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V/0365/2012

Aufhebung des Straßennamens Humborgweg

Vorlagen 07.05.2012

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Mitte, Sitzung am 22.05.2012, TOP 4.4.2

Beschlussvorlage

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Ansehen

Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse

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Anlage-3-Übersichtsplan

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Anlage-2-Anregung-110-2011

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Ansehen

Beschlussvorlage

16244 Zeichen

V/0365/2012 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Vermessungs- und Katasteramt 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Aufhebung des Straßennamens Humborgweg 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
22.05.2012 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung 
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
 
1. Der Straßenname Humborgweg wird aufgehoben. 
2. Der bisherige Humborgweg erhält keinen neuen Straßennam en. Es wird zur Kenntnis g e-
nommen, dass die beiden bisherigen Hausnummern am Humborgweg dem Spiekerhof 
und der Bergstraße zugeordnet werden. 
3. Die Anregung nach § 24 G emeindeordnung Nr. 110/2011 von der Vereinigung Niede r-
deutsches Münster ist damit erledigt. 
 
II. Finanzielle Auswirkungen: 
 
Es entstehen Kosten für neue Straßennamenschilder. Die Finanzierung ist aus laufenden Mi t-
teln des Tiefbauamtes aus dem Budget „1201-Straßenerhaltung“ sichergestellt.  
 
 
 
Begründung: 
 
Diese Beschlussvorlage zum Humborgweg steht im Zusammenhang mit de n stadtweiten Dis-
kussionen über NS-belastete Straßennamen.  
Ein Ausgangspunkt der Disku ssionen war im Mai 2007 der Antrag der SPD-Fraktion der BV-
West auf Umbenennung des Carl -Diem-Weges. Ebenfalls im Mai 2007 hat die SPD -Fraktion 
in der BV-Mitte um Prüfung der Vorwürfe gegen den Namensgeber des Jöttenweges gebeten 
sowie einen Bericht über die Straßennamen angefordert, deren Namensgeber in die Unrechts-
 
Vorlagen-Nr.: 
  
V/0365/2012 
Auskunft erteilt: 
Herr Zimmermann 
Ruf: 
492 62 42 
E-Mail: 
ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de  
Datum: 
11.05.2012 
Öffentliche Beschlussvorlage

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V/0365/2012 
taten bzw. Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese  Prüfung führte 
zu einem Auftrag an den Historiker Dr. Schmidt, der die Namensgeber der Straßen im Stad t-
bezirk Mitte auf deren Verstrickung in die Unrechtst aten des NS-Regimes überprüfen sollte. In 
seinem Gutachten benannte Dr. Schmidt 29 Personen, die er in 4 Kategorien eingeteilt hatte: 
Kategorie 1: keine Nähe zum NS-Regime 
Kategorie 2: Haltung zum NS-Regime nicht eindeutig 
Kategorie 3: Aktive Stützen des NS-Regimes 
Kategorie 4: Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Unrechtstaten 
Während in der Kategorie 4 keine  Namensgeber auf Münsters Straßenschildern vorha nden 
sind, sind es  in der Kategorie 3 nach dem Gutachten Schmidt 7 Personen (Franz Ludwig, 
Ludwig Humborg, Karl Wilh. Jötten, Hans Pfitzner, Alfred Stühmer, Karl Wagenfeld und Agnes 
Miegel), davon liegt jedoch die Agnes-Miegel-Straße im Stadtbezirk Ost. Ein weiterer Prüfau f-
trag des Oberbürgermeisters an das Stadtarchiv zu den Straßennamen im übrigen Stadtgebiet 
ergab drei weitere  Namensgeber in der Kategorie 3 aus dem Stadtbezirk Münster -Ost. Dar-
über hinaus hatte der Ratsantrag der SPD -Fraktion vom Januar 2008 zur Umbenennung des 
Hindenburgplatzes die Debatte um Straßennamen sehr stark in die Öffentlichkeit getragen. 
Nach der Kommunalwahl 2009 hat der erweiterte Ältestenrat des Rates beschlossen, eine 
Kommission unter der Leitung des Oberbürgermeisters einzusetzen, der alle im Rat vertret e-
nen Parteien und die Historiker Prof. Dr. Thamer und Prof. Dr. Kenkmann angehören sollten.  
Diese Kommission sollte über die zehn Personen der Kategorie 3 (dazu Diem und Hinde n-
burg) also über zwölf Namensgeber beraten. Im Vordergrund des Prüfa uftrags stand nicht die 
Bewertung der gesamten Lebensleistung dieser Personen, sondern ob und inwieweit die N a-
mensgeber das NS-Regime gestützt haben. Außer der Beratung über historische Fakten sollte 
die Kommission den entscheidungsbefugten G remien (Rat und Bezirksvertretungen) ihre 
Empfehlung mitteilen, ob die Ehrung durch den Straßennamen nach wie vor angemessen sei 
und eine Umbenennung stattfinden solle oder nicht. 
Nach Abschluss der Komm issionsarbeit hat der  erweiterte Ältestenrat die Ergebnisse und 
Empfehlungen der Kommission am 07.07.2011 entgegengenommen und die Verwaltung be-
auftragt, diese Ergebnisse in einer breit angelegten Informations- und Kommunikationsphase 
zu veröffentlichen. Z usätzlich sollte die Verwaltung eine repräsentative Bürgerumfrage zur 
Frage der „Ehrung“, die mit der Benennung einer Straße nach einem Namensgeber verbu n-
den ist, durchführen. Die se Bürgerumfrage sollte eine zusätzliche Informationsquelle für die 
Diskussion in den Gremien bilden, diese aber nicht binden. 
Die Informations- und Kommunikationsphase hatte zum Ziel, über die Ergebnisse der Ko m-
mission zu informieren. Insbesondere sollte die auf neuen Erkenntnissen der historischen Fo r-
schung basierende Einschätzung der Kommission zu den Namensgebern vermittelt werden, 
da diese Erkenntnisse vermutlich in weiten Teilen der Bürgerschaft nicht bekannt sind.  
Im Vordergrund der Information sollte daher nicht die gesamte Lebensleistung der Namen s-
geber stehen, sondern sol lten insbesondere die neuen historischen Fakten stehen, nach d e-
nen die N amensgeber nach heutiger Bewertung nicht mehr als Vorbilder dienen können und 
eine Ehrung nicht verdient haben. 
Die Information der Öffentlichkeit erfolgte unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt?!“

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V/0365/2012 
- mit einer neuen Internetseite auf der Homepage der Stadt unter 
www.muenster.de/stadt/strassennamen, freigeschaltet seit 21.12.2011 
- mit der Ausstellung „Widerstände im Münsterland“ in der Bürgerhalle des Rathauses 
vom 19.11. - 21.12.2011 
- mit der Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt ?!“ in der Bürgerhalle des Rathauses 
vom 26.01. - 16.03.2012 
- mit einer Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ am 
25.01.2012 im Rathaus-Festsaal 
- mit zwei Informationsveranstaltungen in den Stadtbezirken Ost und Mitte am 
26.01.2012 und 09.02.2012 
- mit einer Podiumsdiskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?! - Geschichte und Verantwor-
tung in einer demokratischen Gesellschaft“ mit prominenten Podiumsteilnehmern am 
29.02.2012 im Rathaus-Festsaal 
Ergebnisse der Bürgerumfrage 
Die repräsentative Bürgerumfrage wurde vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Ve r-
kehrsplanung in der Zeit vom 25.01. - 15.02.2012 durchgeführt. Es wurde unter anderem die 
Frage gestellt: „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bede u-
tung durch B enennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“  Knapp 70 
Prozent der Antworten lauteten „Ja“.  
Auf die weitere Frage „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bü r-
gerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschl a-
gen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungse r-
gebnissen als Stü tzen des NS -Regimes erwiesen haben?“  sprachen sich knapp 40 Prozent 
der Befragten für eine Umbenennung aus.  
Die einzelnen Umfrageergebnisse sind in Anlage 1 beigefügt.  
Empfehlung der Kommission Straßennamen zum Humborgweg 
Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst 
folgende Empfehlungen abgegeben: 
"Die Kommission empfiehlt mehrheitlich keine Umbenennung des Humborgweges, sondern die 
Anbringung einer Erläuterungstafel, die auch an die Tätigkeit von Ludwig Humborg während 
der NS-Zeit erinnert. 
Bei Würdigung der Gesamtpersönlichkeit hält es die Kommission nicht für zwingend, eine öf-
fentliche Entehrung durch die Umbenennung vorzunehmen. 
In diesem Zusammenhang ist auch relevant, dass die Stadt Münster mit Catharina Müller eine 
Persönlichkeit geehrt hat, die ihre Funktion als Schulleiterin 1933 verloren hat." 
 
