2006/0175
Benchmarking 'Hilfen zur Erziehung' hier: Bericht 2004
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151439 Zeichen
Bundesweites Benchmarking
der Hilfen zur Erziehung++
2004
Bremerhaven
Darmstadt
Karlsruhe
Mannheim
Potsdam
Rostock
BERICHT
8. Februar 2006
erstellt von con_sens Hamburg
con_sens
2
INHALT
1. Vorbemerkung................................................................................................................ .....5
2. Zusammenfassung ............................................................................................................. ..6
3. Benchmarking: Zielsetzung, Methodik, Ansatz.........................................................................8
4. Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs...................................................................................11
4.1 Kontext-Indikatoren......................................................................................11
4.1.1 Arbeitslosendichte ............................................................................................... 12
4.1.2 Sozialhilfequote................................................................................................... 13
4.1.3 Von Scheidung betroffene Kinder und Jugendliche .................................................. 15
4.1.4 Kindertagesbetreuung .......................................................................................... 17
4.1.5 Schulabgänger ohne Abschluss ............................................................................. 19
4.1.6 Beendete Gerichtsverfahren mit Jugendgerichtshilfe (nach § 38 JGG)........................ 21
4.2 Input-Indikatoren .........................................................................................24
4.2.1 Netto-Ausgaben .................................................................................................. 25
4.2.1.1 Netto-Ausgaben pro Einwohner (KeZa 30) .......................................................... 25
4.2.1.2 Netto-Ausgaben pro HzE++- Fall (KeZa 31)........................................................... 27
4.2.1.3 Bewegtes Volumen pro ASD-Mitarbeiter.............................................................. 29
4.2.2 Mitarbeiter.......................................................................................................... 30
4.3 Output-Indikatoren .......................................................................................34
4.3.1 Dichte der HzE+-Fälle insgesamt........................................................................... 34
4.3.2 Dichte ambulanter Fälle ....................................................................................... 36
4.3.3 Dichte stationärer Fälle ........................................................................................ 38
4.3.4 Anteil der Hilfeempfänger mit ambulanten Hilfen .................................................... 40
4.4 Outcome-Indikatoren ....................................................................................44
5. Stadtprofile ................................................................................................................... 46
5.1 Stadtprofil Bremerhaven ...............................................................................47
5.2 Stadtprofil Darmstadt ...................................................................................49
5.3 Stadtprofil Karlsruhe.....................................................................................51
5.4 Stadtprofil Mannheim ...................................................................................53
5.5 Stadtprofil Potsdam......................................................................................55
5.6 Stadtprofil Rostock.......................................................................................57
6. Ergebnisse des qualitativen Benchmarking ...........................................................................59
7. Ausblick.................................................................................................................... ........63
8. Anhang...................................................................................................................... .......64
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ABBILDUNGSVERZEICHNIS:
Tab. 1 Beteiligte Städte: Einwohner.................................................................................................................11
Abb. 1: Arbeitslosendichte (15- unter 65 Jahre) pro 100 EW am 31.12.(KeZa 1) ................................................12
Abb. 2 Sozialhilfequote: Anzahl HE laufender HLU a.v.E. pro 100 EW der jew. Altersgruppe in Prozent (KeZa 5).....14
Abb. 3 Von Scheidung betroffene Kinder und Jugend. bis unter 18 J. pro 100 altersgleiche EW (KeZa 12)..............16
Abb. 4 Anzahl Belegte Plätze für Kindertagesbetreuung gesamt pro 100 EW 0- unter 14 J. am 31.12. (KeZa 8) .....17
Abb. 5 Belegte Plätze für Kindertagesbetreuung gesamt pro 100 EW 0- unter 14 J. am 31.12. (KeZa 11).............19
Abb. 6 Schulabgänger ohne Abschluss pro 100 EW 15 bis unter 21 J. (KeZa 3) ..................................................20
Abb. 7 Anzahl der beendeten Gerichtsverfahren mit Jugendgerichtshilfe pro 1.000 EW 14 bis unter 21 J. (KeZa 4).21
Abb. 8 Nettoausgaben HzE++ gesamt pro EW 0- unter 21 Jahre (KeZa 41) ...........................................................26
Abb. 9 Nettoausgaben HzE++ gesamt pro Fall (KeZa 31).....................................................................................28
Abb. 10 Bewegtes Volumen für die interne und externe Durchführung von HzE+ (operative Aufgaben) (KeZa 39) .....29
Abb. 11 Anzahl der vzv Mitarbeiter pro 100 Fälle – differenziert ausgewiesen nach ASD und WJH (KeZa 20-21).....31
Abb. 12 Anzahl der vzv Mitarbeiter für operative Aufgaben pro 100 Fälle.............................................................33
Abb. 13 Anzahl der HzE+ - Fälle pro 100 EW unter 21 Jahre am 31.12.(KeZa 50.a) ...........................................35
Abb. 14 HzE+-Fälle ambulant pro 100 EW 0 bis unter 21 Jahre am 31.12. (KeZa 51.a).....................................37
Abb. 15 HzE+-Fälle stationär pro 100 EW 0 bis unter 21 Jahre (KeZa 52a).........................................................38
Tab. 2: Stationäre HzE+-Fälle in absoluten Zahlen 2004 ..................................................................................39
Abb. 16 Prozentanteil der ambulanten HzE+-Fälle an allen HzE+-Fällen (KeZa 53a) .............................................41
Abb. 17 Prozentanteil der stationären HzE+-Fälle an allen HzE+-HE (inklusive §33) (KeZa 56) ..............................42
Grafik KeZa 1.1. Arbeitslosendichte der 15 bis unter 25 Jährigen am 31.12. des Bj. pro altersgl. 1.000 EW .........64
Grafik KeZa 40: Anteil der externen operativen Ausgaben der HzE+ an den HzE+-Gesamtausgaben in Prozent. ......64
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4
Die teilnehmenden Städte mit Ansprechpartnern des bundesweiten Benchmarking der Hilfen zur
Erziehung+
Stadt Name E-Mail
Bremerhaven Rainer Düsterloh rainer.duesterloh@bremerhaven.de
Bremerhaven Frank Lilkendey frank.lilkendey@magistrat.bremerhaven.de
Darmstadt Thomas Gehrisch th omas.gehrisch@darmstadt.de
Darmstadt Markus Emanuel markus.emanuel@darmstadt.de
Karlsruhe Eckhard Barth eckh ard.barth@sjb.karlsruhe.de
Karlsruhe Kerstin Jehle kers tin.jehle@sjb.karlsruhe.de
Mannheim Dr. Volker Schanz-Biesgen volker.schanz-Biesgen@mannheim.de
Mannheim Hans-Georg Rettenmaier ha ns-georg.rettenmaier@mannheim.de
Mannheim Christine Etterich ch ristine.etterich@mannheim.de
Potsdam Norbert Schweers jugendamt@rathaus.potsdam.de
Potsdam Oliver Wollmann oliver.wollmann@rathaus.potsdam.de
Rostock Winfried Schulz winfried.schulz@rostock.de
Rostock Bernhard Stuwe bernhard.stuwe@rostock.de
Das con_sens-Projektteam:
Jutta Hollenrieder
Miriam Kohlmeyer
Petra Bolte
con_sens Consulting für Steuerung und Soziale Entwicklung GmbH
Rothenbaumchaussee 11 - 20148 Hamburg
consens@consens-info.de - www.consens-info.de
con_sens
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1. Vorbemerkung
Der bundesweite Benchmarkingkreis Hilfen zur Erziehung ++ hat sich im Frühjahr 2005 mit dem
Ziel gegründet, durch den Vergleich voneinander zu lernen und Hilfen zur Erziehung wirksam und
effizient zu steuern.
Bereits ein halbes Jahr nach seiner Gründung kann der Kreis nunmehr seinen ersten Bericht
vorlegen.
Hilfen zur Erziehung – das bedeutet in erster Li nie, Kinder und Jugendli che in ihrer Entwicklung
zu einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit zu unterstützen und die Erziehungskompetenz der
Personensorgeberechtigten zu stärken.
Die wirtschaftliche und fachliche Steuerungsko mpetenz der Jugendämter ist im Zuge der immer
angespannteren Haushaltslage der Kommunen verstärkt im Fokus der öffentlichen Diskussion,
nicht zuletzt im Rahmen der Novellierung des SG B VIII. Jugendhilfe und insbesondere die Hilfen
zur Erziehung als zentraler Ko stenfaktor müssen sich im Zuge der Diskussionen um
Haushaltskonsolidierungen zunehmend legitimieren.
Daher ist es neben der Analyse der Fallzahlen - und Kostenentwicklung und dem Ausloten von
Steuerungsspielräumen von zentraler Bedeutung darzustellen, was mit den Hilfen zur Erziehung
bewirkt wird.
Der bundesweite Benchmarkingkreis betrachtet üb er die klassischen Hilfen zur Erziehung des
SGB VIII hinaus weitere Leistungen des SGB VIII, um das Feld möglichst umfassend in den
Fokus zu nehmen. Der Begriff Hilfen zur Erziehung++ verdeutlicht dies.
con_sens
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2. Zusammenfassung
Die K o n t e x t - Analyse hat gezeigt, dass die Teilnehmerstädte des Benchmarkingkreises unter
deutlich unterschiedlichen sozialstrukturellen Rahmenbedingungen agieren.
Im Rahmen des Benchmarking werden die Erge bnisse der Kontextana lyse zur Erläuterung
stadtspezifischer Ergebnisse herangezogen. Ziel des interkommunalen Vergleichs ist es hingegen
nicht, Thesen zwischen sozialstrukturellen Me rkmalen und dem Grad der Inanspruchnahme von
Hilfen zur Erziehung+ wissenschaftlich zu belegen. Die Ergebnisse dieses Berichtes, die - das ist
dabei zur berücksichtigen - nur auf einem Ja hrgang basieren, zeig en zunächst, dass die
Zusammenhänge nicht monokausal sind, es spielen auch andere Einflussfaktoren eine Rolle. So
gibt es Städte mit hohem sozialstrukturellem Be lastungsgrad mit niedrigen Nettoausgaben pro
EW wie auch umgekehrt. Die Zeitreihenbetrachtun gen im weiteren Projektverlauf werden hier
weitere Aufschlüsse geben.
Im Rahmen der I n p u t - Analyse werden die Nettoausgaben verglichen, die pro Einwohner und
pro Fall ausgegeben werden. Abge bildet werden die einzelnen Inpu ts der Städte, um Hilfen zur
Erziehung+ zu leisten und die damit verbundenen Ziele zu erreichen.
Der Vergleich der Nettoausgaben zeigt, dass im Mittel im Jahr 2004 555 Euro pro jungen
Einwohner aufgewandt wurden. Die Spanne der Kennzahlenergebnisse ist jedoch auch hier
erheblich, sie reicht von ca. 437 Euro bis knapp 710 Euro pro jungen Einwohner (KeZa 30).
Im Hinblick auf die Nettoausgaben pro Fall (KeZa 31) unterscheiden sich die Städte ebenfalls.
Im Mittel wurden hier knapp 22.000 Euro pro Fall aufgewandt. Die Werte zwischen den Städten
reichen von knapp 18.000 Euro bis knapp 26.000 Euro. Erklärungsfaktoren für die
unterschiedlichen Ergebnisse lie gen hier u.a. in einem vergle ichsweise hohen bzw. niedrigen
Anteil an stationären Fällen, die in der Regel kostenintensiver sind.
Ferner wurden auch die eingesetzten Personalressourcen pro HzE+-Fall (KeZa 20_21 sowie
KeZa 22) ausgewertet. Durch den Vergleich wird zunächst deutlich, dass die operative
Durchführung von Hilfen zur Erziehung+ häufig an externe Dienstleister vergeben wird.
Unterschiede zwischen den Städten bezüglich de s Personaleinsatzes insgesamt sind hierauf
zurückzuführen. Aus Steuerung ssicht ist grundsätzlich eine deutliche Trennung zwischen
Leistungsträger und Leistungserbringer vorteilhaft, insbesondere weil so ein effektives Controlling
möglich wird.
Im elften Kinder- und Jugendbericht wird in diesem Zusammenhang betont, dass die
Auslagerung von Angeboten aus der Verwaltungso rganisation des Jugendamtes ein Schritt in
Richtung stärkerer Transparenz ist (Elfter Ki nder- und Jugendbericht, Stellungnahme der
Bundesregierung, S. 11). Eine weitere Verlager ung noch verwaltungsintern durchgeführter
operativer Aufgaben an freie Träger wird in einzelnen Städten bereits diskutiert und konkret
geplant. So soll die „Selbststeuerung“ eines Systems vermieden werden, die dazu führen kann,
dass die Bedarfe der Beratenen eher an das Angebotsspektrum angepasst werden als umgekehrt.
Die aufgewandten Personalressourcen pro Fall in der wirtschaftlichen Jugendhilfe unterscheiden
sich in einer eher zu vernachlässigenden Größenordnung.
Hingegen werden deutlich unterschiedliche Pe rsonalressourcen in die Fallsteuerung des ASD
investiert. Im Mittel waren dies 2004 2,89 Mitarbeiter des ASD pro 100 HzE+ Fälle.
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Erste qualitative Analysen haben ergeben, dass nicht nur quantitative Aspekte sondern auch
qualitative Komponenten von Bedeutung sind, wenn es um den effizienten Einsatz von
Personalressourcen geht.
Die hohe strategische Bedeutung des ASD als Steu erungsstelle der Hilfen zur Erziehung wird
auch anhand des Volumens deutlich, das ein ASD-Mitarbeiter jährlich bewegt. Für das Jahr
2004 lag dieses Volumen bei ca. 750.000 Euro (KeZa 39).
Im Rahmen der O u t p u t - Analyse wird abgebildet, wie häufig Kinder und Jugendliche Hilfen
zur Erziehung+ in Anspruch nehmen (KeZa 50.a.). Die Unterschiede bezüglich der sog.
Leistungsdichten sind erheblich. Die Spanne reicht hier von 1,88 bis zu rund 2,8 Fällen, die pro
100 Einwohner unter 21 Jahre Hilfen zur Erziehung+ erhalten.
Noch deutlicher werden die Unterschiede, wenn die Häufigkeit der Inanspruchnahme
ambulanter Hilfeformen näher betrachtet wird (KeZa 51a.). Dies korrespondiert mit dem
Ergebnis, dass sich der Anteil ambulanter Hilfen an den HzE+-Fällen insgesamt (KeZa 53.a.) in
den Städten erheblich unterscheidet. Die Spanne reicht hier von ca. 47 Prozent bis über 77
Prozent ambulant betreuter HzE+-Fälle.
Die Analyse der stationären Leistungsdichten ist insbesondere im Hinblick auf die Frage
aufschlussreich, zu welchem Anteil die statio när betreuten Kinder und Jugendlichen in
Pflegefamilien oder in Heimen leben (KeZa 56). Die Spanne zwischen den Benchmarkingstädten
ist dabei mehr als deutlich. Insbesondere Bremerh aven ist sehr erfolgreich der Akquirierung und
der langfristigen Betreuung von Pflegefamilien. Im Mittel der sechs Vergleichsstädte lebten im
Berichtsjahr allerdings weniger als die Hälfte aller stationär betreuten Kinder und Jugendlichen in
Pflegefamilien.
Im Rahmen der O u t c o m e - Analyse wurde im ersten Projektjahr ein Kennzahlenset
entwickelt, das im Rahmen dieses Berichtes vorgestellt wird. Datenerhebungen zu diesem
Bereich werden im folgenden Projektjahr sukzessive realisiert.
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3. Benchmarking: Zielsetzung, Methodik, Ansatz
Die Städte des Benchmarkingkreises vergleichen ihre soziale Dienstleistung Hilfen zur Erziehung++
im Hinblick auf die Fallzahlenentwicklung, die Ausgaben und die erzielten Wirkungen.
Ziel ist es, die knappen Ressourcen der Kommunen zielgenau und effizient einzusetzen, damit
Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien, die Hilfen benötigen, auch künftig fachlich gute
Leistungen erhalten. Die soziale Dienstleistung soll wirksam und effizient ausgestaltet werden.
Das Leistungsgeschehen der HzE++ wird im Hinblick auf steuerungsrelevante Aspekte dargestellt.
Herausgearbeitet werden die Stellschrauben, an denen die Kommunen in relevantem Ausmaß
auf die Entwicklung der Zahlen der Hilfeempfänger und der Ausgaben für HzE ++ einwirken
können.
Ein Vergleich von quantitativen Daten erfordert es, Kennzahlen und Basiszahlen klar zu
definieren, damit alle Teilnehmer die gleichen Sachverhalte erfassen und abbilden.
Dabei werden die Kennzahlen nicht isoliert, sondern in
ihren jeweiligen Wechselwirkungen betrachtet.
Die Ergebnisse des quantitati ven Kennzahlenvergleichs sind
der erste Schritt, um Untersc hiede sichtbar zu machen.
Daran schließt sich ein qualitativer Austausch über
Ursachen und Hintergründe an . Ziel ist es, hierdurch die
spezifischen Entwicklungspoten ziale der einzelnen Städte
auszuloten und Impulse für Veränderungsprozesse zu
erhalten.
Betrachtungsgegenstand
Um das Feld der Hilfen zur Erziehung möglichst umfassend
im Blick zu haben, gehören über die klassischen Hilfen zur
Erziehung des SGB VIII hina us weitere Leistungen und
andere Aufgaben gemäß SGB VIII zum
Betrachtungsgegenstand des Benchmarkingkreises. Der
Begriff Hilfen zur Erziehung + (HzE+) verdeutlicht dieses
Verständnis.
Im Rahmen der Berichtslegung werden die Begriffe
ambulant und stationär verwandt. Die Leistungen, die in
den Kennzahlenvergleich einfließen und ihre Zuordnung zu
den Bereichen ambulante und stationäre Leistungen sind in
nachfolgendem Schaubild aufgeführt.
Deutlich wird in der Auflistung, dass viele der Leistungen
sowohl in ambulanter als auch in stationärer Form erbracht werden. Die Zuordnung hängt von
der spezifischen Ausgestaltung der Hilfeform ab.
Betrachtungsgegenstand des Benchmarking sind die Fälle, was in Zusammenhang mit
familienbezogenen Hilfen bedeuten kann, dass mehrere Personen betreut werden.
Definition
Basiszahl und Kennzahl
Eine Basiszahl ist eine Grundzahl,
quasi eine „Rohinformation“.
Kennzahl ist die Bezeichnung für
quantitative Informationen über
Strukturen, Eigenschaften und
Leistungen eines Systems.
Eine Kennzahl wird aus mehreren
Basiszahlen errechnet.
Beispiel:
Kennzahl: Nettoausgaben pro
Einwohner
Basiszahlen, die für die Berechnung
dieser Kennzahl benötigt werden sind:
Basiszahl: Bruttoausgaben
Basiszahl: Einnahmen
Basiszahl: Einwohner
Berechnung der Kennzahl:
(Bz Bruttoausgaben minus Bz
Einnahmen) dividiert durch die Bz
Anzahl der Einwohner
con_sens
9
Das Benchmarking Hilfen zur Erziehung + betrachtet die
Hilfen zur Erziehung + insgesamt und nicht die Form der
Leistungserbringung nach jeweils unterschiedlichen
Paragrafen des SGB VIII.
Das bedeutet, dass nur hoch aggregierte Kennzahlen wie
die HzE+- Fälle insgesamt, HzE +- Fälle stationär, HzE +-
Fälle ambulant und auch die Ausgaben und Einnahmen
insgesamt betrachtet werden.
Der Kennzahlenvergleic h basiert auf einer
Stichtagszählung bei den Hilfeempfängern. Grund dafür
ist, dass die Jahressummen für einige Städte derzeit aus
EDV-technischen Gründen noch nicht generierbar sind.
Des Weiteren entstehen bei der Bildung von
Jahressummen derzeit noch in vielen Städten
Doppelzählungen, weil der Wechsel einer Maßnahme
noch als Zugang bei den Hilfeempfängern gezählt wird.
Da der Betrachtungsgegen stand zum großen Teil
langfristige Interventionen beinhaltet, erscheint die
Stichtagszählung daher angemessen und als die derzeit
qualifizierteste Form de r Betrachtung. Kommunale
Vergleichsringe basieren au f jeweils unterschiedlichen
Definitionen insbesondere bezüglich der
Hilfeempfängerzahlen. Dies is t bei der Interpretation der
Daten und dem Vergleich mit den Ergebnissen anderer
Benchmarkingkreise zu berücksichtigen.
Arbeitsschritte
Der Benchmarkingkreis hat sich in seinem ersten Projektjahr auf die Entwicklung eines
Kennzahlensets und die Plausibilisierung und Ve rgleichbarkeit der Daten konzentriert. Die
Ergebnisse sind im Rahmen dieser Berichtslegung dokumentiert.
Um Outcome-Indikatoren zu vergleichen, wu rde ein Kennzahlenset entwickelt, für das im
nächsten Erhebungsjahr Daten erhoben werden. Hiermit hat der bundesweite Benchmarkingkreis
Neuland betreten. Ziel des Kreises ist es, die zur Wirkungsmessung notwendigen Daten
standardmäßig verfügbar zu machen. Darin liegt die Chance, künftige Auswertungsmodule von
Softwareanbietern mitzugestalten und eine Vergleichbarkeit im Benchmarkingkreis selbst
sicherzustellen.
Trotz der im ersten Projektjahr notwendigen Konzentration auf die Datenplausibilisierung sind die
Vergleichsstädte auch in einen qualitativen Aust ausch getreten. Im Fokus standen dabei u.a. die
Themen: Controlling, Entgelt-, Leistungs- und Qualitätsentwicklungsvereinbarungen. Nähere
Ausführungen zu den inhaltlic hen Themenstellungen des Benc hmarkingkreises sind dem 6.
Kapitel zu entnehmen.
Hilfen zur Erziehung+
Leistungen gemäß SGB VIII
Ambulant
§ 27.3 Pädagogische Hilfen i.V.m.
therapeutischen Leistungen
§ 29 Soziale Gruppenarbeit
§ 30 Erziehungsbeistand,
Betreuungshelfer
§ 31 Sozialpädagogische Familienhilfe
§ 32 Erziehung in einer Tagesgruppe
Ambulant/ Stationär
(nach konkreter Ausgestaltung
zuzurechnen)
§19 Gemeinsame Wohnform für Mütter/
Väter und Kinder
§ 20 Betreuung von Kindern in
Notsituationen
§21 Unterbringung zur Erfüllung der
Schulpflicht
§ 27.2 Flexible erzieherische Hilfen
§ 34 sonstige betreute Wohnformen
§ 35 Intensive Sozialpädagogische
Einzelbetreuung
§35a Eingliederungshilfe für seel.
behinderte junge Menschen
§ 41 Hilfen für junge Volljährige
Stationär
§ 33 Vollzeitpflege
§ 34 Heimerziehung
§ 42 Inobhutnahmen.
con_sens
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Indikatoren zum Kontext, Input, Output und Outcome
Die einzelnen Kennzahlen werden in den folgenden Kapiteln zwar separat betrachtet, dennoch
werden die übrigen Kennzahlen interpretatorisch zur Auswertung der jeweiligen Ergebnisse mit
herangezogen.
