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Szenebericht Bildende Kunst
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Anlage 1 - Mai 2026, Szenebericht Bildende Kunst
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Anlage Szenebericht Bildende Kunst 2026 1/3 Szenebericht Bildende Kunst 2026 Ausschuss für Kunst und Kultur der Stadt Köln, 25.06.2026 Ausgangssituation Die freie Szene Bildende Kunst ist mit mehr als 2.500 professionell tätigen Künstler*innen aus den Bereichen Malerei, Bildhauerei, Fotografie, digitale Künste, Videokunst und Perfor-mance, sowie freien Kurator*innen und Betreiber*innen von Ausstellungsräumen, Kunstverei-nen, Festivals oder Veranstaltungsreihen, eine der größten und wichtigsten künstlerischen Szenen der Stadt Köln. Der inhaltliche Schwerpunkt der freien Kunsträume und -initiativen liegt auf der Förderung und Präsentation zeitgenössischer Kunst in ihrer gesamten Band-breite und enger Verschränkung mit anderen Sparten durch Konzerte, Lesungen, Filmvorfüh-rungen, Theater oder Tanz, sowie in Vermittlungsformaten, Gesprächen oder Workshops. Internationale wie lokale Positionen erhalten in Ausstellungen eine Öffentlichkeit, darunter zahlreiche Neuproduktionen. Köln hat somit eine der vielfältigsten freien Kunstszenen in Deutschland hinsichtlich der Akteur*innen und nichtkommerziellen Ausstellungsorte und wird hier nur von Berlin übertroffen. Die institutionelle Vielfalt der Kunstlandschaft mit Museen, Galerien und der Kunsthochschule für Medien Köln bildet zusammen mit den Kunstinitiativen, Kunstvereinen, Artist-Run-Spaces und Atelierhäusern eine kulturelle Größe, die international Beachtung findet. Die Bildende Kunst prägt Köln damit wie kaum eine andere Sparte und ist tief im kulturellen Selbstverständnis der Stadt verankert. Sie ist ein bedeutender nationaler wie internationaler Bezugspunkt für Künstler*innen, Kurator*innen und weiteren Akteur*innen aus Kunst und Kultur. In über 800 Ausstellungen und mehr als 2.000 Veranstaltungen jährlich erreichen allein die Kölner Kunstinitiativen über 40.000 Besucher*innen.1 Über das gesamte Stadtgebiet verteilt agieren die Kunstinitiativen primär als Diskursräume, die Kunst niederschwellig und kostenlos vermitteln. Darüber hinaus sind sie Veedels-Treffpunkte und experimentelle Dritte Orte. Die freie Szene Bildende Kunst ist ein essentieller Träger des kulturellen Lebens der Stadt und bildet damit eine wichtige (und unverzichtbare) Ergänzung zu städtischen Museen und kommerziellen Galerien. Kunsträume sind seit den 1970er-Jahren ein fester Bestandteil des Kulturlebens unserer Stadt und zeugen in dieser langen Tradition von einem hohen Engagement der Bürger*innen. Viele der Räume bestehen seit Jahrzehnten und bilden in dieser Kontinuität das solide Fundament der dynamischen Szene Kölns. Wegweisende künstlerische und kuratorische Projekte der letzten Jahre und Ausstellungs-räume, die über Köln hinaus wahrgenommen wurden, werden durch die Stadt Köln unter-stützt. Dazu zählen beispielsweise das Photoszene Festival, das Programm der Kunst-räume am Ebertplatz, das mehrjährige Projekt „Bridging – Über Brücken“ oder das Ausstel-lungsprogramm der Temporary Gallery, das 2025 mit dem Weststern-Preis für Kunst- vereine in NRW ausgezeichnet wurde. Für diesen Preis sind im Jahr 2026 der Kölnische Kunstverein und der Kunstverein Simultanhalle nominiert. Die 2017 auf Initiative des Kulturamts ins Leben