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V/0491/2020

Dauerhafte Aufstellung der Skulptur "münsters GESCHICHTE VON UNTEN" am Servatiiplatz

Vorlagen 18.05.2020

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Mitte, Sitzung am 23.06.2020, TOP 4.3

Anlage A

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Beschlussvorlage

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Anlage A

1433 Zeichen

Anlage A zur V/0491/2020 
Kurzüberblick 
Nach dem Beschluss über die Sanierung der Platzfläche Servatiiplatz 7–9 in der Vorlage 
V/0739/2019 ist eine Entscheidung über den dauerhaften Verbleib der Skulptur münsters 
GESCHICHTE VON UNTEN der Künstlerin Silke Wagner an diesem Standort zu treffen. Der 
dauerhafte Verbleib der Skulptur ist vollständig aus städtischen Mitteln zu finanzieren. 
 
 
Ziele/Teilziele/Zielerreichung 
 
Mit der Vorlage werden die Ziele „Wir werden als ein kulturelles Zentrum unseres Landes 
Projekte mit internationaler Ausstrahlung entwickeln“ und „Wir werden Münster auf der Basis 
unserer Geschichte und des Prinzips von „Toleranz durch Dialog“ zu einer weltoffenen 
Stadt weiterentwickeln“ verfolgt. 
 
 
 
 
Finanzierung 
Produktgruppe: 0408 Geschichtsort Villa ten Hompel 
Auswirkungen auf den Ergebnisplan X Ja  Nein   
Auswirkungen auf den Finanzplan  Ja X Nein   
Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten?  Ja X Nein  teilw. 
Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan JJJJ enthalten?  Ja X Nein  teilw. 
Belastungen in zukünftigen HH-Jahren?  Ja X Nein   
Bereits veranschlagt?  Ja  Nein X teilw. 
 
 
Pflichtigkeitsgrad 
Die Maßnahme/Leistung ist  vollständig 
pflichtig 
 überwiegend 
pflichtig 
 überwiegend 
freiwillig 
X vollständig 
freiwillig 
 
 
Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen 
(Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration)

Beschlussvorlage

10673 Zeichen

V/0491/2020 
V/0491/2020 
 
 
Öffentliche Beschlussvorlage 
Betrifft 
 
Dauerhafte Aufstellung der Skulptur "münsters GESCHICHTE VON UNTEN" am Servatiiplatz 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
   03.06.2020 Kulturausschuss Vorberatung 
   23.06.2020 Bezirksvertretung Münster-Mitte Entscheidung 
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
 
 
1. Die Skulptur münsters GESCHICHTE VON UNTEN  der Künstlerin Silke Wagner soll fortge-
führt werden und verbleibt dauerhaft an ihrem Standort auf dem Servatiiplatz. 
 
2. Es wird zur Kenntnis genommen, dass die notwendige Wechselplakatierung sowie die Pflege 
der begleitenden Website Mittel in Höhe von ca. 5.000 Euro jährlich erfordert. 
 
3. Es wird zur Kenntnis genommen, dass das bisherige Finanzierungsmodell aus einer Basi s-
summe von 3.000 Euro und der Beteiligung des „Freundeskreises Paul Wulf“ in der Höhe von 
2.000 Euro nicht umgesetzt werden konnte. Der dauerhafte Verbleib der Skulptur ist vollstä n-
dig aus städtischen Mitteln zu finanzieren. 
 
 
 
II. Finanzielle Auswirkungen: 
 
1. Die Umsetzung der vorgenannten Maßnahmen verursacht ab dem Haushaltsjahr 2023 zu-
sätzlich Aufwendungen in Höhe von 5.000 Euro jährlich. Die Anmeldung für diesen Finanz-
bedarf wird in späteren Haushaltsjahren erfolgen. 
 
2. Die Maßnahme steht unter dem Vorbehalt, dass eine Finanzierung trotz corona-bedingter 
Haushaltsbelastungen gewährleistet ist. 
 
