2006/0739
Benchmarking 'Hilfen zur Erziehung' Bericht 2005
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2006/0739
4774 Zeichen
Magistratsvorlage Eingang Magistrats- geschäftsstelle: 23.11.2006 Beteiligt vor Magistratsbeschlussfassung: Dezernat V Amt: Sozialverwaltung an den Magistrat zur Kenntnis zur Beschlussfassung an die Stadtverordnetenversammlung OBW zur Befassung zur Kenntnis zur Beschlussfassung zur abschließenden Beschluss- fassung Fachausschuss OBW bei abschl. Beschlussfassung Magistrat Tagesordnung: I II Verteiler: Vorlage-Nr. 2006/0739 Magistratsbeschluss-Nr. Betreff: Benchmarking "Hilfen zur Erziehung" Bericht 2005 Vorlage vom: 16.11.2006 Beschlussvorschlag: 1. Der Magistrat nimmt die Vorlage zur Kenntnis. 2. Der Bericht ist der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnis zu geben. 3. Der Bericht ist dem Jugendhilfeausschuss zur Kenntnis zu geben. 4. Dieser Bericht erscheint zukünftig mit dem Bericht über die jährlichen Fallzahlen Erzieherische Hilfen. Anlagen: Bericht_HzE_bundesweit_2005 Beschluss des Magistrats vom 2 ... Begründung zur Magistratsvorlage vom 16.11.2006: Der Magistrat hat mit Beschluss 0053 vom 02.02.2005 entschieden, dass sich die Wissenschaftsstadt Darmstadt dem 2005 gegründeten bundesweiten Benchmarkingkreis "Hilfen zur Erziehung+" mit dem Ziel anschließt, sich mit anderen Städten zu vergleichen, nach dem "Best-Practice-Prinzip" voneinander zu lernen und Hilfen zur Erziehung wirksamer und effizienter zu steuern. Der Benchmarkingkreis erweiterte sich 2006 durch Viersen und Siegen auf acht Städte. Das Hinterfragen der Gewährung sozialstaatlicher Dienstleistungen in Beziehung zu städterelevanten Kontextindikatoren und die Analyse der damit verbundenen Fallzahlen- und Kostenentwicklung ist der eine Teil des Berichtes, der andere dient dem Ausloten von Steuerungsmöglichkeiten im Bereich der Hilfen zur Erziehung und der Evaluation ihrer Wirksamkeit. Die wichtigsten Erkenntnisse bzw. Handlungsempfehlungen aus dem ersten Benchmarkingbericht: Ergebnisse: 1. Die Anzahl der Bezieher von Leistungen nach dem SGB II der Altersgruppe 0 bis 25 Jahre liegt in Darmstadt signifikant unter dem Mittelwert. Das heißt, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in Darmstadt gut sind und Kinder und Jugendliche anscheinend weniger häufig von der „Infantilisierung der Armut“ (s. die „ZEIT“, 03.08.2006, S.11 ff) betroffen sind (Abb. 1). 2. Im Bereich der Kindertagesbetreuung liegen die Darmstädter Werte für die Betreuung der 0 – 3 jährigen an erster Stelle der alten Bundesländer. Im Bereich der 6,5 – 14 jährigen liegt Darmstadt im Mittelfeld und im Bereich der Plätze für 3 – 6,5 jährige unter dem Mittelwert aller Städte. 3. Darmstadt konnte die HzE+ Fallzahlen im größten Umfang senken (Abb.8) und ist gleichzeitig die einzige Stadt auf dem Gebiet der alten Bundesländer, die ihre Fallzahlen senken konnte. Als Folge sind die Netto-Gesamtausgaben von 578 Euro auf 538 Euro (pro Einwohner der Altersgruppe von 0-21 Jahre) und damit erstmals unter den Mittelwert gesunken. Das zeigt, dass die bisher eingeleiteten Steuerungsmaßnahmen wirken und erfolgreich umgesetzt worden sind. 4. In Darmstadt nehmen vergleichsweise viele Familien Hilfe zur Erziehung in Anspruch, was auf die präventive und frühzeitige Ausrichtung der ambulanten Hilfen hinweist und teure, weil spät installierte Maßnahmen verhindert werden. Darmstadt hat nach wie vor den höchsten Anteil ambulanter Hilfen (Abb. 11). Das bedeutet, dass der politische und fachliche Auftrag „ambulant vor stationär“ weiter konsequent umgesetzt wird. 5. Ein neues Pflegestellenkonzept wurde erarbeitet und soll im ersten Quartal 2007 umgesetzt werden. Das heißt, Darmstadt hat die Anregungen im Rahmen des Benchmarking aufgegriffen und will den Anteil an Vollzeitpflegen im Rahmen der stationären Hilfen sukzessive erhöhen (Abb. 12). Weiteres Vorgehen: 3 ... 1. Die Datenlage muss verbessert werden. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt konnte erneut keine Daten zu den „Schulabgängern ohne Abschluss“ liefern (Abb. 4), da das Staatliche Schulamt (Land Hessen) diese Zahlen nicht hatte generieren können. 2. Die eingeleiteten Steuerungsmaßnahmen werden weiter konsequent umgesetzt. 3. Im Bereich der Hilfen nach §33SGB VIII wird ist eine Konzeption zum Ausbau dieses Bereichs für die Altersgruppe der 5-10jährigen Kinder bereits in konkreter Planung. 4. Der bereits eingeschlagene Weg der intensiven zielorientierten Überprüfung aller Hilfeformen und Hilfemodule im Sinne einer effizienten und effektiven Leistungserbringung wird weiter verfolgt. Darmstadt, 16.11.2006 Dr.M/Ge, Nst.: 13-2519 Dezernat V Jochen Partsch Stadtrat Anlage
anlage 1
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Bundesweites Benchmarking
der Hilfen zur Erziehung+ +
Kennzahlenvergleich 2005
6. November 2006
erste urg
llt von con_sens Hamb
INHALT
1. Vorbemerkung................................................................................................................... ..5
2. Zusammenfassung ........................................................................................................... 6
3. Benchmarking: Zielsetzung, Methodik, Ansatz....................................................................... 10
4. Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs............................................................................... 13
4.1 Kontextindikatoren........................................................................................................ 13
4.1.2 Von Scheidung betroffene Kinder und Jugendliche ...................................................17
4.1.3 Schulabgänger ohne Abschluss ..............................................................................19
4.1.4 Kindertagesbetreuung ...........................................................................................20
4.1.5 Brutto-Gesamtausgaben für den Jugendetat.............................................................23
4.1.6 Die Kontext-Bedingungen der Städte in der Zusammenschau.....................................25
4.2 Outputindikatoren.........................................................................................................27
4.2.1 Dichte der HzE+-Fälle insgesamt............................................................................27
4.2.2 Stärkung ambulanter Hilfeformen im Leistungsportfolio der Jugendämter.................... 30
4.2.3. Stationäre Hilfearrangements: Vollzeitpflege oder Heimunterbringung?........................ 36
4.3 Inputindikatoren...........................................................................................................40
4.3.1. Nettoausgaben pro Einwohner (KeZa 30) und Nettoausgaben pro Fall (KeZa 31) ........ 40
4.3.2 Mitarbeiter...........................................................................................................45
4.4. Outcomeindikatoren......................................................................................................51
5 Stadtprofile ................................................................................................................... ....53
5.1 Stadtprofil Bremerhaven................................................................................................54
5.2 Stadtprofil Darmstadt....................................................................................................56
5.3 Stadtprofil Karlsruhe.....................................................................................................58
5.4 Stadtprofil Mannheim ...................................................................................................60
5.5 Stadtprofil Potsdam......................................................................................................62
5.6 Stadtprofil Rostock .......................................................................................................65
5.7 Stadtprofil Siegen.........................................................................................................68
5.8 Stadtprofil Viersen........................................................................................................70
6 Ergebnisse des qualitativen Benchmarking............................................................................ 72
7 Ausblick....................................................................................................................... .....76
8 Anhang......................................................................................................................... ....77
con_sens
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ABBILDUNGSVERZEICHNIS:
KONTEXT
Abb. 1: Beteiligte Städte: Einwohner..............................................................................................................12
Abb. 2: Bezieher von Leistungen nach dem SGB II di fferenziert nach Altersgruppen pro 1.000 EW am 3 1.12.
(KeZa 5 und 6) ................................................................................................................................16
Abb. 3: Von Scheidung betroffene Kinder und Jugendliche bis unter 18 J. pro 100 altersgleiche EW (KeZa 12) .....18
Abb. 4: Schulabgänger ohne Abschluss pro 100 EW 15 bis unter 21 Jahre (KeZa 3) ..........................................19
Abb. 5: Anzahl Belegte Plätze für Kindertagesbetreuung pro 100 EW 0- unter 14 Jahre am 31.12. (KeZa 8) ........20
Abb. 6: Belegte Plätze für Kindertagesbetreuung gesamt pro 100 EW 0- unter 14 Jahre 31.12. (KeZa 11) ...........22
Abb. 7: Bruttoausgaben für Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit pro EW unter 21 Jahre in Euro (KeZa 4)........24
Abb. 8: Anzahl der HzE+- Fälle pro 100 EW unter 21 Jahre am 31.12. (KeZa 50.a)...........................................28
OUTPUT
Abb. 9: HzE+-Fälle ambulant pro 100 EW unter 21 J. am 31.12. (KeZa 51.a) ..................................................32
Abb. 10: HzE+ -Fälle stationär pro 100 EW 0 bis unter 21 Jahre (KeZa 52.a)......................................................34
Abb. 11: Stationäre HzE+-Fälle in absoluten Zahlen 2005..................................................................................34
Abb. 12: Prozentanteil der ambulanten HzE+-Fälle an allen HzE++-Fällen (KeZa 53a)..........................................35
Abb. 13: Anteil der stationären HzE+-Fälle mit u. ohne § 33-Fälle an allen stat. HzE+ -Fällen (KeZa 56).................37
Abb. 14: Anteil der stat. HzE+-Fälle nach § 33 und Anteil der sonstigen stat. HzE+ ohne § 33 (KeZa 55)................39
INPUT
Abb. 15: Nettoausgaben HzE+ gesamt pro EW 0- unter 21 Jahre (KeZa 30) ........................................................42
Abb. 16: Nettoausgaben HzE+ gesamt pro Fall (KeZa 31) ..................................................................................45
Abb. 17: Anzahl der vollzeitverrechneten Mitarbeiter pro 100 Fälle – nach ASD und WJH (KeZa 20-21).................46
Abb. 18: Anzahl der vollzeitverrechneten Mitarbeiter für operative Aufgaben pro 100 Fälle (KeZa 22) .....................48
Abb. 19: Bewegtes Volumen für die interne u. externe Durchführung von HzE+ (operative Aufgaben) (KeZa 39).......49
Abb. 20: Anteil der Ausgaben für Aufgabenfelder an den HzE+-Gesamtausgaben in Prozent (KeZa 35)....................50
ANHANG
Abb. 21: Arbeitslosendichte der 15 bis U25 am 31.12. des Bj. pro 100 EW 15 bis unter 25 Jahre (KeZa 1.1.)......77
Abb. 22: rbeitslosendichte der 15 bis unter 65 J. am 31.12. des Bj. pro 100 EW 15 bis unter 65 J. (KeZa 1.).......77
Abb. 23: Definition Basiszahl und Kennzahl......................................................................................................78
Abb. 24: Berechnung der Stadtprofile...............................................................................................................79
con_sens
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Die te ilnehmenden Städte mit Ansprechpartnern des bundeswe iten Benchmarking der Hilfen zur
Erziehung+
Stadt Name E-Mail
Bremerhaven Rainer Düsterloh rainer.duesterloh@bremerhaven.de
Bremerhaven Frank Lilkendey frank.lilkendey@magistrat.bremerhaven.de
Darmstadt Thomas Gehrisch thomas.gehrisch@darmstadt.de
Darmstadt Markus Emanuel markus.emanuel@darmstadt.de
Karlsruhe Eckhard Barth eckhard.barth@sjb.karlsruhe.de
Karlsruhe Kerstin Jehle kerstin.jehle@sjb.karlsruhe.de
Mannheim Dr. Volker Schanz-Biesgen volker.schanz-Biesgen@mannheim.de
Mannheim Hans-Georg Rettenmaier hans-georg.rettenmaier@mannheim.de
Mannheim Christine Etterich christine.etterich@mannheim.de
Potsdam Oliver Wollmann oliver.wollmann@rathaus.potsdam.de
Potsdam Jürgen Deusing juergen.deusing@rathaus.potsdam.de
Rostock Winfried Schulz winfried.schulz@rostock.de
Rostock Bernhard Stuwe bernhard.stuwe@rostock.de
Siegen Agnes Juchem-Voets a_juchems@siegen.de
Siegen Andreas Liedtke a_liedtke@siegen.de
Viersen Noosha Aubel noosha.aubel@viersen.de
Viersen Rüdiger Philipps ruediger.philipps@viersen.de
Das con_sens-Projektteam:
Jutta Hollenrieder
Miriam Kohlmeyer
Frank Lehmann-Diebold
con_sens Consulting für Steuerung und soziale Entwicklung GmbH
Rothenbaumchaussee 11 - 20148 Hamburg
consens@consens-info.de - www.consens-info.de
Anmerkung: Zur besseren Lesbarkeit wurde dieser Beric ht in der männlichen Form gehalten. Für alle Aussagen gilt gru ndsätzlich
auch die weibliche Form.
con_sens
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1. Vorbemerkung
In seinem zweiten Proje ktjahr hat de r bundesweite Benchmarkingkreis Hilfen zur Erziehung++ in
den Städten Siegen und Viersen neue Mitstreiter gewonnen. Das Ziel des Benchmarking bleibt,
durch den Vergleich des Leistungsgeschehens erzi eherischer Hilfen voneinander zu le rnen und
die Wirksamkeit und die Effizienz der erbrachten Hilfen zur Erziehung zu verbessern.
Die Unterstützung des Jugendamtes in Fo rm vo n erzieherischen Hilfen zielt darauf ab, dass
Mütter, V äter un d andere Pe rsonensorgeberechtigte ih re Erziehungs verantwortung besser
wahrnehmen können. Kinder und Jugendliche sollen sich möglichst in ihrem bisherigen soziale n
Umfeld pos itiv e ntfalten könn en, tragf ähige emotio nale Bindunge n auf bauen und z u
eigenverantwortlichen Persönlichkeiten reifen (§ 1 Abs. 3 SGB VIII).
