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V/0941/2011

Altersarmut in Münster im Licht des demografischen Wandels

Vorlagen 22.12.2011

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Nächste Beratung: Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung, Sitzung am 29.02.2012, TOP 7

Anlage 2

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Ansehen

Anlage 3

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Anlage 1: Expertise

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Beschlussvorlage

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Ansehen

Anlage 2

6700 Zeichen

Anlage 2 zur Vorlage V/0941/2011 
V/0565/2008 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Sozialamt 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Antrag der SPD-Fraktion an den Rat A-R/0033/2008: Münster für alle. In Würde alt werden - 
Schutz vor Altersarmut wirkungsvoll entfalten. 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
27.08.2008 Hauptausschuss Entscheidung  
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
 
1. Das inhaltliche Grundanliegen des Antrags wird, soweit es sich auf die Entwicklung kommu- 
naler Instrumente und Ansätze richtet, Altersarmut entgegenzuwirken, aufgegriffen und als 
thematischer Vertiefungsbereich im Kontext des Hand lungskonzepts ‚demografischer Wan- 
del’ aufbereitet.  
 
2. Die Verwaltung wird beauftragt, im 2. Halbjahr 2 009 ein Exposé vorzulegen, das 
 
2.1 die Ausgangslage auf der Grundlage eines Datenü berblicks aufbereitet und 
2.2 einen konkretisierten Verfahrensvorschlag zum w eiteren Vorgehen einschließlich möglicher 
Kooperationsformen mit wissenschaftlichen Institutionen unterbreitet. 
 
II. Kosten/Folgekosten 
 
Es wird zur Kenntnis genommen, dass im Zusammenhang  mit der Vorbereitung des Exposés kei- 
ne Kosten entstehen. 
 
 
 
Begründung: 
 
Mit ihrem Antrag regt die SPD-Fraktion an, im Rahmen eines Armutsberichts mit dem Schwerpunkt 
Altersarmut Steuerungsinstrumente zu erschließen un d Handlungsempfehlungen zu entwickeln, 
Altersarmut entgegenzuwirken. Neben der Darstellung  der gegenwärtigen Situation sollen insbe- 
sondere Zukunftstrends der Entwicklung von Altersar mut in mittel- bis längerfristiger Perspektive 
herausgearbeitet werden, um rechtzeitig tragfähige Ansätze und Maßnahmen zu schaffen.  
 
Im Zusammenhang mit seiner Anregung, einen Armutsbericht zu erstellen, verweist der Antrag auf 
den im Jahr 2002 vorgelegten Bericht ‚Münsteraner A rmutsberichterstattung: Lebenslagen und –
 
Vorlagen-Nr.:  
 
V/0565/2008 
Auskunft erteilt: 
Herr Treutler 
Ruf: 
492 50 26 
E-Mail: 
Treutler@stadt-muenster.de  
Datum: 
03.07.2008 
Öffentliche Beschluss vorlage

- 2 - 
V/0565/2008 
perspektiven unterversorgter Kinder und Jugendliche r in Münster’ (Vorlage Nr. 786/2002). Im 
Rahmen der dem Bericht zugrundeliegenden Untersuchu ng wurden in vier statistischen Bezirken 
Fallstudien exemplarisch durchgeführt. Mit der über wiegend qualitativen Untersuchungsrichtung 
des damaligen Berichts sollte nicht vorwiegend die Verteilung von Armut im Stadtgebiet bzw. in 
Stadtteilen, sondern die von Unterversorgung betrof fenen Lebensbereiche (vertieft, nicht jedoch 
repräsentativ) dargestellt werden. Der mit der Unte rsuchungsdurchführung verbundene Aufwand 
war nicht zuletzt deshalb erheblich, weil im Rahmen  des damaligen Kooperationsarrangements 
zwischen Stadt, Fachhochschule und Wohlfahrtspflege trotz Entlastung durch arbeitsteilige Aufga- 
benwahrnehmung auch unterschiedliche, teilweise kontroverse, Positionsdifferenzen zwischen den 
Beteiligten auszutauschen und zu vermitteln waren. Der verwaltungsseitige Koordinations- und 
Durchführungsaufwand im Zusammenhang mit der über e inen Zeitraum von ca. 1,5 Jahren durch- 
geführten Untersuchung war zudem nur dank befristet er Beschäftigung zusätzlichen Personals zu 
bewältigen. Vor diesem Hintergrund hat sich der Rat  im Rahmen seines Beschlusses vom 
11.12.2002 zur Vorlage Nr. 786/2002 (Ergänzungsvorl age 1) nicht entschlossen, eine kommunale 
Armutsberichterstattung nach diesem Muster fortzufü hren, die Verwaltung gleichwohl beauftragt, 
„soweit sachgerecht und im Rahmen der Verwaltungska pazitäten möglich, auch künftig jeweils 
bedarfsbezogen Gesichtspunkte der Lebenssituation v on Personen und Personengruppen darzu- 
stellen, die ihren Lebensunterhalt ohne Inanspruchn ahme öffentlicher Sozialleistungen nicht si- 
cherstellen können“. 
 
Anders als eine Untersuchung über (gegenwärtige) Ki nderarmut schließt die thematische Bearbei- 
tung von Altersarmut in der Zukunft den Blick auf die Situation der heute Jüngeren mit ein, insofern 
die wirtschaftliche Situation in der Lebensphase ih rer Erwerbsfähigkeit ihre wirtschaftliche Lage im 
Alter weitestgehend festlegt. Ein Armutsbericht, der sich auf unterversorgte Lebensbereiche älterer 
Menschen in der Gegenwart konzentriert, ohne möglic he künftige Veränderungen der Bedeutung 
bzw. des Verständnisses von Unterversorgung zu erör tern, wäre daher nicht nur aufwendig, er 
griffe überdies zu kurz.  
 
Der Antrag spricht eine Entwicklung an, die sich in  Ansätzen auch auf lokaler Ebene bereits heute 
andeutet; die Zahl der Personen über 64 Jahren, die  auf existenzsichernde Leistungen der Sozial- 
hilfe 
1 angewiesen sind, hat zwischen 2005 und 2007 zugenommen: 
 
Stichtag Personen  
31.12.2005 1.211  
31.12.2006 1.725  
31.12.2007 1.879  
 
Wenngleich die Zahlen Trendaussagen nicht zulassen, stärken mehrere, im Antrag zum Teil ange- 
sprochene, Entwicklungstendenzen die Vermutung, das s die Zahl der älteren Personen, die auf 
ergänzende Leistungen zur Existenzsicherung angewiesen sind, mittel- bis längerfristig zunehmen 
wird.  
 
Das Thema des Antrags lässt sich in den weiteren Zusammenhang des, zurzeit im Beratungsgang 
befindlichen, Handlungskonzepts ‚demografischer Wan del’ (Vorlage V/0371/2008) zunächst als 
konkreter Fachbeitrag zum zielgruppen- bzw. lebensl agenbezogenen Handlungsfeld „Seniorinnen 
und Senioren“ einordnen. Darüber hinaus soll Altersarmut in der Zukunft vermieden oder gemildert 
werden; damit werden gegenwärtige Handlungsbedarfe angesprochen, die sich auf Menschen 
aller Generationen beziehen. In dieser Perspektive bezieht sich Altersarmut einerseits auf die ü- 
bergreifenden Handlungsfelder ‚Generationengerechte Stadt’ sowie ‚Soziale Balance und Solidari- 
tät zwischen allen Teilen der Bürgerschaft’ ferner auf Handlungsfelder insbesondere in den Berei- 
chen Stadtentwicklung, Wirtschaft/Arbeit und Infrastruktur.  
 
                                               
 
1  Leistungen nach dem 3. und 4. Kapitel SGB XII, je weils außerhalb von Einrichtungen

- 3 - 
V/0565/2008 
Angesichts der Komplexität des Themas empfiehlt die  Verwaltung, über die weitere Umsetzung 
des Antrags erst auf der Grundlage eines konkretisi erten Verfahrensvorschlags zu entscheiden, 
der auf der Grundlage eines Datenüberblicks auch ei nen handlungsorientierten Problemaufriss 
umfasst und auf mögliche Formen der Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Institutionen ein- 
geht. In diesem Zusammenhang wird die Verwaltung au ch Aussagen über ggf. erforderliche Res- 
sourcen treffen. Angesichts des Vorbereitungs- und Abstimmungsaufwands mit potentiellen Ko- 
operationspartnern/innen kann die Verwaltung die Vo rlage erst im kommenden Jahr in Aussicht 
stellen.  
 
 
In Vertretung 
 
 
gez. 
Thomas Paal 
Stadtrat

Anlage 3

4867 Zeichen

Antrag an den Rat Nr. A-R/0033/2008  
 1
	


 
 
Antrag 
 
 
 
 
 
01.06.2008 
 
 
 
 
 
SPD-Fraktion 
im Rat der Stadt Münster  
 
 
Münzstr. 15 
48143 Münster 
Telefon: 0251/ 45 314 
Fax: 0251/ 511 750 
spdfrak@muenster.de  
     www.spd-muenster.de  
 
Münster für alle  
In Würde alt werden - Schutz vor Altersarmut wirkun gsvoll 
entfalten 
 
 
Der Rat der Stadt Münster möge beschließen: 
 
1. Die Stadt Münster erstellt einen Armutsbericht u nter besonderer 
Berücksichtigung der Altersarmut. Ziel des Berichts  ist es, kommunale 
Steuerungsinstrumente und Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um der 
Altersarmut entgegen zu wirken. Dabei soll der Armu tsbericht die Ist-Situation 
in Münster darstellen und eine Prognose für das Jahr 2020 geben. 
 
 
2. Als besondere Schwerpunkte des Berichts sollen d ie gesundheitliche Situation 
sowie die Wohnraumversorgung von Menschen in Alters armut dokumentiert 
und entsprechende Handlungsempfehlungen abgeleitet werden. 
 
 
3. Der Bericht soll geschlechtsspezifisch erstellt und die 
Handlungsempfehlungen geschlechtergerecht entwickelt werden. 
 
4. Die Verwaltung prüft, ob eine Zusammenarbeit mit  den örtlichen Hochschulen 
zur Erstellung des Armutsberichts möglich ist. 
 
 
Begründung: 
 
Die aufschlussreiche Armutsberichterstattung, die v on SPD und Grünen in der 
Legislaturperiode 1994–1999 auf den Weg gebracht wu rde, mündete im 
münsterischen Armutsbericht, der 2002 veröffentlich t wurde. Schwerpunkt der 
Berichterstattung war die Lebenssituation von in Ar mut lebenden Kindern und 
Jugendlichen. Die SPD-Forderungen nach Fortsetzung der städtischen 
Armutsberichterstattung fanden keine Mehrheit. Nunm ehr soll ein neuer 
Armutsbericht erstellt werden, der die Altersarmut in den Vordergrund stellt. Die 
Studien des Instituts für Soziologie zur Armutsfors chung in Münster sollen 
einbezogen werden. 
 
 
	


	




2
In Münster leben derzeit ca. 25.000 Menschen in Arm ut; davon sind 7.600 Kinder 
und Jugendliche. Alleine 21.000 Menschen beziehen L eistungen gem. ALG II. Wie 
groß die verschämte Armut ist, lässt sich nur erahn en: nach wie vor nehmen 
Menschen aus Scham und Unwissenheit zustehende Leis tungen nicht in Anspruch. 
Ein weiterer Personenkreis, der in Armut lebt, sind  Menschen ohne Papiere 
(„Illegale“); über diesen Personenkreis liegen nur Dunkelzifferschätzungen vor. 
Expertenschätzungen belaufen sich auf 1.000 Personen im Stadtgebiet Münsters. 
 
„Arm trotz Arbeit“ ist auch in Münster ein Thema: Alleine 3.657 Personen nehmen in 
Münster aufstockende Leistungen in Anspruch, weil d as Erwerbseinkommen keinen 
ausreichenden Armutsschutz bietet. Mindestlöhne sin d eine Möglichkeit, die 
Armutsrisiken zu minimieren: sie sorgen für angemes sene Entlohnung, höhere 
Kaufkraft und Zuflüsse in die Sozialversicherungssysteme. 
 
Auf Grund veränderter Erwerbsbiografien, die auf lä ngeren Ausbildungszeiten, 
befristeten Beschäftigungsverhältnissen und unsiche ren Teilzeitarbeitsverhältnissen 
basieren, wird Armut im Alter für größere Bevölkeru ngsgruppen immer 
wahrscheinlicher. Unterbrechungen in der Erwerbsbiografie führen zu Ausfallzeiten in 
der Rentenversicherung, die sich im Alter verheeren d auswirken können. Besonders 
Frauen werden hiervon betroffen sein, weil  
- immer noch ein Mangel an qualitativ hochwertigen 
Kinderbetreuungsangeboten fehlt 
- die bestehenden Kinderbetreuungsangebote oft nicht  an den beruflichen 
Erfordernissen der Familien orientiert sind  
- Kindererziehungszeiten oftmals nicht adäquat bei R entenversicherungszeiten 
berücksichtigt werden.  
Der Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz auch bereits für unter 3 jährige 
Kinder wäre ein wirksames Instrument, um Frauen mit  ihren Fähigkeiten und 
Fertigkeiten am Erwerbsleben abgemessen zu beteilig en und der drohenden 
Altersarmut von Frauen entgegen zu wirken. 
 
Statistisch belegt ist der Zusammenhang von Armut u nd Krankheit sowie Armut und 
verkürzter Lebenserwartung. Unstreitig erhöht Armut  das Risiko, an einer 
chronischen Erkrankung zu erkranken. Risikofaktoren  etwa für Gefäß- oder 
Krebserkrankungen finden sich bei armen Menschen häufiger. 
 
Viele ältere Menschen haben bereits jetzt Schwierig keiten sich mit preiswertem 
Wohnraum am Wohnungsmarkt zu versorgen. Die steigen de Zahl älterer Menschen 
mit Armutsrisiken macht eine aktive Steuerung des W ohnungsmarktes für diesen 
Personenkreis erforderlich; hierbei sind auch innen stadtnahe Wohnlagen zu 
berücksichtigen.  
 
 
Beanka Ganser   Ralf Hubert   Udo Reiter 
Wolfgang Heuer   Dr. Michael Jung  Anne Schulze Win tzler 
Anika Bergner   Marianne Koch  Joachim Tonn  
Hedwig Chudziak   Gaby Kubig-Steltig  Beate Vilhjal msson   
Philipp Gabriel    Kurt Pölling   Holger Wigger 
Anne Hakenes   Karsten Rahn  Karl-Heinz Winter 
Marianne Hopmann

Anlage 1: Expertise

354187 Zeichen

Altersarmut in Münster im Lichte des 
demografischen Wandels 
 
 
Eine Expertise zur Entwicklung von Handlungsoptionen  
im Auftrag des Rates der Stadt Münster 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Auftraggebend: Rat der Stadt Münster 
Projektlaufzeit: 07/2011 – 11/2011 
Projektleitung: Dieter Hoffmeister 
Autorinnen: Franka Schäfer, Björn Wendt, Dieter Hoffmeister 
Westfälische Wilhelms-Universität Münster 
Institut für Soziologie 
Umschlaggestaltung: Dinko Skopljak

Vorwort 
 
 
 
Erst kürzlich antwortete die Bundesregierung auf eine große Anfrage der Abgeordneten Göring-
Eckhardt, Strengemann-Kuhn, Kuhn und anderer , ob Altersarmut gegenwärtig ein Problem da r-
stelle, mit einem klaren „Nein“  und verwies in diesem Zusammenhang auf die Grundsicherung 
im Alter als Altersarmut verhinderndes Instrument der Sozialpolitik (Bundesregierung 2011: 2). 
Anders als die Berliner Kolleg innen und Kollegen sah das wohl die SPD-Fraktion im Rat der 
Stadt Münster und beantragte im Juni 2008 die Erstellung eines „Armutsberichts unter besonde-
rer Berücksichtigung der Altersarmut“ (SPD Fraktion 2008: 1). 1 Ziel des Berichts sollte es sein 
„kommunale Steuerungsinstrumente und Handlungsempfehlungen zu entwickeln, um der A l-
tersarmut entgegen zu wirken. Dabei soll der Armutsbericht die Ist-Situation in Münster darstel-
len und eine P rognose für das Jahr 2020 geben “ (SPD Fraktion 2008: 1). Die Begründung für 
einen solchen Bericht lautete, dass in Münster derzeit ca. 25.000 Bürgerinnen und Bürger offizi-
ell in Armut leben – abgesehen von der Dunkel ziffer, also jener,  die in sogenannter »verschäm-
ter« bzw. »illegaler« Armut leben und die nicht durch die amtliche Statistik erfasst werden. 
Im Juli 2008 wurde ein entsprechender Beschlussvorschlag in den Rat der Stadt Münster einge-
bracht, in dem das Anlie gen, kommunale Instrumente zu entwickeln und damit „Altersarmut 
entgegenzuwirken, aufgegriffen und als thematischer Vertiefungsbereich im Kontext des Han d-
lungskonzeptes ‚demografischer Wandel‘ aufb ereitet“ (Rat der Stadt Münster 2008: 1) wurde. 2 
In diesem Zusammenhang wurde auch ange merkt, dass „die Zahl der Personen, über 64 Jahren, 
die auf eine existenzsichernde Leistung der Soz ialhilfe angewiesen sind, (...) zwischen 2005 und 
2007 zugenommen“ hat und dass die Annahme vorherrsche, dass „die Zahl der älteren Personen, 
die auf ergänzende Leistungen zur Exi stenzsicherung angewiesen sind, mittel - bis längerfristig 
zunehmen wird.“ Altersarmut solle „in Zukunft vermieden oder gemildert werden“(Rat der Stadt 
Münster 2008: 2).  Im Juni 2011 wurde schließlich vom Rat der Stadt Münster beim Institut für 
Soziologie der WWU eine Expertise zu Altersarmut in Münster vor dem Hintergrund des demo-
grafischen Wandels in Auftrag gegeben. D er vorliegende Bericht stellt Hintergründe und Erge b-
nisse zum Thema Altersarmut dar, die im Rahmen der Expertise erarbeitet wurden.  
Das Forschungsteam des IfS bedankt sich an dieser Stelle explizit bei allen Mitwirkenden, die zur 
Erstellung der Expertise beigetragen haben. Dies sind an erster Stelle die von Altersarmut b e-
troffenen Personen, di e sich für ein Interview zur Verfügung gestellt haben, die von uns  als Ex-
perten ihrer Arbeit mit alten Menschen befragten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der sozialen 
Einrichtungen und der Stadtverwaltung. Insbesondere sind neben Frank Treutler und Thomas  
Schulze auf‘m Hofe, Anne Hemker und Elisabeth Bultmann für Ihren Einsatz bei der Transkripti-
onsarbeit zu nennen sowie Helga Kreft-Kettermann, Christa Ruten und Claudia Wiens vom Amt 
für Stadtplanung und Stadtentwicklung für die Bereitstellung amtlicher Daten. 
 
                                                             
1 Antrag an den Rat der Stadt Nr. A-R/0033/2008. 
2 Beschlussvorschlag V/0565/2008.

Inhalt 
 
 
 
 
Zusammenfassung ..................................................................................................................................... 8 
Armut- und Altersarmut in quantitativer Perspektive ............................................................................ 8 
Altersarmut in qualitativer Perspektive ........................................................................................................ 9 
Zukünftige Armutsszenarien im Lichte des demografischen Wandels ......................................... 12 
Unterstützungspotentiale und Handlungsoptionen für die Stadt Münster ................................. 14 
 
1. Einleitung ............................................................................................................................................... 16 
 
2. Armut und Altersarmut ..................................................................................................................... 17 
2.1 Theoretische Erklärungsmuster und Armutskonzepte ................................................................ 17 
2.2 Theorien und Befunde zur Altersarmut in Deutschland .............................................................. 20 
2.3 Quantitative Annäherung an Armut und Altersarmut in Münster ........................................... 25 
2.4 Qualitative Aspekte der Altersarmut in Münster ............................................................................ 40 
 
3. Altersarmut und demografischer Wandel in Münster ........................................................... 60 
3.1 Merkmale und Folgen des demografischen Wandels in Deutschland .................................... 60 
3.2 Aktuelle demografische Struktur Münsters....................................................................................... 63 
3.3 Demografische Struktur Münsters im Jahr 2020 ............................................................................. 72 
3.4 Demografischer Wandel und künftige Armutsszenarien in Münster ..................................... 77 
 
4. Bestehende Unterstützungsangebote, Strategien und Handlungsoptionen .................. 83 
4.1 Vorhandene Unterstützungsangebote ................................................................................................. 83 
4.2 Mögliche Handlungsoptionen zur Abfederung drohender Altersarmut ............................... 85 
 
5. Fazit .......................................................................................................................................................... 92 
 
Quellenverzeichnis .................................................................................................................................. 96 
 
Abbildungsverzeichnis ....................................................................................................................... 101 
 
Anhang ...................................................................................................................................................... 103

8 
 
Zusammenfassung 
 
Die vorliegende Expertise zielt auf die Erkundung eines bisher nur wenig erforschten Feldes: auf 
die Entwicklung der Altersarmut in Münster vor dem Hintergrund des demografischen Wandels. 
Der Zugang zum Feld erfolgte e inerseits über einen quantitativ -statistischen, anderseits über 
einen qualitativ -inhaltsanalytischen Ansatz. Eine quantitative Armutsbestimmung wurde, in 
Anbetracht der Datenlage, im Sinne Simmels als gesel lschaftlich akzeptier te Grenze, jenseits 
derer Unterstützungsleistungen legitim sind, vorgenommen. Dies bedeutet, dass all jene als arm 
beschrieben werden, die staatliche Unte rstützungsleistungen erhalten. Armut in diesem Sinne 
wurde bei Personen im E rwerbsalter als Arbeitslos igkeit und/oder Bezug von Sozialleistungen 
operationalisiert, Altersarmut als Bezug von Grundsicherung im Alter. Im qualitativen Teil der 
Expertise schließlich wird Armut in einer erweiterten Definition als Lebenslagenarmut erfasst. 
Dabei werden Menschen als arm ausgewiesen, die in mindestens zwei Lebenslagen (aus Bere i-
chen wie etwa Bildung, Arbeit, Einkommen, Teilhabe, Mobilität, Gesundheit usw.) benachteiligt 
sind (zur näheren Bestimmung dieser Konzepte vgl. Kapital 2.1). 
 
Armut- und Altersarmut in quantitativer Perspektive 
 
Die Auffassung, in Münster existiere keine bzw. kaum Altersarmut, resultiert aus allgeme inen 
Schwierigkeiten bei der Definition von Armut und Altersarmut sowie deren valider Mess barkeit 
im lokalen Raum. Da Altersarmut in der Regel ein e Folge von Armut im e rwerbsfähigen Alter 
darstellt (Kontinuitätsthese) und sich soziale Benachteiligungslagen im Alter auf dieser Grun d-
lage verstärken (Kumulationsthese), erfolgte eine Annäherung an das Themenfeld Altersarmut 
zunächst über einen allgemein en Armutsbegriff (Indikatoren: Arbeitslosigkeit und Soziallei s-
tungsbezug nach SGB II und III). Anschließend wurde, mittels der Indikatoren Grundsicherung 
im Alter und Rentenein kommen aus der g esetzlichen Rentenversicherung, der Blick auf Alters-
armut gelenkt: 
 
 Bemerkenswert hier ist, dass die Entwicklung der gemeldeten Arbeitslosenzahlen in 
Münster analog zur Entwicklung in ganz Deutschland verläuft. Während die Arbeitsl o-
senzahlen in der ersten Hälfte der letzten Dekade anstiegen, kann seit etwa der Mitte der 
2000er Jahre ein Rückgang konstatiert werden. Diese Beschreibung, steht jedoch ins o-
fern auf tönernen Füßen, als dass die gemeldeten Arbeitslosenzahlen bekanntermaßen 
nicht alle faktisch Arbeitslosen erfassen und auch der Indikator Sozialhilfebezug nur jene 
Personen abbildet, die Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Verschämte Arme als Teil 
der Altersarmen etwa stellen demnach einen statisch blinden Fleck dar. Sie sind Teil der 
Dunkelziffer im Rahmen der Armutsforschung. 
 Obwohl die Zahl der über 65 -Jährigen Bezieher von Grundsicherung im Alter bei »ledig-
lich« knapp 1.500 Menschen liegt, ist weithin bekannt, dass ca. Dreiviertel der Hilfsb e-
rechtigten ihr Anrecht auf Unterstützung nicht einlösen (vgl. Kapitel 2.2). So betrachtet 
würde sich der Personenkreis p otentieller Altersarmer bereits auf knapp 6.000 Pers o-
nen erweitern. Senkt man zudem die Altersgrenze von 65 Jahren auf 60 oder sogar 55 
Jahre ab ( um auch Frühver rentete in den Blick zu nehmen), dann stellt Altersarmut b e-
reits heute ein virulentes Problem f ür zahlreiche Münsteraner  und Münsteranerinnen  
dar.  
 Derzeit machen die durchschnittlichen Renteneinkommen aus der GRV bei Frauen (ca. 
500 Euro mtl.) nur etwa die Hälfte der Renteneinkommen der Männer (ca. 1.000 Euro 
mtl.) aus. Es ist nicht davon auszugehe n, dass dieses Ungleichgewicht durch Zusatzre n-
ten (Betriebsrenten etwa oder Einkommen aus Vermögen) kompensiert werden kann. 
Vielmehr muss vermutet werden, dass Zusatzrenten die Unterschiede noch verstärken. 
Vor diesem Hintergrund muss auch für Münster von  einer zunehmenden Feminisierung 
der Altersarmut ausgegangen werden.

9 
 
 Unter demographischem Aspekt wird beim Blick auf die Stadtbezirksebene deutlich, dass 
Arbeitslosigkeit insbesondere in Münster Nord, Münster Hiltrup und Münster Südost 
konzentriert ist. B ei den Grundsicherung im Alter Beziehenden drängt darüber hinaus 
Münster Mitte in diese »Spitzengruppe«. Hinsichtlich einiger zentraler Armutsindices 
fällt auf, dass mit zunehmendem Alter der Betroffenen, sich diese neue n Stadtbezirke 
»erschließen«. Dies m uss als deutlicher Hinweis darauf gedeutet werden, dass Altersa r-
mut sich anschickt, die klassischen Problemviertel Münsters zu verlassen, um sich neue, 
bislang unbelastete Regionen zu »erobern«. Auf der Ebene der Stadtviertel wird zudem 
deutlich, dass sich hinter den stadtbezirksspezifischen Konzentrationsprozessen mitun-
ter weitere kleinräumige Armutscluster verbergen. Insbesondere in Coerde, Kinderhaus-
West und Berg Fidel muss die Situation in einigen Bereichen als bereits gegenwärtig kr i-
tisch bewertet wer den. Aber auch in Kinderhaus -Ost, Angelmodde, Uppenberg, Hiltrup 
Mitte, Bahnhof, Schützenhof, Geist, Hiltrup West, Josef, Gremmendorf -West, Hafen und 
Hansaplatz sind Arbeitslosigkeit und Sozialleistungsbezug überdurchschnittlich ausg e-
prägt.  
 Die Entwicklung gibt insgesamt keinen Anlass zur Entwarnung, i nsbesondere dann, 
wenn jene Armutsursachen mitbedacht werden, die sich unter der Formel »Entstandar-
disierung der Erwerbsarbeit « rubrizieren lassen. Armut trotz Arbeit ( etwa in Niedri g-
lohnsektoren) und entstandardisierte Erwerbsverläufe als Resultate von Teilzeitarbeit, 
Zeitarbeit, unterwertiger Beschäftigung oder befristeten Arbeitsverträgen  (unterbro-
chen von  phasenweiser Arbeitslosigkeit) sind nur einige jener Merkmale, die hier eine 
Rolle spielen. Ausmaß und  Folgen dieser Entwicklung für Armut und insbesondere für 
die Entwicklung der Altersarmut in Münster stellen in der hier vorliegenden Expertise in 
ihrer quantitativen Dimension allerdings eine nicht genau b estimmbare Größe dar, wes-
halb diese Dimension unte r anderem durch problemzentrierte Experten - und Expertin-
nen- sowie Betroffeneninterviews näher ausgeleuchtet wurde. 
 
Altersarmut in qualitativer Perspektive 
 
Insgesamt wurden 12 Experten - bzw. Expertinneninterviews mit in der A rbeit mit Älteren täti-
gen Funktionstragenden sowie sechs narrative Interviews mit von Altersarmut Betroffenen g e-
führt. Ziel war es, Ausmaß, Erscheinungsformen und Ursachen von Altersarmut in Münster s o-
wie den Umgang der Betroffenen mit ihrer Situation auszuleuchten. Die erhobenen und 
transkribierten Daten wurden entlang qualitativ-inhaltsanalytischer Methoden ausgewertet (vgl. 
hierzu Kapitel 2.4). 
 
 Die qualitativen Daten bestätigten alles in allem die These, dass Altersarmut in Münster 
auch jenseits der in den amtlichen Statistiken gef ührten Fallzahlen weit verbreitet ist 
und dass die davon Betroffenen von entsprechenden Maßnahmen und Institutionen häu-
fig nicht erreicht werden. Die augenfälligste Erscheinungsform von Altersarmut ist dabei 
die basale ökonomische Armut. Entlang der ökonom ischen Situation wirken prekäre L e-
benslagen – mitunter verstärkt durch gesundheitlich oder sozial bedingte Mobilitätshi n-
dernisse – auch in andere Teilhabefelder (Konsum, Gesundheitsversorgung, gesellschaft-
liches Engagement, Familie, Kultur u.a.) hinein. 
 Als Armutsursachen lassen sich dabei arbeitsmarkt- und erwerbsbezogene sowie sozial-
rechtliche Ursachen ausmachen. Arbeitsmarktreformbedingte Instrumente wie etwa 
Teilzeitarbeit, Leih- und Zeitarbeit, Minijobs oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse im 
Niedriglohnsektor, das Umgehen von Mindestlöhnen, fehlende Rentenanrechungszeiten 
bei Arbeitslosigkeit sowie multiple Benachteiligungen von Frauen, insbesondere solchen 
mit Migrationsvorgeschichte , Erziehenden und älteren Arbeitnehmer n auf dem Er-
werbsarbeitsmarkt lösen auf Grund der starken Ausrichtung der Alterssicherung auf die 
Erwerbsbiografie immer häufiger Altersarmut in Münster aus.

10 
 
 Die Expertinnen und Experten  betonten wiederholt, dass unter geschlechtsspezifischem 
Aspekt insbesondere Frauen von Altersarmu t bedroht und betroffen sind. Bei näherem 
Hinsehen differenziert sich das Bild allerdings aus, wobei folgende Betroffenengruppen 
sichtbar werden: 1. Alleinstehende, verwitwete oder geschiedene Frauen auf Grund mul-
tipler Benachteiligungen in ihren Erwerbsbiografien; 2. geschiedene, verwitwete oder al-
leinstehende Männer (auf Grund defizitärer Haushaltsführungskompetenzen , einer pre-
kären Wohnsituationen oder Wohnungslosigkeit); 3. v erschuldete Personen; 4. Men-
schen mit Migrations vorgeschichte, insbesondere der  ersten Einwander ergeneration 
(ebenfalls auf Grund ihrer Erwerbsbiographie sowie i ntegrationsbedingter Spezifika); 5. 
Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus und Wohnungslose; 6. Menschen mit altersbe-
dingt gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Demenz, Sucht erkrankungen, Behinderu n-
gen). 
 Die häufigste Strategie zur Bewältigung einer prekären Lebenssituation  im Alter besteht 
darin, solange es der Gesundheitszustand zulässt, weiter einer entloh nten Beschäftigung 
nachzugehen und bisweilen kostenlose oder ggf. kos tengünstige Hilfen (z.B. Nahrung s-
mittel der Tafel oder Kleidung der Kleiderkammern) anzunehmen . Als weit verbreitete 
Notbehelfsstrategie gilt das Spar en in den Bereichen Ernährung (billige Lebensmitt e-
leinkäufe), Wohnraum (Heizkosten) sowie Gesundheit (Verm eidung von Arztbesuchen) 
– etwa um zwingende größere Anschaffungen und Reparaturen im häuslichen Bereich 
tätigen zu können. Eine dritte und häufig zu beobachtende Strategie besteht im Rückzug 
aus der Öffentlichkeit, um mögliche Folgekosten der sozio-kulturellen Teilhabe zu ver-
meiden. Die Folgen all dieser Effekte sind in der Konsequenz Isolation und Vereins a-
mung, mitunter einhergehend mit psychosozialen (gesundheitlichen) Nebenfolgen sowie 
das Wegbrechen von Unterstützungsnetzwerken.  
 Einkommen: Prekäre Ein kommen beschneiden die immer deutlicher mit Ökonomisi e-
rungstendenzen konfrontierten sozialen Aktivitäten Älterer bereits he ute. Rückzug und 
Vereinsamung sind von daher spezifische Erscheinungsformen der Altersarmut. Sozialer 
Rückzug hat einerseits zur Folg e, dass Altersarmut lange Zeit über verdeckt bleibt und 
sich hinter dem Rücken von Institutionen und selbst nahen Angehörigen vollzieht. Die 
Betroffenen versuchen dann – häufig aus Gründen des Prestigeerhalts und Furcht, als 
arm identifiziert zu werden – ihre Lage zu verschleiern und keine Hilfeleistungen in A n-
spruch nehmen. Psychosoziale Probleme und Mobilitätshindernisse führen dann in der 
Konsequenz zu einem Verlust sozialer Kontakte sowie zur Ausgrenzung der Betroffenen 
aus immer mehr Teilhabefeldern, d ie miteinander korrelieren und stets mit ökonom i-
scher Armut auf Seiten der Betroffenen einhergehen bzw. von dieser überformt sind.  
 Gesundheit: Im Bereich Gesundheit hat d ie Gesundheitsreform dazu geführt, dass immer 
mehr Zusatz- und Folgekosten für Leistungen der medizinischen Versorgung entstanden 
sind. Dies belastet die im Pensions- bzw. Rentenalter reduzierten Haushaltseinkommen 
insgesamt stark, die älterer Menschen in prekären Lebenslagen in besonderer Art und 
Weise. Vor allem die medizinische Versorgung Älterer »steht« oder »fällt« also mit ihrer 
Einkommens- und Vermögen ssituation, was bei einem Teil der Älteren zu einem Aus-
schluss von gesundheitlicher Versorgung führt. So leben bereits heute immer mehr Men-
schen in Münster ohne Krankenversicherung ( hierunter z.B. Suchtkranke, Obdachlose, 
Menschen mit nicht geklärtem Aufenthalts status, Scheinselbstständige). Auf Grund fe h-
lender finanzieller Mittel, privat zu leistender Zuzahlungen (etwa für Zahnersatz, Sehhi l-
fen und Praxisgebühren) oder schlicht mangelnd er Kaufkraft für Hygieneprodukte 
und/oder Mobilitätskosten vermeiden die Betroffenen zudem häufig Arztbesuche – mit 
den entsprechenden Folgen für ihre Gesundheit. Als besonders kritisch ist in diesem Z u-
sammenhang das so genannte »Vorkasse-Prinzip« zu bewerten, da sich die Betroffenen 
zwar ihre Kosten ggf. erstatten lassen können, aber nicht über das Geld für eine solche 
»Vorkasse« verfügen und/oder ihnen schlichtweg das Wissen über die Erstattungsmoda-
litäten fehlt. 
 Mobilität: Eingeschränkte individuelle Mobilität stellt einen weiteren wichtigen Kristall i-
sationspunkt der Altersarmut in Münster dar, der in zahlreiche andere Teilhabefelder

11 
 
hineinwirkt. Altersbedingte Einschränkungen der Mobilität können eindeutig als eine 
der Ursachen für soziale, finanzielle sowie verschämte Armut im Datenmaterial identifi-
ziert werden. Mobilitätskosten (etwa für, Busse, Bahnen oder ggf. auch Taxis) können 
von vielen Altersarmen nicht aufgebracht werd en und entsprechend sind ihnen Kosten-
einsparungen (etwa durch Preisvergleiche),  notwendig werdende Arztbesuche, Besuche 
bei der Familie oder Freunden, Teilhabe am politischen und kulturellen Leben der Stadt 
oder der Besuch von Informationsveranstaltungen nicht möglich. Sie bleiben in der Al l-
tagspraxis dann häufig ebenso aus, wie wich tige Behördengänge. Erschwerend wirken 
sich hierbei städtebauliche Faktoren wie etwa ein für Ältere »unbegehbares« Kopfstein-
pflaster, eine ungünstige Einzelhandelsinfrastruktur, hohe Bordsteinkanten oder das 
Fehlen von Regenerationsmöglichkeiten (Bänke, Si tzmöglichkeiten, Handläufe) im ö f-
fentlichen Raum aus. 
 Wohnen: Als wohnraumbedingte Ursachen für Altersarmut wurden immer wieder vor al-
lem finanzielle Belastungen durch die Wohnsituation  (Nebenkosten, insbesondere für 
Energie oder notwendig werdende Anschaf fungen bzw. Reparaturarbeiten) genannt. 
Aber auch das Wohnumfeld kann zur Prekarisierung von Lebenslagen im Alter b eitra-
gen. Dies ist dann der Fall, wenn Ältere (u.a. auf Grund älterer Mietverträge, die ve r-
gleichsweise günstige Mietpreise beinhalten) in ni cht altengerechten und mitunter zu 
großen Wohnungen verweilen. Einerseits wollen sie ihr gewohntes Wohnumfeld in di e-
sen Fällen nicht verlassen, andererseits kann dies aber auch auf ihre Mobilität zurüc k-
wirken – etwa dann, wenn sich hohe Treppenhäuser als H ürde erweisen und sie ihre 
Wohnung nur noch selten verlassen. In diesem Falle besteht nur noch »theoretisch« eine 
gewisse Nähe zum gewohnten Wohnumfeld, die durch wohnraumbedingte Mobilität s-
hindernisse faktisch jedoch verhindert wird. Das Ausharren in den zu groß gewordenen 
Wohnungen führt dann in der Konsequenz zu genau jener Isolation, der sie durch Ve r-
bleib in ihrer Wohnung zu entkommen trachteten. Aber auch im Rahmen von im Alter 
notwendig werdenden Wohnraumwechseln treten mitunter psychosoziale Folgewirkun-
gen auf, die sich aus dem Verlust der na hräumlichen Kontakte ergeben. Die Versorgung 
mit barrierefreiem und altersadäquatem Wohnraum in Münster ist, insbesondere im I n-
nenstadtbereich, ausbaufähig und bisher nur im gehobenen Preissegment gesichert. Dies 
wiederum wird preisbedingte Segregationsprozesse bei den Älteren künftig beschleun i-
gen. Bereits gegenwärtig deutet sich an, dass gebildete, flexible und vermögende Ältere 
entsprechenden Wohnraum für sich reklamieren und sich etwa in nahezu gated commu-
nities einkaufen, während ärmere und eher isolierte Ältere Wohnungen in der Periph e-
rie bewohnen.  
 Familie: Familiale Netzwerke bieten auf Grund familiärer Pluralisierung entlang der A n-
forderungen eines immer flexibler werdenden Arbeitsmarktes (Stichwort: Mobil itätszu-
nahme) immer weniger Möglichkeiten, Altersarmut im Rahmen solidarischer Generatio-
nenbeziehungen abzufe dern. Der Grund hierfür: Die damit verbundenen Mobilitätse r-
fordernisse erschweren auf Seiten der Eltern ebenso wie auf der ihrer Kinder den Au s-
tausch von Kontakten und sind zudem mit zum Teil erheblichen finanziellen Kosten ve r-
bunden. Gleichzeitig neigen die Betroffenen offenbar dazu, ihre eigenen Bedürfnisse in 
familiären Kontexten nicht zu thematisieren, da sie ihren Angehörigen nicht zur Last fa l-
len wollen. 
 Politisch-kulturelle Teilhabe, Bildung und Information : Im Bereich der soziokulturellen 
und politischen Teilhabe stellt die zunehmende Ökonomisierung der gesellschaftlichen 
Teilhabe ein großes Problem dar. Dabei paart sich der finanzielle Aufwan d, der mit g e-
sellschaftlicher Teilhabe verbunden ist (Eintrittspreise, Teilnahmegebühren, soziale Par-
tizipationskosten, Mobilitätskosten, Rundfunkgebühren), mit der Befürchtung, als arm 
identifiziert zu werden. Dies stellt eine Hürde dar, die von einem gro ßen Teil der Alters-
armen nicht überwunden werden kann. Stabile Netzwerkstrukturen, die sich häufig über 
bestimmte Aktivitäten herausgebildet und dann gleichsam »institutionalisiert« haben, 
brechen in der Folge vermehrt weg. Gleichzeitig gehen hiermit aber auch wichtige Struk-
turen des Informationstransfers verloren. Das Fehlen grundlegender Informationen über

12 
 
Möglichkeiten der gesellschaftlichen Teilhabe – damit auch über kostengünstige und/ 
oder kostenfreie Angebote – erschwert diese im Umkehrschluss, so d ass es zu einem 
Prozess kommt, der sich in der Folge selbst verstärkt. Informationspolitik selber ist z u-
dem nur selten an die Bedürfnisse und Lebensumstände älterer Menschen angepasst , 
warum gerade die Zielgruppe der Senior innen und Senioren in prekären fi nanziellen 
Verhältnissen »informativ« kaum erreicht wird. Hinzu kommt die Überforderung vieler 
Älterer mit den Anforderungen einer wissensgesellschaftlich basierten Informationsb e-
schaffung, -aufbereitung und -bewertung. Dies gi lt insbesondere für Menschen mit Mig-
rationsvorgeschichte, die auf Grund von Sprachbarrieren in diesem Bereich stark b e-
nachteiligt sind.  
 Insgesamt geht aus den Ergebnissen hervor, dass die Befriedigung der Bedürfnisse Ält e-
rer zunehmend an die Verfügung über ökonomisches, soziales um k ulturelles Kapital ge-
bunden ist. Dies wiederum spaltet die kommunale Gese llschaft in dem Maße in Gewi n-
nende und Verlierende, in dem sich diese Kapitalien im Alter ungleich verteilen. Verfügt 
jemand über bestimmte Kompetenzprofile, gepaart mit einer guten k örperlichen Verfas-
sung und angereichert mit hinreichend ökonomischem Kapital, dürfte ihm das Altern in 
Münster kaum Probleme bereiten. Fehlt den Betroffenen hingegen das notwendige Kapi-
tal, Wissen oder die körperliche »Eignung«, dann wird gesellschaftliche Teilhabe schwie-
rig. Häufig wird dann eine Negativspirale in Gang gesetzt, die sich, ausgelöst durch u n-
gleiche Eingangsvoraussetzungen im Alter noch verstärkt und sich durch Ausschluss aus 
zahlreichen Teilhabefeldern (Gesundheit, Wohnen, soziale, kulturell e und politische 
Teilhabe usw.) auszeichnet. Das Wegbrechen ganzer sozialer Netzwerke und weitere Iso-
lation im sozialen Nahraum, häufig aus Furcht vor »Enttarnung« der eigenen Armutslage, 
sind dann die Folgen.  
 
Zukünftige Armutsszenarien im Lichte des demografischen Wandels  
 
Um abschätzen zu können, wie sich der demografische Wandel auf das Problemfeld Altersarmut 
in Münster auswirkt, erfolgte zunächst eine deskriptiv -statistische Auswe rtung der amtlichen 
Daten, um die derzeitige demografische Struktur Mü nsters auszuleuchten. Diese wird in einem 
zweiten Schritt auf Grundlage der Bevölkerungsprognose der Stadt Münster fortgeschrieben, um 
anschließend Folgen der zu erwartenden Wan dlungsprozesse im Hinblick auf Altersarmut in 
den Blick zu nehmen. Über die Exp erten- und Expertinneninterviews wurde darüber hinaus das 
Spannungsfeld demografischer Wandel und Altersarmut qualitativ exploriert und abgebildet, um 
zu erkunden, inwiefern die Experten  und Expertinnen die Folgen des demografischen Wandels 
für die Entwicklung der Altersarmut in Münster bewerten.  
 
 Münsters demografische Struktur ist insgesamt durch den Universitätsstandort geken n-
zeichnet, was zur Folge hat, dass sich weite Teile der Bevölkerung durch Zuwanderung 
und Abwanderung auf Grund eines Studiums ste ts austauschen und verjüngen. Insg e-
samt kann die Bevölkerung infolge dieses Prozesses als im Durchschnitt relativ jung cha-
rakterisiert werden. Bisher machen die Gruppe der mindestens 90-Jährigen lediglich 
0,71% der Gesamtbevölkerung aus, die der mindestens 80-Jährigen knapp 5 %, die der 
mindestens 70-Jährigen etwa 13 % und die der mindestens 60-Jährigen 22 %. Insbeson-
dere mit Blick auf die Hochbetagten zeichnet sich eine weitgehende Feminisierung in 
Münster ab (über 80 % aller mindestens 90 -Jährigen und übe r 66 % aller mindestens 
80-Jährigen in Münster sind weiblich) . Betrachtet man die Verteilung nach Altersgru p-
pen, so wird eine insgesamt binäre Struktur, in einigen Stadtbezirken hingegen eine 
mehrgipfelige Struktur deutlich, die im Vergleich der Stadtbezir ke und –viertel unterei-
nander deutlich heterogen ist. Dabei stellt Münster Mitte einen der beiden Pole im Ra h-
men einer binären Struktur dar (wenige unter 20 Jährige, viele 20-40 Jährige, wenige 40-
79 Jährige, und viele ab 80 -Jährige). Die Randbezirke hinge gen, hier insbesondere Ost, 
Südost und Hiltrup repräsentieren den anderen Pol dieser binären Struktur (viele unter

13 
 
20-Jährige, wenige 20-39-Jährige, viele 40 bis 79 -Jährige sowie wenige über 80-Jährige). 
Münster Nord ähnelt hierbei eher dieser zweiten Grup pe, Münster West hingegen eher 
dem Innenstadtbereich. Hinsichtlich der einzelnen Stadtviertel ist klar auffällig, dass das 
Ausmaß der Feminisierung des Alters, aber auch die Alterszusammensetzung selbst in 
den einzelnen Vierteln (insbesondere bei den jüngeren Kohorten) stark variiert.  
 Die demografische Struktur Münsters im Jahr 2020: Die Bevölkerung wird in Münster bis 
ins Jahr 2020 voraussichtlich nicht schrumpfen, sondern auf knapp 290.000 Personen 
anwachsen. Mit Blick auf das Verhältnis zwischen weiblichem und männlichem Bevölke-
rungsanteil sind dabei zum jetzigen Zeitpunkt keine bahnbrechenden Veränderungen zu 
erwarten. Betrachtet man die Veränderungen in der Altersstruktur , so  wird deutlich, 
dass die Altersgruppe der 20 bis 39-Jährigen künftig nahezu konstant bleibt, während in 
den anderen Altersgruppen eindeutige Verschiebungen prognostizierbar  sind, die sich 
zusammengenommen in einer Alterung der gesamten Stadtbevölkerung niederschlagen. 
Die Gruppe der unter 20 -Jährigen wird dabei um knapp 2.000 Perso nen und die der 40 
bis 59-Jährigen um ca. 3.400 Personen  schrumpfen, wohingegen die Gruppe n der min-
destens 90-Jährigen um ca. 1.700 Personen, die der mindestens 80-Jährigen um mehr als 
5.000 Personen und die der ab 60-Jährigen um insgesamt über 10.000 Personen deutlich 
anwachsen werden . Eine Ausnahme bildet die Gruppe der 70 bis 79 -Jährigen, die  um 
knapp 1.800 Personen schrumpft. Sozialräumlich liegen hinter diesen Entwicklungen un-
terschiedliche Dynamiken verborgen. So ist davon auszugehen, dass in Münster Mitte ein 
Bevölkerungsrückgang stattfinden wird, während die anderen Bezirke mit einem unte r-
schiedlich stark ausgeprägten Wachstum (von einigen hundert bis hin zu ca. 3000 Pe r-
sonen) rechnen können. Der Anteil der ab 60-Jährigen in den Stadtbezirken wird dab ei 
im Jahr 2020 voraussichtlich zwischen ca. 23 und 29 Prozent (im Mittelwert bei etwa e i-
nem Viertel also) liegen. Diese stadtbezirksspezif ischen Divergenzen setzen sich auf der 
Ebene der Stadtviertel fort, wobei der Anteil an mindestens 60-Jährigen hier z wischen 
18 und 34 Prozent schwankt.  
 Aus dem vorliegenden Interviewmaterial, den Daten der kleinräumigen Bevölkerung s-
prognose sowie den Befunden zur Altersarmut in quantitativer Perspektive geht in der 
Zusammenschau hervor, dass, wie bereits angemerkt, rei n quantitativ  zunächst davon 
auszugehen ist, dass die Gruppe der Altersarmen künftig deutlich wächst. Altersarmut 
wird dabei in jenen Stadtquartieren verstärkt zu Tage treten, in denen bereits gegenwär-
tig Armutskonzentrationsprozesse und Altersarmut zu ver zeichnen sind. Gleichzeitig ist 
jedoch davon auszugehen, dass Altersarmut auch in soziale Räume Münsters vordringt, 
in denen sie bisher kaum eine Rolle spielt. Dies resultiert einerseits aus der hohen A n-
zahl künftig Älterer, gleichzeitig aber auch aus den Spätfolgen prekärer Erwerbsbiogra-
fien. Zudem sind mit Blick auf die Wohnraumsituation Wanderungsbewegungen zu e r-
warten: Ökonomisch potente Ruheständler fragen dabei vermehrt innenstadtnahe und 
gleichzeitig altengerechte Wohnräume nach, Altersarme hingegen ziehen sich bereits 
heute zunehmend in periphere Räume zurück, in denen (altengerechter) Woh nraum für 
sie erschwinglich ist.3 
 Die befragten Expertinnen und Experten verwiesen in unseren Gesprächen wiederholt 
darauf, dass die Parallelität von steigender Al tersarmut und zunehmender Vermarktung 
der gesellschaftlichen Teilhabe die Schere zwischen Arm und Reich vor allem im Alter 
weiter öffnen werde. Auf der einen Seite werden ökonomisch wohlsituierte Ältere z u-
nehmend als Kunden mit altengerechten Produkten und  Dienstleistungen bedient, wäh-
rend ärmere Alte hiervon ausgeschlossen bleiben. Auf der anderen Seite sind Letztere 
darüber hinaus immer weniger in der Lage, private Vorsorge zu betreiben und vom Sozi-
alsystem erwartete Vorauszahlungen und/oder Kostenübernah men (Praxisgebühren, 
Zuzahlungen bei Medikamenten oder Zahnersatz) zu erbringen. Insbesondere Mobil i-
tätskosten verhindern bei alldem offenbar eine feldübergreifende Teilhabe. Die Folge: 
                                                             
3  Diese Form der künftig noch stärker binären Wohnraumverteilung im Alter ließe sich anschaulich 
entlang der stark gegensätzlichen Wohnsituation z.B. etwa im Vergleich der »Wohnanlage 
Klostergärten« mit solchen in einem der Hochhäuser in Kinderhaus Am Burloh.

14 
 
Soziale Isolation und das Wegbrechen von Unterstützungsstrukturen, die  in Anbetracht 
sich (auch räumlich) pluralisierender Familienverhältnisse auch von Angehörigen immer 
weniger aufgefangen werden können. 
 
Unterstützungspotentiale und Handlungsoptionen für die Stadt Münster 
 
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie  die Stadt Münster diesen Herausford erungen 
künftig sozialpolitisch handlungswirksam begegnen kann. Auf Basis der Experten - und Expe r-
tinneninterviews sowie der Recherchen im Zuge der Interviewvorbereitung (etwa bei der Au s-
wahl relevanter Institution, die m it dem Phänomen Altersarmut in Berührung stehen) wurden 
sowohl bereits bestehende und in den Augen unserer Gesprächspartnerinnen und -partner funk-
tionale Unterstützungspotentiale aufgenommen als auch nach Problembereichen in der Mün s-
teraner Arbeit mit Seniorinnen und Senioren  gefragt. Die Betroffeneninterviews dienten dabei 
auch dazu, Wünsche und Erwartungen der von Altersarmut Betroffenen aufzugreifen. Hieraus 
wurden schließlich Handlungsoptionen abgeleitet, mit denen Altersarmut sowohl präventiv als 
auch intervenierend begegnet werden kann. 
 
