0949/2024
Sachbericht des Kölner Flüchtlingsrates e.V. zum Projekt „Brückenbauer*“ für das Jahr 2023
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Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle OB/16/162/3 Vorlagen-Nummer 18.03.2024 0949/2024 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Integrationsrat 16.04.2024 Ausschuss Schule und Weiterbildung 22.04.2024 Jugendhilfeausschuss 30.04.2024 Sachbericht des Kölner Flüchtlingsrates e.V. zum Projekt „Brückenbauer*“ für das Jahr 2023 Zusammenfassung in einfacher Sprache: Der Kölner Flüchtlingsrat e.V. arbeitet mit dem Projekt „Brückenbauer*“ schon seit 2017 an Kölner Schulen mit Kindern, Jugendlichen und Lehrerinnen und Lehrern zu- sammen. Sie lernen zu verstehen, wie sich Menschen, die vor Krieg oder auch Verfol- gung in ihrer Heimat in Köln Schutz gesucht haben jeden Tag – auch in der Schule - fühlen. Es zeigt, was sie erleben mussten, welche Ängste sie oft immer noch haben und wie schwer es ist, in einem noch fremden Land mit noch fremder Sprache und mit Menschen, die sie noch nicht gut kennen, ein neues Leben zu beginnen. Der Flücht- lingsrat zeigt, was Kinder und Lehrerinnen und Lehrer tun können, um zu helfen und das Zusammenleben sowie das gemeinsame Lernen einfacher zu machen. Der Flüchtlingsrat hat in einem Bericht zusammengefasst, was hierzu im Projekt im Jahr 2023 geschehen ist. Förderungshistorie: Bereits seit dem Jahr 2017 führt der Kölner Flüchtlingsrat e.V. das Projekt Brücken- bauer* durch. Die Stadt Köln hat dieses 2018 zunächst aus Fördermitteln für ausge- wählte Antirassismus-Projekte unterstützt. Seit 2019 erhält der Flüchtlingsrat e.V. durch die Stadt Köln einen Zuschuss zur Finanzierung einer halben Personalstelle zwecks Unterstützung der Projektdurchführung. Zuletzt hat der Rat diese Förderung auf Basis der Vorlage 2459/2022 in seiner Sitzung am 05.12.2022 – befristet bis zum 31.12.2024 – beschlossen. Projektinhalte und –entwicklung: Im Projekt wurden in den letzten Jahren über 100 Workshops in verschiedenen Kölner Schulen durchgeführt. Der vorliegende Bericht für das Jahr 2023 zeigt eindrucksvoll 2 die stetige Arbeit und Weiterentwicklung des Projekts auf. Projektziel ist es, Schüler*innen an Kölner Schulen über den Themenkomplex Flucht und Asyl aufzuklären. Hierdurch soll neben einer Sensibilisierung der Kinder und Ju- gendlichen ein Abbau möglicher Vorurteile erfolgen und zu einer diversitätssensiblen, rassismuskritischen Schul- und Klassenkultur beigetragen werden. Auch für die Lehr- kräfte gibt es Angebote zur Professionalisierung, z.B. zum Thema möglicher Traumata geflüchteter Schüler*innen und deren Auswirkungen auf die jungen Menschen im Kon- text von Schule. Die Workshops sensibilisieren somit sowohl Schüler*innen als auch Lehrkräfte für die Lebenssituation geflüchteter Schüler*innen. Vor allem die besonderen Bedarfe und Herausforderungen, die sich aus der Fluchterfahrung ergeben, sollen nachvollziehbar aufgezeigt werden. Das Projekt entwickelt sich kontinuierlich bedarfsorientiert weiter und sucht beständig nach neuen Kooperationspartner*innen, um mit den knappen Ressourcen an mög- lichst vielen Schulen Workshops anbieten und durchführen zu können. So gibt es eine enge Kooperation mit dem Projekt WE CAN SPEAK, durch das auch Menschen mit Fluchterfahrung die jeweiligen Workshops (mit-)gestalten und ihre eigenen Perspekti- ven einbringen können. Auf diese Weise wird das Projekt auch der Idee, „mit den Menschen statt über die Menschen“ zu sprechen gerecht und eröffnet den Schüler*in- nen noch einmal stärker einen persönlichen Zugang zu dem schwierigen Thema. Im Jahr 2023 wurden neben insgesamt 26 Workshop-Einheiten für Schüler*innen auch 6 Workshops für Pädagog*innen angeboten. Inhaltlich wurden die Module für Schüler*innen