2016/0071
Bericht der Sozialplanung der Bedarfe für ältere Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
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2016/0071
3806 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats -
geschäftsstelle:
24.02.2016
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat V an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss -
fassung Fachausschuss
Amt: Dezernat V
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magis trat
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
Verteiler:
Ja
Nein
Vorlage-Nr. 2016/0071
Magistratsbeschluss -Nr.
Internetfähig
Produkt-Nr.: 315110
Kostenstelle: 751-020-1010 Investitionsnummer:
Kostenträger: 3151-10 Sachkonto: 6179002
Betreff: Bericht der Sozialplanung der Bedarfe für ältere Menschen in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt
Vorlage vom: 23.02.2016
Beschlussvorschlag :
Der Bericht der Sozialplanung der Bedarfe für ältere Menschen in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt wird zur Kenntnis genommen.
Anlagen: Bericht Sozialplanung
Datenschutzrelevante Anlage:
Folgekosten: Ja Nein
- 2 -
Beschluss des Magistrats vom
- 3 -
Begründung zur Magistratsvorlage vom 23.02.2016:
Die Lebenssituation der älteren Menschen sowie die gesetzlichen Grundlagen und das fachliche
Verständnis von Altenhilfe haben sich seit der Vorlage des letzten Altenhilfeplanes im Jahr
2003 erheblich verändert.
Der vorliegende Bericht der Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen betrachtet im Kern
die heutige und zukünftige Situation älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Dabei werden insbesondere die Auswirkungen und Gestaltungsmöglichkeiten der
demografischen Entwicklung in den Blick genommen.
Die sozialpolitischen Leitlinien - Partizipation, Prävention und Sozialraumorientierung - stehen
hierbei auch künftig insbesondere kleinräumig in der Quartiersentwicklung im Zentrum d er
Umsetzungsprozesse.
Ziel ist, in den Darmstädter Stadtteilen gemeinsam mit Bürgerinnen und Bürgern sowie den
Institutionen vor Ort Strukturen zu entwickeln, die das Zusammenleben und die
Versorgungssicherheit aller Generationen inklusiv ermöglichen. Hierbei ist es unverzichtbar, die
besonderen Potenziale der einzelnen Stadtteile zu erkennen und einzubeziehen.
Der Bericht zeigt vorhandene, gut etablierte und begonnene Projekte auf, mit der Maßgabe,
diese in allen Stadtteilen zu etablieren und stellt verschiedene Themenblöcke dar:
1. Partizipation und Bürgerschaftliches Engagement/Bildung und Kultur
2. Wohnen und Lebensführung
3. Gesundheit und Sport
4. Pflege und Versorgung
Bei der Erarbeitung der Themenblöcke haben sich in den jeweiligen Arbeitsgruppen vielfäl tige
Institutionen und Einzelpersonen aktiv beteiligt und eingebracht, so dass ein fundierter Bericht
erstellt werden konnte.
An den Vorgaben des vorliegenden Berichtes sollen Träger und künftige Investoren ihre
Vorhaben ausrichten bzw. sich daran orientieren.
Dem Inklusionsgedanken folgend ist es Ziel, die Teilhabe aller Menschen am sozialen und
kulturellen Leben zu ermöglichen, eine transparente Gesamtstrategie zu entwickeln und damit
den demografischen Herausforderungen zu begegnen. Hierbei spielt die Beteiligung der
Fachkonferenz Altenhilfe eine wichtige Rolle.
Die weitere Fortschreibung des Gesamtberichts erfolgt in 5-Jahres-Abständen. Einzelne
Themenfelder (wie z.B. Partizipation oder Angebotssituation) werden unter Beteiligung der
Fachkonferenz Altenhilfe in kürzeren Abständen vertieft und untersucht. Insbesondere zum
Thema Pflegebedarfsplanung ist es erforderlich, geeignete Instrumentarien zu entwickeln.
Hierzu sind Kooperationen u.a. mit Wissenschaft, Fachämtern und Institutionen erforderlich.
Darmstadt, 23.02.2016
Dezernat V
Barbara Akdeniz
Stadträtin
anlage 1
200769 Zeichen
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen
in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
2016
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
2
Sozialplanung
der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert 2016
Verfasserin
Marion Schmitt
Sozialplanung der Bedarfe Älterer
Herausgeberin / Kontakt
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Amt für Soziales und Prävention
Frankfurter Straße 71
64293 Darmstadt
Telefon (06151) 13 2505
E-Mail marion.schmitt@darmstadt.de
Internet www.darmstadt.de
Mitarbeit und Redaktion
Benjamin Eichner
Diplomsoziologe
Felix Sehr
B.A. Soziologie
Mit freundlicher Unterstützung
Günther Bachmann
Michael Schäfer
Statistik und Stadtforschung
Nachdruck – auch Auszugsweise –
Nur mit Quellenangabe gestattet
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
3
Wir danken allen Beteiligten der Arbeitsgruppen zu den Themenfeldern für ihr
Engagement und konstruktive Mitarbeit:
AG Partizipation, bürgerschaftliches Engagement, Bildung und Kultur:
Jeannette Dorff, Diakonisches Werk Darmstadt-Dieburg
Ursula Schwarz, Vorstand Hiergeblieben e.V.
Irmgard Klaff-Isselmann, Vorstandsvorsitzende Seniorenrat e.V.
Manfred Zietlow, Aktive Senioren Wixhausen
AG Wohnen und Wohnumfeld:
Inka Kinsberger, Einrichtungsleitung Altenzentrum an der Rosenhöhe
Irmgard Naß-Griegoleit, Akademie 55+
Claudia Utzinger, Organisation und Recht, Sozialmanagement bauverein AG
Sibylle Bernstein, Dipl. Sozialarbeiterin, Betreuung – Training – Supervision
Jürgen Frohnert, Geschäftsführer DRK Kreisverband Darmstadt-Stadt e.V.
AG Sport und Gesundheit:
Barbara Thielmann, Seniorenrat e.V.
Inge Klemann, Seniorenrat e.V.
AG Pflege:
Christine Müller, Koordinatorin Malteser Hilfsdienst Darmstadt
Rainer Deppe, Leitung Caritas Sozialstation
Frank Huhn, Heimleitung Agaplesion Elisabethenstift WOHNEN & PFLEGEN
Wolfgang Linck, Leiter Abt. Altenhilfe, Amt für Soziales und Prävention
Dorothee Munz-Sundhaus, Geschäftsleitung DemenzForumDarmstadt e.V.
Kirstin Nieswandt, Sozialarbeiterin,Tagesklinik Gerontopsychiatrie
Petra Wendling, Care-Management Pflegestützpunkt Darmstadt
Gerhard Schwarzmann, VdK Hessen-Thüringen Kreisgeschäftsstelle Darmstadt
Daniel Bauer, Leiter AWO Seniorenwohnanlage Johannesviertel
Projektleitung:
Marion Schmitt, Sozialplanerin der Bedarfe Älterer,
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
4
Vorwort
Mit dem vorliegenden Bericht zur Sozialplanung für ältere Menschen der Wis-
senschaftsstadt Darmstadt schreiben wir den Altenhi lfeplan fort. Wir sehen die
Planung für und mit älteren Menschen nicht losgelös t als separaten Planungs-
auftrag, sondern als wichtigen Bestandteil der Sozialplanung. Daher verwenden
wir im Folgenden den Begriff „Sozialplanung der Bed arfe älterer Menschen in
der Wissenschaftsstadt Darmstadt“ und verlassen die Bezeichnung „Altenhilfe-
planung“. Damit folgen wir fachlichen Empfehlungen der Bertelsmann Stiftung:
„Ebenso wie der demografische Wandel zum Verständnis und zur Bewältigung seiner
Konsequenzen ein verändertes Altersbild verlangt, u nterliegt auch der Planungsbe-
griff der Notwendigkeit einer prinzipiellen Erneuerung.“
1
Unsere sozialpolitischen Leitlinien Partizipation, Prävention und Sozialraum-
orientierung sollen insbesondere kleinräumig in der Quartiersentwicklung um-
gesetzt werden. Das Ziel ist, in den Darmstädter St adtteilen gemeinsam mit
Bürgerinnen und Bürgern sowie den Institutionen Str ukturen zu entwickeln, die
das Zusammenleben und Versorgungssicherheit aller G enerationen vor Ort in-
klusiv ermöglichen. Hierbei ist es unverzichtbar, d ie besonderen Potenziale der
Stadtteile zu erkennen und einzubeziehen. Dies kann nur gemeinsam mit den
Menschen im Sozialraum gelingen.
„Eine demographisch verantwortliche Seniorenpolitik sollte kleinräumig orientiert
sein und sich an den jeweiligen Problemstellungen der Menschen in den Kommunen
ausrichten.“
2
Dieser Bericht will einerseits die sozialpolitische n Herausforderungen der
Stadtteile aufzeigen, aber auch weitere Untersuchungen anregen.
Ziel ist, dem Inklusionsgedanken folgend, Teilhabe aller Menschen am sozialen
und kulturellen Leben zu ermöglichen, eine transpar ente Gesamtstrategie zu
entwickeln und damit den demografischen Herausforderungen zu begegnen.
Allen, die sich an diesem Planungsprozess beteiligt habe, danke ich sehr!
Barbara Akdeniz
Stadträtin – Sozialdezernentin
1 Bertelsmann Stiftung: Sozialplanung für Senioren, http://www.sozialplanung-senioren.de/das-
instrument/i-allgemeine-einfuehrung/index.html (Stand: 13.02.2016).
2 Vgl. ebd.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
5
Inhalt
1. Einführung 7
1.1 Methodische Vorgehensweise 10
2. Demografische und soziostrukturelle Situation 12
2.1 Einwohner/innen 12
2.2 Altersverteilung in den Stadtteilen 14
2.3 Bezug von Grundsicherung im Alter 15
2.4 Einpersonenhaushalte 16
3. Partizipation, bürgerschaftliches Engagement, Bildung und Kultur 17
3.1 Partizipation 18
3.1.1 Gesamtstadt 18
Interessenvertretung für ältere Menschen 20
3.1.2 Stadtteilebenen 22
Projekt „Gepflegt leben im Stadtteil…“ 22
3.2 Bürgerschaftliches Engagement 25
3.2.1 Gesamtstadt 26
3.2.2 Stadtteilebenen 27
3.3 Bildung und Kultur 29
3.3.1 Bildung 29
3.3.2 Kultur 31
3.4 Handlungsempfehlungen der AG Partizipation, bürgerschaftliches
Engagement, Bildung und Kultur 32
4. Wohnen und Lebensführung 33
4.1 Gesamtstadt 33
4.2 Stadtteilebenen 35
4.2.1 Infrastruktur 35
4.2.2 Kranichsteiner Modell, Hiergeblieben e.V. 38
4.3 Erhebungen 40
4.3.1 Wohntypen, Barrieren/ Wohnraumanpassung, Umzugspläne 41
4.3.2 Zufriedenheit mit Wohnung, Stadtteil und finanzieller Situation 43
4.3.3 Erreichbarkeit mit ÖPNV 44
4.4 Beratungen 44
4.5 Handlungsempfehlungen der AG Wohnen und Lebensführung 45
5. Gesundheit und Sport 46
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
6
5.1 Gesundheit 48
5.1.1 Ärztliche Entwicklungstrends im Gesundheitswesen 48
5.1.2 Altersstruktur der Hausärzte/innen 49
5.1.3 Fachärztliche Situation 50
5.1.4 Apotheken 52
5.2 Sport 53
5.3 Handlungsempfehlungen der AG Gesundheit und Sport 55
6. Pflege 55
6.1 Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) 56
6.2 Beratungen 58
6.3 Ambulante Versorgung 59
6.4 Teilstationäre Pflege 61
6.5 Stationäre Pflege 65
6.6 Befragungsergebnisse der stationären Pflegeeinrichtungen 66
6.6.1 Lage und Erreichbarkeit der Einrichtungen 66
6.6.2 Versorgungsarten 66
6.6.3 Pflegerische Versorgung 68
6.6.4 Fachärztliche Kooperationen 70
6.6.5 Kultursensible Pflegeausrichtung 71
6.6.6 Ausstattung des Hauses 73
6.6.7 Zusätzliche Leistungen 74
6.6.8 Leistungen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen 76
6.6.9 Kooperationen, Zusammenarbeit 79
6.6.10 Personal, Ausbildung 80
6.6.11 Belegungssituation 81
6.6.12 Belegung nach Alter, Geschlecht und Pflegestufe 82
6.6.13 Belegung durch ältere Menschen mit Migrationshintergrund 82
6.6.14 Ausblick und Veränderungen 83
6.7 Pflegeprognosen, Bedarfsplanung 84
6.7.1 Bevölkerungsprognose, Zahlen, Daten, Fakten? 84
6.7.2 Instrumentarium zur Erstellung einer Bedarfsplanung 86
6.8 Ausblick und Empfehlungen der AG Pflege 87
7. Fazit 89
Quellenverzeichnis 93
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
7
1. Einführung
Die Auswirkungen der demografischen Entwicklung gestalten sich regional sehr
unterschiedlich. Faktoren wie Wirtschaftswachstum u nd Wirtschaftsstandort,
die Situation auf dem Arbeitsmarkt, Ausbildungsange bote, Wohnraumangebot
und geeignete Kinderbetreuungsmöglichkeiten wirken sich auf Wanderungsbe-
wegungen aus, insbesondere auch auf die Ansiedlung junger Familien. Zu- und
Abwanderungen in eine Region beeinflussen die demog rafische Situation eben-
so wie das Verhältnis von Geburten zu Sterbefällen.
Darmstadt als Wissenschafts- und Wirtschaftsstandor t bietet ein breites Spekt-
rum an Studien-, Ausbildungs- und Arbeitsplatzmögli chkeiten. Dies führt zu
einer stetig ansteigenden Bevölkerungszahl, welche sich aus einem Geburten-
überhang und der positiven Wanderungsbilanz zusamme nsetzt und Darmstadt
vor die Herausforderung stellt, sowohl den Bedürfni ssen junger Studierender,
Familien, aber auch einer wachsenden Zahl älterer M enschen gerecht zu wer-
den.
Diese Ausgangslage wird auch in einer Studie 3 beschrieben, welche in Koopera-
tion des Berlin-Instituts und der Körber-Stiftung durchgeführt wurde und Orien-
tierungshilfen für den Umgang mit demografischen Ve ränderungen bietet. Im
Rahmen dieser Studie wurden demografische und wirts chaftliche Kennzahlen
von 196 deutschen Mittel- und Großstädten miteinand er verglichen und in 5
Städtecluster mit jeweils ähnlichen Ausgangslagen e ingeteilt. Darmstadt wird
hier in Cluster 1, Groß- und Universitätsstädte, ei ngereiht. Viele Anregungen
und Empfehlungen dieser Studie werden in Darmstadt bereits umgesetzt. Ins-
besondere der Quartiersansatz sowie das Bestreben, Nachfrageveränderungen
zu erkennen und zu berücksichtigen, finden sich nic ht nur in den sozialpoliti-
schen Grundsätzen wieder, sondern werden auch operativ umgesetzt. Dies wird
im Folgenden in den verschiedenen Themenfeldern genauer beschrieben.
Der Altersbegriff und zukünftige Szenarien der demo grafischen Entwicklungen
werden unterschiedlich diskutiert. Die Diversität v on Lebenslagen im Alter und
biografischen Hintergründen sind Forschungsgegensta nd der Gerontologie und
anderer wissenschaftlicher Disziplinen.
Auch die Rahmenbedingungen verändern sich. Einersei ts verschiebt sich die
Altersgrenze für den Renteneintritt auf 67 Jahre, g leichzeitig beenden aber
auch viele Menschen aus unterschiedlichen Gründen i hre Berufstätigkeit noch
3 Körber-Stiftung: Präsentation der Studie »Stadt für alle Lebensalter» in Berlin. http://www.koerber-
stiftung.de/gesellschaft/schwerpunkt-alter-neu-erfinden/news-details-sp-alter-neu-
erfinden/artikel/praesentation-der-studie-stadt-fuer-alle-lebensalter-in-berlin.html (Stand: 13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
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vor dem Erreichen des bisherigen gesetzlichen Rente nalters von 65 Jahren.
Weder Berufstätigkeit noch Ruhestand, im Sinne eine s gesellschaftlichen Rück-
zuges in die Privatsphäre, sind also für alle gleic hermaßen erstrebenswerte
Ziele.
Nach medialen Überalterungsszenarien, wie sie u.a. Frank Schirrmacher in
seinem Methusalem-Komplott beschreibt und zu einer gesellschaftlichen und
politischen Gegensteuerung aufruft, hat sich eine n eue Sozialfigur, die der
„jungen Alten“, gebildet: „sie bleiben länger gesund, sind aktiv und mobil un d vor
allem auch höher gebildet als früher.“
4
Die derzeitige Politik des „aktiven Alterns“ 5, welche die Potenziale des (jungen)
Alters für Wirtschaft und Zivilgesellschaft aktivie ren möchte, wird in ihrer ge-
sellschaftlichen Bedeutung mittlerweile auch kritisch hinterfragt.
Die wirtschaftlichen Möglichkeiten älterer Menschen sind bereits heute sehr
unterschiedlich. Die Situation der konsumfreudigen jungen Alten mit entspre-
chend hohem sozioökonomischem Status überschattet o ft die Lage derjenigen,
die von Grundsicherung leben oder nur geringe Rente n beziehen. Die letztere
Personengruppe tritt öffentlich wenig in den Vorder grund, ist meist weniger
gebildet und kann, mangels Teilnahme, auch bei Erhebungen nur unzureichend
berücksichtigt werden.
Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung nimmt de r Anteil der über 65-
jährigen, die im Alter armutsgefährdet sind, weiter zu. Während 2006 jede
zehnte Person im Ruhestand von Altersarmut bedroht war, betraf es 2013
schon jede siebte. Besonders betroffen sind Frauen, Alleinstehende, gering
Qualifizierte und Menschen mit Migrationshintergrund.
6
Selbstverständlich sind auch die Interessen und Bed arfe der jungen Alten sehr
heterogen und unterschiedlich ausgeprägt, bedingt d urch die individuellen bio-
grafischen Entwicklungen. Dies betrifft natürlich auch persönliche Schwerpunk-
te und Gestaltungsräume für bürgerschaftliches Enga gement im Rahmen des
„aktiven Alterns“.
4 Van Dyk, Lessenich (Hg.): Die jungen Alten, Analyse einer neuen Sozialfigur.
5 Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: Das Europäische Jahr für aktives Altern
und Solidarität zwischen den Generationen 2012. http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/freiwilliges-
engagement,did%3D176354.html (Stand: 13.02.2016).
6 Bertelsmann Stiftung: Das Risiko für Altersarmut steigt in Deutschland weiter an.
https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2015/oktober/altersarmut-steigt-
in-deutschland-weiter-an/ (Stand: 13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
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Auch die gesetzlichen Änderungen der Pflegeversicherung durch die Einführung
des Pflegestärkungsgesetzes II (PSG) werden die kün ftigen Entwicklungen be-
einflussen. Insbesondere die darin enthaltene „Ambu lantisierung“ der Pflege
(vergl.6.1) wird sich auch auf die künftige Gestalt ung stationärer Unterbrin-
gung auswirken müssen, um eine attraktive Alternative zu bieten.
Bedingt durch die geburtenstarken Jahrgänge (1955 – 1969 geb. Personen)
wird etwa ab 2030 auch der Anteil der Hochaltrigen zunehmen, also der Men-
schen ab 80 Jahren. Da in dieser Altersgruppe der A nteil an Menschen wächst,
deren körperliche und geistige Leistungsfähigkeit a ltersbedingt eingeschränkt
ist, trägt die Personengruppe ein größeres pflegeri sches Risikopotential und
Bedarf an Alltagsunterstützung im Rahmen haushaltsn aher Dienstleistungen.
Bei letzterem bestehen teilweise erhebliche Versorg ungsengpässe, da es zwar
grundsätzlich genügend Angebote gibt, diese aber fü r einkommensschwache
Haushalte kaum zu finanzieren sind.
Die Kriegsgeneration führt aktuell zu einer Feminis ierung des Alters, dies wird
sich aber voraussichtlich bei den kommenden Jahrgängen wieder an die durch-
schnittliche Lebenserwartung angleichen und sollte nicht dazu verleiten, männ-
liche Bedarfe zu vernachlässigen.
Immer mehr Menschen leben auch in jüngeren Jahren a lleine. Die Singularität
setzt sich in der Regel auch im Alter fort und kann , insbesondere bei einge-
schränkter Mobilität, zu Versorgungsengpässen führen.
Der Anteil älterer Menschen mit Migrationshintergru nd nimmt zu. Hier stellt
sich besonders die Frage nach der Zugänglichkeit vo n Angeboten, nicht nur im
pflegerischen Sektor sondern in allen gesellschaftlichen Bereichen.
In der Wissenschaftsstadt Darmstadt wurde die Anzah l älterer Menschen bis-
her kaum von Wanderungsbewegungen beeinflusst. Ob s ich hier bei den nach-
rückenden Generationen Veränderungen ergeben werden , ist derzeit nicht ab-
zusehen.
Im Folgenden sollen mögliche Wege und Lösungsansätz e beschrieben und auf-
gezeigt werden, mit den genannten Fragestellungen k onstruktiv und zielgerich-
tet umzugehen. Die weitere Fortschreibung des Beric hts soll in fünfjährlichen
Abständen erfolgen.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
10
1.1 Methodisches Vorgehen
Der Bericht orientiert sich fachlich an dem im Auftrag der Bertelsmann Stiftung
entwickelten Instrumentarium, Sozialplanung für Sen ioren (SoSe) 7. Das In-
strumentarium bietet einen Leitfaden für Kommunen z ur individuellen Erstel-
lung von Planungsgrundlagen im Rahmen der sozialpolitischen Ausrichtung. Es
wurde im Rahmen des politischen Pilotprojekts für S eniorinnen und Senioren
NAIS (Neues Altern in der Stadt) durch die Forschungsgesellschaft für Geronto-
logie e.V. an der Universität Dortmund in Zusammena rbeit mit der Abteilung
Psychologische Alternsforschung der Universität Hei delberg für kleine und
mittlere Kommunen entwickelt.
Der Bericht verfolgt das Ziel, als Teil einer zu en twickelnden planerischen Ge-
samtstrategie im Rahmen integrativer Sozialplanung, Felder für kommunale
Steuerungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Aber auch inne rhalb des Darmstädter
Expertengremiums Fachkonferenz Altenhilfe
8 soll für die in der Einführung ge-
nannten Handlungsfelder weiter interdisziplinär sen sibilisiert werden. Hand-
lungsfelder für Interventionen, die dazu beitragen, selbstbestimmtes Leben zu
ermöglichen und Gestaltungspotenziale zu entfalten, werden aufgezeigt. Ge-
meinsam können Lösungsansätze für die Herausforderu ngen der demografi-
schen Entwicklungen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt entwickelt werden.
Folgerichtig wurde die grundsätzliche fachliche Ori entierung, Festlegung der
Themenfelder und Wahl der Indikatoren partizipativ, in Abstimmung mit Exper-
tinnen und Experten aus der Fachkonferenz Altenhilf e unter verantwortlicher
Leitung der Sozialplanerin der Bedarfe Älterer fest gelegt. Im Anschluss bildete
sich zu jedem Themenfeld eine interprofessionelle Arbeitsgruppe.
Im ersten Schritt wurden inhaltliche Faktoren aus d er jeweiligen professionel-
len Perspektive diskutiert und individuelle Unterstützungsmöglichkeiten bei der
erforderlichen Datenakquise geprüft. Hierbei wurden schnell die Grenzen klein-
räumiger Datenerfassung auf Stadtteilebene deutlich.
Nach Abstimmung der Rahmenbedingungen wurden die In halte der einzelnen
Themenfelder von der Sozialplanerin der Bedarfe Ält erer erarbeitet und ver-
schriftlicht. In den Arbeitsgruppen wurden Handlung sempfehlungen aus den
interprofessionellen Perspektiven heraus in jeweils einem abschließenden ge-
meinsamen Gespräch formuliert. Die Empfehlungen sol lten sich nicht aus-
7 Bertelsmann Stiftung: Sozialplanung für Senioren. http://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-
projekte/sozialplanung-fuer-senioren/service/download-center/ (Stand: 13.02.2016).
8 Eine interdisziplinäre Kooperation von Verbänden, Institutionen und Akteuren aus dem Bereich Altenhil-
fe der Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
11
schließlich an die Sozialpolitik und Verwaltung ric hten, sondern ebenfalls Insti-
tutionen und Organisationen sowie bürgerschaftliche Initiativen ansprechen.
Die Texte zu den einzelnen Themenfeldern wurden den entsprechenden Ar-
beitsgruppen nochmals zur Endabstimmung und Ergänzung vorgelegt.
Soziodemografische Informationen lagen größtenteils vor, da das Amt für Wirt-
schaft und Stadtentwicklung, Statistik und Stadtfor schung diese in regelmäßi-
gen Abständen erhebt.
Für Themenfeld 3. Bürgerschaftliches Engagement, Bi ldung und Kultur war es
dagegen kaum möglich, kleinräumiges Datenmaterial z u beziehen. Auch für
Themenfeld 5. Gesundheit und Sport stehen fast auss chließlich Daten für die
Gesamtstadt zur Verfügung.
Im Themenfeld 4. Wohnen und Lebensführung wird am B eispiel Infrastruktur
versucht, Lösungsmöglichkeiten für Versorgungsstruk turen auf Stadtteilebene
aufzuzeigen.
Themenfeld 6. Pflege beinhaltet die Ergebnisse eine r Befragung der vollstatio-
nären Pflegeeinrichtungen in Darmstadt. Diese Erheb ung soll künftig in jährli-
chen Abständen wiederholt werden, um über aktuelle Entwicklungen und die
durchschnittliche Auslastung Informationen zu erhal ten. Die Erfassung aller
Stadtteile in jedem Themenfeld ist derzeit noch nic ht möglich. Befragungen,
wie in den Stadtteilen Arheilgen, Wixhausen und zul etzt in DA-Nord durchge-
führt, könnten fehlende Informationen liefern und i n geeigneten Zeitabständen
(etwa alle 5 Jahre) für alle Stadtteile parallel durchgeführt werden.
