V/0135/2016
Menschen mit Migrationsvorgeschichte im Sozialpsychiatrischen Dienst – Interkulturelle Öffnung – ein fortdauernder Prozess in einer sich wandelnden Welt
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Anlage V-0135-2016_Datenerhebung des Sozialpsychiatrischen Dienstes
6058 Zeichen
Anhang zur Berichtsvorlage V/0135/2016
Menschen mit Migrationsvorgeschichte im Sozialpsychiatrischen Dienst
– Ein Prozess interkultureller Öffnung
Datenerhebung des Sozialpsychiatrischen Dienstes zur Migrationsvorgeschichte seiner Klient/innen
2011-2015
Zur besseren Übersicht wird in den folgenden Grafiken das Wort „Migrationsvorgeschichte“ durch
„MiVo“ abgekürzt.
In 201 4 lebten 300.287 Einwohner/innen in Münster. Von ihnen haben 86.206 (21,7 %) eine
Migrationsvorgeschichte
1.
Im Sozialpsychiatrischen Dienst hatten 2015 von 1868 Klient/innen 296 eine Migrationsvorgeschichte
(15,9 %).
Abb. 1: Gesamtanzahl Klient/innen mit MiVo, Übersicht 2011-2015
1 Quelle: Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung, „Migration in Münster“ 2014
12,2%
13,2%
17,1%
15,3% 15,9%
0%
2%
4%
6%
8%
10%
12%
14%
16%
18%
2011
(n=2031)
2012
(n=2081)
2013
(n=1984)
2014
(n=1877)
2015
(n=1868)
1
Die Verteilung zwischen weiblichen und männlichen Klient/innen mit Migrationsvorgeschichte ist seit
2011 im Verlauf sehr ausgewogen.
Abb. 2: Geschlechterverteilung der Klient/innen mit MiVo, Übersicht 2011-2015
Der Anteil der Klient/innen im Alter zwischen 30-59 Jahren ist am größten.
Abb. 3: Altersverteilung der Klient/innen mit MiVo, Übersicht 2011-2015
__________________________
*) In 2011 erfolgte eine andere Gruppierung der Altersstufe. Hier finden sich in der 1. Säule die 0 -30-Jährigen, in der 2. Säule
die 31-60-Jährigen und in der 3. Säule die Klient/innen ab 61 Jahren. Ein direkter Vergleich ist daher nur bedingt möglich. Die
aktuelle Altersgruppierung wurde 2012 optimiert. Die Jahre 2012-2015 sind somit direkt miteinander vergleichbar.
49,2%
44,5%
48,8% 49,3% 50,3% 50,8%
55,5%
51,2% 50,7% 49,0%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
2011
(n=248)
2012
(n=274)
2013
(n=340)
2014
(n=288)
2015
(n=296)
weiblich
männlich
15,3%
10,6% 9,7% 9,1%
37,5%
22,6% 24,4%
20,1% 20,9%
54,4% 54,0% 54,1%
60,1% 58,8%
8,1% 8,0%
10,6% 10,1% 9,8%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
2011*
(n=248)
2012
(n=274)
2013
(n=340)
2014
(n=288)
2015
(n=296)
0-17 Jahre
18-29 Jahre
30-59 Jahre
ab 60 Jahre
2
Der Sozialpsychiatrische Dienst definiert in der 1. Generation Menschen, die nicht in Deutschland
geboren sind und in der 2. Generation in Deutschland geborene Personen mit
Migrationsvorgeschichte, d.h. Kinder der 1. Generation.
Die nachfolgende Grafik zeigt, dass die 2/3 der Klient/innen der 1. Migrationsgeneration angehören.
Abb. 4: Generationenverteilung der Klient/innen mit MiVo, Übersicht 2011-2015
Die Klient/innen, bei denen der Generationsstatus nicht spezifiziert werden konnte, werden hier der Übersicht
halber nicht aufgeführt.
Die Erfassung der Diagnosen erfolgt in Kategorien in Anlehnung an den ICD -10
2. Hierbei sind
Mehrfachnennungen möglich, da bei einigen Klient/innen mehrere Diagnosen bestehen. Die
Gesamtanzahl der erfassten Diagnosen ist daher jeweils größer als die Anzahl der Klient/innen.