Die erzieherischen Hilfen+ geraten weiter verstärkt unter Legitimationsdruck im Hinblick auf ihre
eingesetzten Ressourcen. Dies führt oft dazu, dass die Wirksamkeit der erzieherischen Hilfen +
und ih re W irtschaftlichkeit in e inem nicht auflösbaren Spannungsverhältnis gesehen und
diskutiert werden. Nun ist das Verhältnis zwischen diesen beiden Polen in der Tat nicht frei von
Zielkonflikten, es gibt aber vie le St euerungsansätze, die gleichzeitig aus fachlicher und aus
fiskalischer Sicht zu befürworten sind.
So ist eine stärkere Passgenauigkeit der Hilfen durch die Flexibilisierung der Angebote nicht nur
fachlich pos itiv einzuschätzen, sondern dient au ch der Effizienz, inde m eine Fehlversorgung
vermieden wird. Di eses V erhältnis auszutarieren u nd die Effizienzpotenziale i m Sin ne ei ner
wirksamen Unterstützung für die Kinder und Jugendlichen und ihre F amilien auszuloten, ist die
Herausforderung der Jugendämter.
Ausgehend von den Ergebnissen de s ersten Pro jektjahres h at sich der Benchmarkingkreis in
diesem Jahr de n s tadtspezifischen Vorge hensweisen und Steuerungsansätzen im
Pflegekinderwesen sowie zur St ärkung am bulanter Hilfefo rmen gewidmet. Dabei konnte n
zahlreiche erfolgskritische Prozessfaktoren identifiziert w erden, die in diese m Berich t
insbesondere im qualitativen Berichtsteil ausführlich beschrieben werden.
Der Benchmarkingkreis hat des Weite ren seine Analyse de r soziostruk turellen
Rahmenbedingungen de n aktuellen Entw icklungen ins besondere in Zusammenhang mit der
Arbeitsmarktreform an gepasst. Durch die Zus ammenlegung der Ar beitslosenhilfe und der
Sozialhilfe im Zuge der Arbeitsmarktreform w ird erstma ls da s ganze bedenkliche Aus maß de r
Kinderarmut in Deutschland transparent, Kinder sind die am häufigsten betroffene Altersgruppe
der Leistungsbezieher nach SGB II.
Präventive Jugendarbeit der Kommunen dient in diesem Zus ammenhang auch dazu, Armut als
Erfahrung gesellschaftlicher Ausgrenzung zumindest zu einem Teil zu kompe nsieren und Kindern
und Jug endlichen außerhalb ih rer F amilien posi tive Sozialisationserfahrungen zu er möglichen.
Daher ist der Jugen detat de r K ommunen f ür den Benchmarkingkreis ein e relevante
Rahmenbedingung, unter der die Jugendämter vor Ort agieren. Er wird in diesem Be richtsjahr
erstmals erhoben und in die Kontextanalyse einbezogen.
con_sens
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2. Zusammenfassung
Ergebnisse aus der Kontextanalyse
Die Kontextanalyse wurde in diesem Projektjahr leicht modifiziert.
Auf Grund des Inkrafttretens der Arbeitsmarktreform im Jahr 2 005 wird ab diesem Berichtsjahr
im Rahmen des Benchmarking die Abhängigkeit von SGB II-Leistungen in den einzelnen Städten
abgebildet. Dabei wird die Betroffe nheit sowohl d er K inder u nd J ugendlichen a ls a uch d er
Gesamtbevölkerung ausgewertet.
Durch die Z usammenlegung der A rbeitslosenhilfe un d der Sozialhilfe wi rd nun erst mals das
gesamte Ausmaß der Abhängigkeit von staatlichen Transferle istungen zur Sicherung des
Lebensunterhaltes in der Bevölkerung deutlich.
Insbesondere die Bet roffenheit von Kinde rn unte r 15 Jah ren ist teilweise erschreckend hoch.
Bezogen auf ihre Alters gruppe sind die unter 15-Jährigen am häufigs ten auf die staatlich e
Transferleistung nach SGB II angew iesen, im Mittel 25 Prozent. Da sche int die „Infantilisierung
der Armut“ (s. ZEI T, 3. Aug. 2 006, S. 1 1 ff) bereits Realität. D abei sind die U nterschiede
zwischen den Städten insbesondere im Hinblick auf diesen Kontextindikator sehr groß.
Aber auch im Hinblick auf die übrigen ausgew ählten Kontextfaktoren, die sich be lastend und
entlastend auf das Leistungsgesc hehen der Hilfen zur Erz iehung+ auswirk en können ,
unterscheiden sich die Benchmarkingstädte deutlich.
Ergebnisse aus der Outputanalyse
Um Hinweise auf gute Praxis im Sinne einer bedarfsgerechten und passgenauen Hilfeerbringung
und einer präventiv greifenden Jugendhilfe zu erhalten, wurde ausgewertet,
...wie oft Kinder und Jugendliche und ihre Familien erzieherische Hilfen+ erhalten.
...in welchem Umfang es gelingt, die Unterstützung durch das Jugendamt in ambulanter
Form zu e rbringen, da mit die K inder und Jug endlichen in ihrem bisherigen sozia len
Umfeld bleiben können.
...in we lchem Umfang es Kindern und Jugendlichen, die stationär be treut werde n
müssen, ermöglicht wird in Pflegefamilien zu leben und dadurch Familienbeziehungen zu
erfahren..
con_sens
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Vermeidung erzieherischer Hilfen+
Die H äufigkeit, m it der Kinder und Jugendliche und ihre Personenso rgeberechtigten in den
Benchmarkingstädten erzieherische Hilfen+ erhalten haben, unterscheidet sich deutlich.
Im Rahmen des qualitativen Austausch hat sich gezeigt, dass in einigen Städten zunehmend auf
die Strategie gesetzt wird, durch fallunspezifisch e und form lose Hilfen s o weit wie möglich a uf
die Installierung einer formalen HzE+ zu verzichten, damit Kinder und Jugendliche erst gar nicht
zu „Fällen“ werden. Ein e vergleichs weise gering e Leist ungsdichte kann h ieraus res ultieren. Im
übrigen wür den hi eraus gl eichzeitig vergleichsweise hohe Fallk osten entst ehen, da
fallunspezifische Hilfe n ebenf alls Kos ten verurs achen, abe r im Rahmen de r
Kennzahlenberechnung auf die „Fall“-Zahl bezogen werden.
Ein weiterer Ansatzpunkt ist die Fokussierung e iner baldmöglichsten Beendigung erz ieherischer
Hilfen+. Hier hat sich beispielsweise die vier teljährliche Auswertung der Ausg aben un d
Fallzahlen, sowie der V erweildauern auf Teame bene als erf olgreich erw iesen. Ein zentrale r
Erfolgsfaktor zur Stärkung des Kostenbewusstseins von Mitarbeitern scheint die Verknüpfung von
fiskalischen mit fachlichen Fragestellungen und Theme n zu sein, beispielsweise die
Thematisierung von Fragen der Z ielerreichung nach Beendigung der Hilfe n, n ach der
Verweildauer in H eimen und nach den Ausgangssituationen von Kindern und Jugendlichen bei
Installierung erzieherischer Hilfen+.
Stärkung ambulanter Hilfeformen
Inwieweit g elingt es de n Juge ndämtern, alle Möglichkeiten für e in ambulantes Hilfesett ing
auszuloten, damit Kinder und Jugendliche in ihrem bisherigen sozialen Umfeld bleiben können?
Der Anteil ambulanter Fälle an den HzE+-Fällen insgesamt unterscheidet sich sehr deutlich i n
den Städten. Der Kennzahlenvergleich bietet Hinweise darauf, dass es gelingen kann, ambulante
Hilfeformen als frühzeitig greifende Alternative zur statio nären Betreu ung zu installieren. Hier
konnten in diesem Projektjahr zahlreiche Im pulse zur S tärkung ambulanter Hilfeformen
gewonnen werden. So zum Beispiel:
Auch bei schwierigen Problemkonstellationen in den He rkunftsfamilien k ann ve rstärkt
auf ambulante Hilfesettings gesetzt werden. Mit einem a llerdings auch entspreche nd
intensiven Ressourceneinsatz können Kinder und Jugendliche auch in herausfordernde n
Situationen in ihrem sozialen Umfeld bleiben.
Die Haltung der Mitarb eiter zur Frage d es Verb leibs in d er Her kunftsfamilie a uch bei
schwierigen Rahmenbedingungen ist nicht se lbstverständlich un d mu ss eingefo rdert
werden.
Ein Erfolgsfaktor, um f rühzeitig zu a gieren ist e ine starke P räsenz der f allführenden
Bearbeiter vor Ort, die alle rdings auch mit den entsp rechenden Entscheidungs-
kompetenzen ausgestatt et sein müssen. Je bü rgernäher die Anlaufstellen verortet sind,
desto besser.
Je nach Ang ebotsstruktur vor Ort ist die Ausdifferenzierung von ambulante n Angeboten
eine notwendige Voraussetzung zur Stärkung ambulanter Hilfeformen. Bei einer zu wenig
ausdifferenzierten Angebotsstruktur, kommt es häufiger zu einer Fehlversorgung.
con_sens
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Vollzeitpflege statt Heimunterbringung
Es ist in den St ädten in einem seh r unterschi edlichen Ausm aß gelungen, stationäre Fälle in
Pflegefamilien zu betreuen. Aus den Be richten de r Städte mit ve rgleichsweise positiven
Ergebnissen im Pflegekinderwesen, konnten zahlreiche konkrete Hinweise zur Optimierung und
Steuerung gewonnen werden.
Ein zentrales Ergebnis aus dem Austausch is t, dass die Erfolgsfaktoren weniger in der
Öffentlichkeitsarbeit, in Werbek ampagnen etc . liege n. Entscheidend ist vielm ehr die
Philosophie der Mita rbeiter im Jugendam t und im Pflegek inderdienst, dass die
Heimunterbringung k eine Le bensform auf Dauer ist, auch nicht für die so g. „schwierigen“
und schon älteren Kinder und Jugendlichen.
Als Herausforderung in allen Städten wird die Realisierung der Rückkehr der Pflegekinder in
ihre Herku nftsfamilie wahrgeno mmen. Das Span nungsverhältnis zwischen dem
pädagogischen Ansatz, die Herkunftsfamilie zu stärken und dem Interesse der Pf legefamilie
an einer langfristigen Pflegeperspektive ist nicht leicht aufzulösen.
Die St ädte mit einem im Vergle ich deutlich niedrigen A nteil an Pf legekindern seh en ein
Entwicklungspotenzial z ur ve rstärkten Ak quirierung von Pflegefamilien. Bereits im l etzten
Jahr wurd en i n diesen S tädten zahlreiche Aktivitäten im Pflegekinderwesen gestartet,
sowohl im Bere ich der Öffentlichke itsarbeit als auch im Hinblick auf die Arbeitsweis e des
Pflegekinderdienstes. Im Rahmen de s Benchmarking werden die Aktivitäten der Städte und
insbesondere auch ihre Ergebnisse weiter verfolgt.
Kontinuierliche, professionelle Begleitung der Pflegefamilien
Um diese Philosophie und auch eine fehl ertolerante H altung gege nüber pote nziellen
Pflegeeltern im beruf lichen Allt ag zur Geltun g zu verhel fen, hat sic h ein stringentes
Controlling an den entscheidenden Stellschrauben als hilfreich erwiesen. So zum Beispiel der
Ansatz, die Notwendigkeit von Heim unterbringungen im Einz elfall regelmäßig durch externe
freie Träger überprüfen zu lassen.
Ergebnisse aus der Inputanalyse
Die Inputindikatoren bilden ab, was die Städte in das Leistungsgeschehen HzE+ hineingeben, um
ihre Zielsetzungen in den Hilfen zur Erziehung+ zu erreichen. Es werden die Nettoausgaben HzE+
gesamt pro Einwohner unter 21 Jahre, die Fallkosten, sowie die eingesetzten Personalressourcen
pro Fall für die einzelnen Aufgabenfelder ausgewertet.
Die Analyse des Kennzahlensets ergibt, dass die Erklärungsfaktoren für die Höhe der Fallkoste n
sowie di e H öhe der N ettoausgaben pro EW in den Städten sehr unters chiedlich sind. In der
Zusammenschau mit den Ergebnissen der Outputanalyse ergeben sich somit zahlreiche Hinweise
auf fachliche wie fiskalische Strategien vor Ort.
Als ein Erfolgsfaktor, um sozi ale Di enstleistungen zu ein em adäquaten Preis-/
Leistungsverhältnis zu erhalten, g ilt die enge Koope ration mit den Anbietern v or Ort in
Verbindung mit einer „ortsnahen“ Erbringung vo n stationären Erziehungshilfen in Aushandlung
mit den Personensorgeberechtigten.
con_sens
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Auch die Standardisierung von Leistungen in Form von Katalogen hat nach Einschätzung einiger
Städte zu einem effizienten Ressourceneinsatz beigetragen.
Aus dem V ergleich de r eingesetzte n Perso nalressourcen im ASD 1, in der Wirtschaftliche n
Jugendhilfe sowie zur Durchführu ng von erziehe rischen Hilfe n+ ergeben sich unterschiedliche
Fragestellungen. Insbes ondere scheinen qualitative Komponenten des Personaleinsatzes
entscheidend zu sein, um die Hilfep lanung und Ste uerung zu op timieren. V or diesem
Hintergrund ist geplant im weiteren Projektv erlauf i nsbesondere d en Per sonaleinsatz im ASD
qualitativ zu vergleichen.
Ergebnisse aus der Outcomeanalyse
Der Benchmarkingkreis hat in se inem zweiten Pro jektjahr weiter an se inem Kennzahlenset zum
Outcome erzieherischer Hilfe n+ g earbeitet, e rste Date n e rhoben und bereits p lausibilisiert.
Folgende Indikatoren wurden ausgewählt:
Planmäßige Beendigung von erzieherischen Hilfen + insgesamt. Hierzu wurde ein Raste r
zur Messung des Zielerreichung sgrades entwickelt, das im Benchmarkingkreis einheitlich
angewandt werden soll.
Planmäßige Beendigung und Abbruchquoten einzelner Leistungstypen , z.B. in der
Heimerziehung nach § 34 SGB VIII.