 Grundsätzlich bestehen bereits zahlreiche Unterstützungsangebote für von A ltersarmut 
Betroffene in Münster. Als besonders effektiv wurden von unseren Gesprächspartner in-
nen und -partnern Angebote in den Bereichen m aterieller Hilfs- und Unterstützungsleis-
tungen, Information und Teilhabe sowie g eschlechtsspezifischen Angeboten bewertet. 
Unabhängig vom jeweiligen Angebot wurden insbesondere niedrigschwellige und qua r-
tiersnahe Dienste als besonders funktional beschrieben. Vo r allem der Faktor Mobilität 
(sowohl räumlich als auch psychosozial) stellt dabei allerdings offenbar häufig eine Hü r-
de für die Wahrnehmung der Angebote dar. 
 Altersarmut wird sich nur im Rahmen eines gesamtgesellschaftlichen Bündnisses zur 
Armutsbekämpfung effektiv im lokalen Raum begegnen lassen.  Es wird daher angeregt, 
ein gesellschaftliches Bündnis gegen Armut zu etablieren, das als Netzwerk ineinande r-
greifender Akteursgruppen konzipiert werden kann und dabei die gesamtstädtische 
Strukturebene mit einzel nen lokalen Ebenen verbindet. Auf gesamtstädtischer Ebene 
könnte das Fundament des Bündnisses als Verein oder Stiftung konzipiert werden. Z ent-
rale Aufgaben  eines solchen Bündnisses bestünden darin, Öffentlichkeitsarbeit zum 
Thema Armut/Altersarmut in Münster zu leisten, zusätzliche Gelder zur Armutsbekämp-
fung einzuwerben, einzelne Programme und Projekte zur Armutsbekämpfung zu era r-
beiten und eine periodische Münsteraner Armutskonferenz als Instrument der Dauerbe-
obachtung ins Leben zu rufen. Der Wissenschaft käme dabei die Funktion zu, die Armut-
sentwicklung in Münster im Rahmen einer empirisch abgesicherten Dauerbeobachtung 
im Blick zu behalten und auffällige Trends und Veränderungen zu diagnostizieren (etwa 
im Rahmen eines Netzwerks regionale Armutsforschung). Akteurinnen und Akteure  aus 
der Wirtschaft könnten durch Sponsoring und /oder Spenden den Aktionsradius des 
Bündnisses erweitern und Zugänge zu Bildungs-, Ausbildungs- und Informationsangebo-
ten bzw. zum kommunalen Arbeitsmarkt eröffnen. Sozial- und Wohlfahrtsverbände wie-
derum könnten entlang ihres Experten- und Expertinnenwissens sowie ihrer infrastruk-
turellen Präsenz in nahezu all diesen Feldern unterstützend wirken.  
 Neben diesem Bündnis wären als lokale Pendants quartiersbezogene Bürger innenbüros 
zu etablieren. Solche Bürger innenbüros sind in erster Linie nicht ausschließlich auf A r-
mut und Altersarmut zugeschnitte ne Institutionen, sondern haben eher den Charakter 
von Treffpunkten, die verschiedenartige Angebote für Bürger bereithalten, dabei aber al-
tersarmutsspezifische Angebote bereits inte grieren sollten . Da Altersarmut häufig aus 
Angst davor resultiert , dass die eigene prekäre Situation publik wird , sollten Bürgerin-
nenbüros auf den Ausbau niedrigschwelliger und kleinräumiger sowie generations - und 
schichtübergreifender Informationsstellen mit entsprechenden Angebot en abzielen. Die 
grundlegende Idee, die sich  hinter einer solchen Konzeption verbirgt, ist nicht die,  eine

15 
 
weitere kommunale (Teil)Behörde zu schaffen. Vielmehr geht es darum, allen Bürgerin-
nen und Bürger n einen Ermöglichungsraum für gemeinsames Erleben, für Austausch 
und Engagement in den jeweiligen Stadtquartieren zur Verfügung zu stellen – einen 
Raum für alle also,  der sich zugleich als niedrigschwellige  Anlauf- und Ansprechstelle 
auch für von Armut und Altersarmut Betroffene anbietet. Es geht hier also einerseits um 
die Eröffnung von Teilhabechancen, anderseits zugleich auch um die Distribution von In-
formationen durch lokale Netzwerke in und zwischen den einzelnen sozialen Milieus. In-
nerhalb solcher Bürger innenzentren könnten verschiedene Angebote versammelt we r-
den: von der Organisation von Nachbarschaftshilfen über Wohnungstauschbörsen und 
kulturelle oder geschlechtsspezifische Angebote (wie etwa Koch- und Haushaltskurse für 
Männer), bis hin zu Veranstaltungen der präventiven Gesundheitsförderung (etwa durch 
Studierende der Medizin oder Teilnehmende pädagogischer Studiengänge).  
 Die sich wie ein roter Faden durch alle Aspekte der Altersarmut windende ök onomische 
Armut der Betroffenen wird es erforderlich machen, auch finanzielle Unterstützungsleis-
tungen in den Blick zu nehmen. So könnte etwa darüber nachgedacht werden, ob mit 
dem sukzessiven Aufbau einer städtischen Agentur begonnen werden sollte, die zie l-
gruppenspezifische Dienstleistungen ( kultureller, v ersorgungstechnischer oder teil ha-
bespezifischer Art) zu Vorzugspreisen erwirbt, um sie einkommensschwachen älteren 
Bürgern kostenfrei oder kostenreduziert anbieten zu können. 4 Insbesondere die kosten-
lose oder kostenreduzierte Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel stellt eine zentrale Mög-
lichkeit dar, in den Genuss von Angeboten zu gelangen, die gesellschaftliche Teilhabe 
ermöglichen. Sie ist von daher im Rahmen der Mobilitätssicherung ein zentraler Schlü s-
sel zur Verhinderung von Altersarmut. Ab er nicht nur hier, sondern auch i m Bereich Ge-
sundheit zeigte sich, dass finanzielle Förderung  viele Probleme (so etwa das Vorsorg e-
problem) lösen könnte. 
 
Wenn man sich auf Seiten der Politik dazu entschließt, Maßnahmen gegen Altersarmut in Mün s-
ter zu ergre ifen, dann sind all jene Aktivitäten sinnvoll, die gesellschaftliche Teilhabe ermögl i-
chen. Dass dies im Alter nicht hinreichend gewährleistet zu sein scheint, ist offenbar unte r-
schiedlichen Problemlagen in vier zentralen Problemfeldern geschuldet. Es sind dies ökonomi-
sche Marginalisierung vor dem Hintergrund prekärer Erwerbsbiografien (1), Isolation und fe h-
lende soziale Kontakte (2), eine eingeschränkte Mobilität, häufig einhergehend mit Krankheit 
und/oder Behinderung (3) sowie unzureichende Information (4).  
Es geht also im Kern darum, solche Maßnahmen zu ergreifen, die gle ichermaßen in alle diese 
Problembereiche hineinwirken. Ein Bündnis zur Bekämpfung von Altersarmut könnte eine so l-
che Maßnahme sein. Zentral organisiert und von lokal relevanten Einrichtungen unterstützt und 
getragen könnte es präventiv und interventionistisch über Bürger innenbüros in jene Bereiche 
hineinwirken, in denen sich Altersarmut anbahnt oder bereits entstanden ist. Eine Struktur, wie 
sie hier nur kursorisch skizziert und beschriebe n ist,  erfordert letztlich die Bündelung aller 
kommunalen Kräfte, einschließlich der Betroffenen selber. Vor allem dann, wenn sie langfristig 
wahrgenommen, sich institutionell etablieren, verfestigen und erfolgreich funktionieren soll.  
Vor allem die Politik könnte dabei ihre Agenda-Setting-Funktion im lokalen Raum nu tzen, was 
vor dem Hintergrund der Tatsache, dass Münster ab 2012 Optionskommune sein wird, gewisse 
Möglichkeiten eröffnet. 
                                                             
4  Internetportale wie etwa „Groupon“ und ihre Geschäftsmodelle (so genannte „Rabattportale“ also) 
könnten hier Orientierung bieten: Sie kaufen kostengünstig Waren und Dienstleistungen auf, um sie 
dann – selbstverständlich nicht ohne gewissen Aufschlag – Internetkundinnen und -kundenen zu 
Vorzugspreisen anzubieten.

16 
 
1. Einleitung 
 
 
„Armut im Alter ist ein großes Unglück, 
ist diese gebannt und die Gesundheit geblieben, 
so kann das Alter ein sehr erträglicher Teil des Lebens sein.“ 
 
Arthur Schopenhauer5 
 
Seit einiger Zeit häufen sich in den Tageszeitungen die Berichte darüber, dass immer mehr Men-
schen im Ruhestand in Deutschland neben ih ren Rentenbezügen auf staatliche Unterstützung 
angewiesen oder, um ihren Lebensunterhalt sicherzustellen , über die Verrentung bzw. Pensio-
nierung hinaus weiter erwerbstätig zu bleiben gezwungen sind. So schrieb etwa die Wochenzei-
tung DIE ZEIT: „Im Vergleich zu 2000 hat sich die Zahl der Rentner um fast 60 % gesteigert, die 
nebenher jobben müssen. Auch staatliche Grundsicherung ist häufiger nötig“ ( DIE ZEIT 2011). 
Auch in Münster ist – etwa in der Hafenregion, in Parkanlagen oder an öffentlichen Treffpunkten 
– vermehrt zu beobachten, dass Bürgerinnen und Bürger  in fortgeschrittenem Alter Pfandfl a-
schen sammeln, offensichtlich, um ihre schmalen Altersbezüge aufzubessern.6 Altersarmut und 
ihre Folgen sind aber nicht nur in Zeitungen und Zeitschriften ein Thema, auch in wissenschaftli-
chen Publikationen finden vermehrt Debatten über Altersarmut statt. So gehen Studien, wie et-
wa die des DIW  aus dem Jahre 2011, davon aus, dass das Phänomen Altersarmut in naher Zu-
kunft immer stärker an Bedeutung gewinn en wird  (Goebel/Grabka 2011). 7 Altersarmut – so 
etwa könnte man die Befunde zusammenfassen – stellt sich immer mehr als ein für breite Bevöl-
kerungsschichten in Deutschland virulentes Problem dar. 
In der hier vorliegenden Expertise wird der Blick auf kommunalspezifische Rahmenbedingun-
gen gerichtet, die Altersarmut auch in Münster entstehen lassen könn ten. Dabei wird einerseits 
die Situation der bereits gegenwärtig von Altersarmut Betroffenen dargestellt, andererseits 
werden aber auch Entwicklungen skizziert, die in Münster künftig Altersarmut zur Folge haben 
dürften. Die Pfadabhängigkeit solcher Extrapolationen erlaubt es, in einem gewissen Umfang 
Prognosen über die räumliche und geschlechtsspezifische Verteilung von Altersarmut zu form u-
lieren. Am Ende werden wir vor diesem Hintergrund Möglichkeiten in den Blick nehmen, Alters-
armut auf der Steuerungsebene der Stadtentwicklung lokalpolitisch entgegenzuwirken. Der vor-
liegende Beitrag zum Thema ist entsprechend in drei Bereiche untergliedert: Ausgehend von der 
Ist-Situation gegenwärtiger Altersarmer in Münster  (Kapitel 2 ) verweist er auf Ursachen und 
erwartbare Merkmale sowie Dimensionen künftiger Altersarmut vor dem Hintergrund der de-
mografischen Entwicklung (Kapitel 3 ) und widmet sich abschließend verschiedenen Hand-
lungsoptionen, die sich der Stadt Münster mit Blick auf dieses Problemfeld bieten (Kapitel 4). 
 
 
 
 
 
                                                             
5 Z.n. Probst 2001: 16. 
6 Eduard Lüning erlangte traurige Berühmtheit, indem er über den immer häufiger von Rentnerinnen 
und Rentnern ausgeübten »Nebenverdienst« als Pfandsammelnde ein Buch verfasste. Titel: „Mit 
Dosenpfand zum Wohnmobil“ (Lüning 2011). 
7 Meinhardt entwickelt im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung Konzepte zur Beseitigung von 
Altersarmut (Meinhardt 2011), Riedmüller und Schmalreck thematisieren die notwendig zu 
überwindenden Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen am Arbeitsmarkt und deren Bedeutung 
für Altersarmut bei Frauen (Riedmüller/Schmalreck 2011) und Buscher, Kumpmann und Huang 
weisen einen Zusammenhang zwischen einer Armutsgefährdung einerseits und der Unzufriedenheit 
bezüglich des Gesundheitszustandes bei Personen über 65 Jahren andererseits nach 
(Buscher/Kumpmann/Huang 2011).

17 
 
2. Armut und Altersarmut 
 
In der soziologischen Forschungslandschaft sind einerseits unterschiedliche theoretische Erklä-
rungsmuster, andererseits zahlreiche Konzepte zu r Bestimmung, Definition und Messung von 
Armut auszumachen. Da all diese Konzepte Armut und ihre Ursachen in unterschiedlicher Art 
und Weise definieren, kommen sie zu bisweilen sehr gegensätzlichen sozialpolitischen Han d-
lungsoptionen (Groh-Samberg 2006). In sozialstruktureller Perspektive wird Armut mehr oder 
weniger durchgängig als extreme Form der s ozialen Ungleichheit beschrieben , in individueller 
und/oder handlungstheoretischer Perspektive als eine Lebensweise, deren Eckpunkte es – vor 
allem entlang der Versorgung mit materiellen und immateriellen Gütern  – normativ zu besti m-
men gilt. Armut ist also gleichermaßen eine analytische wie normative Kategorie. 
 
2.1 Theoretische Erklärungsmuster und Armutskonzepte 
 
In ihren vielfältigen Erscheinungsformen ist Armut stets ein die Gesellschaft sowohl konstituie-
rendes als auch gefährdendes Phänomen (Dietz 1997: 10;  Mogge-Grotjahn 2008: 39). Für eine 
Analyse dieses Befundes bietet die Soziologie unterschiedliche Perspektiven und Positionen an , 
wobei der Doppelcharakt er von Rahmung und Gefäh rdung – also zum einen der Blick auf die 
sozialen Strukturen von Gesellschaften und ihrer Risiken, zum anderen der auf die Bedingungen, 
die zu sozialer Ungleichheit führen – stets virulent ist (Mogge-Grotjahn 2009:41). Theoretisch 
umfassen Konzepte, die soziale Ungleichheiten und damit auch Armutslagen abbilden, ein weites 
Feld. Sie reichen von marxistisch orientierten Klassen - und Gesellschaftskonzepten, die auf den 
Zusammenhang von kapitalistischer Produktionsweise und Klassenlage abstellen (Spehr 2008), 
über mehrdimensional angelegte Schichtmodelle  (Geißler 1985), bis hin zu E rklärungsmustern, 
die auf eine Analyse von Lebensstilmustern und Milieuzugehörigkeiten ausgerichtet sind (Bour-
dieu 1983; Schulze 1995). Vor allem in den lebensstil- und milieuorientierten Modellen werden 
individuelle Lebenslagen sowohl sozialstrukturell als auch in ihren subjektiven Dimensionen 
erfasst. Diese Modelle markieren also „den Übergang von der (eindimensionalen, d. V.) Schicht- 
und Klassenforschung zur mehrdimensionalen Ungleichheitsforschung“ (Geißler 2006, z.n. Mog-
ge-Grotjahn 2008: 47). 
An diese Klassen -, Schicht- und Milieu- bzw. Lebensstilmodelle schließen Überlegungen zur so-
zialen Differenzierung á la Parsons und /oder Luhmann an. Dabei rücken zunä chst Begriffe wie 
gesellschaftliche Inklusion/Integration oder Exklusion/Ausgrenzung/Desintegration als theore-
tische Konzepte ins Zentrum (Kronauer 1998). Verfolgt man diese Linie weiter, gelangt man 
schließlich in den Bereich konflikttheoretischer Ansätze, die von ständigen Konkurrenzkämpfen 
als Motor des sozialen Wandels und Bedingung sozialer Ungleichheit en ausgehen. Dies ist etwa 
bei Bourdieu der Fall, der die Aufrechterhaltung und Reproduktion sozialer Ungleichheiten mit 
der generativen Weitergabe von bestimmten Kapitalformen (ökonomischem, sozialem und ku l-
turellem Kapital) erklärt, woraus dann eine bestimmte Lebensweise resultiert. Am Ende steht 
ein milieuspezifischer Habitus, der seinerseits die Mitglieder des jeweiligen Milieus prägt (Bour-
dieu 1983; Bourdieu 2005). Anschlussfähig an eine solche Denkfigur ist das Konzept Sens, der 
bestimmte Lebenslagen als Ausdruck von Freiheit oder U nfreiheit begreift – als Freiheit etwa, 
die aus Verwirklichungschancen zur gesellschaftl ichen Teilhabe resultiert . Empirisch lässt sich 
dies als Mangel oder Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe erfassen (Sen 2002). Poststruk-
turalistische und postmoderne Theorien wiederum, wie etwa die Michel Foucaults, thematisie-
ren Armut zunehmend als Diskursereignis und disziplinie rendes Dispositiv ( Foucault 1978 , 
Bührmann/Schneider 2008). Armut in diesem Sinne wird also entlang bestimmter Diskurse erst 
erzeugt. 
Am häufigsten sind Beiträge über Armut und soziale Ungleichheit gegenwärtig vermutlich von 
individualisierungstheoretischen Überlegungen geprägt – vor allem wenn sie d en gesellschaftli-
chen Wandel als Ursache für eine bestimmte Lebenslage in den Blick nehmen. Die ungleiche Ver-
teilung von Lebenschancen und Lebensrisiken vor dem Hintergrund der Herauslösung des 
(post)modernen Me nschen aus tradition ellen Sicherheiten und Gewohnheiten im Prozess der

18 
 
Modernisierung ist hier die zentrale Denkfigur (Beck 1986).  Als Folgen des gesellschaftlichen 
Wandels werden dabei etwa Enttraditionalisierungstrends, soziale und geographische Mobil i-
tätszwänge, Komplexitätszunahmen oder ganz allgemein Zukunftsungewissheiten beschrieben, 
denen der Mensch in der Postmoderne zunehmend ausgeliefert sei und die ihm Entscheidungen 
über faktisch Unentscheidbares abverlangen. 
Auf all diese Theoriemodelle kann hier nicht detailliert eingegangen werden. 8 Angemerkt sei 
jedoch, dass d ie unterschiedlichen Erklärungsversuche und theoretischen Einbe ttungen des 
Phänomens Armut auf Grund ihrer strukturellen Pfadabhängigkeiten in die vorliegende Exper-
tise Eingang finden und sich von daher in den vorgestellten sozialwissenschaftlichen Konzepten 
zur Bestimmung von Armut wieder finden. 
 
Objektive und subjektive Armut 
 
Grundsätzlich kann zwischen objektiver (bzw. objektivierter) Armut9 und subjektiver Armut 
unterschieden werden. Im ersten Fall ist Armut ein anhand objektiv messbare r Kriterien (etwa 
dem Einkommen oder Vermögen einer Person bzw. eines Haushalts) feststellbarer Zustand, der 
quasi »von außen« beschreibbar ist.10 Im Falle subjektiver Armut hingegen gelten die Erfahrun-
gen der Betroffenen jenseits objektivierbarer Kriterien als zentraler Maßstab für Armut. Es gel-
ten dann jene als arm, die sich selbst in Relation zu anderen als arm begreifen. 
 
Bekämpfte und verdeckte Armut 
 
Armut wird in der Regel entweder als bekämpfte oder als verdeckte Armut ausgewiesen . B e-
kämpfte Armut muss dabei stets von der verdeckten Armut derjenigen  unterschieden werden, 
die aus unterschiedlichen Gründen nicht von der amtlichen Statistik erfasst werden und ke ine 
Sozialleistungen in Anspruch nehmen. Verdeckte Armut wird mit Hilfe von Hochrechnungen und 
Schätzungen eruiert und auch unter dem Begriff »Dunkelziffer der Armut« gefasst. Forschungen 
ergaben diesbezüglich für Gesamtdeutschland eine Nicht-Inanspruchnahme-Quote von Sozialhil-
feleistungen, die zwischen 34,2% und 42,5 % pendelt (Becker/Hauser 2005: 100). Sozialstruk-
turell betrachtet leben vor allem alleinstehende und kinderlose Paare sowie ältere Menschen 
häufig in verdeckter Armut, deren Anteil an der verdeckten Armut damit entsprechend deu tlich 
höher ist (Becker/Hauser 2005: 110). 
 
Absolute und relative Armut 
 
Im Rahmen der politisch bekämpften Armut wiederum werden unterschiedliche Messkonzepte 
verwendet (Hauser 2008: 96). Absolute Armutskonzepte legen hier auf der Grundlage bestimm-
ter Berechnungsmodelle feste Geldbetr äge fest, die als Armutsschwellen fungieren. Sie definie-
ren Armut dann als Zustand, bei dem Personen über weniger als den jeweils festgelegten Betrag 
verfügen.11 Relative Armut hingegen kann auf verschiedene Bezugspunkte hin ausgerichtet sein. 
So etwa als Lebenslage, bei der bestimmte Richtwerte mit Blick auf unterschiedliche Teilhab e-
                                                             
8 Mit Blick auf weiterführende Recherchen sei an dieser Stelle auf das aktuelle „Handbuch Armut und 
soziale Ausgrenzung“ (Huster/Boeckh/Mogge-Grotjahn 2008) verwiesen. 
9 Hier muss jedoch einschränkend darauf hingewiesen werden, dass „ (…) hinter jeder Interpretation 
des Armutsbegriffs und hinter jedem darauf beruhenden Messverfahren Wertüberzeugungen [ste hen, 
d.V.], über deren Richtigkeit im ethischen Sinn nicht allgemeingültig geurteilt werden kann“ (Hauser 
2008: 95).  
10 Objektive Armut ist in der Regel politisch definierte Armut, bei der jene von staatlichen Institutionen 
erfassten Personen gezählt werden, deren Einkommen sich unterhalb des Regelsatzes der staatlichen 
Unterstützungsleistungen nach dem Sozialgesetzbuch (SGB) befinden.  
11 Insbesondere im internationalen Vergleich wird beispielsweise die absolute Armutsgrenze der 
Weltbank verwendet, die Einkommensgrenzen von 1,25 oder 2 US-Dollar pro Kopf und Tag als 
Armutsgrenzen festlegt.

19 
 
felder nicht erreicht werden. Anders herum kann aber auch eine nur relative Unterversorgung in 
einigen dieser Lebensbereiche als Armut definiert werden. 
 
Armut als Mangel an Verwirklichungschancen 
 
Das Konzept der relativen Armut korrespondiert mit dem der Verwirklichungschancen nach 
Sen, an dem sich im Übrigen aktuelle Armutsberichte häufig orientieren. Sens Armutskonzept 
wurde dabei operationalisiert und in ein relationales Forschungsdesign umgewandelt, um empi-
rische Erhebungen und Analysen zu ermöglichen – so gesch ehen etwa im zweiten und dritten 
Armutsbericht der Bundesregierung  (Bundesregierung 2005 und 2008 ; Volkert 2005 ). Übli-
cherweise wird dabei ein Mangel an Verwirklichungschancen an Hand individuelle r Potentiale 
in den Lebensbereichen Einkommen und Vermögen, Bildung, Gesundheit und p olitisch-
zivilgesellschaftliche Teilhabe definiert und operationalisiert. 
 
Der Ressourcenansatz 
 
Wieder etwas anders geht der Ressourcenansatz vor. Er beschreibt Personen als arm, die auf 
Grund mangelnder Ressourcen von jener Lebensweise ausgeschlossen sind, die in einer unter-
suchten Region, verglichen mit den durchschnittlichen Ressourcen der Gesamtbevölkerung, üb-
lich sind  (Klocke 2000). Relative Armutskonzepte wie etwa der Ressourcenansatz bleiben j e-
doch stets abhängig von der politischen Definition eines vertretbaren Umfangs an notwendigen 
Mindestressourcen. Als eine solche Bezugsgröße gilt in den meisten Armutsberichten ein 
Schwellenwert, bei dem 50% des arithmetischen Mittels oder Medians des gewichteten durch-
schnittlichen Pro-Kopf-Nettoäquivalenzeinkommens als Armutsschwelle bezeichnet wird . Oder 
etwas einfacher form uliert: Wer weniger als 50% dieses durchschnittlichen Pro -Kopf-Ein-
kommens erzielt, gilt als arm, wer weniger als 40% erzielt als extrem arm und in prekärem 
Wohlstand lebt, wer mit seinem Einkommen unterhalb von 60% bzw. (je nach Interpretat ion) 
75% dieses Nettoäquivalenzeinkommens liegt (Klocke 2000).12  
 
Kumulative Armut 
 
Das an der jeweiligen Lebenslage orientierte Modell relativer Armut definiert diese als kumula-
tive Unterversorgung in zentralen Lebensbereichen, die nicht allein das ökonomische Kapital 
(Einkommen und/oder Vermögen) erfasst. Armutsschwellen werden hierbei z.B. auch in den  
Bereichen Bildung (unterwertige Bildungstitel) oder Arbeit (prekäre Beschäftigung) definiert. 
Werden zwei oder mehr Lebensbereiche ausgemacht, in denen jemand als nicht ausreichend 
versorgt betrachtet werden muss, so gilt er als arm. Wie bereits im Fall der Ressourcenarmut ist 
auch kumulative Armut von der Definition dessen abhängig, was als angemessene Versorgung 
bzw. Ausstattung betrachtet wird.  
 
Deprivationsgrad 
 
Von Andreß wurde Mitte der 1990er Jahre eine Form der Armutsmessung in die deutsche A r-
mutsforschung eingeführt, bei der der Grad der Deprivation (Klocke 2000)  eine entscheidende 
Rolle spielt. Diese sehr aufwendige Art der Messung ermittelt im Vorfeld der Analyse auf empiri-
scher Basis einen bestimmten Lebensstandardwert, der daraufhin als Armutsschwelle fungiert. 
Als deprivationsarm werden in der Konsequenz all diejenigen bezeichnet, die nicht über die die-
sem Lebensstandard entsprechenden Merkmale verfügen (Klocke 2000).  
 
                                                             
12  Haushaltseinkommen unterliegen etwas anderen Berechnugnsmodalitäten, weil die u nterschiedlichen 
Haushaltsmitglieder mi Rahmen dieses Verfahrens jeweils unterschiedlich gewichtet werden.

20 
 
Armut als Dispositiv 
 
In der vorli egenden Expertise wird Armut als Dispositiv behandelt. Die skizzierte Vielfalt hi n-
sichtlich der Messbarkeit von Armut nämlich macht es nahezu unabdingbar, Armut als ein solch 
diskursiv erzeugtes Phänomen zu begreifen. Der hier verwendete Begriff des Dispositivs geht – 
vor allem in seiner jüngeren Ausprägung durch Büh rmann/Schneider (Bührmann/Schneider 
2008) – auf Foucault zurück. Der Grundgedanke ist, vereinfacht formuliert, etwa folgender: Das 
Phänomen Armut ist nicht statisch, sondern wird stets aufs Neue  in der öffentlichen Diskussion 
erzeugt. Damit ist er Resultat unterschiedlichster und zum Teil sehr heterogener Diskurse  in 
Politik, Wissenschaft oder Medien. Das eröffnet einerseits einen vergleichsweise weiten Blick auf 
das Phänomen Armut, andererseits wird genau hieran aber auch deutlich, wie sich ein e jeweils 
herrschende »Armuts-Semantik« konstituiert, durchsetzt und in der Konsequenz b estimmte 
Armutsbilder in einzelnen gesellschaftlichen Systemen (Wirtschaft, Wissenschaft, Recht, Verwal-
tung, Medien etc.), aber auch in den Köpfen der Menschen, erzeugt (Foucault 1978: 119 ff.).  
 
Zusammenfassung: Quantitative und qualitative Armutsbestimmung  
im vorliegenden Bericht 
 
Die Vielfalt hinsichtlich der Messbarkeit von Armut macht es nahezu unabdingbar, Armut insge-
samt in theoretischer Perspektive als ein so genanntes »Dispositiv« zu fassen, das nicht  statisch 
ist, sondern stets aufs Neue diskursiv erzeugt wird. D ie parallel hierzu verwendete Definition 
quantitativ bestimmbarer Armut erfolgt in der vorliegenden Expertise im Sinne Simmels als g e-
sellschaftlich akzeptierte Grenze, jenseits derer Unterstützungsleistungen legitim sind (Si mmel 
1908) – was im Umkehrschluss bedeutet, dass all jene Menschen als arm beschreibbar werden, 
die staatliche Unterstützungsleistun gen erhalten. Das ist in der sozialwissenschaftlichen Fo r-
schung, trotz kritischer Zw ischenrufe, ein übliches Vorgehen (Becker 2010, z.n. Goebel/Grabka 
2011: 6). Im qualitativen Teil unserer Expertise schließlich wird Armut in einer erweiterten D e-
finition als Lebenslagenarmut gefasst. Dabei werden Menschen als arm ausgewiesen, die in mi n-
destens zwei Lebenslagen (aus Bereichen wie Bildung, Arbeit, Einkommen, Teilhabe, Mob ilität, 
Gesundheit usw.) benachteiligt sind. Die von uns durchgeführten exemplarischen Betroffenenin-
terviews sind hierbei an einem subjektiven Armutsbegriff orientiert. 
 
2.2 Theorien und Befunde zur Altersarmut in Deutschland 
 
Den zentralen theoretischen Hintergrund  unserer Überlegungen  für die empirisch messbare 
Entwicklung der »Altersarmut in Münster« bildet die in der sozialwissenschaftlichen Fo rschung 
diskutierte Kontinuitätsthese. Dem Kontinuitätsprinzip folgend gehen wir davon aus, dass „sozi-
ale Positionen, die im Erwerb sleben erworben wurden, (…) im Alter fort [wirken , d.V. ], denn  
auch wenn die älteren Menschen nicht mehr erwerbstätig sind, lassen sich ihre Ungleichheitspo-
sitionen auf das Erwerbsleben zurüc kführen“ (Mnich/Grosse Frie/von dem Knesebeck 2008). 
Erwerbsarbeit ist hier also kategorialer Referenzrahmen für eine sich langfristig auf die Lebens-
lage Alter auswirkende  Erwerbsbiografie. Gleiches gilt für die Bereiche Bildung oder Gesun d-
heit.13 Dabei bringt die Kontinuitätsthese im Ergebnis eher präventive Handlungsoptionen he r-
vor, während die Destrukturierungsthese sich primär auf die Optimierung der sozialstaatlichen 
Sicherungssysteme beschränkt (Richter/Bunzendahl/Altgeld 2008). 
Eine komfortable Alternative bzw., wie von uns praktiziert, Ergänzung für die theoretische Ein-
bettung von Altersarmut stellt die Kumulationsthese dar. Dieser liegt der G edanke zu Grunde, 
dass sich durch eine Verfestigung der sozialen Lage im Alter vor allem in den unteren Statu s-
gruppen die Benachteiligungen und Belastungen verschärfen. In den oberen Statusgruppen hin-
gegen ist durch bereits verwirklichte Chancenwahrnehmung, etwa in Form erworbener Kompe-
                                                             
13 Erweiterungswürdig ist die Kontinuitätsthese insofern, als dass sie davon ausgeht, dass sich sowohl 
bevorzugte als auch benachteiligte soziale Positionen in gleichem Maße auf die Lebenssituation im 
Alter auswirken, was empirisch nicht bestätigt werden konnte.

21 
 
tenzen oder Rücklagen, für das Alter vorgesorgt. Der Status kann dann also nicht nur gehalten, 
sondern bisweilen auch angehoben werden (Mnich/Grosse Frie/von dem Knesebeck 2008: 19). 
Auf der Kontinuitäts- und Kumulationsthese fußend wurden die von uns geführten qualitativen 
Experten/Expertinnen- und Betroffeneninterviews systematisch nach Hinweisen auf kontinuier-
liche und kumulative Merkmale für Altersarmut ausgewertet. 
 
Altersarmut – Rückblick auf ein Problem aus vergangenen Zeiten?  
 
In Bezug auf Altersarmut ging man in Deutschland lange Zeit über davon aus, dass diese mit Ein-
führung der Rentenreform im Jahre 1957 behoben sei (Butterwegge 2009: 87). Spätestens mit 
Inkrafttreten des Bundessozialhilfegesetzes im Jahre 1961 wurde Altersarmut lediglich noch als 
verschämte Armut bei älteren Frauen diagnostiziert und thematisiert.  
Die Älteren erlangten, wie die Armutsproblematik insgesamt, in Zeiten von Wirtschaftskrise und 
Massenarbeitslosigkeit, erst ab Mitte der 1970er Jahre erneut Aufmerksamkeit. Vor dem Hinter-
grund wirtschaftlicher Verwerfungen und zunehmender Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt 
avancierten hier plötzlich alters- und gesundheitsbedingte Erwerbsminderungen zur Armutsur-
sache für ältere Menschen. Nur wenige Jahre später machte sich in den 1980er Jahren vor allem 
bei älteren Frauen das bunde srepublikanische Rentensystem negativ bemerkbar: Durch ihren 
zum Teil erzwungenen Ausschluss aus der Erwerbsarbeit und/oder ihre unterwertigen Beschäf-
tigungen erhielten sie deutlich geringere Renten als Männer. Mit Gerhard lässt sich dies so for-
mulieren: „Weil unser Rentenrecht als Lohnersatzsystem organisiert ist, das sich an der Lebens - 
und Erwerbsbiografie eines männlichen Lohnarbeiters mit einer weiblichen Zuarbeiterin  orien-
tiert und geschlechtsspezifische Privilegien auf dem Arbeitsmarkt als Besitzstände und im Siche-
rungssystem als sogenannte Beitragsgerechtigkeit honoriert, sind Frauen, die Fam ilienarbeit 
geleistet haben, im Alter in jedem Fall ärmer als Männer“ (Gerhard, z.n. Butterwegge 2009: 89). 
Bujard und Lange wiesen für diesen Zeitraum wiederholt auf die hohe Dunkelziffer der Alter s-
armen hin und stellten fest, dass Dreiviertel aller materiell hilfsbedürft igen alten Menschen die 
ihnen zustehenden Sozialleistungen  aus Ablehnung, Unkenntnis der sozialrechtlichen Besti m-
mungen oder einer restriktiven Handhabung der einschlägigen Gesetze und Durchführungsver-
ordnungen nicht in Anspruch na hmen (Bujard/Lange 1978: 24 ff.).  Als Altersarmut bedingende 
Faktoren erwiesen sich bereits in dieser Phase unter anderem Schulabschlüsse, erlernte Berufe 
und damit Berufsgruppenzugehörigkeiten, Arbeitsplatz wechsel, die Dauer der Berufstäti gkeit 
sowie berufliche Auf- bzw. Abstiege. Alles Indikatoren aus dem Bereich »Bildung und B eruf« 
also. 
Als zentrale Lebensbereiche, an denen Altersarmut ablesbar war, wurden die Wohn- und Haus-
haltssituation, Urlaube, Kommunikation spraxen, finanzielle Rücklagen und alltägliche Entbe h-
rungen ausgemacht (Bujard/Lange 1978: 102 ff.).  Mit zunehmender Individualisierung der L e-
benslagen von Männern und Frauen, der damit einhergehend stärkeren Erwerbsbeteiligung von 
Frauen sowie einer Reform des Scheidungsrechts kam es bald zu einer Verabschiedung vom 
klassischen Ernährermodell. Und in den 1990er Jahren schließlich galt weibliche Altersarmut als 
weitgehend überwunden, wobei sich der Fokus der Armutsberichterstattung insgesamt auf den 
Bereich der Kinderarmut verschob.  
 
Altersarmut als zunehmend gegenwartsaktuelles Problem 
 
Vor dem Hintergrund einer umfassenden Reform der sozialen Sicherungssysteme, vor allem mit 
Blick auf Alters - und Hinterbliebenenrenten (Einführung der Riesterrente, mehrfache Ausse t-
zung der Rentenanpassung , schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters  sowie Herabse t-
zung der Witwenrente) , kommt  Altersarmut in Deutschland heute wieder eine erhöhte Au f-
merksamkeit in der sozialwissenschaftlichen und politischen Debatte zu.  Obwohl der dritte A r-
muts- und Reichtumsbericht der Bundesregi erung Altersarmut noch als marginales Problem 
einstuft (Bundesregierung 2008), beobachten Autoren wie Butterwegge derzeit eine reformver-
ursachte Seniorisierung der Armut, bei der absehbar sei, dass der Anteil der Grundsicherung s-

22 
 
rentner und damit das Problem der Altersarmut in den nächsten beiden Jahrzehnten ma ssiv 
zunehmen wird. Dabei seien die in diesem Zusammenhang ausgemachten neuen Ungleichheiten 
im Alter bereits an den Mortalitätsraten zu erkennen, was in der Konsequenz bedeutet:  „Mit 
besonderer Härte trifft die Heraufsetzung des Rentenalters (unter)durchschnittlich Verdienen-
de“ (Butterwegge 2009: 93). Diese nämlich seien, infolge der Diskrepanzen in der Lebenserwar-
tung bei den verschiedenen Berufskohorten, die klaren Verlierer dieser Heraufsetzung, weil sich 
die Rentenbezugszeiten bei den Einkommensschwachen statistisch reduzieren. Auch die An-
rechnung von Riesterrenten auf die Grundsicherung im Alter, so Butterwegge, sei problematisch. 
Hier nämlich verknüpfe sich die Reform der Arbeitslosenversicherung in direkter Konsequenz 
mit der künftigen Situat ion heutiger Rentner: „Die sog. Hartz -Reformen haben nicht bloß die 
momentane Situation der Arbeitslosen verschlechtert, sondern auch die Ausgangslage der kün f-
tigen Rentnergenerationen durch Absenkung der Beiträge zur gesetzlichen Rentenversich erung 
(GRV) in doppelter Hinsicht beeinträchtigt“ (Butterwegge 2009: 93).14 Folgt man diesen Überle-
gungen, so ist zu erwarten, dass monetäre Risiken im Alter bereits aufgrund des verä nderten 
Renteneintrittsalters der heute Erwerbstätigen zunehmen. Altersrisiken offenbaren sich aber 
auch auf anderen Feldern. 
So sanken zwischen 1998 und 2003 die Armutsrisikoquoten bei Menschen über 65 Ja hren –im 
Gegensatz zu allen anderen Altersgruppen – zwar zunächst von 13,3 % auf 11,4 %; bereits die 
Studie „Leben in Europa“ aus dem Jahre 2006 jedoch stellte eine Umkehrung dieses Trends fest: 
Während die allgemeine Armutsrisikoquote in Deutschland auf 12,7 % absank, stieg sie bei den 
über 65-Jährigen auf 13,1 % an. Und auch der Anteil der über 65 -Jährigen Grundsicherungsbe-
zieher stieg von Ende 2004 (1,9 %)  bis Ende 2006 (2,3 %) sichtbar an (Mnich/Grosse Frie/von 
dem Knesebeck 2008: 26) . Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nun ist davon 
auszugehen, dass diese Zahl en in Zukunft noch weiter ansteigen werden –und damit auch die 
geschlechtsspezifischen, regionalen und alterskohortenspezifischen Disparitäten, worauf weiter 
unten noch näher eingegangen werden wird.  
 
Lebenslagen älterer Menschen 
 
Wie aber ist es um die aktuellen Lebenslagen älterer Menschen bestellt? Nach Stiehr bestehen 
bereits heute Ungleichheiten vor allem in den Lebensbereichen Arbeit , Einkommen, Gesundheit 
und Integration in soziale und familiale Netzwerk e (Stiehr 2004: 89 ff.). Die Autorin konstatiert 
ein rasantes Brüchigwerden der sozialen Sicherungssysteme vor allem in der dritten  Lebens-
phase und geht davon aus, dass Lebenslagen im Alter zunehmend zu ressourcenabhängigen Re-
fugien individueller Gestaltung werden. Dies macht sie u.a. daran fest, dass etwa Bildungsprivi-
legierte auf Grund ihrer Täti gkeitsbereiche längere Erwerbsphasen mit höheren Einkommen 
geltend machen können und damit gegenüber Bildungsbenachteiligten größere Chancen auf 
Sicherung ihres Lebensabends durch Erwerbstätigkeit h aben. Vor dem gleichen  Hintergrund 
nähmen prekäre Lebenslagen und Armutswahrscheinlichkeiten im Alter zu.  
Aber es existieren offenbar noch weitere Risiken jenseits solcher Segregationsprozesse. Mit 
Blick auf Dimensionen wie Gesundheit oder gesellschaftliche Teilhabe etwa werden aufgrund 
der steigenden Lebenserwartung Verwerfungen prognostiziert, die im Zuge der demografischen 
Entwicklung ebenfalls ungleich verteilt  seien. Die demografische Entwicklung nämlich, so die 
Autorin, gehe mit einer abnehmenden Anzahl an Familie nangehörigen einher – eine Lücke, die 
zunehmend von professionellen Betreuerinnen und Betreuern aufgefangen werden müsse und 
ebenfalls mit größeren finanziellen Belastungen verbunden sei.  
 
                                                             
14 Der Autor weist außerdem auf die übermäßige Belastung mittlerer Jahrgänge hin, die „(…) als ‚Gene -
ration im Übergang‘ zur nachgelagerten Rentenbesteuerung durch das am 1. Januar 2005 in Kraft ge-
tretene Alterseinkünftegesetz übermäßig belastet werde“ (Butterwegge 2009: 94).

23 
 
Zentrale Ursachen für Altersarmut 
 
Die herkömmliche Forschung zu r Altersarmut in Deutschland unterscheidet grundsät zlich vier 
zentrale Ursachen voneinander, die bereits im Lebensverlauf eine künftige Altersarmut annon-
cieren (Schmähl, z.n. Richter /Bunzendahl/Altgeld 2008: 38): 1. Langzeitarbeitslosigkeit, 2. g e-
ringe Entlohnung, 3. diskontinuierliche Erwerbsverläufe sowie 4. Minderung der Erwerbsfähi g-
keit. Ein kritisches Kriterium sind hier insbesondere die Anrechnungszeiten von Arbeitslose n-
geld II, durch das die spätere Absicherung im Alter ab gesenkt wird 15, was dann – im Vergleich 
mit durchgängiger Erwerbstäti gkeit – zu einer Minderung der Rentenbezüge führt. Aber auch 
Niedriglöhne minimieren die spätere Rente. Das Hauptaugenmerk der vorliegenden Expertise 
allerdings liegt auf den Feldern Gesundheit, Bildung und Wohnen der Betroffenen. Dabei wird 
vor allem die Kategorie Geschlecht durchgängig in die Betrachtungen einbezogen. 
 
Frauen als besonders von Altersarmut betroffene Gruppe 
 
Mit Blick auf geschlechtsspezifische Ungleichheiten im Alter wird für Gesamtdeutschland davon 
ausgegangen, dass sich die Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf Grund der  gravie-
renden Benachteiligung von Frauen am Erwerbsarbeitsmarkt auf deren Betroffenheit durch 
Altersarmut auswirk t. Einem aktuellen Gutachten des World Economic Forum zu Folge ist 
Deutschland in der Liste aller Staaten bezüglich des »gender gaps « seit 2006  von Platz 5 auf 
Platz 13 gefallen . Der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen macht derzeit 23 % aus 
(World Economic Forum 2010: 144 f.). Die Fachliteratur ist sich zudem darin einig, dass insb e-
sondere Frauen in Westdeutsc hland in besonderer Art und Weise von Armut im Alter betroffen 
sind bzw. künftig sein werden (Motel-Klingenbiel 2006), da diese im Vergleich zu den ostdeu t-
schen Frauen deutlich diskontinuierlichere Erwerbsbiografien aufweisen.  
Dass das Einkommensniveau von Frauen bis zu einem Fünfte l unter dem der männlichen E r-
werbstätigen liegt, produziert bei alldem eine weitere Benachteiligung, da in typischen Frauen-
berufen nicht nur Aufstiegsoptionen nach wie vor  untypisch sind , sondern diese hier auch 
grundsätzlich niedriger entlohnt werden. Ungleichheiten in Bezug auf die Alterssicherung liegen 
dabei insbesondere in den Bereichen Bildung, F amilie und Arbeitsmarkt begründet. Gleichzeitig 
zeigt der erste Gleichstellungsbericht der Bundesregierung, dass das durchschnittliche Renten-
einkommen in Westdeutschland mit zunehmender Kinderzahl immer geringer wird. Auch hier-
von sind zuallererst Frauen betroffen. So erreichen Frauen mit vier und mehr Kindern nur 68 % 
des durchschnittlichen Einkommens kinderloser Frauen (BMFSFJ 2011: 276). Zeiten berufl icher 
Aus- und Weiterbildung werden zudem kaum berücksichtigt, was Anreize für Frauen vermi n-
dert, in ihre Ausbildung zu investieren und auch Kindererziehungszeiten finden nur bis zu einem 
gewissen Durchschnittseinkommen Anrechnung. Obwohl auch Frauen, die über 25 00 Euro ver-
dienen, Erziehung und Beruf miteinander vereinbaren müssen, erhalten sie also keinen adäqua-
ten Ausgleich in der Rentenversicherung. Ebenso wenig werden Zeiten der Pflege Angehöriger –
eine ebenfalls nicht entlohnt e Tätigkeit, die hauptsächlich von Frauen ausgeübt wird  – bisher 
nur in Maßen angerechnet.  
Der erwartbare Anstieg der w eiblichen Altersarmut ist bei alldem nicht zuletzt ein E ffekt der 
längeren Lebenserwartung von Frauen. So fragt etwa der Gleichstellungsbericht der Bundesre-
gierung lapidar: „Frauen leben länger – wie und wovon?“ Haben 60 -jährige Männer eine durch-
schnittliche Lebenserwartung von weiteren 20,9 Jahre n und  65-jährige Männer von immerhin 
noch 17,1 Jahren, so darf eine 60-jährige Frau in Deutschland heute statistisch auf 24,7, eine 65-
jährige Frau sogar auf weitere 20,4 Lebensjahre hoffen. Und selbst Menschen, die das 80. L e-
bensjahr vollendet haben, haben statistisch noch weitere 9 (Frauen) bzw. 7,7 (Männer) Leben s-
jahre zu erwarten (BMFSFJ 2011). „Ende 2008 lebten in Deutschland bereits 4,1 Millionen hoch-
altrige Bürgerinnen und Bürger, die über 80 Jahre alt waren, darunter waren drei  Viertel (2,8 
Millionen) Frauen“ (Statistisches Bundesamt 2010: 263).  
                                                             
15 Momentan liegt der Wert, um den die Rente bei einer Anrechnungszeit von Langzeitarbeitslosigkeit 
steigt bei 2,19 €, was Altersarmut enorm begünstigt (Mascher, z.n. Friedrich Ebert Stiftung 2009: 50).

24 
 
Für Deutschland errechnen Kumpmann, Gühne und Buscher für Frauen im Rentenalter (65+) für 
das Jahr2007 eine Armutsquote von 15,9 % im Westen und 13,5 % im Osten, für Männer hinge-
gen von 11,4% im Weste n und 10,3 % im Osten (Kum pmann/Gühne/Buscher 2010: 10). Nach 
Auskunft des 3. Armuts- und Reichtumsberichts der Bundesregierung sind 2,6 % der Frauen ab 
65 Jahren, aber nur 1,8 % der Männer aufgrund von Bedürftigkeit auf Leistungen der Grunds i-
cherung im Alter und bei E rwerbsminderung angewiesen (Bundesregierung 2008: 43). Wie die 
Daten der Untersuchung ASID bestätigen, gelingt es vor all em geschiedenen und ledigen Frauen 
häufig nicht, ihre GRV-Renten durch zusätzliche Vermögens- und Erwerbseinkünfte oder Sozial-
leistungen aufzustocken (TNS Infratest Sozialforschung 2009: 124). Armut im Alter b edroht 
insofern heute vor allem solche Frauen, die nicht (mehr) dem Lebensmodell Ehe und F amilie 
folgen oder die hierüber abgesichert zu sein glauben (BMFSFJ 2011: 275). So sind bereits im 
aktuellen Alterssicherungssystem Ungleichheit smomente enthalten, die sich insbesondere auf 
Frauen im Alter negativ auswirken – vor allem als Folge des der Alterssicherung zu Grunde li e-
genden männlichen Ernährermodells (Riedmüller in: Friedrich-Ebert Stiftung 2009: 52). 
Aufgrund der Rentenformel, die sich in Deutschland an der Zahl der Erwerbsjahre sowie der 
Höhe des Erwerbseinkommens orientiert, setzen sich die biografischen Folgen unterschiedlicher 
Erwerbsbiografien in Deutschland direkt i m Rentenalter fort (Kontinuitätsthese)  – und ve r-
schärfen hier für große Teile die Situation . Dabei mindern Erwerbsunterbrechungen u nd 
Nichterwerbstätigkeit, aber auch Zeiten in nicht versich erungspflichtiger Erwerbsarbeit oder 
niedrige Löhne und ausbleibende Karriereentwicklungen (vor allem bei Frauen), die Rentenan-
sprüche oft erheblich. Alles zusammengenommen fehlen d en westdeutschen Rentnerinnen ge-
genüber den Männern gegenwärtig durchschnittlich 13,7 rentenrechtlich relevante Jahre. Zwar 
führten verschiedene Reformen bei der Anrechnung von Kindererziehung s- und Pflegezeiten in 
der Vergange nheit zu einer Aus weitung der anrechenbaren Zeiten, i n den GRV-Renten zeigen 
sich aber immer noch eklatante Unterschiede  zwischen Frauen und Männern 16, was auch b e-
triebliche Zusatzrenten einschließt  (Klammer 2005: 356f. ; BMFSFJ 2011: 270). Hohe Schei-
dungsraten und sinkende Renten bei verwitweten Frauen sind zusätzliche Ursachen für die sich 
abzeichnende Zunahme der Altersarmut bei Frauen.  
 
Frauen mit Migrationsvorgeschichte 
 
In besonderer Weise von den Bedingungen eines alles in allem eher frauenfeindlichen Arbeits-
marktes betroffen und somit geradezu prädestiniert für Alter sarmut sind Frauen mit Migrat i-
onsvorgeschichte. Ihnen gelingt d ie Anpassung  an den bundesdeutschen  Arbeitsmarkt beso n-
ders schlecht, so dass sie in überdurchschnittlichem Maße von Arbeitslosigkeit und Langzeita r-
beitslosigkeit betroffe n sind – Faktoren, die das Altersarmutsrisiko stark erhöhen. Auf diese 
Weise kommt es zu einem Effekt, der dem der »Unterschichtung« gleicht: Migrierte sind dabei 
quasi die benachteiligten Benachteiligten, bei denen variierende Migrationserfahrungen, Bil-
dungsdefizite und negative arbeitsmarktbedingte Effekte die Lebenslage im Alter noch risikorei-
cher machen, als sie sich für Frauen ohnehin bereits darstellt (Höpflinger 2009: 92). 
 
Kranke und Pflegebedürftige 
 
Auf Grund der Zunahme Hochbetagter darf der Zusammenhang von Gesundheit und Altersarmut 
auf keinen Fall aus dem Blick geraten . So hält der fünfte Altenbericht der Bundesregierung fest: 
„Lebensqualität im Alter steht in engem Zusammenhang mit Selbstständi gkeit und guter g e-
sundheitlicher Verfassung. Sie i st eine wichtige Vorau ssetzung, um Potentiale d es Alters auch 
nutzen zu können“ (Deutscher Bundestag 2006: 23). Die durch gesundheitliche Faktoren ausge-
löste Armutsproblematik wird entsprechend in den nächsten Jahren tendenziell steigen (Rich-
ter/Bunzendahl 2008: 95). Pflegebedürftigkeit , die Anschaffung von Hilfsmitteln , häusliche 
                                                             
16 So bezogen Ende 2008 männliche westdeutsche Rentenbezieher aus der GRV eine durchschnittliche 
eigenständige Versichertenrente von 1.034 Euro pro Monat, westdeutsche Rentenbe zieherinnen 
kamen dagegen auf 498 Euro und damit auf ganze 48 % der Männerrenten.

25 
 
Dienste, Praxisgebühren, nicht verschreibungspflichtige aber no twendige Medikamente sowie 
die verbreitete Unkenntnis der eigenen Rechtslage in der Pflegeversicherung sind mit Abstand 
die häufigsten Armutsursachen bei älteren Menschen.17 
 
Zusammenfassung: Altersarmut als Verlängerung von Armut                                                                  
im erwerbsfähigen Alter 
 
Altersarmut ist kein Problem vergangener Zeit en, sondern in Deutschland zunehmend gege n-
warts- und auch zukunftsrelevant. Die aktuellen Lebenslagen älterer Menschen sind bereits heu-
te von Ungleichheit en in den Lebensbereichen Arbeit, Einkommen, G esundheit und Integration 
in soziale und famili ale Netzwerke ge prägt (Stiehr 2004: 89ff.). Vier Hauptursachen, annoncie-
ren bereits während des  Lebensverlaufs künftige Altersarmut: 1. Langzeitarbeitslosigkeit, 2. 
geringe Entlohnung, 3. diskontinuierliche Erwerbsverläufe sowie 4. Minderung der Erwerbsf ä-
higkeit (Schmähl z.n. Richter, Bunzendahl/Altgeld 2008: 38). Aufgrund mannigfaltiger Diskrimi-
nierungen am Arbeitsmarkt und im Erwerbsleben, sind Frauen und hier insbesondere Migra n-
tinnen eine in besonderer Art und Weise von Altersarmut betroffene Gruppe. Die Lebenslagen 
älterer Menschen hinsichtlich ihres Lebensstandards verschlechtern sich zudem , sobal d sich 
gesundheitliche Beeinträchtigungen, Krankheiten und/oder Behinderungen einste llen. Dem 
Kontinuitätsprinzip folgend gehen wir davon aus, dass Altersarmut auch in Münster zuallererst 
eine Verlängerung biogra fisch erlebter Armut darstellt, wobei  „soziale Positionen, die im E r-
werbsleben erworben wurden, […] im Alter fort [wirken], denn auch wenn die älteren Menschen 
nicht mehr erwerbstätig sind, lassen sich ihre U ngleichheitspositionen auf das Erwerbsleben 
zurückführen“ (Mnich/Grosse Frie/von dem Knesebeck 2008). Der ebenfalls für das Alter rele-
vanten Kumulationsthese liegt der Geda nke zu Grunde, dass sich durch eine Verfestigung der 
sozialen Lage im Alter vor allem in den unteren Statusgruppen die Benachteiligungen und Belas-
tungen verschärfen. 
 
2.3 Quantitative Annäherung an Armut und Altersarmut in Münster 
 
Wie bereits erläutert, ist Armut im mittleren Lebensalter eine der zentralen Vorbedingungen für 
Altersarmut. Armut in Münster ist allerdings ein bisher kaum erforschtes Feld. Aus diesem 
Grunde versuchte man am Institut für Soziologie in der Vergange nheit mehrfach, sich diesem 
Phänomen vorsichtig zu nähern (Hoffmeister/Kiewit 1987 ; Hoffmeister 2007 ; Hoffmeis-
ter/Ballach/Schäfer 2009) und auch die Stadt Münster unternahm Anstre ngungen, um Armut in 
Münster näher zu beleuchten (Stadt Münster 2002). Da Altersarmut dabei jedoch nicht eigens 
thematisiert wurde, gleichwohl aber einen Effekt von Armutslagen im »bi ografischen Vorfeld« 
darstellt, ist es an dieser Stelle sinnvoll, das Phänomen Altersarmut aus der Perspektive der all-
gemeinen Armut in Münster in den Blick zu nehmen (Kontinuitätsthese). Mit Blick auf die Tatsa-
che, d ass keine differenzierte n Einkommens- und Vermögensdaten zur Verf ügung stehen , die 
einen Überblick über Ausmaß , Altersstruktur und sozialräumliche Verteilung sozial Benachtei-
ligter in Münster ermöglichen18, betrachten wir es als hilfreich, zentrale Ergebnisse der letzten 
Münsteraner Armutsstudien zu vergegenwärtigen, um das Problemfeld zumindest grob zu kon-
turieren.  
Aus der letzten Münsteraner Armutsstudie ist bekannt, dass Armut zwar im gesamten Stadtge-
biet verbreitet ist, dabei aber sozialräumlich in unterschiedlichem Ausmaß au ftritt (Abbildung 
                                                             
17 Wurden 2005 noch 2,13 Mio. Menschen in Deutschland als Pflegebedürftig nach SGB XI eingestuft, 
wird diese Zahl laut Richter/Bunzendahl bis 2020 auf 2,8 Mio. ansteigen und i m Vergleich zum Jahr 
2001 sogar um 40 % gestiegen sein. 
18 Dies bestätigten uns auch alle Experten in den Interviews. Datensätze, die im Rahmen des 
„Münsterbarometers“ der BEMA des Instituts für Soziologie jährlich erhoben wurden, beinhalten nur 
grobe Einkommenskategorien (1000-Euro-Cluster) und geben keine Auskunft über a) die genau 
Einkommenshöhen und b) die Wohnorte der Befragten.

