4189/2022
Öffentlichkeitsveranstaltung Mülheimer Süden am 21.05.2022
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Anlage 1_Dokumentation Mülheimer Süden
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Mülheimer Süden Mülheimer Süden Vom historischen Industriestandort zum modernen Stadtquartier Mülheimer Süden Seite 2 Mülheimer Süden Seite 3 Inhaltsverzeichnis 05 Vorwort Markus Greitemann • Beigeordneter für Planen und Bauen der Stadt Köln 06 Plangebiete Mülheimer Süden 09 Vom historischen Industriestandort zum modernen Stadtquartier 12 Die Industriegeschichte: Von Deutz aus in alle Welt 14 Denkmäler im Mülheimer Süden 16 Interview mit Prof. Jörn Walter • Vorsitzender der Ständigen Jury Mülheimer Süden 22 Mobilität im Mülheimer Süden 28 Kooperatives Baulandmodell der Stadt Köln 30 Euroforum Nord | COLOGNEO I 38 Euroforum West | COLOGNEO II 42 Otto-Langen-Quartier 49 Nördlich Grünzug Charlier 50 Deutz-Areal 57 Windmühlen-Quartier | COLOGNEO III 58 Lindgens-Areal Mülheimer Süden Seite 4 Mülheimer Süden Seite 5 Vorwort Die Entwicklung des Mülheimer Südens ist eine ganz besondere Herausforderung für Politik und Verwaltung. Das Areal rund um den Mülheimer Hafen ist aufgrund seiner zentralen Lage von enormer Be- deutung für die Stadtentwicklung. Einen besonderen Stellenwert hat insbesondere der Wunsch, Wohn- raum in zentralen Lagen von Köln zu schaffen. Das in großen Teilen brachliegende Gelände mit seinen historischen Bauten ist Teil der deutschen Indust- riegeschichte. Die Industriehallen erzählen noch heute von Jahrzehnten erfolgreicher Produktion. Mehr als 100 Jahre lang war der Mülheimer Süden der Stand- ort international tätiger Industrie- und Gewerbeunternehmen. Unter Regie von Nikolaus August Otto und Eugen Langen wurden hier ab 1867 Verbrennungsmoto- ren gefertigt. In der im Jahr 1902 errichteten Möhring-Halle wurden einst die Produkte der weltweit ersten Motorenfabrik gezeigt. Auch an anderer Stelle finden sich Relikte der Industriegeschichte: Auf dem früheren Gelände der Waggonfabrik Van der Zypen & Charlier ist heute in Teilen noch die Teststrecke der Wuppertaler Schwebebahn zu be- sichtigen. Die mächtigen Backsteinbauten an der Deutz-Mülheimer Straße bilde- ten Anfang des 20. Jahrhunderts die würdige Kulisse für eine Fabrikstra- ße, die es in Nordrhein-Westfalen heute kein zweites Mal mehr gibt. Die Geschichte dieses Orts bedeutet Verpflichtung, die Verpflichtung, mit diesem Erbe behutsam umzugehen; aber auch gleichzeitig Chancen. Die Aufgabe des Mülheimer Standortes durch die Deutz AG hat ein einmali- ges Potenzial zur Entwicklung eines neuen, zentral gelegenen, urbanen Stadtquartiers eröffnet. Bereits 2013/14 haben zwei interdis- ziplinäre Planungsteams aus Archi- tekten, Stadt-, Landschafts- und Verkehrsplanern unter breiter Be- teiligung der Öffentlichkeit ein um- fassendes Entwicklungskonzept und einen städtebaulichen Rahmen für den Mülheimer Süden entworfen. Das Werkstattergebnis bildet bis heute das Grundgerüst für die Ent- wicklung des Mülheimer Südens. Es bildet die Klammer und formuliert Leitlinien für die Entwicklung und weitere Qualifizierung der einzelnen Teilgebiete, aus denen sich der Mül- heimer Süden zusammensetzt. Rat und Verwaltung der Stadt Köln haben mit der Schaffung von Plan- und Baurecht die Entwicklung und Gestaltung des Mülheimer Südens in der Hand. Durch die Ausübung des Vor- kaufsrechtes für das ehemalige Verwaltungsgebäude im Otto-Lan- gen-Quartier und das kommende Bieterverfahren im Otto-Langen- Quartier haben Rat und Verwaltung zusätzliche Räume für direktes Handeln im Entwicklungsprozess in die Hand bekommen. Die Gestaltung eines urbanen leben- digen und gemeinwohlorientierten Quartiers ist das Ziel, das wir vor Au- gen haben, wenn wir an die Zukunft des Mülheimer Südens denken. Markus Greitemann Beigeordneter für Planen und Bauen der Stadt Köln Mülheimer Süden Seite 6 Plangebiete Mülheimer Süden Mülheimer Süden Seite 7 Größe: rund 5 Hektar Nutzung: Wohnen (ca. 360 Wohneinheiten), Gewerbe, Gastronomie, Einzelhandel, Kindertagesstätte, Kultur, soziale Einrichtungen Größe: rund 1 Hektar Nutzung: Wohnen, Gewerbe Größe: rund 5 Hektar Nutzung: Wohnen (ca. 400 Wohneinheiten), Gewerbe, Gastronomie, Kindertagesstätte, Kultur, soziale Einrichtungen Größe: rund 1 Hektar Nutzung: Wohnen, Kindertagesstätte, Gewerbe Größe: rund 4 Hektar Nutzung: Gewerbe, Gastronomie, Grundschule Größe: rund 20 Hektar Nutzung: Wohnen (ca. 2.500 Wohneinheiten), Gewerbe, Gastronomie, Einzelhandel, Gesamt- und Grundschule, mehrere Kindertagesstätten Größe: rund 10 Hektar Nutzung: Wohnen (ca. 460 Wohneinheiten), Gewerbe, Gastronomie, Einzelhandel, Kindertagesstätte, Kultur 1 Lindgens Areal 2 Windmühlen-Quartier 3 Deutz-Areal Gesamt/f_läche: rund 46 Hektar __________________________________________________ In allen Bereichen des Mülheimer Südens sind öffentliche Grün- und Spiel/f_lächen vorgesehen. 4 Otto-Langen-Quartier 5 Nördlich Grünzug Charlier 6 Euroforum West 7 Euroforum Nord Plangebiete Mülheimer Süden (vorläu/f_iger Planungsstand: April 2022) Mülheimer Süden Seite 8 Mülheimer Süden Seite 9 Vom historischen Industriestandort zum modernen Stadtquartier Im Mülheimer Süden befindet sich auf einer Fläche von 46 Hektar ein nahezu brachliegendes Gewerbe- areal. Das zum Großteil verwaiste Gelände soll in den nächsten Jahren zu einem urbanen Viertel mit Wohnen und Arbeiten entwickelt werden. Politik und Verwaltung möchten einen lebendigen Stadtteil entstehen lassen, in dem sich unter- schiedliche Nutzungen vermischen. In den Teilbereichen sollen neben Wohnungen Büros, Einzelhandels- angebote, Schulen, Kindertagesstät- ten, Einrichtungen für Kulturschaf- fende und soziale Zwecke sowie Grün- und Spielflächen entstehen. Die Wandlung von der Industriebra- che zum neuen Stadtquartier wurde planerisch bereits im Werkstatt- verfahren in den Jahren 2013/14 in Angriff genommen. In Zusammen- arbeit mit dem Stadtplanungsamt und unter breiter Beteiligung der Öffentlichkeit haben zwei interdis- ziplinäre Planungsteams aus Archi- tekten, Stadt-, Landschafts- und Verkehrsplanern ein umfassendes Entwicklungskonzept und einen städtebaulichen Rahmen für den Mülheimer Süden entworfen. Ort der Industriegeschichte Insbesondere die ehemaligen Indus- triehallen, aber auch die Eisenbahn- bögen bieten sich für unterschied- liche gewerbliche oder kulturelle Nutzungen an. Wohnraum für Köln Der Mülheimer Süden hat ein Poten- zial zum Bau von (nach aktuellem Stand der Planung) bis zu 4.500 neu- en Wohnungen. Unter Anwendung des Kooperativen Baulandmodells der Stadt Köln können dort mindes- tens 30 Prozent der Wohnungen als öffentlich geförderter Wohn- raum entstehen. Dies bedeutet für die Stadt einen großen Schritt zur Versorgung der Kölner*innen mit Wohnraum. In dieser Projektdokumentation finden Sie den aktuellen Stand der Überlegungen und Planungen rund um die Entwicklung der einzelnen Teilbereiche im Mülheimer Süden. Mit den Teilbereichen Euroforum Nord (Cologneo I), Euroforum West (Cologneo II), Lindgens-Areal, Otto- Langen-Quartier, Deutz-Areal, Wind- mühlen-Quartier (Cologneo III) und Nördlich Grünzug Charlier finden sich im Plangebiet Quartiere mit sehr unterschiedlichen Perspektiven und Entwicklungsständen. Aktuelle Entwicklung Die Nutzung des Vorkaufsrechtes für die denkmalgeschützte ehemalige KHD-Hauptverwaltung und die Be- mühungen im Vergabeverfahren für die landeseigenen Flächen im Otto- Langen-Quartier belegen, dass Poli- tik und Verwaltung den Mülheimer Süden mehr denn je aus dem Dorn- Mülheimer Süden Seite 10 röschenschlaf holen möchten. Weiterer Beleg dafür ist der Be- schluss des Rates zur Anbindung der Stadtbahn an diese Bereiche. Weitere Schritte auf dem langen Weg zum neuen urbanen Stadtquar- tier sind die Sicherung von Flächen für Kindertagesstätten und Schul- gebäude. Das Potenzial des Mülheimer Südens als Entwicklungsareal für eine wach- sende Stadt ist enorm. Politik und Verwaltung haben es sich zur Auf- gabe gemacht, diese Potenziale zu heben. Damit dies geschehen kann, müssen unterschiedlichste Faktoren berücksichtigt werden. Eine beson- dere Rolle wird dabei die vom Rat der Stadt beschlossene gemeinwohl- orientierte Quartiersentwicklung des Otto-Langen-Quartiers spielen. Die Initiative „raum13“ hat dort durch die außerordentliche, jahre- lange Beteiligung am Meinungs- bildungsprozess ein gutes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement gegeben. Eingebracht haben sich auch die Akteure der Initiative Otto- Langen-Quartier. Der richtige Mix ist gefragt Die Erwartungen, die in den letzten Jahren an Politik und Verwaltung herangetragen wurden, sind hoch. Ziel ist es im Interesse aller Beteilig- ten, in einem Mix aus planerischer und städtebaulicher Kompetenz von Verwaltung, Fachplaner*innen und Eigentümer*innen sowie bürger- schaftlicher Beteiligung zu einer zukunftsorientierten Gestaltung des Mülheimer Südens zu kommen. Die Einrichtung der Ständigen Jury Mülheimer Süden, die die laufenden Prozesse mit Fachkompetenz beglei- tet, hat sich in diesem Zusammen- hang bewährt. Nachhaltige Lösungen Die laufenden Abstimmungen von Politik, Verwaltung, Eigentümer*in- nen und vielen Interessenvertre- ter*innen sind teilweise langwierig. Sie sind aber unerlässlich, um lang- fristige, nachhaltige Lösungen zu entwickeln. Neben der Kombination von alter Industriearchitektur mit modernem Städtebau soll im Mülheimer Süden im Zusammenspiel mit den Inves- tor*innen nachhaltige Stadtent- wicklung mit innovativen Konzepten aus den Bereichen Mobilität, Energie und Klimaschutz verbunden werden. Gerade die Klimaleitlinien der Stadt Köln definieren wichtige Eckpfeiler in der Entwicklung nachhaltiger Quartiere. Begleiten Sie uns auf dem Weg vom historischen Industriestandort zum urbanen Stadtquartier. Mülheimer Süden Seite 11 Information und Beteiligung der Öffentlichkeit Für diverse Teilbereiche im Mülheimer Süden wur- den nach dem Werkstattverfahren 2013/14 bereits Bebauungspläne aufgestellt. Mit dieser Projektdoku- mentation und der Informationsveranstaltung für die Öffentlichkeit am 21. Mai 2022 informiert die Stadt Köln über den aktuellen Stand in der Umsetzung. Der Bebauungsplan Euroforum Nord ist mit der ersten Änderung bereits rechtskräftig. Die Bebauungsplan- verfahren für Lindgens-Areal, Euroforum West und Otto-Langen-Quartier laufen bereits, für die Verfahren Nördlich Grünzug Charlier und Windmühlen-Quartier gibt es einen Aufstellungsbeschluss. Die gesetzlich vorgeschriebene Öffentlichkeitsbeteili- gung gemäß Baugesetzbuch gibt allen Bürger*innen die Möglichkeit, ihre Vorstellungen von der Entwick- lung einzelner Bereiche in den Prozess einfließen zu lassen. Veranstaltungen mit dem Ziel der Öffentlichkeitsbe- teiligung und der öffentlichen Unterrichtung über die allgemeinen Ziele und Zwecke der Planung wird es in den Bereichen noch geben, in denen es noch keinen rechtskräftigen Bebauungsplan gibt oder das Verfah- ren noch nicht so weit fortgeschritten ist. In der Informationsveranstaltung am 21. Mai 2022 geht es nicht um eine Öffentlichkeitsbeteiligung im Sinne der Bestimmungen des Baugesetzbuches, sondern vielmehr um die Information zum aktuellen Planungsstand. Mülheimer Süden Seite 12 Die Industriegeschichte: Von Deutz aus in alle Welt Als Zeugnis der Industriegeschich- te Mülheims hat sich entlang der Deutz-Mülheimer Straße im Bereich des Motorenwerkes ein umfangrei- ches Ensemble von Industriebauten des ausgehenden 19. und beginnen- den 20. Jahrhunderts erhalten. Diese historischen Bauten sind aufgrund der Vielzahl in Köln einzigartig und daher von herausragender Bedeu- tung. „Von Deutz ist die Motorisierung der Welt ausgegangen.