Ausbildungsstatus der Kinder und Jugendlichen bei Beendigung der stationäre n
Unterbringung, wohlwissend, dass das Ju gendamt hierauf bei weitem k einen alleinigen
Einfluss hat.
Zahl der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen durch Misshandlung, Vernachlässigung
und Missbrauch als In dikator fü r di e Güte des Kommunik ationsnetzwerkes zwischen
Bürger, professionellen Einrichtungen und Jugendamt.
Zahl der Anrufungen von Familien- oder Vormu ndschaftsgerichten wegen
Kindeswohlgefährdungen gemäß § 1666 BG B als Indik ator für ein en Au sschnitt des
tatsächlichen Ausmaßes an Kindeswohlgefährdung in einem Gemeinwesen.
Anhand der Wirkungsmessung bei Hilfen zur Erziehung+ können, so herausforde rnd diese auch
im Feld der erzieherischen Hilfen+ ist, Hinweise auf die Optim ierung der Hilfeplanung gewonnen
werden.
Des Weiteren kann anhand der Wirkungs messung von Jugen dhilfeleistungen deutliche r
kommuniziert werden, dass Jugendhilfe Wirkun gen erzie lt, die für das Gemeinwe sen von
Bedeutung sind, und nicht nur Kosten produziert.
con_sens
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1 Der Allgemeine Soziale Dienst entspricht in Darmstadt und Siegen dem Städtischen Sozialdienst.
3. Benchmarking: Zielsetzung, Methodik, Ansatz
Die Städte des Benchmarkingkreises vergleichen ihr Leistungsgeschehen der erz ieherischen
Hilfen+. Die Zielsetz ung der Jugendämter ist dabei neben einem effizient en Ressourceneinsatz
eine passgenaue, bedarfsgerechte Hilfeerbringung. Jugendhilfe soll frühze itig greifen und nur in
dem Ausmaß intervenieren, das notw endig ist. Nur das im Rahmen der Hilfeplanung festgelegte
fachliche Ziel soll mittels der Leistung verfolgt werden, die Maßnahmen dürfen den Mangel nicht
überkompensieren und damit zu stark in die Erziehung der eigentlich Verpflichteten eingreifen.
Um Hinweise auf gute Praxis und eff ektive Steuerungsansätze der Jugendämter zu erhalten, die
diese Zielset zungen unte rstützen, wird das Leis tungsgeschehen der HzE + ausgewe rtet. Ein
Vergleich quantitativer Daten basiert auf klar definierten Kennzahlen und Basiszahlen, damit alle
Teilnehmer die gle ichen Sachverhalte erfassen und abbilden. Eine Defin ition der Begriffe
Kennzahl und Basiszahl ist dem Anhang zu entnehmen.
Die Ergebnisse des quantitativen Kennzahlenvergleichs sind der erste Sc hritt, um Unterschiede
sichtbar zu machen und Impulse für weitere F ragen zu liefe rn. Der qua litative Austausch über
Ursachen und Hintergründe der erkennbaren Unterschiede dient dazu, erfolgskritische Faktoren
zur Gestaltung de r Steuerung herauszuarbeiten und spezifische Entwic klungspotenziale der
einzelnen Städte auszuloten.
Betrachtungsgegenstand
Um das Feld der Hilfen zur Erz iehung+ mö glichst
umfassend im Blick z u haben, gehören über die
klassischen Hilfen zur Erziehung des SGB VIII hinaus
weitere Leistungen und andere Aufgaben gemäß SGB VIII
zum Betrach tungsgegenstand des Benchmarkingkreises.
Der Begriff Hilfen zur Erziehung+ (HzE+) verdeutlicht
dieses Verständnis.
Im Rahmen de r Berichtslegung we rden die B egriffe
ambulant und stationär verwandt. Die Leistungen, die in
den Kennzahlenvergleich einf ließen u nd ihre Z uordnung
zu de n Bereichen ambulante un d st ationäre Leistungen
sind in nebenstehender Abb. auf geführt. V iele der
Leistungen können sowohl in am bulanter a ls auch i n
stationärer Form erbracht werden. Die Zuordnung hängt
von de r spe zifischen A usgestaltung der Leistung in der
jeweiligen Stadt ab.
Betrachtungsgegenstand des Benchmarking sind Fälle.
Im Rahmen diese r Fälle können bei familienbez ogenen
Hilfen mehrere Personen betreut werden.
Im Rahmen des Benchmarking wird die Ausgaben- und
Fallzahlenentwicklung für erziehe rische Hilfen + ins ge-
samt ausgewertet.
Relevant für die Auswertung ist lediglich die Unterscheid-
ung zwischen ambulante n und st ationären Hilfef ormen,
con_sens
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Hilfen zur Erziehung+
Leistungen gemäß SGB VIII
Ambulant
§ 27.3 Pädagogische Hilfen i.V.m.
therapeutischen Leistungen
§ 29 Soziale Gruppenarbeit
§ 30 Erziehungsbeistand,
Betreuungshelfer
§ 31 Sozialpädagogische Familienhilfe
§ 32 Erziehung in einer Tagesgruppe
Ambulant/ Stationär
(nach konkreter Ausgestaltung
zuzurechnen)
§19 Gemeinsame Wohnform für Mütter/
Väter und Kinder
§ 20 Betreuung von Kindern in
Notsituationen
§ 21 Unterbringung zur Erfüllung der
Schulpflicht
§ 27.2 Flexible erzieherische Hilfen
§ 34 sonstige betreute Wohnformen
§ 35 Intensive Sozialpädagogische
Einzelbetreuung
§35a Eingliederungshilfe für seelisch
behinderte junge Menschen
§ 41 Hilfen für junge Volljährige
Stationär
§ 33 Vollzeitpflege
§ 34 Heimerziehung
§ 42 Inobhutnahmen
sowie die Unterscheidung von Heimunterbringung und Vollzeitpflege.
Auf dieser Basis lassen sich Rü ckschlüsse auf die Erreichung der zen tralen Z ielsetzungen,
beispielsweise der Stärkung ambulanter Hilfeformen ziehen.
Der Ke nnzahlenvergleich basiert auf einer Stichtagszählung bei den H ilfeempfängern. Grun d
dafür ist, dass die Jah ressummen für ein ige Städte derzeit aus EDV-technischen Gründen noch
nicht generierbar sind. Des Weiteren entstehen bei der Bildung von Jahressummen derzeit noch
in vielen Städten Doppelzählungen, weil der Wechsel einer Maßnahme noch als Zugang bei den
Hilfeempfängern gezählt wird.
Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, dass kommunale Ver gleichsringe auf jeweil s
unterschiedlichen Def initionen insbesonde re bezüglich der Fallzahlen basieren. Direkt e
Vergleiche mit den Erg ebnissen an derer Bench markingkreise können daher nu r ein geschränkt
vorgenommen werden.
Arbeitsschritte
Inhaltlicher Schwerpunkt des Benchmarkingkreises war in diesem Projektjahr das
Pflegekinderwesen un d die St ärkung am bulanter Hilfeformen, ausgehend von de n
herausragenden K ennzahlenergebnissen de r St ädte Bremerhaven und Darmstadt in diesen
Feldern. Im Rahmen des qua litativen A ustausch wurden erfolgskritische Prozessfaktoren
identifiziert, die in diesem Bericht veröffentlicht werden.
Das Kennz ahlenset wur de weite r pr äzisiert. Ins besondere ko nnte die Ko ntextanalyse erweitert
werden du rch die Erhebung de r B ruttoausgaben für Jug endarbeit und J ugendverbandsarbeit
(§§ 11, 12 SGB VIII).
Darüber hinaus wurden der Katalog an Outco meindikatoren ebe nfalls weiterentwickelt sowi e
erste Outcomedaten erhoben. Einige Städte bereiten ihre Datenerhebung noch vor, Zielsetzung
ist die standardmäßige Auswertung über die Software.
con_sens
11
Indikatoren zu Kontext, Input, Output und Outcome
Das Leistungsgeschehen der erzieherischen Hilfe n+ umfasst unterschiedliche Dimensionen, die
im Rahmen des Benchm arking abgebildet werden. Interessante Hinweise auf gute Prax is in den
Jugendämtern vor Ort geben die Kennziffern oftmals erst in der Zusammenschau.
So geben die Kontextindikatoren Hinweise auf die soziostrukturellen
Rahmenbedingungen, unter denen die einze lnen Städte agie ren und die die
Inanspruchnahme von HzE+ beeinflussen.
Die Inputindikatoren machen transparent, was eingebracht wird,
um die Hilfen zur Erziehung+ (den Output) zu erbringen.
Was die geleisteten H ilfen zur Erziehung+ für die Kinde r u nd Jugen dlichen un d das
Gemeinwesen tatsächlich bewirken, wird an Hand von Outcomeindikatoren gemessen.
Folgende Städte beteiligen sich an dem bundesweiten Benchmarking der Hilfen zur Erziehung+:
Abb. 1: Beteiligte Städte: Einwohner
absolut
Anteil an EW
gesamt in Prozent
Bremerhaven BHV 116.640 24.361 20,9%
Darmstadt DA 150.957 27.672 18,3%
Karlsruhe KA 299.608 53.853 18,0%
Mannheim MA 325.321 61.082 18,8%
Potsdam P 153.684 28.526 18,6%
Rostock HRO 205.565 34.946 17,0%
Siegen SI 112.139 21.602 19,3%
Viersen VIE 79.381 16.511 20,8%
8 Städte
insgesamt 1.443.295 268.553 18,6%
Einwohner am
31.12.2005
mit Haupt - und
Nebenwohnsitz
Abkürzung Stadt Einwohner am 31.12.2005
0 bis unter 21 Jahre
mit Haupt- und Nebenwohnsitz
con_sens
12
4. Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs
4.1 Kontextindikatoren
Soziostruktureller Kontext hat Einfluss auf das Leistungsgeschehen Hilfen zur Erziehung+
Soziostrukturelle R ahmenbedingungen bee influssen die N achfrage nach H ilfen zur Erziehung+
maßgeblich, di es kon nten wissenschaftl iche Studien belegen (vgl. die E rgebnisse de r Studien
Entwicklungsperspektive für die e rzieherischen Hilfen?! Evaluation der H ilfen zur Erziehung in
Ludwigshafen, Ministerium für Arbeit, Soziales, Familie un d Gesu ndheit i n Rhei nland-Pfalz,
Heinz Mü ller, El isabeth Schmutz vom Institut für Sozi alpädagogische Forschung, M ainz e.V.,
Juni 2005).
Soziostrukturelle Faktor en, die sich be lastend auf das Leis tungsgeschehen Hz E+ auswirken
können.
Ausschnitte der unte rschiedlichen sozialen Problemlagen der Städte, die s ich belastend auf das
Leistungsgeschehen Hilf en zur Erziehung + auswirken kö nnen, wer den a nhand folgender
Kontextindikatoren abgebildet:
Ökonomische Dep rivation, ge rade auch unt er K indern, un d A rbeitslosigkeit als
gesellschaftliche Ausgrenzungserfahrung, gemessen an der Dichte der Bezieher von
Arbeitslosengeld 2 u nd Sozialgeld. Im H inblick a uf die Jugendlichen u nd die
Gesamtbevölkerung.
Auflösung stabiler familiärer Strukturen, gemessen an der Häufigkeit, mit der Kinder und
Jugendliche von der Scheidung ihrer Eltern betroffen sind.
Berufliche Perspektivlosigkeit j unger Menschen , hier gem essen an der Zahl der
Schulabgänger ohne Abschluss.
Allen I ndikatoren ist ge mein, dass mit ihnen die Bewält igungsanforderungen an Fam ilien
wachsen. Wenn die Belastungsfaktoren ausgeprägt sind und vor allem wenn sie kumulieren und
dabei gleichzeitig die indiv iduellen Erzieh ungskompetenzen und Problemlösungskompetenzen
eher begrenzt sind, steigt das R isiko, keine positiven Sozialisationsbedingungen für die Kinder
und Jugendlichen schaffen zu können. Es ko mmt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit z u
Überforderungssituationen, die zu K risen und Vernachlässigungen führen können und Hilfen zur
Erziehung+ notwendig machen.
Soziostrukturelle Faktoren, die sich entlastend a uf da s Leistungsgeschehen HzE + auswirk en
können.
Darüber hinaus werden auch Kontextindikatoren betrachtet, die eine beso ndere Ressource des
Gemeinwesens darste llen und s ich ent lastend auf das Geschehen erzieherischer Hilfen +
auswirken können:
Versorgungsgrad an Kindertagesbetreuung
Ausgaben für Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit
Im Rahmen des Benchmarking werden die sozios trukturellen Daten als Kontext herangezogen,
um Auffä lligkeiten bei den A usgaben un d F allzahlen erläutern zu k önnen. Die soziale n
Kontextindikatoren selbst werden lediglich abgebi ldet, a ber nicht i m Hinbl ick auf ihre
Entstehungsbedingungen ausgewertet.
con_sens
13
Ausgewählt wurden Faktoren, von denen angenommen wird, dass sie sich be- bzw. entlastend
auf das Leis tungsgeschehen HzE+ auswirken kö nnen. Ziel des Benchmarking ist es an diese r
Stelle je doch nicht, die se Annahme n zu üb erprüfen un d kausale Z usammenhänge zwische n
soziostrukturellen Problemlagen und den Zahlen der Hilfeempfänger wissenschaftlich zu belegen.
Es geht darum, die R ahmenbedingungen für Hilfen zur Erz iehung+ zu be trachten, um
Anhaltspunkte für Erk lärungsansätze auffälliger Kennzahlenergebnisse in den einzelnen Städten
zu erhalten.
4.1.1 Bezieher von Leistungen nach dem SGB II
Eine Rahmenbedingung, die sich auf das Leistungsgeschehen Hilfen zur Erzieh ung+ auswirken
kann, ist, in welchem Ausmaß die Bevölkerung einer Stadt auf Transferleistungen nach SGB II
angewiesen ist.
Abgebildet wird die Dichte der Bez ieher Arbeitslosengeld 2
und Soz ialgeld am 31. 12. des Berichtsjahres pro 100
Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz lt. Melderegister,
differenziert nach den drei Altersgru ppen 0 bis unter 15
Jahre, 15 bis unter 25 Jahre (KeZa 5) und 0 bi s unter 65
Jahre (KeZa 6).