Es sind Unterschiede bei der Diagnoseverteilung zwischen Frauen und Männern feststell bar. In den
folgenden zwei Grafiken werden jeweils die häufigsten Diagnosen bei Frauen und Männern
dargestellt.
2 Internationale Klassifizierung psychischer Störungen
65,3% 65,0%
70,3% 70,1% 68,2%
20,6%
26,6%
22,6% 20,8% 20,9%
0%
10%
20%
30%
40%
50%
60%
70%
80%
2011
(n=248)
2012
(n=274)
2013
(n=340)
2014
(n=288)
2015
(n=296)
1. Generation
2. Generation
3
Abb. 5: Diagnoseverteilung der weiblichen Klientinnen mit MiVo, Übersicht 2011-2015 (häufigste Nennungen)
Abb. 6: Diagnoseverteilung der männlichen Klienten mit MiVo, Übersicht 2011-2015 (häufigste Nennungen)
7,4%
24,3%
25,9%
17,5%
6,3%
7,5%
25,3%
27,4%
18,8%
9,1%
8,4%
25,2%
27,0%
16,4%
5,8%
3,8%
23,7%
25,6%
20,5%
10,3%
4,9%
17,4%
13,5%
28,5%
9,7%
0% 5% 10% 15% 20% 25% 30%
Persönlichkeits- u.
Verhaltensstörungen (F6)
Neurotische-, Belastungs- u.
somatoforme Störungen (F4)
Affektive Störungen (F3)
Schizophrenie, schizotype u.
wahnhafte Störungen (F2)
Psychische u. Verhaltensstörungen
durch psychotrope Substanzen (F1)
2011
(n=294)
2012
(n=355)
2013
(n=479)
2014
(n=393)
2015
(n=373)
7,7%
17,0%
17,6%
18,1%
42,9%
8,2%
21,7%
18,8%
13,5%
21,7%
8,3%
19,8%
15,4%
15,4%
23,7%
2,0%
16,6%
20,6%
15,1%
26,6%
6,7%
10,0%
10,7%
21,3%
33,3%
0% 10% 20% 30% 40% 50%
Persönlichkeits- u.
Verhaltensstörungen (F6)
Neurotische-, Belastungs- u.
somatoforme Störungen (F4)
Affektive Störungen (F3)
Schizophrenie, schizotype u.
wahnhafte Störungen (F2)
Psychische u. Verhaltensstörungen
durch psychotrope Substanzen (F1)
2011
(n=294)
2012
(n=355)
2013
(n=479)
2014
(n=393)
2015
(n=373)
4
Der Gesundheitszustand kann u.a. durch diverse andere Faktoren beeinflusst werden, z.B. finanzielle
Probleme oder ungünstige Familienverhältnisse. Seit 2012 we rden die wichtigsten Faktoren erfasst.
Bei der Auswahl der Kriterien sind Mehrfachnennungen möglich.
In den folgenden Grafiken werden die zumeist genannten, den Gesundheitszustand beeinflussenden,
Faktoren grafisch dargestellt.
Abb. 7: Gesundheitsbeeinflussende Faktoren bei Frauen mit MiVo, Übersicht 2012-2015 (häufigste Faktoren)
17,5%
11,4%
4,4%
22,8%
10,5%
12,1%
13,6%
6,8%
20,5%
6,8%
12,0%
13,3%
5,9%
24,4%
7,4%
11,5%
11,5%
7,9%
31,7%
7,2%
0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35%
Mangelnde Compliance
Soziale Isolation
Finanzielle Probleme /
Schulden
Schwere familiäre
Probleme
Ausgeprägte sprachliche
Schwierigkeiten
2012
(n=139)
2013
(n=135)
2014
(n=132)
2015
(n=114)
5
Abb. 8: Gesundheitsbeeinflussende Faktoren bei Männern mit MiVo, Übersicht 2012-2015 (häufigste Faktoren)
16,2%
18,1%
9,5%
15,2%
5,7%
10,9%
12,9%
13,9%
12,9%
8,9%
11,8%
13,2%
14,0%
18,4%
2,2%
15,1%
13,2%
14,5%
31,6%
2,0%
0% 5% 10% 15% 20% 25% 30% 35%
Mangelnde Compliance
Soziale Isolation
Finanzielle Probleme /
Schulden
Schwere familiäre
Probleme
Ausgeprägte sprachliche
Schwierigkeiten
2012
(n=152)
2013
(n=136)
2014
(n=101)
2015
(n=105)
6
Berichtsvorlage
10879 Zeichen
V/0135/2016
DER OBERBÜRGERMEISTER
Amt für Gesundheit, Veterinär- und
Lebensmittelangelegenheiten
Betrifft
Menschen mit Migrationsvorgeschichte im Sozialpsychiatrischen Dienst –
Interkulturelle Öffnung – ein fortdauernder Prozess in einer sich wandelnden Welt
Beratungsfolge
02.03.2016 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbraucherschutz und
Arbeitsförderung Bericht
27.04.2016 Integrationsrat Bericht
Bericht:
I. Einführung
Der Sozialpsychiatrische Dienst im Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegen-
heiten ist eine Beratungsstelle für Menschen mit seelischen Belastungen und psychischen Stö-
rungen, in Krisensituationen und / oder mit Suchtproblemen sowie ggf. deren Kontaktpersonen.
