V/0365/2012
Aufhebung des Straßennamens Humborgweg
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Beschlussvorlage
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V/0365/2012 DER OBERBÜRGERMEISTER Vermessungs- und Katasteramt Betrifft Aufhebung des Straßennamens Humborgweg Beratungsfolge 22.05.2012 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Straßenname Humborgweg wird aufgehoben. 2. Der bisherige Humborgweg erhält keinen neuen Straßennam en. Es wird zur Kenntnis g e- nommen, dass die beiden bisherigen Hausnummern am Humborgweg dem Spiekerhof und der Bergstraße zugeordnet werden. 3. Die Anregung nach § 24 G emeindeordnung Nr. 110/2011 von der Vereinigung Niede r- deutsches Münster ist damit erledigt. II. Finanzielle Auswirkungen: Es entstehen Kosten für neue Straßennamenschilder. Die Finanzierung ist aus laufenden Mi t- teln des Tiefbauamtes aus dem Budget „1201-Straßenerhaltung“ sichergestellt. Begründung: Diese Beschlussvorlage zum Humborgweg steht im Zusammenhang mit de n stadtweiten Dis- kussionen über NS-belastete Straßennamen. Ein Ausgangspunkt der Disku ssionen war im Mai 2007 der Antrag der SPD-Fraktion der BV- West auf Umbenennung des Carl -Diem-Weges. Ebenfalls im Mai 2007 hat die SPD -Fraktion in der BV-Mitte um Prüfung der Vorwürfe gegen den Namensgeber des Jöttenweges gebeten sowie einen Bericht über die Straßennamen angefordert, deren Namensgeber in die Unrechts- Vorlagen-Nr.: V/0365/2012 Auskunft erteilt: Herr Zimmermann Ruf: 492 62 42 E-Mail: ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de Datum: 11.05.2012 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0365/2012 taten bzw. Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese Prüfung führte zu einem Auftrag an den Historiker Dr. Schmidt, der die Namensgeber der Straßen im Stad t- bezirk Mitte auf deren Verstrickung in die Unrechtst aten des NS-Regimes überprüfen sollte. In seinem Gutachten benannte Dr. Schmidt 29 Personen, die er in 4 Kategorien eingeteilt hatte: Kategorie 1: keine Nähe zum NS-Regime Kategorie 2: Haltung zum NS-Regime nicht eindeutig Kategorie 3: Aktive Stützen des NS-Regimes Kategorie 4: Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Unrechtstaten Während in der Kategorie 4 keine Namensgeber auf Münsters Straßenschildern vorha nden sind, sind es in der Kategorie 3 nach dem Gutachten Schmidt 7 Personen (Franz Ludwig, Ludwig Humborg, Karl Wilh. Jötten, Hans Pfitzner, Alfred Stühmer, Karl Wagenfeld und Agnes Miegel), davon liegt jedoch die Agnes-Miegel-Straße im Stadtbezirk Ost. Ein weiterer Prüfau f- trag des Oberbürgermeisters an das Stadtarchiv zu den Straßennamen im übrigen Stadtgebiet ergab drei weitere Namensgeber in der Kategorie 3 aus dem Stadtbezirk Münster -Ost. Dar- über hinaus hatte der Ratsantrag der SPD -Fraktion vom Januar 2008 zur Umbenennung des Hindenburgplatzes die Debatte um Straßennamen sehr stark in die Öffentlichkeit getragen. Nach der Kommunalwahl 2009 hat der erweiterte Ältestenrat des Rates beschlossen, eine Kommission unter der Leitung des Oberbürgermeisters einzusetzen, der alle im Rat vertret e- nen Parteien und die Historiker Prof. Dr. Thamer und Prof. Dr. Kenkmann angehören sollten. Diese Kommission sollte über die zehn Personen der Kategorie 3 (dazu Diem und Hinde n- burg) also über zwölf Namensgeber beraten. Im Vordergrund des Prüfa uftrags stand nicht die Bewertung der gesamten Lebensleistung dieser Personen, sondern ob und inwieweit die N a- mensgeber das NS-Regime gestützt haben. Außer der Beratung über historische Fakten sollte die Kommission den entscheidungsbefugten G remien (Rat und Bezirksvertretungen) ihre Empfehlung mitteilen, ob die Ehrung durch den Straßennamen nach wie vor angemessen sei und eine Umbenennung stattfinden solle oder nicht. Nach Abschluss der Komm issionsarbeit hat der erweiterte Ältestenrat die Ergebnisse und Empfehlungen der Kommission am 07.07.2011 entgegengenommen und die Verwaltung be- auftragt, diese Ergebnisse in einer breit angelegten Informations- und Kommunikationsphase zu veröffentlichen. Z usätzlich sollte die Verwaltung eine repräsentative Bürgerumfrage zur Frage der „Ehrung“, die mit der Benennung einer Straße nach einem Namensgeber verbu n- den ist, durchführen. Die se Bürgerumfrage sollte eine zusätzliche Informationsquelle für die Diskussion in den Gremien bilden, diese aber nicht binden. Die Informations- und Kommunikationsphase hatte zum Ziel, über die Ergebnisse der Ko m- mission zu informieren. Insbesondere sollte die auf neuen Erkenntnissen der historischen Fo r- schung basierende Einschätzung der Kommission zu den Namensgebern vermittelt werden, da diese Erkenntnisse vermutlich in weiten Teilen der Bürgerschaft nicht bekannt sind. Im Vordergrund der Information sollte daher nicht die gesamte Lebensleistung der Namen s- geber stehen, sondern sol lten insbesondere die neuen historischen Fakten stehen, nach d e- nen die N amensgeber nach heutiger Bewertung nicht mehr als Vorbilder dienen können und eine Ehrung nicht verdient haben. Die Information der Öffentlichkeit erfolgte unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ - 3 - V/0365/2012 - mit einer neuen Internetseite auf der Homepage der Stadt unter www.muenster.de/stadt/strassennamen, freigeschaltet seit 21.12.2011 - mit der Ausstellung „Widerstände im Münsterland“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 19.11. - 21.12.2011 - mit der Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt ?!“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 26.01. - 16.03.2012 - mit einer Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ am 25.01.2012 im Rathaus-Festsaal - mit zwei Informationsveranstaltungen in den Stadtbezirken Ost und Mitte am 26.01.2012 und 09.02.2012 - mit einer Podiumsdiskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?! - Geschichte und Verantwor- tung in einer demokratischen Gesellschaft“ mit prominenten Podiumsteilnehmern am 29.02.2012 im Rathaus-Festsaal Ergebnisse der Bürgerumfrage Die repräsentative Bürgerumfrage wurde vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Ve r- kehrsplanung in der Zeit vom 25.01. - 15.02.2012 durchgeführt. Es wurde unter anderem die Frage gestellt: „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bede u- tung durch B enennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ Knapp 70 Prozent der Antworten lauteten „Ja“. Auf die weitere Frage „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bü r- gerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschl a- gen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungse r- gebnissen als Stü tzen des NS -Regimes erwiesen haben?