Da sich die staatlichen Unter stützungsleistungen auf das
Existenzminimum beschränken, können anhand der Dichte
der Bezieher von Reg elleistungen nach de m SGB II
Hinweise auf das Ausmaß an ökon omischer Deprivation in
der Gesellschaft gewonnen werden.
Armut wi rd o ft al s ge sellschaftliche Ausgrenzung
wahrgenommen, in de r Folge steigen die Konflikte i n
Familien und die Anforderungen an die
Erziehungskompetenzen von Pe rsonensorgeberechtigten.
Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen benötigen Kinder und Jugendliche und ihre Familien, die
als arm gelten bzw. am Existenzminimum leben, vergleichsweise häufig erzieherische Hilfen +
durch das Jugendamt (vgl. hierz u Bericht z ur En twicklung von J ugendhilfebedarf un d
sozialstrukturellem Wandel, Zusammenfassung zentraler Ergebnisse, S. 8, Kommunalverband für
Jugend- und Soziales Baden-Württemberg, August 2005).2
Definition der Kennzahl
Dichte der Bezieher der Arbeitslosen-
geld 2 und Sozialgeld
(KeZa5 und KeZa 6)
Dichte der Bezi eher von Arbeit slosen-
geld 2 und So zialgeld der bi s unter
65-Jährigen am 31.12. des Be richts-
jahres pro 100 altersgleiche Einwoh-
ner mit Haupt- und Nebenwohnsitz lt.
Melderegister.
KeZa 5
- 0 bis unter 15
- 15 bis unter 25
KeZa 6
- 0 bis unter 65 gesamt
Nach der Arbeitsmarktreform und der damit verbundenen Zusammenlegung der Sozialhilfe mit
den Leistungen der Arbeitslosenhilfe wird erstmals transparent, wie viele Kinder und Jugendliche
auf die staatlichen Transferleistung zur Sich erung des Le bensunterhaltes angewie sen sind.
Experten sprechen von einer „Infantilisierung“ der Armut (Die ZEIT 3. August 2006, S. 11 ff; vgl.
auch Urse l Becher, Arm ut und Benachteiligung von Kin dern und Juge ndlichen in Hamburg ,
August 2005 sowie die bundesweite Untersuchung des Paritätischen Wohl fahrtsverbandes über
Kinder und Hartz IV; aktuelle Daten s. in Pressemitteilung des Deutschen Kinderschutzbundes zu
den aktuellen Daten der Bundesagentur für Arbeit vom 27. Juli 2006). Als besonders bedenklich
2 Weitere Literatur in diesem Zusamme nhang: Sozialstru kturelle u nd ge sellschaftliche Rahmenbedingungen al s
bedarfsbeeinflussender Faktor; Evaluation der Hilfen zur Erziehung in der Stadt Ludwigshafen; Heinz Müller, Elisabeth
Schmutz; I nstitut für Sozial pädagogische Forschung Mainz e. V.; Ames, A. & B ürger, U., Urs achen der
unterschiedlichen Inanspruchnahme von Heimerziehung, in: Nachrichtendienst des Deutschen Vereins, Heft 12/1997,
S. 373-379; Bürger, U. : Stellenwert ambulanter Erziehungshilfen im Vorfeld der Heimerziehung. Empirische Befunde
und Erfahrungen von Heimjugendlichen und deren Eltern mit ambulanten Jugendhilfemaßnahmen und Angeboten der
Jugendhilfearbeit. In: Forum Jugendhilfe E xtra. Minister ium für F rauen, Jugend, Woh nungs- und Städtebau des
Landes Schleswig Holstein, Kiel 1997.)
con_sens
14
wird nicht nur das Ausmaß der Armut betrachtet, sondern auch, dass sie so schnell wächst (Die
ZEIT, 3. August 2006, S. 11 ff).
Die Dichte der Bezieher von Regelleistungen nach SGB II ab 15 Ja hren wird im Rahmen der
Kontextanalyse auch als Indikator h erangezogen, um die Belastung durch Arbeitslosigkeit zu
vergleichen. Mit Ar beitslosigkeit sind ne ben ökonomisc hen Einschränkun gen häufig bei
langfristiger Arbe itslosigkeit auch psychosoziale Ausw irkungen ver bunden. Die ungewoll te
Erwerbslosigkeit kann ein be lastender Faktor für die Erziehungssituationen in Familien und für
die Lebe nsbedingungen von Kin dern und Jug endlichen sein . Junge Me nschen kön nen du rch
Arbeitslosigkeit unmit telbar aber auch mittel bar über die fehlende Erwerbsarbeit ih rer
Personensorgeberechtigten betroffen sein.
Regelleistungen n ach SGB II um fassen das sog. A rbeitslosengeld 2 f ür erwerbsfähige
Hilfebedürftige und da s S ozialgeld für Per sonen, die aus unterschiedlichen Gründen nicht
erwerbsfähig sind, sei es , weil sie noch Kinder sind, se i es, weil sie aus krankheitsbedingten,
psychischen Gründen nicht in der Lage sind, länger als 3 Stunden täglich zu arbeiten. Personen
mit SGB II-Leistungen über 15 Ja hren sind häufig ohne Erwerbsarbeit, auch wenn e in Teil der
Leistungsbezieher trotz Erwe rbstätigkeit nicht ausreichend verdient, um den Lebe nsunterhalt
sicherzustellen.
Der Indik ator der Bezie her von Ar beitslosengeld 2 und Sozialgeld wird statt der o ffiziellen
Arbeitslosenquote der Bundesagentur für Arbeit herangezogen, weil in dieser viele Gruppen nicht
eingerechnet sind, zum Beispiel Personen mit sog. „1-Euro-Jobs“ oder Jugendliche, die in einer
Trainingsmaßnahme sind. Er ste Auswertungen de r SGB II-Hilfeempfängerzahlen ( s.
Benchmarkingbericht de r mittelg roßen Großstäd te zum SGB II, 2006, co n_sens) zeigen, das s
gerade gut ein Viertel der arbeitsuchenden Jugendlichen offiziell als arbeitslos gilt.
Daher werden die Daten zur Arbeitslosigkeit nicht im Rahmen der Be richtslegung ausgewertet,
sie werden aber im Rahmen des Benchmarking erhoben und sind als Grafiken im Anh ang dieses
Berichtes abgebildet. Z u be rücksichtigen ist, da ss die Zah l der Bezieher von Leistung en nach
dem SGB II nicht die Arbeitslosen enthält, die ausreichende Leistungen nach SGB III erhalten.
con_sens
15
Abb. 2: Bezieher von L eistungen nac h dem SGB II differenziert nach Altersgruppen pro 1.000 EW am 31.12.
(KeZa 5 und 6)
KeZa 5 und 6:
Anzahl der Bezieher von Arbeitslosengeld 2 und Sozialgeld
pro 100 altersgleiche Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz
(differenziert nach Altersgruppen) 2005
40,2
18,6
14,5
21,9 20,8
36,8
22,4
25,0
16,5
5,6 4,7
6,3
12,3 12,3
9,3
25,9
9,8
8,2
11,9 12,2
20,2
15,4 14,8
7,7
n.v.
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
BHV DA KA MA P HRO SI VIE MW
0 bis unter 15 Jahre 15 bis unter 25 Jahre 0 bis unter 65 Jahre
VIE: Keine Daten der Bundesagentur für Arbeit verfügbar.
SI: Gewichtete Schätzungen auf der Basis einer regionenbezogenen Zahl der Bundesagentur für Arbeit
Die Grafik zeigt zunächst in ihrer Gesamtheit das oben bereits angesprochene bedenklich hohe
Ausmaß der Abhängigkeit von Kindern unter 15 Jahren von der staatlichen Transferleistung nach
SGB II. Sie sind zwar n icht die absolut gesehen größte Gruppe unter den Leistungsbeziehern,
aber bezoge n auf ih re Altersg ruppe sind sie am häufigsten auf die staat liche Leistu ng
angewiesen. Im Mittel sind dies ein Viertel dieser Altersgruppe.
In Bremerhaven und Rostock zeigen sich im Vergleich besondere soziale Problemlagen, sowohl
für die Kinder, als auch für die Jugendlichen und für die Leistungsbezieher insgesamt, wie in der
weiter unten abgebildeten Grafik KeZa 6 deutlich wird.
Für Viersen lassen sich keine Aussagen zu den Be ziehern von Arbeitslosengeld 2 und Sozialgeld
treffen, da die örtliche ARGE k eine Dat en f ür das Stadtgebiet Viersen sondern nur für das
gesamte Gebiet der ARGE zur Verfügung stellen kann. Da Viersen in diesem Gebiet im Vergleich
zu den Um landgemeinden eine überdurchschnittliche Belastung aufweist, ist es nicht möglich,
die Daten der ARGE entsprechend gewichtet auf das Viersener Gebiet herunterzubrechen.
In Siegen h ingegen ist eine aussagekräftige ge wichtete Sc hätzung durch die ö rtliche ARG E
möglich. Der Benchmarkingkreis hofft, dass sich die Datenlage in dieser Hinsicht, die zum Teil
auf die Inkompatibilität von Softwareprogrammen zurückzuführen ist, verbessern wird. Dies is t
auch deshalb von Bedeutung, weil die Kommunen ihre sozialplanerischen Aufgabe wahrnehmen
müssen und auf diese Daten angewiesen sind.
Für R ostock ist zu berücksichtigen, dass die Di chte de r Bezieher von Arbeits losengeld 2 und
Sozialgeld ein nur unvollständiges Bild der Problemlage vor Ort insbesondere im Hinblick auf die
Jugendarbeitslosigkeit zeichnet. Die im Anhang abgebildeten Grafik zur Arbeitslosendichte für die
Jugendlichen unter 25 Jahren ( KeZa 1.1.) ze igt die diesbez üglich beson dere Problemlage in
Rostock.
con_sens
16
4.1.2 Von Scheidung betroffene Kinder und Jugendliche
Die Tren nung der Eltern ist f ür Kin der und Ju gendliche u nd auch für ihre
Personensorgeberechtigten eine große emotionale Belastung. Es hande lt sich dabe i um ein en
Indikator, anhand dessen Hinweise auf die Stabilität bzw. I nstabilität der Familienverhältnisse
gewonnen werden können.
Studien be legen, dass die Trenn ung de r Eltern eine n
besonderen Einfluss auf die Inanspruchnahme von Hilfen
zur Erzieh ung+ h at un d daher e ine zentrale
Kontextbedingung darstellt.
Das Risiko, dass Erziehungshilfen + notwendig we rden, ist
nach wissen schaftlichen Erken ntnissen um ein Vielfaches
höher, wenn die Elte rn getrennt le ben (vgl. Bericht zur
Entwicklung von Jugen dhilfebedarf u nd sozia lstrukturellem
Wandel f ür die St adtkreise und Landk reise in den
Regierungsbezirken Stuttgar t und Tübingen über den
Zeitraum 1 999 bis 2003 von Dr. Ullrich Bürger,
Herausgeber: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg, August 2005.).
Definition der Kennzahl
Von der Sch eidung ihrer Eltern
betroffenen Ki nder und Juge ndliche
pro 100 EW u. 18 J. (KeZa 12)
Von Scheidung ihrer Eltern betroffene
Kinder und Jugendlic he bis un ter 18
Jahren pro 100 EW bis unter 18
Jahren
Um Hinweise auf die unt erschiedlichen diesbezüglichen Rahmenbedingungen in den Städten zu
erhalten, wird die Z ahl der von Scheidung betroffenen Kinder und Juge ndlichen pro 100 junge
Einwohner unter 18 Jahre be trachtet. Kinder und Jugendliche, deren Eltern vor ihrer Trennung
nicht verhe iratet waren, werden nac h der aktuellen Datenlag e nicht berücksichtigt, weil sie
derzeit nicht erhebbar s ind. Gezeigt hat sich na ch wissenschaftlichen Studien, dass der Faktor
der allein Erziehenden in Verbindung mit anderen Belastungsfaktoren die Inanspruchnahme von
Hilfen zur Erziehung in besonderem Maße beeinf lusst (vgl. Bürge r: Referat i m
Jugendhilfeausschuss der Stadt Mannheim am 13.07.2006)
Das bedeutet, dass man anh and dieses Indika tors einen Teil der Entwic klung abbildet. Nicht
berücksichtigt ist, dass die Zah l der eheähnlichen Gemeinschaften stet ig steigt, und daher i n
einem hohen Ausmaß K inder und Jugendliche von der Trennung ihrer Eltern betroffen sind, die
in kei ner Scheidungsstatistik a uftauchen. Dies t rifft jedoch a uf al le Städte des Ve rgleichsrings
gleichermaßen zu. Dahe r kann der Indikator de r von der Scheidung ihr er Elt ern betroffenen
Kinder un d Juge ndlichen als e in gesichert er Indikator gelten, um unterschiedliche
Kontextbedingungen zwischen den Städten transparent zu machen.
In diesem Zusammenhang ist auch darauf h inzuweisen, dass die Z ahl der K inder und
Jugendlichen, deren Eltern geschi eden sind, zunimmt, trotz eines tendenziell zu beo bachtenden
Bevölkerungsrückgangs in de r Alte rsgruppe de r unter 18-Jährigen. Dies weist auf einen
steigenden Bedarf an HzE+ hin.
Die folgende Grafik ze igt, dass die R ahmenbedingungen der Städte im Hinblick auf die Dichte
der von Scheidung betroffenen Kinder und Jugendlichen sehr unterschiedlich sind.
con_sens
17
Abb. 3: Von Scheidung betroffene Kinder und Jugendliche bis unter 18 J. pro 100 altersgleiche EW (KeZa 12)
KeZa 12:
Von Scheidung betroffene Kinder pro 100 Einwohner von 0 bis unter 18 Jahre
2005
2,29
1,27
0,63
1,10
0,62
n.v.
1,16
0,78
1,12
0,00
0,50
1,00
1,50
2,00
2,50
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
Von Scheidung betroffene Kinder pro 100 EW 0-u.18 J. mit Haupt- und Nebenwohnsitz 2005
Mittelwert 2005
VIE: Angaben nur auf Amtsgerichtsebene verfügbar. Der Anteil wurde im Verhältnis zur altersgleichen Bevölkerung angegeben.