weiterentwickelt und das Angebot für Lehrkräfte „Die Bedeutung von Flucht und Trauma im Kontext Schule“ neu konzipiert. Für einen genauen Überblick über alle Aktivitäten im Projekt im Jahr 2023 wurde der dieser Mitteilung angehängte Sachbericht angefertigt. Fachliche Bewertung: Aus Sicht der Verwaltung erbringt das Projekt einen äußerst bedeutsamen Beitrag, um eine Sensibilität von Kindern, Jugendlichen und Lehrkräften nicht nur im Schulall- tag, sondern in allen Lebensfeldern, z.B. im Umgang mit Freunden oder der Familie zu wecken und nachhaltig zu erweitern. gez. Reker
Sachbericht_2023
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Ein Projekt von Sachbericht Brückenbauer* 2023 1. Einleitung 2. Was ist Brückenbauer*? 3. Kooperation mit der Projektreihe „WE CAN SPEAK“ 4. Projektziele und Zielerreichung 2023 5. Wirkung 1. Einleitung 2023 ist die Zahl der in Deutschland ankommenden Menschen auf der Flucht wieder stark angestiegen und das Thema Flucht hat – leider oft nicht in sachlicher Form – wieder sehr an Bedeutung in der öffentlichen und politischen Debatte gewonnen (u.a. bei der Frage nach der Belastung von Kommunen bei der Unterbringung, aber auch bei Verteilungsfragen bei Zugängen zu Kitaplätzen, Arztterminen etc.). Der Kölner Flüchtlingsrat e.V. beobachtet dabei eine zunehmend populistische Diskursverschiebung, die Ängste schürt und Bilder produziert, die nicht von Fakten gedeckt sind. Menschenrechte und die sich aus der Genfer Flüchtlingskonvention ableitenden Rechte von Flüchtenden spielen in der Debatte selten eine Rolle. Umso wichtiger ist eine Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, die – je nach Alter und Wissensstand – dazu beiträgt, Wissen zum Themenkomplex Flucht zu erlangen und damit Diskurse kritisch einordnen zu können, sowie Sensibilität und Empathie für die Situation Geflüchteter zu entwickeln. Wissen kann Vorurteile entkräften und wirkt Diskriminierung entgegen. Die Brückenbauer*-Workshops tragen durch die Wahl der Inhalte und Methoden dazu bei, dass auch Nicht-Betroffenen deutlicher wird, welche Auswirkungen eine Flucht auf Menschen hat und was es bedeutet, Zugang zu Schutz und Teilhabe in der Aufnahmegesellschaft zu erhalten. Gleichzeitig werden auch geflüchtete Kinder und Jugendliche in den Schulklassen empowert. Sie erleben, wie ihre Klassengemeinschaft sich mit den für sie relevanten Themen beschäftigt und Methoden zum Einsatz kommen, die ihre Perspektiven und Anliegen hervorheben. S.1 2. Was ist Brückenbauer*? Brückenbauer* ist ein Bildungsprojekt des Kölner Flüchtlingsrat e.V., in dessen Rahmen der Verein seit 2017 erfolgreich Workshops für Schüler*innen von der 4. Klasse bis zur Oberstufe, sowie Fortbildungen für Lehrkräfte und Schulpädagog*innen an Kölner Schulen durchführt. Das Projekt wird seit Ende 2018 durch die Stadt Köln gefördert und ist das älteste von mittlerweile vier Bildungsangeboten des Jugend- und Bildungsbereichs des Kölner Flüchtlingsrat e.V. Die weiteren Bildungsangebote sind: WE CAN SPEAK – Wir reden mit! Schulworkshops mit Teamer*innen mit eigener Fluchterfahrung zu den Themen Flucht, Flüchtlingsschutz, Vorurteilen und Diskriminierung WE CAN SPEAK – Lasst uns reden! Schulworkshops mit Teamer*innen mit eigener Fluchterfahrung und Bildungsreferent*innen des Kölner Flüchtlingsrat e.V. zu den Themen Demokratie, demokratischen Werten und Flüchtlingsschutz Klimawandel, Mobilität und Displacement Schulworkshops zu den Themen Klimawandel, Migrationsbewegungen und Klimagerechtigkeit In den Brückenbauer*-Schulworkshops geht es um die Themen Flucht, Menschenrechte, Diskriminierung, Partizipation und Akzeptanz. Seit Beginn der Jugendbildungsarbeit des KFR haben über 100 Workshops stattgefunden. Während der städtischen Förderung (trotz vieler pandemiebedingter Schwierigkeiten) konnten