“ sprachen sich knapp 40 Prozent der Befragten für eine Umbenennung aus. Die einzelnen Umfrageergebnisse sind in Anlage 1 beigefügt. Empfehlung der Kommission Straßennamen zum Humborgweg Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst folgende Empfehlungen abgegeben: "Die Kommission empfiehlt mehrheitlich keine Umbenennung des Humborgweges, sondern die Anbringung einer Erläuterungstafel, die auch an die Tätigkeit von Ludwig Humborg während der NS-Zeit erinnert. Bei Würdigung der Gesamtpersönlichkeit hält es die Kommission nicht für zwingend, eine öf- fentliche Entehrung durch die Umbenennung vorzunehmen. In diesem Zusammenhang ist auch relevant, dass die Stadt Münster mit Catharina Müller eine Persönlichkeit geehrt hat, die ihre Funktion als Schulleiterin 1933 verloren hat." Die im Folgenden angeführte Begründung für die Umbenennung ist dem vom Stadtarchiv aufberei- teten Internetangebot „Ehre wem Ehre gebührt!?“ entnommen. - 4 - V/0365/2012 Humborgweg Die Straße wurde 1972 benannt nach Dr. Lu dwig Humborg * 19.03.1890 in Münster † 11.01.1972 in Münster, Oberstudienrat Ludwig Humborg und der Nationalsozialismus Politische Mitgliedschaften 1939, rückwirkend zum 01.05.1937: Eintritt in die NSDAP . Weitere Mitgliedschaften: National- sozialistische Volkswohlfahrt (1933), Nationalsozialistischer Lehrerbund (1933), Reichsluf t- schutzbund (1934), Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung (1936), Reichskolonialbu nd, Reichsbund der Deutschen Beamten. Seit 1921 war er im überparteil ichen Verein für das Deutschtum im Ausland (ab 1933 "Volk s- bund für das Deutschtum im Ausland"; VDA) aktiv, seit 1933 als Bezirksverbandsleiter, später als Kreisverbandsleiter, ab 1934 zudem als Gauverbandsredner. 1943 endete seine Mitglie d- schaft. Der VDA wurde nach 1933 schrittweise gleichgeschaltet. "Darüber hinaus bin ich seit Jahr und Tag als Redner im Dienst der wehrgeistigen Erziehung und Betreuung bei der Wehrmacht und im NSLB [Nationalsozialistischer Lehrerbund], ferner als Redner im VDA [Volksbund für das Deutschtum im Ausland], in der Partei usf. dauernd un- terwegs." (Zitat: Humborg, 1942, Bundesarchiv, ehem. BDC NSLB/D 0022) „Unser am meisten angeforderter und entschieden zugkräftigster Vortragsredner, dessen Vorträge unzweifelhaft von eminenter Bedeutung und Wirkung sind", so äußerte sich 1943 der Beauftragte für militärisches Vortragswesen über Humborg, der 1940 von der NSDAP -Gaupropagandaleitung (Gau Westfalen -Nord) als Gaupropagandaredner g e- wonnen wurde. 1941 hielt er außerdem 14 Vorträge im Auft rag der NSDAP - Reichspropagandaleitung. Noch 1944 wurde er im ganzen Reich und in den besetzten Gebieten als Redner eingesetzt, beispielsweise noch im März 1944 in den Niederlanden. "Sowohl politisch als auch weltanschaulich und charakterlich ist er durchaus zuverlässig." Dies wird Humborg 1940 in einem Brief der NSDAP (Gauleitung Westfalen -Nord) an den Oberbürgermeister von Münster anlässlich dessen Berufung zum Oberstudienrat an der Obe r- schule "Am Wasserturm" [heute: Hittorfgymnasium] bescheinigt. Auch in einem Brief vom 9. Dezember 1940 der NSDAP (Stellvertreterstab des Führers) an den Oberpräsidenten der Provinz Westfalen, Abteilung für höheres Schulwesen, heißt es: "Über Studienrat Dr. Humborg ist in politischer Hinsicht Nachteiliges nicht bekannt geworden." "Der deutsche Osten und der Ostraum als solcher müssen dem deutschen Volke den Lebensraum sichern, ohne den es nicht bestehen kann." Solche und andere dem Zeitgeist entsprechende politische und weltanschauliche Aussagen finden sich in den historische n Vorträgen Ludwig Humborgs. Er sprach zu Themen wie "Der jahrhundertealte Kampf um den Deutschen Westen", "Der 1000jährige Kampf um den Ostsee- raum", "Die 500 Jahre währende Schlacht im Atlantik" oder "Die strategische Stellung der USA im Atlantik und Pazifik". - 5 - V/0365/2012 Zitate aus der Vortragstätigkeit Humborgs "Höchster Wert auf dieser Erde ist die Gemeinschaft des deutschen Volkes. Gott hat sie uns gegeben nach Blut, nach Art und Sprache, und wir haben die heilige Pflicht, den Zusammen- hang deutschen Blutes in Zukunft nie wieder zu vergessen."[...] „Stärker aber als solche menschlichen Einrichtungen ist nach unserer heutigen Auffassung das deutsche Blut." (Westfä- lische Neueste Nachrichten vom 27.09.1937) 1936 beendete Humborg den Vortragsabend eines gewissen Herrn Schuberth-Meister von der VDA-Bundesleitung in der Aula des Städtischen Realgymnasiums "mit einem dreifachen Sieg- Heil auf den Führer und Reichskanzler". (Münsterischer Anzeiger vom 17.01.1936) "Wie schon kürzlich bei der VDA-Kreisverbandstagung stellte der Vortragende an den Anfang die Feststellung, daß es dem unvergleichlichen Genie unseres Führers gelungen ist, in einem Zeitraum von sieben Jahren den 600 Jahre langen Vorsprung, den Frankreich in der Geschlos- senheit seiner staatlichen Einung vor uns hatte, aufzuholen." (Herforder Kreisblatt vom 22.10.1940) "Dr. Humborg bezeichnete es als eines der bedeutendsten Merkmale unserer Zeit, in der ur- deutscheste Bastionen in das Reich zurückgeführt wurden, daß der Führer für immer die Ge- fahr vom deutschen Rhein abgewandt hat und den Fluß bis zu seiner Mündung unter deut- schen Einfluß stellte." (Nationalblatt vom 13.01.1941) "Durch die Niederwerfung Polens 1939 ist Stalins Traum, über die Ostsee den Bolschewismus nach Europa zu bringen, ausgeträumt." (Münsterländische Volkszeitung vom 19.08.1942) Ludwig Humborg nach 1945 Die alliierte Militärregierung entließ Humborg 1946 für einige Monate aus dem Dienst. 1948 wurde er durch den deutschen Entnazifizierungsausschuss als unbelastet eingestuft. Er gab an, er sei nur Mitgl ied der Partei geworden, um sein Engagement für den VDA fortsetzen zu können. Hingegen behauptete er an anderer Stelle, sich zunehmend aus dem VDA zurückg e- zogen zu haben, als dieser "in das Fahrwasser der Partei geriet". Nach 1945 räumte er zwar seine Red nertätigkeit für den VDA, die Wehrmacht, den Westfäl i- schen Heimatbund, den Reichsluftschutzbund sowie Vorträge in den Niederlanden ein, e r- wähnte jedoch nicht seine Aufträge durch die NSDAP. Humborg erklärte darüber hinaus, dass er jahrelang münsterische O berschulen stellvertretend habe leiten müssen, trotzdem aber " für den Oberstudiendirektorposten der Bispinghof - wie Hermann-Löns-Schule Partei und Stadtverwaltung nicht genehm" gewesen sei. Auch habe er keine einzige außerschulische Tätigkeit freiwillig üb ernommen oder sich dazu gedrängt, so n- dern sei zu jeder Arbeit geholt bzw. aufgefordert worden. Zur Person Ludwig Humborg Lebenslauf 1914/15 + 1919: Prüfungen für das Höhere Lehramt 1914: Promotion über "Die Hexenprozesse in der Stadt Münster" - 6 - V/0365/2012 1919-1922: Studienassessor in Oldenburg i. O. 1922-1938: Studienrat am Städtischen Gymnasium und Realgymnasium 1938-1941: Studienrat an der Oberschule für Jungen Am Wasserturm, seit 1941 als Oberstudienrat 1941/1942: Oberschule für Mädchen Am Bispinghof 1942-1946: Oberschule Am Wasserturm sowie Hermann-Löns-Schule 1939-1946: stellvertretender Schulleiter