0727/2017
Genehmigung der Mittelverwendung für die Sonderausstellung "James Rosenquist" vom 18. November 2017 bis 11. März 2018 im Museum Ludwig
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Beschlussvorlage Ausschuss
12585 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin
Dezernat, Dienststelle
VII/4511
Vorlagen-Nummer
0727/2017
Freigabedatum 13.03.2017
Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung
Betreff
Genehmigung der Mittelverwendung für die Sonderausstellung "James Rosenquist" vom 18.
November 2017 bis 11. März 2018 im Museum Ludwig
Beschlussorgan
Ausschuss Kunst und Kultur
Gremium Datum
Beschluss:
Der Ausschuss für Kunst und Kultur beschließt die Verwendung der Mittel für das in der Beschluss-
begründung aufgeführte Sonderausstellungsprojekt „James Rosenquist“ des Museum Ludwig. Der
Beschluss erfolgt unter dem Vorbehalt, dass eine Kostensteigerung oder Abweichung von der Refi-
nanzierung dieses Ausstellungsprojektes von mehr als 10%, mindestens jedoch 10.000 €, zur erneu-
ten Entscheidung vorgelegt wird.
Ausschuss Kunst und Kultur 21.03.2017
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Haushaltsmäßige Auswirkungen
Nein
Ja, investiv Investitionsauszahlungen €
Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja %
Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme 1.623.500€
Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja 1.533.500 94 %
Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr:
a) Personalaufwendungen €
b) Sachaufwendungen etc. €
c) bilanzielle Abschreibungen €
Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr:
a) Erträge €
b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten €
Einsparungen: ab Haushaltsjahr:
a) Personalaufwendungen €
b) Sachaufwendungen etc. €
Beginn, Dauer
Begründung:
Zu den vom Rat festgelegten Aufgaben der Museen gehören u. a. das Präsentieren und die Vermitt-
lung musealer Inhalte. Dieses erfolgt schwerpunktmäßig durch Sonderausstellungen. Die Aufgabe
der Museen ausschließlich auf die Präsentation der eigenen Bestände zu beschränken, führt dauer-
haft zu einem Rückgang in der öffentlichen Wahrnehmung. Gerade die Sonderausstellungen als Aus-
hängeschild der Museen ziehen die Aufmerksamkeit und damit zusätzliche Besucher an. Diese strah-
len auch auf die Ständigen Sammlungen in Form von anteiligen Eintrittsgeldern, Katalogverkauf etc.
ab. Eine Stagnation oder eine Zurückführung in der Durchführung von Sonderausstellungen, insbe-
sondere einer weiteren Kürzung des Sonderausstellungsetats, würde die Ertragssituation deutlich
schwächen.
Ein etwaiger Verzicht auf Sonderausstellungen würde die bestehenden Strukturen auf lange Sicht
zerschlagen. Für Drittmittelgeber wie auch für Sponsoren ist das generelle Ausstellungsprofil der Köl-
ner Museen in Verbindung mit der wissenschaftlichen Reputation der Museen von besonderem Inte-
resse, nicht allein der zu erwartende Publikumszuspruch und die reine Öffentlichkeitswirksamkeit der
einzelnen Projekte. Gerade das Ausstellungswesen lebt von den bestehenden Kontakten zur interna-
tionalen Museumswelt, dem wissenschaftlichen Austausch und dem gegenseitigen Austausch von
Leihgaben. Auch die Bewerbung der einzelnen Projekte und vor allem die Presserezensionen sorgen
in besonderem Maße dafür, dass die Museen in viel stärkerem Maße wahrgenommen werden, als
dies allein über die Ständigen Sammlungen der Fall wäre. Der Mitteleinsatz der Sonderausstellungs-
etats entfaltet aus diesen vielschichtigen Gründen eine ideelle Positivwirkung für die Museen und die
Stadt insgesamt, der sich in materiellen Zahlen nicht ausdrücken lässt.
Zur letzten Vorlage im Januar 2017 konnte die Ausstellung „James Rosenquist“ lediglich angekündigt
werden, weil die Kalkulation noch nicht abgeschlossen war. Dies ist nun der Fall.
Die mit dieser Ausstellung verbundenen Aufwendungen betragen insgesamt 1.623.500 €. Diesen
stehen Erträge in Höhe von 1.533.500 € gegenüber (s. Kalkulation am Ende der Begründung). Zur
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Ausfinanzierung des Projektes ist der Einsatz des Sonderausstellungsetats 2017 des Museum Lud-
wig in Höhe von 90.000 € vorgesehen. Das Museum Ludwig verfügt über einen Sonderausstellungs-
etat von 255.600 € p.a.. Für 2017 wurden zusätzlich 60.000 € aus dem allgemeinen Sonderausstel-
lungsetat bereitgestellt, so dass dem ML in 2017 aus diesen Etats insgesamt 315.600 € zur Verfü-
gung stehen. Von diesem Betrag stehen noch 100.600 € zur Verfügung.
