Autofahren blieb nahezu unverändert (MPrä= 2,62, MPost = 2,50).
Dasselbe Bild zeigte sich bei der empfundenen Sicherheit: Diese war im Vergleich zu vor der
Umgestaltung signifikant höher, sowohl beim Radfahren (t(64) = -3,62, p < 0,001, MPrä=2,48, MPost
= 3,08), als auch beim Zufußgehen (t(40) = -3,11, p < 0,003, MPrä=3,10, MPost = 3,67), blieb aber
beim Autofahren unverändert (MPrä= 2,88, MPost = 2,71).
Auch wenn nach der Umgestaltung 7 % mehr Teilnehmer:innen angaben, ihr 12 Jahre altes Kind
alleine im Bohlweg Radfahren zu lassen, konnte hier keine signifikante Veränderung festgestellt
werden.
Qualitative Interviews
27 der 31 Teilnehmer:innen in der Post-Studie waren der Meinung, die Umgestaltung habe sich
ausgezahlt, zwei hatten keine dezidierte Meinung und zwei stimmten der Aussage nicht zu.
Insgesamt stellten die Teilnehmer:innen viele Veränderungen im Vergleich zum Zustand vor der
Umgestaltung fest.
Beinahe alle Teilnehmer:innen berichteten von mehr Platz beim Fahren und besseren
Ausweichmöglichkeiten. Viele sprachen von einem besseren Miteinander der verschiedenen
5 Ein t-Test ist ein Werkzeug zum Vergleich unterschiedlicher Mittelwerte mittels Hypothesentests.
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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Verkehrsteilnehmer:innen nach der Umgestaltung. Viele berichteten, dass insgesamt weniger
Autoverkehr besteht und Autos jetzt langsamer und achtsamer fahren. Gleichzeitig gab es aber
auch vereinzelt die gegenteilige Meinung, dass sich an der Situation mit den Autos wenig
geändert habe. Allgemein sei es ruhiger geworden, es gebe einen besseren Verkehrsfluss, eine
höhere Durchschnittsgeschwindigkeit für Radfahrer:innen und insgesamt mehr Radfahrer:innen.
Es wurde ein Mehr an Grünanlagen festgestellt, der Bohlweg wirkt gepflegter und die Möglichkeit
nebeneinander zu radeln wurde als positiv gesehen. Der rote Fahrbahnbelag wurde überwiegend
als positiv bewertet, wobei hier auch gegenteilige Meinungen bezüglich des Rollwiderstandes und
der Nachhaltigkeit geäußert wurden. Das Durchfahren ohne Ampel an der Piusallee wurde als
gute Veränderung wahrgenommen, ebenso die Trennung von Rad - und Fußverkehr vor dem
Ratsgymnasium.
Gleichzeitig waren sich einige der Teil nehmer:innen einig darin, dass die Situation nach der
Umgestaltung mehr Aufmerksamkeit erfordert, unter anderem wegen der unklaren Situation an
der Piusallee, wegen Autofahrer:innen die Druck ausüben, da sie darauf warten, überholen zu
können, sowie wegen Fußgänger:innen die nicht aufpassen und die Straße wie eine
Fußgängerzone benutzen. Durch die Teilung des Raumes mit Autofahrer:innen komm e es zu
mehr Interaktionen als davor, als es eine bauliche Trennung zum Radweg gab. Viele der
Teilnehmer:innen gehen davon aus, dass die Autofahrer:innen die Regeln einer Fahrradstraße
nicht kennen und sich deswegen nicht an die Regeln halten. Durch die Verkehrsinsel komme es
dazu, dass man hinter dem Bus und einparkenden Autos warten m üsse. Außerdem gebe es
unangenehme Schachtdeckel auf dem Weg.