Bei voneinander abweichenden Quellenangaben orienti ert sich der Bericht im
Folgenden aus Gründen der Aktualität nach Möglichke it an den Angaben der
Wissenschaftsstadt Darmstadt, Amt für Wirtschaft un d Stadtentwicklung, Sta-
tistik und Stadtforschung sowie Eigenerhebungen. Da her weichen einige Werte
möglicherweise von anderen Bezugsquellen ab.
Als Ergebnis des vorliegenden Berichts werden Handlungsempfehlungen formu-
liert, Diese Handlungsempfehlungen wurden ebenfalls partizipativ in o.g. Ar-
beitsgruppen abgestimmt und berücksichtigen den Altenhilfeplan von 2003.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
12
2. Demographische und soziostrukturelle Situation
2.1 Einwohner/innen
In der Wissenschaftsstadt Darmstadt leben insgesamt 154.002 9 Menschen.
Davon sind 26.903 Personen 65 Jahre und älter, dies entspricht 17,5% der
Gesamtbevölkerung. Das Durchschnittsalter der Bevöl kerung liegt demnach
aktuell bei 40,8 Jahren. Dies darf nicht darüber hi nwegtäuschen, dass auch in
Darmstadt die Zahl älterer und hochaltriger Menschen zunehmen wird.
Ausgehend von der Gesamtbevölkerung hat sich der An teil der Altersgruppe
von Personen ab 65 Jahren seit 2010 sogar um 0,7% v erringert. Das Durch-
schnittsalter lag 2010 noch bei 41,3 Jahren und ist 2014 auf 40,8 Jahre ge-
sunken. Diese Entwicklung ist jedoch auf den Zuzug jüngerer Menschen zu-
rückzuführen und nicht auf eine Abnahme der älteren Generation durch Wan-
derungsbewegungen. Tatsächlich hat der Bevölkerungs anteil der Personen ab
65 Jahren seit 2010 um 870 Personen (3,2%) zugenomm en, auch wenn sich
deren Anteil an der Gesamtbevölkerung verringert ha t (vergl. Tabelle 1). Die
künftige Entwicklung der Alterskohorten 65+ ist unb edingt im Blick zu behal-
ten, um belastbare Bedarfsplanungen zu ermöglichen (vergl. 6.7).
Tabelle 1, Bevölkerungsentwicklung
Jahr
(31.12…
)
Personen 65
und älter
% Bevölkerung
insgesamt
Durchschnitts-
alter Jahre
Entwicklung
65 und älter
2010 26.033 18,17 143.276 41,3
2011 26.075 17,63 147.930 41,0 +42
2012 26.289 17,51 150.155 40,9 +214
2013 26.514 17,45 151.944 40,8 +225
2014 26.903 17,47 154.002 40,8 +389
- 0,70 +870 gesamt
Quelle: Datenreport 2015, Wissenschaftsstadt Darmstadt
Bis zum Jahr 2020 werden weitere 8.177 Personen das 65. Lebensjahr vollen-
den. Hinzukommen weitere 1.235 ausländische Bürgerinnen und Bürger dieser
Kohorte. Insgesamt werden also im Jahr 2020 bereits 36.315 Personen in die
9 Amt für Wirtschaft und Stadtentwicklung: Statistik und Stadtforschung, Stichtag 31.12.2014.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
13
Altersgruppe von 65 Jahren und älter vorrücken. Dam it würde der Anteil dieser
Bevölkerungsgruppe auf 23,58% ansteigen 10 , vorausgesetzt, es finden keine
Veränderungen durch Wanderungsbewegungen statt.
Der Frauenanteil der deutschen Bevölkerung liegt be reits in der Altersgruppe
von 65 bis unter 75 Jahren um 14% über dem Anteil d er Männer. In den fol-
genden Altersgruppen steigt er weiter an. In der Altersstufe von 80 bis unter 85
Jahren liegt der Frauenanteil bereits bei 52,58% üb er dem männlichen Anteil,
bis schließlich in der Gruppe der über 90-jährigen der Frauenanteil 261,13%
beträgt. Diese Verteilung spiegelt noch das Kriegsg eschehen wieder und ist für
kommende Generationen in dieser Ausprägung nicht repräsentativ.
Im Vergleich gestaltet sich die Geschlechterverteil ung bei der ausländischen
Bevölkerung ausgewogener, bis in den Altersgruppen ab 85 Jahren auch hier
der Frauenanteil deutlich überwiegt.
Tabelle 2, Altersgruppen nach Geschlechterverteilung und Nationalität
Deutsche Bevölkerung =n Ausländische Bevölkerung
=n
Altersgruppen Frauen Männer Frauen Männer
65 – unter 70 3.020 2.649 447 470
70 – unter 75 3.368 2.888 292 290
75 – unter 80 3.185 2.381 199 223
80 – unter 85 2.014 1.320 89 94
85 – unter 90 1.625 805 46 34
90 und älter 1.152 319 23 5
Quelle: Datenreport 2015, Wissenschaftsstadt Darmstadt, Stand: 31.12.2014
eigene Darstellung
10 Diese Zahlen errechnen sich lediglich aus der Addi tion der Besetzung der Jahrgänge von einschließlich
1950 bis 1955 und lassen Wanderungsbewegungen unberücksichtigt.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
14
Grafik 1, Geschlechterverteilung nach Alter
Quelle: Datenreport 2015, Wissenschaftsstadt Darmstadt, Stand: 31.12.2014
eigene Darstellung
2.2 Altersverteilung in den Stadtteilen
Tabelle 3 macht deutlich, dass in den Stadtteilen A rheilgen, Wixhausen, Eber-
stadt und Darmstadt-Ost der Anteil älterer Menschen an der Gesamtbevölke-
rung prozentual am höchsten ist. Hier bestehen erhö hte Bedarfe für altersge-
rechtes Wohnen und Wohnumfeld sowie infrastrukturel ler Versorgung. Vorhan-
dene Versorgungsstrukturen müssen ggf. ergänzt werd en. Insgesamt liegt der
Anteil der Personen ab 65 Jahren auch auf Stadtteil ebene vergleichsweise
niedrig. Zum Vergleich: in Frankfurt am Main 11 liegt der Anteil der Personen ab
65 Jahren bei 16%.
11 Stadt Frankfurt https://www.frankfurt.de/sixcms/detail.php?id=2811&_ffmpar[_id_inhalt]=7524
(Stand 16.02.2016)
0
500
1.000
1.500
2.000
2.500
3.000
3.500
4.000
65 – unter 70 70 – unter 75 75 – unter 80 80 – unter 85 85 – unter 90 90 und älter
Geschlechterverteilung nach Alter
Frauen Männer
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
15
Tabelle 3, Altersverteilung in den Stadtteilen
Stadtteile Von 65 – unter 75
Jahre
%* 75 Jahre u. älter %*
Wixhausen 658 10,8 564 9,3
Kranichstein 1.016 8,6 1.104 9,3
Arheilgen 1.750 10,2 1.841 10,7
Darmstadt-Nord 2.162 7,1 1.883 6,2
Darmstadt-Mitte 1.359 7,0 1.366 7,0
Darmstadt-West 1.408 7,9 1.518 8,6
Darmstadt-Ost 1.305 9,1 1.558 10,9
Bessungen 1.267 9,3 1.221 9,0
Eberstadt 2.499 10,8 2.424 10,5
* % an der Gesamtbevölkerung
2.3 Bezug von Grundsicherung im Alter
Der Bezug von Grundsicherung im Alter nach SBB XII ist ein Faktor zur
Beurteilung der ökonomischen Situation in den Stadt teilen. Um gena u-
ere Aufschlüsse zu erhalten, wären darüber hinaus A ngaben zur gen e-
rellen Einkommenssituation erforderlich, insbesondere auch der Bezug
geringer Renten, daher geben die in Tabelle 4 gelisteten Angaben nur
einen ersten Einblick. Erfreulich ist, dass der ant eil ige Leistungsbezug
von Grundsicherung im Verhältnis zur Bevölkerung im Alter ab 64 Ja h-
ren derzeit noch gering ist. Dies sollte nicht darüber hinwegtäuschen,
dass kommende Generationen im Durchschnitt über geringere Einkün f-
te verfügen werden.
Im Stadtteil Kranichstein, insbesondere im Bezirk K ranichstein-
Süd,
liegt der Anteil der Grundsicherungsempfänger/innen deutlich über
den anderen Stadtteilen.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
16
Tabelle 4, Empfang von Grundsicherung
Gesamtanteil =n Anteil > 64 Jahre =n
Stadtteile Gesamt Frauen Gesamt Frauen %*
Wixhausen 67 31 41 24 3,36
Kranichstein 352 201 242 140 11,42
Arheilgen 231 134 152 88 4,23
Da-Nord 583 318 371 224 9,17
Da-Mitte 283 136 163 86 5,98
Da-West 232 113 133 69 4,55
Da-Ost 175 87 108 59 3,77
Bessungen 152 66 78 50 3,14
Eberstadt 381 220 253 153 5,14
* Anteil an der Bevölkerung >64 Jahre
Quelle: Wissenschaftsstadt Darmstadt, Amt für Wirts chaft und Stadtentwicklung/
Statistik und Stadtforschung, Stand: 31.12.2014 / eigene Darstellung
Die Ursachen künftiger Altersarmut werden vor allem in bruchstückhaften, u n-
vollständigen Erwerbsbiographien und nicht ausbildu ngsgemäßen Beschäft i-
gungsverhältnissen gesehen. So werden geringere Rüc klagen zur Alterssich e-
rung gebildet, was letztlich zu einer niedrigeren R entenanspruchshöhe führen
wird. Eine weitere Rolle wird hi erbei die Haushaltszusammensetzung spielen.
Alleinstehende sind stärker von Armut betroffen, als Paare . Ein weiterer Anstieg
der Einpersonenhaushalte bildet einen zusätzlichen Faktor für Altersarmut.
2.4 Einpersonenhaushalte
Der Familienstand an sich spiegelt nicht zwangsläuf
ig soziale Beziehungen
wieder, trotzdem bieten die Angaben in Tabelle 5 Hinweise auf die An zahl der
Einpersonenhaushalte ab 65 Jahren. Bei 43,64% der H aushalte deutet der
Familienstand auf einen Einpersonenhaushalt hin.
Zum Vergleich: in Darmstadt-
Nord gaben 36% der Befragten an, alleine zu
wohnen. Von den Befragten ab 80 Jahren waren es 44% . Auch der Wohnstatus
ist natürlich nicht zwangsläufig mit einem Mangel a n sozialen Kontakten ve r-
bunden. In höherem Alter, bei möglicherweise eingeschränkter Mobilität, weist
die Wohnsituation ggf. auf Vereinsamung und Versorgungsengpässe hin. Der
Anteil der Single- Haushalte steigt mit zunehmendem Alter und wird auc h bei
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
17
den kommenden Generationen zunehmen. Umso mehr gewi nnen soziale Net z-
werke an Bedeutung.
Tabelle 5, Potenzielle Einpersonenhaushalte
Potenzielle Einpersonenhaushalte nach Familienstand
Familienstand 65 Jahre – 75
=n
75 Jahre u. äl-
ter =n
Zusammen =n
Anteil 65+ %
ledig 889 780 1.669 6,20
geschieden 1.850 1.017 2.867 10,66
verwitwet 1.769 5.436 7.205 26,78
gesamt 4.508 7.233 11.741 43,64
Quelle: Datenreport 2015, Wissenschaftsstadt Darmst adt, Stand: 31.12.2014/eigene Darste l-
lung
3. Partizipation, bürgerschaftliches Engagement, Bi ldung
und Kultur
Sowohl partizipative Prozesse als auch bürgerschaft liches Engagement bieten
Felder für ehrenamtliches Handeln, teils unmittelba r, teils in der Pro-
zessumsetzung. Die Grenzen verlaufen hier fließend. Freiwilliges Engagement
beinhaltet immer auch Teilhabe und bietet Raum für kulturelle Gestaltungs-
möglichkeiten.
Das Alter an sich unterliegt kulturellen Deutungen, deren Einflüsse auf den so-
zialen Umgang mit dem Älter werden groß sind. Sie f ormen Erwartungshaltun-
gen und können individuelles Verhalten bestimmen. M ittlerweile setzt sich ein
kultureller Entwurf des Alters durch, der die seeli sch-geistigen und sozialkom-
munikativen Stärken älterer Menschen hervorhebt und das darin enthaltene
kreative Lösungspotenzial für gesellschaftlich rele vante Fragestellungen be-
schreibt. Hier liegt der Fokus auf bürgerschaftlichem Engagement
12 .
Freiwilliges Engagement ist gleichzeitig auch ein w ichtiges Lernfeld für nicht-
formale Bildung und informelles Lernen (vergl. 3.3 Bildung und Kultur). Daher
wurde sich in der AG Partizipation und bürgerliches Engagement dafür ent-
schieden, die Bereiche Bildung und Kultur in Themenfeld 2. einzubeziehen.
12 Andreas Kruse in Report (29) 3/2006 , Altern, Kultur und gesellschaftliche Entwicklung
http://www.die-bonn.de/doks/kruse0601.pdf
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
18
3.1 Partizipation
3.1.1 Gesamtstadt
Partizipation meint gesellschaftliche und politische Teilhabe, darunter wird Be-
teiligung von Bürgerinnen und Bürgern im Sozialraum
13 und legitimierte Teil-
habe an Gremien im Rahmen des § 8c HGO (Hessische G emeindeordnung) ver-
standen. Hierzu werden beispielhaft unter 3.1 sozia lräumliche Beteiligungspro-
zesse als Top-down Entwicklung und die Entstehung d er Interessenvertretung
für ältere Menschen der Wissenschaftsstadt Darmstad t als Bottom-up Prozess
beschrieben. Politische Teilhabe beinhaltet in der Regel auch gesellschaftliche
Teilhabe.
Beteiligungsprozesse finden daneben aber in weitere n Formaten statt, welche
in geeigneter Weise die verschiedenen Beteiligungsstufen umsetzen:
Informative Öffentlichkeitsbeteiligung: Gemeint sind öffentliche Informations-
veranstaltungen, wie z.B. zur Wahl der Interessenve rtretungen für Ältere im
Juni 2015. Diese Veranstaltung sollte Fragen zu Kan didatur und Wahl beant-
worten. Auch das Auslegen von Plänen zur Einsicht und Kenntnisnahme ist eine
informative Beteiligung der Öffentlichkeit.
Konsultative Öffentlichkeitsbeteiligung: Hierbei können Ideen und Vorschläge
eingebracht werden, die bei der Entscheidung berück sichtigt werden, z.B. bei
der Bauleitplanung oder bei Bürgerbefragungen.
Mitbestimmung: Hier ist die Möglichkeit gegeben, Vorhaben in der E ntwick-
lung, Ausführung und Umsetzung mitzubestimmen. Beis piele hierfür sind der
vorliegende Bericht, die Leitlinien zur Bürgerbetei ligung, die Entwicklung des
ersten Aktionsplans für Menschen mit Behinderung un d natürlich die Stadtteil-
foren und Runden Tische für Ältere.
Abb.1, Beteiligungsstufen
13 Van Rießen, Bleck: Zugänge zu ‚Möglichkeitsräumen für Partizipation’ im Quartier?
http://www.sozialraum.de/zugaenge-zu-moeglichkeitsraeumen-fuer-partizipation-im-quartier.php (Stand:
13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
19
Quelle: Handbuch Öffentlichkeitsbeteiligung, S.9 Ös terreichische Gesellschaft für Umwelt und
Technik (ÖGUT) eigene Darstellung
Gesellschaftliche Teilhabe bildet die zweite Dimens ion von Partizipation. Sie
findet im Grunde bei allen sozialen und politischen Interaktionen statt. Die
Möglichkeiten zu gesellschaftlicher Teilhabe können durch personale Faktoren
wie materielle, gesundheitliche oder motivationale Gründe beeinflusst werden.
Aber auch gesellschaftliche und räumliche Faktoren können Teilhabe ermögli-
chen, beeinträchtigen oder verhindern. Hierzu gehören Barrieren aller Art. Bau-
liche Barrieren können Zugänge erschweren, auf sie wird in Themenfeld 4.
Wohnen und Wohnumfeld näher eingegangen. Sprache ka nn eine große Barrie-
re sein, nicht nur für Menschen, die mit einer ande ren Muttersprache aufge-
wachsen sind. Auch Fachsprachen, Mundarten und komp lizierte Ausdruckswei-
se können Barrieren sein, welche Teilhabe von Perso nen, die ihrer nicht mäch-
tig sind, erschweren oder ausschließen. Ethische Gr undlagen gesellschaftlicher
Gruppierungen sind richtungsweisend für den Umgang miteinander und Ande-
ren. Teilhabe im Sinne einer inklusiven Gesellschaf t kann sich nur angenähert
werden, indem eine fortschreitende Sensibilisierung auf allen Ebenen gewollt
und gefördert wird. Hierzu kann und sollte Sozialpo litik den Rahmen vorgeben,
die Umsetzung muss aber gesamtgesellschaftlich erfo lgen, um nachhaltige
Wirksamkeit zu erzielen.
Partizipation ist eine der drei Säulen der Sozialpo litik in der Wissenschafts-
stadt Darmstadt. Beteiligung findet nicht nur im Ra hmen städtebaulicher Maß-
nahmen wie der Umwandlung von Konversionsflächen in Wohngebiete oder der
Offenlegung von Bauleitplänen statt. Bürgerinnen un d Bürger sind z.B. im
Rahmen des Bürgerhaushalts aufgerufen, sich aktiv z ur Verwendung von Mit-
teln einzubringen.
Konsultation
Diskussionsveranstaltung, Befragung, Bür-
ger/innenversammlung, Stellungnahmen, etc.
Mitbestimmung
Stadtteilforum, Runder Tisch,
Leitlinienentwicklung, etc.
Information
Informationsveranstaltung, öffentliche Einsichtnahme, Aushang,
Wurfsendung, etc.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
20
Seit November 2015 ist auf der städtischen Homepage eine Vorhabenliste ein-
gestellt, auf der sich alle Bürgerinnen und Bürger über geplante Projekte der
Stadt informieren und erfahren können, ob und in welcher Form eine Bürgerbe-
teiligung geplant ist.
Für die Beteiligungsprozesse wurden in einem Arbeit skreis Leitlinien entwi-
ckelt, welche dazu beitragen sollen, Beteiligung zu vereinfachen und bürgernah
umzusetzen.
Erstmalig wurde im September 2015 die Interessenver tretung für ältere Men-
schen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt gewählt.
Interessenvertretung für ältere Menschen der Wissenschaftsstadt Darmstadt
2015 wurde per Magistratsbeschluss die Einrichtung einer Interessenvertre-
tung für ältere Menschen verabschiedet. Der Entsteh ungsprozess bildet ein
weiteres Beispiel für gelungene Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern.
Ein Magistratsbeschluss von 2011 zum Thema Senioren vertretung in Darm-
stadt stieß auf Kritik verschiedener Institutionen und aus den Reihen interes-
sierter Bürgerinnen und Bürger. Um dieser Kritik Re chnung zu tragen, fand am
22.05.2012 eine Anhörung im Sozialausschuss der Sta dtverordnetenversamm-
lung zum Thema Seniorenvertretung statt. Gehört wur den Vertretungen aus
folgenden Institutionen:
- Fachkonferenz Altenhilfe
- Seniorenrat e.V.
- Initiative gewählter Seniorenbeirat
- Evangelische und katholische Kirchen (vertreten durch das ev. Dekanat)
- Migrantenselbstorganisationen (vertreten durch Magnolya e.V.)
- Verwaltung (Amt für Soziales und Prävention)
Der Sozialausschuss griff die Impulse aus der Anhör ung auf. Der Magistrat
wurde gebeten, eine neue Vorlage auszuarbeiten. Die se sollte möglichst viele
der vorgetragenen Aspekte berücksichtigen und unter Berücksichtigung der
Prämissen Sozialraumorientierung, Partizipation und Prävention in einem par-
tizipativen Dialogprozess mit Expertinnen und Exper ten aus der Anhörung ent-
wickelt werden.
Der daraus resultierende Dialogprozess wurde seiten s der Politik von Sozialde-
zernentin Barbara Akdeniz moderiert und begleitet. Beteiligt waren Vertretun-
gen aus den oben genannten Institutionen und Initia tiven. Gemeinsam wurden
die Grundlagen der Interessenvertretung in einer Sa tzung festgelegt. Mit Un-
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
21
terstützung durch Rechtsamt, Bürger- und Ordnungsam t, sowie dem Amt für
Soziales und Prävention der Wissenschaftsstadt Darm stadt wurde eine Wahl-
ordnung entwickelt.
Die Interessenvertretung vertritt die ältere Generation gesamtstädtisch, in den
einzelnen Stadtteilen und in den städtischen Gremien.
Zu den Aufgaben der Interessenvertretung gehören Be ratung, Unterstützung
und Information städtischer Gremien und sonstiger O rganisationen. Die Be-
dürfnisse, Interessen und Bedarfe der älteren Mensc hen sowohl in den Stadt-
teilen als auch gesamtstädtisch sollen an städtisch e Gremien übermittelt wer-
den. Ein jährlicher Bericht an den Magistrat und di e Stadtverordnetenver-
sammlung ist zu erstellen.
Die Interessenvertretung setzt sich zusammen aus 19 gewählten und acht de-
legierten Mitgliedern. Wählbar und delegierbar sind Personen ab Vollendung
des 60. Lebensjahres, welche ihren Hauptwohnsitz in der Wissenschaftsstadt
Darmstadt haben.
Die delegierten Mitglieder der Interessenvertretung sollen die Interessen von
Personengruppen wahrnehmen, die ihre Interessen nur eingeschränkt oder
nicht selbst vertreten können. Hierzu gehören:
- Ambulant Pflegebedürftige
- Stationär Pflegebedürftige
- Menschen mit psychischer Erkrankung
- Menschen mit Demenz
- Menschen, die sozial benachteiligt sind
- Menschen mit Migrationshintergrund
- Menschen mit körperlicher Behinderung
- Menschen mit geistiger Behinderung
Der Magistrat hat die Interessenvertretung rechtzeitig über alle Angelegenhei-
ten, die ältere Menschen betreffen, zu unterrichten und anzuhören. Die Inte-
ressensvertretung hat in den Ausschusssitzungen ein Rede- und Vorschlags-
recht.
Weitere Einzelheiten können der Satzung und Wahlord nung der Interessenver-
tretung entnommen werden. Diese sind aktuell auf de r städtischen Homepage
unter folgendem Link einsehbar:
https://www.darmstadt.de/leben-in-
darmstadt/soziales-und-gesellschaft/seniorinnen-und-senioren/index.htmnoch
Die konstituierende Sitzung der Interessenvertretun g fand am 4. November
2015 statt.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
22
3.1.2 Stadtteilebenen
Darüber hinaus sind durch unterschiedliche Ausgangs lagen und Trägerschaft
in einigen Stadtteilen bereits für alle interessier ten Bürgerinnen und Bürger
zugängliche „Stadtviertelrunden“ entstanden. Diese Stadtviertelrunden werden
unterschiedlich genannt, z.B. „Stadtteilrunde Krani chstein“, „Stadtviertelrunde
Eberstadt“, „Stadtviertelrunde Waldkolonie 2020“, „ Stadtviertelrunde Pallas-
wiesen-/Mornewegviertel“, „Stadtteilforum Arheilgen “ oder das neu initiierte
„Stadtteilforum Eberstadt“. Diese Stadtviertelrunden oder Stadtteilforen bieten
allen interessierten Bürgerinnen und Bürgern sowie Institutionen vor Ort eine
Austausch- und Vernetzungsplattform, um gemeinsamen Einfluss auf die Ge-
staltung des jeweiligen Stadtteils nehmen zu können und ihre Anliegen auch an
politische Mandatsträger/innen weiterzuleiten. Dies e Foren werden sukzessive
in allen Stadtteilen auf den Weg gebracht.
Projekt „Gepflegt leben im Stadtteil…“
Um auch die besonderen Belange älterer Menschen bes ser zu berücksichtigen,
wurden in einem Kooperationsprojekt 14 „Runde Tische für Ältere“ initiiert. Die
Kooperationspartner/innen bildeten eine Koordinatio nsgruppe, welche den
Austausch und Vernetzung von Institutionen und Bürg erinnen und Bürgern im
Stadtteil initiierte.
Kooperationsgrundlagen: In den Stadtteilen der Wissenschaftsstadt Darmstadt
sind Versorgungsstrukturen und Teilhabemöglichkeite n für Menschen im Alter
sehr unterschiedlich ausgeprägt.
• Auch die Lebenslagen und Wünsche älterer Menschen s ind individuell
verschieden und gestalten sich entsprechend den jew eiligen Lebensent-
würfen. Ihre Teilhabe am sozialen Leben im Stadttei l wird beeinflusst
durch Mobilität, Gesundheit, persönliche Aufgeschlo ssenheit, finanzielle
Ausstattung und auch dem Willen, sich am sozialen Leben zu beteiligen.
• Teilhabe am sozialen Leben im Stadtteil, trotz gesundheitlicher, sozialer,
materieller oder sonstiger Einschränkungen tragen z ur Lebensqualität
und Zufriedenheit aller bei.