Wasserturm-Schule, Oberschule Am Bispinghof sowie Hermann-Löns-Schule 1946-1955: Lehrer am Ratsgymnasium 1955: Pensionierung Humborg war Mitglied der G roßen Schützengesellschaft, Dicke -Wiewe-Petri-Bruderschaft, Bruderschaft Sankt Georgs -Ritter und der Sankt Antonii -Erzbruderschaft. Er engagierte sich seit 1953 als Gründungs -Vorsitzender im Heimatverein "Vereinigung Niederdeutsches Mün s- ter" und im Verein für Westfälische Geschichte. Er lehrte außerdem an der Volkshochschule Münster und gehörte der städtischen Kommission zur Benennung von Straßen an. Darüber hinaus verfasste er zahlreiche heimatkundliche Schriften verschiedenster Art. Er hielt histor i- sche, kunsthistorische und geograph ische Vorträge, gab einschlägige Führungen und setzte sich für die Stadtbildpflege ein. Ehrungen 1960: Paulus-Plakette der Stadt Münster 1960: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse 1972: Straßenbenennung (erstmalige Benennung des Aa-Seitenwegs) Weitergehende Informationen Weitere Dokumente, Quellen- und Publikationsangaben finden sich auf der Internetseite www.muenster.de/stadt/strassennamen/ Anregung Nr. 110/2011 Mit der Anregung nach § 24 Gemeindeordnung lfd. Nr. 110/2011 vom 07.07.2011 fordert die Vereinigung Niederdeutsches Münster auf, die „ Verdienste, die sich Dr. Ludwig Humborg […] nach dem Krieg erworben hat […] weiterhin angemessen zu würdigen und von einer Umb e- nennung des Humborgweges abzusehen.“ Die ausführlich begründete Anregung ist als Anl a- ge 2 beigefügt. Fazit Nach Abschluss der Arbeit der Kommission Straßennamen sind Unterlagen im Stadtarchiv durch die Familie des Namensgebers freigegeben worden, die der Kommission zur Auswe r- - 7 - V/0365/2012 tung nicht zur Verfügung gestanden hab en. Danach kann das Fazit gezogen werden, dass Humborg seine besonderen Kenntnisse und Fähigkeiten aktiv in den Dienst des Regimes stellte und dazu beitrug, es zu stabilisieren. Die Verwaltung schlägt daher vor, den Straßennamen Humborgweg aufzuheben und d en Fußweg nicht neu zu benennen. Die beiden bisherigen Hausnummern am Humborgweg kö n- nen dem Spiekerhof und der Bergstraße zugeordnet werden. Von der Aufhebung des Str a- ßennamens sind 4 gemeldete Einwohnerinnen und Einwohner unter 2 Hausnummern betro f- fen. In Vertretung Schultheiß Stadtdirektor Anlagen: 1 Ergebnis der Bürgerumfrage 2 Anregung gem. § 24 GO Nr. 110/2011 3 Übersichtsplan
Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse
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Anlage 1 Anlage 1, Seite 1 Bürgerumfrage 2012 „Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen“ - Zusammenfassung der Ergebnisse 1. Auftragslage und Zielstellung - Beschluss des erweiterten Ältestenrates der Stadt Münster vom 07.07.2011 - Grundlage: Ergebnisse der Kommission „Straßenname n“ - Gewinnung zusätzlicher Informationen mittels eine r repräsentativen Bürgerumfrage parallel zur Informations- und Kommunikationsphase (v. a. Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ vom 26.01. – 16.03.2012) - Leitfrage: „Wie soll sich Münster zu Persönlichke iten stellen, die sie durch Straßennamen für ihr Lebenswerk in besonderer Weise geehrt hat, wenn sich diese Ehrung aufgrund neuer Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist?“ 2. Methodik - Befragungszeitraum: 25.01. – 15.02.2012 - Zufallsstichprobe: 5.126 Bürgerinnen und Bürger ( über 18 Jahre, Hauptwohnsitz) - Rücklauf: 1.937 Fragebögen (37,8 % Rücklaufquote) - Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auf Münstera ner Bevölkerung übertragen 3. „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ (Frage 1) - Ja, auf jeden Fall: 69,7 % - Ja, aber nur für Personen mit Bezug zu Münster: 1 7,5 % - Nein: 6,5 % - Ist mir egal: 4,4 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 0,8 % - Ohne Angabe: 1,1 % 4. „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den größten Platz Münsters zu ehren?“ (Frage 2) - Ja: 35,0 % - Nein: 48,3 % - Ist mir egal: 7,3 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 6,6 % - Ohne Angabe: 2,8 % Anlage 1, Seite 2 2 5. „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürgerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stützen des NS-Regimes erwiesen haben?“ (Frage 3) - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind: 27,6 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind; es soll aber jeweils ein Zusatzschild mit Erläuterungen zu den Namensgebern angebracht werden: 30,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden ; auf den künftigen Straßenschildern soll aber auf die ehemaligen Namen hingewiesen werden: 16,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden : 22,6 % - Ist mir egal: 0,6 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 1,3 % - Ohne Angabe: 1,5 % 6. „Fühlen Sie sich zum Thema 'Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen' ausreichend informiert?“ (Frage 4) - Ja: 56,4 % - Ja, zum Teil: 30,3 % - Nein: 11,4 % - Ohne Angabe: 1,9 % 7. Fehlt Ihnen etwas an Informationen zu diesem Thema? (Frage 5) - Offene Frage: 512 Nennungen von 422 Befragten, d. h. 21,8 % der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich mittels Freitext geäußert - Nur ein geringer Teil der Nennungen bezieht sich auf „weitergehenden Informationen“: 4,3 % „weitere Informationen fehlen“; 3,1 % „mehr Informationen in Medien“ - Häufiger wird die Frage der „Kosten“ kritisch angesprochen: 7,6 % „Kosten insgesamt“, 7,0 % „Kosten der Umbenennung“ - Auch machen die Anmerkungen deutlich, dass nicht alle Befragten die neueren Forschungen teilen, dass Hindenburg und weitere Namensgeberinnen/-geber als Stützen des NS-Regimes anzusehen sind: 8,2 % „Suggestive Fragestellung“, 5,5 % „Begründung zweifelhaft“ (Hindenburg) bzw. 5,1 % (weitere Namensgeber) - Bezogen auf alle Umfrageteilnehmer/innen liegen d iese Antwortanteile bei 2,2 % („Suggestive Fragestellung“), 1,4 % („Begründung Hindenburg zweifelhaft“) und 1,3 % („Begründung weitere Namensgeber zweifelhaft“) - Ebenso werden auch „neue Namensvorschläge“ für de n Hindenburgplatz genannt (5,5 % aller Nennungen bzw. 1,4 % bezogen auf alle Umfrageteilnehmerinnen und - teilnehmer), wobei hier der „Schlossplatz“ (3,7 %) überwiegt; vereinzelt werden weitere Namen genannt (z. B. Neuplatz, Friedensplatz)
Anlage-3-Übersichtsplan
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Humbo gwegr V/0365/2012 Anlage 3
Anlage-2-Anregung-110-2011