Wechselwirkungen zwischen den einzelnen Kenn zahlen werden besond ers deutlich in den
stadtspezifischen Profilen, die im Kapitel 5 ausgewertet werden.
Folgendes Schaubild zeigt den Wirkungszusammen hang der Kennzahlen, die im Rahmen des
Berichtes ausführlicher dargestellt werden.
KONTEXT
Arbeitslosendichte, Sozialhilfebedürftigkeit unter jungen Menschen, Beendete Gerichtsverfahren mit JGH
OUTCOME
beendete HzE+
Ausbildungsstatus
OUTCOME
beendete HzE+
Ausbildungsstatus
OUTPUT
LeistungsdichtenOUTPUT
Leistungsdichten
INPUT
Ausgaben, PersonalINPUT
Ausgaben, Personal
Von Scheidung betroffene Kinder und Jugendliche, Versorgungsgrad an Kindertagesbetreuung, Schulabgänger ohne Abschluss
KONTEXT
KONTEXT
Arbeitslosendichte, Sozialhilfebedürftigkeit unter jungen Menschen, Beendete Gerichtsverfahren mit JGH
OUTCOME
beendete HzE+
Ausbildungsstatus
OUTCOME
beendete HzE+
Ausbildungsstatus
OUTPUT
LeistungsdichtenOUTPUT
Leistungsdichten
INPUT
Ausgaben, PersonalINPUT
Ausgaben, Personal
OUTCOME
beendete HzE+
Ausbildungsstatus
OUTCOME
beendete HzE+
Ausbildungsstatus
OUTPUT
LeistungsdichtenOUTPUT
Leistungsdichten
INPUT
Ausgaben, PersonalINPUT
Ausgaben, Personal
Von Scheidung betroffene Kinder und Jugendliche, Versorgungsgrad an Kindertagesbetreuung, Schulabgänger ohne Abschluss
KONTEXT
Die Kontext-Indikatoren dienen dazu, ausgewählte soziostrukturelle Merkmale und
Rahmenbedingungen in den Städten darzustellen, unter denen die Hilfen zur Erziehung+ erbracht
werden. An Hand dieser Indikatoren wird abge bildet, welche Problemlagen in den einzelnen
Städten vorliegen und welches Ausmaß diese habe n. So können regionale Besonderheiten im
Rahmen des Kennzahlenvergleichs berücksichtigt werden.
Die Input-Indikatoren machen transparent, was eing ebracht wird, um die Hilfen zur Erziehung +
(den Output) zu erbringen.
Was die geleisteten Hilfen zur Erziehung + für die Kinder und Jugendlichen und das
Gemeinwesen tatsächlich bewirken, wird an Hand von Outcome-Indikatoren gemessen. Hierzu
hat der Kreis im ersten Projektjahr ein Kennz ahlenset entwickelt, das im Rahmen dieses
Berichtes vorgestellt wird. An der entsprechenden Datenbasis wird gearbeitet.
Der quantitative Kennzahlenvergleich zeigt Unterschiede auf, deren Ursachen und Hintergründe
im Rahmen eines qualitativen Austausches er mittelt werden müssen. So können zum Beispiel
vergleichsweise hohe Fallausgaben ganz untersc hiedlich gedeutet werden: als Hinweis auf eine
kostenintensive Leistungserbringung, die auf die Ausgestaltung der Beziehung zwischen
Leistungsträger und Leistungserbringer zurückgefü hrt werden kann oder aber als Indiz für eine
con_sens
11
besonders passgenaue Zugangssteuerung, durch di e weniger Hilfeempfänger insgesamt aber mit
kostenintensiven Einzelhilfen im Rahmen des Systems „HzE ++“ betreut werden. Niedrige
Leistungsdichten könnten diese These stützen.
Folgende Städte beteiligen sich an dem bundesweiten Benchmarking der Hilfen zur
Erziehung+:
Tabelle 1 Beteiligte Städte: Einwohner
absolut
Anteil an EW
gesamt in Prozent
Bremerhaven BHV 117.005 24.791 21,19
Darmstadt DA 150.064 27.747 18,49
Karlsruhe KA 298.289 54.024 18,11
Mannheim MA 324.423 61.162 18,85
Potsdam P 152.135 28.765 18,91
Rostock HRO 205.181 35.975 17,53
6 Städte
insgesamt 1.247.097 232.464 18,64
Einwohner am
31.12.2004
mit Haupt - und
Nebenwohnsitz
Abkürzung Stadt Einwohner am 31.12.2004
0 bis unter 21 Jahre
mit Haupt- und Nebenwohnsitz
4. Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs
4.1 Kontext-Indikatoren
Die Jugendämter in den einzelnen Städten agieren unter unterschiedlichen Rahmenbedingungen.
Die soziostrukturellen Kontexte vor Ort sind in diesem bundesweiten Benchmarkingkreis sehr
unterschiedlich. Da soziale Problemlagen wie vorhandene Ressourcen des Gemeinwesens das
Leistungsgeschehen Hilfen zur Erziehung + beeinflussen, kann die Ausgaben- und
Fallzahlenentwicklung in den einzelnen Städten auch nur vor den jeweiligen
Rahmenbedingungen bewertet werden.
Im Rahmen des Benchmarking wurden releva nte Rahmendaten ausgewählt, die besondere
Problemlagen im Gemeinwesen verdeutlichen, wie die Sozialhilfebedürftigkeit junger Menschen,
die Arbeitslosigkeit, fehlende berufliche Perspektiven von jungen Menschen oder Hinweise auf
hohe Jugendkriminalität.
Darüber hinaus wird das Angebot an Kinder tagesbetreuung als besondere Ressource des
Gemeinwesens untersucht, denn auch positive Faktoren können das Leistungsgeschehen HzE ++
beeinflussen.
Ausgewählt wurden Indikatoren, von denen angenommen wird, dass sie sich be- bzw. entlastend
auf das Leistungsgeschehen HzE ++ auswirken können. Ziel des Benchmarking ist es an dieser
Stelle jedoch nicht, diese Annahmen zu üb erprüfen und kausale Zusammenhänge zwischen
soziostrukturellen Problemlagen und den Zahlen der Hilfeempfänger wissenschaftlich zu belegen.
Es geht darum, die Rahmenbedingungen für Hilfen zur Erziehung + zu betrachten, um
Anhaltspunkte für Erklärungsansätze auffälliger Kennzahlenergebnisse in den einzelnen Städten
zu erhalten.
con_sens
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4.1.1 Arbeitslosendichte
Abgebildet wird die Arbeitslosen dichte der bis unter 65-Jährigen am 31.12. des Berichtsjahres
pro 100 Einwohner (15 bis unter 65 Jahre) mit Haupt- und Nebenwohnsitz lt. Melderegister. Zu
berücksichtigen ist hierbei, dass es sich nicht um die Arbeitslosenquoten der Bundesagentur für
Arbeit handelt (Quote A und Quote B). Diese werd en nicht verwandt, weil sie den Städten nicht
einheitlich vorliegen. Die Kennzahl der Arbeit slosendichte macht die absoluten Zahlen von
Arbeitslosen in den Städten vergleichbar.
Mit Arbeitslosigkeit sind neben ökonomischen
Einschränkungen häufig bei langfristiger Arbeitslosigkeit
auch psychosoziale Auswir kungen verbunden. Die
ungewollte Erwerbslosigkeit kann ein belastender Faktor für
die Erziehungssituationen in Familien und für die
Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen sein.
Junge Menschen können durch Arbeitslosigkeit unmittelbar
aber auch mittelbar über die fehlende Erwerbsarbeit ihrer
Personensorgeberechtigten betroffen sein. Wie oft die
Menschen einer Stadt arbeitslos gemeldet sind, zeigt daher
besondere Problemlagen auf, die sich u.a. auch auf das
Leistungsgeschehen HzE++ auswirken können.
Studenten mit Nebenwohnsitz werden bei den Einwohnern nach der Definition des
Benchmarkingkreises mitgezählt. Daher wirkt si ch eine vergleichsweise hohe Anzahl an
Studenten in der Stadt auf die Ausprägung des Kennzahlenwertes aus.
Abb. 1: Arbeitslosendichte (15- unter 65 Jahre) pro 100 EW am 31.12.(KeZa 1)
KeZa 1:
Arbeitslosendichte der 15 bis unter 65-jährigen am 31.12. des Berichtsjahres
pro 100 altersgleiche Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz
14,33
6,08 5,91
9,10
13,88
7,10
9,40
0,00
2,00
4,00
6,00
8,00
10,00
12,00
14,00
16,00
BHV DA KA MA P HRO
Arbeitslosendichte der 15-u.65-jährigen je 100 EW 15-u.65 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz 2004
Mittelwert 2004
Definition der Kennzahl
Arbeitslosendichte bis u. 65
(KeZa 1)
Arbeitslosendichte der bis unter 65-
Jährigen am 31.12. des
Berichtsjahres pro 100 Einwohner
(15 bis unter 65 Jahre) mit Haupt-
und Nebenwohnsitz lt. Melderegister.
con_sens
13
Die Abbildung 1 zeigt, dass Bremerhaven und di e Hansestadt Rostock besondere Problemlagen
aufweisen, ihre Arbeitslosendichten liege n weit über dem Mittelwert der sechs
Benchmarkingstädte.
Für Rostock ist ergänzend anzufügen, dass die besondere Problemlage im Hinblick auf die
Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen im Vergleich noch sehr viel deutlicher ausfällt, 28,2
Personen pro 100 EW unter 25 Jahre sind ungewollt ohne Erwerbsarbeit (s. Grafik KeZa 1.1. im
Anhang).
Auch zwischen den übrigen Städten variieren die Werte nicht unerheblich.
Karlsruhe und Darmstadt weisen im Vergle ich der teilnehmenden Städte positive
Rahmenbedingungen auf. Vergleichsweise selten waren hier Personen unter 65 Jahren arbeitslos
gemeldet. Innerhalb der Gruppe der eher südlic h angesiedelten Städte – Darmstadt, Karlsruhe
und Mannheim – weist die Stadt Mannheim eine vergleichsweise hohe Ar beitslosendichte auf,
auch wenn der Wert insgesamt betrachtet, unter dem Mittelwert liegt.
Da in diesem bundesweiten Benchmarkingkr eis die Werte der Arbeitslosendichte stark
differieren, wird als Vergleich auf den Wert der Arbeitslosendichte des nordrhein-westfälischen
Benchmarkingkreises Hilfen zur Erziehung+ mit 16 mittelgroßen Großstädten hingewiesen. Hier
waren im Jahr 2004 8,37 Personen pro 100 Einw ohner arbeitslos gemeldet(berücksichtigt sind
allerdings nur die Einwohner mit Hauptwohnsitz! ) (vgl. Bericht des Benchmarking-kreises NRW
Hilfen zur Erziehung+ Kennzahlenvergleich 2004, con_sens 2005).
In Potsdam ist die Häufigkeit, mit der Person en ungewollt ohne Erwerbsarbeit sind, knapp
unterdurchschnittlich.
Aufgrund der Zusammenlegung von Arbeitsl osenhilfe und Sozialhilfe im Zuge der
Arbeitsmarktreform 2005 werden ab dem nächsten Projektjahr die Hilfeempfänger von
Arbeitslosengeld II und Sozialgeld erhoben. Die Sozialhilfequote (die im folgenden Abschnitt
abgebildet wird, kann dann aufgrund geringer Größendimension entfallen).
4.1.2. Sozialhilfequote
Die Sozialhilfequote der unter 21-Jährigen bildet ab, wie oft jung e Menschen laufende Hilfe zum
Lebensunterhalt außerhalb von Einrichtungen nach SGB XII erhalten.
Ökonomische Armut und benachteiligende
Lebenssituationen können sich negativ auf die Erziehung in
Familien auswirken. Daher ist das Ausmaß der
Sozialhilfebedürftigkeit junger Menschen eine zentrale
Rahmenbedingung für das Leistungsgeschehen Hilfen zur
Erziehung+.
Kinder und Jugendliche, die an der Armutsgrenze
aufwachsen sind nach wissens chaftlichen Studien in den
Hilfen zur Erziehung, insb esondere den stationären,
überrepräsentiert (vgl. hierzu Bericht zur Entwicklung von
Jugendhilfebedarf und sozi alstrukturellem Wandel,
Zusammenfassung zentrale r Ergebnisse, S. 8,
Kommunalverband für Jugend- und Soziales Baden-
Württemberg, August 2005).
Definition der Kennzahl
Sozialhilfequote (KeZa 5)
Anzahl der Empfänger laufender HLU
unter 21 Jahren (differenziert nach
Altersgruppen) außerhalb von
Einrichtungen pro 100 Einwohner der
entsprechenden Altersgruppe mit
Haupt- und Nebenwohnsitz lt.
Melderegister der Städte
con_sens
14
Um die jeweilige Betroffenheit unterschiedlicher Altersgruppen zu berücksichtigen, werden die
Altersgruppen `bis unter 7 Jahre`, `7 bis unter 15 Jahre`, `15 bis unter 18 Jahre` und `18 bis
unter 21 Jahre` jeweils bezogen auf die altersg leiche Bevölkerung abgebildet. Aufgrund der
Zusammenlegung der Sozialhilfe und Arbeitslosenh ilfe im Zuge der Arbeitsmarktreform ab 2005
und der entsprechenden Umstellungsphase Ende 2004 gilt für das Erhebungsjahr der Stichtag
30.11.2004.
Abbildung 2 Sozialhilfequote: Anzahl Empfänger la ufender HLU a.v.E. pro 100 EW der jeweiligen
Altersgruppe in Prozent (KeZa 5)
KeZa 5: Anzahl Empfänger laufender HLU a.v.E.
pro 100 Einwohner bis unter 21 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz
15,2
10,7
16,1
13,2
22,6
19,6
22,5
11,3
12,8
6,4
13,4
12,4
6,6
11,8
5,8
6,4
5,3
4,2
5,0
12,9
6,1
6,7
11,2
12,3
9,9
12,5
39,9
8,2
8,9
11,8
31,5
n.v.
10,8
n.v.
8,0
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
BHV DA KA MA P HRO
0 bis unter 7 Jahre
7 bis unter 15 Jahre
15 bis unter 18 Jahre
18 bis unter 21 Jahre
Gesamt: 0 bis unter 21 Jahre
Zunächst ist die im Vergleich deutlich über durchschnittliche Problemlage Bremerhavens
auffällig, im Hinblick auf alle (verfügbaren) Altersgruppen. Die Altersgruppe der 15- bis unter 18-
Jährigen ist fast drei Mal so häufig sozialhilfebedürftig wie der Durchschnitt des Vergleichsrings,
die 7- bis unter 15-Jährigen und die Gruppe der unter 7-Jährigen in Bremerhaven sind fast
doppelt so oft von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt abhängig wie der Durchschnitt. Für die
18- bis unter 21-Jährigen liegen keine Zahlen vor.
Diese besonders gravierende Sozialhilfebedürftigkeit in Bremerhaven wird u.a. auf eine hohe
Anzahl an kinderreichen Aussiedlerfamilien zurückgeführt. Darüber hinaus ist in Bremerhaven die
Entwicklung zu verzeichnen, dass junge Familien , die Arbeit haben, aus der Stadt wegziehen,
wohingegen arbeitslose junge Menschen vom Land häufig in die Stadt nach Bremerhaven ziehen.
Auch in Rostock ist die Sozialhilfebedürftigkeit insbesondere der Kinder unter 7 Jahre
überdurchschnittlich hoch. Auch die 7- bi s unter 15-Jährigen mussten im Jahr 2004
überdurchschnittlich oft Hilfe zum Lebensunterhalt in Anspruch nehmen. Die 15- bis unter 18-
Jährigen und die 18- bis unter 21-Jährigen waren hingegen deutlich seltener von
Sozialhilfebedürftigkeit betroffen. Letzteres kann unter Umständen damit zusammenhängen, dass
Rostock eine sehr hohe Jugendar beitslosigkeit aufweist. Das bedeutet, die jungen Personen im
erwerbsfähigen Alter werden eher durch das Hilf esystem der Arbeitslosenhilfe erfasst. Durch die
Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe kann ab dem Erhebungsjahr 2005 künftig
diese durch ähnliche Problemlagen gekennzeich nete Gruppe gemeinsam abgebildet werden (als
Bezieher von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld nach SGB II).
con_sens
15
Die Altersgruppe der Kinder unter 7 Jahre ist zwar in den übrigen Städten nicht so häufig von der
staatlichen Transferleistung Hilfe zum Lebensunterh alt abhängig wie in der Hansestadt Rostock,
stellt aber gleichwohl in allen Städten die jeweils am häufigsten betroffene Altersgruppe unter
den jungen Menschen bis unter 21 Jahren dar.
Ebenfalls fällt auf, dass die 18- bis unter 21-Jährigen in fast allen Städten (die Zahlen liefern
konnten) am seltensten Hilfe zum Lebensunterhalt in Anspruch nehmen müssen. Eine Ausnahme
hiervon liegt in Potsdam vor, hier sind di e 18- bis unter 21-Jährigen fast so häufig
sozialhilfebedürftig wie die Kinder unter 7 Jahren.
Die Werte variieren auch in Darmstadt, Karlsruhe, Mannheim und Potsdam nicht unerheblich,
auch wenn ihre Werte aufgrund der hohen Dichte in Bremerhaven meist unter dem Mittelwert
der sechs Vergleichsstädte liegen.
Die Kinder unter 7 Jahren sowie die 18- bis unter 21-jährigen Jugendlichen sind am seltensten
in Karlsruhe auf die staatliche Transferleistung der laufenden Hilfe zum Lebensunterhalt
angewiesen. Die im Vergleich der Benchmarkingstädte geringste Sozialhilfebedürftigkeit der
Altersgruppen `7 bis unter 15 Jahre` und `15 bis unter 18 Jahre` weist die Stadt Potsdam auf.
4.1.3 Von Scheidung betroffene Kinder und Jugendliche
Die Zahl der von Scheidung betroffenen Kinder und Jugendlichen kann als Indiz für die Stabilität
bzw. Instabilität der Familienverhältnisse herangezogen werden.
Die Zahl der von Scheidung betroffenen Kinder und Jugendlichen sind ein besonders wichtiger
Indikator bei der Betrachtung des Kontextes von Hilfen zur Erziehung +. Nach wissenschaftlichen
Studien birgt die Scheidung bzw. die Trennung der Eltern ein um ein Vielfaches höheres Risiko
für die Notwendigkeit von Erziehungshilfen als im Falle einer Betreuung durch beide Eltern (vgl.
Bericht zur Entwicklung von Jugendhilfebedar f und sozialstrukturellem Wandel für die
Stadtkreise und Landkreise in den Regierungsbezirken Stuttgart und Tübingen über den Zeitraum
1999 bis 2003 von Dr. Ullrich Bürger, Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales
Baden-Württemberg, August 2005.).
Zu beobachten ist darüber hinaus, dass die Zahl der Kinder und Jugendlichen insgesamt zwar
zurückgeht, die Zahl derer, die von der Scheidung ihrer Eltern betroffen sind, jedoch zunimmt
(vgl. ebenda). Das bedeutet, trotz Rückgängen bei der jungen Bevölkerung ist ein steigender
Jugendhilfebedarf plausibel anzunehmen.
Dieser Indikator zeigt sicherlich nur einen Aussch nitt der sozialen Problematik. Nach aktueller
Datenlage können Kinder und Jugendliche, die von der Trennung ihrer (nicht verheirateten)
Eltern betroffen sind, nicht berücksichtigt werden.
Aufgrund der zunehmenden Bedeutung eheähnlicher
Lebensgemeinschaften ist davon auszugehen, dass die Zahl
der von Trennung betroffenen jungen Menschen unter 18
Jahren stetig steigt.
Von dieser Entwicklung sind jedoch alle Städte des
Vergleichsrings in vergleichbar em Ausmaß betroffen. Daher
sind die von Scheidung betr offenen Kinder – als ein
Ausschnitt – ein gesicherter Indikator, um Unterschiede
zwischen den einzelnen Städten abzubilden.
Definition der Kennzahl
Von Scheidung betroffene Kinder
und Jugendliche pro 100 EW u. 18
J. (KeZa 12)
Von Scheidung betroffene Kinder und
Jugendliche bis unter 18 Jahren pro
100 EW bis unter 18 Jahren
con_sens
16
Und diese Unterschiede sind erheblich, wie die folgende Grafik (Abb.3) zeigt.
Abbildung 3 Von Scheidung betroffene Kinder und Jugendliche bis unter 18 J. pro 100 altersgleiche EW
(KeZa 12)
KeZa 12: Von Scheidung betroffene Kinder pro 100 Einwohner von 0 bis unter 18 Jahre
2,26
1,26
0,97
1,261,16
0,88
1,30
0,00
0,50
1,00
1,50
2,00
2,50
BHV DA KA MA P HRO
Von Scheidung betroffene Kinder pro 100 EW 0-u.18 J. mit Haupt- und Nebenwohnsitz 2004
Mittelwert 2004
Im Mittel waren im Berichtsjahr 1,3 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren pro 100
Einwohner dieser Altersgruppe von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.
Die Spanne der jungen Menschen pro 100 Einwohner unter 18 Jahren, deren Eltern sich 2004
haben scheiden lassen, reicht jedoch weit.
Eine besondere Problemlage zeichnet sich in Bre merhaven ab. Zum Einen spiegeln sich hier die
übrigen ebenfalls belastenden sozialstrukturellen Belastungsfaktoren wider. Zum Anderen ist eine
spezifischere Entwicklung in Bremerhaven zu be obachten, die als ein Erklärungsfaktor gelten
kann. Viele junge Familien ziehen häufig aus Bremerhaven in die umlie genden Landkreise, um
sich dort ein Haus zu bauen. Nicht selten kommt es zur Trennung der Paare, die nunmehr
alleinerziehenden Elternteile ziehen mit ihren Kindern dara ufhin wieder zurück nach
Bremerhaven.
Aufgrund der sehr hohen Dichte der von Scheidung betroffenen Kinder und Jugendlichen in
Bremerhaven, liegen die Werte der übrigen Städte alle unter dem Mittelwert der sechs
Vergleichsstädte.
Besonders selten sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Potsdam und Darmstadt von
der Scheidung ihrer Eltern betroffen.
con_sens
17
4.1.4 Kindertagesbetreuung
Die Kennzahl 9 bildet die belegten Plätze in Kindertageseinrichtungen für Kinder bis unter 14
Jahren ab, differenziert nach einzelnen Altersg ruppen. Unter Kindertageseinrichtungen werden
Kinderkrippen, Kindergärten und Horte verstanden. Alternative Betreuungsformen werden mit der
Kennzahl 11 berücksichtigt (nähere Ausführungen hierzu
in diesem Kapitel).