 
Kulturamt 
 
18.05.2020 
 
Ihr/e Ansprechpartner/in: 
Frau Radtke 
Telefon: 492-4191 
Radtke@stadt-muenster.de 
 
Herr Spieker 
Telefon: 492-7112 
SpiekerC@stadt-muenster.de

- 2 - 
V/0491/2020 
Begründung: 
 
Anlass 
 
In der Vorlage V/0180/2018 wurde eine Aufstellung der Skulptur münsters GESCHICHTE VON U N-
TEN von Silke Wagner bis zur Überplanung/zum Umbau des Servatiiplatzes beschlossen. Nach dem 
Beschluss über die Sanierung der Platzfläche Servatiiplatz 7 –9 in der Vorl age V/0739/2019 ist eine 
Entscheidung über den dauerhaften Verbleib der Skulptur an diesem Standort zu treffen. Der Baube-
ginn für den Umbau Servatiiplatz ist für die zweite Jahreshälfte 2020 vorgesehen. Aus Sicht des Amts 
für Mobilität und Tiefbauamt kann der Standort auf dem Servatiiplatz beibehalten werden, die Skulptur 
muss lediglich für die Baumaßnahme abgebaut und während der Bauzeit eingelagert werden. Das 
Fundament kann im Boden verbleiben, dementsprechend könnte die Skulptur im Anschluss an die 
Baumaßnahmen an der bisherigen Stelle wiederaufgestellt werden. Nach der bereits erfolgten Pr ü-
fung des Zustands der Skulptur durch das Immobilienmanagement wäre dies möglich. Die Kosten für 
den sanierungsbedingten Ab - und Wiederaufbau sowie die Zwischenlagerun g sind durch die Sani e-
rungskosten des Platzes gedeckt. 
 
Im Zusammenhang mit dem dauerhaften Verbleib der Skulptur auf dem Servatiiplatz gilt es jedoch vor 
der Wiederaufstellung der Skulptur die Frage nach der Finanzierung der wechselnden Plakatierung 
sowie des Hostings der Website zu klären, hierzu erarbeitet die Verwaltung eine separate Vorlage. 
 
In einem Gespräch der kulturpolitischen Sprecher wurde am 26.10.2015 folgende Verabredung g e-
troffen: Die für die künstlerische Nutzung der Skulptur notwendige Pla katierung und die parallele R e-
präsentation des Projektes auf einer Internetseite soll mit 3000 Euro aus dem Haushalt der Stadt und 
durch Spenden in Höhe von 2000 Euro eingeworben werden. Leider konnten in den letzten Jahren 
lediglich Summen in Höhe von 400 Euro eingeworben werden, sodass eine Unterdeckung der Kosten 
für die Plakatierung und den Betrieb der Website besteht.  
 
 
Kostenübersicht 2019 
 
1. Kosten 1 
- Vertrag Plakatierung 
Vertragsdauer:  
1.1.-31.12.19 
 
2019 4.141,20 Euro 
2. Kosten 2 
- Kosten  
- hosting Medianet  
 
- Jährlich 
 
850,00 Euro 
3. Gesamtausgaben  - in 2019 4.991,20 Euro  
4. Eingegangene Spen-
den für Paul Wulf an 
den Förderverein in 
2018   
-   + 400,00 Euro 
 
5. Haushalt 2019 -   + 3000,00 Euro 
6. Bedarf - 4.991,20 € – 3400 €  = 1591,00 Euro 
 
Die fehlende Summe wurde aus dem Haushalt der Produktgruppe 0408 Villa ten Hompel beglichen. 
Es ist auch in den kommenden Jahren weiter mit einer Unterdeckung zu rechnen. Um die Fortführung

- 3 - 
V/0491/2020 
des Projektes zu ermöglichen, müssen regelmäßig ausreichende Mitte l eingestellt werden. Eine da u-
erhafte Deckung der benötigten Mittel aus dem Haushalt der Villa ten Hompel ist nicht möglich. 
 
