V/0349/2021
Energie- und Klimabilanz 1990 - 2019
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V_0349_2021_Anlage 1_Bericht-Klimabilanz_2019
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Seite 2 Einleitung Die Stadt Münster ist nach dem Beschluss zum Masterplan „100% Klima- schutz“, dem Beschluss zum Klimanotstand sowie dem Beschluss zum Handlungsprogramm Klimaschutz 2030 auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt – möglichst bereits bis 2030. Die Erreichung der angestrebten Klimaschutzziele stellt die Stadt vor eine immense Herausforderung und erfordert eine deutliche Intensivierung und Er- weiterung der bisherigen Klimaschutzaktivitäten aller Akteure – innerhalb und auch außerhalb von Münster. Die Anforderungen an die strategischen Weichenstellungen sowie eine Szenari- enentwicklung sind im „Masterplan 100% Klimaschutz“ ausführlich dargestellt . Bezogen auf die neue Zielsetzung der Klimaneutralität 2030 erfolgt bis zum Sommer 2021 eine Überarbei- tung der Kernelemente des „Masterplan 100% Klimaschutz“, um die enorme Herausforderung und die notwendige Intensivierung der Anstrengung aufzuzeigen. Grundsätzlich wird es i n den kommenden Jahr en vor allem darum gehen, den Wärme - und Strombedarf in der Stadt deutlich zu reduzieren und die Ene rgieeffizienz in der Industrie und im Gewerbe- und Dienstleistungssektor deutlich zu steigern. Zudem gilt es Wege zu finden, das Verkehrsaufkommen zu reduzieren und den Umweltverbund zu stärken, die Altbausanie- rung voranzutreiben und die erneuerbaren Energien viel stärker auszubauen. Auch eine noch stärkere Sensibilisierung der Stadtgesellschaft für die Belange des Klimaschutzes und die Ver- antwortung für die Klimaneutralität steht auf der Agenda. Die Energie- und Klimaschutzbilanz der Stadt Münster soll einen Überblick über die Entwick- lung des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen im Stadtgebiet geben. Die Da- ten, auf die dabei zurückgegriffen wird, stammen aus verschiedenen Quellen der Stadt Müns- ter und ihrer Tochterunternehmen, insbesondere von der Stadtwerke Münster GmbH, so dass die Bilanz möglichst münsterspezifische Aussagen zulässt . Unabhängig von einer guten Da- tenbasis ist d ie Entwicklung des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen aber auch von politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen außerhalb der Stadt überlagert, so dass eine direkt e Überprüfung der Wirksamkeit einzelner Klimaschutz- maßnahmen mit diesem Instrument nur bedingt möglich ist. Auch wenn sich im Vergleich zum Jahr 2018 das Ergebnis der CO2-Reduktion in der Gesamt- bilanz nur minimal verändert hat, soll dennoch in diesem Bericht eine ausführliche, inhaltliche Analyse und Bewertung der Entwicklungen erfolgen. Dies erfolgt auch vor dem Hintergrund, dass - wie im Bilanzbericht 2018 bereits angekündigt - eine Überarbeitung des Bilanzierungs- werkzeugs in Zusammenarbeit mit dem IFEU (Institut für Energie- und Umweltforschung, Hei- delberg) auf Basis der Weiterentwicklung und Aktualisierung des bundesweit gültigen kommu- nalen Bilanzierungsstandards erfolgte. Parallel hierzu hat in 2020 eine Überarbeitung des Ver- kehrsmodells der Stadt Münster stattgefunden, dessen Ergebnisse ebenfalls in das überarbei- tete Bilanzierungswerkzeug mit ei ngeflossen sind. Die bedeutendsten Weiterentwicklungen der Systematik sind am Ende des folgenden Methodikkapitels genauer erläutert. Seite 3 Anmerkungen und Bilanzierungsmethodik Die erste Energie- und Klimaschutzbilanz wurde für das Jahr 1990 im Endbericht des Beirates für Klima und Energie 1995 veröffentlicht und bis 2010 kontinuierlich in einem 5-Jahreszyklus fortgeschrieben. Im Rahmen der Erarbeitung des Klimaschutzkonzeptes 2020 wurde die Sys- tematik überarbeitet und das Bilanzierungssystem BiCO2 (ifeu GmbH, Heidelberg) eingeführt, mit dem seit dem Jahr 2009 eine jährliche Bilanzierung erfolgt. Dazu werden die Endenergie- verbräuche aller Akteure der Stadt (Verkehr, Haushalte, Kleinverbraucher, Industrie, etc.) er- fasst und ausgewertet. Der Großteil der Daten zum stationären Endenergieverbrauch (ohne Verkehr) w ird von der Stadtwerke Münster GmbH und der münsterNETZ GmbH bereitgestellt. Sie spiegeln den tat- sächlichen Endenergieverbrauch weitestgehend wider. Im Bereich der s pezifischen CO 2- Emissionen werden Vorkette und Äquivalente berücksichtigt und es erfolgt eine Berechnung der Strom- und Fernwärmefaktoren in Kraft -Wärme-Kopplungsprozessen nach der Exergie- methode. Entsprechend dem Territorialprinzip erfolgt eine Berücksich tigung des lokalen Strommixes. Dem Territorialprinzip entsprechend wird für die Bilanzierung der CO 2-Emissionen und der Endenergie für den Bereich Verkehr seit 2019 auch in Teilen der überregionale Verkehr be- rücksichtigt, d.h. Bahngüter-, Binnenschifffahrt- und Schienenfernverkehr werden anteilig be- rücksichtigt. Wichtigste Datengrundlage für den motorisierten Individualverkehr (MIV) bilden die Verkehrserhebungen und das Verkehrsmodell der Stadt Münster, welche etwa alle 7 bis 8 Jahre statistisch erhoben und ermittelt werden. Der LKW-Verkehr wird entsprechend dem Bun- destrend fortgeschrieben. D ie Werte für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wer- den aus Fahrgastzahlerhebungen und den Fahrplänen ermittelt, die von der Stadtwerke Müns- ter GmbH mitgeteilt werden. Bei der Energie- und Klimabilanz der Stadt Münster ist zu berücksichtigen, dass die Einfluss- faktoren auf die Bilanz sehr vielfältig sind und sich deren Auswirkungen teilweise gegenseitig überlagern. Zudem gibt es eine Reihe von Faktoren, auf die die Stadt Münster nur einen indi- rekten oder keinen Einfluss hat . In Abbildung 1 sind exemplarisch einige Faktoren nach der Einflussmöglichkeit der Stadt Münster kategorisiert aufgelistet . Rechts sind die Faktoren dar- gestellt, die die Stadt Münster und ihre Tochterunternehmen durch ihr Handeln direkt beein- flussen können. Daneben existieren jedoch eine Reihe von nur indirekt zu beeinflussende Fak- toren wie zum Beispiel das starke Wachstum der Bevölkerung Münsters oder übergeordnete Faktoren wie die überregionale Gesetzgebung oder die Gesamtkonjunktur, die allesamt einen großen Einfluss auf die Entwicklung der Energie- und Klimabilanz haben. Seite 4 Abbildung 1: Auswahl sich überlagernder Faktoren, die Einfluss auf die Energie - und CO 2-Bilanz in Münster haben Zur d irekten Quantifizierung einzelner Klimaschutzmaßnahmen ist die Energie - und Klima- schutzbilanz aufgrund dieser sich überlagernder Faktoren somit nicht geeignet . Aus den Er- gebnissen der Energie- und Klimaschutzbilanz lassen sich jedoch insgesamt die Richtung der allgemeinen Klimaschutzaktivitäten sowie zukünftige Handlungsschwerpunkte und eine Prio- risierung der Maßnahmen ableiten. Methodikhinweise zur weiterentwickelten BISKO-Systematik ab Bilanzjahr 2019 Die Methodik und Systematik der städtischen Energie - und CO2-Bilanz basiert auf dem vom IFEU entwickelten BISKO-Standard (BIlanzierungs-Standard KOmunal). Wie im Einleitungs- kapitel erläutert wurde dieser Standard in den letzten Jahren weiterentwickelt und die Stadt Münster hat im vergangenen Jahr ihr, ebenfalls vom IFEU entwickeltes, Bilanzierungswerk- zeug dahingehend überarbeitet und angeglichen. Die zentralen und wichtigsten Änderungen im Überblick: Im stationären Bereich - Ein Teil dieser Überarbeitung betrifft den bundesweiten Stromfaktor (spezifische CO2- Emissionen des Energieträgers Strom in g/kWh). Als Vorgriff auf die Überarbeitung des gesamten Bilanzierungswerkzeugs, und um aktuelle Entwicklungen auf Bundes- ebene frühzeitig zu berücksichtigen, wurden bereits im vergangenen Bilanzjahr 2018 die überarbeiteten Stromfaktoren rückwirkend ab 1990 berücksichtigt. Für 2019 wurde – wie auch im Vorjahr und vrs. auch in den kommenden Jahren – der Strom- faktor aus 2018 zu Grunde gelegt (Quelle: Strommaster, IFEU). Der bundesweite Stromfaktor wird mit ca. 1,5 Jahren Verzögerung bekanntgegeben, d.h. für 2019 erst mitte 2021. Der bundesweite Stromfaktor fließt zu ca. 55% in den Münsterstrommix – mit dem die Bilanz gerechnet wird – mit ein. Übergeordnete Faktoren Landes-, Bundes- und EU- Recht Überregionale Förderprogramme Überregionale Konjunktur Witterung Technologische Entwicklung Indirekt zu beeinflussende Faktoren Bevölkerungsentwicklung Entwicklung der Wohnfläche Lokale Konjunktur Handlungsentscheidungen der Bürger und Akteure Direkt zu beeinflussende Faktoren Klimaschutzaktivitäten der Stadt Stadtwerke Aktivitäten Energieverbrauch der Stadt Seite 5 - Neben dem bundesweiten Stromfaktor wurden auch die spezifischen CO2-Emissio- nen anderer Energieträger für die Jahre ab 2017 rückwirkend angepasst (Quelle: GE- MIS 5.0, UBA). Im Wärmebereich (bspw. Heizöl, Erdgas, Pellets) führte dies zu leich- ten Absenkungen der Faktoren (Größenordnung: < 1%). Im Strombereich führte dies zu stärkeren Absenkungen für erneuerbare Energieträger wie Windkraft (von 19 auf 10 g/kWh und Photovoltaik von 124 auf 40 g/kWh). Die lokal erzeugten Erneuerbaren Energien im Strombereich fließen zu knapp 10 % in den Münsterstrommix mit ein. - Aufgrund der ansteigenden Temperaturen in den letzten Jahren hat sich das langjäh- rige Temperatur-Mittel im Bereich der Witterungsbereinigung im Vergleich zur vorheri- gen methodischen Grundlage um ca. 8% erhöht. Dies führt in wärmeren Heizperio- den zu höheren Endenergieverbräuchen im Bereich der Wärmebereitstellung, welche in der Folge wiederum höhere CO2-Emissionen nach sich ziehen. Der neue Wert für das langjährige Temperatur-Mittel wurde für die Jahre ab 2017 rückwirkend ange- passt. - Ab 2019 konnten erstmalig seit 2015 wieder aktuelle Verbrauchsdaten für den Be- reich Heizöl ermittelt werden. Nach langjährigen Diskussionen erklärten sich die Schornsteinfeger-Innungen bereit die Daten zu den Anlagebeständen wieder bereit- zustellen. Demnach ist die Anzahl der Ölheizungsanlagen in den vergangenen Jah- ren stark zurückgegangen. Der damit einhergehende Endenergieverbrauch ist in dem Zeitraum um ca. 25% zurückgegangen. Diese Entwicklung schlägt sich 1:1 auch po- sitiv auf die CO2-Bilanz durch. Im Bereich Verkehr - Die Verkehrsplanung der Stadt Münster hat in den vergangenen 2 Jahren ein neues Verkehrsmodell entwickelt. Aus diesem Verkehrsmodell werden insbesondere die Fahrzeugkilometer des mobilen Individualverkehrs (MIV) für die Stadt Münster abge- leitet. Die Daten aus dem neuen Verkehrsmodell werden rückwirkend ab 2017 ange- wandt. Für den Zeitraum von 2005 bis 2017 werden weiterhin die Daten des vorheri- gen Models angewandt. Von 1990 bis 2005 gibt es keine plausiblen, belastbaren und mit der Methodik kompatiblen Daten, so dass hier eine Trendrückrechnung auf Basis der CO2-Emissionen (2005 bis 2017) durchgeführt wurde. Durch die Trendrückrech- nung liegen die CO2-Emissionen im Ausgangsjahr 1990 höher und verlaufen auch bis 2019 auf einem höheren Niveau – der Absenkpfad ist insgesamt etwas flacher. Seite 6 - Die Mehremissionen resultieren zum Einen durch den neuerlichen Einbezug des Schienenpersonenfernverkehrs, des Fernbusverkehrs sowie den Schienen- und Bin- nenschifffahrt-Gütertransporten - zum Anderen durch die Aktualisierung der bundes- weiten spezifischen Realverbrauchsfaktoren im Straßenverkehr sowie der spezifi- schen Treibhausgasfaktoren. Die Verbräuche sind weniger gesunken als ursprünglich im vorherigen System in der Trenderwartung angenommen. Insgesamt und zusammenfassend führt die Aktualisierung der Bilanzierungssystematik im Verkehrsbereich zu einem leichten Anstieg der CO 2-Emissionen im Ausgangsjahr 1990 um ca. 3% bzw. 80 kt. Die Reduktion im Bilanzjahr 2019 liegt mit einer Abweich ung von ca. 5 kt nach der aktualisierten Systematik nahezu auf dem Wert des Bilanzjahres 2018 aus der vor- herigen Systematik. Darüber hinaus wurde auf Empfehlung des IFEU und gemäß der BISKO-Systematik die Be- zugsgröße der Bevölkerung angepasst. Bisher wurde die wohnberechtigte Bevölkerung zur- grunde gelegt, welche jedoch auch die mit Zweitwohnsitz in Münster gemeldeten Einwohner mit berücksichtigte (bspw. Studierende). Fortan wird die Bevölkerung am Ort der Hauptwoh- nung zurgrund gelegt, so dass kommunenübergreifende Doppelungen aufgrund von mehre- ren Wohnsitzen augeschlossen werden können. Seite 7 1. Entwicklung der Energie- und CO2-Bilanz in Münster In diesem Kapitel erfolgt ein Gesamtüberblick über die Entwicklung der Ergebnisse der Ener- gie- und CO2-Bilanzierung für die Stadt Münster. Dabei bildet das Jahr 1990 das sogenannte Basisjahr, auf das sich die selbst gesteckten Energie - und Klimaschutzziele beziehen . Die laufend erhobenen Daten lassen sich in die drei Anwendungsbereiche Wärme, Strom und Verkehr unterteilen. Die Bewertung der Ergebnisse bezogen auf die Anwendungsbereiche er- folgt in Kapitel 2. Innerhalb dieser Bereiche können die Endenergieverbräuche nach den un- terschiedlichen Energieträgern und Nutzergruppen ausgewiesen werden. In Kapitel 3 erfolgt eine Analyse anhand der verschiedenen Sektoren (Private Haushalte, Gewerbe und Sonsti- ges, Industrie, Verkehr). 