Der Versorgungsgrad an Plätzen in
Kindertageseinrichtungen ist eine relevante
Rahmenbedingung für das Leistungsgeschehen Hilfen zur
Erziehung+. Kindertagesbetreuung kann entlastende
Auswirkungen auf die Familien haben. Es können frühzeitig
erzieherische Bedarfe erkannt und aufgefangen werden,
was entlastende Auswirkungen auf das HzE ++-
Leistungsgeschehen haben kann.
Die belegten Plätze in Tageseinrichtungen für Kinder werden danach differenziert, ob sie für
unter 3-jährige Kinder, für 3-Jährige bis noch nicht schulpflichtige Kinder oder für schulpflichtige
Kinder zur Verfügung stehen.
Da die Plätze in Kindertagesein richtungen für die 3-jährigen bi s noch nicht schulpflichtigen
Kinder in der Regel Kindern bis 6,5 Jahren zur Verfügung stehen, wird die Bezugsgröße
entsprechend gewählt.
Abbildung 4 Anzahl Belegte Plätze für Kindertagesbetreuung gesamt pro 100 EW 0- unter 14 Jahre am
31.12. (KeZa 8)
KeZa 8:
Anzahl der belegten Plätze für Tageseinrichtungen für Kinder gesamt
pro 100 0 bis unter 3 jährige EW
pro 100 3 bis unter 6,5 jährige EW
pro 100 6,5 bis unter 14 jährige EW
jeweils mit Haupt- und Nebenwohnsitz
2,7
8,7
43,4
39,4
88,0 89,8 91,2
12,8
31,6
20,7
4,7
7,2
95,3
92,4
77,8
90,6
46,7
13,9
22,2
5,86,3
0,0
20,0
40,0
60,0
80,0
100,0
120,0
BHV DA KA MA P HRO MW
Plätze für 0 bis unter 3 Jahre Plätze für: 3 Jahre bis noch nicht schulpflichtig Plätze für schulpflichtige Kinder
BHV: Die Angebote der Stadt für die schulpflichtigen Kinder werden nur für Kinder von 6 bis 12 Jahren bereit gestellt, die für die übrigen Städte gewählte Bezugsgröße ist daher nicht
sinnvoll, die Werte der Stadt für alle drei Gruppen fließen daher nicht in den Mittelwert ein.
Für Bremerhaven gelten folgende Besonderheiten : Die Angebote für noch nicht schulpflichtige
Kinder ab drei Jahren werden nur für die 3- bis unter 6-jährigen Einwohner angeboten. Zur
Veranschaulichung: Würde man die Werte auf die in Bremerhaven berücksichtigten Einwohner
von 3 bis unter 6 Jahren beziehen, würde der Wert 91,6 belegte Plätze pro 100 Einwohner
dieser Altersgruppe betragen.
Definition der Kennzahl
Kita-Plätze (KeZa 9)
Anzahl der belegten Plätze in
Tageseinrichtungen für Kinder bis unter
14 Jahre in Kindertagesstätten
Differenziert nach Altersgruppen pro
altersgleiche Einwohner mit Haupt-
und Nebenwohnsitz lt. Melderegister.
con_sens
18
Der Versorgungsgrad für die Kinder ab drei Jahren, die noch nicht schulpflichtig sind,
unterscheidet sich zwar zwischen den Städten des Benchmarkingkreises, allerdings eher in einer
zu vernachlässigenden Größenordnung. Für diese Altersgruppe greifen die gesetzlichen Vorgaben.
Die Unterschiede liegen in dem Versorgungsgrad für die unter 3-Jährigen und die Plätze für
schulpflichtigen Kinder unter 14 Jahre. Die Kindertagesbetreuung ist für diese Altersgruppen
insbesondere in Potsdam und in der Hansestadt Rostock überdurchschnittlich gut ausgestattet.
Dies ist auf die historisch gewachsenen gut ausgebauten Betreuungsstrukturen in der ehemaligen
DDR zurückzuführen. Auch bundesweite Un tersuchungen zeigen, dass sich Ost- und
Westdeutschland auch mehr als zehn Jahre na ch der Wiedergewinnung der deutschen Einheit
im Hinblick auf die Kinderta gesbetreuung deutlich unterscheiden (vgl. Broschüre des
Statistischen Bundesamtes „Kindertagesbetre uung in Deutschland – Einrichtungen, Plätze,
Personal und Kosten 1990 bis 2002"; sowie Pressemitteilung vom 16. März 2004).
Die übrigen Städte des Benchmarki ngkreises sehen hier für sich Verbesserungspotenziale. Ihre
Zielsetzung ist es, das Angebot an Kindertagesb etreuung insbesondere für Kinder unter drei
Jahren auszubauen. Im Zuge des Tagesbetre uungsausbaugesetzes fordert auch der Bund
verstärkte Aktivitäten von Seiten der Kommunen. Dabei kann ein sinnvo ller Ansatzpunkt darin
bestehen, zwischen den einzelnen Altersgrupp en umzusteuern, beispielsweise einen ggf.
sinkenden Bedarf in der Altersgruppe der 3- bis unter 6-Jährigen nicht zu einem Abbau, sondern
zu einer Umstrukturierung der Betreuungsplätze zu nutzen.
Sowohl im Bereich der Krippenplätze als auch im Hinblick auf die Angebote für schulpflichtige
Kinder ist in den westdeutschen Städten bereits eine gewisse Dynamik entstanden. Dies wird an
der Abbildung 4 deutlich, die auch für die Städte Bremerhaven, Mannheim, Karlsruhe und
Darmstadt eine nicht unerhebliche Variationsbr eite ausweist. Im Rahm en des Benchmarking
können die Dynamiken und künftigen Entwicklungen in diesem Feld im weiteren Projektverlauf
beobachtet werden.
Im Folgenden werden neben den belegten Plätzen für die Kindertageseinrichtungen auch Plätze
für weitere Formen der Kindertagesbetreuung abgebildet, um ein umfassendes Bild zu geben und
auch, um unterschiedliche Betreuungsstrukturen der Städte zu berücksichtigen.
Dabei werden belegte Plätze für Kinder bis unter 14 Jahren
für folgende Betreuungsformen berücksichtigt:
• Kindertagesstätten: Hierunter werden Kinder-
krippen, Kindergärten und Horte verstanden.
• Registrierte Tagespflege: Hierunter wird öffentlich
geförderte Tagespflege im Sinne des §23 SGB VIII
verstanden.
• Sonstige Formen der Kindertagesbetreuung:
Hierunter werden schulische Angebote verstanden,
die feste Zeiten ihres Angebotes garantieren. Das
bedeutet insbesondere Ganztagsschulen und die
verlässliche Grundschule. Nicht gezählt werden
hingegen Angebote des Schülertreffs, Hausaufga-
benbetreuung, Spielekreis, Sonder- und Förderschulen.
Die Grafik KeZa 11 bildet die Anzahl der bele gten Plätze für Kindertageseinrichtungen,
Tagespflege und sonstige Formen der Kind ertagesbetreuung pro Ei nwohner ab. Bei der
Interpretation der Grafik ist unbedingt zu berücksi chtigen, dass hier die belegten Plätze für die
Altersgruppe der 0 bis unter 14 Jahren insgesamt ausgewiesen sind. So liegen die Dichten
insgesamt auch sehr viel niedriger als für die einzeln betrachtete Altersg ruppe der Kinder ab 3
Definition der Kennzahl
Belegte Plätze Kindertagesbetreuung
(KeZa 11)
Belegte Plätze für Kinder bis unter 14
Jahre in Kindertageseinrichtungen und
sonstigen Formen von
Kindertagesbetreuung und in
registrierter Tagespflege pro Einwohner
bis unter 14 Jahre mit Haupt- und
Nebenwohnsitz lt. Melderegister.
con_sens
19
Jahren, die noch nicht schulpflichtig sind. Der Versorgungsgrad pro altersgleiche Bevölkerung ist
in der Grafik KeZa 8 (Abb. 4) abgebildet.
Zu berücksichtigen ist, dass im Rahmen des Benc hmarking die Anzahl der Plätze gezählt wird.
Nicht betrachtet werden qualitative Kompon enten des Versorgungsangebotes wie die
Öffnungszeiten und die Flexibilität des jeweiligen Betreuungsarrangements.
Abbildung 5 Anzahl Belegte Plätze für Kindertagesbetreuung gesamt pro 100 EW 0- unter 14 Jahre am
31.12. (KeZa 11)
KeZa 11: Belegte Plätze für Kinder von 0 bis unter 14 Jahre in Kindertagesstätten und sonstigen Formen von
Kindertagesbetreuung und in registrierter Tagespflege
pro 100 Einwohner von 0 bis unter 14 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz
32,3 25,9
29,0
59,2
49,6
39,2
0,46 1,20
1,33
1,00
1,57
1,11
0,5 7,44,7 8,6 4,1
19,2
n.v.
n.v.
n.v.
0
10
20
30
40
50
60
70
80
BHV DA KA MA P HRO MW
sonstige Formen v. Betreuung Kitas in registrierter Tagespflege
BHV: Die Zahlen sind für 2004 nicht darstellbar. MA: Daten für die sonstigen Formen von Kindertagesbetreuung sind in der Grafik nicht vollständig enthalten, die Zahl wurde von MA bereits korrigiert, eine
Berücksichtigung im Bericht war bis Redaktionsschluss nicht mehr möglich.
E r w a r t u n g s g e m ä ß w i r d a u c h i n d i e s e r G r a f i k f ür die ostdeutschen Städte ein besonders guter
Versorgungsgrad an Kindertagesbetreuung abgebi ldet. Auch die Ausstattung mit Plätzen in
Kindertagesstätten (Kinderkrippen, Kindergärten , Horte), die vom Bundesgesetzgeber für die 3-
bis unter 6-Jährigen sowie für die unter 3-Jährigen gesetzlich geregelt ist, liegt mehr als deutlich
über dem Mittelwert.
Dies deckt sich mit den Ergebnissen der oben ab gebildeten Grafik (KeZa 8), die zeigt, dass der
Versorgungsgrad in Potsdam und Rostock insbesondere für die Altersgruppen der unter 3-
Jährigen sowie der 6- bis unter 14-Jährigen besonders gut ist.
Hingewiesen wird darauf, dass Daten für die so nstigen Formen von Kindertagesbetreuung für
Mannheim in der Grafik nicht vollständig enth alten sind, die Zahl wurde von Mannheim bereits
korrigiert, eine Berücksichtigung im Bericht war bis Redaktionsschluss nicht mehr möglich.
4.1.5 Schulabgänger ohne Abschluss
Ein weiterer relevanter Kontextfaktor ist die Zahl der Schulabgänger von 15 bis unter 21 Jahren,
die ihre Schule ohne formale Qualifikation verlassen. Die im Folgenden abgebildete Kennzahl
bildet die Anzahl dieser Schulabgänger ohne Abschluss pro 100 altersgleiche Einwohner ab.
con_sens
20
Ein fehlender Schulabschluss wird die beruflichen
Perspektiven der jungen Menschen verschlechtern und
auch darüber hinaus Benachteiligungen mit sich bringen.
Daher sind die Jugendlichen ohne Schulabschluss ein
relevanter Kontext, in dem die Jugendämter vor Ort
agieren.
Dieser stellt sich – wie die folgende Grafik zeigt – sehr
unterschiedlich dar.
Abbildung 6 Schulabgänger ohne Abschluss pro 100 EW 15 bis unter 21 Jahre (KeZa 3)
KeZa 3: Schulabgänger ohne Abschluss pro 100 EW 15 bis unter 21 Jahre 2004
2,22
1,02
2,18
2,38
n.v.n.v.
1,95
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
BHV DA KA MA P HRO
Schulabgänger ohne Abschluss je 100 EW 15-u.21 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz 2004
Mittelwert 2004
Da leider die Daten auf Länderebene nicht bundeswe it verfügbar sind, kann an dieser Stelle nur
ein unvollständiges Bild gegeben werden. Der Mittel wert an dieser Stelle wird lediglich auf der
Basis von vier Städten errechnet.
Auf den ersten Blick ist der im Vergleich besonder s niedrige Wert in Karlsruhe auffällig. Nur ein
Schüler pro 100 Einwohner von 15 bis unter 21 Jahren hat 2004 die Schule ohne Abschluss
verlassen. Dies wird darauf zu rückgeführt, dass sog. Brennpunktsc hulen in der Stadt spezifische
Förderung durch Schulsozialarbeit erhalten.
Die Werte der übrigen Städte bewegen si ch mit Werten zwischen 2,18 und 2,38
Schulabgängern ohne formale Qualifikation – durch die deutlich niedrigere Zahl in Karlsruhe -
alle über dem Mittelwert.
Zu berücksichtigen ist, dass die Zahl der Schu labgänger sehr stark schwankt, Entwicklungen
finden in diesem Feld sprunghaft statt. Abhäng ig sind die Werte beispielsweise auch von der
Zahl junger Migranten, die in der jeweiligen Stadt leben.
Definition der Kennzahl
Schulabgänger ohne Abschluss pro
100 EW (KeZa 3) 15 unter 21 Jahre
Schulabgänger ohne Abschluss pro
100 EW 15 bis unter 21 Jahren mit
Haupt- und Nebenwohnsitz lt.
Melderegister.
con_sens
21
In Mannheim werden regelmäßig diesbezüglic he Daten erhoben, so wird der Anteil der
Ausländer, Aussiedler und Eingebürgerten an der Gesamtbevölkerung mit knapp 30 Prozent
benannt. Bei Kindern und Jugendlichen liegt der Wert noch höher. Die Stadt führt darauf ihre
vergleichsweise hohe Anzahl an Schulabgängern ohne Schulabschluss pro 100 Einwohner bis
unter 21 Jahren zurück.
4.1.6 Beendete Gerichtsverfahren mit Jugendgerichtshilfe (nach § 38 JGG)
Die Rahmenbedingungen, unter denen die örtliche n Jugendämter agieren, ist auch durch die
Zahl der beendeten Gerichtsverfahren mit Jugendgerichtshilfe nach § 38 JGG gekennzeichnet.
Im Zuge der beendeten Gerichtsverfahren mit
Jugendgerichtshilfe nach § 38 JGG entfalten die Jugendämter
unmittelbar Aktivitäten. Daher ist die Dichte der beendeten
Gerichtsverfahren in einer Stadt ein relevanter Kontext, im
Rahmen dessen die Jugendämter agieren.
Die folgende Kennzahl bildet diese beendeten Gerichtsverfahren
pro 1.000 junge Einwohner von 14 bis unter 21 Jahren ab.
Diese Zahl beinhaltet keine Diversionsverfahren und keine
vereinfachten Verfahren bei Jugendgerichten. Doppelzählungen
bei den Hilfeempfängern sind möglich, wenn mehrere Verfahren
pro Hilfeempfänger im Berichtsjahr beendet werden.
Die Grafik zeigt, dass die Situation in den Städten bezüglich der Häufigkeit, mit der junge
Menschen aufgrund ihrer Gerichtsverfahren durc h die Jugendgerichtshilfe betreut werden, sehr
unterschiedlich ist.
Abbildung 7 Anzahl der beendeten Gerichtsverfah ren mit Jugendgerichtshilfe pro 1.000 EW 14 bis
unter 21 J. (KeZa 4)
KeZa 4:
Anzahl der im Bj. beendeten Gerichtsverfahren mit Jugendgerichtshilfe (§ 38 JGG)
pro 1.000 EW von 14 bis unter 21 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz
89,5
27,5
39,3
71,1
46,1
33,5
33,9
0,0
20,0
40,0
60,0
80,0
100,0
120,0
BHV DA KA MA P HRO MW
P: Erfasst ist nur der Zeitraum ab 1. Juni 2004 bis zum Jahresende. HRO: Daten enthalten vereinfachte Verfahren. Beide Städte sind daher nicht im Mittelwert
enthalten.
Definition der Kennzahl
Anzahl der beendeten
Gerichtsverfahren pro EW
(KeZa 4)
Anzahl der im Bj. beendeten
Gerichtsverfahren mit
Jugendgerichtshilfe nach § 38
JGG, pro 1.000 EW im Alter von
14 bis unter 21 Jahren mit
Haupt- und Nebenwohnsitz
con_sens
22
Die beendeten Gerichtsverfahren mit Jugendgerich tshilfe von rund 65 jungen Menschen von 14
bis unter 21 Jahren pro 1.000 Einwohner wurden im Mittel der sechs Vergleichsstädte im
Berichtsjahr beendet.
Eine besonders hohe Problemlage zeigt sich wiederum in Bremerhaven.
Für die Daten aus Rostock ist zu berücksichtigen, dass die Stadt vereinfachte Verfahren nicht
selektieren kann, diese sind daher in der Zahl enthalten.
Im Vergleich der sechs Benchmarkingstädte beso nders günstige Rahmenbedingungen liegen im
Hinblick auf den hier betrachteten Belastungsfaktor in Karlsruhe, Mannheim und Darmstadt vor.
Worauf sind die unterschiedliche n Ergebnisse der Städte zurückzuführen? Diese Frage wird im
Rahmen des Benchmarking nur im Hinblick auf Erklärungsfaktoren bearbeitet, die durch die
örtlichen Jugendämter beeinflusst werden können. So wird als ein zentraler Faktor die verstärkte
Kooperation von Polizei, Staatsanwaltschaft und Ju gendhilfe angeführt, die dazu dient, die Zahl
der Gerichtsverfahren zu senken. Weitere wichtige Projekte sind soziale Trainingskurse und der
Täter-Opfer-Ausgleich.
Darüber hinaus führt z.B. Mannheim seinen relativ niedrigen Wert auch auf die umfangreiche
Kriminal-Präventionsarbeit im Stadtgebiet zurück. Es gibt dort mehrere Präventions-Projekte, die
durch die Jugendgerichtshilfe initiiert oder geleitet werden. Z.B. wurde das Projekt
„Gewaltprävention an Schulen und Einrichtungen der Jugendhilfe“ von Mannheim entwickelt und
in anderen Kommunen übernommen.
Der erste Erfahrungsaustausch zeigt, dass die un terschiedlichen Vorgehensweisen im weiteren
Projektverlauf noch vertieft zu analysieren sind, um die konkreten Unterschiede in den jeweiligen
Vorgehensweisen herauszuarbeiten.
So führen alle Städte Aktivitäten im primär - und sekundärpräventiven Bereich mit jeweils
unterschiedlichen Schwerpunkten du rch, die in diesem Rahmen beispielhaft aufgeführt werden.
So konzentriert sich beispielsweise Darmstadt au f die präventive Arbeit an Schulen, in Potsdam
trifft sich eine Runde, um Lösungskonzepte für die zehn auffälligsten jugendlichen Straftäter zu
entwickeln, Karlsruhe berichtete über verstärkte Akti vitäten um jugendliche Straftäter im Vorfeld
von drohenden Gerichtsverfahren in alternative präventive Angebote `umzusteuern`, z.B. in
Sportgruppen zur Gewaltprävention. Eines der neueren Projekte in Bremerhaven zielt auf die
Unterstützung und Förderung der Zivilcourage unter jungen Menschen ab.
Dieses Themenfeld wird im weiteren Projektverlauf des Benchmarking vertieft bearbeitet.
con_sens
23
LEGENDE
Belastungsfaktoren
Arbeitslosendichte (bis u. 65 J.)
Schulabgänger ohne Abschluss
(15-u.21 J.)
Anklagen nach JG G pro 1000 EW
(14-u.21 J.)
Jugend-Sozialhilfequote (pro 100
EW )
unterdurchschnittliche Anzahl
Kita-Plätze (0-14 J.)
v. Scheidung betr. KiJu (pro 100
EW 0-18 J.)
4.1.7 Die Kontext-Bedingungen der Städte in der Zusammenschau
Die Kontextanalyse zeigt insgesamt, dass die St ädte des Vergleichsrings sehr unterschiedliche
sozialstrukturelle Problemlagen aufweisen, sowohl im Hinblick auf das Ausmaß der Belastung als
auch im Hinblick auf die einzelnen Belastungsfaktoren.
Daher werden alle Kontext-Indikatoren im Folgen den für jede einzelne Stadt in einer sog.
Netzgrafik zusammen abgebildet.
Die angegebenen Werte der
Netzgrafiken bilden nicht die
absoluten Ausprägungen des
jeweiligen Indikators ab,
sondern die Abweichung vom
Mittelwert.
Die Werte beziehen sich auf
den Mittelwert (= Index
100), der jeweils in einer rot
gestrichelten Linie dargestellt
ist.
Dies ist notwendig, um die
unterschiedlichen Indikatoren mit jeweils unter schiedlichen Bezugsgröß en vergleichbar zu
machen.
Alle Indikatoren werden mit der gleichen Wirkungsrichtung, d.h. als belastende Faktoren
abgebildet. Hierzu wurde die Anzahl der bele gten Plätze in Kindertageseinrichtungen
entsprechend transformiert. Daher wird in der Legende der Netzgrafik auch die Bezeichnung
„unterdurchschnittliche Anzahl Kita-Plätze“ gewählt.
Je höher der Wert des Indikators ist, desto größer ist die entsprechende Problemlage in der Stadt
einzuschätzen und desto größer auch die in der Grafik aufgespannte Fläche.
Folgendes Zahlenbeispiel erläutert dies näher: Für Rostock ist in der Grafik KeZa 1
„Arbeitslosendichte“ ein Wert von 13,9 Arbeit slosen pro 100 Einwohner abgebildet. In der
Netzgrafik macht der Wert für Rostock 147,6 Pr ozent des Mittelwertes aus. Wie kommt diese
Berechnung zustande?
Wert Rostock
in Grafik
KeZa 1
Mittelwert (MW) der
Vergleichsstädte in
Grafik KeZa 1
MW auf Index 100 gesetzt
+ Abweichung des
Rostocker Wertes vom MW
errechnet
Abgebildeter Wert
in der Netzgrafik
= Anteil
Interpretation
13,9
Arbeitslose pro
100 EW
9,4 Arbeitslose pro
100 EW
13,9 : 9,4 x 100 = 147,6
(inkl. kleiner
Rundungsfehler)
147,6
Die Rahmenbedingung
in Rostock ist sehr
ungünstig, da die
Ausprägung des
Belastungsfaktors 147,6
Prozent des MW
ausmacht.
con_sens
24
152,5
113,8
194,2
185,8
n.v.
174,1
Brem erhaven 2004 MW = Index 100
64,7
n.v.67,9
117,7
80,4
73,6
Darm stadt 2004 MW = Index 100
52,296,9
133,9 59,6
58,7
62,9
K arlsruhe 2004 MW = Index 100
75,5
122,2
72,6
90,3
126,1
89,0
Mannheim 2004 MW = Index 100
96,8
111,975,0
48,8
75,7
n.v.
Potsdam 2004 MW = Index 100
147,6
n.v.
n.v.
95,8
73,5
97,1
Rostock 2004 MW = Index 100
LEGENDE
Belastungsfaktoren
Arbeitslosendichte (bis u. 65 J.)
Schulabgänger ohne Abschluss
(15-u.21 J.)
Anklagen nach JGG pro 1000 EW
(14-u.21 J.)
Jugend-Sozialhilfequote (pro 100
EW)
unterdurchschnittliche Anzahl
Kita-Plätze (0-14 J.)
v. Scheidung betr. KiJu (pro 100
EW 0-18 J.)
