V/0014/2006
Sanierungsmaßnahmen Aasee 2006
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Beschlussvorlage
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V/0014/2006 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Grünflächen und Umweltschutz Betrifft Sanierungsmaßnahmen Aasee 2006 Beratungsfolge 09.02.2006 Bezirksvertretung Münster-West Anhörung 14.02.2006 Bezirksvertretung Münster-Mitte Anhörung 22.02.2006 Ausschuss für Umweltschutz und Bauwesen Entscheidung Beschlussvorschlag: Sachentscheidung: 1. Der Bericht über die Freilandversuche und das Aaseemonitoring 2005 wird zur Kenntnis ge- nommen. 2. Der Durchführung des Freilandversuches und den geplanten Maßnahmen zur Sanierung des Aasees in 2006 wird zugestimmt. Kosten/Folgekosten Es wird zur Kenntnis genommen, dass die Kosten für den Freilandversuch und die Planung zur Optimierung des renaturierten Bereichs auf insgesamt 150.000,- € geschätzt werden und die Kos- ten für das begleitende Monitoring-Programm bei ca. 20.000,- € liegen. Finanzierung/Mittelbereitstellung Es wird zur Kenntnis genommen, dass die Maßnahme unter dem Vorbehalt der Mittelbereitstellung durch den Rat im Rahmen der Haushaltssatzung 2006 bzw. des Finanz- und Investitionspro- gramms 2005 – 2009 steht. Die o. g. Sachentscheidung ist wie folgt zu finanzieren: Die Mittel zur Sanierung des Aasees und zur Umplanung des renaturierten Bereiches stehen im Haushaltsplanentwurf 2006 des Tiefbauamtes. Vorlagen-Nr.: V/0014/2006 Auskunft erteilt: Herr Hirschmann Herr Reloe Ruf: 492 67 93 492 69 30 E-Mail: Lutz.Hirschmann@stadt-muenster.de Berthold Reloe@stadt-muenster.de Datum: 05.01.2006 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0014/2006 Ausgaben Haush.- stelle Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkung 6900.960.1520.x Baukosten Aasee inkl. Ober- lauf 2006 150.000 Amt 66 Die Mittel für das Monitoring-Programm stehen im NKF-Haushaltsplanentwurf 2006 des Amtes für Grünflächen und Umweltschutz. Ausgaben Zuordnung im Haushalt Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkung Produktgruppe 1303 Zeile 16 Natur, Landschaft, Erholung, Wasserschutz Sonstige ordentliche Aufwen- dungen 2006 20.000 Amt 67 Begründung: 0. Zusammenfassung „40 ha groß, 2100 Meter lang und 2 Meter tief ist Münsters Aasee. Aus dem Freizeitleben der Stadt ist er nicht mehr wegzudenken. Mit seinen angrenzenden Flächen bildet er das größte Naherho- lungsgebiet Münsters und beweist nicht nur an Wochenenden seine hohe Anziehungskraft für Ein- heimische und Gäste.“ (aus: Freizeit und Erholung am Aasee, Stadt Münster 2002) In den vergangenen Jahren führte die massenhafte Bildung von Blaualgen zu gesundheitsschädli- chen Gefahren für die Aaseenutzer und zu einer negativen Berichterstattung in den Medien. „Aa- see krank?“. Für Politik und Verwaltung war dies Anlass, den Freizeitmagneten Aasee zu sanieren. 2005 erfolgten erste „Freilandversuche“ mit dem Ziel, die Algenplage in den Griff zu bekommen. Mit Erfolg - kann man rückblickend sagen. Das Algenwachstum wurde durch die Einbringung von Fällungsmitteln in den See und seinen Zufluss zeitweise unterbunden. Zudem nahm die Trübung des Wassers augenscheinlich ab. Ein erster Erfolg versprechender Versuch zur Sanierung des Sees und zur Verbesserung der Wasserqualität ist damit abgeschlossen. Allerdings war die Verbesserung nur vorübergehend. 