Interpretation der Ergebnisse
Tabelle 5: Kurzinterpretation der Ergebnisse nach Orten
Ort Ergebnisse Interpretation
1 Promenade Prä: Hotspot, Schwierigkeiten beim
Linksabbiegen
Post: Hotspot nur noch auf Höhe Promenade,
nicht mehr am Hörsterplatz
Promenade:Keine Änderung in
Infrastruktur - Keine größeren
Verbesserungen
Hörstertor: Fahrradstraße hat
positiven Effekt
2 Ratsgymnasium Prä: Hotspot, Stressvolle Situationen
Post: Weniger Stress, weniger negative
Kommentare
Fahrradstraße hat positiven
Effekt
3 Piusallee Prä: Hotspot
Post: Coldspot, aber weiterhin
Verbesserungspotential
Fahrradstraße hat positiven
Effekt
4 Supermärkte /
Bahnunterführung
Prä: Hotspot
Post: Weniger stark ausgeprägter Hotspot,
neuer Hotspot an anderer Stelle
Keine eindeutige Änderung,
teilweise Verschlechterung
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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5 Niedersachsenring Prä + Post: Hotspot Keine Änderung in Infrastruktur -
Keine größeren
Verbesserungen
Insgesamt zeigen die Ergebnisse ein klares Bild: Für die Radfahrer:innen stellt die Fahrradstraße
eine Verbesserung zur Situation vor der Umgestaltung dar. Sowohl der physiologisch gemessene
als auch der berichtete Stress sind merklich zurückgegangen. Die berichtete Sicherheit ist zudem
gestiegen. Es sind weniger Kfz unterwegs, was von Fahrradfahrer:innen auch wahrgenommen
und als positiv erlebt wird. Fahrradfahrer:innen berichten insgesamt mehr Platz zu haben,
schneller den Bohlweg durchqueren zu können un d allgemein von einem flüssiger fließenden
Verkehr.
Der Vergleich des Endergebnisses mit den von Teilnehmer:innen geäußerten Hoffnungen und
Befürchtungen zeichnet ein ähnliches Bild : Sowohl einige der Hoffnungen, als auch einige der
Befürchtungen sind eingetreten: Beispielsweise sind viele der Teilnehmer:innen der Meinung,
dass ein entspannteres Fahren jetzt durchaus möglich ist, es mehr Platz, weniger Autos und ein
besseres Sicherheitsgefühl gibt. Auch die Befürchtungen, dass die Fahrradstraße keinen Effekt
hat, dass es keine Kontrollen durch die Polizei gibt und es stressiger werden wird, sind für viele
nicht eingetreten. Gleichzeitig empfinden viele, dass die Fahrradstraße mehr Auf merksamkeit
erfordert und es Überholmanöver durch Autos gibt. Auch die Befürchtungen, dass sich
Autofahrer:innen nicht an Geschwindigkeitsregelungen und Überholabstände halten, haben sich
für einige erfüllt.
4.5 REFLEXION ÜBER AUSWIRKUNGEN
Die Ergebnisse müss en vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass aufgrund des
Studienkozepts vor allem radfahraffine Personen angesprochen wurden und die Antworten
dementsprechend ausfallen, auch was die Beurteilung aus Perspektive des Fuß - oder Kfz -
Verkehrs betrifft.
Der Bohlweg wurde gemäß den eigenen Qualtitätsstandards der Stadt Münster zur
Fahrradstraße 2.0 umgestaltet und umgebaut. Auf der Fahrradstraße wurde zur Ausbildung einer
Fahrgasse roter Asphalt eingesetzt . Sicherheitstrennstreifen sind nicht markiert, sondern durch
schwarzen Asphalt ausgebildet. Auf der Fahrradstraße ist in regelmäßigen Abständen ein
Fahrradpiktogramm markiert.
Die Bau - und Umgestaltungsmaßnahmen sowie die verkehrsrechtliche Beschilderung hatten
einen deutlichen Effekt auf den Verkehr im Bohlweg. Der Kfz-Verkehr konnte im Bohlweg deutlich
reduziert werden, das bescheinigen die Verkehrszählungen. Daraus lässt sich schließen, dass
es sich beim Kfz-Verkehr zum Großteil um Durchgangsverkehr gehandelt hat. Gleichzeitig konnte
die hohe Zahl an Radfahrenden durch die Verbesserung der Bedingungen für den Radverkehr
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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noch weiter erhöht werden. Außerdem fließt der Radverkehr nun flüssiger und schneller durch
den Bohlweg. Welche Maßnahmen genau zum Anstieg des Radverkehrs geführt haben
(Fahrradstraße, Rückgang Kfz-Verkehr, Rückbau Lichtsignalanlage, etc.) wurde nicht untersucht.