“ Sätze wie diesen kennt in Köln jedes Kind. Ge- würdigt wird damit die überragende Bedeutung der ersten Motorenfabrik der Welt, die Nikolaus August Otto und Eugen Langen an der Servas- straße hinter dem Hauptbahnhof ge- gründet haben. Die N. A. Otto & Cie. Werke haben nicht nur deutsche Industriegeschichte geschrieben. Der Motor hat die Welt verändert, in Köln war die Keimzelle der revolutio- nären Entwicklung. Auf- und Ausbau des Werkes Nach einer Präsentation des Otto- Motors auf der Pariser Weltausstel- lung 1867 wurde mit Eintritt des weiteren Geschäftspartners Ludwig August Roosen-Runge die Grund- lage für den Bau einer neuen Fabrik geschaffen. Für 14.000 Taler wurde 1869 ein 3,5 Morgen großes Grund- stück links von der alten Straße von Deutz nach Mülheim erstanden. Die Entwicklung der Rheinuferzone zwischen Deutz und Mülheim zu einem Industriegebiet hatte sich bereits 1845 durch die Gründung der Waggonfabrik Van der Zypen & Charlier auf einem Grundstück im Süden des Areals angekündigt. 1871 wurde die N.A. Otto & Cie. in eine Aktiengesellschaft umgewan- delt. Der neue Name: Gasmotoren- Fabrik Deutz AG. 1872 holte Eugen Langen Gottlieb Daimler als techni- schen Direktor nach Deutz, der wie- derum Wilhelm Maybach als Leiter des Konstruktionsbüros mitbrachte. Daimler und Maybach blieben zehn Jahre in Deutz und entwickelten die Serienfertigung für direktwirkende, schnelllaufende Motoren. Unter dem neuen technischen Di- rektor Hermann Schumm wurde das Werk in Deutz ausgebaut und wuchs über die Deutz-Mülheimer Straße hinweg nach Osten. Anfangs wurden hier 1886 nur Ergänzungsbetriebe zur Motorenfabrikation wie Lackie- rerei und Probierplatz eingerichtet. Im Laufe der 1890er Jahre wurde die Motorenmontage nach und nach in die Produktionshallen östlich der Deutz-Mülheimer Straße verlagert. Am Ursprungsort der Motorenfa- brik verblieb der Gießereibetrieb, der schrittweise vergrößert wurde. Die angrenzenden Hallen wurden bereits Ende des 19. Jahrhunderts zur Aufstellung von Werkzeugma- schinen genutzt. Zu dieser Zeit hatte das Werk über 700 Mitarbeiter und produzierte 1000 Motoren jährlich mit einer mittleren Größe von 4 bis 5 PS. Die Jahre um 1900 waren - angeregt vom amerikanischen Vorbild der Mülheimer Süden Seite 13 Massenfabrikation - geprägt von An- strengungen zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit. Statt kleiner Serien von fünf bis 20 Maschinen wurden Großserien entwickelt. Ein Höhepunkt dieser Zeit war die Teil- nahme an der Düsseldorfer Kunst- und Gewerbeausstellung. Die Deutz AG präsentierte hier in einer eigenen Ausstellungshalle einen 1000 PS Gasmotor. Ausflug in den Autobau Heute noch vor Ort sichtbar ist die Trennung von Groß- und Kleinmo- torenbau. Für den Großmotorenbau entstand eine neue große Produk- tionshalle an der Deutz-Mülheimer Straße. Für den Mittelmotorenbau wurde 1911 eine siebenschiffige Halle mit tonnenförmigen Bindern zwischen Gießerei und Verwaltungs- gebäude eingefügt. Das Verwaltungsgebäude von 1891 mit seinen Fensterreihen im Rund- bogenstil wurde 1911 mit einem bis zum Auenweg reichenden Bau ergänzt. Zwischen 1901 und 1908 wurden die Gießereihallen um die auf der Düsseldorfer Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung er- baute Möhring-Halle erweitert. Die Halle prägte hochaufragend und mit dem Schriftzug „Gasmotoren-Fabrik Deutz“ die rheinseitige Werksan- sicht. Zwischen 1907 und 1912 versuchte man sich in Deutz auch im Auto- bau und verpflichtete den Ingenieur Ettore Bugatti. 1907 wurde mit der serienmäßigen Herstellung von Dieselmotoren begonnen. 1913 arbeiteten 3400 Arbeiter und 700 Angestellte im Werk. Mit Peter Klöckner als Hauptaktionär und Vorsitzendem des Aufsichtsrates stand seit 1923 ein Industrieller mit Verbindung zur Montanindustrie und zum Bankenwesen an der Spitze des Unternehmens, das 1930 mit der Motorenfabrik Oberursel und der Maschinenbauanstalt Humboldt AG zur Humboldt-Deutzmotoren AG fusionierte. Mit der Übernahme der Fahrzeugfabrik Magirus (Ulm) gehörte das Werk in Deutz seit 1938 zu einem der deutschen Großunter- nehmen. Deutz war vermutlich die erste Fabrik in Europa, die 1925 die Industriehalle KHD - Kleinmotorenbau Serienfertigung für Motoren ein- führte. Die Fertigungszeit pro Motor sank von 1700 auf 1200 Minuten. Im Zweiten Weltkrieg wurden mehr als zwei Drittel der Gebäude zer- stört. Nach Kriegsende hatten die Amerikaner die Werkshallen be- schlagnahmt. Etwa 600 Maschinen wurden demontiert. 138 Jahre Industriegeschichte Schon 1946 wurde wieder die Er- laubnis zur Wiederaufnahme des Motorenbaus erteilt. Pünktlich zur Fertigstellung der neuen Hauptver- waltung wurde das 100. Jubiläum des Deutzer Werkes gefeiert. Das Werk wurde im Jahr 2005 nach Umstrukturierungen aufgrund seiner innerstädtischen Lage und mangelnder Entwicklungsperspekti- ven stillgelegt. So endete nach 138 Jahren die Geschichte industrieller Produktion in Köln-Mülheim: Der Erwerb durch die damalige LEG Stadtentwick- lung GmbH & Co. KG (heute: NRW. URBAN GmbH & Co. KG) für den Grundstücksfonds NRW war bereits 1995 erfolgt. Mülheimer Süden Seite 14 Denkmäler im Mülheimer Süden Mülheimer Süden Seite 15 Im Mülheimer Süden finden sich zahlreiche denkmal- geschützte und erhaltenswerte Gebäude, Bereiche und Strukturen. Wir möchten an dieser Stelle einen Einblick davon vermitteln, welchen historischen Wert die einzel- nen Objekte besitzen. In den Ausführungen zu den einzelnen Planungsberei- chen sind in dieser Broschüre noch zusätzliche Informa- tionen zu finden. Kölnische Gummifädenfabrik Zwischen 1908 und 1922 errichtet, 1947 wiederauf- gebaut und mit dem verputzten Trakt erweitert. 1843 am Eigelstein in Köln gegründet, wechselte das Unter- nehmen zuerst nach Niehl und 1864 an die Deutz-Mül- heimer Straße. Ein Gebäudeflügel der Fabrik steht unter Denkmalschutz und wird vom Verein Kunstwerk e.V. genutzt. Waggonhalle In den 1888/93 errichteten Hallen der Firma Van der Zypen & Charlier wurde die Wuppertaler Schwebebahn entwickelt. Die Schwebebahn-Ausfahrt ist heute noch zu erkennen. Eckiger Rundbau Seinen Namen verdankt dieser (1910 fertiggestellte) Magazinbau der Firma Van der Zypen & Charlier dem dreieckigen Grundriss und den gerundeten Galerien. KHD-Sozial- und Verwaltungsgebäude Die denkmalgeschützten Verwaltungsbauten mit reprä- sentativ gestalteter Ziegelfassade an der Deutz-Mülhei- mer Straße prägen das Bild der einstigen Industriestraße. Um 1900 entstand links vom heutigen Haupteingang ein neues Verwaltungsgebäude, das durch einen Back- steinflügel ergänzt wurde. Möhring-Halle Die denkmalgeschützte Möhring-Halle ist als Teil des Hallenensembles im Otto-Langen-Quartier von hochran- giger industrie- und architekturgeschichtlicher Bedeu- tung. Sie wurde 1902 auf der Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung in Düsseldorf zur Repräsentation der Gutehoffnungshütte und der Gasmotoren-Fabrik Deutz von Reinhold Krohn und Bruno Möhring als Messehalle erbaut. KHD-Motorenhallen Neben den Verwaltungsgebäuden wurden in der Ver- gangenheit beidseitig der Deutz-Mülheimer Straße große Industriehallen errichtet, die in Teilen aufgrund des Alters (um 1900 erbaut) erhaltenswert sind. Einige davon stehen unter Denkmalschutz. Lindgens-Fabrikgebäude Die Dreiergruppe (erbaut Ende des 19. Jahrhunderts) besteht aus Drehtrommel-Ofenraum, Bleirohrwerk und Garage. Die im Hafenpanorama auffallende Mennigefa- brik wurde 1912/22 errichtet und überragt die meisten älteren Bauten. Mit Rohstoffen aus dem Bergischen Land stellte die Firma Bleiweiß und rote Bleimennige her, die als Schutzanstrich für Holz und Metall gebraucht wurden. Schon um 1830 gegründet, war sie eine der ältesten Bleiweißfabriken Europas. Lindgens-Verwaltung Hier handelt es sich um ein freistehendes Gebäude, das nach dem Zweiten Weltkrieg errichtet wurde. Eckiger Rundbau Mülheimer Süden Seite 16 Interview mit Prof. Jörn Walter Zur Person „Die Ideen und die Zielwelt des Werkstattverfahrens bewahren“ - mit diesem Anspruch arbeitet die sechs- köpfige Ständige Jury Mülheimer Süden. Vorsitzender des Gremiums ist Prof. Jörn Walter. Die Gewinnung des renommierten Städteplaners aus Hamburg ga- rantiert vor allem eines: Die exzellente Verknüpfung von Theorie und Praxis. Prof. Jörn Walter absolvierte nach dem Studium der Raumplanung an der Universität Dortmund 1982 bis 1984 ein Städtebaureferendariat beim Regierungs- präsidium und bei der Landeshauptstadt Düssel- dorf. Er war von 1985 bis 1991 Leiter des Amtes für Stadtentwicklung und Umwelt in Maintal, von 1991 bis 1999 Leiter des Stadtplanungsamtes in Dresden. Außerdem lehrte er an den Technischen Universitä- ten in Wien und Dresden. 1998 setzte sich Jörn Walter gegen 20 Bewerber durch und wurde 1999 Oberbaudirektor und somit höchster technischer Beamter der Stadt Hamburg. Er wurde am 15. Dezember 1998 gewählt und blieb bis September 2017 im Amt. Sein Nachfolger wurde Franz-Josef Höing - zuvor Beigeordneter in Köln. Jörn Walter ist seit 2001 Honorarprofessor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg und seit 2014 an der HafenCity Universität Hamburg. Neben seinem beruflichen Werdegang engagierte Walter sich unter anderem im Bauausschuss des Deutschen Städtetages und von 2007 bis 2016 im Beirat der Bundesstiftung Baukultur. Er wurde 1994 in die Deut- sche Akademie für Städtebau und Landesplanung, im Jahr 2000 in die Akademie der Künste Berlin und die Sächsischen Akademie der Künste sowie 2017 in die Freie Akademie der Künste Hamburg berufen. Prof. Jörn Walter Prof. Walter, was ist die Aufgabe der „Ständigen Jury Mülheimer Süden“? Die Aufgabe der Jury besteht in der fachlichen Beglei- tung der städtebaulichen Planungen und deren Umset- zung in qualitätsvolle Architektur und Freiraumgestal- tung. Wir betrachten dabei insbesondere die öffentlich wahrnehmbaren Bereiche der Architektur und Freiräume – genau genommen das, was im Auge des Betrachters liegen wird. Dürfen sich die Bürger*innen das so vorstellen, dass Sie mit Ihren Mitstreitern sozusagen die Leitplanken vorgeben? Sagen wir besser: Wir helfen dabei, die Leitplanken aus dem Werkstattverfahren zu präzisieren und auszufüllen. In der Präambel zur Geschäftsordnung der Jury heißt es, dass wir den Geist der städtebaulichen Idee weiter- tragen und der Stadt Köln sowie den Investor*innen und Vorhabenträger*innen beratend zur Seite stehen. Neben mir wurden Prof. Julia Bolles-Wilson, Rebekka Junge, Prof. Johannes Kister, Jürgen Minkus und Dr. Thomas Werner in die Ständige Jury berufen. Das sind in fast allen Fällen Vertreter der bereits am Werkstattverfahren beteiligten Büros - landschaftsplanerische, fachlich-lokale und denkmalpflegerische Kompetenz. Mülheimer Süden Seite 17 Potenziale der Freiraumplanung Mülheimer Süden Eisenbahnlinie Erschließungsachsen Quartiersgassen Öffentliche Grünflächen Übergeordnete Fahrradwege Öffentlich zugängliche private Grünflächen Stadtplätze Öffentliche Spielflächen Schulen Bushaltestellen Stadtbahnhaltestellen Kindertagesstätte Durchlässigkeit Rheinboulevard/ grünes Rheinband Grünzug Mülheim-Süd Grünkorridor