• Einzelne Institutionen und Organisationen erreichen unterschiedliche
Gruppierungen älterer Menschen. Kirchengemeinden si nd Ansprechpart-
14 Kooperationspartner: Wissenschaftsstadt Darmstadt, Pflegestützpunkt Darmstadt, Evangelische Kir-
chengemeinde, Seniorenarbeit, Katholische Kirchenge meinden, Seniorenarbeit, Dekanat, DemenzForum-
Darmstadt e.V., Gemeinwesenarbeit, Nachbarschaftsheim Darmstadt e.V.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
23
ner/innen für ihre Gemeindemitglieder, Seniorinnen und Senioren, die
keinem Glaubensbekenntnis angehören, brauchen eine entsprechend
neutrale Ansprache. Ältere Menschen mit Migrationsh intergrund fühlen
sich außerhalb ihrer Familien eher von Migrantensel bstorganisationen
angesprochen.
• Keine Institution kann also mit ihren Angeboten all e Menschen im Stadt-
teil erreichen und auch nicht alleine alle Bedarfe im Blick haben. Daher
ist es wünschenswert, die unterschiedlichen Perspek tiven zusammenzu-
führen und zu vernetzen, um gemeinsam ein ganzheitl icheres Bild der
Versorgungslandschaft im Stadtteil zu erhalten.
Projektziele:
• Durch Kooperation der verschiedenen Anbieter/innen in den Stadtteilen
sollen gemeinsam nachhaltige Strukturen entwickelt werden, welche
Teilhabe im Alter am sozialen Leben auch bei gesundheitlichen, sozialen,
materiellen oder sonstigen Einschränkungen im Quartier ermöglichen.
• Dies beinhaltet die Einbeziehung von ehrenamtlicher Mitarbeit. Hierfür
soll ein „Runder Tisch“ im Stadtteil initiiert werd en, an dem sich Anbie-
ter/innen von Dienstleistungen für Seniorinnen und Senioren sowie en-
gagierte Bürger/innen des Stadtteils einbringen und so selbstgestaltend
Einfluss nehmen können.
• Die Versorgungsstrukturen in den Stadtteilen werden dazu sukzessive
untersucht.
• Senioreninnen und Senioren beteiligen sich an der G estaltung der Ange-
bote in ihrem Stadtteil und nehmen aktiv an der Strukturentwicklung und
Umsetzung teil.
Umsetzung:
Die Umsetzung erfolgte in drei Schritten. Zunächst wurden Institutionen und
Anbieter/innen mit Schwerpunkt auf ehrenamtliche Tä tigkeit, welche im jewei-
ligen Stadtteil Angebote für ältere Menschen vorhal ten, ermittelt, z.B. Vereine
oder Kirchengemeinden. Dies geschah ohne Anspruch a uf Vollständigkeit, eine
spätere Beteiligung Interessierter war und ist jede rzeit möglich und erwünscht.
Gewerbliche Anbieter/innen wurden zunächst nicht di rekt angesprochen, aber
auch nicht ausgeschlossen. Die ermittelten Institut ionen wurden über das Vor-
haben informiert und zu einem ersten gemeinsamen Austausch eingeladen.
Zum folgenden Treffen, das zeitnah nach dem ersten Austausch terminiert war,
wurden, neben Institutionen, auch ältere Bürgerinne n und Bürger des Stadt-
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
24
teils als Akteur/innen und Mitgestalter/innen einge laden. Die Einladung erfolg-
te öffentlich über die Presse und durch Plakate. Di e beteiligten Institutionen
fungierten als Multiplikatoren/innen in ihren jewei ligen Einflussbereichen. Die-
ses öffentliche Treffen hatte das Ziel, die Idee de s „Runden Tisches für Senio-
rinnen und Senioren“ als Kommunikations- und Beteil igungsplattform bekannt
zu machen, zur Mitarbeit anzuregen und durch ein Gr ußwort der Sozialdezer-
nentin auch politisch zu legitimieren.
Das Projekt konnte zunächst in Bessungen umgesetzt werden, hier entstand
die „Stadtteilrunde für Senioren“. Der nächste Stad tteil war Eberstadt, hier
nennt sich der Arbeitskreis „Seniorennetzwerk Eberstadt“.
Projektabschluss:
Das Projekt konnte mit Beginn der Initiierung der S tadtteilforen beendet wer-
den. Das Aktionskonzept für das Projekt „Gepflegt ä lter werden, gut umsorgt
im Stadtteil…“ wurde für die Initiierung der Stadtteilforen übernommen. Da die
Stadtteilforen für alle Altersgruppen als Beteiligu ngsplattform ausgelegt sind,
gliedern sich Arbeitskreise für ältere Menschen, wi e die Runden Tische, hier
ein. Die Umsetzung der Stadtteilforen erfolgt ebenf alls in Kooperation mit den
jeweiligen Organisationen vor Ort. Stadtintern koop erieren bisher Bürgerbeauf-
tragte und Sozialplanung der Bedarfe Älterer dezern atsübergreifend sowie die
beiden Bezirksverwaltungen für die Stadtteile Arhei lgen und Eberstadt. Im Mai
2015 fand die Auftaktveranstaltung des ersten Stadt teilforums in Arheilgen
statt. Für die Belange älterer Menschen bildete sic h der Arbeitskreis (AK) „Eh-
renamtliches Engagement/Nachbarschaftshilfe“.
Unabhängig vom Projekt „Gepflegt älter werden…“ sind auch in weiteren Stadt-
teilen Beteiligungsplattformen für ältere Menschen entstanden. In den Stadttei-
len Waldkolonie und Kranichstein haben sich aus den jeweiligen Stadtteilrun-
den heraus die „AG Gemeinsam leben und alt werden i n der Waldkolonie“ und
„AG Senioren in Kranichstein“ als Arbeitskreise geb ildet. Erstere wird in einem
3-jährigen Projekt von Frau Prof. Dr. Kleiner, Ev. Hochschule Darmstadt, wis-
senschaftlich begleitet.
Diese Arbeitskreise werden durch die Sozialplanung der Bedarfe Älterer in Ko-
operation mit Institutionen und Bürgerinnen und Bür gern vor Ort initiiert und
unterstützt. Durch die so entstehende Netzwerkarbei t können vorhandene Ver-
sorgungsstrukturen erfasst und Bedarfslücken erkann t und deutlich gemacht
werden.
Stadtteile mit Eigennamen sind historisch entstande n, hier haben sich bereits
Strukturen entwickelt und verfestigt. Dies lädt ehe r zur Identifikation ihrer Be-
wohnerinnen und Bewohner ein. Hierzu gehören die St adtteile Wixhausen,
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
25
Eberstadt, Bessungen, Arheilgen und Kranichstein. D ie restlichen Stadtteile
sind lediglich statistische Konstrukte: DA-Mitte, D A-Nord, DA-Ost und DA-West.
Dies erschwert eine Identifikation, die Bewohnerinn en und Bewohner fühlen
sich hier eher kleinräumigeren Bezirken zugehörig, z.B. Komponisten-, Martins-
oder Johannesviertel. Dies ist bei der Etablierung von Austausch- und Beteili-
gungsforen zu berücksichtigen, wenn ein breites Per sonenspektrum erreicht
werden soll. Gegebenenfalls ist nicht für jeden Bez irk dieser Stadtteile ein Be-
teiligungsforum wie die runden Tische möglich, aber eine sinnvolle Zusammen-
fassung einzelner Bezirke ist erforderlich.
3.2 Bürgerschaftliches Engagement
Bürgerschaftliches Engagement wird in der Arbeitsgruppe definiert als eine Be-
tätigung, welche freiwillig ohne Gewinnerwirtschaft ung und gemeinwohlorien-
tiert erfolgt. Sie findet organisiert statt, z.B. i n Verbänden, Kirchen, Vereinen,
Initiativen oder Selbsthilfegruppen. Beispiele für nicht organisiertes Engage-
ment sind direkt demokratische Bürgerbeteiligung (W ahlen) oder individuelle
nachbarschaftliche Unterstützung vielfältiger Art.
Politisches Engagement in Parteien wurde in der AG nochmals differenziert
betrachtet, da sich hier ein „positiver Effekt für Dritte 15 “ z.B. bei abweichender
politischer Haltung nicht unmittelbar ableiten lässt.
Engagement im Bundesfreiwilligendienst und finanzie lles Engagement in Form
von Spenden oder Stiftungen durch Organisationen od er Einzelpersonen blei-
ben hier unberücksichtigt.
Für Darmstadt liegen bisher zu den genannten Engage mentformen keine In-
formationen vor. Um einen Überblick über den Umfang und inhaltliche
Schwerpunkte des gegenwärtigen Engagements machen z u können, wären Er-
hebungen in Form von Befragungen erforderlich. Aufb auend auf dem sich hie-
raus ergebenden Erkenntnisgewinn könnten Untersuchu ngen zur Aktivierung
von Engagementpotenzialen durchgeführt werden. Darüber hinaus sollten Wege
gefunden werden, bereits vorhandenes Datenmaterial zu statistischen Zwecken
zusammenzuführen und so auswertbar zu machen. Die s o entstehende Daten-
bank würde dazu beitragen, das Freiwilligenzentrum als zentrale Koordinati-
onsstelle besser zu etablieren.
15 Wikipedia: Bürgerschaftliches Engagement.
https://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCrgerschaftliches_Engagement (Stand: 13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
26
3.2.1 Gesamtstadt
Das größte Potenzial ehrenamtlichen Engagements dür fte immer noch in Kir-
chen, Verbände und Vereine münden. Auch Selbsthilfe gruppen und Initiativen
wählen oft den Verein als Rechtsform.
Das Amtsgericht Darmstadt verzeichnete Anfang 2014 eine Anzahl von 1.767
eingetragenen Vereinen. Ein genauerer Einblick ist nicht möglich, weil lediglich
Vereinsnamen und teilweise Adressen gelistet werden . Detailliertere Informati-
onen über die Zusammensetzung der Mitgliederstruktu r und Art sowie Schwer-
punkte der Tätigkeiten müssten bei den Vereinen dir ekt erhoben werden, was
die Möglichkeiten dieses Berichts übersteigt (vergl. 2.2).
Weitere organisierte Formen ehrenamtlichen Engageme nts finden sich in Orga-
nisationen der Kirchen und in Verbänden. Hier werde n Ehrenamtliche meist
professionell begleitet und unterstützt, um durch r echtzeitige Entlastung und
Reflexion Überforderungen vorzubeugen.
Das Freiwilligenzentrum Darmstadt bietet eine Anlau fstelle für Freiwilligen-,
Flüchtlings- und Selbsthilfemanagement. Interessier te Bürgerinnen und Bürger
können sich hier melden und in Einsatzstellen vermi tteln lassen. Darüber hin-
aus werden unentgeltlich Beratungen und Qualifizier ungen angeboten. Diese
können auch von Sozialorganisationen in Anspruch ge nommen werden. Träger
des Freiwilligenzentrums ist der Paritätische, die Finanzierung erfolgt über die
Wissenschaftsstadt Darmstadt.
In der allgemeinen Datenbank des Freiwilligenzentru ms sind 342 Freiwillige
gelistet 16 , der Frauenanteil beträgt 63%. Es liegen nur von 1 3% der gelisteten
Personen Altersangaben vor. Diese verteilen sich au f die Altersstufen von 20 –
29 Jahren und 60 – 69 Jahren. Deutsche Staatsbürger schaft haben 80% der
gelisteten Personen. Die Angaben zum gewünschten Ze itaufwand pro Woche
verteilen sich wie folgt:
25% möchten sich weniger als 5 Stunden wöchentlich engagieren
22% nach Vereinbarung
14% 5-10 Stunden wöchentlich
3% über 20 Stunden
3% spontan
16 Freiwilligenzentrum, Stichtag 15.12.2015.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
27
Diese Angaben sind nicht repräsentativ, lassen aber einen Trend erkennen, der
vom bisherigen, klassischen ehrenamtlichen Engageme nt, mit hoher Verbind-
lichkeit und zu festgelegten Zeiten, wegführt. Viel e soziale Organisationen nen-
nen das Ausbleiben von jüngerem Nachwuchs als eine der größten Herausfor-
derungen für die Zukunft.
Klassische Angebote wie Seniorentreffs gehen zunehm end zurück. Der Nach-
wuchs an Besucherinnen und Besuchern bleibt ebenso aus, wie der Nachwuchs
an Menschen, die bereit sind, Leitung und Organisat ion eines Treffs ehrenamt-
lich zu übernehmen. Dies betrifft Treffs in kirchli cher, kommunaler und ver-
bandlicher Trägerschaft gleichermaßen. Daher kann d avon ausgegangen wer-
den, dass nicht die Trägerausrichtung entscheidend ist, sondern eher ein ge-
samtgesellschaftlicher Veränderungsprozess diese Entwicklungen auslöst.
Interessanterweise sind im Freiwilligenzentrum in d er Datenbank für Flücht-
lingshilfen 975 Personen gelistet. Hier ist der Fra uenanteil mit 65% sogar ge-
ringfügig höher als in der allgemeinen Datenbank.
Dies zeigt ein bisher unerschlossenes, nicht unerhe bliches Potenzial ehrenamt-
lichen Engagements. Dieses Potenzial genauer zu unt ersuchen, könnte eben-
falls wichtige Hinweise auf die Gestaltung künftiger Engagementfelder geben.
3.2.2 Stadtteilebenen
In einigen Stadtteilen werden bereits mit kommunale r Unterstützung im Rah-
men bürgerschaftlichen Engagements soziale Treffpun kte und nachbarschaftli-
che Unterstützungssysteme aufgebaut. Beides wird in der Regel miteinander
verknüpft, da soziale Treffpunkte, z.B. in Form von Nachbarschaftscafés, als
Begegnungsorte idealerweise über unterstützungsrelevante Netzwerke verfügen
und Anliegen niederschwellig eingebracht und/oder b emerkt werden können.
Im Folgenden werden einige Beispiele ehrenamtlichen Engagements im Rah-
men nachbarschaftlicher Unterstützungssysteme und Netzwerke vorgestellt.
Im Stadtteil Wixhausen gibt es seit 2010 als Gemeinschaft im DRK, Ortsver -
band Wixhausen, die Aktiven Senioren .
17 Sie sind gut vernetzt mit anderen sozi-
al engagierten Vereinen und Gruppierungen, sowie der Fachkonferenz Altenhilfe
und der Sozialplanung der Bedarfe Älterer. Folgende Ziele stehen auf ihrer
Agenda:
17 Aktive Senioren Wixhausen, http://aktive-senioren.wixhausen.de/node/211 (Stand: 16.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
28
• im Stadtteil Wixhausen infrastrukturelle, kulturell e und soziale Voraus-
setzungen schaffen, um möglichst lange selbstbestim mt im eigenen Zu-
hause leben zu können
• intergenerative Möglichkeiten eröffnen, um im Rahme n ehrenamtlichen
Engagements Wissen, Können und Erfahrung zum Nutzen der Gesell-
schaft einzubringen
• durch den Betrieb der Begegnungsstätte der Vereinsa mung entgegen-
wirken und
• in Kooperation mit Bauträgern und Grundstückseigner n im Stadtteil bar-
rierefreie Wohnungen entstehen zu lassen
Die Aktiven Senioren haben bereits viel erreicht, n äheres hierzu und weitere
Informationen sind auf ihrer Homepage einzusehen.
In Kranichstein ist der Verein Hiergeblieben e.V. aktiv. Er setzt sich für die
Etablierung eines Service-Zentrums mit folgenden Angeboten ein:
• Beratung und ambulante Pflege, rund um die Uhr und fußläufig erreich-
bar.
• Nachbarschaftscafé für Freizeitgestaltung, Unterhaltung und Kultur.
• Ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe bei Unterstützung sbedarf in profes-
sioneller Koordination.
• Vermittlung haushaltsnaher Dienstleistungen.
Aus strukturellen Gründen wird der Verein Hiergeblieben e.V. im Themenfeld 3.
Wohnen und Wohnumfeld näher beschrieben.
Im Stadtteil Arheilgen hat sich im Rahmen des Stadtteilforums 2015 der Ar-
beitskreis (AK) Ehrenamtliches Engagement und Nachbarschaftshi lfe gebildet.
Hier sind bisher Vertretungen verschiedener soziale r Organisationen, kirchli-
cher Träger und Stadt Darmstadt, Sozialplanung der Bedarfe Älterer zusam-
mengeschlossen. Der AK ist offen für Interessierte und hat folgende Ziele:
• Austausch und Vernetzung bereits bestehender Angebote im Stadtteil
• Informationsgewinnung zur passgenaueren Angebotsgestaltung
• gegenseitige Kooperation und Ressourcenaustausch bei Bedarf
• gemeinsame Interessen zusammenführen und vertreten
• gemeinsam Lösungsansätze für künftige Gestaltung entwickeln
In Arheilgen sind Unterstützungssysteme in den vers chiedenen Trägerschaften
parallel entstanden und gewachsen. Diese auf Augenh öhe zusammenzuführen
und zu vernetzen ist ein wichtiger Schritt zur weit eren Entwicklung von Struk-
turen, welche selbstbestimmtes Leben im Alter unterstützen.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
29
In Bessungen engagiert sich die Stadtteilrunde für Senioren für die Belange älte-
rer Menschen. Die Stadtteilrunde arbeitet bisher themenzentriert und trifft sich
unter der organisatorischen Leitung der Geschäftsfü hrerin des Nachbar-
schaftsheim Darmstadt e.V. und einer Vertreterin de r Ökumenischen Gemein-
derunde Bessungen.
Im Stadtteil Eberstadt entwickelt sich das Seniorennetzwerk Eberstadt . Auch
hier stehen die Elemente nachbarschaftliche Unterst ützung, Nachbarschaftsca-
fé und Vernetzung im Mittelpunkt. Weitere Arbeitsgr uppen sind in Planung.
Eberstadt ist ein großer Stadtteil
mit 5 statischen Bezirken. Das Seniorennetz-
werk Eberstadt möchte alle Bezirke einbeziehen und berücksichtigt dies in sei-
ner Öffentlichkeitsarbeit.
Bisher wurde einmal monatlich ein Nachbarschaftscaf é realisiert. Die Arbeits-
gruppe Eber-schaffts-Hilfe möchte ein nachbarschaftliches Unterstützungssys-
tem etablieren. Dies beinhaltet folgende Angebote:
• Unterstützung bei Einkauf,
• Begleitungsangebote für Freizeit, Arztbesuche etc.,
• kleine Hilfen im Haushalt,
• Hilfe bei Umgang mit PC,
• Hilfe bei Krankheit/Notfälle, keine Pflege
Arbeitsgruppen zu weiteren Themen sind in Planung.
3.3 Bildung und Kultur
3.3.1 Bildung
Lebenslanges Lernen und Zugang zu Bildungsmöglichke iten auch im Alter för-
dern Persönlichkeitsentwicklung, Alltagsbewältigung und unterstützen die so-
ziale Teilhabe. Unbestritten ist, dass Lernen auch im Alter die individuelle geis-
tige Aktivität fördert, Kommunikationsfähigkeiten v erbessert und ein flexibleres
Handlungsspektrum ermöglicht.
18 Ein weiterer Aspekt ist die Förderung von
intergenerativem Erfahrungstransfer.
In der Praxis, bzw. im gesellschaftlichen Alltagsge schehen wirken sich diese
Überlegungen nur dann aus, wenn ältere Menschen tat sächlich auch (Weiter-)
Bildungsmöglichkeiten nutzen. Hierzu gibt es Unters uchungen, die bestätigen,
dass die Bereitschaft an betrieblichen und beruflic hen Veranstaltungen teilzu-
nehmen, von den bereits vorhandenen Bildungsabschlüssen abhängt. Personen
18 Scheich, H. (2006): Lernen und Gedächtnis. In: Nuissl, E. (Hrsg.): Vom Lernen zum Lehren Bielefeld,
S.75-92.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
30
mit höheren Bildungsabschlüssen nehmen etwa doppelt so häufig an Veran-
staltungen zur Fort- und Weiterbildung teil, wie Pe rsonen mit niedrigem oder
ohne Bildungsabschluss. 19 Die Untersuchungen zeigen auch, dass die Teil-
nahmebereitschaft mit zunehmendem Alter nachlässt. Hierbei ist zu berück-
sichtigen, dass die nachlassende Teilnahmebereitsch aft möglicherweise durch
den bevorstehenden beruflichen Ausstieg determiniert ist und die Bildungsinte-
ressen sich anderen, hier nicht erfassten Themenfeldern zuwendet.
Um erste Informationen zum Bildungsverhalten älterer Menschen in Darmstadt
zu bekommen, wurden zunächst zwei Institutionen bet rachtet, der Verein Aka-
demie 55+ Darmstadt e.V. 20 und die Volkshochschule Darmstadt (VHS). Die
Akademie 55+ spricht mit ihrem Programm eher Mensch en mit höherem Bil-
dungsabschluss an. Bei der VHS wird davon ausgegangen, dass sie (Nomen est
omen) mit ihrem Angebot ein breiteres Publikum erreicht.
Die Akademie 55+ bietet für Mitglieder und Interess ierte ab dem 55. Lebens-
jahr Kurse und Veranstaltungen an. Im Angebot sind Sprach- und Computer-
kurse, Vorträge, sportliche Angebote, Tagesausflüge , Reisen und Seminare zu
unterschiedlichen Themen. Das Angebot kann jederzei t auf weitere Inhalte
ausgedehnt werden. Alle Mitarbeiter/innen und Vortr agende arbeiten ehren-
amtlich, die Kurse sind für Mitglieder im Mitglieds beitrag enthalten. Dieser be-
trägt 65€ jährlich und ist bei Bezug von Grundsiche rung auf 35€ ermäßigt. Der
Verein hatte 2014 1289 Mitglieder. Der Frauenanteil ist etwa doppelt so hoch
wie der Männeranteil. Der Altersschwerpunkt der Mitglieder liegt etwa zwischen
65 und 79 Jahren. 803 Mitglieder leben in Darmstadt . An den angebotenen
Kursen haben im 1. Halbjahr 2587 Personen teilgenom men, im 2. Halbjahr
2709 Personen. Selbst wenn davon ausgegangen wird, dass hier Doppelungen
vorliegen, also einige Personen in beiden Halbjahre n Kurse besucht haben,
zeigt die Teilnehmer/innenzahl ein hohes Bildungsinteresse.
Ein Blick auf die Statistik der Volkshochschule Dar mstadt 21 zeigt, dass die
meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer Sprachen bel egen, darunter am häu-
figsten Deutsch als Fremdsprache. Danach kommen ges undheitliche Themen.
Die Veranstaltungen werden ebenfalls etwa doppelt s o oft von Frauen wie von
Männern besucht. Im Jahr 2014 nahmen insgesamt 11.8 02 Personen an den
angebotenen Kursen teil.
19 Jens Friebe, Bildung bis ins hohe Alter, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Leibniz-Zentrum
für Lebenslanges Lernen Dezember 2009 http://www.die-bonn.de/doks/friebe0901.pdf (Stand
14.02.2016)
20 Akademie 55+ Homepage, http://www.aka55plus.de/index.php/wir-ueber-uns (Stand 14.02.2016)
21 Auszug aus Datenreport 2015 https://www.darmstadt.de/fileadmin/Bilder-
Rubriken/Standort/Statistik_und_Stadtforschung/pdf/jahrbuch/07Bildung/K07-44-45.pdf
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
31
Die beiden ausgewählten Bildungsträger geben einen ersten Einblick zur Wahr-
nehmung von non-formalen Bildungsangeboten, lassen aber keine belastbaren
Rückschlüsse über den Bildungsstand und damit verbu ndene Teilnahmekrite-
rien zu. Um weiterführende Aussagen zum Bildungsver halten älterer Menschen
in der Wissenschaftsstadt Darmstadt zu machen und daraus Handlungsbedarfe
ableiten zu können, wird eine Befragung im Rahmen e iner wissenschaftlichen
Studie angeregt um auch niedrigschwelligere Bildung sangebote zu erfassen.
Auf Stadtteilebene finden meist in Räumen für bürge rschaftliche Nutzung zahl-
reiche weitere Bildungsangebote in Form von Veranst altungen und Kursen
statt. Vereine wie der Seniorenrat e.V. bieten PC-K urse für Seniorinnen und Se-
nioren an.
3.3.2 Kultur
Im kulturellen Bereich gibt es in der Wissenschafts stadt für alle Altersgruppen
ein breites Angebot. Neben Staatstheater, halbNeun Theater, Theater Moller
Haus, Neue Bühne Darmstadt, West Side Theatre, Hoff ART-Theater oder Co-
medy Hall mit Kikeriki-Theater bieten Kultur- und V eranstaltungshäuser ein
vielfältiges, abwechslungsreiches Programm. Nähere Informationen zu kulturel-
len Angeboten und Veranstaltungskalender sind u.a. der städtischen Homepa-
ge
22 zu entnehmen und brauchen hier nicht weiter aufgeführt werden.
Im Rahmen des ersten Aktionsplans der Wissenschafts stadt Darmstadt 23 ist
die Entwicklung eines inklusiven Kulturführers gepl ant, welcher über kulturelle
Einrichtungen und deren Angebote informiert. Auch d er Abbau von Barrieren
wird im Zuge der Umsetzung des Aktionsplans weiter vorangetrieben. Für städ-
tische Kultur- und Veranstaltungshäuser ist ein bar rierefreier Zugang entweder
bereits weitestgehend möglich oder wird angestrebt.
Die Teilhabecard 24 bietet ermäßigte Eintrittspreise im sozialen und k ulturellen
Bereich.
Um gesellschaftliche Teilhabe zu fördern, bietet da s Seniorenprogramm
25 der
Wissenschaftsstadt Darmstadt ein sehr differenziert es, kostengünstiges Spekt-
22 Wissenschaftsstadt Darmstadt: Veranstaltungskalender.
http://www.darmstadt.de/veranstaltungskalender/index.htm?no_cache=1 (Stand: 13.02.2016).
23 Wissenschaftsstadt Darmstadt: Auf dem Weg zur inklusiven Stadt. Erster Aktionsplan der Wissen-
schaftsstadt Darmstadt zur Umsetzung des Übereinkommens der vereinten Nationen über die Rechte von
Menschen mit Behinderung.
24 Wissenschaftsstadt Darmstadt: Teilhabecard. https://www.darmstadt.de/leben-in-darmstadt/soziales-
und-gesellschaft/teilhabecard/ (Stand: 13.02.2016).