Die im Folgenden angeführte Begründung für die Umbenennung ist dem vom Stadtarchiv aufberei-
teten Internetangebot „Ehre wem Ehre gebührt!?“ entnommen.

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V/0365/2012 
Humborgweg 
Die Straße wurde  1972 benannt nach Dr. Lu dwig Humborg * 19.03.1890 in Münster  
† 11.01.1972 in Münster, Oberstudienrat 
Ludwig Humborg und der Nationalsozialismus 
Politische Mitgliedschaften 
1939, rückwirkend zum 01.05.1937: Eintritt in die NSDAP . Weitere Mitgliedschaften: National-
sozialistische Volkswohlfahrt (1933), Nationalsozialistischer Lehrerbund (1933), Reichsluf t-
schutzbund (1934), Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung (1936), Reichskolonialbu nd, 
Reichsbund der Deutschen Beamten. 
Seit 1921 war er im überparteil ichen Verein für das Deutschtum im Ausland (ab 1933 "Volk s-
bund für das Deutschtum im Ausland"; VDA) aktiv, seit 1933 als Bezirksverbandsleiter, später 
als Kreisverbandsleiter, ab 1934 zudem als Gauverbandsredner. 1943 endete seine Mitglie d-
schaft. Der VDA wurde nach 1933 schrittweise gleichgeschaltet. 
"Darüber hinaus bin ich seit Jahr und Tag als Redner im Dienst der wehrgeistigen Erziehung 
und Betreuung bei der Wehrmacht und im NSLB [Nationalsozialistischer Lehrerbund], ferner 
als Redner im VDA [Volksbund für das Deutschtum im Ausland], in der Partei usf. dauernd un-
terwegs." (Zitat: Humborg, 1942, Bundesarchiv, ehem. BDC NSLB/D 0022) 
„Unser am meisten angeforderter und entschieden zugkräftigster Vortragsredner, dessen 
Vorträge unzweifelhaft von eminenter Bedeutung und Wirkung sind", 
so äußerte sich 1943 der Beauftragte für militärisches Vortragswesen über Humborg, der 1940 
von der NSDAP -Gaupropagandaleitung (Gau Westfalen -Nord) als Gaupropagandaredner g e-
wonnen wurde. 1941 hielt er außerdem 14 Vorträge im Auft rag der NSDAP -
Reichspropagandaleitung.  
Noch 1944 wurde er im ganzen Reich und in den besetzten Gebieten als Redner eingesetzt, 
beispielsweise noch im März 1944 in den Niederlanden. 
"Sowohl politisch als auch weltanschaulich und charakterlich ist er durchaus zuverlässig." 
Dies wird Humborg 1940 in einem Brief der NSDAP (Gauleitung Westfalen -Nord) an den 
Oberbürgermeister von Münster anlässlich dessen Berufung zum Oberstudienrat an der Obe r-
schule "Am Wasserturm" [heute: Hittorfgymnasium] bescheinigt. 
Auch in einem Brief vom 9. Dezember 1940 der NSDAP (Stellvertreterstab des Führers) an 
den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Abteilung für höheres Schulwesen, heißt es: 
"Über Studienrat Dr. Humborg ist in politischer Hinsicht Nachteiliges nicht bekannt geworden." 
"Der deutsche Osten und der Ostraum als solcher müssen dem deutschen Volke den Lebensraum 
sichern, ohne den es nicht bestehen kann." 
Solche und andere dem Zeitgeist entsprechende politische und weltanschauliche Aussagen 
finden sich in den historische n Vorträgen Ludwig Humborgs. Er sprach zu Themen wie "Der 
jahrhundertealte Kampf um den Deutschen Westen", "Der 1000jährige Kampf um den Ostsee-
raum", "Die 500 Jahre währende Schlacht im Atlantik" oder "Die strategische Stellung der USA 
im Atlantik und Pazifik".

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Zitate aus der Vortragstätigkeit Humborgs 
"Höchster Wert auf dieser Erde ist die Gemeinschaft des deutschen Volkes. Gott hat sie uns 
gegeben nach Blut, nach Art und Sprache, und wir haben die heilige Pflicht, den Zusammen-
hang deutschen Blutes in Zukunft nie wieder zu vergessen."[...] „Stärker aber als solche 
menschlichen Einrichtungen ist nach unserer heutigen Auffassung das deutsche Blut." (Westfä-
lische Neueste Nachrichten vom 27.09.1937) 
1936 beendete Humborg den Vortragsabend eines gewissen Herrn Schuberth-Meister von der 
VDA-Bundesleitung in der Aula des Städtischen Realgymnasiums "mit einem dreifachen Sieg-
Heil auf den Führer und Reichskanzler". (Münsterischer Anzeiger vom 17.01.1936) 
"Wie schon kürzlich bei der VDA-Kreisverbandstagung stellte der Vortragende an den Anfang 
die Feststellung, daß es dem unvergleichlichen Genie unseres Führers gelungen ist, in einem 
Zeitraum von sieben Jahren den 600 Jahre langen Vorsprung, den Frankreich in der Geschlos-
senheit seiner staatlichen Einung vor uns hatte, aufzuholen." (Herforder Kreisblatt vom 
22.10.1940) 
"Dr. Humborg bezeichnete es als eines der bedeutendsten Merkmale unserer Zeit, in der ur-
deutscheste Bastionen in das Reich zurückgeführt wurden, daß der Führer für immer die Ge-
fahr vom deutschen Rhein abgewandt hat und den Fluß bis zu seiner Mündung unter deut-
schen Einfluß stellte." (Nationalblatt vom 13.01.1941) 
"Durch die Niederwerfung Polens 1939 ist Stalins Traum, über die Ostsee den Bolschewismus 
nach Europa zu bringen, ausgeträumt." (Münsterländische Volkszeitung vom 19.08.1942) 
Ludwig Humborg nach 1945 
Die alliierte Militärregierung entließ Humborg 1946 für einige Monate aus dem Dienst. 1948 
wurde er durch den deutschen Entnazifizierungsausschuss als unbelastet eingestuft. Er gab 
an, er sei nur Mitgl ied der Partei geworden, um sein Engagement für den VDA fortsetzen zu 
können. Hingegen behauptete er an anderer Stelle, sich zunehmend aus dem VDA zurückg e-
zogen zu haben, als dieser "in das Fahrwasser der Partei geriet".  
Nach 1945 räumte er zwar seine Red nertätigkeit für den VDA, die Wehrmacht, den Westfäl i-
schen Heimatbund, den Reichsluftschutzbund sowie Vorträge in den Niederlanden ein, e r-
wähnte jedoch nicht seine Aufträge durch die NSDAP.  
Humborg erklärte darüber hinaus, dass er jahrelang münsterische O berschulen stellvertretend 
habe leiten müssen, trotzdem aber " für den Oberstudiendirektorposten der Bispinghof - wie 
Hermann-Löns-Schule Partei und Stadtverwaltung nicht genehm"  gewesen sei. Auch habe er 
keine einzige außerschulische Tätigkeit freiwillig üb ernommen oder sich dazu gedrängt, so n-
dern sei zu jeder Arbeit geholt bzw. aufgefordert worden. 
Zur Person Ludwig Humborg 
Lebenslauf 
 
1914/15 + 1919: Prüfungen für das Höhere Lehramt  
1914:  Promotion über "Die Hexenprozesse in der Stadt Münster"

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V/0365/2012 
1919-1922:  Studienassessor in Oldenburg i. O.  
1922-1938:  Studienrat am Städtischen Gymnasium und Realgymnasium  
1938-1941:  Studienrat an der Oberschule für Jungen Am Wasserturm, seit 1941 als 
 Oberstudienrat 
1941/1942:  Oberschule für Mädchen Am Bispinghof 
1942-1946:  Oberschule Am Wasserturm sowie Hermann-Löns-Schule  
1939-1946:  stellvertretender Schulleiter Wasserturm-Schule, Oberschule Am 
 Bispinghof sowie Hermann-Löns-Schule 
1946-1955:  Lehrer am Ratsgymnasium 
1955:  Pensionierung  
Humborg war Mitglied der G roßen Schützengesellschaft, Dicke -Wiewe-Petri-Bruderschaft, 
Bruderschaft Sankt Georgs -Ritter und der Sankt Antonii -Erzbruderschaft. Er engagierte sich 
seit 1953 als Gründungs -Vorsitzender im Heimatverein "Vereinigung Niederdeutsches Mün s-
ter" und im Verein für Westfälische Geschichte. Er lehrte außerdem an der Volkshochschule 
Münster und gehörte der städtischen Kommission zur Benennung von Straßen an. Darüber 
hinaus verfasste er zahlreiche heimatkundliche Schriften verschiedenster Art. Er hielt histor i-
sche, kunsthistorische und geograph ische Vorträge, gab einschlägige Führungen und setzte 
sich für die Stadtbildpflege ein.  
Ehrungen 
 