Otto-Langen-Gasse Möhring-Gasse Grünzug Charlier Planstraße Euroforum Nord/West Euroforum Nord/West Grünverbindung bereits geplant Potenzielle Freiraumverbindung Lückenschlüsse Quartiersstraßen, individuelle Charaktere Potenzielle Straßenraumverbindung Mülheimer Süden Seite 18 Planungsstand: April 2022 Geplante Hochpunkte im Mülheimer Süden geplante Hochpunkte Was machen Sie im Rahmen Ihrer Arbeit konkret? In den Sitzungen der Ständigen Jury sind neben den ge- nannten Personen Vertreter der Verwaltung, des Land- schaftsverbandes Rheinland sowie der Planungsteams der jeweiligen Bauherren und Bauherrinnen für die unterschiedlichen Projekte im Mülheimer Süden vertre- ten. Alle Investor*innen der einzelnen Teilgebiete stellen mit ihren Planungsteams ihre Konzepte bzw. konkreten Planungen der Jury vor. Die Jury gibt Empfehlungen zur Überarbeitung und weiteren Qualifizierung. Darüber hinaus sind Mitglieder der Ständigen Jury Be- standteil der erforderlichen Qualifizierungsverfahren für einzelne Vorhaben. Erklärtes Ziel ist insbesondere die Umnutzung und damit der Erhalt der noch verbliebe- nen historischen Bausubstanz und die Entwicklung von städtebaulichen Strukturen zur Wahrung des industrie- historischen Charakters. Welchen Stellenwert hat das Areal im Mülheimer Sü- den für Sie als Raumplaner? Der Mülheimer Süden ist industriegeschichtlich be- deutsam und hat mit seinen Backsteingebäuden einen besonderen Charakter. Er stellt durch die Entwicklung als neuer Wohnungsschwerpunkt hohe Anforderungen an die Freiraumplanung. Neben der sinnvollen Nach- nutzung der zu erhaltenden Gebäude stellt sich zusätz- lich die Frage, welche neuen Gebäudetypologien dort mit Blick auf Wohnraum und gewerbliche Arbeit Platz finden. Räumlich ist insbesondere der regelmäßige Abgleich der städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ent- Mülheimer Süden Seite 19 wicklungen der Einzelquartiere mit den übergeordneten Zielen aus dem Werkstattverfahren sowie die Qualifizie- rung der konkreten Architektur wesentliche Aufgabe der Ständigen Jury. Können Sie Beispiele nennen? Wir diskutieren die geplanten Hochpunkte, sprechen über die städtebauliche Dichte in den Teilgebieten und geben Anregungen zur Nutzung des historischen Be- standes und der Neubebauung. Auch die Materialität der Fassaden spielt eine große Rolle. Ein anderes Beispiel: Idee aus dem Werkstattverfahren aus den Jahren 2013/14 sind die kammartigen Ost-West- Grünzüge. Im Falle des Grünzuges Mülheim Süd geht es beispielsweise um die Ausgestaltung mit Spielflächen, Bepflanzung und inzwischen ganz konkret um Anschlüs- se und Übergänge bestehender und neuer Strukturen an diesen Grünzug. Beim Lindgens-Areal wurde über Baumstandorte, die Überarbeitung des Übergangs Grünkorridor/Hafenstraße sowie den Quartiersplatz Auenweg/Deutz-Mülheimer Straße als urbanen Stadtplatz diskutiert. Welches Potenzial sehen Sie, um Akzente zu setzen und trotzdem ausreichend Wohnraum und Gewerbe- flächen zu schaffen? Grundsätzlich gilt, dass in gewachsenen Strukturen die Spielräume etwas geringer sind als auf der grünen Wiese. Sie sind aber da, wenn man bedenkt, dass es nicht nur um Quantitäten, sondern auch um Qualitäten geht. Zunächst ist dafür eine integrierte Betrachtung der Themen Stadt- und Grünraum erforderlich. Das Planungsbüro LAND hat einen Potenzialplan erstellt, der vier wesentliche Chancen zur Qualitätssteigerung des Freiraums im Quartier beinhaltet. Welche Chancen sehen Sie da? Vorrangig die schon angesprochene Durchlässigkeit in diesem weitgehend abgeschotteten Areal zu schaffen und für Verbindungen zwischen den Quartieren und vor allem dem Rhein – Stichwort: Grünzüge Mülheimer Süden oder Charlier - zu sorgen. Desweiteren müssen unnötige Lücken zwischen einzelnen Freirauminseln ge- schlossen werden. In einem weiteren Schritt müssen die Planer an künf- tigen Stadtplätzen, Eingängen unter anderem neue Akzente setzen, für Zentralität einzelner Bereiche sorgen und damit auch Identität schaffen. Nicht zuletzt ist es eine wesentliche Aufgabe, individuelle Charaktere aus alten und neuen Straßenräumen, Erschließungs- und Wohnstraßen für die einzelnen Teilgebiete zu entwi- ckeln. Städtebaulich wird die Stadt für die nach dem Kooperati- ven Baulandmodell geforderten Qualifizierungsverfahren zusätzlich besonders bedeutsame Standorte definieren. Für diese Bereiche sind dann sogenannte hochbauliche Qualifizierungsverfahren – sprich: Wettbewerbe oder Gutachterverfahren – zur Sicherung einer besonderen städtebaulichen, ökologischen und architektonischen Qualität durchzuführen. Wie wirkt sich der Mülheimer Hafen auf die Planung im Otto-Langen-Quartier oder im Lindgens-Areal aus? Die sogenannten Kegelschiffradien des Mülheimer Ha- fens haben insbesondere Auswirkung auf die zulässigen Nutzungen. Kegelschiffe sind Schiffe, die Gefahrgüter transportieren und aufgrund dessen entsprechend ge- kennzeichnet werden müssen. Das Europäische Überein- kommen über die internationale Beförderung von ge- fährlichen Gütern auf Binnenwasserstraßen (ADN 2015) sieht Regelungen zur Gewährleistung der Sicherheit vor, welche auch die Belange der Bauleitplanung berühren. Das ADN 2015 sieht als Richtwert vor, dass um Liege- plätze von sogenannten Kegelschiffen ein bestimmter Sicherheitsradius eingehalten werden muss. Innerhalb der Radien sind keine sensiblen Nutzungen wie Wohnen, Kindertagesstätten sowie öffentliche Spielplätze mög- lich. Mülheimer Süden Seite 20 Mülheimer Süden Seite 21 Grundsätzlich wird es im Rahmen des Wettbewerbsver- fahrens für das Otto-Langen-Quartier eine wesentliche Aufgabe sein, Ideen zu entwickeln, die funktionale Er- fordernisse mit der übergeordneten Idee des Grünzugs entlang des Auenwegs ausgleichen. Da die Ständige Jury im Wettbewerbsverfahren zum Verkauf der Grund- stücksflächen als Teil des Auswahlgremiums beteiligt wird, werden wir das besonders im Auge behalten. Welche Aufgaben reizen Sie an der Gestaltung des Mülheimer Südens besonders? So sehr wir einerseits etwas nostalgisch auf unsere be- deutende Industriegeschichte und die großen Areale zurückblicken, so dürfen wir anderseits nicht vergessen, dass sie oftmals große Barrieren im Stadtraum mit er- heblichen Belastungen für die Nachbarschaft waren. Sie in unserer Generation zu gemischten, umweltfreund- licheren Quartieren entwickeln und mit den angrenzen- den Stadtteilen neu vernetzen zu können, ist eine große Chance. Dabei die industrielle Geschichte - besonders im Lindgens-Areal und im Otto-Langen-Quartier - zu bewahren, neu zu codieren und sie mit zeitgenössischen Herausforderungen fortzuschreiben, macht den Mül- heimer Süden sehr spannend. Zu den aktuellen Herausforderungen zähle ich insbe- sondere Themen wie kostengünstigen Wohnungsbau, den Klimawandel und neue Formen der Mobilität. Wenn es Köln gelingt, den industriell-rustikalen Charakter des Gebietes weiterhin spüren zu lassen und mit Wohnen, neuen Arbeitsplätzen, Schulen, kulturellen Einrichtun- gen und neuen Grünräumen vielseitiger und lebendiger zu machen, mit den angrenzenden Stadtteilen besser zu vernetzen und eine „grüne“ Fassung des majestätischen Rheins in diesem Abschnitt herauszuarbeiten, wäre für die Stadt viel gewonnen. Noch ein Wort zur Umsetzung: Gute Ideen allein rei- chen ja nicht aus. Warum glauben Sie, dass die Ideen in den nächsten Jahren Wirklichkeit werden können? In Anbetracht zahlreicher und komplexer juristischer Fragen, der Wechsel der Eigentum Besitzenden und der Größe des Plangebietes ist nach meinem Eindruck von Politik und Verwaltung im Hintergrund vieles gut vorangebracht und geklärt worden. Auch die Einrichtung der Ständigen Jury sehe ich als Teil dieses Prozesses. An vielen Stellen gibt es Investor*innen und Bauverantwort- liche, die mit ihren Planungen weit fortgeschritten sind. Dennoch bleibt noch einiges zu tun: Die intensivere Einbindung der Öffentlichkeit, die bedingt durch die Corona-Beschränkungen zuletzt kaum möglich war, die Schaffung finalen Baurechtes und der Abschluss städte- baulicher Verträge mit den Eigentümer*innen. Letztere beinhalten auch finanziell relevante Verpflichtungen und sind deshalb nie einfach auszuhandeln. Hier wird es im Geschick aller Beteiligten liegen, nicht nur punktuell, sondern flächendeckend für eine erfolg- reiche Stadtentwicklungsmaßnahme zu sorgen. Insge- samt bin ich da optimistisch, denn trotz aller Ungeduld des Herzens muss man sich hin und wieder daran erin- nern: Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut. Mülheimer Süden Seite 22 Mobilität im Mülheimer Süden Mülheimer Süden Seite 23 Mülheimer Süden Seite 24 Mobilität im Mülheimer Süden Mit der Umwandlung der einstigen Industriebrache in das neue Stadt- quartier Mülheimer Süden erfährt das Verkehrsaufkommen in den zentralen rechtsrheinischen Stadt- bezirken Mülheim, Deutz und Kalk einen erheblichen Wandel. Mit Blick auf diese Entwicklung hat die Verwaltung ein Mobilitätskon- zept für die Neuentwicklung des Mülheimer Südens erarbeitet. Mobilität: Umfassender Mix Bereits seit Juli 2017 gibt es für den Mülheimer Süden ein Mobilitätskon- zept, das über die neue Anbindung der Stadtbahn hinaus im Rahmen der Umwandlung der einzelnen Teilbereiche umgesetzt wird. Die Entwickler*innen des Konzeptes haben einen umfassenden Mix an Maßnahmen vorgeschlagen. Zu den geplanten Rahmenbedin- gungen zählen die Anbindung des Öffentlichen Nahverkehrs (Bus und Stadtbahn), der Ausbau des Radrou- tennetzes an Auenweg, Zoobrücke und Deutzer Brücke, die Nahversor- gung im Quartier sowie Bike + Ride- Stationen an den U-Bahn-Stationen Grünstraße und Stegerwaldsiedlung sowie an der S-Bahn-Station Buch- forst. Diese Rahmenbedingungen werden mithilfe von Mitteln des Landes NRW, der Stadt Köln und der beteiligten Investor*innen geschaf- fen. Carsharing-Angebote sowie Möglich- keiten zum Fahrradparken werden elementare Pflichtbausteine im Maßnahmenmix des Mobilitätskon- zeptes sein. Hier geht es vor allem um die Erhöhung der Quantität und der Qualität der Fahrradparkplätze. Mobilitätsstationen mit Informa- tionsangeboten, Packstation, Fahr- radwerkstätten, Ticketverkauf und Angeboten wie Café, Bäckerei oder Kiosk sind im Bereich der privaten Infrastruktur ebenso geplant wie Ladestationen für E-Pkw und E-Bikes sowie Parkplatz-Sharing. Quartiers- bezogene Maßnahmen (Verleihsta- tionen für Lastenräder und andere Transportmittel) sowie unterschied- Mobilitätskonzept Gesamtmaßnahmen Mülheimer Süden Seite 25 liche Informationsangebote runden das Maßnahmenpaket zur Umset- zung des Mobilitätskonzeptes ab. Radroutenkonzept Im Endausbau sieht das Radrou- tenkonzept einen neuen Radweg quer durch die Teilbereiche des Mülheimer Südens vor. Zudem werden die Voraussetzungen für den Radverkehr an den Hauptverkehrs- straßen durch zusätzliche Radwege, Radfahrstreifen und Schutzstreifen ausgebaut bzw. gesichert. Um dem steigenden Bedarf gerecht zu wer- den, werden im Mobilitätskonzept unterschiedlichste Anforderungen an neue Fahrradabstellanlagen formuliert. So sollen Stellplätze auch genügend Raum für Lastenräder und Lasten- bzw. Kinderanhänger bieten. Außerdem sollen im Rah- men der Wohnbebauung Lade- stationen für E-Bikes und Pedelecs installiert werden. Carsharing und Ladestationen Geplant sind an sieben Stationen bis zu 60 Stellplätze für Carsharing. Der Einzugsbereich von 200 Metern sichert Ortsansässigen die hohe Verfügbarkeit