26 
 
1). Dies kann als Segregation (räumlich ungleiche Verteilung) von Armut beschrieben werden. 
Sozialräumliche Segregationen beinhalte n aktive wie passive Elemente, die diesem Mechani s-
mus Wirkung verschaffen: „Aktive Distanzierungen gehen von den Haushalten mit besserer Res-
sourcenausstattung aus, die über ihren Wohnstandort nach subjektiven Präferenzen entsche i-
den können; passiv und unfreiwillig segregiert werden dagegen die Haushalte mit geringen Re s-
sourcen – sie werden in Quartiere gelenkt, die von der Mehrheitsgesellschaft gemieden werden“ 
(Häußermann 2008: 335).  Als Hilfsindikatoren zur Bestimmung von Armut wurde von uns die 
Anzahl von Arbeitslosen und Sozialhilfeempfänger „im Verhältnis zur wohnberechtigten Bevö l-
kerung (im Alter von 16 bis 64 Jahren)“ (Hoffmeister/Ballach/ Schäfer 2009: 128) dargestellt. 
Dabei w erden verschiedene Cluster von Stadt vierteln sichtbar, die im Verhältnis zueina nder 
geringer oder stärker von Armut betroffen sind. 
 
Abbildung 1: Armutscluster im Jahr 2007 
Ausmaß Anteil Stadtviertel 
 
niedrig 
 
2,8-4,1% Neutor, Kreuz, Überwasser, Dom, Sentrup, Pluggendorf, Sprakel, Gelmer-
Dyckburg 
 
relativ niedrig 
 
4,2-5,5% 
Schloss, Aegidi, Buddenturm, Martini, Josef, Aaseestadt, Mecklenbeck, 
Albachten, Amelsbüren, Hiltrup-Ost, Gremmendorf-Ost, Wolbeck, Handorf, 
Mauritz-Ost, Mauritz-Mitte, Rumphorst 
 
durchschnittlich 
 
5,6-7,0% Nienberge, Gievenbeck, Roxel, Gremmendorf-West, Schlachthof, Mauritz-
West, Hansaplatz, Hafen, Geist 
 
relativ hoch 
 
7,1-10,0% Kinderhaus-Ost, Uppenberg, Angelmodde, Hiltrup West, Hiltrup Mitte, 
Bahnhof, Schützenhof 
hoch 
 
10,1- 15,6% 
 
Berg Fidel, Kinderhaus-West, Coerde 
Quelle: Hoffmeister/Ballach/Schäfer 2009: 129. 
 
Soweit der Befund für das Jahr 2007. Wie aber haben sich Arbeitslosigkeit und Sozialleistungs-
bezug in Münster seither entwickelt? Und wie steht es um sozialräumliche Verteilung dieser 
Armutsindikatoren? Um die Entwicklung entsprechend der Kontinuitätsthese zu fundieren, 
werden im Folgenden zunächst die Entwicklung der Arbeitslosigkeit sowie des Sozialleist ungs-
bezugs nachgezeichnet. 
 
Stadt Münster 
 
Arbeitslosigkeit 
 
In Münster waren am 31.12.2010 insgesamt 8.292 Personen arbeitslos gemeldet und zwar 4.695 
Männer (56,62 %) und 3.597 Frauen (43,38 %). 1.175 davon waren mindestens 55 Jahre alt 
(Stadt Münster 20 11: 12). Die Zahl der arbeitslosen Ausländer lag bei 1.399 (Stadt Münster 
2011: 7 ff.) . Insgesamt 2.436 aller Arbeitslosen galten als Lan gzeitarbeitslose19 (Stadt Münster 
2011: 10). Offen ist, ob sich der Trend zur Angleichung weiblicher und männlicher Lang zeitar-
beitsloser (2004: 65,5 % Männer, 34,5 % Frauen; 2008: 53,2 % Männer, 46,8 % Frauen) weiter 
fortsetzt und die Ungleichverteilung inzwischen einen Wendpunkt erreicht hat (Hoffmei s-
ter/Ballach/Schäfer 2009: 115 f.). Zu berücksichtigen ist hier, dass es sich dabei nur um die sta-
tistisch erfasste Arbeitslosi gkeit handelt, die bekanntermaßen nicht den Anteil aller faktisch 
                                                             
19 Als Langzeitarbeitslose gelten alle Personen, die mindestens ein Jahr arbeitslos gemeldet sind.

27 
 
Arbeitslosen abbildet. 20 Die statistisch erfassten Arbeitslosenzahlen spiegeln also die fakt ische 
Arbeitslosigkeit nur begrenzt wider. 
Die Entwicklung der gemeldeten Arbeitslosen in der ersten Dekade des 21. Jahrhundert besteht 
zunächst in einem Anstieg in der ersten Hälfte des Jahrzehnts, um anschließend wieder in etwa 
auf den Stand des Jahres 2000, bzw., je nach Indikator, leicht unter diesen Stand abzusinken 
(Abbildung 2). Lediglich die Entwicklung der gemeldeten mindestens 55 -jährigen Arbeitslosen 
folgt dieser Dynamik nicht, sondern erreichte zu Beginn und am Ende des Jahrzehnts Höchs t-
werte. Diese Altersgruppe war folglich seit 2007 nicht im selben Ausmaß vom Rückgang der 
Arbeitslosenzahlen betroffen, wie die Gesamtgruppe der arbeitslos Gemeldeten, was darauf hi n-
deutet, dass Arbeitslosigkeit in der Altersgruppe der ab 55-Jährigen als sich verschärfendes 
Problem betrachtet werden muss. 
 
Abbildung 2: Entwicklung der Anzahl gemeldeter Arbeitsloser in Münster von 2000 bis 2010  
Quelle: Stadt Münster 2011: 7. 
 
Trotz der seit Mitte des letzten Jahrzehnts rückläufigen Arbeitslosenzahlen  – ein Trend, der sei-
nerseits dem bundesdeutschen Trend folgt (Statistisches Bundesamt 2011 a) – bleibt festzuhal-
ten, dass im Hinblick auf die amtlich -statische Erfassung von Arbeitslosigkeit Ung ewissheiten 
bestehen bleiben und hinter dieser allgemeinen Entwicklung darüber hinaus demografis che 
sowie soziale Ungleichgewichte in der Struktur der Benachteiligten sowie der Benachteiligungs-
formen verborgen sind. 
 
Arbeitslos gemeldete Personen mit Leistungsansprüchen nach dem SGB II und III 
 
Von den insgesamt 8.292 arbeitslos gemeldeten Münsterane rinnen und Münsteranern  fallen 
2.393 Personen in den Rechtskreis des SGB III (Arbeitslosengeld I) und 5.899 in den des SGB II 
(Arbeitslosengeld II) (Stadt Münster 2011: 14 f.).  Betrachtet man hier die Entwicklung der let z-
ten drei Jahre, so wird deutlich, dass sich die Anzahl an SGB-III-Empfangenden auf einem Niveau 
zwischen 2.400-2.500 und die Zahl der SGB -II-Empfänger bei etwa 5.800 -5.900 stabilisiert hat  
(Abbildung 3). 
 
                                                             
20 Teilnehmende an „Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik (gelten) nicht als arbeitslos“. Auch 
werden nur solche Personen als arbeitslos eingestuft, „die sich bei der Bundesagentur (...) arbeitslos 
gemeldet haben, eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Ve rmittlungsbe-
mühungen der Bundesagentur zur Verfügung stehen“ (Stadt Münster 2011: 4 f.), was bei den  meisten 
Nicht-Leistungsbeziehenden nicht vorausgesetzt werden kann.

28 
 
Abbildung 3: Arbeitslos gemeldete Personen mit Leistungsansprüchen nach SGBII und SGB III 2006 
bis 2010 
 
Quelle: Stadt Münster 2011: 14 f. 
 
Die Anzahl an SGB -II-Empfängerinnen und -empfänger hat dabei zwischen 2008 (5.817 Pers o-
nen) und 2010 sogar leicht auf ca. 5.900 Personen zugenommen. Der Großteil der arbeit slos 
Gemeldeten in Münster hatte über die letzten Jahre hinweg folglich kein A nrecht auf ALG I und 
fällt somit unter die Kategorie jener Arbeitslosen, die auf ALG II angewiesen sind – ein deutliches 
Anzeichen für eine dauerhaft prekäre Lebenssituation, die  sich im Sinne der Kontinuitätsthese 
im Alter zu Altersarmut verdichten könnte.  
 
Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung empfangende Personen21 
 
Während bei erwerbsfähigen Personen das Arbeitslosengeld II das Existenzminimum garanti e-
ren soll, grei ft bei den Erwerbsgeminderten das Kapitel X II des SBG. Die Anzahl derjenigen, die 
im Juli 2011 Grundsicherung im Alter oder  bei Erwerbsminderung bezogen, lag bei insgesamt 
2.734 Personen, die Zahl derjenigen, die mindestens 65 Jahre alt waren und soziale H ilfsleistun-
gen in Anspruch nahmen bei 1.538. Besonders b etroffene Altersklassen in der Kate gorie der 
über 65 Jährigen SGB-XII-Bezieher bilden hierbei die 65 bis 79-Jährigen (Abbildung 4).  
 
Abbildung 4: Bezieher/innen von Grundsicherung im Alter oder auf Grund von Erwerbsminderung 
nach SGB XII nach Alter und Geschlecht im Jahr 2011 
Altersgruppen gesamt Anteil weiblich männlich 
Anzahl Anteil Anzahl Anteil 
< 60 1012 37,02% 456 45,06% 556 54,94% 
60-64 184 6,73% 90 48,91% 94 51,09% 
65-69 467 17,08% 240 51,39% 227 48,61% 
70-79 784 28,68% 487 62,12% 297 37,88% 
80-89 251 9,18% 194 77,29% 57 22,71% 
≥ 90 36 1,32% 28 77,78% 8 22,22% 
Gesamt 2.734 100% 1.495 54,68% 1.239 45,32% 
Quelle: Sozialamt der Stadt Münster. 
 
                                                             
21 Die Daten zur Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung wurden uns vom Sozia lamt der 
Stadt Münster zur Verfügung gestellt.

29 
 
Mit Blick auf d ie geschlechtsspezifische Verteilung sowie auf die Altersverteilung in diesem 
Segment wird deutlich, dass hier von einer Feminisierung der Altersarmut g esprochen werden 
muss, die u.a. der durchschnittlich höheren Lebenserwartung von Frauen geschuldet ist. 
 
Rentenhöhen (Gesetzliche Rentenversicherung)22 
 
Dass gerade Frauen in Münster stark von Armut im Alter betroffen sind, lässt sich auch an den 
durchschnittlichen Rentensummen der GRV ablesen.23 Frauen beziehen durchschnittlich ledi g-
lich etwa die Hälfte (!) dessen, was ein durchschnittlicher männlicher Rentner erhält (Abbildung 
5). 
 
Abbildung 5: Entwicklung des durchschnittlichen Rentenzahlbetrages (in Euro) aus der Gesetzl i-
chen Rentenversicherung in Münster nach Geschlecht (2003-2010) 
 
Quelle: Deutsche Rentenversicherung Westfalen. 
 
Bei alldem blieben zwar die durchschnittlichen Rentenhöhen aus der GRV seit 2003 nahezu kon-
stant, nicht aber der Wert des Geldes. Subtrahiert man also die Inflationsr aten der letzten Jahre 
vom nur leicht gestiegenen Rentenwert24, so hat die Kaufkraft abgenommen. 
Vor dem Hintergrund der Beobachtung, dass Altersarmut ein auch für Münster nac hweisbares 
und künftig relevanter werdendes Phänomen darstellt, stellt sich die Frage nach ihrer sozial-
räumlichen Verteilung – heute und in der Zukunft.  
 
Die Stadtbezirke 
 
Mit Blick auf kommunale Segregationspresse ist es hilfreich , diese möglichst kleinräumig zu e r-
fassen. Als Referenzrahmen dienen im Folgenden jeweils die »städtischen Durchschnittswerte«, 
um schließlich  zu eruieren, inwiefern einzelne Stadtbezirke  hiervon abweichen, Konzentrati-
                                                             
22 Die Daten wurden uns freundlicherweise von der Deutschen Rentenversicherung Westfalen zur 
Verfügung gestellt. 
23 Wenngleich Renteneinkommen sich aus mehreren Faktoren zusammensetzen (Renten aus der GRV, 
betriebliche Renten, Einkommen aus Vermietung, Verpachtung und Vermögen, usw.), sind bei den 
Mittellosen insbesondere die Einkommen aus der GRV von besonderer Relevanz, da diese nur selten 
auf Betriebsrenten oder Einkommen aus Vermögen zurückgreifen können.  
24 Zur Entwicklung der Inflation (Statistisches Bundesamt 2011b: 3).

30 
 
onsprozesse also auszumachen sind.  Bereits der Blick auf  die absoluten Zahlen sowie auf die 
Anteile der gemeldeten Arbeitslosen, Langzeitarbeitslosen, ausländischen Arbeitslosen un d 
Empfänger von Arbeitslosengeld nach SGB II an der wohnberechtigten Bevölkerung in den ein-
zelnen Bezirke n zeigt, das die B etroffenen ungleich über die einzelnen Stadtbezirke Münsters 
verteilt sind (Abbildung 6).25 
 
Abbildung 6: Gemeldete Arbeitslose nach Stadtbezirken im Jahr 2010  
 Arbeitslose gesamt 
 
Langzeitarbeitslose Ausländische         
Arbeitslose 
Arbeitslose                     
nach SGBII 
 Anzahl ALQ Anzahl L-ALQ Anzahl A-ALQ Anzahl S-ALQ 
Mitte 3.035 2,60% 824 0,71% 440 0,38% 2.027 1,74% 
West 1.267 2,29% 379 0,68% 195 0,35% 849 1,53% 
Nord 1.594 5,64% 481 1,70% 367 1,30% 1.325 4,69% 
Ost 412 1,97% 136 0,65% 57 0,27% 257 1,23% 
Südost 809 2,98% 239 0,88% 124 0,46% 566 2,08% 
Hiltrup 1.134 3,08% 369 1,00% 208 0,56% 854 2,32% 
 
Gesamt 
 
8.292 
 
2,91% 
 
2.436 
 
0,85% 
 
1.339 
 
0,49% 
 
5.899 
 
2,07% 
 
Quelle: Stadt Münster 2011: 7. 
 
Diese Verteilung gliedert sich insgesamt wie folgt (aufsteigend nach Konzentration von Arbeit s-
losigkeit): 1. Münster Nord, 2. Münster Hiltrup, 3. Münster Südost, 4. Münster Mitte, 5. Münster 
West, 6. Münster Ost. Arbeitslos igkeit ist dabei  insbesondere in Münster Nord, Münster Hiltrup 
und Münster Südost überrepräsentiert. Eine Ausnahme bilden die ausländischen A rbeitslosen: 
sie sind lediglich in Münster Nord überrepräsentiert (Abbildung 7). 
 
Abbildung 7: Sozialräumliche Segregation von Arbeitslosigkeit nach Stadtbezirken im Jahr 2010  
Arbeitslose gesamt 
 
Langzeitarbeitslose Ausländische                   
Arbeitslose 
Arbeitslose nach SGBII 
Nord (5,64%) Nord (1,70%) Nord (1,30%) Nord (4,69%) 
Hiltrup (3,08%) Hiltrup (1,00%) Hiltrup (0,56%) Hiltrup (2,32%) 
Südost (2,98%) Südost (0,88%) Münster (0,49%) Südost (2,08%) 
Münster (2,91%) Münster (0,85%) Südost (0,46%) Münster (2,07%) 
Mitte (2,60%) Mitte (0,71%) Mitte (0,38%) Mitte (1,74%) 
West (2,29%) West (0,68%) West (0,35%) West (1,53%) 
Ost (1,97%)  Ost (0,65%) Ost (0,27%) Ost (1,23%) 
 
Quelle: Stadt Münster 2011: 7 ff. 
 
Unter Einbezug der Kategorie Geschlecht wird darüber hinaus deutlich, dass Männer, unabhän-
gig vom Stadtbezirk , jeweils die Mehrheit der arbeitslos Gemeldeten ausm achen (Abbildung 8). 
Dies sollte jedoch nicht darüber hinweg täuschen, dass es bekanntermaßen insbesondere Fra u-
en sind, die , weil nur selten mit Leistungsans prüchen ausgestattet, sich häufig nicht arbeitslos 
melden. Bei der offensichtlichen Dominanz von Männern könnte es sich also um ein statistisches 
Artefakt handeln, das die Lebenswirklichkeit von Frauen im Leistungsbezug verzerrt. 
 
                                                             
25 Alle Quoten sind hier also nicht als Arbeitslosenquoten im üblichen Sinne zu verstehen, sondern als 
Arbeitlose im Verhältnis zur wohnberechtigten Bevölkerung des jeweiligen Stadtbezirks.

31 
 
Abbildung 8: Anteil der männlichen und weiblichen arbeitslos gemeldeten Personen nach Stadtb e-
zirken im Jahr 2010 
 
Quelle: Stadt Münster 2011: 8 f. 
 
Mit Blick auf die Verteilung von Altersarmut in den einzelnen Stadtbezirken lohnt ein zusätzli-
cher Blick auf die Verteilung der ab 55-jährigen Arbeitslosen sowie der Empfangenden  von 
Grundsicherung im Alter nach SGB XII, weil damit eine Altersgruppe in den Blick gerät, die unter 
dem L ebensaltersaspekt besonders nahe an das Problem Altersarmut herangerückt i st (Abbil-
dung 9).  
 
Abbildung 9: Mindestens 55-jährige Arbeitslose und von Grundsicherung im Alter Beziehenden 
Personen nach Stadtbezirken im Jahr 2010 
 Mindestens 55-jährige Arbeitslose 
 
Grundsicherung im Alter und bei Erwer b-
minderung nach SGBXII Beziehende 
 Anzahl ≥55-ALQ Anzahl SGB-XII-Quote 
Mitte 389 0,33% (5) 1105 0,95% (2) 
West 205 0,37% (4) 408 0,74% (5) 
Nord 228 0,81% (1) 552 1,95% (1) 
Ost 60 0,29%(6) 132 0,63% (6) 
Südost 128 0,47% (2) 220 0,81% (4) 
Hiltrup 153 0,42% (3) 344 0,93% (3) 
 
Münster        
gesamt 
 
1.775 
 
0,41% 
 
2734 
 
0,96% 
Quelle: Stadt Münster 2011: 12. 
 
Die stadtbezirk sspezifische Verteilung von Arbeitslosigkeit der ab 55 -Jährigen unterscheidet 
sich insofern von der Verteilung der Gesamtarbeitslosigke it, als dass einerseits Münster Hiltrup 
und Münster Südost, anderseits aber auch Münster West und Münster Mitte hier die Plätze 
wechseln, während erneut in Münster Nord eine besonders starke Überrepräsenta nz und in 
Münster Ost die größte Unterrepräsenta nz beobachtet werden kann. Hier setzte sich also der 
Trend von Verdichtung (Nord) und Unterrepräsentanz (Ost) fort.

32 
 
Abbildung 10: Bezieher und Bezieherinnen von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsmind e-
rung nach Altersklassen und Geschlecht im Jahr 2011 
Quelle: Sozialamt der Stadt Münster. 
 
Die Kategorie Geschlecht bestätigt hinsichtlich der Grundsicherung, dass mit steige ndem Alter 
(insbesondere in den Kohorten der ab 70-Jährigen) vor allem Frauen den Großteil der Hilfeemp-
fangenden ausmachen (Abbildung 10). Gleichzeitig ist dieser Trend von Bezirk zu Bezirk unter-
schiedlich stark ausgeprägt. Während in Münster West nur etwa 57  % der mindestens 60 Jähri-
gen SGB-XII-Empfänger weiblich sind, sind es in Münster Nord über 64 %.  
All dies vermittelt bereits ein en ersten Eindruck über die sozialräumliche sowie g eschlechts- 
und altersspezif ische Verteilung von Arbeitslosigkeit, Sozialleistu ngsbezug und damit indirekt  
auch Armut. Mit Blick auf die Kontinuitätsthese müsste allerdings hinterfragt bzw. erhoben 
werden, in welchem Maße ein Verbleib der derzeitigen Armutspopulation in den jeweiligen 
Stadtbezirken wah rscheinlich ist (vgl. hierzu auch Kapitel 3.3). Bereits an dieser Stelle ist zu 
erahnen, dass durch Arbeitslosigkeit und Sozialhilfebezug hervorgerufene Segregationsprozesse 
auf der hier betrachteten Stadtbezirksebene ausblenden, dass Arbeitslosigkeit und Sozialhilf e-
bezug in den einzelnen Bezirken selbst ungleich verteilt ist  – weshalb erst kleinräumige re Be-
trachtungen auf der Stadtteilebene ein umfassenderes und trennschärferes Bild abgeben. 
 
Die Stadtviertel 
 
Im Folgenden werden die bisher betrachteten Indikatoren auf Stadtteilebene übertragen und 
dargestellt, um stadtteilspezifische Segregationsprozesse deutlicher konturieren zu können . 
Dies ermöglicht es auch die Frage danach zu beantworten, in welchen Sozialräumen letztlich von 
einer Armutskumulation ausgegangen werden kann. Dabei werden erneut die K ategorien Alter 
und Geschlecht in den Blick genommen, um deren Relevanz auf der Stadtteilebene zu erkunden. 
Als Vergleichsbasis dient erneut die Ebene der Stadt , das heißt: es wird theoretisch angenom-
men, dass sich Arbeitslosigkeit und Sozialhilfebezug gleichmäßig über die Stadt Münster vertei-
len. Von diesem »Mittelwert« aus lässt sich dann eine stadtteilspezifische Einordnung vorne h-
men, die Über- und Unterrepräsentanzen einzelner Stadtviertel in den Blick nimmt. 
Die einzelnen Stadtviertel – das muss an dieser Stelle hervorgehoben werden – bilden dabei 
lediglich die kleinräumige Analyseebene. Das bedeutet jedoch nicht, dass dies auch die kleinste 
Ebene für die Armutsforschung darstellen muss. Verwaltungsgrenzen bilden zwar geographisch 
konstruierte Einheiten, mitnichten jedoch soziale Einheiten. Arbeitslosigkeit, S ozialhilfebezug 
und Armut machen also nicht an diesen Grenzen halt, sondern liegen auch quer zu diesen , was 
impliziert, dass Konzentrationsprozesse in den einzelnen Stadtvierteln höchst unterschiedlich 
ausgeprägt sein und Verdichtungspr ozesse über diese Grenzen hinweg Cluster  bilden könnten. 
Die folgenden Ergebnisse können nicht in aller Differenziertheit beschrieben und erörtert we r-
 <60 60-64 65-69 70-79 80-89 ≥90 Gesamt ≥ 60 ≥ 60-SGB- XII-
Quote 
Mitte 418 79 181 294 116 17 1105 608 0,52% (2) 
West 137 22 82 124 36 7 408 247 0,45% (5) 
Nord 183 39 78 179 43 3 525 303 1,07% (1) 
Ost 45 12 25 36 11 3 132 75 0,36% (6) 
Südost 84 13 52 54 13 4 220 123 0,45% (4) 
Hiltrup 145 19 49 97 32 2 344 180 0,49% (3) 
Gesamt 1012 184 467 784 251 36 2734 1538            0,54% 
Frauenanteile 
Mitte 41,30% 50,63% 49,72% 60,54% 80,17% 82,35% 55,75% 61,68%  
West 42,34% 45,45% 47,56% 58,06% 72,22% 57,14% 51,23% 57,09% 
Nord 38,25% 35,90% 53,85% 65,92% 76,74% 66,67% 53,14% 64,36% 
Ost 48,89% 66,67% 36,00% 69,44% 90,91% 100,00% 58,33% 62,67% 
Südost 45,24% 53,85% 55,77% 57,41% 76,92% 100,00% 54,09% 60,16% 
Hiltrup 46,21% 57,89% 63,27% 64,95% 68,75% 50,00% 56,69% 65,00% 
Gesamt 45,06% 48,91% 51,39% 62,12% 77,29% 77,78% 54,68% 61,70%

33 
 
den. Vielmehr stellen sie, dem explorativen Charakter der Expertise entsprechend, Eckwerte dar, 
an denen weiterführende Untersuchungen ansetzen können. 
Aus den Ergebnissen lässt sich zunächst eine wenig überraschende Aussage ableiten: Im Großen 
und Ganzen lässt sich auch hinsichtlich der sozialräumlichen Verteilung von Armut eine gewisse 
Kontinuität erkennen. Kurzum: Dort, wo Arm ut bereits in den letzten Armutsstudien als hoch 
konzentriert markiert wurde, hat sich auch einige Jahre später nichts verändert. Hinsichtlich des 
Gesamtbildes der Viertel überwiegt also eher Kontinuität als Wandel. Aber betrachten wir die 
Lage der Reihe nach: In einem ersten Schritt wurden hierzu die Anteile der gemeldeten Arbeits-
losen insgesamt sowie der Langzeitarbeitslosen, ausl ändischen Arbeitslosen und  Arbeitslosen-
geld nach SGB II Empfangenden an der wohnberechtigten Bevölkerung im Besonderen berec h-
net und dargestellt (Abbildung 11).  
 
Abbildung 11: Gemeldete Arbeitslose nach Stadtvierteln im Jahr 2010  
  
Arbeitslose  
gesamt 
 
 
Langzeitarbeitslose 
 
Ausländische Ar-
beitslose 
 
Arbeitslose nach 
SGBII 
 Anzahl ALQ Anzahl L-ALQ  Anzahl A-ALQ Anzahl S-ALQ 
Aegidii 29 2,14% 8 0,59% 6 0,44% 18 1,33% 
Überwasser 25 1,96% 8 0,63% 6 0,47% 16 1,26% 
Dom 35 1,62% 9 0,42% K.A. K.A. 16 0,74% 
Buddenturm 44 1,95% 6 0,27% 5 0,22% 24 1,06% 
Martini 25 1,96% 4 0,31% K.A K.A. 12 0,94% 
Pluggendorf 75 1,85% 20 0,49% 9 0,22% 45 1,11% 
Josef 258 3,23% 60 0,75% 35 0,44% 201 2,52% 
Bahnhof 38 3,60% 7 0,66% 12 1,14% 28 2,65% 
Hansaplatz 214 3,25% 64 0,97% 15 0,23% 145 2,20% 
Mauritz-West 123 2,08% 27 0,46% 10 0,17% 61 1,03% 
Schlachthof 133 2,73% 44 0,90% 21 0,43% 89 1,83% 
Kreuz 221 1,85% 50 0,42% 20 0,17% 128 1,07% 
Neutor 83 2,09% 21 0,53% 19 0,48% 51 1,28% 
Schloss 26 1,26% 9 0,43% 3 0,14% 16 0,77% 
Aaseestadt 129 2,41% 29 0,54% 30 0,56% 83 1,55% 
Geist 289 3,31% 81 0,93% 33 0,38% 207 2,37% 
Schützenhof 240 3,38% 64 0,90% 53 0,75% 173 2,44% 
Düesberg 170 2,49% 48 0,70% 12 0,18% 118 1,73% 
Hafen 30 3,05% 9 0,92% 11 1,12% 23 2,34% 
Herz Jesu 129 2,55% 46 0,91% 7 0,14% 94 1,86% 
Mauritz-Mitte 229 2,30% 54 0,54% 41 0,41% 129 1,30% 
Rumpenhorst 171 2,18% 51 0,65% 30 0,38% 113 1,44% 
Uppenberg 309 3,82% 105 1,30% 57 0,71% 237 2,93% 
Gievenbeck 469 2,49% 143 0,76% 98 0,52% 327 1,74% 
Sentrup 96 1,45% 25 0,38% 13 0,20% 64 0,97% 
Mecklenbeck 207 2,22% 65 0,70% 18 0,19% 118 1,26% 
Albachten 111 1,94% 34 0,59% 18 0,31% 64 1,12% 
Roxel 230 2,76% 66 0,79% 31 0,37% 158 1,89% 
Nienberge 154 2,36% 46 0,71% 17 0,26% 118 1,81% 
Coerde 696 6,93% 216 2,15% 169 1,68% 590 5,87% 
Kinderhaus-Ost 201 4,11% 53 1,08% 31 0,63% 143 2,93% 
Kinderhaus West 625 6,03% 192 1,85% 164 1,58% 552 5,33% 
Sprakel 72 2,43% 20 0,67% 3 0,10% 40 1,35% 
Mauritz -Ost 182 1,87% 56 0,58% 27 0,28% 111 1,14% 
Gelmer-Dyckburg 64 1,84% 19 0,55% 7 0,20% 41 1,18% 
Handorf 166 2,16% 61 0,79% 23 0,30% 105 1,37% 
Gremmendorf-West 141 3,00% 41 0,87% 26 0,55% 94 2,00% 
Gremmendorf-Ost 150 2,35% 41 0,64% 22 0,34% 98 1,54% 
Angelmodde 320 4,34% 96 1,30% 45 0,61% 246 3,34% 
Wolbeck 198 2,28% 61 0,70% 31 0,36% 128 1,47% 
Berg Fidel 281 5,05% 103 1,85% 78 1,40% 241 4,33% 
Hiltup-Ost 111 1,70% 34 0,52% 10 0,15% 64 0,98% 
Hiltrup-Mitte 356 3,64% 121 1,24% 64 0,65% 273 2,79% 
Hiltrup-West 292 3,27% 80 0,90% 42 0,47% 208 2,33% 
Amelsbüren 94 1,55% 31 0,51% 14 0,23% 68 1,12% 
Münster Gesamt 8292 2,91%  2436  0,85% 1399 0,49% 5899 2,07% 
Quelle: Stadt Münster 2011: 7ff.

34 
 
Ordnet man die Arbeitslosenzahlen und -quoten nach Stadtteilen, so ergibt sich mit Blick auf 
ihre sozialräumliche Verteilung folgendes Bild, welches einerseits eine gewisse Kontinuität, a n-
derseits aber mitunter auch Varianzen anzeigt – etwa dann, wenn die Arbeit slosigkeit in Aasee-
stadt (und hier insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit ), zwar unter dem städtischen Durc h-
schnitt liegt, der Anteil ausländischer Arbeitsloser die städtische Durchschnittsquote aber über-
schreitet (Abbildung 12).  
 
Abbildung 12: Sozialräumliche Segregation gemeldeter Arbeitslosigkeit nach Stadtvie rteln im Jahr 
2010 
 
Arbeitslose gesamt 
 
Langzeitarbeitslose 
 
Ausländische Arbeitslose 
 
Arbeitslose nach SGBII 
Coerde (6,93%) Coerde (2,15%) Coerde (1,68%) Coerde (5,87%) 
Kinderhaus West (6,03%) Kinderhaus West (1,85%) Kinderhaus West (1,58%) Kinderhaus West (5,33%) 
Berg Fidel (5,05%) Berg Fidel (1,85%) Berg Fidel (1,40%) Berg Fidel (4,33%) 
Angelmodde (4,34%) Angelmodde (1,30%) Bahnhof (1,14%) Angelmodde (3,34%) 
Kinderhaus-Ost (4,11%) Uppenberg (1,30%) Hafen (1,12%) Kinderhaus-Ost (2,93%) 
Uppenberg (3,82%) Hiltrup-Mitte (1,24%) Schützenhof (0,75%) Uppenberg (2,93%) 
Hiltrup-Mitte (3,64%) Kinderhaus-Ost (1,08%) Uppenberg (0,71%) Hiltrup-Mitte (2,79%) 
Bahnhof (3,60%) Hansaplatz (0,97%) Hiltrup-Mitte (0,65%) Bahnhof (2,65%) 
Schützenhof (3,38%) Geist (0,93%) Kinderhaus-Ost (0,63%) Josef (2,52%) 
Geist (3,31%) Hafen (0,92%) Angelmodde (0,61%) Schützenhof (2,44%) 
Hiltrup-West (3,27%) Herz Jesu (0,91%) Aaseestadt (0,56%) Geist (2,37%) 
Hansaplatz (3,25%) Hiltrup-West (0,90%) Gremmendorf-West (0,55%) Hafen (2,34%) 
Josef (3,23%) Schlachthof (0,90%) Gievenbeck (0,52%) Hiltrup-West (2,33%) 
Hafen (3,05%) Schützenhof (0,90%) Münster (0,49%) Hansaplatz (2,20%) 
Gremmendorf-West (3,00%) Gremmendorf-West (0,87%) Neutor (0,48%) Münster (2,07%) 
Münster (2,91%)  Münster (0,85%)  Hiltrup-West (0,47%) Gremmendorf-West (2,00%) 
Roxel (2,76%) Handorf (0,79%) Überwasser (0,47%) Roxel (1,89%) 
Schlachthof (2,73%) Roxel (0,79%) Aegidii (0,44%) Herz Jesu (1,86%) 
Herz Jesu (2,55%) Gievenbeck (0,76%) Josef (0,44%) Schlachthof (1,83%) 
Düesberg (2,49%) Josef (0,75%) Schlachthof (0,43%) Nienberge (1,81%) 
Gievenbeck (2,49%) Nienberge (0,71%) Mauritz-Mitte (0,41%)  Gievenbeck (1,74%) 
Sprakel (2,43%) Düesberg (0,70%) Geist (0,38%) Düesberg (1,73%) 
Aaseestadt (2,41%) Wolbeck (0,70%) Rumpenhorst (0,38%) Aaseestadt (1,55%) 
Nienberge (2,36%) Mecklenbeck (0,70%) Roxel (0,37%) Gremmendorf-Ost (1,54%) 
Gremmendorf-Ost (2,35%) Sprakel (0,67%) Wolbeck (0,36%) Wolbeck (1,47%) 
Mauritz-Mitte (2,30%) Bahnhof (0,66%) Gremmendorf-Ost (0,34%) Rumpenhorst (1,44%) 
Wolbeck (2,28%) Rumpenhorst (0,65%) Albachten (0,31%) Handorf (1,37%) 
Mecklenbeck (2,22%) Gremmendorf-Ost (0,64%) Handorf (0,30%) Sprakel (1,35%) 
Rumpenhorst (2,18%) Überwasser (0,63%) Mauritz-Ost(0,28%) Aegidii (1,33%) 
Handorf (2,16%) Albachten (0,59%) Nienberge (0,26%) Mauritz-Mitte (1,30%) 
Aegidii (2,14%) Aegidii (0,59%) Hansaplatz (0,23%) Neutor (1,28%) 
Neutor (2,09%) Mauritz-Ost(0,58%) Amelsbüren (0,23%) Mecklenbeck (1,26%) 
Mauritz-West (2,08%) Gelmer-Dyckburg (0,55%) Buddenturm (0,22%) Überwasser (1,26%) 
Überwasser (1,96%) Aaseestadt (0,54%) Pluggendorf (0,22%) Gelmer-Dyckburg (1,18%) 
Martini (1,96%) Mauritz-Mitte (0,54%) Gelmer-Dyckburg (0,20%) Mauritz-Ost (1,14%) 
Buddenturm (1,95%) Neutor (0,53%) Sentrup (0,20%) Albachten (1,12%) 
Albachten (1,94%) Hiltup-Ost (0,52%) Mecklenbeck (0,19%) Amelsbüren (1,12%) 
Mauritz -Ost (1,87%) Amelsbüren (0,51%) Düesberg (0,18%) Pluggendorf (1,11%) 
Kreuz (1,85%) Pluggendorf (0,49%) Mauritz-West (0,17%) Kreuz (1,07%) 
Pluggendorf (1,85%) Mauritz-West (0,46%) Kreuz (0,17%) Buddenturm (1,06%) 
Gelmer-Dyckburg (1,84%) Schloss (0,43%) Hiltup-Ost (0,15%) Mauritz-West (1,03%) 
Hiltup-Ost (1,70%) Dom (0,42%) Schloss (0,14%) Hiltup-Ost (0,98%) 
Dom (1,62%) Kreuz (0,42%) Herz Jesu (0,14%) Sentrup (0,97%) 
Amelsbüren (1,55%) Sentrup (0,38%) Sprakel (0,10%) Martini (0,94%) 
Sentrup (1,45%) Martini (0,31%) Dom (K.A.) Schloss (0,77%) 
Schloss (1,26%) Buddenturm (0,27%) Martini (K.A.) Dom (0,74%) 
Quelle: Stadt Münster 2011: 7ff. 
 
Sieht man sich die Verteilung näher an, dann fällt auf, dass Arbeitslosigkeit in drei Stadtvierteln 
am stärksten konzentriert ist: in Coerde, Kinderhaus -West und Berg Fidel – in jenen Vierteln 
also, die auch in der letzten Münsteraner Armutsstudie des IfS als in besonderem Maße von Ar-

35 
 
mut betroffen charakterisiert wurden. Abstrahiert man nun von einzelnen Indikatoren und bün-
delt diese, so resultiert hieraus ein »Ranking« aller Stadtviertel, das folgende Verteilung ergibt 
(Abbildung 13).26 
 
Abbildung 13: Integrierte Betrachtung sozialräumlicher Segregation gemeldeter Arbeit slosigkeit 
nach Stadtvierteln 
Ausmaß der  
Arbeitslosigkeit 
Werte Stadtviertel Kategorie: 
Armutsstudie 2009 
Trend 
 
1 niedrig 
 
 
< 3,5% 
 
Schloss (2,46%) 
Dom (2,78%) 
Sentrup (2,80%) 
Amelsbüren (3,18%) 
Hiltrup-Ost (3,20%) 
Martini (3,21%)  
Buddenturm (3,28%) 
Kreuz (3,34%) 
Pluggendorf (3,45%) 
2 
1 
1 
2 
2 
2 
2 
1 
1 
+ 
= 
= 
+ 
+ 
+ 
+ 
= 
= 
 
2 relativ niedrig 
 
3,5% 
-  
<4,5% 
Mauritz-Ost (3,52%) 
Gelmer-Dyckburg (3,57%) 
Mauritz-West (3,57%)  
Albachten (3,65%) 
Überwasser (3,85%) 
Neutor (3,90%) 
Aegidi (4,06%) 
Mauritz-Mitte (4,14%) 
Mecklenbeck 4,18%) 
Rumphorst (4,27%)  
Handorf (4,32%) 
Wolbeck (4,45%) 
Sprakel (4,45%) 
2 
1 
3 
2 
1 
1 
2 
2 
2 
2 
2 
2 
1 
= 
- 
+ 
= 
- 
- 
= 
= 
= 
= 
= 
= 
- 
 
3 durchschnittlich 
 
   4,5%            
- 
<6,5% 
Aaseestadt (4,50%) 
Gremmendorf-Ost (4,53%) 
Nienberge (4,88%) 
Gievenbeck (4,99%) 
Roxel (5,44%) 
Schlachthof (5,46%) 
Münster (5,83%) 
Gremmendorf-West (5,87%) 
Hafen (6,31%) 
Hansaplatz (6,42%) 
2 
2 
3 
3 
3 
3 
 
3 
3 
3 
- 
= 
= 
= 
= 
= 
 
= 
= 
= 
 
4 relativ hoch 
 
    6,5%            
-  
<10% 
Josef (6,50%)  
Hiltrup West (6,50%) 
Geist (6,61%)  
Schützenhof (6,72%)  
Bahnhof (6,91%) 
Hiltrup Mitte (7,67%) 
Uppenberg (8,05%) 
Angelmodde (8,98%) 
Kinderhaus-Ost (8,98%) 
2 
4 
3 
4 
4 
4 
4 
4 
4 
-- 
= 
- 
= 
= 
= 
= 
= 
= 
5 hoch ≥10% 
Berg Fidel (11,23%) 
Kinderhaus-West (13,21%) 
Coerde (14,95%) 
5 
5 
5 
= 
= 
= 
Quelle: Stadt Münster 2011: 7ff. 
 
Dieses Cluster der Segregation, bestehend aus Arbeitslosigkeit, Sozialhilfebezug und damit letzt-
lich Armut, verdeutlicht die Kontinuität von Armut in den am stärksten betroffenen Stadtvie r-
teln, wobei auch das Gesamtbild im Vergleich zur letzten Armutsstudie eher auf Kont inuität, 
denn auf Wandel hinweist.  
Weitere Indikatoren, die R ückschlüsse auf relative Armut und/oder Reichtum in den  einzelnen 
Stadtvierteln zulassen, sind die hier durchschnittlich versteuerten Einkommen (Abbildung 14). 
                                                             
26 Hierbei wurde aus der Summe jener Indikatoren, für die für alle Viertel Werte vorlagen (Arbeitslose 
gesamt, Langzeitarbeitslose und Arbeitslose nach SGBII) ein Stufenmodell erstellt, um dieses 
anschließend mit den Daten der letzten Armutsstudie in Beziehun g zu setzen.

36 
 
Abbildung 14: Durchschnittlich versteuerte Einkommen nach Stadtvier teln (2010) 
Hafen 19607  
unterdurchschnittlich Berg Fidel 21134 
Bahnhof 21230 
Schützenhof 21391 
Coerde 22054 
Hansaplatz 22519 
Pluggendorf 22525 
Überwasser 22609 
Josef 24239 
Herz Jesu 24294 
Gremmendorf-West 24936 
Geist 24946 
Uppenberg 25742 
Angelmodde 26012 
Düesberg 26409 
Aegidii 26537 
Mauritz-West 26570 
Kinderhaus-Ost 26653 
Rumpenhorst 26755 
Neutor 26923 
Kinderhaus West 27099 
Sprakel 27465 
Hiltrup-Mitte 27622 
Gievenbeck 27976 
Buddenturm 28146 
Nienberge 28162 
Amelsbüren 28471 
Münster Gesamt 28473 Durchschnitt 
Hiltrup-West 28523  
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
überdurchschnittlich 
Mecklenbeck 29061 
Albachten 29286 
Schlachthof 29332 
Handorf 29492 
Hiltup-Ost 29709 
Roxel 30027 
Mauritz-Mitte 30316 
Aaseestadt 30634 
Wolbeck 30980 
Martini 31058 
Dom 31806 
Gremmendorf-Ost 31818 
Kreuz 33919 
Gelmer-Dyckburg 35025 
Mauritz -Ost 35452 
Schloss 38186 
Sentrup 61701 
Quelle: Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung.  
 
Auch hier wieder begegnet uns zunächst das gleiche Bild: Obwohl Armut in einigen Stadtvierteln 
konzentriert ist, bedeutet dies nicht, das dort von einer Homogenität der Armut – oder anders 
formuliert: des Wohlstands – auszugehen ist. Vielmehr sind in einzelnen Vierteln große Stre u-
ungen anzutreffen. Exemplarisch wird dies in Kinderhaus-West deutlich. Während dieser Stad t-
teil mit Blick auf Arbeitslosigkeit, als hochbetroffen gelten kann, liegt das hier insgesamt ver-
steuerte Einkommen nur knapp unter dem Münsteraner Durchschnitt, ein Hinweis auf die be-
sonders große Spreizung von Einkommen und Lebenslagen in diesem Stadtviertel. 
Doch betrachten wir im Folgenden einmal die Verteilung der ab 55-jährigen Arbeitslosen sowie 
der Bezieherinnen und Beziehern von Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, die 
sich ja gewissermaßen »im Fadenkreuz der Altersarmut« bewegen (Abbildung 15).

37 
 
Abbildung 15: Ranking der mindestens 55-jährigen Arbeitslosen und Bezieher/innen von Grund-
sicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung nach Stadtvierteln 
Quelle: Stadt Münster 2011: 12. 
 
Hier wird deutlich: In jenen Stadtvierteln, in denen der Anteil der über 55-jährigen Arbeitslosen 
und Bezieher von Grundsicherung nach SGB XII überrepräsentiert ist, handelt es sich in der R e-
gel um die »üblichen Verdächtigen«: Coerde, Kinderhaus-West, Berg-Fidel, Angelmodde, Uppen-
berg, Hiltrup Mitte und Kinderhaus-Ost. Gleichzeitig rücken jedoch weitere Stadtbezirke in die 
(negativ zu denkende) »Spitzengruppe« auf. Mit Blick auf Grundsicherung nach SGB XII sind dies 
etwa Martini oder Geist, die bisher nicht als besonders problematisch ins Relief traten. Die Ange-
legenheit ist offenbar komplizierter, als es auf den ersten Blick erscheint. Dies gilt auch für die 
Frauenanteile unter den Beziehern und Bezieherinnen von Grundsicherung im Alter oder b ei 
Erwerbsminderung (Abbildung 16).  
 
Mindestens 55-jährige Arbeitslose  Bezieher von Grundsicherung im Alter und bei Er-
werbsminderung nach SGB XII 
 Anzahl Anteil   Anzahl Anteil 
Coerde 91 0,91% Kinderhaus West 252 2,43% 
Kinderhaus West 93 0,90% Coerde 194 1,93% 
Angelmodde 48 0,65% Berg Fidel 100 1,80% 
Berg Fidel 35 0,63% Schützenhof 125 1,76% 
Kinderhaus-Ost 30 0,61% Uppenberg 131 1,62% 
Hiltrup-Mitte 50 0,51% Martini 19 1,49% 
Hansaplatz 32 0,49% Kinderhaus-Ost 69 1,41% 
Hiltrup-West 43 0,48% Geist 120 1,37% 
Uppenberg 38 0,47% Herz Jesu 62 1,22% 
Sprakel 14 0,47% Aaseestadt 65 1,21% 
Düesberg 31 0,45% Angelmodde 86 1,17% 
Nienberge 29 0,44% Hiltrup-Mitte 100 1,02% 
Gremmendorf-West 20 0,43% Schlachthof 48 0,99% 
Münster Gesamt 1.175 0,41% Gievenbeck 185 0,98% 
Mauritz-Mitte 41 0,41% Münster Gesamt 2.734 0,96% 
Gievenbeck 77 0,41% Hiltrup-West 83 0,93% 
Mecklenbeck 38 0,41% Düesberg 60 0,88% 
Neutor 16 0,40% Gremmendorf-West 38 0,81% 
Geist 35 0,40% Mauritz-West 46 0,78% 
Wolbeck 35 0,40% Nienberge 50 0,77% 
Aaseestadt 21 0,39% Handorf 56 0,73% 
Gremmendorf-Ost 25 0,39% Mauritz-Mitte 72 0,72% 
Schlachthof 18 0,37% Dom 15 0,70% 
Albachten 21 0,37% Kreuz 84 0,70% 
Schützenhof 24 0,34% Josef 55 0,69% 
Roxel 28 0,34% Wolbeck 56 0,64% 
Dom 7 0,32% Neutor 25 0,63% 
Gelmer-Dyckburg 11 0,32% Schloss 13 0,63% 
Überwasser 4 0,31% Albachten 36 0,63% 
Martini 4 0,31% Gremmendorf-Ost 40 0,63% 
Handorf 23 0,30% Buddenturm 14 0,62% 
Kreuz 32 0,27% Hafen 6 0,61% 
Mauritz -Ost 26 0,27% Mecklenbeck 56 0,60% 
Josef 21 0,26% Roxel 49 0,59% 
Rumpenhorst 20 0,26% Hansaplatz 38 0,58% 
Mauritz-West 14 0,24% Mauritz -Ost 56 0,58% 
Schloss 5 0,24% Gelmer-Dyckburg 20 0,58% 
Hiltup-Ost 14 0,21% Rumpenhorst 44 0,56% 
Sentrup 12 0,18% Aegidii 7 0,52% 
Amelsbüren 11 0,18% Hiltup-Ost 33 0,51% 
Aegidii  
 
 
Keine Angaben 
Sentrup 32 0,48% 
Buddenturm Überwasser 6 0,47% 
Pluggendorf Bahnhof 5 0,47% 
Bahnhof Amelsbüren 28 0,46% 
Hafen Pluggendorf 18 0,44% 
Herz Jesu Sprakel 10 0,34%

38 
 
Abbildung 16: Bezieher/innen von Grundsicherung nach SGB XII nach Stadtvierteln, Altersklassen 
und Geschlecht 
 < 60  60-64 65 - 69 70 - 79  80 - 89 ≥90  
Gesamt davon  
Frauen 
Frauenanteil 
keine Angabe 20 5 0 1 1 0 27 10 37,04% 
Aegidi 4 0 1 2 0 0 7 4 57,14% 
Überwasser 2 0 2 1 1 0 6 4 66,67% 
Dom 3 1 1 6 4 0 15 8 53,33% 
Buddenturm 4 0 4 0 5 1 14 11 78,57% 
Martini 1 2 2 10 3 1 19 9 47,37% 
Pluggendorf 4 2 1 5 6 0 18 10 55,56% 
Josef 19 9 4 20 3 0 55 32 58,18% 
Bahnhof 3 0 1 0 1 0 5 2 40,00% 
Hansaplatz 4 0 7 16 10 1 38 23 60,53% 
Mauritz-West 18 6 6 11 5 0 46 29 63,04% 
Schlachthof 23 6 6 9 4 0 48 27 56,25% 
Kreuz 25 3 14 28 11 3 84 52 61,90% 
Neutor 6 3 5 7 3 1 25 12 48,00% 
Schloss 4 1 1 4 2 1 13 7 53,85% 
Aaseestadt 30 4 13 15 3 0 65 32 49,23% 
Geist 54 9 20 28 9 0 120 61 50,83% 
Schützenhof 58 7 20 34 5 1 125 68 54,40% 
Duesberg 19 1 13 19 8 0 60 35 58,33% 
Hafen 1 0 3 0 1 1 6 4 66,67% 
Herz-Jesu 19 2 12 19 10 0 62 34 54,84% 
Maritz-Mitte 27 5 11 18 8 3 72 47 65,28% 
Rumphorst 18 2 6 11 6 1 44 24 54,55% 
Uppenberg 52 11 28 30 7 3 131 71 54,20% 
Gievenbeck 57 8 40 59 18 3 185 103 55,68% 
Sentrup 11 0 6 11 3 1 32 16 50,00% 
Mecklenbeck 11 6 8 25 5 1 56 25 44,64% 
Albachten 13 3 11 7 2 0 36 18 50,00% 
Roxel 18 2 9 15 4 1 49 23 46,94% 
Nienberge 27 3 8 7 4 1 50 24 48,00% 
Coerde 62 15 30 72 14 1 194 109 56,19% 
Kinderhaus-Ost 28 7 7 22 5 0 69 34 49,28% 
Kinderhaus-West 90 17 38 83 22 2 252 132 52,38% 
Sprakel 3 0 3 2 2 0 10 4 40,00% 
Mauritz- Ost 22 4 10 15 4 1 56 35 62,50% 
Gelmer-Dyckburg 5 4 4 5 2 0 20 9 45,00% 
Handorf 18 4 11 16 5 2 56 33 58,93% 
Gremmendorf-West 16 3 5 12 2 0 38 21 55,26% 
Gremmendorf-Ost 13 2 9 12 4 0 40 23 57,50% 
Angelmodde 36 5 21 18 3 3 86 45 52,33% 
Wolbeck 19 3 17 12 4 1 56 30 53,57% 
Berg Fidel 34 5 17 30 14 0 100 51 51,00% 
Hiltrup-Ost 16 1 4 10 2 0 33 20 60,61% 
Hiltrup-Mitte 37 5 14 31 11 2 100 66 66,00% 
Hiltrup-West 46 7 9 18 3 0 83 43 51,81% 
Amelsbüren 12 1 5 8 2 0 28 15 53,57% 
Quelle: Sozialamt der Stadt Münster. 
 
Wenngleich hier deutlich wird, dass Fr auen unter den Leistungsbeziehende n in den meisten 
Vierteln überrepräsentiert sind, so gilt dies erstens keineswegs für jeden Stadtteil (etwa nicht 
für Mecklenbeck oder Sprakel) und zweitens wird darüber hinaus erkennbar, dass das Ausmaß 
an Unter- und Überrepräsentanz in einer zwar breiten Range e rfolgt, hohe Fallzahlen aber auch 
in eher »unverdächtigen Stadtvierteln« (etwa Gievenbeck) erkennbar werden.