1960:  Paulus-Plakette der Stadt Münster 
1960:  Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 
1972:  Straßenbenennung (erstmalige Benennung des Aa-Seitenwegs) 
 
Weitergehende Informationen 
Weitere Dokumente, Quellen- und Publikationsangaben finden sich auf der Internetseite  
www.muenster.de/stadt/strassennamen/ 
 
Anregung Nr. 110/2011 
Mit der Anregung nach §  24 Gemeindeordnung lfd. Nr.  110/2011 vom 07.07.2011 fordert die 
Vereinigung Niederdeutsches Münster auf, die „ Verdienste, die sich Dr. Ludwig Humborg  […] 
nach dem Krieg erworben hat  […] weiterhin angemessen zu würdigen und von einer Umb e-
nennung des Humborgweges abzusehen.“  Die ausführlich begründete Anregung ist als Anl a-
ge 2 beigefügt.  
Fazit 
Nach Abschluss der Arbeit der Kommission Straßennamen sind Unterlagen im Stadtarchiv 
durch die Familie des Namensgebers freigegeben worden, die der Kommission zur Auswe r-

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V/0365/2012 
tung nicht zur Verfügung gestanden hab en. Danach kann das Fazit gezogen werden, dass 
Humborg seine besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten aktiv in den Dienst des Regimes 
stellte und dazu beitrug, es zu stabilisieren. 
Die Verwaltung schlägt daher vor, den Straßennamen Humborgweg aufzuheben und d en 
Fußweg nicht neu zu benennen. Die beiden bisherigen Hausnummern am Humborgweg kö n-
nen dem Spiekerhof und der Bergstraße zugeordnet werden. Von der Aufhebung des Str a-
ßennamens sind 4 gemeldete Einwohnerinnen und Einwohner unter 2 Hausnummern betro f-
fen. 
 
 
In Vertretung 
 
 
Schultheiß 
Stadtdirektor 
 
 
Anlagen: 
1  Ergebnis der Bürgerumfrage 
2  Anregung gem. § 24 GO Nr. 110/2011  
3  Übersichtsplan

Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse

4166 Zeichen

Anlage 1    
Anlage 1, Seite 1 
 
Bürgerumfrage 2012 „Ehrung von Personen durch 
Straßenbenennungen“ - Zusammenfassung der Ergebnisse  
 
 
1. Auftragslage und Zielstellung 
- Beschluss des erweiterten Ältestenrates der Stadt  Münster vom 07.07.2011 
- Grundlage: Ergebnisse der Kommission „Straßenname n“ 
- Gewinnung zusätzlicher Informationen mittels eine r repräsentativen Bürgerumfrage 
parallel zur Informations- und Kommunikationsphase (v. a. Ausstellung „Ehre, wem 
Ehre gebührt?!“ vom 26.01. – 16.03.2012) 
- Leitfrage: „Wie soll sich Münster zu Persönlichke iten stellen, die sie durch 
Straßennamen für ihr Lebenswerk in besonderer Weise geehrt hat, wenn sich diese 
Ehrung aufgrund neuer Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist?“ 
 
 
2. Methodik 
- Befragungszeitraum: 25.01. – 15.02.2012 
- Zufallsstichprobe: 5.126 Bürgerinnen und Bürger ( über 18 Jahre, Hauptwohnsitz) 
- Rücklauf: 1.937 Fragebögen (37,8 % Rücklaufquote)  
- Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auf Münstera ner Bevölkerung übertragen 
 
 
3. „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher 
Bedeutung durch Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu 
ehren?“ (Frage 1) 
- Ja, auf jeden Fall: 69,7 % 
- Ja, aber nur für Personen mit Bezug zu Münster: 1 7,5 % 
- Nein: 6,5 % 
- Ist mir egal: 4,4 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 0,8 % 
- Ohne Angabe: 1,1 % 
 
 
4. „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige 
Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. 
Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den 
größten Platz Münsters zu ehren?“ (Frage 2) 
- Ja: 35,0 % 
- Nein: 48,3 % 
- Ist mir egal: 7,3 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 6,6 % 
- Ohne Angabe: 2,8 %

Anlage 1, Seite  2 
2 
5. „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürgerschaft 
und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie 
vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren 
quellengestützten Forschungsergebnissen als Stützen des NS-Regimes erwiesen 
haben?“ (Frage 3) 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind: 27,6 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind; es soll aber jeweils ein 
Zusatzschild mit Erläuterungen zu den Namensgebern angebracht werden: 30,2 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden ; auf den künftigen 
Straßenschildern soll aber auf die ehemaligen Namen hingewiesen werden: 16,2 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden : 22,6 % 
- Ist mir egal: 0,6 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 1,3 % 
- Ohne Angabe: 1,5 % 
 
 
6. „Fühlen Sie sich zum Thema 'Ehrung von Personen durch 
Straßenbenennungen' ausreichend informiert?“ (Frage 4) 
- Ja: 56,4 % 
- Ja, zum Teil: 30,3 % 
- Nein: 11,4 % 
- Ohne Angabe: 1,9 % 
 
 
7. Fehlt Ihnen etwas an Informationen zu diesem Thema? (Frage 5) 
- Offene Frage: 512 Nennungen von 422 Befragten, d.  h. 21,8 % der 
Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich mittels Freitext geäußert 
- Nur ein geringer Teil der Nennungen bezieht sich auf „weitergehenden 
Informationen“: 4,3 % „weitere Informationen fehlen“; 3,1 % „mehr Informationen in 
Medien“ 
- Häufiger wird die Frage der „Kosten“ kritisch angesprochen: 7,6 % „Kosten 
insgesamt“, 7,0 % „Kosten der Umbenennung“  
- Auch machen die Anmerkungen deutlich, dass nicht alle Befragten die neueren 
Forschungen teilen, dass Hindenburg und weitere Namensgeberinnen/-geber als 
Stützen des NS-Regimes anzusehen sind: 8,2 % „Suggestive Fragestellung“,  
5,5 % „Begründung zweifelhaft“ (Hindenburg) bzw. 5,1 % (weitere Namensgeber) 
- Bezogen auf alle Umfrageteilnehmer/innen liegen d iese Antwortanteile bei 2,2 % 
(„Suggestive Fragestellung“), 1,4 % („Begründung Hindenburg zweifelhaft“) und 1,3 
% („Begründung weitere Namensgeber zweifelhaft“) 
- Ebenso werden auch „neue Namensvorschläge“ für de n Hindenburgplatz genannt 
(5,5 % aller Nennungen bzw. 1,4 % bezogen auf alle Umfrageteilnehmerinnen und -
teilnehmer), wobei hier der „Schlossplatz“ (3,7 %) überwiegt; vereinzelt werden 
weitere Namen genannt (z. B. Neuplatz, Friedensplatz)

Anlage-3-Übersichtsplan

32 Zeichen

Humbo gwegr
V/0365/2012
Anlage 3

Anlage-2-Anregung-110-2011

34572 Zeichen

Anregung Nr. 110/2011

1

Vereinigung Niederdeutsches Münster
Gesellschaft für regionale Geschichte und Kultur
- Stadtheimatverein Münster e. V. von 1953 -

ar

Uber Ößsrbürgeimeister
jemg. 4 OKT,

|
| - Amt des
ı des Oberbär

Bezirksvertretung Mitte

z. Hd. Herrn Bezirksbürgermeister
Peter Fischer-Baumeister
Rathaus

Münster

Sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister Fischer-Baumeister,

nachdem die Zeitungen zunächst gemeldet hatten, eine Umbenennung des
Humborgweges sei nicht mehr beabsichtigt, mehren sich jetzt doch die Anzeichen,
dass eine solche Umwidmung weiterhin zur Diskussion steht.