von entsprechenden Angeboten. Bereits bei der Ent- wicklung des Mobilitätskonzeptes wurde Wert darauf gelegt, den erhöhten Bedarf an Ladestationen für E-Fahrzeuge und E-Fahrräder zu berücksichtigen. Dabei wird bei den Mobilitätsstationen zwischen zwei Typen (Typ Service und Typ Statisch) unterschieden. Der Typ Service zeichnet sich durch zusätzliche Angebote wie beispielsweise eine Fahrradwerkstatt, einen Paketshop oder Ähnliches aus. Die Entwickler*innen des Mobilitäts- konzeptes gehen davon aus, dass die Realisierung der einzelnen Teilkon- zepte zu einer deutlichen Reduzie- rung des Verkehrsaufkommens im sogenannten MIV (= Motorisierter Individualverkehr) führen wird. Der MIV dürfte sich in den einzel- nen Bereichen um rund 20 Prozent reduzieren. Perspektiven Der Maßnahmenmix des Mobilitäts- konzeptes spielt heute in allen Ge- sprächen mit den Eigentümer*innen bzw. Projektentwickler*innen eine Rolle, wenn es um die nachhaltige, zukunftsorientierte Ausgestaltung der geplanten Quartiere geht. Durch städtebauliche Verträge besteht die Möglichkeit, diesen Bestandteil der Quartiersentwicklung zu sichern. Die neue Stadtbahn Die Stadtbahnanbindung bildet eines der Netzelemente, mit denen eine umweltverträgliche Abwick- lung der prognostizierten Verkehre sichergestellt wird. Sie trägt als ein Kernelement des Mobilitätskonzep- tes maßgeblich zur Veränderung der Verkehrsmittelwahl zu Gunsten des Umweltverbundes bei. Im Vorgriff hat eine zusätzliche Buslinie bereits ihren Betrieb aufgenommen. Mobilitätskonzept Radwegerouten Mülheimer Süden Seite 26 ner Platz wieder an die bestehende Strecke der Linie 4 an. Insgesamt sind drei Haltestellen vorgesehen: im Bereich unter der Zoobrücke, auf Höhe der Gaußstraße und am Ab- zweig Danzierstraße. Die Haltestellen werden als Mittel- bahnsteige ausgebildet, so dass sich beide Fahrtrichtungen eine Bahn- steiganlage teilen. Mit dem Bau der Stadtbahnanbindung werden gleichzeitig Radverkehrsanlagen neu in den Straßenquerschnitt integriert und die Situation für den Fußverkehr wird deutlich verbessert. Weiteres Vorgehen Die Vorentwurfsplanung für die Stadtbahnanbindung Mülheimer Süden wird im zweiten Quartal 2022 finalisiert. Anschließend wird die Planung in die politische Bera- tung gegeben und ein erweiterter Planungsbeschluss eingeholt. Auf dieser Grundlage setzt die Entwurfs- planung auf. Darauf aufbauend wird das Vorhaben zur Planfeststellung bei der Bezirksregierung Köln an- gemeldet. Das Planfeststellungsverfahren, mit dem Baurecht für die Stadtbahnan- bindung erlangt wird, liegt in der Verantwortung der Bezirksregie- rung. Maßnahmenmix des Mobilitätskonzeptes Die neue Stadtbahn zweigt als Ver- längerung der vorhandenen Stadt- bahntrasse der Linien 3 und 4 am Messekreisel in Richtung Norden ab. Für eine leistungsfähige und konfliktfreie Führung wird der Mes- sekreisel in seiner heutigen Form aufgelöst und neu gestaltet. Mit dieser Umgestaltung werden Fahrbeziehungen an dem Knoten- punkt entfallen, die künftig über eine neue Straßenverbindung zwi- schen Deutz-Mülheimer Straße und Pfälzischer Ring über den Messe- parkplatz P21 abgewickelt werden sollen. Die Neubaustrecke der Stadt- bahn ist ca. zwei Kilometer lang und schließt über die Deutz-Mülheimer Straße und Danzierstraße am Wie- Mülheimer Süden Seite 27 Für derart umfangreiche Maßnah- men ist mit einer Verfahrensdauer von etwa zweieinhalb Jahren zu rechnen. Mit dem Planfeststellungs- beschluss erlangt die Stadt Köln dann Baurecht. Auf dieser Grund- lage folgt die Ausführungsplanung. In dieser werden alle technischen Details zusammengeführt, die für die Ausschreibung, Vergabe und Umsetzung der Maßnahme erforder- lich sind. Nach Ausschreibung und Vergabe der Bauleistungen wird mit dem Bau begonnen. Beteiligung der Öffentlichkeit Für die Projektkommunikation wird mit Hilfe externer Unterstützung ein Konzept erarbeitet, das die formellen Beteiligungsschritte und die Vorgaben zur systematischen Öffentlichkeitsbeteiligung auf- greift und umsetzt. Oberstes Ziel ist es, Transparenz in den weiteren Planungs- und Entscheidungsfin- dungsprozess zu bringen, damit die politischen Gremien die erforder- lichen Beschlüsse fassen können und der betroffenen Anwohnerschaft die notwendigen Schritte auf dem Weg zur neuen Stadtbahnverbindung er- läutert werden. Mülheimer Süden Seite 28 Kooperatives Baulandmodell Neubauvolumen von öffentlich geförderten Wohnun- gen. Derzeit ist etwa die Hälfte der Kölner*innen berech- tigt, in einer entsprechenden Wohnung zu leben, ohne dass es dafür ein entsprechendes Angebot gibt. Was ist Ziel des Kooperativen Baulandmodells? Das Kooperative Baulandmodell verpflichtet Bauverant- wortliche, Investor*innen und Vorhabenträger*innen bei Planvorhaben, die eine Bebauungsplanung benötigen, mindestens 30 Prozent der Wohnungen im öffentlich geförderten Segment zu errichten. Ziel des Modells ist es, sowohl den öffentlich geförder- ten Wohnungsbau und das preiswerte Wohnungsmarkt- segment zu stärken, als auch die Vorhabenträger*innen eines Bebauungsplanverfahrens an den planbedingten Folgekosten (zum Beispiel Kindertagesstättenplätze, öf- fentliche Spielplätze etc.) zu beteiligen. Als Maßnahmen- bestandteil des Stadtentwicklungskonzeptes Wohnen steht es für eine transparente Gleichbehandlung aller Vorhabenträger*innen, die ein Bebauungsplanverfahren mit Wohnungsbau durchführen möchten. Welcher Faktor ist entscheidend für die Anwendung des Kooperativen Baulandmodells? Die Anwendung des Kooperativen Baulandmodells wird in erster Linie über die Anzahl der entstehenden Wohnungen beziehungsweise der Geschossfläche (GF) Wohnen entschieden. Die Bagatellgrenze gilt für die Verpflichtung zur Errichtung öffentlich geförderten Wohnungsbaus ab einer Zahl von 20 Wohnungen (WE) beziehungsweise 1.800 Quadratmetern GF Wohnen. Die Bagatellgrenze bezieht sich lediglich auf die Ver- pflichtung zur Errichtung von 30 Prozent öffentlich geförderten Wohnungsbau. Andere Verpflichtungen, die sich aus dem Planvorhaben ergeben, sind ab der ersten Wohneinheit beziehungsweise dem ersten Quadratme- Die Entwicklung des Mülheimer Südens wird geprägt und beeinflusst durch unterschiedliche Faktoren. We- sentlicher Faktor ist der Wunsch von Politik und Verwal- tung, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Kla- res Ziel der Kölner Wohnungspolitik ist es, das Angebot an preiswertem Wohnraum zu steigern. Wohnen stellt ein Grundbedürfnis dar und ist gleichzeitig zentraler Standortfaktor im Wettbewerb der Städte. Je nachdem, wie die einzelnen Planbereiche ausgestaltet werden, sollen im Mülheimer Süden in den nächsten Jahren rund 4.500 Wohnungen (Planungsstand: April 2022) entste- hen. Das Baulandmodell: Zukunft Wohnen Die aktuelle Bevölkerungsprognose geht davon aus, dass die Bevölkerungszahl der Stadt Köln bis zum Jahr 2040 auf rund 1.15 Millionen Menschen in mehr als 600.000 Haushalten steigt. Dies setzt den Wohnungsmarkt mit steigenden Preisen unter enormen Druck. Gleichzeitig sinkt das Angebot an preiswertem Wohnraum deutlich, da die Belegungsbindungen für öffentlich geförderten Wohnungsbau sukzessive auslaufen. Zur Sicherung der wohnungspolitischen Ziele hat der Rat bereits im Jahr 2014 das Stadtentwicklungskonzept Wohnen beschlossen. Das Kooperative Baulandmodell, ein Bestandteil des Konzepts, wurde im gleichen Jahr als ein wichtiges Instrument zur Umsetzung dieser woh- nungspolitischen Ziele in Köln eingeführt und drei Jahre später fortgeschrieben. Mit der Fortschreibung des Kooperativen Baulandmo- dells im Jahr 2017 wurde das vorrangige Ziel, bezahlba- ren Wohnraum zu schaffen, noch stärker betont als bis- her. Grund für die Forderung nach einem Kooperativen Baulandmodell war der seit Jahren stark sinkende Anteil von öffentlich geförderten Mietwohnungen am Gesamt- bestand in der Stadt Köln und dem gleichzeitig geringen Mülheimer Süden Seite 29 ter GF Wohnen zu übernehmen, da ursächliche Planfol- gen sowie verfahrensbegründete Kosten (beispielswei- se Gutachten, Wettbewerbe) unabhängig vom Anteil öffentlich geförderten Wohnungsbaus bereits mit der ersten Wohneinheit entstehen. Welche Verpflichtungen ergeben sich für Investor*in- nen bei Vorhaben mit mehr als 20 Wohnungen bzw. 1.800 Quadratmetern Geschossfläche Wohnen? Öffentlich geförderter Wohnungsbau ist bei mindes- tens 30 Prozent der durch Planungsrecht neu geschaffe- nen Geschossfläche Wohnen zu planen. Bei Vorhaben, bei denen der Grundstückskauf zwischen dem 22. Sep- tember 2016 und 10. Mai 2017 lag, beträgt die Quote 20 Prozent. Der Aufbau sozialer Infrastruktur ist vom Investierenden ebenfalls zu übernehmen. Dazu zählen die Errichtung einer Kindertagesstätte bzw. die Zahlung einer Ablösesumme (100 Prozent Kostenübernahme) sowie abhängig vom Bedarf die Errichtung von öffentli- chen Grün- und Kinderspielflächen sowie die Durchfüh- rung sonstiger Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen. Näheres zum Kooperativen Baulandmodell erfahren Sie in der gleichnamigen Broschüre (QR-Code), die alle Ziele, Aspekte und Verpflichtungen des Kooperativen Baulandmodells beschreibt. Mülheimer Süden Seite 30 Euroforum Nord | COLOGNEO I Stand: April 2018 Mülheimer Süden Seite 31 Mülheimer Süden Seite 32 Euroforum Nord | COLOGNEO I Zum Projekt Das circa 10 Hektar große Stadtquartier liegt im Mülheimer Süden nördlich der Zoobrücke zwischen Eisenbahntrasse (ICE) beziehungsweise Auenweg im Westen sowie der Deutz-Mülheimer Straße im Osten. Das ehemalige Grundstück des KHD-Werkes wurde bis circa 1995 intensiv industriell genutzt und liegt seitdem bis auf wenige Nutzungen brach. Das Plan- gebiet liegt nördlich des Messegeländes und gegen- über der Stegerwaldsiedlung, die fast ausschließlich aus Wohnbebauung besteht. Westlich grenzt das Plangebiet an die ICE-Trasse. Weiter westlich be- finden sich das Plangebiet Euroforum West und der Mülheimer Hafen mit überwiegend gewerblichen Nutzungen. Der Bebauungsplan wurde ursprünglich im De- zember 2014 als Satzung beschlossen. Er sicherte planungsrechtlich die Ergebnisse aus dem Werkstatt- verfahren für den Mülheimer Süden inklusive Hafen. Im September 2018 wurde die erste Änderung des Bebauungsplans rechtskräftig. Ziel der Planung Das Planungskonzept sieht ein gemischt genutztes Quartier mit rund 460 Wohnungen, Gewerbe, Einzel- handel, Gastronomie, Kindertagesstätte und Kultur vor. Im Teilbereich Euroforum Nord sind die geplanten Wohnungen auf einer Fläche von 48.000 Quadratme- tern realisierbar. Rund 50.000 Quadratmeter Fläche sind für gewerbliche Nutzungen vorgesehen. Mit dem Bebauungsplan wurden außerdem öffentliche Grün- und Spielplatzflächen sowie eine Kindertagesstätte planungs- rechtlich gesichert. Nachdem der Bebauungsplan rechtskräftig wurde, ha- ben sich im Rahmen der weiteren Detailplanungen und Qualifizierungsverfahren Änderungen im Vergleich zum ursprünglichen Konzept ergeben. Ziel war es vor allem, den urbanen Charakter des neu entstehenden Quartiers weiter zu stärken, dem erhöhten Wohnraumbedarf der Stadt Köln zu entsprechen, die gewerbliche Nutzung zu optimieren und die Freiraumqualität zu erhöhen. Städtebauliche Grundlage war der weiterentwickelte Masterplan von kadawittfeldarchitektur, Aachen. Das Plangebiet wurde im Südwesten erweitert, um die Mes- seallee Nord mit dem geplanten Kreisverkehr planungs- rechtlich zu sichern. KunstWerk auf dem Cologneo Campus Mülheimer Süden