2006 sollen nachhaltige Erfolge erzielt werden. Dazu schlägt die Verwaltung unter anderem eine zweite Folge von „Freilandversuchen“ vor. Ziel ist es, das Algenwachstum dauerhaft zu unterbin- den und damit die gesundheitliche Gefährdung von Aaseenutzern endgültig zu beenden. 1. Bericht über die Freilandversuche und das Aaseemonitoring 2005 Die Laborversuche in 2004 haben eine hohe Wirksamkeit von Eisen-(III)-chlorid als Phosphatfäl- lungsmittel erkennen lassen. In Freilandversuchen sollte getestet werden, wie sich die Phosphat- bindung und die davon abhängige Entwicklung von Cyanobakterien in den offenen Gewässersys- temen von Aasee und Aa verhalten. - 3 - V/0014/2006 Zunächst wurden vom 21.06. bis zum 13.07.2005 von einem Boot aus ca. 100 to Fällungsmittel über einen speziellen Dosiermechanismus direkt in den Aasee eingebracht und gleichmäßig ver- teilt. In der Folge verringerte sich für etwa 3 Wochen die Konzentration von Gesamt-Phosphat; blieb aber über der Zielvorgabe von 0,03 mg/l. Ab Anfang August stiegen die Werte wieder auf über 0,10 mg/l. Die sehr geringe Sichttiefe (um 20 cm) wurde durch diese Maßnahme nicht er- kennbar verbessert. Die Toxingehalte (Microcystin) fielen von einem bereits im Juni sehr hohen Niveau zunächst für 6 Wochen (Sommerferien!) sogar unter den als tolerabel geltenden Wert von 10 µg/l, stiegen ab Mitte August aber wieder deutlich an. Vor der Fällung trat das Cyanobakterium Microcystis aeruginosa in großen Massen auf. Diese Art verschwand im Laufe der Behandlung fast vollständig. Im Gegenzug kam es dann ab Mitte August zu einem Massenvorkommen der Art Planktothrix agardhii, die bis dahin im Aasee noch nicht nachgewiesen wurde und gleichfalls als potenter Microcystin-Produzent gilt. Das durch die Fällung reduzierte Phosphat-Niveau reicht Planktothrix immer noch aus, da sie Phosphate über einen längeren Zeitraum speichern kann. In einem zweiten Versuch wurden vom 14.07. bis zum 28.10. insgesamt ca. 120 to des Fällungs- mittels über eine Dosieranlage kontinuierlich in Abhängigkeit vom Zufluss dem Wasser der Münsterschen Aa an der Brücke Roxeler Straße zugeführt. Bereits wenige Stunden nach Beginn waren an allen Messpunkten der Aa die Phosphat-Werte von sehr hohen Konzentrationen (0,25 – 0,55 mg/l) auf die Zielgröße von 0,01 bis 0,03 mg/l gesunken. Im Gegensatz zum Laborversuch zeigte sich, dass die Zugabe von nur ca. einem Drittel des Chlorids pro Volumeneinheit ausreichte. Eine höhere Dosierung führte am 16./17.07. zu etwa 100 toten Fischen (Brassen, Rotaugen) im Bereich der Sentruper Straße, da die Fische zudem durch einen geringen Wasserstand verbunden mit sehr geringen Sauerstoffwerten sowie durch das Ablaichen bereits geschwächt waren. Bis Mitte August hatte sich die Sichttiefe im renaturierten Bereich zwischen Haus Kump und dem neuen Aasee durch den Zulauf behandelten Wassers von 10 cm bis auf 100 cm; stellenweise so- gar auf 200 cm deutlich verbessert. Da aber die Niederschlagsmengen nachfolgend relativ gering waren, kam es nur zu einem geringen Wasseraustausch in den Aasee. Dort erreichten die Ge- samt-Phosphat-Konzentrationen erst ab Ende Oktober den Zielwert von unter 0,03 