Die rechtliche Grundlage bilden das ÖGDG NRW1 sowie das PsychKG NRW2.
Aufgaben sind die bezirksbezogene Hilfeplanung und -vermittlung sowie die Krisenintervention.
Das PsychKG definiert als Ziel eine rechtzeitige, der Art der Erkrankung angemessene medizini-
sche und psychosoziale Versorgung. Dadurch soll ein eigenverantwortliches und selbst-
bestimmtes Leben in der Gemeinschaft unterstützt werden.
Neben den beschriebenen Aufgaben auf der Basis des ÖGDG und PsychKG hat der
Sozialpsychiatrische Dienst seit einigen Jahren nach und nach zusätzliche Aufgaben in der
Eingliederungshilfe nach § 53 SGB XII und der Psychosoziale Betreuung nach § 16a SGB II
übernommen.
21,7% der Münsteraner Bevölkerung sind Menschen mit Migrationsvorgeschichte, davon jeweils
die Hälfte Frauen und Männer3. Im Migrationsleitbild der Stadt Münster wird das Leitziel im Be-
reich Gesundheit wie folgt formuliert: „Wir wollen für alle Zugewanderten einen gleichwertigen
Zugang zu Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen erreichen und entsprechende Vorsorge-,
Beratungs- und Betreuungsangebote im Gesundheitsbereich ermöglichen.“
Mit dieser Zielrichtung werden im Sozialpsychiatrischen Dienst seit 2009 migrationsspezifische
Themen gezielt aufgegriffen und in Form von Workshops, Fortbildungen, Teilnahme an Arbeits-
1 Gesetz über den Öffentlichen Gesundheitsdienst
2 Gesetz über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke
3 Quelle: Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung und Verkehrsplanung, „Migration in Münster“ 2014
Vorlagen-Nr.:
V/0135/2016
Auskunft erteilt:
Frau Imhorst, Frau Graunke
Ruf:
492-5353, -53060
E-Mail:
ImhorstM@stadt-muenster.de
graunke@stadt-muenster.de
Datum:
18.02.2016
Öffentliche Berichtsvorlage
2
V/0135/2016
kreisen erarbeitet und multipliziert. Das fördert den Prozess der interkulturellen Öffnung inner-
halb des Teams und erweist sich als wichtiger Baustein für kultursensible und individuelle
Hilfeplanung und –vermittlung.
Seit 2011 werden zudem migrationsspezifische Daten erhoben und ausgewertet. Die Daten-
erhebung soll aufzeigen, wie der Zugang gelingt und wo Barrieren bestehen, um diese an Politik
und entsprechende andere Stellen (Psychiatriekoordination, Arbeitskreise, Gesundheits-
konferenz, Koordinierungsstelle für Migration und Interkulturelle Angelegenheiten) weiterzuleiten.
II. Prozess der interkulturellen Öffnung
Die interkulturelle Öffnung wurde zum Ziel für alle Mitarbeitenden im Sozialpsychiatrischen
Dienst. In diesem Rahmen ist der Sozialpsychiatrische Dienst aktiv bei der Erstellung und
Weiterentwicklung des Migrationsleitbildes und des Integrationsmonitorings beteiligt – jeweils im
Handlungsfeld Gesundheit.
