2176/2019
Beantwortung von Fragen zum Monitoringbericht allgemeinbildende Schulen und Berufskollegs 2018 (session 3779/2018)
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Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
12984 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin
Dezernat, Dienststelle
IV/IV/2
Vorlagen-Nummer
2176/2019
Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung
öffentlicher Teil
Gremium Datum
Ausschuss Schule und Weiterbildung 24.06.2019
Beantwortung von Fragen zum Monitoringbericht allgemeinbildende Schulen und
Berufskollegs 2018 (session 3779/2018)
Die Verwaltung beantwortet die Fragen aus den Sitzungen des ASW am 18. März 2019 (TOP 5.1
Monitoringbericht – allgemeinbildende Schulen und Berufskollegs, session 3779/2018; siehe alle
Fragen außer Frage 3) und am 06. Mai 2019 (TOP 6 Anfragen; Niederschrift lag noch nicht vor;
siehe Frage 3) wie folgt:
Frage 1:„Herr Dr. Zimmermann, CDU -Fraktion, hat im Monitoringbericht auf Seite 5 gel e-
sen, dass 530 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen des Schuljahres 2017/2018
unversorgt gewesen seien. Er fragt, ob dies bedeute, dass die Schülerinnen und Schüler
ihrer Berufsschulpflicht nicht nachgekommen seien oder ob diejenigen schon über 18
Jahre alt gewesen seien. Herr Dr. Zimme rmann möchte gerne wissen, ob es hierzu Zahlen
gibt.“
Nach der Sekundarstufe I waren zum Stichtag 25.10.2018 noch 7,1% der Schülerinnen und
Schüler der Abgangsklassen 10 (Klasse 9 der Gymnasien) 1 laut Schüler Online ohne A n-
schluss, also insgesamt 532. Davon waren 49 Jugendliche nicht mehr berufsschulpflichtig.
Die abgebenden Schulen überwachen die Berufsschulpflicht. Sie sind bemüht, allen Jugen d-
lichen in Zusammenarbeit mit den Beratungsstellen und der Bezirksregierung Köln einen
Schulplatz zu vermitteln. Dies geschieht auch noch dem Stichtag im Oktober.
Der Steuergruppe für die Kommunale Koordinierung der Landesinitiative „Kein Abschluss
ohne Anschluss“ KAoA in Köln wurden diese Zahlen ebenfalls vorgestellt. Aus diesem Gr e-
mium hat sich ein Arbeitskreis gebildet, bestehend aus der IHK Köln, der HWK Köln, der
Agentur für Arbeit, dem Jugendamt, dem Schulamt für die Stadt Köln und dem Amt für
Schulentwicklung, der sich gezielt mit der Problematik beschäftigt.
Es wurde diskutiert, welche präventiven Maßnahmen z usätzlich im laufenden Schuljahr und
perspektivisch für das kommende Schuljahr erfolgen können, um eine Verbesserung dieser
Quote zu erreichen.
Im Hinblick auf die Zielsetzung, die Duale Ausbildung verstärkt in den Focus dieser J u-
gendlichen zu bringen, we rden die Beratungsangebote durch Abstimmung und Bündelung
verbessert. Jugendliche, die sich grundsätzlich schon für eine Ausbildung entschieden h a-
ben, werde gezielt angesprochen und vor Ort in den Schulen durch Fachkräfte der Agentur
für Arbeit beraten.
Zusätzlich wurde der „ Tag der neuen Perspektive“ am 18.06.2019 organisiert. Schülerinnen
und Schülern, die den Qualifikationsvermerk zum Besuch der gymnasialen Oberstufe nicht
erlangen werden oder aus anderen Gründen noch keine Anschlussperspektive nach Verlas-
sen der Schule haben, soll als Alternative die Duale Ausbildung und die damit verbundenen
1 Abweichungen zur Gesamtzahl der Lernenden in den Abschlussklassen lt. Landesstatistik kommen zustande,
weil in Schüler Online die Angaben von 7 Gymnasien und 8 Förderschulen fehlen.