1.1 CO2-Emissionen Die jährlichen CO2-Emissionen sind in Münster von 2.618 kt im Jahr 1990 auf 1.891 kt im Jahr 2019 gesunken. Gegenüber dem Basisjahr 1990 bedeutet dies rein rechnerisch eine Reduzie- rung um 28 % bzw. 727 kt CO2. Während die CO2-Emissionen in den ersten 15 Jahren bis 2005 insgesamt nur um rund 2% reduziert worden sind, ist in den Jahren von 2005 bis 2019 ein deutlicher Rückgang der CO2-Emissionen um insgesamt weitere 26%-Punkte zu verzeich- nen. Zurückzuführen ist diese Entwicklung insbesondere auf einen deutlichen Rückgang des Wärmeverbrauchs zwischen 2005 und 2010 durch eine Verbesserung des Emissionsfakto rs für Strom und Fernwärme als Folge des Neubaus des effizienten Gas - und Dampfturbinen- kraftwerks (GuD) der Stadtwerke Münster GmbH sowie den Ausbau der erneuerbaren Ener- gien in Münster und bundesweit. Doch auch nach dem Jahr 2010 konnten die CO2-Emissionen vor allem im Bereich Strom kontinuierlich gesenkt werden. Abbildung 2: Entwicklung der absoluten und prozentualen jährlichen CO2-Emissionen in Münster in 1.000 t nach Anwendungsbereich. 100% entsprechen den Emissionen im Basisjahr 1990. Seite 8 In Anbetracht der Tatsache, dass in Münster insbesondere seit dem Jahr 2010 deutlich mehr Menschen leben und damit ein beachtliches Wachstum stattgefunden hat, ist die kontinuierli- che Senkung der CO2-Emissionen ein umso größerer Erfolg. Betrachtet man das Wachstum im Überblick, wird die Dimension deutlich: Seit 1990 ist die Einwohnerzahl um knapp 22% auf nunmehr ca. 315.000 Einwohner angestiegen. Im gleichen Zeitraum hat die Wohnfläche sogar um 46% zugenommen. In einer kontinuierlich wachsenden Stadt wie Münster ist daher der Blick auf die Entwicklung der spezifischen CO2-Emissionen je Einwohner hilfreich, um zu einer ganzheitlichen Bewertung zu gelangen. Tabelle 1: Allgemeine Zahlen zur Entwicklung der Stadt Münster. Quelle: Informationsmanagement und Statistikdienststelle der Stadt Münster. 1990 2000 2010 2017 2018 2019 Bevölkerung am Ort der Hauptwoh- nung 259.438 265.609 279.803 313.559 314.319 315.293 Wohngebäude 40.495 45.679 50.611 56.271 56.398 56.716 Haushalte 122.405 139.060 150.188 168.800 169.031 170.096 Personen/ Haushalt 2,25 2,01 1,90 1,83 1,84 1,84 Wohnfläche (m2) 9.385.400 10.743.200 11.484.300 13.488.338 13.551.481 13.679.652 Anzahl PKWs 101.255 116.815 125.479 141.100 143.295 145.681 Sozialverspfl. Beschäftigte 115.152 130.175 143.147 168.293 171.236 n.n. Bezieht man die Entwicklung der CO 2-Emissionen auf die Einwohnerzahlen (CO2 je Einwoh- ner), so fällt das Ergebnis mit einem Emissionsrückgang von knapp 41% deutlich stärker aus. Aus dieser Perspektive wäre das Ziel von 40% CO 2-Reduzierung (Zielsetzung aus dem Kli- maschutzkonzept von 2020) bereits erreicht. Als positiv zu bewerten ist dabei insbesondere die Tatsache, dass sich die Entwicklung der CO 2-Emissionen seit 2006 zunehmend von der Entwicklung der Einwohneranzahl entkoppelt. Dies ist ein Zeichen für die Wirksamkeit der Kli- maschutzaktivitäten der Stadt Münster und zeigt die Möglichkeiten weiterer CO2-Reduktionen trotz Wachstum auf. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass die CO2-Reduktion ohne das starke Wachstum deutlich höher ausgefallen wäre. Seite 9 Abbildung 3: Entwicklung der gesamten CO2-Emissionen (blau) und der CO2-Emissionen je Einwohner (rot) bis 2019 und lineare Fortschreibung bis 2020 Aber auch der Blick auf den Vergleich der Entwicklung der CO 2-Reduktion je Einwohner in Münster und auf Bundesebene veranschaulicht den positiven T rend der Stadt insbesondere in den letzten zehn Jahren. Zwischen 2005 und 2019 konnten die CO2-Emissionen in Münster besonders durch den Rückgang des Wärmeverbrauchs und wie in Kapitel 2 erläutert , durch den Neubau des gegenüber dem zuvor kohlebefeuerten Heizkraftwerks effizienteren Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) und durch den Ausbau der erneuerbaren Energien entschei- dend gesenkt werden. Vor allem ab dem Jahr 2005 trägt der Rückgang des Stromverbrauchs bei anhaltendem Ausbau der erneuerbaren Energien dazu bei, dass die einwohnerbezogenen CO2-Emissionen in Münster stärker sinken als der Bundesdurchschnitt. Seite 10 Abbildung 4: Entwicklung der spezifischen CO2-Emissionen pro Einwohner in Münster und in Deutsch- land in t/Einwohner Insgesamt kann festgehalten werden, dass trotz teilweise ausbleibender unterstützender Maß- nahmen externer Akteure wie EU, Bund oder Land (bspw. im Bereich der Gesetzgebung) die Emissionsreduktion beschleunigt werden konnte. Dennoch ist in den nächsten Jahren eine noch intensivere Klimaschutzarbeit aller Akteure notwendig – vor allem vor dem Hintergrund der angestrebten Klimaneutralität 2030. 1.2 Endenergieverbrauch Neben der Entwicklung der CO 2-Emissionen ist die Entwicklung des Endenergieverbrauchs das Maß für die Wirksamkeit von Maßnahmen im Bereich der Energieverbrauchsreduktion und der Energieeffizienz. Der Gesamtendenergieverbrauch in Münster ist von 6.729 GWh im Jahr 1990 trotz steigender Einwohnerzahlen um 8% auf 6.210 GWh im Jahr 2019 zurückgegangen. Wie in Abbildung 5 veranschaulicht, ist der Endenergieverbrauch in Münster zwischen 1990 und 2005 zunächst um gut 3% angestiegen, wobei die Entwicklung durch einen deutlichen Anstieg des Stromver- brauchs (Zuwachs von 40%) bedingt war. Zwischen den Jahren 2005 und 2010 ist der End- energieverbrauch vor allem bei den privaten Haushalten und in der Industrie rückläufig gewe- sen. Der leichte Anstieg zwischen den Jahren 2014 und 2016 ist auf einen steigenden Wär- meverbrauch im Bereich Gewerbe und der Industrie zurückzuführen, wohingegen der Wärme- bedarf der privaten Haushalte trotz anhaltender Bautätigkeit weiterhin rückläufig ist. Etwa seit dem Jahr 2009 entkoppelt sich die Entwicklung des Endenergieverbrauchs von der Entwicklung der Einwohnerzahl zunehmend. So wurde der Endenergieverbrauch je Einwohner zwischen den Jahren 1990 und 2019 sogar um 24% gesenkt. Die zunehmende Entkopplung Seite 11 des Endenergieverbrauchs von der Bevölkerungsentwicklung ist wie auch bei der Entwicklung der CO2-Emissionen als Hinweis auf die Wirksamkeit der eingeleiteten Maßnahmen zu werten, da der Endenergieverbrauch in Münster ohne das starke Wachstum deutlich stärker gesunken wäre. Abbildung 5: Entwicklung des Endenergieverbrauchs (blau) und des Endenergieverbrauchs je Ein- wohner (rot) im Vergleich zum Referenzjahr 1990 2. Energie- und CO2-Bilanz nach Anwendungsbereichen Die Entwicklungen der Energie- und CO2-Bilanz lassen sich nach den drei Anwendungsberei- chen Wärme, Strom und Verkehr aufgeteilt