4.2 Input-Indikatoren
Die Input-Indikatoren bilden ab, was di e Städte in das Leistungsgeschehen HzE ++ hineingeben,
um ihre Zielsetzungen in den Hilfen zur Erziehung+ zu erreichen.
Im Rahmen der Input-Analyse werden im Schwerpunkt die Ausgaben analysiert, die pro Fall und
pro Einwohner für HzE++ anfallen.
Der Blick auf die Netto-Ausgaben HzE ++ gesamt pro Einwohner unter 21 Jahre (KeZa 30)
verdeutlicht, wie viele finanzielle Mittel der Ko mmune im Berichtsjahr fü r die jungen Menschen
in Zusammenhang mit HzE++ geflossen sind. Hohe Leistungsdichten schlagen sich hier nieder.
Die Analyse der Netto-Ausgaben HzE ++ gesamt pro Fall (KeZa 31) hingegen macht
Kostenunterschiede in der Betreuung der Hilfeempfänger in den einzelnen Städten transparent.
Des weiteren werden die Personalressourcen pro Fall (KeZa 20_21 sowie die KeZa 22)
betrachtet, die für die einzelnen Aufgabenfelder des Jugendamtes eingesetzt werden.
con_sens
25
4.2.1. Netto-Ausgaben
4.2.1.1. Netto-Ausgaben pro Einwohner (KeZa 30)
Im Rahmen der Input-Analyse wi rd zunächst betrachtet, welche finanziellen Mittel die
Kommunen aufwenden, um Hilfen zur Erziehung+ zu leisten.
Die Kennzahl der Netto-Ausgaben gesamt pro jungen
Einwohner bildet den unterschi edlichen Input ab, den die
einzelnen Städte für Hilfen zur Erziehung + pro Einwohner
unter 21 Jahre im Berichtsjahr aufgewandt haben.
Bei der Interpretation der Ergebnisse ist grundsätzlich zu
berücksichtigen, dass die Ur sachen für vergleichsweise
niedrige oder hohe Ausg aben pro Einwohner sehr
unterschiedlicher Natur sein kö nnen (vgl. hier zu Abschnitt
über Wechselwirkungen der einzelnen Kenn-
zahlenergebnisse).
Die Ergebnisse des quanti tativen Vergleichs machen
Unterschiede sichtbar und setz en dadurch Impulse für die
Suche nach Hintergründen, Verbesserungspotenzialen und
Erfolgsfaktoren.
Die Brutto-Ausgaben für die HzE + setzen sich wie folgt
zusammen:
• Personalausgaben für die Tätigkeit des ASD1. Diese beinhalten auch die Beratungsanteile
im Vorfeld zur Klärung von HzE ++- Maßnahmen, die Beratungen nach §§ 16, 17, 18
SGB VIII sowie die fallübergreifende Stadtteilarbeit, bezogen auf junge Menschen und die
Mitwirkung in familienrechtlichen und vormundschaftlichen Verfahren.
• Personalausgaben für die Tätigkeit der Wirtschaftlichen Jugendhilfe,
• Personalausgaben für die operativen Tätigkeiten der HzE++ und
• Ausgaben für die extern erbrachten Hilfen zur Erziehung+ (mit Pflegekinderdienst, aber
ohne Adoptionsstelle, ohne Jugendgerichtshi lfe). Diese externen operativen Ausgaben
machen den Großteil der Gesamtausgaben au s (im Mittel der Vergleichsstädte über 90
Prozent) (s. hierzu Grafik KeZa 40 im Anhang).
Von diesen Brutto-Ausgaben werden alle Ist- Einnahmen abgezogen, ausgenommen der Kosten-
erstattungen gemäß § 89 a bis h SGB VIII.
Unter Netto-Ausgaben werden die Ist-Ausgaben, die tatsächlich geflossenen Mittel des
Haushaltsjahres verstanden. Falls dies zu buch ungstechnischen Verschiebungen aufgrund von
nicht periodenmäßig abgegrenzt en Haushaltsmitteln führt, wi rd darauf im Rahmen der
Berichtslegung hingewiesen.
Die Ausgestaltung der Aufgabenwahrnehmung in den Kommunen, insbesondere die Frage, ob
Leistungen intern oder extern erbracht werden, kann sich auf die Ausprägung der Kennzahl
auswirken.
1 In Darmstadt nimmt der Städtische Sozialdienst (StSD) die Aufgabenfelder wahr, die in den übrigen Städten durch
den ASD durchgeführt werden. Näheres hierzu im Stadtprofil Darmstadt unter 5.2. Um die Lesbarkeit des
Berichtstextes zu gewährleisten wird im Laufe des Textes auf die Differenzierung der Begrifflichkeit verzichtet.
Definition der Kennzahl
Netto-Ausgaben pro Einwohner
(KeZa 41)
Netto-Ausgaben HzE++ gesamt pro
Einwohner 0 bis unter 21 Jahre
Wirkungsfaktoren
▲ Anstieg der Netto-Ausgaben
entsteht durch
· Zunahme der Ausgaben
· Abnahme der Einnahmen oder
· Abnahme der Einwohner
▼ Sinken der Netto-Ausgaben entsteht
durch
· Abnahme der Ausgaben
· Zunahme der Einnahmen oder
· Zunahme der Einwohner
con_sens
26
Grund hierfür ist, dass Sach- und Overhead-Kosten in die Berechnung der Ausgaben für externe
Dienstleister einfließen, im Gegensatz zu der Berechnung der Ausgaben für interne Mitarbeiter,
für die nur die reinen Personalkosten berü cksichtigt werden. Vergleichsweise hohe
Nettoausgaben können daher u.a. auch darauf zurückzuführen sein.
Abbildung 8 Nettoausgaben HzE++ gesamt pro EW 0- unter 21 Jahre (KeZa 41)
KeZa 41: Nettoausgaben pro Einwohner 0 bis unter 21 Jahre in Euro
differenziert nach Nettoausgaben extern operativ, Personalausgaben intern operativ und Personalkosten für
WJH und ASD - 2004
652,9
500,5
60,6
43,5 44,4
41,3
33,1
54,4
46,2501,0
540,6
436,6
709,8
555,0
432,4
508,0
477,4
401,1
531,4
8,0
2,8 11,9 8,3
2,5
2,4
21,9
564,3
577,7
0,00
100,00
200,00
300,00
400,00
500,00
600,00
700,00
800,00
BHV DA KA MA P HRO MW
Netto-Ausgaben - extern operativ 2004 Personal - intern operativ 2004 Personalkosten - WJH und ASD 2004 Summe Nettoausgaben 2004
Rostock weist im Vergleich der sechs Städte deutlich überdurchschnittliche Werte bei den
Nettoausgaben pro jungen Einwohner auf. In di esem Zusammenhang sei darauf hingewiesen,
dass Rostock im Hinblick auf se ine sozialstrukturellen Rahmenbedingungen insbesondere eine
deutlich überdurchschnittliche Arbeitslosendichte aufweist.
Aufgrund der sehr hohen Jugendarbeitslosigkeit in Rostock (s. Grafik 1.1. im Anhang) ist darüber
hinaus davon auszugehen, dass die Problemlagen in der jungen Bevölkerung ebenfalls
überdurchschnittlich sind, auch wenn dies in der ausgewählten Kennzahl Sozialhilfequote für
Personen unter 21 Jahre nicht abgebildet wird (Näheres vgl. Stadtprofil).
Die Nettoausgaben in Potsdam hingegen liege n deutlich unter dem Mittelwert der sechs
Vergleichsstädte. Dies korrespondiert mit der im Vergleich geringsten Falldichte der Stadt. Die
sozialen Bedingungen in Potsdam sind im Verg leich nur durchschnittlich belastet. Ein Grund
hierfür könnte unter anderem sein, dass Potsdam in dieser Hinsicht von seinem Status als
Landeshauptstadt und von der Nähe zu Berlin profitiert.
Ebenfalls noch deutlich unter dem Mittelwer t liegen die im Berichtsjahr aufgewandten
Nettoausgaben pro Einwohner unter 21 Jahre in Bre merhaven. Hier greift der Erklärungsfaktor
einer niedrigen Leistungsdichte ni cht, da diese deutlich über dem Mittelwert liegt (s. hierzu
Grafik KeZa 50.a).
con_sens
27
Als ein zentraler Erklärungsfaktor für die verg leichsweise niedrigen Nettoausgaben pro jungen
Einwohner kann der exorbitant hohe Anteil der stationären Fälle, die in Pflegefamilien leben,
herangezogen werden (s. hierzu Grafik KeZa 56). Überraschend sind diese Werte angesichts der
sozialstrukturellen Problemlagen, die Bremerh aven im Vergleich der Benchmarkingstädte
aufweist. Im Hinblick auf fast alle ausgewählt en Kontextfaktoren weist Bremerhaven deutlich
überdurchschnittliche Belastungen auf.
Die übrigen drei Städte liegen mit ihren Nettoausg aben pro jungen Einwohner eher leicht über
dem Mittelwert (Darmstadt und Karlsruhe) sowie leicht unter dem Mittelwert (Mannheim).
Auch für diese Städte sei kurz auf die sozialst rukturellen Rahmenbedingungen hingewiesen. Im
Vergleich der sechs Benchmarkingstädte weisen alle drei eher günstige Rahmenbedingungen auf.
Innerhalb dieser Dreiergruppe zeigt sich jedoch eine nicht unerhebliche Variationsbreite.
So weist Mannheim im Hinblick auf zwei de r ausgewählten Kontextfaktoren deutlich
überdurchschnittliche Belastungen auf, Darmstadt und Karlsruhe hingegen lediglich im Hinblick
auf einen der sozialstrukturellen Kontextindikat oren (wobei hier anzumerken ist, dass in
Darmstadt die Werte für einen der Faktoren nicht erhoben werden können).
4.2.1.2. Netto-Ausgaben pro HzE ++- Fall (KeZa 31)
Aussagekraft der Kennzahl und Zielsetzung der Jugendämter
Im Folgenden werden die Ausgaben pro Fall abgebildet.
Dadurch werden die durchschni ttlichen Kosten deutlich, die
für die Arbeit pro einzelnen Fall aufgewandt werden.
Hingewiesen wird darauf, dass die Ausgaben eines
gesamten Jahres im Rahmen des Kennzahlenvergleichs auf
die Zahl der Fälle am Stichtag 31.12. bezogen werden.
Die kommunalen Jugendhilfehau shalte stehen verstärkt in
der öffentlichen Diskussion, vielfach werden Einsparungen
gefordert. Aufgrund der knappen Ressourcen besteht die
Zielsetzung der Jugendämter darin, bei möglichst geringen
Ausgaben die bestmögliche Wirkung für die Kinder und
Jugendlichen, die Hilfe benötigen, zu erreichen.
Zunächst ist es daher positiv zu werten, wenn die Ausgaben
pro Fall vergleichsweise niedrig gehalten werden können.
Dies gilt selbstverständlich unter der Voraussetzung, dass
die jungen Menschen die bedarfsgerechten und
notwendigen Hilfen erhalten.
Definition der Kennzahl
Netto-Ausgaben HzE++ gesamt pro
HzE++-Fall gesamt 31.12. (KeZa 31.)
Wirkungsfaktoren
▲ ein Anstieg der Netto-Ausgaben
entsteht durch
· Erhöhung der Brutto-Ausgaben
· Abnahme der Einnahmen oder
· Abnahme der HzE++-Fälle
▼ Sinken der Netto-Ausgaben
entsteht durch
· Abnahme der Brutto-Ausgaben
· Zunahme der Einnahmen oder
· Zunahme der HzE++--Fälle
con_sens
28
Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs
Abbildung 9 Nettoausgaben HzE++ gesamt pro Fall (KeZa 31)
KeZa 31:
Netto-Ausgaben HzE+ gesamt pro Fall in Euro am 31.12.
17.897
23.170
25.924
20.445 20.703
22.649
21.798
0
5.000
10.000
15.000
20.000
25.000
30.000
BHV DA KA MA P HRO
Im Mittel wenden die Städte 21.789 Euro pro HzE+-Fall auf, die Spanne zwischen den einzelnen
Städten ist dabei nicht unerheblich.
Deutlich über dem Mitte lwert der sechs Vergleichsstädte liegen die Fallkosten in Rostock, ein
Erklärungsfaktor hierfür könnte der vergleichsweise niedrige Anteil ambulanter Hilfen an den
Hilfen zur Erziehung + insgesamt sein (vgl. KeZa 53.a). Für Rostock kann zusätzlich der
Erklärungsfaktor herangezogen werden, dass ein Großteil der st ationär betreuten Kinder und
Jugendlichen nicht in Pflegefamilien sondern in den i.d.R. kostenintensiveren Heimen leben (vgl.
KeZa 56).
Deutlich unter dem Mittelwert liegt das Ergebn is in Bremerhaven und mit einigem Abstand gen
Mittelwert in Darmstadt und in Mannheim. In Bre merhaven wird zwar ebenfalls ein hoher Anteil
der HzE+-Fälle stationär betreut, allerdings le bt ein Großteil (mehr als 90 Prozent) der Kinder
und Jugendlichen, für die eine stationäre Betreuung unvermeidlich ist, in Pflegefamilien. Die
vergleichsweise niedrigen Fallkosten dürften im Wesentlichen hierauf zurückzuführen sein.
Ein zentraler Erklärungsfaktor für die vergleichsweise niedrigen Fallkosten in Darmstadt dürfte
sein, dass ein Großteil der HzE+ ambulant erbracht wird (vgl. KeZa 53.a).
con_sens
29
4.2.1.3. Bewegtes Volumen pro ASD-Mitarbeiter
Die folgende Grafik bildet ab, welches Volumen der fallsteuernde ASD-Mitarbeiter für die interne
und externe Durchführung von Hilfen zur Erziehung+ pro Jahr ‚einsetzt’ (KeZa 39).
Das im Berichtsjahr bewegte Volumen pro ASD-Mitarbeiter
– im Mittel 749.389 Euro pro Jahr – zeigt, welch hohe
strategische Bedeutung der ASD in allen Städten des
Benchmarkingkreises inne hat, auch wenn sich das durch
die Mitarbeiter jeweils bewegte Volumen nicht unerheblich
unterscheidet.
Vergleichsweise viel Volumen bewegt ein Mitarbeiter des
Allgemeinen sozialen Dienstes in Karlsruhe, Mannheim und
Darmstadt.
In Bremerhaven hingegen setzte ein ASD-Mitarbeiter im
Berichtsjahr ein deutlich unter dem Mittelwert der sechs
Vergleichsstädte liegendes Volumen ein. Dies korrespondiert
mit dem Ergebnis, dass Bremerh aven vergleichsweise viele
Personalressourcen im ASD einsetzt (4.2.2.). Das bewegte
Volumen pro vollzeitverrechneten Mitarbeiter verteilt sich
daher auf mehrere „Köpfe“ und fällt insofern eher gering
aus.
Abbildung 10 Bewegtes Volumen für die interne und externe Durchführung von HzE + (operative
Aufgaben) (KeZa 39)
KeZa 39:
Bewegtes Volumen HzE+ für interne und externe operative Aufgaben
pro vollzeitverrechneten ASD-Mitarbeiter gesamt in Euro
817.001 828.078
742.882
771.924
481.202
855.249
749.389
0
100.000
200.000
300.000
400.000
500.000
600.000
700.000
800.000
900.000
BHV DA KA MA P HRO
2004 Mittelwert 2004
Definition der Kennzahl
Bewegtes Volumen für operative HzE++
pro vzv ASD-MA (KeZa 39.)
Wirkungsfaktoren
▲ ein Anstieg des bewegten Volumens
entsteht durch
· Erhöhung der Brutto-Ausgaben für
operative HzE++ oder
· Abnahme der vzv. ASD-MA
▼ Sinken des bewegten Volumens
entsteht durch
· Abnahme der Brutto-Ausgaben für
operative HzE+ oder
· Zunahme der vzv. ASD-MA
con_sens
30
4.2.2. Mitarbeiter
Im Folgenden werden die Personalressourcen der Städte pro Einwohner und pro Fall abgebildet.
Es wird differenziert dargestellt, für welche Aufgabenfelder die Mitarbeiter der Städte jeweils tätig
sind. Dies sind im Einzelnen:
• Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) mit steuernden Funktion en wie der Einschätzung
des Hilfebedarfs und der Führung des Hilfeplan prozesses. Ebenso al le Aufgaben, die für
die benannten §§ SGB VIII anfallen. Darüber hinaus werden auch die Arbeitsanteile für
Beratungen nach §§ 16,17,18 SGB VIII, für sozialraumorientierte Netzwerk- und
Stadtteilarbeit, die unmittelbar auf die Zielgr uppe junger Menschen ausgerichtet ist,
eingerechnet.
• Die Wirtschaftliche Jugendhilfe (WJH) mit administrativen Aufgaben beispielsweise der
Zahlbarmachung, der Heranziehung zu den Kosten inkl. der Beitreibung, der Überprüfung
von Zuständigkeiten etc.
• Die intern wahrgenommene Durchführung von Hilfen zur Erziehung + wie beispielsweise
der Pflegekinderdienst oder die Durchführung von flexiblen ambulanten Hilfen, ohne
Aufgaben in Zusammenhang mit Adoptionsfällen.
Nicht eingerechnet werden Mitarbeiter, die zum ‚Overhead’
gezählt werden (wie beispiel sweise Jugendhilfeplaner,
Controller, Stabsstellen). Gezählt werden hingegen die Anteile
der Mittleren Führungsebene, die für HzE + eingesetzt
werden.
Wenn Mitarbeiter nicht vollständig für HzE+ zuständig waren,
wurden ihre den HzE + zugehörigen Stellenanteile qualifiziert
geschätzt, auf der Basis von empirischen Erhebungen und
Befragungen, die beispielsweise in Zusammenhang mit
Organisationsuntersuchungen, Personalbemessungen oder
zur Vorbereitung von Stellenbeschreibungen vorgenommen
wurden. Daher ist von einer fundierten Datenbasis
auszugehen.
Mitarbeiter, die als Externe Hilfen zur Erziehung ++
durchführen, sind nicht in dieser Kennzahl berücksichtigt,
weil sie aufgrund der Abrechnungsmodalitäten mit externen
Leistungserbringern nicht erhoben werden können. Sie
werden im Rahmen der Inputanalyse in den Ausgabegrößen
für die externe Durchführung von Externe Hilfen zur Erziehung++ abgebildet.
Das bedeutet, eine Stadt, die ihre Aufgabenwa hrnehmung weitgehend extern organisiert hat,
schlägt mit vergleichsweise wenigen internen Mitarb eiter zu Buche. Perspektivisch kann hier die
Kosten- und Leistungsrechnung eine bessere Informationsbasis liefern.
Aussagekraft der Kennzahl und Zielsetzung der Jugendämter
Die Aussagekraft der Mitarbeiterkennzahlen im Bereich der operativen Aufgaben liegt daher nicht
in einem rein quantitativen Vergleich der eingesetzten Personalressourcen sondern darin,
Hinweise auf die Ausgestaltung der Leistungserbri ngung im Hinblick auf die interne und externe
Aufgabenwahrnehmung zu erhalten.
Darüber hinaus kann anhand der Kennzahl abgebildet werden, welche unterschiedlichen
Personalressourcen in den einzelnen Aufgabenfeldern eingesetzt werden, insbesondere in der
Steuerungsstelle des ASD.
Definition der Kennzahl
Mitarbeiter von ASD, WJH pro 100
Fälle (KeZa 20_21)
Vollzeitverrechnete MA (ASD, WJH)
pro 100 Fälle (31.12.)
Wirkungsfaktoren
▲ ein Anstieg der Anzahl der
Mitarbeiter pro Fälle entsteht durch
· Zunahme des Personaleinsatzes
oder
· Abnahme Fälle
▼ Sinken der Anzahl der Mitarbeiter
pro Fälle entsteht durch
· Abnahme des Personaleinsatzes
oder
· Zunahme Fälle
con_sens
31
Welche Zielsetzungen verfolgen die Jugendämter im Hinblick auf ihren Personaleinsatz? In Zeiten
knapper Haushalte ist ein effizienter Ressource neinsatz von großer Bedeutung. Die optimale
Nutzung der Gestaltungsspielräume bei der Leistungserbringung bei bestmöglicher Zielerreichung
für den jungen Menschen ist daher zentrales Ziel der Jugendämter.
Dennoch kann die Steuerungsgröße Personal aus unterschiedlichem Blickwinkel gedeutet
werden. So können zu niedrige Personalressourcen im ASD teuer zu stehen kommen, wenn der
Zeitmangel des Personals eine passgenaue Entwicklung des Hilfearrangements verhindert, in
fiskalischer wie in pädagogischer Hinsicht.
Die folgende Grafik bildet ab, wie viele Pers onalressourcen die einzelnen Jugendämter für die
Fallsteuerung im ASD und für die Wirtschaftliche Jugendhilfe pro 100 Fälle einsetzen.
Abbildung 11 Anzahl der vollzeitverrechneten Mita rbeiter pro 100 Fälle – di fferenziert ausgewiesen
nach ASD und WJH (KeZa 20-21)
KeZa 20 und 21 gestapelt:
Vollzeitverrechnete Mitarbeiter für den ASD und für die Wirtschaftliche Jugendhilfe
pro 100 Fälle 2004
0,8 0,6 0,9 0,6 0,8 0,7
3,49
2,45
2,57
2,41
2,99 2,89
0,7
3,43
3,63
4,32
3,04
3,42
4,15
3,76
3,06
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
5,0
BHV DA KA MA P HRO MW
Interne vollzeitverrechnete (vzv) ASD-Mitarbeiter pro 100 Fälle 2004
WJH-Mitarbeiter in der WJH pro 100 Fälle 2004
vzv verrechnete ASD und WJH pro 100 Fälle 2004
BHV: Die Anteile für die Bearbeitung von Amtsvormundschaften und Pflegeschaften konnten nicht herausgerechnet werden.
Die Personalausstattung in der Wirtschaftlichen Ju gendhilfe beträgt im Mittel des Vergleichsrings
0,7 vollzeitverrechnete Mitarbeiter, die für die en tsprechenden Aufgabenbereiche zuständig sind.
Eine Spannbreite zwischen den Städten ist hier durchaus erkennbar.
Deutlicher unterscheiden sich die Städte allerd ings darin, wie viele Personalressourcen für den
fallsteuernden ASD eingesetzt werden.
Im Mittel wurden im Jahr 2004 2,89 vollzeitverrechnete Mitarbeiter pro 100 Fälle eingesetzt.
Der Personaleinsatz für die Fallsteuerung im ASD in Bremerhaven und in Rostock liegt über dem
Mittelwert der in den Benchmarkingstädten eingesetzten Personalressourcen pro 100 HzE+-
Fälle. In Potsdam liegt der Wert minimal über dem Mittelwert.