 
Verbleib der Skulptur in Münster 
 
Die Skulptur münsters GESCHICHTE VON UNTEN  (Paul Wulf) ist von der Künstlerin Silke Wagner 
für die Skulptur Projekte 2007 realisiert worden. Im Anschluss an die Ausstellung entstand in der 
Stadtgesellschaft das Bedürfnis dafür Sorge zu tragen, dass die Skulptur, die ursprünglich als temp o-
räre Aktion angelegt war, dauerhaft in Münster verbleiben kann . Das Kunstwerk konnte 2010 vom 
Verein zur Förderung einer Erinnerungs-, Forschungs- und Bildungsstätte in der ehemaligen Villa ten 
Hompel e. V. nach einer Spendensammlung und mit finanzieller Unterstützung der Stadt Münster aus 
den Mitteln der Gewinnausschüttung der Sparkasse Münsterland-Ost erworben und anschließend der 
Stadt Münster geschenkt werden (vgl. V/0354/2010). Nach der Aufstellung der Skulptur waren der 
Verbleib und die Finanzierung mehrfach Gegenstand politischer Beratungen (Etatberatungen im K ul-
turausschuss, Vorlagen V/0271/2014 und V/0149/2015 an die Bezirksvertretung Münster-Mitte). 
 
 
Kunstwerk 
 
Die für die Skulptur Projekte 2007 eingeladene Konzeptkünstlerin Silke Wagner hat sich bereits in 
früheren Arbeiten kritisch mit Fragen der deutschen  Erinnerungskultur befasst und dementsprechend 
für ihr Projekt einen Anknüpfungspunkt in Münster gesucht. Silke Wagner bezieht sich in ihren Projek-
ten auf die Frage nach dem Aktivieren von Öffentlichkeit und schafft Angebote für Kommunikation 
und Interaktion. Zugleich greift sie in ihren Arbeiten gesellschaftliche Entwicklungen auf und hinte r-
fragt deren historische Konstruktionen. Es sind künstlerische Modelle der Mobilmachung von Öffen t-
lichkeit in Geschichte und Gegenwart, die Wagners Werk bestimmen. 
 
Die Skulptur münsters GESCHICHTE VON UNTEN  zeigt ein Portrait des Münsteraner Bürgers Paul 
Wulf und thematisiert dessen persönliches Schicksal als NS -Verfolgter und historischer Aufklärung s-
pionier, das als Symbol für „Münsters Geschichte von unten“ verstanden werden kann. Das Projekt 
besteht aus zwei Teilen: Zum einen aus der 3,4 m hohen Betonskulptur von Paul Wulf, die als Au s-
stellungsfläche für „ Münsters Geschichte von unten“  dient. Der Körper der Figur ist wie eine Litfa ß-
säule gestaltet und wird kontinuierlich (ca. einmal im Monat) neu plakatiert. Die Plakate thematisieren 
Paul Wulfs Aufklärungsarbeit, „Häuserkämpfe“ in der Stadt, die Anti -AKW-Bewegung in Münster u. ä. 
und stellen so eine Dokumentation der jüngeren politischen Zeitgeschichte dar. Neben der wechsel n-
den Plakatierung stellt die digitale Präsentation von Teilen des Umweltzentrum -Archivs auf der Web-
seite www.uwz-archiv.de eine wesentliche Komponente der künstlerischen Arbeit dar. 
 
Die überlebensgroße Figur beleuchtet die Erinnerungspolitik kritisch und wirft die Frage auf, aus wes-
sen Perspektive Geschichte geschrieben wird. Dem UWZ -Archiv als Speicher alternativer Erzählu n-
gen wird durch das Projekt Öffentlichkeit  verliehen. Die Aufmerksamkeit, die  durch die Arbeit gene-
riert wird, und der Niederschlag, den die öffentliche Auseinandersetzung weit über den Ausstellung s-
zusammenhang hinaus  findet, sind wesentliche Elemente des Werks. Eine besondere Stärke der 
Skulptur besteht darin, dass sie über eine individuelle Lebensgeschichte einen Zugang zum überg e-
ordneten Lauf der Geschichte ermöglicht. Sie ist damit ein Symbol für die lange Zeit vergessenen 
Opfergruppen der NS-Diktatur.