25 Wissenschaftsstadt Darmstadt: Programm für Seniorinnen und Senioren.
https://www.darmstadt.de/fileadmin/Bilder-
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
32
rum an kulturellen, informativen, sportlichen, musi kalischen und geselligen
Angeboten an.
3.4 Handlungsempfehlungen aus der AG Partizipation, bürger-
schaftliches Engagement, Bildung und Kultur
Um für dieses Themenfeld weiterführende Handlungsempfehlungen auszuspre-
chen, ist zunächst weitere Informationsgewinnung erforderlich.
• Es fällt auf, dass Beteiligung von Menschen mit Mig rationshintergrund
nach wie vor überwiegend durch Ansprache und aufsuc henden Zugang
erreicht werden kann. Um genauere Aufschlüsse zur N achhaltigkeit bis-
heriger Maßnahmen und Projekte zu erhalten und so m öglicherweise op-
timieren zu können, wird eine wissenschaftliche Übe rprüfung der Ergeb-
nisse der bisher in Darmstadt erfolgten Maßnahmen angeregt
• Erstellung einer übergreifenden Datenbank zur Erfas sung ehrenamtli-
chem Engagements (vergl.3.2)
• Hauptamtliche Koordination und Vernetzung ehrenamtl ichen Engage-
ments im Rahmen der Stadtteilforen und Runden Tische
• stärkere institutionelle Vernetzung und Austausch, könnte z.B. über die
Foren erfolgen
• Entwicklung eines strategischen, sozialplanerischen „Masterplans“ zur
weiteren Vorgehensweise: Steuerung und Zusammenführ ung von Stadt-
teilforen, deren Finanzierung, Koordination und Anb indung an die Ver-
waltung. Gestaltung künftiger Angebote und ggf. der en Trägerschaft, s.
auch 4.3.
• dezentrale Beratungsstrukturen, auch zur Wohnberatung (vergl. 4.4)
Ru-
briken/Leben_in_Darmstadt/soziales/senioren/5024_Seniorenprogramm_DA_2016_Finale_web_Endfassu
ng.pdf (Stand: 13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
33
4. Wohnen und Lebensführung
Die Bereiche Wohnen und Lebensführung sind voneinan der abhängig und wer-
den daher in einem gemeinsamen Themenfeld zusammeng efasst. In der AG
wurde zunächst die Abgrenzung zu anderen Themenfeld ern diskutiert, insbe-
sondere zum Thema Pflege. Hier bilden Unterstützung sbedarf an haushaltsna-
hen Dienstleistungen sowie die Anpassung von Wohnra um Schnittmengen.
Beide Bereiche wurden strukturell dem Thema Wohnen und Wohnumfeld zuge-
ordnet, da sie Pflege nicht nur unterstützen, sonde rn bereits als Vorstufe zur
Pflege erforderlich oder sogar unumgänglich sein kö nnen, um ambulant vor
stationär zu ermöglichen.
Auch Mobilität wird im Zusammenhang mit Wohnen und Wohnumfeld gesehen,
insbesondere im Kontext Barriereabbau und ÖPNV. Die barrierefreie Ausgestal-
tung der Wissenschaftsstadt Darmstadt ist ein wichtiges Anliegen der Sozialpo-
litik und wird in der Stadtplanung berücksichtigt. Um Barrieren kleinräumig in
bestehenden Wohnquartieren zu identifizieren und ab zubauen, ist die Mitwir-
kung und Beteiligung der Menschen vor Ort erforderlich (vergl. 2.1).
4.1 Gesamtstadt
Bei aller Diversität im Alter gibt es einen gemeins amen Nenner: nahezu alle
befragten Personen möchten, solange es irgendwie mö glich ist, auch im Alter
in ihrem vertrauten Wohnumfeld bleiben und bei Beda rf auch versorgt werden.
Diese bundesweite Entwicklung bestätigt sich auch i n den Ergebnissen von
kleinräumigen Befragungen auf Stadtteilebene in Dar mstadt.26 Daraus ergeben
sich Herausforderungen an die kleinräumige Quartier sentwicklung, besonders
in den Bereichen Wohnen und Infrastruktur. Aber auc h der Zugang zu Freizeit-
angeboten, Kultur und Sport sollte gegeben sein.
Immer mehr Menschen werden immer älter, dies ist je doch kein isolierter Fak-
tor, sondern eine gesamtgesellschaftliche Entwicklu ng, die alle Altersgruppen
auf allen sozialen Ebenen betrifft.
Für das Themenfeld Wohnen und Lebensführung sind Ba rriereabbau und Infra-
struktur zentrale Faktoren, die proportional zu Ein schränkungen der Mobilität
26 TU Darmstadt, Stadtforschung / Institut für Soziologie, Wissenschaftsstadt Darmstadt (2009): Befra-
gung Generation 65+ in Wixhausen.
TU-Darmstadt, Stadtforschung / Institut für Soziologie, Wissenschaftsstadt Darmstadt (2015): Lebenssi-
tuation der Generation 65+ im Stadtteil Darmstadt-Nord.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
34
an Bedeutung gewinnen. Mobilitätseingeschränkt könn en Menschen mit kör-
perlicher, geistiger oder psychischer Behinderung s ein. Auch soziale Kompe-
tenzen und wirtschaftliche Möglichkeiten können sic h mobilitätseinschränkend
auswirken. Je ausgeprägter die jeweilige Einschränk ung ist, desto mehr gewin-
nen das nahe Umfeld und der private Wohnraum an Bed eutung. Betroffen hier-
von sind auch ältere Menschen – neben anderen Bevöl kerungsgruppen. So pro-
fitieren grundsätzlich auch Familien mit Kleinkindern von barrierefreien/-armen
Wohnungen und ebensolchem öffentlichem Nahraum.
Das Interesse an barrierefreiem/-armen und somit au ch altersgerechtem
Wohnraum zeigt sich in verschiedenen Wohnprojekten,
27 die teilweise bereits
erfolgreich umgesetzt werden konnten. Projekte für gemeinschaftliches Woh-
nen sprechen bisher allerdings nur einen kleinen Te il der Bevölkerung an, sie
bilden aber eine wichtige Ergänzung. Bei eintretend em Unterstützungsbedarf
von Bewohnerinnen und Bewohnern stoßen jedoch auch intergenerative Wohn-
projekte an Grenzen, insbesondere, wenn längere Zei träume kontinuierlich zu
überbrücken sind.
Mindestens ebenso wichtig wie bezahlbarer, barriere freier/-armer Wohnraum
in entsprechendem Wohnumfeld ist die Verfügbarkeit von bezahlbaren bzw.
kostenlosen haushaltsnahen Dienstleistungen bei Unt erstützungsbedarf. Dies
erfordert neue Konzepte, die für die Darmstädter St adtteile in fortlaufenden
partizipativen Prozessen mit Bürgerinnen und Bürger n, Wohnungswirtschaft
und Institutionen vor Ort zu entwickeln sind. Gemei nsam sollten die Grenzen
für ehrenamtliches Engagement ausgelotet und profes sionelle Unterstüt-
zungsmöglichkeiten einbezogen werden.
Die Beurteilung der Lebensqualität in einem Stadtte il ist immer auch subjektiv
und nur unzureichend in Strukturdaten messbar. Um h ierzu Informationen als
Planungsgrundlage zu gewinnen, sind Erhebungen wie die Bürgerumfrage zur
Lebensqualität
28 unerlässlich. Diese sollten nach Altersgruppen aus gewertet
werden, um Erkenntnisse über die subjektive Lebensq ualität älterer Menschen
zu erhalten. Detailliertere Informationen geben kle inräumige Erhebungen auf
Stadtteilebene, wie in Arheilgen, Wixhausen und Da-Nord durchgeführt.
Die Erfassung der Infrastruktur auf Stadtteilebene ist mit den zur Verfügung
stehenden Mitteln sehr zeitintensiv und müsste zude m jährlich wiederholt wer-
den, um aktuell zu bleiben. Der Einzelhandel unterl iegt letztendlich betriebs-
27 Förderverein Gemeinsames Wohnen Jung und Alt e.V. Darmstadt: Wohnprojekte in Darmstadt und
Umgebung. http://www.wohnprojekte-darmstadt.de/wohnprojekte (Stand: 13.02.2016).
28 Wissenschaftsstadt Darmstadt: Statistik und Stadtforschung.
https://www.darmstadt.de/standort/statistik-und-stadtforschung/index.htm (Stand: 13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
35
wirtschaftlichen Gegebenheiten. Wenn in einem Stadt teil aus Gründen der Ren-
tabilität Geschäfte schließen und damit Versorgungs möglichkeiten wegfallen,
wird sich diese Lücke meistens nicht durch Neuansie dlung eines anderen An-
bieters schließen lassen. Problematisch kann sich h ier vor allem die Versor-
gung mit Gütern des täglichen Bedarfs und medizinische Versorgung gestalten.
4.2 Stadtteilebenen
4.2.1 Infrastruktur
Die Infrastruktur der Darmstädter Stadteile und der en Bezirke ist unterschied-
lich ausgeprägt. So gibt es aktuell (Stand Februar 2016) im Bezirk Waldkolo-
nie, Stadtteil Darmstadt-Nord, keine Einkaufsmöglic hkeit für Lebensmittel und
andere Güter des täglichen Bedarfs mehr. Eine Bäcke rei und eine Metzgerei
sind noch vor Ort. Es ist fraglich, ob eine Neuansi edlung eines rein kommerzi-
ellen Lebensmittelgeschäfts zustande kommt und ob d ie zu erwartenden Um-
sätze eine Nachhaltigkeit gewährleisten würden, dies könnte durch eine profes-
sionelle Unternehmensberatung unter Berücksichtigun g des Stadtteilentwick-
lungspotenzials geprüft werden.
Neben der fehlenden Nahversorgung ist zusätzlich ei n offener sozialer Treff-
punkt verloren gegangen, welcher besonders auch für ältere Menschen eine
neutrale Möglichkeit geboten hatte, sich ohne Kirch en- oder Vereinszugehörig-
keit zu begegnen.
Diese Problematik ist aus dem ländlichen Raum bekan nt. Zur Lösung wurden
mittlerweile Dienstleistungskonzepte
29 entwickelt, welche den unterschiedli-
chen Bedarfen Rechnung tragen. Es sind Nachbarschaf tsläden entstanden,
welche möglichst viele Funktionen in sich vereinen. Neben der Versorgung mit
Gütern des täglichen Bedarfs werden Dienstleistunge n und ein sozialer Treff-
punkt, z.B. ein niedrigschwelliger Cafébetrieb ange boten. Die Trägerschaft
kann sehr unterschiedlich aussehen. Es gibt Dorf- b zw. Nachbarschaftsläden
als Integrationsbetriebe für Menschen mit Behinderu ng oder Beschäftigungs-
förderung. Einige Läden sind genossenschaftlich org anisiert, andere werden
von Landwirtschaftlichen Erzeugern betrieben, welch e neben ihren eigenen
Produkten auch andere Bedarfsgüter anbieten.
Hier könnte auch für die Waldkolonie und andere bet roffene Bezirke ein Lö-
sungsansatz liegen, dies sollte in den Beteiligungs foren vor Ort wie der Stadt-
29 Industrie- und Handelskammer Kassel-Marburg (2014): Dorfläden in Nordhessen. https://www.ihk-
kassel.de/solva_docs/dorflaeden_in_nordhessen.pdf (Stand: 13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
36
viertelrunde oder der AG „Gemeinsam leben und alt w erden“ diskutiert und ei-
ne passende Strategie entwickelt werden. Möglicherw eise könnte ein bereits
vorhandenes Angebot, wie die Bäckerei, zu einem Aus bau bereit sein oder ein
Landwirtschaftlicher Erzeuger aus dem Umland ließe sich gewinnen.
Einen weiteren Lösungsansatz bietet ein „Shopping S huttle“: ein Fahrdienst
holt mit einem Kleinbus zu festgelegten Zeiten interessierte Personen an einem
vereinbarten Treffpunkt ab und fährt zu einem Einka ufszentrum. Nach einer
vereinbarten Zeit werden alle wieder im Stadtteil abgesetzt. Ein Shopping Shut-
tle berücksichtigt ebenfalls soziale Komponenten, a llerdings kann nur eine be-
grenzte Personenzahl in einem vergleichsweise klein en Zeitfenster mitgenom-
men werden.
Mit reinen Lieferdiensten durch den Einzelhandel od er Einkaufsdienste kann
zwar die Versorgung abgesichert werden, sie reduzie ren Sozialkontakte aller-
dings auf ein Minimum.
Die Zufriedenheit älterer Menschen mit der Infrastr uktur im Stadtteil lässt sich
aus den Bürgerbefragungen nicht direkt ableiten, da der Anteil der befragten
Personen ab 65 Jahren nur 21,3% beträgt. Daher ist davon auszugehen, dass
sich möglicherweise abweichende Ergebnisse für ausd ifferenzierte Alterskohor-
ten ergeben würden.
In den Stadtteilen Wixhausen und Darmstadt-Nord gab en zwischen 85% und
95% der befragten Personen an, gerne bis sehr gerne im Stadtteil zu leben.
Dies relativiert sich auf Bezirksebene. In den stat istischen Bezirken Morneweg-
und Pallaswiesenviertel wohnen zusammen nur 60,3% d er Befragten gerne bis
sehr gerne im Stadtteil. Der Stadtteil Darmstadt-No rd macht deutlich, wie
wichtig eine kleinräumige Betrachtung ist.
Die Beurteilung der Wohn- und Lebenssituation ist i mmer auch subjektiv. So
leben in der Waldkolonie trotz ungünstiger Einkaufs möglichkeiten 82,8% gerne
bis sehr gerne im Stadtteil. Das zeigt, dass der Wo hlfühlgrad von mehreren
Faktoren bestimmt wird.
Die Erhebungen in Wixhausen und Darmstadt-Nord berü cksichtigen Versor-
gungsgrade im gesundheitlichen-, gesellschaftlichen -, Dienstleistungs-, und
infrastrukturellen Bereich. Die hier verwendeten Fr agestellungen könnten für
weitere Stadtteile genutzt werden.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
37
Tabelle 6, Wohlfühlfaktor im Stadtteil
Sehr gern % Gern % Teils/teils % Eher ungern
%
Sehr ungern
%
Johannesviertel 61,6 32,3 4,9 1,2 0,0
Martinsviertel West 64,7 30,1 5,1 0,0 0,0
Martinsviertel Ost 54,4 36,8 7,1 1,1 0,5
Waldkolonie 47,2 35,6 16,9 0,4 0,0
Morneweg-/ Pal-
laswiesenviertel
16,7 43,6 32,1 5,1 2,6
Am Ziegelbusch 47,4 41,2 10,1 1,3 0,0
gesamt 51,0 36,3 11,3 1,1 0,3
Quelle: Uwe Engfer, André Bonin, „Die Lebenssituati on der Generation 65+ in Darmstadt-
Nord“, Tabellenband mit Aufgliederung nach statistischen Bezirken, (Stand: 2015)
Soziale Treffpunkte im Wohnumfeld sind auch bei int akter Infrastruktur wichti-
ge Bestandteile von Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. In den Stadtteilen
wo bisher Beteiligungsforen initiiert werden konnte n, wurde der Bedarf an eh-
renamtlich betriebenen Nachbarschaftscafés angemeld et und entsprechende
Räume gesucht. Das Vorhandensein eines solchen Ange bots steigert die Le-
bensqualität und das soziale Miteinander im Wohnumf eld und wertet es damit
auf.
Nachbarschaftscafés sind bisher in den Stadtteilen Wixhausen, Arheilgen,
Eberstadt und Kranichstein entstanden. Die Angebote unterscheiden sich in
der Ausgestaltung und entsprechen den Ressourcen vo r Ort. Gemeinsam ist,
alle werden ehrenamtlich betrieben und dienen auch als Andockstellen für Un-
terstützungsbedarf. Im Stadtteil Kranichstein wurde aus einer Initiative ein
Verein gegründet, welcher sich zum Ziel gesetzt hat, die Schwerpunkte sozialer
Treffpunkt, haushaltsnahe Dienstleistungen, ehrenam tliches Engagement,
Wohnen und ambulante Pflege zu verbinden.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
38
4.2.2 Kranichsteiner Modell, Hiergeblieben e.V.
Der Verein Hiergeblieben e.V. 30 setzt sich für Versorgungssicherheit im Stadt-
teil Kranichstein ein. Selbstbestimmtes Wohnen, auc h im Alter und bei Unter-
stützungsbedarf durch Krankheit oder Beeinträchtigu ng durch Behinderungen,
soll realisiert werden. Bei der Umsetzung orientier t sich der Verein am Biele-
felder Modell. 31
Dieses Modell ermöglicht selbstbestimmtes Wohnen au f Quartiersebene ohne
Betreuungspauschale. Mittlerweile werden in fast al len Bielefelder Stadtteilen
barrierefreie Wohnungen als Servicestützpunkte an a mbulante Dienstleister
vermietet. Diese verpflichten sich vertraglich, 24 Stunden an sieben Tagen pro
Woche präsent zu sein. Die Bewohner/innen des umlie genden Quartiers kön-
nen bei Bedarf auf die Angebote des Dienstleisters zurückgreifen, zahlen aber
nur bei tatsächlicher Inanspruchnahme.
Die Angebote decken sowohl Behandlungspflege als au ch den Bedarf an haus-
haltsnahen Dienstleistungen ab. Haushaltsnahe Diens tleistungen werden von
Ehrenamtlichen verrichtet, die Koordination erfolgt über sozialpädagogische
Fachkräfte der ambulanten Dienstleister. Diese umfa ssenden Versorgungsan-
gebote werden pro Quartier jeweils mit einem Wohnca fé mit großer Küche
kombiniert, welche ebenfalls ehrenamtlich betrieben werden. Sie bieten einen
kostengünstigen, täglichen Mittagstisch und wirken darüber hinaus als Treff-
punkt in der Freizeit möglicher Vereinsamung entgegen.
Dieses Modell ist auf Darmstadt nicht direkt übertragbar, da ambulante Dienst-
leister hier konzeptionell und personell anders aus gerichtet sind. Auch fanden
bisher noch keine Kooperationen mit Wohnungsbaugese llschaften statt. Der
Verein Hiergeblieben e.V. möchte dies ändern und se tzt sich für die Entwick-
lung eines „Kranichsteiner Modells“ ein, welches eb enfalls die Bereiche Woh-
nen, Pflege und Ehrenamt verbindet.
2011 bildete sich eine Initiative von Bewohner/inne n aus der Bau- und Wohn-
genossenschaft Wohnsinn. Zunächst gewann die Initia tive die sozialpolitische
Unterstützung durch Stadträtin Barbara Akdeniz. Die se stellte Stellenanteile
der damaligen Altenhilfeplanung für die Projektleit ung zur Verfügung. Es ge-
30 Hiergeblieben e.V. http://www.hiergeblieben-kranichstein.de/index.html (Stand: 13.0.2016).
31 WEGE mbH Wirtschaftsentwicklungsgesellschaft Bielefeld: Selbstbestimmt Wohnen mit Versorgungssi-
cherheit http://www.das-kommt-aus-bielefeld.de/produkte-dienstleistungen/produkt-
detail/selbstbestimmt-wohnen.html (Stand: 13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
39
lang in kurzer Zeit, weitere Kooperationspartner/in nen 32 zu gewinnen, welche
Ressourcen für die Weiterarbeit einbrachten und zur Vernetzung beitrugen.
Hervorzuheben ist hier die professionelle Unterstützung bei der Gewinnung von
Fördermitteln durch die Quartiersmanagerin des Stad tteils, Mitarbeiterin des
Diakonischen Werks Darmstadt-Dieburg.
2013 gründete die Initiative den Verein Hiergeblieben e.V. um in dieser Rechts-
form öffentliche und private Fördermittel akquirier en zu können. Mit der Ver-
einsgründung und der Wahl des Vorstands entfiel die Projektleitung. Die Aktivi-
täten des Vereins werden aber weiterhin im Rahmen v on Stadtteileilentwick-
lungen durch die Sozialplanung der Bedarfe Älterer unterstützt.
Der Verein ist in Arbeitsgruppen organisiert, welch e themenzentriert dem Vor-
stand zuarbeiten. Diese beinhalten Finanzen, Ressou rcen, Partizipation, Ko-
operationspartner/innen, Pflege und Nachbarschaftscafé.
Der Verein ist mittlerweile über den Stadtteil hina us mit sozialen Organisatio-
nen vernetzt und Mitglied der Fachkonferenz Altenhi lfe. Um die Bedarfe und
Wünsche der Menschen im Stadtteil kennen zu lernen und hierbei auch Men-
schen mit Migrationshintergrund zu berücksichtigen, wurde 2014/15 eine Be-
fragung als Zufallsstichprobe durchgeführt. Um auss agefähigere Ergebnisse zu
bekommen, sollen über einen längeren Zeitraum hinwe g weitere Personen be-
fragt werden.
Im Stadtteil Kranichstein konnte bisher als Angebot für Austausch und Gesel-
ligkeit ein Nachbarschaftscafé umgesetzt werden. Es findet bisher (Stand Feb-
ruar 2016) einmal wöchentlich nachmittags statt und ist sehr gut besucht. Die
kooperierenden ambulanten Pflegedienste bieten einm al monatlich abwech-
selnd Beratung und Kurzvorträge zu gesundheitlichen , medizinischen oder
pflegerischen Fragen an.
Neben dem Nachbarschaftscafé organisiert der Verein den Aufbau eines Krei-
ses von Ehrenamtlichen für Nachbarschaftshilfe. Zur Vermittlung von Nachbar-
schaftshilfen kann ebenfalls niederschwellig das Na chbarschaftscafé genutzt
werden. Die Koordination des ehrenamtlichen Engagem ents erfolgt professio-
nell, da Projektfördermittel des Deutschen Hilfswer ks (DHW) zur Finanzierung
bewilligt wurden. Die Nachhaltigkeit der Stellenfin anzierung über die 3-jährige
Projektlaufzeit hinaus, beginnend ab 2015, ist noch nicht sicher gestellt.
Um im Sinne des Bielefelder Modells Servicestützpun kte im Stadtteil zu initiie-
ren, finden Kooperationsgespräche mit der GWH Wohnu ngsgesellschaft mbH
32 Neue Wohnraumhilfe gGmbH; GWH Wohnungsgesellschaft mbH Hessen; Diakonisches Werk Darmstadt-
Dieburg; Caritasverband Darmstadt e.V.; Bau- und Wohngenossenschaft Wohnsinn; Al Jasem, Physiothe-
rapiezentrum am See; Wohnpark Kranichstein; Verein für Hauspflege e.V.; Verein für Reha- und Gesund-
heitssport (VRGS) Darmstadt e.V.; Wohnart 3 sowie die Wissenschaftsstadt Darmstadt.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
40
Hessen, bauverein AG, Caritasverband Darmstadt e.V. , DRK Pflegedienst
Darmstadt und Wissenschaftsstadt Darmstadt statt. E rste gemeinsame Projek-
te sind in Aussicht. So soll eine Tagespflegeeinrichtung in Kooperation von DRK
und GWH entstehen, welche nach der Etablierung als Servicestützpunkt erwei-
tert werden könnte. Der Caritasverband Darmstadt wi rd in seinen Räumlichkei-
ten im Stadtteil Beratungsangebote und Sprechzeiten vorhalten. Schwierig ge-
staltet sich die Anpassung von Wohnraum im Bestand. Auch inhaltlich sind
noch viele Einzelfragen zu klären, etwa wie die Woh nungsbelegung zu erfolgen
hätte, um Pflegediensten betriebswirtschaftliches Arbeiten zu ermöglichen.
Weitere Kooperationsgespräche werden stattfinden. W enn es gelingt, die Ange-
bote weiter auszuweiten, könnten mittelfristig die ersten beiden Servicestütz-
punkte als Pilotprojekte arbeiten.
4.3 Erhebungen
Im Stadtteil Arheilgen wurde 2006 eine Befragung der Bewohner/innen 65 Jah-
re und älter durchgeführt. 33 2009 erfolgte eine weitere Befragung im Stadtteil
Wixhausen und 2015 eine dritte im Stadtteil Darmsta dt-Nord. Die beiden letz-
teren wurden in Kooperation mit der TU, Institut fü r Soziologie und der Wis-
senschaftsstadt Darmstadt durchgeführt.
Alle drei Befragungen berücksichtigten die Themenfe lder Wohnen und räumli-
che Umwelt/Mobilität, Gesundheit und Lebenszufriede nheit im Kontext selbst-
bestimmtem Älterwerdens. Ein direkter Vergleich ist nur zwischen den Stadttei-
len Wixhausen und Darmstadt-Nord möglich, da die In dikatoren beider Erhe-
bungen aufeinander abgestimmt waren. Im Folgenden w erden einige Auszüge
der Ergebnisse wiedergegeben.
Die Stadtteile Arheilgen und Wixhausen sind struktu rell homogener als der
Stadtteil Darmstadt-Nord. Die folgenden Gegenüberst ellungen können nur ers-
te Eindrücke vermitteln. Grundsätzlich sollten die statistischen Bezirke diffe-
renziert betrachtet werden, da die angegebenen Wert e lediglich den Mittelwert
darstellen und als Planungsgrundlage eine kleinräum igere Untersuchung auf
Bezirksebene erforderlich ist.
Die in 4.3 folgenden Tabellen haben als Quelle die Abschlussberichte der Be-
fragungen in Arheilgen, Wixhausen und Darmstadt-Nor d und sind eigene Dar-
stellungen.