Interkulturelle Öffnung meint
- Sensibilisierung für kulturelle und religiöse Heterogenität (Haltungskompetenz)
- Aneignung von Wissen in Zusammenhang mit dieser Vielfalt (Wissenskompetenz)
- Reflektion bestehender Strukturen und ggf. Anpassung
- Transfer an unterschiedliche Kooperationspartner
Die Bedeutung von Haltungs- und Wissenskompetenz hat Herr Dr. Hagemann im Jahr 2010 im
Rahmen eines ganztägigen Praxisseminars zum Thema „Umgang mit Menschen aus fremden
Kulturen“ für das Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten hervor
gehoben. Dieses Praxisseminar hat das Team des Sozialpsychiatrischen Dienstes im Sinne
eines „Kickoffs“ genutzt, um die eigene Haltung und das eigene Wissen um Besonderheiten im
Kontakt mit Menschen mit Migrationsvorgeschichte kritisch zu reflektieren, zu modifizieren, zu
erweitern und zu transportieren. Eine wichtige Erkenntnis daraus ist, dass dieser wechselseitige
Prozess aktiv, dynamisch und zeitlich nicht begrenzbar ist.
Der Sozialpsychiatrische Dienst entwickelte daraufhin in den vergangenen Jahren ein sehr gut
funktionierendes Netzwerk mit verschiedensten Akteuren mit Schnittstellen zur Thematik
„Migration und seelische Gesundheit“ innerhalb und außerhalb der Stadtverwaltung. Umfassende
Fallberatungen fanden statt, gesundheitliche Aspekte, Entwicklungen und Bedarfe wurden aus-
getauscht und Lösungen gesucht und ggf. in andere Netzwerke und Arbeitsgruppen transportiert
(z.B. 2014 Impuls an die AG Wohnen zur Erörterung der Thematik „Ambulant Betreutes Wohnen
für psychisch kranke Menschen mit Migrationsvorgeschichte – eine Herausforderung?“; Impulse
an den AK Psychiatrie, der „Migration & seelische Gesundheit“ 2016 zu seinem Jahresthema
macht).
Konstruktiv zeigte sich die Mitarbeit im „Stadtweiten Netzwerk – Integration für Menschen mit
Migrationsvorgeschichte“. Dieses Netzwerk trifft sich viermal jährlich und bringt die zentralen
Akteure aus Münster zusammen. Auch die Kontaktpflege mit den Migrant/innen und ihren
Selbstorganisationen in Münster ist zwingend für effektive Integrationsarbeit. Die Beteiligung am
Integrationsworkshop 2012, wo es Akteuren aus Politik und Verwaltung um aktuelle Standort-,
Problem- und Zieldefinitionen und Visionen in Bezug auf Integrationsarbeit ging, entwickelte sich
als Bereicherung für die Arbeit.
Aufgrund des anhaltend hohen Zuzugs von Flüchtlingen hat seit dem Jahr 2015 darüber hinaus
die Kooperation mit Akteuren aus dem Bereich der gesundheitlichen Versorgung von Flüchtlin-
gen und Asylbewerbern einen hohen Stellenwert eingenommen. So hat der Sozialpsychiatrische
Dienst konkrete Arbeitshilfen entwickelt (u.a. Liste über Angebote muttersprachlicher
Therapeut/innen und Fachärzt/innen) und bei der Erstellung des Gesundheitswegweisers mitge-
3
V/0135/2016
wirkt.
Einen besonderen Schwerpunkt stellt hier die enge Zusammenarbeit mit Refugio4 dar, der eine
Kooperations- und Leistungsvereinbarung zugrunde liegt, die durch den Sozialpsychiatrischen
Dienst in den Jahren 2014 und 2015 mitentwickelt wurde.
Ein besonderer Erfolg war der Fachtag „Migration und seelische Gesundheit“, der vom
Sozialpsychiatrischen Dienst in Kooperation mit dem Sozialamt geplant und im Jahr 2014 umge-
setzt wurde. Hierbei wurden alle Aspekte der interkulturellen Öffnung berücksichtigt. Psychische /
psychiatrische Probleme bei Menschen mit Migrationsvorgeschichte stellen sowohl für Mitarbei-
tende in sozialen Hilfesystemen als auch für die psychosozialen und sozialpsychiatrischen Hilfe-
systeme eine wachsende Herausforderung dar. Die Fachveranstaltung hat dazu beigetragen, für
diese Herausforderungen zu sensibilisieren und Informationen über kulturbedingte Ausprägungen
seelischer Erkrankungen zu geben. Darüber hinaus wurden bei dem Fachtag das sozial-
psychiatrische Hilfesystem in Münster und die Erfahrungen des Sozialpsychiatrischen Dienstes
vorgestellt und reflektiert.
