0083/2023
Zwischenbilanzierung der Gesamtstrategie „Kölner Kinder stärken!“ zur Prävention von Kinder-, Jugend- und Familienarmut und Ausblick auf die strategische Weiterentwicklung in 2023
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Mitteilung Ausschuss
18348 Zeichen
Dezernat, Dienststelle
IV/IV/2
Vorlagen-Nummer 16.01.2023
0083/2023
Mitteilung
öffentlicher Teil
Gremium Datum
Ausschuss Schule und Weiterbildung 23.01.2023
Jugendhilfeausschuss 31.01.2023
Ausschuss Kunst und Kultur 31.01.2023
Stadtentwicklungsausschuss 02.02.2023
Sportausschuss 02.02.2023
Integrationsrat 28.02.2023
Ausschuss für Soziales, Seniorinnen und Senioren 02.03.2023
Gesundheitsausschuss 07.03.2023
Stadtarbeitsgemeinschaft Lesben, Schwule und Transgender 09.03.2023
Zwischenbilanzierung der Gesamtstrategie „Kölner Kinder stärken!„ zur Prävention von
Kinder-, Jugend- und Familienarmut und Ausblick auf die strategische
Weiterentwicklung in 2023
(1) Hintergrund
Kinder-, Jugend- und Familienarmut erfährt aktuell angesichts multipler gesellschaftlicher Kri-
sen berechtigt eine sehr große Aufmerksamkeit. Die Verwaltung nimmt dies zum Anlass, ers-
tens vorliegend eine kurze Zwischenbilanz der Gesamtstrategie „Kölner Kinder stärken!“ zu
ziehen und zweitens in 2023 mit Unterstützung der Koordinationsstelle „Kinderarmut“ des
Landschaftsverbandes Rheinland in einen beteiligungsorientierten strategischen Weiterent-
wicklungsprozess zur Prävention von Kinder-, Jugend- und Familienarmut in Köln einzutre-
ten.
Der Rat der Stadt Köln hat am 12.12.2019 die Gesamtstrategie „Kölner Kinder stärken!“
beschlossen. Es handelt sich um ein strategisches Konzept zur (weiter verbesserten) Verwirk-
lichung der Teilhabe- und Entwicklungschancen aller Kinder und Jugendlichen in Köln und
enthält ein Leitbild, strategische Handlungsfelder und Ziele, ein Präventionsmonitoring sowie
Struktur- und Praxismaßnahmen. (Session 3437/2019). „Kölner Kinder stärken!“ ist wichtiger
Bestandteil der Stadtstrategie „Kölner Perspektiven 2030+“ und zahlt hier insbesondere
auf Leitsatz 3 „Köln sorgt für Bildung, Chancengerechtigkeit und Teilhabe“ und Handlungs-
empfehlung 7 „Vorfahrt Bildung“ ein.
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Gez. Voigtsberger
Die Entwicklung der Gesamtstrategie entstand im Rahmen der fortlaufenden Teilnahme der
Stadt Köln am Landesprogramm „kinderstark – NRW schafft Chancen“ (frühere Bezeich-
nungen: „Kein Kind zurücklassen“ bzw. „Kommunale Präventionsketten“) seit 2017 und wurde
durch die Servicestelle Prävention des Landes, getragen durch das Institut für soziale Arbeit
(ISA) Münster, unterstützt. Seit Anfang 2023 wird die Begleitung des Landesprogramms durch
den Landschaftsverband Rheinland - Landesjugendamt gewährleistet.
Seit 2020 stellt das Land im Rahmen von „kinderstark“ auch auf einer Praxisebene Förder-
mittel zur Umsetzung innovativer Präventionsmaßnahmen zur Verfügung, die die beste-
hende kommunale Präventionskette sinnvoll ergänzen sollen. Die Mittel des Förderpro-
gramms in Höh e von aktuell jährlich rund 1 Mio. Euro für Köln fließen in neun Familiengrund-
schulzentren ( siehe auch aktuelle Mitteilung „Kommunales Rahmenkonzept Familiengrund-
schulzentren, Zwischenbilanzierung und Entwicklungsperspektiven“, Session 3782/2022), in
Gesundheitslots*innen (Kinderkrankenpflegekräfte) an diesen Familiengrundschulzentren,
Bildungslots*innen für geflüchtete Kinder, (aufsuchende) Familienlots*innen an Familienhäu-
sern und des kommunalen Familienbüros, Outreach-Angebote des Museumsdienstes sowie in
das Controlling und die kommunale Koordination der Gesamtstrategie und den weiteren Auf-
und Ausbau des Familienportals „Guter Start NRW“. Die benannten Maßnahmen sind teilwei-
se als neue, ergänzende Bestandteile der Gesamtstrategie „Kölner Kinder stärken “ auf der
Praxisebene anzusehen.
Das Land versteht „kinderstark“ als dauerhaften Einstieg in eine verbesserte Unterstützung
der Kommunen bei der Prävention von Kinder- und Jugendarmutsfolgen. Es ist davon auszu-
gehen, dass das Landesprogramm im Kontext von landesseitigen Akzentsetzungen weiter
gestärkt werden wird. Aktuelle politische Diskurse in Nordrhein Westfalen, allen voran der
vorgesehene „Pakt gegen Kinderarmut“ der Landesregierung , betonen die Zusammenar-
beit unterschiedlicher Akteur*innen zum gemeinsamen Kampf gegen die Auswirkungen öko-
nomischer Armut auf die Entwicklungschancen von Kindern und Jugendlichen. Nach der Auf-
taktkonferenz am 30. November 2022 hat sich eine multiprofessionelle Arbeitsgruppe auf
Landesebene formiert, im Frühjahr 2023 wird ein landesweiter „Fachkongress gegen Kin-
der- und Jugendarmut“ durchgeführt werden.1
In Köln leben aktuell 175.063 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, das entspricht einem
Bevölkerungsanteil von 16,2% (Stichtag 31.12.2021). Rund jede*r sechste Kölner*in ist
also unter 18; Köln ist (auch) eine Stadt der Kinder und Jugendlichen. Nach aktueller
städtischer Bevölkerungsprognose werden in Köln 2025 voraussichtlich rund 178.800, in 2030
rund 178.400 und in 2035 rund 175.600 unter 18-Jährige leben.
Davon wachsen aktuell 37.456 in SGB II -Bedarfsgemeinschaften auf, das sind 21,4% aller
Kinder und Jugendlichen. Mehr als jeder fünfte junge Mensch in Köln ist von (ökonomi-
scher) Armut betroffen. Negative Auswirkungen von materieller Armut auf die Teilhabe- und
Verwirklichungschancen von Kindern und Jugendlichen sind vielfach belegt, es ergeben sich
z.B. weitreichende Effekte auf Bildungs - und Gesundheitschancen sowie soziale Teilhabe.
Zudem zeigen sich (nicht nur) in Köln sehr starke sozialräumliche Ungleichheiten.
Die Covid-19-Pandemie hat bestehende soziale Benachteiligungslagen stärker ins Be-
wusstsein gebracht und gleichzeitig verstärkt.
1 https://www.land.nrw/pressemitteilung/startschuss -fuer-den-pakt-gegen -kinderarmut (Stand:
07.12.2022).
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Gez. Voigtsberger
Die bekannte COPSY-Studie (Corona und Psyche) des Universitätsklinikums Ham-
burg-Eppendorf (UKE) weist nach, wie stark negativ sich die Corona-Pandemie auf die
Lebensqualität von Kindern und Jugendlichen ausgewirkt hat und auswirkt. Psychische
Auffälligkeiten, Angst und Depression haben stark zugenommen.2
Der DAK-Kinder- und Jugendreport 2022 zeigt, dass insbesondere Schulkinder und
Jugendliche von einer Zunahme neudiagnostizierter psychischer und Verhaltensstö-
rungen während der Pandemie betroffen sind. Insbesondere bei Essstörungen, De-
pressionen, Angststörungen und Adipositas zeigen sich im Jahr 2021 gegenüber dem
Vorpandemiezeitraum deutliche Zunahmen der Neuerkrankungsraten.3
Das Deutsche Jugendinstitut (DJI) spricht von einem „langen Weg aus der Pandemie“
und unterstreicht, dass die Folgen der Pandemie Jugendliche und junge Erwachsene
in fast allen Lebensbereichen weiterhin stark belasten. Insbesondere wurden und sind
wichtige Entwicklungsaufgaben des Jugendalters stark beeinträchtigt, haben Freund-
schaftsbeziehungen und Freizeit- und Sportaktivitäten gelitten. Die Lebensrealität Ju-
gendlicher spielt sich verstärkt in der virtuellen Welt ab, mit allen Risiken und auch
Chancen. Fragen der sozialen und digitalen Kompetenz und Teilhabe sind drängender
geworden.4
Die Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) veröf-
fentlichte zum Jahresende 2022 ein Gutachten, das u.a. aufzeigt, dass eine wachsen-
de Zahl der Grundschüler*innen die Mindeststandards in Deutsch und Mathematik
nicht erreicht.5 In der öffentlichen Rezeption war teilweise von einem „zweiten PISA -
Schock“ die Rede.
