2258/2020
Stärkung der Bildungsarbeit im NS-Dokumentationszentrum
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Beschlussvorlage Rat
12314 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin
Dezernat, Dienststelle
VII/4520
Vorlagen-Nummer
2258/2020
Freigabedatum
31.08.2020
Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung
Betreff
Stärkung der Bildungsarbeit im NS-Dokumentationszentrum
hier: Gebührenfreiheit für Kölner Schülerinnen und Schüler
Beschlussorgan
Rat
Gremium Datum
Beschlussvorschlag einschl. Deckungsvorschlag, Alternative:
1. Der Rat beschließt, für Kölner Schulklassen dauerhaft auf die Erhebung von Entgelten für Füh-
rungen, Kurse und andere pädagogischen Angebote wie Workshops im NS-Dokumentations-
zentrum zu verzichten.
Es soll damit ein Anreiz für Kölner Schülerinnen und Schüler geschaffen werden, vermehrt das
EL-DE-Haus zu besuchen.
2. Der Rat nimmt die Höhe der entgangenen Führungs-/Kursentgelte und Entgelte für pädagogische
Angebote wie Workshops in Höhe von rd. 50.000 € p.a. zur Kenntnis.
3. Der Rat beschließt zum Ausgleich der entgangenen Führungs-/Kursentgelte und Entgelt für pä-
dagogische Angebote sowie Mehraufwendungen für Honorare für die Teamer*innen die Um-
schichtung der Mittel aus der Kulturförderabgabe („Freier Eintritt in Sonderausstellungen für Schü-
lerinnen und Schüler“) in Höhe von 10.000 € im Haushaltsjahr 2020 und 30.000 € im Haushalts-
jahr 2021 aus dem Teilergebnisplan 0401 – Museumsreferat, Teilplanzeile 16 – Sonstige ordentli-
che Aufwendungen in die Teilergebnispläne 0410 – NS-Dokumentationszentrum und 0411 – Mu-
seumsdienst.
Diese werden nach Beschlussfassung als überplanmäßiger Aufwand gem. § 83 GO NRW in die
Teilergebnispläne 0410 – NS-Dokumentationszentrum, Teilplanzeile 13 – Aufwendungen für
Sach- und Dienstleistungen und 0411 – Museumsdienst, Teilplanzeile 13 – Aufwendungen für
Sach- und Dienstleistungen in Höhe von jeweils 5.000 € im Haushaltsjahr 2020 und 15.000 € im
Haushaltsjahr 2021 umgeschichtet.
Für das Haushaltsjahr 2022 und Folgejahre wird das Dezernat Kunst und Kultur die erforderlichen
Mittel in Höhe von rd. 50.000 € p.a. im Rahmen des Haushaltsaufstellungsprozesses 2022 ff. in-
nerhalb des dann zugewiesenen Budgets vorsehen.
Ausschuss Kunst und Kultur 31.08.2020
Finanzausschuss 07.09.2020
Rat 10.09.2020
2
Haushaltsmäßige Auswirkungen
Nein
Ja, investiv Investitionsauszahlungen €
Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja %
Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme 5.000 €
Minderertrag 5.000 €
Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja %
Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr:
a) Personalaufwendungen €
b) Sachaufwendungen etc.
c) Sachaufwendungen 2021 15.000 €
d) Sachaufwendungen 2022 ff. 25.000 €
e) bilanzielle Abschreibungen €
Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr:
a) Erträge Minderertrag 2021:
15.000 €
b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten Mindererträge 2022
ff.: 25.000 €
c) Erträge aus der Auflösung Sonderposten €
Einsparungen: ab Haushaltsjahr:
a) Personalaufwendungen €
b) Sachaufwendungen etc. €
Beginn, Dauer
Auswirkungen auf den Klimaschutz
Nein
Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung)
Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung)
Begründung
1. Beschlusslage
Der Ausschuss Kunst und Kultur hat in seiner Sitzung am 10.03.2020 einstimmig folgenden Be-
schluss gefasst:
„Der Rat stellt fest, das NS Dokumentationszentrum leistet eine unverzichtbare pädagogische Arbeit
in der historischen Aufarbeitung des Nationalsozialismus und dessen Gräueltaten in der ehemaligen
Zentrale der Kölner Gestapo am Appellhofplatz. Angesichts der öffentlich geführten Diskussion, Köl-
ner Schulen zum Besuch des EL-DE-Hauses aufzufordern, hat das NS-Dokumentationszentrum an-
3
lässlich seines 40 jährigen Bestehens auf die Notwendigkeit einer nachhaltigen pädagogischen Arbeit
mit jungen Menschen hingewiesen, die wegen der aktuell wahrnehmbaren Demokratiefeindlichkeit
besonders dringlich ist.
Der Rat unterstützt diese Bemühungen nachhaltig und sieht darin einen ganz zentralen Beitrag zur
Bekämpfung von Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit. Er unterstreicht die
herausragende bildungspolitische Bedeutung besonders für junge Menschen.