Eine mit Abstand besondere Problemlage im Hinblick auf junge Menschen unter 18 Jahre, deren
Eltern sich haben scheiden lassen, weist Bremerhaven auf.
Ein Erklärungsfaktor für den Wert in Bremerhaven ist, wie auch im letzten Bericht e rwähnt, dass
viele Mütter oder V äter mit ihre n Kindern nac h der Tren nung von ih ren Partne rn aus dem
Umland nach Bremerhaven ziehen.
Vergleichsweise selten sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Potsdam, Viersen und
Darmstadt von der Scheidung ihrer Eltern betroffen.
con_sens
18
4.1.3 Schulabgänger ohne Abschluss
Das Le istungsgeschehen Hilfe n zur Erziehung + wird
ebenfalls dadurch beeinflusst, inwie weit es Jug endlichen
gelingt, mit einem Schulabschluss einen Einstieg in eine
Ausbildungs- und Berufsbiografie zu finden.
Definition der Kennzahl
Schulabgänger ohne Abschluss pro
100 EW (KeZa 3) 15 unter 21 Jahre
Schulabgänger ohne Abschluss pro
100 EW 15 bis unter 21 Jahren mit
Haupt- und Nebenwohnsitz lt.
Melderegister.
Gelingt es de n Jug endlichen nicht, e ine form ale
Qualifikation ihrer Schule zu erhalten, sind ihnen berufliche
Perspektiven weitgehen d ve rsperrt. Das Ris iko, dass
Erziehungshilfen notwendig werden, ist höher.
Die folgende Grafik bildet die Zah l der Sch ulabgänger von
15 bis unter 21 Jahren, die ihre Schule ohne Abschluss verlassen habe n pro 100 altersgleiche
Einwohner ab.
Die Grafik zeigt, dass sich die soziostrukturellen Ra hmenbedingungen de r acht
Benchmarkingstädte i m Berichtsj ahr im Hi nblick auf diesen K ontextindikator deut lich
unterscheiden.
Abb. 4: Schulabgänger ohne Abschluss pro 100 EW 15 bis unter 21 Jahre (KeZa 3)
KeZa 3:
Schulabgänger ohne Abschluss pro 100 EW 15 bis unter 21 Jahre
2,2
1,0
2,4
2,2
2,4
2,1
1,0
0,6
2,0
3,2
1,6
n.v.n.v.
1,4 1,5
1,7
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
2004 2005 Mittelwert 2005
SI: Schätzung der Daten auf der Basis einer Hochrechnung der Daten für die Hauptschulen.
DA: In Hessen werden die Daten nicht erhoben.
Eine im Ver gleich beso nders de utliche Probleml age weist V iersen auf. Bereits selte ner a ber
immer noch überdurchschnittlich oft verlassen Sc hüler in Bremerhaven und Sie gen die Schule
ohne Abschluss. Besonders se lten m üssen Schüler in Potsdam und m it einigem Abstand gen
Mittelwert auch in Karlsruhe diese Einschränkung ihrer beruflichen Perspektive hinnehmen.
Bei der Interpretation der Zahl ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Zahl der Schulabgänger
sehr stark schwankt, wie auch aus der Grafik er sichtlich wird. Entwick lungen finden in dies em
Feld sprunghaft statt. Abhängig sind die Werte beisp ielsweise auch von der Z ahl junge r
Migranten, die in der jeweiligen Stadt leben. So wiesen Mannheim und Potsdam im Vergleich zu
diesem Berichtsjahr im Vorjahr no ch eine deutlich überdurchschnittl iche Proble mlage im
Hinblick auf diesen Kontextindikator auf.
con_sens
19
Die (In-)Stabilität dieses Faktors wird im Rahm en des Benchmarking weiterhin beobachtet. Ggf.
kann hier mittels e iner Zeitreihenbetrachtung und eines dann zu bildenden Durchschnittswertes
eine stabilere Aussage getroffen werden.
4.1.4 Kindertagesbetreuung
Neben Fakt oren, die sich belastend auf das Le istungsgeschehen der erzieherischen Hilfe n+
auswirken können, we rden im Rahmen de r Ko ntextanalyse auch en tlastende Faktoren
betrachtet.
Der Ve rsorgungsgrad an Plätzen in Kindertages-
einrichtungen ist eine relevante Rahmenbedingung für das
Leistungsgeschehen Hilfen zur Erziehung+. Werde n
frühzeitig erzieherische Bedarfe erk annt und auf gefangen,
kann pe rspektivisch die No twendigkeit von Hilfen zur
Erziehung+ vermieden werden.
Um de n V ersorgungsgrad an Plätzen in Kindertages-
einrichtungen in den Städten zu vergle ichen, werde n die
belegten Plätze in Kindertage seinrichtungen für Kinde r bis
unter 14 Jahren abgebildet.
Die Ang ebote werde n nach unt erschiedlichen Alte rs-
gruppen dif ferenziert dargeste llt. Da die Plätze in
Kindertageseinrichtungen für di e 3-jährigen bis noch nicht
schulpflichtigen Kinder in der Rege l Kinde rn bis 6,5 Jah ren zur Verfügu ng stehen, wird die
Bezugsgröße der Einwohner entsprechend gewählt.
Definition der Kennzahl
Kita-Plätze (KeZa 8)
Anzahl der belegten Plätze in
Tageseinrichtungen für Kinder bis unter
14 Jahre in Kindertagesstätten -
- 0 bis unter 3
- 3 bis 6,5
- 6,5 bis unter 14 J.
pro altersgleiche Einwohner mit Haupt-
und Nebenwohnsitz lt. Melderegister.
Abb. 5: Anzahl Belegte Plätze für Kindertagesbetreuung pro 100 EW 0- unter 14 Jahre am 31.12. (KeZa 8)
KeZa 8:
Anzahl der belegten Plätze für Tageseinrichtungen für Kinder gesamt
pro 100 altersgleiche Einwohner unter 14 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz
2005
3
10
40 38
1
16
91 93 92 90 89 90
87
8
86
78
90
0,0
20,0
40,0
60,0
80,0
100,0
120,0
BHV DA KA MA P HRO SI VIE MW
Plätze für 0 bis unter 3 J.
Plätze für 3 bis unter 6,5 J.
Plätze für 6,5 bis unter 14 J.
BHV: Die Angebote für noch nicht schulpflichtige Kinder ab drei Jahren werden nur für die 3- bis unter 6-jährigen Einwohner
angeboten. Zur Veranschaulichung: Würde man die Werte auf die in Bremerhaven berücksichtigten Einwohner von 3 bis unter 6
Jahren beziehen, würde der belegten Plätze pro 100 Einwohner dieser Altersgruppe deutlich höher liegen.
13
18
45
3
18
34
2
86
con_sens
20
Für Bremerh aven g elten folgende Besonderheiten: Die An gebote für noch nicht schulp flichtige
Kinder ab drei Jahre n werde n in der St adt nur für die 3- bis unte r 6-jäh rigen Einwohne r
angeboten. Zur Ver anschaulichung: Würde man die Werte a uf die in Bremerhaven
berücksichtigten Einwohner von 3 b is unte r 6 J ahren beziehen, wür de de r Wer t der belegten
Plätze pro 100 Einwohner deutlich höher liegen.
Der Versorgungsgrad für die Kinder ab 3 Jahren, die noch nicht schulpflichtig sind, unterscheidet
sich zwar zwischen den Städten des Benchmarkingkreises, al lerdings eher in eine r zu
vernachlässigenden Größenordnung. Für diese Altersgruppe greifen die gesetzlichen Vorgaben.
Relevante Unterschiede sind im H inblick auf den Versorgungsgrad für di e Unter-3-Jährigen und
die Plätze für die schulpflichtigen Kinder unter 14 Jahre erkennbar.
Die Kindertagesbetreuung ist für diese Altersgruppen wie erwartet insbesondere in Potsdam und
in der H ansestadt Rost ock übe rdurchschnittlich gut ausgest attet. Dies is t auf die historisch
gewachsenen gut ausge bauten Bet reuungsstrukturen in der ehemaligen DDR zurück zuführen.
Studien zeigen, dass sich der Versorgungsgrad in Ost- und Westdeutsch land auch n ach der
deutschen Einheit bis 2002 deutlich u nterscheidet (v gl. Broschü re des Statistischen
Bundesamtes „Kindertagesbetreuung in Deu tschland – Einrichtungen, P lätze, Personal und
Kosten 1990 bis 2002"; sowie Pressemitteilung vom 16. März 2004).
Auf Grund der politischen Diskussionen auf Bundesebene und auf kommunalpolitischer Ebene
im Zuge de s Tagesbe treuungsausbaugesetzes hat die Them atik je doch deut lich im gesamten
Bundesgebiet an Dynamik gewonnen.
Das bedeutet erfreulicherweise, dass die gut ausgebauten Betreuungsstrukturen in Potsdam und
Rostock kein „Einsparpotenzial“ zur Kostenminimierung darstellen, son dern Pionierfunktion f ür
die übrigen Städte h aben. Zie lsetzung de r Jug endämter ist es, insbesondere das Angebot an
Krippenplätzen und Kindertagespflege auszubauen.
Sowohl im Bereich der Krippenplätze als auch i m Hinblick auf die Angebote für sch ulpflichtige
Kinder ist in de n westde utschen Städten be reits eine gewisse Dynamik entstanden. Dies wird
daran deutlich, dass sic h auch die übrigen Benchmarking-Städte im H inblick auf Angebote f ür
diese Altersgruppen deutlich unterscheiden.
Weitere Betreuungsformen im Fokus
Diese Dy namik ze igt sich nicht nur in dem
Versorgungsangebot für die unterschiedlichen Altersgruppen,
sondern auc h im Ausbau von Betre uungsformen, die über
die zu den Kin dertageseinrichtungen zählende n Kinde r-
krippen, Kindertagesstätten und Horte hinausgehen.
Von beson derer Bede utung sind hier die registrierte
Kindertagespflege im Sinne des § 23 SGB VIII un d
schulische Zusatzangebote , die den Eltern feste
Betreuungszeiten garantieren.
Daher wird im R ahmen dieses Benchm arking auch
ausgewertet, wie sich die Städte im Hinblick auf die Anzahl
der belegten Plätze für K indertageseinrichtungen,
Kindertagespflege und sonstige Formen der Kindertagesbetreuung pro Einwohner unter 14 Jahre
unterscheiden.
Definition der Kennzahl
Belegte Plätze Kindertagesb etreuung
(KeZa 11)
Belegte Plätze für Kinder bis unter 14
Jahre in Kindertageseinrichtungen und
sonstigen Formen von Kindertages-
betreuung und in registrierter
Tagespflege pro Einwohner bis unter
14 Jahre mit Haupt- und Neben-
wohnsitz lt. Melderegister.
con_sens
21
Bei der Interpretation der Grafik ist u nbedingt zu ber ücksichtigen, dass hie r die belegten Plätze
für die Altersgruppe der 0 bis unter 14 Jahren insgesamt ausgewiesen sind.
Daher liegen die Dichten der Plätze für die unter 14 Jährigen insgesamt sehr viel niedriger als für
die belegten Plätze für s pezifische Altersgruppen, bezogen j eweils auf alt ersgleiche Einwohner,
wie sie in der Grafik KeZa 8 abgebildet sind.
Abb. 6: Belegte Plätze für Kindertagesbetreuung gesamt pro 100 EW 0- unter 14 Jahre 31.12. (KeZa 11)
KeZa 11:
Kinder von 0 bis unter 14 Jahre in Kindertagesstätten und sonstigen Formen von Kindertagesbetreuung
und in registrierter Kindertagespflege
pro 100 Einwohner von 0 bis unter 14 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz
2005
13,2
23,1
30,9
28,1 28,8
57,3
51,1
25,4
23,2
0,39
0,33
1,25 1,44
0,95
1,98
0,48
0,37
0,90
16,5
10,3
13,3
19,6
9,09,714,3
n.v.
33,5
0
10
20
30
40
50
60
70
80
BHV DA KA MA P HRO SI VIE MW
sonstige Formen v. Betreuung Kitas in registrierter Kindertagespflege
Deutlich wird, dass die Kindertageseinrichtungen (Ho rte, Kinderkrippen, Kinderg ärten) im
Angebotsportfolio in allen St ädten wie erw artet den g rößten Bestandteil ausmachen.
Ausführungen zu dieser Betr euungsform sind dem o bigen Abschnit t dieses K apitels zu
entnehmen.
Die registrierte Kindertagespflege nach § 23 SGB VIII hingegen spielt im Vergleich zu den beiden
anderen Betreuungsformen e ine st ark unterge ordnete Rolle. In diesem Zusamme nhang ist
allerdings zu berücks ichtigen, dass alle sog. nicht-öffentlichen Formen der Kindert agespflege,
d.h. Tagespflege, die nicht mit Ge ldleistungen de r Stadt verbunden ist o der durch die
Vermittlung des Jugendamtes zustande kommt, in dieser Grafik nicht berücksichtigt sind.
Eine nicht unbedeutende Rolle sp ielen hingeg en be reits i n al len Städten die schulischen
Angebote, die zusätzlich zum Unte rricht im R ahmen von fe sten Bet reuungszeiten angebot en
werden.
Dieser Be reich wird zun ehmend an Be deutung gewinnen, insbesondere da er Kindern und
Jugendlichen mit schwie rigen Ausgangsbedingungen in ihre r Herkunftsf amilie zumin dest die
Möglichkeit positiver Sozialisationserfahrungen gibt.
Die Zeitre ihenbetrachtung dieser K ennzahl wird interess ant sein, um die derzeit in allen
Benchmarkingstädten v erstärkten Bemühungen in diesem Feld zu dokument ieren und die
Ergebnisse abzubilden.
con_sens
22
4.1.5 Brutto-Gesamtausgaben für den Jugendetat
Als zweite positive Rahmenbedingung, die sich entlastend auf das Leistungsgeschehen der Hilfen
zur Erziehung + auswirk en kann, w erden die Ausgaben für präv entive Jugendhilfeleistungen
abgebildet.
Wenn Kinder un d Jug endliche die Möglichkeit haben ,
außerhalb der eige nen Familie Erf ahrungen zu machen,
Bindungen aufzubauen und unterschiedliche Möglichkeiten
der Soz ialisation zu erfah ren, müssen nicht alle
erzieherischen Aufgaben in der Familie erbracht werden.