(2) Zwischenbilanz „Kölner Kinder stärken“
Mit Ratsbeschluss von 2019 ist die Verwaltung beauftragt worden, die vorgeschlagenen Maß-
nahmen auf Struktur - und Praxisebene umzusetzen. Wie oben angesprochen, sind seit
2020 weitere Praxismaßnahmen ergänzt worden. Für einen aktuellen Sachstand siehe An-
lage.
Es wird nach Einschätzung der Verwaltung deutlich, dass erhebliche Fortschritte erreicht wur-
den, es gleichsam aber naturgemäß noch sehr viel zu tun gibt und es sich bei der Bekämp-
fung von Kinder-, Jugend- und Familienarmut um eine komplexe Daueraufgabe handelt. Die
Frage nach Akzentsetzungen und Prioritäten, nach alten und neuen Maßnahmen auf der
Struktur- und der Praxisebene wird im Rahmen der strategischen Weiterentwicklung in 2023
eine wichtige Rolle spielen.
Das Gleiche trifft auf den strategisc hen „Überbau“ zu. Präventionsleitbild und -strategie,
Präventionsmonitoring und Denkansatz der Präventionskette haben sich nach Einschät-
zung der Verwaltung sehr bewährt, auch und gerade angesichts der aktuell krisenhaften ge-
sellschaftlichen Entwicklung. Gleichwohl können und sollten hier im weiteren Entwicklungs-
prozess Ergänzungen und neue Akzente gesetzt werden.
2.1 Präventionsleitbild und-strategie
„… Kölner Kinder und Jugendliche sind eine Chance für unsere Stadtgesellschaft. Sie alle
brauchen bestmögliche Chancen, um ihre Träume zu verwirklichen, ihre Potenziale und Ta-
lente zu entfalten und um Köln heute und in Zukunft mitzugestalten. … Wichtigster Ort des
Aufwachsens ist die Familie. … Überall dort, wo Erziehungsberechtige dauerhaft Verantwor-
tung für Kinder und Jugendliche übernehmen, ist Familie. …Das Aufwachsen erfolgt mehr und
mehr in öffentlicher Verantwortung: … Die Zukunft unserer Stadt geht täglich durch die Türen
unserer Kitas, Schulen und Jugendeinrichtungen.“ (vergleiche 3437/2019, Anlage 1, „Kölner
2 Pressemitteilung des UKE vom 09.02.2022: COPSY -Studie: Ergebnisse der dritten befragungsrunde
liegen vor. Psychische Belastung von Jugendlichen und Kindern weiterhin hoch – aber leicht rückläufig.
3 DAK Gesundheit (2022): Kinder - und Jugendreport 2022. Kinder - und Jugendgesundheit in Zeiten der
Pandemie, August 2022.
4 DJI Impulse 2/22: Der lange Weg aus der Pandemie.
5 Ständige Wissenschaftliche Kommission der Kultusministerkonferenz (SWK) (2022): Basale Kompe-
tenzen vermitteln. Bild ungschancen sichern. Perspektiven für die Grundschule.
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Gez. Voigtsberger
Kinder stärken!“, 3.1 Leitbild, Seiten 16 bis 18)
Das Leitbild klärt Perspektiven, gibt Orientierung und formuliert gemeinsame Ziele. Im
Kern stellt es auf folgende sechs Leitsätze ab, die in den zwei Handlungsfeldern „Bil-
dungschancen“ und Gesundh eitschancen“ weiter ausdifferenziert und operationalisiert
werden:
1. Junge Menschen und Familien stärken!
2. Quartiere stärken!
3. Regelinstitutionen stärken!
4. Qualität entwickeln!
5. Zugänge eröffnen und Übergänge gestalten!
6. Integriert, ressortübergreifend denken, planen und handeln!
Eine wichtige Ergänzung im anstehenden strategischen Entwicklungsprozess könnte bei-
spielsweise auf den bestehenden Fachkräftemangel abheben und die Fachkräftesicherung
und multiprofessionelle Teams als eigenen Leitsatz akzentuieren. An gesichts steigender
(Energie-)Preise ist im Rahmen von „Regeleinrichtungen stärken“ auch an die Strukturerhal-
tung zu denken. Zudem könnten bei der Beschreibung der Zielgruppe der Kinder, Jugendli-
chen und Familien Fragen von Diversität und Vielfalt noch stärker betont werden. Außerdem
wäre in Erwägung zu ziehen, neben Bildungs - und Gesundheitschancen mit „soziale und
digitale Teilhabe“ ein weiteres Handlungsfeld zu denken.
2.2 Präventionskette
Der Terminus „Präventionskette“ dient der Veranschaulichung der strategischen Gestal-
tung einer kommunalen Infrastruktur zur Bekämpfung der Folgen von ökonomischer Armut
von Familien auf die Lebenslagen von Kindern und Jugendlichen. Anhand der Lebensjahre
(gedacht entlang einer Kette) sollen auf diese Weise die unterschiedlichen Unterstützungsan-
gebote für Familien, Kinder und Jugendliche zur Prävention der Kinderarmutsfolgen systema-
tisch nachvollziehbar dargestellt werden, um Lücken zu identifizieren, Bedarfe zu ermit-
teln, Planungen und Angebote aufeinander abz ustimmen sowie Zugänge zu schaffen.
Das folgende Schaubild vermag einen guten grundsätzlichen Eindruck zu geben.
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Gez. Voigtsberger
Die hohe Komplexität und Vielfalt einzelner Präventionsmaßnahmen bleibt eine Herausforde-
rung. Auf erste Versuche, hierbei eine verbesserte Übersicht zu geben, wird an dieser Stelle
querverwiesen (vergleiche 3437/2019, Anlage 1, „Kölner Kinder stärken!“, 5.1 Skizze der
kommunalen Präventionskette, S. 49 bis 53).
Eine hohe Bedeutung hat in diesem Zusammenhang die weitere Umsetzung von „Guter
Start NRW“, einem Portal, das zum einen als Informationsplattform für Kinder, Jugendliche
und Familien dient, zum anderen als Auswertungs- und Planungstool dienen kann. Angemerkt
sei auch, dass im Rahmen der Weiterentwicklung über die Fokussierung der kompletten
Präventionskette nachgedacht werden sollte, und damit stärkere Verbindungslinien zur
kommunalen Kinder - und Jugendförderplanung und zu Jugendlichen gezogen werden,
nachdem die Gesamtstrategie in einem ersten Schritt zunächst einen Akzent auf die Lebens-
lagen von Kindern von 0 bis unter 10 Jahren setzte.
2.3 Präventionsmonitoring
Das Kölner Präventionsmonitoring ist dem Gedanken „Daten für Taten“ verpflichtet und hat
im Grunde drei Bestandteile, erstens ein sozialräumliches Frühwarnsystem, das sich im Mo-
nitoring Stadtentwicklung abbildet, zweitens in einer sozialindizierten Förderung von (Regel -
)Institutionen in Stadtteilen mit erhöhten Armuts - und Bildungsrisiken und drittens in einem
wirkungsorientiertem Monitoring einzelner Präventionsmaßnahmen.
Das Monitoring Stadtentwicklung stellt ein datengestütztes Frühwarnsystem dar, das
sozialräumliche Unterschiede darstellt und Entwicklungsprozesse nachzeichnet. Deut-
lich wird z.B., dass in den vier Stadtteilen Kalk, Höhenberg, Finkenberg und Meschenich
die Risiken für ein gelingendes Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen gemessen
an ausgewählten Sozial-, Bildungs- und Gesundheitsindikatoren am größten sind (Sta-
tus 2021).
Betrachtet man den Zeitraum von 2018 bis 2021 (Dynamik 2021), dann haben sich hin-
sichtlich der Teilhabe- und Verwirklichungschancen von Kindern und Jugendlichen z.B.
in Kalk, Höhenberg und Finkenberg keine Verbesserungen ergeben, während sich die
Situation in Meschenich weiter verschärft hat. Auch die ungünstige Dynamik in Neu-
brück und in Humboldt -Gremberg verdient besondere Aufmerksamkeit. Interessant er-
scheint, dass sich die Chancen von Kindern und Jugendlichen in Chorweiler und in
Buchforst leicht verbessert haben, allerdings ausgehend von einem unterdurchschnittli-
chen Niveau.
6
Gez. Voigtsberger
Schulsozialindex und Kitasozialindex kommen in Köln zur bedarfsgerechten Steue-
rung knapper Ressourcen zum Einsatz und finden z.B. beim Einsatz von Schulsozialar-
beiter*innenstellen, bei der Auswahl von Familiengrundschulzentren oder bei der Aus-
wahl von plusKITA-Einrichtungen und Familienzentren Verwendung. Es handelt sich bei
den Indizes um einrichtungsscharfe Abschätzungen der Armutsbetroffenheit (des SGB
II-Transferleistungsbezugs) der Schüler*innen der einzelnen Schulen bzw. der Kita -
Kinder der einzelnen Kindertageseinrichtungen.