33 Ruprechts-Karls-Universität Heidelberg, Wissenschaftsstadt Darmstadt (2006): „Selbstbestimmt älter
werden in Arheilgen“.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
41
Tabelle 7, Bewohner/innen, statistische Bezirke
Wixhausen Arheilgen Darmstadt -Nord
Bewohner/innen, n 6.089 17.238 30.530
Bewohner/innen 65+, n 1.222 3.564 4.045
Statistische Bezirke Wixhausen -West
Wixhausen-Ost
Alt -Arheilgen
Arheilgen-Süd
Arheilgen-West
Arheilgen-Ost
Johannesviertel
Martinsviertel-West
Martinsviertel-Ost
Waldkolonie
Mornewegviertel
Pallaswiesenviertel
Am Ziegelbusch
Aus Gründen der Aktualität und besseren Vergleichba rkeit werden im Folgen-
den einige Ergebnisse der Befragungen in Wixhausen und Darmstadt-Nord zum
Thema Wohnen gegenübergestellt. Hierbei ist die Zei tspanne von acht Jahren,
die zwischen den Erhebungen liegt, zu berücksichtigen.
4.3.1 Wohntypen, Barrieren/ Wohnraumanpassung, Umzugspläne
Der Anteil an Wohneigentum beträgt in Wixhausen 75, 3% und liegt damit fast
doppelt so hoch wie in Darmstadt-Nord mit 41,1%. De r Wohnstatus Eigen-
tum/Miete lässt nicht nur Rückschlüsse über die Ein kommensverhältnisse zu,
er ist auch in Bezug auf Umbau- und Umzugsentscheid ungen von großer Be-
deutung.
In Wixhausen hatte keine der zur Miete wohnenden Pe rsonen die Absicht,
Wohnraumanpassungen vorzunehmen. Von den Personen m it Hauseigentum
beabsichtigten 5,8% der überwiegend jüngeren Senior en/innen, ihren Wohn-
raum altersgerecht anzupassen.
In Darmstadt-Nord gaben 4,3% der Befragten an, Wohn raumanpassungen vor-
nehmen zu wollen. Hier wurde in der Fragestellung n icht mehr nach Eigentum
und Miete differenziert, es darf aber angenommen we rden, dass auch hier die
Personen mit Wohneigentum erfasst wurden.
Das bedeutet im Umkehrschluss, dass rund 95% der Be wohner/innen beider
Stadtteile Eigentümer/innen wie Mieter/innen, keine Anpassung ihres Wohn-
raumes beabsichtigten.
Dem steht gegenüber, dass in Wixhausen 92,4% der Be fragten angaben, in ih-
rer Wohnung so lange es geht verbleiben zu wollen.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
42
Tabelle 8, Wohnstatus
Wohntyp Wixhausen
Personen in %
Da -Nord
Personen in %
Mietwohnung 23,9 56,9
Eigentumswohnung 6,5 21,1
Gemietetes Haus nicht erfasst 2,1
Eigenes Haus 68,8 20,0
Die folgenden Tabellen 9 und 10 geben Informationen zu vorhandenen Barrie-
ren. Auch hier wird ein gewisser Widerspruch zwisch en Wohnsituation und Plä-
nen zur Wohnraumanpassung deutlich.
Tabelle 9, für Zugang Treppenbenutzung erforderlich
Altersgruppen Wixhausen % Da -Nord %
65 -69 80,9 77,8
70 -74 70,7 79,2
75 -79 74,5 73,0
80 + 76,7 78,9
gesamt 75,5 77,3
Tabelle 10, Haus/Wohnung ist nicht barrierefrei
Altersgruppen Wixhausen % Da -Nord %
65 -69 75,1
70 -74 73,7
75 -79 66,1
80 + 61,6
gesamt 69,9
In Darmstadt-Nord hatten 45,6% der Befragten bereit s Umzugspläne. Davon
waren 33,1% auf altersgerechtere Wohnformen ausgerichtet.
Private Haus- und Wohngemeinschaften waren in beide n Stadtteilen kaum op-
tional. In Wixhausen planten weniger als 1% einen s olchen Umzug, in Darm-
stadt-Nord waren es 1,5%.
Einen Umzug in eine stationäre Pflegeeinrichtung be absichtigten in Wixhausen
2,2% der Befragten, in Darmstadt-Nord waren es 3,9%.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
43
In beiden Stadtteilen wurde betreutes Wohnen oder a ltengerechtes Wohnen als
Option favorisiert.
4.3.2 Zufriedenheit mit Wohnung, Stadtteil und finanzieller Situation
Die Zufriedenheit mit der Wohnsituation ist in beid en Stadtteilen fast gleich
hoch. Die Zufriedenheit mit dem Stadtteil ist in Da rmstadt-Nord insgesamt et-
was höher als in Wixhausen.
Tabelle 11, Zufriedenheit mit Wohnung/Haus
Wohnung/Haus Wixhausen % Da -Nord %
sehr zufrieden 51,3 52,8
eher zufried en 44,4 41,0
weniger zufri e-
den
4,0 4,9
eher unzufri e-
den
0,4 1,3
Tabelle 12, Zufriedenheit mit dem Stadtteil
Stadtteilzufriedenheit Wixhausen % Da -Nord %
Sehr gern 27,2 50,5
gern 49,6 36,6
Teils/teils 19,8 11,5
Eher ungern 3,0 1,0
Sehr ungern 0,4 0,3
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
44
Im Hinblick auf die finanzielle Situation war/ist d ie subjektive Zufriedenheit in
Darmstadt-Nord höher ausgeprägt, als in Wixhausen.
Tabelle 13, gegenwärtige finanzielle Situation
Finanzielle Zufriedenheit Wixhausen % Da -Nord %
Komme sehr gut zurecht 11,2 23,8
Komme gut zurecht 45,9 41,7
Komme genau hin 21,4 17,0
Einschränkung erforderlich 16,7 12,8
Starke Einschränkung erford er lich 4,9 4,7
4.3.3 Erreichbarkeit ÖPNV
Die Anbindung an den ÖPNV ist in beiden Stadtteilen gut. In Wixhausen wurde
der ÖPNV allerdings wenig in Anspruch genommen. So gaben 70 bis 80% der
Befragten an, öffentliche Verkehrsmittel nur wenige Male im Jahr zu nutzen. In
Darmstadt-Nord fiel die Bilanz günstiger aus.
34,2% nutzen den ÖPNV mehrmals die Woche bis täglich, 34,7% einmal bis
mehrmals im Monat.
Tabelle 14, ÖPNV, Erreichbarkeit von Bus/Straßenbahnhaltestelle
Haltestellen Wixhausen % Da -Nord %
Gibt es, gut
erreichbar
92,1 97,5
Gibt es, nicht
gut erreichbar
7,9 2,0
Gibt es n icht,
vermisse ich
Nicht erfragt 0,5
4.4 Beratungen
Die kommunale Beratungsstelle Servicestelle Soziales und Beratung (BuS) bietet
kostenlose, neutrale Beratung zu Alltagshilfen im R ahmen haushaltsnaher
Dienstleistungen und informiert allgemein über Frag en zum Thema älter wer-
den.
Dies beinhaltet auch Beratung zu möglichen Wohnform en im Alter und deren
Finanzierungsmöglichkeiten. Im Rahmen von Wohnberat ung wird an weiterfüh-
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
45
rende Stellen vermittelt. Die Servicestelle kooperi ert mit dem Pflegestützpunkt
Darmstadt und anderen Fachstellen.
Für Menschen mit Behinderung bietet die Servicestel le allgemeine Lebensbera-
tung an. Kooperationen mit Werkstätten, Selbsthilfe gruppen und anderen Insti-
tutionen ermöglichen adäquate Vermittlungen.
In Kooperation mit dem Diakonischen Werk Darmstadt- Dieburg werden Be-
suchsdienste für Seniorinnen und Senioren und Ämterlotsen vermittelt.
Neutrale Beratungsangebote auch in den Stadtteilen werden zunehmend nach-
gefragt.
4.5 Handlungsempfehlungen der AG Wohnen und Lebensführung
• Beratung und Information: Strukturen schaffen, die objektivierbar sind.
Wo sind welche Informationen erhältlich und wie wir d darauf hingewie-
sen? Wer sollte darüber informiert sein und diese i n seinen Netzwerken
weiterleiten? So sind immer noch viele Bürgerinnen und Bürger nicht
über das Beratungsangebot des Pflegestützpunkts informiert
• Informationen für Neubürger/innen sollten in den St adtteilen erhältlich
sein und auf Angebote für alle Altersstufen hinweisen
• Ehrenamtliches Engagement muss professionell koordi niert, unterstützt
und begleitet werden. Dies betrifft für dieses Them enfeld insbesondere
haushaltsnahe Dienstleistungen im Rahmen nachbarsch aftli-
cher/ehrenamtlich durchgeführter Unterstützungssysteme. Auf Stadtteil-
ebene werden diese seitens der Bürger/innen ausdrüc klich gewünscht,
entsprechende Arbeitskreise formieren sich. Die hie r ehrenamtlich Täti-
gen sind für den Umgang mit Unterstützungssuchenden zu schulen
(Freiwilligenzentrum) und professionell zu unterstü tzen. Hierbei ist der
Umgang mit Personen, die psychisch, geistig, körper lich oder mehrfach
eingeschränkt sind, adäquat zu berücksichtigen
• Fahrdienste für Menschen, die wegen psychischer und /oder körperlicher
Einschränkungen Angebote des ÖPNV nicht nutzen könn en, sind zu rea-
lisieren.
• Nutzung von Einkaufs- und Begleitservice, auch bei Vorliegen einer Pfle-
gestufe bzw. eines Pflegegrades sollte möglich sein
• Bezahlbare haushaltsnahe Dienstleistungen auch für Menschen, die ge-
ringe Renten oder Grundsicherung beziehen
• Ein strategisches Gesamtkonzept zur Quartiersentwic klung für alle Al-
tersstufen im Rahmen der Sozialplanung und Sozialpl anung der Bedarfe
Älterer wäre wünschenswert. Dieses Konzept könnte u nter Einbeziehung
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
46
der Fachkonferenz Altenhilfe und der Bürgerbeauftra gten erarbeitet und
durch Magistratsbeschluss verabschiedet werden
• Wohnberatung aus einer Hand, Beratung zu Finanzieru ng, baulichen
Möglichkeiten und sonstiger Unterstützung in Kooper ation mit dem
Pflegestützpunkt Darmstadt, der Servicestelle Sozia les und Beratung
(SuB) und anderen. Dieses Beratungsangebot sollte g ut beworben
werden, um Wohneigentümer/innen und Mieter/innen au f dies Mög-
lichkeit aufmerksam zu machen
5. Gesundheit und Sport
Der Begriff Gesundheit ist mehrdimensional und reic ht über die Abwendung
von Krankheit hinaus. Zur Begriffsklärung hatte sic h die AG Gesundheit und
Sport zur Orientierung an der Definition der WHO verständigt:
„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körpe rlichen, geistigen und sozi-
alen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Kran kheit oder Gebrechen.“
(„Health is a state of complete physical, mental an d social well-being and not
merely the absence of disease or infirmity“).34
Dieses Konstrukt bezieht die körperliche, psychisch e und soziale Dimension
ein und ist noch durch die ökologische und ökonomis che Dimension zu ergän-
zen. 35 Ökosomatische Störungen treten in erheblich höhere m Maße auf oder
werden als solche erkannt, als noch Mitte des letzten Jahrhunderts.
Alterungsprozesse werden subjektiv sehr individuell und damit auch unter-
schiedlich erlebt und finden mehrdimensional statt: körperlich, seelisch und
kognitiv. Wichtige Ressourcen zur Bewältigung sind Bildung, ökonomische Ver-
hältnisse und soziale Netzwerke.
Der sozio-ökonomische Status bedingt soziale Unglei chheiten, „ Bevölkerungs-
gruppen mit geringem Sozialprestige, niedrigem Bild ungsgrad und relativ schlech-
ten finanziellen Ressourcen werden durch die bestehenden Versorgungsstrukturen
nicht voll erreicht“.
36 Hinzu kommt bei diesem Personenkreis oft ein ungüns ti-
ges Gesundheitsverhalten z.B. bei Wahl und Konsum v on Nahrungs- und Ge-
nussmitteln. Diese Kumulation begünstigt chronische und degenerative Er-
34 Weltgesundheitsorganisation (WHO): Verfassung, deutsche Übersetzung.
35 Hurrelmann, Razum (2016): Handbuch Gesundheitswissenschaften, S. 22.
36 Vgl. ebd.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
47
krankungen bereits im mittleren Lebensalter und trä gt zu einer früheren Sterb-
lichkeit bei. Diese Personengruppe gilt es, bereits präventiv, besser einzubin-
den. Präventionsmaßnahmen durch Wissensvermittlung auf allen Bildungsebe-
nen für alle Altersstufen wären erforderlich, um hier gegenzusteuern.
Im Gesundheitsbereich sind folglich neben klassisch medizinischen Ansätzen
auch sozial- und verhaltenswissenschaftliche Forsch ungen erforderlich. Bei der
Entwicklung von Versorgungsstrukturen sind verstärk t ökonomische Faktoren
zu berücksichtigen. Prävention, Kur, Rehabilitation und Pflege sind gefordert,
enger und verzahnter zusammenzuarbeiten. Das interd isziplinäre Ineinander-
greifen von Forschung hat sich bereits gewandelt (vergl. Abb. 4.1).
Abb. 2 Adressaten gesundheitlicher Versorgung
Adressaten: Gesundheitlich unterversorgte Adressaten: Alle Bevölkerungsgruppen
Bevölkerungsgruppen
Quelle: Abb.1, Handbuch Gesundheitswissenschaften
37 / eigene Darstellung
Die AG Sport und Gesundheit orientiert sich an dem erweiterten Gesundheits-
begriff der Salutogenese von Aaron Antonovsky
38 als Begriffsdefinition. Dieser
verzichtet auf die alternative Entscheidung „krank oder gesund“ und vertritt
stattdessen eine ganzheitliche Sichtweise. Hier wir d von einem Gesundheits-
Krankheits-Kontinuum ausgegangen, das sich zwischen den Polen völlige Ge-
sundheit und völlige Krankheit befindet. Statt nach Auslösern von Erkrankun-
gen zu suchen, fragt das Modell nach Faktoren, welc he dazu beitragen, die Po-
sition auf dem Kontinuum beizubehalten oder sich we iter dem gesunden Pol
anzunähern. Die Extreme völlige Gesundheit oder völ lige Krankheit sind nicht
erreichbar. In diesem Modell tragen Stressoren dazu bei, aus dem Gleichge-
wicht zu geraten und sich in Richtung des kranken P ols zu bewegen. Ihnen ste-
37 Hurrelmann, Razum (2016): Handbuch Gesundheitswissenschaften.
38 Antonovsky, Franke (Hg): Salutogenese - Zur Entmystifizierung der Gesundheit.
Hygiene
Präventio n
Mikrobiolo-
gie
Epidemio-
logie
Epidemio-
logie
Präventi-
on
Versor-
gungsfor-
schung
Sys tem-
forschung
Sozial-
hygiene
Umwelthy-
giene
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
48
hen Widerstandsressourcen entgegen, welche sich aus den persönlichen Res-
sourcen wie Veranlagungen, Intelligenz, sozialen Zu sammenhängen oder spiri-
tueller Ausrichtung ergeben.
Sport als Präventionsmaßnahme erhält in diesem Sinn e die Funktion einer Wi-
derstandsressource. Gemeint ist hier nicht Leistungs- oder Hochleistungssport,
obwohl ältere Menschen natürlich auch auf diesem Ge biet aktiv sind. Im Zent-
rum der Betrachtung steht Sport als Bezeichnung für körperliche Aktivitäten,
welche Fitness als Teil der Gesundheit erhalten und verbessern. Dies wirkt sich
positiv auf die allgemeine Belastbarkeit aus und un terstützt die Alltagsbewälti-
gung. Chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck od er Gelenkverschleiß
kann durch sportliche Betätigung vorgebeugt werden. Auch psychischen Er-
krankungen wie Depressionen,
sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, kann mit
Ausdauertraining präventiv entgegengewirkt werden.
In diesem Sinne wurden die beiden Bereiche Gesundhe it und Sport in einem
Themenfeld zusammengefasst.
5.1 Gesundheit
Im Folgenden wird die Versorgungssituation im Gesun dheitswesen in Darm-
stadt dargestellt. Als Datengrundlage wird der Regi onale Gesundheitsreport
2014 39 verwendet. Die Angaben beziehen sich auf die Gesamtstadt.
Die Bevölkerungsprognose des Reports für die Wissen schaftsstadt Darm-
stadt für das Jahr 2020 ist allerdings bereits jetz t überholt, so wird von
2011 bis 2020 eine Bevölkerungsabnahme von 0,3% auf 148.647 Einwoh-
ner/innen prognostiziert. Tatsächlich hat Darmstadt zum 31.12.2014 be-
reits 154.002 Einwohner/innen (vergl. 5.5.1). Daher relativieren sich die fol-
genden Angaben zu den Versorgungsgraden entsprechend.
5.1.1 Ärztliche Entwicklungstrends im Gesundheitswesen:
• Die Rahmenbedingungen für niedergelassene Ärzte/inn en verschlech-
tern sich (hohe Arbeitsbelastung/wenig Zeit für ein zelne Patien-
ten/innen, fehlende finanzielle Planungssicherheit, hoher Bürokratie-
aufwand)
39 Hessisches Ministerium für Soziales und Integration, Kassenärztliche Vereinigung Hessen (2016): Re-
gionaler Gesundheitsreport 2016.
https://www.kvhessen.de/fileadmin/media/documents/WEB_Einzelseiten_Allg_Hessen.pdf (Stand:
13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
49
• Mangel an Attraktivität einzelner Regionen
• Mangel an Attraktivität zur Übernahme angebotener P raxen (Einzel-
praxen, kleinere Praxen, schlechte Kooperationsmöglichkeiten)
• Wandel im Werteverständnis, Work-Life-Balance ist b ei jungen Ärz-
ten/innen gefragt
• Zunehmendes Nachrücken junger Ärztinnen, Vereinbark eit von Beruf
und Familie erwünscht (Teilzeitmodelle, bessere Kin derbetreuungs-
möglichkeiten)
• Unkalkulierbare wirtschaftliche Risiken durch häufi ge Änderungen der
Honorarsystematik
• Steigende Tendenz zu Gemeinschaftspraxen bei Fachär zten (ermög-
licht gemeinsame Nutzung von Praxisräumen und Praxi seinrichtungen
sowie gemeinsame Beschäftigung von Personal)
• Hoher Anstieg von Partnerärzten/innen und angestell ten Ärzten/innen
(auch in Teilzeit)
Diese Entwicklungstrends müssen berücksichtigt werd en, um kommunale
Standorte für junge Ärztinnen und Ärzte attraktiv zu machen.
5.1.2 Altersstruktur der Hausärzte/innen
Die Altersstruktur der Ärzteschaft ist im Hinblick auf die Nachfolge interes-
sant. In der Region Darmstadt sind 103 Hausärzte/innen niedergelassen.
Die Grafik zeigt, dass die Altersverteilung im Schw erpunkt bei der Alters-
gruppe zwischen 50 und 59 Jahren liegt (38,83%).
Bei der Gruppe der 60-jährigen und älter beträgt de r Prozentsatz 29,13%,
die 40 bis 49-jährigen erreichen einen Prozentsatz von 25,24%.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
50
Grafik 3, Hausärzte/innen Darmstadt, Altersstufen n=103
Quelle: Regionaler Gesundheitsreport 2016, Hessisches Ministerium für Soziales und Integration und
Kassenärztliche Vereinigung Hessen, eigene Darstellung
Insgesamt sind also 93,2% der in Darmstadt niederge lassenen Hausärz-
te/innen älter als 40 Jahre, nur 6,8% sind in der A ltersgruppe der jüngeren
Ärzte/innen. Selbst wenn davon auszugehen ist, dass nicht alle niedergelas-
senen Hausärzte/innen mit dem Erreichen des gesetzl ichen Rentenalters
ihre Praxen aufgeben werden, könnten im Jahr 2020 b ereits 40 Praxen auf-
gegeben werden.
Hieraus ergibt sich ein Nachfolgebedarf zur hausärz tlichen Versorgung. Me-
dizinische Absolventen/innen müssen gewonnen werden.
5.1.3 Fachärztliche Situation
Die Kassenärztliche Vereinigung weist für die Stadt Darmstadt eine fachärzt-
liche Überversorgung in allen Fachrichtungen aus. 40 Darunter ist ein Versor-
gungsgrad von 100% bis 110% zu verstehen.
Für den Gesundheitsreport wurden die Fachrichtungen Augenheilkunde, Gy-
näkologie, Urologie, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Kinderheilkunde aus-
gewertet. Der bei den folgenden Darstellungen verwe ndete Begriff „Fachärz-
te/innen“ bezieht sich auf diese Fachbereiche.
Die Fachrichtungen Dermatologie, Orthopädie, Psycho therapie, Chirurgie
und Neurologie wurden im Gesundheitsreport 2014 nicht ausgewertet.
40 Beschluss Landesausschuss 27.06.2013, Arzt/Ärztinnenbestand am 01.06.2013
4
38
36
9
0
5
10
15
20
25
30
35
40
30 - 39 40 - 49 50 - 59 60+
Anzahl
Alter
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
51
Die Fachärzte/innen in Darmstadt sind überwiegend i m Stadtzentrum ange-
siedelt und müssen aufgesucht werden.
Die Altersverteilung zeigt, dass auch hier der Ante il junger Ärzte/innen mit
einem Prozentsatz von 4,6% am geringsten ist. Zusam mengenommen sind
85,06% zwischen 40 und 59 Jahren, 10,34% sind 60 Jahre und älter.
Grafik 4, Fachärzte/innen, Altersstufen n=87
Quelle: Regionaler Gesundheitsreport 2016, Hessisches Ministerium für Soziales und Integration und
Kassenärztliche Vereinigung Hessen, eigene Darstellung
Die fachärztliche Versorgung in Darmstadt liegt für alle aufgeführten Fach-
richtungen über dem hessischen Durchschnitt.
Tabelle 15, Entwicklung bis 2020
Fachrichtung
Anzahl
Praxen
2020*
n
2020
%
Hessendurch-
schnitt %
Augenheilkunde 17 -5 29 31
Gynäkologie 36 -5 14 27
HNO 11 -2 18 26
Kinder- und Jugend 15 -3 20 33
Urologie 8 -2 25 31
*Mögliche Praxen Aufgabe wegen Erreichen des gesetzlichen Rentenalters
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
52
5.1.4 Apotheken
In Darmstadt bestehen 43 Apothekenstandorte. Die Apothekendichte beträgt
3.358 Einwohner/innen pro Apotheke.
Zum Vergleich: die durchschnittliche hessische Apot hekendichte in den
kreisfreien Städten beträgt 3.659 Einwohner/innen p ro Apotheke. Eine Apo-
theke versorgt also 301 Einwohner/innen weniger als im hessischen Durch-
schnitt.
Tabelle 16, Apothekenversorgungsgrad auf Stadtteilebene
Stadtteil Einwohner/in pro Apothe-
ke
Wixhausen 2.883
Arheilgen 4.269
Kranichstein 5.459
Darmstadt-Mitte 1.351
Darmstadt-Nord 5.580
Darmstadt-West 5.163
Darmstadt-Ost 2.609
Bessungen 6.375
Eberstadt 3.059
Quelle: Regionaler Gesundheitsreport 2016, Hessisches Ministerium
für Soziales und Integration und Kassenärztliche Vereinigung
Hessen, eigene Darstellung
Der Nachfolgebedarf für Apotheken für das Jahr 2025 liegt unter dem hes si-
schen Durchschnitt und ist für die Gesamtstadt unbe denklich. Dies sagt al-
lerdings nichts über die Situation in den einzelnen Stadtteilen aus. So hat
Bessungen bereits zum Erhebungszeitraum einen sehr hohen Anteil an Ein-
wohner/innen pro Apotheke.
Mittlerweile bieten Apotheken Lieferservice an, mit zunehmender Internet
Nutzungsbereitschaft werden ältere Menschen auch im medizinischen Be-
reich Online-Versandmöglichkeiten nutzen, daher rel ativiert sich der Bedarf
an Apothekenstandorten auf Stadtteilebene mittelfristig.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
53
Tabelle 17, Nachfolgebedarf Apotheken
Bedarf 2025
n
Bedarf Hes-
sen 2025
Abgabe mit 68 Jahren 12 (34,3%) 41,3%
Abgabe mit 65 Jahren 13 (37,1%) n.a.
Abgabe mit 60 Jahren 23 (65,7%) 72,3%
Quelle: s.o.
5.2 Sport
Sport erhält hier wegen seiner gesundheitsfördernde n Aspekte Bedeutung.
Hierzu gehört die Unterstützung des Erhalts von Sel bstständigkeit in motori-
scher Hinsicht.
Sportliche Angebote werden in Darmstadt überwiegend von Vereinen vorgehal-
ten, dies bildet auch eine Schnittstelle zu bürgerschaftlichem Engagement.
Fast 100 Sportvereine bieten vielfältige Möglichkei ten sportlicher Betätigung
für alle Altersstufen. Besonders hervorzuheben ist hier der Darmstädter Lauf-
treff , welcher durch Ausdauer, Kreativität und Bewegung eine Vorbildfunktion
für die deutsche Lauftreffszene eingenommen hat. Di e Angebote im Ausdauer-
sport Laufen reichen vom Stadtlauf über den Heinerf est-Triathlon bis zum
Darmstadt Marathon.
Ein niederschwelliges Angebot für alle Altersgruppe n, insbesondere für Fami-
lien bietet das alljährliche Sport- und Spielefest im Darmstädter Park Herrn-
garten.
Im Bürgerpark-Nord besteht ganzjährig die Möglichke it, den dort installierten
Bewegungsparcours zu nutzen. Die aufeinander abgestimmten Stationen er-
lauben auch Übungen für beeinträchtigte Zielgruppen , z.B. demenziell verän-
derte Personen mit Begleitung oder Schlaganfallpati enten/innen. Hier plant
der Sportkreis zielgruppengerechte Angebote in Zusa mmenarbeit mit entspre-
chenden Einrichtungen, dem Sportamt und dem Amt für Soziales und Präven-
tion.