Definition der Kennzahl
Brutto-Jugendetat (KeZa 4)
Bruttoausgaben für Jugendar beit und
Jugendverbandsarbeit (nach § 11 und
§ 12 SGB VIII) pro EW unter 21 Jahre
in Euro im Bj.
Dies ent lastet die Familien, ins besondere solc he, dere n
Erziehungskompetenzen und Problemlösungspotenziale
nicht so stark entwickelt sind.
Für den Kennzahlenvergleich wurden die Leistungen der offenen Kinder- und Jugendarbeit nach
§ 11 SGB VIII un d die Zuschüsse für anerk annte Juge ndverbände un d Juge ndgruppen im
Rahmen der Förderungspflicht nach § 12 SGB VIII ausgewählt.
Die Def inition der Basis zahl wurde in diesem zweiten Proje ktjahr des Benchmarkingkreises
erarbeitet und die Daten wurden erstmalig erhoben.
Die Bruttoausgaben für Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit beinhalten folgende
Positionen:
Operative Personalkosten und Overhead (ohne Jugendamtsleitung) der Kommune im Bereich
offene Kinder- und Jugendarbeit (§ 11 SGB VIII) in der Abteilung Jugendförderung in Euro
- Ausgaben für vollze itverrechnete Mit arbeiter in kommunalen Einrichtungen der offe nen
Kinder- und Jugendarbeit (Kinder- und Jugendhäuser, betreute Spielplätze, Spielmobile
etc.)
- Ausgaben für vollzeitverrechnete Mitarbeiter in der Verwaltung mit op erativen Aufgaben
im Bere ich offene Kinder- un d Juge ndarbeit ( inklusive Juge ndbildungswerk,
Beteiligungsverfahren, Events, Aktionen etc.)
- Ausgaben für die Bearbeitung der entsprechenden Förderanträge
Sachkostenetat der Kommune für die offene Kinder- und Jugendarbeit
- mit Ausgaben für Honorarmittel
- ohne investive Mittel in Verwaltung und kommunalen Einrichtungen der offenen Kin der-
und Jugendarbeit und ohne Ausgaben für Instandhaltungskosten / Unterhaltungskosten
Zuschüsse an ane rkannte freie Träg er gemäß den Förderrichtlinien für einzelne Maßnahmen
in Euro
- Ausgaben im Rahmen des Juge ndförderungstatus – Zuschüsse für anerkannte
Jugendverbände und Jugendgruppen im Rahmen der Förderungspflicht (gem. § 12 SG B
VIII) in Euro
Für alle Punkte gilt:
- Nur kommunale Mittel, das heißt keine Dritt- oder Fördermittel;
- Ohne Ausgaben für Kindertagesbetreuung nach dem Kindertagesbetreuungsgesetz,
- Ohne Ausgaben für Leistungen im Bereich §13 SGB VIII.
con_sens
23
Abb. 7: Bruttoausgaben für Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit pro EW unter 21 Jahre in Euro (KeZa 4)
KeZa 4:
Bruttoausgaben für Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit
pro EW unter 21 Jahre in Euro
2005
108
104
95
35
76
132
9594
116
0,0
20,0
40,0
60,0
80,0
100,0
120,0
140,0
BHV DA KA MA P HRO SI VIE MW
DA, P: Personalausgaben nach KGSt-Tabelle geschätzt. Für DA liegen die realen Ausgaben aufgrund des Altersdurchschnitts der Mitarbeiter höher.
Bei der Inte rpretation der Grafik ist zu berücks ichtigen, dass sich die Fö rderstrukturen für de n
Bereich de r Kin der- un d Jug endarbeit und de n Bere ich der Jugendverbandsarbeit in de n
Kommunen sehr stark unterscheiden.
Insbesondere verfügen die Städte über unte rschiedliche Landesmitte l und Drittmittel für ihre
Jugendförderung, die in dieser Graf ik nicht ab gebildet sind. Diese Graf ik zeigt dah er eine n
Ausschnitt aus der Förderlandschaft, sie bildet sie nicht umfassend ab.
Auffallend ist, dass ins besondere Viersen im Berichtsjahr vergleichsweise wenige Ausgaben für
Jugendarbeit un d Jugendverbandsarbeit n ach § 11 un d § 12 SG B VI II pro junge n Einwohner
aufgewandt hat. Das Vie rsener Juge ndamt hatte ein im Vergleich eher geringe s
Ausgabenvolumen erwartet, ist von den deut lichen Unterschieden jedoch überrascht.Die übrigen
Städte unterscheiden sich merklich, aber nicht so deutlich wie erwartet.
con_sens
24
4.1.6 Die Kontext-Bedingungen der Städte in der Zusammenschau
Die K ontextanalyse ze igt insgesamt, dass die St ädte des Vergleichsrings s ehr unterschiedlich e
sozialstrukturelle Problemlagen aufweisen, sowohl im Hinblick auf das Ausmaß der Belastung als
auch im Hinblick auf die einzelnen Belastungsfaktoren.
Daher werden alle Kontext-
Indikatoren im Folgenden
für jede e inzelne St adt in
einer sog. Netzgrafik z u-
sammen abgebildet.
Die angegebenen Werte
ie Werte beziehen sich
der N etzgrafiken bilden
nicht die absoluten Aus-
prägungen des jeweil igen
Indikators ab, sondern die
Abweichung vom Mitt el-
wert.
D
auf den Mitt elwert (=
Index 1 00), de r jewe ils in
einer rot gestrichelten Linie
dargestellt ist.
LEGENDE
Bezieher nach SGB II
(pro 100 EW)
Bezieher u25 nach SGB
II
(pro 100 EW)
Schulabgänger ohne
Abschluss (15-u.21 J.)
Scheidungskinder pro
100 EW
(0-u.18 J.)
unterdurchschnittlicher
Jugendetat
(0-21 J.)
unterdurchschnittliche
Anzahl Kita-Plätze
(0-14 J.)
Dies ist notwendig, um die unte rschiedlichen I ndikatoren mi t jewe ils unterschiedlichen
Bezugsgrößen vergleichbar zu machen.
Alle Indikatoren werde n mit der gleichen W irkungsrichtung, d.h. als belastende Fakto ren
abgebildet. Hierzu wurde die Anz ahl der belegten Plätze in Kindertageseinrichtungen und des
Jugendetats entsprechend transformiert. Daher wird in der Legende de r Netzgrafik auch die
Bezeichnung „unterdurchschnittlich e Anzahl Kita-Plätz e“ und „ unterdurchschnittlicher
Jugendetat“ gewählt.
Je höher der Wert des Indikators ist, desto größer ist die entsprechende Problemlage in der Stadt
einzuschätzen und desto größer auch die in der Grafik aufgespannte Fläche.
con_sens
25
114,1
78,3
103,7
84,1
82,5
80,5
Mannheim 2005 MW = Index 100
101,2
203,6
126,2
174,5
175,4
Bremerhaven 2005 MW = Index 100
107,8
85,8
69,8
71,1
66,0
Darmstadt 2005 MW = Index 100
55,3
112,7
57,860,7
116,1 56,2
Karlsruhe 2005 MW = Index 100
36,3
56,5
100,1
28,7 79,0
82,5
Potsdam 2005 MW = Index 100
47,3
136,4
88,3
125,7
90,8
98,2
Rostock 2005 MW = Index 100
102,0119,9
107,2 111,0
103,8
Siegen 2005 MW = Index 100
115,1
163,1
50,7
162,4
Vier sen 2005 MW = Index 100
n.v.
n.v.
n.v.
n.v.
n.v.
LEGENDE
Bezieher nach SGB II
(pro 100 EW)
Bezieher u25 nach SGB II
(pro 100 EW)
Schulabgänger ohne Abschluss (15-u.21 J.)
Scheidungskinder pro 100 EW
(0-u.18 J.)
unterdurchschnittlicher Jugendetat
(0-21 J.)
unterdurchschnittliche Anzahl Kita-Plätze
(0-14 J.)
con_sens
26
4.2 Outputindikatoren
Im Rahmen der Output-Analyse w ird das Leistungsgeschehen erz ieherischer Hilf en+ in de n
Städten im Hinblick auf die erbrachten Leistungen der Jugendämter für Kinder und Jugendliche
und ihre Familien ausgewertet.
Die quantitativen Kennzahlenergebnisse geben Hinweise darauf, in welch en Städten gute Praxis
im Sinne einer bedarfsgerechten und passgenauen Hilfeerbringung und einer präventiv greifenden
Jugendhilfe vermutet werden kann.
In diesem Zusammenhang werden unterschiedliche Kennzahlen ausgewertet:
Wie oft erhalten Kinder und Jugendliche und ihre Familien erzieherische Hilfen+?
(KeZa 50.a.)
Kann die Unterstützung durch das Jugendamt in ambulanter Form er bracht werden, damit
die Kinder und Jugendlichen in ihrem bisherigen sozialen Umfeld bleiben können?
(KeZa 51.a; KeZa 52.a. und KeZa 53.a.)
Wie vielen Kin dern und Jugen dlichen, für die eine statio näre Betre uung unvermeidlich ist,
wird ein Leben in einer Pflegefamilie ermöglicht? (KeZa 55 und KeZa 56)
4.2.1 Dichte der HzE+-Fälle insgesamt
Zielsetzung der Jugendämter und Aussagekraft der Kennzahlen
Die Zie lsetzung der Jugendämter ist es, erz ieherische
Hilfen+ zielgenau e inzusetzen und be darfsgerecht und
passgenau zu leiste n. Art und Umf ang der H ilfe richte n
sich nach dem erzieherischen Bedarf im Einzelf all
(§ 27 Abs. 2 SGB VIII).
Definition der Kennzahl
HzE + - Dichte (KeZa 50.a)
Fälle gesamt am 31.12 . d. Bj. pro 100
Einwohner im Alter bis unter 21 Jahren
Wirkungsfaktoren
▲ ein Anst ieg der Fall-Dichte entsteht
durch
· Zunahme der Fälle
oder
· Abnahme der Einwohnerzahl
▼ Sinken der Fall-Dichte
entsteht durch
· Abnahme der Fälle
oder
· Zunahme der Einwohnerzahl
Zielgenau in diesem Sinne be deutet, dass konsequent nur
Hilfen erbracht werden, die geeignet u nd no twendig si nd
(§ 27 A bs. 2 SG B VII I), um eine dem Wohl de s Kindes
oder des Jugendlichen entsprechende Erz iehung zu
gewährleisten. Die Maß nahmen dürfen de n Mangel n icht
überkompensieren und damit zu stark in die Erziehung der
Personensorgeberechtigten eingreifen.
Zielgenau bedeutet in diesem Zusammenhang auch, dass
die Unterstützung des Jugendamtes frühzeitig greift und so
sekundärpräventiv wirke n kann. Pe rsonensorgeberechtigte
sollen es baldmöglichst (wieder) schaffen, ihre
Erziehungsverantwortung ohne staatliche U nterstützung
positiv wahrzunehmen.
Eine niedrig e Le istungsdichte kann unterschiedlich inte rpretiert werde n, als Ergebnis eine r in
diesem Sinne besonders zielgenauen Zugangssteuerung des Jugendamtes, aber auch als Zeichen
einer ggf. zu restriktiven Zugangssteuerung.
con_sens
27
Die Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs
Abb. 8: Anzahl der HzE+- Fälle pro 100 EW unter 21 Jahre am 31.12. (KeZa 50.a)
KeZa 50.a: HzE+-Fälle gesamt am 31.12. des Berichtsjahres
pro 100 Einwohner 0 bis unter 21 Jahre
2,74
1,88
2,762,83
2,432,61
3,01
5,55
2,50
2,89
2,61
1,77
2,77 2,68
3,13
3,62
2,62
0,0
1,0
2,0
3,0
4,0
5,0
6,0
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
2004 2005 Mittelwert 2005
BHV: Der starke Rückgang von 2004 zu 2005 ist auf einen erhebungstechnischen Fehler im Jahr 2004 zurückzuführen, daher sind die Werte für ´04
schraffiert und aus dem MW genommen.
Auffallend ist zunächst die im Ve rgleich deutlich unter dem Mittelwert liegende Le istungsdichte
in Potsdam. Hier wurden 2005 vergleichsweise selten erzieherische Hilfen+ erbracht.
Eine zu re striktive Zugangssteue rung ist ni cht zu vermuten, da die soziostrukture llen
Rahmenbedingungen der Stadt Potsdam im Vergleich der acht Benchmarkingstädte sehr positiv
sind. Neben den im Städtevergleich abgebildeten Kontextdaten wirken s ich nach Einschätzung
der Stadt auch die hohe Kaufkraft, der hohe Durchschnittsverdienst der Bevölkerung sowie eine
gute Wohnraumversorgung positiv auf die soziostrukturellen Rahmenbedingungen aus.
Darüber hin aus sin d die hier abgebildet en Erge bnisse nach Einschätzung Potsd ams auch als
Effekt von vor drei Jahren initiierten Steuerungsaktivitäten zu sehen, die u.a. auf eine verstärkte
Beendigung von HzE+ abzielen.
Ein ze ntraler Aspekt ist hier n ach Einsch ätzung de r Stadt die Inst allierung einer Budget-
Arbeitsgruppe vor drei Jahren. Vierteljährlich werden in einer Arbeitsgruppe mit Mitarbeitern aus
den Te ams, dem Koordinator im A SD, de r W irtschaftlichen Jugendhilfe, dem Co ntroller sowie
der Jugendhilfeplanung die Daten aus den Teams ausgewertet.
Wichtig dabei ist, dass im Rahmen diese r Ar beitsgruppe neben fiskalischen auch fachlich e
Fragestellungen bearbeitet werden. Über die Analyse der Ausgaben im Hinblick auf das geplante
Jahresbudget für erziehe rische Hilfe n+ hinaus wird be ispielsweise ausge wertet, wie lange die
Verweildauer in Heimen ist und welche Gründe es hierfür gibt und mit welchem Ergebnis die
HzE+ beendet werden. Auch wird hinterfragt, wenn auffallend viele Kinder unter 6 Jahren oder
bereits volljährige Hilfeempfänger in Heimen betreut werden.