Wie genau sich einzelne Maßnahmen auf die Adressat*innen auswirken, kann in einer
konkreten Evaluation festgestellt werden, wofür die Verwaltung ein Modell zum wir-
kungsorientierten Monitoring des Landschaftsverbandes Rheinland adaptiert hat.6 In
diesem Modell wird neben harten Fakten auf die Einbindung in Netzwerke und vor allem
auf die Einschätzungen von Fachkräften/Schlüsselpersonen und Adressat*innen abge-
hoben.
Auch das Präventionsmonitoring in seinen unterschiedlichen Komponenten wird fortlaufend
weiterentwickelt. Beim Monitoring Stadtentwicklung könnte zukünftig z.B. geprüft werden, wie
Gesundheitsdaten aus den Schuleingangsuntersuchungen abgesichert bzw. zukünftig
erweitert zur Verfügung gestellt werden können. Beim wirkungsorientierten Monitoring geht es
nach Einschätzung der Verwaltung zunächst darum, mit der Evaluation einer Reihe von Maß-
nahmen erste Erfahrungen zu sammeln.
(3) Ausblick auf die strategische Weiterentwicklung in 2023
Nach Einschätzung der Verwaltung müssen strategische Konzepte zwingend und regelmäßig
in einem Steuerungs- bzw. Qualitätskreislauf auf den Prüfstand gestellt und bei Bedarf nach-
justiert werden. Ein solcher Weiterentwicklungsprozess wird in 2023 für die Gesamtstrategie
„Kölner Kinder stärken“ gestartet und dabei freundlicherweise durch den Landschaftsverband
Rheinland intensiv begleitet und unterstützt werden.
Durch die Entwicklungen seit Verabschiedung der Strategie 2019 – Corona-Pandemie, Krieg
in der Ukraine, Energiekrise mit massiven Folgen für große Teile der Bevölkerung, aber auch
den kommunalen Haushalt, Fachkräftemangel – haben sich gravierende Veränderungen er-
geben. Das betrifft die Strukturen der Präventionskette ebenso wie die Lebenslagen und Be-
darfe von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien.
Ziele des Weiterentwicklungsprozesses sind – bezogen auf Angebote für Adressat*innen und
Strukturen (Netzwerke und Gremien) – die Klärung der Fragen „Was wurde bisher erreicht?“,
„Was hat sich bewährt, was sollte weiterentwickelt werden?“, „Was muss gänzlich neu oder
ergänzend gedacht werden?“ sowie Impulse zur Einbindung und zum Ausbau der Vernetzung
der relevanten Akteur*innen in der Präventionslandschaft.
Die Feinkonzeption des Vorgehens soll Ende Januar 2023 mit dem Kernteam und der
LVR-Koordinationsstelle Kinderarmut entwickelt werden.
Konstitutive Merkmale werden dabei eine starke Beteiligungsorientierung und Prozessori-
entierung sein. Sichtweisen von Kindern, Jugendlichen und Erziehungsberechtigten
selbst sowie von Fachkräften und Praktiker*inn en sollen unmittelbar Berücksichtigung
finden. Gerne wird die Verwaltung zum weiteren Vorgehen gesondert berichten.
Als abschließendes Produkt wird eine aktualisierte Neuauflage der Gesamtstrategie anvi-
siert, die etwa im Frühjahr 2024 in die politischen Gremien eingebracht werden soll.
Anlage
Bilanzierung der Maßnahmenvorschläge aus der Gesamtstrategie „Kölner Kinder stärken!“
aus dem Jahr 2019 und der seit 2020 neu umgesetzten Praxismaßnahmen durch Fördermittel
des Landesprogramms „kinderstark – NRW schafft Chancen“
6 Eine ausführliche Berichterstattung für die politischen Gremien zum „Wirkungsorientierten Monitoring“
einzelner durch die Fördermittel von „kinderstark“ umgesetzten Maßnahmen der Präventionskette wir d
im Laufe des Jahres 2023 in einer gesonderten Mitteilung folgen.
Bilanzierung der Maßnahmen Kölner Kinder stärken
43708 Zeichen
/ 2 Anlage: Bilanzierung der Maßnahmenvorschläge aus der Gesamtstrategie „Kölner Kin- der stärken!“ aus dem Jahr 2019 und der seit 2020 neu umgesetzten Praxis- maßnahmen durch Fördermittel des Landesprogramms „kinderstark – NRW schafft Chancen“ Maßnahmenübersicht Maßnahmenempfehlungen in der Gesamtstrategie „Kölner Kinder stärken!“ ............ 4 M1 Verabschiedung der Gesamtstrategie als grundlegende Orientierung .......................... 4 M2 Kontinuierliche Anwendung des Steuerungs- und Qualitätskreislaufs zur Gestaltung der Präventionskette bei kommunaler Koordinierung der Aktivitäten zur Verbesserung der Teilhabe- und Verwirklichungschancen von Kindern, Jugendlichen und Familien als Daueraufgabe ................................ ................................ ................................ .................... 4 M3 Monitoring „Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen“ im Rahmen des „Monitoring Stadtentwicklung“ anwenden und weiterentwickeln .................... 4 M4 Begonnene Vernetzung der Fachplanungen (Jugendhilfeplanung und Schulentwicklungsplanung und Sozialplanung und Gesundheitsplanung) und der Koordinierungsstellen (Frühe Hilfen, KAoA/Kein Abschluss ohne Anschluss, Regionales Bildungsbüro, Kommunales Integrationszentrum, Kommunale Präventionsketten) sowie Abstimmung von Maßnahmen weiterführen ................................ ................................ ....... 5 M5 Ergänzend zu stadtweiter Perspektive: Fokussierung auf konkrete Teilräume für ergänzende Analysen der Präventionskette vor Ort ................................ ........................... 5 M6 Fokussierung der verbesserten Strukturierung und der Maßnahmen zunächst auf die Altersgruppe der 3- bis unter 10 Jährigen ................................ ................................ .......... 6 M7 Intensivierte Abstimmung der kommunalen Aktivitäten zur Verbesserung der Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen mit Stiftungen und weiteren Akteuren .... 6 M8 Skizze der kommunalen Präventionskette gegen Kinder-, Jugend- und Familienarmut in Köln weiterentwickeln ................................ ................................ ................................ ..... 6 M9 Kontinuierliche Anwendung des Sozialindex für Grundschulen auf der Basis von SGB- II-Dichten und Wohnadressen für eine bedarfsgerechte Ressourcensteuerung ................. 7 M10 Auswahl von 1-2 Grundschulen mit sehr hohen Kinderarmutsquoten und verstärkte Bündelung von Ressourcen in einem Modellvorhaben ................................ ....................... 7 M11 Aufbau und Weiterentwicklung „Online Tool Guter Start NRW“ ................................ .. 8 M12 Systematisches Übergangsmanagement Kita – Grundschule realisieren und Qualitätsstandards setzen................................ ................................ ................................ .. 8 - 2 - 2 M13 Modellhafte Umsetzung des Konzepts „Familiengrundschule“ mit inhaltlicher Schwerpunktsetzung auf das Thema Gesundheit/Umweltbildung (gesunde Familiengrundschule) ................................ ................................ ................................ ......... 9 Neue Maßnahmen auf der Praxisebene (umgesetzt mit erweiterten Fördermitteln des Landesprogramms „kinderstark – NRW schafft Chancen“) ................................ ........10 Gesundheitslotsendienste an Familiengrundschulzentren ................................ ................11 Lots*innen im Kölner Familienbüro ................................ ................................ ...................12 Kölner Familienhäuser aufsuchend ................................ ................................ ...................13 Digitales Outreach: Online-Workshops des Museumsdienstes Köln ................................ .15 Bildungslots*innen für geflüchtete Kinder ................................ ................................ ..........15 - 3 - 3 Der Rat der Stadt Köln hat am 12.12.2019 die Gesamtstrategie „Kölner Kinder stärken!