Eine mögliche Begründung liegt in der deutlich höheren Attraktivität für den Radverkehr (siehe
4.4.3 Qualitative Interviews).
Besonders positiv zu bewerten sind die selbstbewerteten Einschätzungen zum Sicherheitsgefühl
und zum Stressempfinden auf der Fahrrad straße. Das signifikant gestiegene subjektive
Sicherheitsgefühl und das signifikant gesunkene Stressempfinden spiegeln sich auch in den
gemessenen Stressmomenten wieder, die sich deutlich reduziert haben (vgl. dazu 4.4.3). Die
Interaktion mit dem Kfz-Verkehr im Mischverkehr scheint das Sicherheits- und Stressempfinden
der Radfahre r:innen nicht zu sehr zu beeinträchtigen, obwohl es immer wieder zu Konflikten
kommt. Die Untersuchung zeigt auch, dass einige Stellen, die nicht umgestaltet wurden, weiterhin
(gemessene und berichtete) Stress-Hotspots darstellen . Besonders sind hier die Ein - und
Ausfahrten an den Supermärkten und als neu geschaffenes Problem die Überfahrten auf Radweg
bzw. Fahrbahn zu nennen. Als Nebeneffekt der Fahrradstraße profitiert der Fußverkehr stark von
der dazugewonnenen Fläche durch die Umgestaltung.
Die Umgestaltung des Bohlwegs zeigt insgesamt einen positiven Effekt auf den Stress und die
gefühlte Sicherheit der Radfahrer:innen: Ein großer Teil fühlt sich weniger gestresst,
insbesondere in jenen Bereichen, die eine infrastrukturelle oder gestalterische Anpassung
erfuhren. Ebenso steigt die wahrgenommene Sicherheit de r Befragten in der Fahrradstraße.
Durch die Umgestaltung konnten mehrere Stress-Hotspots entschärft werden. Dies ist zum Teil
auf den zusätzlichen Raum für Radfahre r:innen zurück zu führen. Zusätzlich hat sich für
Fußgänger:innen auch die empfundene Sicherheit erhöht und der gefühlteStress gesenkt.
Stressituationen treten weiter hin im Zusammenhang mit Kfz und auch Fußgänger:innen auf,
insbesondere in Kreuzungsbereichen. Dies führen e inige Befragte auf eine unklare bzw. neue
Verkehrssituation für Kfz bzw. Un kenntnis von Kfz-Fahrer:innen der Regelungen einer
Fahrradstraße zurück. Hier zeigt sich noch Potenzial für die eine bessere Sichtbarmachung der
hier herrschenden Verkehrsregeln (u.a. der Kfz-Durchfahrtsverbote in Höhe der Piusallee).
Bei den Erwartungen z eigt sich ebenfalls ein Potenzial zur Kommunikation im Vorfeld:
Vergleichsweise wenige der Befragten erhofften sich eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität
oder mehr Grünflächen durch eine Umgestaltung. Stattdessen standen hauptsächlich Aspekte
der Sicherheit im Vordergrund. Im Nachhinein sind die Grünanlagen jedoch positiv aufgefallen.
Dieses Potenzial kann ggf. bei der Planung bzw. politischen Abwägung stärker betont werden.
Besonders interessant ist, dass rechtlich eine Bevorrechtigung des Radverkehrs umgesetzt wird,
teilweise jedoch eher eine Mischung der Verkehre und damit ein reelles „Recht des Stärkeren“
wahrgenommen wurde. Dies zeigt sich an Konflikten mit Kfz und Fußgänger:innen, wobei letztere
nach Aussagen von Befragten z.B. teilweise weniger achtsam die Straße überqueren. Einige
Abschlussbericht Prä-Post-Evaluierung Fahrradstraße 2.0 in Münster
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Radfahrer:innen berichten, dass sie stellenweise hinter Kfz warten mussten oder sich von dicht
auffahrenden Kfz bedrängt fühlen. Hier zeigt s ich also noch Potenzial in der Durchsetzung der
Verkehrsregeln im Bohlweg.
In mehreren Bereichen haben sich die gemessenen Stressmomente, kaum bis nicht reduziert.
Dies betrifft den Bereich vor den Supermärkten, die Kreuzungen bzw. Umkehrpunkte
Sachsenring und Promenade sowie auf Höhe Ein -/Ausfahrt Erphobogen (Hausnummer 47 und
59). Hier erfolgte keine Umgestaltung, weshalb nicht mit einer Verbesserung der gemessenen
Stressmomente zu rechnen war. Zusätzlich wurde ein neuer, leichter Hotspot festgestellt. Dieser
neue Hotspot ist sehr wahrscheinlich auf den Wechsel von der Fahrradstraße in den Seitenraum
bzw. vom Seitenraum auf die Fahrradstraße auf Höhe des Beldensneyderwegs zurückzuführen.