Zu Gunsten des Museum Ludwig wurde bislang durch den Ausschuss für Kunst und Kultur die Mittel-
verwendung für folgende Projekte bewilligt (Vorlage 0043/2017, Sitzung 31.01.2017):
Museum Ludwig
Sonderaus-
stellungsetats
Erwirtschaftete
Einnahmen
Drittmittel /
sonst. Erträge Gesamtkosten
Sonderausstellungsetat ML 2017 255.600 EUR
Anteil aus allgem. Sonderausstellungs-
etat 60.000 EUR
Gesamtetat ML 2017 315.600 EUR
Gerhard Richter. Neue Bilder 60.000 EUR 40.000 EUR 0 EUR 400.000 EUR
Reena Spaulings 10.000 EUR 20.000 EUR 100.000 EUR 130.000 EUR
Sammlung Hahn 45.000 EUR 124.500 EUR 268.000 EUR 437.500 EUR
Otto Freundlich 100.000 EUR 106.000 EUR 435.000 EUR 641.000 EUR
Summe Museum Ludwig 215.000 EUR 290.500 EUR 803.000 EUR 1.608.500 EUR
Restmittel Museum Ludwig 100.600 EUR
Sonderausstellung „James Rosenquist“
Painting as Immersion oder das Eintauchen ins Bild
vom 18. November 2017 bis 11. März 2018 im Museum Ludwig.
Kuratoren: Herrn Dr. Yilmaz Dziewior und Herrn Dr. Stephan Diederich
Die Rauminstallation F-111, eines der Schlüsselwerke amerikanischer Pop Art und heute wichtiger
Bestandteil der Sammlung des MoMA, schuf James Rosenquist 1964, inmitten eines der politisch
turbulentesten Jahrzehnte der USA. Als Hauptmotiv wählte er das F-111 Kampfflugzeug, die damals
in Entwicklung befindliche neueste Hochtechnologiewaffe, und kombinierte es in verstörender Weise
mit Bildern amerikanischen Alltagskonsums. „ In F-111 I used a fighter bomber flying through the flak
of consumer society to question the collusion between the Vietnam death machine, consumerism, the
media, and advertising. In my eagerness to involve and envelop the viewer, I used two reflective alu-
minium panels that could mirror the observer and provoke him to question what he was seeing.”
Dieses Bestreben, den Betrachter in das Bild hineinzuziehen, ihn visuell und physisch, mental und
intellektuell zu involvieren, spricht auch aus dem dreiteiligen monumentalen Werkensemble The
Swimmer in the Econo-mist, das Rosenquist 1997-98 für die Deutsche Guggenheim in Berlin schuf.
„I wanted the Swimmer in the Econo-mist to reflect the new Germany and the Berlin of today, not the
divided city of the past“, konstatierte Rosenquist. Bildzitate aus Picassos Guernica – der Verbildli-
chung des Bombenterrors auf die spanische Stadt durch Nazi-Deutschland – werden hier gleicher-
maßen in einen optischen Zeitstrudel gesogen wie fragmentierte Konsumgüter und Versatzstücke
dynamisch geprägter Alltagsrealität, die sich zu einem komplexen Gefüge mit vielschichtigen Bezü-
gen auf nationale Identität verdichten. Einerseits erinnernd an die dunklen Stunden deutscher Ge-
schichte, zeichnet das Werk dennoch, keine zehn Jahre nach dem Mauerfall entstanden, ein dyna-
misch-anpackendes Bild deutscher Gegenwart und Zukunft. „I thought of a person struggling and
working, like a swimmer in the fog, going somewhere, not knowing quite where going, but forcefully
working, working, working.”
Beide Werke , F-111 wie auch The Swimmer in the Econo-mist sind wesentliche Bestandteile unserer
geplanten Ausstellung. Der 1933 geborene James Rosenquist zählt weltweit zu den bedeutendsten
Vertretern der Pop Art. Sein beeindruckendes, seit Ende der 1950er Jahre entstandenes Oeuvre ver-
eint in hohem Maße handwerkliche Meisterschaft mit einem enormen Bildreichtum und komplexen
Bezügen zu zeitgeschichtlichen Themen. Die nicht selten monumentalen Leinwände verbildlichen
gesellschaftliche und existentielle Phänomene gleichermaßen wie formale Themenstellungen und
Grundprinzipien visueller Wahrnehmung. Umfassende Retrospektiven, wie sie vom Whitney oder vom
Guggenheim Museum initiiert wurden, haben in der Vergangenheit die Bandbreite seines Werkes
aufgefächert.