darstellen und ermöglichen so eine detaillierte Be- trachtung der Veränderungen und Einflussfaktoren auf die CO 2-Bilanz in Münster. Im An- schluss daran erfolgt in Kapitel 3 eine Betrachtung der CO2-Emissions- und Endenergiever- brauchsentwicklung nach Sektoren (Haushalte, Gewerbe, Industrie, Verkehr). Einen wichtigen Einfluss auf die CO 2-Bilanz hat neben dem tatsächlichen Endenergieeinsatz auch die Entwicklung der Emissionsfaktoren für die unterschiedlichen Energieträger. Abbil- dung 6 macht die Auswirkungen unterschiedlicher Emissionsfaktoren auf die CO2-Bilanz deut- lich. Der Bereich Wärme trägt im Jahr 201 9 aufgrund der niedr igeren Emissionsfaktoren zu 37% zu den CO 2-Emissionen bei, ist jedoch für 50% des Endenergieverbrauchs verantwort- lich. Der Bereich Strom ist mit 32% Anteil an der CO2-Bilanz ähnlich bedeutend wie der Wär- meverbrauch, macht aufgrund der höheren Emissionsfaktoren für Strom jedoch nur 20% des Endenergieverbrauchs aus. Lediglich der Verkehrsbereich trägt sowohl zu etwa 30% zum En- denergieverbrauch als auch zu den CO2-Emissionen bei. -30% -25% -20% -15% -10% -5% 0% 5% 1990 1995 2000 2005 2010 2015 Endenergieverbrauch -8% Endenergieverbrauch je EW -24% Stadt Münster 2021 Zunehmende Entkopplung des End- energieverbrauchs von der Bevölke- rungsentwicklung als Indiz für die Wirksamkeit ergriffener Maßnah- men. Seite 12 Abbildung 6: Struktur des Endenergieverbrauchs und der CO2-Emissionen in Münster in kt/a und % nach Anwendungsbereichen in 2019 Die Emissionsfaktoren für Erdgas und Heizöl sind bundesweit und damit auch in Münster na- hezu konstant geblieben. Lediglich durch den Einsatz von regenerativ erzeugtem Biomethan, das ins Erdgasnetz eingespeist wird, konnte in den letzten drei Jahren eine geringfügige Ver- besserung des bundesweiten Emissionsfaktors für Erdgas verzeichnet werden. Größere Veränderungen der Emissionsfaktoren haben in Münster in den vergangenen Jahren nur bei Strom und Fernwärme stattgefunden: Der lokale Emissionsfaktor für Strom konnte durch den Neubau des GuD-Heizkraftwerkes der Stadtwerke Münster GmbH im Jahr 2005 und der damit verbundenen Verdopplung der lokalen Stromerzeugung zusammen mit dem Ausbau der Erneuerbaren Energien von 854 g/kWh im Jahr 1990 auf 474 g/kWh im Jahr 2019 verbessert werden . Der lokale Emissionsfaktor für Strom setzt sich dabei zusammen aus dem auf dem Stadtgebiet erzeugten und aus dem im- portieren Strom, für den der bundesweite Emissionsfaktor für Strom angesetzt wird. Der bun- desweite Emissionsfaktor für Strom ist seit 1990 von 872 g/kWh auf 544 g/kWh im Jahr 2018 deutlich gesunken (Wert für 2019 steht erst im Frühjahr 2021 zur Verfügung). Der Neubau des GuD-Heizkraftwerks der Stadtwerke Münster GmbH hatte auch einen erheb- lichen Einfluss auf den Emissionsfaktor für die örtliche Fernwärme. Durch den Umbau des zuvor kohlebefeuerten Heizkraftwerks zum effizienteren und gasbetriebenen GuD-Heizkraft- werk ist zwischen dem Jahr 1990 und dem Jahr 2019 der Emissionsfaktor für Fernwärme in Münster von 266 g/kWh auf 125 g/kWh reduziert worden. In Abbildung 7 wird die Entwicklung der CO2-Reduktion nach Anwendungsbereichen (Wärme, Strom, Verkehr) unterteilt betrachtet. Es zeigt sich, dass die CO2-Reduktion zunächst im Be- reich Wärme sehr ausgeprägt war und in den vergangenen zehn Jahren auch in den Bereichen Strom und Verkehr zugenommen hat. Die CO2-Einsparungen im Bereich Wärme gehen durch das städtische Wachstum und immer größer werdende Wohnungsflächen in den letzten Jah- ren wieder verloren. Positiv ist hingegen der starke Rückgang der CO2-Emissionen im Bereich Seite 13 Strom. Im Folgenden Abschnitt werden die Entwicklungen der CO2-Emissionen und des End- energieverbrauchs nach den Anwendungsbereichen Wärme, Strom und Verkehr gesondert betrachtet. Der Peak im Strombereich in 2005 hängt mit einem in diesem Zeitraum stark angestiegenem Endenergieverbrauch an Strom und einem nur leicht gesunkenem Stromfaktor zusammen. Abbildung 7: Entwicklung der CO2-Emissionsreduktionvon 2000 bis 2019 aufgeteilt nach Anwen- dungsbereichen in Münster im Vergleich zum Basisjahr 1990 2.1 Der Bereich Wärme Im Bereich Wärme sind die Emissionen trotz eines erheblichen Zuwachses der Anzahl der Wohngebäude (+ 40%) als auch der Wohnfläche (+46 %) in den vergangenen 29 Jahren in Münster um 37% verringert worden. Ausschlaggebend ist hier einerseits die gezielte Ausrich- tung der lokalen Klimaschutzaktivitäten auf das strategisch wichtige Handlungsfeld Bauen und Sanieren und andererseits die Verbesserung des spezifischen Emissionsfaktors für die Bereit- stellung der Fernwärme in Münster, durch die Ablösung des kohlebefeuerten Heizkraftwerks den Neubau des GuD-Heizkraftwerkes im Jahr 2005 zu zurechnen. Auch der vermehrte Ein- satz von Blockheizkraftwerken (BHKW) in Münster mit mehr als 50 Anlagen spielt eine wichtige Rolle. Zudem ist der Wärmeverbrauch insbesondere zwischen den Ja hren 2000 und 2010 durch Sanierung des Gebäudebestands und höherer Dämmstandards im Neubaubereich deutlich zurückgegangen. Hinzu kommt, dass die Anzahl der Heizölanlagen stark rückläufig ist (vgl. Methodikhinweise im Anfangskapitel). Insgesamt ist der Endenergieeinsatz im Bereich Wärme (witterungsbereinigt) von 1990 bis 2019 um 16% reduziert worden. Dabei sind in Münster der Erdgasabsatz bis ins Jahr 2000 und der Fernwärmeabsatz bis 2005 kontinuierlich angestiegen und schwanken seitdem auf relativ konstantem Niveau. Im Gewerbesektor sind bspw. die Erdgasabsätze gesunken und im Seite 14 Industriesektor in ähnlicher Größenordnung gestiegen. Diese Entwicklungen dürften auf kon- junkturelle Effekte zurückzuführen sein. Insgesamt ist der Erdgasabsatz im Vergleich zum Jahr 1990 um 1% gesenkt worden, während die Fernwärme trotz ei nes Rückgangs seit 2005 mit einer Zunahme von 22% im Vergleich zum Basisjahr 1990 doch deutlich ausgeweitet worden ist. Verdrängt wurde vor allem Heizstrom und Heizöl, deren Verbrauch um 83% bzw. 57% reduziert worden ist. Abbildung 8: Entwicklung des Wärmeenergieverbrauchs (MWh) und wärmebedingten CO2-Emissio- nen (1.000 t) von 1990 bis 2019 in Münster nach Energieträgern. Betrachtet man die seit 1990 an haltenden Trends, so stellt die Entwicklung des Endenergie- verbrauchs und der CO 2-Emissionen im Bereich Wärme einen Erfolg für die Stadt dar. Bei wachsenden Einwohnerzahlen (+ 22%) ist ein Zuwachs von gut 16.000 Wohngebäuden (+40%) und einer Wohnfläche von 4,3 Mio. qm (+46%) zu verzeichnen, wodurch die Zahl der Personen pro Wohnung von 2, 12 auf 1,85 sank und die Anzahl der Haushalte um 39% zu- nahm. Trotz die ser Zuwächse ist der Endenergieeinsatz für Heizzwecke in Münster - wie in Abbildung 8 dargestellt – insgesamt gesunken. Damit wird deutlich, dass die Erfolge einer konsequenten Klimaschutzpolitik mit der Umsetzung energieeffizienter Neubauten sowie um- fangreicher Energiespar - und Sanierungsmaßnahmen (Förderprogramm Altbausanierung, Kampagnen zur Gebäudesanierung und Heizanlagenerneuerung, Netzw erke mit Energiebe- ratern und Handwerkern, etc.) in Münster ihre Wirkung zeigen und zur Reduktion beitragen . Das steigende Bewusstsein in der Bevölkerung sowie die stetig steigenden Anforderungen an die Sanierung von Gebäuden durch den Bund beeinflussen die lokalen Aktivitäten positiv und flankieren diese Entwicklung. 