mg/l; das Mic- rocystin verringerte sich wieder deutlich in den unkritischen Bereich von 10 bis 100 µg/l. Seitdem liegt die Sichttiefe im gesamten See bei 80 – 100 cm, was in der Vergangenheit noch nicht beo- bachtet werden konnte. Zum Vergleich: Im Vorjahr lagen die Werte zu dieser Zeit bei 3.000 bis 10.000 µg/l bei einer Sichttiefe von 15 cm. Negative Auswirkungen wie Aufsalzung oder Durchschläge des Fällungsmittels konnten nicht fest- gestellt werden. Die Freilandversuche wurden durch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit in allen Medien begleitet. Als Fazit bleibt festzustellen, dass die Fällung vom Boot aus als ad-hoc-Maßnahme durchaus schnell zu guten Verhältnissen führt, der Effekt aber nach ca. 6 Wochen nachlässt. Nachhaltiger erscheint die Fällung im Zufluss der Aa, allerdings setzt die positive Wirkung für den Aasee, vor allem bei niedrigen Abflüssen, erst mit längerer zeitlicher Verzögerung ein. Als hinderlich für den Erfolg erweist sich auch der breitflächig rückgestaute Bereich zwischen Haus Kump und dem Aa- see, wo die Aa kein erkennbares Fließgewässer mehr darstellt. 2. Geplante Maßnahmen 2006 Mit der Vorlage V/0287/2005 „Sanierungskonzept Aasee 2005“ wurde ein Maßnahmenprogramm für den Aasee und sein Einzugsgebiet vorgestellt und beschlossen, das in verschiedenen Einzel- punkten weiter durchgeführt werden soll. - 4 - V/0014/2006 2.1 Bachentphosphatung in der Aa Die Auswertung der Versuche führt zu der Erkenntnis, dass der Erfolg für den Aasee mit hoher Wahrscheinlichkeit verbessert werden kann, wenn mit der Bachentphosphatung bereits im Früh- jahr zu Zeiten hoher Abflüsse und Austauschraten begonnen wird. Zudem liegen die Phosphate zu Beginn der Vegetationsphase im Frühjahr überwiegend als gelöste ortho-Phosphate vor, die direkt gefällt werden können. Das Fällungsmittel soll daher als weiterer Freilandversuch von ca. Mitte März bis Mitte Juni in die Aa eingemischt werden. Das Ziel ist festzustellen, ob sich die Annahme bestätigt und zu untersuchen, wie lange der See nach Beendigung der Fällung stabile Verhältnisse aufweist. Ein weiterer Einsatz des Bootes zur Fällung ist in dieser Versuchsphase 2006 nicht vor- gesehen. 2.2 Biomanipulation der seeinternen Nahrungskette durch Abfischung Die ursprünglich für Dezember 2005 geplante Netzzugbefischung zur Reduzierung der Weißfische im Aasee muss auf Grund von Terminschwierigkeiten seitens des Auftragnehmers auf März 2006 verschoben werden. 2.3 Umgestaltung des renaturierten Bereichs zwischen Haus Kump und neuem Aasee Durch Ortstermine und Besprechungen (auch mit ULB, StUA Münster) wurde die grundsätzliche Notwendigkeit zur Optimierung dieses Bereiches von allen Beteiligten er kannt, da die natürliche Sukzession und Entwicklung nicht in allen Punkten den Zielvorstellungen gerecht geworden ist. Insbesondere hat sich kein klar erkennbares Fließgewässerprofil eingestellt mit einer deutlichen Trennung zwischen Gewässer und Flussaue. Die breiten, aber nicht tiefen Wasserflächen führen zu erheblichen Güteproblemen, auch hinsichtlich der Cyanobakterien. Im Januar 2006 findet ein Gespräch mit potenziellen Auftragnehmern statt, um die Problemanalyse, die Rahmenbedingungen und die Ansprüche an den Planungsraum zu formulieren. Der Auftrag soll möglichst frühzeitig vergeben werden, damit noch in 2006 konkrete Maßnahmen umgesetzt werden können. 