In Rostock ist der vergleichbar hohe Personaleinsatz im ASD auf die strukturelle Entwicklung des
Personalbereichs zurückzuführen. Alle ambulante Aufgaben wurden vor zwei Jahren an externe
Dienstleister gegeben. Die frei gewordenen Ressourcen der Mitarbeiter werden für ihre
Qualifizierung in der Hilfeplanung genutzt. Ziel is t die interne Qualitätsentwicklung des sozialen
con_sens
32
Dienstes. Diese Qualifizierungsphasen werden durch ein Fachberatungsteam der Stadt begleitet
(vgl. hierzu auch die Ausführungen im Stadtprofil Rostock im Kapitel 5.6).
Eine im Vergleich geringe Anzahl an vollzeitver rechneten Mitarbeitern für die Steuerung von 100
Fällen setzen Darmstadt, Mannheim und Karlsruhe ein.
Für den Benchmarkingkreis ist die Fragestell ung interessant, welche Auswirkungen ein
vergleichsweise geringer oder ve rgleichsweise hoher Personaleins atz in der Steuerungsstelle für
die Hilfen zur Erziehung + hat. Darmstadt hat hier die Erfahr ung gemacht, dass sich ein in der
Vergangenheit erhöhter Personaleinsatz für die Steuerung der HzE+ positiv auf die
Passgenauigkeit der installierten Hilfen und damit langfristig auch auf die Abnahme der
Ausgaben ausgewirkt hat.
Die künftig im Rahmen des Benchmarking zu untersuchende These lautet, dass ein erhöhter
Einsatz von Personal dahingehend wirkt, dass die Mitarbeiter Hilfen auf der Basis eines
ausreichenden Zeitbudgets noch passgenauer und stärker mi t Rücksicht auf die Kosten
bewilligen.
Eine Korrelation zwischen dem Personaleinsatz im ASD und einer Abnahme der Ausgaben für die
Hilfen lässt sich zur Zeit durch die Daten des er sten Berichtes, der auf der Basis eines Jahrgangs
erstellt wurde, nicht erhärten. Die beid en Städte mit einem überdurchschnittlichen
Personaleinsatz im ASD (Rostock und Bremerhaven) weisen sehr unterschiedliche Ergebnisse bei
den Fallkosten auf. Zu berücksichtigen ist hier bei grundsätzlich, dass die verwaltungsinternen
Personalkosten die wesentlich geringere Kostenposition im Hinblick auf die Gesamtausgaben
ausmachen, der große Anteil fällt für die Ausgab en zur operativen Durchführung durch externe
Dienstleister an.
In dieser Frage werden Zeitreihenbetrachtun gen weitere Aufschlüsse geben, die ab dem
kommenden Projektjahr gestartet werden.
Zu berücksichtigen sein wird dabei, dass sich di e Frage eines effizienten Personaleinsatzes nicht
in der Frage erschöpft, wie viel Personal benötigt wird, sondern auch, wie es eingesetzt wird. So
hat zum Beispiel Darmstadt mit seinem Ansatz, die Arbeitsanteile seiner Mitarbeiter für die
psychisch stark beanspruch enden Hilfen zur Erziehung + zu begrenzen, nicht nur die
Zufriedenheit der Mitarbeiter, so ndern auch die Effektivität der Hilfen durch das Jugendamt
erhöht (vgl. hierzu auch die Stadtprofile in Kapitel 5).
con_sens
33
Abbildung 12 Anzahl der vollzeitverrechneten Mitarbeiter für operative Aufgaben pro 100 Fälle
KeZa 22:
Vollzeitverrechnete Mitarbeiter für operative Aufgaben pro 100 Fälle
2004
0,18
0,28
0,58
0,93
1,63
0,20
0,63
0,0
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
BHV DA KA MA P HRO
Die Unterschiede in der Grafik ergeben sich aus der unterschiedlichen Struktur bei der
Durchführung von Hilfen zur Erziehung++..
Für die Durchführung von Hilfen zur Erziehung + nehmen insbesondere Mannheim und Karlsruhe
verstärkt verwaltungsinterne Dienstleistungen in Anspruch.
In Mannheim werden der Pflegekinderdienst, Erziehungsbeistandschaften, Angebote für betreutes
Wohnen sowie drei Einrichtungen für Schü lergruppen in Eigenregie durchgeführt.
Erziehungsbeistandschaften und Betreutes Wohnen gi bt es in Mannheim seit vielen Jahren als
eigenes Sachgebiet. Es ist vorgesehen, die Aufgabe Erziehungsbeistandschaft in die Regionen der
Bezirkssozialarbeit zu integrieren, damit dort ein flexibles Betreuungsangebot zur Verfügung
steht. Das Betreute Wohnen wird perspektivis ch an die freien Träger abgegeben. Die
Schülergruppen bestehen aufgrund von gewac hsenen Angebotsstrukturen in zwei sozialen
Brennpunkten. Überlegungen zur Vergabe der Aufgabe an freie Träger werden derzeit angestellt.
In Karlsruhe werden sozialpädagogische Gru ppenarbeit und der Pflegekinderdienst intern
durchgeführt.
In Bremerhaven wird der Pflegekinderdienst intern durchgeführt. Darüber hinaus nehmen die
verwaltungsinternen Mitarbeiter die Aufgaben der gemeinwesenorientierten Stadtteilarbeit und
der sozialen Gruppenarbeit wahr.
In allen übrigen Städten des Vergleichsrings werd en die meisten operativen Aufgaben an externe
Dienstleister vergeben. In Rostock und Potsdam wird ausschließlich der Pflegekinderdienst als
operative Aufgabe durch verwaltungsinterne Kräfte erbracht.
con_sens
34
4.3 Output-Indikatoren
Erkenntnisinteresse der Output-Analyse
Im Rahmen der folgenden Analyse wird der Output des Leistungsgeschehens HzE + abgebildet,
die Leistungen, die die Jugendämter für Kinder und Jugendliche in ihrem Gemeinwesen
erbringen. Die Abbildung der Fälle pro junge Einwohner (KeZa 50.a) macht unterschiedliche
Leistungsdichten in den Städten transparent.
Auf der Basis der Kennzahlenergebnisse zu den Fall-Dichten ambulanter (KeZa 51.a ) und
stationärer Hilfen (KeZa 52.a) sowie der Anteile der stationär betreuten Fälle an den HzE +-
Fällen insgesamt (KeZa 53.a) wird die Inanspruchnahme der jeweiligen Hilfearten analysiert.
Ein weiterer Schwerpunkt der Output-Analyse ist die Frage, inwieweit es den Jugendämtern
gelingt, junge Menschen, für die eine stationäre Betreuung unvermeidlich ist, in Pflegefamilien
statt in Heimen unterzubringen.
Hierzu werden die Anteile der stationär betreuten Kinder und Jugendlichen an den
Hilfeempfängern insgesamt differenziert danach dargestellt, ob sie in Pflegefamilien (nach § 33
SGB VIII) oder in Heimen (nach § 34 SGB VIII) leben (KeZa 56).
4.3.1 Dichte der HzE+-Fälle insgesamt
Aussagekraft der Kennzahl
Die HzE+-Dichte (KeZa 50.a) bildet ab, wie häufig junge
Menschen in einer Stadt HzE + erhalten. Abgebildet wird
der Anteil der HzE +-Fälle an den jungen Einwohnern der
jeweiligen Stadt. Dadurch können unterschiedliche
Leistungsdichten in den einzelnen Städten transparent
werden.
Niedrige Werte an dieser Stel le können auf eine zielgenaue
Zugangssteuerung und auf erfolgreiche Aktivitäten des
Jugendamtes hinweisen. Erfolg in dem Sinne, dass Kinder
und Jugendliche sowie ihre Personensorgeberechtigten
ohne Unterstützung durch HzE+ leben können.
In diesem Sinne erfolgreiche Aktivitäten der Jugendämter
können nicht immer in quantitativen
Kennzahlenvergleichen abgebildet werden, wenn externe
Faktoren und Rahmenbedingungen gleichzeitig stärkere
Interventionen des Jugendamtes erfordern.
Insgesamt sind niedrige Leistungsdichten dann positiv
einzuschätzen, wenn die jungen Menschen in der Stadt alle
notwendigen Hilfen erhalten haben. So ist es durchaus denkbar, dass verstärkte
Steuerungsaktivitäten eines Jugendamtes zu steigenden Fallzahlen führen, weil bisher
unerkannte Hilfebedarfe nunmehr erkannt und gedeckt werden.
Definition der Kennzahl
HzE+ - Dichte (KeZa 50a)
Fälle gesamt am 31.12. d. Bj. pro 100
Einwohner im Alter bis unter 21 Jahren
Wirkungsfaktoren
▲ ein Anstieg der Fall-Dichte entsteht
durch
· Zunahme der Fälle
oder
· Abnahme der Einwohnerzahl
▼ Sinken der Fall-Dichte
entsteht durch
· Abnahme der Fälle
oder
· Zunahme der Einwohnerzahl
con_sens
35
Die Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs
Abbildung 13 Anzahl der HzE+ - Fälle pro 100 EW unter 21 Jahre am 31.12.(KeZa 50.a)
KeZa 50.a: HzE+-Fälle gesamt am 31.12. des Berichtsjahres
pro 100 Einwohner 0 bis unter 21 Jahre
2,49
2,80
1,88
2,612,83 2,74
2,56
0,00
0,50
1,00
1,50
2,00
2,50
3,00
BHV DA KA MA P HRO
HzE+-Fälle gesamt am 31.12. des Berichtsjahres pro 100 Einwohner 0 bis unter 21 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz 2004
Mittelwert 2004
Die Grafik zeigt deutliche Unterschiede in den Kennzahlenergebnissen der Vergleichsstädte.
Besonders selten nehmen junge Menschen in Potsdam Hilfen zur Erziehung + in Anspruch. Dies
ist unter anderem darauf zurückzuführen, dass in Potsdam im Zuge der Optimierung des
Hilfeplanverfahrens und der Umsetzung des Leitbi ldes verstärkt auf die mögliche Realisierung
von Fallbeendigungen hingewirkt wird.
Darmstadt, Bremerhaven und die Hansestadt Rostock hingegen weisen eine im Vergleich der
Benchmarkingstädte eher hohe Leistungsdichte bei den Hilfen zur Erziehung+ auf.
Ein Erklärungsfaktor für die relativ hohe Anzahl an HzE+-Fällen pro 100 junge Einwohner in den
beiden Städten sind sicherlich die für Brem erhaven immens und für Rostock immer noch
deutlich belastenden sozialstrukturellen Rahmenbedingungen.
Darmstadt hingegen verfügt im Hinblick auf die ausgewählten Belastungsindikatoren über einen
günstigen sozialen Kontext. Hier ist die im Vergleich hohe Leistungsdichte auf einen hohen Anteil
ambulanter Fälle zurückzuführen. (vgl. hierzu ausführlicher KeZa 53.a.unter 4.3.4). Darmstadt
fördert durch seine dezentrale Struktur und die dadurch verstärkte Präsenz vor Ort bewusst
frühzeitig greifende ambulante Hilfeformen.
Deutlich wird in jedem Fall, dass die Leistungsd ichte insgesamt alleine nicht ausreicht, um die
Entwicklungen in den Städten abzubilden. Daher werden die Zahlen der ambulanten und der
stationären HzE+-Fälle pro 100 Einwohner unter 21 Jahre in den folgenden Abschnitten separat
dargestellt.
con_sens
36
4.3.2 Dichte ambulanter Fälle
Aussagekraft der Kennzahl und die Zielsetzung der Jugendämter
Anhand der Dichte der ambulanten Fälle (KeZa 51.a) wird abgebildet, wie häufig junge
Menschen in der jeweiligen Stadt ambulante Hilfeformen in Anspruch nehmen.
Ziel der Jugendämter vor Ort ist es, die ambulanten Betreuungsformen als Unterstützung in der
Herkunftsfamilie zu stärken und so den mit dem SGB VIII
eingeleiteten Paradigmenwechsel noch weiter umzusetzen.
Daher sind hohe Dichten ambu lanter Hilfen zunächst als
positive Tendenz in diese Richtung einzuschätzen.
Von dieser Zielsetzung unberührt gilt die oberste Priorität
des Kinder- und Jugendhilfegesetzes einer passgenauen
Hilfe.
Diese ist unabhängig von ihrer Form der
Leistungserbringung auf den spezifischen Bedarf des
jungen Menschen abgestimmt. Passgenau in diesem Sinne
kann im Einzelfall selbstverständlich auch die stationäre
Unterbringung sein.
Bei der Interpretation der Daten ist zu berücksichtigen,
dass eine hohe Leistungsdich te bei den ambulanten Fällen
nicht per se mit einer geringen Dichte stationär betreuter
junger Menschen einhergeht.
Welchen Anteil die ambulanten betreuten Fälle an den
Hilfen zur Erziehung + insgesamt ausmachen, wird im
Abschnitt 4.3.4. in der Grafik KeZa 53.a abgebildet.
Definition der Kennzahl
Dichte ambulante Fälle
(KeZa 51.a.)
Ambulante Fälle am 31.12. d. Bj. pro
100 Einwohner 0 bis unter 21 Jahre
Wirkungsfaktoren
▲ ein Anstieg der ambulante Fälle
entsteht durch
· Zunahme der ambulanten Fälle
oder
· Abnahme der Einwohnerzahl
▼ Sinken der Falldichte
entsteht durch
· Abnahme der ambulanten Fälle
oder
· Zunahme der Einwohnerzahl
con_sens
37
Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs
Abbildung 14 HzE +-Fälle ambulant pro 100 EW 0 bis unter 21 Jahre am 31.12.
(KeZa 51.a)
KeZa 51.a:
HzE+-Fälle ambulant am 31.12. des Berichtsjahres pro 100 Einwohner 0 bis unter 21 Jahre
1,40
2,18
1,33
0,89
1,38
1,32
1,42
0,00
0,50
1,00
1,50
2,00
2,50
BHV DA KA MA P HRO
HzE+-Fälle ambulant am 31.12. des Berichtsjahres pro 100 Einwohner 0 bis unter 21 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz 2004
Mittelwert 2004
Im Mittel haben 1,42 junge Menschen pro 100 EW ambulante Hilfen in Anspruch genommen.
Besonders auffällig ist die hohe Dichte ambulanter Fälle in Darmstadt. Dies korrespondiert mit
einer entsprechend niedrigen Leistungsdichte bei den stationären Fällen (KeZa 52.a).
Vergleichsweise deutlich wenige HzE +-Fälle pro 100 junge Einwohner werden in Potsdam
ambulant betreut. Allerdings liegt auch die Dichte der Fälle insgesamt deutlich unter dem
Mittelwert (vgl. KeZa 50.a. im Abschnitt 4.3.1.).
Die übrigen Städte bewegen sich mit ihren We rten für die ambulanten Falldichten leicht
(Rostock und Karlsruhe) sowie sehr knapp (Bremerhaven und Mannheim) unter dem Mittelwert.
Im Rahmen des Benchmarking ist insbesondere die Fragestellung interessant, ob eine hohe
ambulante Dichte mit einer weniger starken Dichte stationärer Fälle korrespondiert.
Zu den Wechselwirkungen zwisch en der Inanspruchnahme unterschi edlicher Hilfearten und den
Auswirkungen auf die Kostenentwicklung gibt es zahlreiche – sich häufig widersprechende –
Thesen. Die zentrale Frage ist, ob ein ausgefe iltes Angebotsportfolio in der ambulanten Hilfe -
nicht immer aber auch - eine Alternative zur stat ionären Unterbringung sein kann. Dies wird im
weiteren Projektverlauf des Benchmarking näher untersucht werden.
con_sens
38
4.3.3 Dichte stationärer Fälle
Aussagekraft der Kennzahl und Zielsetzung der Jugendämter
Die Kennzahl bildet ab, wie häufig junge Mensch en 2004 im Rahmen von Hilfen zur Erziehung +
stationär untergebracht wurden und in Heimen oder in Pflegefamilien leben.
Zielsetzung des Bundesgesetzgebers sowie der Jugendämter in ihrer praktischen Arbeit vor Ort ist
es, jungen Menschen soweit möglich den Verbleib in
ihrer Herkunftsfamilie bzw. das selbständige Wohnen zu
ermöglichen.
Daher sind niedrige Werte bei dieser Kennzahl als
positive Tendenz in diese Richtung zu werten.
Im Einzelfall kann selbstve rständlich die stationäre
Unterbringung als die passgenauere Hilfeform gewählt
werden. Der Fokus des Benc hmarkingkreises ist nicht
auf den Einzelfall, sondern auf die aggregierte Ebene
ausgerichtet.
Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs
Der Vergleich der stationären Leistungsdichten zeigt,
dass sich die Häufigkeit mit der junge Menschen in der
Stadt stationäre HzE+ erhalten, in erheblichem Ausmaß
unterscheidet.
Abbildung 15 HzE+-Fälle stationär pro 100 EW 0 bis unter 21 Jahre (KeZa 52a)
KeZa 52.a:
HzE+-Fälle stationär am 31.12. des Berichtsjahres pro 100 Einwohner 0 bis unter 21 Jahre
0,65
1,17 1,23
0,99
1,40
1,72
1,19
0,00
0,20
0,40
0,60
0,80
1,00
1,20
1,40
1,60
1,80
2,00
BHV DA KA MA P HRO
HzE+-Fälle stationär am 31.12. des Berichtsjahres pro 100 Einwohner 0 bis unter 21 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz 2004 Mittelwert 2004
Definition der Kennzahl
Dichte stationäre Fälle (KeZa 52 a)
HzE+-Fälle stationär am 31.12. d. Bj.
pro 100 Einwohner
0 bis unter 21 Jahre
Wirkungsfaktoren
▲ ein Anstieg der stationären HzE +
Fälle entsteht durch
· Zunahme der stationären HzE+ -Fälle
oder
· Abnahme der Einwohnerzahl
▼ Sinken der stationären HzE+- Dichte
entsteht durch
· Abnahme der stationären HzE +-Fälle
oder
· Zunahme der Einwohnerzahl
con_sens
39
Besonders auffällig ist, dass in Darmstadt junge Menschen im Vergleich sehr selten stationär
betreut werden. Dies ist auch nicht auf eine ge ringe Leistungsdichte insgesamt zurückzuführen,
sondern darauf, dass eine große Zahl vorbeugend e, ambulante Hilfeangebote erbracht werden.
Daher weist dieses Ergebnis da rauf hin, dass ambulante Hilfea rrangements als Alternative zu
stationären Hilfeformen entwickelt worden sind (vgl. ausführlicher im Stadtprofil Darmstadt 5.2).
Ebenfalls noch deutlich unter dem Mittelwert der Vergleichsstädte liegt die Anzahl der jungen
Menschen mit stationären HzE+ in Potsdam.
Im Vergleich der Benchmarkingstädte werden Kinder und Jugendliche in Bremerhaven sehr
häufig stationär betreut. In diesem Zusammenh ang sei auf das Ergebnis hingewiesen, dass ein
Großteil der stationären Fälle in Pflegefamilien leben konnten (vgl. hierzu Ausführungen zur KeZa
56 und das Stadtprofil Bremerhaven).
Die Anzahl stationärer Fälle pro 100 junge Einwohner der übrigen Vergleichsstädte gruppiert sich
um den Mittelwert, in Karlsruhe leicht darunter und in Mannheim leicht darüber.
Bei der Interpretation der Kennzahlenergebnisse ist zu berücksichtigen, dass es sich bei den
Empfängern stationärer Hilfen häufig um eher ge ringe absolute Zahlen handelt. Die Spannbreite
der absoluten Werte ist in folgender Tabelle abgebildet:
Tabelle 2: Stationäre HzE+-Fälle in absoluten Zahlen 2004
Tabelle: Stationäre HzE+-Fälle in absoluten Zahlen - 2004
BHV DA KA MA P HRO
HzE+-Fälle stationär
gesamt (absolut)
2004
427 179 634 750 285 505
HzE+-Fälle stationär
mit Vollzeitpflege
(absolut) 2004 385 77 248 321 64 70
Einwohner
unter 21 Jahre
24.791 27.747 54.024 61.162 28.765 35.975
con_sens
40
4.3.4 Anteil der Hilfeempfänger mit ambulanten Hilfen
Aussagekraft der Kennzahl und Zielsetzung der Jugendämter im Benchmarking
Die Kennzahl 53.a bildet ab, wie viele der Hilfeempfänger
eines Jugendamtes ambulant betreut werden.
Dies dient – ebenso wie die Analyse der drei vorherigen
Kennzahlen – dazu, einzuschätzen, inwieweit es den
Jugendämtern gelingt, das Prinzip ambulant vor stationär
in die Praxis umzusetzen.
Mit der Darstellung der jeweiligen Anteile wird es möglich,
zu untersuchen, welche Schwerpunkte die einzelnen
Städte bei der Ausgestaltung von Betreuungsarrangements
setzen, und zwar unabhängig von den jeweiligen
Leistungsdichten.
Es ist aus fachlicher und fiskalischer Sicht positiv zu
werten, wenn der Anteil der ambulanten Hilfeempfänger
vergleichsweise hoch ausfällt. Wobei auch hier gilt, dass
im Einzelfall die individuelle Passgenauigkeit der HzE + das
prioritäre Ziel des SGB VIII ist.
Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs
Die Situation in den einzelnen Städten stellt sich ebenso wie bei den oben erläuterten
Leistungsdichten auch bei den Anteilen ambulanter Fälle deutlich unterschiedlich dar.
Im Mittel 2004 erhielten knapp 55 Prozent aller HzE +-Fälle ambulante Hilfearrangements. Die
Prozentanteile der stationären HzE +-Fälle an allen HzE +-Fällen sind der Grafik im Anhang zu
entnehmen (s. Grafik KeZa 54.a). Aufgrund von möglichen Doppelzählungen können hierbei
Abweichungen entstehen, was dazu führt, dass die jeweiligen Prozentanteile (ambulant bzw.
stationär) pro Stadt nicht in jedem Fall 100 Prozent ergeben.
Definition der Kennzahl
Anteil ambulante HzE+-Fälle
(KeZa 53.a)
Wirkungsfaktoren
▲ ein Anstieg des Anteils an
ambulanten Fällen entsteht durch:
· Zunahme der ambulanten Fälle
oder
· Abnahme der Fälle insgesamt
▼ Sinken des Anteils an ambulanten
Fällen entsteht durch
· Abnahme der ambulanten HzE+-Fälle
oder
· Zunahme der Fälle insgesamt
insgesamt.
con_sens
41
Abbildung 16 Prozentanteil der ambulanten HzE+-Fälle an allen HzE+-Fällen (KeZa 53a)
KeZa 53.a: Anteil ambulante HzE+-Fälle am 31.12. des Berichtsjahres
an allen HzE+-Fällen am 31.12. des Berichtsjahres
49,86 48,73
77,17
53,04
52,90
47,42
54,85
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
BHV DA KA MA P HRO
Anteil ambulante HzE+-Fälle an allen HzE+-Fällen (31.12.) 2004 Mittelwert 2004
Besonders auffällig ist der deutlich überdurchschnittliche Anteil ambulanter Hilfen in Darmstadt.