gerufene Ausstellungsreihe Update Cologne für Kölner Künstler*innen ab 50 Jahren schafft erfolgreich Sichtbarkeit für deren künstlerische Arbeiten. Einschneidend war hingegen die schmerzliche Liquidation der Akademie der Künste der Welt. Die 2019 initiierten, altersunabhängig ausgeschriebenen Recherche- und Arbeitsstipen-dien Bildende Kunst der Stadt Köln, die im Zuge der Kulturentwicklungsplanung (KEP) ein-geführt wurden, bilden eine nachhaltige Form der Förderung professionell arbeitender Kölner Künstler*innen und Kurator*innen. Das Konzept wurde vom Kulturamt und dem Kulturwerk des BBK Köln e.V. in Abstimmung mit AIC und der Kulturpolitik entwickelt und erfolgreich umgesetzt. Nach Kürzung dieses Vorzeigeprojekts können aktuell jährlich nur noch 5 (statt zuvor 15) Stipendien vergeben werden. 1 Vgl. Umfrage des Netzwerks Kunstinitiativen Köln e.V./Art Initiatives Cologne (AIC) zur Situation der freien Kunstinitiativen in Köln, https://aic.cologne/de/current/news/situation-freie-kunstinitiativen-in-koeln Anlage Szenebericht Bildende Kunst 2026 2/3 Erfreulicherweise lässt sich beobachten, dass wieder zunehmend Künstler*innen Köln als Wohn- und Arbeitsort wählen oder Absolvent*innen von Kunsthochschulen und Akademien in der Stadt bleiben. Die Ateliersituation in Köln hat sich durch die über 100 Ateliers in der Delmenhorster Straße in Köln-Niehl verbessert, obwohl die Mieten für viele Künstler*innen zu hoch angesetzt sind. In einigen älteren städtischen Atelierhäusern mit verhältnismäßig niedri-gen Mieten sind zudem schrittweise Erhöhungen in Form von Staffelmieten vorgenommen worden, die für einige Mieter*innen eine besondere Härte bedeuten. Trotz dieses Angebots sind weiterhin zahlreiche Künstler*innen auf der Suche nach bezahlbaren Ateliers, vor allem in Innenstadtnähe oder zumindest in belebteren Stadtteilen mit guter ÖPNV-Anbindung. Solidarität und Sichtbarkeit Die außerordentlich diverse Szene der Bildenden Kunst wird in Köln vom Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Köln e.V. (BBK) und den Kunstinitiativen Köln e.V./Art Initiatives Cologne (AIC) repräsentiert. Neben dem BBK hat sich AIC seit seiner Gründung 2015 zu einer zentralen Stimme der freien Kölner Kunstszene entwickelt. Was als Zusam-menschluss unabhängiger Kunstinitiativen begann ist heute ein lebendiges Netzwerk aus über vierzig Mitgliedsinitiativen, das den Austausch innerhalb der Szene stärkt und ihre Sicht-barkeit prägt. Formate dafür sind das jährliche AIC ON Festival, das die Vielfalt der Kunst-räume gebündelt erlebbar macht, ergänzt durch einen monatlichen Newsletter, eine Ausstel-lungsübersicht auf der AIC-Website, Social Media sowie den gedruckten AIC-Index, der die Räume und Initiativen im Stadtraum verortet und einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich macht. Die bedeutenden Zeitdokumente der Aktivitäten der Kunstinitiativen finden seit 2025 im ZADIK – Zentralarchiv für deutsche und internationale Kunstmarktforschung einen dauerhaf-ten Platz und bleiben somit für die Kunstgeschichte erhalten. Die Archivierung ist eine wich-tige Anerkennung für die zahlreichen Akteur*innen, die den Kunststandort Köln seit Jahr-zehnten lebendig halten, und wurde mit der viel beachteten Ausstellung „When Cats Become Form – Eine kleine Geschichte der Kölner Off-Räume“ im kjubh Kunstverein gefeiert, die historische Dokumente, Publikationen, Editionen, Plakate, Flyer und Postkarten