2.4 Renaturierung der Aa zwischen Sentruper Straße und Haus Kump Die Flächen beidseitig der Aa zwischen der Brücke Sentruper Straße und Haus Kump befinden sich in großen Teilen im Eigentum der Stadt Münster. Die Möglichkeiten zur naturnahen Entwicklung der Aa sowie des Meckelbaches zwischen Mecklenbecker Straße und Einmündung in die Aa werden als ergänzender Bestandteil die o. g. Studie einbezogen. Auf dieser Grundlage kann in diesem Bereich eine naturnahe Umgestaltung der Aa angestrebt werden mit mäandrierender Linienführung, Uferabflachungen und –gehölzen sowie Anlage von Uferrandstreifen. Die naturnahe Umgestaltung wird sich positiv auf die Wasserqualität auswirken, da ein höherer Grad an Naturnähe auch eine höhere Selbstreinigungskraft im Wasser bewirkt kann. Der Beginn der Planung und die Abstimmung mit den beteiligten Dienststellen ist für 2006 vorgehen. 2.5 Umgestaltung der Aasee-Ufer Die naturnahe Umgestaltung von Uferbereichen ist ein grundsätzliches Ziel am Aasee. In 2006 werden zwei Abschnitte ökologisch aufgewertet. Der Bereich westlich der Zookanal-Brücke (an- grenzend an die bereits umgestalteten Zonen) wird wasserseits durch Böschungsabflachungen und Anpflanzungen naturnäher gestaltet. Eine weitere landseitige Umgestaltung wird durch den - 5 - V/0014/2006 bestehenden Fußweg verhindert, der aus grünplanerischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht verlegt werden kann. Als größere Maßnahme wird die südliche Brachfläche parallel zum Modersohnweg/Parkplatz Mecklenbecker Straße zugunsten einer Wasserfläche abgegraben und naturnah umgestaltet. Bei- de Umgestaltungen dienen auch der Kompensati on von verloren gehenden Überschwemmungs- gebietsflächen durch den Neubau der Aasee-Terrassen. 2.6 Fischpass am Wehr Badestraße Die vorbereitende Planung ist für Ende 2006 vorgesehen. 2.7 Maßnahmen im Einzugsgebiet Nach der Aufstellung des Pflege- und Entwicklungskonzept Münstersche Aa (2004) und dem Ent- wurf des Landschaftsplanes „Roxeler Riedel“ sollen die dort genannten Maßnahmen durch den Unterhaltungsverband Havixbeck-Roxel und durch das städtische Tiefbauamt je nach Verfügbar- keit der Flächen sukzessive umgesetzt werden. In erster Linie handelt es sich dabei um: Extensivierung der angrenzenden landwirtschaftlichen Nutzung Reaktivierung von Überflutungsflächen und Altarmen Anlage von Uferrandstreifen Verbesserungen in der Sohle und am Ufer Gehölzanpflanzungen. Für 2006 sind neben den Verbesserungen zwischen Sentruper Straße und Haus Kump (s. o.) wei- tere ökologische Aufwertungen im Rahmen der Ge wässerunterhaltung zwischen Hülshoffstraße und Stodtbrockweg geplant. Die ökologischen Verbesserungen an der Aa und dem Gräftensystem bei Haus Stapel im Kreis Coesfeld sind bereits ab Mitte 2005 durchgeführt worden. I. V. gez. Joksch Stadtbaurat
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (7)
- Sentruper Straße
- Mecklenbecker Straße
- Hülshoffstraße
- Modersohnweg
- Stodtbrockweg
- Roxeler Straße
- Badestraße
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0014/2006
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 06.01.2006
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37