2
beruflichen Perspektiven näher gebracht werden. Im vergangenen Jahr haben ca. 250 Sch ü-
lerinnen und Schüler dieser gemeinsamen Veranstaltung von der Handwerkskammer, der
Industrie- und Handwerkskammer, der Agentur für Arbeit, der städtischen Bildungsberatung -
koordiniert durch die Kommunale Koordinierungsstelle Übergang Schule – Beruf - in den
Räumen der Handwerkskammer zu Köln besucht.
Frage 2: „Herr Thelen, Frak tion Bündnis 90/Die Grünen, lobt die hohe Übergangsquote von
der Haupt- und Realschule in die gymnasiale Oberstufe. Er möchte wissen, ob es Zahlen
zur Erfolgsquote dieser Schülerinnen und Schüler gibt.“
Die Frage lässt sich auf der Grundlage der landessta tistischen Daten nicht belastbar beant-
worten, weil die Landesstatistik keine Individualdaten vorhält. Es ist nicht feststellbar, wie
viele der „erfolgreichen“ Abgänge zuvor an einer Kölner Haupt - oder Realschule gelernt ha-
ben.
Von vielen Bildungsforschern/ innen wird gefordert, Längsschnittbetrachtungen von Individ u-
aldaten vorzunehmen, damit prozessuale Wirkungszusammenhänge zwischen wichtigen
Ereignissen der Schullaufbahn rekonstruiert und verstanden werden können (z.B. Schular t-
wechsel, Klassenwiederholungen, präventiv/kompensatorische Interventionen auf der einen
Seite und Schulabschlüssen auf der anderen Seite).
In erster Linie aufgrund von politischen und datenschutzrechtlichen Bedenken haben sich die
Forderungen in NRW (noch) nicht durchgesetzt. Dagegen zeigen die Erfahrungen in Hessen,
Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Hamburg, dass sich die Erhebung und Nutzung von
Schülerindividualdaten datenschutzkonform implementieren lässt und wertvolle Erkenntni s-
gewinne für Bildungsforschung und –politik liefern.2
Hinweise auf die Erfolge der Lernenden gibt die Entwicklung des Schüler/innenanteils, die
die Sekundarstufe II mit dem Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife (AHR) abschließen.
Die Allgemeine Hochschulreife kann in erster Linie in den gymnasialen Oberstufen der Ge-
samtschulen, Gymnasien und Beruflichen Gymnasien3 erworben werden. Die Anteile der A b-
gänge mit AHR an allen Abgängen schwanken an allen drei Schulformen nur leicht und ze i-
gen seit dem Abgangsjahr 2010 keine steigende oder sinkende Trendentwicklung. Hieraus
kann darauf geschlossen werden, dass die beabsichtigten Bildungsziele seit 2010 – unab-
hängig von möglicherweise veränderten Schülerschaftsstrukturen - in einem gleichbleibe n-
den Ausmaß auch erreicht werden.
Frage 3: Herr Thelen, Fraktion Bündnis 9 0/Die Grünen, möchte wissen, ob die 5 % der
Jugendlichen, die die Schule ohne Abschluss verlassen, auf einem anderen Bi l-
dungsweg noch einen Abschluss erreichen.
In Ermangelung von bildungsstatistischen Individualdaten kann auch diese Frage nicht be-
antworten werden (siehe unter Frage 2).
Grundsätzlich haben junge Menschen die Möglichkeit einen Hauptschulabschluss an einem
Berufskolleg (sofern die Berufsschulpflicht noch nicht erfüllt ist) bzw. an einem Weiterbil-
dungskolleg (sofern die Berufsschulpflicht erfüllt ist) nachzuholen.