Dies ist als Ergebnis einer bewussten Umsteuer ung seit 1996 zu sehen. Darmstadt hat sein
niedrigschwelliges ambulantes Angebot ausgebaut, seitdem ist der Anteil stationärer Fälle an den
Fällen insgesamt von 70 Prozent auf 30 Prozent gesunken. Neben dem Ausbau der
Angebotsstruktur hatte es aber auch eines Einste llungswandels bei den Mitarbeitern bedurft, ein
Kind so lange wie möglich in der Familie zu belassen (vgl. auch Stadtprofil).
Ein weiterer Aspekt, der zu dem vergleichsweise niedrigen Anteil an stationären Hilfen geführt
hat, ist ein neues Inobhutnahme-Konzept, das au f einem intensiven Personaleinsatz zu Beginn
basiert und das Kind baldmöglichst unter fachlicher Aufsicht in die Familie zurückführt.
Vergleichsweise wenige der HzE +-Fälle wurden 2004 in Potsdam, Rostock und – mit leichtem
Abstand gen Mittelwert – in Bremerhaven ambulant unterstützt.
Nur knapp unter dem Mittelwert liegen die Werte in Mannheim und in Karlsruhe. In Mannheim
werden aktuell die ambulanten Hilfen durch schulbezogene Jugendhilfeangebote ausgebaut. Dies
wird sich im nächsten Jahr in einem Anstieg der ambulanten Leistungen abbilden.
Auf die stadtspezifischen Wechselwirkungen zw ischen den einzelnen Kennzahlen wird in den
einzelnen Stadtprofilen ausführlicher Bezug genommen.
con_sens
42
Stationäre Unterbringung – in Pflegefamilien oder in Heimen?
„Stationär untergebracht“ kann bedeuten, in Heimen oder in Pflegefamilien zu leben. Gelingt es
den Jugendämtern, jungen Menschen, für die eine stationäre Betreuung unvermeidlich ist, die
Möglichkeit zu geben, in den familiären Strukturen einer Pflegefamilie zu leben, ist dies
grundsätzlich positiv zu werten, fachlich wie fiskalisch.
Daher wird im Rahmen des Kennzahlenvergleic hs zusätzlich zu den An teilen der stationären
Unterbringung abgebildet, ob die jeweils stationär betreuten jungen Menschen in Pflegefamilien
oder in Heimen leben.
Abbildung 17 Prozentanteil der stationären HzE+-Fälle an allen HzE+-HE (inklusive §33) (KeZa 56)
KeZa 56: Prozentanteile der stationären HzE+-Fälle mit und ohne Vollzeitpflege 31.12.
an allen stationären HzE+-Fällen am 31.12.2004
9,84
56,98 60,88 57,20
77,54
86,14
90,16
43,02 39,12 42,80
22,46
13,86
58,10
41,90
0%
20%
40%
60%
80%
100%
BHV DA KA MA P HRO MW
Anteil stationären HE am 31.12. ohne Vollzeitpflege 31.12. Anteil Vollzeitpflege 31.12.
Die Grafik zeigt deutlich, dass die Vollzeitpflege im Jahr 2004 nicht die vorrangige Hilfeform
war, um Kinder und Jugendliche stationär zu betreuen. Durchschnittlich lebten nur knapp 42
Prozent der stationär betreuten Kinder und Jugendlichen im Berichtsjahr in Pflegefamilien.
Dabei sind die regionalen Disparitäten sehr deutlich.
Besonders deutlich ist der exorbitant hohe Anteil an Pflegekindern in Bremerhaven.
Unterschiedliche Traditionen und Entwicklungen erklären nach Einschätzung der Stadt den
hohen Anteil an stationären Fällen, für die eine Pflegefamilie gefunden werden konnte. In
Bremerhaven wurde bereits 1975 damit bego nnen, den Pflegekinderdienst intensivst
auszubauen. Hintergrund war die beabsichtigte Schließung des städtischen Säuglingsheimes und
später die fachliche Intention, eine stationäre Heimunterbringung soweit wie möglich zu
vermeiden. In den vergangenen Jahren wurden Pflegeeltern über das Stadtgebiet hinaus
geworben, ausgebildet, fortgebildet und betreut.
con_sens
43
Des Weiteren wurde die Gründung und die Arbeit eines Pflegeelternvereins gefördert. Mit dem
umschließenden Landkreis wurden in dieser Frage verbindliche kooperative Vereinbarungen
geschlossen und ständig verbesse rt. Ein weiterer Erklärungsfakt or ist, dass die fallführenden
Bearbeiter die Vorgabe haben, konsequent sozialraumorientierte Lösungen zu entwickeln und
dass auswärtige Heimunterbringungen nach 18 Monaten verbindlich durch Externe überprüft
werden, dahingehend, ob eine Rückführung oder eine Unterbringung in einer Pflegefamilie nicht
doch möglich ist. Trotz dieses ausgezeichneten Ergebnisses hat das Jugendamt die Zahlen weiter
im Blick, insbesondere die Verweildauer und di e Rückkehr in die Herkunftsfamilie stehen im
Fokus einer kritischen Betrachtung.
In Potsdam und noch deutlicher in Rostock konnten 2004 hingegen vergleichsweise wenige der
stationär betreuten Kinder und Jugendliche in Pflegefamilien untergebracht werden. Dies wird
auch als notwendiges Handlungsfeld eingesch ätzt, so haben Rostock und Potsdam bereits
Aktivitäten gestartet, um die Akquirierung von Pflegefamilien zu verstärken.
Die Unterschiede zwischen den übrigen Städten sind vergleichsweise gering, hier werden
deutlich weniger als die Hälfte der stationär betreuten Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien
untergebracht. Darmstadt und Mannheim liegen mi t ihren Anteilen an Pflegekindern noch über
dem Mittelwert der Vergleichsstädte.
Darmstadt verfolgt seit zwei bis drei Jahren vers tärkt die Akquirierung von Pflegefamilien. Hierzu
wurde von der Wissenschaftsstadt Darmstadt in Zusammenarbeit mit einer Werbeagentur eine
im Text minimierte zielgruppenorientierte An zeigenserie mit sechs un terschiedlichen Motiven
entwickelt. Diese Anzeigen werden zwei Mal jähr lich in der örtlichen Presse jeweils in der
Wochenendausgabe geschaltet.
Mannheim - ebenfalls mit einem noch über dem Mittelwert liegenden Anteil an Pflegekindern –
schaltet Annoncen in den örtlichen Zeitungen, um Pflegefamilien zu akquirieren. Dabei
konzentriert sich die Stadt bei ihrer Werbung auf die Akquirierung von Bereitschaftspflegeeltern,
die besonders schwer zu gewinnen sind. Zudem ist der Pflegekinderdienst mit
Informationsständen auf unterschiedlichen städti schen Veranstaltungen präsent, um für die
Aufnahme von Pflegekindern zu werben.
Auch die übrigen Städte des Benchmarkingkreises fü hren regelmäßig Aktivitäten in diesem Feld
durch. So startet Karlsruhe u.a. zwei Mal jährlich Plakataktionen im gesamten Stadtgebiet.
Die zentrale Frage lautet hier: Warum weisen die Städte so unterschiedliche Ergebnisse bei der
Gewinnung von Pflegeeltern auf? Es lohnt ein vertiefter Blick auf die konkreten Vorgehensweisen,
die Erfolgsfaktoren und Rahmenbedingungen der Städte, der im weiteren Projektverlauf des
Benchmarking zu leisten sein wird.
con_sens
44
4.4. Outcome-Indikatoren
Der Vergleichsring hat in seinem ersten Projektjahr einen Kennzahlenset für Outcome-Indikatoren
entwickelt. Die Datenverfügbarkeit wird ab dem nächsten Erhebungsjahr sukzessive realisiert.
Der Benchmarkingkreis hat seine Anforderungen an Auswertungsmodule im Outcome-Bereich an
die Software-Hersteller kommuniziert und wird sich über die weitere Realisierung austauschen.
Was sollen die Outcome-Indikatoren abbilden?
Wirkungen – der Outcome – einer Leistung (des Outputs) sind Resultate von Maßnahmen.
Resultate qualifizieren sich dann als Wirkungen, wenn sie auf die Maßnahme ursächlich
zurückzuführen sind. Das bede utet jedoch nicht, dass im Rahmen des Benchmarking ein
empirischer Ursachenachweis erbracht werden mu ss, um Aussagen zu erhalten. Eine plausible
Relation zwischen Ursache und Wirkung ist in diesem Zusammenhang ausreichend. Die
Kennzahlen bilden ab, dass die Resultate wahrscheinlich auch auf die jeweiligen Maßnahmen in
der Jugendhilfe zurückzuführen sind.
Je nachdem welche Dimension von Wirkung betrachtet wird, ist der Einfluss des Jugendamtes
stärker oder schwächer gegeben, bzw. sind externe Faktoren und Rahmenbedingungen
gewichtiger.
Die Datenbasis wird für viele der im Folgenden benannten Indikatoren erarbeitet und durch den
Benchmarkingkreis perspektivisch genutzt.
Zum einen sollen künftig die mit den Hilfen zur Erziehung + im Einzelfall intendierten Wirkungen
für die Zielgruppe betrachtet werden. Erhoben wird, ob bzw. wie oft die im Hilfeplan vereinbarte
Wirkung erreicht wurde. Sicherli ch kann dies nur ein Ausschnitt aus dem Feld „erfolgreichen
Arbeitens“ sein, weil im Rahmen noch nicht beendeter Maßnahmen ebenfalls (Teil-)Erfolge erzielt
werden. Zum anderen werden die Wirkungen der Jugendhilfe auf den Sozialraum betrachtet,
wohlwissend, dass die Jugendhilf e insbesondere hier immer nur eine Einflussvariable unter
anderen ist.
Das entwickelte Kennzahlenset im Einzelnen:
• Quote an planmäßig beendeten HzE + im Vergleich zu den Abbruchquoten. Um auch die
Nachhaltigkeit der Hilfen zu berücksichtigen, wird darüber hinaus als sinnvoll erachtet, zu
erheben, wie viele der beendeten Fälle auch nach einem Jahr noch keine erneuten HzE +
benötigen.
• Rückführung stationärer Fälle in die Familie oder Verselbständigung. Abgebildet werden
soll daher, wie viele Kinder und Jugendliche n nicht mehr stationä r untergebracht sind,
sondern in ihren Familien leben oder selbständig wohnen. Dies wird für die Leistungen
nach § 33 und für die Leistungen nach § 34 SGB VIII separat ausgewertet.
• Der Benchmarkingkreis hat darüber hinaus das Ziel, den Ausbildungsstatus bei
Beendigung der Hilfen zu erheben. Ein Schu labschluss oder eine Ausbildung erhöhen die
beruflichen Perspektiven des Jugendlichen. Ein hoher Anteil der Jugendlichen, die bei
Hilfebeendigung über einen Abschluss oder eine Ausbildung verfügen, ist ein Indiz für
erfolgreiche Aktivitäten der Jugendämter, au ch wenn diese nur ein Einflussfaktor unter
anderen sind.
Über die Wirkungen auf die HzE +-Fälle werden auch Wirkungen auf die Sozialstruktur der
jeweiligen Städte betrachtet.
con_sens
45
• Ausmaß der Kindeswohlgefährdung. Gezählt wird die Anzahl der Kinder mit dem
Jugendamt gemeldeten (künftig auch die der festgestellten) Kindeswohlgefährdungen
durch Misshandlung, Vernachlässigung und Missbrauch nach § 1666 BGB. Das Ausmaß
der Kindeswohlgefährdung ist ein zentraler Wirkungsindikator, der durch das Jugendamt
zumindest begrenzt beeinflusst werden kann und zu seinen zentralen Handlungsfeldern
gehört. Relevant ist dieser Indikator auch, weil Kinder, die selbst Gewalt erfahren haben
mit höherer Wahrscheinlichkeit selbst gewalttätig werden als andere junge Menschen.
• Darüber hinaus wird auch die Anzahl der Kinder und Jugendlichen unter 21 Jahren
erhoben, die als Tatverdächtige wegen körperlicher Gewalt gelten.
con_sens
46
LEGENDE
Belastungsfaktoren
Arbeitslosendichte (bis u. 65 J.)
Schulabgänger ohne Abschluss
(15-u.21 J.)
Anklagen nach JG G pro 1000 EW
(14-u.21 J.)
Jugend-Sozialhilfequote (pro 100
EW )
unterdurchschnittliche Anzahl
Kita-Plätze (0-14 J.)
v. Scheidung betr. KiJu (pro 100
EW 0-18 J.)
5. Stadtprofile
Im Rahmen der Kontext-, Input- und Output-Analyse wurden die Städte untereinander im
Hinblick auf einzelne Indikatoren verglichen. Um stadtspezifische Wechselwirkungen und
Zusammenhänge zwischen den einzelnen Indikato ren betrachten zu können - beispielsweise
zwischen Personaleinsatz und Fallkosten, Leistungsdichten und soziostrukturellen
Rahmenbedingungen - werden im Folgenden Stadtprofile entwickelt.
Die Kurzprofile fassen die Informationen aus dem Kennzahlenvergleich knapp für jede Stadt
zusammen. In dieser Darstellungsform ist es ni cht immer möglich, auf alle im Rahmen der
vorherigen Analysen benannten Besonderheiten und Erklärungsfaktoren einzugehen. Daher sind
die Stadtprofile immer nur im Gesamtzusammenhang des gesamten Berichtstextes zu sehen.
Im Hinblick auf die Stadtprofile ist zu berück sichtigen, dass die angegebenen Werte nicht die
absoluten Ausprägungen des jeweiligen Indikators abbilden, wie dies in den bisherigen
grafischen Darstellungen der Fall ist, sondern di e Abweichungen vom Mittelwert darstellen. Dies
ist notwendig, um die unterschiedlichen Indikato ren vergleichbar zu machen. Zusätzlich zu den
Top-Kennzahlen werden die Rahmenbedingungen der einzelnen Städte abgebildet. Die Kontext-
Indikatoren sind im Folgenden als Netzgrafik pro Stadt abgebildet.
Je höher der Wert des
Indikators ist, desto größer ist
die entsprechende Problemla-
ge in der Stadt einzuschätzen
und desto größer auch die in
der Grafik aufgespannte Flä-
che.
Damit alle Indikatoren mit der
gleichen Wirkungsrichtung,
d.h. in diesem Zusammen-
hang als belastende Faktoren
abgebildet werden können,
wurde der Indikator „Anzahl
der Kita-Plätze“ entsprechend transformiert.
Folgendes Zahlenbeispiel erläutert dies näher: Für Rostock ist in der Grafik KeZa 1
„Arbeitslosendichte“ ein Wert von 13,9 Arbeit slosen pro 100 Einwohner abgebildet. In der
Netzgrafik macht der Wert für Rostock 147,6 Pr ozent des Mittelwertes aus. Wie kommt diese
Berechnung zustande?
Wert Rostock
in Grafik
KeZa 1
Mittelwert (MW) der
Vergleichsstädte in
Grafik KeZa 1
MW auf Index 100 gesetzt
+ Abweichung des
Rostocker Wertes vom MW
errechnet
Abgebildeter Wert
in der Netzgrafik
= Anteil
Interpretation
13,9
Arbeitslose pro
100 EW
9,4 Arbeitslose pro
100 EW
13,9 : 9,4 x 100 = 147,6
(inkl. kleiner
Rundungsfehler)
147,6
Die Rahmenbedingung
in Rostock ist sehr
ungünstig, da die
Ausprägung des
Belastungsfaktors 147,6
Prozent des MW
ausmacht.
con_sens
47
5.1. Stadtprofil Bremerhaven
Die sozialstrukturellen Rahmen-
bedingungen in Bremerhaven
sind auffallend hoch belastet. Für
fünf der sechs ausgewählten
Kontextindikatoren weist die
Stadt deutlich überdurchschnitt-
liche Problemlagen auf. Durch
die Skalierung der Grafik können
die Ausschläge z.T. nicht voll
erfasst werden.
Vor diesem Hintergrund sind die
unter dem Mittelwert der Bench-
markingstädte liegenden Netto-
ausgaben pro Einwohner beson-
ders auffallend. Die folgende
Grafik zeigt dies:
Stadtprofil Bremerhaven
-17,9
20,8
9,4
-9,7
30,8
-50,0
-40,0
-30,0
-20,0
-10,0
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro 100
Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre HzE+Fälle an
allen HzE+Fällen*
(jeweils ausgewiesen: die Abweichung des
Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
Die unter dem Mittelwert liegenden Nettoausgaben pro jungen Einwohner können nicht auf eine
niedrige Leistungsdichte zurückgeführt werden, da diese im Vergleich der Benchmarkingstädte
deutlich über dem Mittelwert angesiedelt ist.
Ein Erklärungsfaktor für die vergleichsweise niedrigen Nettoausgaben pro Einwohner sind
zunächst die niedrigen Kosten pro HzE+-Fall. Diese liegen v. a. darin begründet, dass ein
Großteil (mehr als 90 Prozent) der stationär betr euten Kinder und Jugendlichen in den weniger
kostenintensiven Pflegefamilien leben. Ein Ergebnis, das nicht nur aus fiskalischen, sondern v.a.
auch aus fachlicher Sicht als überaus positiv zu werten ist.
152,5
113,8
194,2
185,8
n.v.
174,1
Alo
Schulab.
JGG
HLU 21
Kita
Scheidung
Bremerhaven 2004 MW = Index 100
con_sens
48
Wie oben bereits ausgeführt sind es sehr unter schiedliche Faktoren, die zur Erklärung dieses
Ergebnisses herangezogen werden . Zunächst wurde bereits vor 20 Jahren damit begonnen, den
Pflegekinderdienst intensiv auszubauen. Darüber hinaus beschränkt sich das Jugendamt bei der
Werbung um Pflegeeltern nicht auf das Stadtgebiet, sondern dehnt seine Werbemaßnahmen
offensiv auch auf den umschließenden Landkreis aus.
Als wichtiger Faktor gelten nich t nur die Arbeit des Jugendamtes, sondern auch die Aktivitäten
eines örtlich ansässigen Pflegeelternvereins, dessen Gründung und Arbeit durch die Stadt
gefördert wird. Als eine Besond erheit in der prozessualen Ausg estaltung der Arbeitsprozesse
könnte auch angeführt werden, dass auswärtige Heimunterbringungen grundsätzlich nach 18
Monaten verbindlich durch Externe überprüft au f ihre Notwendigkeit überprüft werden. Das
Bremerhavener Jugendamt sieht trotz sein es ausgezeichneten Ergebnisses weiter
Entwicklungspotenziale. Benannte Ziele sind insbes ondere die Reduzierung der Verweildauer der
Pflegekinder bzw. ihre verstärkte Rückführung in die Herkunftsfamilien.
Dieses Entwicklungspotenzial wird auch aus dem Stadtprofil deutlich. Der Anteil der stationären
Fälle (mit Heimunterbringung und Vollzeitpflege) an den Fällen insgesamt fällt im Vergleich sehr
hoch aus. Ziele könnten hier wie oben benannt die verstärkte Rückführung der Pflegekinder in
ihre Herkunftsfamilien sein, die nicht selten be gleitende ambulanten Hilfen erfordert, sowie die
Stärkung der ambulanten Hilfeformen insgesamt.
con_sens
49
73,6
80,4
117,7
67,9
n.v.
64,7 Alo
Schulab.
JGG
HLU 21
Kita
Scheidung
Darmstadt 2004 MW = Index 100
5.2. Stadtprofil Darmstadt
Die sozialstrukturellen Rahmen-
bedingungen der Stadt zeigen
sich im Vergleich der sechs
Benchmarkingstädte eher güns-
tig.
Überdurchschnittlich belastet ist
die Stadt lediglich im Hinblick
auf einen unterdurchschnitt-
lichen Versorgungsgrad an Kita-
Plätzen, der allerdings vor dem
Hintergrund der in den beiden
ostdeutschen Städten traditionell
guten Ausstattung zu sehen ist.
Für den Kontextindikator der
Schulabgänger ohne Abschluss
lässt sich allerdings aufgrund der Datenlage keine Aussage treffen.
Stadtprofil Darmstadt
(jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
4,1
-6,2
-15,3
10,4
-51,5
-50,0
-40,0
-30,0
-20,0
-10,0
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro EW* Netto-Ausgaben HzE+ pro Fall* vzv. ASD-Mitarbeiter pro 100
Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre HzE+Fälle an
allen HzE+Fällen*
Das auffälligste Merkmal des Darmstädter Profils ist, dass es der Stadt gelungen ist, die
Leistungserbringung im Vergleich mehr als deut lich auf ambulante Hilfeformen auszurichten. In
der Profilgrafik wird dies daran sichtbar, dass der Anteil der stationär betreuten Fälle an allen
Hilfen zur Erziehung + mehr als deutlich unter dem Mittelwert liegt. Die entsprechende Grafik
KeZa 54.a. ist dem Anhang zu entnehmen.
Hierauf lässt sich auch die Leistungsdic hte zurückführen, die im Vergleich der
Benchmarkingstädte über dem Mittelwert liegt, allerdings nicht so weit wie bei einem derart
hohen Anteil ambulanter Hilfen zur erwarten wäre. Letzteres spricht dafür, dass ambulante
Hilfen in Darmstadt zunehmend eine wirklich e Alternative (kein Ersatz!) zur stationären
con_sens
50
Unterbringung geworden sind. Dies wird auch an den vergleichsweise geringen Ausgaben pro
Fall deutlich.
Der hohe Anteil an ambulanten Hilfen zur Erziehung + in Darmstadt ist als Ergebnis einer
langfristig angelegten Strategie zur Sozialraumor ientierung und Dezentralisierung der Hilfen zu
sehen. In diesem Zusammenhang wird darauf hingewiesen, da ss in Darmstadt der Städtische
Sozialdienst u.a. die Bearbeitung der HzE+ wahrnimmt, als Ergebnis des Projektes
„Reorganisation der erzieherischen Hilfen“. Im Rahmen des Projektes wurden die Abteilungen
„Erziehungshilfe“ und „ASD“ zum städtische n Sozialdienst zusammen gelegt und als
Querschnittsdienst der Leitung der Sozialverwaltung unterstellt. In den übrigen Städten werden
die im Rahmen des Benchmarking betrachteten Aufgabenfelder durch den ASD wahrgenommen.
Aufgrund der Lesbarkeit des Berichtes wird im laufenden Text auf diese Differenzierung
verzichtet. Seit 1996 hat Darmstadt seine Leistungserbringung dezentralisiert und ist verstärkt in
den Sozialräumen präsent. Dies hat zunächst zu einer Fallzahlensteigerung geführt, weil –
fachlich durchaus nicht unerwünscht – Bedarfe frühzeitiger und umfassender erkannt wurden
und die Hemmschwelle zur Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung+ sank.