Von März bis Dezember werden jeden Montag und Diens tag angeleitete
Übungsstunden angeboten. Außerhalb der angeleiteten Trainingszeiten stehen
die Geräte kostenlos allen Interessierten zur Verfü gung und werden auch stark
frequentiert.
Das Programm für Seniorinnen und Senioren der Servicestelle Soziales und
Beratung, Wissenschaftsstadt Darmstadt, bietet im R ahmen von „Fit und ge-
sund im Alter“ kostengünstige Möglichkeiten für sportliche Betätigung.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
54
Die Angebote beinhalten u.a. Qi-Gong, Wassergymnast ik, Tanzangebote, Gym-
nastik zur Sturzprophylaxe und Erhalt von Beweglichkeit und Radtouren.
Die Kurse sind i.d.R. ausgebucht, es gibt Wartelist en. Dies zeigt ein steigendes
Interesse an sportlicher Betätigung bei älteren Men schen. Besonders positiv
wird seitens der Teilnehmenden ein Gewinn an Lebens qualität durch bessere
Alltagsbewältigung rückgemeldet.
Auch viele Sportvereine bieten eine breite Palette von Sportangeboten für Seni-
orinnen und Senioren an. Einen Überblick hierzu bie tet das kommunale Pro-
gramm für Seniorinnen und Senioren.
Durch die Ausweitung der partizipativen Stadtteilfo ren und Arbeitskreise für
Ältere (vergl. 2.1.2) wird es in Zukunft noch besse r gelingen, weitere Bedarfe
im sportlichen Bereich zu erkennen und passende Angebote zu entwickeln.
Bisher gibt es noch keinen statistischen Gesamtüber blick über die Nut-
zer/innenstruktur der sportlichen Angebote. Die Ang ebote des Programms für
Seniorinnen und Senioren werden überwiegend von Fra uen nachgefragt, dies
ist sicherlich auch auf den höheren Frauenanteil de r jetzigen Alterskohorten
zurückzuführen.
Eine Studie
41 des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB hatte d ie Mit-
gliederentwicklung in deutschen Sportvereinen zwisc hen 2000 und 2010 un-
tersucht. In diesem Zeitraum gewannen die Vereine e inen Mitgliederinnenan-
stieg von 4,5%, d.h. mehr als 400.000 Frauen aller Altersstufen entdeckten
den Vereinssport für sich. Der Zuwachs bei den Männ ern betrug dagegen nur
0,1%.
Die höchsten Zugewinne, sowohl bei Frauen als auch bei Männern, lagen in der
Altersgruppe ab 60 Jahren. Für Frauen ergab sich hi er ein Plus von 68%, für
Männer von 38,5%.
Für die Wissenschaftsstadt Darmstadt wären Informat ionen erforderlich, die
Aufschluss über die Mitgliederstrukturen im Hinblic k auf Alter, Geschlecht und
Risikogruppen, z.B. mit niedrigem sozioökonomischem Status, geben.
41 Deutscher Olympischer Sportbund DOSB I, Mitgliederentwicklung im Sportverein, Bestandserhebungen
und demografischer Wandel zwischen den Jahren 2000 - 2010
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
55
5.3 Handlungsempfehlungen der AG Gesundheit und Sport
• Die veränderten Rahmenbedingungen für niedergelasse ne Arztpraxen
müssen berücksichtigt werden, um auch auf Stadtteil ebene attraktive
Standorte für Praxen anbieten zu können. Insbesonde re um einem
Rückgang in der hausärztlichen Versorgung entgegen zu wirken.
• Eine zu erwartende stärkere Ambulantisierung der Pf lege sollte eine
stärkere Bereitschaft zu Hausbesuchen insbesondere in der fachärzt-
lichen Versorgung, aber auch im Beratungsbereich zur Folge haben.
• Im Bereich Sport sollten Erhebungen durchgeführt we rden, die Auf-
schluss über die Mitgliederstrukturen im Hinblick a uf Alter, Ge-
schlecht und Risikogruppen, z.B. mit niedrigem sozi oökonomischem
Status, geben
• Noch mehr präventive sportliche Angebote auf Stadtt eilebene sollten
angeboten werden.
6. Pflege
Das Themenfeld Pflege beinhaltet die Bereiche stati onäre, teilstationäre und
ambulante Versorgung. Die vorhandenen Angebote und Bedarfe im geron-
topsychiatrischen Bereich und demenzielle Veränderu ngen sind entspre-
chend zugeordnet.
Da ab Januar 2016 das Pflegestärkungsgesetz II (PSG II) in Kraft getreten
ist, wird unter 5.1. eine kurze Übersicht gegeben. Pflegebedürftigkeit tritt
am häufigsten in der Altersgruppe ab 80 Jahren auf, daher sind stationäre
Pflegeeinrichtungen zumeist auf ältere Menschen ausgerichtet. In Darmstadt
stehen zwölf stationäre Pflegeeinrichtungen mit ins gesamt 1.190 vollstatio-
nären Plätzen
42 zur Verfügung. Kurzzeitpflege ist meistens eingest reut ver-
fügbar. Die Lage der Einrichtungen ist über die Sta dt gut verteilt, die Bele-
gungszahlen lassen keine Rückschlüsse darauf zu, ob sich die Lage einer
Einrichtung auf ihre Auslastung auswirkt.
Im Landkreis Darmstadt-Dieburg sind elf weitere sta tionäre Pflegeeinrichtun-
gen in weniger als zehn Kilometern Entfernung von Darmstadt vorhanden.
42 Stand 31.05.2015, Eigenerhebung
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
56
6.1 Pflegestärkungsgesetz PSG II
Am 12.8.15 wurde der Entwurf „Zweite Stufe Pflegest ärkungsgesetz (PSG II)"
beschlossen. Das Gesetz ist zum 1. Januar 2016 in K raft getreten. Die neue
Form der Begutachtung und die Umstellung der Leistu ngsbeträge aus der Pfle-
geversicherung werden zum 1. Januar 2017 gelten. De r Mittelpunkt ist die Ein-
führung eines neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs, d er nicht nach Pflegestufen
sondern nach Pflegegraden unterscheidet.
Kognitive und psychische Beeinträchtigungen sollen in gleicher Weise berück-
sichtigt werden wie körperliche. So wird die Zahl d er abgefragten Kriterien
mehr als verdoppelt (77). Mobilität, Verständigung und Selbstversorgung wer-
den künftig abgefragt und psychische Probleme eigen s erfasst. Auch Hilfebe-
darf zur Pflege sozialer Kontakte wird künftig erfasst und berücksichtigt.
Das Pflegestärkungsgesetz II stärkt den Grundsatz " Reha vor Pflege". Durch
Rehabilitationsleistungen kann der Eintritt von Pfl egebedürftigkeit verhindert
oder hinausgezögert werden. Deshalb wird der Medizi nische Dienst zur Anwen-
dung eines bundesweit einheitlichen, strukturierten Verfahrens für die Rehabili-
tationsempfehlungen verpflichtet.
Auf der Grundlage der Begutachtung werden Erst-Antr agsteller/innen künftig
von den Pflegekassen in fünf Pflegegrade eingeteilt . Bisher waren es drei Pfle-
gestufen. Personen, die bereits eine Pflegestufe ha ben, werden ohne erneute
Begutachtung in einen entsprechenden Pflegegrad integriert.
Kriterien zur Einstufung in die fünf Pflegegrade:
1. Mobilität
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
4. Selbstversorgung
5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheitsbedingten
oder therapeutischen Anforderungen und Belastungen
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
In Pflegegrad 1 werden Menschen eingestuft, die noc h keinen erheblichen Un-
terstützungsbedarf haben, jedoch in ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt sind.
Sie können zum Beispiel eine Pflegeberatung, eine A npassung des Wohnumfel-
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
57
des (z.B. barrierefreie Dusche) oder Leistungen der allgemeinen Betreuung er-
halten.
Die Änderungen, die sich durch das PSG II ergeben, führen zu einer „Ambulan-
tisierung“ der stationären Einrichtungen. So kann d er Pflegesatz auf 80% ge-
kürzt werden, wenn z.B. im Falle einer stationären Versorgung keine Empfeh-
lung hierzu im MDK Gutachten vorliegt. Stationäre E inrichtungen sollten Ange-
bote entsprechend ergänzen, etwa im Bereich ambulante Tagespflege.
In Pflegeheimen zahlen Pflegebedürftigen der Pflegegrade 2 bis 5 ab 2017 eine
Pauschale für den pflegebedingten Eigenanteil, die im Bundesdurchschnitt bei
ca. 580 € liegen wird. Allerdings werden die unters chiedlich hoch anfallenden
Kosten für Verpflegung, Unterkunft und Investitione n ebenfalls auf die Bewoh-
nerinnen und Bewohner umgelegt, was letztendlich in der Summe doch zu un-
terschiedlich hohen Eigenanteilen führen wird. Dies wird Auswirkungen auf die
ungedeckten Kostenanteile haben, die durch den Sozi alhilfeträger finanziert
werden.
Neben den pflegebedürftigen Versicherten haben auch pflegende Angehörige
ab Januar 2016 einen Beratungsanspruch durch die Pflegekassen und sollen in
der Renten- und Arbeitslosenversicherung besser abgesichert werden.
Die Pflegeselbstverwaltung
43 wird gesetzlich verpflichtet, ein wissenschaftlich
fundiertes Personalbemessungssystem zu entwickeln und zu evaluieren.
Die Ausführungsbestimmungen müssen nachgearbeitet w erden und eine An-
passung von SGB XI und XII vorgenommen werden.
Ebenfalls sind Lösungen im Bereich Fachkräftemangel zu finden. Die Quote der
50-jährigen und älteren Beschäftigten in der Pflege ist sehr hoch und die
Nachqualifizierungsoffensive läuft aus. Es besteht weiterhin hoher Bedarf, im
Rahmen der Weiterbildungsinitiative WeGebAU (Weiter bildung Geringqualifi-
zierter und beschäftigter älterer Arbeitnehmer in U nternehmen) Beschäftigte
nach zu qualifizieren.
43 Organ der Selbstverwaltung im Krankenversicherungsrecht ist der Gemeinsame Bundesausschuss
(GBA). Ihm gehören die Kassenärztliche und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, die Deutsche Kran-
kenhausgesellschaft und der GKV-Spitzenverband an und (GBA) regelt die Leistungsansprüche der gesetz-
lich krankenversicherten Bevölkerungsmitglieder.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
58
6.2 Beratungen
Hier wird zunächst nur auf Beratungsangebote im Ber eich Pflege, psychiatri-
sche Erkrankungen und demenzielle Veränderungen ein gegangen. Beratung zu
Wohnraumanpassung, sozialen und kulturellen Angebot en sind den entspre-
chenden Themenfeldern zugeordnet.
Neutrale, umfassende Beratung im Rahmen von Care- u nd Case Management
zum Thema Pflege bietet der Pflegestützpunkt Darmstadt an. Bei Bedarf sind
Hausbesuche möglich und Begleitung bei Widersprüche n zu Sozialleistungen
der Pflegekassen. Die Beratungsnachfrage ist seit d er Einrichtung des Pflege-
stützpunktes kontinuierlich gestiegen. Auch Beratun g vor Ort in den einzelnen
Stadtteilen wird zunehmend von Bürgerinnen und Bürg ern, aber auch instituti-
onell, gewünscht und nachgefragt.
Im Jahr 2014 nahmen 2.189 Personen die Beratung des Pflegestützpunkts in
Anspruch, der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund betrug 6,4 %.
Auch die Pflegekassen sowie ambulante Dienstleister und stationäre Pflege-
einrichtungen beraten zum Thema Pflegeorganisation und Finanzier ungsmög-
lichkeiten.
Beratung bei psychischen Erkrankungen wird von verschiedenen Trägern und
Institutionen angeboten. Neben der gerontopsychiatr ischen Tagesklinik des
Agaplesion Elisabethenstifts gibt es die unter Tabe lle 18 aufgeführten Angebo-
te.
Tabelle 18, Beratungsstellen bei psychischen Erkrankungen
Träger Anschrift
Gesundheitsamt Darmstadt,
Sozialpsychiatrischer Dienst
Niersteiner Straße 3
64295 Darmstadt
Sozialpsychiatrischer Verein Darmstadt e.V. Erbacherstr. 57
64287 Darmstadt
Darmstädter Bündnis gegen Depression e.V. Erbacher Straße 29
64287 Darmstadt
Caritas Gemeindepsychiatrisches Zentrum Wilhelminen platz 7
64283 Darmstadt
DemenzForumDarmstadt e.V. Beratungsan-
gebot zum Thema Demenz
Bad Nauheimer Straße 9
64289 Darmstadt
Quelle: Eigene Erhebung
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
59
Unabhängige und trägerübergreifende Beratung zum Th ema demenzielle Ver-
änderungen sowie niedrigschwellige Betreuungsangebote bietet der Verein
DemenzForumDarmstadt e.V. an. Auch die Tageszentren für Menschen mit
demenziellen Veränderungen (vergleiche 5.4 Tabelle 3) sowie die ambulanten
Pflegedienste bieten Beratung zum Thema Demenz.
Die meisten Träger der Beratungsangebote sind in der Fachkonferenz Altenhil-
fe vernetzt. Eine gute Kooperation und Vernetzung all er Beratungsebenen, ins-
besondere von Beratung zur Wohnraumanpassung und Pf legeberatung, aber
auch sozialpsychiatrischen Angeboten und Demenziellen Veränderungen, kann
entscheidend dazu beitragen, den Verbleib in der ei genen Wohnung auch bei
Eintritt von Unterstützungsbedarf zu ermöglichen.
Es fehlen neutrale, dezentrale Beratungsangebote au f Stadtteilebene. Insbe-
sondere im gerontopsychiatrischen Bereich wären auc h aufsuchende Bera-
tungsangebote wünschenswert.
6.3 Ambulante Versorgung
Durch das PSG II wird geregelt, dass künftig jeder ambulante Pflegedienst ne-
ben körperbezogenen Pflegeleistungen und Hilfen bei der Haushaltsführung
auch Betreuungs- und Entlastungsleistungen anzubiet en hat. Diese Betreu-
ungsmaßnahmen können auch in Kooperation mit andere n zugelassenen An-
bietern erbracht werden. Dies wird sich auf die Qua lität der ambulanten Ver-
sorgung auswirken indem sich das Leistungsspektrum erweitert.
Die Anzahl der in der Wissenschaftsstadt Darmstadt aktiven ambulanten
Dienstleistungsunternehmen verändert sich ständig leicht, der Trend geht nach
oben. Eine weitere Unschärfe ergibt sich durch stad tnahe Anbieter/innen aus
dem Landkreis, welche ebenfalls auch in Darmstadt t ätig sind, ebenso wie
Darmstädter Pflegedienste auch den grenznahen Landk reis bedienen. Für die-
sen Bericht war eine Befragung der ambulanten Pfleg edienste geplant, der
Fragebogen wurde in der AG Pflege parallel zur Befr agung der stationären
Pflegeinrichtungen entwickelt und an alle ambulante n Dienste mit Sitz in
Darmstadt versandt. Das Ergebnis konnte wegen des g eringen Rücklaufs leider
nicht ausgewertet werden.
Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Pfleges tatistik des Statistischen
Landesamts Hessen, Stand 15.12.2013.
Insgesamt waren zum genannten Stichtag 24 Dienste i n Darmstadt ansässig,
davon 15 in privater Trägerschaft, acht Träger der freien Wohlfahrtspflege und
einer in kommunaler Trägerschaft.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
60
Der Fachkräftemangel zeigt sich auch im ambulanten Bereich, ebenso wie die
demografische Entwicklung. Die Fachkräfte werden zunehmend älter.
Mehr Angebote ambulanter psychiatrischer Krankenpfl ege wären erforderlich.
Die pflegerische Versorgung psychisch kranker Mensc hen wird durch die struk-
turellen Ausführungen der Gesetze des SGB XI in Hessen erschwert. In anderen
Bundesländern ist die Abrechnung von Leistungen der psychiatrischen Pflege
mit den Kassen vertraglich geregelt. In Hessen sind Einzelgenehmigungen der
Pflegekassen erforderlich.
Menschen mit Migrationshintergrund nutzen professio nelle Pflege auch im
ambulanten Bereich weniger als Menschen ohne Migrationshintergrund.
Auch haben sich Erkenntnisse bestätigt, dass Pflege bedürftige mit Migrations-
hintergrund in Privathaushalten eher ausschließlich Pflegegeld beziehen und
weniger Sach- und Kombinationsleistungen in Anspruc h nehmen. Befragte mit
Migrationshintergrund begründen dies öfter als Pers onen ohne Migrationshin-
tergrund damit, das Pflegegeld zur Kostendeckung im Haushalt zu benötigen.
44
Insgesamt nahmen 991 Personen Leistungen zur Pflege in Anspruch. Die Al-
tersverteilung zeigt einen deutlichen Anstieg ab dem 75. Lebensjahr.
Grafik 5, Altersverteilung der Leistungsempfänger/innen für ambulante Versorgung
45
Quelle: Destasis Pflege
44 Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (2012): Pf legebedürftigkeit und Nachfrage nach Pflegeleis-
tungen von Migrantinnen und Migranten im demograph ischen Wandel. http://www.awo-
informationsservice.org/uploads/media/fb12-pflegebeduerftigkeit-kurzfassung.pdf (Stand: 13.02.2016).
45 Statistisches Landesamt Hessen, Pflegestatistik, (Stand: 15.12.2013)
0 50 100 150 200 250
5 - 10
15 - 20
25 - 30
35 - 40
45 - 50
55 - 60
65 - 70
75 - 80
85 - 90
95 und mehr
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
61
Im Pflegestützpunkt Darmstadt wurde im Jahr 2015 Beratung zur Organisation
von ambulanter Pflege und Versorgung in 13,4% aller Fälle nachgefragt. Fra-
gen zur stationären und teilstationären Versorgung sind dagegen nur in 9%
aller Beratungen Thema. Dies bestätigt die Entwickl ung von „ambulant vor sta-
tionär“.
6.4 Teilstationäre Pflege
Die Tagespflege ist ein teilstationäres Angebot, be i dem ältere Menschen mit
körperlichen und/oder psychischen Erkrankungen sowi e demenziell veränderte
Menschen tagsüber in einer Einrichtung mit anderen Betroffenen betreut wer-
den. In der Regel liegen die Öffnungszeiten zwische n 8:00 und 16:00 Uhr und
neben einer einzelfallspezifischen Verköstigung sin d Bewegungs- und Gedächt-
nisangebote zentrale Bestandteile des Tagesablaufes in Tagespflegeeinrichtun-
gen. Durch Förderung und Forderung sollen Kompetenz en und Fähigkeiten er-
halten bleiben oder, falls möglich, auch wieder erl ernt werden. Darüber hinaus
wirken teilstationäre Angebote der Vereinsamung hil fs- und pflegebedürftiger
Personen entgegen, fördern den sozialen Austausch u nd erhöhen dadurch
Selbstbestimmung und Teilhabechancen im Alter.
Für Angehörige ist die Tagespflege ein Entlastungsa ngebot. Nach wie vor wer-
den mehr als zwei Drittel der pflegebedürftigen Men schen zu Hause versorgt
46
und dies in der Mehrheit der Fälle ohne Unterstützu ng durch ambulante Pfle-
gedienste. Die dabei entstehenden körperlichen und psychischen Belastungen
für die Angehörigen sind zum Teil erheblich, Überla stung kann die Folge sein.
Durch die Nutzung von Tagespflege finden Angehörige Unterstützung, in der
Gewissheit, dass eine professionelle Versorgung, Be treuung und Pflege jeder-
zeit sichergestellt ist. Tagespflege wird so zu ein em beutenden Bestandteil in
einem Hilfesystem mit Wahlmöglichkeiten, da sie str ukturell zwischen einer
„Pflege daheim“ und einer vollstationären Einrichtung steht.
Da mit dem Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetze s II nach der Umsetzung
des Gesetzes kognitiven Veränderungen ein deutlich größeres Gewicht bei der
Eingruppierung in einen Pflegegrad gegeben werden, ist davon auszugehen,
dass mittelfristig der Bedarf an teilstationären Angeboten steigen wird.
Dies gilt insbesondere auch für die Versorgung bei gerontopsychiatrischen und
psychischen Erkrankungen. Hierzu gehören neben deme nziellen Veränderun-
46 Destasis: Pflege.
https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Gesundheit/Pflege/Pflege.html (Stand:
23.12.2015).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
62
gen auch Depressionen, Angst- und Zwangserkrankunge n und Psychosen. Bis-
her gibt es für Betroffene in Darmstadt eine Tagesk linik mit zwölf Plätzen, eine
Tagesstätte in Trägerschaft des Sozialpsychiatrisch en Vereins Darmstadt e.V.
sowie zwei Tagesstätten für psychisch Kranke der Ca ritas Darmstadt
(vergl.Tabelle 19).
Bereits jetzt ist ein deutlicher Trendverlauf im Pf legesystem erkennbar. Sowohl
die zunehmende Präferenz ambulanter vor stationärer Pflege in der Gesetzge-
bung als auch der gesellschaftliche Trend, so lange wie möglich im gewohnten
Umfeld zu verbleiben, haben sich bereits auf die Ve rsorgungsstruktur ausge-
wirkt. Während es 2008 bundesweit rund 2.100 Tagesp flegen mit 27.300 Plät-
zen gab, waren es bis August 2015 schon 4.600 Einri chtungen mit 60.000
Plätzen. Bis Ende 2015 wird ein weiterer Anstieg au f 5.600 Einrichtungen mit
65.000 Plätzen erwartet. 47 Auch verkürzte sich die Zeit zwischen Einrichtungs -
eröffnung und voller Auslastung im gleichen Zeitrau m signifikant, was zusätz-
lich auf einen hohen Bedarf hindeutet. Aktuelle Dis kussionen beschäftigen sich
mit der Erweiterung der Öffnungszeiten auf die Woch enenden und der Einrich-
tung einer Nachtpflege zur Entlastung von Angehörig en, die tagsüber ihre An-
gehörigen betreuen wollen.
Folglich wird auch in der Wissenschaftsstadt Darmst adt mit einer steigenden
Nachfrage an teilstationären Pflegeplätzen zu rechnen sein.
Zum Stand 31.12.2015 gibt es drei Tagespflegeeinric htungen in Darmstadt,
von denen sich zwei an Menschen mit demenziellen Veränderungen richten und
eine für überwiegend somatische Erkrankungen ausgelegt ist. Hier stehen zwölf
Plätze zur Verfügung.
In Planung sind weitere Angebote für Tagespflege in Kranichstein (DRK), Eber-
stadt (Volpp) und Bessungen (Agaplesion Heimathaus) , Nachtpflege wird von
keiner Einrichtung angeboten.
47 CAREkonkret (2015): Ohne Tagespflege geht es nicht, Ausgabe 48 vom 27.11.2015.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
63
Tabelle 19, Tagespflege (Stand 31.12.2015)
Einrichtung Stadtteil Tagespflegeplätze
DRK Tageszentrum für Menschen
mit Demenz
Wechslerstraße 3
64291 Darmstadt
Arheilgen 13
DRK Tageszentrum für Menschen
mit Demenz
Heidelberger Landstraße 383
64297 Darmstadt
Eberstadt 15
Wohnpark Kranichstein
Borsdorffstraße 40
64289 Darmstadt
Kranichstein 12
Nachtpflege Kein Angebot -
Quelle: Eigene Darstellung
Tageskliniken
Eine Tagesklinik ist eine medizinische Einrichtung der teilstationären Versor-
gung von Patienten/-innen. In Darmstadt gibt es sow ohl eine geriatrische als
auch eine gerontopsychiatrische Tagesklinik. Sie er möglichen, Patienten/-
innen zu beschäftigen, zu beobachten, und nach und nach zu verschiedenen
fachärztlichen Untersuchungen der Klinik, der sie a ngeschlossen sind, zu brin-
gen.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
64
Tabelle 20, Tageskliniken
Gerontopsychiatrische Tagesklinik
mit Schwerpunkt Altersdepression
Luise-Karte-Haus
Erbacherstr. 29
64287 Darmstadt
Darmstadt-Ost 12
Agaplesion Elisabethenstift
gGmbH
Geriatrische Tagesklinik
Gebäude E, Ebene -1
Erbacher Straße 25
64287 Darmstadt
Darmstadt-Ost 12
Quelle: Eigene Darstellung
Tagesstätten
Tagesstätten für psychisch kranke und seelisch behi nderte Menschen sind teil-
stationäre Einrichtungen. Sie helfen den Alltag (wi eder) zu gestalten und zu
strukturieren; die jeweiligen Aktivitäten und Maßna hmen, werden an die indivi-
duelle Situation angepasst.
Tabelle 21, Tagesstätten
Sozialpsychiatrischer Verein
Darmstadt e. V. Tagesstätte am
Hundertwasser Haus
Darmstadt-Nord Tägl. Auslastung bis
zu 20 Personen mög-
lich
Caritas Tagesstätte für psychisch
Kranke
Wilhelminenplatz 7
64283 Darmstadt
Darmstadt-Mitte 47
Caritaszentrum Schweizer Haus
Mühltalstr. 35
64297 Darmstadt-Eberstadt
23
Quelle: Eigene Darstellung
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
65
6.5 Stationäre Pflege
Im April 2015 wurde eine Befragung der zwölf statio nären Pflegeeinrichtungen
in Darmstadt als Vollerhebung durchgeführt, der Rüc klauf betrug 100%. Die
Befragung verfolgte das Ziel, einerseits im Rahmen von Netzwerkarbeit Infor-
mationen über die Angebote zu erhalten und für die verschiedenen Arbeitsfel-
der nutzbar zu machen. Zum anderen sollten für die Pflegeprognose aktuelle
Belegungszahlen erhoben werden, da 2012 eine neue s tationäre Pflegeeinrich-
tung mit 120 Plätzen eröffnet hatte. 2014 wurden zwei etablierte Einrichtungen
geschlossen. Die sich hieraus ergebenden Veränderun gen auf die Auslastung
der Pflegeeinrichtungen sollten erhoben werden.