Aus der Presse war zu erfahren, dass Herr Dr. Lambacher als Leiter des
Stadtarchivs eine Ausstellung über die Straßennamen und die Diskussion über
Umbenennungen im Auftrag des Ältestenrates und des Oberbürgermeisters
vorbereitet. Erstellt sind inzwischen sog. Stammblätter zu zwölf Straßennamen,
darunter auch eines zum Humborgweg. Dieses ist ebenfalls im Internet einsehbar
und abrufbar.

Im Wesentlichen basiert es auf den Ausführungen von Dr. Daniel Schmidt in seinem
2008 erstellten Projektbericht und enthält Ungenauigkeiten und Unrichtigkeiten. Bei
einem Vergleich des Stammblattes mit dem Projektbericht fällt übrigens auf, dass nur
der letzte Absatz des Stammblattes als wörtliches Zitat des Dr. Daniel Schmidt
bezeichnet wird, obwohl auch die davorstehenden drei Absätze sämtlich wörtlich von
Dr. Schmidt übernommen wurden, ohne dass dies kenntlich gemacht worden ist.

Insgesamt gesehen enthält jenes Stammblatt eine sehr einseitige Betrachtung, die in
keiner Weise erkennen lässt, dass es seinerzeit sehr gute Gründe für die
münsterischen Ratsmitglieder gab, dem Aa-Seitenweg den Namen „Humborgweg“
zu geben. Vielen Frauen und Männern des Rates unserer Stadt Münster war das

Anregung Nr. 110/2011

Persönlichkeitsbild von Dr. Ludwig Humborg aus eigenem Erleben noch sehr gut
bekannt ‚als sie in der Sitzung am 28. April 1972 jenen ehrenden Beschluss fassten.

Zwei Monate zuvor, am 26. Februar 1972, hatte im Festsaal des Rathauses am
Prinzipalmarkt eine Gedenkstunde zu Ehren von Dr. Ludwig Humborg stattgefunden,
zu der federführend unsere Vereinigung eingeladen hatte, zusammen mit dem
Verein "De Bockwindmüel", der Vereinigung der Alten Pauliner, dem Münsterschen
Männergesangverein, der Turngemeinde Münster von 1882 und weiteren
münsterischen Verbänden der Kultur-- und Heimatpflege. Insgesamt wirkten
insgesamt elf Vereinigungen des öffentlichen Lebens unserer Stadt bei dieser
Gedenkstunde mit,

Dr. Hans Riepenhausen, der langjährige Geschäftsführer des Westfälischen
Heimatbundes, hielt aus diesem Anlass eine äußerst eindrucksvolle Gedenkrede und
führte dabei die zahlreichen Verdienste von Dr. Ludwig Humborg detailliert auf:

. seine Vorträge und Führungen zur Geschichte der Stadt Münster,

. seine Fahrten, in denen er seinen Reisegruppen die nähere und weitere
Umgebung Münsters nahe brachte,

. seine vielfältigen Veröffentlichungen zur Stadtgeschichte in Büchern,
Einzelschriften und Pressebeiträgen,

. die Skulpturen, mit denen er die noch stark zerstörte Stadt Münster
schmückte und die er aus den Erträgen seiner Vorträge und
Veröffentlichungen privat finanzierte.

Die Parteimitgliedschaft von Dr. Ludwig Humborg in den letzten sechs Jahren des
Dritten Reiches ist unseres Erachtens angemessen in jene Zeit und in ein gesamtes
Leben einzuordnen und darf nicht überbewertet werden, zumal Dr. Ludwig Humborg
im Entnazifizierungsverfahren rechtskräftig in die Kategorie V (= unbelastet)
eingestuft worden ist.

Auf Dr. Ludwig Humborgs Initiative wurde im Jahre 1953 unsere Vereinigung
gegründet, als deren Vorstand wir z. Zt. die von ihm begonnene Arbeit fortsetzen. Als
regional orientierte Gesellschaft für Geschichte und Kultur bemühen wir uns
weiterhin, durch Informationen, Aktionen und Exkursionen Mitbürgerinnen und
Mitbürger für Münster, seine Schönheiten und Qualitäten zu begeistern. Nur aus
solcher Freude am Gemeinwesen erwächst auch die Bereitschaft zu jener
Verantwortung, die Grundlage demokratischer Teilhabe ist.

Die gesamte derzeit geführte Diskussion belegt übrigens die Richtigkeit jener
altgriechischen Weisheit, nach der man niemanden glücklich preisen sollte, bevor er
gestorben ist. Bis in die Gegenwart hält sich die Unsitte, noch lebende Personen, die
ihr Leben keineswegs abgerundet haben, mit Benennung von öffentlichen

Anregung Nr. 110/2011

Einrichtungen, Schulen und Straßen zu ehren. Hindenburgs Ehrung steht in der Zeit
des Jahres 1927 und seiner ganz besonderen Umstände. In der Kritik stehen
dagegen besonders Hindenburgs spätere Haltung und Fehlentscheidungen im Jahre
1933. -

Dr. Ludwig Humborg stand ebenfalls in dieser Zeit, in der er Fehler gemacht hat, weil
auch er dem Zeitgeist zeitweise folgte.

Durch sein Leben und seinen Einsatz für Münster nach 1945 jedoch hat er bis zu
seinem Tode 1972 seine Zuneigung zur seiner Heimatstadt Münster aktiv gelebt und
zahlreiche Initiativen ergriffen, den Münsteranerinnen und Münsteranern just diese
geschundene Heimat wieder nahe zu bringen und sie in ihrem Umfeld Westfalens
und Nieder-Deutschlands erneut tatkräftig zu verorten.

Wir fordern die Bezirksvertretung Mitte dringend dazu auf, die unbestreitbaren
Verdienste, die sich Dr. Ludwig Humborg in seiner fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit
für die Stadt Münster und seine Bürger nach dem Krieg erworben hat, wie schon der
Rat unserer Stadt im Jahre 1972 weiterhin angemessen zu würdigen und von einer
Umbenennung des Humborgweges abzusehen.

Der Vorstand der
Vereinigung Niederdeutsches Münster
- Stadtheimatverein Münster e.V. von 1953 -

Anlagen:

Wortlaut der Gedenkrede von Dr. Hans Riepenhausen auf Dr. Ludwig Humborg im Festsaal
des Rathauses am 26. Februar 1972

Korrekturen zum sog. Stammblatt

Bemerkungen zum sog. Stammblatt „Humborgweg“
Nr.6. Historische Einschätzung
(Stammblattauszüge kursiv)

I) Fächer: Geschichte, Germanistik und Philosophie
richtige Fächer: Geschichte, Deutsch, Latein, Erdkunde, Turnen

2) 1938 - 1946 Oberschule für Jungen „Am Wasserturm“

1938 — 1941 Oberschule für Jungen Am Wasserturm, 1941/42 Oberschule für
Mädchen Am Bispinghof, 1942 — 1946 Oberschule Am Wasserturm sowie
Hermann-Löns-Schule. Von 1939 — 1946 leitete er, beauftragt durch den
Oberpräsidenten, stellvertretend als Schulleiter die Wasserturm-Schule (das
heutige Hittorfgymnasium), die Oberschule Am Bispinghof (die heutige
Marienschule) sowie die Hermann-Löns-Schule ( das heutige Ratsgymnasium),
ohne allerdings zum Oberstudiendirektor befördert worden zu sein.

3) 1949 engagierte sich Humborg als Vorsitzender des Vereins
„Niederdeutsches Münster“

Von der Gründung 1953 bis zu seinem Tode engagierte sich Humborg als
Gründungs-Vorsitzender im Heimatverein „Niederdeutsches Münster“

4) Seit 1921 war er im Verband für das Deutschtum im Ausland (VDA) aktiv
Seit 1921 war er im (überparteilichen) Verein für das Deutschtum im Ausland
(VDA) aktiv.

5) Seit dem 1.5.1937 war er Mitglied der NSDAP
Im Mai 1939 wurde er rückwirkend zum 1.5. 1937 Mitglied der NSDAP (vgl..
auch Stammblatt Stühmerweg, ebenfalls seit dem 1.5.37 Mitglied, der aufgrund
seiner Antragstellung vom 11.10.1937 die Mitgliedsnummer 4716314 erhalten
haben soll, sodass die Nummer 6989880 für Humborg eine deutlich spätere
rückwirkende Aufnahme indiziert).