zeigte. Seit 2025 können dem Netzwerk auch freie Kurator*innen beitreten, sodass AIC die Viel-falt der Protagonist*innen der freien Szene Bildende Kunst in Köln noch stärker abbildet. BBK und AIC sind eingebunden in Interessenverbände auf kommunaler Ebene, Landes- und Bundesebene, wie etwa dem Kulturnetz Köln, dem NRW Landesverband Visuelle Künste oder dem in Gründung befindlichen Bundesverband Projekträume. Herausforderungen Aus dem Haushalt der Stadt Köln gehen nur 0,25% in den Kulturetat der freien Kunst- und Kulturszene, obwohl diese insgesamt 80% aller Kulturveranstaltungen der Stadt umsetzt und damit weit mehr als 1 Mio. Besucher*innen erreicht.2 Von diesem Kulturetat gehen wiederum nur 9% an die Bildende Kunst, also 0,0225% vom Gesamthaushalt, was eine immense Herausforderung darstellt. Zusätzliche Kürzungen sorgen daher für eine immer prekärer werdende Situation der freien Szene Bildende Kunst. Der Bedarf an bezahlbaren Atelierräumen ist hoch und die wirtschaftlichen Rahmenbedin-gungen für freischaffende Künstler*innen und Kurator*innen haben sich strukturell ver-schlechtert. Der Studie „Von der Kunst zu leben – Die wirtschaftliche Situation Bildender Künstler*innen in Deutschland“3 von BBK und Stiftung Kunstfonds zufolge haben 90% der Befragten (20% davon aus NRW) ein jährliches Nettoeinkommen von weniger als 20.000 Euro. 2 Vgl. https://kulturnetz-koeln.de/aktuelles/statement-zum-haushalt-2025-2026/ 3 Siehe https://www.kunstfonds.de/magalone_folder/documents/2025_studie//pdf/full.pdf Anlage Szenebericht Bildende Kunst 2026 3/3 In einer Umfrage von AIC zur Situation der Kunstinitiativen4 wird als größte Herausforde-rung die Finanzierung von Räumen und Programmen angegeben. Häufig fehlen finanzielle Mittel für Ausstellungshonorare und Leihgebühren. Die Betreiber*innen selbst arbeiten oft unentgeltlich. Der Zeitaufwand der Mittelbeschaffung wird insgesamt höher eingeschätzt (75%) als für die eigentliche Zweckverwirklichung, nämlich das Organisieren von Ausstellun-gen (55%). Unter den Fördergebern wird die Stadt Köln als wichtigster eingeschätzt (84,21%). Die Sichtbarkeit der freien Szene leidet unter der rückläufigen Berichterstattung, wie aktuell durch die Abschaffung der Kulturredaktion der Kölnischen Rundschau. Zudem lässt die Vergabe der Museumsnacht an eine Eventagentur befürchten, dass dieser bislang erfolg-reiche Weg, ein breites Publikum ansprechen zu können, zukünftig freien Kunsträumen oder Atelierhäusern (zum Beispiel KunstWerk, Q18) nicht mehr offensteht. Handlungsempfehlungen Die freie Szene Bildende Kunst ist ein unverzichtbarer Bestandteil der kulturellen Identität und Zukunftsfähigkeit der Kunststadt Köln. Damit dieser kulturelle Wert langfristig erhalten und seine Potenziale weiterentwickelt werden können, braucht es gezielte strukturelle Maß-nahmen: • Stärkungen und Aufstockungen einer nachhaltigen, mehrjährigen Projektförderung sowie Überarbeitung und Ausbau institutioneller Fördermaßnahmen, um Strukturen zu erhalten, Neugründungen zu fördern, Arbeitsbedingungen zu verbessern und künstlerische Qualität zu sichern. • Rücknahme bereits erfolgter Kürzungen in der Projektförderung für Kunsträume und Künstler*innen. Nach den bereits in der Vergangenheit erfolgten Liquidationen der Kunst-institutionen Kunsthalle, European Kunsthalle und zuletzt der Akademie der Künste der Welt schwächen die Kürzungen der letzten Haushaltsvereinbarungen – ein Minus von 