Methodisch erfolgte die Befragung mittels eines Fra gebogens, welcher partizi-
pativ unter Berücksichtigung der Interessen aller v ertretenen Arbeitsfelder in
der AG Pflege entwickelt wurde. In der AG waren Ein richtungsleitungen und
Beschäftigte aus folgenden Arbeitsfeldern tätig: St ationäre Pflegeinrichtungen,
Sozialstation, VdK Ortsverband Darmstadt, Pflegestü tzpunkt Darmstadt, am-
bulanter Hospiz- und Palliativberatungsdienst, e.V. , DemenzForumDarmstadt
e.V., einer gerontopsychiatrischen Klinik und Verwaltung.
Durch die interdisziplinäre Zusammensetzung der AG konnten viele Perspekti-
ven zusammengeführt und diskutiert werden. Dieser Austausch wurde von allen
Beteiligten als bereichernd erlebt und war in dieser Form bisher nicht üblich.
Der abgestimmte Fragebogen wurde den Einrichtungen per E-Mail zugesandt
und konnte sowohl online ausgefüllt werden als auch ausgedruckt und posta-
lisch zurückgesandt werden. Für die Beantwortung wa ren vier Wochen Zeit ge-
geben, der Rücklauf betrug 100%.
Aus Gründen der Aktualität werden, soweit möglich, die selbst erhobenen Da-
ten zur vollstationären Pflege für den vorliegenden Bericht verwendet und in
der folgenden Ergebnisübersicht vorgestellt. Abweic hungen zur Pflegestatistik
des statistischen Landesamts Hessen ergeben sich du rch die Vollerhebung der
stationären Pflegeeinrichtungen und den Erhebungszeiträumen.
Die Ergebnisübersicht bietet einen ersten Einblick in die Versorgungsarten und
Ausstattung und kann als Anregung und Grundlage für weitere Untersuchungen
genutzt werden.
Die Befragung wird jährlich wiederholt, um aktuelle Entwicklungen aufzuzeigen
und über die Belegungssituation zu informieren.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
66
6.6 Befragungsergebnisse stationärer Pflegeeinrichtungen
Die folgenden Ergebnisse werden nach den eingegange nen Angaben darge-
stellt. Widersprüchliche Aussagen werden soweit mög lich kommentiert. Alle
unter 5.6 aufgeführten Tabellen wurden in eigener D arstellung erstellt und ge-
ben die Erhebungsergebnisse wieder.
6.6.1 Lage und Erreichbarkeit der Pflegeeinrichtungen
Die Pflegeeinrichtungen verteilen sich gut über das Stadtgebiet. Alle sind an
den ÖPNV angebunden, eine Einrichtung hätte gerne e ine direkte Anbindung.
Alle verfügen über barrierefreie Zugänge, neun Einr ichtungen haben eigene
Parkplätze.
Tabelle 22, Lage und Erreichbarkeit der Pflegeeinrichtungen
Anzahl/ ja-Nennungen
n=12
Lage der Pflegeeinrichtung Zentrale Lage
Stadtrandlage
5
7
Erreichbarkeit der Pflege-
einrichtung
Gute Erreichbarkeit mit
ÖPNV
Parkplätze vorhanden
Barrierefreier Zugang
12
9
9
6.6.2 Versorgungsarten
Alle Pflegeeinrichtungen bieten neben vollstationär er Pflege auch eingestreute
Kurzzeitpflege an. Tagespflegeangebote sind bei drei Einrichtungen vorhanden,
Nachtpflege wird nicht angeboten, hier besteht ein Defizit.
Menschen ohne Einstufung in eine Pflegestufe werden von neun Einrichtungen
aufgenommen.
Bei elf Einrichtungen ist eine Akutaufnahme im Kris enfall möglich, sie können
diese Aufnahme innerhalb eines Tages organisieren. Sechs Einrichtungen kön-
nen eine Akutaufnahme auch nachts organisieren, ach t Einrichtungen auch am
Wochenende.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
67
Acht Einrichtungen sind zusätzlich unterschiedlich zertifiziert (vergl. Tabelle
22).
Tabelle 23, Versorgungsarten
Anzahl/ ja-Nennungen n=12
Vollstationär Vollstationäre Pflege
Kurzzeitpflege
12
12
Teilstationär Tagespflege
Nachtpflege
3
0
Aufnahme von Personen oh-
ne Pflegestufe
9
Notfallversorgung
Akutaufnahme in Krisensitua-
tionen möglich
11
Organisation dieser Versor-
gung innerhalb eines Tages
möglich
11
Organisation dieser Versor-
gung auch Nachts
6
Organisation dieser Versor-
gung auch am Wochenende
8
* Mehrfachnennungen, Auflistung ohne Zuordnung
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
68
Tabelle 24, Zertifizierungen
Zertifizierungen
Zertifizierungen vorhanden*
5x Grüner Haken (2014) bzw.
BIVA
DIN ISO 9001 (Reinigung)
DIN ISO 9001 (Küche)
DIN ISO 9001 (TÜV NORD)
Dekra
Comitted to Excellence
(EFQM)
8
6.6.3 Pflegerische Versorgung
In Bezug auf spezialisierte pflegerische Versorgung ist in zehn Einrichtungen
regelmäßige Sekret Absaugung der oberen Atemwege mö glich. Palliative
Schmerzversorgung, Tracheostomaversorgung und Aufna hme bei Aids Erkran-
kung ist in sieben Einrichtungen möglich. Versorgung bei apallischem Syndrom
bieten fünf Einrichtungen an.
Gerontopsychiatrische Versorgung und einen Demenzbe reich bieten ebenfalls
sieben Einrichtungen an, einen beschützten Demenzbe reich gibt es in drei Ein-
richtungen.
MRSA und MRS Versorgung sind in elf und zehn Einrichtungen möglich.
Eine Einrichtung versorgt Menschen bereits ab dem 4 0. Lebensjahr. Einmal
wurde angegeben, die Versorgung entsprechend der Be darfe bei der Aufnahme
zu ermöglichen.
Eine Versorgung für beatmungspflichtige Patienten/i nnen bietet keine Einrich-
tung an, eine Unterbringung nach Phase F gibt es eb enfalls nicht und ist auch
bei keiner Einrichtung in Planung.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
69
Tabelle 25, Pflegerische Versorgung
Pflegerische Versorgung Versorgungsarten Anzahl/ ja -Nennungen
n=12
Regelmäßige Sekret Absau-
gung aus den oberen Atem-
wegen
10
Tracheostomaversorgung 7
Gerontopsychiatrische Ver-
sorgung
7
Palliative Schmerzversorgung 7
MRE (Multiresistente Erreger) 10
MRSA (Staphylococcus au-
rous, Gram-positives Bacte-
rium)
11
Beatmungspflichtige 0
Aids Erkrankung 7
Apallisches Syndrom 5
Unterbringung nach Phase F
in Planung
0
Demenzbereich 7
Beschützter Demenzbereich 3
Weitere:*
Anpassung an die Bedarfe im
Einzelfall
Versorgung pflegebedürftiger
Menschen ab dem 40 Lebens-
jahr
*Mehrfachnennungen, Auflistung ohne Zuordnung
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
70
6.6.4 Fachärztliche Kooperationen
Die ärztliche Versorgung der Bewohner/innen von Pflegeheimen sollte sich ab
2016 durch gesetzliche Regelungen verbessern. Durch das Hospiz- und Pallia-
tivgesetz werden stationäre Pflegeeinrichtungen kün ftig verpflichtet, Kooperati-
onsvereinbarungen mit niedergelassenen Haus-, Fach- und Zahnärzten zu
schließen.
48 Die Kooperationsbereitschaft seitens der Ärzte wir d teilweise kriti-
siert.
Die Befragung zeigt, dass die meisten Kooperationen in den Fachbereichen
Neurologie sowie Kiefer- und Zahnheilkunde stattfin den, dies wurde jeweils von
zehn Einrichtungen angegeben. Zwei Einrichtungen ko operieren mit dem Neu-
rozentrum in Erbach, eine Einrichtung nannte ein Za hnzentrum in Nidderau-
Heldenbergen. Die Gründe hierfür wurden nicht hinte rfragt. Auf die Situation
der ärztlichen Versorgung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt wird unter
Themenfeld 5. Gesundheit und Sport, näher eingegangen.
Mit den Fachbereichen Psychiatrie und Dermatologie bestehen jeweils drei Ko-
operationen.
Die übrigen medizinischen Fachbereiche werden ledig lich jeweils von ein bis
zwei Pflegeeinrichtungen genannt. Der Fachbereich G ynäkologie wird ebenfalls
nur von zwei Einrichtungen genannt, obwohl besonder s in den Altersgruppen
ab 70 Jahren ein deutlicher Frauenüberhang besteht.
Art und Intensität der Kooperationen wurden nicht hinterfragt, allerdings wurde
deutlich, dass fachärztliche Versorgung teilweise n ur in den Arztpraxen erfolgt,
seitens der Pflegeeinrichtungen wären Hausbesuche erwünscht.
Die Frage nach den Kooperationen mit Fachärzten/inn en gibt erste Einblicke
und kann als Grundlage für weitere Untersuchungen genutzt werden.
48 Bundesministerium für Gesundheit (2015): Bundestag beschließt das Zweite Pflegestärkungsgesetz.
http://www.bmg.bund.de/ministerium/meldungen/2015/psg-ii-bt-verabschiedung.html (Stand
13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
71
Tabelle 26, Kooperationen mit Fachärzten/innen
Kooperationen* Fachrichtungen Anzahl/ ja-Nennunge n n=12
Neurologie 10
Kiefer- und Zahnheilkunde 10
Psychiatrie 3
Dermatologie 3
Gynäkologie 2
Urologie 2
Internisten/innen 2
Alle Fachrichtungen 2
Geriatrie 1
Hals-Nasen-Ohrenheilkunde 1
Orthopädie 1
Augenarzt/ärztinnen 1
Diabetologie 1
Chirurgie 1
*Mehrfachnennungen, Auflistung ohne Zuordnung, zwei Einrichtungen nannten „mit allen Fach-
richtungen“, dies ist in der Tabelle nicht berücksichtigt.
6.6.5 Kultursensible Pflegeausrichtung
Es darf vermutet werden, dass die Frage nach dem ko nzeptionellen Vorhan-
densein von kultursensibler Pflege, unterschiedlich interpretiert wurde. Ge-
nannt wurden sowohl religiöse als auch nationale Au srichtungen. Zwei Einrich-
tungen gaben an, dass „alle“ willkommen wären.
In zwei Einrichtungen ist die christliche Kultur ko nzeptionell als kultursensible
Pflegeausrichtung verankert.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
72
Dem Ergebnis ist also nicht zu entnehmen, in wie we it nicht europäische kultu-
relle Belange in der Praxis, z.B. bei der Gestaltun g des Speiseplans oder der
Körperhygiene, tatsächlich in den meisten Pflegeein richtungen berücksichtigt
werden. Sowohl konzeptionell, personell als auch rä umlich ist bisher nur eine
Einrichtung auf religiöse und ethnische Diversität eingestellt.
Die Frage, ob für kultursensible Pflege entsprechen d qualifiziertes Personal
vorhanden sei, wurde von fünf Einrichtungen bejaht. Da nur vier Einrichtungen
angegeben hatten, konzeptionell kultursensible Pfle ge zu ermöglichen, kann
davon ausgegangen werden, dass in einer Einrichtung Mitarbeiter/innen mit
unterschiedlichem Migrationshintergrund beschäftigt werden und ggf. für ent-
sprechende Bedarfe zur Verfügung stehen.
Tabelle 27, Kultursensible Pflegeausrichtung
Anzahl/ ja-Nennungen n=12
Kultursensible Pflegeaus-
richtung konzeptionell vor-
handen
4
Berücksichtigte Kulturkreise
Mehrfachnennungen
Christliche Kultur
Balkan
Türkei
Polen
Muslimische Kultur
Italien
Alle
2
1
2
2
1
1
2
Hierfür qualifiziertes Perso-
nal vorhanden
5
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
73
6.6.6 Ausstattung des Hauses
Die Angaben zur Ausstattung deuten darauf hin, dass die meisten Pflegeein-
richtungen noch eher konventionell ausgerichtet sind. Die Ausstattung mit SAT-
Zugang und WLAN sind als Handlungsfelder erkennbar, ebenso eine Konzept-
entwicklung, die Hausgemeinschaften oder Wohngruppe n einbezieht. Hier sind
von einigen Einrichtungen Veränderungen für die Zukunft geplant.
Hervorzuheben ist, dass alle Einrichtungen über Auß enanlagen verfügen. Dies
ist, besonders in zentraler Lage, nicht unbedingt selbstverständlich.
Tabelle 28, Ausstattung des Hauses
Ausstattung* Anzahl/ ja-Nennungen n=12
Einbettzimmer 12
Mehrbettzimmer 9
Begleitperson möglich 5
Wohngruppen 0
Hausgemeinschaften 1
Außenanlagen 12
Spirituelle Angebote 8
Interkulturelle Andachts-
/Gebetsräume
6
Telefonanschluss frei wähl-
bar
11
Kabelzugang vorhanden 8
SAT-Zugang vorhanden 6
WLAN vorhanden 6
Weitere*:
Großzügige Wohnzimmer,
Wohnküchen und Balkone in
allen Wohnbereichen
Heller Speiseraum
Gemeinschaftsküche
mehrere Aufenthaltsräume
*Mehrfachnennungen, Auflistung ohne Zuordnung
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
74
6.6.7 Zusätzliche Leistungen
Die Frage nach zusätzlichen Leistungen sollte ebenf alls zunächst einen Über-
blick geben. Hier fällt auf, dass nur sechs Pflegee inrichtungen Sport- und Be-
wegungstraining im Angebot haben. Hier besteht Hand lungsbedarf, besonders
auch im Hinblick auf die gesetzlichen Regelungen de s Präventionsgesetzes
(PrävG)
49 , welches am 25. Juli 2015 in Kraft getreten ist.50
Eine Einrichtung bietet Physiotherapie an.
In neun Einrichtungen ist ein Sozialdienst vorhande n. Hier besteht zwar keine
gesetzliche Verankerung, trotzdem sollte eine sozia le Betreuung sichergestellt
sein. In vielen Einrichtungen regelt der Sozialdienst zudem die Neuaufnahmen.
Alle Einrichtungen bieten Ausflüge und Urlaube an u nd tragen mit einem Café
zu geselligem Austausch bei.
Auch Fußpflege gehört in allen Einrichtungen dazu, einen Friseur gibt es in
zehn Einrichtungen.
Einkaufs- und Besuchsdienst haben acht, bzw. neun Einrichtungen.
Nur vier Einrichtungen haben einen Fahrdienst im Pr ogramm, lediglich zwei
Einrichtungen bieten rollstuhlgerechten Fahrdienst. Hier könnten eventuell Ko-
operationen mit externen Anbietern das Angebot ergänzen.
Darüber hinaus bieten zwei Einrichtungen in den Sta dtteilen Arheilgen und
Eberstadt jeweils einen Mittagstisch für Senioren/i nnen an. Auch ein Kiosk für
kleine Einkäufe und eine Cafeteria stehen in jeweil s einer Einrichtung zur Ver-
fügung.
Kreative Angebote wie Töpfern, Malkurse, Korbflecht en und kreatives Gestalten
wurden ebenfalls genannt.
Für die Zukunft sind einige Veränderungen geplant. Es soll ein Internetcafé
eingerichtet und die vorhandenen Angebote ausgebaut werden. Eine Einrich-
tung möchte ihren Betreuungsdienst weiter ausbauen und ein Tagespflegean-
gebot wird neu hinzukommen.
49 Bundesministerium für Gesundheit (2015): Präventionsgesetz.
http://www.bmg.bund.de/themen/praevention/praeventionsgesetz.html (Stand 13.02.2016).
50 Vgl. ebd.
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Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
75
Tabelle 29, zusätzliche Leistungen
Leistungen Anzahl/ ja-Nennungen n=12
Sozialdienst 9
Fahrdienst 4
Fahrdienst rollstuhlgeeignet 2
Besuchsdienst 9
Einkaufsdienst 8
Mahlzeitendienst 6
Sport/Bewegungstraining 6
Ausflüge/Urlaub 12
Geplante Veranstaltungen 12
Café 12
Friseur 10
Fußpflege 12
Weitere*:
Mittagstisch für Bewoh-
ner/innen des umliegenden
Quartiers in Arheilgen
Mittagstisch für Senioren/innen
aus Eberstadt
Cafeteria
Kreatives Gestalten
Malkurse
Töpfern
Korbflechten
Physiotherapie
Kiosk
Welche zusätzlichen Leistungen
sind in Planung?
Internetcafé
Ausbau der vorhandenen Ange-
bote
Tagespflege
Ausbau des Betreuungsdienstes
*Mehrfachnennungen, Auflistung ohne Zuordnung
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
76
6.6.8 Leistungen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen
Angebote in diesem Bereich sind unterrepräsentiert. Hier besteht ebenfalls
Handlungsbedarf. Insbesondere gerontopsychiatrische Versorgungsleistungen
werden lediglich von vier Pflegeeinrichtungen erbra cht, ohne diese näher zu
spezifizieren.
Eine Einrichtung bietet Betreuungsleistungen nach S GBXI §87b für pflegebe-
dürftige Heimbewohner mit erheblichem allgemeinem Betreuungsbedarf an.
Hier ist zu vermuten, dass die Fragestellung unters chiedlich interpretiert wur-
de. Der § 87b regelt die Vergütung für zusätzliche Betreuungsleistungen, diese
werden von den Einrichtungen beantragt, wenn Bewohn er/innen kognitiv ein-
geschränkt sind. Somit sollten mindestens die sechs Einrichtungen, die Ver-
sorgung für demenziell Veränderte anbieten, im Umke hrschluss auch zusätzli-
che Betreuungsleistungen nach § 45b beantragen und erhalten.
Fachärztliche neurologische Visite findet in einer Einrichtung statt.
Die Versorgungsangebote für Menschen mit demenziell en Veränderungen sind
etwas umfangreicher. So gibt es in fünf Einrichtung en einen speziellen Wohn-
bereich.
Lediglich Alltagsbegleitung wird in allen zwölf Einrichtungen angeboten.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
77
Tabelle 30, Leistungen für Menschen mit kognitiven Einschränkungen
Leistungen Anzahl/ ja-Nennungen n=12
Gerontopsychiatrische Ver-
sorgungsleistungen
generell 4
Betreuungs- und Pflegeleis-
tungen dem Bedarf der Be-
wohner/innen angepasst
1
Betreuungsleistungen nach
§87b SGBXI
1
Neurologische Visite durch
NL
1
Versorgungsangebote für
Menschen mit demenziellen
Veränderungen
Spezieller Wohnbereich 6
Besondere stationäre De-
menzbetreuung
1
Wohngemeinschaften 1
Beschützter Bereich 9
Geschützter Außenbereich 5
Alltagsbegleitung 12
Erhöhter Personalschlüssel 2
„Café Freiraum“ für Men-
schen mit demenziellen Ver-
änderungen
1
Kochgruppe „Clowns“ 1
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Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
78
Tabelle 31, Leistungen/Angebote für demenziell Veränderte und ihre Angehörigen
Leistungen/Angebote für
demenziell Veränderte und
ihre Angehörigen
Urlaubsbetreuung
7
Tagespflege 1
Gruppenangebote für Ange-
hörige
1
Selbsthilfegruppen für pfle-
gende Angehörige
3
Schulung/Anleitung für pfle-
gende Angehörige
4
Information und Beratung
von Angehörigen
11
Betreuung durch Ehrenamtli-
che
7
Weitere:
wöchentliche Nachmittags-
betreuung für demenziell
Veränderte
1
Kooperation mit der VITOS
GmbH (psychiatrische Ambu-
lanz) wird angestrebt
1
Die Anteile der Personen mit kognitiven Einschränku ngen und demenziellen
Veränderungen an der Gesamtanzahl der Bewohner/inne n in vollstationärer
Pflege sind in den beiden Grafiken
abgebildet. Für die einzelnen Altersgruppen wurde
aus den Angaben der zwölf Pflegeeinrichtungen jeweils der Mittelwert dargestellt.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
79
Grafik 5, Personen mit kognitiven Einschränkungen
Quelle: Eigene Darstellung
Grafik 6, Demenziell veränderte Personen
Quelle: Eigene Darstellung
6.6.9 Kooperationen, Zusammenarbeit
Die Begriffe Kooperationen und Zusammenarbeit wurde n nicht nach Art und
Intensität differenziert, daher können auch diese A ngaben lediglich einen Ein-
blick bieten und möglicherweise Impulse für die wei tere Ausgestaltung in den
Einrichtungen geben.
In sechs Einrichtungen gibt es keine Kooperation od er Zusammenarbeit mit
einem sozialpsychiatrischen Dienst, hier sollte ein e bessere Vernetzung entwi-
ckelt werden. In der AG Pflege wurde ausdrücklich d er Bedarf an einer besse-
ren Vernetzung von psychiatrisch-medizinischen Einr ichtungen und vollstatio-
0%
5%
10%
15%
20%
25%
u 60 60-69 70-79 80-89 90+
Anteil Personen mit kognitiven Einschränkungen nach
Altersgruppen
0%
5%
13%
30%
27%
0%
5%
10%
15%
20%
25%
30%
35%
U 60 60-69 70-79 80-89 90+
Anteil demenziell veränderter Personen nach Altersgruppen
U 60 60-69 70-79 80-89 90+
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
80
närer Pflege genannt. Generell sollte der psychosoz iale Bedarf von Menschen
in stationären Pflegeeinrichtungen stärker berücksichtigt werden.
Tabelle 32, Kooperationen/Zusammenarbeit
Zusammenarbeit mit folgenden Anbietern eng lose ke ine
Andere stationäre Pflegeeinrichtungen 2 10
Kurzzeit-/Tagespflegeeinrichtungen 2 6 2
Pflegedienste 5 5 1
Krankenhäuser 12
Hausärzte 12
Fachärzte 11 1
Pflegestützpunkt Darmstadt 5 7
Wissenschaftsstadt Darmstadt 8 3
Hospizdienste 11 1
Therapeutische Berufe 12
Sozialpsychiatrischer Dienst 2 2 6
6.6.10 Personal, Ausbildung
Alle zwölf Pflegeeinrichtungen bieten Ausbildungspl ätze für examinierte Pflege-
kräfte und Helfer/innen an. Die Anzahl und Nachfrag e der Ausbildungsangebo-
te wurden nicht erfragt. Dies könnte bei einer Unte rsuchung zum Thema Fach-
kräftemangel erfolgen.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
81
Tabelle 33, Personal/Ausbildung
Ausbildungsmöglichkeiten Anzahl/ ja-Nennungen n=12
Ausbildungsbetrieb 12
3 jährige Ausbildung exami-
nierte/n. Altenpfleger/in
12
1 jährige Ausbildung Alten-
pflegehelfer/in
10
Bürokauffrau/mann 2
Koch/Köchin 1
Alltagsbegleitung 1
6.6.11 Belegungssituation
Die durchschnittliche Auslastung der vollstationäre n Pflegeeinrichtungen für
die Jahre 2012 bis 2014 lag im Mittelwert für die z wölf Pflegeeinrichtungen
zwischen rund 88% und 90%. Da 2012 eine neue statio näre Pflegeeinrichtung
mit 120 Plätzen eröffnet hatte und 2014 zwei etabli erte Einrichtungen ge-
schlossen wurden, sollten durch die Befragung die s ich hieraus ergebenden
Veränderungen auf die Belegungssituation sichtbar werden. Bedeutsam ist hier
das Ergebnis für das Jahr 2014. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Bele-
gungssituation wieder stabilisiert. Für die Zukunft planen einige Einrichtungen
Veränderungen, wodurch sich das Angebot an vollstat ionärer Pflege zugunsten
qualitativer Verbesserungen quantitativ noch etwas weiter reduzieren wird.
(vergl. 5.5.3) Dies dürfte aber mittelfristig noch kein Problem darstellen.
Tabelle 34, Auslastung vollstationäre Pflege
Jahr Auslastung vollstationäre
Pflege % n=12, %Mittelwert
2012 86,12
2013 87,63
2014 90,29
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Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
82
6.6.12 Belegung nach Alter, Geschlecht und Pflegestufe
Zu dieser Frage waren die Angaben von neun stationä ren Pflegeeinrichtungen
auswertbar. In der Tabelle 31 wird der Mittelwert d er Altersgruppen in den
neun stationären Pflegeeinrichtungen angegeben, die s kann für einzelne Pfle-
geeinrichtungen ein etwas abweichendes Bild ergeben . Der deutlich höhere An-
teil der Frauen ab 70 Jahren entspricht ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung
dieser Generation (vergl. Tabelle 2)
Bei der Verteilung der Pflegestufen wurde nicht zus ätzlich nach Geschlecht dif-
ferenziert, da eine detailliertere Untersuchung nac h geschlechtsspezifischen
Kriterien den Rahmen dieses Berichts übersteigt. Di e höchste Konzentration
liegt in den Pflegestufen 1 und 2. Die Verteilung a uf Pflegestufe 0 bleibt in al-
len Altersgruppen unter 3%, Stufe 3 erreicht ihren Höchstwert in der Alters-
gruppe der 80-89 Jährigen. In der Altersgruppe ab 8 0+ sinkt der Anteil der
Pflegestufe 3 wieder auf 6,54%.