Diese Bereiche verbindet alle, dass hier vermehrt Konfliktsituationen durch Kreuzung oder Ein-
/Ausfahrten auftreten.
Eine deutlich Verbesserung der gemessenen Stressmomente konnte im Bereich der Kreuzung
Piusallee festgestellt werden, auch wenn das subjektive Empfinden vieler (viele Eintragungen)
hier gegen die gemessenen Daten spricht. Die Situation wurde häufig als chaotisch beschrieben.
Ebenfalls konnte an der Kreuzung Bohlweg / Fürstenbergstraße eine Verbesserung erreicht
werden, hier konnte kein Stress -Hotspots mehr festgestellt werden. Gründe dafür sind unter
anderem der weggefallene Wechsel vom Seitenraum auf die Fahrbahn sowie der geringere Kfz-
Verkehr im Bohlweg. Ebefalls nicht mehr festgestellt wurde der Hot spot im Bereich des
Schulgeländes inkl. der Bushaltestellen. Auch hier macht sich der Wechsel vom Seitenraum auf
die Fahrbahn positiv bemerkbar. Dies weist darauf hin, dass Kreuzungsbereiche bzw. Bereiche
in denen sich Verkehre kreuzen bei der Ausgestaltung zu einer Fahrradstraße eine besondere
Betrachtung erfordern.
Abschließend bewertet, bietet die Umgestaltung des Bohlwegs zur Fahrradstraße eine
wesentliche Verbesserung nicht nur für den Radverkehr, sondern für alle Verkehrsarten des
Umweltverbunds. Verbesserungspotenzial ist insbesondere in der Kommunikation und
Durchsetzung der Verkehrsregeln vorhanden.
PROJEKTDATEN
Auftraggeber
Stadt Münster
Amt für Mobilität und Tiefbau
Stadthaus 3
Albersloher Weg 33
48155 Münster
Ansprechpartner
Fahrradbüro
Amt für Mobilität und Tiefbau
Stadthaus 3
Albersloher Weg 33
48155 Münster
Telefon: 0251 / 492-7272
E-Mail: fahrradbuero@stadt-muenster.de
Auftragnehmer
i.n.s. – Institut für innovative Städte
Alter Kirchenweg 27
90552 Röthenbach an der Pegnitz
Telefon: 0911 / 477 519 0
E-Mail: team@innovative-staedte.de
www.innovative-staedte.de
Bearbeitungszeitraum
Mai – Juli 2023
Stand Abschlussbericht
14. September 2023
Nachweise
Die Abbildungen und Tabellen wurden vom
Projektkonsortium erstellt.
Vervielfältigungen sind nur mit schriftlicher
Genehmigung zulässig.
Anlage A
1842 Zeichen
Anlage A zur V/0429/2024 Kurzüberblick Der Bohlweg ist von September 2021 bis Mai 2023 Gegenstand des wissenschaftlichen For- schungsprojektes POSITIM (Prä-Post Evaluierung von Interventionen im städtischen Mobilitäts- raum) gewesen, bei dem die Wirkung der Umgestaltung von Radinfrastruktur untersucht wurde. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Mit der Vorlage wird folgendes Ziel aus dem ISM-Prozess verfolgt: Wir werden Münster zu einer Stadt mit höchster Lebens- und Erlebnisqualität weiterentwi- ckeln: mit hoher Umwelt- und Naturqualität mit breitem Freizeit- und Sportangebot mit hohem Wohnwert, Familienfreundlichkeit und sozialer Balance in der Stadtgesellschaft Finanzierung Produktgruppe: 1201 Stadthaus 2 – Verkehrsflächen und -Anlagen Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja X Nein Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten? Ja X Nein teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja X Nein Bereits veranschlagt? Ja X Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig X vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Querschnittsthemen Klimaschutz und Demographie werden maßgeblich berührt. Denn das Forschungsprojekt POSITIM zeigt auf, dass die Qualitätsstandards der Fahrradstraßen 2.0 eine sichere und komfortable Radinfrastruktur darstellen. Letztendlich kann das Fahrrad mit diesen Infrastrukturmaßnahmen nachhaltig als Verkehrsmittel gestärkt und somit ein entscheidender Beitrag zum Klimaschutz bei gleichzeitig steigenden Bevölkerungszahlen geleistet werden.