Nach den Darmstädter Erfahrungen nivelliert sich dieser Effekt jedoch langfristig wieder. Seit
Ende der 90er-Jahre sind in Da rmstadt sowohl die ambulanten al s auch die stationären Hilfen
rückläufig bzw. weniger stark steigend als zunächst angenommen. Von Bedeutung war es, ein
passgenaues Angebotsportfolio für ambulante Hilfearrangements zu entwickeln, damit
Alternativen für die stationäre Unterbringung zur Verfügung stehen. Mindestens ebenso wichtig
war jedoch auch der Einstellungswandel der Mitarbeiter im Städtischen Sozialdienst (vglbar mit
ASD in anderen Städten). Kinder und Jugendliche sollten soweit möglich in ihrer
Herkunftsfamilie leben können, auch wenn di e dortigen Konstellationen aus Sicht des
Jugendamtes nicht unproblematisch sind.
Ein weiterer Erklärungsfaktor der Stadt Darmstad t für ihren hohen Anteil an ambulanten Hilfen
insgesamt ist die bewusste Steuerung von Kriseninterventionen . Um zu vermeiden, dass
Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen zu oft in stationäre Unterbringung münden,
wurde ein spezifischer Ansatz entwickelt. Dieser stellt sicher, dass Kinder und Jugendliche nur
kurz in Obhut genommen werden und pädagogische und psychologische Fachkräfte in den
Herkunftsfamilien eingesetzt werden. Die tempo rären Fallkosten können zunächst durchaus
ansteigen, die Laufzeit der Hilfe sinkt nach den Erfahrungen der Stadt jedoch enorm.
Auffällig ist, dass die personellen Ressourcen Da rmstadts für die Steuerungsstelle deutlich unter
dem Mittelwert liegen (vgl. hierzu auch das Kapitel 4.2.2.). Dabei ist zu betonen, dass nicht nur
die quantitative Personalausstattung, sondern auch qualitative Komponenten eine Rolle spielen,
wenn es um den effizienten Einsatz von Person alressourcen geht. Darmstadt ist hier den Weg
gegangen, die Arbeitsanteile der Mitarbeiter für die klassischen Hilfen zur Erziehung zu
begrenzen, weil die Arbeit mit den dazugehö rigen Problemkonstellationen psychisch stark
beanspruchend ist. Dabei gilt eine Fallobergrenze für jeden Mitarbeiter, so dass ausreichend Zeit
für andere Arbeiten bleibt.
con_sens
51
5.3. Stadtprofil Karlsruhe
Die sozialstrukturellen Rahmen-
bedingungen sind im Vergleich
der Benchmarkingstädte mit
Ausnahme einer unterdurch-
schnittlichen Anzahl an belegten
Plätzen in Kindertageseinrich-
tungen als deutlich positiv zu
bezeichnen.
Dies scheint auch ein
Erklärungsfaktor (unter anderen)
für die insgesamt im Vergleich
positiven Ergebn isse der Stadt
Karlsruhe zu sein.
Auffallend ist zunächst, dass
sich fast alle Werte des
Stadtprofils Karlsruhe von der Tendenz her mehr oder weniger um den Mittelwert gruppieren.
Mit Ausnahme von deutlich unterdurchschnittliche n Personalressourcen für die Steuerungsstelle
ASD trifft dies auf die Nettoaus gaben pro Fall und pro Einwohner, die Leistungsdichte insgesamt
sowie den Anteil stationärer Fälle an allen Fällen zu.
Stadtprofil Karlsruhe
(jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
1,7 3,9
-2,6
0,1
-11,1
-50,0
-37,5
-25,0
-12,5
0,0
12,5
25,0
37,5
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro 100
Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre HzE+Fälle an
allen HzE+Fällen*
Das Entwicklungspotenzial der Stadt liegt dari n, den Anteil ambulanter Hilfen zur Erziehung + an
den Fällen insgesamt weiter auszubauen.
Die These, dass sich ein geringer Personaleinsat z negativ auf die Qualität der Zugangssteuerung
und Hilfeplanung und damit auch auf die Kostenen twicklung auswirkt, lässt sich anhand dieses
Stadtprofils nicht bestätigen, die Nettoausgaben pro EW liegen nur leicht über dem Mittelwert.
52,296,9
133,9 59,6
58,7
62,9Alo
Schulab.
JGG
HLU 21
Kita
Scheidung
Karlsruhe 2004 MW = Index 100
62,9
58,7
59,6133,9
96,9 52,2
Alo
Schulab.
JGG
HLU 21
Kita
Scheidung
Karlsruhe 2004 MW = Index 100
con_sens
52
Es ist eher davon auszugehen, dass hier andere Aspekte bei der Mitarbeiterführung oder in der
Prozessgestaltung eine entscheidendere Rolle spielen.
Diese Thematik wird im weiteren Projektverlauf auf der Basis von Zeitreihenbetrachtungen weiter
bearbeitet werden.
con_sens
53
5.4. Stadtprofil Mannheim
Mannheim ist durch eine deut-
lich hohe Anzahl der Schul-
abgänger, die ihre Schule ohne
formale Qualifikation verlassen
pro 100 junge Einwohner ge-
kennzeichnet.
Des weiteren weist die
Netzgrafik eine unter dem
Mittelwert liegende Anzahl an
belegten Plätzen in
Kindertageseinrichtungen aus.
Das folgend abgebildete Mann-
heimer Profil zeigt, dass die
Stadt im Berichtsjahr vergleichs-
weise geringe Nettoausgaben für
Hilfen zur Erziehung+ pro jungen Einwohner aufgewandt hat.
Dies ist weniger auf die Häufigkeit zurückzuführ en, mit der Hilfen zur Erziehung+ in Anspruch
genommen werden: die Leistungsdichte Mannheim s liegt 2004 leicht über dem Mittelwert.
Vielmehr dürfte ein Erklärungsfaktor für das Ergebnis sein, dass die Ausgaben pro Fall in
Mannheim vergleichsweise niedrig waren.
Stadtprofil Mannheim
(jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
-2,6
-16,6
-0,2
2,1-5,0
-50,0
-37,5
-25,0
-12,5
0,0
12,5
25,0
37,5
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro 100
Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre HzE+Fälle an
allen HzE+Fällen*
Ein weiteres Merkmal ist, dass die Stadt Mann heim durchschnittlich vi ele ihrer HzE+-Fälle
stationär betreut. In Mannheim gibt es ein hälftiges Verhältnis von ambulanten zu stationären
Hilfen.
75,5
122,2
72,6
90,3
126,1
89,0
Alo
Schulab.
JGG
HLU 21
Kita
Scheidung
Mannheim 2004 MW = Index 100
89,0
126,1
90,3
72,6
122,2
75,5
Alo
Schulab.
JGG
HLU 21
Kita
Scheidung
Mannheim 2004 MW = Index 100
con_sens
54
Die Stärkung ambulanter Hilfeformen ist als En twicklungspotenzial der Stadt zu sehen. In
Mannheim wurden hierzu bereits entsprechende Steuerungsaktivitäten gestartet, um den Anteil
an ambulanten Hilfen zu erhöhen.
So hat Mannheim bereits im Jahr 2003 den Ju gendhilfeausschuss über die Einführung von
Zielvorgaben zur fallübergrei fenden Steuerungsoptimierung informiert. Die Zielvorgaben
beinhalten eine zeitliche Befristung der Hilfen um den Zeit- und Zielbezug in der Hilfeplanung
verstärkt in den Blick zu nehmen. Die Einhaltu ng der Zielvorgaben wurde in Bezug auf die
eingriffs- und kostenintensiven Hilfen nach §§ 32 und 34 SGB VIII regelmäßig überprüft und
sachgebietsbezogen dokumentiert und verglichen. Es entwickelte sich ein internes Benchmarking
in dem die Faktoren untersucht wurden, die die Hilfeplanung beeinflussen. Zur
einzelfallbezogenen Steuerungsoptimierung wurde ein Handbuch zur Hilfeplanung erstellt. Mit
diesem Handbuch wurde die Dokumentation der Hilfeplanung im Hinblick auf die Verbindlichkeit
von Zeit- und Zielbezug qualifiziert. Zusätzlich enthält das Handbuch zahlreiche Arbeitshilfen für
die Schlüsselprozesse der Hilfeplanung.
Darüber hinaus wird parallel in Mannheim im Rahmen der Jugendhilfeplanung im Bereich der
Hilfen zur Erziehung an einer sozialraumorientiert en Infrastrukturverbesserung gearbeitet. Hierzu
werden die schulbezogenen Jugendhilfeangeb ote ausgebaut, um die Angebotspalette von
tagesstrukturierenden Maßnahmen zu erweitern. Ziel ist die Prävention von eingriffs- und
kostenintensiveren Hilfen durch eine frühzeitig e Unterstützung der Familien. Darüber hinaus soll
durch die neu geschaffenen Gruppenstrukture n auch die Verweildauer in eingriffs- und
kostenintensiveren Hilfen reduziert werden.
Des Weiteren fällt auf, dass die in Mannheim eingesetzten Personalressourcen für die
Fallsteuerung im ASD deutlich unter dem Mittelwert liegen.
Im Stadtprofil ist nicht abgebildet, dass der Pe rsonaleinsatz der Stadt für operative Aufgaben
deutlich über dem Mittelwert liegt. Dies ist darauf zurückzuführen, dass Mannheim
vergleichsweise viele operative Aufgaben intern wahrnimmt und nicht nach außen vergeben hat
wie die übrigen Städte (vgl. hierzu nähere Ausführungen unter 4.2.2).
Intern durchgeführt werden der Pflegekinderdien st, Erziehungsbeistandschaften sowie Angebote
für betreutes Wohnen sowie drei Einrichtungen für Schülergruppen/Soziale Gruppenarbeit. Die
Struktur der eigenen Schülergruppen ist unter dem Aspekt eines Angebotes für belastete
Stadtteile historisch gewachsen. Die Stadt sieht dies als Steuerungspotenz ial und plant, einige
Aufgaben an externe Träger zu vergeben. Es is t vorgesehen, die Erziehungsbeistandschaft in die
Regionen der Bezirkssozialarbeit zu integrieren, damit dort ein flexibles Betreuungsangebot zur
Verfügung steht. Das Betreute Wohnen und die Schülergruppen/soziale Gruppenarbeit werden
perspektivisch an freie Träger abgegeben.
con_sens
55
5.5. Stadtprofil Potsdam
Der sozialstrukturelle Kontext
der Stadt ist durch eine im
Vergleich zu den teilnehmenden
Städten überdurchschnittliche
hohe Anzahl an Schülern pro
Einwohner von 14 bis unter 21
Jahren gekennzeichnet, die ihre
Schule ohne formale
Qualifikation verlassen und
damit über schlechtere
Startbedingungen für ihre
berufliche Entwicklung verfügen.
Besonders günstige Rahmen-
bedingungen weist die Stadt im
Hinblick auf den
Versorgungsgrad an
Kindertageseinrichtungen auf. Die Arbeitslos endichte liegt leicht unter dem Mittelwert der
Benchmarkingstädte. Auch im Hinblick auf de n Anteil der Bezieher von laufender Hilfe zum
Lebensunterhalt unter 21 Jahre und den Anteil der von Scheidung betroffenen Kinder und
Jugendlichen weist Potsdam unterdurchschnittliche Belastungen auf.
Auffälliges Merkmal des Profils sind die im Ve rgleich deutlich niedrigen Netto-Ausgaben pro
Einwohner.
Dies ist im Wesentlichen darauf zurückzuführen, dass Kinder und Jugendliche in Potsdam 2004
vergleichsweise selten Hilfen zur Erziehung + in Anspruch genommen haben. Das Stadtprofil
weist eine deutlich unter dem Mittelwert liegende Leistungsdichte auf.
Stadtprofil Potsdam
(jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
-21,3
6,3 3,5
-26,3
11,8
-50,0
-37,5
-25,0
-12,5
0,0
12,5
25,0
37,5
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro 100
Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre HzE+Fälle an
allen HzE+Fällen*
96,8
111,975,0
48,8
75,7
n.v.
Alo
Schulab.
JGG
HLU 21
Kita
Scheidung
Potsdam 2004 MW = Index 100
100,0
75,7
48,8
75,0 111,9
96,8
Alo
Schulab.
JGG
HLU 21
Kita
Scheidung
Potsdam 2004 MW = Index 100
con_sens
56
Die Nettoausgaben pro Fall liegen im Vergleich der sechs Städte merklich über dem Mittelwert,
allerdings nicht so stark wie dies angesichts de s hohen Anteils an stationären Fällen zu erwarten
gewesen wäre. Hinzu kommt, dass ein hoher Anteil der durch Potsdam stationär betreuten
Kinder und Jugendlichen in Heimen und nicht in den weniger kostenintensiven Pflegefamilien
lebt.
An dieser Stelle zeigt sich auch das Entwickl ungspotenzial der Stadt. Durch eine verstärkte
Akquirierung von Pflegefamilien könnten langfristig mehr stationäre Fälle als bisher in familiären
Strukturen leben. Erste Aktivitäten zur Nutzung dieses Potenzials wurden bereits unternommen.
Des Weiteren könnte der Anteil der stationären Fä lle insgesamt gesenkt werden. Allerdings sind
dabei die Nettoausgaben pro Einwohner im Auge zu behalten, die ja aufgrund der niedrigen
Falldichte insgesamt erfreulich niedrig liegen. Die Herausforderung besteht hier darin, verstärkt
ambulante Hilfen als Alternative zur stationäre Betreuung zu entwickeln.
con_sens
57
97,1
73,5
95,8
n.v.
n.v.
147,6Alo
Schulab.
JGG
HLU 21
Kita
Scheidung
Rostock 2004 MW = Index 100
5.6. Stadtprofil Rostock
Die sozialstrukturellen Rahmenbedingungen der St adt Rostock sind insbes ondere durch eine im
Vergleich deutlich überdurchschnittliche Arbe itslosendichte der 15- bis unter 65-jährigen
Bevölkerung gekennzeichnet.
Darüber hinaus sind insbe-
sondere die Kinder unter 7
Jahren sowie die 7- bis unter
15-jährigen Kinder und Jugend-
lichen überdurchschnittlich oft
sozialhilfebedürftig (vgl. hierzu
die Ausführungen zur Grafik
KeZa 5).
Die Altersgruppen der 15- bis
unter 18-Jährigen und die 18-
bis unter 21-Jährigen sind hin-
gegen deutlich seltener von der
staatlichen Transferleistung der
laufenden Hilfe zum Lebens-
unterhalt abhängig. Daher weist
die Stadt in der Netzgrafik hierfür auch keine üb erdurchschnittliche Belastung auf (der Wert für
Rostock beträgt 96 Prozent des Mittelwertes).
Dennoch ist davon auszugehen, dass die diesbezüglichen Problemlagen in der Stadt auch für
diese Altersgruppe erheblich sind. Dies wi rd an der weit überdurchschnittlich hohen
Jugendarbeitslosigkeit in Rostock deutlich. Junge Personen im erwerbsfähigen Alter ohne
ausreichende finanzielle Grundlage scheinen in der Stadt eher durch das Hilfesystem der
Arbeitslosenhilfe erfasst zu werden. Durch die Zusammenlegung von Arbeitslosenhilfe und
Sozialhilfe kann ab dem Erhebu ngsjahr 2005 künftig diese durch ähnliche Problemlagen
gekennzeichnete Gruppe gemeinsam abgebildet werden (als Bezieher von Arbeitslosengeld 2 und
Sozialgeld nach SGB II).
Im Hinblick auf den Versorgungsgrad an Kindertagesbetreuung ist Rostock hingegen im Vergleich
der Benchmarkingstädte erwartungsgemäß gut ausgestattet.
Leider kann aufgrund der Datenlage derzeit nur ei n unvollständiges Bild der sozialstrukturellen
Rahmenbedingungen in Rostock gegeben werden, da die Zahlen zu den Schulabgängern ohne
Abschluss nicht verfügbar sind. Des Weiteren enthält die Zahl der beendeten Gerichtsverfahren
mit JGG für Rostock auch die vereinfachten Ge richtsverfahren und ist daher nicht mit den
Angaben der übrigen Städte vergleichbar (und daher nicht in der Radargrafik enthalten).
con_sens
58
Stadtprofil Rostock
(jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
18,9 18,7
7,0
9,0
27,9
-50,0
-37,5
-25,0
-12,5
0,0
12,5
25,0
37,5
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro 100
Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre HzE+Fälle an
allen HzE+Fällen*
Das Rostocker Profil zeigt zunächst, dass die Stadt deutlich überdurchschnittliche
Nettoausgaben pro Einwohner aufweist.
Zu einem Teil ist dies darauf zurückzuführen, dass die Kinder und Jugendlichen in der Stadt
vergleichsweise häufig Hilfen zur Erziehung+ erhalten.
Ein weiterer Erklärungsfaktor für die überdurc hschnittlichen Nettoausgaben pro EW unter 21
Jahren ist der vergleichsweise hohe Anteil st ationärer Fälle an den Hilfen zur Erziehung +
insgesamt.
Dies spiegelt sich auch in den über dem Mitte lwert liegenden Ausgaben pro Fall wider. Dies
scheint v.a. auch deshalb plausibel, weil die st ationär betreuten Kinder und Jugendlichen in
Rostock selten in Pflegefamilien leben, sondern in den in der Regel kostenintensiveren Heimen
betreut werden.
An dieser Stelle dürften auch die zentralen Entwicklungspotenziale der Hansestadt Rostock
liegen. Insbesondere die verstärkte Akquirierung und Betreuung von Pflegefamilien ist bereits im
Fokus der Stadt. Eine Werbeagentur wurde mit der Aufgabe Ende 2004 beauftragt.
Die überdurchschnittlichen Pe rsonalressourcen im ASD pro 100 Fälle sind auf ein
Personalentwicklungskonzept der Stadt zurückzuführen, das vor zwei Jahren gestartet wurde. Im
Zuge dessen wurden alle ambulanten Hilfen an ex terne Anbieter vergeben. Hintergrund ist, dass
die Mitarbeiter ihre nunmehr freien Ressourcen fü r ihre Qualifizierung in der Hilfeplanung nutzen
können. Hierin werden sie durch ein Fachberatungsteam der Stadt begleitet.
Grundsätzlich begannen in der Hansestadt Rostock in den vergangenen zwei Jahren
Umsteuerungsaktivitäten, die auf der Grun dlage eines regionalisierten, dezentralen
Arbeitskonzeptes den Sozialraum und die Mo bilisierung der Ressourcen aller Beteiligten
(Leistungsadressaten, Leistungsträger, Leistung serbringer) in den Mittelpunkt stellen. Die
Benchmarkingergebnisse 2004 sollen dazu dienen, hier weiteres unterstützendes Datenmaterial
zu erhalten.
con_sens
59
6. Ergebnisse des qualitativen Benchmarking
Der Benchmarkingkreis hat sich bereits in sein em ersten Projektjahr intensiv über zentrale
Aspekte der Organisation und Steuerung von Hilfen zur Erziehung+ ausgetauscht.
Insbesondere folgende Themen standen im Fokus des Vergleichsrings:
Organisation und Durchführung von Hilfeplanungskonferenzen
Leistungs-, Entgelt- und Qualitätsentwicklungsvereinbarungen
Controlling-Instrumente
Darüber hinaus waren die Akquirierung und Betreuung von Pflegefamilien sowie präventive
Aktivitäten im Umfeld der Jugendgerichtshilfe Ge genstand des qualitativen Benchmarking. Erste
Ergebnisse hierzu sind be reits direkt in Zusammenhang mit den quantitativen
Kennzahlenergebnissen ausgeführt (vgl. vorhergehe nde Kapitel). Im weiteren Projektverlauf wird
es darum gehen, vertieft Besonderheiten und Unterschiede der einzelnen Vorgehensweisen und
Konzepte herauszuarbeiten.
Organisation und Durchführung von Fachgesprächen bzw. Hilfeplanungskonferenzen
Die Entscheidungsfindung im Hilfeplanverfahren erfolgt u.a. durch das Fachgespräch (oder auch
Hilfeplanungskonferenz), im Rahmen dessen der Leistungsanspruch festgestellt wird und über
die Hilfeart bzw. das Hilfeangebot beraten wird.
Merkmal dieser Arbeitsformen ist es, dass unter schiedliche Fachkräfte zusammenwirken, um die
Entscheidungsfindung zu objektivieren und zu qualifizieren. Welche Fachkräfte an dem
Fachgespräch bzw. der Hilfeplanungskonferenz teilnehmen, hängt vom konkreten Bedarf und
von der jeweiligen Regelung vor Ort ab. Grundsätzlich wird die Teilnahme der folgenden Akteure
als sinnvoll erachtet: Die zuständige Fachkraft des Jugendamtes und des freien Trägers, die für
die Entscheidung im Sinne der unmittelbaren Fachaufsicht zustän dige Fachkraft, ggf. Vertreter
der Wirtschaftlichen Jugendhilfe, ggf. externe Fa chkräfte, ggf. Personen aus dem Umfeld sowie
ggf. die Personensorgeberechtigten und die Kinder und Jugendlichen.
Abzugrenzen ist diese Arbeitsform vom Hilf eplangespräch über die Entscheidung und
Ausgestaltung der zu gewähr enden Hilfe, das die fallf ührende Fachkraft mit den
Personensorgeberechtigten, dem Kind bzw. dem Jugendlichen und dem Leistungserbringer führt.
Die Fachgespräche bzw. Hilfeplanungskonferenzen sind als Instrument der Entscheidungsfindung
im Team und der Objektivierung der Einschätzungen von zentraler Bedeutung. Dies gilt
insbesondere angesichts eines immer stärker ausdifferenzierten Angebotsportfolios im
teilstationären und ambulanten Bereich. Di ese interdisziplinär ausgerichtete Arbeitsform
ermöglicht eine verstärkte Passgenauigkeit der Hilfen, erfordert aber auch die Kompetenz, um
die darin liegenden Chancen zu nutzen.
Die zentralen Unterschiede in der Organisation und der Durchführung von
Hilfeplanungskonferenzen beziehen sich auf di e Moderation und die jeweils durchführende
Ebene. In welcher Weise sich die Städte im Hinblick auf die Entscheidungskompetenzen im
Rahmen der Hilfeplanungskonferenz unterscheiden, wird im kommenden Projektjahr noch weiter
beraten.
con_sens
60
Wer moderiert die Hilfeplanungskonferenzen?
• Sozialarbeiter, der nicht fallverantwortlich ist (Bremerhaven)
• Sozialarbeiter, der fallverantwortlich ist (D armstadt, Potsdam und Rostock). In Potsdam
mit der Einschränkung: Bei großen Fachrunden oder in schwierigen Fällen moderiert der
nichtfallzuständige Sozialarbeiter ggf. die Leitung.
• Rotierende Rolle des Moderators innerhalb des Fachteams (Karlsruhe)
• In Mannheim findet die Moderation der Hilfeplanungskonferenz für die stationären Hilfen
und bei Eingriffen in die elterliche Sorge gemäß § 1666 BGB mit externer Moderation
statt. Die übrigen Hilfeplanungskonferenzen werden durch die Sachgebietsleitung einer
Regionalgruppe moderiert.
Werden die Hilfeplanungskonferenzen zentral oder dezentral durchgeführt?
Fast alle Städte organisieren ihre Hilfeplanungsk onferenzen dezentral. Die Sitzungen werden auf
der Ebene der Sozialräume oder alternativer regionaler Einheiten durchgeführt.