0 200 400 600 800 1.000 1.200 0 500.000 1.000.000 1.500.000 2.000.000 2.500.000 3.000.000 3.500.000 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2016 2017 2018 2019 1.000 tMWh Erdgas Fernwärme Heizöl Heizstrom CO2-Emissionen Stadt Münster 2021 Seite 15 2.2 Der Bereich Strom Der Stromverbrauch hat im Jahr 2019 mit insgesamt 1. 298GWh einen Anteil von 2 1% am gesamten Endenergieverbrauch und trägt zu etwa 36% zu den CO2-Emissionen in Münster bei. Bei Betrachtung der Entwicklung des Stromverbrauchs (Abbildung 9) wird deutlich, dass dieser in nur 15 Jahren zwischen 1995 und 2010 um mehr als ein Drittel angestiegen ist. Dieser deutliche Zuwachs ist insbesondere mit dem Einzug der EDV-Technik zu begründen. Überla- gert wurde diese Entwicklung zudem durch den Trend zu mehr Singlehaushalten, was neben dem reinen Anstieg der Einwohnerzahl ebenfalls zu einem stetig zunehmenden Stromver- brauch geführt hat. Abbildung 9: Entwicklung des Stromverbrauchs und der CO2-Emissionen für Strom in Münster Ab dem Jahr 2010 ist ein Rückgang des Stromverbrauchs in Münster zu erkennen, der einer- seits auf eine Sättigung der Geräteausstattung in den privaten Haushalten und im Gewerbe zurückzuführen ist und andererseits durch bundes- und EU-weite Maßnahmen wie z.B. regu- latorische Vorgaben zur Energieeffizienz von Neugeräten und durch den Anstieg der Strom- preise zu begründen ist. Aber auch kommunale Klimaschutzmaßnahmen wie beispielsweise die Mitmachkampagne „Unser Klima 2030“ , das Unternehmernetzwerk „Münsters Allianz für Klimaschutz“, eine intensive Stromsparberatung und die d auerhafte Energieberatung unter- stützen Verhaltensänderungen. Bei den CO 2-Emissionen im Bereich Strom ist seit dem Jahr 2005 ein kontinuierlicher Rück- gang zu verzeichnen. Bis zum Jahr 201 9 konnten die CO2-Emissionen im Vergleich zum Ba- sisjahr 1990 bereits um 28 % reduziert werden. Dies ist durch den Ausbau der erneuerbaren Energien und der Kraftwärmekopplung in Münster und bundesweit begründet. Während bis in das Jahr 2000 der Emissionsfaktor für den lokalen Strommix in Münster wie auch der des 0 200 400 600 800 1.000 1.200 0 200.000 400.000 600.000 800.000 1.000.000 1.200.000 1.400.000 1.600.000 1990 1995 2000 2005 2010 2015 2016 2017 2018 2019 1.000 tMWh Stromverbrauch CO2-Emissionen Stadt Münster 2021 Seite 16 Bundesstrommixes leicht gesunken sind, ist ab 2005 in beiden Fällen eine deutliche Reduzie- rung zu verzeichnen. Hier wirkt sich d er Neubau des GuD-Heizkraftwerkes mit einer Verbes- serung des lokalen Emissionsfaktors von 750 g/kWh in 2000, auf 576 g/kWh im Jahr 2010 und mittlerweile 474 g/kWh in 2019 deutlich aus. Aber auch der Bundesstrommix erfährt auf Grund des steigenden Einsatzes erneuerbarer Energien eine stetige Verbesserung. Er sank von 872 g/kWh in 1990 auf 544 g/kWh in 2018. 2.3 Der Bereich Verkehr Die Treibhausgasemissionen des Verkehrs in Mü nster beliefen sich 1990 auf 661 .000 t CO 2 und konnten bis zum Jahr 2019 um 12% auf 583.000 t reduziert werden. Abbildung 10: Vergleich der CO2-Emissionen für Verkehr 1990 und 2019 Die Entwicklung des Energieverbrauches und der CO2-Emissionen im Bereich Verkehr verläuft weitgehend parallel, da nur im geringen Umfang Kraftstoff durch Biodiesel und Bioethanol er- setzt wurde, und auch Strom eine noch untergeordnete Rolle spielt, und somit die spezifischen Emissionen des Energieträgermix nahezu gleich geblieben sind . Die leichten Einsparungen haben überwiegend im motorisierte n Individualverkehr (MIV) statt gefunden, indem u.a. eine kontinuierliche Verbesserung der Fahrzeugflotte mit geringeren Spritverbräuchen eingesetzt hat – auch wenn im Rahmen der Überarbeitung des städtischen Bilanzierungstools festgestellt wurde, dass diese Reduktionen in Wirklichkeit geringer ausgefallen sind als ursprünglich an- genommen wurde. Im Bereich Verkehr ist insgesamt ein leichter Anstieg der Nutzung von Bus und Bahn zu verzeichnen. Bei den MIV -Fahrten ist auffällig, da ss in den letzten Jahren der Binnenverkehr abgenommen wohingegen der Regionalverkehr zugenommen hat. Zusammen mit den sinkenden spezifischen Verbräuchen der PKW sind so die Emissionen des Verkehrs zwischen 1990 und 2019 um 12% leicht aber kontinuierlich reduziert worden. Seite 17 Auffällig ist insbesondere die CO2- und Endenergieverbrauchsreduktion zwischen den Jahren 2010 und 2015. Der deutliche Sprung der Einsparungen zwischen den Jahren 2010 und 2015 ist eine Folge der Datenerhebung im Jahr 2013, die turnusmäßig alle sieben Jahre erfolgt und bereits 2005 zu einer Verbesserung geführt hat. Gemäß den statistischen Erhebungen ist der langfristige Trend zu einer nachhaltigen Mobilität in Münster nicht nur durch den charakteristi- schen Modal Split im Umweltverbund zu erkennen, sondern auch an der seit 2005 leicht ge- sunkenen PKW-Dichte. Der Wert lag 2019 bei 467 PKW pro 1.000 Einwohnern in Münster. Der Bundeswert lag 2019 mit 569 PKW pro 1.000 Einwohner deutlich höher. Bis 2013 ist ein konsistenter Rückgang des PKW -Anteils, bei konsistenter Zunahme der Anteile von Fahrrad und ÖPNV zu verzeichnen. Seitdem ist eine Stabilisierung auf hohem Niveau eingetreten – trotz stark wachsender Einwohnerzahlen. Abbildung 11: Modal-Split von 1982 bis 2019 (Quelle: Amt für Mobilität und Tiefbau) Seite 18 Tabelle 2: Endenergieverbrauch und CO2-Emissionen für Verkehr (* geänderte Systematik ab 2005); neues Verkehrsmodell in 2020 sowie Trendrückrechnung für die Jahre von 1990 bis 2005 (vgl. Metho- dikhinweise eingangs des Berichts) Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass trotz stetig gestiegener Einwohnerzahlen (+22%) und einem damit verbundenen Zuwachs bei der Anzahl der PKW (+27%) die Emissi- onen dennoch abgenommen haben. Langfristig entfalten die kommunalen Konzepte wie z.B. das Zentrenkonzept, das Radverkehrskonzept 2025, das Einzelhandelskonzept, die Innenent- wicklung vor Außenentwicklung, die Förderung der Verkehrsmittel des Umweltverbundes und eine intensive Öffentlichkeitsarbeit ihre positive Wirkung. Endenergie (in GWh) MIV ÖPNV GV Straße ÖPFV (Schiene/Bus) GV (Schiene/Schiff ) Gesamt in % ggü. 1990 1990 n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. 