“ (siehe Session 3437/2019) beschlossen und hierin die Verwaltung beauftragt, die vorgeschlagenen Struktur- und Praxismaßnahmen umzusetzen. Mit der Gesamtstrategie sind insgesamt 13 Maßnahmen verbunden – 11 davon strukturbildend (in der untenstehenden Liste gelb markiert) und weitere zwei auf die Praxis bezogen (in der untenstehenden Liste grün markiert). Im Jahr 2019 waren mit dem Vorhaben noch keine För- dermittel für Praxismaßnahmen verbunden und das damalige nordrhein-westfälische Landes- programm „Kommunale Präventionsketten“ bezog sich vor allem auf den strukturellen Auf- und Ausbau von kommunalen Strukturen zur Bekämpfung von Kinderarmut und der Förderung von Teilhabe- und Chancengerechtigkeit für alle Kinder und Jugendlichen. Die beschlossenen Maßnahmen haben in der Gesamtstrategie seither hohe Relevanz. Zu- nächst ging es darum, die benötigten Strukturen zu schaffen, weiter zu stärken und auszu- bauen. Bis heute ist der Ausbau der Vernetzung aktuell. Nach Beschluss der Gesamtstrategie haben sich auch die Praxismaßnahmen aufgrund der Ergänzung des Landesprogramms durch eine stark erweiterte finanzielle Förderung schnell weiterentwickelt. Ab Mitte 2020 wurden erstmals Landesmittel bereitgestellt, um zusätzlich die Praxisebene der Präventionskette zu fördern. Dementsprechende konnte die im Dezember 2019 beschlossene Gesamtstrategie bereits knapp ein halbes Jahr später durch weitere Maß- nahmen ergänzt und die geplante Praxismaßnahme (in der untenstehenden Liste blau mar- kiert) umgesetzt werden. So wurde die „Modellhafte Umsetzung des Konzepts „Familien- grundschule“ mit inhaltlicher Schwerpunktsetzung auf das Thema Gesundheit/Umwelt- bildung (gesunde Familiengrundschule)“ (M13) mit den Handlungsfeldern 2 (Förderung von Familiengrundschulzentren) und 4 (Lotsendienste in Kinder- und Jugendarztpraxen oder gynäkologischen Arztpraxen) des Förderaufrufs des Landes schneller ausgebaut. Trotz aller Schwierigkeiten, die die Corona -Pandemie ab März 2020 bei der Umsetzung von Struktur- und Praxismaßnahmen mit sich brachte, konnte die Realisierung der Gesamtstrate- gie erheblich „Fahrt aufnehmen“. Gleichzeitig ergab sich die Möglichkeit, weitere neue innova- tive Ideen zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen umzusetzen. So hat sich u. a. die Maßnahme „Bildungslots*innen für geflüchtete Kinder“ damit befasst, geflüchteten Kin- dern und Jugendlichen eine Teilhabe am digitalen Unterricht zu ermöglichen. Mit dem „Digi- talen Outreach“ des Museumsdienstes Köln konnte darüber hinaus die kulturelle Teilhabe von Kindern und Jugendlichen in digitaler Form verbessert werden. Mit der nachfolgenden Bilanzierung der Maßnahmen soll zusammengefasst werden, an wel- chem Punkt die ursprünglichen Planungen der Gesamtstrategie stehen und ferner auch ein aktueller Einblick in die seit Mitte 2020 konzipierten und kurzfristig umgesetzten neuen Praxis- maßnahmen gegeben werden. - 4 - 4 Maßnahmenempfehlungen in der Gesamtstrategie „Kölner Kinder stärken!“ An dieser Stelle wird nur der jeweilige Sachstand beschrieben. Ausführliche Beschreibungen, ausformulierte Ziele, Prozesse, Ressourcen und der zeitliche Rahmen sind in Anlage 2 der Gesamtstrategie (Session 3437/2019) zu finden. M1 Verabschiedung der Gesamtstrategie als grundlegende Orientierung Sachstand Die im Dezember 2019 verabschiedete Gesamtstrategie gilt seither in ämter- und dezernatsübergreifender Zusammenarbeit als Arbeitsgrundlage für die Weiterentwicklung der Präventionskette gegen Kinder-, Jugend- und Famili- enarmut. In den beiden zentralen verwaltungsinternen Gremien „Kernteam“ und „Steuerungskreis“ werden die inhaltlichen und strategischen Schritte ab- gestimmt und fortentwickelt. Das Kernteam befasst sich auf einer Arbeitsebene von Planer*innen und Ko- ordinator*innen mit der weiteren strategisch en Ausgestaltung . Der Steue- rungskreis aus Amtsleitungen und Dezernent*innen ist essentiell, um entwi- ckelte Vorschläge zu prüfen, zu beschließen und damit den Aktivitäten Rück- halt und Legitimation zu geben. Das Kernteam trifft sich derzeit 4-6 Mal jährlich, der Steuerungskreis zweimal pro Jahr. M2 Kontinuierliche Anwendung des Steuerungs- und Qualitätskreislaufs zur Gestaltung der Präventionskette bei kommunaler Koordinierung der Aktivitäten zur Verbesserung der Teilhabe- und Verwirklichungs- chancen von Kindern, Jugendlichen und Familien als Daueraufgabe Sachstand Im Rahmen der kontinuierlichen Anwendung des Steuerungs- und Qualitäts- kreislaufs zur Gestaltung der Präventionskette befindet sich die Gesamtstra- tegie derzeit an dem Punkt der Reflexion und Weiterentwicklung. Nachdem in den ersten drei Jahren seit Ratsbeschluss Ende 2019 weitere Grundlagen der Zusammenarbeit geschaffen und Maßnahmen umgesetzt wurden, gilt es nun, die Strategie zu überprüfen und ggf. anzupassen. Im Jahr 2023 wird sich insbesondere das Kernteam mit der Weiterentwick- lung der Gesamtstrategie befassen und dabei die geschaffenen Strukturen hinterfragen und auf ihren Ausbau hin überprüfen. Dies geschieht im engen Austausch mit weiteren relevanten Akteur *innen der Stadtverwaltung, der freien Kinder- und Jugendhilfe und weiterer gesellschaftlicher Institutionen. M3 Monitoring „Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugend- lichen“ im Rahmen des „Monitoring Stadtentwicklung“ anwenden und weiterentwickeln Sachstand Das Monitoring „Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern und Jugendli- chen“ im „Monitoring Stadtentwicklung“ wird seitens des Amtes für Stadtent- wicklung/ Statistik und Informationsmanagement jährlich auf der Grundlage - 5 - 5 aktueller Daten fortgeschrieben und steht vielfältigen Verwendungszwecken offen. Das aktuelle Indikatoren -Set zur Abschätzung von Bildungs - und Teilha- bechancen von Kindern und Jugendlichen auf teilräumlicher Ebene hat sich nach Einschätzung der Verwaltung bewährt. Zu gegebener Zeit soll im Rah- men einer zweiten Ausbaustufe überprüft werden, inwieweit weitere, ergän- zende Indikatoren, z. B. zum Sprachstand, zu Hilfen zur Erziehung oder zur Gesundheit (aus den Schuleingangsuntersuchungen) zur Verfügung stehen und integriert werden können. M4 Begonnene Vernetzung der Fachplanungen (Jugendhilfeplanung und Schulentwicklungsplanung und Sozialplanung und Gesundheitspla- nung) und der Koordinierungsstellen (Frühe Hilfen, KAoA/Kein Ab- schluss ohne Anschluss, Regionales Bildungsbüro, Kommunales In- tegrationszentrum, Kommunale Präventionsketten) sowie Abstimmung von Maßnahmen weiterführen Sachstand Mit der Gesamtstrategie wurde 2019 ein Qualitätsrahmen vorgelegt, dem eine intensive dezernats- und ämterübergreifende Zusammenarbeit vorweg ging und anschließend weiter folgte. Die beiden zentralen Gremien von „Kölner Kinder stärken!“ – das Kernteam und der Steuerungskreis – setzen sich aus Vertreter*innen von 6 der zehn Dezernate der Stadtverwaltung zusammen, insgesamt arbeiten auf diese Weise 18 unterschiedliche Ämter und Dienststellen zusammen. Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung einerseits und So zialplanung und Sozialberichterstattung andererseits stimmen sich eng ab. Im Rahmen des Programms Lebenswerte Veedel / Sozialraumkoordination in Köln ist in 2022 das Schwerpunktthema Kinder- und Jugendgesundheit bearbeitet wor- den. Auch im Kontext der Lebenslagenberichterstattung erfolgt ein reger Aus- tausch. Insbesondere im Kernteam vernetzen sich Koordinator*innen unter- schiedlicher Programme und stimmen ihre Aktivitäten ab. M5 Ergänzend zu stadtweiter Perspektive: Fokussierung auf konkrete Teil- räume für ergänzende Analysen der Präventionskette vor Ort Sachstand Eine Fokussierung auf konkrete Teilräume erfolgt zum einen im Rahmen von „Starke Veedel / starkes Köln“, hier wurden auf der Grundlage von Integrier- ten Handlungskonzepten (IHK) und mit ESF -, EFRE- und Städtebauförder- mitteln Maßnahmen in unterschiedlichen Handlungsfeldern, auch im Bil- dungs- und Sozialbereich, Stadtteilentwicklungsmaßnahmen realisiert. Zum anderen fokussiert „Lebenswerte Veedel“ auf konkrete Teilräume, die soge- nannten „Sozialraumgebiete“, in denen Sozialraumkoordinator*innen einge- setzt werden und aktuell das Schwerpunktthema Kinder- und Jugendgesund- heit bearbeitet wird. - 6 - 6 M6 Fokussierung der verbesserten Strukturierung und der Maßnahmen zunächst auf die Altersgruppe der 3- bis unter 10 Jährigen Sachstand Nach Ratsbeschluss 2019 fokussierte die Gesamtstrategie in einem ersten Schritt auf Bausteine der Präventionskette, die sich auf die Altersgruppe der 0- bis unter 10-Jährigen beziehen. Die bereits sehr gut ausgebauten Struktu- ren der Frühen Hilfen (als erstes Modul einer Präventionskette) und im Be- reich der Kindertagesbetreuung (insbesondere auch Familienzentren und plusKITA-Einrichtungen) sollten in den schulischen Primarbereich (Familien- grundschulzentren) verlängert werden. Ziel ist es, in einem weiteren Umsetzungsschritt den Blick auf die komplette Präventionskette zu weiten und nun auch die Altersgruppe der ab 10 -Jähri- gen im Rahmen der Gesamtstrategie „Kölner Kinder stärken !