Tabelle 35, Belegung nach Geschlecht und Altersstufen
Belegung nach Geschlecht %
n=9, % Mittelwert
Beide Geschlechter nach Pflegestufen %
n=9, %Mittelwert
Alter weiblich männlich 0 1 2 3
U 60 0,96 0,9 0,20 0,96 0,58 0,13
60-69 1,69 2,52 0,20 2,71 1,14 0,20
70-79 14,85 9,03 2,14 16,21 78,65 3,80
80-89 36,33 10,93 2,56 20,63 20,14 8,56
80+ 21,36 4,05 1,60 18,08 15,79 6,54
6.6.13 Belegung durch ältere Menschen mit Migrationshintergrund
Zur derzeitigen Belegungssituation durch ältere Men schen mit Migrationshin-
tergrund in der vollstationären Pflege ist ein klei ner Exkurs erforderlich. Die
jetzige Generation älterer Menschen mit Migrationsh intergrund ist in vollstatio-
närer Versorgung bislang auch in der Wissenschaftss tadt Darmstadt wenig ver-
treten. Diese Tatsache sollte genauer hinterfragt u nd untersucht werden. Es
gab im Rahmen von Projekten im Kontext Älter werden verschiedene Ansätze,
auf Migrantenselbstorganisationen (MSO’s) in Darmstadt zuzugehen um sie als
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
83
Multiplikatoren/innen zu gewinnen. Auf diesem Wege bildete sich z.B. im
Stadtteil Kranichstein eine Gruppe von Seniorinnen und Senioren mit türki-
schem Migrationshintergrund, die in den Räumlichkeiten des Bürgerhauses am
See/Luise-Büchner-Haus einmal monatlich zusammenkom men. Bei diesen
Treffen finden, neben geselligen Aspekten, ebenfall s Informationen zu Fragen
rund um das Thema „Versorgung im Alter“ Raum.
Auch zu verschiedenen MSOs bestehen Kontakte, der P flegestützpunkt konnte
sein Beratungsangebot in einigen Vereinen und relig iösen Gemeinden vorstel-
len. Dies hat bisher wenig Auswirkungen auf die Nutzung der Angebote gehabt.
Bei den kommenden Generationen wird sich dies vorau ssichtlich ändern, da
sich hier die familiären Gegebenheiten zunehmend an die Aufnahmegesell-
schaft angleichen und damit auch häusliche Pflege n icht mehr wie bislang vor-
wiegend familiär, d.h. vorwiegend von Frauen, gelei stet werden kann.
51 Dies
erfordert allerdings mittelfristig weitere Anpassun gen der Pflegeeinrichtungs-
angebote. Bisher haben laut dieser Umfrage lediglic h vier Pflegeeinrichtungen
in Darmstadt kultursensible Pflege konzeptionell vo rgesehen. Zwei dieser Ein-
richtungen gaben an, darunter die christliche Kultur zu verstehen.
Der Bereich kultursensible Pflege wird in Zukunft e inen erheblich größeren
Raum einnehmen als bisher, darauf sollten sich stat ionäre Pflegeeinrichtungen
konzeptionell einstellen.
6.6.14 Ausblick und Veränderungen
Vorschläge zur weiteren Verbesserung der Versorgungssituation durch die
Einrichtungsleitungen:
• Vernetzung ausbauen
• Zusammenarbeit mit ortsansässigen Fachärzten ist ma ngelhaft auf
Grund fehlender Ressourcen
• Förderung Ehrenamtlicher (St. Josef)
• Fachärztliche Versorgung durch Hausbesuche (Heimathaus)
• Anbindung der Einrichtung an ÖPNV (Volpp)
51 Zentrum für Qualität in der Pflege: Alternde Migran ten und Pflege in Deutschland – eine Bestandsauf-
nahme. https://www.zqp.de/index.php?pn=care&id=6 (Stand 13.02.2015).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
84
• Ausbau stadtteilbezogen zum Zentrum mit mehreren Wo hn- und Pflege-
konzepten (Emilstraße)
• Schaffung eines Wohnquartieres, geschlossener Berei ch, Wohnformen
für junge Behinderte (Louise Dittmar Haus)
• Ausbau der bestehenden Kooperationen (Fiedlersee)
Vorhaben der Träger:
• Umbau der Doppel- in Einzelzimmer (Alice-Altenheim)
• Fortbildungen für Mitarbeiter/innen im Bereich inte rkulturelle Pflege fin-
den statt, der Bereich soll gelebt werden. Bauliche Umsetzbarkeit eines
beschützenden Demenzbereichs wird geprüft (AWO Johannesviertel)
• Quartiersbezug, stärkere Anbindung an die Geriatrie (E-Stift, Mathilden-
höhe)
• Sanierung Neubau (Heimathaus)
• Etablierung von betreutem Wohnen (Volpp)
• Modernisierung, Reduktion der Bettenanzahl durch Ei nzelzimmer (Emil-
straße)
• Betreutes Wohnen (Louise Dittmar Haus)
• Angebot für ältere Menschen, die nicht mehr ohne Au fsicht zuhause al-
leine leben können, aber noch keine körperliche Pfl egebedürftigkeit vor-
liegt (Rosenhöhe)
• Beschützender Wohnbereich in Anlehnung an Hausgemei nschaftsmodell
für Menschen mit demenziellen Veränderungen, kleine betreute
Wohneinheit in Planung (Fiedlersee)
6.7 Pflegeprognosen/Bedarfsplanung
6.7.1 Bevölkerungsprognose, Zahlen, Daten, Fakten?
Hier werden nochmals einige der in der Einführung b eschriebenen Einflussfak-
toren aufgegriffen, um den Status quo der Rahmenbed ingungen einer Bedarfs-
planung zu verdeutlichen.
Der zukünftige Bedarf in der Pflege wird von mehrer en Parametern bestimmt
werden. Ein wichtiger Faktor wird die gesundheitlic he Entwicklung der kom-
menden Generationen sein. Hierzu wurden verschieden e interdisziplinäre For-
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
85
schungen durchgeführt und entscheidende Faktoren be nannt.52 Europaweit 53
wird eine Politik des „aktiven Alterns“ verfolgt, d ie maßgeblich auf Aktivierung
und gesellschaftliches Engagement älterer Menschen setzt. Welche Auswirkun-
gen sich hieraus konkret für gesundheitliche und pf legerische Entwicklungen
ergeben werden, ob und in welchem Umfang der Paradi gmenwechsel von dem
sozialen Konstrukt eines „verdienten Ruhestands“ zu m „active aging“ der „jun-
gen Alten“ der Babyboomer Generationen vollzogen we rden wird, bleibt abzu-
warten.
Die künftigen Entwicklungen und Veränderungen, die sich durch das Pflege-
stärkungsgesetz im präventiven und ambulanten Berei ch ergeben werden, tra-
gen hoffentlich dazu bei, den Eintritt der Pflegebe dürftigkeit weiter hinauszu-
zögern und vielleicht zu verkürzen.
Ein weiterer Einflussfaktor wird die kommende Einbettung in soziale Netzwerke
sein, möglichst vor Ort im Stadtteil. Wenn es gelin gt, stabile Versorgungsstruk-
turen in den Stadtteilen aufzubauen, werden gute Vo raussetzungen zur weite-
ren Ambulantisierung der Pflege für alle Altersgruppen geschaffen.
Auch die in der Biografie erworbenen individuellen Ressourcen tragen dazu bei,
einen möglichen Pflegebedarf zu gestalten. Hier wer den neben den wirtschaft-
lichen Möglichkeiten Bildung und Erfahrungswissen, also informelle Bildung,
wichtige Einflussfaktoren sein.
Sicher ist bisher, dass hochaltrige Menschen so lan ge wie möglich im gewohn-
ten Umfeld verbleiben möchten. Der Einzug in statio näre Pflege gehört in der
Regel nicht zum perspektivischen Wunschszenario ält erer Menschen (vergl.
4.3)
Faktoren wie Wanderungsbewegungen und Mortalitätsra te werden sich auch
bei den künftigen Generationen 65+ verändern. Wie s ich daher die zukünftigen
Szenarien der Pflegelandschaft gestalten werden, lä sst sich folglich zum jetzi-
gen Zeitpunkt nicht in Zahlen Daten und Fakten abbi lden, sondern lediglich als
mögliche Trends beschreiben.
Aus diesem Grund wäre auch eine Bedarfsplanung, die auf einer demografi-
schen Prognose basiert, nur sehr ungenau. Hierbei w ürde die aktuelle Pflege-
quote auf den prognostizierten Bevölkerungsanteil d er Personen ab 60 Jahren,
52 Kruse, Lehr, Thomae u.a: Psychologie des Alterns, http://tocs.ulb.tu-darmstadt.de/1395511X.pdf
(Stand: 13.02.2016).
53 Europäische Kommission, Europäische Union Ausschuss der Regionen, AGE PlatForm Europe: Maß-
nahmen zur Förderung des aktiven Alterns in Europa, http://bookshop.europa.eu/de/massnahmen-zur-
foerderung-des-aktiven-alterns-in-europa-pbKE3211749/ (Stand: 13.02.2016).
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
86
in fünf Jahresstufen aufsteigend, hochgerechnet. Als Datengrundlage würde die
zahlenmäßige Besetzung der Jahrgänge 1940 bis einsc hließlich 1969 verwen-
det, dies entspricht einem Alter zwischen 70 bis 90 Jahren im Jahr 2030. Es
würde davon ausgegangen, dass es keine Veränderunge n der aktuellen Pflege-
quote geben wird – was aus den o.g. Gründen wenig wahrscheinlich ist.
Für die Entwicklung der Alterskohorten der geburten starken Jahrgänge, die et-
wa ab 2035 das 80. Lebensjahr erreichen werden und damit in die bisherige
Personengruppe mit dem höchsten Pflegerisiko aufrü cken, gibt es in der Wis-
senschaftsstadt Darmstadt derzeit keine belastbare Prognose. Die Berechnun-
gen des Demografie Berichts von 2012 sind bereits v on den tatsächlichen Ent-
wicklungen überholt, dies betrifft nicht nur die Al terskohorten in der Erwerbs-
phase (vergl. 2.1).
Hier besteht Handlungsbedarf. Die Einrichtung einer Experten/innen Kommis-
sion zur Entwicklung einer belastbaren Bevölkerungs prognose für die Wissen-
schaftsstadt Darmstadt als Datengrundlage für eine Pflegebedarfsplanung wird
empfohlen.
6.7.2 Instrumentarium zur Erstellung einer Bedarfsplanung
Als bisheriges Instrumentarium zur Berechnung des B edarfs an vollstationären
Dauerpflegeplätzen wurde für das Land Hessen eine f este Messziffer als Be-
darfsanhaltswert festgelegt. Dieser beträgt 25 stat ionäre Dauerpflegeplätze für
je 1.000 Einwohner/innen in einem Alter von 65 Jahr en und darüber. Diese
Messziffer entspricht nicht mehr dem tatsächlichen Bedarf. So ergeben sich
aufgrund dieses Berechnungsmodells für Darmstadt fü r das Jahr 2013 rund
663 erforderliche Plätze. Tatsächlich wurden von de r besagten Altersgruppe
1.104 vollstationäre Dauerpflegeplätze in Anspruch genommen. Zusätzliche 38
Plätze wurden von jüngeren Personen belegt (vergl. Tabelle 32).
Aus diesem Beispiel geht hervor, dass die bisherige Messziffer des Bedarfs an
vollstationären Dauerpflegeplätzen des Landes Hessen zu überarbeiten ist.
Eine demografische Prognose (s.o.) würde zum jetzig en Zeitpunkt erhebliche
Einflussfaktoren unberücksichtigt lassen und stellt daher ebenfalls kein geeig-
netes Messinstrument dar.
Hier besteht ebenfalls Handlungsbedarf. Der Entwick lungsbedarf eines geeig-
neten Instrumentariums als Berechnungsgrundlage wir d auch seitens des Hes-
sischen Landtages,
Arbeitskreis I, Hessische Altenhilfeplanung, gesehe n. Der
Arbeitskreis beabsichtigt die Empfehlung auszusprec hen, z.B. im Rahmen ei-
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
87
nes wissenschaftlichen Forschungsprojekts die Entwi cklung geeigneter Berech-
nungsgrundlagen in Auftrag zu geben.
Tabelle 36, Inanspruchnahme vollstationärer Dauerpflege 2013
54
Alter in Jahren Anzahl Perso-
nen 55
Anhaltswert
Anzahl:1000x25
Stand 2013
56
65 - 70 13.472 336,80 115
75 und älter 13.042 326,05 989
gesamt 26.514 662,85 1.104
6.8 Ausblick und Empfehlungen der AG Pflege
Die vollstationären Pflegeeinrichtungen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
hatten für das Jahr 2014 im Mittelwert eine Auslast ung von 90,29%. Im Jahr
2013, vor der Schließung von zwei Einrichtungen lag die Auslastung lediglich
bei 87,63%. Somit besteht derzeit kein Bedarf an ei nem quantitativen Ausbau
von vollstationären Pflegeplätzen. Allerdings plane n einige Einrichtungen quali-
tative Veränderungen ihres Angebots, z.B. die Umwan dlung von Mehrbett- zu
Einbettzimmern. Aber auch dies wird mittelfristig v oraussichtlich noch nicht zu
Engpässen führen, da die geburtenstarken Jahrgänge erst im Jahr 2035 das
Alter mit dem höchsten Risiko eines Eintritts von P flegebedarf erreichen wer-
den. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen wäre eine Auslastung der Pflegeein-
richtungen von ca. 98% erforderlich.
Die Befragung der Einrichtungen durch die Sozialpla nung der Bedarfe älterer
Menschen wird jährlich durchgeführt werden, um aktu elle Entwicklungen zu
dokumentieren und Bedarfsveränderungen rechtzeitig zu erkennen.
Eine demografische Pflegeprognose kann erfolgen, so bald belastbare Bevölke-
rungsentwicklungsprognosen für die Wissenschaftssta dt Darmstadt vorliegen.
Eine aussagefähigere Bedarfsplanung ist möglich, we nn neben einer Bevölke-
rungsprognose auch ein geeignetes Instrumentarium v erfügbar ist, welches die
unter 6.7.1 beschriebenen Einflussfaktoren berücksichtigt.
54 Statistisches Landesamt Hessen (2013): Inanspruchnahme vollstationärer Dauerpflege 2013.
55 Wissenschaftsstadt Darmstadt (2014): Datenreport 2014.
56 Statistisches Landesamt Hessen (2013): Pflegestatistik.
Sozialplanung der Bedarfe älterer Menschen in der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
88
Ein weiterer qualitativer Ausbau der vollstationäre n Pflege und konzeptionelles
Umdenken zeichnet sich bereits ab (vergl. 6.6.14).
Qualitativer und quantitativer Handlungsbedarf wird in der Wahrnehmung der
psychosozialen Bedarfe von Menschen in stationärer Pflege seitens der Pflege-
einrichtungen gesehen. Hierzu würden entsprechende Qualifizierungen und
Sensibilisierungen der Beschäftigten gehören, aber auch intensivere Kooperati-
onen zwischen psychiatrisch-medizinischen Einrichtu ngen und stationären
Pflegeeinrichtungen.
Sterbebetreuung und palliative Konzepte werden sicher ebenfalls an Bedeutung
zunehmen.
Die ambulante Versorgung in der Wissenschaftsstadt Darmstadt ist ebenfalls
quantitativ gut aufgestellt, ein weiterer Ausbau wä re im Bereich der psychiatri-
schen Krankenpflege erforderlich. Die pflegerische Versorgung psychisch Kran-
ker wird durch die strukturellen Ausführungen der G esetze des SGB XI in Hes-
sen erschwert. Für die Leistung „psychiatrische Kra nkenpflege“ sind in Hessen
Einzelgenehmigungen notwendig, da es keine entsprec henden Versorgungsver-
träge gibt.
Die teilstationäre Pflege sollte durch Nachtpflegeangebote erweitert werden.
Diese sollten für alle Pflegebereiche vorgehalten w erden, sowohl für rein kör-
perliche Pflege, als auch für demenzielle Veränderu ngen und psychische Er-
krankungen.
Die Tagesstätten für Menschen mit demenziellen Verä nderungen sollten flexib-
lere Öffnungszeiten, auch am Wochenende haben. Es f ehlen Tagesstätten Plät-
ze für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen, b esonders im Süden
Darmstadts.
Betreutes Wohnen im Hinblick auf möglichen Unterstützungsbedarf, vor zugs-
weise im vertrauten Stadtteil, wurde in Befragungen in Darmstädter Stadtteilen
als häufigste Option genannt. Eine stationäre Unter bringung wird dagegen nur
von ca. 4% der Befragten als Perspektive angesehen. Der Bedarf an bezahlba-
rem betreutem Wohnen wird sicher auch in Folge der Veränderungen durch das
PSG II zunehmen.
Weitere beschützte Wohneinrichtungen sowohl für Menschen mit gerontopsy-
chiatrischen Erkrankungen als auch für Menschen mit demenziellen Verände-
rungen zu erschwinglichen Kosten sind erforderlich.
Ein Steuerungs- und wichtiger Unterstützungsansatz wäre der dezentrale Aus-
bau der Beratungsangebote auf Stadtteilebene, insbesondere zur Organisation
der Pflege und Wohnraumanpassung. Die Angebote soll ten multimedial bewor-
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ben werden, da sich die Nachfrage aus der Bekannthe it der Angebote ergibt.
Umfassende, neutrale Beratung zu den vorhandenen Mö glichkeiten leistet er-
heblichen Beitrag zu selbstbestimmten Wohnen im Quartier.
Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und/oder kognitiven, bzw. geron-
topsychiatrischen Erkrankungen wären auch aufsuchen de Beratungsangebote
erforderlich.
7. Fazit
Zuletzt wurde im Jahr 2003 im Rahmen der Sozialberichterstattung mit dem
Schwerpunkt Seniorinnen und Senioren der Bericht zu r Altenhilfeplanung
erstellt. Folgende Aufgabenfelder für zukünftige so zialpolitische Trägerüber-
greifende Planungsprozesse wurden identifiziert:
„Das Fehlen einer gesetzlichen Grundlage für die Al tenhilfeplanung macht es er-
forderlich, verbindliche Strukturen zu schaffen und Planungsverantwortung aus-
zuweisen, indem Altenhilfeplanung als Pflichtaufgab e der kommunalen Verwal-
tung festgeschrieben wird. Die Umsetzung einer mode rnen Altenhilfepolitik erfor-
dert:
1.
Formulierung politischer Leitlinien
2. Ressort- und Trägerübergreifende Planungsprozesse ( Gesundheitshilfe,
Wohnen, Altenhilfe)
3. Aufbau einer anwaltschaftlichen Vertretung älterer Menschen
4. Regelmäßige Trägerkonferenzen der Entscheidungsträg er zur Strukturent-
wicklung (Bauträger, Stadtplanung, Wohlfahrtsverbände)
5. Beteiligung der damaligen Beratungs- und Serviceste lle für Ältere (BuS) als
Fachabteilung an allen relevanten Planungsprozessen
6. Aufbau eines regelmäßigen Berichtswesens zur Lage d er älteren Generati-
on
7. Ausbau von Kommunikationsstrukturen
Inzwischen hat sich einiges bewegt, politische Leit linien wurden formuliert,
zunehmend finden Ressort- und Trägerübergreifende P lanungsprozesse
statt, wobei hier durchaus noch einiges Optimierungspotenzial liegt.
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In Bezug auf eine anwaltschaftliche Vertretung älterer Menschen hat sich ein
Paradigmenwechsel vollzogen. Im Rahmen der sozialpo litischen Leitlinien
werden ältere Menschen darin unterstützt und geförd ert, ihre Potenziale zu
aktivieren, sich aktiv einzubringen und ihre Umwelt mitzugestalten. Dies
wird durch Beteiligungsforen, die Interessenvertret ung für Ältere und in wei-
teren Beteiligungsprozessen ermöglicht.
Die Fachkonferenz Altenhilfe ist mittlerweile ein e tabliertes Gremium, wel-
ches dreimal jährlich zusammenkommt und mit Entsche idungsträgern be-
setzt ist. Der Vorstand trifft sich monatlich und bereitet aktuelle Themen vor.
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist durch die Sozi aldezernentin, Amtslei-
tung Amt für Soziales und Prävention, sowie der Soz ialplanung der Bedarfe
Älterer in der Fachkonferenz vertreten.
Seit April 2012 steht eine volle Stelle für die Soz ialplanung der Bedarfe Älte-
rer zur Verfügung. Die Stelle ist im Sachgebiet Ser vicestelle Soziales und
Beratung verortet, welche der Beratungsstelle BuS v on 2003 entspricht. Die-
se Verortung in der kommunalen Organisationsstruktu r ist für Planungsstel-
len mit Schwerpunkt Seniorinnen und Senioren nicht ungewöhnlich, da aner-
kannte fachliche Planungsstandards fehlen. Im Rahme n dieser strukturellen
Bedingungen findet Beteiligung der Fachabteilung an Planungsprozessen
statt.
Der Bericht zur Sozialplanung der Bedarfe Älterer w ird künftig in 5-
jährlichen Abständen neu aufgelegt. Die Befragung d er stationären Pflege-
einrichtungen wird jährlich durchgeführt, die Ergeb nisse können über die
Homepage der Wissenschaftsstadt Darmstadt unter der Seite der Sozialpla-
nung der Bedarfe Älterer eingesehen werden.
Auch im Ausbau der Kommunikationsstrukturen haben p ositive Entwicklun-
gen stattgefunden, die Sozialplanung der Bedarfe Äl terer ist gut in der Fach-
konferenz Altenhilfe, den Stadtteilforen und Arbeit skreisen Älterer in den
Stadtteilen sowie mit der Interessenvertretung für ältere Menschen vernetzt.
Im Themenfeld Partizipation, bürgerschaftliches Engagement, Bildu ng und
Kultur wurde deutlich, dass der Bereich Partizipation ein e hohe sozialpoliti-
sche Bedeutung hat. Dem würde die Entwicklung eines strategischen sozial-
planerischen Masterplans, welcher Finanzierung, Ste uerung, Koordination
und Verwaltungsanbindung regelt, Rechnung tragen.
Zur Informationsgewinnung im Bereich bürgerschaftli ches Engagement soll-
te eine Datenbank erstellt werden, welche Instituti onsübergreifend Daten
zusammenführt und auswertbar macht. Das ehrenamtlic he Engagement in
den Stadtteilen, insbesondere im Bereich Nachbarsch aftshilfe bedarf profes-
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sioneller Koordination und Begleitung. Dies beinhal tet auch Schulungen, wie
mit dem Freiwilligenzentrum Darmstadt geplant und Supervision.
Um Aufschlüsse zur Wirksamkeit bisheriger Maßnahmen und Projekte zur
Förderung der Einbindung von Menschen mit Migration shintergrund zu er-
halten, wurde in der AG Partizipation eine wissensc haftliche Evaluation vor-
geschlagen.
Die in der AG Wohnen und Lebensführung formulierten Handlungsempfeh-
lungen überschneiden sich teilweise mit Themenfeld 3. Auch hier wird die
Bedeutung professioneller Koordination und Begleitu ng ehrenamtlichen En-
gagements gesehen.
Ebenso wird die Entwicklung eines strategischen Ges amtkonzepts zur Quar-
tiersentwicklung angeregt, an dem die Fachkonferenz Altenhilfe zu beteiligen
wäre.
Im Bereich Beratungen und Informationen wird die No twendigkeit gesehen,
Strukturen zu schaffen, welche bessere Zugänglichke it ermöglichen. Hierzu
gehören neutrale dezentrale Beratungsangebote, insb esondere zur Wohnbe-
ratung. Wohnberatung sollte baufachliche Kompetenze n beinhalten, Finan-
zierungsmöglichkeiten aufzeigen und Beratungskompet enzen haben. Eine
enge Kooperation mit dem Pflegestützpunkt Darmstadt und der Servicestelle
Soziales und Beratung
wäre erforderlich.
Es fehlen Fahrdienste für mobilitätseingeschränkte Menschen. Besonderer
Bedarf wird bei Personen gesehen, die wegen psychis cher und/oder körper-
licher Einschränkungen Angebote des ÖPNV nicht nutzen können.
Im Themenfeld Gesundheit und Sport sollten veränderte Bedarfe seitens der
Ärzteschaft wie Gemeinschaftspraxen bei Bauplanunge n berücksichtigt wer-
den, um attraktive Standorte vorhalten zu können.
Zur präventiven Gesundheitsvorsorge und Bedarfsdeck ung sind Sport- und
Bewegungsangebote in den Stadtteilen zu fördern.
Auch hier sollten Erhebungen durchgeführt werden, w elche Aufschluss über
die Mitgliederstrukturen geben.
Dringend wird eine Bereitschaft für fachärztliche Hausbesuche gewünscht.
Im Themenfeld Pflege wird im Bereich psychiatrischer und gerontopsychiat -
rischer Krankenpflege Bedarf an weiterem Ausbau erk annt. Dies könnte poli-
tisch durch Einflussnahme auf die strukturellen Aus führungen der Gesetze
des SGB XI in Hessen unterstützt werden.
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Partizipativ, präventiv, sozialraumorientiert
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Teilstationäre Angebote fehlen für Menschen mit aus schließlich körperlicher
Behinderung aber auch für psychische Erkrankungen u nd demenzielle Ver-
änderungen. Nachtpflege und Wochenendangebote von T agesstätten sind
erforderlich.
Der Bedarf an bezahlbarem betreutem Wohnen wird zun ehmen. Geeignete
Konzepte sind zu entwickeln. Dies betrifft gleicher maßen beschützte
Wohneinrichtungen für Menschen mit gerontopsychiatr ischen Erkrankungen,
wie demenziellen Veränderungen.
Die identifizierten Handlungsbedarfe werden seitens der Sozialpolitik, Sozi-
alplanung der Bedarfe Älterer sowie der Fachkonfere nz Altenhilfe aufgegrif-
fen und Lösungsvorschläge erarbeitet.
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Beratungsverlauf (1)
Orte (10)
- Frankfurter Straße 71
- Niersteiner Straße 3
- Erbacher Straße 29
- Bad Nauheimer Straße 9
- Wechslerstraße 3
- Heidelberger Landstraße 383
- Borsdorffstraße 40
- Mühltalstraße 35
- Emilstraße
- Wilhelminenplatz 7
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2016/0071
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 23.02.2016
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00