2.080 0% 1995 n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. 2.039 -2% 2000 n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. 1.998 -4% 2005 1.276 60 575 8 38 1.957 -6% 2010 1.268 61 598 8 35 1.969 -5% 2015 1.135 63 624 7 30 1.859 -11% 2016 1.139 65 630 8 30 1.871 -10% 2017 1.217 63 538 7 30 1.856 -11% 2018 1.211 66 537 8 28 1.850 -11% 2019 1.203 65 534 7 30 1.839 -12% CO2-Emissionen (in Tonnen) 1990 n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. 660.749 0% 1995 n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. 649.867 -2% 2000 n.n. n.n. n.n. n.n. n.n. 638.984 -3% 2005 403.600 24.697 179.095 5.732 14.977 628.102 -5% 2010 393.599 23.341 187.418 4.783 13.543 622.685 -6% 2015 359.101 23.519 197.294 4.131 12.091 596.135 -10% 2016 359.852 23.778 198.730 4.377 12.236 598.973 -9% 2017 385.095 22.823 169.774 4.106 11.869 593.668 -10% 2018 381.286 23.464 168.884 4.127 11.165 588.926 -11% 2019 376.172 23.172 167.644 3.996 11.543 582.527 -12% Seite 19 3. Endenergie und CO2-Emissionen nach Sektoren In den folgenden Abbildungen sind die Aufteilung der CO2-Emissionen nach Verbrauchssektor und nach Energieträgern und anschließend analog dazu der Endenergieverbrauch nach Sek- toren und Energieträgern dargestellt. Abbildung 12: CO2-Emissionen 2019 nach Verbrauchssektoren und Energieträgern in Münster in t/a In allen vier Sektoren ist seit 1990 eine deutliche CO2-Reduktion erzielt worden. Am höchsten sind sie in den Privaten Haushalten ( -35%) ausgefallen, gleichauf mit dem Se ktor Gewerbe und Sonstiges (-35%) und gefolgt von der Industrie (-23%). Im Verkehr konnten die Emissio- nen im gleichen Zeitraum um (-12%) gesenkt werden. Die privaten Haushalte weisen beim Endenergieverbrauch einen Anteil von 29% und bei den CO2-Emissionen einen Anteil von 28% auf. Dominiert wird der Sektor durch den hohen Anteil am Erdgaseinsatz, gefolgt von Heizöl und Strom. Die Fernwärme spielt bislang bei der Wär- meversorgung der privaten Haushalte nur eine untergeordnete Rolle. Hierbei ist zu beachten, dass sich der Fernwärmeverbrauch der größeren Wohnungsbaugesellschaften im gewerbli- chen Sektor wiederfin det. Der Stromeinsatz ist mit 17 % aus Sicht der sektoralen Treibhaus- gasemissionen trotzdem nicht zu vernachlässigen, da hier durch den charak teristisch hohen Emissionsfaktor eine größere Bedeutung für die CO2-Emissionen resultiert (33% der Emissio- nen der privaten Haushalte). Handlungsschwerpunkte sind in diesem Sektor nach wie vor die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden zur Reduzierung des Wärmeeinsatzes für fossile Energieträger sowie der Ausbau des Fernwärmeeinsat zes bei den privaten Haushalten im Fernwärmeeinzugsgebiet und der vermehrte Einsatz erneuerbare Energien zur Wärme - und Stromerzeugung. Zudem spielen in den kommenden Jahren e nergieeffiziente Neubauten eine entscheidende Rolle beim Endenergieverbrauch, da ansonsten der geplante Zubau von rund 2.000 Wohneinheiten jährlich zu einem massiven Anstieg des Endenergieverbrauchs führen wird. Ein weiterer wich- Seite 20 tiger Bereich sind die Stromanwendungen, die über Maßnahmen wie die kommunale Mitmach- kampagne „Unser Klima 2030“ beeinflusst werden können, indem einfache Handlungsemp- fehlungen zu Verhaltensänderungen im A lltag und einem bewussteren Umgang mit Energie führen, unterstützt durch die gezielte Beratung, Information und Sensibilisierung der Bürger in der Energie- und Umweltberatung und auf weiteren Fachveranstaltungen. Abbildung 13: Endenergieverbrauch 2019 nach Verbrauchssektoren und Energieträgern in Münster in GWh Im Sektor Gewerbe und Sonstiges, der mit 30% am Endenergieverbrauch und 29% bei den CO2-Emissionen in etwa in der gleichen Größenordnung wie die privaten Haushalte liegt, weist jedoch eine unterschiedliche Charakteristik des Energieeinsatzes und damit der anteiligen Emissionen auf. Hier dominiert neben dem Stromeinsatz die Fernwärme deutlich vor dem Erd- gaseinsatz die Endenergieverbrauchsstruktur. Aufgrund der guten Emissionsfakto ren für die Fernwärme wird bei der Darstellung der CO 2-Emissionen der Handlungsschwerpunkt im Be- reich Strom für den Gewerbesektor schnell ersichtlich. Der Stromverbrauch macht im Sektor Gewerbe und Sonstiges 39% des Endenergieeinsatzes und sogar 62% der CO2-Emissionen aus. Bedingt ist diese Struktur durch den hohen Anteil an Dienstleistungsunternehme n in Münster, die sowohl einen hohen Raumwärmebedarf haben als auch mit der stetig zunehmen- den IT-Ausstattung einen hohen Stromverbrauch aufweisen. Um diesem Anstieg zu begegnen und im gewerblichen Bereich gezielt Energieverbrauchsre- duzierungen zu erreichen, wurde 2011 „Münsters Allianz für Klimaschutz – ein Netzwerk für Unternehmen“ gegründet. Akteure aus Wirtschaft, Institutionen und Verbänden sitzen dabei an einem Tisch. In speziellen Arbeitskreisen entwickeln sie mit Unterstützung externer Exper- tinnen und Experten neue Ideen und Projekte für den Klimaschutz in ihren Betrieben. Mittler- weile nehmen schon mehr als 100 Unternehmen daran teil. Darüber hinaus werden kleine und mittelständische Unternehmen, die aufgrund einer stärkeren Fixierung auf das Alltagsgeschäft, sich häufig nicht so umfassend mit den Themen Energieeffizienz und Klimaschutz beschäfti- Seite 21 gen können, im Rahmen der „Startberatung Energieeffizienz“ und der darin enthaltenen kos- tenlosen Energieberatung animiert und dabei unterstützt , Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz im Unternehmen umzusetzen. Der Stromverbrauch im Bereich Gewerbe und Sonstiges konnte in den vergangenen Jahren aufgrund der Bemühungen im Bereich Energie und Klimaschutz und steigender Energieeffizi- enz konstant reduziert werden. Auch die Wärmeverbräuche verzeichnen eine leichtere aber konstante Reduktion. Der Sektor Industrie nimmt mit jeweils 11% am Endenergieeinsatz und der CO2-Emissionen eine untergeordnete Rolle in Münster ein, was auch die Struktur der Stadt Münster als Dienst- leistungszentrum widerspiegelt . Der Erdgaseinsatz liegt mit 7 0% am Endenergieverbrauch deutlich vor dem Stromeinsatz mit 29 %, wobei Heizöl und Fernwärme zu vernachlässigen sind. Bei den CO2-Emissionen gleicht sich das Verhältnis von Strom zu Erdgas (44% zu 56%) auf Grund des höheren Emissionsfaktors für Strom annähernd aus. Der Verkehrssektor stellt mit 30% am Endenergieverbrauch sowie 31% bei den CO2-Emissi- onen einen bedeutenden Bereich dar, in dem auf Grund des guten Standards in Münster im Umweltverbund (ÖPNV und Radverkehr) weitere Reduzierungen durch eine deutliche Intensi- vierung der Aktivitäten zur Eindämmung des mobilen Individualverkehres bei gleichzeitiger Elektrifizierung des verbleibenden Anteils erreicht werden können. 