Er hält die Erhebung von Gebühren für die Führungen, die die Schulklassen aufbringen müssen, für
kontraproduktiv. Gerade angesichts der Bedeutung demokratischen Bewusstseins sollte es im Inte-
resse von Politik und Verwaltung liegen, allen Kölner Schülerinnen und Schülern den Zugang zu die-
sen Führungen zu ermöglichen. Für viele Schulklassen bedeutet die Erhebung von Gebühren für die-
se Führungen eine Barriere, daher sollte auf Gebühren verzichtet werden.
Der Rat bittet die Verwaltung darzustellen, auf welche Weise, z.B. durch Umschichtungen im Haus-
halt, auf die Erhebung der Gebühren für die Führungen und anderen pädagogischen Angebote wie
Workshops für Kölner Schulklassen im EL-DE-Haus verzichtet und dem NS-Dokumentationszentrum
die dafür notwendigen 50.000 € zur Verfügung gestellt werden können.“
2. Einordnung
Eine Hauptgruppe der Besucherinnen und Besucher stellen (neben Touristinnen und Touristen)
Schülerinnen und Schüler dar. Dabei ist auffällig, dass Schulklassen aus Köln stark unterrepräsentiert
die Angebote des NS-Dokumentationszentrums nutzen. Nur rund ein Drittel der Schulklassen, die das
EL-DE-Haus besuchen, kommen aus Köln. Von den 1.356 Führungen für Schulklassen im Jahr 2019
wurden weniger als ein Drittel für Kölner Schulklassen (395) gebucht.
Da wegen der engen räumlichen Verhältnisse in der Gedenkstätte aus pädagogischen Gründen eine
Schulklasse ab 25 Schülerinnen und Schülern in zwei Gruppen geteilt wird und somit zwei Führungen
erhalten, sind es sogar nur etwas mehr als 200 Schulklassen aus Köln, die im Jahr das NS-
Dokumentationszentrum besuchen. Die über den Museumsdienst angebotenen Workshops wurden
2019 zu etwas mehr als einem Drittel von Kölner Schulkassen genutzt (75 von 273).
Insbesondere erscheint seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie eine derartige Förderung mehr als
geboten. Durch die Gebührenfreiheit für Kölner Schulklassen kann ein Zeichen gesetzt werden, um
dem dramatische Rückgang der Besuchszahlen entgegenzuwirken und Kölner Schulklassen anzure-
gen, wieder verstärkt Führungen und weitere pädagogische Angebote des NS-Dokumentations-
zentrums zu nutzen. Eine Förderung der Kölner Schulklassen zum Besuch des EL-DE-Hauses ist
sehr wünschenswert. Ähnlich verfährt bereits seit dem letzten Jahr der Rhein-Erft-Kreis, der jeden
Besuch einer Schulklasse aus seiner Region im EL-DE-Haus mit bis zu 200 € fördert.
Aus diesen Gründen beabsichtigt die Verwaltung, die Führungen, Kurse und pädagogischen An-
gebote dauerhaft von Gebühren für Kölner Schülerinnen und Schüler freizustellen.
3. Kosten und Finanzierung
Für eine Errechnung des Finanzierungsbedarfs wurden die Zahlen für Führungen und Kurse des Mu-
seumsdienstes sowie für die pädagogischen Angebote des NS-Dokumentationszentrums des Jahres
2019 zu Grunde gelegt.
3.1. Kosten auf der Basis des Jahres 2019
Auf der Basis der Zahlen 2019 wurden für den Museumsdienst (insgesamt 395 Führungen und 75
Buchungen des Geschichtslabors) und des NS-Dokumentationszentrums (69 Workshops) ein Finan-
4
zierungsbedarf in Höhe von insgesamt rd. 50.000 € ermittelt.
Beim Museumsdienst entstehen Mindererträge infolge weniger Einnahmen, die sich auf der Basis des
Jahres 2019 wie folgt darstellen:
Museumsdienst Anzahl Kosten Gesamt
Führungen 395 45 € 17.775 €
Geschichtslabor 75 120 € 9.000 €
Summe 26.775 €
Für die Durchführung der Bildungsangebote im Bereich Rechtsextremismus und Demokratieförde-
rung, die das NS-Dokumentationszentrum unmittelbar durchführt, entstehen Mehraufwendungen für
die Zahlung von Honoraren für die Teamer*innen.