39 
 
Zusammenfassung: Sozialräumliche Segregation von Armut                                                                   
und Altersarmut in quantitativer Perspektive 
 
Hinsichtlich der sozialräumlichen Segregation von prekären Lebenslagen und Altersarmut muss 
festgehalten werden, dass die vorliegenden Daten lediglich Hilfsindik atoren darstellen, entlang 
derer Armut und insbesondere Altersarmut grob skizziert werden können. Dies geschah vor 
allem unter Zuhilfenahme der Arbeitslosenzahlen (1) sowie der Sozialleistungen Empfangenden 
(2). Auffällig ist zunächst, dass der Trend der gemeldeten Arbeitslosen quasi simultan mit der 
Entwicklung in ganz Deutschland verläuft. Während die Arbeitslosenzahlen auch in Münster in 
der ersten Hälfte der vergangenen Dekade anstiegen, kann seit etwa der Mitte dieser Dekade ein 
Rückgang beobachtet werden. Diese Beschreibung, steht jedoch insofern auf tönernen Füßen, als 
dass die gemeldeten Arbeitslosenzahlen bekanntermaßen nicht alle faktisch Arbeitslosen erfa s-
sen und auch der Indikator Sozialhilf ebezug nur jene abbildet, die Sozialleistungen in Anspruch 
nehmen. Verschämte Armut bleibt demnach weitgehend ausgeblendet. Unter der Annahme, dass 
die Zahl der über 65 -Jährigen Grundsicherung Beziehenden im Alter bei lediglich knapp 1.500 
Menschen liegt, zudem aber bekannt ist , dass ca. Dreiviertel der Hilfsberechtigten ihr Anrecht 
auf Unterstützung nicht einlösen (Kapitel 2. 2), erweitert sich der Personenkreis bereits auf 
knapp 6.000 potentiell Anspruchsberechtigte. Wenn nun noch die Altersgrenze von 65 J ahren 
auf etwa 60 oder sogar 55 Jahre abgesenkt wird , deuten die Zahlen darauf hin, dass Altersarmut 
bereits heute ein virulentes Problem für zahlreiche Münsteraner innen und Münsteraner  dar-
stellt. In Anbetracht der Tatsache, dass die durchschnittlichen Ren teneinkommen aus der GRV 
von Frauen (ca. 500 Euro) nur etwa die Hälfte der Renteneinkommen der Männer (ca. 1.000 
Euro) ausmachen und zudem nicht davon auszugehen ist, da ss diese s Ungleichgewicht etwa 
durch B etriebsrenten oder Einkommen aus Vermögen wettgemacht werden kann  – sondern 
vielmehr vermutet werden  muss, dass diese Einkommensquellen d ie Unterschiede noch ve r-
stärken –, so wird ein klarer Trend zur Feminisierung der Altersarmut sichtbar. 
Auf Stadtbezirksebene wird deutlich, dass Arbeitslosigkeit insbesondere in Münster Nord, Müns-
ter Hiltrup und Münster Südost konzentriert ist. Bei den Beziehern von Grundsicherung im Alter 
stößt darüber hinaus Münster Mitte in diese »Spitzengruppe« vor und hinsichtlich der Grundsi-
cherung nach SGB XII weist auch Gievenbe ck hohe weibliche Fallzahlen auf. Mit Blick auf einige 
zentrale Armutsindices wiederum fällt dabei auf, dass Betroffene sich mit zunehmendem Alter 
neue Stadtbezirke »erschließen«. Dies muss als deutlicher Hinweis darauf  gedeutet we rden, 
dass Altersarmut sich anschickt, die klassischen Problemviertel Münsters zu verlassen, um sich 
neue, bislang unbelastete Regionen, zu »erobern«. Auf der Ebene der Stadtviertel wird aber auch 
deutlich, dass sich hinter den stadtbezirksspezifischen Konzentrationsprozessen mitu nter wei-
tere Armutscluster verbergen . Insbesondere in Coerde, Kinderhaus-West und Berg Fidel muss 
die Situation in einigen Bereichen als derzeit besonders kritisch bewertet werden. Aber auch in 
Kinderhaus-Ost, Angelmodde, Uppenberg, Hiltrup Mitte, Bah nhof, Schützenhof, Geist, Hiltrup 
West, Josef, Gremmendorf -West, Hafen und Hansaplatz sind Arbeitslosigkeit und Soziallei s-
tungsbezug überdurchschnittlich ausgeprägt.  
Noch einmal: Wenngleich mit Blick auf die Kontinuitätsthese und unter Zugrundelegung des 
Indikators »Bezug von Grundsicherung nach SGB XII« davon ausgegangen wird, dass vor allem 
diese Stadtviertel künftig von Altersarmut in besonderem Maße betroffen sind, so wird doch 
gleichzeitig auch deutlich, dass darüber hinaus in Vierteln, die auf den ersten Blick noch nicht 
von Altersarmut ereilt wurden, durchaus kleinräumige Konzentrationsprozesse von Altersarmut 
in Gang gekommen zu sein scheinen (etwa Martini oder Aasseestadt).  Bei der Entwicklung der 
Altersarmut in Münster handelt es sich also um ein Phänomen, dass alles in allem nicht an den 
Grenzen von Stadtvierteln halt macht.  
Die Auffassung, in Münster existiere keine bzw. nur eine nahezu unmerkliche Altersarmut, resul-
tiert aus den weiter oben skizzierten Schwierigkeiten bei der Definition von Armut un d Alters-
armut (Kapitel 2.1 und 2.2) sowie deren statistisch valider Mess barkeit im lokalen Raum (Kap i-
tel 2. 3). Die bisher betrachteten Zahlen geben jedoch keinen Grund zur Entwarnung , ganz im 
Gegenteil. Insbesondere, wenn jene Armutsursachen mitgedacht wer den, die sich unter der 
Formel »Entstandardisierung der Erwerbsarbeit « rubrizieren lassen, ist ein Anstieg der Alter s-
armut geradezu zwingend erwartbar. Bereits in den 1980er Jahren wurde erkannt, dass sich der

40 
 
Arbeitsmarkt zunehmend in einen einheitlichen Normalarbeitsmarkt und einen „risikogesel l-
schaftlichen flexibel-pluralen Markt für Unterbeschäftigung (...) “ teilt, „  wobei dieser zweite A r-
beitsmarkt sich quant itativ ausweitet und den ersten mehr und mehr dominiert“ (Beck 1986: 
228). Armut trotz Arbeit ( in Niedriglohnsektoren ) und entstandarisierte Erwerbsverläufe in 
Form von Teilzeitarbeit, Zeitarbeit, unterwertiger Beschäftigung oder befristeten Arbeitsverträ-
gen, unterbrochen von  phasenweiser Arbeitslosigkeit, sind nur einige Merkmale, die hier eine 
Rolle spielen . Au smaß und Folgen dieser Entwicklung für Armut und Altersarmut in Münster 
stellen in der hier vorliegenden Expertise in ihrer quantitativen Dimension eine zwar relevante, 
allerdings nicht näher bestimmbare Größe dar, weshalb wir hofften diese Dimension im Rahmen 
ausgewählter problemzentrierter Experten- und Expertinnen- sowie Betroffeneninterviews in-
tensiver ausleuchten zu können. 
 
2.4 Qualitative Aspekte der Altersarmut in Münster 
 
Um in Münster bestimmte Aspekte bereits heute existierender Altersarmut zu erheben, wurden 
neben sekundäranalytisch-statistischen Auswertungen i nsgesamt 12  qualitative Expert en- 
bzw.Expertinnen- und sechs Betroffeneninterviews durchgeführt. 
 
Erläuterungen zur Methodik 
 
Als E xperten und Expertinnen wurden M itarbeitende sozialer Einrichtungen aus dem Bereich 
Senioren- und Seniorinnenarbeit erfasst, die aufgrund langj ähriger Erfahrungen über ein spezi-
fisches Wissen in diesem Feld verfügen. Dieses Wissen entspringt ihrer Profession und qualifi-
ziert sie (etwa im Gegensatz z u Laien, die sich Wissen in der Altenarbeit privat angeeignet h a-
ben) als Gesprächspartner  und Gesprächspartnerinnen im Rahmen von Experten - bzw. Exper-
tinneninterviews. Die Auswahl unserer Gesprächspartner  und Gesprächspartnerinnen  ist der 
Organisationsstruktur der Münsteraner Arbeit mit Älteren sowie den theoretischen Vorarbeiten 
geschuldet. Es muss allerdings darauf hingewiesen werden, dass die Liste der Bef ragten Exper-
tinnen und Experten auf Grund des explorativen Charakters der Expertise weder vollständi g 
noch repräsentativ ist und auch der Umfang der Gespräche den Rahmenbedingungen einer E x-
pertise geschuldet ist.  
Für Interviews wurde die Form de r Problemzentrierung gewählt. Hierbei werden offene und 
halbstrukturierte Frageformen miteinander verbunden. D ieser Zugang bietet sich immer dann 
an, wenn ein Themenfeld vor dem Hintergrund seiner subjektiven Bedeutung  für die in ihm 
handelnden Agierende ausgeleuchtet werden soll . Wenngleich Experten- und Expertinnenwis-
sen hier nicht als »objektiv richtig« bzw. »objektiv wahr« im statistischen Sinne zu werten ist, so 
strukturiert es dennoch das Handeln der Agierenden  in der Senior en- und Seniorinnen arbeit. 
Genau dies macht das Experten - und Expertinnenwissen zu einem zentralen Element qualitati-
ver Interviews, das es zu erkunden gilt  – unabhängig von seiner objektiven Relevanz . Vor allem 
hinsichtlich der Essenz der vorliegenden Expertise – also mit Blick auf mögliche Handlungsopti-
onen – ist die Wahrnehmung der Expert innen und Expert en von besonderer Bedeutung, da die 
Arbeit in den sozialen Einrichtungen entlang dieser Wahrnehmung organisiert und verrichtet 
wird. Würde also in der Wahrnehmung von Mitarbeitern den sozialer Dienste Altersarmut als 
kaum relevantes Problem wahrgenommen, so bestünde bereits vor dem Hintergrund der statis-
tisch-empirischen Hinweise auf ihre faktische Existenz eine künftige Handlungsoption darin, ein 
entsprechendes Bewusstsein für die Problematik zu schaffen.  
Empirisch galt es, im Rahmen der Gespräche einige methodische Bedingungen zu beachten. Da-
bei führten so genannte Sondierungsfragen quasi explorativ an den eigentlichen Fragenkomplex 
heran und evaluierten gleichzeitig, in wie weit d ie Thematik überhaupt Relevanz im beruflichen

41 
 
Alltag der Befragten hatte.27 Mit diesem Vorgehen kann in der Regel auch der so genannte »Soci-
al Desirability Response Effekt «, das sozial erwartbare Antwortverhalten, vermi eden werden. 
Neben den Leitfragen, die auf wesentliche Aspekte von Altersarmut und Demogra fie abzielten,28 
wurden Ad-hoc-Fragen immer dann gestellt, w enn überraschend neue Aspekte im G espräch 
auftauchten. Aus der Position sowie aus der Art und Weise bzw. der Platzierung solcher Zusatz-
informationen ließen sich später Zusammenhänge, Ursachen oder thematische Tabuisi erungen, 
aber auch Gewichtungen hinsichtlich der Bedeutung des Gesagten erschließen.  
Alle von uns befragten Experten wurden aus folgenden Einrichtungen rekrutiert: 
 
 Schuldnerberatung der Diakonie Münster 
 Münster Tafel e.V.  
 Altenheim Friedrichsburg 
 Haus der Wohnungslosenhilfe der Bischof Hermann Stiftung 
 Seniorenrat e.V. Münster 
 Seniorenvertretung Münster 
 Gesundheitsamt Münster 
 ver.di Senioren 
 Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt 
 Informationsbüro Pflege im Gesundheitshaus 
 Arbeitskreis International e.V. 
 Caritas für die Diözese Münster 
 
Die sechs von Altersa rmut Betroffene, die sich für biographische Interviews zur Verfügung g e-
stellt hatten (3 Männer und 3 Frauen) gewannen wir über die befragten Einrichtungen qua I n-
formationsschreiben und persönliche Ansprache. Alle Betroffeneninterviews wurden als biogra-
phisch-narrative Interviews geführt. Den Interviewpartner n wurde jeweils zu Beginn lediglich 
der Kontext der Befragung erläutert und ein auffor dernder Erzählstimulus ge setzt.29 Anschlie-
                                                             
27 Fragenblöcke 1 und 2 des Leitfadens: Bitte erzählen Sie von Ihrer Arbeit mit älteren Münsteraner 
Bürger. Vielleicht beginnen Sie mit einigen Worten zu ihrer Einrichtung: Seit wann existiert die 
Einrichtung? Wo liegt der Beratungsschwerpunkt/Hauptfokus? Welche Personengruppen nutzen das 
Angebot? Wie hoch ist der Seniorenanteil, wie ist die geschlechtliche oder altersmäßige Verteilung, die 
soziale, geographische  Herkunft der Menschen, mit denen Sie arbeiten, in welchen familialen 
Verhältnissen leben sie? Wie oft kommen die Betroffenen zu ihnen? Wie lange wird betreut und/oder 
beraten? Wie erfahren die Betroffenen von ihrer Einrichtung?  
28 Fragenblock 3 und 4: Ist Ihre Klientel typischerweise von Altersarmut betroffen? Was ist Ursache/Aus -
löser für Armut bei Ihren Klienten bzw. Ratsuchenden. Ist/war  Ihr „Klientel“ typischerweise von 
Arbeitslosigkeit oder prekären Beschäftigungsverhältnissen betroffen? Gehen die Betroffenen unter -
schiedlich mit ihrer Situation (Armut) um? Welches sind die Ziele I hrer Tätigkeit und wo greifen die 
Maßnahmen Ihrer Meinung nach am besten, wo überhaupt nicht? Was halten sie von den öffentlichen 
Debatten zur demografischen Entwicklung in Deutschland bzw. Münster? Sehen sie Probleme, die sich 
mit dem demografischen Wandel für die Betroffenen verstärken bzw. verringern werden? Wo sehen 
Sie noch brachliegendes Potential ihrer Arbeit ? Wo gäbe es Unterstützungs -/ Förderungsbedarf?) 
29 Es geht uns ja um die soziale Situation älterer Menschen in Münster, einerseits werten w ir ja Daten aus 
und befragen zum anderen Institutionen, die mit Senioren in Münster arbeiten. Heute liegt mein 
Interesse dagegen ganz bei Ihnen, vielleicht erzählen Sie mir einfach ein wenig aus Ihrem Leben. 
Nehmen Sie sich dabei ruhig soviel Zeit, wie sie benötigen, ich werde sie auch erstmal nicht 
unterbrechen, sondern mir eher Notizen machen und dann später eventuell nochmal Nachfragen 
stellen. Sie können gerne ganz von Anfang anfangen und dann Ereignisse oder Stationen mit 
einbeziehen, die Sie für Ihre gegenwärtige Lebenssituation für relevant halten.

42 
 
ßend wurden die Mitschnitte der Interviews transkribiert und in Anlehnung an Mayring entlang 
der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse ausgewertet  (Mayring 2003).30 Dabei wi ederum 
wurde am Datenmaterial entlang ein Kategoriensystem entwickelt, dessen Dimensionen bereits 
vor der Auswertung auf Basis der theoretischen Erwägungen festlegt worden waren. Letztendli-
ches Ziel war es, Erscheinungsformen und Ursachen von Altersarmut sowie den U mgang mit ihr 
aus der Perspektive subjektive r Betroffenheit zu erkunden und mit den quantitat iven Daten, 
sowie den Einschätzungen der Experten zu kontrastieren.  
 
Ergebnisse der Auswertung der Experten- bzw. Expertinnen- und Betroffeneninterviews 
 
Mit Blick auf die Expert en- und Expertinneninterviews lässt sich zunächst festhalten, dass diese 
mehr oder weniger übereinstimmend die Meinung vertraten, dass bereits unter heutigen Rent-
nerinnen und Rentnern  verdeckte Armut  in Münster weit verbreitet sei. Dies liege vor allem 
daran, dass längst nicht alle Leistungsberechtigten die ihnen zustehenden Leistungen auch in 
Anspruch nähmen – und sie von daher nicht in den amtlichen Statistiken auftauchten. Altersar-
mut in Münster insgesamt ziehe sich, so die Befragten, durch alle gesellschaftlichen Gruppen. Sie 
betreffe Frauen wie Männer, Hochbetagte wie junge Alte, in Münster aufgewachsene »Poahlbür-
ger« ebenso wie Zugewanderte oder Menschen mit Migrationsvorgeschichte. Als besonders häu-
fig genannte Gruppen kristallisierten sich aus de n Interviews  vor allem Grundsicherung  emp-
fangende ältere Menschen mit folgenden Merkmalen heraus: 
 
 Alleinstehende, verwitwete oder geschiedene Frauen auf Grund multipler Benachteil i-
gungen in der vorausgegangenen Erwerbsbiografie; 
 geschiedene, verwitwete oder alleinstehende Männer (auf Grund defizitärer Haushalt s-
führungskompetenzen, in prekären Wohnsituationen lebend oder wohnungslos); 
 Verschuldete; 
 Menschen mit Migrations vorgeschichte, insbesondere der ersten Einwandergeneration 
(auf Grund ihrer Erwerbssituation sowie integrationsbedingter Spezifika); 
 Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus und Wohnungslose; 
 Menschen mit alt ersbedingt gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Demenz, Sucht -
erkrankungen, Behinderungen). 
 
Die Arbeit mit all diesen Gruppen unterliegt offenbar besonderen Schwierigkeiten, da sich ihr 
Abgleiten in die A ltersarmut nicht »über Nacht« vollzieht, sondern als Prozess. Dieser bleibt oft  
lange Zeit über unbemerkt, so dass  die Betroffenen Handlungsstrategien entwickeln, mit denen 
sie ihre faktische soziale Lage zu verschleiern wissen. Dabei komme es wieder häufiger , so war 
mehrfach zu hören,  zu so genannter vers chämter Armut – zu einer Form des Umgangs mit der 
eigenen Betroffenheit also, die stark vom jeweiligen Umfeld abhängt: In einem gutbürgerlichen 
Umfeld etwa wird eine mit Re ssourcen unterausgestattete Seniorin stärker daran interessiert 
sein, nicht »unangenehm« aufzufallen, als in einem eher prekären Wohnumfeld. Dies mag einer 
der Gründe dafür sein, dass sich in den gutbürgerlichen Stadtvierteln Münsters Altersarmut eher 
                                                             
30 In mehreren Arbeitsschritten wird das Material paraphrasiert, systematisch gekürzt und auf 
wesentliche Sinngehalte zu reduzieren. Auf diese Weise entsteht ein Kategorienraster, das eine  
thematische Gliederung enthält. Durch die Gliederung können Materialeinheiten sortiert und unter 
Kategorien rationell zusammengefasst werden. Wesentlich sind hierbei die Auskürzung von 
Ausschmückungen sowie die Umformulierung in eine grammatische Kurzform auf möglichst 
vereinheitlichtem Sprachniveau. Paraphrasen mit gleicher Bedeutung werden ausgestrichen und nur 
diejenigen Paraphrasen weiterverwendet, die von zentraler Bedeutung für das Material sind. 
Schließlich werden Paraphrasen mit ähnlichem Inhalt gebündelt und gegeben enfalls mit einer neuen 
Formulierung aktualisiert.

43 
 
schleichend-unauffällig und damit quasi hinter dem Rücken der beobachtenden Instit utionen zu 
entwickeln scheint. 31 Eine Selbstidentifikation als arm und h ilfebedürftig wird zudem häufig 
dadurch verhindert, dass i n der aktuellen Rentnergeneration nach wie vor eine eher neg ative 
Einstellung gegenüber staatlichen Unterstützungsleistungen vorherrscht. Anträge bei Ämtern 
werden als Bittstellerei, Leistungen als Almosen(ab)gewertet, weshalb die Hemmschwelle, Leis-
tungen nach dem Sozialgesetzbuch zu beantragen, entsprechend hoch ist.  
 
Betroffene: „Meine Tochter (…) sagt immer, ich soll mal fragen, ob ich nicht auch, wenn ich 
eine Eigentumswohnung habe, Wohngeldzuschuss kriegen würde, wahrscheinlich würde 
ich es kriegen, aber ich sage, ich schaffe es doch irgendwie immer so.“ 
 
Lange Zeit über glaubte die Armutsforschung, dass diese Form der verschämten Altersarmut 
überwunden und lediglich bei einigen noch lebenden Mitgliedern der so genannten Kriegski n-
dergeneration anzutreffen sei. In den Experten- und Expertinneninterviews wurden wir alle r-
dings eines Besseren belehrt . Alles in allem bestätigten auch die  qualitativen Daten die These, 
dass Altersarmut in Münster auch jenseits der erfassten Fallzahlen weit verbreitet ist und dass 
die davon Betroffenen von entsprechenden Maßnahmen und Institutionen kaum erreicht wer-
den.  
Als ähnlich zurückhaltend wurde die Einstellung älterer Menschen in Münster gegenüber Kredi-
ten beschrieben. Ältere Menschen verm eiden es offenbar, sich zu verschulden . Einzige Ausnah-
me hier: in Folge von Suchterkrankungen. Ist es dennoch zu einer Verschuldung gekommen , so 
versuchen sie durch extremes Sparen, häufig auf Kosten der eigenen Gesundheit (Mangelernä h-
rung, Verzicht auf Heizung und warmes Wasser), diese Schulden schnellstmöglich abzutragen. In 
dieser Zeit fällt es ihnen fast immer schwer, ihre finanzielle Notsituation gegenüber Dritten ein-
zugestehen. Diese Handlungsstrategien korrespondieren in den meisten Fällen mit einem i m-
mensen Informationsdefizit hinsichtlich der ihnen rechtlich zustehende n Leistungen – insbe-
sondere vor dem Hintergrund einer Migrationsvorgeschichte. 
 
Betroffene: „ Damals konnte ich ja auch noch nicht so richtig Deutsch. Man wusste nicht 
wohin. Ich kannte ja auch nicht so viele und das s mir einer hätte sagen können, oder i r-
gendwo hingehen können...“ 
 
Vor dem Hintergrund solcher Informationsdefizite wurde eine große Angst bei den von Alters-
armut Betroffenen beobachtet – Angst davor, dass nahe Angehörige für Ihre finanzielle Situation 
aufkommen müssen. Dieser Umstand wurde in den Betroffenengesprächen entsprechend häufig 
als Grund dafür angegeben, keine Leistungen beantragt zu haben. 
 
Betroffene: „Ich möchte meinen Kindern auch nicht zur Last fallen. Falls ich nicht laufen 
könnte, weil d ie Bandscheibe jetzt anliegt. Ich mein, ich nehm ja die Tabletten, aber sollte 
ich wirklich nicht, dafür gibt es Rollatoren, die man wieder verschreiben lassen muss, durch 
den Arzt.“ 
 
Betroffene: „[Die Tochter der Interviewten arbeitet] (…) ist geschieden, hat zwei Kinder, 
trägt sich aber selbst. Wie will ich meine Tochter belasten. Sie hat zwei Kinder, sie hat auch 
eine Wohnung – über 700 Euro und geht den ganzen Tag arbeiten.“ 
 
                                                             
31 Auch weist Münster im Vergleich mit anderen Städten, etwa denen des nahen Ruhrgebiets, höhere 
Durchschnittseinkommen auf, so dass die Quote verschämter, also nicht angezeigter Altersarmut hier 
vermutlich höher liegt.

44 
 
Addiert man diesen subjektiven Beweggründen die Tatsache hinzu, dass Altersarmut auch in der 
öffentlichen Debatte bislang weitgehend unterbelichtet bleibt, so wird ve rständlich, dass ein 
offener Umgang mit der eigenen Betroffenheit durch Altersarmut nicht leicht fällt. 
 
Erscheinungsformen von Altersarmut 
 
Aus Experten - bzw. Expertinnen - und Betroffeneninterviews konnte insgesamt folgendes Bild 
der Erscheinungsformen von Altersarmut in Münster gezeichnet werden. 
 
Die geographische Verortung von Altersarmut 
 
Vor allem mit Blick auf eine mangelnde sozial-kulturelle und gesellschaftspolitische Teilhabe 
existiert ein hohes Maß an Altersarmen in Coerde, Kinderhaus, Berg Fidel, Gievenbeck und 
Hiltrup (vgl. auch statistische r Teil der Expertise). Die Segregation der Altersarmut in Münster, 
d.h. ihre schwerpunktmäßige Verteilung auf periphere Randbereiche Münsters sei – so war wie-
derholt zu vernehmen – vor allem auf den im Innenstadtbereich nicht ausreichend vorhandenen 
altersadäquaten und sozialverträglichen Wohnraum in unteren Mietsegmenten zurückzuführen.  
 
Ökonomische Altersarmut  
 
Die häufigste und augenfälligste Erscheinungsform von Altersarmut stellt die ökonomische Ar-
mut dar. Sie resultiert daraus, dass laufende Renteneinkommen den täglichen Bedarf an L e-
bensmitteln und Gebrauchsgütern häufig nicht oder nur unzureichend abdecken, so dass zusätz-
liche Unterstützungsleistungen und oder –aktivitäten notwendig werden (Beantragung von 
Grundsicherung, Aufnahme einer Erwerbstätigkeit im Alter etc.). Stellvertretend für eine Vie l-
zahl von Nennungen mit Blick auf ökonomische Altersarmut in fast allen Interviews steht nach-
folgendes Zitat: 
 
Betroffener: „Beide zusammen haben wir 651 Euro. Und da kann man keinen großen 
Sprung machen. Te lefon, Strom und dann kann natürlich auch sein, wenn die Endabrec h-
nung mit den Nebenkosten kommt, dann wird auch nicht alles anerkannt. Dann müssen wir 
da noch mal einen 50iger zuzahlen und da noch mal. Und das sind so Sachen, die tun natü r-
lich weh. Man ist dann irgendwie geknebelt dann. Da sparen wir dann irgendwie an Wasser 
oder an der Heizung, da sind wir ganz pingelig, mit der Heizung. Obwohl wir es ja eigen t-
lich nicht bezahlen. Wir bekommen Grundsicherung. Aber wir haben beide das Gleiche. Bei  
uns ist Mitte des Monats saure Gurkenzeit.“ 
 
Von ökonomisch geprägter Altersarmut sind in Münster vor allem Frauen betroffen, da sie einen 
prozentual höheren Anteil an den Älteren ausmachen (vgl. hierzu auch Kapitel 3.2) und auf 
Grund ihrer Erwerbsbiografie deutl ich weniger Altersrente beziehen. Dies bestätigte sich s o-
wohl in den Betroffeneninterviews als auch in den Gesprächen mit den Expert innen und Exper-
ten der sozialen Einrichtungen.  
Häufig äußert sich die ökonomisch prekäre Situation älterer Frauen und Männer gleichermaßen 
darin, dass diese auch im Ruhestand einer Erwerbstätigkeit nachgehen: 
 
Betroffene: „Aber ich kann noch arbeiten, ich habe bis vor kurzem in der Stadtbäckerei 
zweimal drei Stunden in der Woche gearbeitet und arbeite immer zwei Monate, also N o-
vember, Dezember auf dem Weihnachtsmarkt (…).“

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Betroffene: „Ich habe, nachdem ich Rentnerin geworden bin, in der Modebranche gearbe i-
tet, da kriegte ich schon Rente. Also ich sehe auch immer zu, dass ich was dazu verdiene. (…) 
Das war auch ein 400 € Job, ich habe Mode vorgeführt.“ 
 
Ökonomisch geprägte Altersarmut wird aber auch daran sichtbar , dass von Rentnern und Rent-
nerinnen wieder vermehrt Kleiderkammern und /oder die Angebote der Mün steraner Tafel in 
Anspruch genommen werden, was in beiden Interviewfor men unabhängig voneinander wieder-
holt thematisiert wurde:  
 
Betroffener: „Ich beziehe von der Münster Tafel, einmal in der Woche gehe ich dort hin und 
hole mir was zu futtern, um Geld zu sparen.“ 
 
Die Inanspruchnahme solch öffentlicher Angebote für die Befriedigung von Grundbedürfnissen 
wurde von den interviewten Expert innen und Experten wiederholt als funktionale »Notbehelfs-
strategie« beschrieben, die es ermögliche , Wohnnebenkosten (Kosten für Energie, notwendige 
Reparaturen) oder Kosten für die medizinische Versorgung aufzubringen. Der Verzicht auf Erho-
lungsurlaube und Reisen, auf ein eigenes Auto oder auf nicht lebensnotwendige, den Alltag aber 
erleichternde Gebrauchs gegenstände, ist als notbehelfsökonomische Strategie dabei genauso 
Bestandteil des Leben slalltags vieler Älterer , wie ein Höchstmaß an Bescheidenheit im Bereich 
Wohnen – insbesondere was die Ausstattung und Instandhaltung ihres unmittelbaren Wohn-
raums angeht. 
 
Altersarmut und Gesundheit 
 
Betroffene: „Gehe ich zum Arzt, der hat mir zweimal ver schiedene Tabletten verschrieben, 
(…). Dann war ich so verzweifelt, erst zahlste  die 10 Euro da, Praxisgebühren. Dann zahlst 
du noch jedes Mal 5 Euro für die Medikamente. Ich denk, das sind 20 Euro.“ 
 
Die Gesundheitsreform hat dazu geführt, dass in den let zten Jahren immer mehr Zusatz- und 
Folgekosten im Rahmen medizinischer Versorgung von den Versicherten aufzubringen sind, was 
vor allem die Haushaltseinkommen älterer Menschen in prekären Lebenslagen  belastet. Diese 
Entwicklung, deren Ende noch nicht abzus ehen ist, vollzieht sich unglücklicherweise vor dem 
Hintergrund von zum Teil ihrerseits gesundheit sschädlichen Kostenvermeidungsstrategien auf 
Seiten der Älteren. Vor allem Altersarme geraten auf Grund dieser Gemengelage von Krankheit 
und/oder Behinderung, einer marginalen finanziellen Situation sowie dem Hang zu starker Indi-
vidualisierung/Privatisierung der damit einhergehenden Risiken in einen schleichenden Prozess 
der Selbst ausgrenzung. Dies betrifft insbesondere Menschen, die in der Erwerbsarbeit sphase 
bereits in prekären Beschäftigungsverhältnissen tätig und im Alter dann häufig mit berufsb e-
dingten gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Folgeschäden konfrontiert sind. Immer häufi-
ger sind sie dann von chronischen Leiden betroffen. Gerade in Fällen chronischer Krankheit aber 
sind die zusätzlichen medizinisch-therapeutischen Kosten besonders belastend. Die Folge: Arzt-
besuche werden vermieden und eine medizinische Versorgung findet kaum mehr statt.32 
 
Betroffene: „Dann rechnet man, lohnt sich das zum Arzt gehen, die 10 Euro, zweimal falsche 
Medikamente, sind wieder 10 Euro, sind 20 Euro. Dann kann ich auch sofort das holen. Also 
was soll ich dann groß zum Arzt.“ 
                                                             
32  Die vom Gesetzgeber durchaus einkalkulierten Erstattungen – etwa von Praxisgebühren und anderen 
Zuzahlungen –greifen gerade bei älteren Patienten kaum, da sie nach dem Prinzip der »Vorkasse« 
organisiert sind.

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Dieser »Teufelskreislauf« von prekärer Erwerbsarbeit im mittleren Lebensalter, ök onomischer 
Armut im Alter, berufsbedingter gesundheitlicher Beeinträchtigung und paralleler Privatisi e-
rung und Ökonomisierung der nun immer wichtiger werdenden Ve rsorgungsgüter und -dienst-
leistungen hat entsprechende Auswirkungen auf die psych ische und physische Befindlic hkeit 
von immer mehr Betroffenen. Daran ändern auch alle notbehelfsökonomischen Strategien w e-
nig, selbst wenn sie noch so geschickt in Szene gesetzt werden. Die kumulativen Effekte führen 
vor dem Hintergrund der psychischen und physischen Belastungen dann nicht selten zu krassen 
Fehlentscheidungen in medizinischen Notfallsituationen. Gerade in Fällen extremer Armut, wie 
etwa im Rahmen der Grundversorgung Wohnungsloser, werden die reformbedingten Zusatzkos-
ten einer angemessenen altersbedingten medizinischen Versorgung zunehmend zum Problem.  
Im Falle älterer Betroffener mit Migrationsvorgeschichte wiederum verschärfen die oft nur mar-
ginalen Deutschkenntnisse die Verständigungsprobleme – und damit auch das Problem selbst. 
 
Altersarmut und Wohnsituation 
 
Betroffener: „Nur die Mieten, die sind ein bisschen hoch.“ 
 
Die Versorgung mit barrierefreiem und altersadäquatem Wohnraum in Münster ist ausbaufähig 
und bisher nur i m gehobenen Preissegment gesichert. Armutslagen im A lter aber hängen eng 
mit der jeweiligen Wohnsituation der Betroffenen zusammen. Sie äußern sich dann unter ande-
rem darin, dass Menschen auf Grund altersbedingter kö rperlicher Einschränkungen innerhalb 
ihres Wohnraums und Wohnumfelds Mobilitätseinschränkungen erleid en. Der Umbau einer 
»Normalwohnung« in barrierefreien Wohnraum nämlich ist aus unterschiedlichen Gründen fast 
immer schwierig. Da in Münster sozialverträglicher (im wesentlichen also: kostengünstiger und 
gleichzeitig altersgerechter) Wohnraum eher rar ist, wird häufig ein Umzug in eine alten- bzw. 
behindertengerechte Wohnung aus medizinischen Gründen zwar notwendig, ist aber aus Ang e-
botsgründen kaum möglich. Dabei stellt er für viele Betroffene auch eine psychosoziale Barriere 
dar, da mit einem solchen Umzug der Verlust sozialer Kontakte einhergeht, was  vor allem für 
männliche Betroffene häufig ein Problem darstellt. So pendeln viele Altersarme zwischen Skylla 
und Charybdis, zwischen Pest und Cholera: Einerseits in einer inzwischen zu großen, zu teuer 
gewordenen und wenig altersangemessenen Wo hnung lebend, wollen sie diese aber auch nicht 
verlassen, da in genau diesem Umfeld ihre oft über Jahrzehnte hinweg gewachsenen einzigen 
Kontakte existieren. An diesem Problem ändert auch Wohneigentum nur wenig. Hier plagen 
dann andere Sorgen: hohe Energiepreise und anfallende Umbau- oder Renovierungskosten sor-
gen häufig ebenfalls für eine prekäre Lebenssituation trotz Immobilienbesitz:  
 
Betroffene: „ (…) und wir haben die Rücklage erhöht und dann ist beschlossen worden (…). 
Es wurde nach berechnet ab 1. J anuar die Erhöhung. Und zwar haben die beschlossen, ich 
habe letzten Endes auch mit beschlossen, von 10 auf 12 € das zu erhöhen. Das sind bei 80 
m² sind das fast 1.000 €, die da im Jahr zusammen kommen. Da die Energiepreise immer 
größer werden und uns das irgendwann auffressen wird, die Heizung usw., da kann man 
sparen wie man will.“  
 
Armut und gesellschaftliche Teilhabe 
 
Bescheidene finanzielle Einkommen  im Alter beschneiden die immer stärker ökonomisierten 
sozialen Aktivitäten Älterer bereits heute. Ob T heater-, Kino- oder Konzertbesuch, das gemüt li-
che Beisammensein in einer Gaststätte, die Teilnahme an einem Volkshochschulkurs oder ein 
Besuch in Schwimmbad oder Museum – nichts davon ist umsonst oder für Niedrigeinkommen s-
bezieher, von gelegentlichen Ausnahmen einmal abgesehen, regelmäßig erschwinglich.

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Experte/in: „Also das ganze Stichwort Mobilität oder Unterwegs sein zu müssen, um am Le-
ben von Gemeinschaft teilzunehmen. Das fängt da an. Das andere, das kennen wir aus a n-
deren Lebenslagenbezügen auch, jeder der irgendwo in einem Familienkreis in einer Gru p-
pe ist, ob es nun ein Sportverein oder eine Kirchengemeinde oder ob es ein Freundeskreis, 
ein Kegelclub, oder sonst was, da gibt es immer Festivitäten, da wird der runde Geburtstag 
gefeiert, da wird eing eladen, da wird ein Geschenk gemacht, da wird ein Ausflug gemacht, 
also all diese Dinge. Wir erleben häufiger dann in solchen Situationen, dass sich Menschen 
zurückziehen, indem sie einfach sagen, ich kann nicht daran teilnehmen, sagen aber nicht 
ich kann das aus finanziellen Gründen nicht, sondern sagen ich kann nicht.“ 
 
Betroffener: „Vereinsleben, bei mir jetzt, wenn Sie mich fragen, da ist das Geld nicht mehr 
für da.“ 
 
Gerade im Alter aber ist gesellschaftliche Teilhabe auf unterschiedlichsten Feldern g eradezu 
lebensnotwendig, denn mit dem Anstieg der Mortalitätsraten im Freundes -, B ekannten- und 
Verwandtenkreis sowie mit Einschränkungen des Mobilitäts - und Handlungsradius geht eine 
rapide Abnahme sozialer Kontakte einher. 
 
Betroffener: „Ja na klar ich mö chte auch wieder, nein ich habe ein echtes Problem (…) Ich 
habe im Grunde genommen auch das Sprechen verlernt. Hab gar nicht bemerkt, das s man 
das verlernen kann. Jetzt bin ich also immer froh, wenn ich mit jemandem, wie mit ihnen 
zum Beispiel ein bisschen unterhalten kann.“ 
 
Erzwungene Rückzüge mit der Folge von Vereinsamung sind von daher spez ifische Formen der 
Altersarmut. In dem Maße  nun, in dem gesellschaftliche Teilhabe von der Verfügung über öko-
nomische Ressourcen abhängig ist, führt der Mangel an eben diesen Ressourcen unweigerlich 
auch zu einem Teilhabeproblem in allen Bereichen des Sozialen und Kulturellen.  
 
Betroffener: „Halle Münsterland, mal ein schönes Konzert oder Theater oder Holiday on 
Ice oder was es auch ist. Oder mal einen Zirkus mit der  Enkelin. Das sind alles Kosten, die 
können wir nicht tragen. Geht nicht, müssen wir verzichten, oder wir machens und dann 
fehlt es wo anders. Man muss wirklich 5 Euro an die Seite und dann einmal im Jahr.“ 
 
Häufig wird ein solcher Ausschluss von gesellschaftlicher Teilhabe durch das Fehlen basaler 
Informationen über kostengünstige und/oder kostenfreie Veranstaltungen begleitet und ver-
stärkt – etwa weil ein Zeitungsabonnement nicht finanzierbar ist und/oder entsprechende In-
formationsangebote aus Gründen man gelnder Mobili tät nicht wahrgenommen werden. Nicht 
selten spiel en hier wiederum Bildungsdefizite eine entscheidende Rolle. Und so bedingen und 
verstärken sich einzelne Dimensionen der Ausgrenzung wechselseitig: Bildungs defizite führen 
zunächst in prekräre Beschäftigungsverhältnisse und im Alter dann zu ökonomischer Armut, 
einer entsprechenden Wohnsituation sowie sozialer Isolation und Krankheit – ein ganzes »Prob-
lemcluster«, dem sich Informationsdefizite hinzugesellen, was ein Abfedern der prekären Lage 
durch Eigenaktivität und Stärkung von Selbstkompetenzen zusätzlich verhindert . Insgesamt 
scheint »gesellschaftliche Teilhabe im Alter « in Münster bei alldem stark mit Bildung zu korre-
lieren, korrespondiert vor diesem Hintergrund also mit der Erwerbsbiografie und/oder dem 
gesellschaftlichen Engagement und umfasst letztendlich damit immer auch ein zur Informat i-
onsbeschaffung, -auswertung und Nutzung zwar notwendiges, aber stets fehlendes Kompetenz-
profil.

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Altersarmut und Familie 
 
Wie wirken sich jene Folgen aus , die mit dem Wandel von Eh e und Familie zusammenhängen? 
Vor allem für Frauen haben Mutterschaft und Kindererziehung in einer Gesellschaft, in der da u-
erhaft mehr als 40% aller Ehen geschieden werden, klar negative E ffekte im Alter. So sind sie, 
wenn sie si ch auf das männliche Erwerbsmodell eingelassen und eigene berufliche Tätigkeiten 
reduziert oder ganz aufgegeben haben, nach Trennung/Scheidung und erfolgtem Rentenspli t-
ting auf den Erwerb eigener Rentenanwartschaften angewiesen, da sich der Kindes- ebenso wie 
der Ehegattenunterhalt in der nachehelichen Phase nicht auf die Altersbezüge auswirkt.  
 
Betroffene „Nach der Scheidung (…) und dann war ich 40 und fing wieder von vorne an. Ich 
habe mir alles selbst erarbeitet, auch die Rente, die ich jetzt kriege.“  
 
Familiale Netzwerke bieten bei alldem immer weniger Möglichkeiten, Altersarmut im Rahmen 
von solidarischen Generationenbeziehungen abzufedern. Pluralisierung der Familienformen, 
zunehmende Mobilität und  immer höhere Anforderungen an die Erwerbstätigen führen nicht 
nur zu sinkenden Kinderzahlen, sondern in der Folge auch dazu, dass intergenerationale Unter-
stützung und Solidarität nur noch eingeschränkt gewährleistet werden können und auch emoti-
onale Bedürfnisse der älteren Generation entsprechend nicht mehr in den Refugien des Privaten 
befriedigt werden können. All dies trifft auf Münster in besonderem Maße zu .33 Wichtig hierbei: 
Dieser Effekt verstärkt sich insofern, als dass die Älteren ihren Kindern nicht zu Last fallen wo l-
len und daher ihre Bedürfnisse nicht kommunizieren. 
 
Betroffene: „Kinder sind eines, die sind aber alle sehr angespannt und arbeiten und wenn 
die Feierabend haben, sind die auch müde. Also kann man denen nicht mit irgendwelchen 
Problemchen kommen oder so (…).“ 
 
Genderaspekte von Altersarmut 
 
Mit Blick auf qualitative Aspekte individueller Betroffenheit durch Altersarmut weist das Inter-
viewmaterial wenig überraschend eine eindeutig höhere Belastung bei Frauen als bei Männern 
aus. Dieser Befund korrespondiert mit der quantitativen Dimension, etwa mit der Tatsache, dass 
Frauen bei durchschnittlich längerer Lebenserwartung eine deutlich geringere Alterseinkünfte 
beziehen als Männer (vgl. hierzu auch Kapitel 3. 2). Sie befinden sich also einerseits im Alter klar 
in der Mehrzahl, andererseits sind sie dabei aber auch Opfer ihrer durchgängig prekäreren Er-
werbsbiografien. Allerdings wiesen prognostische Aussagen der von uns befragten Expertinnen 
und Experten auch darauf hin, dass sich dieses Ungleichgewicht auf Grund des gegenwärtig ho-
hen Anteils männlicher Langzeitarbeitsloser sowie der Ausweitung der Erwerbsbeteiligung von 
Frauen in Zukunft zu Ungunsten der Männer verschieben könnte.34 
Beim Blick auf geschlechtsspezifische Merkmale bei der Bewältigung von Altersarmut zeigen 
sich im Datenmaterial deut liche Unterschiede hinsichtlich der jeweiligen notbehelfsökonomi-
schen Strategien. Während Frauen zumeist aktiv und durch Einsatz ihrer kommunikativen 
                                                             
33  Ende des Jahres 2009 teilte das Landesamt für Statistik mit, Münster sei die Kommune mit der 
niedrigsten Geburtenrate in ganz Nordthein-Westfalen  http://www.westfaelische-
nachrichten.de/lokales/muenster/nachrichten/1111579_Landesweit_niedrigste_Geburtenrate_Sterbe
n_die_Muensteraner_aus.html. 
34 Geht man davon aus, dass Frauen nach wie vor vor allem in Niedriglohnsektoren beschäftigt sind, in 
vielen Berufsfeldern weniger Lohn für die gleiche Arbeit als ihre männlichen Kollegen erhalten und 
mehrheitlich Kindererziehungszeiten für sich in Anspruch nehmen, so ist diese Prognose allerdings mit 
einiger Vorsicht zu genießen (Hoffmeister 2007). Auch Birg errechnet für Münster mit 32,8% einen im 
Vergleich hohen Anteil sozialversicherungspflichtig beschäftigter Frauen in Teilzeit (Birg u.a., 2 007:15-
16).

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Kompetenzen versuchen, ihre armutsbedingten Situation zu entkommen , wirken männliche 
Betroffene oft eher hilflos. 
 
Betroffener: „Auf jeden Fall Scheidung und nach der Scheidung bin ich so richtig in so ein 
tiefes Loch gefallen. Ein Kumpel, der hatte eine Gaststätte gehabt und dann war ich da häu-
figer.“ 
 
Dies hat seinen Grund  unter anderem darin, dass ältere Fr auen in dieser Situation von ihrer 
hauswirtschaftlichen Erfahrung und ihrem notbehelfsökonomischen know how profitieren – et-
wa in den Bereichen Ernährung, Kleidung, Hygiene oder Wohnraumgestaltung.  Hingegen wer-
den Männer nach Aussage n der Experten in prek ären Lebenslagen oft auffällig: wegen ihrer 
Suchtaffinität etwa oder ihres insgesamt gesundheitsschädigenden Verhaltens.  
 
Ursachen für Altersarmut in Münster 
 
Arbeitsmarkt- und Erwerbssystembezogene sowie rentenrechtliche Ursachen 
 
Die Konzeption des Rent ensystems in Abhängigkeit von der Erwerbsbiogra fie verlängert die 
arbeitsmarktspezifischen Benachteiligungen ins Rentenalter hinein . Dies entspringt der Orien-
tierung des Rentensystems an einer lückenlosen 45 Jahre währenden Erwerbsphase. Dass dies – 
wie auch in Münster zu beobachten – in immer weniger Fä llen zutrifft, führt nicht nur zu einem 
sinkenden Lebensstandard im Alter, sondern dazu, dass bei immer mehr Ältern das Erleben e i-
nes menschenwürdigen Lebensabends kaum noch möglich ist.  
 
Experte/in: „Für d ie materielle Altersarmut? Das sehe ich darin, zum Teil durch geringe 
Löhne, dann haben die ganz wenig Rentenbeiträge natürlich zahlen können. (…) der ga n-
ze Niedriglohnsektor, ich finde das unglaublich. Ich kann Ihnen hier etwas zeigen, ein 
Mann der arbeit et seit 18 Jahren oder seit fast 20 Jahren, der hat immer im Niedriglohn 
gearbeitet, Niedriglöhne liegen bei mir so um die 6,50 €, 7,50 €, höchstens 8 €. Dann 
kriegt man folgendes raus: 280 €.“ 
 
Entgegen der landläufigen Einschätzung, die Rentenzahlungen i n Münster wären überdurc h-
schnittlich hoch, beträgt laut Experten - und Expertinnenmeinung das durchschnittliche Renten-
einkommen in Münster ca. 900 €, was nach Abzug von Kranken - und Pflegeversicherung nicht 
zur Sicherung des Lebensunterhalts ausreiche. 35 Fehlinformationen und/oder mangelndes Wis-
sen über die Notwendigkeit einer zusätzlichen Rentenvorsorge während der Erwerbsphase sind 
ein zusätzliches Problem, das in Münster die Gefahr einer Betroffenheit von Altersarmut erhöht. 
Geradezu b esorgniserregend allerdings ist die Tatsache, dass die sukzessive Umstellung des 
Rentensystems auf private Vorsorge gerade jene Erwerbstätigen trifft, die im Nie driglohnsektor 
tätig sind. Für sie wären entsprechende Beiträge auch bei besserer Information über die Nac h-
haltigkeit solcher Vorsorgemaßnahmen gar nicht finanzierbar. Information würde also an ihrer 
Unterversorgung im Alter kaum etwas ändern  – dies verhindern die nicht nur in Münster, so n-
dern überall erodierenden Normalarbeitsverhältnisse. In einer modernen Dienstleist ungskom-
mune wie Münster allerdings bringen fehlende und/oder unterwertige Schulabschlüsse ein be-
sonderes Problem hervor: hier existieren kaum Arbeitsplätze, in die hinein die Betroffenen ve r-
                                                             
35  Informationen der Oberfinanzdirektion Münster, die Rahmen einer Seminarveranstaltung am Institut 
für Soziologie der WWU zum Thema »Armut im Alter« vor einigen Semstern eingeholt wurden, lagen 
knapp über 1000 €, bestätigen aber im Grunde diese weit verbreitete Fehleinschätzung, in Münster 
seien Renten und Pensionen besonders »üppig«.

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mittelbar wären. In der Folge führen dann Phasen der Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigungs-
verhältnisse, Minijobs und/oder der Besuch von Fördermaßnahmen zu dauerhaft erodierenden 
Erwerbsbiografien, in deren Folge Altersbezüge finanziell aufgestockt werden müssen. Hier wird 
den Betroffenen im Alter also vor allem die Tatsache zu einem Problem, dass eine Vermittlung in 
normale »Hilfsarbeitertätigkeiten« (um einen älteren Terminus zu benutzen) , anders als in a n-
deren Kommunen des Ruhegebietes etwa, häufig bereits im Erwerbsfähigenalter nicht gelingt – 
mit allen entsprechenden Folgen für die GRV. 
Altersarmut in Münster ist bei alldem zudem immer häufiger eine Folge gesundheitlich beding-
ten Erwerbseinschränkungen. Ob dies auch ein sekundärer Effekt der Nichtve rmittelbarkeit im 
Erwerbsalter aus den genannten Gründen ist, lässt  sich im Rahmen der vorliegenden Expert ise 
zwar nicht belegen, ist aber zu vermuten. Erwerbsminderung oder Erwerbsunfähigkeit verhin-
dern in diesen Fällen nicht nur häufig das Erreichen der Regelaltersrente, sie mindern auch ent-
sprechend die Altersbezüge . Im Fall e selbstständiger Unternehmerinnen und Unternehmer 
wirkt sich zudem der der prekären Einkommenssituation geschuldete Verzicht auf eine (private) 
Krankenversicherung und/oder eine private Rentenvorsorge negativ auf die Einkommenssitu a-
tion im Rentenalter aus.  
Im Datenmaterial wurde immer wieder die Reform des Rundfunkgebührensystems als Bela s-
tung für von Altersarmut Betroffene in ohnehin prekären finanziellen Lebenslagen thematisiert. 
Einsparungen der Rundfunkgebühren und der Verzicht auf Empfangsgeräte wiederum bedeuten 
jedoch eine Abkoppelung von zentralen Informationssystemen wie Fernsehen und Radio, die 
gerade bei älteren Menschen einen hohen Stellenwert haben. 36 
Auf die besondere Bedeutung der Ausrichtung des Rentensystems auf die Erwerbsbi ografie und 
die damit verbundene Benachteiligung von Frauen wurde bereits hingewiesen. Die Folgen des 
männlichen Ernährermodells in Kombination mit einer Orientierung der Alterssicherung auf die 
Erwerbsbiografie wirken gerade für M igrantinnen nachteilig aus. Auf G rund ihres oft weitge-
henden Ausschlusses aus dem Erwerbssystem, ihrer Sprachbarrieren und der damit verknüpf-
ten Reproduktion ihrer der sozialen Lage in ihren sozialen Milieus sind sie mit hoher Wahr-
scheinlichkeit künftig noch stärker von Altersarmut betrof fen, als der »typische Münsteraner 
Altersarme«. 
 
Armut und Gesundheit 
 
Das von uns erhobene Datenmaterial belegt annähernd durchgängig, dass die Relevanz und Bri-
sanz des Themas Gesundheit bzw. Krankheit mit anderen Erscheinungsformen der Altersarmut, 
etwa der Wohnsituation, korrespondiert. 
 
Experte/n: „Wenn Menschen nicht mehr für sich Sorge tragen können und auch keine 
Putzfrau sich leisten können. Verwahrloste Wohnungen erlebt man dann. Das sind für 
mich so Dinge, gesundheitliche, hauswirtschaftliche Sach en, daran macht sich dann A r-
mut auch bemerkbar.“ 
 
Trotz oder gerade wegen des medizinischen Fortschritts ist die medizinische Versorgung immer 
stärker von der Verfügung über Einkommen und Vermögen abhängig, was auch in Münster zum 
Ausschluss von immer mehr  Menschen aus dem Gesundheitssystem führt. U nter anderem 
dadurch, dass der Anteil jener, die über keine Krankenversicherung verfügen, hoch ist (hierun-
ter vor allem Suchtkranke, Wohnungslose, Menschen mit nicht geklärtem Aufenthaltsstatus oder 
die wachsende Gruppe der Scheinselbstständigen). 
                                                             
36  Dieser Aspekt betrifft insbesondere jene Altersarme, die nicht Grundsicherung im Alter beziehen 
(Dunkelziffer) , da Leistungbezieher sich auf Antrag  von Rundfunkgebühren befreien lassen können.

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Die in Experten- bzw. Expertinnen interviews häufig geäußerte Aussage, dass reformbedingte 
Zuzahlungen und/oder der Wegfall von Leistungen aus der gesetzlichen Kranken - und Pfleg e-
versicherung vermehrt Ältere  trifft, muss vor dem Hintergrund ihres erhöhten Bedarfs nach 
medizinischer Dienst leistung gesehen werden. Die Folge: ältere Patient en und Patientinnen 
werden immer häufiger in Wohn- und Pflegeheime und Krankenhäuser eingewiesen. Hierdurch 
entstehen nicht nur enorme Kos ten, dies verletze auch, so die von uns interviewten Expe rten 
und Expertinneng, den eigentlich geltenden Leitsatz »Reha statt Pflege«, der auch für ältere Pati-
enten gelte und dem durch intensivere Vernetzung ineinander  greifender sozial-medizinischer 
Dienste Rechnung getragen werden könnte. 
Nicht nur für gesetzlich versicherte Krankenkassenpatienten und -patientinnen sind diese Zu-
zahlungen im Fall e geringer Alterseinkommen ein Problem, häufig führt auch bei privat Versi-
cherten die Unkenntnis darüber, dass Zusatzleistungen individuell vertraglich festgelegt werden 
müssen (oder deren Weigerung , dafür höhere Beiträge in Kauf zu nehmen ) dazu, dass mit z u-
nehmendem Alter die Alterseinkommen in Beiträgen nahezu vollständig in der Kranken- und 
Pflegeversicherung auf gehen. Zuzahlungen und/oder Vorauszahlungen (etwa für Zahnersatz 
oder optische Sehhilfen) verschärfen die Situation dabei häufig ebenso, wie die oft nur teilweise 
Erstattung von Ausgaben für chronische Erkrankungen. 
 
Experte/in: „Ja und die Erstattung, die  es dafür [ für Folgekosten der medizinischen Ve r-
sorgung, d.V.] gibt, die reicht natürlich vorne und hinten nicht aus.“ 
 
Dies führt in der Konsequenz bei immer mehr Menschen dazu, dass medizinische Präventions-
angebote nicht in Anspruch genommen werden – was für die Beteiligten wiederum Folgekosten 
entstehen lässt. 
 
Experte/in: „Thema Gesundheit ist ein Bereich, der für ältere Menschen, wenn sie dann 
unter den armen Rahmenbedingungen leben, sich so auswirkt, dass man sich nur das 
Notwendigste leistet oder gar  nicht zum Arzt gehen kann, oder erst wenn es wirklich zu 
spät ist.“ 
 
Die Kumulation von Krankheit und niedrigem Einkommen ist bei alldem fast immer mit psychi-
schen Belastungen verbunden und erschwert somit ein verantwortungsvolles Wirtschaften mit 
den ohn ehin knappen Ressourcen. Das gilt vor allem für die auch im Alter weit verbreitete n 
Suchterkrankungen. Häufig werden als Folge von informationspolitischer Überforderung auf 
Seiten der Betroffenen oder als Folge bürokratischer Verfahren des Gesundheitssystems, mögli-
che Leistungen schlicht nicht in Anspruch genommen. 
In wieder anderen Fällen verändern Unfälle oder Krankheiten d ie Lebenssituation Älterer ab-
rupt – wodurch sich die Wahrscheinlichkeit ihrer Isolation und Vereinsamung  erhöht, denn: 
häufig schränken diese Unfälle und/oder Krankheiten ihre Mobilität oder Kommunikationsf ä-
higkeit stark ein. In solchen Fällen nämlich muss auf kostenpflichtige Beförderungsmittel (Bus, 
Taxi usw. ) zurückgegriffen werden, um soziale Kontakte und Netzwerke aufrechtzuerha lten, 
was wiederum nur begrenzt finanzierbar ist  Bei alldem mangelt es offenbar den älteren Müns-
teraner nicht nur an Aufklärung über die möglichen Folgen altersbedingter psycho-physischer 
Erkrankungen, auch existieren (vor allem bei älteren Frauen) große Hemmschwellen, angemes-
sene ärztliche Hilfen in Anspruch zu nehmen.