Im Abgangsjahr 2018 haben insgesamt rd. 700 junge Menschen einen Bildungsgang an ei-
nem Berufskolleg abgeschlossen, der auf den nachträglich Erwerb des Hauptschulabschlus-
ses abzielt; davon 75% im Rahmen einer berufsvorbereitenden Vorklasse und 25% an einer
2 Böttcher Wolfgang; Kühne, Stefan (20 17): Schulstatistische Individualdaten zur Rekonstruktion von Bildung s-
verläufen Perspektiven für die Weiterentwicklung des Sozial - und Bildungsmonitorings in Nordrhein -Westfalen;
Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung (FWG), Düsseldorf, (Seite i), https://www.fgw-
nrw.de/fileadmin/user_upload/FGW-Studie-VSP-03-Boettcher -A1-komplett -Web.pdf (abgerufen am 13.05.2019)
3 An der Fachoberschule wird überwiegend die Fachhochschulreife angestrebt und erreicht und in einem deu t-
lich geringeren Ausmaß auch die AHR (10,4% im Abgangsjahr 2018). Auch hier unterliegt der Anteil der A b-
gänge mit AHR nur leichten Schwankungen seit dem Abgangsjahr 20 10.
3
Berufsfachschule, an der zusätzlich zum schulischen Abschluss berufliche Kenntnisse er-
worben wurden. Zudem haben 140 junge Menschen einen Bildungsgang an einem Weiterbil-
dungskolleg abgeschlossen mit dem Ziel, den Hautschulabschluss nachzuholen; davon 71%
an der Tages- und Abendschule (TAS) und 29% an der Abendrealschule.
Frage 4: Frau Riedel, CDU -Fraktion, lobt die Reduzierung der Quote der Schülerinnen und
Schüler, die die Schule ohne Abschluss verlassen. Sie regt an, die Gründe für die positive
Entwicklung zu evaluieren, um daraus mögliche weitere Maßnahmen ableiten zu können.
Darüber hinaus würde sie gerne erfahren, ob es neben der Übergangsquote von Haupt -
und Realschulen in die gymnasiale Oberstufe auch Zahlen zur Übergangsquo te innerhalb
der Gesamtschule gibt. Ein Vergleich dieser Zahlen könnte die Annahme, dass das Abitur
auf der Gesamtschule leichter erreicht werden kann bestätigen bzw. entkräften.
4.1 Abgänge ohne Abschluss: Evaluierung und Ableitung geeigneter Maßnahmen
Die Verwaltung hat dem ASW als Anlage zum Monitoringbericht 2018 eine Liste von Angebo-
ten und Maßnahmen vorgelegt, mit denen die Stadt und private Träger die (Re -) Integration
gefährdeter Kinder und Jugendliche in einen erfolgreichen, abschlussorientierten Bildungs-
verlauf unterstützen (session 3779/2018; Anlage). Die Verwaltung beabsichtigt, die beteili g-
ten Akteure in Köln künftig verstärkt an der Entwicklung einer abgestimmten kommunalen
Strategie arbeiten zu lassen, um die Effekte der einzelnen Maßnahmen gemeinsam zu nut-
zen und nachhaltig zu übertragen. Aktuell arbeitet die Arbeitsgruppe „Absentismus an Kölner
Schulen“ der Koordinierungsgruppe Netzwerk Erziehung in Schule (NEIS) am Thema. De r-
zeit wird der Absentismus an Kölner Schulen in seiner aktuellen A usprägung mittels einer
Befragung der Schulen erfasst und werden auf dieser Grundlage bedarfsgerechte Maßna h-
men entwickelt, abgestimmt und umsetzt. Das Regionale Bildungsbüro ist Teil der Arbeit s-
gruppe und federführend für die Befragung der Schulen.
4.2 Übergangsquoten in die gymnasiale Oberstufe: innerhalb der Gesamtschule
Die Übergangsquoten in die Sekundarstufe II einer allgemeinbildenden Schule unterscheiden
sich nach Herkunftsschulform; sie ist erwartungsgemäß am höchsten an den Gymnasien
(97,3% im S J 2016/17) und am geringsten an den Hauptschulen (4,6% im SJ 2016/2017).
Die Einzelwerte und ein zeitlicher Vergleich sind in der Tab. 14, Seite 21 im Monitoringbericht
2018 (session 3779/2018) dargestellt.