Seite 33 Erschließung Das Plangebiet ist über die Deutz-Mülheimer Straße an das Verkehrsnetz angebunden. Der Bahnhof Köln Messe/ Deutz liegt in rund einem Kilometer Entfernung. Die Stadtbahnlinien 3 und 4 sind fußläufig an den Halte- stellen Stegerwaldsiedlung und Koelnmesse über den Pfälzischen Ring zu erreichen. Eine Anbindung an den Busverkehr ist über die Haltestellen Thermalbad und Windmühlenstraße gewährleistet. Eine zusätzliche Plan- straße, die über zwei Kreisverkehre mit der Deutz-Mül- heimer Straße und dem Auenweg verbunden wird, wird dazu beitragen, den Straßenverkehr zu entlasten. Dies entspricht dem vom Rat der Stadt Köln beschlos- senen Gesamtverkehrskonzept (GVK), das im Rahmen des Rechtsrheinischen Entwicklungskonzeptes erstellt worden ist. Hiernach soll der Auenweg zur örtlichen Hauptstraße hochgestuft werden. Eine im Rahmen des ursprünglichen Bebauungsplanverfahrens erarbeitete Verkehrsuntersuchung hat bestätigt, dass der aufkom- mende Mehrverkehr vom vorhandenen Verkehrsnetz aufgenommen werden kann. Die Entwicklung im Stadt- teil Mülheim erfordert neben dem Ausbau der Plan- straße zwischen Auenweg und Deutz-Mülheimer Straße langfristig die Verlängerung des Auenwegs als entlasten- des Element. Denkmalschutz Prägende Teile des Baubestandes im Plangebiet stehen teilweise unter Denkmalschutz und werden erhalten. Waggonhalle Schmiede und Presswerk der in Teilen noch vorhande- nen Eisenbahnwagen- und Maschinenfabrik wurden als vierschiffiger Hallenbau vor 1888 und 1905 erbaut. In der Halle von 1888 sind Reste der Probestrecke der von Eugen Langen entwickelten Schwebebahn erhalten. Denkmalgeschützt ist die Giebelfassade der Halle 2 einschließlich des vierbogigen Gebäudeteils rückwärtig der Fassade. Eckiger Rundbau Der Stahlbetonskelettbau nach dem System Hennebi- que wurde 1910 errichtet und diente der Eisenbahn- wagen- und Maschinenfabrik Zypen & Charlier als Magazin. Ehemalige Kölnische Gummifädenfabrik Der Südflügel der Anlage an der Deutz-Mülheimer Straße 127-129 steht unter Denkmalschutz. Der Back- steinbau ist nach den Plänen von Otto Grah in der Zeit von 1908 bis 1918 entstanden. Der westliche Teil des Südflügels wurde nach dem Krieg mit einer Stahlbeton- skelettkonstruktion in vereinfachter Form wiederher- gestellt. An den Südflügel wurde in den 1950er Jahren Neubau im Cologneo Campus Eckiger Rundbau Mülheimer Süden Seite 34 ein bis dicht an die Straße reichender Stahlbetonbau mit großen Rechteckfenstern in Formen der Bauhausarchi- tektur angefügt. Die unter Denkmalschutz stehenden, sichtbaren Belege der einst industriellen Nutzung müssen in der weiteren Planung berücksichtigt werden. Grünplanung Im Rahmen der Grünplanung wurde der Grünzug Char- lier nach einem entsprechenden Ratsbeschluss in Höhe der ehemaligen Villa Charlier realisiert. Albert Charlier, der mit Ferdinand van der Zypen die Waggonfabrik führte, war übrigens im 19. Jahrhundert einer der ersten Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens. Der Grünzug Charlier wurde bereits im Werkstattverfah- ren 2013/14 als wichtiges Freiraum- und Grünelement zur Vernetzung der Quartiere untereinander definiert. Er verbindet heute die Stegerwaldsiedlung mit dem Rheinboulevard und dem Rhein und wertet die bisheri- gen Industrieflächen zwischen Deutz-Mülheimer Straße und Auenweg für die künftige Nutzung auf. Im Bebau- ungsplan ist mit Blick auf ein attraktives Wohnumfeld eine umfassende Begrünung durch Baumpflanzungen, öffentliche Grünflächen, Tiefgaragen- und Dachbegrü- nung festgesetzt. Schutz vor Lärmimmissionen Das Plangebiet wird mit Straßenverkehrs-, Schienenver- kehrs-, Hafen- und Gewerbelärm belastet. Verantwortlich dafür sind vor allem die Verkehrssituation auf der Deutz- Mülheimer Straße und der Stadtautobahn (B 55 a), der Schienenverkehr auf den Gleisanlagen der ICE-Strecke Köln-Düsseldorf sowie der Gewerbelärm angrenzender Nutzer. Die Richtwerte für Lärmimmissionen in den für gewerbliche Nutzung vorgesehenen Bereichen werden tagsüber eingehalten, nachts allerdings überschritten. Die Stadtentwicklung im Mülheimer Süden wird in vielen Bereichen von der sozialverträglichen Modernisierung von Altbauten und der Wohnumfeldverbesserung ge- prägt. Dabei müssen insbesondere die Nutzungskon- flikte zwischen Wohnen und Arbeiten gelöst werden. Ziel der Planung ist es, sowohl Planungssicherheit und Entwicklungschancen für die Gewerbebetriebe als auch Mülheimer Süden Seite 35 zumutbare Lebensbedingungen für die dort Wohnenden zu erreichen. Vor diesem Hintergrund wurde ein umfas- sendes Schallschutzkonzept entwickelt. Schallschutzkonzept Wesentlicher Bestandteil dessen ist die Festsetzung konkreter Gebäudekonfigurationen entlang der Be- bauung an der Deutz-Mülheimer Straße, nördlich der Zoobrücke/B 55a und östlich der ICE-Trasse. So wird sichergestellt, dass die Wohngebäude ausreichend vom Verkehrslärm abgeschirmt werden und die Belastung für die Bewohner*innen auf ein zulässiges und damit verträgliches Maß reduziert wird. Zum Schutz der Wohn- nutzung vor den Lärmemissionen, die von den kreativ- wirtschaftlichen Nutzungen innerhalb des Gewerbege- bietes ausgehen, ist außerdem an der nördlichen Grenze des Gewerbegebietes eine Schallschutzwand zu er- richten. Im Gewerbegebiet (denkmalgeschützte Kölner Gummifädenfabrik - heute: Cologneo Campus) sind nur wohnverträgliche Betriebe anzusiedeln, so dass keine Immissionen entstehen, die auf das Plangebiet und seine Umgebung negativ einwirken könnten. Einzelhandel Das Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt Köln empfiehlt, in der Stegerwaldsiedlung die Nahversorgung zu optimieren. Dem wurde dadurch Rechnung getragen, dass die Planung im Euroforum Nord und in den Brü- ckenbögen unterhalb der ICE-Trasse zwar Lebensmittel- einzelhandel erlaubt, die Ansiedlung eines Discounters aber nicht vorgesehen ist. Visualisierung Cologneo Campus Moderne Fassade im Cologneo Campus Mülheimer Süden Seite 36 Kindertagesstätte Im Jahr 2019 wurde die sechsgruppige Kindertagesstät- te in der Villa Charlier an den Betreiber Fröbel Bildung und Erziehung übergeben. Damit wurde der erste wichti- ge Baustein für die Schaffung einer sozialen Infrastruktur gelegt. Vor der Übergabe wurde die Villa Charlier saniert und um einen Anbau erweitert. Aktueller Stand Seit der Änderung des Bebauungsplanes ist die Ent- wicklung im Plangebiet eher zögerlich vorangeschritten: Teilweise wurden Baugenehmigungen bereits erteilt, teilweise wurden Bauvorhaben in Angriff genommen oder auch schon beendet. Nach einigen Wechseln bei den Eigentümer*innen bleibt jedoch abzuwarten, wie Cologneo Campus Bürohaus Nord (geplant) Geplante Nutzung der Waggonhallen Mülheimer Süden Seite 37 die Entwicklung im Plangebiet weitergeht. Im Projekt Cologneo Campus läuft in Teilen die Entwicklung auf den von einem Berliner Projektentwickler verantwor- teten Bauflächen. Der Neubau vorne an der Deutz-Mül- heimer Straße befindet sich in der letzten Innenausbau- phase, das Gebäude im Innenhof wurde saniert und mit einem Aufbau versehen. Ein Bürohaus im nördlichen Teil befindet sich im Roh- bau. Die Sanierung der Waggonhallen ist nach Angaben des Projektentwicklers in Planung. Die Abstimmung zu künftigen Nutzungskonzepten läuft. Die Sanierung des eckigen Rundbaus und ein weiterer Gewerbeneubau be- finden sich in Planung. Ein zweiter Bauherr hat die Realisierung begonnener Bauvorhaben offenbar unterbrochen. Die Baustelle ruht, Krane wurden teilweise bereits demontiert. Mülheimer Süden Seite 38 Euroforum West | COLOGNEO II Stand: April 2018 Mülheimer Süden Seite 39 Mülheimer Süden Seite 40 Euroforum West | COLOGNEO II Das Quartier Euroforum West soll künftig eine neue Stadtkante zum Mülheimer Hafen bilden und ein Binde- glied zwischen Euroforum Nord/Stegerwaldsiedlung und Rheinufer darstellen. Diese Stadtkante soll mit neuen Hochpunkten zur Zoobrücke und zum Hafen betont werden. Verkehr Die verkehrliche Erschließung wird über den bestehen- den Auenweg und die im Bebauungsplan Euroforum Nord festgesetzte Planstraße erfolgen. Durch diese Plan- straße ist zukünftig auch die Anbindung an die Deutz- Mülheimer Straße gesichert. Freiraumkonzept Entsprechend dem städtebaulichen Entwicklungskon- zept Mülheim Süd inklusive Hafen soll eine öffentliche Freiraumverbindung von der Deutz-Mülheimer Straße unter der ICE-Trasse durch das Euroforum West an den Auenweg führen. Diese Planung ist bereits Bestandteil des rechtskräftigen Bebauungsplans Euroforum Nord. Die damalige Vorhabenträgerin hatte im Herbst 2015 einen Antrag auf Einleitung eines Bebauungsplanverfah- rens gestellt. Sicherung des Grundschulstandorts Auf dem Gelände Euroforum West befand sich bis 2018 unter anderem angrenzend an die ICE-Bahntrasse ein Heizwerk. Es diente der RheinEnergie AG in Sonderfällen zur Erzeugung von Fernwärme. Die Nutzung wurde nach Inbetriebnahme einer neuen Fernwärmetrasse aufgege- ben. Für die Errichtung einer dreizügigen Grundschule müssen sowohl das Grundstück des ehemaligen Heiz- werks als auch private Flächen angekauft werden. Für den Bau der Schule werden rund 10.000 Quadratmeter Grundstücksfläche benötigt. Um diesen Bestandteil der sozialen Infrastruktur für den Mülheimer Süden Zum Projekt Das Plangebiet Euroforum West ist das etwa 4 Hektar große Areal östlich des Auenwegs. Es wird begrenzt durch den Auenweg, die Bahntrasse und den Grün- zug Charlier. An das Plangebiet grenzt südöstlich der Bahntrasse an das Euroforum Nord an. Im Südwesten des Plangebiets verläuft die Zoobrücke. Für das Euro- forum West wurde im Jahr 2015 ein Bebauungsplan- verfahren eingeleitet, es besteht jedoch noch kein rechtskräftiger Bebauungsplan. Mehrfache Wechsel der Eigentümer*innen haben zu weiter bestehendem Abstimmungsbedarf geführt. Ziel der Planung Das Planungskonzept sieht eine gewerbliche Nutzung vor. Hintergrund ist die seit Jahrzehnten bestehende gewerbliche Nutzung im benachbarten Hafen, wo insbesondere der laufende Werftbetrieb Konflikte mit einer Wohnnutzung hervorrufen würde. Der Werftbetrieb hat eine Betriebsgenehmigung, die Arbeiten an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr ermöglicht. Im Sinne eines vorbeugenden Hochwasserschutzes muss außerdem ausreichend Retentionsraum für mögliche Hochwasserereignisse geschaffen werden. Diese von der künftigen Bebauung am Auenweg frei- zuhaltende Fläche wird als öffentliche Grünfläche mit Spielplatz eine wichtige Erholungsfunktion wahrneh- men und die mit dem Rheinboulevard begonnene Freiraumkonzeption fortführen. Mülheimer Süden Seite 41 gewährleisten zu können, wird aktuell diskutiert, den Schulstandort unabhängig vom weiteren Fortgang des Bauleitplanverfahrens zu sichern. Im Verfahren zur Sicherung des Grundschulstandortes liegt inzwischen die Machbarkeitsstudie vor. Der Ankauf der privaten Ergänzungsflächen sowie die Aufstellung eines separaten Infrastruktur-Bebauungsplans Schule sind die nächsten Schritte im Verfahren. Perspektive Eine kurzfristige Umsetzung der geplanten Maßnahmen im Teilbereich Euroforum West ist derzeit nicht abseh- bar. Aktuell ist nach den häufigen Wechseln der Eigentü- mer*innen ein Neustart des Verfahrens geplant. Für die Verwaltung stehen die Abstimmung und Qualifi- zierung des Städtebaus einschließlich der quartiers- und stadtbildprägenden Hochpunkte im Vordergrund. Zu klären sind außerdem Art und Umfang der geplanten gewerblichen