“ und in Wech- selwirkung mit der Kinder- und Jugendförderplanung zu adressieren. M7 Intensivierte Abstimmung der kommunalen Aktivitäten zur Verbesse- rung der Teilhabechancen von Kindern und Jugendlichen mit Stiftun- gen und weiteren Akteuren Sachstand Für die Vernetzung mit weiteren gesellschaftlichen Akteur*innen konnten erste vielversprechende Schritte gegangen werden. Die schon bestehende gute Vernetzung mit der LVR -Koordinationsstelle Kinderarmut wurde weiter intensiviert und soll in 2023 im Rahmen der Weiterentwicklung der Ge- samtstrategie ausgebaut werden. Bestehende Kontakte zur GAG/Sozialma- nagement sind in 2021 und 2022 stark ausgebaut worden. Es finden regel- mäßige Kooperationsgespräche statt. Die Wübben-Stiftung, die gemeinsam mit der Auridis-Stiftung landesweit die Realisierung von Familiengrundschul- zentren unterstützt, begleitet seit 2022 auch die konkrete Entwicklung der Kölner Familiengrundschulzentren. In weiteren, angestrebten Ausbaustufen wird auch eine weiter verstärkte Kooperation mit der Rheinenergie-Stiftung geprüft. Abstimmungen zu „Kölner Kinder stärken!“ mit den anerkannten Trägern der freien Jugendhilfe erfolgten anlassbezogen in den AK 80 -Strukturen, im Ju- gendhilfeausschuss und in Abstimmungstreffen mit der LIGA der freien Wohl- fahrtspflege. M8 Skizze der kommunalen Präventionskette gegen Kinder-, Jugend- und Familienarmut in Köln weiterentwickeln Sachstand In der Gesamtstrategie 2019 sind Bilder der kommunalen Präventionskette in Köln skizziert worden, die nunmehr – im Weiterentwicklungsprozess – aktu- alisiert und ergänzt werden sollten. Dabei bleibt die Abbildung der Komplexi- tät der Präventionslandschaft in Köln mit ihrer Vielfalt von Maßnahmenpro- grammen und Einzelmaßnahmen eine Herausforderung, die schrittweise im- mer besser realisi ert werden kann, wenn die Umsetzung von „Guter Start NRW“ weiter fortschreitet und Präventions -, Hilfe- und Unterstützungsange- bote für Kinder, Jugendliche und Familien hier im Detail vollständig hinterlegt - 7 - 7 sein werden. „Guter Start NRW“ ist ein Portal, das einerseits der Information von Adressat*innen dient („Familienwegweiser“), anderseits mittels eines Tools jugendhilfeplanerische Analysen der Präventionskette ermöglichen wird. (siehe auch M11) M9 Kontinuierliche Anwendung des Sozialindex für Grundschulen auf der Basis von SGB-II-Dichten und Wohnadressen für eine bedarfsgerechte Ressourcensteuerung Sachstand Der städtische Schulsozialindex kommt schon seit vielen Jahren erfolgreich zum Einsatz, z. B. im Kontext der Verteilung von Schulsozialar beiter*innen- stellen oder der Ausstattung mit digitalen Endgeräten. Seit 2022 steht erneut ein Schulsozialindex des Landes für die Kölner Schulen zur Verfügung, des- sen Ergebnisse sehr weitgehend mit den eigenen städtischen Analysen über- einstimmen und diese ergänzen. Die Auswahl der ersten neun Familiengrundschulzentren erfolgte konsequent anhand des Sozialindexes. Im Übrigen steht – ebenfalls schon länger – auch ein Kitasozialindex zur Ver- fügung, der z. B. bei der Verteilung von Fördermitteln für plusKITA -Einrich- tungen zum Einsatz gekommen ist. M10 Auswahl von 1-2 Grundschulen mit sehr hohen Kinderarmutsquoten und verstärkte Bündelung von Ressourcen in einem Modellvorhaben Sachstand Der Kölner Sozialindex macht deutlich, dass Bildungschancen nicht gleich- mäßig über die Schulformen und Stadtteile verteilt sind. Bestehende Koope- rations- und Angebotsstrukturen sind nicht so aufeinander abgestimmt, wie es die Bedarfe erfordern und die Möglichkeiten erlauben. Projektauftrag des Modellvorhabens ist es, zu prüfen und aufzuzeigen, wie durch eine verbesserte Verzahnung verfügbarer Ressourcen die Entwick- lungsmöglichkeiten für Schüler*innen an sozialindizierten Grundschulen ver- bessert werden können. Das Projekt arbeitet exemplarisch an zwei besonders herausgeforderten Grundschulstandorten mit dem Ziel, transferfähige Ergebnisse für die Regio- nale Bildungslandschaft zu erhalten. Das Projekt arbeitet dafür auf zwei Ebe- nen: Auf der operativen Ebene werden mit Unterstützung einer Prozessbegleitung alle vorhandenen bzw. verfügbaren Ressourcen gesichtet. Aufgabe dieser Projektgruppe ist es, im „großen“ multiprofessionellen Kooperationsgefüge, in dem sich die innerschulischen und außerschulischen Ressourcenträger*in- nen zusammenschließen, neue Perspektiven und Optionen für bedarfsge- rechte, gemeinsame Förderstrukturen und Förderinstrumentarien zu entwi- ckeln und abzustimmen. - 8 - 8 Auf der Steuerebene sollen diese Arbeitsergebnisse auf Umsetzbarkeit bzw. Übertragbarkeit hin geprüft, weiterentwickelt und mit entsprechenden Hand- lungsempfehlungen transportiert werden. Es zeigt sich, dass in diesem Kooperationsgefüge die personelle Ausstattung des Jugendamtes die erforderliche Beteiligung der Jugendhilfe auf der ope- rativen Ebene nicht ermöglicht. Auf der Ebene der Steuergruppe wird zusam- men mit dem Jugendamt nach Möglichkeiten gesucht, dem Projektauftrag trotzdem gerecht werden zu können. M11 Aufbau und Weiterentwicklung „Online Tool Guter Start NRW“ Sachstand Das Onlineportal guterstart.koeln versorgt seit Juni 2020 (23.06.2020) Kölner Familien von der Schwangerschaft bis ins Vorschulalter mit Informationen und beinhaltet aktuell ca. 1 .500 Angebote aus d en Bereichen Gesundheit, Erziehung, Bildung und Freizeit, was neben der Stadt Düsseldorf die höchste Informationsdichte in NRW darstellt. Fortlaufend werden neben den schon teilnehmenden rund 100 Anbietern neue Anbieter gewonnen und akquiriert, welche ihre Angebote selbst einpflegen und aktualisieren. Zur Bekanntmachung werden regelmäßige Werbeaktionen durch Plakate und Postkarten durchgeführt und das Portal in Netzwerken der Kinder - und Jugendhilfe sowie in den Sozialräumen vorgestellt. Im ersten Quartal 2023 ist, abhängig von der Weiterentwicklung und Pro- grammierung, eine Ausweitung der Altersstruktur bis zum Übergang Schule- Beruf geplant. Zudem ist auch eine Vorstellung im Jugendhilfeausschuss an- gedacht. M12 Systematisches Übergangsmanagement Kita – Grundschule realisie- ren und Qualitätsstandards setzen Sachstand Der Arbeitskreis Kita und Grundschule entwickelt Instrumente und Standard- elemente für eine wirksame Bildungs - und Erziehungspartnerschaft von El- tern, Kindertages-einrichtung und Schule mit den Zielen: Hochwertige und verlässliche Standardelemente unterstützen einen ge- lingenden Bildungsprozess für alle Kinder in allen Stadtteilen. Eltern erhalten Transparenz im Übergangsprozess Eltern sind als relevante Akteure im Bildungsprozess ihrer Kinder verbind- lich beteiligt. Die Beteiligten in Kita, Grundschule und Verwaltung erhalten Handlungs- sicherheit durch Transparenz und systematische Abstimmung. In 2021 + 2022 hat der Arbeitskreis folgende Aufträge abgearbeitet: - 9 - 9 Erstellung einer PowerPoint Präsent ation, mit der standartmäßig die In- formationsveranstaltungen für die Eltern