bereits 83 Workshops für Schüler*innen und 12 Workshops für Pädagog*innen stattfinden. Neben einem Grundlagen-Workshop bietet Brückenbauer* mittlerweile vier Vertiefungsmodule für Schüler*innen an: Ankommen in Köln Vorurteile und Diskriminierung Flucht und Partizipation Grenzen und Menschenrechte Lebenssituation geflüchteter Kinder und Jugendlicher in Deutschland Rassismuskritische Pädagogik und das Thema Flucht im Klassenraum (2-teilig) Die Bedeutung von Flucht und Trauma im Kontext Schule Für Erwachsene bietet das Projekt im Rahmen der Workshopreihe „Wissen und Kompetenz im Umgang mit geflüchteten Schüler*innen“ seit Herbst 2021 Workshops zu folgenden Themen an: S.2 3. Kooperation mit dem Projekt „WE CAN SPEAK – Wir reden mit!“ Das Projektreihe „WE CAN SPEAK“ zielt darauf ab, Vorurteile und strukturelle Benachteiligungen gegenüber Menschen mit Fluchterfahrungen aufzubrechen, indem es Geflüchtete stärkt, Workshops mit Jugendlichen selbst durchzuführen und somit auch Begegnung zu ermöglichen. Hierfür wurden im ersten Halbjahr 2022 15 Geflüchtete zu „Speaker*innen" qualifiziert und im Jahr 2023 insgesamt 8 Personen. Statt nur über Geflüchtete zu sprechen, werden so ihre Perspektiven sichtbar und sie erhalten die Möglichkeit der Mitgestaltung von politischer Bildungsarbeit. Allyship und Selbstermächtigung in Form von eigenem Engagement für sich und andere sind die Begleitthemen der Speaker*innen-Workshops und werden mit den oben genannten Schwerpunktthemen aus dem Brückenbauer* - Projekt verknüpft. Im Rahmen der Kooperation beider Projekte begleiten Speaker*innen die Bildungsreferent*innen bei den Workshops an Kölner Schulen. Die Perspektiven der Speaker*innen auf die Workshopinhalte, die ja auch ihre eigene Biografie betreffen, wurden (insbesondere von den teilnehmenden Schüler*innen) als sehr gewinnbringend wahrgenommen. In den Workshops erhalten die Schüler*innen die Gelegenheit, den Speaker*innen Fragen bezüglich deren eigener (Flucht-)Geschichte zu stellen. Sie erleben so einen sehr direkten und persönlichen Zugang zum Thema Flucht. Kinder und Jugendliche mit eigener Fluchterfahrung erleben Role Models, die ihnen vorleben, wie Engagment und Empowerment miteinander verbunden werden können. Datum Thema 24.01.2023 11.05.2023 23.05.2023 22.08.2023 30.11.2023 05.12.2023 S.34. Projektziele und Zielerreichung 2023 Die Projektziele für 2023 konnten im Berichtszeitraum voll erfüllt werden. Die geplanten Maßnahmen (25 Workshopeinheiten und 6 Pädagog*innen-Workshops) wurden mit 26 Workshopeinheiten für Schüler*innen und 6 Workshops für Pädagog*innen leicht übertroffen. In den Workshops wurden durchgehend die Speaker*innen mit einbezogen (Vorbereitungstreffen, Ausarbeitung / Zusammenstellung der Methoden und Ablaufpläne, Reflexion). Im Rahmen von mehrere gemeinsamen Treffen wurden außerdem bestehende Methoden überarbeitet und eine neue Methode (Planspiel „Flucht aus Karisien“) erarbeitet. Die Synergieeffekte zwischen beiden Projekten wurden intensiv genutzt und ausgebaut (Projektziel VI). Übersicht durchgeführte Workshopeinheiten an Schulen: Schule / Klassenstufe Workshopeinheiten Thematischer Schwerpunkt Heinrich-Heine- Gymnasium, 9.Klasse Johannesschule, 4. Klasse Gesamtschule Holweide, 10. Klasse Peter-Lustig-Grundschule Heinrich-Böll- Gesamtschule, Sek.II 2 EH Einführung Flucht, Menschenrechte Heimat, Einführung Flucht und Ankommen Einführung Flucht, europäische Flüchtlingspolitik und Grenzen Heimat, Einführung Flucht und Ankommen 14 EH 6 EH 2 EH 2 EH Grundlagen Flucht, Vertiefung Diskriminierung Übersicht durchgeführte Workshops für Pädagog*innen: Rassismuskritische Pädagogik und das Thema Flucht im Klassenraum - Teil 2 Lebenssituation geflüchteter Kinder und Jugendlicher in Deutschland (digital) Lebenssituation geflüchteter