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Bildungsbedingte Ursachen 
 
Vor dem Hintergrund der zunehmenden Dominanz des Wissens sowie bestimmter Kompeten z-
profile (Stichwort: Wissensgesellschaft) wirkt sich d er bildungsabhängige Kompeten zerwerb, 
mithin die Informationsbeschaffung, -auswahl und –nutzung, entsprechend positiv oder negativ 
auf eine jeweilige Lebenslage aus. Bei Älteren sind es entsprechend häufig Informationsdefizite, 
die Probleme und Folgeprobleme hervorrufen: mit Blick auf  das Gesundheitssystem, das Ren-
tensystems oder ganz allgemein die Systeme der sozialen Sicherung.  
So erreichen Informationen über Hilfsangebote und Unterstützungsleistungen zur Sicherung des 
Lebensunterhalts – wie z.B. die Angebote der Tafel und Kleiderkammern oder Informationen 
über Hilfen zum Lebensunterhalt durch das Sozialamt – auf Grund oft verschlungener und den 
Älteren nicht zugänglicher Informationskanäle wie Internet nur einen Teil der älteren Bürgerin-
nen und Bürger  Münsters. Nicht allein von Altersarmut betroffene mit Migrationsvorgeschichte 
müssen zur Übersetzung von Formularen und Anträgen also häufiger Dolmetscher bemühen, 
auch alteingesessene Münsteraner innen und Münsteraner  müssen bei der Beantragung von 
Leistungen auf erläuternde Übersetzung einer ihnen fremden Amtssprache zurückgreifen. Sich 
weiter verschärfende Orientierungslosigkeit, Verständigungsprobleme und fortdauernde Un-
kenntnis der eigenen Rechtsansprüche sind die Folgen. Diese Schwierigkeit, jenseits postmoder-
ner Kompetenzprofile und i nternetbasierter Informationsbeschaffung an wichtige Informati o-
nen zu gelangen, erstreckt sich vom medizinischen Bereich über die Versorgung mit Soziallei s-
tungen jedweder Art bis hin zur sozial-kulturellen Teilhabe. 
 
Familienbedingte Ursachen 
 
Auf Grund  des demografischen Wandels und der voranschreitenden Flexibilisierungsanford e-
rungen des Ausbildungs- und Erwerbssystems bieten familiale Netzwerke nur noch wenig Mö g-
lichkeiten, Altersarmut im Rahmen von solidarischen Generationenbeziehungen abzufedern. Vor 
allem irgendwann einmal erfolgte Trennungen und Scheidungen werden dabei auch in Münster 
im höheren Alter für beide Parteien zu Einstiegen in die Altersarmut. In immer mehr Fällen g e-
hen hierdurch sogar Immobilien, die zur Alterssicherung angeschafft wurden, verloren. 
 
Experte/in: „Eine Scheidung bewirkt immer zwei arme Leute, vorher waren sie einige r-
maßen betucht, aber dann sind es zwei arme Leute und das kommt alles auf uns zu.“ 
 
In besonderem Maße trifft scheidungsbedingte Altersarmut jedoch auch hier wieder Frauen, die 
nach dem männlichen Ernährermodell gelebt haben und eine unvollständige Erwerbsbiografie 
hatten. Bisweilen solch ältere Frauen nach dem Verlust des Lebenspartners (oder der Leben s-
partnerin) mit der Beantragung ihrer Grundsicherung so lange, bis ein erster Kulminationspunkt 
krisenhafter Entwicklungen erreicht ist – aus Angst davor, Angehörige mit ihren »Hilferufen« zu 
belasten.  
Die derzeit anhaltend hohe Scheidungsquote bei der jüngeren und mittleren Generation lässt mit 
Blick auf deren Si tuation im Alter nicht auf Besserung der Situation hoffen. Ganz im Gegenteil: 
Dieselben Ursachen, die die ökonomische Misere im Alter für Viele aus gelöst hat, der Zwang zur 
beruflich-geographischen Mobilität  etwa und die daraus resultierende Trennung/Schei dung, 
erodiert in der Regel nun auch die Eltern-Kind-Beziehungen. W echselseitige Hilfen im Alter 
nämlich werden schwieriger, wenn aus Gründen der Mobilität dauerhaft größere räumliche Dis-
tanzen von Familienangehörigen überbrückt werden müssen. Dann werden familiäre Bezie-
hungsnetzwerke brüchig und eine inter- bzw. intragenerationale Unterstützung und Solidarität 
ist kaum noch gewährleistet.

53 
 
Wohnraumbedingte Ursachen 
 
Experte/in: „Ein dritter Bereich, das darf man glaube ich auch nicht unterschätzen, das 
Thema Wohnen. Hat sich auch verändert. Ist auch teuerer geworden mit den vielen N e-
benkosten. Zweitmiete, Drittmiete. Energiekosten. D. h. die älteren Menschen, die heute, 
also man weiß ja aus der Armutsforschung, das ärmere Menschen für das Wohnen immer 
mehr bezahlt haben, als reichere. Reiche zahlen nur 20 - 25 %, die anderen zahlen bis zu 
50 % ihres Einkommens fürs Wohn en. So das legt sich letztlich bei Älteren auch wieder 
aus. Für sie ist das Wohnen auch teurer. Die Wohnung aus solche ist teuer, die Neben kos-
ten sind teurerer, der Umzug von einer größeren in eine kleinere Wohnung kann man sich 
auch unter finanziellen Aspekten vielfach gar nicht leisten.“ 
 
Gerahmt wird all dies stets von der jeweiligen Wohnsituation. Und hier stellt die Unterversor-
gung des M ünsteraner Wohnungsmarktes mit bezahlbare m und barrierefreiem Wohnraum für 
einen Großteil der von Altersarmut betroffenen Münsteraner eine hohe finanzielle und psycho-
physische Belastung dar. Menschen in unteren Einkommensl agen nämlich zahlen für Mieten im 
Niedrigpreissegment anteilig erheblich mehr als finan ziell besser Gestellte. Wohnraumbedingte 
Ursachen für Altersarmut entstehen also, neben der Bedeutung des Wohnu mfelds, vor allem 
durch hohe Mietbelastungen. Viele Ältere versuchen deshalb, sich aus finanziellen Gründen ih-
ren günstigen Wohnraum zu erhalten und dort zu verbleiben.  
 
Experte/in: „Die Leute wohnen in großen Wohnungen - und dann alte Mietverträge, die 
sind noch ganz gut. Dann wohnen sie aber so viele Treppen hoch und dann suchen sie eine 
Wohnung, kleine preiswerte Wohnungen sind schwer zu finden.“ 
 
Auf Grund der Tatsache, dass in Münster Ein - bis Zweizimmerwohnungen, die alleinst ehenden 
Ältere entsprechen würden, preislich zumeist kaum unter den Mieten für 4 -5 Zimmer -
Wohnungen liegen, verbleiben ältere Menschen nach Auszug von Kindern und Familienangeh ö-
rigen häufig alleine in den für sie zu großen Wohnungen. Sie nutzen  nun lediglich weniger Rä u-
me, was allerdings eine Inkaufnahme höherer Kosten im Gefolge hat und ein ausgeglichene s 
Wohnraumangebot in Münster, dass per Saldo alle Generationen befriedigen würde, verhindert. 
In den Sozialwohnungen wiederum, in denen ältere Menschen mit geringen Einkommen leben, 
werden von Vermietern Instandsetzungen und Renovierungsarbeiten häufig ausgesetzt. Der 
Grund: Man erwartet wenig Widerstand von den Älteren, die häufig froh sind, überhaupt günst i-
gen Wohnraum für sich reklamieren zu können. Und so leben sie in zum Teil desolaten Wohnun-
gen, ohne gegen ihre Situation zu protestieren und ohne dass ihre Wohnsituat ion wegen der 
fehlenden sozialen Netzwerke jemandem in den Blick geraten würde.  Auch hier wieder gilt: 
Wenn sozialpsychiatrische Dienste oder Behörden dann von Nachbarn oder Bekannten auf die 
Situation aufmerksam gemacht werden, ist die Situation bereits in der einen oder anderen Weise 
eskaliert, was schnelle Abhilfe schwierig macht. Insbesondere bei älteren Männern wurden nach 
Trennung oder Verlust de r Lebenspartnerin immer wieder haushaltsführungsbedingte Ve r-
wahrlosungsprozesse ausgemacht, die zum Teil so gar zum Wohnungsverlust und damit in die 
Obdachlosigkeit führten.  
Als größte finanzielle Belastungen im Bereich »Wohnen im Alter « wurden wiederholt hohe Ne-
benkosten und Energiepreise sowie hohe Mieten für altersadäquaten und sozialverträglichen 
Wohnraum g enannt – vor allem in i nnenstadtnahen Bereich en. Gerade altengerechte Umbau-
maßnahmen (fehlende Barrierefreiheit, Treppenlifter oder Aufzugsanlagen etwa) fanden wegen 
der erheblichen Zusatzkosten kaum statt. Auch hier wieder gilt: Entscheidend sind die Informa-
tionsdefizite bezüglich entsprechender Förderungsmaßnahmen und Subventionierung smög-
lichkeiten von Baumaßnahmen. Bleibt eine Anpassung des Wohnraums an die fortschreitenden 
Mobilitätseinbußen aus finanziellen Gründen oder Mangel an Informationen aus, dann schränkt

54 
 
sich der Bewegungsradius älterer Menschen innerhalb wie außerhalb ihrer Wohnung weiter ein 
und wirkt sich damit negativ auf Qualität und Intensität sozialer Beziehungen aus. Viele Ältere 
nehmen dies in Kauf, weil sie aus Angst vor einem Verlust gewachsener sozialer Kontakte vor 
einem Verlassen ihrer Wohnung zurückschrecken.  
Aber nicht nur Wohnungswechsel werden nach Möglichkeit vermieden, auch der Umzug in A l-
ten- und Pflegeheime ist für viele ältere Menschen keine Alternative. Allein die dafür anfallenden 
Kosten würde sie, so die einhellige Erwartung, nicht nur ihre Ersparnisse kosten, sondern auch 
ihre Angehörigen in die Pflicht nehmen, die dann für ihren Unterhalt aufkommen müssten. Dabei 
ist bereits der Umzug in betreute Wohnformen ohne Pflege stufe tatsächlich finanziell sehr au f-
wendig und freie Plätze in stadtnahen Wohn- und Pflegeheimen bzw. im gewohnten Umfeld sind 
zudem meistens nicht zu haben.  
Die Konsequenz aus alldem : Grundlegend ist der Markt altersadäquater, barrierefreier, sozial-
verträglicher und bezahlbarer Mietwohnungen in Münster defizitär. Damit entsteht eine Situati-
on, in der  Altersarmut vor dem Hintergrund ökonomischer Armut sich vor allem als Wohn-
raumarmut darstellt, Wohnraum selber aber im Umkehrsch luss Altersarmut auch hervorbringt. 
All dies führt bereits heute zu Segregationsprozessen hinsichtlich der der sozialräumlichen Ver-
teilung Älterer Menschen in Münster:  Während ein Teil von ihnen in sozialstrukturell homog e-
nen Wohnblöcken und Quartieren  verbleibt, in denen ältere sozi al benachteiligte Menschen aus 
unteren Einkommenslagen leben, kann es sich ein anderer erlauben, auch weiterhin die eigene 
Immobilie zu bewohnen und zu bewirtschaften oder sich bei Bedarf in einer jener »Altenresi-
denzen« einzukaufen, die auch in Münster in zwischen entstanden sind. Dieser Trend der gesell-
schaftlichen Spaltung im Alter dürfte künftig – etwa mit Blick auf die Entwicklung heutiger E r-
werbsarbeit, Mobilitätserfordernisse oder der Familie – eher noch zunehmen. 
 
Mobilität 
 
Betroffene: „Und dass man dann das Geld nicht für eine Fahrkarte hat, das ist ja traurig, ich 
kann ja sogar noch mit dem Fahrrad in die Stadt fahren in meinem Alter. Aber es gibt wir k-
lich Frauen, die sind erst 65 und müssen schon am Rollator gehen. Die trauen sich gar 
nicht.“ 
 
Über die bereits thematisierten Ursachen für Altersarmut hinaus muss vor allem die altersbe-
dingte Einschränkung der Mobilität als eine der zentralen Ursachen für soziale, finanzielle und 
verschämte Armut betrachtet werden. Physische wie psychische Einschränkungen der Mobilität, 
aber auch finanzielle Kosten, die mit Mobilität verbunden sind ( Kfz-Kosten und Kraftstoffpreise, 
Kosten für den ÖPNV oder privatwirtschaftliche Beförderungsdienste) , prekarisieren die Le-
benslagen älterer Münsteraner Bürger innen und Bürger in hohem Maße.  So der Tenor in fast 
allen Gesprächen, die wir führten. Dabei hat Mobilität nicht nur einen Preis, sie eröffnet, quasi im 
Umkehrschluss, auch Einsparpotentiale – etwa, in dem sie Preisvergleiche ermöglicht.  
Die immer noch nicht gänzlich barrierefreien Fußwege im Innenstadtbereich (Kopfsteinpflaster, 
Stufen bei Ladenlokalen, hohe Bordsteinkanten, wenig Regenerationsmöglichkeiten/Sitzflächen 
wie etwa Bänke, fehlende Handläufe usw.) erhöhen die Hem mschwelle älterer Menschen, trotz 
finanzieller Belastungen am »kostenfreien öffentlichen Leben der Stadt« teilzuhaben. Allerdings 
sind diese Möglichkeiten sowieso z unehmend begrenzt, denn in der jüngeren Vergangenheit ist 
es zur Ökonomisierung einer nahezu jedweden Teilhabemöglichkeit gekommen. Kaum eine Ak-
tivität im öffentlichen Raum ist noch möglich, ohne dass dafür »mit barer Münze « bezahlt wer-
den muss.  
 
Betroffener: „z. B. am Aasee, es gibt viel zu wenig Bänke in der Stadt, wo man sich mal 
hinsetzen kann, wo es nichts kostet. Sie müssen immer wa s verzehren, die Konditoreien, 
die Kneipen, jeder hat Stühle vor der Tür, aber da darf sich ja ein alter Mensch nicht hi n-

55 
 
setzen, vielleicht kurz bevor er zusammenbricht. In den Arkaden zum Beispiel ist mi r das 
aufgefallen. In den Arkaden, wenn man da unten  reinkommt, da ist eine einzige Bank, wo 
man sitzen kann, da sitzen die Leute von zwei Seiten, in der Mitte zusammen, lehnen sich 
aneinander.“ 
 
Informationsdefizite 
 
Ebenfalls eine nicht zu vernachlässigende Ursache für die Betroffenheit von Altersarmut in  
Münster ist die alle bisher genannten Befunde umfassende Informationspolitik, die in den w e-
nigsten Fällen auf die Bedürfnisse und Lebensumstände älterer Menschen zugeschnitten ist und 
so die Zielgruppe der Seniorinnen und Senioren in prekären finanziellen  Verhältnissen selten 
erreicht.  
 
Betroffene: „(…) das wusste ich ja gar nicht. Und ich musste fragen, ja wenn sie aber im 
Leben noch nie Sozialhilfe bekommen haben. Wie soll ich das wissen, ich wollte es ja auch 
gar nicht einreichen, weil ich ja erst Wohngeld oder Mietbeihilfe eingereicht hatte.“ 
 
Betroffene: „Die Möglichkeit für ältere Leute, aber die ist hier in Münster schon sehr gut, 
finde ich. Aber ich kenn ja auch alles. Es müsste viel mehr publik gemacht werden.“ 
 
Dies gilt sowohl für sozialkulturel le Angebote sozialer Einrichtungen , zivilgesellschaftlicher Ini-
tiativen, Vereine und privatwirtschaftlicher Anbieter als auch für Informati onen der Behörden 
und Ämter. Es ist offenbar gerade die Unkenntnis der Funktionsweisen und Möglichkeiten sol-
cher Institutionen, die nicht zuletzt auch eine politische Partizipation und Interessenwahrneh-
mung durch die älteren Ausgeschlossenen verhindert. 
 
Der Umgang der Betroffenen mit der prekären Lebenssituation 
 
Wenn die biografischen Ursachen im Alter ihre Wirkung entfalten, begegnen die davon Betroffe-
nen diesen im Rahmen unterschiedlicher Strategien. Da aber genau solche Bewältigungsmuster 
auch über die Wirksamkeit von Präventions-/Interventionsstrategien Aufschluss geben, werden 
im Folgenden einige dieser Bewältigungsmuster dargestellt. 
In beinahe allen Fällen, soweit die Interviews mit den von Altersarmut Betroffenen, ist eine 
zentrale Strategie wider die prekäre Lebenssituation die, über das Rentenalter hinaus einer ent-
lohnten Beschäftigung nachzugehen – jedenfalls, solange es der Gesundheitszustand zulässt.  
Eine weitere, ebenfalls wiederholt auftretende notbehelfsökonomische Strategie, ist die, an Kauf 
und Verzehr von Lebensmitteln in einer Art und Weise zu sparen, die das Existenzminimum 
nicht selten unterschreitet. Mit dieser Strategie , so die Experten,  werde vor allem versucht, grö-
ßere Anschaffungen und /oder Reparaturen im häuslichen Bereich zu ermöglichen. Wie bereits 
an anderer Stelle erwähnt, nehmen alte Menschen im Vergleich mit anderen Altersgruppen hier-
für keine Kredite auf und arbeiten i m Falle einer gleichwohl erfolgenden Verschuldung in weit-
aus höherem Maße an ihrer Entschuldung – wobei sie extrem in allen Lebensbereichen sparen.37 
Im hauswirtschaftlichen Bereich bestehen weibliche Bewältigungss trategien, neben allgeme i-
nem Verzicht, vor allem in der Wiederverwertung und Eigenproduktion von Kleidung und Na h-
rung. 
 
                                                             
37  Allerdings wird eine Kreditaufnahme ab einem bestimmten Alter immer schwieriger, so dass auch 
hierin ein Grund für die nur geringe »Verschuldungsneigung« Älterer gesehen werden kann.

56 
 
Betroffene: [Betroffene spricht über ihre Verschuldung von knapp 350 Euro] „Um das 
wieder einzuholen, ich muss rechnen, das im November die Jahre sabrechnung vom Strom 
kommt. Ich muss runter und wenn ich noch so wenig einkaufe und noch - ich mein im A l-
ter isst man sowieso nicht mehr solche Berge, man isst 1, 2 Schnittchen abends. Ich muss 
es einholen bis November, (…). Aber irgendwie muss ich da doch runterkommen. Ich brau-
che dringend neue Unterwäsche, lass mir mal was passieren, im Alter, lass dir mal was 
passieren und du gehst mit zerfetzten Höschen ins Krankenhaus (…). aber die AWO hat ja 
zugemacht. Und dann fällt das natürlich jetzt auch flach. D ann ist man schnell mal rüber  
gekommen und mal ein Top für die Arbeit, für im Haus rumzusitzen und zu lesen, reicht 
das. Du hast zwei, drei gute, wenn du mal raus gehst (…).“ 
 
Ältere Menschen in Münster reagieren auf die Konfrontation mit Niedrigeinkommen und der 
damit verbundenen Absenkung ihres Lebensstandards also mit einer Reihe notbehelfsökonomi-
scher Strategien. Hierzu zählt auch der Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben. Dies dient vor 
allem dem Bestreben , die prekäre Lebenslage zu verdecken. Solche Vermeidungsstrategien rei-
chen vom Rückzug aus Vereinen oder von ehrenamtlichen Tätigkeiten und gesellschaftspolit i-
schem Engagement, bis hin zu Festivitäten und geselligen Veranstaltungen . Der Grund: Die Be-
troffenen können sich häufig den Kaffee oder das Geschenk für den Jubilar nicht leisten. Mitun-
ter wurde in unseren Gesprächen sogar über völlige Isolation und Abbruch aller sozialen Ko n-
takte berichtet, da gerade in Münster ein »kostenloses Sozialleben« nicht möglich sei.  
 
Experte/in: „Die ziehen sich ein fach nur zurück. Diese Leute, die wirklich wenig Geld h a-
ben, nirgendwo hingehen mögen, die landen in Stadtvierteln wie in Coerde und wie in Gi e-
venbeck, das muss man ganz ehrlich sagen, es kann sich keiner im Kreuzviertel oder hier 
in Mauritz eine Wohnung e rlauben, der Sozialhilfeempfänger ist. Ganz ehrlich und das ist 
für mich eine große Diskriminierung, dass man di ese Leute dann alle einfach irgendwo, 
obschon die ihr Leben lang gearbeitet haben, für diesen Staat genug getan haben, die 
Kinder großgezogen haben und die ziehen sich immer mehr zurück und bei Männern muss 
man sich nachher nicht wundern, wenn die nachher in den Alk oholkonsum fallen, bei 
Frauen natürlich auch, diese Einsamkeit. Haben sie keine Ansprechpartner mehr oder sich 
in Tabletten flüchten. Wenn sie noch dazu kommen, aber die wenigsten können sich einen 
Arztbesuch erlauben, weil sie di ese 10 € nicht mehr über haben. Das verschweigt man 
doch gerne in Münster.“ 
 
Neben dem von den Expertinnen und Experten immer wieder beobachteten Rückzug in Isolation 
und Privatheit wurden auch geographische Rückzüge älterer Menschen aus ihren angestammten 
Wohnorten bzw. -räumen in periphere Alten - und oder Arme nquartiere beobachte t. Offenbar 
war in diesen Fällen die Wohnsituation eskaliert und ein Umzug unvermeidlich geworden. Hä u-
fig bleibe, dies markiert ein weiteres und bereits angesprochenes Problem, die Situation älterer 
Menschen mit Blick auf all diese Problemlagen lange Zeit über unentdeckt, da sie eher selten von 
sich aus um Hilfe ersuchen – etwa beim Sozialamt. Von Armut betroffene Senior en verschleiern 
also die Erkenntnis eigener Bedürftigkeit vor sich und anderen so lange wie möglich, weshalb in 
den meisten Fällen erst von Nachbarn, Bekannten oder Familienangehörigen auf ihre Notlage 
aufmerksam gemacht wird. 
In wenigen ersten Ausnahmefällen lassen sich allerdings , vor allem in der jüngeren Rentnerk o-
horte, auch aktive Bewältigung sstrategien ausmachen. Hier schließen sich Betroffene etwa zu 
Initiativen zusammen, um auf Ihre Situation aufmerksam zu m achen oder sich über kostenfreie 
bzw. kostengünstige Möglichkeiten des sozialen Austauschs mit anderen oder kulturelle Ange-
bote auszutauschen. Dass sich immer mehr jüngere Alte ohne Scham zu ihrer prekären Situation 
bekennen und ihre Bedürftigkeit öffentlich machen, zeigt sich unter anderem an der vermehrten

57 
 
Inanspruchnahme der Münsteraner Tafel durch sie, bei der sich die Konsumenten registrieren 
lassen müssen.38  
 
Zusammenfassung: Zentrale Ergebnisse der Experten- bzw. Expertinnen-                                                                              
und Betroffeneninterviews 
 
Die qualitativen Daten b estätigten alles in allem die These, dass Altersarmut in Münster auch 
jenseits der in den amtlichen Statistiken geführten Fallzahlen weit verbreitet ist und dass die 
davon Betroffenen von entsprechenden Maßnahmen und Institutionen häufig nicht erreicht 
werden. Augenfälligste Erscheinungsform von Altersarmut ist die ökonomische Armut, die auf 
alle anderen Bereiche mehr oder weniger stark ausstrahlt, indem sie für diese sowohl Ursache 
als auch Folge ist. 
  
 Erwerbssystem: Als Armutsursachen müssen im Sinne der  Kontinuitätsthese vor allem 
arbeitsmarkt- und erwerbssystembezogene sowie , damit verknüpft,  rentenrechtliche 
Bestimmungen genannt werden. Arbeitsmarktreformbedingte Instrumente wie Teilzei t-
arbeit, Leih - und Zeitarbeit, Minijobs und prekäre Beschäftigungsv erhältnisse im Nie d-
riglohnsektor, das Umgehen von Mindestlö hnen, fehlende Rentenanrechnungszeiten bei 
Arbeitslosigkeit sowie die multiple Benachteiligung von Frauen (vor allem Migrantin-
nen), Erziehenden und älteren Arbeitnehmerinnen sind hier zentrale Ursa chen. Vor a l-
lem die Ausrichtung der Alterssicherung auf die Erwerbsbiogra fie spielt damit für das 
Entstehen von Altersarmut auch in Münster eine herausragende Rolle . Diese sich z u-
nächst ökonomisch manifestierende Armutslage, wirkt – mitunter verstärkt durc h g e-
sundheitliche und soziale Mobilitätshindernisse  – in andere Teilhabefelder (Gesun d-
heitsversorgung, gesellschaftliches Engage ment, Familie, Kultur) hinein. Etwa dann, 
wenn Arztbesuche auf Grund fällig werdender Praxisgebühren oder Ausflüge mit der 
Familie oder dem Verein aufgrund von Mobilitätskosten (Bus, Bahn, Taxi) vermieden 
werden.  
 Gesundheit: Insbesondere die medizinische Versorgung ist stark abhängig vom Einkom-
men und Vermögen . Dies führt  in Münster zu einem teilweisen Ausschluss älterer Men-
schen aus dem Gesundheitssystem und trägt dazu bei, dass einige von diesen ohne Kran-
kenversicherung leben (z.B. Suchtkranke, Obdachlose, Menschen mit nicht geklärtem 
Aufenthaltsstatus, Scheinselbstständige). Die Gesundheitsreform hat bei alldem dazu g e-
führt, dass immer mehr Zusatz- und Folgekosten im Rahmen der medizinischen Versor-
gung entstanden sind, die nun die Haushaltseinkommen Älterer in prekären Lebenslagen 
belasten.  
 Wohnen: Die Versorgung mit barrierefreiem und altersadäquatem Wohn raum in Mün s-
ter ist deutlich ausbaufähig und bisher nur i m gehobenen Preissegment gesichert. Als 
wohnraumbedingte Ursachen für Altersarmut fallen vor allem finanzielle Belastungen 
durch die Wohnsituation  auf. Diese rekrutieren sich einerseits aus ständig steigenden 
Nebenkosten, andererseits aus den Kosten für nicht (mehr) genutzten Wohnraum  oder 
Reparaturarbeiten. Um im Rahmen der Wohnsituation notwendig werdende Nach - oder 
Vorauszahlungen, Anschaffungen und Reparaturarbeiten finanzieren zu können, kommt 
es zu notbehelfsökonomis chen Strategien auf Seiten der Betroffenen , die die Situation 
insgesamt verschärfen. Vermieter wiederum neigen nur selten dazu, diesem Problem – 
etwa durch barrierefreie Umgestaltung einer Wohnung – zu begegnen. Den dann no t-
wendig werdenden Umzügen verweigern sich Ältere regelmäßig in der Absicht, sozialer 
Isolation zu entgehen. Dabei wird häufig nicht erkannt, dass das Erreichen des im Ra h-
men dieser Vermeidungsstrategien anvisierten Zieles, nämlich soziale Teilhabe zu erhal-
ten/zu ermöglichen, durch genau jene Vermeidungsstrategie (»Verbleibsstrategie«) ver-
                                                             
38  Dabei haben die Besucher solcher Tafeln in ganz Deutschland im Jahr 2010 um etwa 30 % auf 1,3 Mil-
lionen Menschen zugenommen. Dies belegt die allgemeine Verschärfung der sozialen Situation.

58 
 
hindert wird, die Teilhabe eigentlich ermöglichen sollte. Festhalten am Gewohnten, dafür 
sparen und per Saldo dadurch in Krankheit und Isolation zu geraten sind eben keine 
probaten Mittel, um Isolation zu verhindern oder zu überwinden. 
 Ökonomisierung: Die Ökonomisierung von immer mehr Lebensbereichen schreitet für a l-
le Bürger seit langem  voran. Prekäre finanzielle Einkommen beschneiden die Möglich-
keiten, an den zunehmend ökonomisierten sozialen Aktivitäten teilzunehmen also in be-
sonderer Art und Weise . Bei den heutigen Altersarmen und stärker noch in der Zukunft 
ist dies in der Regel mit dem Eintritt ins Rentenalter der Fall. Rückzug und Vereins a-
mung sind mithin typische, man möchte fast formulieren: unverme idliche Folgen sin-
kender Einkommen im Alter, insbesondere aber im Falle von Altersarmut. Flankiert und 
damit verschärft wird die dadurch entstehende Situation durch steigende Mortalitätsra-
ten im sozialen Umfeld sowie durch das Fehlen von Informationen über kostengünstige 
und/oder kostenfreie Alternativen, insoweit diese überhaupt existieren. 
 Geschlecht: Gerade unter qualitativem Aspekt individuelle r Betroffenheit von Altersa r-
mut weist das Interviewmaterial eine eindeutig höhere Betroffenheit bei den älteren 
Münsteranerinnen aus, als bei den älteren Münsteranern. Dieser Befund korrespondiert 
mit einer zentralen quantitativen Dimension, mit der Tatsache nämlich, dass Frauen eine 
durchschnittlich längere Lebenserwartung haben als Männer (vgl. hierzu auch Kapite l 
3.3) und somit in der Gruppe der Älteren überrepräsentiert sind . Damit sind Frauen e i-
nerseits im Alter demographisch klar in der Mehrzahl, andererseits aber auch Opfer ih-
rer durchgängig prekäreren Erwerbsbiografien. In der Konsequenz lässt sich hieraus d ie 
Conclusio ableiten: Altersarmut ist weiblich!  
 Familie: Auf Grund des demografischen Wandels sowie der voranschreitenden Flexibili-
sierungsanforderungen des Ausbildungs - und Erwerbssystems bieten familiale Net z-
werke heute weniger als noch vor einigen D ekaden Möglichkeiten, Altersarmut im Ra h-
men solidarische r Generationenbeziehungen abzufedern. Einerseits sind als Folge von 
Trennung/Scheidung die Familienbeziehungen alles in allem brüchiger geworden, and e-
rerseits hat die Zahl der Nachkommen im Rahmen des  Geburtenrückgangs stark abge-
nommen (und damit die Menge der verfügbaren Hilfen im Alter), was vor dem Hinte r-
grund berufsbedingt -geographischer Mobilitätsanforderungen noch dadurch verstärkt 
wird, dass Kinder häufig weit entfernt leben.  
 Mobilität: Dies ko rrespondiert mit Mobilitätserfordernissen bzw. -einschränkungen. 
Über die bereits thematisierten Ursachen für Altersarmut hinaus konnte vor allem die 
Einschränkung von Mobilität als weitere Ursache für soziale, finanzielle aber auch für 
verschämte Armut im Datenmaterial identifiziert werden. Mit ihr steht oder fällt die Pra-
xis der sozialen Teilhabe, weshalb Mobilität im Alter einen jener Kristallisationspunkte 
darstellt, der in zahlreiche Teilhabefelder hineinwirkt. 
 Information: Eine nicht zu vernachlässigende Ursache für die anhaltend prekäre und sich 
künftig vermutlich eher verschärfende Lage älterer Menschen in Münster ist eine nahezu 
alle Bereiche umfassende Informationspolitik . Diese allerdings ist zum einen häufig 
(noch) nicht hinreichend auf die Bedür fnisse und Lebensumstände älterer Menschen in 
prekären Lebenslagen zugeschnitten, zum anderen verfügen die Senior en häufig aber 
auch ihrerseits nicht über die notwendigen Kompetenzen und/oder Zugänge zu entspre-
chenden Informationen. 
 Gegenstrategien: Die hä ufigste Strategie wider die prekäre Lebenssituation Älterer ist 
auch in Münster die, über das eigene Rentenalter hinaus – jedenfalls, solange es der G e-
sundheitszustand zulässt – einer entlohnten Beschäftigung nachzugehen (1). Eine weite-
re, wiederholt auftretende Strategie besteht darin, im Bereich der Grundversorgung (Er-
nähung, Kleidung, Heizung) bisweilen in einer das Existenzminimum unterschreitenden 
Art und Weise zu sparen (2). Eine dritte, häufig beobachtete Strategie ist der kontinuier-
liche Rückzug aus nahezu allen gesellschaftlichen Teilhabefeldern, was einer Privatisi e-
rung aller Aktivitäten (und Risiken) - und damit bisweilen sozialer Isolation gleic h-
kommt (3).

59 
 
All dies beschreibt vor allem die aktuelle Situation der in Münster von Altersarmut Betroffenen. 
Wie aber stellt sich die Lage künftig, etwa im Jahr 2020 , dar? Was annonciert die gegenwärtige 
Entwicklung mit Blick auf die Zukunft und unter Berücksichtigung des demografischen Wa n-
dels? Und was meint demografischer Wandel überhaupt und welche Folgen hat er für die kom-
munale Gesellschaft in Münster, welche für die zu erwartende Altersarmutsentwicklung in ihr?

60 
 
3. Altersarmut und demografischer Wandel in Münster  
 
Der demografische Wandel der Bundesrepublik wird einheitlich als einschneidender Proze ss 
der Veränderung in den sozialen Strukturen einer Gesellschaft thematisiert, jedoch höchst u n-
terschiedlich beurteilt. Dabei stehen eher pessimistischen Deutungsmustern und Prognosen 
(Schirrmacher 2004) durchaus auch positive P erspektiven gegenüber (Bosbach 2009). Der de-
mografische Wandel hat folglich viele Facetten (Höpflinger 2009:7), was sich bereits darin au s-
drückt, dass die Beurteilung der Entwicklung der Weltbevölkerung oder der nationalen Entwick-
lung höchst divergent ist.  
Die Bevölkerungsentwicklung eines Gebietes wird von der Soziologie zumeist von drei demogra-
fischen Komponenten bestimmt: Fertilität, Mortalität und Wanderungsbew egungen (Schäfers 
2006: 41). In den Sozialwissenschaften existieren unterschiedliche Modelle zur Deutung dieser 
Entwicklungen. Unabhängig davon allerdings, ob 3 -phasige oder 5 -phasige Modelle präferiert 
werden (Höpflinger 2009; Lee 2003), stellt sich die Frage nach der empirischen Gültigkeit prog-
nostischer Aussagen für unterschiedliche Regionen und/oder Perioden.39 
 
3.1 Merkmale und Folgen des demografischen Wandels in Deutschland 
 
Neben einem ersten »stillen« demografischen Übergang im Rahmen der Nationenbildung (Lest-
haeghe 1992: 319) , sprechen Expert en heute von einem »zweiten demografischen Übergang«, 
der vor etwa vier Jahrzehnten eingesetzt hat (Lesthaeghe1992; van de Kaa 1994, z.n. Höpflinger 
2009). Dieser Übergang seit etwa den 1960er Jahren wird häufig mit einer Hinwendung zu post-
materialistischen Werten in Verbindung gebracht (Inglehart 1977). So schwächten sich in dieser 
Phase schichtspezifische Fertilitätsunterschiede weitgehend ab und es bestanden nur noch 
schwache Zusammenhänge zwischen sozialem Status und Kinderwunsch. Eine allseits bekannte 
Folge ist die , dass der aus bildungsbürgerlichen Milieus bekannte Effekt, nämlich die Familien-
planung aufzuschieben oder ganz auf Kinder zu verzichten , seit etwa den 1970er Jahren ve r-
mehrt auch in Mittel- und Unterschichten nachzuweisen ist (Höpflinger 2009: 46). Genau dies ist 
eine der zentralen Ursachen für Bevölkerungsabnahm e und gleichzeitige Alterung der Gesel l-
schaft. 
 
Geburtenrückgang 
 
Weitgehend Einigkeit herrscht hinsichtlich der Feststellung, dass in der Mitte der 1970er Jahre 
eine einschneidende demografische Zäsur zu beobachten ist, da ab 1975 im Durchschnitt ers t-
mals mehr Menschen in Deutschland starben als geboren wurden (Dietz 2004: 192). Zwar war 
der Geburtenindex in Deutschland auf Grund strukturelle r, soziale r und normativer Verände-
rungen (Geburtenplanung, Scheidungsrecht, Emanzipation, Bildungsexpansion usw.) bereits seit 
den 1965er Jahren kontinuierlich gesunken , allerdings »überholten« ab dem Jahre 1975 die 
Mortalitätsraten nun zunehmend die Geburtenraten. In Deutschland liegt die Geburtenhäufigkeit 
pro 100 Frauen aktuell auf dem Niveau von 136 Kindern bei einem Heiratsalter von ~ 30,1 Jah-
ren (Perrig-Chiello, Höpflinger, Suter 2008) , was für die gesellschaftliche Reproduktion nicht 
ausreicht. 
 
Mortalität, Morbidität und Lebenserwartung  
 
Laut Statistischem Bundesamt (2006) lag der Anteil der über 65-Jährigen in der Bundesrepublik 
im Jahre 2005 bei 19,2 % - im Jahr 2050 bereits wird sich dieser Anteil alter Menschen bereits 
auf 33 % erhöht haben (Mnich/Grosse Frie /von dem Knesebec k 2008: 15). In Bezug auf die 
Mortalitätsraten geht das Bundesamt davon aus, dass eine weitere Abnahme im Tempo der letz-
                                                             
39 Für eine ausführliche Kritik: siehe Höpflinger 2009: 20 ff.

61 
 
ten 30 Jahre erfolgen wird, wobei die Zahlen auf einen historischen Tiefstand absinken werden. 
Der Anstieg der Lebenserwartung wird dabei langfristig stagnieren, was unterschiedlichen Fak-
toren geschuldet ist, die sich in »natürliche«(genetische und biologische Einflüsse) sowie gesell-
schaftliche Faktoren (sozio-ökonomische und sozio -kulturelle Lebensbedingungen) unterschei-
den lassen. 
Mortalität (Sterberaten) und Morbidität (Krankheitshäufigkeiten) gehen bei alldem mit unglei-
chen Lebenslagen Hand in Hand  und sind zudem geschlechtsspezifisch unte rschiedlich verteilt. 
Mit Blick auf das Bi ldungsniveau haben bekanntermaßen Menschen mit höherer schulischer 
Bildung eine höhere Lebenserwartung – jedenfalls gilt dies für Männer, während der Zusa m-
menhang von Bildung und Frauensterblichkeit nicht nachgewiesen ist. Die höhere Lebenserwar-
tung der Frauen wiederum hat europaweit zu einer deutlichen »Feminisierung des Alters« (Ba-
ckes 2010: 456) geführt und heute ist die große Mehrheit der Betagten, namentlich der Hochbe-
tagten, weiblichen G eschlechts. Aus diesem Grund e sind Frauen in vielerlei Hinsicht von den 
Problemen des gesellschaftlichen Alterungsprozesses stärker betroffen als Männer.  
 
Wanderungsbewegungen 
 
Auch Wanderungsbewegungen si nd wichtige demografische Einflussfaktoren. Migrat ion etwa 
verändert Zusammensetzung und Zahl einer nationalen, regionalen oder kommunalen Bevölk e-
rung (sowohl hinsichtlich der Aus- als auch der Zuwanderungen) in quantitativer und qualitat i-
ver Hinsicht (Höp flinger 2009: 71). Push - und Pull-Faktoren, die auch in die hier angestellten 
Überlegungen Eingang finden, sind u.a. eine hohe Arbeitslosigkeit, geringe berufliche Aufstiegs-
chancen oder hohe Wohnraumkosten (allesamt Pushfaktoren) sowie gute berufliche Aufs tiegs-
chancen, preiswerter Wohnraum, Familien- bzw. Partnerzusammenführungsmöglichkeiten (al-
lesamt Pullfaktoren). Die Entscheidung für oder gegen Migration wird zudem durch persönliche 
Erwartungen, familiäre und lebenszyklische Umstände sowie durch soziale Netzwerke beein-
flusst. 
 
Folgen 
 
Die Folgen des demografischen Wandels erstrecken sich auf gesamtgesellschaftliche, organisato-
rische und individuelle El emente in nahezu allen Bereichen. Neben dem Trend zum Rückgang 
der Gesamtbevölkerung macht sich der demografische Wandel aber vor allem auch als Phäno-
men der »doppelten Alterung« bemerkbar: Es wachsen 1. Die absolute Zahl Älterer sowie 2. der 
Anteil Älterer an der Gesamtbevölkerung . Konsens besteht unter Familiensoziolog en darüber, 
dass der langfristige Gebur tenrückgang mit Veränderungen der Familienstrukturen und -
funktionen einhergeht. Alles in allem aber, und auch darüber besteht Einigkeit, wird d ie Bevöl-
kerung der Bundesrepublik auf Grund abnehmende r Geburtenraten mittelfristig schrumpfen, 
dabei eine Heter ogenisierung erleben und in ihrem durchschnittlichen Alter ansteigen, wobei 
erwartet wird, dass 2040 jeder z weite Haushalt ein Ein -Personen-Haushalt sein wird, in dem 
immer häufiger Ältere leben (Hullen 2004: 22). 
Im Umfeld der demografischen Forschung werden in jüngerer Zeit vor allem die Bereiche Parti-
zipation, Bildung, ökonomische Lage oder Freizeit in den Blick genommen. 40 Infolge demografi-
scher Veränderungen nämlich verändern sich vor allem die Lebenswelten in den Bereichen Ar-
beitsmarkt und Bildung (Fuchs/Söhnlein/Weber 2004 ), Freizeit und Erholung (Brinkmann 
2004), politische Partizipation und Teilhabe ( Westle 2004), Wohnen und Stadtentwicklung  
(Schmitz-Veltin 2007) oder Mediennutzung (Rager/Hassemer 2004).41  
                                                             
40 Hullen beobachtete in diesem Zusammenhang in einigen Regionen der Bundesrepublik sich 
verschärfende regionale Disparitäten – etwa eine auffällige Ost-West-Wanderung (Hullen 2004: 22). 
41 Die häufig kontrovers diskutierte Rolle der Medien im Zus ammenhang mit Alter vollzog sich lange Zeit 
eher vor einem pessimistischen Hintergrund. Seit Entdeckung des »Marktsegments dritter und vierter 
Lebensabschnitt« aber werden zunehmend auch die positiven Seiten der Mediennutzung durch Ältere

62 
 
In Bezug auf die gesamte Bildungslandschaft ist mit Dichanz davon auszugehen, dass auch die 
traditionelle Fixierung des Lehrens und Lernens auf Heranwachsende vor diesem Hintergrund 
künftig nicht mehr durchz uhalten sein wird. Bildung, folgt man dem Autor, ist bereits jetzt zu 
einem »Non-Aging-Process« avanciert und die Bindung alter sspezifischer Bevölkerungsgruppen 
an Bildungsphasen wird überwunden werden müssen – z.B. durch E -Learning mit Blick auf die 
eingeschränkte Mobilität Älterer (Dichanz 2004: 145 f.). Hinsichtlich der politischen und zivilge-
sellschaftlichen Teilhabe sind es also weniger direkte demografische Effekte, die sich heute und 
in Zukunft auswirken als vielmehr indirekte, die mit für eine gesellschaftliche Teilhabe relevan-
ten Orientierungsmustern verknüpft sind.  
Was hat der hier in Auszügen skizzierte demografische Wandel nun mit Altersarmut zu tun? Vor 
dem Hintergrund eines erweiterten Armutsbegriff s der auch Lebenszufriede nheit auf Grund 
vorhandener Ressourcen und gesellschaftliche Teilhabe einbezieht, hat der Übergang bzw. Ein-
tritt in den Ruhestand und dessen Ausgestaltung bei der heute noch erwerbstätigen Bevölke-
rung erheblichen Einfluss auf die Lebenszufriedenheit im Alter . Dies wurde auch als entschei-
dender Faktor in biografischen Interviews immer wieder thematisiert (Deller/Maxin  2008a: 
167). Da sich aber mit dem demografischen Wandel der Zeitpunkt des Eintritts in die Nacha r-
beitsphase sowie die Umstände und soziale Verortung in ihr bereits derzeit stark wandeln , 
kommt diesem eine besondere Bedeutung zu. Dabei spielen protektive, die Lebenszufriedenheit 
sichernde Faktoren, ebenfalls eine wichtige Rolle . Da personale wie soziale Identitäten, soziale 
Zugehörigkeiten und die Praxis der Alltagsorganisation stark mit Erwerbstätigkeit ass oziiert 
sind und über den Kristallisationspunkt Er werbsarbeit auch organisiert werden, bleibt die se 
auch im Alter, nach Beendigung der Erwerbsphase also, zentral. Deller und Maxin etwa begrün-
den eine Erhöhung der Lebenszufriedenheit im Alter mit der Aufnahme oder Fortsetzung einer 
berufsähnlichen Tätigkeit im Ruhestand. Dies gilt in  persönlicher, kontaktspezifischer, generati-
ver und finanzieller Hinsicht (Deller/Maxin 2008:167). 
Die nachhaltigsten Auswirkungen allerdings wird der demografische Wandel auf die sozialen 
Sicherungssysteme, vor allem auf die Hö he von Renten und Pensionen , haben. Gravierende 
Probleme werden dabei für die Zeit zwischen etwa 2020 und 2035 erwartet (Dietz 2004: 193). 
Doch auch bis dahin, also bis etwa 2020, wirken sich politische Versäumnisse, wie etwa die Be-
nachteiligung durch Elte rnschaft oder die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf , armutsge-
fährdend auf den Ruhestand Vieler aus. Hier entscheiden einerseits Art, Umfang und Qualität des 
demografischen Wandels, andererseits aber auch die eigene Familienbiografie über die Fo lgen 
im Alter. Wichtig werden dabei also auch die Generationenbeziehungen – wie etwa Meyer in 
seinen Beiträgen über Familienbeziehungen heraus stellt (Meyer 2004 ). In der Bereitstellung 
familialer Netzwerke und anderer unterstützender Infrastrukturen nämlich liegt (oder sollte 
man besser formulieren: lag?) ein wichtiges Gestaltungspotential für den demografischen Wan-
del. Dies unterstreicht auch Stiehr, die in ihre n Forschungen zunehmende Ungleichheiten unter 
Älteren vor allem in den Bereichen Bildung, wirtschaftlich e Kompetenzen und soziale Bindu n-
gen sieht (Stier 2004). Beachtenswert – und dies gilt auch in Münster – ist ihr Hinweis darauf, 
dass sich künftige Ungleichheiten nicht nur innerhalb der Altersgruppe der Älteren verstet igen 
werden, sondern auch intragenerat ional, also zwischen den Generationen, zwischen Eltern und 
Kindern und zwischen Großeltern und ihren Enkeln, zu erwarten sind.  
Mit Dichanz muss von daher nachdrücklich auf die N otwendigkeit hingewiesen werden, dass 
sich, im Sinne einer stärkeren Autonomie  im Alter, alle gesellschaftlichen Teilsy steme an einem 
veränderten Bildungsbegriff (Lebenslanges Lernen, Freizeitlernen, Lernen und Erhalt von Al l-
tagskompetenzen usw.)  orientieren sollten  (Dichanz 2004: 129  ff.). Freizeit und Bildungszeit 
werden künftig a lso immer weniger als sich gegenseitig ausschließende Konzepte betrachtet 
werden können (Brinkmann 2004: 10). Was hier anklingt , das ist der Hinweis darauf , dass mit 
einer sich verändernden Bevölkerungsstruktur, der immer weniger ökonomische Ressourcen 
zur Verfügung stehen, Bildung einen besonderen Wert darstellt, den es bereits heute, im Vorfeld 
des Alterns, als pr otektives Element zu erhalten und zu fördern gilt. Bildungsangebote, die auf 
                                                                                                                                                                                              
diskutiert, beispielsweise von Rager und Hassemer. Diese loten die aktiven 
Partizipationsmöglichkeiten durch Medien für die Lebenssituation alter Menschen aus 
(Rager/Hassemer 2004).

63 
 
politische Partizipation und gesellschaftliche Teilhabe auch noch im alter abzielen , entsprechen 
damit einem relativen Armutskonzept, das  auf qualitative Verbesserung der Lebenss ituation, 
oder anders formuliert: auf Erlangung der Voraussetzungen für eine qualitative Verbesserung 
der eigenen Lebenssituation durch gesellschaftliche Teilhabe im Alter, setzt.  
 
Zusammenfassung: Demografischer Wandel und Altersarmutsentwicklung                                              
in Deutschland 
 
Abnehmende Geburtenzahlen und eine höhere Lebenserwartung in Folge des medizin ischen 
Fortschritts, gepaart mit gesellschaftlichen Wandlungsprozessen in der so g enannten »zweiten 
Moderne« (Beck 1986) haben insbesondere seit den 1960er und 1970er Jahren eine demografi-
sche Wende eingeleitet, die die Altersstruktur der deutschen Bevölkerung mittel- und langfristig 
nachhaltig verändern wird. Im Hinblick auf die demografische Entwicklung ist zunächst von 
einer doppelten Alterung (1. absolut mehr Alte, 2. steigender Anteil von Alten an der Gesamtbe-
völkerung) auszugehen. Die Folgen dieses Prozesses reich en in zahl reiche Felder (Ökonomie, 
Sozialsysteme, Politik/politische Partizipation, Bildung, Mobilität, Kommunikation, Fam ilie u.a.) 
hinein, betre ffen Individuen ebenso wie gesellschaftliche Institutionen und werfen auf gesel l-
schaftlicher Ebene Fragen nach dem sozialen Zusammenhalt sowie nach der Generationensoli-
darität auf.  
Der demografische Wandel und die damit einhergehenden Herausforderungen hinsich tlich der 
allseits drohenden Altersarmut (Horn/Köppen 2007) gehen dabei auch an Städten und Regi o-
nen wie Münster nicht spurlos vorüber, womit Fragen danach ins Zentrum rücken, wie sich die 
demografische Struktur Münsters derzeit darstellt (Kapitel 3.2), welche Wandlungspr ozesse bis 
2020 zu erwarten sind (Kapitel 3.3) und was diese Wandlungsprozesse für die En twicklung zu-
künftiger Altersarmut bedeuten (Kapitel 3.4). 
 
3.2 Aktuelle demografische Struktur Münsters 
 
Die demografische Struktur Münster s wird im Folgenden auf drei sozialräumlichen Ebenen b e-
schrieben: auf der Ebene der gesamten Stadt (Stadt Münster), auf der der Stadtbezirke sowie auf 
Ebene der Stadtteile . Dies ermöglicht es,  Konzentrationsprozesse entlang demografischer 
Merkmale zu konturieren, um auf diese Weise Auffälligkeiten zu explorieren. 
 
 
Die Stadt Münster 
 
Ende 2010 waren 276.981 Personen mit Hauptwohnsitz in Münster gemeldet. Die wohnberech-
tigte Bevölkerung, auf die sich im Folgenden der Fokus richtet,  betrug 285.180 Personen (Stadt 
Münster 2010a: 6 ff.) 42, wobei der Anteil der weiblichen B evölkerung mit 52,62% knapp über 
dem der männlichen (47,38%) lag (Stadt Münster 2010a: 12 f.). Die Altersstruktur der Münste r-
aner zeichnet sich dabei durch einen hohen Anteil 20 bis 29 -Jähriger aus (18,9% der Gesamtbe-
völkerung) – offenbar als Folge des Universitätsstandortes Münster. Im Einzelnen ve rteilt sich 
die Bevölkerung wie folgt auf die einzelnen Altersgruppen (Abbildung 17). 
Nach den 20 bis 29-Jährigen stellt die Gruppe der 40 bis 49-Jährigen den zweitgrößten Anteil an 
der Gesamtbevölkerung dar (15,48 %), gefolgt von der Gruppe der 30 bis 39 -Jährigen (13,67 %) 
sowie den 50 bis 59-Jährigen (12,46 %). Was auffällt: Der insgesamt mittlere Altersbereich zw i-
schen 20 und 50 Jahren macht knapp die Hälfte der Münste raner Bevölkerung aus. Addiert man 
die 50 bis 60 -Jährigen hinzu, so kommt man auf einen Anteil von  über 60%, was eine ve r-
gleichsweise junge Bevölkerungsstruktur annonciert. Die Gruppen der bis 9-Jährigen, der 10 bis 
19-Jährigen, der 60 bis 69 -Jährigen sowie der 70 bis 79 -Jährigen machen j eweils ca. 8 -9 % der 
Gesamtbevölkerung aus, die Gruppe der 80 bis  89-Jährigen 4,27 % und die Gruppe der ab 90 -
                                                             
42 Die Bevölkerungsprognosen der Stadt stützen sich auf diesen Indikator.

64 
 
Jährigen 0,71 % (Stadt Münster 2010: 10).  Die Gruppe der mindestens 60 -Jährigen stellt z u-
sammengenommen 22 % der Gesamtbevölkerung dar. 
 
Abbildung 17: Bevölkerung nach Altersgruppen und Geschlecht auf der Ebene der Stadt (2010) 
 
Quelle: Stadt Münster 2010a: 11 ff. 
 
Da der Frauenanteil a b der Alterskohorte der 40 bis 49 -Jährigen kontinuierlich zunimmt, ist 
auch in Münster das Phänomen einer »Feminisierung des Alters« beobachtbar (Abbildung 18). 
 
Abbildung 18: Bevölkerung nach Altersgruppen und Geschlecht auf der Ebene der Stadt (2010) 
 
Quelle: Stadt Münster 2010a: 12 ff. 
 
Bei den Jüngeren sind e inzig in der Gruppe der 20 bis 29 -Jährigen Frauen deutlich überr eprä-
sentiert (Stadt Münster 2010: 12 f.)  – was mit dem Universitätsstandort Münster und dem von 
Bildungsforschern in jüngerer Zeit beobachteten Trend zur »Feminisierung der Bildung « (Peu-
kert 2008: 239) erklärt werden kann.

65 
 
Abbildung 19: Altersstruktur und Geschlecht auf der Ebene der Stadt (2010) 
 Anzahl Anteil Weiblich Frauenanteil männlich Männeranteil 
0-9 23.871 8,37% 11.626 48,70% 12.245 51,30% 
10-19 26.045 9,13% 13.063 50,16% 12.982 49,84% 
20-29 53.903 18,90% 29.239 54,24% 24.664 45,76% 
30-39 38.971 13,67% 19.214 49,30% 19.757 50,70% 
40-49 44.140 15,48% 22.202 50,30% 21.938 49,70% 
50-59 35.525 12,46% 18.150 51,09% 17.375 48,91% 
60-69 25.141 8,82% 13.380 53,22% 11.761 46,78% 
70-79 23.387 8,20% 13.407 57,33% 9.980 42,67% 
80-89 1.2179 4,27% 8.152 66,93% 4.027 33,07% 
≤ 90 2.018 0,71% 1.624 80,48% 394 19,52% 
Gesamt 285.180  150.057 52,62% 135.123 47,38% 
Quelle: Stadt Münster 2010a: 11 ff. 
 