III. Erhebung migrationsspezifischer Daten
Im Sozialpsychiatrischen Dienst werden seit 2011 alle Klient/innen erfasst, die eine eigene
Migrationsvorgeschichte haben sowie deren Nachfahren bis zur zweiten Generation. Hierzu
zählen auch Klient/innen mit nur einem Elternteil mit Migrationsvorgeschichte. Eine Unterteilung
in Gruppen nach aufenthaltsrechtlichen Kriterien (z.B. Aussiedler, Eingebürgerte, Asylbewerber,
Flüchtlinge) erfolgt nicht.
Migrationsspezifische Daten können nur auf freiwilliger Basis erhoben werden. Die Erhebung
derartig sensibler Daten kann durch besondere Umstände während eines Kontaktes beeinträch-
tigt sein, z.B. in Kriseninterventionen. Darüber hinaus erhält der Sozialpsychiatrische Dienst
schriftliche Mitteilungen, die z.T. keine persönliche Kontaktaufnahme erfordern (z.B. Mitteilungen
über Unterbringungen nach dem PsychKG, Krisennotdienstmeldungen). Eine umfassende
Datenerhebung ist in diesen Fällen nicht möglich.
Neben der Herkunft prägen auch andere Faktoren wie Alter, Geschlecht und Lebensgeschichte
das Gesundheitsverhalten eines Menschen. Daraus ergeben sich für die Erfassung unterschied-
liche Kategorien: Geschlecht, Alter, Generationsstatus, Herkunft, Erkrankung, Gesundheitszu-
stand beeinflussende Faktoren. Die folgende Darstellung der Ergebnisse beschränkt sich auf die
Kernaussagen der Auswertung zwischen 2011 und 2015. Die Ergebnisse werden lediglich abge-
bildet und geben keine Erklärungen ab. Eine grafische Darstellung befindet sich im Anhang.
Kernaussagen:
1. Der Anteil der Klient/innen mit Migrationsvorgeschichte im Sozialpsychiatrischen Dienst liegt
bisher unter dem Bevölkerungsanteil in Münster.
(siehe Abb. 1 im Anhang)
2. Die Anzahl der weiblichen und männlichen Klient/innen mit Migrationsvorgeschichte ist seit
2011 annähernd gleich.
(siehe Abb. 2 im Anhang)
3. Seit 2011 gehört die Mehrzahl der Klient/innen mit Migrationsvorgeschichte (54-60 %) zur
4 Beratungs- und Therapieeinrichtung für psychisch belastete Flüchtlinge und Folteropfer, die 2014 in Münster von der Trägerge-
meinschaft AWO und GGUA e.V. ins Leben gerufen wurde
4
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Altersgruppe zwischen 30 und 59 Jahren.
(siehe Abb. 3 im Anhang)
4. 2/3 der Klient/innen mit Migrationsvorgeschichte sind nicht in Deutschland geboren.
(siehe Abb. 4 im Anhang)
5. Diagnostisch liegen bei den weiblichen Klientinnen in den letzten 3 Jahren insbesondere
Affektive Störungen (z.B. Depressionen) sowie Neurotische- und Belastungsstörungen (z.B.
Angststörungen, Posttraumatische Belastungsstörungen) vor. Bei den männlichen Klienten
stehen die Abhängigkeitserkrankungen im Vordergrund.
(siehe Abb. 5 und 6 im Anhang)
6. Bei den zusätzlichen, den Gesundheitszustand beeinflussenden Faktoren, beschreiben die
weiblichen Klientinnen 2015 am häufigsten schwere familiäre Probleme. Bei den Männern
überwiegen soziale Rückzügigkeit und Einsamkeit (Soziale Isolation). Bei etwa 1/6 der
Frauen und Männer mit Migrationsvorgeschichte zeigt sich eine mangelnde Compliance
(Mitwirkung) in der Hilfeplanung und –vermittlung.
(siehe Abb. 7 und 8 im Anhang)
In Vertretung
gez.
Cornelia Wilkens
Stadträtin
Anlagen: Datenerhebung des Sozialpsychiatrischen Dienstes zur Migrationsvorgeschichte seiner
Klient/innen 2011-2015
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- V/0135/2016
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 11.02.2016
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37