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Anregung Nr. 110/2011 1 Vereinigung Niederdeutsches Münster Gesellschaft für regionale Geschichte und Kultur - Stadtheimatverein Münster e. V. von 1953 - ar Uber Ößsrbürgeimeister jemg. 4 OKT, | | - Amt des ı des Oberbär Bezirksvertretung Mitte z. Hd. Herrn Bezirksbürgermeister Peter Fischer-Baumeister Rathaus Münster Sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister Fischer-Baumeister, nachdem die Zeitungen zunächst gemeldet hatten, eine Umbenennung des Humborgweges sei nicht mehr beabsichtigt, mehren sich jetzt doch die Anzeichen, dass eine solche Umwidmung weiterhin zur Diskussion steht. Aus der Presse war zu erfahren, dass Herr Dr. Lambacher als Leiter des Stadtarchivs eine Ausstellung über die Straßennamen und die Diskussion über Umbenennungen im Auftrag des Ältestenrates und des Oberbürgermeisters vorbereitet. Erstellt sind inzwischen sog. Stammblätter zu zwölf Straßennamen, darunter auch eines zum Humborgweg. Dieses ist ebenfalls im Internet einsehbar und abrufbar. Im Wesentlichen basiert es auf den Ausführungen von Dr. Daniel Schmidt in seinem 2008 erstellten Projektbericht und enthält Ungenauigkeiten und Unrichtigkeiten. Bei einem Vergleich des Stammblattes mit dem Projektbericht fällt übrigens auf, dass nur der letzte Absatz des Stammblattes als wörtliches Zitat des Dr. Daniel Schmidt bezeichnet wird, obwohl auch die davorstehenden drei Absätze sämtlich wörtlich von Dr. Schmidt übernommen wurden, ohne dass dies kenntlich gemacht worden ist. Insgesamt gesehen enthält jenes Stammblatt eine sehr einseitige Betrachtung, die in keiner Weise erkennen lässt, dass es seinerzeit sehr gute Gründe für die münsterischen Ratsmitglieder gab, dem Aa-Seitenweg den Namen „Humborgweg“ zu geben. Vielen Frauen und Männern des Rates unserer Stadt Münster war das Anregung Nr. 110/2011 Persönlichkeitsbild von Dr. Ludwig Humborg aus eigenem Erleben noch sehr gut bekannt ‚als sie in der Sitzung am 28. April 1972 jenen ehrenden Beschluss fassten. Zwei Monate zuvor, am 26. Februar 1972, hatte im Festsaal des Rathauses am Prinzipalmarkt eine Gedenkstunde zu Ehren von Dr. Ludwig Humborg stattgefunden, zu der federführend unsere Vereinigung eingeladen hatte, zusammen mit dem Verein "De Bockwindmüel", der Vereinigung der Alten Pauliner, dem Münsterschen Männergesangverein, der Turngemeinde Münster von 1882 und weiteren münsterischen Verbänden der Kultur-- und Heimatpflege. Insgesamt wirkten insgesamt elf Vereinigungen des öffentlichen Lebens unserer Stadt bei dieser Gedenkstunde mit, Dr. Hans Riepenhausen, der langjährige Geschäftsführer des Westfälischen Heimatbundes, hielt aus diesem Anlass eine äußerst eindrucksvolle Gedenkrede und führte dabei die zahlreichen Verdienste von Dr. Ludwig Humborg detailliert auf: . seine Vorträge und Führungen zur Geschichte der Stadt Münster, . seine Fahrten, in denen er seinen Reisegruppen die nähere und weitere Umgebung Münsters nahe brachte, . seine vielfältigen Veröffentlichungen zur Stadtgeschichte in Büchern, Einzelschriften und Pressebeiträgen, . die Skulpturen, mit denen er die noch stark zerstörte Stadt Münster schmückte und die er aus den Erträgen seiner Vorträge und Veröffentlichungen privat finanzierte. Die Parteimitgliedschaft von Dr. Ludwig Humborg in den letzten sechs Jahren des Dritten Reiches ist unseres Erachtens angemessen in jene Zeit und in ein gesamtes Leben einzuordnen und darf nicht überbewertet werden, zumal Dr. Ludwig Humborg im Entnazifizierungsverfahren rechtskräftig in die Kategorie V (= unbelastet) eingestuft worden ist. Auf Dr. Ludwig Humborgs Initiative wurde im Jahre 1953 unsere Vereinigung gegründet, als deren Vorstand wir z. Zt. die von ihm begonnene Arbeit fortsetzen. Als regional orientierte Gesellschaft für Geschichte und Kultur bemühen wir uns weiterhin, durch Informationen, Aktionen und Exkursionen Mitbürgerinnen und Mitbürger für Münster, seine Schönheiten und Qualitäten zu begeistern. Nur aus solcher Freude am Gemeinwesen erwächst auch die Bereitschaft zu jener Verantwortung, die Grundlage demokratischer Teilhabe ist. Die gesamte derzeit geführte Diskussion belegt übrigens die Richtigkeit jener altgriechischen Weisheit, nach der man niemanden glücklich preisen sollte, bevor er gestorben ist. Bis in die Gegenwart hält sich die Unsitte, noch lebende Personen, die ihr Leben keineswegs abgerundet haben, mit Benennung von öffentlichen Anregung Nr. 110/2011 Einrichtungen, Schulen und Straßen zu ehren. Hindenburgs Ehrung steht in der Zeit des Jahres 1927 und seiner ganz besonderen Umstände. In der Kritik stehen dagegen besonders Hindenburgs spätere Haltung und Fehlentscheidungen im Jahre 1933. - Dr. Ludwig Humborg stand ebenfalls in dieser Zeit, in der er Fehler gemacht hat, weil auch er dem Zeitgeist zeitweise folgte. Durch sein Leben und seinen Einsatz für Münster nach 1945 jedoch hat er bis zu seinem Tode 1972 seine Zuneigung zur seiner Heimatstadt Münster aktiv gelebt und zahlreiche Initiativen ergriffen, den Münsteranerinnen und Münsteranern just diese geschundene Heimat wieder nahe zu bringen und sie in ihrem Umfeld Westfalens und Nieder-Deutschlands erneut tatkräftig zu verorten. Wir fordern die Bezirksvertretung Mitte dringend dazu auf, die unbestreitbaren Verdienste, die sich Dr. Ludwig Humborg in seiner fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit für die Stadt Münster und seine Bürger nach dem Krieg erworben hat, wie schon der Rat unserer Stadt im Jahre 1972 weiterhin angemessen zu würdigen und von einer Umbenennung des Humborgweges abzusehen. Der Vorstand der Vereinigung Niederdeutsches Münster - Stadtheimatverein Münster e.V. von 1953 - Anlagen: Wortlaut der Gedenkrede von Dr. Hans Riepenhausen auf Dr. Ludwig Humborg im Festsaal des Rathauses am 26. Februar 1972 Korrekturen zum sog. Stammblatt Bemerkungen zum sog. Stammblatt „Humborgweg“ Nr.6. Historische Einschätzung (Stammblattauszüge kursiv) I) Fächer: Geschichte, Germanistik und Philosophie richtige Fächer: Geschichte, Deutsch, Latein, Erdkunde, Turnen 2) 1938 - 1946 Oberschule für Jungen „Am Wasserturm“ 1938 — 1941 Oberschule für Jungen Am Wasserturm, 1941/42 Oberschule für Mädchen Am Bispinghof, 1942 — 1946 Oberschule Am Wasserturm sowie Hermann-Löns-Schule. Von 1939 — 1946 leitete er, beauftragt durch den Oberpräsidenten, stellvertretend als Schulleiter die Wasserturm-Schule (das heutige Hittorfgymnasium), die Oberschule Am Bispinghof (die heutige Marienschule) sowie die Hermann-Löns-Schule ( das heutige Ratsgymnasium), ohne allerdings zum Oberstudiendirektor befördert worden zu sein. 3) 1949 engagierte sich Humborg als Vorsitzender des Vereins „Niederdeutsches Münster“ Von der Gründung 1953 bis zu seinem Tode engagierte sich Humborg als Gründungs-Vorsitzender im Heimatverein „Niederdeutsches Münster“ 4) Seit 1921 war er im Verband für das Deutschtum im Ausland (VDA) aktiv Seit 1921 war er im (überparteilichen) Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) aktiv. 5) Seit dem 1.5.1937 war er Mitglied der NSDAP Im Mai 1939 wurde er rückwirkend zum 1.5. 1937 Mitglied der NSDAP (vgl.. auch Stammblatt Stühmerweg, ebenfalls seit dem 1.5.37 Mitglied, der aufgrund seiner Antragstellung vom 11.10.1937 die Mitgliedsnummer 4716314 erhalten haben soll, sodass die Nummer 6989880 für Humborg eine deutlich spätere rückwirkende Aufnahme indiziert). 