Alles in allem lassen sich für Münster folgende Befunde formulieren: Die Altersstruktur Müns-
ters ist stark durch den Universitätss tandort geprägt, was dazu führt, dass  fast 20% der Bevö l-
kerung 20-29, knapp ein Drittel 20 -39 Jahre alt ist . Die Gruppe der E rwachsenen im mittleren 
Alter (40-59 Jahre) macht etwa 28 %, die der »alten« Erwachsenen (60 Jahre und älter) etwa 22 
%und die Grup pe der Kinder und Jugendlichen (0 -19 Jahre) exakt 17,5 % aus. Die geschlechts-
spezifische Verteilung ist bis zu einem Alter von 60 Jahren, mit Ausnahme der 20 bis 29 -
Jährigen, relativ ausgeglichen. Ab diesem Zeitpunkt , dem 60. Lebensjahr also,  beginnt der F rau-
enanteil deutlich zu überwiegen und mit zunehmen dem Alter immer stärker anzuwachsen  (Ab-
bildung 19).  
Münster ist also, etwa im Vergleich mit anderen Kommunen im Münsterland, eine eher »junge 
Kommune« und zählt damit in gewisser Hinsicht zu den Gewinnern  des demografischen Wan-
dels – jedenfalls dann, wenn ein hohes Durchschnittsalter als nachteilig, etwa unter Wachstums-
aspekten, begriffen wird. Dies allerdings könnte mit zunehmendem Alter n der Münsteraner 
»Stammbevölkerung« mittelfristig zu Disparitäten und Segregationsprozessen mit Blick auf L e-
benslagen und Lebensstile, politisch -kulturelle Interessen oder allgemeine Konsumgewohnhei-
ten und d amit auch verstärkt zur Frage danach führen, welch e Stärkefelder künftig zu fördern  
und welche Probleme mit Hilfe pol itischer Intervention abzufedern sind. Dies gilt jedenfalls 
dann, wenn politisch eine integrative Gesamtstrategie verfolgt wird . Wie verteilen sich die ei n-
zelnen Altersgruppen nun aber auf die einzelnen Stadtbezirke und inwiefern werden dabei (ab-
solute und relative) Konzentrationsprozesse sichtbar?  
 
Die Stadtbezirke 
 
Münster Mitte beherbergt mit über 40 % der Bevölkerung die meisten Einwohner, g efolgt von 
Münster West mit knapp 20 % und Hiltrup mit ca. 13 %. Münster Nord und Münster Südost bi l-
den mit jeweils knapp unter 10 % die Schlusslichter der Verteilung, einzig unterboten von Müns-
ter Ost mit etwa 7 % (Stadt Münster 2010a: 11). 
Würde man nun eine Verteilung aller Münsteraner entsprechend ihrer Anteile an den jeweiligen 
Altersgruppen auf die jeweiligen S tadtbezirke vornehmen, so ergäbe sich eine theoretische Ve r-
teilung, von der die reale Altersgruppenverteilung in den einzelnen Stadtbezirken abweicht. Es 
lassen sich mit diesem Verfahren also relative Über - und Unterrepräsentanzen in den einzelnen 
Stadtbezirken beobachten. Damit werden aber auch Präferenzen sichtbar, die sich als Verschi e-
bungen im zeitlichen Verlauf – etwa durch verstärkte Zu - oder Abwanderungen bestimmter A l-
tersgruppen in einzelne Stadtbezirke oder durch Umzüge innerhalb der Stadtgrenzen – interpre-
tieren lassen. Ob solche Verschiebungen durch Familiengründungsprozesse, Mobilitäten im B e-
reich der Erwerbsarbeit oder andere Faktoren (etwa de n städtischen Wohnungsmarkt) erklä r-
bar sind und ob es sich dabei eher um Kontinuitäten (Stabilitäten im individuellen Wahlhandeln)

66 
 
oder eher um Diskontinuitäten (Veränderungen des individuellen Wahlhandelns) handelt, müss-
te näher erkundet werden.  
 
Abbildung 20: Verteilung der Altersgruppen auf die Stadtbezirke (2010) 
  Gesamt 0-19 20-39 40 -59 60 -69 70 -79 80 -89 ≥ 90 
Absolut 
Mitte 116.660 14.694 48.823 29.482 8.730 8.414 5.497 1020 
West 55.376 11.440 18.329 15.044 4.502 3.863 1.865 333 
Nord 28.261 6.264 6.963 8.312 2.796 2.666 1.128 132 
Ost 20.867 4.174 4.354 6.637 2.304 2.209 1.050 139 
Südost 27.155 5.773 5.933 8.798 2.846 2.504 1.133 168 
Hiltrup 36.861 7.571 8.472 11.392 3.963 3.731 1.506 226 
 
Gesamt 
 
285.180 
 
49.916 
 
92.874 
 
79.665 
 
25.141 
 
23.387 
 
12.179 
 
2.018 
Anteile 
Mitte 40,91% 29,44% 52,57% 37,01% 34,72% 35,98% 45,14% 50,55% 
West 19,91% 22,92% 19,74% 18,88% 17,91% 16,52% 15,13% 16,50% 
Nord 9,91% 12,55% 7,50% 10,43% 11,12% 11,40% 9,26% 6,54% 
Ost 7,32% 8,36% 4,69% 8,33% 9,16% 9,45% 8,62% 6,89% 
Südost 9,52% 11,57% 6,39% 11,04% 11,32% 10,71% 9,30% 8,33% 
Hiltrup 12,93% 15,17% 9,12% 14,30% 15,76% 15,95% 12,37% 11,20% 
Anteilige Abweichung zwischen Stadtbezirken und Münster Gesamt 
Mitte  - 11,7% 11,66% -3,90% - 6,19% - 4,93% 4,23% 9,64% 
West  3,01% -0,17% -1,03% -2,00% - 3,39% - 4,78% - 3,41% 
Nord  2,64% -2,41% 0,52% 1,21% 1,49% - 0,65% -3,37% 
Ost   1,04% -2,63% 1,01% 1,84% 2,13% 1,30% -0,43% 
Südost   2,05% -3.13% 1,52% 1,80%  1,19% -0,22% -1,19% 
Hiltrup  2,24% -3,81% 1,37% 2,83%  3,02% - 0,56% -1,73% 
Quelle: Stadt Münster 2010a: 11. 
 
Mit Blick auf den Referenzrahmen »theoretische Altersgruppenverteilung « fallen zunächst 
Überrepräsentanzen in mehreren Stadtbezirken auf. So dominieren in  Münster Nord, Münster 
Ost, Münster Südost und Münster Hiltrup  vor allem die unter 20-Jährigen sowie die 40  bis 79-
Jährigen (Abbildung 20). Es fehlt hier also die »Mitte« der 20 bis 40-Jährigen, mit einer Ausnah-
me: In Münster West sind unter dieser Perspektive lediglich die unter 20 -Jährigen überreprä-
sentiert. Unterrepräsentiert wiederum sind die unter 20 -Jährigen sowie die 40 b is 79-Jährigen 
in Münster Mitte , während die Gruppe der 20 bis 39 -Jährigen hier stark überrepräse ntiert ist 
(über 52 % der städtischen Bevölkerung dieser Altersklasse wohnt in Münster Mitte). Auch die 
Hochaltrigen (80 Jahre und älter) leben fast zur Hälfte  in Münster Mitte , so dass damit hier ein 
relativ hoher Anteil älterer Menschen konzentriert ist. 
Beim Blick auf die Altersstruktur in den einzelnen Stadtbezirken fällt zunächst auf, dass die Al-
tersverteilung in einigen Stadtbezirken relativ ähnlich ist  (Abbildung 2 1). So etwa in Münster 
Ost, Südost und Hiltrup. Bei den 60 bis 79-Jährigen liegt der Anteil in Münster Mitte und Münster 
West niedriger als in den Bezirken Nord, Ost, Südost und Hiltrup. Bei den über 80-Jährigen glei-
chen sich die Bezirke wieder a n und zwar in etwa bei 4 % bis 5 % der Stadtbezirksbevölkerung. 
Die Gruppe der ab 90-Jährigen bildet dabei in jedem Bezirk die weitaus kleinste Gruppe mit je 
unter einem Prozent.

67 
 
Abbildung 21: Verteilung der einzelnen Altersgruppen in den Stadtbezirken (2010) 
  0-19 20-39 40-59 60-69 70 -79 80-89 ≥ 90 
Mitte 12,60% 41,85% 25,27% 7,48% 7,21% 4,71% 0,87% 
West 20,66% 33,10% 27,17% 8,13% 6,98% 3,37% 0,60% 
Nord 22,16% 24,64% 29,41% 9,89% 9,43% 3,99% 0,47% 
Ost 20,00% 20,87% 31,81% 11,04% 10,59% 5,03% 0,67% 
Südost 21,26% 21,85% 32,40% 10,48% 9,22% 4,17% 0,62% 
Hiltrup 20,54% 22,98% 30,91% 10,75% 10,12% 4,09% 0,61% 
Münster      
Gesamt 
 
17,50% 
 
32,50% 
 
27,93% 
 
8,82% 
 
8,20% 
 
4,27% 
 
0,71% 
 
Abweichung zwischen Stadtbezirken und Münster Gesamt 
 
Mitte - 4,90% 9,35% -2,66% -1,34% -0,99% 0,44% 0,16% 
West 3,16% 0,60% -0,76% -0,69% -1,22% -0,90% -0,11% 
Nord 4,66% -7,86% 1,48% 1,07% 1,23% -0,28% -0,24% 
Ost 2,50% -11,63% 3,88% 2,22% 3,39% 0,76% -0,04% 
Südost 3,76% -10,65% 4,77% 1,66% 1,02% -0,10% -0,09% 
Hiltrup 3,04% -9,52% 2,98% 1,93% 1,92% -0,18% -0,10% 
Quelle: Stadt Münster 2010a: 11. 
 
Hinsichtlich der Geschlechterverteilung in den Bezirken ist evident, dass Frauen - und Männer-
anteile in den verschiedenen Bezirken in der Regel nur kna pp zugunsten der Frauen ausfallen , 
und zwar mit einem Frauenanteil, der durchgängig zwischen 51 % und 52 %pendelt (Abbildung 
22). Ausnahmen hier: Münster Hiltrup (52,18 %) und Münster Mitte (53,96 %).  
 
Abbildung 22: Bevölkerung nach Geschlecht und Stadtbezirken (2010) 
  Gesamt Weiblich Frauenanteil männlich Männeranteil 
Mitte 116.660 62.951 53,96% 53.709 46,04% 
West 55.376 28.430 51,34% 26.946 48,66% 
Nord 28.261 14.623 51,74% 13.638 48,26% 
Ost 20.867 10.849 51,99% 10.018 48,01% 
Südost 27.155 13.971 51,45% 13.184 48,55% 
Hiltrup 36.861 19.233 52,18% 17.628 47,82% 
Münster  
Gesamt 
 
285.180 
 
150.057 
 
52,62% 
 
135.123 
 
47,38% 
Quelle: Stadt Münster 2010a: 11 ff. 
 
Betrachtet man den Frauenanteil hingegen unter Hinzuziehung einzelner Alterskohorten, diffe-
renziert sich das Bild bereits stärker aus. Und obwohl das Phänomen der Feminisierung des A l-
ters unabhängig vom Stadtbezirk auf tritt, streut das Ausmaß seines Auftretens deutlich  (Abbil-
dung 23). Die Ungleichverteilung weiblicher und männlicher Bevölkerungsanteile in den Bezi r-
ken im Vergleich mit der Stadt Münster insgesamt ist in den jüngeren Alterskohorten jeweils 
eher gering, nimmt aber mit zunehmendem Alter der Frauen zu. Dies gilt durchgängig für alle 
Stadtbezirke.

68 
 
Abbildung 23: Frauenquote nach Altersgruppen und Stadtbezirken (2010) 
  Gesamt 0-19 20-39 40-59 60-69 70 -79 80 -89 ≥ 90 
Mitte 53,96% 50,21% 53,31% 50,73% 53,81% 61,21% 71,15% 81,47% 
West 52,34% 48,77% 50,92% 50,13% 53,22% 54,96% 64,02% 78,98% 
Nord 51,74% 49,30% 50,94% 50,77% 52,15% 56,68% 61,97% 75,76% 
Ost 51,99% 48,95% 51,42% 51,08% 53,99% 53,42% 62,67% 74,82% 
Südost 51,45% 48,74% 50,41% 50,38% 53,09% 54,83% 62,84% 82,14% 
Hiltrup 52,18% 50,14% 50,92% 51,04% 52,31% 55,48% 64,94% 83,19% 
Münster  
Gesamt 
 
52,62% 
 
49,48% 
 
52,17% 
 
50,65% 
 
53,22% 
 
57,33% 
 
66,93% 
 
80,48% 
 
Abweichung der bezirksspezifischen Frauenanteile zu den Frauenanteilen in Münster Gesamt 
 
Mitte 1,34% 0,73% 1,14% 0,08% 0,59% 3,88% 4,22% 0,99% 
West -0,28% -0,71% -1,25% -0,52% K.A.43 -2,37% -2,91% -1,50% 
Nord -0,88% -0,18% -1,23% 0,12% -1,07% -0,65% -4,96% -4,72% 
Ost -0,63% -0,53% -0,75% 0,43% 0,77% -3,91% -4,26% -5,66% 
Südost -1,17% -0,74% -1,76% -0,27% -0,13% -2,50% -4,09% 1,66% 
Hiltrup -0,44% -0,66% -1,25% 0,39% -0,91% -1,85% -1,99% 2,71% 
Quelle: Stadt Münster 2010a: 11 ff. 
 
Auf der Ebene der Stadtbezirke lässt sich in der Zusammenschau folgendes festhalten. 
 
 Münster Ost, Südost und Hiltrup sind mit Blick auf die Altersstruktur  relativ ähnlich und 
bilden damit ein Cluster. 
 Den Gegenpol zu diesem Cluster stellt Münster Mitte dar. 
 Münster West und Münster Nord bewegen sich zwischen diesen Clustern, wobei Münster 
West eher der Struktur Münster Mitte entspricht, während Münster Nord eher in Ric h-
tung Ost, Südost und Hiltrup tendiert. 
 Unabhängig von Stadtbezirk kann von einer Feminisierung des Alters ausgegangen we r-
den. 
 
Somit werden bereits erste alter sspezifische Konzentrationsprozesse sichtbar, die sich beim 
Blick auf die einzelnen Stadtviertel fortsetzen. 
 
Die Stadtviertel 
 
Die Ebene der 45 Münsteraner S tadtviertel ist eine kleinräumig e Basis, für die amtliche Daten 
verfügbar sind. Dies ermöglicht es, ein weitaus differenzierteres Bild der demografischen Struk-
turen in Münster zu zeichnen. Hierbei sollte zunächst die absolute Verteilung von Bevölkerungs-
anteilen in den Blick genommen werden, um anschließend relative Konzentrationsproze sse zu 
betrachten und zwar erneut ausgehend von einer theoretisch unterstellten Gleichverte ilung der 
Bevölkerungsteile entsprechend ihrer Verteilung auf der Ebene der gesamten Stadt. 
Im Hinblick auf die absolute Verteilung der Münsteraner Bevölkerung auf die Stadtvie rtel fällt 
auf, dass die se höchst unterschiedlich e Bevölkerungszahlen aufweisen . Während im Stadtteil 
Hafen lediglich 982 Personen und in Aegidi, Überwasser oder Martini lediglich knapp über 1.000 
Personen leben, sind es in Gievenbeck fast 19.000, in Kreuz etwa 12.000 und in Coerde und Ki n-
derhaus West immerhin noch über 10.000 (Abbildung 24). 
 
                                                             
43  K.A. meint in diesem Zusammenhang „keine Abweichung“.

69 
 
Abbildung 24: Bevölkerung nach Altersgruppen und Stadtvierteln (2010) 
  Gesamt 0-19 20-39 40-59 60-69 70 -79 80 -89 ≥ 90 
Aegidii 1.356 118 607 273 111 126 92 29 
Überwasser 1.273 80 760 214 77 82 49 11 
Dom 2.155 133 1.093 440 171 189 118 11 
Buddenturm 2.260 168 1.113 418 119 144 205 93 
Martini 1.274 106 644 264 98 91 62 9 
Pluggendorf 4.045 262 2.143 724 225 292 311 88 
Josef 7.980 650 4.238 1.740 544 452 312 44 
Bahnhof 1.056 57 719 164 36 44 30 6 
Hansaplatz 6.589 602 3.634 1.517 350 296 168 22 
Mauritz-West 5.900 696 2.809 1.528 400 283 161 23 
Schlachthof 4.865 769 1.736 1.356 399 373 196 36 
Kreuz 11.939 1.471 5.026 3.170 973 744 461 94 
Neutor 3.978 356 2.485 658 199 155 105 20 
Schloss 2.070 231 818 498 196 152 143 32 
Aaseestadt 5.352 760 1.570 1.476 551 598 346 51 
Geist 8.738 1.350 3.099 2.481 730 638 378 62 
Schützenhof 7.102 772 3.614 1.599 431 416 241 29 
Düesberg 6.826 1.202 1.728 2.055 637 734 409 61 
Hafen 982 70 589 181 58 51 28 5 
Herz Jesu 5.065 616 1.882 1.193 352 491 417 114 
Mauritz-Mitte 9.942 1.398 3.255 2.924 832 904 546 83 
Rumpenhorst 7.829 1.547 2.098 2.397 647 662 442 36 
Uppenberg 8.084 1.280 3.163 2.212 594 497 277 61 
Gievenbeck 18.832 4.293 7.469 4.562 1.039 855 510 104 
Sentrup 6.628 1.066 3.193 1.362 379 304 246 78 
Mecklenbeck 9.335 1.772 2.556 2.971 809 790 379 58 
Albachten 5.724 1.414 1.234 1.822 575 448 203 28 
Roxel 8.338 1.723 2.192 2.456 898 751 284 34 
Nienberge 6.519 1.172 1.685 1.871 802 715 243 31 
Coerde 10.045 2.428 2.602 2.812 848 912 394 49 
Kinderhaus-Ost 4.887 880 1.292 1.468 537 468 226 16 
Kinderhaus West 10.365 2.314 2.482 3.078 1.113 954 373 51 
Sprakel 2.964 642 587 954 298 332 135 16 
Mauritz -Ost 9.716 1.695 2.204 3.083 1.055 1.049 567 63 
Gelmer-Dyckburg 3.471 749 673 1.190 393 321 127 18 
Handorf 7.680 1.730 1.477 2.364 856 839 356 58 
Gremmendorf-West 4.705 1.050 1.086 1.575 428 373 174 19 
Gremmendorf-Ost 6.379 1.465 1.415 2.111 577 501 276 34 
Angelmodde 7.368 1.479 1.661 2.296 807 723 340 62 
Wolbeck 8.703 1.779 1.771 2.816 1.043 907 343 53 
Berg Fidel 5.563 1.179 1.404 1.558 492 583 285 62 
Hiltup-Ost 6.527 1.192 1.255 2.078 925 814 239 24 
Hiltrup-Mitte 9.787 1.707 2.401 2.843 1.056 1.109 580 91 
Hiltrup-West 8.922 2.046 2.049 3.063 940 629 178 17 
Amelsbüren 6.062 1.447 1.363 1.850 550 596 224 32 
 
Münster Gesamt 
 
28.5180 
 
49.916 
 
92.874 
 
79.665 
 
25.141 
 
23.387 
 
12.179 
 
2.018 
Quelle: Stadt Münster 2010a: 11 ff. 
 
Bevölkerungszahlen und Altersgruppen anteile sind zwischen den Stadtvierteln also mitunter 
stark ungleich verteilt – und zwar sowohl absolut als  auch relational. Diese Form der Diversif i-
zierung ist stets auf beiden Betrachtungsebenen anzutreffen. So weist auch die Verteilung in den 
Stadtgebiete(n) markante Unterschiede auf.  Besonders deutlich wird dies bei der Betrachtung 
der Abweichungen der Alte rsverteilung in den Stadtvierteln vor dem Hintergrund einer theore-
tisch unterstellten Gleichverteilung entlang der Altersgruppenverteilung in Münster insgesamt  
(Abbildung 25).

70 
 
Abbildung 25: Abweichung der Anteile der Alterskohorten in Stadtvierteln, von denen auf der 
Ebene der Stadt Münster (2010) 
 0-19 20-39 40-59 60-69 70-79 80-89 ≥ 90  
Aegidii -8,80% 12,19% -7,80% -0,63% 1,09% 2,51% 1,43% 
Überwasser -11,22% 27,13% -11,12% -2,77% -1,76% -0,42% 0,15% 
Dom -11,33% 18,15% -7,51% -0,88% 0,57% 1,21% -0,20% 
Buddenturm -10,07% 16,68% -9,43% -3,55% -1,83% 4,80% 3,41% 
Martini -9,18% 17,98% -7,21% -1,13% -1,06% 0,60% 0,00% 
Pluggendorf -11,02% 20,41% -10,03% -3,26% -0,98% 3,42% 1,47% 
Josef -9,35% 20,54% -6,13% -2,00% -2,54% -0,36% -0,16% 
Bahnhof -12,10% 35,52% -12,40% -5,41% -4,03% -1,43% -0,14% 
Hansaplatz -8,36% 22,58% -4,91% -3,51% -3,71% -1,72% -0,38% 
Mauritz-West -5,70% 15,04% -2,03% -2,04% -3,40% -1,54% -0,32% 
Schlachthof -1,69% 3,11% -0,06% -0,62% -0,53% -0,24% 0,03% 
Kreuz -5,18% 9,53% -1,38% -0,67% -1,97% -0,41% 0,08% 
Neutor -8,55% 29,90% -11,39% -3,82% -4,30% -1,63% -0,21% 
Schloss -6,34% 6,95% -3,87% 0,65% -0,86% 2,64% 0,84% 
Aaseestadt -3,30% -3,24% -0,35% 1,48% 2,97% 2,19% 0,24% 
Geist -2,05% 2,90% 0,46% -0,47% -0,90% 0,06% 0,00% 
Schützenhof -6,63% 18,32% -5,42% -2,75% -2,34% -0,88% -0,30% 
Düesberg 0,11% -7,26% 2,18% 0,51% 2,55% 1,72% 0,18% 
Hafen -10,37% 27,41% -9,50% -2,91% -3,01% -1,42% -0,20% 
Herz Jesu -5,34% 4,59% -4,38% -1,87% 1,49% 3,96% 1,54% 
Mauritz-Mitte -3,44% 0,17% 1,48% -0,45% 0,89% 1,22% 0,12% 
Rumpenhorst 2,26% -5,77% 2,69% -0,56% 0,26% 1,38% -0,25% 
Uppenberg -1,67% 6,56% -0,57% -1,47% -2,05% -0,84% 0,04% 
Gievenbeck 5,30% 7,09% -3,71% -3,30% -3,66% -1,56% -0,16% 
Sentrup -1,42% 15,60% -7,38% -3,10% -3,61% -0,56% 0,47% 
Mecklenbeck 1,48% -5,19% 3,90% -0,15% 0,26% -0,21% -0,09% 
Albachten 7,20% -11,01% 3,90% 1,23% -0,37% -0,72% -0,22% 
Roxel 3,16% -6,28% 1,53% 1,95% 0,81% -0,86% -0,30% 
Nienberge 0,48% -6,72% 0,77% 3,48% 2,77% -0,54% -0,23% 
Coerde 6,67% -6,67% 0,06% -0,38% 0,88% -0,35% -0,22% 
Kinderhaus-Ost 0,51% -6,13% 2,11% 2,17% 1,38% 0,35% -0,38% 
Kinderhaus West 4,83% -8,62% 1,77% 1,92% 1,00% -0,67% -0,22% 
Sprakel 4,16% -12,77% 4,26% 1,23% 3,00% 0,28% -0,17% 
Mauritz-Ost -0,05% -9,89% 3,80% 2,04% 2,60% 1,57% -0,06% 
Gelmer-Dyckburg 4,08% -13,18% 6,35% 2,50% 1,05% -0,61% -0,19% 
Handorf 5,03% -13,34% 2,85% 2,33% 2,72% 0,37% 0,05% 
Gremmendorf-West 4,82% -9,49% 5,55% 0,28% -0,27% -0,57% -0,31% 
Gremmendorf-Ost 5,47% -10,39% 5,16% 0,23% -0,35% 0,06% -0,18% 
Angelmodde 2,57% -10,03% 3,23% 2,13% 1,61% 0,34% 0,13% 
Wolbeck 2,94% -12,22% 4,43% 3,16% 2,22% -0,33% -0,10% 
Berg Fidel 3,69% -7,33% 0,08% 0,02% 2,28% 0,85% 0,40% 
Hiltup-Ost 0,76% -13,34% 3,91% 5,35% 4,27% -0,61% -0,34% 
Hiltrup-Mitte -0,06% -8,04% 1,12% 1,97% 3,13% 1,66% 0,22% 
Hiltrup-West 5,43% -9,60% 6,40% 1,72% -1,15% -2,27% -0,52% 
Amelsbüren 6,37% -10,09% 2,59% 0,25% 1,63% -0,57% -0,18% 
Quelle: Stadt Münster 2010a: 11 ff. 
 
Hierbei fallen zudem markante Unterschiede hinsichtlich des weiblichen Bevölk erungsanteils 
auf, denn je nach Wohnviertel schwanken die Frauenanteil e erheblich: in Münster Mi tte etwa 
zwischen 50,15 % (Neutor) und 57,97 % (Pluggendorf). Hiltrup-Mitte (54,72 %), Kinderhaus-
Ost (53,20 %) und Sentrup (53,08 %) fallen in diesem Zusammenhang wegen ihres relativ ho-
hen Frauenanteils auf, wobei sich das Bild im Hinblick auf die einzeln en Altersklassen noch wei-
ter ausdifferenziert (Abbildung 26).

71 
 
Abbildung 26: Frauenanteile nach Altersgruppen in Stadtvierteln (2010) 
 Gesamt 0-19 20-39 40-59 60-69 70 -79 80 -89 ≥ 90 
Aegidii 54,20% 49,15% 53,05% 42,12% 54,05% 61,90% 84,78% 82,76% 
Überwasser 57,27% 66,25% 57,50% 44,86% 50,65% 60,98% K.A.44 K.A 
Dom 53,41% 53,38% 50,50% 45,91% 57,89% 65,08% 81,36% 72,73% 
Buddenturm 55,62% 51,19% 51,21% 50,00% 51,26% 65,28% 76,59% 86,02% 
Martini 57,46% 53,77% 57,61% 51,89% 55,10% 68,13% K.A K.A 
Pluggendorf 57,97% 52,29% 55,95% 49,17% 61,78% 66,78% 77,81% 87,50% 
Josef 56,09% 51,23% 56,51% 51,84% 57,90% 60,62% 71,15% 79,55% 
Bahnhof 50,38% 52,63% 50,21% 43,90% 52,78% 54,55% K.A K.A 
Hansaplatz 52,48% 51,83% 53,82% 46,74% 48,57% 56,08% 76,19% 77,27% 
Mauritz-West 55,05% 54,74% 55,04% 52,36% 51,50% 66,78% 67,70% 73,91% 
Schlachthof 54,86% 47,33% 55,13% 51,77% 55,14% 65,68% 76,53% 86,11% 
Kreuz 53,82% 49,56% 53,06% 52,02% 52,00% 60,75% 74,40% 85,11% 
Neutor 50,15% 52,81% 48,69% 50,30% 47,74% 55,48% K.A K.A. 
Schloss 55,02% 52,38% 54,89% 49,60% 51,02% 64,47% 68,53% 81,25% 
Aaseestadt 53,62% 50,26% 52,68% 51,96% 52,99% 58,53% 61,56% 76,47% 
Geist 52,92% 49,70% 52,53% 50,79% 52,60% 58,15% 69,05% 79,03% 
Schützenhof 53,69% 49,61% 53,15% 49,72% 55,68% 65,87% 72,20% 89,66% 
Düesberg 52,14% 49,50% 50,93% 48,56% 53,38% 59,13% 66,50% 65,57% 
Hafen 45,93% 31,43% 45,50% 41,99% 56,90% 52,94% 71,43% 100% 
Herz Jesu 57,79% 52,76% 53,99% 50,80% 58,52% 69,86% 79,38% 87,72% 
Mauritz-Mitte 55,09% 48,93% 54,50% 54,07% 55,89% 59,62% 67,95% 75,90% 
Rumpenhorst 52,88% 47,19% 52,67% 53,02% 54,25% 58,46% 61,09% 72,22% 
Uppenberg 51,93% 52,03% 51,12% 48,55% 51,18% 58,15% 71,12% 83,61% 
Gievenbeck 51,81% 48,82% 51,49% 50,94% 55,63% 56,14% 68,63% 79,81% 
Sentrup 53,08% 49,16% 52,30% 50,66% 55,67% 60,53% 70,73% 83,33% 
Mecklenbeck 51,01% 48,14% 49,65% 51,09% 51,42% 53,54% 62,27% 81,03% 
Albachten 51,08% 49,01% 50,73% 50,16% 52,17% 54,24% 62,07% 78,57% 
Roxel 50,54% 48,58% 50,46% 48,82% 51,34% 55,79% 58,45% 76,47% 
Nienberge 49,93% 49,15% 48,49% 47,89% 53,62% 52,31% 58,44% 64,52% 
Coerde 51,65% 48,89% 51,11% 50,25% 52,36% 57,89% 63,96% 69,39% 
Kinderhaus-Ost 53,20% 51,82% 51,47% 52,18% 54,00% 58,76% K.A. K.A. 
Kinderhaus West 51,59% 48,75% 50,52% 51,59% 51,57% 55,24% 63,27% 78,43% 
Sprakel 50,20% 49,38% 50,77% 47,48% 50,34% 54,52% K.A. K.A. 
Mauritz -Ost 52,68% 48,02% 52,13% 51,70% 54,22% 55,39% 63,67% 74,60% 
Gelmer-Dyckburg 51,77% 53,40% 53,34% 48,66% 51,65% 51,40% 62,20% 66,67% 
Handorf 51,22% 47,40% 49,49% 51,48% 54,79% 51,73% 61,24% 77,59% 
Gremmendorf-West 50,69% 49,14% 49,63% 49,78% 50,00% 54,42% 66,09% 73,68% 
Gremmendorf-Ost 51,53% 48,26% 51,31% 50,21% 51,30% 59,48% 62,32% 82,35% 
Angelmodde 51,83% 48,95% 50,27% 50,17% 54,52% 55,60% 62,94% 83,87% 
Wolbeck 51,48% 48,74% 50,31% 50,99% 53,79% 51,82% 61,52% 83,02% 
Berg Fidel 52,54% 49,96% 51,28% 49,68% 53,05% 57,63% 68,07% 79,03% 
Hiltup-Ost 51,97% 50,42% 49,80% 51,83% 53,73% 53,69% 57,74% 70,83% 
Hiltrup-Mitte 54,72% 49,27% 52,02% 53,25% 55,49% 60,87% 69,83% 93,41% 
Hiltrup-West 50,91% 50,54% 49,29% 51,62% 50,32% 51,83% 58,99% 76,47% 
Amelsbüren 49,84% 50,52% 52,09% 46,92% 46,55% 49,66% 60,71% 75,00% 
Quelle: Stadt Münster 2010a: 11 ff. 
 
Obwohl diese Befunde in ihren möglichen Auswirkungen auf die Entwicklung der Altersarmut in 
Münster an dieser Stelle nicht abschließend beurteil t werden können, so ist doch festzustellen, 
dass hier klare Abweichungen von einer theoretisch konzipierten »Normalverteilung« be-
obachtbar sind und dass diese mit steigendem Alter (in den höheren Altersgruppen also) deut-
lich zunehmen. Ob dies allein durch externe Zu- oder Abwanderung sprozesse zu erklären ist , 
durch Mortalitätsraten  oder ob von einer größeren Altersmobilität in Münster – oder anders 
formuliert: von altersspezifischen Vorstellungen hinsichtlich der individuellen Wohn- und Woh-
numfeldbedingungen als zentralem Bedürfnis – ausgegangen werden muss, kann an dieser Stelle 
nicht geklärt werden.  
                                                             
44 K.A. bedeutet in diesem Zusammenhang „keine Angabe“, das heißt, es lagen keine Zahlen hierfür vor.

72 
 
Zusammenfassung: Die gegenwärtige demografische                                                                                         
Struktur Münsters 
 
Bisher macht die Gruppe der über 90 -Jährigen lediglich 0,71 % der Gesamtbevölkerung aus, die 
der über 80 -Jährigen knapp 5 %, die der über 70 -Jährigen etwa 13 % und  die der über 60 -Jäh-
rigen 22 %, wobei von einer weiteren Feminisierung des Alters auszugehen ist. 
Münsters demografische Struktur ist insgesamt durch den Universitätsstandort gekennzeichnet, 
was zur Folge hat, dass sich ein quantitativ bedeutsamer Anteil der Bevölkerung durch Zuwa n-
derung und Abwanderung stets auf s Neue verjüngt. Insbesondere Münster Mitte ist in besonde-
rem Maße bei Studierenden beliebt, weshalb die demografische Struktur dieses Stadtbezirks 
sich auch deutlich von der anderer Bezirke unterscheidet. Ein weiterer Faktor, der Münster Mit-
te von den anderen Bezirken unterscheidet , ist der, dass hier besonders viele hochbetagte Bü r-
gerinnen und Bürger  (mindestens 80 Jahre alt) leben. Münster Mitte steht damit also für eine 
stark binäre altersstrukturelle Verteilung. 
Aber auch insgesamt existiert m it Blick auf die Verteilung der Altersgruppen in Münster eine 
stark binäre, bisweilen auch mehrgipfelige  Struktur. So leben in Münster insgesamt nur wenige 
unter 20 jährige, viele 20 bis 40 jährige, wenige 40-79 Jährige sowie viele mindestens 80 Jährige. 
In den Randbezirken wiederum, insbesondere in Ost, Südost und Hiltrup , leben viele unter 20 -
Jährige, wenig 20-39 Jährige, viele 40 bis 79-Jährige sowie wenige über 80 Jährige. Münster Nord 
ist dabei eher dem zweiten und Münster West eher dem ersten Pol (eine relativen »Normalver-
teilung« also) zugeneigt. Hinsichtlich der einzelnen Stadtviertel ist auffällig, dass einerseits die 
Feminisierung des Alters, a nderseits aber auch die Alterszusamme nsetzung im Vergleich stark 
variieren. Was ist hiervon nun im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung zu erwarten? 
 
3.3 Demografische Struktur Münsters im Jahr 2020 
 
Dass Prognosen generell – und damit auch Bevölkerungsprognosen im Speziellen – schwierig 
sind, insbesondere, wenn sie die Zukunft betreffen, ist ein gern benutztes Bonmot. Allerdings 
verweist dies auch auf ein Charakteristikum, das man sich ins Gedächtnis rufen sollte, wenn es 
um künftige demografische Entwicklungen geht : Progn osen basieren auf  mehr oder weniger 
differenzierten Annahmen über künftige Entwicklungen die eintreten können, jedoch nicht 
zwangsläufig eintreten müssen . In den Worten des Amtes für Stadtentwicklung, Stadtplanung 
und Verkehrsplanung formuliert: „Ziel der Prognoserechnung ist nicht die Vorhersage der exa k-
ten zukünftigen Bevölk erungszahl der Stadt oder der Stadtteile. Vielmehr zeigt die Prognose, 
welche Bevölkerungsentwicklung unter Berücksichtigung wahrscheinlich eintretender Anna h-
men erwartet werden kann“ (Stadt Münster 20 10b: 13). Kurzum: Es existieren stets Ungewiss-
heiten und Schwankungsbreiten, „die umso höher anzusetzen (sind), je kleiner die ausgewies e-
nen Werte sind und je weiter das Prognosejahr vom Ausgangsjahr entfernt ist“ (Stadt Münster 
2010b: 15). Trotz dieser Ei nschränkungen haben sich Bevölkerungsprognosen, wenn keine un-
erwarteten Entwicklungen wie Kriege oder Hungersnöte eintraten, als relativ zuverlässig erwie-
sen.45 
 
Die Stadt Münster46 
 
Vor diesem Hintergrund lässt sich formulierten, dass – im Gegensatz zu viel en anderen Städten 
in NRW – die Bevölkerung in Münster bis ins Jahr 2020 voraussichtlich nicht schrumpfen, so n-
dern von 285.180 Personen (2010) auf 290.094 Personen (2020) anwachsen wird. Mit Blick auf 
das Verhältnis zwischen weibliche m und männlichem Bevölkerungsanteil sind dabei zum jetz i-
                                                             
45 Dies gilt auch für kleinräumliche Bevölkerungsprognose der Stadt Münster (Stadt Münster 2008b: 14).  
46 Die Daten zur demografischen Entwicklung wurden vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, 
Verkehrsplanung aufgearbeitet.

73 
 
gen Zeitpunkt keine bahnbrechenden Veränderungen zu erwarten. Betrachtet man hingegen die 
Verschiebungen der Altersstruktur so werden deutliche Abweichungen sichtbar. 
 
Abbildung 27: Bevölkerungsentwicklung der Stadt Münster (2010 bis 2020) 
 Gesamt 0-19 20-39 40-59 60-69 70-79 80-89 ≥90 ≥60 
Gesamt 2010 285.180 
290.094 
4.914 
49.916 
47.896 
- 2.020 
92.874 
92.982 
108 
79.665 
76.279 
-3.386 
25.141 
31.329 
6.188 
23.387 
21.625 
-1.762 
12.179 
16.252 
4.073 
2.018 
3.731 
1.712 
62.725 
Gesamt 2020 72.937 
Abweichung gesamt 10.211 
Frauen 2010 150.057 
153.656 
3.599 
24.689 
23.549 
-1.140 
48.453 
49.275 
822 
40.352 
38.858 
-1.494 
13.380 
16.608 
3.228 
13.407 
12.224 
-1.183 
8.152 
10.311 
2.159 
1.624 
2.831 
1.207 
36.563 
Frauen 2020 41.974 
Abweichung Frauen 5.411 
Männer 2010 135.123 
136.437 
1.314 
25.227 
24.347 
-880 
44.421 
43.707 
-714 
39.313 
37.420 
-1.893 
11.761 
14.721 
2.960 
9.938 
9.401 
-537 
4.027 
5.940 
1.913 
394 
900 
506 
26.120 
Männer 2020 30.962 
Abweichung Männer 4.842 
 
anteilige Abweichung zwischen 2010 und 2020 
 
Anteil 2010 
Anteil 2020 
Abweichung anteilig 
 17,50% 
16,50% 
-1,00% 
32,50% 
32,05% 
-0,45% 
27,93% 
26,29% 
-1,64% 
8,82% 
10,80% 
1,98% 
8,20% 
7,45% 
- 0,75% 
4,27% 
5,60% 
1,33% 
0,71% 
1,29% 
0,58% 
  22,00% 
25,14% 
3,14% 
 
Quelle: Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung 
 
Was hier deutlich wird: Während die Altersgruppe der 20 bis 39 -Jährigen nahezu konstant 
bleibt und die geringfügige Abnahme von Männern durch Zuwachs bei den Frauen ausgeglichen 
wird, sind in den anderen Altersgruppen eindeutige Verschieb ungen prognostizierbar, die sich 
zusammengenommen in einer Alterung der gesamten Stadtbevölkerung niederschlagen. Dabei 
wird die Gruppe der unter 20-Jährigen um knapp 2.000 Personen, die der 40 bis 59-Jährigen um 
ca. 3.400 Personen schrumpfen , wohingegen die Gruppen der mindestens 90-Jährigen (um ca. 
17.000 Personen), der mindestens 80-Jährigen (um mehr als 5.000 Personen)  und die der min-
destens 60-Jährigen (um über 10.000 Personen) deutlich anwachsen werden (Abbildung 25) . 
Eine Ausnahme bildet die Gruppe der 70 bis 79 -Jährigen, die  um knapp 1.800 Personen 
schrumpft. Zusammengenommen steigt also der Anteil der über 60 -Jährigen Bürgerinnen und 
Bürger in Münster bis zum Jahr 2020 von 22 auf über 25 Prozent an. 
 
Die Stadtbezirke 
 
Mit Blick auf das gesamte S tadtgebiet stellt dies keine weitereichenden Veränderungen dar. Dif-
ferenziert nach Stadtbezirken jedoch wird deutlich, dass dabei innerhalb des Stadtgebiets mit 
unterschiedlichen Dynamiken zu rechnen ist. Diese wiederum drücken sich unter anderem darin 
aus, dass einige Bezirke an Einwohnern zunehmen, andere hingegen abnehmen , wobei Ausmaß 
und Entwicklungsgeschwindigkeit dieser Dynamiken, also gleichsam die Dynamik der D ynamik, 
unterschiedlich stark ausgeprägt sind. 
 
 Bevölkerungswachstum: West (+3.181), Südo st (+1.136), Ost (+648), Hiltrup (+555), 
Nord (+ 241) 
 Bevölkerungsabnahme: Mitte (- 847) 
 
Hinter den bezirksspezifischen Gesamtentwicklungen wiederum variieren noch einmal die Ver-
läufe in den einzelnen Altersklassen  – hier ist also erneut eine gewisse Dive rsifikation zu b e-
obachten. Auffällig dabei ist, dass für nahezu alle Bezirke – bis auf Münster Mitte sowie Münster 
West – derselbe eindeutige Trend, nur in unterschiedlicher Dynamik, beschreibbar ist: Während 
die Altersgruppen der mindestens 90 -Jährigen und der 80 bis 89 -Jährigen, der 60 bis 69 -

74 
 
Jährigen sowie der 20 bis 39-Jährigen anwachsen, schrumpfen die Gruppen der 70 bis 79 -
Jährigen, der 40 bis 59-Jährigen und der bis 19-Jährigen (Abbildung 26). Wichtig hier: Vor allem 
bei den Hochbetagten sowie bei den 20 bis 29-Jährigen findet ein Zuwachs statt, was eine mittel- 
und langfristig bipolare Verteilung der Altersstruktur erwarten lässt. 
Münster West unterscheidet sich insofern von dieser Entwicklun g, als dass die Gruppe der 70 
bis 79-Jährigen hier stagnier t und die Gruppe der 40 bis 59 -Jährigen um ca. 500 Personen a n-
wächst. Münster Mitte wiederum unterscheidet sich von der Gesamten twicklung, da hier die 
Gruppe der 20 bis 39 -Jährigen bis 2020 um über 2.500 Personen schrumpfen wird . Am Trend 
einer mittel - und langfristig binären Entwicklung verä ndern diese »Ausreißer« jedoch kaum 
etwas.  
 
Abbildung 28: Bevölkerungsentwicklung in den Stadtbezirken nach Alter und Geschlecht  (2010-
2020) 
  Gesamt 0-19 20 -39 40 -59 60 -69 70 -79 80 -89 ≥ 90 ≥60 
Absolut  
Mitte 2010 116.660 
115.813 
-847 
14.694 
 14.494 
-200 
48.823 
 46.204 
-2.619 
29.482 
28.254 
-1.228 
8.730 
 11.370 
2.640 
8.414 
 7.800 
-614 
5.497 
 6.108 
611 
1020 
 1.582 
562 
23.661 
Mitte 2020 26.860 
Abweichung 3.199 
West 2010 55.376 
58.557 
3.181 
11.440 
 10.911 
-529 
18.329 
 18.796 
467 
15.044 
 15.551 
507 
4.502 
 5.958 
1.456 
3.863 
 3.930 
67 
1.865 
 2.778 
913 
333 
 633 
300 
10.563 
West 2020 13.299 
Abweichung 2.736 
Nord 2010 28.261 
28.502 
241 
6.264 
 5.959 
-305 
6.963 
 7.205 
242 
8.312 
 7.560 
-752 
2.796 
 3.427 
631 
2.666 
 2.296 
-370 
1.128 
 1.706 
578 
132 
 350 
218 
6.722 
Nord 2020 7.779 
Abweichung 1.057 
Ost 2010 20.867 
21.515 
648 
4.174 
 3.942 
-232 
4.354 
 5.064 
710 
6.637 
 6.216 
-421 
2.304 
2.615 
311 
2.209 
 1.919 
-290 
1.050 
 1.444 
394 
139 
 315 
176 
5.702 
Ost 2020 6.293 
Abweichung 591 
Südost 2010 27.155 
28.291 
1.136 
5.773 
 5.515 
-258 
5.933 
 6.854 
921 
8.798 
 8.071 
-727 
2.846 
 3.436 
590 
2.504 
 2.370 
-134 
1.133 
 1.687 
554 
168 
 359 
191 
6.651 
Südost 2020 7.852 
Abweichung 1.201 
Hiltrup 2010 36.861 
37.416 
555 
7.571 
 7.076 
-495 
8.472 
 8.859 
387 
11.392 
 10.627-
765 
3.963 
 4.523 
560 
3.731 
 3.310 
-421 
1.506 
 2.529 
1.023 
226 
 491 
265 
9.426 
Hiltrup 2020 10.853 
Abweichung 1.427 
Anteilig  
Mitte 2010   12,60% 41,85% 25,27% 7,48% 7,21% 4,71% 0,87% 20,27% 
Mitte 2020   12,52% 39,90% 24,40% 9,82% 6,73% 5,27% 1,37% 23,19% 
Abweichung    -0,08% -1,95% -0,87% 2,34% -0,48% 0,56% 0,50% 2,92% 
West 2010   20,66% 33,10% 27,17% 8,13% 6,98% 3,37% 0,60% 19,08% 
West 2020   18,63% 32,10% 26,56% 10,17% 6,71% 4,74% 1,08% 22,70% 
Abweichung    -2,03% -1,00% -0,61% 2,04% -0,27% 1,37% 0,48% 3,62% 
Nord 2010   22,16% 24,64% 29,41% 9,89% 9,43% 3,99% 0,47% 23,78% 
Nord 2020   20,91% 25,28% 26,52% 12,02% 8,06% 5,99% 1,23% 27,30% 
Abweichung    -1,25% 0,64% -2,89% 2,13% -1,37% 2,00% 0,76% 3,52% 
Ost 2010   20,00% 20,87% 31,81% 11,04% 10,59% 5,03% 0,67% 27,33% 
Ost 2020   18,32% 23,54% 28,89% 12,15% 8,92% 6,71% 1,46% 29,24% 
Abweichung    -1,68% 2,67% -2,92% 1,11% -1,67% 1,68% 0,79% 1,91% 
Südost 2010   21,26% 21,85% 32,40% 10,48% 9,22% 4,17% 0,62% 24,49% 
Südost 2020   19,49% 24,23% 28,53% 12,15% 8,38% 5,96% 1,27% 27,76% 
Abweichung    -1,77% 2,38% -3,87% 1,67% -0,84% 1,79% 0,65% 3,27% 
Hiltrup 2010   20,54% 22,98% 30,91% 10,75% 10,12% 4,09% 0,61% 25,57% 
Hiltrup 2020  18,91% 23,68% 28,40% 12,09% 8,85% 6,76% 1,31% 29,01% 
Abweichung   -1,63% 0,70% -2,51% 1,34% -1,27% 2,67% 0,70% 3,44% 
 
Quelle: Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung . 
 
Betrachtet man die Altersverschiebung im Hinblick auf die Anteile ältere r Bürger an der G e-
samtbevölkerung, so fällt auf, dass die Anteile der mindestens 60 -Jährigen in ihrer Verteilung 
über das Stadtgebiet deutlich variieren. Während sie in Münster West ( 22,7 %) und Mitte 
(23,19%) relativ niedrig liegen, so fallen sie in Nord (27,3 %), Südost (27,76 %) und insbesonde-
re in Hiltrup (29,01) und Ost (29,24 %) deutlich höher aus.

75 
 
Stadtviertel 
 
Die auf Stadtbezirksebene beobachtbaren Tendenzen von Zu- und Abnahme der Bevölkerung s-
zahlen sowie der zahlenmäßige Anstieg der Älteren setzen sich auf der Ebene der Stadtviertel 
erwartungsgemäß fort. Während einige Viertel, insbesondere in den Randbezirken der Stadt 
(etwa Albachten, Sprakel, Wolbeck, Hiltrup-West, Roxel, Mecklenbeck, Gievenbeck, Amelsbüren) 
einen deutlichen Zuwachs verzeichnen werden, entwickeln sich die Bevölkerungszahlen in a n-
deren rückläufig (in sbesondere in Josef, Kinderhaus -West, Mauritz -Mitte, Hansaplatz, Neutor, 
Hiltrup-Ost, Hiltup-Mitte, Kinderhaus-Ost, Düesberg, Berg Fidel und Bahnhof).  Die Altersklasse 
der ab 60-Jährigen wird dabei – mit Ausnahme von Aaseestadt, Dom und Schloss – voraussicht-
lich in allen Stadtvierteln anwachsen (Abbildung 27).  
 
Abbildung 29: Bevölkerungsdifferenz nach Stadtvierteln und Altersklassen (zwischen 2010 und 
2020) 
          
  Gesamt 0-19 20-39 40-59 60-69 70-79 80-89 ≥90 ≥60 
Aegidii 98 24 35 36 5 -21 14 4 2 
Überwasser -70 31 -132 27 10 -9 1 2 4 
Dom -94 96 -171 18 -5 -45 -4 16 -38 
Buddenturm -65 16 -161 23 43 -10 24 0 57 
Martini 144 37 42 31 19 0 8 8 35 
Pluggendorf -90 61 -256 82 64 -34 -25 18 23 
Josef -386 119 -636 32 97 -12 -19 32 98 
Bahnhof -100 54 -237 44 39 -4 1 3 39 
Hansaplatz -300 30 -635 4 208 31 40 22 301 
Mauritz-West -97 -90 -122 -138 137 58 38 19 252 
Schlachthof 186 -89 130 -61 121 -14 71 28 206 
Kreuz 297 -109 503 -401 175 37 66 24 302 
Neutor -298 27 -464 49 66 13 5 6 90 
Schloss 194 41 214 -23 4 7 -43 -5 -37 
Aaseestadt -77 -107 312 -206 32 -162 15 40 -75 
Geist -91 -146 -51 -215 245 -12 45 43 321 
Schützenhof 62 -27 -280 73 189 -10 87 31 297 
Düesberg -190 -116 -88 -181 167 -164 111 80 194 
Hafen -21 21 -115 45 18 2 7 1 28 
Herz-Jesu 115 -70 71 -60 153 -34 43 13 175 
Mauritz-Mitte -311 -53 -228 -238 295 -189 33 68 207 
Rumphorst 281 -81 -2 -18 324 -57 24 91 382 
Uppenberg -35 129 -348 -151 232 17 69 19 337 
Gievenbeck 622 -758 -92 382 680 131 203 75 1089 
Sentrup -32 -188 -168 28 195 62 21 18 296 
Mecklenbeck 673 55 500 -265 314 -118 129 57 382 
Albachten 958 208 209 191 162 39 114 35 350 
Roxel 680 122 -11 149 117 13 227 64 421 
Nienberge 280 33 29 22 -11 -60 218 50 197 
Coerde -74 -52 41 -309 236 -224 176 59 247 
Kinderhaus-Ost -193 -108 -118 -156 82 -16 71 52 189 
Kinderhaus-West -326 -405 57 -465 214 -57 250 81 488 
Sprakel 835 260 262 178 99 -72 82 26 135 
Mauritz-Ost -61 -143 188 -323 171 -155 98 103 217 
Gelmer-Dyckburg 407 93 176 -52 81 1 85 23 190 
Handorf 302 -182 346 -47 59 -136 211 51 185 
Gremmendorf-West 340 10 145 -94 169 -4 81 32 278 
Gremmendorf-Ost -42 -263 113 -195 211 -12 57 48 304 
Angelmodde 13 -77 192 -323 97 -65 144 44 220 
Wolbeck 826 71 471 -116 104 -53 272 67 390 
Berg Fidel -174 -73 -44 -207 122 -149 139 38 150 
Hiltrup-Ost -293 -266 242 -399 -85 -103 264 55 131 
Hiltrup-Mitte -258 -167 -57 -170 66 -198 190 78 136 
Hiltrup-West 798 -57 217 -156 301 163 274 56 794 
Amelsbüren 482 67 29 168 156 -134 157 38 217 
 
Quelle: Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung .

76 
 
Diese Zunahme der Älteren tritt in unterschiedlichem Ausmaß auf, wobei die absoluten Zahlen 
ein besonders starkes Wachstum für Gievenbeck und Hiltrup West erwarten lassen. 
 
Abbildung 30: Bevölkerungsstand nach Anteilen der Altersgruppen in den Stadtteilen (2020) 
  0-19 20-39 40-59 60-69 70-79 80-89 ≥90 ≥60 
Gesamt 16,50% 32,05% 26,29% 10,80% 7,45% 5,60% 1,29% 25,24% 
Aegidii 9,77% 44,15% 21,25% 7,98% 7,22% 7,29% 2,27% 24,76% 
Überwasser 9,23% 52,20% 20,03% 7,23% 6,07% 4,16% 1,08% 18,54% 
Dom 11,11% 44,74% 22,22% 8,05% 6,99% 5,53% 1,31% 21,88% 
Buddenturm 8,38% 43,37% 20,09% 7,38% 6,10% 10,43% 4,24% 28,15% 
Martini 10,08% 48,38% 20,80% 8,25% 6,42% 4,94% 1,20% 20,81% 
Pluggendorf 8,17% 47,71% 20,38% 7,31% 6,52% 7,23% 2,68% 23,74% 
Josef 10,13% 47,43% 23,33% 8,44% 5,79% 3,86% 1,00% 19,09% 
Bahnhof 11,61% 50,42% 21,76% 7,85% 4,18% 3,24% 0,94% 16,21% 
Hansaplatz 10,05% 47,69% 24,19% 8,87% 5,20% 3,31% 0,70% 18,08% 
Mauritz-West 10,44% 46,30% 23,95% 9,25% 5,88% 3,43% 0,72% 19,28% 
Schlachthof 13,46% 36,94% 25,64% 10,29% 7,11% 5,29% 1,27% 23,96% 
Kreuz 11,13% 45,19% 22,63% 9,38% 6,38% 4,31% 0,96% 21,03% 
Neutor 10,41% 54,92% 19,21% 7,20% 4,57% 2,99% 0,71% 15,47% 
Schloss 12,01% 45,58% 20,98% 8,83% 7,02% 4,42% 1,19% 21,46% 
Aaseestadt 12,38% 35,68% 24,08% 11,05% 8,27% 6,84% 1,73% 27,89% 
Geist 13,92% 35,25% 26,21% 11,28% 7,24% 4,89% 1,21% 24,62% 
Schützenhof 10,40% 46,54% 23,34% 8,65% 5,67% 4,58% 0,84% 19,74% 
Düesberg 16,37% 24,71% 28,24% 12,12% 8,59% 7,84% 2,12% 30,67% 
Hafen 9,47% 49,32% 23,52% 7,91% 5,52% 3,64% 0,62% 17,69% 
Herz-Jesu 10,54% 37,70% 21,87% 9,75% 8,82% 8,88% 2,45% 29,90% 
Mauritz-Mitte 13,97% 31,43% 27,89% 11,70% 7,42% 6,01% 1,57% 26,70% 
Rumphorst 18,08% 25,84% 29,33% 11,97% 7,46% 5,75% 1,57% 26,75% 
Uppenberg 17,51% 34,97% 25,61% 10,26% 6,39% 4,30% 0,99% 21,94% 
Gievenbeck 18,17% 37,92% 25,41% 8,84% 5,07% 3,67% 0,92% 18,50% 
Sentrup 13,31% 45,86% 21,07% 8,70% 5,55% 4,05% 1,46% 19,76% 
Mecklenbeck 18,26% 30,54% 27,04% 11,22% 6,71% 5,08% 1,15% 24,16% 
Albachten 24,27% 21,60% 30,13% 11,03% 7,29% 4,74% 0,94% 24,00% 
Roxel 20,46% 24,18% 28,89% 11,26% 8,47% 5,67% 1,09% 26,49% 
Nienberge 17,72% 25,21% 27,84% 11,63% 9,63% 6,78% 1,19% 29,23% 
Coerde 23,83% 26,51% 25,10% 10,87% 6,90% 5,72% 1,08% 24,57% 
Kinderhaus-Ost 16,45% 25,01% 27,95% 13,19% 9,63% 6,33% 1,45% 30,60% 
Kinderhaus-West 19,02% 25,29% 26,03% 13,22% 8,94% 6,21% 1,31% 29,68% 
Sprakel 23,74% 22,35% 29,80% 10,45% 6,84% 5,71% 1,11% 24,11% 
Mauritz-Ost 16,07% 24,77% 28,59% 12,70% 9,26% 6,89% 1,72% 30,57% 
Gelmer-Dyckburg 21,71% 21,89% 29,35% 12,22% 8,30% 5,47% 1,06% 27,05% 
Handorf 19,39% 22,84% 29,03% 11,46% 8,81% 7,10% 1,37% 28,74% 
Gremmendorf-West 21,01% 24,40% 29,36% 11,83% 7,31% 5,05% 1,01% 25,20% 
Gremmendorf-Ost 18,97% 24,11% 30,24% 12,43% 7,72% 5,25% 1,29% 26,69% 
Angelmodde 18,99% 25,10% 26,73% 12,25% 8,91% 6,56% 1,44% 29,16% 
Wolbeck 19,41% 23,53% 28,33% 12,04% 8,96% 6,45% 1,26% 28,71% 
Berg Fidel 20,52% 25,24% 25,07% 11,39% 8,05% 7,87% 1,86% 29,17% 
Hiltrup-Ost 14,85% 24,01% 26,93% 13,47% 11,41% 8,07% 1,27% 34,22% 
Hiltrup-Mitte 16,16% 24,60% 28,05% 11,77% 9,56% 8,08% 1,77% 31,18% 
Hiltrup-West 20,46% 23,31% 29,91% 12,77% 8,15% 4,65% 0,75% 26,32% 
Amelsbüren 23,14% 21,27% 30,84% 10,79% 7,06% 5,82% 1,07% 24,74% 
Quelle: Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehrsplanung . 
 