der Vierjährigen gestaltet wer- den und die die gemeinsamen Positionen von Schule und Jugendhilfe transportiert. Entwicklung von vier Informations - und Erklärfilmen, die die coronabe- dingt ausfallenden Informationsveranstaltungen kompensieren und künf- tige Veranstaltungen flankieren. Abstimmung und Erstellung einer Broschüre „Gemeinsam für gute Bil- dung – Familie, Kindertageseinrichtung und Schule – ein Team für Bil- dung“, die die Bildungspartnerschaft von Eltern, Kita und Schule veran- schaulicht und Eltern und auch Fachkräfte über Aufgaben, Möglichkeiten und Unterstützungsangebote informiert. Der Arbeitskreis (aus Schulamt für die Stadt Köln/ Geschäftsstelle und Schul- aufsicht; Schulen / Leitungen und sozialpädagogische Fachkräfte der Schu- leingangsphase; Amt für Kinder, Jugend und Familie/ Zentrale Dienste für Kita und Kitaleitungen; Kommunales Integrationszentrum; Familienberatung und Schulpsychologischer Dienst) wurde um das Zentru m für Frühbehand- lung und Frühförderung gGmbH erweitert. Folgende Anschlussaufträge wurden vereinbart und sind in Bearbeitung: Erstellung einer digitalen Übersicht über bestehende Kooperationsbünd- nisse zwischen den Fachkräften der Kindertageseinrichtungen u nd der Grundschulen Konzeption, Organisation und Durchführung von Orientierungsveranstal- tungen für Fachkräfte aus Kita und GS. Erstellung einer niedrigschwelligen Kurzfassung der Broschüre „Gemein- sam für gute Bildung – Familie, Kindertageseinrichtung und Schule – ein Team für Bildung“ M13 Modellhafte Umsetzung des Konzepts „Familiengrundschule“ mit in- haltlicher Schwerpunktsetzung auf das Thema Gesundheit/Umweltbil- dung (gesunde Familiengrundschule) Sachstand Durch die kurzfristige Zusage von stark erweiterten Fördermittel im Rahmen von „kinderstark“ durch das Land NRW im Frühjahr 2020 konnte die konkrete Umsetzung von in einem ersten Schritt neun Familiengrundschulzentren mit angeknüpftem Gesundheitslots*innen-Dienst ab Mitte 2020 erfolgen. Bei den neun Familiengrundschulzentren in Köln handelt es sich um fol- gende Grundschulen: - GGS Konrad-Adenauer Straße in Köln-Finkenberg, - GGS Merianstraße in Köln-Chorweiler, - GGS Riphahnstraße in Köln-Seeberg, - GGS Lustheider Straße in Köln-Vingst, - GGS Görlinger Zentrum in Köln-Bocklemünd, - GGS Ketteler Straße in Köln-Meschenich, - 10 - 10 - GGS Zehnthofstraße in Köln-Ostheim - KGS Langemaß in Köln-Mülheim - KGS Zehnthofstraße in Köln-Ostheim In jedem Familiengrundschulzentrum sind 0,25 Personalstellen VZA Schulso- zialarbeit angesiedelt. Darüber hinaus war es möglich, sowohl für die Famili- engrundschulzentren (im Amt für Schulentwicklung) als auch für den Gesund- heitslots*innen-Dienst (im Gesundheitsamt) jeweils eine Koordinationsstelle (1,0 Personalstellen VZA) einzurichten, die die Umsetzung begleitet und un- terstützt. Nähere Informationen zu den Familiengrundschulzentren in Köln finden sich in der aktuell parallel veröffentlichten Mitteilung „Kommunales Rahmenkon- zept Familiengrundschulzentren , Zwischenbilanzi erung und Entwicklungs- perspektiven“ (Session 3782/2022). Neue Maßnahmen auf der Praxisebene (umgesetzt mit erweiterten Fördermitteln des Landesprogramms „kinderstark – NRW schafft Chancen“) Die Beschreibung der folgenden Maßnahmen ist detaillierter ausgeführt, da diese noch nicht Teil der Gesamtstrategie von 2019 waren, sondern erst mit den Fördermitteln des Landes NRW ab 2020 initiiert und umgesetzt werden konnten. Die beiden oben beschriebenen Maßnahmen M11 „Aufbau und Weiterentwicklung Online Tool Guter Start NRW“ sowie M13 „Modellhafte Umsetzung des Konzepts „Familien- grundschule“ mit inhaltlicher Schwerpunktsetzung auf das Thema Gesundheit/Umwelt- bildung (gesunde Familiengrundschule)“ waren bereits Teil der Gesamtstrategie von 2019 und konnten mit den Fördermitteln des Landesprogramms „kinderstark – NRW schafft Chan- cen“ unter den Namen „ guterstart.koeln“ und „ Familiengrundschulzentren“ schneller und breiter ausgeführt werden als ursprünglich geplant. Diese werden in der nachfolgenden Liste nicht gesondert aufgeführt, auch wenn diese einen erheblichen Anteil der Fördermittel binden. Darüber hinaus ist nachfolgend nicht explizit aufgeführt, dass ein Teil der Fördermittel in die Stärkung der kommunalen Vernetzung und Koordinierung fließt, indem die Kommunale Ko- ordination sowie Verwaltung und Controlling umgesetzt werden. Diese strukturbildenden Maßnahmen sind grundlegende Voraussetzung für die Förderung durch das Land NRW. Gleichwohl wird der größte Teil dieses Handlungsfeldes durch Eigenmittel Stadt Köln sicher- gestellt. Insbesondere die Stelle der Kommunalen Koordinierung ist grundlegend für die Ge- samtstrategie und wurde bereits direkt nach der beschlossenen Teilnahme der Stadt Köln am Landesprogramm im Frühjahr 2017 eingerichtet. Seit Ende 2021 wurde die 1,0 Stelle um eine 0,5 Stelle erweitert. Dieser zusätzliche Stellenanteil in der Kommunalen Koordinierung wird gänzlich durch Fördermittel des Landes gedeckt. - 11 - 11 Gesundheitslotsendienste an Familiengrundschulzentren Zielsetzung und Sach- stand Das Gesundheitsamt der Stadt Köln ist aktiver Kooperationspartner in den Steuerungs- und Planungsgremien der Gesamtstrategie „ Kölner Kinder stär- ken!“. Die Handlungserfordernis des „Kinder - und Jugendärztlichen Diens- tes“, des „Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes“, des „Kinder- und Ju- gendzahnärztlichen Dienstes“ und der „Frühe Hilfen im Gesundheitsamt“ sind bei der Weiterentwicklung der Kölner Präventionskette immer mitgedacht, da- mit eine gezielte und früheinsetzende Gesundheitsplanung, die das Ziel an- strebt, die Situation der Kinder und Jugendlichen in Köln nachhaltig zu ver- bessern, umgesetzt werden kann. Der Aufbau und die Weiterentwicklung von aufsuchenden Ansätzen im Schulterschluss mit Netzwerkpartnern sind zent- rale Ziele. Dementsprechend wurde 2020 der Gesundheitslots*innen-Dienst an allen 9 Kölner Familiengrundschulzentren eingerichtet. Das Andocken einer Kinder- krankenschwester/ eines Kinderkrankenpflegers in Lotsenfunktion an die Fa- miliengrundschulzentren soll den Zugangsweg in das Gesundheitssystem er- leichtern. Familien finden in vertrauter Umgebung kompetente Ansprechpart- ner*innen. Ziel ist es, Kinder und ihre Familien frühzeitig und niedr igschwellig zu errei- chen und Entwicklungsmöglichkeiten von Kindern und ihren Eltern in belas- tenden Situationen frühzeitig zu erkennen und nachhaltig zu verbessern. Mit Unterstützung von Lots*innen, soll außerdem die Vernetzungsstruktur zu Kinder- und Jugen därzt*innen befördert werden. Gleichermaßen wird die Verbindungslinie zu dem multiprofessionellen Team aus Akteur *innen des Gesundheitswesens und psychosozialen Fachkräften im Gesundheitsamt hergestellt. Es findet ein regelmäßiger Kontakt und Austausch mit den Sozi- alarbeiter*innen der Familiengrundschulzentren und regelmäßiges Bera- tungsangebot für Familien sowie Überleitung bei Bedarf statt: Darüber hinaus können zielgruppenspezifische Angebote zur Ernährung, Be- wegung und seelischen Gesundheit im Bereich Bi ldung und Freizeitgestal- tung als ganzheitlicher Ansatz der „Gesunden Familiengrundschule“ angebo- ten werden, damit ausgewogene Ernährung und soziale sowie emotionale Kompetenzen bei den Kindern und Jugendlichen zielgerichtet gefördert wer- den können. Für die aktuell 9 Familiengrundschulzentren wurden im Jahr 2020 insgesamt 2,25 Stellen VZA für Kinderkrankenschwester/-pfleger eingerichtet. Der Ge- sundheitslotsendienst wird über den „Kinder - und Jugendärztlichen Dienst“ im Gesundheitsamt koordiniert (1,0 Stellen VZA) und ist im Jahr 2022 ein fester Bestandteil aller Familiengrundschulzentren geworden, der von Fami- lien wie auch von den Fachkräften an den Schulen genutzt wird. Die Lots*in- nen wurden in die schulischen