6) Nach 1933 ... im Verein für das Deutschtum im Ausland (VDA) Nach 1933 ... im Volksbund für das Deutschtum im Ausland (VDA) 7) zu den letzten vier Absätzen auf Seite 2: Nur der letzte Absatz ist als wörtliches Zitat des Dr. Daniel Schmidt bezeichnet worden, aber auch die davorstehenden drei Absätze sind wörtlich von Dr. Schmidt abgeschrieben worden, ohne dass dies kenntlich gemacht worden ist. 8) Resümee: Das Wort "fälschlicherweise" aus dem vorletzten Absatz gehört vielleicht besser als Ergänzung in die Überschrift: Historische Einschätzung, teils fälschlicherweise (vgl. oben zu 1 — 6). Gedenkrede von Landesoberverwaltungsrat a.D. Dr. Hans Riepenhausen in der Gedenkstunde für Oberstudienrat a.D. Dr. Ludwig Humborg im Großen Saal des Rathauses zu Münster am 26. Februar 1972 Sehr geehrte, liebe Frau Humborg! Ihnen und allen Angehörigen Ihrer großen Yanilie gilt auch meinerseits der erste Gruß. Meine Damen und Herren! Mit der Fanilie vereint, haben wir uns versammelt, um unseren verstorbe- nen Freund Ludwig Humborg gemeinsam die letzte Ehrung zu bezeigen. Wir danken der Stadt, die es uns ermöglicht hat, diese Gedenkstunde an der würdigsten Stätte abzuhalten, die seine Vaterstadt anbieten kann. Wir danken allen Mitwirkenden, die sich Sponten für die Ausgestaltung dieser Stunde zur Verfügung gestellt haben, und ich danke zugleich Ihnen allen, daß Sie der Einladung zu dieser Ehrung so zahlreich gefolgt sind. Recht besehen, ‘ist es ein einziger großer Freundeskreis, Ger jetzt zusamnen- getreten ist, Liebe Freunde! Es ist schon ungewöhnlich, daß hier über zehn Vereinigungen ganz ver- schiedener Zielsetzung zu einen gemeinsamen Anliegen eingeladen haben, Es ist ungewöhnlich, daß Ludwig Humborg, in der Öffentlichkeit der letzten 20 Jahre vor allen als Vorsitzender der Vereinigung Nieder- deutsches Münster bekannt, doch auch zugleich die Ehrennitgliedschaft - um die wichtigsten zu nennen - des Münsterschen Männergesangsvereins, der Turngeneinde Münster, der Vereinigung der Alten Pauliner, des Ver. eins De Bockwindmüel, der St, Antonii-Erzbruderschaft, des Heimatvereins Ahlen besaß, Daß er ausgezeichnet wurde nicht mur mit dem Bundesver- dienstkreuz Erster Klasse und, als erster Bürger der Nachkriegszeit, mit der Paulusplakette der Stadt Münster, sondern auch mit der Ehren- plakette des Westfälischen Reitervereins und daß für alle Zeiten sein Porträt eingeschnitz+t ist in das Ständerwerk der Bockwindmühle am Aasee, Es muß auch in Erinnerung gerufen werden, daß er von seinen Beruf her lange Jahre in das Bezirksseminar und in den wissenschaftlichen Prü- fungsausschuß des Böheren Schulwesens berufen wurde; daß er als sachkun. diger Bürger einen Ratsausschuß angehörte; daß er auch Mitglied des „2, I) DPREER DRREEI PEERDIER, -2- Kirchenvorstandes von St, Lamberti war. Was man auch noch für weitere Hinweise geben könnte: es überrascht die Zahl und die Mannigfaltigkeit der Arbeitsgebiete, denen der also Geehrte in besonderer Weise verbunden var. Wes war das für ein Mann? Ich will versuchen, in gebotener Kürze Per- sönlichkeit und Lebenswerk von Ludwig Eumborg zu zeichnen. Ich fange,. weil das dazu gehört, nit den amtlichen Daten an, Als ältester Sohn des Kaufmanns Bernard Hunborg am 19. März 1890 an der Hammer Straße in Münster geboren, wuchs er im Kreis von sechs Brüdern und fünf Schwestern auf. 1909 erhiet er am Paulinum das Zeugnis der Reife. Studium der Philologie in Freiburg und Münster, obwohl die Nei- gung schon damals auf Architektur und Kunst ging. 1912 Turnlehrerprüfung. 1914 mit einer Arbeit über die "Hexenprozesse in der Stadt Münster" zum Dr. phil. promöviert, und wenig später, obwohl schon zum Kriegs- dienst eingezogen, ‚das Staatsexamen mit der Lehrbefähigung für Geschicht-.. . und Deutsch (1. Stufe) und Latein (2. Stufe). 1919 Pädagogische Prüfung. 1925 folgte die Erweiterungsprüfung auch für Erdkunde (1. Stufe). Aus dem Krieg war er als Reserveoffizier mit Auszeichnung und Verwundung heimgekommen. 1920 Heiret, doch starb nach schwerer Krankheit seine Frau Mary, geb. Goebel 1933. 1936 Wiederverheiratung, nit Frau Hildegard, geb. Dieckmann. Von insgesamt neun Kindern leben heute fünf Töchter und ein Sohn, alle verheiratet. Trotz aller Beanspruchung gab es bis zuletzt im Hause Humborg oft Familienfeiern, und es war dem Vater immer wieder eine ganz besondere Freude, sie alle mit den Eltern am großen Fanilien- tisch zu erleben. Nach dreijähriger Beschäftigung als Studienassessor am Liebfrauen-Lyzeun in Oldenburg war Humborg ab 1922 beruflich ununterbrochen in Münster tätig, seit 1923 als Studienrat am Städtischen Gymnasium und Realgymna- sium, dessen Kollegiun er bis zu seiner Pensionierung 1955 angehörte, seit 1941 als Oberstudienrat. Durch die Kriegsverhältnisse bedingt, war er leitend eingeschaltet auch in die Oberschule am Wasserturm und die Mädchenoberschule am Bispinghof, und zweimal stellvertretend auch mit der Leitung des Ratsgymnasiuns betraut. Übereinstimmend wird seine Initiative und Einsatzfreudigkeit als Lehrer und Erzieher anerkannt; ungezählte Schüler danken ihm bis auf diesen Tag dafür, daß er ihnen die PUR Pandschaft, Geschichte und Kultur geöffnet hat. Mit seinen Schülern hat er von Anfang an heimatkundliche und kunstgeschichtliche Studien- 30 3% Tahrten durchgeführt und sie zu selbständiger Arbeit angeregt. Er wurde ihr Erzieher durch sein persönliches Beispiel. Auf freiwilliger Basis stellte er sich den Kollegen und dem Lehrernachwuchs mit seinen reichen landeskundlichen Kenntnissen zur Verfügung, so z.B. gemeinsam mit Emil Lücke in der Geographischen Gesellschaft für Münster und das Münster- land, \ Doch neben dem Lehrer, dem Pädagogen, Erzieher und Kollegen ist nun auch seiner Arbeit zu gedenken, die er im Sinn planmäßiger Erwachsenenbildung auf sich nahn, sei es weil man ihn darum bat, sei es aus eigener Initia- tive. Die Grundlage dafür hat er sich zumeist selbst erarbeiten müssen, Er war ein anerkannter Meister in der Übermittlung seines Wissens vor- nehmlich auf landeskundlichem und kulturgeschichtlichem Gebiet, für einen immer stärker anwachsenden Kreis ebenso wißbegieriger wie begei- sterter Zuhörer. Was aber in Vorträgen und auf Führungen so oft wie aus dem Augenblick geboren schien und Gestalt annahm, war in Wirklichkeit die Frucht eines immensen Fleißes, der dieses Lebenswerk kennzeichnet und den man wohl staunend erahnen mochte, von dem nur seine Gattin und die engsten Freunde in etwa wußten. Denn bei aller Veranlagung für sol- che Fähigkeit und Arbeit fiel ihm doch nichts mühelos in den Schoß. Immer war er damit beschäftigt, vom Fundament her sein Wissen handfest zu unterbauen und zu erweitern, Er hat mit Stoff und Material gerungen, Sie, liebe Frau Humborg, erzählten mir einmal, daß Ludwig wohl gern mit Ihnen einen Bummel durch die Stadt gemacht hat, Dabei sei