65.000 Euro im Jahr 2025 und ein weiteres Minus von 85.000 Euro im Jahr 20265 – die freie Szene Bildende Kunst ganz empfindlich. • Rücknahme der Kürzung bei den Recherche- und Arbeitsstipendien Bildende Kunst. • Erhalt und Konsolidierung existierender zentraler Kunstorte und -strukturen, insbesondere der Simultanhalle, die seit nunmehr acht Jahren nicht mehr für Ausstellungen genutzt wer-den kann, der Kunsträume am Ebertplatz als zentralem und maßgeblichem Ort der ge-samten freien Szene sowie nachhaltige Förderung neuer Initiativen, wie dem Osthof Kalk. • Umsetzung einer unterjährigen Kleinstförderung wie in anderen Sparten bereits etabliert. • Etablierung angemessener, verbindlicher Mindesthonorare bei Förderung durch die Stadt für alle Akteur*innen der freien Szene Bildende Kunst, ausgehend von der Honorarmatrix des MKW NRW. Diese Erweiterung wäre ein Meilenstein, mit dem die Stadt Köln in NRW beispiel-haft vorangehen und ähnliche Bedingungen schaffen würde wie etwa in Berlin oder Hamburg. • Berücksichtigung der Fördergerechtigkeit unter den Sparten. Kultur ist essentiell für Köln – gerade die lange Tradition von Kunst und Kultur, die Vielfalt kultureller und künstlerischer Angebote macht Köln attraktiv und lebenswert. Die freie Szene Bildende Kunst ist ein wichtiger und unverzichtbarer Nährboden der kulturellen Identität der Stadt, sowie ein zentraler Impulsgeber für internationale Strahlkraft und künstlerische Innovation. AIC – Kunstinitiativen Köln e.V. & Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Köln e.V., Mai 2026. Heike Ander (Kuratorin, GLASMOOG/Kunsthochschule für Medien Köln, AIC-Vorstand), Doris Frohnapfel (Künstlerin, kjubh Kunstverein e.V., AIC-Vorstand), Amelie Gappa (Kuratorin, AIC-Vorstand), Petra Gieler (Bun-desverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Köln), Simon Kuhn (artrmx e.V., AIC-Vorstand), Kriz Olbricht (Künstler, Simultanhalle, AIC-Vorstand). 4 Vgl. Fußnote 1. 5 Errechnet aus den veröffentlichten Zahlen des Haushaltsplans der Stadt Köln.
Mitteilung Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VII/41/41/2 Vorlagen-Nummer 10.06.2026 1567/2026 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 25.06.2026 Szenebericht Bildende Kunst In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Ausschuss Kunst und Kultur die Verwaltung beauftragt, den Sparten Musik, Darstellende Kunst (Theater und Tanz), Bildende Kunst (Fotografie), Medien (Film, Literatur) und Kulturelle Teilhabe (Diversität und In- terkultur) die Möglichkeit zu geben, „regelmäßig über das Geschehen, die aktuelle Si- tuation und die Perspektiven ihrer Arbeit zu berichten“. Dabei sollen die Spartenvertre- tungen in ihren jeweiligen Bereichen auch die interkulturellen Aktivitäten und Entwick- lungen berücksichtigen. Die Berichte sollen in Form eines schriftlichen Berichts (maximal drei Seiten) und ei- ner Erläuterung in der Sitzung sowie gegebenenfalls ergänzt durch eine circa 5-minü- tige PowerPoint-Präsentation oder Videobotschaft dem Ausschuss Kunst und Kultur vorgestellt werden und geben die Auffassung der jeweiligen Teil-Szene wieder. Gez. Charles Anlage: Szenebericht Bildende Kunst
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (2)
- Delmenhorster Straße
- Ebertplatz
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Details
- Aktenzeichen
- 1567/2026
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 10.06.2026
- Erstellt
- 28.05.2026 19:47