6) Nach 1933 ... im Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA)
Nach 1933 ... im Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA)

7) zu den letzten vier Absätzen auf Seite 2:
Nur der letzte Absatz ist als wörtliches Zitat des Dr. Daniel Schmidt bezeichnet
worden, aber auch die davorstehenden drei Absätze sind wörtlich von Dr.
Schmidt abgeschrieben worden, ohne dass dies kenntlich gemacht worden ist.

8) Resümee:

Das Wort "fälschlicherweise" aus dem vorletzten Absatz gehört vielleicht besser
als Ergänzung in die Überschrift:

Historische Einschätzung, teils fälschlicherweise (vgl. oben zu 1 — 6).

Gedenkrede

von Landesoberverwaltungsrat a.D. Dr. Hans Riepenhausen
in der Gedenkstunde

für Oberstudienrat a.D. Dr. Ludwig Humborg

im Großen Saal des Rathauses zu Münster

am 26. Februar 1972

Sehr geehrte, liebe Frau Humborg!
Ihnen und allen Angehörigen Ihrer großen Yanilie gilt auch

meinerseits der erste Gruß.

Meine Damen und Herren!

Mit der Fanilie vereint, haben wir uns versammelt, um unseren verstorbe-
nen Freund Ludwig Humborg gemeinsam die letzte Ehrung zu bezeigen. Wir
danken der Stadt, die es uns ermöglicht hat, diese Gedenkstunde an der
würdigsten Stätte abzuhalten, die seine Vaterstadt anbieten kann. Wir
danken allen Mitwirkenden, die sich Sponten für die Ausgestaltung dieser
Stunde zur Verfügung gestellt haben, und ich danke zugleich Ihnen allen,
daß Sie der Einladung zu dieser Ehrung so zahlreich gefolgt sind. Recht
besehen, ‘ist es ein einziger großer Freundeskreis, Ger jetzt zusamnen-

getreten ist,

Liebe Freunde!

Es ist schon ungewöhnlich, daß hier über zehn Vereinigungen ganz ver-
schiedener Zielsetzung zu einen gemeinsamen Anliegen eingeladen haben,
Es ist ungewöhnlich, daß Ludwig Humborg, in der Öffentlichkeit der
letzten 20 Jahre vor allen als Vorsitzender der Vereinigung Nieder-
deutsches Münster bekannt, doch auch zugleich die Ehrennitgliedschaft -
um die wichtigsten zu nennen - des Münsterschen Männergesangsvereins,
der Turngeneinde Münster, der Vereinigung der Alten Pauliner, des Ver.
eins De Bockwindmüel, der St, Antonii-Erzbruderschaft, des Heimatvereins
Ahlen besaß, Daß er ausgezeichnet wurde nicht mur mit dem Bundesver-
dienstkreuz Erster Klasse und, als erster Bürger der Nachkriegszeit,

mit der Paulusplakette der Stadt Münster, sondern auch mit der Ehren-
plakette des Westfälischen Reitervereins und daß für alle Zeiten sein
Porträt eingeschnitz+t ist in das Ständerwerk der Bockwindmühle am Aasee,
Es muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß er von seinen Beruf her
lange Jahre in das Bezirksseminar und in den wissenschaftlichen Prü-
fungsausschuß des Böheren Schulwesens berufen wurde; daß er als sachkun.
diger Bürger einen Ratsausschuß angehörte; daß er auch Mitglied des

„2,

I) DPREER DRREEI PEERDIER,

-2-

Kirchenvorstandes von St, Lamberti war. Was man auch noch für weitere
Hinweise geben könnte: es überrascht die Zahl und die Mannigfaltigkeit
der Arbeitsgebiete, denen der also Geehrte in besonderer Weise verbunden

var.
Wes war das für ein Mann? Ich will versuchen, in gebotener Kürze Per-
sönlichkeit und Lebenswerk von Ludwig Eumborg zu zeichnen. Ich fange,.
weil das dazu gehört, nit den amtlichen Daten an,

Als ältester Sohn des Kaufmanns Bernard Hunborg am 19. März 1890 an der
Hammer Straße in Münster geboren, wuchs er im Kreis von sechs Brüdern
und fünf Schwestern auf. 1909 erhiet er am Paulinum das Zeugnis der
Reife. Studium der Philologie in Freiburg und Münster, obwohl die Nei-
gung schon damals auf Architektur und Kunst ging. 1912 Turnlehrerprüfung.
1914 mit einer Arbeit über die "Hexenprozesse in der Stadt Münster"

zum Dr. phil. promöviert, und wenig später, obwohl schon zum Kriegs-

dienst eingezogen, ‚das Staatsexamen mit der Lehrbefähigung für Geschicht-.. .

und Deutsch (1. Stufe) und Latein (2. Stufe). 1919 Pädagogische Prüfung.
1925 folgte die Erweiterungsprüfung auch für Erdkunde (1. Stufe). Aus
dem Krieg war er als Reserveoffizier mit Auszeichnung und Verwundung
heimgekommen. 1920 Heiret, doch starb nach schwerer Krankheit seine Frau
Mary, geb. Goebel 1933. 1936 Wiederverheiratung, nit Frau Hildegard,
geb. Dieckmann. Von insgesamt neun Kindern leben heute fünf Töchter und
ein Sohn, alle verheiratet. Trotz aller Beanspruchung gab es bis zuletzt
im Hause Humborg oft Familienfeiern, und es war dem Vater immer wieder
eine ganz besondere Freude, sie alle mit den Eltern am großen Fanilien-
tisch zu erleben.

Nach dreijähriger Beschäftigung als Studienassessor am Liebfrauen-Lyzeun
in Oldenburg war Humborg ab 1922 beruflich ununterbrochen in Münster
tätig, seit 1923 als Studienrat am Städtischen Gymnasium und Realgymna-
sium, dessen Kollegiun er bis zu seiner Pensionierung 1955 angehörte,
seit 1941 als Oberstudienrat. Durch die Kriegsverhältnisse bedingt,

war er leitend eingeschaltet auch in die Oberschule am Wasserturm und
die Mädchenoberschule am Bispinghof, und zweimal stellvertretend auch
mit der Leitung des Ratsgymnasiuns betraut. Übereinstimmend wird seine
Initiative und Einsatzfreudigkeit als Lehrer und Erzieher anerkannt;
ungezählte Schüler danken ihm bis auf diesen Tag dafür, daß er ihnen die
PUR Pandschaft, Geschichte und Kultur geöffnet hat. Mit seinen Schülern
hat er von Anfang an heimatkundliche und kunstgeschichtliche Studien-

30

3%

Tahrten durchgeführt und sie zu selbständiger Arbeit angeregt. Er wurde
ihr Erzieher durch sein persönliches Beispiel. Auf freiwilliger Basis
stellte er sich den Kollegen und dem Lehrernachwuchs mit seinen reichen
landeskundlichen Kenntnissen zur Verfügung, so z.B. gemeinsam mit Emil
Lücke in der Geographischen Gesellschaft für Münster und das Münster-
land, \

Doch neben dem Lehrer, dem Pädagogen, Erzieher und Kollegen ist nun auch
seiner Arbeit zu gedenken, die er im Sinn planmäßiger Erwachsenenbildung
auf sich nahn, sei es weil man ihn darum bat, sei es aus eigener Initia-
tive. Die Grundlage dafür hat er sich zumeist selbst erarbeiten müssen,
Er war ein anerkannter Meister in der Übermittlung seines Wissens vor-
nehmlich auf landeskundlichem und kulturgeschichtlichem Gebiet, für
einen immer stärker anwachsenden Kreis ebenso wißbegieriger wie begei-
sterter Zuhörer. Was aber in Vorträgen und auf Führungen so oft wie aus
dem Augenblick geboren schien und Gestalt annahm, war in Wirklichkeit
die Frucht eines immensen Fleißes, der dieses Lebenswerk kennzeichnet
und den man wohl staunend erahnen mochte, von dem nur seine Gattin und
die engsten Freunde in etwa wußten. Denn bei aller Veranlagung für sol-
che Fähigkeit und Arbeit fiel ihm doch nichts mühelos in den Schoß.
Immer war er damit beschäftigt, vom Fundament her sein Wissen handfest
zu unterbauen und zu erweitern, Er hat mit Stoff und Material gerungen,
Sie, liebe Frau Humborg, erzählten mir einmal, daß Ludwig wohl gern mit
Ihnen einen Bummel durch die Stadt gemacht hat, Dabei sei es dann nicht
selten passiert, daß er Ihnen mit seinen Gedanken und seinen Füßen davon
geeilt sei. Getrennt kamen sie wieder ins Haus zurück. Auf Ihre Frage
"Wo bist Du nur geblieben?" wußte er dann wohl strahlend zu antworten:
"Ja Hilde, mir kam ein toller Einfall; auf alle Fälle: mein Vortrag
steht!" Und dann haben Sie sich mit ihm gefreut, Man kann seine ebenso
vielseitige wie umfangreiche Arbeit nur dann recht würdigen, wenn man
sich klar macht, daß es immer eine Arbeit im Alleingang war. Er hat nie
einen "Apparat" hinter sich gehabt. Was er geleistet hat, ist im stren-