Kinder und Jugendlicher in Deutschland Die Bedeutung von Flucht und Trauma im Kontext Schule Die Bedeutung von Flucht und Trauma im Kontext Schule Die Bedeutung von Flucht und Trauma im Kontext Schule S.4 Der Pädagog*innen-Workshop „Die Bedeutung von Flucht und Trauma im Kontext Schule“ wurde aufgrund der Bedarfe, die in vorherigen Workshops geäußert wurden, im Jahr 2023 konzipiert und durchgeführt. Die Anmeldungen für den ersten Termin übertrafen die Teilnehmendenplätze bei Weitem, sodass zwei weitere, ausgebuchte Workshoptermine angeboten wurden. Die am Ende eines jeden Schüler*innen-Workshops erhobenen Feedbacks der Teilnehmenden zeigen zudem, dass auch das Projektziel „Schüler*innen entwickeln im Rahmen eines Workshops Antworten auf ihre Fragen zum Themenkomplex Flucht und entwickeln eine kritische Haltung zum Flüchtlingsdiskurs“ erreicht wurde: „Ich fand es schön, dass wir Einblicke bekommen haben, die man so sonst nicht kriegen würde, und dass wir mit einbezogen wurden. Mir hat auch gefallen, dass vor Ort Geflüchtete waren, die ihre Geschichte erzählen konnten.“ (Feedback zum Workshop in der Sek.II an der Heinrich-Böll-Gesamtschule) In den Workshops wurden zudem Methoden angewendet, die nicht nur Wissen vermitteln und für die Situation Geflüchteter sensibilisieren, sondern auch zur Reflexion über eigene (altersentsprechende) Handlungsspielräume angeregt haben (siehe Projektziel „Schüler*innen fühlen sich darin bestärkt, sich für Vielfalt, Akzeptanz und Menschenrechte einzusetzen, und werden motiviert aktiv gegen Vorurteile, Rassismus und Diskriminierung vorzugehen.“). So überlegten beispielsweise Grundschüler*innen, wie sie konkret einem geflüchteten Kind das Ankommen in ihrer Schule erleichtern und Ausgrenzung entgegenwirken können. Jeder Workshop wurde zuvor mit den Lehrkräften vorbereitet (mittels eines Fragebogens zur Erhebung der Klassenzusammensetzung und evtl. Vorwissen) und bei Bedarf auch nachbereitet. Um die Qualität der Workshops stetig zu verbessern – insbesondere in der Zusammenarbeit mit den Speaker*innen – und Methoden und Inhalte zu reflektieren, wurden 2023 von den Bildungsreferentinnen von Brückenbauer* verschiedene Fortbildungen besucht. Hiezu zählte eine Intervision begleitet durch die interkulturelle Trainerin und Traumatherapeutin Kelly Cavalcanti zu „rassismussensibler Bildungsarbeit als nicht betroffene, weiße Bildungsreferentin“, der Besuch der Fortbildungsreihe zu Demokratie- und Konfliktkompetenz, sowie ein Fachaustausch initiiert durch die Bildungsstätte Anee Frank, zum Umgang mit menschenfeindlichen Äußerungen (im Schwerpunkt Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus) im Bildungskontext in Folge der Anschläge am 7. Oktober in Israel. 5. Wirkung „Solche Workshops zur Sensibilisierung für das Thema Flucht sollten standardmäßig in Grundschulen stattfinden. Selten habe ich diese Klasse so interessiert und engagiert erlebt.“ (Schulsozialarbeiter an der Peter-Lustig-Schule) „War sehr informativ, viel gelernt, lehrreich, sensationelle Leistung, gerne Wiederholungsbedarf!“ (Feedback zum Workshop in der Sek.II an der Heinrich-Böll-Gesamtschule) Die Rückmeldungen aus der Schülerschaft und von Pädagog*innen zu den durchgeführten Workshops zeigen, dass die Workshops bei den Teilnehmenden wichtige Denkprozesse angestoßen haben und insbesondere durch die Begegnung mit den selbst geflüchteten Speaker*innen neue Zugänge zum Thema Flucht entstanden sind. Einige Schulen, darunter auch „Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage-Schulen“, haben die Brückenbauer*- Workshops als festen Bestandteil ihres Unterrichts integriert. S.5
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0949/2024
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 18.03.2024
- Erstellt
- 07.03.2024 13:43