Netzwerke eingebunden und nehmen, soweit - 12 - 12 durch die knappen personellen Ressourcen möglich, im Einzelfall an Arbeits- kreisen (z. B. Teilnahme an den schulinternen Entwicklungsteams) und an für das Thema Gesundheit relevanten Angeboten der Schule (z. B. Elterncafés) teil. So wurden und werden beispielsweis e gemeinsame Angebote wie das „Gesunde Elterncafé“ (Kooperation mit Familiengrundschulzentrum) oder „Rauchprävention“ (Kooperation mit Schulsozialarbeit und Lehrkräften) reali- siert. Lots*innen im Kölner Familienbüro Zielsetzung und Sach- stand Das erste Kölner Familienbüro hat 2 020 seinen Betrieb aufgenommen und dient als zentrale Anlaufstelle für Fragen rund um die Altersgruppe null bis sechs Jahre. Neben der Zusammenführung der Beratungsbereiche Kita- plätze, Kindertagespflege und dem Anmeldesystem Little Bird wird zudem eine weiterführende Beratung und Information durch die Familienlots*innen angeboten. Seit 2020 sind hierfür 1,5 Stellen VZA vorgesehen. Im Segment der fallbezogenen Beratung und Vermittlung konnten seit 2020 vor allem Synergieeffekte aus den Direktberatungsbereichen (KiTa-, Kinder- tagespflegeberatung und Little Bird) genutzt werden, um additiv Anliegen und Fragestellungen von Familien passgenau und für die Familien zufriedenstel- lend zu klären. Hierbei wurden sowohl situativ als auch systemat isch und nachhaltig Netzwerkstrukturen auf- und ausgebaut. Durch die bedarfsgerechte Kooperation mit internen Fachdienststellen, wie den Frühen Hilfen, dem ASD und GSD, dem interkulturellen Dienst und den Elternbeiträgen auf der einen Seite, als auch mit externen Partner*innen, wie dem Familienzentrum, dem Integrationshaus, der UniReha und dem Sport- bund auf der anderen Seite, haben Familien die Möglichkeit schnell und un- kompliziert an die richtigen Ansprechpartner*innen weitervermittelt zu wer- den. Gleichzeitig dient diese Kooperation dazu, dass sich Familien einfacher im breiten Spektrum der Angebote der Stadt Köln zurechtfinden. Die Hauptthemenfelder der Beratung durch die Familienlotsenden waren im Jahr 2022: Finanzielle Unterstützung in besonderen Lebenslagen Förderbedarf (LVR) Gesundheitsschutz Freizeitgestaltung und -angebote Erziehungsberatung Wohnungssuche Integration und Flucht (besonders unter dem Eindruck des Ukrainekrie- ges) Die Familienlots*innen konnten sich zunehmend als eigenständige und feste Beratungsinstanz innerhalb des Familienbüros im Besonderen, aber auch in der gesamtstädtischen Beratungsproduktlinie als Ganzes etablieren. Hierbei - 13 - 13 konnten gezielt auch die strategischen Elemente der Kölner Gesamtstrategie der Kommunalen Präventionsketten angesprochen und flankiert werden. Hierzu gehören etwa die aktive Netzwerkarbeit, der Ausbau und die Weiter- entwicklung der Gestaltung von Zu- und Übergängen und die Weiterentwick- lung der Qualität. Hervorzuheben ist hierbei der FamilienPlusPunkt zur För- derung und Heraushebung der kommunalen Familienfreundlichkeit in Köln. Der FamilienPlusPunkt ist ein unter der Federführung der Familienlots*innen organisiertes Angebotsprogramm mit dem Kölner Familien mit Kindern Ver- günstigungen, Seminare, Kurse und Workshops erhalten sollen, die von Or- ganisationen, Unternehmen und Vereinen im Kölner Stadtgebiet angeboten werden. Hierdurch sollen Familien besonders wertgeschätzt, Familienaktivi- täten gefö rdert und Zugänge zu lokalen Angeboten mit Zielgruppenbezug vereinfacht werden. Besonders hervorzuheben ist die dispositiv entwickelte Zusammenarbeit der Dienststellen und Angebotsakteur*innen für die Beratung und Versorgung von geflüchteten Personen im Zuge des Ukrainekrieges. Hier haben sich die Familienlots*innen koordinierend in die Schaffung und Optimierung von An- gebotsstrukturen eingebracht. Kölner Familienhäuser aufsuchend Zielsetzung und Sach- stand Familienhäuser in Köln sind sozialraumorientierte und durch das Jugendamt geförderte Einrichtungen der freien Jugendhilfe. Ziel der Arbeit in den Famili- enhäusern ist die Schaffung und Etablierung von niedrigschwellig zugängli- chen Angeboten für Familien mit komplexen Problemlagen. Im Mittelpunkt stehen hierbei die Unterstützung von Eltern, bzw. Elternteilen bei der Bewäl- tigung von Erziehungsaufgaben durch bedarfsgerechte Beratungs - und Gruppenangebote. Die enge Kooperation mit den Bezirksjugendämtern im jeweiligen Stadtteil ist aus diesem Grunde eins der wesentlichen Profilmerk- male der Familienhäuser. Primäre Zielgruppe sind Familien mit Kindern insbesondere bis 10 Jahren. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass die bereits bestehenden Fa- milienhäuser insbesondere für Alleinerziehende, neuzugewanderte Familien und Familien mit Kleinkindern eine niedrigschwellige Anlaufstelle darstellen. Familienhäuser zeichnen sich durch den Zugang zu unbürokratischen und frühzeitigen Unterstützungsangeboten aus. Darüber hinaus greifen sie den besonderen Bedarf an Grup penangeboten in den Stadtteilen auf. Familien- häuser binden Angebote von Kooperationspartner*innen in ihre konzeptio- nelle Planung mit ein. Sie zeichnen sich durch ihren hohen Vernetzungsgrad und die multiprofessionelle Zusammenarbeit mit den Akteuren im jew eiligen Sozialraum aus. Haben sich Familienhäuser bisher vor allem auf kommunaler Ebene bewegt, ist es mithilfe des Projekts „Kölner Familienhäuser aufsu- chend“ möglich, die Familien im häuslichen Kontext zu beraten und zu unter- stützen. - 14 - 14 Das Lotsenprojekt „Kölner Familienhäuser aufsuchend“ startete in der zwei- ten Jahreshälfte 2020 in den folgenden vier Stadtteilen und mit vier Trägern der freien Jugendhilfe: Ehrenfeld – Köln-Ossendorf, Träger: Sozialdienst Katholischer Männer e.V. (SKM) Ehrenfeld – Köln-Bocklemünd, Träger: Wir für Pänz e.V. Mülheim – Köln-Buchforst/Buchheim, Träger: Der Sommerberg AWO Kalk – Köln-Neubrück, Träger: LOGO Jedes Familienhaus wird mit einer 0,75 VZA Personalstelle ausgestattet. Da- bei erfolgt die Verteilung der Stundenanteile auf die eingesetzten Fachkräfte bei jedem Träger individuell auf Basis der bestehenden Bedarfe. Die unterschiedlichen Träger berichten, dass die Familienlots*innen im Rah- men ihrer Tätigkeit zur Stärkung der multiprofessionellen Zusammenarbeit beitragen, indem sie die Familien durch individuelle Förderung an spezifische sowie passgenaue Angebote des Familienhauses anbinden. Dabei werden die interdisziplinären Ressourcen und Schwerpunkte der einzelnen Fach- kräfte gezielt eingesetzt und Adressant*innen die umfangre ichen Angebote näher gebracht und individuell auf sie abgestimmt. Es zeigt sich, dass die vernetzende Funktion der Familienlots *innen dazu beiträgt, dass die Ange- bote des Familienhauses verstärkt in ihrer Vielfalt genutzt werden. Durch die zunehmende Bekanntheit der Familienlots*innen und die kontinuierliche Prä- senz werden Hemmschwellen hinsichtlich der Annahme von Unterstützungs- angeboten abgebaut. Jede*r Familienlots*in arbeitet mit unterschiedlichen Angeboten, die sich nach den Bedürfnissen der Familien gestalten. So werden Familien beispiels- weise zu unterschiedlichen Themen (z. B. Schul - und Kitaanmeldungen, Sprachförderung, Freizeitangebote) und akuten Krisenlagen beraten. Es wer- den Hausbesuche, Elternabende und -cafés sowie schulische Hilfen durch- geführt oder Behördenkontakte von den Familienlots*innen begleitet. Die Netzwerkarbeit stellt ein zentrales Instrument der pädagogischen Arbeit der Familienlots*innen dar, um bestehende Kooperationen zu stabilisieren und neue Kooperationen aufzubauen. Durch de n Austausch der Familien- lots*innen in Arbeitskreisen und Netzwerktreffen innerhalb des Sozialraums ergeben sich immer wieder Wünsche und Bedarfe von Familien, die bei der Angebotsentwicklung und Planung berücksichtigt werden können. Vor allem die passgenau en Vermittlungen zu vertrauensvollen