Für die Gesamtschulen beträgt die Übergangsquote rd. 43%. Damit liegt der Kölner Wert
über dem NRW -Durchschnitt (40,6%). Die Spannweite im Vergleich der 10 großen NRW -
Städte reicht von 31,5% in Düsseldorf bis 58,4% in Münster.
Ob das Abitur leichter an Gesamtschulen als an Gymnasien zu schaffen ist, läs st sich mit
Hilfe der landesstatischen Daten nicht klären. Sichtbar ist lediglich, dass der Anteil der A b-
gänge mit Allgemeiner Hochschulreife an allen Abgängen aus der Sek. II an Gymnasien h ö-
her ist (2017: 87,7%) als der entsprechende Anteil an Gesamtschul en (2017: 79,6%). En t-
sprechend höher ist der Anteil der Abgänge mit Fachhochschulreife an Gesamtschulen als
an Gymnasien. In wie weit die Abschlussstrukturen mit den schulischen und beruflichen Zi e-
len der Schüler/innen korrespondieren und/oder durch unters chiedliche Anforderungen b e-
einflusst sind, bleibt offen.
Hinweis/Anregung: Herr Glowacki, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, kritisiert die Schlus s-
folgerung auf Seite 33, dass die Erfolgsquote der berufsbildenden Bildungsgänge einen
Rückschluss auf deren E ffizienz zulasse. Er merkt an, dass nicht nur die Qualität der Au s-
bildung, sondern insbesondere die persönlichen Rahmenbedingungen der Schülerinnen
und Schüler zum Erfolg oder Misserfolg einer Ausbildung beitragen. Herr Glowacki hätte
sich eine differenzie rtere Darstellung gewünscht.
Die Verwendung der „Erfolgsquote“ (Quotient aus Anzahl der Abgänge mit erfolgreichem A b-
4
schluss und der Gesamtzahl der Abgänge) als Kennzahl für die Effizienz der angebotenen
Bildungsgänge im Rahmen des Kölner Bildungsmonitoring s erfolgt unter Bezugnahme auf
den Anwendungsleitfaden zum Aufbau eines kommunalen Bildungsmonitorings 4. Sie erlaubt
Aussagen darüber, wie groß der Anteil der jungen Menschen ist, der das ursprünglich bea b-
sichtigte Bildungsziel auch tatsächlich erreicht (E ffizienz des Bildungsgangs) und kann für
intrakommunale Vergleiche (z.B.: Vergleich der Erfolgsquoten zwischen den beruflichen Bi l-
dungsgängen, Veränderung der Erfolgsquoten eines beruflichen Bildungsgangs im Zeita b-
lauf) und für interkommunale Vergleich herangezogen werden.
Die Kennzahl gibt keinerlei Aufschluss über Ursachen/Einflussfaktoren, die zu unterschiedl i-
chen Ausprägungen führen. In Bezug auf letzteres allerdings teilt die Verwaltung die Auffa s-
sung von Herrn Glowacki, dass neben der Qualität der Au sbildung auch die persönlichen
Rahmenbedingungen (Erwartungen, Ressourcen u.v.a.m) der jungen Menschen maßgeblich
über Erfolg und Misserfolg einer Ausbildung entscheiden.
Aufgabe des Bildungsmonitorings ist es zunächst den Blick auf steuerungsrelevante Sa ch-
verhalte zu lenken. Die zumeist hochkomplexen und multikausalen Ursachen müssen an a n-
derer Stelle und unter Beteiligung der relevanten Akteure (siehe z.B. die Aktivitäten der A r-
beitsgruppe „Absentismus an Kölner Schulen“) gesucht, verstanden und zielorie ntiert beein-
flusst werden.
4 https://www.bildungsmonitoring.de/bildung/misc/ANWENDUNGSLEITFADEN_2017.pdf
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen mit erneuter Wiedervorlage
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2176/2019
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (Ausschuss)
- Datum
- 21.06.2019
- Erstellt
- 17.06.2019 11:24