Durch den Austausch in der Budget-Arbeitsgruppe h at sich das K ostenbewusstsein der
fallführenden Be arbeiter in Potsdam verstärkt. Des Weit eren wird m ittlerweile häuf iger die
Arbeitsweise in Teams besprochen, beispiel sweise ausgehend von der unterschiedlichen
Häufigkeit, mit der erzieherische Hilfen+ installiert werden.
con_sens
28
Ferner wirkt sich für das Jahr 2 005 bereits eine Umsteuerung des Juge ndamtes Potsdam aus,
verstärkt aus dem Budget fü r Hilfen zur Erziehung+ a uch pr äventive fa llunspezifische Hilf en,
beispielsweise für Elternzentren, zu finanzieren, um erziehe rische Hilfen + zu vermeiden. Die
Dichte formaler HzE+ wird dadurch geringer. Gleichzeitig wü rden die Fallkosten steige n, da die
Gesamtausgaben inklusive der Ausgaben für falluns pezifische Hilfen auf die Zahl der formalen
HzE+ bezogen werden. Dies wird sich im nächsten Berichtsjahr 2006 bereits in einer relevanten
Größenordnung auswirken.
Im weiteren Projektverlauf wäre es darüber hinaus interessant für den Be nchmarkingkreis, die
Zugangssteuerung in den einzelnen Städten zu vergleichen, um an dieser zentralen Stellschraube
Erfolgsfaktoren identifizieren zu können.
In Breme rhaven und m it einigem Abstand g en Mittelwert in Viersen werde n hingegen im
Vergleich häufig Hilfen zur Erziehung+ erbracht. Die beiden Städt e unterscheiden sich allerdings
deutlich im Hinblick auf die erbrachten Hilfeformen.
Das Le istungsportfolio Bremerhavens ist du rch einen im Vergleich sehr hohen Anteil an
stationären Fällen ge prägt, in Vie rsen hingegen werden viele der HzE +-Fälle in ambulanten
Hilfearrangements betreut (KeZa 53.a.).
Soziostrukturelle Rahme nbedingungen haben Einfluss auf die Häuf igkeit, mit der Hilfen zu r
Erziehung+ in Anspruch genommen werden müs sen, wie im Kap itel 4.1. zur Ko ntextanalyse
näher ausgeführt wurde.
Die Kon textanalyse hat gezeigt, da ss Bremerha ven mehr al s deutl iche soziale Problemlagen
aufweist. A uch für V iersen sin d s oziale P roblemlagen im Verg leich auszumachen, ei ne
vollständige Kontextanalyse ist je doch auf G rund de r D atenlage de r Bundesagentur fü r A rbeit
leider noch nicht möglich.
Entwicklungstendenzen in den Städten
Die Auswert ung mehrerer Jah rgänge eröffnet im Rahmen eines Benchmarking interessant e
Perspektiven, um auc h Entwick lungstendenzen in den einzelnen Städte n oder auc h
stadtübergreifende T endenzen in der Fa llzahlen- un d Ausgabe nentwicklung a nalysieren zu
können.
Der bundes weite Bench markingkreis hat sich die Bildung von Zeitreihenbetrachtungen für alle
zentralen Kennziffern vorgenommen. In diesem Bericht erfolgt die Auswertung auf der Basis von
zwei Jahrgängen, daher sind die Inte rpretationen im Hinblick auf Entwicklungstendenzen noch
zurückhaltend vorzunehmen.
Teilweise wird die Veränderung im Vergleich zum Vorjahr, gerade wenn sie eher gering ausfällt,
auf Zufallsschwankungen zurückzufüh ren sein, teilweise können die Veränderungen aber bereits
als Effekte von Steuerungsaktivitäten gedeutet werden.
Letzteres gilt für die gest iegenen Z ahlen Fälle p ro 100 jung e Einwohner in Mannhe im un d in
Karlsruhe. In beiden Städten sind die Steigerungsraten auf die Steige rung de r am bulanten
Fallzahlen zurückzuführen, die stationären Dichten stagnierten (s. hierzu insbesondere auch das
folgende Kapitel 4.2.2.).
In Mannheim werden hier die ersten Effek te einer im Jahr 2003 gestarteten ve rstärkten
Umsteuerung erkennbar. Zum einen haben die Anbieter sta tionärer M aßnahmen vo r Ort ihr
con_sens
29
Leistungsportfolio verst ärkt um am bulante H ilfeformen erg änzt. Z um anderen wurde eine
zeitliche Befristung von st ationären Hilfen eingef ührt, die zu ei ner Stabilisierung der stat ionären
Fallzahlen beigetragen hat (vgl. auc h Mannheim er Stadtprofil 5.4.). Parallel daz u wurden
fachbereichsinterne Contr ollingverfahren zur regelmäßigen Bet rachtung vo n Bu dget- u nd Fall-
zahlen etabliert.
In Karlsruhe hingegen wird die Steigerung der Leistungsdichte, die auf eine Zunahme ambulanter
Hilfen zurückzuführen ist, als Ergebnis einer zu Beginn des Jahres 2005 e rfolgten Umsteuerung
des Jug endamtes interpretiert. Dies wird im Abschnitt 4.2.2. zur S tärkung ambulanter
Hilfeformen näher ausgeführt, sowie im Stadtprofil Karlsruhe im Abschnitt 5.3.
Merkliche Veränderungen sind noch für Darmstadt mit einer Senkung der Fallzahlen und für und
Viersen mit einer Steigerung der Fallzahlen auszumachen.
Die Entwicklung in Vie rsen ist n ach Einschät zung der Stadt auf eine Zufallsschwankung
zurückzuführen.
Die Senkung der Fallzahlen ist in Darmstadt darauf zurückzuführen, dass durch eine umfassende
Aktenanalyse al ler laufenden Hz E+, die Form und der Umfang der Hilfen an die aktuellen
Bedarfe a ngepasst wer den kon nten. In e inem längerfristig regelmäßigen T urnus soll diese
Steuerungsmaßnahme im Zusammenwirken mindestens zweier Fachkräfte nach einem
standardisierten Verfahren zukünftig umgesetzt werden.
4.2.2 Stärkung ambulanter Hilfeformen im Leistungsportfolio der Jugendämter
Zielsetzung der Jugendämter und Aussagekraft der Kennzahlen
Ziel der Jugendämter vor Ort ist es, die ambulanten Betreuungsformen als Unterstützung in der
Herkunftsfamilie zu st ärken und so den mit de m SG B VIII einge leiteten Paradigm enwechsel
weiter umzusetzen.
Von dieser Z ielsetzung unberührt gilt die oberste Priorität des SGB VIII einer p assgenauen Hilfe
(§ 27 A bs. 2 SGB VIII). Diese ist unabhängig von ihrer Form der Le istungserbringung auf den
spezifischen Bedarf des jungen Menschen abgestimmt, der im Einzelfall eben auch durch eine
stationäre Betreuung am besten gedeckt werden kann.
Auf aggregierter Ebene j edoch w ird de r Ve rgleich zeigen, inwieweit es den Jugendämte rn
gelungen ist, den Grundsatz ambulant vor stationär in der Praxis weiter zu stärken.
Um in diesem Zusamme nhang H inweise auf g ute Praxisansätze vor Ort zu gewinne n und im
Rahmen des Benchmarking voneinander lernen zu können, werde n folgende Aspekte
ausgewertet:
Wie oft erh alten Kinde r und Jugendliche und ihr e Fa milien a mbulante erzieherische
Hilfen+ (KeZa 51.a.)? Eine hohe sog enannte Leistungsdichte kann hier ein Hinweis auf
gute Pr axis sein, weil es oft gelungen is t, ein am bulantes Hilfe arrangement zu
installieren. Andererseits kann eine niedrige ambulante Dic hte in Z usammenhang mit
einer insgesamt niedrigen Leistungsdichte ebenfalls ein Hinweis auf gute Praxis sein, weil
es gleichzeitig gelungen ist, erzieherische Hilfen+ im Vorfeld zu vermeiden.
Eine hohe ambulant e Dichte bedeut et nicht gle ichzeitig, dass Kinde r un d Juge ndliche
selten st ationäre Hilfen erhalten. Die Z ielsetzung der Jugendämter ist nicht, v iele
ambulante Hilfen zu er bringen, sondern soweit wie mögl ich auf st ationäre
con_sens
30
Hilfearrangements zu verzichten. Deshalb w ird zusätzlich ausgewertet, wie oft junge
Menschen stationär betreut werden (KeZa 52.a). Hier könnte eine niedrig e Ausprägung
der Kennzahl auf gute Praxis vor Ort hinweisen.
Um zu veranschaulichen, ob das Leistungsportfolio einer Stadt eher durch viele stationäre
oder viele ambulante Fälle gekennzeichnet ist, wird der Anteil der ambulanten Fälle an
allen Fällen abgebildet (KeZa 53.a). Ein hoher Anteil ambulanter Hilfen lässt gute Praxis
vor Ort zur Stärkung ambulant er H ilfen verm uten. I nsbesondere dan n, wenn dies bei
einer vergleichsweise geringen Leistungsdichte insgesamt gelungen ist , kann m an davon
ausgehen, dass ambu lante Hilfefo rmen als Al ternative zu station ären Arra ngements
installiert werden konnten.
4.2.2.1. Dichte ambulanter Fälle (KeZa 51.a.) und Dichte stationärer Fälle (KeZa 52.a.)
Die Z ielsetzung der Jugendämter ist e ine St ärkung
ambulanter Hilfeforme n, im Sin ne eine r frühzeitig
greifenden e rzieherische Hilfen + (vgl. hierzu auch die
einleitenden Bemerkungen in 4.2.2.).
Hierbei geht es darum, dass die fallführenden Fachkräfte
alle Möglichkeiten für ein ambulantes Hilfesetting ausloten,
was durch Strukturen und pr ozessuale Festlegungen im
Jugendamt unterstützt werden kann.
Der zentrale Maßstab bei der Be darfsfeststellung und
Leistungsgewährung durch das Jug endamt bleibt davon
unabhängig immer der i ndividuelle erzieherische Bedarf,
die Frage, welche Hilfe im Einz elfall notwendig und
geeignet ist.
Um durch den Ken nzahlenvergleich Hinweise au f
erfolgreiche Praxis der Verg leichsstädte zu erhalten, wird
im Folg enden abg ebildet, wie häufig junge Einwohner
ambulante (KeZa 51.a) und stationäre (KeZa 52.a) Hilf en
zur Erziehung+ erhalten.
Wirkungsfaktoren
Ambulante / Stationäre Fälle am
31.12. d. Bj. pro 100 Einwohner 0 bis
unter 21 Jahre
(KeZa 51.a und KeZa 52.a.)
▲ ein Anstieg der amb./ stat. Fälle
entsteht durch
· Zunahme der amb./ stat. Fälle
oder
· Abnahme der Einwohnerzahl
▼ Sinken der Falldichte
entsteht durch
· Abnahme der amb./ stat. Fälle
oder
· Zunahme der Einwohnerzahl
Um einen umfassenden Blick auf diese Themat ik zu ermög lichen, wird ergänzend ebenfalls
ausgewertet, wie hoch der Anteil ambulanter erzieherischer Hilfen+ an allen erbrachten HzE+ ist
(vgl. KeZa 53.a. in 4.2.2.2.).
con_sens
31
Ergebnisse des Kennzahlenvergleichs
Abb. 9: HzE+-Fälle ambulant pro 100 EW unter 21 J. am 31.12. (KeZa 51.a)
KeZa 51.a:
HzE+-Fälle ambulant am 31.12. des Berichtsjahres
pro 100 Einwohner 0 bis unter 21 Jahre
0,00
2,18
1,59
1,06
1,72
1,25
1,75
1,13
1,82
1,33
0,89
1,38
1,30
0,84
1,52
1,71
1,42
0,00
0,50
1,00
1,50
2,00
2,50
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
2004 2005 Mittelwert 2005
In Vierse n, Darmst adt und Karlsruh e haben im Berichtsjahr besonders viele junge Mensch en
erzieherische Hilfen+ in ambulanter Form erhalten.
In allen Städten, deren ambulante Dichten wie auch in Mannheim über dem Mittelwert liegen
liegt a uch der A nteil ambulanter Fälle an a llen HzE+-Fällen übe r dem Mittelwe rt (vgl. hierzu
4.2.2.2. Ke Za 53. a). Das be deutet, es haben mehr Fälle ambulante als stat ionäre Hilfen
erhalten.
Dies wird auch daran sichtbar, dass die stationären Dichten dieser Städte (Viersen, Darmstadt,
Karlsruhe, Mannheim) im Berichtsjahr niedriger sind als die ambulanten Leistungsdichten
(KeZa 52.a.).
In Darmst adt ist dies als einziger Stadt so gar bei e iner l eicht unterdurchschnittlichen
Leistungsdichte insgesamt gelungen, was auch da ran deutlich wird, dass die stationäre Dichte
der Stadt im Vergleich sehr niedrig ist (KeZa 52.a). Entsprechend hoch ist der Anteil ambulanter
Fälle mit 67 Prozent in Darmstadt (vgl. KeZa 53.a).
In der Zus ammenschau dieser dre i Kennzah len weist das Er gebnis für D armstadt da rauf hin,
dass am bulante Leistungen erfolg reich als frühzeitig g reifende Alternat ive entwickelt worden
sind.
Da sich dieses Erge bnis bereits im e rsten Bericht gezeigt h at (vgl. auch Bericht KZV 2004),
konnten die konzept ionellen Überlegungen Darmst adts sowie der ent sprechende
Reorganisations- und Steuerungsprozess ausführlich im Benchmarkingkreis besprochen werden
(vgl. im Stadtprofil Darmstadt 5.2 sowie im Kapitel 5 Qualitatives Benchmarking).
Darmstadt ist in die ser Frag e auch na ch den Umstrukturierungsprozess en dabei,
Verbesserungspotenziale auszulote n und hat in diesem Z usammenhang im Jah r 2005 im
con_sens
32
Rahmen einer Akte nanalyse aller laufenden Fälle erm ittelt, dass die Passgenauigkeit der
ausgewählten Hilfe bei der Installierung sowie Umfang und Form bei der Durchführung der Hilfe
weiter qualifiziert werden muss. Aus diesem Grund wurde das Diagnose- und Hilfeplanverfahren
überarbeitet und ist im 1. Quart al 2006 eingeführt worden. Ein wichtiger Schwerpunkt dieser
Umstrukturierungen ist die Qua lifizierung a ller Fachkräfte des Städtischen Sozialdienstes im
Bereich der „ Sozialpädagogisch-hermeneutischen D iagnostik“. D urch die ver besserte
Diagnosekompetenz der Fachkräfte werden Bedarfe zie lgerichteter bes chrieben. Die Hilf en
werden hie rdurch in Form un d U mfang p assgenauer installiert. D ie Abbruchquote konnt e
innerhalb der ersten sechs Monate signifikant gesenkt werden.