und gut erreichbaren Angeboten im Sozialraum lassen darauf schließen, dass den Familienlots*in- nen deswegen seitens der Ratsuchenden eine gute Resonanz entgegenge- bracht wurde. - 15 - 15 Digitales Outreach: Online-Workshops des Museumsdienstes Köln Zielsetzung und Sach- stand Der Museumsdienst Köln setzt seinen Auftrag der kulturellen Bildung nicht nur in den städtischen Museen um, sondern geht seit 2013 verstärkt in den „Outreach“, um Kindern und Jugendlichen in Köln kulturelle Teilhaben zu er- möglichen. Seit 2020 kann im Sinne der kulturellen Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen auch ein „Digitales Outreach“ durch das Landesprogramm ge- fördert werden. Die Angebote richten sich an Kinder und Jugendliche ab 10 Jahren sowie ihre Familien und ermöglichen eine zielgruppengerechte Auseinandersetzung mit Museumsinhalten. Gefördert werden hierbei Selbstkompetenz und ein aktiver Umgang mit Wissen. Ein Museumsbesuch ist jedoch nicht für alle Familien möglich. Viele Kinder besuchen ausschließlich mit der Schule die städtischen Museen, für andere Besuche sind oft die Kosten für Anreise und Teilnahme ein Hinderungsgrund. Ein digitales Angebot soll hier die Workshops ergänzen und eine niedrigschwellige Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur für mög- lichst viele Kinder und Jugendliche ermöglichen. Die Kinder sollen sich über durch den Museumsdienst bereitgestellte Anlei- tungen und filmische Tutorials im eigenen Lerntempo neue Fähigkeiten an- eignen können und dabei ihre Kreativität entfalten. Durch partizipative Angebote für Kinder und Familien insbesondere in be- nachteiligten Sozialräumen, bestehen Kontakte zu Kooperationspartner*in- nen wie Sozialraumkoordinator*innen, Lehrer*innen, Sozialarbeiter*innen und Erzieher*innen. Schulen und Jugendeinrichtun gen sollen als „Andock- stationen“ genutzt werden. So wurden im vergangenen Jahr unterschiedliche Angebote an unterschiedlichen Kölner Schulen umgesetzt. Im Rahmen der Ganztagsbetreuung wurden in den Sommer - und Herbstferien 2022 die An- gebote kostenfrei durc hgeführt. In den Sommerferien fanden 2 mehrtägige Workshops sowie 4 eintägige Workshops statt. In der Herbstferien wurden ein weiterer mehrtägiger Workshop sowie 5 eintägige Angebote gebucht. Für die Entwicklung von digitalen Lernangeboten werden Kinder und Jugend- liche in die Planung und Entwicklung mit einbezogen. Hierdurch wird gewähr- leistet, dass die Angebote inhaltlich und formal den Bedürfnissen der Adres- sat*innen entsprechen. Bildungslots*innen für geflüchtete Kinder Zielsetzung und Sach- stand Der Bildungsauftrag des Kommunalen Integrationszentrums (KI) und die fa- milienbegleitenden Integrationsangebote des Interkulturellen Dienstes (IKD) im KI werden weiterentwickelt. Der erschwerte Zugang von geflüchteten Fa- milien zu Bildung war und ist hierbei ein Thema. Die geflüchteten Familien haben strukturell bedingt in den Unterkünften erschwerte Bedingungen und Zugänge zu Bildung und Teilhabe. Diese Situation wurde durch die Corona - Pandemie verstärkt und deutlich sichtbar. Insbesondere Schüler*innen, die in Unterkünften für Geflüchtete untergebracht sind, fehlen die technischen Mög- lichkeiten (Ausstattung mit Laptop, Drucker, etc.) und Rahmenbedingungen - 16 - 16 (ruhiger Lernraum, Unterstützung bei der Hausaufgabenbetreuung, etc.), um adäquat am Distanzlernen teilnehmen zu können. Durch die aufsuchenden Lotsen*innen soll eine Brücke zwischen Schulen und Familien mit Kindern im Grundschulalter geschaffen werden, um einen gleichberechtigten Zugang zu Bildung für diese Zielgruppe zu ermöglichen und so die Integration ins Regelsystem zu fördern. Bildungschancen können verbessert werden und ggf. Rückstände, die durch die Corona-Pandemie ent- standen sind, nachgeholt werden. Darüber hinaus werden die Medienkompe- tenzen gestärkt, die einen erheblichen Beitrag zum Bildungserfolg leisten und perspektivisch noch mehr an Bedeutung gewinnen werden. Durch die aufsu- chenden Bildungslots*innen soll sichergestellt werden, dass geflüchtete Fa- milien mit Kindern der Altersgruppe 6 -10 Jahren in den Unterkünften einen Zugang zu technischen Hilfsmitteln sowie regelmäßige Unterstützung bei den Hausaufgaben erhalten, die akut im Homeschooling und darüber hinaus im digitalen Lernen benötigt werden. Ebenso sollen bestehende Beratungs -, Hilfs- und Unterstützungsangebote von weiteren Trägern bekannt gem acht und nachhaltig genutzt werden. Die Bildungslots*innen werden an die Interkulturellen Zentren oder sonstigen freien Träger angebunden und werden von dort aus koordiniert sowie in Wohnheime gesendet, um dort aufsuchende Arbeit zu leisten und geflüchtete Schüler*innen auf das Lernangebot der Lernräume aufmerksam zu machen. Hierbei sollen weitere Institutionen mit einbezogen werden, um Synergieef- fekte zu schaffen. Beispielsweise werden Grundschulen und Schulsozialar- beiter*innen einbezogen und können Bedarf e bei den Bildungslots*innen melden. Die Information zum Angebot der Bildungslots*innen erfolgt über die Träger selbst und über das bezirkliche Netzwerk der Interkulturellen Dienste (IKD). Der IKD, der die Situation vor Ort am besten kennt, ist als erfahre ner Akteur im Bezirk mit einbezogen und bei der Auswahl der Träger, der Unterkünfte (mit den größten Bedarfen) und Grundschulen koordinierend tätig und steht als wichtiger Ansprechpartner für die Bildungslots*innen zur Verfügung. Aktuell werden 0,3 Personalstellen VZA für die Koordination eingesetzt. Die Bildungslots*innen sind auf Honorarbasis angestellt. Das Projekt wurde 2022 durch „kinderstark“ in drei Stadtbezirken durchgeführt (Innenstadt, Nippes und Porz). Die Kriterien für die Auswahl dieser Bezirke setzten sich zusam- men aus dem aktuellen Bedarf und der guten Erreichbarkeit der Zielgruppe, sowie der Möglichkeit alternativer Förderquellen bei einigen Trägern aus an- deren Bezirken. Es wurde neben den schulbegleitenden Hilfen ein besonderer Fokus auf die soziale und emotionale Stärkung der Kinder gelegt, welche ergänzend zur eigenen Fluchtgeschichte in Zeiten von Corona zunehmend verunsichert und verängstigt sind, was sich erschwerend auf ihr Lernvermögen auswirkt. - 17 - 17 Folgende Schwerpunkte konnten im vergangenen Jahr erfolgreich umgesetzt werden: Sicherstellung des Zugangs zu technischen Hilfsmitteln für die Kinder aus den Wohnheimen sowie regelmäßige Unterstützung bei den Hausaufga- ben Weiterhin Stärkung der Medien - und Lernkompetenz der Kinder sowo hl durch spielerische Mediennutzung als auch in Bezug auf die Lerninhalte Anpassung der Unterstützungsangebote an die konkreten individuellen Lebenswelten und Lernstände der Kinder durch intensivierte Vernetzung mit den beteiligten Schulen, individuellen p assgenauen Hilfeplänen in Verbindung mit Hausaufgabenhilfe und Einzelförderung, verstärkter auch spielerischer Deutschförderung Pädagogische begleitende Angebote zur Stärkung der Lernfreude und Selbstwirksamkeitserfahrung durch Vermittlung spielerischer und alltags- orientierter Erfolgserlebnisse Spielerische Förderung von Schlüsselkompetenzen wie Ausdauer, Kon- zentrationsfähigkeit, Frustrationstoleranz Ausbau bezirklicher Netzwerke, um Zugänge zu weiteren Hilfsangeboten für die Familien zu entwickeln Durch d ie niederschwellige und kontinuierliche Angebotsstruktur setzt die Hilfe genau da an, wo sie dringend benötigt wird. Kinder aus besonders schwierigen Lebenslagen werden in ihrer emotionalen und sozialen Entwick- lung gestärkt. Damit wird ein wesentlicher präventiver, und passgenauer Bei- trag geleistet, um benachteiligten Kindern den Zugang zu Bildungserfolgen zu erleichtern.
Beratungsverlauf (9)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0083/2023
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 16.01.2023
- Erstellt
- 06.01.2023 15:25