4. Erneuerbare Energien Der Einsatz erneuerbarer Energien spielt in Münster bislang sowohl für den Wärme- als auch für den Strombereich noch eine zu geringe, wenn auch wachsende Rolle und muss zur Errei- chung der Klimaschutzziele intensiviert werden. Die Entwicklun gen der letzten Jahre weisen auf einen positiven Trend insbesondere im Bereich erneuerbarer Strom hin. Der Bereich er- neuerbare Wärme ist jedoch im Hinblick auf das Ziel der Klimaneutralität bis zum Jahr 2030 in den kommenden Jahren schwerpunktmäßig zu betr achten, da dieser aufgrund komplexerer Anforderungen, deutlich langsamer wächst. Der Anteil der Erneuerbaren Energien am gesamten Endenergieverbrauch beträgt im Jahr 2019 in Münster knapp 7 % und ist damit vom angestrebten Ziel „20% erneuerbare Energien bis 2020“ noch weit entfernt. Seite 22 Abbildung 14: Entwicklung des Anteils der Erneuerbaren Energien in Münster am Endenergiever- brauch von 1990 bis 2019 Erneuerbare Wärmeerzeugung Durch intensive Förderung der erneuerbaren Energien sowie einer verstärkten Öffentlichkeits- arbeit sowohl im kommunalen Bereich als auch bundesweit konnte der Anteil der erneuerbaren Wärme seit 1990 auf 107 GWh/a im Jahr 2019 gesteigert werden und deckt damit nun 3,5% des Wärmebedarfs in Münster ab. Seite 23 Abbildung 15: Anteil der erneuerbaren Wärmequellen 2019 in Münster (3,5% am Wärmeverbrauch) Den mit Abstand größten Anteil an erneuerbarer Wärme liefern die Biogasanlagen, die meist kombiniert Strom und Wärme bereitstellen. Der Ausbau der Biogasanlagen ist seit 2014 jedoch durch die Absenkung der Förderung zum Erliegen gekommen. Der Ausbau der Solarthermie begann bereits in den Jahren ab 1995, hat aber nach einem Schub zwischen den Jahren 2005 und 2013 in den letzten Jahren deutlich an Dynamik eingebüßt. Grund sind auch hier die ver- schlechterten Fördermodalitäten des Bundes. Die Solarkollektorfläche hat sich nichtdestotrotz von 8.300 qm in 2005 auf knapp 24.000 qm in 2019 erhöht. Seit etwa 10 Jahren findet zudem ein vermehrter Zubau von Wärmepumpen statt, sodass die Umweltwärme mittlerweile 18% der erneuerbaren Wärme ausmacht. Der Großteil dieser Wärmepumpen nutzt die Erdwärme, jedoch ist von einem weiteren Anteil von Luft-Wasser-Wärmepumpen auszugehen, die jedoch statistisch nicht erfasst sind. Tabelle 2: Entwicklung der erneuerbaren Wärmeerzeugung seit 1990 in MWh/a Jahr Solar-ther- mie Wärme-pum- pen Pellets Stückholz Biogas-anla- gen Klär- / De- poniegas Bio-me- than 1990 25 43 0 0 0 0 0 1995 349 195 0 0 0 0 0 2000 1.852 348 13 0 0 15.000 0 2005 4.111 500 488 495 1.238 15.000 0 2010 8.827 8.278 2.713 2.370 14.649 15.000 0 2015 10.670 14.890 3.813 3.810 37.829 2.330 21.963 2016 10.945 15.617 3.950 4.034 37.829 1.890 31.864 2017 11.079 16.492 4.075 4.079 37.829 1.798 19.457 2018 11.218 17.532 4.213 4.168 37.829 8.044 26.793 2019 11.397 18.732 4.275 4.642 37.829 7.740 22.673 Seite 24 Erneuerbare Stromerzeugung Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch liegt 2019 bei 14,7% und ist damit im Vergleich zum Vorjahr vor allem durch den Ausbau der Photovoltaik gestiegen. Insgesamt wurden 2019 über 180 GWh an fossilen Energieträgern und mehr als 105.000 t CO2 pro Jahr im Stromsektor durch den Einsatz erneuerbarer Energien vermieden. Die Solarstromnutzung hat in den Jahren von 2007 bis 2013 durch die starke Preisdegression bei den Anlagenkosten, verbunden mit den gesetzlich geregelten Einspeisevergütungen einen Schub erfahren. Nach einem deutlichen Rückgang des Photovoltaikzubaus zwischen den Jah- ren 2013 und 2016 ist seit dem Jahr 2017 erneut ein ansteigender Zubau zu verzeichnen, der durch den anhaltenden Preisverfall der Photovoltaikkomponenten und städtischer Aktivitäten wie bspw. das Förderprogramm für Photovolt aikanlagen und Batteriespeicher zu begründen ist. Bis Ende 2020 wurden über das Förderprogramm mehr als 400 Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von insgesamt rund 2.800 kWp gefördert. Momentan befinden sich 28 WKA mit einer Gesamtleistung von 47,9 MW auf dem Stadtgebiet. Diese Anlagen erzeugen regenerativen Strom in einer Größenordnung von gut 60.000 MWh. Damit steuern sie den größten Anteil zur regenerativen Gesamtstromerzeugung bei und sind damit ein zentraler und wichtiger Energieträger für den kommunalen Klimaschutz. Leider wird ein weiterer Zubau durch gesetzliche Regelungen auf Bundes- und Landesebene, wie bspw. den Abstandsregelungen, nahezu unmöglich gemacht. Auch die landwirtschaftliche Biomassenutzung in Blockheizkraftwerken (BHKW) hat aufgrund der guten Förderbedingungen des Bundes seit 2005 erheblich zugenommen und nimmt mit fast 45.000 MWh/a einen höheren Anteil als die Photovoltaik ein. Seit dem Jahr 2014 stagniert der Ausbau jedoch. Durch den Rückbau der Bioabfallvergärungsanlage für Bioab fälle (BVA) am Entsorgungszentrum Münster (EZM), die durch eine biologische Behandlungsstufe ersetzt wurde, ist der Anteil der Strom - und auch der Wärmeerzeugung aus Klär -/ und Deponiegas bei einem insgesamt geringen Anteil seit 2015 deutlich zurückgegangen. Seite 25 Abbildung 16: Entwicklung der Erneuerbaren Stromerzeugung nach Technologie in Münster in GWh. In Prozent Anteil der Erneuerbaren Energien am Gesamtstromverbrauch (blaue Linie). Seite 26 Zusammenfassung und Ausblick auf Klimaschutz 2030 Zwischen den Jahren 1990 und 2019 konnten die CO2-Emissionen in Münster trotz des star- ken Wachstums der Stadt rechnerisch um 28% reduziert werden. Die CO2-Emissionen je Ein- wohner sind im gleichen Zeitraum mit knapp 41% deutlich stärker gesunken. Das angestrebte Zwischenziel von 40% CO2-Reduzierung bis 2020 ist somit–bezogen auf die einwohnerbezo- genen Emissionen –erreicht worden. Die Erreichung des angestrebten Klimaschutzzieles bereits bis 2030 klimaneutral zu werden stellt die Stadt vor eine immense Herausforderung und erfordert eine deutliche Steigerung der bisherigen Aktivitäten aller Akteure. Der Masterplan 100% Klimaschutz, und auch das Hand- lungsprogramm Klimaschutz 2030, bilden die inhaltliche Grundlage für