es dann nicht selten passiert, daß er Ihnen mit seinen Gedanken und seinen Füßen davon geeilt sei. Getrennt kamen sie wieder ins Haus zurück. Auf Ihre Frage "Wo bist Du nur geblieben?" wußte er dann wohl strahlend zu antworten: "Ja Hilde, mir kam ein toller Einfall; auf alle Fälle: mein Vortrag steht!" Und dann haben Sie sich mit ihm gefreut, Man kann seine ebenso vielseitige wie umfangreiche Arbeit nur dann recht würdigen, wenn man sich klar macht, daß es immer eine Arbeit im Alleingang war. Er hat nie einen "Apparat" hinter sich gehabt. Was er geleistet hat, ist im stren- gen Sinn sein eigenes, persönliches Werk, Was Humborg sich wissenschaftlich erarbeitet hat, wurde niedergeschrie- ben. Viel davon ist veröffentlicht worden, Das erste größere Werk, das ihn beschäftigt hat, läßt bereits Ziel und Methode erkennen. das war das vierbändige Lehrbuch der Weltgeschichte von Welter, das er Anfang der zwanziger Jahre völlig überarbeitet und z;T. ganz neu geschrieben hat. We 1 + geschichte! Es ging ihm, so sehr wir ihn als den Tiftlier im Kleinen kennen, um die Zusammenhänge, um vorhandene und aus der sd am Sache geforderte größere Horizonte. Mit Akribie und Freude ging er auch kleinsten Fragen nach - wer hätte nicht manches Mal Exkurse, die er bei Vorträgen und Führungen dazwischen schob, mit einem leichten Seufzer einstecken müssen, so interessant sie sein mochten! -, aber er hat sich nie an Einzelheiten verloren, er suchte jede Einzelheit einzuordnen. In diesem Sinne hat er selbständige, überwiegend geschichtliche Arbeiten herausgebracht, so das Werk über 100 Jahre Ratsgymnasium Münster, so die Darstellung über 275 Jahre Firmengeschichte Rincklage van Endert, &o die Abhandlung über 1100 Jahre Kloster Herzebrock, Er hat mit seinen ge- schichtlichen Beiträgen einer ganzen Reihe von Festschriften einen Wert über den internen Gebrauch und über den Tag hinaus gegeben; ich erinnere an die Jubiläumsschriften der Turngemeinde Münster, des Vereins "Wilde Jagd" in Münster, der St. Antonii-Erzbruderschaft, der Firmen Osthues, Tuchmann u.a., der Industrie- und Handelskammer Münster, des KKY Hansa der Aschendorffschen Presse. Ich erinnere in diesen Zusammenhang auch an so manchen Festvortrag, der nie als Platte ‚abgelaufen ist, sondern "mit jeweils besonderer Thenatik, so etwa wenn. er vor ‘dem Münsterschen. Männergesangverein über Münster als NMusikstadt sprach, Ein anderes Feld schriftstellerischer Tätigkeit ist die Führung von Chroniken und Rundbriefen für kleinere Kreise, für Bruderschaften und gesellige Vereinigungen gewesen. Im Dicke-Wiewe-Peter wurde er der "Bruder Chronist" genannt. Wer das altehrwürdige, überdimensionale Chro- nikbuch der Großen Schützen-Gesellschaft, Bruderschaft von 1557, einmal hat einsehen können, der kommt aus dem Staunen und der Hochachtung nicht heraus, wenn er sieht, mit welcher Korrektheit und in welch weiter Auf- gabenstellung Ludwig Humborg Monat für Monat und Jahr für Jahr seines Chronikamtes waltete. An der einen Stelle geschah das handschriftlich, an anderen Stellen in Form von Rundbriefen, jeweils sechs bis acht Schreibmaschinenseiten, die, von ihm allein geschrieben, vervielfältigt alle Monate oder in größeren Zeitabständen herausgingen: so etwa nach Krieg und Zusammenbruch für das Ratsgymnasium, so für die Schola Paulina (das Mitteilungsblatt der Ehemaligen), für die Mitglieder vom Dicke- Wiewe-Peter, für die Große Schützen-Gesellschaft, für die Bruderschaft der Georgsritter. Zum geschriebenen trat auch hier das gesprochene Wort. In der Dicke-Wiewe-Petri-Bruderschaft verlas Ludwig Humborg alle Monate die Namen der Toten der Bruderschaft, die gerade in diesem Monat gestor- ben waren, gleich ob im Jahre 1815, 1870, 1905 oder 1971: lebendige Tra- dition - so baute unser Freund Tradition! In diesen Chroniken und Su 5 he Rundbriefen ist ein überaus vielschichtiges Material über einzelne Per- sönlichkeiten und zur Familien-, Stadt- und Zeitgeschichte zusammen- getragen worden. Daß er in der Sippe Humborg gleichfalls der Genealoge und Chronist gewesen ist, versteht sich beinahe von selbst. Vielleicht ist manchem von Ihnen, was ich hier erzähle, unbekannt gewe- sen. Wir alle aber kennen seit langen Jahren als Ergebnis seiner Heimat- forschung die unausschöpfliche Reihe seiner Zeitungsaufsätze zur Ge- schichte der Stadt Münster und des Münsterlandes. Aus den Quellen erar- beitet, füllen diese Artikel über die Altstadtstraßen, die Kirchen und Klöster unserer Stadt, über geschichtliche Vorgänge und Zustände, Auf- sätze über Handel und Gewerbe, über die Kunst und Kulturgeschichte, über das Brauchtum, über Persönlichkeiten und Originale mehrere dicke Bände in seinem Bücherregal. Auf seinem Schreibtisch hat die Familie noch Kartenentwürfe über Fernstraßen und Postwege des Münsterlandes liegen, Der Tod hat ihm die Feder aus der Hand genommen, Diese Hunderte von Aufsätzen und Artikeln waren, wie Sie wissen, mit Hunderten von Zeichnungen versehen, Einst hatte Ludwig Humborg das ge- nannte Lehrbuch der Weltgeschichte reichlich und ausschließlich mit eige- nen Zeichnungen illustriert, auch mit vielen Plänen und Karten. Seitden hat die Zeichnung sein ganzes Lebenswerk begleitet. Kein Vortrag, der nicht unter den Dias auoh eigene Zeichnungen brachte; keine Exkursion, zu der er nicht gleich eine ganze Mappe von selbstgefertigten Grund- rissen und Plänen mitgebracht hätte. Kein Buch und kein Artikel ohne Kärtchen, an deren unterem Ende der Nane Humborg zu finden war. Das war zweifellos bei ihm das Erzeugnis einer wahren Kartenleidenschaft (Gott sei Dank, daß es auch so etwas gab und gibt!). Das wies ihn aber auch als Pädagogen aus, denn das geschriebene Wort in Verbindung mit Karte und Plan spricht weitere Kreise an als ein Text ohne Bild. Diese Pläne sind aber auch ein Beweis für die Gründlichkeit all seiner Arbei- ten. Im Text kann man bekanntlich viel verschweigen, wenn man nicht weiterkommt, Erst die Karte dokumentiert, daß man sein Material lücken- los durchgearbeitet hat, Schubladen voller Karten liegen in Humborgs Wohnung; die Sammlung dürfte einzig in Münster sein; ein unschätzbarer Wert, der der Nachwelt erhalten bleiben muß! Das Wissen um Land und Leute möglichst anschaulich und konkret zu ver- mitteln, ist nun auch der Grund für die zahllosen Führungen, Wanderungen, Exkursionen und Studienfahrten gewesen, die Ludwig Humborg erarbeitet 6b .6- und geleitet hat. Mag ihm im Eifer des Augenblicks dabei auch hin und wieder ein sachlicher Lapsus unterlaufen sein, immer wieder hat er sich als ein profunder Kenner der.Geschichte und Kultur erwiesen, ob es um Münster ging, um Westfalen, um Rhein und Mosel, um Flandern, um den Nordwesten, um den Hansaraum, oder wohin noch die Fahrten in den weite- ren Norden oder Süden gingen. Er wollte nicht eigentlich über etwas reden, sondern er wollte vor Augen führen. Seine Hinführung war für