Der demografische Wandel hat also zur Folge, dass sich die Alt ersstruktur in den genannten 
Stadtvierteln stärker verschieben wird, gleichwohl aber auch in den meisten anderen Vierteln 
zwischen 20 und 30 Prozent der Bewohner innen und Bewohner  im Jahre 2020 mindestens 60 
Jahre alt sein werden, wobei in einigen Vierteln  (Düesberg, Kinderhaus Ost und Hiltup Ost und 
Hiltrup Mitte) sogar die 30-Prozent-Grenze überschritten wird.

77 
 
Zusammenfassung: Die voraussichtliche demografische Struktur                                              
Münsters im Jahr 2020 
 
Münster wird – im Gegensatz zu vielen Städten des Ruhrgebiets – nicht mit einem Bevölkerungs-
rückgang rechnen müssen.47 Vielmehr kann davon ausgegangen werden, dass die Bevölkerungs-
zahl auf knapp 290.000 Bürger anwächst. Nichtsdestotrotz bahnt sich der demografische Wa n-
del in Münster  insofern seinen Weg, als dass die Gruppe der Älteren sowohl absolut als auch 
relativ anwachsen wird. Insgesamt ist dabei von etwa 10.000 Bürger n zusätzlich auszugehen, 
die im Jahr 2020 mindestens 60 Jahre alt sein werden. Differenziert man dieses Wachstum nach 
Altersgruppen, so fällt auf, dass die Gruppe der 60 bis 69 Jährigen, jene Gruppe, die also entw e-
der bald in den Ruhestand eintreten wird oder erst kürzlich eingetreten ist, im genannten Zei t-
raum am stärksten wächst (um knapp 6.200 Personen ). Die Gruppe der 70 bis 79 -Jährigen hin-
gegen wird um knapp 1.800 Personen zurückgehen, während die Alters gruppe der 80 bis 89 -
Jährigen um etwa 4 .000 und die der über 90 -Jährigen um ca. 1 .700 Personen zunehmen wird. 
Diese Altersverschiebungen führen in der Konsequenz dazu, dass jeder vierte in Münster leben-
de Einwohner (25,14%) im Jahre 2020 mindestens 60 Jahre alt sein wird. 
Sozialräumlich liegen hinter dieser Entwicklung jedoch unterschiedliche Dynamiken verborgen. 
Einerseits bedeutet das, dass in einigen  Stadtvierteln von einem Bevölkerungsrückgang ausz u-
gehen ist, während andere Viertel mit einem Bevölkerungswachstum zu rechnen haben; ander-
seits, dass die Zunahme an älteren Bürgern und Bürgerinnen unterschiedlich stark ausgeprägt 
sein wird und auch die geschlechtsspezifische Verteilung in den Altersklassen auf kleinräumiger 
Ebene deutlich variiert. 
 
3.4 Demografischer Wandel und künftige Armutsszenarien in Münster 
 
Was konkret implizieren die  Befunde zu den demografischen Verschiebungen in Mün ster mit 
Blick auf die Entwicklung der Altersarmut bis zum Jahr 2020? Bleiben wir für einen Moment bei 
den quantitativen Zusammenhängen. Das Anwachsen der Gruppe der über 60 -Jährigen Bür -
gerinnen und Bürger um knapp 10.000 Personen und die Zunahme der Hochbetagten um f ast 
5.800 Personen, verdeutlicht, dass insbesondere in den Bereichen Mobilität, Wohnen  und Ge-
sundheit bzw. Pflege einige Herausforderungen auf die Stadt zukommen werden , insbesondere 
mit Blick auf jene Gruppe Älterer, die von Altersarmut betroffen sein werden. Wenngleich davon 
auszugehen ist, dass Frauen quantitativ stärker hiervon betroffen sein dürften als Mä nner, so 
wird doch gleichzeitig auch die Gruppe der altersarmen Männer zunehmen. Dabei wird Alters-
armut insbesondere dort auftreten, wo Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigungsverhältnisse 
bereits gegenwärtig die biografischen Verläu fe von Menschen bestimmen (Kontinuitätsthese), 
was sich dann im Alter verschärfen und auf unterschiedlichen Feldern Wirkung entfa lten wird 
(Kumulationsthese). Parallel dazu muss davon ausgegangen werden, das s Altersarmut sich zu-
nehmend neue (sowohl sozialstrukturelle als auch geographische) Räume erschließt. Um diese 
Aspekte weiter zu explorieren , wurde über die reine Auswertung der statischen Da ten hinaus 
auch in den Experteninterviews die quantitative Entwicklung von Altersarmut thematisiert.48  
 
                                                             
47  Bereits im Zeitraum zwischen 1995 bis 2003 war die Bevölkerungsentwicklung in Städten mit 
200.000-500.000 Einwohnern im Schnitt um 1,4 % rückläufig (Horn 2007: 50), während Münster 
selbst Bevölkerungswachstum erfuhr und künftig auch weiter erfahren wird.  
48  Eine quantitative Prognose auf Basis statistischer Daten war aufgrund mangelnder Ressourcen im 
Rahmen dieser Expertise nicht zu verwirklichen. Des Weiteren wäre das Unterfangen der Er stellung 
einer quantitativen Prognose unter methdodischen Gesichtpunkten insofern problematisch, da die 
Entwicklung von Altersarmut von zahlreichen unabhängigen und damit weitgehend unkalkulierbaren 
Varibalen verbunden ist.

78 
 
Quantitative Entwicklungen von Altersarmut aus Expertenperspektive 
 
Rein quantitativ, so hörten wir wiederholt , ist zunächst davon auszugehen, dass die Gruppe der 
Älteren und damit auch die Gefahr der Ausweitung von Altersarmut deutlich anwachsen wird. 
 
Experte/in: „In den nächsten Jahren wird das Thema Altersarmut deutlich an Brisanz z u-
nehmen.“ 
Experte/in: „Durch demografischen Wandel werden die Menschen älter und die Wah r-
scheinlichkeit einer Inanspruchnahme von verlängerten Zeiten der Pflege und Betreuung 
steigt.“ 
 
Einerseits werden dabei nach Meinung unserer Gesprächspartner auch in Münster absolut mehr 
Ältere von Armut betroffen sein, wobei in geographischer Perspektive wiederholt vor allem jene 
Stadtviertel genannt wurden, in denen Armut bereits heute am stärksten konzentriert ist. An-
derseits wird Altersarmut künftig aber auch in den Gruppen stärker auftreten, wo sie bi sher 
noch gar nicht oder nur schwach verankert ist, wie zum Beispiel in den sozialen Milieus der Mig-
rantinnen und Migranten . Dabei kommt es zu Angleichungsprozessen mit Blick auf hiesige L e-
bensweisen. 
 
Experte/in: „Auch unter den Migranten wird die Geburtenrate sinken und es wird mehr 
einzelne Ältere Menschen geben, da Erwerbsbeteiligung der jungen Migranten und vor al-
lem der Migrantinnen steigt.“ 
 
Wenngleich also die Zahl altersarmer Frauen unter der jetzigen Migrantinnen im mittleren L e-
bensalter im Zuge dieser Entwicklung zunehmen wird, kann möglicherweise davon ausgegangen 
werden, dass diese Entwicklung auf lange Sicht als Folge zunehmender Erwerbstätigkeit weibli-
cher Migrantinnen sowie durch Geburtenrückgänge abflacht. Dabei ist allerdings zu berücksich-
tigen, dass Altersarmut nicht nur in rein quantitativer Perspektive (als Folge der Erwerbsbiogra-
fie) ins Relief tritt, sondern auch in qualitativer Perspektive . Dies betrifft Bereiche wie Gesund-
heit, Mobilität, Information und Beratung. 
Im Jahr 2007 – so einer unserer Gesprächspartner – galten in Nordrhein-Westfalen 7,4 % der 
über 65 -Jährigen außerhalb von Einrichtungen als armutsgefährdet . Bereits dies erschien uns 
nicht als außergewöhnlich hohe Quote. Die Ist-Situation in Münster sei im Vergleich sogar deut-
lich weniger alarmierend. Allerdings, so unser Gesprächspartnerinnen und -partner weiter, deu-
te hier v ieles auf ein stetiges Anwachsen der Altersarm utspopulation hin. Diese Prognose ist 
zum Teil mit dem rapiden Anstieg des Anteils älterer Menschen an der Münsteraner Gesamtb e-
völkerung begründbar, aber auch mit den A uswirkungen der gegenwärtig prekären Erwerbssi-
tuationen im biografischen Verlauf, die sich zunehmend bemerkbar machten  
 
Experte/in: „ Zunehmen wird der Person enkreis, der jetzt nachrückt , die, die zwische n-
durch arbeitslos waren und so in prekären Arbeit sverhältnissen gearbeitet haben  und 
jetzt alt und pflegebedürftig werden.“ 
 
Experte/in: „Anteil der armen Menschen wird auch in Münster steigen, vor allem wegen 
Langzeitauswirkung von Arbeitslosigkeit und Niedriglohnsektor. Das sehe ich als Faktor 
an, dass diese Zahl eher zunehmen wird.“ 
 
Immer wieder war zu hören, dass d ies vor allem Frauen betreffen  werde, auf deren prekäre B e-
schäftigungssituation wiederholt ja auch in den Armutsuntersuchungen des IfS hingewiesen

79 
 
worden war.49 Und auch die von uns befragten Experten sahen auf lange Sicht ein weiteres Aus-
einanderklaffen zwischen wenigen ökonomisch Abgesicherten und einem breiten Rest.  
 
Experte/in: „Die Schere zwischen den oberen 10% und dem Rest wird auseinander gehen.“ 
 
Diese Einschätzung gelte entsprechend für die künftig Älteren. Dabei wurde davon ausgegangen, 
dass – als Folge zunehmender Orientierung auf Ältere als Zielgruppe des Marktes – Dienstleister 
und Anbieter altersspezifischer Produkte die Kluft zwischen armen und reichen Senior en ver-
stärken werden (Kumulationsthese). Insofern sei es ungewiss, ob die den ärmeren Senioren zur 
Verfügung gestellten Dienstleistungen künftig noch in qualitativ hochwertiger Form zu erbri n-
gen sind , denn die zu beobachtende Marktkonzentration im Bereich von Altenpflege und Be-
treuung verhindere, so einiger der von uns Befragten, die dringend geforderte Vernetzung u n-
terschiedlicher sozialer Dienste untereinander . Der Grund hierfür:  Konkurrenz um Kunden 
schließe eine Zusammenarbeit mit anderen kommerziell ausgerichteten Einrichtungen aus.50 
Mit Blick auf das Problem der verdeckten bzw. verschämten Armut prognostizierte ein Großteil 
unserer Gesprächspartner interessanterweise deren Rückgang. Dies wird nicht auf verbe sserte 
Präventionsmaßnahmen – etwa der städtischen , kirchlichen  und/oder paritätischen Woh l-
fahrtseinrichtungen - zurückgeführt, sondern auf ein zunehmend verändertes Bewusstsein bei 
den Betroffenen selbst.  
 
Experte/in: „Die verschämte Armut wird aussterben, weil junge Menschen heute Ihre 
Rechtsansprüche auf Unterstützung vom Staat kennen und in Anspruch nehmen.“ 
 
Dieses Bild v om aufgeklärten Staatsbürger/Staatsbürgerin im mittleren Lebensalter  allerdings, 
der auch im dritten Lebensabschnitt seine Ansprüche und Erwartungen zu formulieren und 
durchzusetzen weiß, ist in der einschlägigen Literatur zum Thema Armut/Altersarmut (bislang) 
kaum anzutreffen. Gleichwohl vertraten unsere Gesprächspartner innen und -Partner die A n-
sicht, dass ein solcher Wandel – der aus sozialisationsbedingten »Lernerfahrungen« der Be-
troffenen im Umgang mit sozialstaatlichen Leistungen ebenso resultiere, wie aus deren Thema-
tisierung in Funk und Fernsehen  – gewissermaßen »ins Haus stehe «: Künftig, so der einhellige 
Tenor, werden die Betroffenen über ihre Rechte und Pflichten weitg ehend besser als bisher im 
Bilde sein und auch im Alter werden sie sich nicht scheuen, diese geltend zu machen.  
Dabei spielt möglicherweise auch der demographische Wandel eine gewisse Rolle, denn mit 
Blick auf Macht und Einfluss Älterer in Politik und Gesellschaft werden sich die politischen Kräf-
teverhältnisse nach Meinung der Expertinnen und Experten künftig drastisch verändern – auch 
wenn dies eine weitere Öffnung der Schere zwischen armen und reichen Älteren nicht verhi n-
dert und auch eine alle Älteren gleichermaßen repräsentierende Intere ssenvertretung nicht 
ermöglicht.51  
 
                                                             
49 Bereits in einer ersten Untersuchung aus dem Jahre 1987 (Hoffmeister/Kiewit 1987) forumlierten wir, 
dass das sogenannte Beschäftigungswunder bei Frauen seinerzeit durch unterwertige Beschäftigung, 
Teilzeit, ein niedriges Lohniveau oder Zeitarbeitsverträge »erkauft« worden sei. Die se Situation hatte 
sich auch bis zum Erscheinen des zweiten Münsteraner Armutsstudie (Hoffmeister2007) nicht 
wesentlich geändert.   
50 So führen aktuelle Veränderungen des Entlohnungssystem von Berufsbetreuern (pauschale 
Budgetierungen) dazu, dass möglichst viele Fälle bei niedrigem Aufwand und geringer Leistung für die 
Klienten bearbeitet werden – ein Umstand, der bereits aktuell zu einem erheblichen Qualitätsverlust in 
der Betreuung geführt habe. 
51  Auf das Phänomen des politischen Machtzwachses bei Älteren hatte bereits Frank Schirrmacher zu 
Beginn der 2000er Jahre in einem Buch mit dem bezeichnenden Titel „Das Methusalem -Komplott“ 
hingeweisen (Schirrmacher 2004).

80 
 
Probleme durch den demografischen Wandel 
 
Nicht wegen der demografischen Entwicklung werden nach Aussage der Expert en die Belastun-
gen der sozialen Sicherungssysteme rapide zunehmen, sondern zuallererst vor dem Hintergrund 
steigender Antragszahlen im Bereich Grundsicherung im Alter infolge der jahrzehntelangen 
Prekarisierung der Beschäftigungsverhältnisse. Ähnliches gelte mit Blick auf die Krankheits- und 
in besonderem Maße auch auf die Pflegeversicherung. Aus diesem Grund wird eine übermäßige 
Belastung aller Sozialversicherungssysteme prognostiziert. 
Experte/in: „Sozialausgaben werden durch die quantitative Zunahme der Alten und somit 
der Altersarmut nicht mehr zu stemmen und zu legitimieren sein“ 
 
Folgt man d er mehrfach geäußerten Aussage, dass in diesem Zusammenhang ein »Legitimitäts-
verlust« staatlicher Sozialsysteme zu erwarten sei, so bedeutet das im Umkeh rschluss auch: An 
diese Stelle könnten private Versorger treten. Das aber hätte eine weitere Privatisierung und mit 
dieser auch Ökonomisierung zentraler Lebensbereiche zur Folge. Bereits für die Gegenwart 
wurde sowohl in den Experten- bzw. Expertinnen- als auch in den Betroffeneninterviews immer 
wieder eine Tendenz zur Ökonomisierung der Armut durch Marktha ndeln thematisiert. Da die 
Marktmacht bei der Mehrheit der Senioren zunehme, so etwa der Argumentationsgang, sähen 
sich auch die Anbieter von Beratungs-, Betreuung- und Versorgungsleistungen für Ältere immer 
mehr zum marktorientie rten (man könnte auch form ulieren: angebotsorientierten) Handeln 
gezwungen. Dies aber führe einerseits vermehrt zu finanziellen Belastungen und Problemen bei 
jenen Ä lteren, die dabei ökono misch abgekoppelt werden , zum anderen gefährde eine solche 
Entwicklung die Grundsätze traditioneller Sozialarbeit.  
 
Experte/in: „Von Unternehmen am Markt wird Alterung hoffnungsvoll erwartet, wegen 
der neuen Zielgruppe usw., was eine Gefahr für die Sozialarbeit darstellt.“ 
 
Vor diesem Hintergrund wurde wiederholt die Forderung nach einer Stärkung  gemeinwohlori-
entierter sozialer Dienstleistungen in Abgrenzung von profitorientierten Dienstleistern erhoben. 
Vor allem im Bereich Schuldnerberatung w urden von den Expert en enorme Probleme gesehen, 
da bereits aktuell ein großer Anteil älterer Bürger im Ra hmen von Homeshopping, Ratenzah-
lungsangeboten und Kredithandel gezielt um seine für das Alter zurückgelegten Ersparnisse 
gebracht und mit teilweise kleinkriminellen Mitteln in die Verschuldung getrieben werde.  
 
Experte/in: „Das Alter als Marksegment: Alte werden häufiger ausgenutzt, und mit Kred i-
ten, Ratenzahlungen und Homeshopping über den Tisch gezogen.“ 
 
Gleichzeitig, so die düstere Prognose,  werde sich mit der Entwicklung hin zu mehr privater G e-
sundheitsvorsorge bei gleichzeitigem Abbau kassenärztlicher Leistungen eine Abwärtsspirale in 
Gang setzen, bei der Altersarmut vermehrt als Folge schlechter Ernährung und mangelnder ge-
sundheitlicher Versorgung auftritt. Armut im Alter werde damit, wenn sich die Langzeitwirku n-
gen fehlender gesundheitlicher Ver - und Vorsorge bemerkbar machen, auch im Münsteraner 
Stadtbild immer sichtbarer werden – etwa dann, wenn sich immer mehr Menschen keinen 
Zahnersatz leisten können. 
 
Experte/in: „Der Trend geht zur privaten Gesundheitsvorsorge und wird gerade im B e-
reich der k leinen Einkommen verstärkt Armut und in der Folge schlechte Ernährung, 
schlechte ärztliche Versorgung, schlechte Medikamentenversorgung nach sich ziehen. Das 
wird eine Spirale nach unten.“

81 
 
Zukunftsszenarien mit Blick auf Alten- und Pflegeheime gestalten sich in der Expertenperspekti-
ve etwa folgendermaßen: Altenheime werden im Zuge der galoppierenden Ökonomisierung des 
dritten Lebensabschnittes vermehrt als Dienstleister wahr- und in Anspruch genommen. Die 
Folge: Der Personalmangel im Bereich der Altenpflege weitet sich aus und die Kosten, die bei der 
Erfüllung der Ansprüche der »Kunden« anfallen, steigen an. Bei alldem müssen sich Wohn- und 
Pflegeheime stärker auf die Bedürfnisse der ersten Migrant engeneration einstellen, deren fam i-
liale Netzwerke ebenfalls zunehmend wegbrechen, deren sprachliche Barrieren aber hoch sind. 
Da bei alldem ältere Menschen bekanntlich weniger flexibel als jüngere sind, erschwere dies die 
Anpassung des eigenen Handelns  an die strukturierten Abläufe in Pflegeheimen. Auch die hohe 
Dichte von Altenpflegeeinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft in Münster dürfte sich in di e-
sem Zusammenhang bemerkbar machen, da diese ja nur begrenzt für die Aufnahme nicht christ-
lich sozialisierter älterer Menschen geeignet sind.  
Auf Ausbildung und berufliche Praxis von Sozialarbeiterinnen und -arbeitern und vergleichbare 
Berufsgruppen werden nach Aussage der Experten dabei insgesamt große Probleme zukommen, 
vor allem aber im Bereich der Altenarbeit. 
 
Experte/in: „Ausbildung der Sozial - und Sachbearbeite r muss sich bei einer Million D e-
menten in Deutschland auch in Münster ändern und auf die Alterung der Gesellschaft ei n-
stellen.“ 
 
Derzeit werden die gerontopsychiatrischen Kenntnisse der meisten Mitarbeiterinnen und Mi t-
arbeiter für einen Umgang mit älteren Menschen als nicht ausreichend betrachtet.  
 
Experte/in: „In der Symptomatologie wird Geriatrie immer mehr Raum einnehmen, und 
da brauchen wir gut geschulte und gerontopsychiatrisch erfahrene und geschulte Sozia l-
arbeiter, die damit umgehen können und nicht die falschen Mittel und Wege veranlassen.“ 
 
Dies beschränke sich jedoch nicht nur auf die Mitarbeiter sozialer Dienste, sondern betreffe auch 
Sachbearbeiter in Behörden oder Arbeitnehmer, die i n Kontakt mit älteren Kunden stehen – 
etwa im Einzelhandel. Ne ben einer Anpassung der Ausbildung müssten sich , so eine vielfach 
formulierte Forderung, auch die Einrichtungen selbst auf eine vermehrte Inanspruchnahme 
durch ältere Klienten einstellen. Das hat natürlich zusätzliche Kosten – etwa für Aufzugsanlagen, 
Treppenlifter, Handläufe oder andere Hilfsmittel – im Gefolge . Ganz in di esem Sinne kommen 
auch auf Krankenhäuser erhebliche Kosten durch Ausrichtung auf einen wachsenden Anteil älte-
rer Patienten zu. Viele soziale Einrichtungen seien bereits heute mit den Folgen einer Zunahme 
älterer Menschen konfrontiert. 
 
Experte/in: „Wir haben eine  Zunahme gehandicapter Menschen. Die erste Etage ist extra 
so ausgerichtet und die 2. für Ältere und Gehandicapte. Es gibt jetzt Lifter für die Rollstuh-
ler und für die Schlaganfall patienten, dann haben wir den Aufzug und so Kleinigkeiten 
mussten wir immer nachrüsten, weil es eben die Menschen mit diesen Handicaps gibt.“ 
 
Auch die Wohnsituation älterer Menschen werde sich, so ebenfalls zahlreiche Aussagen, im Lich-
te des demografischen Wandels verschärfen. Dabei lässt sich im erhobenen Interviewmaterial 
das Szenario einer strikten Zweiteilung des Wohnungsmarktes erkennen: zum einen als Woh n-
raumversorgung für zahlungskräftige Interessenten in altersgerechten, innenstadtnahen Wohn-
räumen und/oder »Gated Communities«´, zum anderen als Wohnraum für finanziell wie g e-
sundheitlich schlechter Gestellte in peripheren und wenig lukrativen Wohnvierteln. Dabei wird 
offenbar von einer größeren Flexibilität hinsichtlich künftiger Wohn- bzw. Haushaltesformen bei 
den gebildeten Älteren ausgegangen.

82 
 
Experte/in: „Schere zwischen gut ausgebildeten in WGs zusammenwohnenden reichen A l-
ten und den Armen in Elendsvierteln wird sich öffnen.“ 
 
Als besonders folgenreich wird der demografische Wandel jedoch mit Blick auf das Gesundheits-
system und damit auf die gesundheitliche Versorgung älterer Menschen eingeschätzt. Auf Grund 
des quantitativen Anstiegs jener, die Leistungen der Kranken- und Pflegekassen in Anspruch 
nehmen, würden zur Verhinderung einer Überstrapazi erung der Kassen bereits gegenwärtig 
zunehmend Leistungen in die private Verantwo rtung verlagert. Die gesetzliche Kranken - und 
Pflegeversicherung reiche also künftig nicht mehr zur Absicherung der Gesundheitsversorgung 
im Alter aus, so dass in immer größere m Umfang private Vorsorge getroffen werden muss. Von 
Menschen mit niedrigeren Einkommen sei dies aber bereits in der Erwerbsphase kaum zu leis-
ten, führe in der Konsequenz also zu einer noch stärkeren gesundheitlichen Unterversorgung in 
der Nichterwerbsphase.  
 
Zusammenfassung: Der demografische Wandel und zukünftige                                                                  
Armutsszenarien in Münster 
 
Fassen wir an dieser Stelle den bisherigen Argumentationsgang zusammen: Ausgehend von der 
Überlegung, dass Altersarmut als biografische Verlängerung von Armut im erwerbsfähigen Alter 
auftritt (Kontinuitätsthese), lässt sich nachzeichnen, dass Armut  und Altersarmut gegenwärtig 
vor allem in einzelnen Q uartieren der Stadt besonders stark konzent riert ist. Die Zusamme n-
schau aus Interviewmaterial, Daten der kleinräumigen Bevölkerungsprognose sowie den Befun-
den zur Altersarmut in quantitativer Perspektive  ergeben, dass davon auszugehen ist, dass die 
Gruppe der Altersarmen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ( deutlich) anwachsen wird. 
Arbeitslosigkeit sowie prekäre Beschäftigungsverhältnisse werden sich vermehrt in sinkenden 
Rentenansprüchen bemerkbar machen.  Gleichzeitig ist von weiteren Privatisierungstendenzen 
auszugehen, womit Altersarme bereits heute, aber stärker noch künftig von bestimmten Märk-
ten ausgeschlossen bleiben werden: Vom Konsum bestimmter Güter ebenso wie von einer Reihe 
altersadäquater Dienst leistungen. Das quantitative Wachstum der Altersarmen  als Folge  des 
demografischen Wandels einerseits sowie die zunehmende Ökonomisierung von Teilhabemög-
lichkeiten (auch in Feldern wie Gesundheit, Wohnen, Mobilität, Kultur, Information usw.) auf der 
anderen Seite, wird Altersarmut wegen fehlendem »ökonomischen Kapital« auch in jenen Fe l-
dern auftr eten las sen, die bislang nicht besonders auffällig waren. Anders formuliert: In dem 
Maße, in dem gesellschaftliche Teilhabe immer mehr an die Verfügung über ökonomisches Kapi-
tal gebunden ist, werden Problembereiche ins Relief treten, die bislang noch keine oder eine nur 
unbedeutende Rolle gespielt haben.  
In s ozialräumlicher Perspektive  ist davon auszugehen, dass Altersarmut einerseits in jenen 
Stadtquartieren verstärkt auftritt, in denen bereits heute Altersarmut, aber auch Armut bei Men-
schen im mittleren Lebensal ter zu beobachten ist. Darüber hinaus allerdings wird Altersarmut 
auch in solchen Wohnquartieren auftreten, in denen sie bislang kaum in Erscheinung trat. All 
das bedeutet: Es ist von einer Komplexitätszunahme auszugehen , wobei insbesondere der Man-
gel an a ltengerechtem und bezahlbarem Wohnraum in Innenstadtnähe Segregation sprozesse 
auslöst. Während auf der einen Seite also wohl situierte ältere Bürger auf altengerechten und 
innenstadtnahen Wohnraum zugreifen können, werden Altersarme vermehrt in periphere 
Wohnquartiere abgedrängt werden. 
Wie ist die Stadt Münster auf dieses Szenario vorbereitet? Und lässt sich das Problem präventiv 
oder intervenierend ab federn? Was könnte getan werden um Altersarmut in Münster pol itisch 
und gesellschaftlich zu begegnen?

83 
 
4. Bestehende Unterstützungsangebote, Strategien und Handlungsop-
tionen 
 
Angesichts der alles in allem eher düsteren Perspektive stellt sich die Frage, wie die Stadt Müns-
ter auf die hier skizzierten Probleme reagieren kann. Dabei ist der Blick zunächst auf wes entli-
che Säulen des bereits bestehenden Unterstützungspotentials zu richten, um im Anschluss daran 
zu erörtern, welche weiteren Handlungsoptionen bestehen, um Altersarmut zu begegnen. Dabei 
existiert bereits gegenwärtig eine Reihe von Angeboten, die speziell auf Menschen im dritten 
Lebensabschnitt zugeschnitten ist.  
 
4.1 Vorhandene Unterstützungsangebote 
 
Die Unterstützungsangebote für von Altersarmut betroffene Seniorinnen und Senioren in Müns-
ter sind bei näherer Betrachtung äußerst vielfältig. An erster Stelle ist hier das Sozialamt als 
institutioneller Rahmen und Anlaufstelle zu nennen, das den Betroffenen sowohl ökonomische 
Hilfen als auch zahlreiche Beratungsdienste anbietet, zu denen unter anderem zählen: 
 
 Inanspruchnahme von Grundsicherung im Alter und Erwerbssicherung: 
http://www.muenster.de/stadt/sozialamt/grundsicherung.html.   
 Inanspruchnahme von Pflegewohngeld: 
http://www.muenster.de/stadt/sozialamt/pflege-wohngeld.html 
 Pflege- und Wohnberatung des Informationsbüros Pflege: 
http://www.muenster.de/stadt/sozialamt/pflege-infobuero.html 
 Hilfen beim Umzug:                                                
http://www.muenster.de/stadt/sozialamt/pflege-umzugshilfe.html 
 Beantragung eines Münster-Pass für die Nutzung verbilligter Angebote:    
http://www.muenster.de/stadt/sozialamt/muenster-pass.html 
 
Darüber hinaus haben sich eine Reihe weiterer Angebote für Senioren in Münster eta bliert, auf 
die diese zurückgreifen können. Hier sei im Folgenden lediglich eine Auswahl aufgeführt: 
 
 Auf der Homepage der Stadt befinden sich zahlreiche Angebote, die speziell auf ältere 
Bürgerinnen und Bürger zugeschnitten sind              
http://www.muenster.de/fuer_aeltere_menschen.html 
http://www.muenster.de/alltag_im_alter.html 
 Im Projekt „Von Mensch zu Mensch“ der Stiftung Magdalenenhospital leisten Ehrenamt-
liche Nachbarschaftshilfen, auf die Senioren zugreifen können                            
http://www.mensch-muenster.de/ 
 Die Münster Tafel bietet Hilfen in Form von Lebensmittelausgaben an 
http://www.muenster-tafel.de/ 
 »Anti Rost« ist ein Verein von Senioren, der anderen Senioren Kleinreparaturen im 
Haushalt sowie haushaltsnahe Dienstleistungen für eine Pauschalgebühr von 5 Euro an-
bietet                                                                                                                                     
http://www.antirost-muenster.de/seiten/antirost.html

84 
 
 Das Bürgermedienzentrum Bennohaus bietet kulturelle Teilhabeangebote für Seniorin-
nen und Senioren mit Migrationsvorgeschichte an 
http://www.bennohaus.org/content.php?seite=seiten/seioren-migranten.php&oph=6-
29 
 Der „Verein zur Förderung des Studiums im Alter an der Westfälischen Wilhelms-
Universität Münster e.V.“ erstattet mitunter bedürftigen Personen, die ein Studium im 
Alter an der WWU aufnehmen wollen, die Gasthörergebühren                                   
http://www.uni-muenster.de/Studium-im-Alter/aufnahme.html 
 Der Seniorenrat Münster bietet einen Treffpunkt für Seniorinnen und Senioren sowie 
verschiedene Veranstaltungen und Weiterbildungen an 
http://www.muenster.org/seniorenrat/wordpress/ 
 Die kommunale Seniorenvertretung ist Ansprechpartnerin, die speziell die Interessen 
von Senioren politisch vertritt                                                                                       
http://www.seniorenvertretung-muenster.de/aktivitaeten.html 
 Der Stadtsportbund Münster bietet auf Senioren zugeschnittene Sportangebote an                                                                                                                 
http://www.stadtsportbund-ms.de/35.html?&uid=216&backPid=24 
 
Im Folgenden werden wir auf einige gut funktionierende Angebote hinweisen, die uns sowohl 
von den Betroffenen als auch von den Experten und Expertinnen im Rahmen unserer Interviews 
als erha ltenswert und förderungs würdig beschrieben wurden. Als besonders sinnvolle Maß-
nahmen, die sich in der praktischen Arbeit als effizient erweisen hätten und zudem von allen 
Seiten akzeptiert würden, erschienen unseren Gesprächspartnerinnen  und –partnern folgende 
Angebote:  
 
Materielle Hilfs- und Unterstützungsleistungen 
 
 Anti Rost e. V. 
 Individuelle Begleitung bei Behördenterminen (Übersetzung/Information) 
 Ehrenamtliche caritative Dienste der Kirchen (wenn kostenpflichtige Dienstleistungen 
im häuslichen Bereich nicht mehr in Anspruch genommen werden können) 
 Wohnberatung und Hilfen beim Umzug durch das Amt für Wohnungswesen 
 Angebote der Schuldnerberatungen zum angeleiteten Umgang mit Schulden (da ältere 
Menschen, die verschuldet sind, häufig aus Lebensaltersgründen nicht mehr entschuldet 
werden können)  
 Münster Tafel e.V.  
 
Informationen 
 
 Niedrigschwellige und unverbindliche Information en über Leistungen, die weder bewil-
ligt noch geprüft werden müssen 
 Dezentrale offene Beratungsarbeit wie z.B. die sozialraumbez ogene Stadtteilarbeit im 
Südviertelbüro oder bei der Caritas  
 Stadtviertelbezogene enge Kooperationen der Wohnungsbaugesellschaften und Kirchen-
gemeinden im Arbeitskreis Südviertel (diese ermöglichen einen Wohnungstausch älterer 
Bürger von große n in kleiner e, ebenerdige; W ohnungen, im Tausch mit Familien und 
junger Generation im gleichen Stadtteil innerhalb einer Wohnungsbaugesellschaft)

85 
 
 Informationsveranstaltungen mit Referent en zu Themen wie Gesundheit, Politik, Re n-
tensituation oder Philosophie 
 Aufklärung über das Arbeitsrecht 
 Aufklärung über die Möglichkeiten einer Zusatzrente  
 Infoveranstaltungen über: Altersarmut, Gesundheit, Sterben und Tod, Computer und I n-
ternet, Rentensicherung, altersgemäße s Wohnen sowie Bündelung von Informationen 
zum Thema Altern i n Münster (ausgegeben i m Printformat), Bildungs - und Weiterbil -
dungsangebote und politische Veranstaltungen  
 Generationenübergreifende Aufklärung der jüngeren Generation (z.B. im Rahmen der 
Arbeitskreise »Älter werden im Stadtteil« der kommunalen Seniorenvertretung und des 
Sozialamts der Stadt Münster) 
 Die Verbraucherschutzkonferenz zu Gesundheitsthemen  
 
Teilhabe 
 
 Gesellschaftskulturelle Veranstaltungen in Kombination mit Informationsverbreitung für 
Senioren – zum Beispiel im Rahmen von Seniorencafes 
 Busfahrten, Tagesfahrten, Ausflüge (wobei diese nur noch in selten en Fällen als koste n-
lose Angebote existieren) 
 Seniorenermäßigungen im Rahmen des Münsterpasses  
 Mehrgenerationenspielplätze 
 Verbindung von Kultur, Musik und Informationsveranstaltungen, um Hemmsc hwellen 
niedrig zu halten  
 
Geschlechtsspezifische Angebote 
 
 Frauenfrühstück im Arbeitskreis International e.V. (bei dem regelmäßig verschiedene 
Akteure aktuelle Themen aufgreifen oder wichtige Informationen weitergegeben sowie 
Erfahrungen, Probleme und Lösungsmöglichkeiten ausgetauscht werden) 
 Erzählcafe (hier werden implizite Ängste/Sorgen und Problemlagen thematisiert und 
kommuniziert sowie gemeinsam Lösungen entwickelt) 
 Haus der Wohnungslosenhilfe e.V. für Männer 
 
4.2 Mögliche Handlungsoptionen zur Abfederung drohender Altersarmut 
 
Die Ursachen von Armut und Altersarmut liegen vor allem in globalen und nationalen , ökonomi-
schen, sozialen , demografischen und/oder rechtlichen Rahmenbedingungen begründet. Insb e-
sondere die Entstandardisierung der Lebensläufe und die damit einhergehende Individualisi e-
rung von Erwerbskarrieren haben in allen gesellschaftlichen Sphären und Systemen ihre Spuren 
hinterlassen. Neben weitreichenden Folgen für die Altersversorgung hat dies in der jüngeren 
Vergangenheit auch Auswirkung en auf andere soziale Sicherungssysteme gehabt. Es wäre also 
illusorisch anzunehmen, dass sich die daraus ergebenden Probleme umfassend politisch auf der 
kommunalen Ebene steuern oder sogar beheben lassen. Nach wie vor ist d ie bundespolitische 
Ebene jene, auf der Entscheidungen gefällt und wichtige sozialpolitische Weichenstellungen vor-

86 
 
genommen werden, von denen in der Konsequenz auch die Kommunen und die hier lebenden 
Menschen betroffen sind. 
Gleichwohl können auch die Kommunen selbst ihren Teil zur Abfederung dessen beitragen, was 
in Folge drohender Altersarmut nicht nur in Münster zu erwarten ist. Etwa, indem die hier le-
benden Volksvertreter in die Diskussion einbezogen werden. Eine der Leitlinien hierbei sollte 
die Krisenfestigkeit Münsters, ihre Zukunftssicherheit also mit Blick auf die Entwicklung der A l-
tersarmut sein. Eine mögliche Zielfigur zur Erreichung dieses Zieles könnte darin bestehen, eine 
»Reform der Reformen« anzustoßen, bei der soziale Sicherungssysteme die auf Vermeidung von 
Altersarmut abzielen, entlang der Devise »Prävention vor Intervention« entsprechend umgebaut 
werden. Jüngst erst wurden in diesem Zusammenhang von der Friedrich Ebert Stiftung ve r-
schiedene Vorschläge für eine Reform des Rentensystems zusammengefasst, die sich von einer 
Modifikation der Anrechnungszeiten bis hin zu gänzlich neuen Überlegungen (Stichwort: bedin-
gungslose Grundsicherung) erstrecken (Meinhardt 2011). Aber nicht allein im Rahmen der Dis-
kussion um die Zukunft des Rentensystems befinden sich jene »Stellschrauben«, mit denen auf 
Altersarmut eingewirkt werden kann.  
 
Experte/in: „Einfachsttätigkeiten und niedrige Schulabschlüsse, Arbeitslosigkeit, so  ge-
nannte Fördermaßnahmen (…) und dann fehlt es dann bis zur Rente, Lücken in der E r-
werbsbiografie haben die Folgewirkung Altersarmut“ 
 
Experte/in: „Geringe Löhne wirken auf Rentenbeiträge, insbesondere im Niedriglohnse k-
tor, Arbeitslosigkeit, oder sehr schwere Arbeiten im Bauhelferbereich, Leihfirmen, Gas t-
stättenarbeiten, das sind strukturelle Gründe durch Reformen.“ 
 
Maßnahmen wider die Altersarmut liegen vor allem in der geschlechtergleichen E rmöglichung 
einer Teilhabe am Arbeitsmarkt (etwa über Quotierun gen), im Abbau prekärer Beschäftigungs-
verhältnisse (etwa durch Festlegung von Mindestlöhnen ) oder in der die Reduktion/Ab-
schaffung von Zeit - und Leiharbeit  zu sehen - allesamt Maßnahmen und Entscheidungen, die 
zwar auf Bundesebene getroffen werden, auf die aber Abgeordnete aus den Parlamenten einen 
mehr oder weniger großen Einfluss haben. Altersarmut in Münster ist also nicht versteh-, erklär- 
und verhinderbar, ohne den Blick auf die politischen Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten.  
 
Handlungsebene Altersarmut: Stadt Münster 
 
Die Möglichkeiten einer Bekämpfung von Altersarmut in der und durch die Kommune selb st 
liegen weder allein im politischen, noch im wissenschaftlich-konzeptionellen oder im zivilgesell-
schaftlichen Feld. Vielmehr bedarf es der Nutzung von Synergien aus der Gesamtheit dieser ge-
sellschaftlichen Teilsysteme . Das wiederum erfordert die Etablierung eine s organisatorischen 
und koordinierenden Rahmens , aus dem heraus sich solche Synergien entfalten können. Denk-
bar wäre, hierfür ein systemübergreifendes Bündnis zu etablieren, das als ein solcher Rahmen 
fungiert. Im Groben ließe sich die idealtypische Struktur eines solchen Bündnisses als Verknüp-
fung von zentralen und dezentralen, formalen und informellen Strukturmerkmalen konzipieren. 
Entscheidungen könnten im Rahmen dieses Modells auf mehreren Ebenen prozessiert, Ung e-
wissheiten abgefedert und Effizienz en erhöht werden. Das zentrale Grundmuster eines solchen 
Bündnisses könnte dabei etwa die Form eines Vereins und/oder einer Stiftung annehmen. Seine 
zentralen Aufgaben wären unter anderem: 
 
 Öffentlichkeitsarbeit zum Thema Armut/Altersarmut in Münster 
 Einwerbung zusätzlicher Gelder zur Armutsbekämpfung 
 Erarbeitung einzelner Programme und Projekte zur Armutsbekämpfung

87 
 
 Einberufung einer periodischen Münsteraner Armutskonferenz als Instrument der Da u-
erbeobachtung, an der Experten aus verschiedenen Feldern sowie inte ressierte Bürger 
teilnehmen, um sich über Armut/Altersarmut in Münster auszutauschen. 
 
Im Rahmen einer solchen Struktur könnten unterschiedliche Akteursgruppen informell mite i-
nander kooperieren. Der Wissenschaft etwa käme dabei die Funktion zu , Armut in Mü nster im 
Rahmen einer empirischen abgesicherten Dauerbeobachtung im Blick zu behalten  und proble-
matische Trends so valide, wie es die Datenlage zulässt,  zu diagnostizieren. 52 Ohne fu ndierte 
Diagnose des Gesamtphänomens nämlich bleiben politische Initiativen  gezwungenermaßen 
bruchstückhaft und  vorläufig. Ein Netzwerk Regiona lforschung ( Stadt Münster /WWU/FH als 
zentrale Akteure) könnte hier Abhilfe schaffen. Aufgaben, die es dabei zu berücksicht igen gälte 
wären:  
 
 Durchführung regelmäßiger standardisierter Panels (alle drei Jahre) auf Grundlage aktu-
eller, repräsentativer Daten und laufende Berichterstattung 
 Durchführung vertiefender Feldstudien (qualitativ) bei besonderen Auffälligkeiten 
 Regelmäßiger Austausch mit den politisch Verantwortlichen und anderen Akte urinnen 
und Akteuren des Netzwerkes 
 
Dem Rat der Stadt sowie den mit dem Problem vertraute n Akteurinnen und Akteur en aus der 
Verwaltung wäre unter dem Stichwort Bündnis zu empfehlen, gemeinsam einen Arbeitskreis 
»Lokale Armutspolitik« zu installieren, in d em sinnvolle politisch-administrative Maßnahmen 
zur Armutsbekämpfung und Altersarmutsprävention erörtert werden. Dabei wäre überparteili-
cher Konsens anzustreben, d.h., dass alle hie raus resultierenden Maßnahmen nur konsensual 
verabschiedet und durchgeführt werden sollten.  
Akteure aus dem Bereich Wirtschaft (etwa Vertreter der Kammern) könnten durch regelmäßi-
ges Sponsoring und/oder Spenden sowie durch ihre Kontakte zu Industrie, Handwerk und Ha n-
del nicht nur Mittel einwerben, sondern auch Tätigkeitsfelder e röffnen, die berufliche Tei lhabe 
am kommunalen Arbeitsmarkt bei Älteren ebenso wie bei jüngeren Erwerbstätigen ermöglicht. 
Dabei ist auch an Zugangschancen zu betrieblicher Aus- und Weiterbildung zu denken.  
Auch im Bereich des Wohnungsbaus wäre Expertise hilfreich. Sozial- und Wohlfahrtsverbände 
könnten im Rahmen ihres langjährig gesammelten Expertenwissens sowie ihrer infrastrukturel-
len Präsenz auf nahezu allen hier thematisierten Feldern unterstützend und beratend wirken.  
Vor diesem Hintergrund ließen s ich Ansätze zur Bekämpfung von Altersarmut auf der kommu-
nalen Ebene in Münster nicht nur formulieren, sondern vermutlich auch zielorientiert adressie-
ren und durchsetzen. Als Ergänzung zu diesem auf der Stadtebene zu verortenden Netzwerk 
könnten quartiersbe zogene Bürger innenbüros fungieren. Mit dem Begriff „ Bürgerinnenbüro“ 
auf Ebene der Stadtquartiere oder Stadtviertel sind hier nicht in erster Linie ausschließlich auf 
Armut und Altersarmut zugeschnitte ne Einrichtungen gemeint, sondern Treffpunkte, die unter-
schiedliche Angebote für alle Bürger innen und Bürger  bereit halten , dabei aber altersar-
mutsspezifische Angebote integrieren. Da Altersarmut häufig aus Angst davor entsteht, dass die 
eigene prekäre Situation publik wird, könnten Bürgerinnenbüros auf den Ausbau niedrigschwel-
liger und klei nräumiger sowie generations - und schichtübergreifender Informationsstellen  mit 
entsprechenden Angeboten für Ältere abzielen. Die grundlegende Idee, die sich hinter einer sol-
chen Konzeption verbirgt, liegt nicht darin, eine weitere kommunale (Teil)Behörde zu schaffen. 
Vielmehr geht es darum, allen Bürgerinnen und Bürgern einen Ermöglichungsraum für gemein-
sames Erleben, für Austausch und Engagement in den Stadtquartieren bereit  zu stellen; einen 
Ermöglichungsraum also, der sich zugleich als niedrigschwellige Anlauf- und Ansprechstelle für 
                                                             
52 In der Vergangenheit blieben solche Unternehmungen stets temporär, räumlich und sachlich begrenzt, 
partikular und vor allem unkoordiniert.

88 
 
von Armut und Altersarmut betroffene Bürger innen und Bürger  anbietet. Personelle, sachliche 
und infrastrukturelle Ressourcen hierfür wären in Münster, anders als in vielen anderen Städten 
vergleichbarer Größenordnung, durchaus vorhanden.  
Es geht also einerseits um die Eröffnung von Teilhabechancen , anderseits zugleich aber immer 
auch um die Weitergabe von Informationen durch lokale Netzwerke in und zwischen den ei n-
zelnen sozialen Milieus als Teil und Voraussetzung von gesellschaftlicher teilhabe . Im Idealfall 
könnte dabei eine sukzessive Verdichtung von  Netzwerkstrukturen im lokalen Leben sumfeld. 
Erfolgen, was unter qualitativen Aspekten für die von Altersarmut betroffenen Bürgerinnen und 
Bürger von besonderer Bedeutung sein dürfte. 
Innerhalb solcher Bürger innenzentren könnten sich dann verschiedene Angebote versammeln: 
von der Organisation von Nachbarschaftshilfen über Wohnungstauschbörsen und kulturelle 
oder geschlechtsspezifische Angebote [wie etwa Kochkurse für (ältere) Männer], bis hin zu Ve r-
anstaltungen, die zum Beispiel Maßnahmen der präventiven Gesundheitsförderung dienen – 
durchgeführt etwa von Studierenden der Medizin oder pädagogischer Studiengänge.  
Als Dependance der kommunalen Verwal tung könnten hier zugleich auch wichtige Informa-
tions- und Beratungsangebote integriert werden, wobei erneut auf die große Anzahl Studiere n-
der in Münster hinzuweisen ist: Nicht allein in ökonomischer Perspektive, sondern auch in s o-
zialer stellen sie in Münster, einem der »Ober zentren der Wissensgesellschaft«, eine in vielerlei 
Hinsicht funktionale Ressource dar, die bislang nach u. E. zu wenig genutzt wird.53 
 
Verhinderung prekärer Beschäftigungsverhältnisse 
 
Sowohl vor dem Hintergrund der zum Thema Altersar mut bisher erschienenen Liter atur als 
auch im Rahmen unserer Sekundäranalyse der statistischen Daten und unserer Interviews trat 
eine Ursache für Altersarmut besonders markant in den Vordergrund. Es waren dies die prekä-
ren Beschäftigungsverhältnisse und lü ckenhaften Erwerbsbiografien, bei jenen, die sich derzeit 
noch im erwerbsfähigen Alter befinden. Eine Chance bietet sich hier mit Blick auf die Tatsache, 
dass Münster ab Januar 2012 zum Kreis der Optionskommunen zählen wird. Das erweitert die 
Spielräume – und zwar mit Blick auf kommunalspezifische Belange hinsichtlich der Beratung, 
Vermittlung, Qualifizierung und finanziellen Förderung von Arbeitslosen nach dem SGB II.  
Eines der primären Ziele Münsters als Optionskommune sollte es von daher sein, die Quali tät 
der Arbeitsverhältnisse selbst zu verbessern. Prekäre Arbeitsverhältnisse führen, wie mehrfach 
ausgeführt und auch in der einschlägigen Fachliteratur  unbestritten, direkt in Altersarmut und 
es sollte allein unter diesem Aspekt unbedingt vermieden werde n, desintegrative Maßnahmen 
kommunalpolitisch zu unterstützen. Dies ist b ereits darum geboten, weil letztlich ja auch die 
langfristigen Folgen arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen (Altersarmut) in der Konsequenz g e-
nau jener Kommune zugeschrieben werden, die die entsprechenden Maßnahmen einst veran-
lasst hat. Im Sinne einer präventiven Verhinderung von Altersarmut sollte sich der Blick hierbei 
vor allem auf Maßnahmen für Frauen, für Menschen mit Migrationshintergrund sowie auf Ar-
beitnehmer aus bildungsfernen Milieus richten.  
 
                                                             
53  So könnten von den Stadtquartierbüros Praktika angeboten werden, die Studierende nahezu aller 
Fächer inzwischen obligatorisch im Verlaufe ihres Studiums absolvieren müssen. Gleichzeitig könnte 
der unter Studierenden weit verbreiteten Engagementbereitschaft hier ein gewisser Raum gegeben 
werden.

89 
 
Handlungsfelder im Überblick54  
 
Ganz oben auf der Agenda steht , wie ebenfalls mehrfach ausgeführt, die Förderung der Ermögli-
chung gesellschaftlicher Teilhabe. Da ein ständig wiederkehrendes Muster der Ausgrenzung 
darin besteht, dass einkommensschwache Ältere die zur Teilhabe notwendigen finanziellen Mit-
tel nicht aufbringen können, könnte dem Problem mit folgenden Maßnahmen begegnet werden. 
 
 Bereits mit Blick auf den Münster-Pass wurde darauf hingewiesen, dass Fahrkarten nicht 
allein als Mon atsabos, sondern auch bei Einzelfahrten verbilligt erhältlich sein sollten. 
Monatskarten könnten zudem so gestaltet sein, dass die Inhaber durch Design und farb-
liche Gestaltung de r Tickets nicht als Bedürftige erkenn bar sind. Letztlich aber besteht 
das Kernproblem des Münster-Passes darin, dass Kosten mit seiner Hilfe stets nur redu-
ziert werden, bereits diese reduzierten Kosten aber für die von Altersarmut Betroffenen 
oft außerhalb ihrer  finanziellen Möglichkeiten liegen. Von daher wäre es sinnvoll , mit 
dem sukzessiven Aufbau einer städtischen Agentur zu beginnen, die zielgruppenspezifi-
sche Dienstleistungen (kultureller, versorgender oder teilhabespezifischer Art) zu Vo r-
zugspreisen erwirbt, um sie einkommensschwachen älteren Bürgern kostenfrei oder 
kostenreduziert anbieten zu können. Insbesondere die kostenlose oder kostenermäßigte 
Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel stellt eine zentrale Möglichkeit dar, in den Genuss 
von Angeboten zu gelangen, die gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen und ist von daher 
im R ahmen der Mobilitätssicherung ein zentraler Schlüssel zur Verhinderung von A l-
tersarmut. Aber nicht nur hier, sondern auch i m Bereich Gesundheit zeigte sich, dass f i-
nanzielle Förderung viele Probleme lösen könnte. 
 Viele Ältere sind auf Grund von Krankheit und/oder Behinderung in ihrer Mobilität ei n-
geschränkt. Von daher sind sowohl der Ausbau aufsuchender Seniorenarbeit als auch die 
Vernetzung fachübergreifender sozialer Dienstleister zentrale Voraussetzungen für eine 
effiziente und zielgruppenorientierte Arbeit.  
 Im Bereich Gesundheit zeigte sich, dass bereits geringe Aufwendungen wie Praxisgebüh-
ren für die Betroffenen nicht bezahlbar sind und Arztbesuche deshalb vermieden we r-
den. Auch hier sollte , eventuell durch gezielte Information, versucht werden, Vorsorge-
verhalten im Gesundheitsbereich aufrecht zu erhalten. 
 Die Ermöglichung und Organisation kostenloser Freizeitaktivitäten in den Bereichen 
Sport und Kultur stellt die vermutlich größte Herausforderung an eine künftige Arbeit 
mit älteren Mitbürgern dar – sowohl präventiv als auch auf der Ebene der Intervention. 
Gesellschaftliches Engagement erwächst aus gemeinsamem Erleben. Gemeinsames Erl e-
ben mit Blick auf die hier behandelte Zielgruppe aber muss zunächst ermöglicht werden, 
was bedeutet: Es muss ein kultureller, sportlicher und/oder geselliger Anlass vorhanden, 
Erreichbarkeit gewährleistet und Kostenfreiheit garantiert sein. Darüber hinaus müssen 
Anlass, Umgebung und sozialer Habitus der Teilnehmer eine gewisse soziokulturelle 
Homogenität aufweisen, was mit Blick auf mögliche milieuspezifische Unterschiede nicht 
umstandslos herzustellen ist und von daher ebenfalls eine intensive Auseinandersetzung 
mit dem Thema erfordert. 
 Was die Wohnsituation Älterer heute und in Zukunft anbelangt, so erscheint uns vor a l-
lem die qualitative Umgestaltung/der altengerechte Auf- und Ausbau von Wohnraum 
(Stichwort: Barrierefreiheit) vonnöten zu sein. Sowohl qualitativ als auch quantitativ 
müssten hier jene Stadtbezirke bzw. Stadtviertel in den Fokus genommen werden , die 
                                                             
54  Die Empfehlungen wurden vor dem Hintergrund des theoretischen Bezugsrahmens (insb e-
sondere mit Blick auf die Kumulationsthese) sowie der empirischen Befunde entwickelt . Da-
von unberührt und im Rahmen dieser Expertise nicht erörtert bleiben Fragen politischer 
Programmgestaltung, Finanzierung usw.