Nutzung sowie der Hochwasserschutz. Die weitere Abstimmung dieser Themen hängt davon ab, wann die Planungsaktivitäten seitens der Eigentümer*in- nen und zuständigen Projektentwickler*innen wieder aufgenommen werden. Blick vom Grünzug Charlier auf den Teilbereich Euroforum West/Cologneo II Mülheimer Süden Seite 42 Otto-Langen-Quartier Stand: April 2018 Mülheimer Süden Seite 43 Otto-Langen-Quartier Mülheimer Süden Seite 44 Otto-Langen-Quartier Zum Projekt Das rund 5 Hektar umfassende Otto-Langen-Quartier ist zentraler Baustein der städtebaulichen Gesamt- entwicklung im Mülheimer Süden. Aufgrund der Lage, des historischen Gebäudebestandes sowie der industriegeschichtlichen Bedeutung hat die dortige Stadtentwicklung besonderes Gewicht. Hier soll ein neues gemischt genutztes Quartier mit Wohnen, sozialen, kulturellen und gewerblichen Nutzungen entstehen. Ein hoher Stellenwert wird von Politik und Verwaltung der gemeinwohlorientierten Nutzung des Areals beigemessen. Auch für die Freiraum- und Vernetzungsfunktionen im Mülheimer Süden hat das Quartier eine Schlüsselfunktion. Das nahezu völlig überbaute Plangebiet umfasst den Bereich der ehemaligen Gießerei sowie das vor- gelagerte Gebäude der früheren Hauptverwaltung der Deutz AG. Außerdem zählen die benachbarten - ehemals industriell genutzten - Hallenflächen zum Otto-Langen-Quartier. Das Gelände wird im Osten durch die Deutz-Mülheimer Straße, im Norden und Westen durch den Auenweg und im Süden durch den Grünzug Charlier begrenzt. Der Großteil der Flächen mit historischen Hallen und Gebäuden befindet sich im Eigentum des Landes NRW. Die Stadt Köln hat das Vorkaufsrecht genutzt und das ehemalige KHD-Ver- waltungsgebäude erworben. Ziel der Planung Ziel ist es, den teilweise unter Denkmalschutz stehenden und erhaltenswerten Gebäudebestand in eine neue Nutzung zu integrieren. Dabei sind die in den folgenden Abschnitten näher beschriebenen Res- triktionen und die Anforderungen des Kooperativen Baulandmodells zu beachten. In den Jahren 2013/14 fand das Werkstattverfahren für den Mülheimer Süden (inklusive Hafen) statt. Nach dem Einleitungsbeschluss für das Bebauungsplanverfahren im September 2016 folgte einen Monat später die frühzei- tige Öffentlichkeitsbeteiligung. Im Februar 2018 wurde der Teilvorgabenbeschluss für ein überarbeitetes städte- bauliches Konzept gefasst. Der Stadtentwicklungsausschuss hat die Verwaltung beauftragt zu prüfen, ob weitere Bestandsgebäude im Plangebiet erhalten werden können. Der fortgeschriebe- ne Entwurf für das Otto-Langen-Quartier berücksichtigt die städtebaulich sinnvolle Einbindung der denkmal- geschützten oder erhaltenswerten Gebäude, die über- geordneten Grünverbindungen sowie eine neue soziale Infrastruktur. Im Otto-Langen-Quartier könnten bis zu 400 Woh- nungen entstehen. Zum einen soll neuer Wohnraum geschaffen werden, zum anderen geht es darum, durch die Nutzung der als erhaltenswert eingestuften Indus- triegebäude gewerbliche Nutzungen auf dem Areal zu ermöglichen. Neben der Gemeinwohlorientierung sind im Otto-Lan- gen-Quartier eine Reihe von Planungszielen und Vor- gaben zu berücksichtigen. Dazu zählen Auflagen des Denkmalschutzes und der Erhalt geeigneter Bausubs- tanz, Erschließungsfragen sowie die Freiraumgestaltung mit öffentlichen Grünflächen und Spielplätzen. Nicht zu- letzt geht es darum, öffentlich geförderten Wohnraum zu schaffen. Es ist Wunsch von Politik und Verwaltung, Entwickler*innen zu finden, die ein tragfähiges Konzept mit allen gewünschten Nutzungsformen realisieren. Möhring-Halle Der Berliner Architekt Bruno Möhring war um 1900 an der Neugestaltung der Architektur- und Stadtbauformen beteiligt. Die Bonner Rheinbrücke und der Schwebe- bahnhof Döppersberg in Wuppertal zeigen seine Hand- schrift. Mülheimer Süden Seite 45 Die Möhring-Halle, eines der wichtigsten und prägends- ten denkmalgeschützten Gebäude im Mülheimer Süden, gehört zu einem Ensemble von Orten im Planungsbe- reich, die einen hohen industriegeschichtlichen Stellen- wert besitzen. Die hochaufragende Halle mit Satteldach wurde in Stahlfachwerkbauweise mit Ziegelsteinaus- fachung errichtet. Die Architekturformen der Halle doku- mentieren den Beginn zweier Entwicklungstendenzen der Industriearchitektur: Zum einen die Verbreitung der Stahlfachwerkarchitektur, zum anderen deren Nutzung für Repräsentationszwecke im 19./20. Jahrhundert. Die Idee der Erbauer führte die Stahlfachwerkarchitektur in eine neue Dimension. Die Möhring-Halle - einst Ausstellungsbau für einen Messepavillon in Düsseldorf - galt als verschollen. Ein Teil der großen Stahlfachwerkhalle wurde später als Universi- tätsgebäude in Mexico City wiedergefunden. Ein anderer Teil der Halle wurde auf dem Gelände der Gasmotoren- fabrik Deutz entdeckt. Die Halle wurde nach Ende der Ausstellung in Düsseldorf offenbar demontiert und in Köln teilweise wiederaufgebaut. Nähere Ausführungen zum Denkmalbestand im Mülheimer Süden finden Sie auf den Seiten 14/15. Wohnen und Gewerbe Die Idee, entlang der Deutz-Mülheimer Straße in den denkmalgeschützten Gebäuden weiterhin gewerbliche Nutzung vorzusehen und eine Wohnbebauung zum Grünzug Charlier zu entwickeln, entspricht dem Grund- gedanken für das Otto-Langen-Quartier, der im Werk- stattverfahren für den Mülheimer Süden entwickelt wurde. Im Inneren des Quartiers ist ein Mix aus Wohn- raum, sozialen und kulturellen Einrichtungen sowie öffentlichen Grünflächen vorgesehen. Möhring-Halle Mülheimer Süden Seite 46 Der Blick auf die einzelnen Planbereiche im Mülheimer Süden zeigt, dass die Entwicklung und Realisierung der planerischen Ideen in den einzelnen Bereichen nicht iso- liert betrachtet werden kann. Die komplizierte Struktur der Liegenschaften sorgt dafür, dass Entwicklungen in einem Teil des Mülheimer Südens letztlich nur stringent verfolgt werden können, wenn gleichzeitig entsprechen- de Anforderungen für benachbarte Bereiche umgesetzt werden können. Frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung 2021 Nachdem der Rat im März 2020 die „Satzung über das besondere Vorkaufsrecht für das Gebiet Otto-Langen- Quartier in Köln-Mülheim“ beschlossen hatte, erwarb die Stadt die denkmalgeschützte ehemalige KHD-Haupt- verwaltung. Der historische Gebäudekomplex auf dem Gesamtareal sollte idealerweise aus einer Hand entwi- ckelt werden. Bereits im Februar 2021 hatte der Rat ein klares Votum zur Gemeinwohlorientierung der Planungen abgegeben. Da sich die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Quartiers seit der ersten frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit im Jahre 2016 geändert hatten, wurde im Herbst 2021 im Rahmen des Bebauungsplanverfah- rens eine erneute frühzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt. Die Erkenntnisse aus dieser Beteiligung fließen auch in die Planungsvorgaben für das Vergabe- verfahren von NRW.Urban ein. Flächen im Eigentum des Landes NRW Die landeseigene Entwicklungsgesellschaft NRW.Urban GmbH & Co. KG hat mitgeteilt, dass große Teile des Otto-Langen-Quartiers verkauft werden sollen. Gemäß Landeshaushaltsordnung ist ein Kauf durch die Kommu- ne nur möglich, wenn die Grundstücke zu 100 Pro- zent für kommunale Zwecke oder sozialen Wohnraum genutzt werden. Somit war ein direkter Erwerb durch die Stadt Köln bisher aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht möglich. Das ausstehende Verkaufsverfahren bezieht sich auf die zentrale Fläche innerhalb des Geltungsbereichs des Bebauungsplans. Für diesen Bereich soll im Anschluss an die Beteiligung der Bürger*innen ein Qualifizierungsver- Mülheimer Süden Seite 47 fahren in Form eines konkurrierenden städtebaulichen Wettbewerbs durchgeführt werden. Dabei sollen die Anregungen und Bedenken aus der Beteiligung der Öf- fentlichkeit Berücksichtigung finden. In diesem Zusam- menhang sollen auch Perspektiven für die angrenzenden städtischen Grundstücksflächen des ehemaligen KHD- Verwaltungsgebäudes entwickelt werden. Ende 2022: Beginn des Vergabeverfahrens Im aufwändigen Vergabeverfahren entwickelt und konkretisiert die Stadt mit den Planungsvorgaben die Grundlage für das Vergabeverfahren. Im Laufe des Jahres 2022 sind die Beschlüsse der Politik über die Entwick- lungsziele und Planungsvorgaben zu erwarten. Mit dem Beginn des eigentlichen Vergabeverfahrens ist vorbehalt- lich der Zustimmung in Kommunal- und Landespolitik bis Ende 2022 zu rechnen. Im Anschluss wird das Bebau- ungsplanverfahren auf Grundlage des Wettbewerbs- ergebnisses aus dem Vergabeverfahren fortgeführt. Fokus auf Gemeinwohlorientierung Im Vergabeverfahren und dem anschließenden Be- bauungsplanverfahren wird der Fokus auf der ge- meinwohlorientierten Entwicklung liegen. Schon jetzt werden für das Vergabeverfahren Grundlagen geschaffen. Dabei werden sowohl Art und Umfang der gemeinwohlorientierten Entwicklung, die Anforde- rungen an Betreibende sowie die Umsetzung und die mögliche Finanzierung der gemeinwohlorientierten Nutzungsziele geprüft. Die stadtentwicklungspoliti- schen Vorgaben zur Förderung kultureller und gemein- wohlorientierter Nutzungen, die Funktion der Stadt sowie die Berücksichtigung der Beteiligten vor Ort sind ebenfalls festzulegen. Zu den Agierenden zählen u.a. die Mitglieder*innen der Initiative raum13, die im Rahmen ihrer künstlerischen Arbeit am Standort auch Visionen und Entwicklungsziele für das Quartier entwi- ckelt haben. Viele Ideen wurden auch von der Initiative Otto-Langen-Quartier auf den Tisch gebracht. Übersichtsplan Otto-Langen-Quartier Mülheimer Süden Seite 48 Hochwasser In enger Abstimmung mit der Bezirksregierung Köln werden derzeit Planungsvorgaben zum Hochwasser- schutz erarbeitet, die auch für das laufende Vergabever- fahren von grundlegender Bedeutung sind. Tatsache ist, dass umfassende Prüfungen erforderlich sind, um die grundsätzliche Eignung des Areals für eine Wohnbebau- ung mit Blick auf Hochwasserereignisse zu bewerten. Perspektive Die Stadt Köln kann die landeseigenen Flächen im Otto- Langen-Quartier wegen haushaltsrechtlicher Vorgaben des Landes zunächst nicht direkt erwerben. Das Verga- beverfahren wird samt des integrierten Qualifizierungs- verfahrens von der Landesgesellschaft NRW.Urban unter Beteiligung der Stadt Köln durchgeführt. Es bildet die Grundlage für die weitere Bauleitplanung. Nach Durchführung des mehrstufigen Vergabeverfah- rens möchte die Stadt Projektentwickler*innen finden, die an die Realisierung der Konzepte und in ein Bebau- ungsplanverfahren gehen. Mülheimer Süden Seite 49 Zum Projekt Für das Teilgebiet Nördlich Grünzug Charlier sind die Abstimmung eines städtebaulichen Konzeptes und die Einleitung eines eigenen Bebauungsplanverfahrens notwendig. Die ehemalige Teilfläche des Otto-Lan- gen-Quartiers befindet sich heute im Eigentum eines Projektentwicklers. Der Nachweis einer Planung, die den Anforderungen des Kooperativen Baulandmodells der Stadt Köln ge- nügt, steht zum aktuellen Zeitpunkt aus. Aufgrund der Lage werden mit Blick auf die Entwicklung des Otto- Langen-Quartiers besondere Anforderungen an Städte- bau und Architektur gestellt. Die Erschließung von der Deutz-Mülheimer Straße ist auch von Bedeutung für das Otto-Langen-Quartier. Möglich sind sowohl der Bau mit Wohnungen und einer weiteren Kindertages- stätte als auch eine gemischte Nutzung. Nördlich Grünzug Charlier Fläche Grünzug Nördlich Charlier Mülheimer Süden Seite 50 Deutz-Areal Stand: April 2018 Mülheimer Süden Seite 51 Deutz-Areal Mülheimer Süden Seite 52 Deutz-Areal Zum Projekt Das Plangebiet (rund 20 Hektar) umfasst im We- sentlichen die insgesamt rund 16 Hektar großen Grundstücke der ehemaligen Produktionsstätten der DEUTZ AG. Eigentümer der Flächen sind neben einem Projektentwickler unter anderem ein Unter- nehmen aus der Schmuckbranche, ein Hotel sowie Gewerbetreibende. Das Plangebiet ist Teil des im Rahmen des Werkstatt- verfahrens 2013/14 entwickelten städtebaulichen Planungskonzeptes, das eine nutzungsstrukturelle, städtebauliche und freiraumplanerische Perspektive für die größte innerstädtische Konversionsfläche Kölns aufzeigt. Die vorliegende Planung für das Deutz-Areal konkretisiert die Ergebnisse aus dem Werkstattverfahren. Der Bebauungsplan Euroforum Nord und dessen erste Änderung sind bereits rechts- kräftig. Die Entwicklung soll östlich der Deutz-Mülhei- mer Straße auf dem Deutz-Areal fortgesetzt werden. Ziel der Planung Auf dem Areal soll ein urbanes, gemischt genutztes Quartier mit Wohnnutzung (geplant sind rund 2.500 Wohnungen), Gewerbe, Büros, eine Grundschule, eine Gesamtschule, 17 Kita-Gruppen sowie ein öf- fentlicher Grünzug entwickelt werden. Mehrere unter Denkmalschutz stehende Industriehallen sollen lang- fristig erhalten werden. Neue Wege- und Straßenver- bindungen und Plätze sollen die Flächen unterglie- dern, mit den angrenzenden Quartieren vernetzen und Räume für Begegnungen schaffen. Das Plangebiet gliedert sich in mehrere Teilbereiche: Den größten Teilbereich bildet das ehemalige Betriebs- grundstück der DEUTZ AG. Das Unternehmen ging aus der Klöckner Humboldt Deutz AG (KHD) hervor, die mit ihrem Stammwerk samt Hauptverwaltung an beiden Seiten der Deutz-Mülheimer Straße angesiedelt war. Seit den 1980er Jahren zog sich die Firma sukzessive von dem Standort im Mülheimer Süden zurück. 1995 beschränkte sich die KHD auf ihr Kerngeschäft und begann, die Kölner Unternehmensaktivitäten auf das neue Motorenwerk in Porz zu konzentrieren. Die Flächen westlich der Deutz-Mülheimer Straße wurden in Gänze freigeräumt. Die Flächen östlich der Deutz-Mülheimer Straße wurden in Teilen weiter genutzt, bis sie im Jahre 2017 durch den Umzug nach Porz endgültig ebenfalls freigezogen wurden. Das Betriebsgrundstück der DEUTZ AG war zu diesem Zeitpunkt vor allem mit großflächigen Produktions- gebäuden und Hallen bebaut und von weitläufigen Lagerflächen und kleinteiligem Gebäudebesatz geprägt. Besonders markant sind die Backsteinhallen und -gebäu- de entlang der Deutz-Mülheimer Straße, die größtenteils unter Denkmalschutz stehen und erhalten bleiben. Denkmalschutz Ein Großteil des Gebäudebestandes der DEUTZ AG ist in der Zeit von September 2018 bis Februar 2019 abgebro- chen worden. Lediglich die denkmalgeschützten Hallen und Gebäude an der Deutz-Mülheimer Straße sind erhal- ten geblieben. Im Süden fallen die denkmalgeschützten Hallen und Gebäude, die einst für den Klein- und Groß- motorenbau genutzt wurden, besonders auf. Mülheimer Süden Seite 53 KHD-Kleinmotorenhalle Die 1898 und 1911 errichteten Holz- und Stahltragwerke geben mit ihrer Bautechnik Hinweise auf den schrittwei- se gewachsenen Industriestandort. KHD-Großmotorenhalle Die 1899 erbaute Doppelhalle stellte für die größeren Maschinen höhere und weiter gespannte Produktions- räume zur Verfügung. Schulen Da es sich um ein ehemals rein industriell genutztes Ge- biet handelt, ist keine soziale Infrastruktur vorhanden. Für das Deutz-Areal wurde eine Machbarkeitsstudie zum Bau einer fünfzügigen Grundschule und einer vierzügi- gen Gesamtschule erarbeitet. Die notwendigen Flächen werden im Bebauungsplan als Gemeinbedarfsfläche ausgewiesen und gesichert. Ziel der Verwaltung ist es, kurzfristig das städtische Ausschreibungsverfahren für den Bau der Schulen zu beginnen. Begrünung/Freiraum Das Plangebiet war nach Aufgabe des Standortes durch die DEUTZ AG nahezu vollständig versiegelt. Daran haben die umfangreichen Abbruchmaßnahmen nichts geändert. Derzeit wird der nach langen Jahren indust- rieller Nutzung kontaminierte Boden saniert. Im Umfeld befindet sich im Westen der neue Rheinboulevard „Köln Mülheim“ mit großzügigen Grünflächen. Dieser stellt eine Wege- und Freiraumverbindung entlang des Rheins bzw. des Mülheimer Hafens her. Die wichtigsten Freiraumstrukturen im Plangebiet sind der große Grünzug Mülheim Süd und der kleinere Grünkorridor. Der Grünzug Mülheim Süd befindet sich im Norden des Plangebietes und verläuft parallel zu Denkmalgeschützte KHD-Großmotorenhalle im Deutz-Areal Mülheimer Süden Seite 54 den Bestandsstraßen des Mülheimer Südens und den geplanten Straßen des Deutz-Areals. Mit einer Größe von rund 18.300 Quadratmetern ist er für ansprechend gestaltete Spielplatzflächen geeignet, übernimmt aber auch Versickerungsfunktionen im Starkregenfall. Die Ge- staltung des Grünzugs soll sowohl Baumreihen als auch freie Wiesen beinhalten und wohnungsnahe Erholungs- flächen bieten. Die zweite bedeutsame Grünstruktur ist der Grün- korridor, der zentral im Gebiet liegt. Mit einer Größe von rund 4.000 Quadratmetern inklusive der beiden geplanten Wege ist er deutlich kleiner als der Grünzug. Die Attraktivität des Grünkorridors liegt in seiner von motorisiertem Verkehr weitgehend frei gehaltenen Nutzung. Dadurch kann ein nachbarschaftlich genutzter Bereich zwischen den Baufeldern entstehen, der durch eine Fuß- und Radwegeverbindung an das benachbarte Lindgens-Areal anschließt. Erschließung Das Plangebiet ist über die Deutz-Mülheimer Straße, die Danzierstraße, die Grünstraße und den Auenweg an das Straßennetz angebunden. Über den Bergischen/Pfälzi- schen Ring besteht Anschluss an das überregionale Netz. Die Erschließung des Geländes der ehemaligen Produk- tionsstätten der DEUTZ AG erfolgt ebenfalls über die Deutz-Mülheimer Straße, die Danzierstraße, die Grün- straße sowie die Zufahrt über die Windmühlenstraße. Städtebauliches Konzept Zur Umsetzung der städtebaulichen Zielvorstellungen ist ein städtebaulicher Masterplan (NOKERA Planning GmbH) erarbeitet worden. Zentrale Entwurfsidee ist die Errichtung eines attraktiven urbanen Quartiers, das sich um drei zentrale Plätze entlang des verlängerten Auen- weges gruppiert. Zur städtebaulichen Betonung dieser Konzeption werden zwei Plätze von je einem Hochpunkt Denkmalgeschützte Motorenhalle im Deutz-Areal Mülheimer Süden Seite 55 flankiert. Der benachbarte Grünzug im Norden soll als wichtige Grünverbindung im Stadtteil und Verbindung zwischen Rheinboulevard und dem Stadtgarten Mül- heim ausgebildet werden. Außerdem sieht das städtebauliche Konzept vor, das Viertel südöstlich der Deutz-Mülheimer Straße und süd- westlich des verlängerten Auenweges unter Berücksich- tigung der vorhandenen Gebäude und Hallenstrukturen zu entwickeln. Durch den Erhalt der Denkmäler und die Ergänzung mit weiteren Gebäuden (z.B. Schulen) soll der Charakter erhalten und in die neue Quartiersbebauung integriert werden. Im Einzelnen gliedert sich das neue Quartier durch den neuen Grünzug sowie die Verlängerung des Auenweges in vier unterschiedliche Teilbereiche: Im Norden soll die Bebauung an der Horststraße ergänzt werden. Zusam- men mit der Bestandsbebauung ergeben die baulichen Ergänzungen Blockrandstrukturen, die ausschließlich zum Wohnen genutzt werden sollen. Südlich des Grünzugs soll sich ausgehend von der Deutz-Mülheimer Straße/Auenweg bis zum verlängerten Auenweg das zweite Teilgebiet entwickeln. Zwischen der Bahntrasse und dem verlängerten Auenweg sind langgezogene Riegelbebauungen vorgesehen. Der Riegel entlang der Bahntrasse fungiert als Puffer zum Schienenweg. Parallel dazu soll eine Riegelbebauung in zweiter Reihe zur Bahntrasse stehen, die sich aus zwei Baublöcken zusammensetzt. Hier ist Raum für Einzel- handelsnutzung oder gewerbliche Wohnnutzung. Im südwestlichen Plangebiet sollen auf der zentralen Fläche zwischen dem südlichen Stadtplatz und der Deutz-Mül- heimer Straße eine Gesamtschule und eine Grundschule untergebracht werden. Die unter Denkmalschutz stehenden Hallen entlang der Deutz-Mülheimer Straße sollen erhalten und um- genutzt werden. In der südlichen trapezförmigen Halle und deren Anbau soll die zweite Kindertagesstätte des Quartiers untergebracht werden. Masterplan Deutz-Areal - Planungsstand 2022 Mülheimer Süden Seite 56 Der industrielle Charakter der Deutz-Mülheimer Stra- ße soll durch eine durchgehende Gebäudeflucht und gleiche Gebäudehöhen im Anschluss an die denkmal- geschützten Gebäude unterstrichen werden. Die Geschossigkeit der neuen Bauten orientiert sich an den Bestandsgebäuden. Dabei werden die neuen Gebäude zwischen ein und sieben Geschossen variieren. Ausnahmen werden die städtebaulichen Hochpunkte am nordöstlichen Eingang zum Quartier in direkter Nachbarschaft zum Grünzug sowie am südlichen Quar- tiersplatz bilden. Mülheimer Süden Seite 57 Windmühlen-Quartier | COLOGNEO III Zum Projekt Der unter dem Namen Windmühlen-Quartier (Pro- jektname: Cologneo III) bekannte Bereich beschreibt eine rund ein Hektar große, ehemalige Teilfläche aus dem Bebauungsplan für das Deutz-Areal. Die Entwicklung des Geländes wurde in den letzten Jahren durch häufige Wechsel der Eigentümer*innen erschwert. Ziel der Planung Das aktuelle Planungskonzept sieht ein gemischt genutztes Quartier mit Wohnen und Gewerbe vor. Für die weitere Planung ist die Abstimmung und Qualifizierung des städtebaulichen Konzepts unter Berücksichtigung des Kooperativen Baulandmodells der Stadt Köln notwendig. Die Umsetzung städte- baulicher Planung steht in direkter Abhängigkeit von städtebaulichen und freiräumlichen Entwicklungs- zielen im Deutz-Areal und dem gegenüberliegenden Lindgens-Areal. Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass es eine Ergänzung und städtebauliche Arrondie- rung der südlichen Bestandsgebäude geben wird. Perspektive Aller Voraussicht nach wird für das Windmühlen- Quartier der Neustart eines Bebauungsplanverfah- rens notwendig. Das Windmühlen-Quartier aus der Vogelperspektive. Stand: April 2018. Mülheimer Süden Seite 58 Lindgens-Areal Stand: April 2018 Mülheimer Süden Seite 59 Lindgens-Areal Mülheimer Süden Seite 60 Lindgens-Areal Zum Projekt Das Lindgens-Areal ist ein rund 5 Hektar großes Plangebiet im Bereich der Hafenstraße. Es besteht aus den Grundstücken der ehemals dort ansässigen Firma Lindgens & Söhne GmbH. Es wird begrenzt durch die Deutz-Mülheimer Straße im Osten und den Rheinboulevard im Westen. Es liegt nördlich des Ein- mündungsbereichs Auenweg in die Deutz-Mülheimer Straße. Derzeit wird die Offenlage des Bebauungsplans für das Lindgens-Areal vorbereitet. Geplant ist der Bau von rund 360 zum Teil öffentlich geförderten Woh- nungen. Außerdem soll es Raum für Gewerbe, Gast- ronomie, Einzelhandel, Kindertagesstätte, Kulturein- richtungen und soziale Einrichtungen geben. Ziel der Planung Die geplante Mischnutzung wird einen behutsamen Übergang zwischen der angrenzenden Wohn- und der Gewerbenutzung gewährleisten. Die Schaffung von Wohnraum soll dazu beitragen, die Entwicklung eines urbanen Quartiers zu forcieren. Das durch historische Industriegebäude geprägte Gebiet soll für gewerbliche Nutzungen weiterhin attraktiv bleiben und dazu beitragen, den Standort auch durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze weiterzuentwickeln. Weiteres Ziel der Planung ist die Nutzung von Teilflächen für die Entstehung eines neuen Quartiersplatzes. In Ver- bindung mit der Entwicklung des Otto-Langen-Quartiers soll es auf zwei Teilflächen rund um den Kreuzungspunkt Auenweg/Deutz-Mülheimer Straße eine ansprechende Freiraumgestaltung sowie Gastronomie oder ähnliche Nutzungen geben. Der Platz soll dem architektonischen Hochpunkt an der Ecke Auenweg/Hafenstraße vorgelagert werden und den Auftakt in das neue Quartier bilden. Als städtebaulicher Hochpunkt ist neben dem genannten Gebäude noch ein siebengeschossiges Gebäude an der nördlichen Hafen- straße definiert. Erschließungskonzept/Ruhender Verkehr Die verkehrliche Erschließung erfolgt über die Deutz- Mülheimer Straße, den Auenweg und die Hafenstraße. Zusätzlich entstehen fußläufige Verbindungen in unter- schiedliche Richtungen. Der durch die neue Bebauung ausgelöste Bedarf an öffentlichen Parkplätzen soll in der Hafenstraße nach- gewiesen werden. Die notwendigen privaten Stellplätze sollen in bestehenden Hallen sowie in neuen Parkhäu- sern und Tiefgaragen untergebracht werden, die über- wiegend über die Hafenstraße erschlossen werden. Das Erschließungskonzept zielt darauf ab, das Quartiersinne- re möglichst autofrei zu halten. Um eine fußläufige Er- schließung westlich der Hafenstraße im Hochwasserfall zu gewährleisten, sollen diese durch Verbindungsstege mit den Gebäuden östlich der Hafenstraße verbunden werden. Mülheimer Süden Seite 61 Bebauungskonzept An der Deutz-Mülheimer Straße sieht das städtebauliche Planungskonzept die Ergänzung der Bestandsgebäude vor. Die Bauten werden gegenüber der Straße leicht zurückgesetzt, um den vorhandenen Baumbestand zu erhalten. Die neue Bebauung zwischen Deutz-Mülheimer Straße und Hafenstraße wird aus großen, freistehenden Gebäuden bestehen. Die Anzahl der Geschosse orien- tiert sich an den Bestandsgebäuden. Die neuen Gebäude werden nach aktueller Planung zwischen zwei und fünf Geschossen variieren. Diese werden die vorhandenen (denkmalgeschützten) Industriehallen ergänzen. Die bereits umgenutzten Hallen im Süden der Hafenstraße bleiben erhalten. Freiraumkonzept Bestandteil des Freiraumkonzeptes ist die Grünvernet- zung in Richtung Osten mit dem Grünzug Mülheim Süd im Deutz-Areal. Im Rahmen der übergeordneten Grün- vernetzung hat die am nördlichen Rand des Plangebietes geplante Verbindung zwischen Danzierstraße und Rhein- boulevard eine wesentliche Bedeutung. Darüber hinaus sollen weitere Fußwege die Deutz-Mülheimer Straße, die Hafenstraße und den Rheinboulevard in Ost-West- Richtung verbinden. Öffentlich zugängliche Freiräume und Wegeverbindungen erschließen das Quartier auch in Nord-Süd-Richtung. Über den neuen Quartiersplatz und den Auenweg hinweg ist die Vernetzung mit dem Otto-Langen-Quartier oder dem benachbarten Deutz- Areal geplant. Differenziert gestaltete Platzflächen und Freiräume innerhalb des Lindgens-Areals werden unterschiedliche Nutzungen ermöglichen. Sie tragen dazu bei, das Areal zu einem lebendigen Stadtquartier weiterzuentwickeln. Nutzungskonzept Aufgrund des benachbarten Hafenareals mit seinen gewerblichen Nutzungen (z.B. dem Werftbetrieb), der beabsichtigten Mischnutzung und der Lage an der Schnittstelle von Wohn- und Gewerbenutzung soll das Gebiet östlich der Hafenstraße als Mischgebiet entwi- ckelt werden. Der Bereich westlich der Hafenstraße wird überwiegend als Gewerbegebiet genutzt. Nutzungen wie Künstlerateliers, Lofts und der Einzelhandelsbetrieb Santos sollen am Standort erhalten bleiben. Große Gebäude kennzeichnen die geplante Bebauung im Lindgens-Areal Mülheimer Süden Seite 62 Die Anzahl der Geschosse orientiert sich an der Bestandsbebauung Weiterer Blick auf die geplante Bebauung im Lindgens-Areal Mülheimer Süden Seite 63 Der bauliche Bestand aus denkmalgeschützten Ge- bäuden und Hallen soll weiterhin gewerblich genutzt werden. Ein Teil der bestehenden Hallen könnte zum Par- ken genutzt werden. Für die Neubauten ist vorwiegend eine Wohnnutzung geplant. Der Bau im Nordwesten der Hafenstraße soll dem Wohnen in erster Reihe zum Rhein dienen. Sowohl die bestehenden als auch die geplanten Ge- bäude liegen im Überschwemmungsgebiet, so dass entsprechende Schutzmaßnahmen notwendig sind. Alle denkmalgeschützten und als erhaltenswert eingestuften Gebäude sollen erhalten und neu genutzt werden. Hochwasserschutz Die Entwicklung des Mülheimer Südens bedeutet eine Herausforderung im Umgang mit den Anfor- derungen des Hochwasserschutzes: Derzeit besteht im Bereich des Mülheimer Südens kein öffentlicher Hochwasserschutz. Nach Abstimmung mit der Be- zirksregierung Köln und den Stadtentwässerungs- betrieben (StEB) ist der Hochwasserschutz für die Plangebiete westlich der Deutz-Mülheimer Straße in den entsprechenden Planverfahren zu lösen. Hochwasserschutz hat nach aktuellem Sachstand für eine Entwicklung der Teilbereiche Euroforum West, Lindgens-Areal und Otto-Langen-Quartier erhebliche Bedeutung. Die Stadt Köln hat für das Stadtgebiet das Schutzziel HQ 200 definiert. Damit wird - ver- einfacht beschrieben - ein Hochwasserabfluss be- zeichnet, der im statistischen Mittel einmal in 200 Jahren erreicht oder überschritten wird. Dabei ist zu beachten, dass die Hochwasserszenarien auf statisti- schen Mittelwerten beruhen, so dass beispielsweise ein 200-jährliches Hochwasser auch mehrmals in 200 Jahren auftreten kann. Laufende Bauleitplanverfahren müssen sich mit dem Thema auseinandersetzen, um zukünftige Nutzun- gen und die Bewohner wirksam zu schützen. Dazu ist ein abgestimmtes Gesamtkonzept unter Berücksich- tigung übergeordneter Planungen notwendig. Neben Hochwasserschutzanlagen wie Dämmen und Mauern ist auch ein individueller Schutz der einzelnen Gebäu- de und Nutzungen zu beachten. Blick von der Deutz-Mülheimer Straße auf das Lindgens-Areal Blick auf den Hafen und das Lindgens-Areal Mülheimer Süden Seite 64 Herzlichen Dank ... ...für Ihr Interesse an der Entwicklung des Mülheimer Südens. Die Entwicklung vom historischen Industrie- standort zum urbanen Stadtquartier ist eines der bedeutsamsten Großprojekte in Köln. Die Komplexität der einzelnen Projekte macht es schlicht unmöglich, alle Details und Aspekte der aktu- ellen Planung aufzugreifen. Unser Wunsch war es, Ihnen mit der Produktion dieser Projektdokumentation einen Überblick über die laufenden Prozesse im Mülheimer Süden zu geben. Hier soll auch aufgezeigt werden, welche Herausfor- derungen mit der Entwicklung des geplanten urbanen Stadtquartiers verbunden sind. Die Stadtentwicklung ist gerade in den Metropolen für Politik und Verwal- tung ein herausfordernder Prozess. Wir werden Sie in den nächsten Monaten und Jahren immer wieder transparent über den laufenden Prozess informieren. Dies geschieht heute bereits durch regel- mäßige Presseinformationen und Veranstaltungen für die Öffentlichkeit. Nähere Informationen finden Sie auch auf der Projekt- seite und im Ratsinformationssystem der Stadt Köln. Die Oberbürgermeisterin Stadtplanungsamt Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Redaktionelle Bearbeitung Dirk Dratsdrummer Kommunikation Bildnachweis Visualisierungen zur Verfügung gestellt von: ARGUS Stadt und Verkehr Partnerschaft mbB CG Elementum AG GATEWAY REAL ESTATE AG kadawittfeldarchitektur LAND Germany GmbH Nokera Planning GmbH trint + kreuder d.n.a. architekten PartGmbB Fotos Andreas Dobslaff Dirk Dratsdrummer Matthias Oertel Thomas Zimmer Luftbilder: Stadt Köln Gestaltung Dirk Dratsdrummer Kommunikation, Moers Barrierefreiheit ADDON Technical Solutions, Erkrath Druck Setpoint Medien GmbH, Kamp-Lintfort 13-CS/61/800/05.2022
Mitteilung Ausschuss
3740 Zeichen
Dezernat, Dienststelle VI/613 Vorlagen-Nummer 10.01.2023 4189/2022 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 30.01.2023 Stadtentwicklungsausschuss 02.02.2023 Öffentlichkeitsveranstaltung Mülheimer Süden am 21.05.2022 Seit dem Werkstattverfahren „M ülheimer Süden inkl. Hafen“ 2013/14 ist die Entwicklung des ehemaligen Industriestandortes angestoßen und die Planungen sind seither vorangeschritten. Aus diesem Anlass hat die Stadt Köln die interessierte Stadtgesellschaft am 21.05.2022 in einer Öffentlichkeitsveranstaltung im Mülheimer Süden über den aktuellen Planungsstand informiert. Da bisher noch keine abschließende Mitteilung zu dieser Veranstaltung an die politischen Gremien erfolgte, wird diese nun nachgeholt. Die im Zusammenhang mit der Veranstaltung erstellte Projektdokumentation zum Mülheimer Süden, die als Anlage beigefügt ist, steht nun interessierten Bürger*innen auch digital im Ratsinformationssystem zur Verfügung. Arealspaziergang Zum Auftakt der Öffentlichkeitsveranstaltung am 21. Mai 2022 hatten die Bürger*innen die Gelegenheit, sich auf einer festgelegten Route im Projektgebiet eigenständig zu bewegen und sich an fünf, in kleinen Zelten untergebrachten Stationen, zu den Themen Gesamtentwicklung/kooperatives. Baulandmodell, Denkmalschutz, Grün- und Freiflächen, Verkehr/Mobilität/Stadtbahn sowie Hochwasserschutz/Starkregen zu informieren. Als Grundlage dienten an den Ständen aufgebaute Informationsplanen. Diese wurden von den Vertreter*innen der entsprechenden Fachämter erläutert, Fragen der Bürgerinnen und Bürger beantwortet und Anregungen diskutiert. Öffentliche Informations- und Diskussionsveranstaltung Im Veranstaltungszelt im Rheinboulevard am Mülheimer Hafen fand anschließend am Nachmittag der zweite Teil der Öffentlichkeitsveranstaltung statt. Zu Beginn begrüßte die Oberbürgermeisterin Henriette Reker in einer Videobotschaft die Teilnehmenden der Veranstaltung. Anschließend wurden die Bürger*innen über den aktuellen Planungsstand, die städtischen Ziele im Mülheimer Süden und die wesentlichen Themen, die zur langwierigen Projektentwicklung führen, informiert. Die Bedeutung der Ergebnisse aus dem Werkstattverfahren 2013/14 und der Industriegeschichte für die weitere Entwicklung im Mülheimer Süden wurden hierbei verdeutlicht. Im Anschluss berichteten verschiedene Fachämter über die Planungen im Mülheimer Süden. Besonderes Augenmerk galt hierbei dem Mobilitätskonzept mit Schwerpunkt auf der 2 Umsetzung der neuen Stadtbahnanbindung sowie der Realisierung von öffentlich gefördertem Wohnungsbau und gemeinwohlorientierten Nutzungen vor Ort. Der Vorsitzende der Ständigen Jury Mülheimer Süden erläuterte die Aufgaben des Begleitgremiums im Mülheimer Süden und die Relevanz des Werkstattergebnisses auf die Entscheidungsprozesse. Vertreter*innen der Investor*innen des Deutz- und Lindgens-Areals stellten ihre Planungen vor. Sie betonten, dass sie ihr Vorhaben gerne zeitnah realisieren möchten. Während der Veranstaltung erhielten die Bürger*innen die Möglichkeit Fragen zu stellen und Anregungen zu äußern. Besonderes Interesse galt, neben der Realisierung von bezahlbarem Wohnraum, vor allem einen realistischen Zeitrahmen über die Entwicklung des Gesamtgebietes zu erhalten. Neben der Öffentlichkeitsveranstaltung und der Projektdokumentation wird derzeit auch die Internetprojektseite zum Mülheimer Süden überarbeitet und aktualisiert. Diese wird Anfang 2023 online gestellt. Hier können sich die Bürger*innen umfassend über den Mülheimer Süden und die aktuellen Entwicklungen und Sachstände informieren. Anlagen: Anlage 1 Projektdokumentation Mülheimer Süden Gez. Greitemann
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 4189/2022
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 10.01.2023
- Erstellt
- 09.12.2022 09:55