Eine Ausnahme hierbei bildet Mannheim. Die Hilfeplanungskonferenzen für stationäre Hilfen und
bei Eingriffen in die elterliche Sorge finden ze ntral statt. Die Hilfeplanungskonferenzen für die
übrigen Hilfen finden dezentral in den Regionalgruppen statt.
Die Benchmarkingstädte werden sich im kommenden Projektjahr weiter über geeignete Lösungen
bei der Ausgestaltung der Fachgespräche bzw. H ilfeplanungskonferenzen austauschen. Dies ist
insbesondere vor dem Hintergrund interessa nt, dass die einzelnen Städte hier sehr
unterschiedliche Wege gehen und aktuelle Entwic klungsprozesse in diesem Bereich gestartet
wurden.
Leistungs-, Entgelt- und Qua litätsentwicklungsvereinbarungen
Die Teilnehmerstädte haben im Ra hmen des qualitativen Benchmar king erste Erfahrungen über
ihre Aktivitäten und Konzepte in Zusammenhang mit den Leistungs-, Entgelt- und
Qualitätsentwicklungsvereinbarungen ausgetausc ht. Die folgenden Abschnitte enthalten daher
beispielhafte Darstellungen und einzelne Impulse, keine abschließende Darstellung der Abläufe.
Eine zentrale Herausforderung, die in allen Vergleichsstädten in Zusammenhang mit den
unterschiedlichen Steuerungsansätzen besteh t, ist die konkrete und aussagekräftige
Beschreibung von Leistungen und den damit verbundenen Zielen. Dies spielt für Leistungs-,
Entgelt- sowie die Qualitätsentwicklungen eine entscheidende Rolle.
Bremerhaven berichtete in Zusammenhang mit den Leistungs- und Entgeltvereinbarungen über
die Aktivitäten, die Leistungen der einzelnen Anbieter so konkret zu beschreiben, dass sie
vergleichbar werden. Ziel war es dabei, die Leistungskataloge und Leistungsbeschreibungen
nicht nur transparent zu machen, sondern auch inhaltlich zu standardisieren. Als zentrales
Instrument wurde hierzu ein Formblatt zur durchschnittlichen Berechnung von Entgelten für
spezifische Leistungen entwickelt. Benötigen frei e Träger mehr Personal zur Leistungserbringung
als in diesem Formblatt festgehalten ist, müssen sie dies begründen.
In Mannheim wurde der Prozess der Erstellung einer einrichtungsübergreifenden
Qualitätsentwicklungsvereinbarung im Rahmen der Optimierung der Einzelfallsteuerung initiiert.
Zentrale Faktoren der Qualitätsentwicklung und Qualifizierung der Einzelfallsteuerung sind daher
die Festlegung verbindlicher Verfahrensstandards und Kooperationsregelungen für die
Schlüsselprozesse und die Dokumentation der Hilfeplanung. Ebenfalls von großer Bedeutung für
con_sens
61
die Qualität der Hilfeprozesse und die Optimier ung des Ressourceneinsatzes ist, wie eindeutig
und klar der pädagogische Auftrag an den Leistu ngserbringer mit Ziel- und Zeitbezug formuliert
wird und wie regelmäßig die Zielerreichung über prüft wird. Qualitätsentwicklung wird somit auf
Seiten der Leistungserbringer wie auf Seiten der Leistungsträger unterstützt.
Ein wichtiger Bestandteil sind hi erbei die Qualitätsberichte der Leistungserbringer, die aktuell
erst für die teilstationären Hilfen nach § 32 ers tellt werden. Von Seiten des Jugendamtes wird in
Kooperation mit den Leistungserbringern darauf hingearbeitet, dass die Stellungnahmen zum
Hilfeverlauf im Rahmen der Hilfeplanfortschreibung soweit wie möglich in Bezug auf die
Zielerreichung konkretisiert werden. Neben der Darstellung von Prozess- und Strukturqualität
liegt ein weiterer Schwerpunkt der Qualität sberichte auf den Qualifikationsprofilen der
Mitarbeiter, dabei insbesondere auf ihrer Kompetenz zur sozialräumlichen Arbeitsweise.
Einen anderen Fokus hat Darmstadt bei der Erarbeitung von
Qualitätsentwicklungsvereinbarungen gewählt. In einem Projekt zwischen öffentlichem Träger
und freien Trägern im Bereich der HzE+ wurd en zwei Blickwinkel herausgearbeitet, die
entscheidend für die Wirksamkeit von Hilfen zur Erziehung sind. Zum Einen ist das der
Blickwinkel Familie. Es geht hier um die Passung zwischen Pädagoge und Kind/Familie - d.h.
(Zusatz-)Qualifikation und „Chemie“ müssen stimmen – sowie um die Abstimmung von
eingesetzter Methode und erzieherischem Bedarf.
Hierzu wurden drei Bedarfsber eiche (individuelle Entwicklung des Kindes, lebensweltlicher
Kontext und Bildungssysteme/ Arbeitsmarkt) er arbeitet. Diese bilden die Grundlage von
Passungsprozess, Hilfeplanverfahren und Vereinbarungen zu Leistung, Entgelt und
Qualitätsentwicklung. Zum Zweiten wird die Kooperationsqualität zwischen dem öffentlichen und
den freien Trägern in den Blick genommen, um ei nen verlässlichen Ablauf der Hilfeerbringung zu
gewährleisten.
In Potsdam wurden Kennziffern für die Verhandlung und Festsetzung von Entgelten gebildet.
Damit ist trotz der einzelnen Trägerspezifika ei ne Gleichbehandlung der Leistungserbringer
gesichert. Ein Abweichen vom mittels Kennziffern ermittelten Entgelt ist nur mit Zustimmung der
Qualitäts- Entgelt- und Leistungskommission möglich (besetzt mit Vertretern der
Jugendamtsverwaltung, des Jugendhilfeausschuss und der Leistungserbringer).
Von einem ganz anderen Fokus berichtete Karlsruh e in Zusammenhang mit den Aktivitäten zur
Qualitätsentwicklung im HzE+-Bereich. Die Stadt verfolgt das Ziel, stärker zu dokumentieren,
was im Vorfeld der Hilfen zur Erziehung an Leistungen erbracht wird, um Erziehungshilfen zu
vermeiden. Als Teil des Qualitätsentwicklungspro zesses hat die Stadt Karlsruhe im Rahmen der
Produktbildung das Produkt `Sozial- und Lebensberatung und Beratung vor Inanspruchnahme
von HzE+` gebildet. Dadurch wird es nun möglich, die Aktivitäten zur Vermeidung von Hilfen
zur Erziehung bei der Arbeitsbemessung zu berück sichtigen. Vor allem aber führt die explizite
Beschreibung der Inhalte und fachlichen Me rkmale dieses Produktes dazu, dass die
sozialpädagogische Kompetenz in der zuständi gen Fachkraft gefordert wird. Die Bedeutung
dieser Vorfeldarbeit wird betont und gestärkt.
Über eine innovative Herangehensweise bei der Gestaltung der Leistungsvereinbarungen
berichtete die Stadt Rostock. Dort werden derzeit wirkungsorientierte Leistungsvereinbarungen
für Erziehungshilfen erprobt. Zentraler Bestan dteil dieser Vereinbarungen ist es, dass die
Leistungserbringer nicht nur für ihre Leistungen sondern auch für ihre erreichten Wirkungen
honoriert werden. Das dahinter liegende finanzie lle Anreizsystem unterstüt zt das Eigeninteresse
der freien Träger, die Verselbständigung von Kindern und Jugendlichen zu fördern. Diese
Herangehensweise erfordert insbesondere ei nen hohen Operationalisierungsgrad bei der
Formulierung der Wirkungsziele. Erste Ergebnisse aus Rostock liegen bereits vor, im Rahmen des
con_sens
62
Benchmarking werden die weiteren Erfahrungen der Stadt sicherlich nochmals thematisiert und
vertieft werden.
Controlling-Instrumente
Des Weiteren fand ein erster Austausch über untersc hiedliche Controlling-Ansätze der Städte
statt.
Merkmale der Datenauswertung im Rahmen des Controlling
Viele Städte werten im Rahmen ihres Controlling die Kosten- und Fallzahlenentwicklung auf
sozialräumlicher, regionaler oder bezirklicher Ebene aus. Das ermöglicht ein internes
Benchmarking und eine bessere Charakterisierung der Profile der einzelnen Sozialräume. So
lassen sich Entwicklungen in sog. Problemgebieten erfahrungsgemäß besser steuern.
In einzelnen Städten werden derzeit Auswertungen der Ausgaben und Fallzahlen nach einzelnen
Mitarbeitern erprobt. Oft haben di e Mitarbeiter ein Interesse dara n, sich im Hinblick auf ihre
Gewährungspraxis zu verorten. Der Benchmarking kreis wird dieses Themenfeld im weiteren
Projektverlauf wieder aufnehmen, um die aktuellen Entwicklungen in den Städten weiter zu
betrachten.
Als ebenfalls inte ressant wird die Auswertung der Daten nach beauftragten Einrichtungen
gewertet. Hierdurch kann abgebildet werden, ob es bei der Leistungsg ewährung und Belegung
von Einrichtungen starke Tendenzen zu einzelnen Einrichtungen gibt.
In Potsdam ist das Controlling auf die neue Budgetierung der Regionen zugeschnitten. Die
Sozialraumteams erhalten für ihre Hilfen ein Budget, welches in vierteljährlichen Budgetrunden
hinsichtlich der Fallzahlen, fi nanziellen Inanspruchnahme und Handlungsbedarfe ausgewertet
wird. Die Zuschneidung der Budgets erfolgt jä hrlich neu. Indikatoren für die zu bildenden
Budgets sind neben den zur Verfügung stehenden Mitteln die Einwohner, die Jugendeinwohner,
Fallzahlen sowie weitere ausgewählte Sozial strukturdaten wie Arbeitslosenquoten und
Sozialhilfequoten, Haushaltsarten etc.
Die Städte haben unterschiedliche Erfahrungen in der Frage gesammelt, in welcher Weise
Controlling-Ergebnisse Auswirkungen für die konkrete Arbeitsweise und die Praxis der
Mitarbeiter vor Ort haben.
So hat es sich beispielsweise in Bre merhaven als sinnvoll erwiesen, eine externe Überprüfung
freier Träger durchzuführen, falls Kinder und Jugendliche eine quanti fizierte Bezugsdauer in
Heimen bzw. Maßnahmen überschreiten.
Verwaltungsintern haben Mannheim, Karlsruhe und Potsdam die Erfahrung gesammelt, dass die
reine Dokumentation der Controlling-Ergebnisse und die gemeinsame Auswertung geeignet ist,
um Vergleichsprozesse unter den Teams und Mitarbeitern und dadurch eine fachliche
Qualifizierung, eine Qualifizierung der Einzelfallentscheidungen und ein verstärktes
Kostenbewusstsein zu forcieren.
Mannheim berichtete darüber, dass das Contro lling derzeit insbesondere auch darauf
ausgerichtet ist, die Ergebnisse aktueller Steu erungsmaßnahmen auszuwerten, beispielsweise im
Hinblick auf die Ziele der Qualifizierung der Hilfeplanung im Einzelfall.
con_sens
63
7. Ausblick
Dem bundesweiten Benchmarkingkreis Hilfen zur Erziehung + ist es gelungen, bereits ein halbes
Jahr nach seiner Gründung im Mai 2005 einen Bericht vorzulegen.
In seinem ersten Projektjahr hat sich der Kreis darauf konzentriert, einen Katalog von
Kennzahlen zu entwickeln, Daten zu erheben und zu plausibilisieren sowie erste Anhaltspunkte
für weitergehende qualitative Analysen zu erhalten.
Die örtlichen Jugendämter stehen insbesonde re im Hinblick auf die Hilfen zur Erziehung +
verstärkt im Spannungsfeld unterschiedlicher An forderungen. Aufgrund der allerorts notwendigen
Haushaltskonsolidierung verfolgen Kommunen das fiskalische Ziel einer Ausgabensenkung oder
zumindest einer Stabilisierung in der Kostenentwicklung bei den Hilfen zur Erziehung+.
Fachliche Qualitätsentwicklung ist gerade unter dieser Voraussetzung ei ne Herausforderung, die
die Leistungsträger und Leistungserbringer für einen optimierten Ressourceneinsatz nutzen
wollen und müssen.
Die Darstellung dessen, was die Erziehungshilfen bei den Kindern, Jugendlichen und Familien
bewirken, ist ein Weg, um offensiv zu komm unizieren, was Jugendhilfe leistet und welche
gesellschaftspolitische Bedeutung sie hat, auch wenn es noch viele offene Fragen bei der
Ergebnismessung in der sozialen Arbeit gibt. Hier wird es im nächsten Projektjahr darum gehen,
die entsprechende Datenbasis zu verbessern bz w. herzustellen. Erste Schritte hierzu hat der
Kreis bereits getan und ein Kennzahlenset für Outcome-Indikatoren entwickelt, um
perspektivisch die Wirkungen der Hilfen zur Erziehung + für die Kinder und Jugendlichen und ihr
Lebensumfeld betrachten zu können.
Weitere inhaltliche Interessenschwerpunkte des Benchmarkingkreises sind präventiven
Aktivitäten in den Städten, Ansätze einer stärke r wirkungsorientierten Steuerung, die Konzeption
für Vernetzungsarbeit im Stadtteil sowie die Akquirierung und langfristige Betreuung von
Pflegefamilien und die Stärkung familienanaloger Betreuungsformen.
Hier gilt es, den bereits in diesem Jahr begonnenen qualitativen Austausch zu intensivieren.
Perspektivisch können Entwicklungen im Leis tungsgeschehen Hilfen zur Erziehung+ in
Zeitreihen abgebildet werden, die es erlauben, beispielsweise Thesen über präventive Aktivitäten
der Städte und ihre Auswirkungen zu prüfen.
con_sens
64
8. Anhang
Grafik KeZa 1.1. Arbeitslosendichte der 15 bis unter 25 jährigen am 31.12. des Berichtsjahres pro 100
EW 15 bis unter 25 Jahre
KeZa 1.1:
Arbeitslosendichte der 15- bis unter 25-Jährigen am 31.12. des Berichtsjahres
pro 100 altersgleiche Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz
17,8
15,5
11,6 12,1
17,9
28,2
17,19
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
25,0
30,0
BHV DA KA MA P HRO
Arbeitslosendichte der 15-u.25-jährigen je 100 EW 15-u.25 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz 2004
Mittelwert 2004
Grafik KeZa 40: Anteil der externen operativen Ausgaben der HzE+ an den HzE+-Gesamtausgaben in
Prozent.
KeZa 40: Anteil der externen operativen Ausgaben der HzE+
an den HzE+-Gesamtausgaben in Prozent
92,42
87,07
90,47
88,76
92,4192,39
90,59
84,00
85,00
86,00
87,00
88,00
89,00
90,00
91,00
92,00
93,00
BHV DA KA MA P HRO
2004
Anteil der Ausgaben für die externe Durchführung operativer Aufgaben an den Brutto-Gesamtausgaben für HzE+
in Prozent Mittelwert 2004
con_sens
65
Grafik KeZa 54.a. Anteil stationäre HzE+-Fälle an allen HzE+-Fällen in Prozent am 31.12. des Bj.
KeZa 54.a: Anteil stationäre HzE+-Fälle am 31.12. des Berichtsjahres
an allen HzE+-Fällen am 31.12. des Berichtsjahres
61,53
22,83
51,27
46,9647,10
52,58
47,05
0,00
10,00
20,00
30,00
40,00
50,00
60,00
70,00
BHV DA KA MA P HRO
Anteil stationäre HzE+-Fälle an allen HzE+-Fällen (31.12.) 2004 Mittelwert 2004
Abbildung: Berechnung der Stadtprofile
KeZa
30.
aus Tabelle
Input2
Abweichung
vom MW in
Prozent
31.
aus Tabelle
Input2
Abweichung
vom MW in
Prozent
20.
aus Tabelle
Input1
Abweichung
vom MW in
Prozent
20.+ 21. + 22.
aus Tabelle
Input1
Abweichung
vom MW in
Prozent
50.a
aus Tabelle
Output1
Abweichung
vom MW in
Prozent
Stadt
Netto-Gesamtausgaben
HzE+ pro Einwohner 0 bis
unter 21 Jahre mit Haupt-
und Nebenwohnsitz
Netto-
Ausgaben
HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben
HzE+ gesamt
(Jahressumme)
pro Fall am 31.12.
Netto-
Ausgaben
HzE+ pro
Fall*
Interne
vollzeitverrechnete
(vzv) ASD-
Mitarbeiter pro 100
Fälle
vzv. ASD-
Mitarbeiter
pro 100
Fälle*
ASD, WJH u.
Mitarbeiter f.
operative
Aufgaben pro
100 Fälle
Mitarbeiter
gesamt pro
100 Fälle*
HzE+-Fälle gesamt am
31.12. des Berichtsjahres
pro 100 Einwohner 0 bis
unter 21 Jahre mit Haupt-
und Nebenwohnsitz
HzE+Fälle
gesamt pro
100 EW*
BHV 501,0 -9,7 17897,4 -17,9 3,5 20,8 4,9 14,9 2,8 9,4
DA 577,7 4,1 20445,0 -6,2 2,4 -15,3 3,2 -24,3 2,8 10,4
KA 564,3 1,7 22648,5 3,9 2,6 -11,1 4,4 2,2 2,5 -2,6
MA 540,6 -2,6 20703,3 -5,0 2,4 -16,6 4,7 10,1 2,6 2,1
P 436,6 -21,3 23169,8 6,3 3,0 3,5 4,0 -5,1 1,9 -26,3
HRO 709,8 27,9 25924,2 18,9 3,4 18,7 4,4 2,3 2,7 7,0
MW 555,0 21798,0 2,9 4,3 2,6
2006/0175
4697 Zeichen
Wissenschaftsstadt Darmstadt Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: an den Magistrat Beteiligt vor Dezernat II Amt: Sozialverwaltung zur Kenntnis zur Beschlussfassung Magistrats- beschlussfassung: Vorlage-Nr. 2006/0175 Magistratsbeschluss-Nr. an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fas- sung Fachausschuss Internet ja nein Tagesordnung I II Verteiler: OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Betreff: Benchmarking "Hilfen zur Erziehung" hier: Bericht 2004 Vorlage vom: 28.02.2006 Beschlussvorschlag: 1. Der Magistrat nimmt den Bericht zur Kenntnis. 2. Der Bericht ist der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnis zu geben. 3. Der Bericht ist dem Jugendhilfeausschuss zur Kenntnis zu geben. Anlagen: Bundesweites Benchmarking der Hilfen zur Erziehung 2004 Beschluss des Magistrats vom 2 ... Berichtsseite zur Magistratsvorlage vom 28.02.2006: Bericht: Der Magistrat hat mit Beschluss 0053 vom 02.02.2005 entschieden, dass sich die Wissen- schaftsstadt Darmstadt dem 2005 gegründeten bundesweiten Benchmarkingkreis "Hilfen zur Erziehung+" mit dem Ziel anschließt, sich mit anderen Städten zu vergleichen, nach dem "Best-Practice-Prinzip" voneinander zu lernen und Hilfen zur Erziehung wirksamer und effi- zienter zu steuern. Ein Jahr nach Aufnahme der Arbeit kann der erste Bericht (für das Jahr 2004) vorgelegt werden. Das Hinterfragen der Gewährung sozialstaatlicher Dienstleistungen in Beziehung zu städte- relevanten Kontextindikatoren und die Analyse der damit verbundenen Fallzahlen- und Kos- tenentwicklung ist der eine Teil des Berichtes, der andere dient dem Ausloten von Steue- rungsmöglichkeiten im Bereich der Hilfen zur Erziehung und der Evaluation ihrer Wirksam- keit. Für die Wissenschaftsstadt Darmstadt war bei diesem Vergleich insbesondere die geogra- phische Nähe zu Mannheim und Karlsruhe interessant, was einen bilateralen Austausch ver- einfacht, und der Vergleich mit Potsdam, das in seiner Bevölkerungszahl und den strukturel- len Rahmenbedingungen (Nähe zu einer Metropolregion) Darmstadt ähnelt. Zudem konnten durch Potsdam und Rostock auch typische Strukturmerkmale der neuen Bundesländer (ho- her Versorgungsgrad an Kinderbetreuung aller Bevölkerungsgruppen) betrachtet werden. Die wichtigsten Erkenntnisse bzw. Handlungsempfehlungen aus dem ersten Benchmarking- bericht: Ergebnisse: 1. Der Anteil der ambulanten Hilfe an allen Hilfen zur Erziehung ist in Darmstadt mit Abstand der höchste. Dies zeigt, dass der politische Auftrag „ambulant vor stationär“ konsequent umgesetzt wird. 2. Die Netto-Ausgaben pro Fall sind in Darmstadt die zweitniedrigsten, das zeigt, dass gute Pädagogik und Wirtschaftlichkeit sich nicht ausschließen. 3. Die Anzahl der Mitarbeiter pro 100 Fälle sind sowohl im Städtischen Sozialdienst im ope- rativen Bereich als auch in der Wirtschaftlichen Jugendhilfe am niedrigsten. Das heißt, dass es keine Spielräume über eventuelle Einsparungen beim Personal gibt. 4. In Darmstadt nehmen vergleichsweise viele Familien Hilfen zur Erziehung in Anspruch, was auf die präventive und frühzeitige Ausrichtung der ambulanten Hilfen hinweist und teure, weil spät installierte Maßnahmen verringert (niedrigster Anteil an stationären Hil- fen). Handlungsempfehlungen: 3 ... 1. Die Datenlage muss verbessert werden. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt konnte keine Daten zu den „Schulabgängern ohne Abschluss“ liefern, da das Staatliche Schulamt (Land Hessen) diese Zahlen nicht generieren konnte. 2. Im Bereich der prozentual niedrigsten stationären Hilfen gibt es anscheinend ein Entwicklungspotenzial zu einem erhöhten Einsatz von Pflegefamilien. Daher wird zur Steigerung des Anteils von Pflegeeltern ein Konzept erstellt und Maßnahmen zur internen Personalerhebung ergriffen. 3. Durch eine noch bessere Qualifizierung der sozialpädagogischen Fachkräfte im Städtischen Sozialdienst könnten sich Hilfen noch passgenauer und damit effektiver ges- talten. Die bisherigen Maßnahmen wie Überprüfung aller Akten im Bereich der Hilfen zur Erziehung und das Projekt „Qualität erzieherischer Hilfen“ sind die richtigen Ansätze zu wirkungsvolleren Hilfen. Entwicklungsmöglichkeiten gibt es bei der Ablaufstruktur der Fallbearbeitung und der diagnostischen Kompetenz. Beide Bereiche werden bereits ana- lysiert und verbessert. Erste Ergebnisse sollen noch im ersten Quartal 2006 umgesetzt werden. Darmstadt, 28.02.2006 Mo/ge Dezernat II Wolfgang Glenz Bürgermeister Anlage
Beratungsverlauf (1)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2006/0175
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 28.02.2006
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00