gen Sinn sein eigenes, persönliches Werk,

Was Humborg sich wissenschaftlich erarbeitet hat, wurde niedergeschrie-
ben. Viel davon ist veröffentlicht worden, Das erste größere Werk, das
ihn beschäftigt hat, läßt bereits Ziel und Methode erkennen. das war
das vierbändige Lehrbuch der Weltgeschichte von Welter, das er Anfang
der zwanziger Jahre völlig überarbeitet und z;T. ganz neu geschrieben
hat. We 1 + geschichte! Es ging ihm, so sehr wir ihn als den Tiftlier
im Kleinen kennen, um die Zusammenhänge, um vorhandene und aus der

sd

am

Sache geforderte größere Horizonte. Mit Akribie und Freude ging er auch
kleinsten Fragen nach - wer hätte nicht manches Mal Exkurse, die er bei
Vorträgen und Führungen dazwischen schob, mit einem leichten Seufzer
einstecken müssen, so interessant sie sein mochten! -, aber er hat sich
nie an Einzelheiten verloren, er suchte jede Einzelheit einzuordnen.

In diesem Sinne hat er selbständige, überwiegend geschichtliche Arbeiten
herausgebracht, so das Werk über 100 Jahre Ratsgymnasium Münster, so die
Darstellung über 275 Jahre Firmengeschichte Rincklage van Endert, &o die
Abhandlung über 1100 Jahre Kloster Herzebrock, Er hat mit seinen ge-
schichtlichen Beiträgen einer ganzen Reihe von Festschriften einen Wert
über den internen Gebrauch und über den Tag hinaus gegeben; ich erinnere
an die Jubiläumsschriften der Turngemeinde Münster, des Vereins "Wilde
Jagd" in Münster, der St. Antonii-Erzbruderschaft, der Firmen Osthues,
Tuchmann u.a., der Industrie- und Handelskammer Münster, des KKY Hansa
der Aschendorffschen Presse. Ich erinnere in diesen Zusammenhang auch

an so manchen Festvortrag, der nie als Platte ‚abgelaufen ist, sondern
"mit jeweils besonderer Thenatik, so etwa wenn. er vor ‘dem Münsterschen.

Männergesangverein über Münster als NMusikstadt sprach,

Ein anderes Feld schriftstellerischer Tätigkeit ist die Führung von
Chroniken und Rundbriefen für kleinere Kreise, für Bruderschaften und
gesellige Vereinigungen gewesen. Im Dicke-Wiewe-Peter wurde er der
"Bruder Chronist" genannt. Wer das altehrwürdige, überdimensionale Chro-
nikbuch der Großen Schützen-Gesellschaft, Bruderschaft von 1557, einmal
hat einsehen können, der kommt aus dem Staunen und der Hochachtung nicht
heraus, wenn er sieht, mit welcher Korrektheit und in welch weiter Auf-
gabenstellung Ludwig Humborg Monat für Monat und Jahr für Jahr seines
Chronikamtes waltete. An der einen Stelle geschah das handschriftlich,
an anderen Stellen in Form von Rundbriefen, jeweils sechs bis acht
Schreibmaschinenseiten, die, von ihm allein geschrieben, vervielfältigt
alle Monate oder in größeren Zeitabständen herausgingen: so etwa nach
Krieg und Zusammenbruch für das Ratsgymnasium, so für die Schola Paulina
(das Mitteilungsblatt der Ehemaligen), für die Mitglieder vom Dicke-
Wiewe-Peter, für die Große Schützen-Gesellschaft, für die Bruderschaft
der Georgsritter. Zum geschriebenen trat auch hier das gesprochene Wort.
In der Dicke-Wiewe-Petri-Bruderschaft verlas Ludwig Humborg alle Monate
die Namen der Toten der Bruderschaft, die gerade in diesem Monat gestor-
ben waren, gleich ob im Jahre 1815, 1870, 1905 oder 1971: lebendige Tra-
dition - so baute unser Freund Tradition! In diesen Chroniken und

Su

5 he

Rundbriefen ist ein überaus vielschichtiges Material über einzelne Per-
sönlichkeiten und zur Familien-, Stadt- und Zeitgeschichte zusammen-
getragen worden. Daß er in der Sippe Humborg gleichfalls der Genealoge
und Chronist gewesen ist, versteht sich beinahe von selbst.

Vielleicht ist manchem von Ihnen, was ich hier erzähle, unbekannt gewe-
sen. Wir alle aber kennen seit langen Jahren als Ergebnis seiner Heimat-
forschung die unausschöpfliche Reihe seiner Zeitungsaufsätze zur Ge-
schichte der Stadt Münster und des Münsterlandes. Aus den Quellen erar-
beitet, füllen diese Artikel über die Altstadtstraßen, die Kirchen und
Klöster unserer Stadt, über geschichtliche Vorgänge und Zustände, Auf-
sätze über Handel und Gewerbe, über die Kunst und Kulturgeschichte, über
das Brauchtum, über Persönlichkeiten und Originale mehrere dicke Bände
in seinem Bücherregal. Auf seinem Schreibtisch hat die Familie noch
Kartenentwürfe über Fernstraßen und Postwege des Münsterlandes liegen,
Der Tod hat ihm die Feder aus der Hand genommen,

Diese Hunderte von Aufsätzen und Artikeln waren, wie Sie wissen, mit
Hunderten von Zeichnungen versehen, Einst hatte Ludwig Humborg das ge-
nannte Lehrbuch der Weltgeschichte reichlich und ausschließlich mit eige-
nen Zeichnungen illustriert, auch mit vielen Plänen und Karten. Seitden
hat die Zeichnung sein ganzes Lebenswerk begleitet. Kein Vortrag, der
nicht unter den Dias auoh eigene Zeichnungen brachte; keine Exkursion,
zu der er nicht gleich eine ganze Mappe von selbstgefertigten Grund-
rissen und Plänen mitgebracht hätte. Kein Buch und kein Artikel ohne
Kärtchen, an deren unterem Ende der Nane Humborg zu finden war. Das

war zweifellos bei ihm das Erzeugnis einer wahren Kartenleidenschaft
(Gott sei Dank, daß es auch so etwas gab und gibt!). Das wies ihn aber
auch als Pädagogen aus, denn das geschriebene Wort in Verbindung mit
Karte und Plan spricht weitere Kreise an als ein Text ohne Bild. Diese
Pläne sind aber auch ein Beweis für die Gründlichkeit all seiner Arbei-
ten. Im Text kann man bekanntlich viel verschweigen, wenn man nicht
weiterkommt, Erst die Karte dokumentiert, daß man sein Material lücken-
los durchgearbeitet hat, Schubladen voller Karten liegen in Humborgs
Wohnung; die Sammlung dürfte einzig in Münster sein; ein unschätzbarer
Wert, der der Nachwelt erhalten bleiben muß!

Das Wissen um Land und Leute möglichst anschaulich und konkret zu ver-
mitteln, ist nun auch der Grund für die zahllosen Führungen, Wanderungen,
Exkursionen und Studienfahrten gewesen, die Ludwig Humborg erarbeitet

6b

.6-

und geleitet hat. Mag ihm im Eifer des Augenblicks dabei auch hin und
wieder ein sachlicher Lapsus unterlaufen sein, immer wieder hat er sich
als ein profunder Kenner der.Geschichte und Kultur erwiesen, ob es um
Münster ging, um Westfalen, um Rhein und Mosel, um Flandern, um den
Nordwesten, um den Hansaraum, oder wohin noch die Fahrten in den weite-
ren Norden oder Süden gingen. Er wollte nicht eigentlich über etwas
reden, sondern er wollte vor Augen führen. Seine Hinführung war für jeden
Einzelnen die Startbahn, sich vor Ort eine Stadt, eine Wasserburg, eine
Larädschaft selbst zu eigen 'zu machen; seine Arbeit "vor Ort" zielte da-
hin, aus Selbsterarbeitung Geschichte und Kultur zum persönlichen und
gemeinschaftlichen Erlebnis werden zu lassen. Erst mit dieser Ärbeits-
weise - mit seinen Hörern vor dem Objekt zu Stehen und zu arbeiten -
kam Ludwig. Humborgs Begabung und Eigenart zu voller Entfaltung und zu
nachhaltiger Wirkung. So viel er geschrieben und veröffentlicht hat,
letzthin war er weniger ein Mann des geschriebenen, viel mehr ein Mann

- des- gesprochenen Wortes. Stand er vor einem Kunstwerk - und. hier ist

insbesondere an die Baukunst zu denken -, war er ein Meister der Inter-
pretation, In ungewöhnlicher Weise, mit Geschick und Glaubhaftigkeit,
war es ihm vergönnt, sein Wissen weiterzugeben. Er sprach mitreißend,
voll sprudelnder Lebendigkeit. Selbst alten Kennern der Heimat und Ihrer
Kultur wußte er wieder und wieder Neues anzubieten, nicht zuletzt durch
die Art, wie er darüber sprach.