Berichtsvorlage
6770 Zeichen
V/0429/2024 V/0429/2024 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Forschungsprojekt POSITIM am Bohlweg Prä-Post-Evaluierung der Umsetzung einer Fahrradstraße 2.0 Beratungsfolge 27.08.2024 Bezirksvertretung Münster-Mitte Bericht 04.09.2024 Ausschuss für Verkehr und Mobilität Bericht Bericht: Der Bohlweg ist von September 2021 bis Mai 2023 Gegenstand des wissenschaftlichen Forschungs- projektes POSITIM (Prä-Post Evaluierung von Interventionen im städtischen Mobilitätsraum) gewe- sen, bei dem die Wirkung der Umgestaltung von Radinfrastruktur untersucht wurde. Hintergrund Die Auswirkungen einer konsequenten Radverkehrsförderung sind in der wissenschaftlichen Literatur gut beschrieben. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für Planungsempfehlungen und Praktiken. Allerdings ist es nach wie vor schwier ig - und daher nicht üblich - die Wirkung von Maßnahmen im Straßenraum auf Einzelfallebene und in systematischer Weise zu bewerten. Meistens werden die Auswirkungen von Radverkehrsförderungsmaßnahmen auf aggregierter Ebene gemessen. Das Forschungsprojekt POSITIM hatte zum Ziel, diese Lücke zu schließen, indem eine Methodik für die Folgenabschätzung und Bewertung von verkehrsplanerischen Eingriffen durch interdisziplinäre Verknüpfung von Ansätzen aus der Verkehrssoziologie mit datenbasierten, räumlichen Bewertungs- und Monitoring-Routinen entwickelt wurde. Ergänzend nutzt POSITIM als wesentliche Innovation Humansensorik zur Verbesserung der Bewertungsmethodik. In Münster stand die Frage im Vordergrund, ob die Umgestaltung des Bohlwegs zu einer Fahr- radstraße 2.0 Auswirkungen auf den Radverkehr hat. Dies wird insbesondere durch die Zahl der Rad- fahrten, gemessene Stressmomente (Humansensorik) sowie die subjektive W ahrnehmung der Teil- nehmenden vorher und nachher bewertet. Der vollständige Bericht ist als Anlage 1 aufgeführt. Amt für Mobilität und Tiefbau 09.08.2024 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Thomalla Telefon: 492-7212 Thomalla@stadt- muenster.de - 2 - V/0429/2024 Methodik Im Projekt ist mit einem Methodenmix gearbeitet worden: - Verkehrszählungen (24-Stunden-Zählung) - Humansensorische Messungen (Physiologische Sensoren zur Messung der Hauttemperatur, des Blutvolumenpulses, der elektrodermalen Hautreaktion, der Herzfrequenz und der Atem- frequenz, sowie der Spitzenbeschleunigung) - Fragebogen - Qualitative Interviews - Unterstützende Videoanalyse Für die Feldstudien wurden nur Radfahrende rekrutiert (die Teilnehmenden mussten den Bohlweg mit dem Rad befahren). Autofahrten und Begehungen durch Zufußgehende wurden nicht untersucht. Die Vorher-Untersuchung fand am 9. und 10. September 2021, die Nachher -Untersuchung am 30. und 31. Mai 2023 statt. Insgesamt nahmen 75 Personen an der Studie in Münster teil: 44 Personen in der Prä- und 31 Personen in der Post-Studie. 11 Personen nahmen sowohl an der Prä- als auch an der Post-Studie teil. Ergebnisse Der Bohlweg war vor seine m Umbau zu einer Fahrradstraße 2.0 eine innerörtliche Hauptverkehrs- straße, gleichzeitig Teilabschnitt der Veloroute Telgte – Münster. Die Radwege waren in vielen Berei- chen unter einem Meter breit. Mit dem Umbau zu einer Fahrradstraße ist der Radverkehr auf die Fahrbahn verlagert worden. Dabei kamen die für Münster politisch beschlossenen Qualitätsstandards zum Einsatz: Das bedeutet eine Fahrgasse von ca. fünf Metern zuzüglich eines Sicherheitstrennstreifens zum Gehweg, eine Bevor- rechtigung gegenüber einmünd enden Nebenstraßen (daher der Abbau