- 4 - 
V/0491/2020 
Nach intensiven Diskussionen in Münsters Stadtöffentlichkeit und einer öffentlichen Tagung mit 
Kunstexpert/-innen und Zeithistoriker/ -innen in der Akademie Franz Hitze Anfang 2017 war der 
Wunsch nach Fortführung der Skulptur sehr präsent. Hier hatten sich drei Personen geäußert, die 
sich mit unterschiedlichen Rollen der Skulptur und der Erinnerung an Paul Wulf beschäftigt haben: 
 Frau Dr. Brigitte Franzen (Aachen) informierte über die Statue als Teil der Ausstellung „Skul p-
tur Projekte 2007 
 Dr. Bernd Drücke ( Münster) berichtete über sein Mitwirken an „Münsters Geschichte von u n-
ten“, die Kunst als politische Aktion versteht. 
 Prof. Dr. Alfons Kenkmann (Leipzig / Münster) referierte zum personalisierten Gedenken an 
NS-Verfolgte am Beispiel Paul Wulf. 
 
In der Frag e, ob die Skulptur weiterhin in Münster zu sehen sein solle, bestand weitgehender Ko n-
sens. So betonte Dr. Brigitte Franzen, dass die Skulptur einzigartig sei, weil sie anders als andere 
antifaschistische Denkmäler ohne „Betroffenheitslyrik““ auskomme, dabe i weitaus zugänglicher sei 
und es daher eine „besondere Arbeit sei, um die man sich kümmern sollte“. Sie gehöre, so Prof. Dr. 
Alfons Kenkmann, in jedem Falle nach Münster, auch weil die Stadt sich erst so spät ihrer NS -
Vergangenheit gestellt habe, insbeson dere aber, weil die Skulptur mit Paul Wulf ein authentisches 
Opfer zum Gegenstand habe und dies vor dem Hintergrund aktueller Diskurse besonders wichtig sei. 
 
Auch Gespräche mit der Künstlerin Silke Wagner im Jahr 2020 führten zu dem Ergebnis, dass die 
Skulptur ihre Aktualität keineswegs verloren hat, da sie Themen verhandelt, die nicht an Aktualität 
eingebüßt haben. Zudem stellt die Skulptur nach wie vor einen wichtigen Beitrag in der Diskussion 
um Kunst und Gedenken im öffentlichen Raum dar. Ihre Aufstell ung an exponierter Stelle im öffentl i-
chen Raum trägt dazu bei, dass die mit ihr verbundenen Themen in der Diskussion bleiben. 
 
In einer Stadt, in der sich zahlreiche Kriegerdenkmale befinden, die an kriegerische Ausei nanderset-
zungen des späten 19. Jahrhund erts sowie den Ersten und Zweiten Weltkrieg erinnern , kann Wa g-
ners Skulptur mit ihrem Standort an der Promenade als eine Art alternatives Denkmal gelesen we r-
den. Damit bildet das Werk einen wichtigen Kontrapunkt zu den Kriegerdenkmälern auf der Prom e-
nade, da es die Idee des klassischen Denkmals unterläuft. Nicht zuletzt der Titel münsters G E-
SCHICHTE VON UNTEN  kann hier symbolisch und als Gegenkonzept zur traditionellen Idee des 
Denkmals gelesen werden, da er auf eine Geschichtsschreibung anspielt, die sich nicht „von oben“ 
aus einer Machtposition, sondern „von unten“ seitens der Bürgerinnen und Bürger und nicht zuletzt 
auch der Opfer vollzieht. 
 
 
 
i.V. 
 
gez. 
Cornelia Wilkens 
Stadträtin 
 
Anlagen: 
 
Anlage A

Beratungsverlauf (2)

17.06.2020 Kulturausschuss
TOP 5 Vorberatung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung
23.06.2020 Bezirksvertretung Münster-Mitte
TOP 4.3 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: einstimmig beschlossen

Zur Sitzung

Orte (2)

  • Servatiiplatz 7
  • Promenade

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Details

Aktenzeichen
V/0491/2020
Typ
Vorlagen
Datum
18.05.2020
Erstellt
06.10.2020 14:37