Auch seine vielen Vorträge in Verbänden und Vereinen waren über den
sachlichen Inhalt hinaus deswegen beachtet und beliebt, weil sie lebendig,
anschaulich, unkompliziert und mit persönlicher Überzeugungskraft ange-
boten wurden, Mancher Vortrag mußte wiederholt werden. Mit demselben
Vortrag ist in einer Veranstaltung der Volkshochschule einstmals das

Auditorium maximum unserer Universität nicht weniger als dreimal voll-
besetzt gewesen.

Und unvergessen bleibt, wenn Ludwig Humborg im kleinen, mehr privaten
und persönlich bestimmten Kreis ans Erzählen kam. Dann konnte Stunde
auf Stunde vergehen: er bildete sehr schnell den Mittelpunkt des Kreises,

man hörte ihm gespannt zu, Lachsalve über Lachsalve dazwischen. Eine

befreiende Geselligkeit, die mit Ludwig Humborg aber niemals nur unver-
bindlicher Zeitvertreib war, sondern stets Substanz, stets Bleibendes

hinterließ.

So sehr alles, was Humborg seinen Mitmenschen gab, in allen vier Himels-

Ei

N

richtungen in die räumliche Weite griff, so erklärt gab es andererseits
für ihn auch einen Mittelpunkt: seine Vaterstadt Münster. Um ihr
Gesicht, ihre Geschichte, ihre tragenden Kräfte, um ihre Bürgerschaft
hat er sich von Jungensjahren an bis zum letzten Atemzug in besonderer
Weise bemüht. Man konnte wohl hin und wieder den Eindruck bekommen,

daß Ludwig Humborg, so großartig das einerseits ist, denn doch zu ein-
seitig nur an Kunst und Kunstgeschichte, an Kirchen und Wasserburgen
interessiert gewesen sei. Nichts ist verkehrter als das. Seine Arbeit
für Münster zeigt das Gegenteil. Von seiner stadtgeschichtlichen For-
schung ist schon die Rede gewesen, vom Paulinum (wo er lange Jahre eine
der markantesten Gestalten des Farbenfestes war) und vom Ratsgymnasiun
auch. Er hat aber auch Denkmalpflege von den Grundlagen her betrieben;
hat mit seinen Schülern am Prinzipalmarkt, am Rathaus den Bombenschutt
aufgeräumt; hat mit seinem Sohn in den Ruinen des Domes und an Über-
wasser gearbeitet, um charakteristische Einzelheiten des Bauwerks vor
dem gänzlichen Verlust zu retten. Immer wieder ist der Dom ihm das
Herzstück seiner Vaterstadt gewesen, Auch im Wiederaufbau der Stadt

hat er seine Stimme abgegeben, sei es in der Zeitung, wenn es etwa um
die Fassade des Dominikanerklosters ging, oder in Gesprächen mit Stadt-
politikern, Dienststellenleitern, Geistlichen usw.. So leicht hat nie-
mand in Münster Ludwig Humborg ein Gespräch verweigert. In den vielen
Fraternitäten und Verbänden, deren Mitglied er war, hat er stets auch
Münster ins Gespräch gebracht. Er hat wesentlich dazu beigetragen, im
Wiederaufbau auch die Bürgerschaft einer neuen, inneren Gemeinschaft
zuzuführen. Mit Rat und Tat stand er, als 1951 der Verkehrs- und Heimat-
verein begründet wurde, an der Wiege der Münsterischen Heimattage, die
von hier ihren Ausgang nahmen (in den ersten Jahren standen dann bis zu
20.000 Menschen auf dem Prinzipalmarkt); ohne seinen Rat, seine Zustin-
mung wurde hier nicht gearbeitet. Er hat das Lambertispiel als Spiel der
Nachbarschaften und Stadtviertel gefördert. Er stand im Kreis jener Män-
ner, denen das vorweihnachtliche Straßenbild unserer Stadt zu verdanken
ist. 1953 wurde als der örtliche Heimatverein das "Niederdeutsche®
Münster" begründet, Ludwig Humborg zum ersten und bislang einzigen
Vorsitzenden dieser Vereinigung gewählt. Dank der vorbilälichen Unter-
stützung durch seinen Freund Bernhard Hasenkamp hat er im Niederdeut-
schen Münster unter eigener Leitung mehr als 150 Studienfahrten, z.T,
mehrtägig, durchgeführt und doch auch hier zunächst und stets seine
Freunde und Mitarbeiter auf Münster selbst verwiesen und verpflichtet.

-B-

BR

Durch seine persönliche Initiative und Opferfreudigkeit wurde das Nieder-

deutsche Münster in die Lage versetzt, der Stadt nicht weniger als

sechs Denkmäler zu errichten und zu schenken: das Gänsedenkmal auf der

die Gedenktafel für Antonie Jüngst auf dem Zentral-

Spiekerhofbrücke,
das neue Altumdenkmal auf der

friedhof, der Nikolaus am Horsteberg,
der Totengedenkschein für den alten Aegidii-Friedhof, der.
Theo Breiders

Kreuzschanze,
heute Parkplatz ist, und zuletzt der Spökenkieker auf
Mühlenhof.

was er zu Lebzeiten nicht gewußt haben wollte, daß
die ihm seine

Wir wissen heute,
in diese Denkmäler viele Honorare eingeflossen sind,
reiche Vortrags- und schriftstellerische Tätigkeit eingebracht hats

es gibt auch solche Zeichen der Zeit; ein einfacher, keineswegs

vermögender Bürger stand dahinter.

Skizziere ich damit auch nur einige Akzente seiner Tätigkeit in Münster,
so werden Sie mir beipflichten, daß es nicht zutrifft, in Ludwig Humborg
nur den Historiker zu sehen, so große Verdienste er um die Aufhellung

der Geschichte hat. So sehr er der Vergangenheit zugewandt war, ging es

ihm doch um die Gegenwart.

Werten der Vergangenheit gewußt, er hat die Werte in sein Leben hine
ens

Er hat nicht nur viel von den Kräften und
in-

geholt, er hat sie mit allen Fasern seines Geistes und seines Herz

hier und heute unter uns gestellt; nicht um der Vergangenheit und all

ihrer Schönheit willen, sondern auf die Zukunft hin. Er hat aus der

Gegenwart heraus an die Tradition angeknüpft und, wie ich schon sagte,

an der Tradition zugleich gebaut. Ludwig Humborgs Verhältnis zur Ge-

schichte steht in zwei Punkten beispielhaft vor uns:

Erstens: Er hat gewußt, daß "geschichtlich leben" heißt, Vergangenheit

und Zukunft vor Augen zu haben und aus der Gegenwart heraus nach
beiden Seiten hin in der Verantwortung zu leben.

Zweitens: Er hat gewußt und vorgelebt, daß Tradition nicht darin besteht,
überkommene Werte gleichsam wie ein fertiges Paket, das uns die Geschich-

te anbietet, in Empfang zu nehmen und in Treue und Dankbarkeit zu kon-

—_—  geryieren, sondern daß - mit Josef Pieper zu sprechen - Traditionswerte
u weiterzugeben-sind ‘und daß ein solches Tradieren ein höchst aktiver
All seine Arbeit hatte hier ihre Sinnmitte, stand in dieser,

Vorgang ist.
d Gegen-

dem Menschen wie Christen gestellten Aufgabe, aus Geschichte un

"ILL L wart Werte in uns und um uns sichtbar zu machen, glaubhaft zu ı machen

und weiterzugeben.

ig =

Hat er uns, so verstanden, nicht unendlich viel mit auf unseren Lebens-
weg, in die Zukunft hinein, gegeben? und fühlen wir nicht deshalb so
greifbar, was der Tod dieses Mannes bedeutet?