jeden Einzelnen die Startbahn, sich vor Ort eine Stadt, eine Wasserburg, eine Larädschaft selbst zu eigen 'zu machen; seine Arbeit "vor Ort" zielte da- hin, aus Selbsterarbeitung Geschichte und Kultur zum persönlichen und gemeinschaftlichen Erlebnis werden zu lassen. Erst mit dieser Ärbeits- weise - mit seinen Hörern vor dem Objekt zu Stehen und zu arbeiten - kam Ludwig. Humborgs Begabung und Eigenart zu voller Entfaltung und zu nachhaltiger Wirkung. So viel er geschrieben und veröffentlicht hat, letzthin war er weniger ein Mann des geschriebenen, viel mehr ein Mann - des- gesprochenen Wortes. Stand er vor einem Kunstwerk - und. hier ist insbesondere an die Baukunst zu denken -, war er ein Meister der Inter- pretation, In ungewöhnlicher Weise, mit Geschick und Glaubhaftigkeit, war es ihm vergönnt, sein Wissen weiterzugeben. Er sprach mitreißend, voll sprudelnder Lebendigkeit. Selbst alten Kennern der Heimat und Ihrer Kultur wußte er wieder und wieder Neues anzubieten, nicht zuletzt durch die Art, wie er darüber sprach. Auch seine vielen Vorträge in Verbänden und Vereinen waren über den sachlichen Inhalt hinaus deswegen beachtet und beliebt, weil sie lebendig, anschaulich, unkompliziert und mit persönlicher Überzeugungskraft ange- boten wurden, Mancher Vortrag mußte wiederholt werden. Mit demselben Vortrag ist in einer Veranstaltung der Volkshochschule einstmals das Auditorium maximum unserer Universität nicht weniger als dreimal voll- besetzt gewesen. Und unvergessen bleibt, wenn Ludwig Humborg im kleinen, mehr privaten und persönlich bestimmten Kreis ans Erzählen kam. Dann konnte Stunde auf Stunde vergehen: er bildete sehr schnell den Mittelpunkt des Kreises, man hörte ihm gespannt zu, Lachsalve über Lachsalve dazwischen. Eine befreiende Geselligkeit, die mit Ludwig Humborg aber niemals nur unver- bindlicher Zeitvertreib war, sondern stets Substanz, stets Bleibendes hinterließ. So sehr alles, was Humborg seinen Mitmenschen gab, in allen vier Himels- Ei N richtungen in die räumliche Weite griff, so erklärt gab es andererseits für ihn auch einen Mittelpunkt: seine Vaterstadt Münster. Um ihr Gesicht, ihre Geschichte, ihre tragenden Kräfte, um ihre Bürgerschaft hat er sich von Jungensjahren an bis zum letzten Atemzug in besonderer Weise bemüht. Man konnte wohl hin und wieder den Eindruck bekommen, daß Ludwig Humborg, so großartig das einerseits ist, denn doch zu ein- seitig nur an Kunst und Kunstgeschichte, an Kirchen und Wasserburgen interessiert gewesen sei. Nichts ist verkehrter als das. Seine Arbeit für Münster zeigt das Gegenteil. Von seiner stadtgeschichtlichen For- schung ist schon die Rede gewesen, vom Paulinum (wo er lange Jahre eine der markantesten Gestalten des Farbenfestes war) und vom Ratsgymnasiun auch. Er hat aber auch Denkmalpflege von den Grundlagen her betrieben; hat mit seinen Schülern am Prinzipalmarkt, am Rathaus den Bombenschutt aufgeräumt; hat mit seinem Sohn in den Ruinen des Domes und an Über- wasser gearbeitet, um charakteristische Einzelheiten des Bauwerks vor dem gänzlichen Verlust zu retten. Immer wieder ist der Dom ihm das Herzstück seiner Vaterstadt gewesen, Auch im Wiederaufbau der Stadt hat er seine Stimme abgegeben, sei es in der Zeitung, wenn es etwa um die Fassade des Dominikanerklosters ging, oder in Gesprächen mit Stadt- politikern, Dienststellenleitern, Geistlichen usw.. So leicht hat nie- mand in Münster Ludwig Humborg ein Gespräch verweigert. In den vielen Fraternitäten und Verbänden, deren Mitglied er war, hat er stets auch Münster ins Gespräch gebracht. Er hat wesentlich dazu beigetragen, im Wiederaufbau auch die Bürgerschaft einer neuen, inneren Gemeinschaft zuzuführen. Mit Rat und Tat stand er, als 1951 der Verkehrs- und Heimat- verein begründet wurde, an der Wiege der Münsterischen Heimattage, die von hier ihren Ausgang nahmen (in den ersten Jahren standen dann bis zu 20.000 Menschen auf dem Prinzipalmarkt); ohne seinen Rat, seine Zustin- mung wurde hier nicht gearbeitet. Er hat das Lambertispiel als Spiel der Nachbarschaften und Stadtviertel gefördert. Er stand im Kreis jener Män- ner, denen das vorweihnachtliche Straßenbild unserer Stadt zu verdanken ist. 1953 wurde als der örtliche Heimatverein das "Niederdeutsche® Münster" begründet, Ludwig Humborg zum ersten und bislang einzigen Vorsitzenden dieser Vereinigung gewählt. Dank der vorbilälichen Unter- stützung durch seinen Freund Bernhard Hasenkamp hat er im Niederdeut- schen Münster unter eigener Leitung mehr als 150 Studienfahrten, z.T, mehrtägig, durchgeführt und doch auch hier zunächst und stets seine Freunde und Mitarbeiter auf Münster selbst verwiesen und verpflichtet. -B- BR Durch seine persönliche Initiative und Opferfreudigkeit wurde das Nieder- deutsche Münster in die Lage versetzt, der Stadt nicht weniger als sechs Denkmäler zu errichten und zu schenken: das Gänsedenkmal auf der die Gedenktafel für Antonie Jüngst auf dem Zentral- Spiekerhofbrücke, das neue Altumdenkmal auf der friedhof, der Nikolaus am Horsteberg, der Totengedenkschein für den alten Aegidii-Friedhof, der. Theo Breiders Kreuzschanze, heute Parkplatz ist, und zuletzt der Spökenkieker auf Mühlenhof. was er zu Lebzeiten nicht gewußt haben wollte, daß die ihm seine Wir wissen heute, in diese Denkmäler viele Honorare eingeflossen sind, reiche Vortrags- und schriftstellerische Tätigkeit eingebracht hats es gibt auch solche Zeichen der Zeit; ein einfacher, keineswegs vermögender Bürger stand dahinter. Skizziere ich damit auch nur einige Akzente seiner Tätigkeit in Münster, so werden Sie mir beipflichten, daß es nicht zutrifft, in Ludwig Humborg nur den Historiker zu sehen, so große Verdienste er um die Aufhellung der Geschichte hat. So sehr er der Vergangenheit zugewandt war, ging es ihm doch um die Gegenwart. Werten der Vergangenheit gewußt, er hat die Werte in sein Leben hine ens Er hat nicht nur viel von den Kräften und in- geholt, er hat sie mit allen Fasern seines Geistes und seines Herz hier und heute unter uns gestellt; nicht um der Vergangenheit und all ihrer Schönheit willen, sondern auf die Zukunft hin. Er hat aus der Gegenwart heraus an die Tradition angeknüpft und, wie ich schon sagte, an der Tradition zugleich gebaut. Ludwig Humborgs Verhältnis zur Ge- schichte steht in zwei Punkten beispielhaft vor uns: Erstens: Er hat gewußt, daß "geschichtlich leben" heißt, Vergangenheit und Zukunft vor Augen zu haben und aus der Gegenwart heraus nach beiden Seiten hin in der Verantwortung zu leben. Zweitens: Er hat gewußt und vorgelebt, daß Tradition nicht darin besteht, überkommene Werte gleichsam wie ein fertiges Paket, das uns die Geschich- te anbietet, in Empfang zu nehmen und in Treue und Dankbarkeit zu kon- —_— geryieren, sondern daß - mit Josef Pieper zu sprechen - Traditionswerte u weiterzugeben-sind ‘und daß ein solches Tradieren ein höchst aktiver All seine