NS-Dokumentationszentrum Anzahl Kosten Gesamt
Workshop "Rechtsextremismus" 59 315 € 18.585 €
Workshop "Zwei Orte, ein Thema" 10 175 € 1.750 €
Summe 20.335 €
Daraus ergibt sich als Finanzierungsbedarf folgende Gesamtsumme aus Mindereinnahmen und
Mehraufwendungen:
Gesamtsumme 47.110 €
rd. 50.000 €
3.2. Kostenschätzung für die Jahre 2020 bis 2022ff.
Infolge der Corona-Pandemie ist für das Jahr 2020 eine deutlich geringere Anzahl von Führungen
und anderen Bildungsangeboten zu erwarten. Für das IV. Quartal 2020 wird daher von einer An-
schubfinanzierung von 10.000 Euro ausgegangen (jeweils zur Hälfte als Ausgleich für Mindereinnah-
men für Führungen durch den Museumsdienst und für Mehraufwendungen für die unmittelbar vom
NS-Dokumentationszentrum durchgeführten Bildungsangebote).
Ab 2021 kann durch mehrere Faktoren von einem Anstieg der Führungen bzw. der Nutzung der an-
deren pädagogischen Angebote ausgegangen werden, die nicht allein durch zurückgehende Folgen
der Pandemie zu erklären sind. Es ist auch der Effekt der Förderung durch die Gebührenfreiheit für
Kölner Schulklassen zu erwarten, der die Anzahl der Führungen und der anderen Angebote wie
Workshops erhöht. Bei den unmittelbar vom NS-Dokumentationszentrum durchgeführten pädagogi-
schen Angeboten ist die Erhöhung des Honorarsatzes (analog zur Gebühren- und Entgeltordnung
des Museumsdienstes) von 35 auf 48 Euro für die pädagogischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ab
2021 als Finanzierungsbedarf einzukalkulieren. Zudem wird voraussichtlich ab Mitte 2021 das neue
„Haus für Erinnern und Demokratie“ fertiggestellt sein und damit werden zahlreiche neue interessante
Angebote, die auf mehrere Stunden angelegt sind, zur Verfügung stehen. Wenn Kölner Schulklassen
diese Angebote lediglich 50 Mal im Jahr 2021 nutzen würden, sind Mehraufwendungen von 7.500
Euro (à 150 Euro) notwendig. Deswegen wird für das Jahr 2021 von einem Finanzierungsbedarf von
30.000 Euro ausgegangen (jeweils zur Hälfte für Museumsdienst und für das NS-
Dokumentationszentrum).
Für die Jahre 2022ff. wird im Zuge der Haushaltsaufstellung von einer erforderlichen Summe von
5
50.000 Euro ausgegangen. Die Verwaltung wird die Umsetzung der Gebührenfreiheit für Kölner
Schulklassen im NS-Dokumentationszentrum durchgängig evaluieren und die Ergebnisse in die wei-
tere Planung einfließen lassen.
3.3. Finanzierung
Im derzeitigen Haushalt sind für eine Freistellung der Führungen, Kurse und pädagogischen Angebo-
te im NS-Dokumentationszentrum derzeit keine Mittel veranschlagt. Die Verwaltung empfiehlt daher,
für die Haushaltsjahre 2020 und 2021 Mittel aus der Kulturförderabgabe („Freier Eintritt für in Sonder-
ausstellungen für Schülerinnen und Schüler“) bereitzustellen. Die Mittel für die Maßnahme stehen in
Höhe von 10.000 € im Haushaltsjahr 2020 und in Höhe von 30.000 € im Haushaltsjahr 2021 im Teil-
ergebnisplan 0401 – Museumsreferat, Teilplanzeile 16 – Sonstige ordentliche Aufwendungen zur Ver-
fügung. Nach Beschlussfassung werden diese als überplanmäßiger Aufwand gem. 83 GO NRW in
die Teilergebnispläne 0410 – NS-Dokumentationszentrum, Teilplanzeile 13 – Aufwendungen für
Sach- und Dienstleistungen und 0411 – Museumsdienst, Teilplanzeile 13 – Aufwendungen für Sach-
und Dienstleistungen in Höhe von jeweils 5.000 € (2020) und 15.000 € (2021) umgeschichtet.
Für das Haushaltsjahr 2022 und Folgejahre wird das Dezernat Kunst und Kultur die erforderlichen
Veränderungen in Höhe von 50.000 € p.a. im Rahmen des Haushaltsaufstellungsprozesses 2022 ff.
innerhalb des dann zugewiesenen Budgets vorsehen.
Begründung der Dringlichkeit
Die Verwaltung bittet um Behandlung der Vorlage trotz eingetretener Verfristung, da das Ende des
verwaltungsinternen Prüf- und Abstimmungsprozesses zeitlich mit der Abgabefrist der Beschlussvor-
lage zusammen fiel. Ein Beschluss über die Gebührenfreiheit für Kölner Schulklassen ist auf der
kommenden Ratssitzung am 10.09.2020 dringend erforderlich, damit das Angebot der Gebührenfrei-
heit von Kölner Schulklassen noch in diesem Jahr wahrgenommen werden kann. Ein Beschluss auf
der ersten regulären Sitzung des neu gewählten Rates würde daher zu spät kommen.
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungBeschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 2258/2020
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 31.08.2020
- Erstellt
- 22.07.2020 17:10