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Im Kontext seiner international maßgebenden Pop Art Sammlung besitzt das Museum Ludwig eine
Reihe wichtiger Werke von James Rosenquist. Neben dem frühen, wundervoll kolorierten Rainbow
von 1961 und dem eindrucksvollen, 1964 entstandenen Untitled (Joan Crawford says…) aus der
zeitkritischen Serie der „self-promoting celebrities“ sind dies vor allem mehrere großformatige Arbei-
ten. In ihnen wird der Betrachter auf jeweils unterschiedliche Weise geradezu ins Bild hineinversetzt;
sie verkörpern, wie James Rosenquist es selbst charakterisiert „painting as immersion“ – einen zent-
ralen Aspekt im Gesamtwerk des Künstlers. Dies gilt gleichermaßen für die außergewöhnliche Instal-
lation Forrest Ranger (1967), ein dreidimensionales Gemälde in der Art eines Vorhangs, das der Be-
trachter regelrecht durchschreiten kann, wie für das monumentale Gemälde Star Thief (1980), das
nicht zuletzt davon handelt, weiter und weiter in den unendlichen Raum des Alls vorzudringen. In
Horse Blinders (1968-69) schließlich ist der Betrachter umgeben von einem auf den ersten Blick ver-
wirrenden Zusammenspiel unterschiedlichster, überdimensionaler Alltagsmotive, die in einer fortlau-
fenden Reihung entlang der Raumwände unsere visuelle Wahrnehmung hinterfragen.
Die groß angelegte Ausstellung im Museum Ludwig verfolgt diesen für Rosenquists Werk fundamen-
talen wie aufschlussreichen Aspekt des Eintauchens ins Bild. Die durchgehende Bedeutung dieses
Wahrnehmungsphänomens innerhalb seines Gesamtwerks ermöglicht dabei, dass der Ausstellungs-
besucher einen breit angelegten Überblick zum Schaffen von James Rosenquist seit etwa 1960 erhält
und einem Großteil seiner Hauptwerke begegnet. Schlüsselwerke der Pop Art, monumentale Male-
reien wie auch aufschlussreiche Vorarbeiten in Form von Zeichnungen und Collagen spiegeln ein
komplexes Bild dieses Ausnahmekünstlers. Dabei kommt dem vielfältigen Quellenmaterial, das Ro-
senquist teils in sehr lebendigen Collagen verarbeitet hat, wesentliche Bedeutung zu. Erklärend in
Bezug auf Motivwahl, Sicht- und Arbeitsweise des Künstlers bilden die Papierarbeiten sowohl eine
Basis zum Verständnis der Malerei als auch eine spannende kontrapunktische Setzung zu den raum-
greifenden Werken im monumentalen Format.
Neben Arbeiten der eigenen Sammlung und großzügigen Leihgaben von James Rosenquist selbst
werden zahlreiche wichtige Werke aus international namhaften Museen wie dem Museum of Modern
Art und dem Guggenheim Museum in New York , dem Centre Georges Pompidou in Paris oder dem
Moderna Museet in Stockholm erwartet.
Sowohl das Konzept als auch die Werkliste haben die volle Unterstützung des Künstlers und seines
Studios.
Das Museum Ludwig konnte mit dem ARoS Kunstmuseum in Aarhus, Dänemark für die Ausstellung
„James Rosenquist. Painting as Immersion“ ein international angesehenes Ausstellungshaus als
zweite Station gewinnen. Das Museum Ludwig übernimmt die gesamte Organisation und Koordinati-
on des Transportes der Ausstellungsexponate. Die Kosten werden anteilig vom Kunstmuseum Aar-
hus übernommen.
Drittmittel: Terra Foundation (330.000 €, angefragt), verschiedene Sponsoren (150.000 €, angefragt);
Gesellschaft für Moderne Kunst (Zuschuss 137.500 €, zugesagt), Peter und Irene Ludwig-Stiftung
245.000 € (zugesagt). Die Kunststiftung im Museum Ludwig stellt eine Ausfallbürgschaft in Höhe von
480.000 €, die nur eingesetzt werden soll, wenn die noch nicht zugesagten Drittmittel ausfallen soll-
ten.
Kosten-/Erlösplan:
Titel James Rosenquist
Zahlende Besucher 60.000
Kosten
Architektur/Installation 28.500 EUR
Transport/Versicherungen 950.000 EUR
Wer-
bung/Öffentlichkeitsarbeit/Dida
ktik
220.000 EUR
Katalog/sonstige Publikationen 85.000 EUR
Vorbereitungs- und Durchfüh-
rungskosten
340.000 EUR
Kosten gesamt 1.623.500 EUR
Erlöse
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Eintritte 300.000 EUR
Verkaufserlöse (Katalog etc.) 60.000 EUR
Zuschüsse vom Land 0 EUR
Zuschüsse von Sonstigen 575.000 EUR
Spenden und sonstige Erlöse 287.500 EUR
Ausstellungsgebühr/anteilige
Erstattung Transportkosten der
2. Station in Aarhus
311.000 EUR
Erlöse gesamt 1.533.500 EUR
Mittel aus Sonderausstellungs-
etat 2017
90.000 EUR
Überschuss/Defizit 0 EUR
Verfristung
Die Ausstellungskalkulation konnte gerade erst abgeschlossen werden. Da bereits kurzfristig Verga-
beverfahren einzuleiten sind, käme eine Behandlung zur nächsten Sitzung im Mai 2017 zu spät.
Es wird daher um Behandlung in der Sitzung am 21.03.2017 gebeten.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0727/2017
- Typ
- Beschlussvorlage Ausschuss
- Datum
- 13.03.2017
- Erstellt
- 03.08.2017 00:27