die städtischen Aktivi- täten gleichwohl der Masterplan bis zum Sommer 2021 auf die neue Zielsetzung hingehend weiterentwickelt wird. Insbesondere das dynamische Wachstum der Stadt und ihrer Bevölke- rung machen eine zusätzliche Kraftanstrengung der Stadtgesellschaft notwendig. Handlungsschwerpunkte der zukünftigen Klimaschutzarbeit im Bereich der Privaten Haushalte bleiben die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden zu r Reduzierung des Wärmebe- darfs aus fossilen Energieträgern. Dabei bildet der Ausbau des Fernwärmeanteils bei den pri- vaten Haushalten und der vermehrte Einsatz dezentraler Anlagen von erneuerbare Energien zur Wärme- und Stromerzeugung einen zentralen Ansatz. Zudem spielen in den kommenden Jahren energieeffiziente Neubauten eine entscheidende Rolle, da ansonsten der geplante Zu- bau von rund 2.000 Wohneinheiten jährlich zu einem massiven Anstieg des Endenergiever- brauchs führen wird. Ein weiterer wichtiger Bereich sind die Stromanwendungen und beson- ders das allgemeine Konsumverhalten. Über Maßnahmen wie die städtische Mitmachkam- pagne „Unser Klima 2030“ und Projekte wie das „Reallabor für klimaschonende Entscheidun- gen“ können klimaschonende Verhaltensweisen initiiert und begleitet werden. Unterstützt durch die gezielte Beratung der Bürger schaft in der Energie - und Umweltberatung und auf Fachveranstaltungen können einfache Handlungsempfehlungen zu Verhaltensänderungen im Alltag führen. Um dem Anstieg des Strom- und Wärmebedarfs im Sektor Gewerbe und gezielte Energiever- brauchsreduzierungen zu erreichen, wurde 2011 „Münsters Allianz für Klimaschutz – das Netz- werk der Unternehmen“ gegründet. Mittlerweile nehmen schon mehr als 100 Unternehmen daran teil. Darüber hinaus werden kleine und mittelständische Unternehmen, die sich bislang noch nicht eingehend mit den Themen Energieverbrauch und Klimaschu tz beschäftigen im Rahmen der „Startberatung Energieeffizienz“ animiert und dabei unterstützt, Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz im Unternehmen umzusetzen. Die Zielerreichung der Klimaneutralität 2030 wird durch die Fortsetzung und Verstärkung der bereits laufenden Maßnahmen alleine nicht gelingen. Daher werden im Rahmen der Anpas- sung des Masterplan 100% Klimaschutz im Sommer 2021 weitere konkrete Maßnahmen und Aktivitäten aufgezeigt, mit denen in Münster der Weg zur Klimaneutralität bestritten werden kann.
Anlage A
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Anlage A zur V/0349/2021 Kurzüberblick Bericht zur städtischen CO2- und Energiebilanz 1990 – 2019. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Bezugsrahmen ist die städtische Zielsetzung zur Klimaneutralität 2030. Finanzierung Produktgruppe: 1401 Übergreifender Umweltschutz, Klima, Immission, Bo- den, Abfall Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja Nein x Auswirkungen auf den Finanzplan Ja Nein x Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja Nein x Keine Aufwendungen und keine finanziellen Auswirkungen. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig x vollständig freiwillig Ggrundlage: Ratsbeschluss zur Klimaneutralität V/0770/2019 Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Der kommunale Klimaschutz ist ein grundsätzliches Querschnittsthema.
Berichtsvorlage
3150 Zeichen
V/0349/2021 V/0349/2021 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft Energie- und Klimabilanz 1990 - 2019 Beratungsfolge 11.05.2021 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Einbringung 15.06.2021 Ausschuss für Umweltschutz, Klimaschutz und Bauwesen Bericht Bericht: Die Stadt Münster veröffentlicht im Jahresrhythmus eine städtische Energie - und Klimabilanz. Der Großteil der Daten w ird von der Stadtwerke Münster GmbH und der münsterNETZ GmbH bereitge- stellt. Sie spiegeln den tatsächlichen Endenergieverbrauch weitestgehe nd wider. Darüber hinaus flie- ßen verschiedene Daten aus der stadtweiten Statistik sowie bundesweite Kennwerte (insbesondere der bundesweite Stromfaktor) in die Bilanz mit ein. Die Daten liegen in ihrer Gesamtheit erst gegen Ende des Folgejahres des jeweili gen Berichtsjahrs vor, so dass eine Veröffentlichung grundsätzlich mit einem entsprechenden zeitlichen Verzug verbunden ist. In diesem Jahr führte darüber hinaus die Einbindung des neuen städtischen Verkehrsmodells in das städtische Bilanzierungswerkzeug, sowie die grundsätzliche Aktualisierung des Bilanzierungswerkzeugs (vgl. Erläuterungen im Bericht Anlage 1) zu einem erheblichen Mehraufwand in der Bearbeitung und zu einem zeitlichen Verzug. Die Bilanz soll einen Überblick über die Entwicklung des Energi everbrauchs und der Treibhaus- gasemissionen im Stadtgebiet geben und aufgrund der guten Datenbasis auch möglichst münster- spezifische Aussagen zulassen . Unabhängig davon ist d ie Entwicklung des Energieverbrauchs und der Treibhausgasemissionen aber auch von p olitischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ent- wicklungen außerhalb der Stadt überlagert, so dass eine direkte Überprüfung der Wirksamkeit einzel- ner städtischer Klimaschutzmaßnahmen mit dem Instrument der Bilanz nur bedingt möglich ist. Als zentrales Ergebnis der Bilanz ist eine Reduktion von 28% bis 2019 im Vergleich zum Basisjahr 1990 zu verzeichnen. In allen Sektoren ist ein Trend zur Reduzierung der CO2-Emissionen in Münster seit 1990 erkennbar, der sich besonders deutlich bei den privaten Haushalten und im Gewerbe dar- stellt. Hierzu trugen auch die vielfältigen Klimaschutzmaßnahmen und Aktivitäten der Stadt Münster bei. Dennoch: Die Zielerreichung der Klimaneutralität 2030 wird durch die Fortsetzung und Verstärkung der bereits laufend en Maßnahmen alleine nicht gelingen. Daher werden im Rahmen der Anpassung Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit 28.04.2021 Ihr/e Ansprechpartner/in: Herr Schütte Telefon: 492-6851 SchuetteJ@stadt- muenster.de - 2 - V/0349/2021 des Masterplans 100% Klimaschutz im Sommer 2021 weitere konkrete Maßnahmen und Aktivitäten aufgezeigt, mit denen in Münster der Weg zur Klimaneutralität bestritten werden kann. Eine ausführliche und umfassende Analyse der Entwicklungen zu den Energieverbräuchen und CO 2- Emissionen können dem als Anlage beigefügten Bericht zur städtischen Energie - und Klimabilanz entnommen werden. i.V. gez. Matthias Peck Stadtrat Anlage 1: Energie- und Klimabilanz der Stadt Münster 1990 - 2019
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- V/0349/2021
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 28.04.2021
- Erstellt
- 28.04.2021 14:02