90 
 
von Älteren mit zunehmendem Alter präferiert werden , in denen sie mit zunehmendem 
Alter also auch bevorzugt wohnen. In welchem Umfang dies notwendig wird, müsste ent-
lang der demografischen Prognosen näher untersucht und, eventuell gemeinsam mit In-
stitutionen des Landes Nordrhein-Westfalens (Fachministerien, NRW Bank) auf den Weg 
gebracht werden.55 
 Ein weiterer Aspekt ist Aufklärung und Sensibilisierung für die Thematik »Altersarmut in 
Münster« im Rahmen öffentlicher Veranstaltungen, von Pressearbeit und/oder Qualifi-
zierung sowie Weiterbildung von Mitarbeitern in sozialen Einrichtungen. Eine Reduktion 
der Komplexität von Informationen, Informationswegen und Strukturen im Rahmen von 
Aufklärung und Sensibilisierung für das Thema wäre wünschenswert. All dies  sollte al-
lerdings auch an Menschen in heute mittlerem Alter adressieren, denn: Ebenso wie die 
Ursachen und Voraussetzungen für Altersarmut im mittleren Alter entstehen, so sind 
hier auch Präventionspraxen möglich und notwendig.  
 Mit Blick auf Bürgerinnen und Bürger mit Migrationsvorgeschichte stellte sich das Prob-
lem Sprache als besonders kritisches Merkmal dar, was etwa bei Arztbesuchen oder der 
notwendig werdenden Übersetzung von Dokumenten  der Fall ist . Hier könnte darüber 
nachgedacht werden, ob Dolmetscherdienste nicht in Kooperationen mit dem Sprachen-
zentrum der WWU organisiert und kostenlos zur Verfügung gestellt werden könnten. 
 
Zusammenfassung: Präventions- und Interventionsmöglichkeiten                                                             
zur Bekämpfung von Altersarmut für die Stadt Münster 
 
Wenngleich der Handlungsspielraum der Kommune Münster hinsichtlich der Bekäm pfung von 
Altersarmut begrenzt ist, sollte es möglich sein, an die bereits existierenden ( Angebots-)Struk-
turen anzuschließen und eine lokale Unterstützungsstruktur für Altersarme zu etablieren. Koor-
diniert werden könnte ein solches Bündnis gegen Altersarmut von einem Verein oder einer Stif-
tung, der bzw. die zentrale Organisations- und Verwaltungsaufgaben (Öffentlichkeitsarbeit zum 
Thema Armut /Altersarmut in Münster , Einwerbung von Geldern, Erarbeitung einzelner Pr o-
gramme und Projekte zur Armutsbekämpfung, Einberufung einer periodischen Armutskonfe-
renz als Instrument der Dauerbeobachtung usw.) übernimmt. Der Wissenschaft käme dabei die 
Funktion zu, Armut in Münster im Rahmen einer empirisch abgesicherten Dauerbeobachtung zu 
erforschen und bestimmte Trends zu diagnostizieren. Lokalpolitik stünde ein Arbeitskreis »Lo-
kale Armutspolitik« zur Verfügung, in dem darüber beraten werden könnte, wie Armut und ins-
besondere Altersarmut mittel- und langfristig zu begegnen ist. Die Tatsache, dass Münster Opt i-
onskommune ist, schafft hier gewisse Spielräume im Sinne der von uns weiter oben formulierten 
Kontinuitätsthese. 
Weit oben auf der Agenda steht die Förderung gesellschaftlicher Teilhabe. In all jenen Bereichen, 
in denen Teilhabe an die Verfügung über finanzielle Mittel gebunden ist , wäre der Entwurf eines 
entsprechenden Unterstützungssystems zielführend und wü nschenswert – etwa in Anlehnung 
an den Münster -Pass. Dies gilt auch für eine Abfederung der Folgekosten der Gesundheitsr e-
form. Was die Beratung, Betreuung und Versorgung Älterer anbelangt, so sind sowohl eine auf-
suchende Sozialarbeit als auch die Vernetzung fachübergreifender sozialer Dienstleister unter-
einander zentrale Vorausse tzungen für eine effiziente und zielgruppenorientierte Arbeit. Mit 
Blick auf die Wohnsituation Älterer heute und in Zukunft erscheint uns vor allem die qualitative 
Umgestaltung/der qualitative Auf - und Ausbau altengerechten Wohnr aums vonnöten (Stic h-
wort: Barrierefreiheit). Ein weiterer Aspekt ist der von Aufklärung und Sensibilisierung für die 
Thematik »Altersarmut in Münster «. Bezüglich Bürgerinnen und Bürgern mit Migrationsvorg e-
schichte stellte sich dabei das Problem Sprache als kritisches Merkmal dar, was etwa bei Arztbe-
suchen relevant wird . Hier muss darüber nachgedacht werden, ob Dolmetscherdienste in Ko-
operationen mit dem Sprachenzentrum der WWU organisier t und kostenlos zur Verfügung g e-
stellt werden könnten.  Die Ermöglichung und Organisation kostenloser oder doch zumindest 
                                                             
55  Die NRW-Bank ist in unterschiedlichen Förderbereichen aktiv und berät u.a. in den Bereichen Wohn-
raum- und Individualförderung. Zudem betreibt sie Infrastruktur- und Kommunalfinanzierung.

91 
 
kostengünstiger Freizeitaktivitäten in den Bereichen Sport, Kultur und Bildung stellt eine weite-
re Herausforderung an die künftige Arbeit mit älteren Bürgerinnen und Bürger n dar – sowohl 
präventiv als auch auf der Ebene der Intervention. G esellschaftliches Engagement erwächst aus 
gemeinsamem Erleben  und dies muss seinerseits zunächst einmal ermöglicht und organisiert 
werden.  
Bereits diese wenigen Aspekte verweisen auf eine Vielfalt unterschiedlichster Problemfelder, die 
allerdings in zentralen Kernbereichen Gemeinsamkeiten aufweisen, worauf in den abschließe n-
den Ausführungen noch einmal zusammenfassend eingegangen wird.

92 
 
5. Fazit 
 
Eine zeitlich, personell und finanziell begrenzte Expertise wie die vorliegende, kann das Phän o-
men Altersarmut in Münster nicht in der gebotenen Tiefe ausleuchten, sondern ledi glich das 
Feld explorieren. Allerdings wurde bereits auf der Ebene der Exploration deutlich, dass Armut, 
und insbesondere Altersarmut, bereits heute i m gesamten Stadtgebiet Münsters verbreitet ist, 
dass sie heute wie auch künftig stets einem prekären (erwerbs-)biografischen Hintergrund ent-
springt, sich sozialräumlich in einigen Stadtvierteln konzentriert, wobei sie sich allerdings künf-
tig insgesamt stärker über die gesamte Stadt auszubreiten verspricht . Dabei diversifiziert sich 
Altersarmut in Münster entlang unterschiedlicher Merkmale – nicht allein in quantitativer, so n-
dern auch in qualitativer Hinsicht. Eines der auffälligsten Merkmale dabei ist die geschlechtsspe-
zifische Betroffenheit: Altersarmut ist vor allem weiblich – ein Faktum, das mit steigendem Alter 
der Betroffenen zunehmend deutlicher wird . Integrationsbedingte Probleme bei Frauen mit 
Migrationshintergrund verschärfen bereits gegenwärtig die Situation von Beratung und Betreu-
ung und die Probleme in diesem Bereich dürften künftig eher dann noch zunehmen, wenn 
grundlegende sprachliche Kompetenzen nicht bereits heute erworben werden. 
Bei alldem erweist sich Armut immer wieder als Mangel an ökonomischem Kapital. Dies korres-
pondiert mit der zunehmenden Ökonomisierung der Lebenswelten Älterer und führt in der Kon-
sequenz bei einem Teil von ihnen zu eine r Art selbst verordnetem Mangel an gesellschaftlicher 
Teilhabe, der im Grunde von den Betroffenen weder gewo llt noch zu verantworten ist. Dies 
könnte sich zwar durch einen Wandel der Kompetenzprofile bei der künftigen Alten-Generation 
verändern, allerdings wäre dies an solche Voraussetzungen gebunden, die es den heute im mitt-
leren Lebensalter Befindlichen erlaubt, kulturelles und soziales Kapital zu erwerben und im Al-
ter auch zum Einsatz zu bringen; Voraussetzungen, die leider aus zwei Gründen nicht überall zu 
erkennen sind: Zum einen als Folge der Tatsache, dass Armut heute vor allem in jenen Milieus 
anzutreffen ist, bei denen Bi ldungsdefizite vorherrschen – in genau den Milieus also, in denen 
sich auch die Altersarmut auszubreiten droht. Zum anderen aus Gründen einer zunehmenden 
Ökonomisierung der nahezu gesamten Angebotsstruktur . Es wären also Angebote zu konzipie-
ren, in denen sich Teilhabe in kultureller, politischer oder sozialer Hi nsicht ungehindert vo m 
Grad der ökonomischen Versorgung im Alter entfalten kann.  
All dies korrespondiert seinerseits sowohl mit der gesundheitlichen Versorgung Älterer als auch 
mit ihrer Mobilitätsfähigkeit und Mobilitätsbereitschaft. Der Erhalt der Mobilität wiederum setzt 
medizinische Versorgung ebenso voraus, wie die Versorgung mit b arrierefreiem, altersadäqua-
tem, stadtnahem und preiswerte m Wohnraum. Vor allem m it Blick auf die V ersorgung mit a l-
tersadäquatem Wohnraum allerdings besteht bereits jetzt eine Unterversorgung im Bereich der 
Innenstadt.  
Auch auf den (direkten) Zusammenhang zwischen Krankheit und Altersarmut wurde in den von 
uns durchgeführten Interviews wiederholt hingewiesen. Die Einlassungen zu diesem Theme n-
bereich liefen stets darauf hinaus, dass die medizinische Versorgung im Alter, stärker noch als in 
anderen Lebensphasen, mit der Höhe des Einkommens und Vermögens variiert. Der Hinweis auf 
die im Zuge der Gesundheitsreform notwendig gewordenen Zuzahlungen für Zahnersatz, Sehhil-
fen oder chronische Erkrankungen betreffen aber nur die eine Seite der »Gesundheitsmedaille«, 
die sich hier als »Gesundheitsfalle« erweist. Der Wegfall von Leistungen aus der gesetzlichen 
Kranken- und Pflegeversicherung geht nämlich einher mit dem Wegfall der familiären Subsidia-
rität. Veränderungen in den Familienstrukturen, die familiäre Hilfeleistungen zwischen den G e-
nerationen zunehmend verunmöglichen, bezeichnen ein weiteres Problemfeld. Iso lation, Rück-
zug und psychosoziales Leiden sind die beobachtbaren und auch in der Zukunft erwartbaren 
Folgen. Dies befördert seinerseits die Zunahme von Krankheiten. Mangelnde Informationen über 
bürokratische Verfahren und Abläufe  verhindern bei alldem einen effizienten Umgang mit die-
sen aus Ökonomisierung und in der Folge Individualisierung resultierenden Problemlagen. 
Zu den Verhinderungsfaktoren zählt auch eine durch fehlende finanzielle Mittel oder Kran k-
heit/Behinderung eingeschränkte Mobilität, die im Missverhältnis steht zu den zeitlichen Re s-
sourcen, über die Senioren und Senioren verfügen. Teilhabe am gesel lschaftlichen Leben einer

93 
 
Kommune wäre ihnen mithin zwar zeitlich durchaus möglich, erfordert aber Mobilitätsbereit-
schaft und auch Mobilitätsfähigkeit, um sich als aufgeklärte  und mündige Aktivbürger zu erwei-
sen. Leider wird dieser Aspekt des Alterns  häufig eher stiefmütterlich behandelt. Dabei stellen 
die Erfahrungen älterer Menschen für kommende Generationen ein e wertvolle Ressource dar, 
deren Wirksamkeit in Isolation und Individualisierung aber ungenutzt bleibt.  
Gesellschaftliche Teilhabe ihrerseits erfordert darüber hinaus ein gewisses Maß an Informiert-
heit, was seinerseits stark mit vorhandenen Kompetenzen  korrespondiert, die im biogra fischen 
Verlauf angeeignet wurden . Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Dominanz von Wissens-
ressourcen in der so genannten »Wissensgesellschaft«, gehen prekäre Lebenslagen nicht selten 
mit Informationsdefiziten – mit mangelnder Informationsaneignung, -aufbereitung u nd                 
-nutzung also, einher. Deutlich wurde dies etwa mit Blick auf das Wissen über Leistungen des 
Gesundheits- und/oder Rentensystems. 
Stellt man nun auf die zentrale U rsache für Altersarmut ab, auf die zunehmende Erosion de r 
Erwerbsbiografien, und addiert man diese r den Umstand hinzu, dass vor allem heutige Gerin g-
qualifizierte deutlichen Beschäftigungsproblemen ausgesetzt sind, so lässt sich mutmaßen, dass 
künftige Altersarmut sich vor allem im Bereich dieser Geringqualifizierten verdichten wird. Dies 
hat auf Münster übertragen zwei Entwicklungen zur Folge: zum einen ist, wie bereits mehrfac h 
erwähnt, eine sozialräumliche Verdichtung in bereits heute existierenden Problemvie rteln zu 
erwarten56; zum anderen deutet sich hier eine Sozialstruktur der künftig Altersarmen an, die in 
gewisser Weise ein Abbild des heutigen Prekariats im mittleren Lebensalter darstellt. Bei die-
sem allerdings bestehen bereits gegenwärtig große Probleme im Bereich von Informationsa-
neignung, -auswertung und -nutzung. Ändert sich hieran nichts, läuft dies perspektivisch auf 
eine Blockade gesellschaftliche r Teilhabe und damit auf Isolation , Krankheit und Verschärfung 
der Armut im Alter hinaus. Dies gilt für das gesamte Ensemble an Teilhabemöglichkeiten: für die 
politische Partizipation ebenso wie für Vereinstätigkeiten oder kulturelle Tätigkeiten etwa. Eine 
prekäre finanzielle Situation, gepaart mit Bildungsdefiziten , stellt eine denkbar schlechte Ra h-
menbedingung für all dies dar. Soziale Verarmung, Isolation und letztlich auch Krankheit wären 
also ohne entsprechende Maßnahmen geradezu programmiert. 
Was nun den demografischen Wandel anbelangt, so führt dieser dazu, dass vor allem die Alter s-
gruppe der über 60 Jährigen in Münster im Zeitraum bis 2020 deutlich anwachsen wird . Grob 
geschätzt werden dann etwa 10.000 Personen mehr als gegenwärtig in Münster leben. Dabei ist 
eine trennscharfe quantitative Bestimmung der damit zu erwartenden Altersarmutsquote inso-
fern schwierig, als dass keine differenzierten Daten für Münster vorliegen , die auf der Individ u-
alebene Indikatoren wie Einkommen, Vermögen, Bildung, Partizipation, Wohnviertel zugehörig-
keit und ähnliches erfassen. Forschungspragmatisch sind daher nur Ableitungen über Hilfsindi-
katoren möglich (etwa Arbeitslosenzahlen, Sozialleistungsbezug, Rentenhöhen aus der GRV). 
Allerdings kann festgestellt werden, dass vor dem Hintergrund der Entwicklung der Arbeitsl o-
sigkeit in Münster, die weitgehend der Gesamtentwicklung in Deutschland folgt, von einem »fes-
ten Armutssockel« jetzt und in der Zukunft auch in Münster ausgegangen werden muss. Die Tat-
sache, dass es sich bei den so genannten Münsteraner B eschäftigungswundern in der Mitte der 
1980er Jahre sowie noch einmal in den 2000er Jahren vor allem um solche beruflichen Einmü n-
dungen von Frauen in den Arbeitsmarkt handelte, die aus mehr oder weniger prekären Arbeits-
verhältnissen bestanden, lässt für die Zukunft des Alters und Alterns dieser Kohorte nichts Gutes 
erwarten. Möglicherweise ist dies eine der Erklärungen dafür, dass die durchschnittlic he Re n-
tenhöhe einer Münsteranerin mit ca. 500 € nur etwa die Hälfte jener Summe ausmacht, die ein 
männlicher Rentner erhält.  
                                                             
56 Entsprechend der sozialräumlichen Verbreitung von Armut, ihrer Segregations - und 
Distributionseffekte also, kann davon ausgegangen werden, dass Altersarmut in allen Stadtvierteln 
künftig zunehmen wird. Dabei wird deutlich, dass in einigen Vierteln, die auf der Präferenzliste älterer 
Bürgerinnen und Bürger weit oben rangieren und bereits heute besonders stark von ihnen besiedelt 
sind, Konzentrationsprozesse von Altersarmut erwartet werden müs sen. Dies betrifft auch Viertel, die 
gegenwärtig nicht übermäßig durch Armut gekennzeichnet sind.

94 
 
Welche präventiven Maßnahmen zur Verringerung von Altersarmut in Münster könnten ergri f-
fen werden? Wollte man einzig und allein an der ökonomischen Situation älterer Armer etwas zu 
ändern versuchen, so wäre man schlecht beraten. Hierüber wird im Kern auf unterschiedlichen 
überkommunalen Ebene n entschieden. Allerdings könnte auf kommunale r Ebene der zune h-
menden Ökonomisierung von Lebenswelten in einigen Feldern begegnet werden. Dies sind zual-
lererst jene Felder, die den Ausgeschlossenen bereits gegenwärtig Probleme bereiten – Proble-
me, die mit zunehmendem Alter noch zunehmen werden. Hierzu zählen vor allem die Chancen 
und Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe, di e sich ihrerseits in Feldern wie kulturelle 
und/oder politische Partizipation, Mobilität und Gesundheit oder sozialer Austausch und Info r-
mation zeigt.  
Wenn man sich anschaut, auf welche zentralen Problemfelder sich die hier benannten Problem-
lagen zurückführen lassen, so stößt man immer wieder auf vier Kernberei che: auf ein ökono-
misch prekäre Haushaltssituation vor dem Hintergrund lückenhafter E rwerbsbiografien, auf 
Isolation und fehlende soziale Kontakte , auf eingeschränkte Mob ilität sowie auf unzureichende 
Informationen. Diese Bereiche bedingen und/oder beeinflussen sich mehr oder weniger wec h-
selseitig. Die zentrale Frage lautet nun: Wie können, unter der Bedingung wechselseitiger Ve r-
schränkung von Problemen, Mehrebene neffekte erzielt werden, die ihrerseits gleichermaßen in 
alle diese Problembereiche hineinwirken? Am sinnvollsten wäre es also , eine gewisse »Breiten-
wirkung« durch Mehrebeneneffekte im Rahmen solcher zentraler Maßnahmen zu erzielen, die 
Effekte in allen Problemfeldern in Gang zu setzen in der Lage sind. Greift man zur Bewä ltigung 
dieser Fragestellung auf Bourdieu zurück, so ließe sich etwa folgendes formulieren: Ganz offen-
sichtlich mangelt es den Betroffenen in einigen zentralen Bereichen am notwendigen ökonomi-
schen, sozialen und kulturellen Kapital – womit wir wieder beim Ausgangspunkt, den theoret i-
schen Konzepten der Armutsforschung, angelangt wären. Da eine nachholende Anei gnung all 
dieser Kapitalformen in fortgeschrittenem Alter jedoch schwierig ist, wird man auf vorhandenen 
Bedürfnissen, Ressourcen und Kompetenzen aufbauen müssen: auf das Interesse an gesel l-
schaftlicher Teilhabe, an sozialem Austausch, kulturellem Konsum und möglicherweise auch an 
sozialem Engagement – was immer dies hinsichtlich der unterschiedlichen Herkunftsm ilieus 
und biografischen Erfahrungen der Betroffenen auch bedeutet.  
Einige Möglichkeiten vor diesem Hintergrund wurden bereits angedeutet. So könnten ökon o-
misch prekäre  Haushaltssituationen im Alter (1) durch die präventive Förderung arbeits-
marktspezifischer Problemgruppen zukünftig verhindert werden. Darüber hinaus könnten auch 
die Folgen ökonomisch prekärer Lebenslagen älterer Menschen durch kostenlose oder kosten-
reduzierte zielgruppenspezifische Angebote in den Bereichen Mobilität und sozio -kulturelle 
Teilhabe abgefedert werden. Dies hätte zugleich prote ktive Wirkung gegen Isolation , fehlende 
soziale Kontakte und Krankheit (2), denn: Angebote werden in der Regel kollektiv wahrgeno m-
men und in wechselseitigen Ver ständigungsprozessen erörtert. W enn man in diesem Ra hmen 
also nicht nur kulturellen Kon sum, sondern auch sozialen Austausch ermöglicht, so wäre dies 
auch ein Mittel gegen psychosoziales Leiden, Isolation und Vereinsamung. Eingeschränkter M o-
bilität wiederum (3) wäre durch die Ermöglichung einer kostenlosen (oder kostenreduzierten) 
Nutzung des ÖPNV zu begegnen und I nformationen über all dies (4) würden sich vermutlich 
»wie von selbst« verbreiten, wenn man kulturellen und persönlichen Austausch, kurz: gesel l-
schaftliche Teilhabe entlang der hier skizzierten Möglichkeiten erst einmal über einen angemes-
senen Zeitraum hinweg ermöglicht und in Gang gesetzt hat.  
Bereits dieses einfache Beispiel lässt erkennen: Auf diese oder eine vergleichbare Art und Weise 
würde ein Regelkreis in Gang gesetzt, der sich im Idealfall mit nur geringer Flankierung im Ideal-
fall selbst in Gang hält – vor allem dann, wenn seine Steuerung an den hierfür »richtigen Stellen« 
erfolgt. Welches diese »richtigen Stellen« allerdings sind und vor allem, wie das »Ingangsetzen«, 
die Implementierung also, sinnvoll auf den Weg gebracht werden kann, das wäre zwischen Poli-
tik und Verwaltung, den Einrichtungen der Beratung, Betreuung und Versorgung sowie ggf. un-
ter Beteiligung von Wissenschaft und Wirtschaft zu erarbeiten. Vor allem die Politik könnte da-
bei in der Konsequenz ihre Agenda-Setting-Funktion im lokalen Raum nutzen, ein gesellschaftli-
ches Bündnis zur Armutsbekämpfung forcieren  und entsprechende Präventionspraxen fes t-
schreiben. Mit dem Eintritt Münsters in die Rolle einer Options -Kommune haben sich  Möglich-
keiten und Handlungsfelder hierfür stark erweitert. Dabei ginge es, wie bereits weiter oben be-

95 
 
schrieben, nicht um das Etablieren einer zentralen politischen Steuerungsinstanz, sondern pri-
mär um Nutzung von Synergie effekten auf einer dezentralen, stärker informellen Ebene – etwa 
im Sinne der Bürgerinnenbüros auf Stadtviertel- bzw. Stadtquartierebene. Die idealtypische Ge-
samtstruktur eines solchen Bündnisses lässt sich wie folgt abbilden. 
 
Abbildung 31: Struktur eines Bündnisses zur Armutsbekämpfung 
 
 
 
 
Eine Struktur, wie sie hier in Umrissen skizziert ist,  kann letztlich aber nicht auf dem »wissen-
schaftlichen Reißbrett« geplant werden, sondern erfordert den Austausch zwischen allen Betei-
ligten, einschließlich der Betroff enen selber. Vor allem dann,  wenn sie langfristig wahrgeno m-
men, sich institutionell etablieren, verfestigen und erfolgreich funktionieren soll.

96 
 
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101 
 
Abbildungsverzeichnis 
 
 
Abbildung 1: Armutscluster im Jahr 2007 ............................................................................................................ 26 
Abbildung 2: Entwicklung der Anzahl gemeldeter Arbeitsloser in Münster von 2000                                     
bis 2010 ................................................................................................................................................... 27 
Abbildung 3: Arbeitslos gemeldete Personen mit Leistungsansprüchen nach SGBII und                               
SGB III 2006 bis 2010 ........................................................................................................................ 28 
Abbildung 4: Bezieher/innen von Grundsicherung im Alter oder auf Grund von 
Erwerbsminderung nach SGB XII nach Alter und Geschlecht im Jahr 2011 .............. 28 
Abbildung 5: Entwicklung des durchschnittlichen Rentenzahlbetrages (in Euro) aus der 
Gesetzlichen Rentenversicherung in Münster nach Geschlecht (2003-2010) .......... 29 
Abbildung 6: Gemeldete Arbeitslose nach Stadtbezirken im Jahr 2010 .................................................. 30 
Abbildung 7: Sozialräumliche Segregation von Arbeitslosigkeit nach Stadtbezirken                                         
im Jahr 2010 .......................................................................................................................................... 30 
Abbildung 8: Anteil der männlichen und weiblichen arbeitslos gemeldeten Personen nach 
Stadtbezirken im Jahr 2010 ............................................................................................................ 31 
Abbildung 9: Mindestens 55-jährige Arbeitslose und von Grundsicherung im Alter                 
Beziehenden Personen nach Stadtbezirken im Jahr 2010 ................................................. 31 
Abbildung 10: Bezieher und Bezieherinnen von Grundsicherung im Alter und bei 
Erwerbsminderung nach Altersklassen und Geschlecht im Jahr 2011 ..................... 32 
Abbildung 11: Gemeldete Arbeitslose nach Stadtvierteln im Jahr 2010 ................................................. 33 
Abbildung 12: Sozialräumliche Segregation gemeldeter Arbeitslosigkeit nach Stadtvierteln                   
im Jahr 2010 ....................................................................................................................................... 34 
Abbildung 13: Integrierte Betrachtung sozialräumlicher Segregation gemeldeter     
Arbeitslosigkeit nach Stadtvierteln .......................................................................................... 35 
Abbildung 14: Durchschnittlich versteuerte Einkommen nach Stadtvierteln (2010) ....................... 36 
Abbildung 15: Ranking der mindestens 55-jährigen Arbeitslosen und Bezieher/innen von 
Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung nach Stadtvierteln ............ 37 
Abbildung 16: Bezieher/innen von Grundsicherung nach SGB XII nach Stadtvierteln, 
Altersklassen und Geschlecht ...................................................................................................... 38 
Abbildung 17: Bevölkerung nach Altersgruppen und Geschlecht auf der Ebene der                                   
Stadt (2010) ........................................................................................................................................ 64 
Abbildung 18: Bevölkerung nach Altersgruppen und Geschlecht auf der Ebene der                                     
Stadt (2010) ........................................................................................................................................ 64 
Abbildung 19: Altersstruktur und Geschlecht auf der Ebene der Stadt (2010) .................................... 65 
Abbildung 20: Verteilung der Altersgruppen auf die Stadtbezirke (2010) ............................................ 66 
Abbildung 21: Verteilung der einzelnen Altersgruppen in den Stadtbezirken (2010)...................... 67 
Abbildung 22: Bevölkerung nach Geschlecht und Stadtbezirken (2010) ............................................... 67 
Abbildung 23: Frauenquote nach Altersgruppen und Stadtbezirken (2010) ........................................ 68 
Abbildung 24: Bevölkerung nach Altersgruppen und Stadtvierteln (2010) .......................................... 69 
Abbildung 25: Abweichung der Anteile der Alterskohorten in Stadtvierteln, von denen auf                           
der Ebene der Stadt Münster (2010) ....................................................................................... 70 
Abbildung 26: Frauenanteile nach Altersgruppen in Stadtvierteln (2010) ........................................... 71

102 
 
Abbildung 27: Bevölkerungsentwicklung der Stadt Münster (2010 bis 2020) .................................... 73 
Abbildung 28: Bevölkerungsentwicklung in den Stadtbezirken nach Alter und                                 
Geschlecht (2010-2020) ................................................................................................................ 74 
Abbildung 29: Bevölkerungsdifferenz nach Stadtvierteln und Altersklassen                                          
(zwischen 2010 und 2020) .......................................................................................................... 75 
Abbildung 30: Bevölkerungsstand nach Anteilen der Altersgruppen in den                                                      
Stadtteilen (2020) ............................................................................................................................ 76 
Abbildung 31: Struktur eines Bündnisses zur Armutsbekämpfung .......................................................... 95

103 
 
 
Anhang

104 
 
1. Interview-Leitfaden für Experteninterviews 
 
_____________________________________________________________________________________________________________ 
 
 
EINFÜHRENDE ERKLÄRUNG 
 
 
Das folgend e Interview find et im Rahmen d er Erstellung einer Expertise zum Thema 
„Demografischer Wand el und Altersarmut in Münster“ im Auftrag d er Stadt zur Evaluation d er 
sozial en Lage von Seniorinnen und Senioren in Münster und d er Entwicklung von präventiven 
Maßnahmen gegen Armut im Alter statt. All e Angaben werd en anonymisiert behand elt, um die 
Persönlichkeit srechte d er Befragten zu wahren. Wir interessieren uns d abei für ihre persönliche 
Sichtweise d er Dinge, d as heißt, es gibt kein richtiges od er fal sches Antwortverhalten, sond ern sie 
können vollkommen frei red en und sagen was sie woll en. 
 
_______________________________________________________________________________________________________________ 
 
 
1 | FORMALIA 
 
Datum:     Ort/Einrichtung: 
____________________________________________________________________________________________________ 
 
Interviewer:    Interviewter: 
____________________________________________________________________________________________________ 
 
Interviewstart:                                        Interviewende: 
____________________________________________________________________________________________________ 
 
 
 
_______________________________________________________________________________________________________________ 
 
 
2 | EINSTIEGSFRAGEN (relativ eng und standardisiert): 
 
 
Bitte erzählen Sie von Ihrer Arbeit mit älteren Münsteraner Bürger. Wir werden ihnen im 
Folgenden zunächst einige Fragen zur ihrer Einrichtung stellen. Es wäre nett wenn sie 
jeweils relativ kurz folgende Fragen beantworten könnten. 
 
 Seit wann existiert die Einrichtung?  
 Wie viele Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen hat ihre Einrichtung?  
 Wo liegt der Hauptfokus der Arbeit ihrer Einrichtung?  
 Welche Personengruppen nutzen die Angebot ihre Einrichtung? 
 Wie hoch ist der Anteil von Seniorinnen und Senioren?  
 Wie ist die geschlechtliche Verteilung? 
 Wie steht es um di e soziale Herkunft der Menschen, mit denen Sie arbeiten, in welchen 
familialen Verhältnissen leben sie?  
 Wo wohnt ihre Klientel in Münster vornehmlich (Stadtvierteln)?  
 Wie oft kommen die Betroffenen zu ihnen (im Jahr, Monat, Woche usw.)? 
 Wie lange (in Minuten Wochen, Monaten, Jahren) wird betreut und/oder beraten?  
 Wie erfahren die Betroffenen von ihrer Einrichtung?

105 
 
_______________________________________________________________________________________________________________ 
 
 
3 | INHALTLICHE FRAGEN (Hinweis: Wechsel der Technik, ab jetzt können sie gern auch au s-
führlicher antworten) 
 
 
1. Ist Ihr Klientel typischerweise von Altersarmut betroffen? 
 
Falls ja: Worin zeigt sich das? Mögliche Nachfrage: a) Ist ihre Klienten finanziell b enachteiligt b) 
Nehmen ihre Klientinnen und Klienten am gesellschaftlichen Leben Teil (Kultur, Politik)?  Ist ihre 
Klientel in ihrer Mobilität stark eingeschränkt?  
 
 
2. Was ist die Ursache bzw. Auslöser für Armut bei Ihren Klientinnen und Kl ienten bzw. 
Ratsuchenden? 
 
Mögliche Nachfragen: Individuelle-persönliche oder gesellschaftliche Ursachen? Wurde ihre Klien-
tel von gesellschaftlichen Entwicklungen heimgesucht oder haben sie ihre Lage mitunter weitge-
hend selbst produziert? 
 
 
3. Ist/war  Ihr „Klientel“ typischerweise von Arbeitsl osigkeit oder prekären Beschäft i-
gungsverhältnissen betroffen? 
 
Falls ja:  Wie viele von ihnen? Wie lange waren sie arbeitslos? Aus welchen Grund? 
 
 
4. Welches sind die Ziele Ihrer Tätigkeit und wo greifen die Maßnahmen Ihrer Meinung 
nach am besten, wo überhaupt nicht?  
 
 
5. Gehen die von Armut Betroffenen unterschiedlich mit ihrer Situation um? 
 
Mögliche Nachfragen: Suchen sie Hilfe, etwa bei ihrer Familie, Ärztinnen und Ärzten, Behörden, 
Sozialverbänden? Ziehen sie sich mitunter zurück und vereinsamen? 
 
_______________________________________________________________________________________________________________ 
 
 
4 | PROGNOSTISCHE EINSCHÄTZUNG:  
 
 
6. Wie würden Sie aus gegenwärtiger Perspektive die Zukunft ihrer Klientel einschätzen 
über die wir gerade reden? 
 
Mögliche Nachfragen: Quantitativ? Qualitativ? 
 
 
7. Wie verbreitet ist Altersarmut in Münster derzeit? Wie verbreitet wird A ltersarmut in 
10-15 Jahren sein? 
 
Mögliche Nachfrage:  Datenlage? Besonders betroffene Stadtviertel? Besonders betroffene Pers o-
nengruppen?

106 
 
8. Sehen sie Probleme, die sich mit dem demografischen Wandel für die von Armut B e-
troffenen in Münster verstärken bzw. verringern werden? 
 
 
9. Was müsste ihrer Meinung nach getan werden um Altersarmut in Münster möglichst 
umfassend verhindern zu können? 
 
 
10. Wo sehen Sie noch brachliegendes Potential ihrer Arbeit?  
 
Mögliche Nachfrage: Wo gäbe es Unterstützungs - /Förderungsbedarf von Seiten der Stadt oder 
anderer Träger? 
 
 
_____________________________________________________________________________________________________________________ 
 
 
5 | ABSCHLIEßEND: 
 
 
Wir sind zur Verdeutlichung sozialer Probleme auch auf Gespräche 
mit Betroffenen angewiesen, die selbstverständlich ebenfalls vertraulich und anonymisiert b e-
handelt werden. Wären Sie ber eit, einige Ihrer Klientinnen und Klienten darauf hin anzuspr e-
chen und einen unserer Infoflyer weiterzureichen? 
 
 
□ Ja      □Nein  
 
Wir danken Ihnen für dieses Gespräch!  
 
_______________________________________________________________________________________________________________

107 
 
2. Interviewleitfaden Betroffeneninterviews 
_______________________________________________________________________________________________ 
 
1 | FORMALIA 
 
Datum:     Ort: 
______________________________________________________________________________________________ 
 
Interviewer:    Interviewter: 
______________________________________________________________________________________________ 
 
Interviewstart:                                        Interviewende: 
______________________________________________________________________________________________ 
 
 
_______________________________________________________________________________________________________________ 
 
2 / EINFÜHRUNGSTEXT 
 
Es geht  uns ja um die soziale Situation ält erer Menschen in Münster, einerseits werten wir ja 
Daten aus und befragen zum anderen Institutionen, die mit Senioren in Münster arbeiten. Heute 
liegt mein Interesse dagegen ganz bei Ihnen, vielleicht erzählen Sie mir einfach ein wenig aus 
Ihrem Leben. Nehmen Sie sich dabei ruhig so viel Zeit, wie sie benötigen, ich werde sie auch erst 
mal nicht unterbrechen, sondern mir eher Notizen machen und dann später eventuell nochmal 
Nachfragen stellen. Sie können gerne ganz von Anfang anfangen und dann Ereignisse od er Stati-
onen mit einbeziehen, die Sie für Ihre gegenwärtige Lebenssituation für relevant halten. 
 
_______________________________________________________________________________________________________________ 
 
3 / ERZÄHLSTIMULI 
 
Falls keine Narrationen erfolgen, das heißt, die Erzählung gestoppt wird. 
 
 Arbeit und Ruhestand 
 Partnerschaft, Familie und Generationenbeziehungen 
 Soziale Netzwerke und soziale Unterstützung 
 Freizeittätigkeiten und bürgerschaftliches Engagement 
 Wohnen und Mobilität 
 Wirtschaftliche Lage und wirtschaftliches Verhalten 
 Subjektives Wohlbefinden 
 Gesundheit und Gesundheitsverhalten 
 Hilfe und Pflegebedürftigkeit 
 
_____________________________________________________________________________________________________ 
 
4 / SOZIODEMOGRAFISCHE DATEN 
 
Alter, ehemaliger Beruf, Migrationshintergrund/Nationalität 
 
_____________________________________________________________________________________________________

108 
 
3. Kategorienschema zur Auswertung der Interviews auf Basis der theoretischen 
Vorarbeiten 
______________________________________________________________________________________ 
 
1/ ART DER EINRICHTUNG 
_____________________________________________________________________________________________________ 
 
2/ ARMUT 
 Altersarmut in Münster allg. 
 Erscheinungsformen von Altersarmut 
 Betroffenengruppen 
 Ursachen für die Armut   
 Arbeitsmarktbezogene Ursachen  
 Individuelle Ursachen 
 Gesundheitliche Ursachen 
 Bildungsbedingte Ursachen 
 Familienbedingte Ursachen 
 Rechtlich formale Ursachen 
 Sonstige Ursachen 
 Geographische Verortung 
 Wohnraumsituation  
_____________________________________________________________________________________________________ 
 
3/ GENDERASPEKTE 
_____________________________________________________________________________________________________ 
 
4/DEMOGRAPHIE 
 Perspektive für Münsters Bevölkerungsstruktur 
 Probleme durch demografischen Wandel 
__________________________________________________________________________________________________ 
 
5/ BEWÄLTIGUNGSSTRATEGIEN DER BETROFFENEN 
_____________________________________________________________________________________________________ 
 
6/ MÖGLICHE LÖSUNGEN 
 effektive bestehende Maßnahmen 
zukünftige Maßnahmen / brachliegendes Potential  
_____________________________________________________________________________________________________

Beschlussvorlage

12287 Zeichen

V/0941/2011 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Sozialamt 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Altersarmut in Münster im Licht des demografischen Wandels 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
15.02.2012 Integrationsrat Anhörung 
27.02.2012 Kommunale Seniorenvertretung Vorberatung 
28.02.2012 Ausschuss für Gleichstellung Vorberatung 
29.02.2012 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Entscheidung 
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
 
1. Die Verwaltung wird beauftragt, die unter Ziffer 4.2 der Expertise (Anlage) vorgestellten Han d-
lungsansätze nach Maßgabe der unter Ziffer 3 der Begründung skizzierten Eckpunkte auch 
unter Berücksichtigung geschlechts- und migrationsspezifischer Gesichtspunkte zu konkret i-
sieren und auf ihre Umsetzungsmöglichkeiten hin zu prüfen. Dabei sind individuelle Hilfen und 
Strukturen vor allem zur Verbesserung bzw. Förderung  
- gesellschaftlicher Teilhabe, 
- von Mobilität, 
- Gesundheit, 
- Wohnen und  
- Arbeit 
in den Blick zu nehmen. 
 
2. Auf der Grundlage der Prüfergebnisse entwickelt die Verwaltung Handlungsempfehlungen im 
Rahmen einer gesonderten Vorlage, die dem Rat vor den Sommerferien 2012 zur Entsche i-
dung vorgelegt wird.  
 
 
II. Finanzielle Auswirkungen: 
 
Mit der Beschlussfassung zu dieser Vorlage sind Kosten oder Folgekosten nicht verbunden. 
 
 
 
Vorlagen-Nr.: 
  
V/0941/2011 
Auskunft erteilt: 
Herr Treutler 
Ruf: 
492 50 26 
E-Mail: 
Treutler@stadt-muenster.de  
Datum: 
22.12.2011 
Öffentliche Beschlussvorlage

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V/0941/2011 
Begründung: 
 
1. Antrags- und Beschlusslage, Anmerkungen zur Vorbereitung der Expertise 
 
Mit ihrem Antrag an den Rat Nr. A -R/0033/2008 vom 01.06.2008 (Anlage zur Vorlage 
V/0565/2008 - Anlage 2) regt die SPD-Fraktion an, im Rahmen eines Armutsberichts mit dem 
Schwerpunkt Altersarmut Steuerungsinstrumente zu erschließen und Handlungsempfehlu n-
gen zu entwickeln, Altersarmut entgegenzuwirken.  Neben der Darstellung der gege nwärtigen 
Situation sollen insbesondere Zukunftstrends der Entwicklung von Altersarmut in mittel - bis 
längerfristiger Perspektive herausgearbeitet werden, um rechtzeitig tragfähige Ansätze und 
Maßnahmen zu schaffen. 
 
Der Hauptausschuss hat daraufhin am 27.08.2008 beschlossen (Vorlage V/0565/2008 - Anla-
ge 2), das inhaltliche Grundanliegen des Antrags, soweit es sich auf die Entwicklung komm u-
naler Instrumente und Ansätze gegen Altersarmut richtet, aufzugreifen und als thematisch en 
Vertiefungsbereich im Kontext des Handlungskonzepts ‚demografischer Wandel’ aufzubere i-
ten. Des Weiteren hat der Hauptausschuss die Verwaltung beauftragt, im 2. Halbjahr 2009 ein 
Exposé vorzulegen, das die Ausgangslage auf der Grundlage eines Datenüberbl icks aufberei-
tet und einen konkretisierten Verfahrensvorschlag zum weiteren Vorgehen einschließlich mög-
licher Kooperationsformen mit wissenschaftlichen Institutionen unterbreitet. 
 
Die Empfehlung, die weiteren Schritte zunächst auf der Grundlage eines Expo sés zu planen 
bzw. zu beschließen, begründet die Vorlage V/0565/2008 auch mit Hinweis auf den Erfa h-
rungszusammenhang des Kinderarmutsberichts (2002) mit den Anforderungen an einen B e-
richt zum Thema Armut im Alter, die für eine an empirischen Befunden orien tierte Darstellung 
einige konzeptionelle Vorüberlegungen voraussetzen. Wie der Ratsantrag knüpft die Vorlage 
an einen lebenslagenbezogenen Armutsbegriff an, der über materielle bzw. über leistung s-
rechtlich definierte Armut hinausweist. Diese Festlegung bedeutet in methodischer Beziehung, 
dass armutsrelevante Sachverhalte nur zum Teil mittels verfügbarer Prozessdaten (Leistungs-
daten) abzubilden sind, im Übrigen jedoch eigens erhoben werden müssen. Die Aufgabenstel-
lung beschränkt sich zudem nicht auf Darstell ungen der Gegenwart, sondern umfasst zusät z-
lich eine Prognoseperspektive. Bei ihr ist zu bedenken, dass keine quantitativen Prognosem o-
delle für Altersarmut verfügbar sind, die zuverlässige Vorhersagen auf lokaler Ebene ermögl i-
chen.  
 
Die verwaltungsseitigen Recherchen führten alsbald zu der Feststellung, dass das verfügbare, 
auch nach Geschlecht und kleinräumig abbildungsfähige Datenmaterial schmal und für Au s-
wertungen jenseits einfacher Beschreibung kaum geeignet ist. Auch Daten Dritter, z. B. solche 
der D eutschen Rentenversicherung, erwiesen sich als für diese Aufgabenstellung nicht ve r-
wendbar. Die Recherche nach vorhandenen Berichten zum Thema ergab folgendes Bild:  
 
 Der offensichtlich größere Teil verfügbarer Darstellungen über Altersarmut ist weniger e m-
piriebasiert als normativ; das gilt insbesondere für im Auftrag von Verbänden angefertigte 
Beiträge. 
 Mit „Altersarmut“ betitelte lokale Beiträge beschränken sich auf Ist -Darstellungen zur 
Grundsicherung im Alter und auf nachgezeichnete Entwicklungen in der Vergangenheit1. 
 Soweit ersichtlich, sind Prognosemodelle, die Entwicklungen von Altersarmut überdies lokal 
abbilden können, von sehr einfachen Modellen abgesehen, nicht verfügbar.  
 
Angesichts der seit dem Hauptausschussbeschluss bereits vergangenen Zeit konzentrierte 
sich die weitere Vorbereitung ab Jahresmitte 2010 auf die Suche nach einer geeigneten wi s-
                                                
1  Eine der wenigen Ausnahmen ist der im Oktober 2011 erschienene Bericht des Berliner  Senats zur 
sozialen Lage älterer Menschen in Berlin (Senatsverwaltung für Umwelt und Verbrauche rschutz 
2011: Sozialstatistisches Berichtswesen Berlin, Spezialbericht 2011 -1: Zur s ozialen Lage älterer 
Menschen in Berlin - Armutsrisiken und Sozialleistungsbezug, Berlin).

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senschaftlichen Stelle, die das Thema im Rahmen einer explorativen Arbeit aufbereiten kann, 
ohne zusätzlich ein Exposé mit Basisinformationen und Verfahr enshinweisen vorzuschalten. 
Vorläufiges Ergebnis der im Sommer 2010 mit dem Institut für Soziologie der Westfälischen 
Wilhelms-Universität aufgenommenen Gespräche war eine erste, am 24.09.2010 vorgelegte 
Konzeptskizze für eine Expertise. Nach Klärung der w eiteren Einzelheiten zu Untersuchungs-
design, Projektlaufzeit und Kosten hat die Verwaltung den Ausschuss für Soziales, Gesun d-
heit und Arbeitsförderung am 11.05.2011 über die Auftragserteilung unterrichtet. 
 
 
2. Expertise Altersarmut in Münster im Licht des demografischen Wandels: Inhaltsskizze 
 
 Auftragsgemäß erörtert die Expertise Dimensionen, Quantitäten sowie Ursachenzusamme n-
hänge von Armut im Alter und entwickelt kommunale Handlungsansätze, Altersarmut entg e-
genzuwirken. Ausgehend von dem unter Ziffer 2.1 s kizzierten theoretischen Bezugsrahmen  
geht die Arbeit folgenden Leitfragen nach 
a) Wie stellt sich Altersarmut gegenwärtig dar, welche Ursachen sind relevant? 
b) Welche Entwicklungstendenzen sind bis 2020 zu erwarten? 
c) Welche Präventions- und Interventionsmöglichkeiten gegen Altersarmut kommen für e ine 
vertiefte Prüfung auf kommunaler Ebene in Betracht? 
 
Nach einem Überblick zum Forschungsstand bezogen auf Altersarmut in Deutschland (Ziffer 
2.2) nimmt Ziffer 2.3 quantitative Gesichtspunkte von Altersarmut in Münst er in den Blick. Da-
raufhin werden unter Ziffer 2.4 qualitative Aspekte von Altersarmut auf der Grundlage leitf a-
dengestützter Interviews mit Experten/innen sowie sie ergänzender Interviews mit Betroffen 
dargestellt. Ziffer 3 befasst sich zunächst mit den Merkmalen und Folgen des demografischen 
Wandels (3.1), um daraufhin anhand kleinräumiger Häufigkeitsverteilungen nach Alter und 
Geschlecht die gegenwärtige demografische Struktur in Münster abzubilden (Ende 2010, 3.2). 
Daran anschließend skizziert Ziffer 3.3 die Bevölkerungsstruktur Münsters 10 Jahre später, die 
ebenfalls anhand der Merkmale Alter, Geschlecht und Wohngebiet vorgestellt wird. Es folgt 
eine kursorische Erörterung des Zusammenhangs zwischen demogra fischem Wandel und 
Armut, die zur Darstellung von Armutsszenarien in der Zukunft (2020) überleitet  (Ziffer 3.4). 
Ziffer 4 behandelt, im Anschluss an eine Überblicksskizze bestehender Unterstützungsang e-
bote, denkbare Handlungs ansätze zur Abfederung drohender Altersarmut insbesondere auf 
kommunaler Ebene in Münster. Das Schlusskapitel verdichtet zunächst einige zentrale Befu n-
de des Hauptteils, um mit Empfehlungen zu schließen, die den Rahmen für Präventions - und 
Interventionsmaßnahmen gegen Altersarmut abstecken. 
 
 
3. Handlungsansätze, Empfehlungen 
 
Gemeinsamer Bezugspunkt der in der Expertise gegebenen Empfehlungen ist die Stärkung 
der Eigenressourcen der Menschen, die von Altersarmut betroffen bzw. bedroht sind, zur Ve r-
besserung ihrer Lebenssituation und damit zur Förderung ihrer gesellschaftlichen Teilhabe.  
Anknüpfend an die bzw. neben den dargestellten strukturbezogenen Überlegungen und Vo r-
schlägen individueller Unterstützung bieten sich aus Verwaltungssicht insbesondere folgende 
Ansätze für eine Konkretisierung und vertiefende Prüfung an, die für den Fall ihrer Realisie-
rung mit Blick auf Geschlechterdifferenzierung auf der einen und Migrationsvorg eschichte auf 
der anderen Seite nach Maßgabe ‚horizontaler’ (gleiche Angebote bei gleichen Bedürfnissen) 
und ‚vertikaler’ (spezifische Angebote bei spezifischen Be dürfnissen) Chancengleichheit au s-
zugestalten wären:  
 
a) Einführung eines Fallmanagements (auf freiwilliger Grundlage) im Sozialamt für Leistung s-
berechtigte nach dem 4. Kapitel SGB XII, 
b) Erweiterung der Vergünstigungsangebote des Münster -Passes um das 60PlusAb o zum 
vergünstigten Preis,

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c) Schaffung einer effektiven Information älterer Menschen über Grenzen und Befreiungsmög-
lichkeiten bei Zuzahlungen im Rahmen der Gesetzlichen Krankenversicherung (in Zusa m-
menarbeit mit den Heilberufekammern, Anbietern sozialer Dien stleistungen sowie ehre n-
amtlichen und Selbsthilfeinitiativen), 
d) Initiieren wohnortnaher Angebote der Gesundheitsförderung und der Gesundheitsprävent i-
on für Seniorinnen und Senioren in Kooperation mit dem Arbeitskreis „Gesund älter werden 
in Münster“ der Gesundheitskonferenz, außerdem Angebote aufsuchender Gesundheitshil-
fen, 
e) Bestandsaufnahme der Begegnungsstätten und Treffs für Senioren/innen (Verteilung, A n-
gebote/Aktivitäten, Erreichbarkeit/Öffnungszeiten, teilnehmende Personengruppen) und 
Entwicklungsbedarfe, 
f) Konkretisierung der Thematik „Altersarmut“ in den bestehenden Quartiersnetzwerken (z. B. 
in den Stadtteilarbeitskreisen „Älter werden in …“),  
g) Intensivierung der Beschäftigungsförderung älterer Arbeitsuchender durch das Jobcenter 
Münster im Rahmen der „ Perspektive 50plus“, insbesondere auch durch Vermittlung in s o-
zialversicherungspflichtige Erwerbstätigkeit, 
h) Aufbau eines lokalen Bündnisses zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung älterer Menschen. 
 
Für eine Umsetzung etwaiger Vorschläge werden seitens der Politik in Abstimmung mit der 
Verwaltung deckungsgleiche Konsolidierungsvorschläge unterbreitet, damit das Ziel eines 
ausgeglichenen Haushalts in 2020 nicht (zusätzlich) gefährdet wird. 
 
4. Weiteres Verfahren 
 
Die Verwaltung empfiehlt, die in der Expertise sowie  die unter Ziffer 3 vorgestellten Han d-
lungsansätze auf ihre Umsetzungsmöglichkeiten zu prüfen. In dem Zusammenhang werden 
auch die hierfür ggf. erforderlichen Ressourcenbedarfe ermittelt. Ergänzend und vertiefend 
sollen auch bestehende Angebote im Hinblick  auf ihre Erreichbarkeit und Unterstützung ger a-
de mit Blick auf von Altersarmut Betroffene sowie jene Empfehlungen und -ansätze integriert 
und weiterentwickelt werden, wie sie beispielsweise in den Handlungsempfehlungen der G e-
sundheitskonferenz („Gesund älter werden“) oder der Pflegekonferenz (zur kultursensiblen A l-
tenpflege) vorliegen oder derzeit in diesem Themenfeld erarbeitet werden. B esondere und 
ebenfalls vertiefende Aufmerksamkeit soll der Integration in Arbeit und B eschäftigung gelten. 
Konkretisierte Handlungsempfehlungen wird die Verwaltung dem Rat vor den Sommerferien 
2012 zur Entscheidung vorlegen. 
 
 
In Vertretung 
 
 
 
Thomas Paal 
Stadtrat 
 
Anlagen: Westf. Wilhelms -Universität, Institut für Soziologie: Altersarmut in Münster 
im Licht des demografischen Wandels. Eine Expertise zur Entwicklung von 
Handlungsoptionen, Münster 2011 
 
 Vorlage V/0941/2011 mit Antrag der SPD -Fraktion an den Rat A -
R/0033/2008

Beratungsverlauf (4)

15.02.2012 Integrationsrat
TOP 2.3 Anhörung Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung
27.02.2012 Kommunale Seniorenvertretung
TOP 1 Vorberatung Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung
28.02.2012 Ausschuss für Gleichstellung
TOP 5 Vorberatung Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung
29.02.2012 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung
TOP 7 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: einstimmig geändert beschlossen

Zur Sitzung

Orte (7)

  • Münzstraße 15
  • Hansaplatz 214
  • Am Burloh
  • Kinderhaus
  • Pluggendorf 75
  • Neutor 83
  • Düesberg 170

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Details

Vorlagen-Nr.
V/0941/2011
Typ
Vorlagen
Datum
22.12.2011
Erstellt
06.10.2020 14:37