Arbeit hatte hier ihre Sinnmitte, stand in dieser, Vorgang ist. d Gegen- dem Menschen wie Christen gestellten Aufgabe, aus Geschichte un "ILL L wart Werte in uns und um uns sichtbar zu machen, glaubhaft zu ı machen und weiterzugeben. ig = Hat er uns, so verstanden, nicht unendlich viel mit auf unseren Lebens- weg, in die Zukunft hinein, gegeben? und fühlen wir nicht deshalb so greifbar, was der Tod dieses Mannes bedeutet? Wir waren mit ihm nicht durch Kenntnisse und Wissenschaft - so sehr das alles dazu gehörte -, sondern durch das Leben verbunden, Ich bin mit solchen Äußerungen über die reine Berichterstattung hinaus- gekommen und versuche, Bilanz zu ziehen. Damit tritt uns immer deutli- cher die Persönlichkeit des Verstorbenen vor Augen, Von seiner Arbeitslust, dem Fleiß, der Einsatzfreudigkeit ist wiederholt die Rede gewesen. Ich muß nun noch von seiner Kontaktfreudigkeit und seiner Hilfsbereitschaft sprechen. Kein Wunder, daß man diesen ludwig Humborg von allen Seiten als Mitarbeiter zu gewinnen suchte! Steckte er such immer bis über die Ohren in Arbeit, er hat sich kaum je versagt, wenn man einen Vortrag, einen Festartikel, eine Festrede oder eine Fahrt und Führung von ihm wollte. In den Münsterischen Bruderschaften fühlte er sich zuhause. Das ist verständlich; hier strahlte ihm Liebe, Verehrung und auch die Anerkennung entgegen, um die es ihm nicht ging, die aber doch auch zum Leben gehört. Hier stand er immer im Dienst, Ebenso, wenn auch in anderer Art, im Niederdeutschen Münster, Aber wie viele Bittsteller kamen noch sonst und wurden seine Partner! Ich nenne an erster Stelle die Ostvertriebenen. Lange Jahre war er der Redner am Tag der Heimat und auf sonstigen Ost-West-Veranstaltungen. Seine Kenntnisse über Westfalen und den deutschen Osten wurden Gemein- gut, als Anfang der fünfziger Jahre sein Vortrag über dieses Thema im amtlichen Schulblatt der Regierung Münster in vollem Wortlaut zum Abdruck kam, Auf Exkursionen hat er den Vertriebenen den neuen Lebens- raum erschlossen, und er nutzte dabei gern die Gelegenheit, die ihm unsere Heimat in reichen Maße bietet, um vom westfälischen Befund her Brücken nach dem Osten zu schlagen. Ich erinnere allein an die Zister- zienser, die ihm sowieso besonders ans Herz gewachsen waren, In den Kurturgremien der Ostdeutschen hat er jahrelang mitgearbeitet, auf den Ost-Westdeutschen Kulturtagen Wissen und Erfahrung zur Verfügung ge- stellt. Er konnte Heimat anbieten und hat sie den Vertriebenen ver- schafft. Nicht nur in Münster war er gesuchter Mitarbeiter und Berater auch in Volkshochschulen, Zahlreiche stadtmünsterische Vereine und Verbände hatten in ihm einen hanädfesten Freund und Mitarbeiter - das klang schon - 10 - uk = 02 anfangs an -. Über den Westfälischen Heimatbund, den Deutschen Turner- bund, über Schützenverbände, Firmen, Wirtschafts- und Standesorganisa- tionen usw. war er in ganz Westfalen bekannt und als Mitarbeiter tätig. Vor Studenten, in Altersheimen, auf vielen Kongressen stand er als Redner und Exkursionsführer. Zeitungen und Zeitschriften wünschten und erhielten seine Mitarbeit, so etwa der Westfälische Heimatkalender, der Westfalenspiegel, die Kirchenzeitung. Oft genug habe auch ich persönlich bei Terminkollisionen seine Hilfsbereitschaft in Anspruch nehmen dürfen. Immer wieder waren es freiwillig und - trotz aller Bedrängnis - gern übernommene Verpflichtungen, die seine Alltagsarbeit kennzeichnen, bis zu seinem letzten Vortrag, den er für das Niederdeutsche Münster am 2. Dezember 1971 im Mühlenhaus gehalten hat. Man könnte meinen, eine derartig vielseitige und auch strapaziöse Bean spruchung im Dienst der Heimat und nach allen Seiten hin habe ihn inner- lich zerrissen und zeitlich zersplittert. Im Gegenteil aber wird an Wirken Ludwig Humbor&s deutlich, daß Kultur - so sehr Kulturarbeit sich von der Sache und dem Arbeitsfeld her spezialisieren muß - von der Heimat her eine innere, schöpferische Mitte besitzt. Von dieser Herzmitte spürte man bei ihm, wo immer er war. In der Rangordnung der Werte stand für ihn - so leichtfertig, ahnungslos oder auch überheblich heute davon gesprochen wird - die Heimat an unverrückbar. wichtiger Stelle. Ludwig Humborg war und bleibt uns ein Beispiel dafür, daß eben- deshalb, weil die Heimat ein hoher Wert ist, umso mehr Anstrengung erforderlich ist, ihr zu entsprechen. Ludwig Humborg hat noch eine andere Heimat gehabt. Sie war begründet in seiner tiefen, vorbehaltlosen Frömmigkeit als gläubiger Christ. Wer möchte es für möglich halten, daß ein Mann solcher Beanspruchung, der überdies auch in später Stunde des Tages das Bier im geselligen Kreis nicht verschmähte, durch Jahrzehnte Tag für Tag in der Morgenstunde die heilige Messe mitgefeiert hat?! Aus solcher Sammlung, aus solcher Ortsbestimmung in der Morgenfrühe ging er in die Unruhe seines Arbeits- tages hinein. Und war bis an sein Lebensende ein Mann von jugendlicher „Frische, nicht nur voll Temperament und Dynanik, sondern auch voll Lebensfreude und großartigen Humor. Selbstlos und bescheiden; kanerad- schaftlich und gütig; mit der seltenen Gabe versehen, allen Dingen und Situationen eine gute, die beste Seite abzugewinnen; den alten Werten wie den guten Neuen geöffnet: so steht seine Persönlichkeit in unserer Erinnerung. Von einer inneren Leidenschaft zur Sache besselt = 41,“ - 11 - (wie es in einem Nachruf heißt), der Wissenschaft und der Heimatfor- schung verschrieben, ging es ihm letzthin doch nicht um die Sache, sondern umnden Menschen. Es war die Stärke dieser Persönlich- keit, daß ihn Forschung und Betriebsamkeit nicht versklavt haben, san- dern daß er darüber Mensch geblieben ist. Das Menschliche in seinen tiefsten und eigentlichen Merkmalen und Eigenheiten blieb zeitlebens in Lauterkeit und Redlichkeit in ihm lebendig. Ebendeshalb wurde alle Sachkunde, die ihn auszeichnete; wurden alle Kenntnisse und Erkenntnisse, die er an seine Mitmenschen weitergab, glaubhaft und überzeugend. Walter Werland hat einmal geschrieben, daß sein Geist in seinem Herzen veran- kert war. Einer seiner Freunde sagte mir in diesen Tagen der Trauer um ihn: Wir verdanken Ludwig die Fröhlichkeit des Herzens und das Erlebnis der Schönheit von Kunst und Kultur. Ludwig Humborg hat die Freude, die er anderen gab, selbst verkörpert. In der humanen und christlichen Welt hat er seinen Standort gehabt. Nun müssen wir von Ludwig Humborg Abschied nehmen. Ich zitiere einen Satz aus einem Kondolenzbrief an die Familie Humborg: "Nun ist ein Stück Heimat für immer von uns gegangen." Sein Leben ist sein Erbe, das uns verpflichtet und weiterhin begleitet,
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich beschlossen
Zur SitzungOrte (11)
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0365/2012
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 07.05.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37