der Ampelanlage an der Kreuzung Bohlweg / Piusallee) sowie zur besseren Erkennbarkeit die Roteinfärbung der Fahrgasse. Darüber hinaus wurde eine Verkehrsinsel im Bereich der Schule gebaut, damit insbesondere Schüle- rinnen und Schüler sowie mobilitätseingeschränkte Personen den Bohlweg sicher queren können. Der Bohlweg vor und nach dem Umbau, hier: Fahrbahnaufteilung Höhe Ratsgymnasium: - 3 - V/0429/2024 Der Bohlweg vor und nach dem Umbau, hier: Knotenpunkt Bohlweg / Piusallee: Die Bau- und Umgestaltungsmaßnahmen sowie die verkehrsrechtliche Beschilderung z. B. mit Ab- biegegeboten an der Piusallee hatten einen deutlichen Effekt auf den Verkehr im Bohlweg. Der Kfz- Verkehr konnte um 78 % reduziert werden (3.044 Kfz vor dem Umbau, 678 Kfz nach dem Umbau), gleichzeitig konnte die hohe Zahl an Radfahrenden durch die Verbesserung der Bedingungen für den Radverkehr noch weiter erhöht werden (Zunahme von etwa 25 %: 3.426 Radfahrende vor dem Um- bau, 4.283 Radfahrende nach dem Umbau). Welche Maßnahmen genau zum Anstieg des Radver- kehrs geführt haben (Fahrradstraße, Rückgang Kfz-Verkehr, Rückbau Lichtsignalanlage, etc.) wurde nicht untersucht. Von den insgesamt 75 Studienteilnehmenden fahren 35 % seit der Umgestaltung zur Fahrradstraße häufiger auf dem Bohlweg und 81 % der Teilnehmenden fährt lieber dort als zuvor. Besonders positiv zu bewerten sind die Einschätzungen der Teilnehmenden zum Sicherheitsgefühl und zum Stressempfinden auf der Fahrradstraße. Das signifikant gestiegene subjektive Sicherheits- gefühl und das signifikant gesunkene Stressempfinden spiegeln sich auch in den gemessenen Stressmomenten wieder, die sich deutlich reduziert haben (Messung durch Humansensorik). Die Un- tersuchung zeigt, dass einige Stellen, die nicht umgestaltet wurden, weiterhin (gemessene und be- richtete) Stress -Hotspots darstellen. Besonders sind hier die Ein - und Ausfahrten am Nahversor- gungszentrum und die Überfahrten auf Radweg bzw. Fahrbahn zu nennen. Als Nebeneffekt der Fahr- radstraße profitiert der Fußverkehr durch die Umgestaltung von der dazugewonnenen Fläche. Eine deutliche Verbesserung der gemessenen Stressmomente konnte im Bereich der Kreuzung Pi- usallee festgestellt werden, auch wenn das subjektive Empfinden vieler Personen hier gegen die ge- messenen Daten spric ht. Die Situation wurde vorher häufig als chaotisch beschrieben. Ebenfalls konnte an der Kreuzung Bohlweg / Fürstenbergstraße eine Verbesserung erreicht und somit kein Stress-Hotspots mehr festgestellt werden. Gründe dafür sind unter anderem der weggefallene Wech- sel vom Seitenraum auf die Fahrbahn sowie der geringere Kfz -Verkehr im Bohlweg. Ebenfalls nicht mehr festgestellt wurde der Hotspot im Bereich des Ratsgymnasiums inkl. der Bushaltestellen. Auch hier macht sich der Wechsel vom Seitenraum auf die Fahrbahn positiv bemerkbar. Abschließend bewertet, bietet die Umgestaltung des Bohlwegs zur Fahrradstraße 2.0 eine wesentli- che Verbesserung nicht nur für den Radverkehr, sondern für alle Verkehrsarten des Umweltverbunds. In Vertretung gez. Denstorff - 4 - V/0429/2024 Stadtbaurat Anlagen: Anlage 1: Bericht Forschungsprojekt POSITIM am Bohlweg
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (11)
- Schillerstraße 30
- Gartenstraße
- Piusallee
- Ostmarkstraße
- Fürstenbergstraße
- Bohlweg
- Albersloher Weg 33
- Beldensnyderweg
- Niedersachsenring
- Hörsterplatz
- Promenade
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0429/2024
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 08.07.2024
- Erstellt
- 08.07.2024 15:34