Wir waren mit ihm nicht durch Kenntnisse und Wissenschaft - so sehr

das alles dazu gehörte -, sondern durch das Leben verbunden,

Ich bin mit solchen Äußerungen über die reine Berichterstattung hinaus-
gekommen und versuche, Bilanz zu ziehen. Damit tritt uns immer deutli-
cher die Persönlichkeit des Verstorbenen vor Augen,

Von seiner Arbeitslust, dem Fleiß, der Einsatzfreudigkeit ist wiederholt
die Rede gewesen. Ich muß nun noch von seiner Kontaktfreudigkeit und
seiner Hilfsbereitschaft sprechen. Kein Wunder, daß man diesen ludwig
Humborg von allen Seiten als Mitarbeiter zu gewinnen suchte! Steckte er
such immer bis über die Ohren in Arbeit, er hat sich kaum je versagt,
wenn man einen Vortrag, einen Festartikel, eine Festrede oder eine
Fahrt und Führung von ihm wollte. In den Münsterischen Bruderschaften
fühlte er sich zuhause. Das ist verständlich; hier strahlte ihm Liebe,
Verehrung und auch die Anerkennung entgegen, um die es ihm nicht ging,
die aber doch auch zum Leben gehört. Hier stand er immer im Dienst,
Ebenso, wenn auch in anderer Art, im Niederdeutschen Münster, Aber wie
viele Bittsteller kamen noch sonst und wurden seine Partner!

Ich nenne an erster Stelle die Ostvertriebenen. Lange Jahre war er der
Redner am Tag der Heimat und auf sonstigen Ost-West-Veranstaltungen.
Seine Kenntnisse über Westfalen und den deutschen Osten wurden Gemein-
gut, als Anfang der fünfziger Jahre sein Vortrag über dieses Thema

im amtlichen Schulblatt der Regierung Münster in vollem Wortlaut zum
Abdruck kam, Auf Exkursionen hat er den Vertriebenen den neuen Lebens-
raum erschlossen, und er nutzte dabei gern die Gelegenheit, die ihm
unsere Heimat in reichen Maße bietet, um vom westfälischen Befund her
Brücken nach dem Osten zu schlagen. Ich erinnere allein an die Zister-
zienser, die ihm sowieso besonders ans Herz gewachsen waren, In den
Kurturgremien der Ostdeutschen hat er jahrelang mitgearbeitet, auf den
Ost-Westdeutschen Kulturtagen Wissen und Erfahrung zur Verfügung ge-
stellt. Er konnte Heimat anbieten und hat sie den Vertriebenen ver-
schafft.

Nicht nur in Münster war er gesuchter Mitarbeiter und Berater auch in
Volkshochschulen, Zahlreiche stadtmünsterische Vereine und Verbände
hatten in ihm einen hanädfesten Freund und Mitarbeiter - das klang schon

- 10 -

uk

= 02

anfangs an -. Über den Westfälischen Heimatbund, den Deutschen Turner-
bund, über Schützenverbände, Firmen, Wirtschafts- und Standesorganisa-
tionen usw. war er in ganz Westfalen bekannt und als Mitarbeiter tätig.
Vor Studenten, in Altersheimen, auf vielen Kongressen stand er als
Redner und Exkursionsführer. Zeitungen und Zeitschriften wünschten und
erhielten seine Mitarbeit, so etwa der Westfälische Heimatkalender, der
Westfalenspiegel, die Kirchenzeitung. Oft genug habe auch ich persönlich
bei Terminkollisionen seine Hilfsbereitschaft in Anspruch nehmen dürfen.
Immer wieder waren es freiwillig und - trotz aller Bedrängnis - gern
übernommene Verpflichtungen, die seine Alltagsarbeit kennzeichnen, bis
zu seinem letzten Vortrag, den er für das Niederdeutsche Münster am

2. Dezember 1971 im Mühlenhaus gehalten hat.

Man könnte meinen, eine derartig vielseitige und auch strapaziöse Bean
spruchung im Dienst der Heimat und nach allen Seiten hin habe ihn inner-
lich zerrissen und zeitlich zersplittert. Im Gegenteil aber wird an
Wirken Ludwig Humbor&s deutlich, daß Kultur - so sehr Kulturarbeit sich
von der Sache und dem Arbeitsfeld her spezialisieren muß - von der
Heimat her eine innere, schöpferische Mitte besitzt. Von dieser
Herzmitte spürte man bei ihm, wo immer er war. In der Rangordnung der
Werte stand für ihn - so leichtfertig, ahnungslos oder auch überheblich
heute davon gesprochen wird - die Heimat an unverrückbar. wichtiger
Stelle. Ludwig Humborg war und bleibt uns ein Beispiel dafür, daß eben-
deshalb, weil die Heimat ein hoher Wert ist, umso mehr Anstrengung
erforderlich ist, ihr zu entsprechen.

Ludwig Humborg hat noch eine andere Heimat gehabt. Sie war begründet

in seiner tiefen, vorbehaltlosen Frömmigkeit als gläubiger Christ. Wer
möchte es für möglich halten, daß ein Mann solcher Beanspruchung, der
überdies auch in später Stunde des Tages das Bier im geselligen Kreis
nicht verschmähte, durch Jahrzehnte Tag für Tag in der Morgenstunde

die heilige Messe mitgefeiert hat?! Aus solcher Sammlung, aus solcher
Ortsbestimmung in der Morgenfrühe ging er in die Unruhe seines Arbeits-
tages hinein. Und war bis an sein Lebensende ein Mann von jugendlicher

„Frische, nicht nur voll Temperament und Dynanik, sondern auch voll

Lebensfreude und großartigen Humor. Selbstlos und bescheiden; kanerad-
schaftlich und gütig; mit der seltenen Gabe versehen, allen Dingen und
Situationen eine gute, die beste Seite abzugewinnen; den alten Werten

wie den guten Neuen geöffnet: so steht seine Persönlichkeit in unserer

Erinnerung. Von einer inneren Leidenschaft zur Sache besselt

= 41,“

- 11 -

(wie es in einem Nachruf heißt), der Wissenschaft und der Heimatfor-
schung verschrieben, ging es ihm letzthin doch nicht um die Sache,
sondern umnden Menschen. Es war die Stärke dieser Persönlich-
keit, daß ihn Forschung und Betriebsamkeit nicht versklavt haben, san-
dern daß er darüber Mensch geblieben ist. Das Menschliche in seinen
tiefsten und eigentlichen Merkmalen und Eigenheiten blieb zeitlebens

in Lauterkeit und Redlichkeit in ihm lebendig. Ebendeshalb wurde alle
Sachkunde, die ihn auszeichnete; wurden alle Kenntnisse und Erkenntnisse,
die er an seine Mitmenschen weitergab, glaubhaft und überzeugend. Walter
Werland hat einmal geschrieben, daß sein Geist in seinem Herzen veran-
kert war. Einer seiner Freunde sagte mir in diesen Tagen der Trauer um
ihn: Wir verdanken Ludwig die Fröhlichkeit des Herzens und das Erlebnis
der Schönheit von Kunst und Kultur. Ludwig Humborg hat die Freude, die
er anderen gab, selbst verkörpert. In der humanen und christlichen

Welt hat er seinen Standort gehabt.

Nun müssen wir von Ludwig Humborg Abschied nehmen. Ich zitiere einen
Satz aus einem Kondolenzbrief an die Familie Humborg: "Nun ist ein
Stück Heimat für immer von uns gegangen." Sein Leben ist sein Erbe,

das uns verpflichtet und weiterhin begleitet,

Beratungsverlauf (1)

22.05.2012 Bezirksvertretung Münster-Mitte
TOP 4.4.2 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: mehrheitlich beschlossen

Zur Sitzung

Orte (11)

  • Agnes-Miegel-Straße
  • Hammer Straße
  • Schlossplatz
  • Am Wasserturm
  • Prinzipalmarkt
  • Bergstraße
  • Aa-Seitenweg
  • Spiekerhof
  • Bispinghof 1942
  • Stühmerweg
  • Horsteberg

Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.

Details

Vorlagen-Nr.
V/0365/2012
Typ
Vorlagen
Datum
07.05.2012
Erstellt
06.10.2020 14:37