In Kar lsruhe i st da s E rgebnis a uf S teuerungsaktivitäten zu B eginn d es Ja hres 2 005
zurückzuführen. Die Z ielsetzung des Jugendamtes Karlsruhe in diesem Zus ammenhang ist e s,
eine we itere Zu nahme der sta tionären Fallzahlen zu vermeiden. Die Analyse de r H ilfeverläufe
insbesondere im ambulanten Bereich hatt e ergeben, dass die H ilfearrangements be i
verhältnismäßig schwieri gen Pro blemkonstellationen nicht ausreiche n, um eine ambu lante
Betreuung in der Herkunftsfamilie zu ermöglichen. Vor diesem Hintergrund wurden in Karlsruhe
erstmals ambulante Leistungen nach § 27 Abs. 3 SGB VIII als besonders intensive Hilfeform
bewilligt. Dies ermöglic hte ein am bulantes Hilfesetting auch bei be sonders schwierig en
Rahmenbedingungen in der Herk unftsfamilie. N äheres hierzu ist dem Stadtprofil Karlsruhe zu
entnehmen (s. 5.3).
In V iersen mit e iner ho hen Dichte ambulanter Fälle (KeZ a 51.a.) und einem hohe n Anteil an
ambulanten Hilfearrangements (KeZ a 53. a.) dürfen ebenfalls gute Prax isansätze zur Stärkung
ambulanter Hilfeformen vermutet werden, auch wenn in de r Stadt ande rs als beisp ielsweise in
Darmstadt insgesamt überdurchschn ittlich oft erzieherische Hilfen + e rbracht werden (KeZa
50.a.).
In Mannheim konnt e die Steige rung der ambulanten H ilfeformen z um einen auf den
quantitativen Ausbau de r am bulanten Bet reuungsformen (vo r allem SPFH und Ausbau der
sozialen Gruppenarbeit) realisiert werden. Im Rahmen der Qualitätsentwicklungsdiskussionen mit
den Freien Trägern wurde gleichzeitig mit der Weiterentwicklung der fachlichen Standards in den
ambulanten Hilfen begonnen.
Da die Nettoausgaben p ro EW (KeZ a 30) tro tz der v ergleichsweise hohen Le istungsdichte in
Viersen auffallend niedrig sind, ebenso wie die Nettoausgaben pro Fall (KeZa 31) (vgl. hierzu
Inputanalyse in Abschn itt 4.3.1) , ist davon auszugehen, das s in Vier sen in besonders hohem
Ausmaß niedrigschwellige und wen ig eingriffsintensive ambulante Hilfeformen erbracht werden.
Strategie de r Stadt ist e s, dadurch eine Ve rfestigung de r Pr oblemlagen durch die fr ühzeitige
Installierung niedrigschwelliger Hilfen zu vermeiden.
In Potsdam, Siegen, Bremerhaven und Rostock haben im Berichtsjahr Kinder und Jugendliche
und ihre Familien vergleichsweise selten die hier definierten ambulanten HzE+ erhalten.
In allen v ier St ädten liegt de r Anteil a mbulanter Fä lle an a llen Fällen ebenfalls unter dem
Mittelwert der acht Benc hmarkingstädte. Das bedeutet, es werden in diesen Städten mehr Fälle
stationär als ambulant betreut.
In welchem Ausmaß dies in den einzelnen Städten erfolgt, ist jedoch sehr unterschiedlich, wie
die ebenfalls in diesem K apitel abgebildete Grafik 52.a zeigt. So zeigt sich f ür Bremerhaven die
im Vergle ich mit Abstan d höchste Dichte stati onärer Fälle , hingegen für Potsdam die fast
geringste stationäre Dichte im Vergleich.
Im Fo lgenden ist die Grafik KeZa 52.a abgebildet, die Z ahl de r stat ionären Fälle p ro jung en
Einwohner, auf die in diesem Kapitel mehrmals Bezug genommen wird.
con_sens
33
Abb. 10: HzE+ -Fälle stationär pro 100 EW 0 bis unter 21 Jahre (KeZa 52.a)
KeZa 52.a:
HzE+-Fälle stationär am 31.12. des Berichtsjahres
pro 100 Einwohner 0 bis unter 21 Jahre
1,72
0,65
1,17
0,99
1,29
2,37
0,85
1,18
1,37 1,36 1,301,23
1,40 1,361,25
0,93
1,33
0,00
0,50
1,00
1,50
2,00
2,50
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
2004 2005 Mittelwert 2005
Wie oben bereits ausgeführt, ist die Interpretation der Entwicklungstendenzen in den Städten auf
der Basis von zwei Jahrgängen nur zurückhaltend vorzunehmen.
Dies gilt insbesondere für die stationären Fallzahlen, da die a bsoluten Zahlen stationärer Hilfen
oftmals gering sind, wie in der folgenden Tabelle abgebildet ist.
Abb. 11: Stationäre HzE+-Fälle in absoluten Zahlen 2005
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
HzE+-Fälle stationär
gesamt
(inklusive Fälle nach
§33 SGB VIII) 2005
577 236 638 764 266 480 294 215
HzE+-Fälle
nach § 33 SGB VIII
2005 321 71 238 322 60 85 164 114
Einwohner
unter 21 Jahre 24.361 27.672 53.853 61.082 28.526 34.946 21.602 16.511
4.2.2.2. Anteil ambulanter Fälle an allen Fällen (KeZa 53.a)
Wie e ingangs im Kapite l 4.2. 2 ausgeführt, wi rd zusätzlich zur Analys e der am bulanten u nd
stationären Leistungsdichten (KeZa 51.a und KeZa 52.a) der Anteil ambulanter HzE+-Fälle an
allen HzE+-Fällen einer Stadt ausgewertet (KeZa 53.a).
con_sens
34
Ziel ist es, in der Zus ammenschau dieser Kennz ahlen Hinweise darauf zu erhalten, wie es den
Städten gelingt, den Gr undsatz ambulant vor stationär in die Prax is umzusetzen und weiter zu
stärken.
In diesem Zusammenhang kann anhand des Anteils ambulanter HzE+-Fälle an allen HzE+-Fällen
das gesamte Leistungsportfolio der Stadt veranschaulicht werden.
Wenn der O utput des Leistungsgesc hehens der erzieherischen Hilfe n durch eine st arke Rolle
ambulanter Hilfeformen, d.h. durch einen hohen Anteil in Prozent gekennzeichnet ist , sind gute
Praxisansätze vor Ort zu vermuten.
Dies gilt in sbesondere wie schon ben annt dann, wenn e s der Stadt gelingt, insgesamt
vergleichsweise selten intervenie ren zu mü ssen. Informatio nen hierü ber werden im
Benchmarking anhand der Leistungsdichte insgesamt gewonnen (vgl. KeZa 50.a).
In der fo lgenden Gr afik wird de r Antei l am bulanter HzE +-Fälle an a llen HzE +-Fällen des
Berichtsjahres abge bildet. Die Analys e der Erge bnisse sind im vorherige n Kapitel 4. 2.2.1 in
Zusammenhang mit der Auswertung der ambulanten und stationären Dichten näher ausgeführt.
Abb. 12: Prozentanteil der ambulanten HzE+-Fälle an allen HzE++-Fällen (KeZa 53a)
KeZa 53.a: Anteil ambulante HzE+-Fälle am 31.12. des Berichtsjahres
an allen HzE+-Fällen am 31.12. des Berichtsjahres
58
44 45
58
n.v.
49
77
53
47
57
49
47
59
55
67
35
52
0,00
10,00
20,00
30,00
40,00
50,00
60,00
70,00
80,00
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
2004 2005 Mittelwert 2005
con_sens
35
4.2.3. Stationäre Hilfearrangements: Vollzeitpflege oder Heimunterbringung?
Zielsetzung des Bundesgesetzgebers sowie der Jugendämter vor Ort ist es, erzieherische Hilfen+
möglichst passgenau auszugestalten, dabei aber so weit wie möglich das soziale Umfeld der
Kinder und Jugendlichen zu erhalten und st ationäre H ilfearrangements z u verme iden (§ 27
SGB VIII). Mit dem I nkrafttreten des SGB V III wurde die Hoffnung verbunden, dass die
Pflegefamilien als vorran giges Instrument gegenüber einer Heimunterbringung nach §§ 34, 3 5
oder auch 35a SGB VIII etabliert werden können.
Die fachliche Überlegung ist hier, dass Pflegefamilien Kindern und Jugendlichen im Rahmen der
Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII die Mög lichkeit bie ten, in einem f amiliären Bezugs rahmen
aufzuwachsen und positive und verlässliche Beziehungen einzugehen.
Dabei gilt selbstverständlich auch hie r, dass die P assgenauigkeit der Hilfeform prioritär ist. Der
Abbruch e ines Pflegev erhältnisses ist insbe sondere für die Pf legekinder als erneute
Verlusterfahrung enorm belastend und sollte da her unbe dingt verm ieden werden. Aus diesem
Grund wird der Be nchmarkingkreis perspektiv isch im Rahmen seine r Outcome-Analyse die
Abbruchquoten von Pflegeverhältnissen auswerten. Dies wird weitere Rückschlüsse auf effektive
Steuerungsansätze vor Ort ermöglichen.
Anhand der beiden folgenden Indikatoren soll die Frage beleuchtet werden, in welchem Umfang
es den Juge ndämtern ge lingt, junge Menschen alternativ zu e iner H eimunterbringung in eine r
Pflegefamilie zu betreuen.
Wie viele der stationäre n HzE +-Fälle ei ner Stadt werd en in For m von Vol lzeitpflege
geleistet ? (KeZa 56)
Zusätzlich gilt es, die Perspekt ive zu be rücksichtigen, wie oft überhaupt statio näre
Hilfeformen geleistet werden, de nn grundsätzlich gilt die Z ielsetzung, stat ionäre
Hilfeformen soweit wie möglich zu vermei den (KeZa 55). Daher wird in der Grafik KeZa
55 (am Ende dieses Kap itels) abgebildet, welchen Anteil die Fälle mit Le istungen nach
§ 33 SGB VIII und n ach § 34 SGB VI II im Hin blick auf die Fallzahl insgesamt
ausmachen.
Die folge nde Grafik bildet den Ante il de r statio nären Fälle
nach § 33 SG B VI II sowie den Ant eil der sonst igen
stationären Fälle an allen stationären Fällen (nach §§ 33, 34,
35, 35a, 19, 20, 21, 27.2, 41 SGB VIII) ab.
Definition KeZa 56
Anteil der stationären HzE+-Fälle
nach § 33 SGB VIII
und Anteil der sonstigen stationären
HzE+-Fälle
an allen stat. HzE+-F ällen (nach
§§ 33, 34, 35, 35a, 19, 20, 21,
27.2., 41 SGB VIII)
Stationäre Fälle sind nac h der Def inition des Benchmarking-
kreises st ationär ausgestaltete H ilfesettings nach §§
33,34,35,35a, sowie in ei ner weniger relev anten
Größenordnung stationär gestalte te Leistungsarrangements
nach §§ 19, 20, 21, 27.2, 41 SGB VIII.
Das bedeutet, dass die Zahl der Leistungsbezieher nach § 33 SGB VIII (Vo llzeitpflege) in Bezug
gesetzt wird zu allen stationären Hilfeempfängern, auch zu den Hilfeempfängern nach §§ 35 und
35a SGB VIII, da auch hier grundsätzlich eine Betreuung in Pf legefamilien möglich ist. Dies ist
auch deshalb sinnvoll, we il die Gewährungspraxis der Jugendämter bei ähnl icher
Problemkonstellation unterschiedlich ist. Was das eine Jugendamt als Hilfe nach § 35a SGB VIII
gewährt, wird in einer anderen Stadt als Hilfe nach § 34 SGB VIII bewilligt.
Die Bezugsgröße für die Z ahl der jungen Menschen in Pflegefamilien beinhaltet auch Leistungen
nach § 42 SGB VIII. Darin besteht eine gewisse Unschärfe im Hinblick auf die Frag estellung,
con_sens
36
weil es sich bei Inobhutnahmen um eine kurz fristige v orübergehende stationäre Betreuung
handelt, die in unterschiedliche Betreuungsarrangements münden kann. Es handelt sic h hierbei
aber auf Grund der Stichtagszählung um sehr ge ringe Fallz ahlen, die v ernachlässigt werde n
können.
Die Bezugsgröße fü r die Zahl der Leistungsbezieher nach § 33 SGB VIII be inhaltet auch
Leistungen nach § 19 SGB VI II, gemeinsame Wohnformen für Mütter mit ihren Kindern. Auch
hier h andelt es sich um eher geringe Fallzahlen, zudem gibt es im Einzelfall du rchaus die
Möglichkeit, auch für diese Klientel Pflegefam ilien zu finden, z.B. gibt es Modelle, im Rahmen
dessen junge Mütter und ihre Kinder in Familien betreut werden.
Abb. 13: Anteil der stationären HzE+-Fälle mit u. ohne § 33-Fälle an allen stat. HzE+ -Fällen (KeZa 56)
KeZa 56: Prozentanteile der stationären HzE+-Fälle mit und ohne Vollzeitpflege 31.12.
an allen stationären HzE+-Fällen am 31.12.2005
44,4
69,9
62,7 57,9
77,4 82,3
47,0
60,7
55,6
30,1
37,3 42,1
22,6 17,7
53,0
44,2
39,3
55,8
0%
20%
40%
60%
80%
100%
BHV DA KA MA P HRO SI VIE MW
Anteil stationären HE am 31.12. ohne Vollzeitpflege 31.12. Anteil Vollzeitpflege 31.12.
Zunächst zeigt diese Grafik KeZa 56, dass die Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII mit einem Anteil
von knapp 40 Prozent an allen stationären Fällen nicht vorrangig gewählt wurde, um Kinder und
Jugendliche stationär zu betreuen.
Mit In-Kraft-Treten des SGB VIII wurden große Erwartungen in den Ausbau der Vollzeitpflege als
Familien ersetzende Hilfe gesetzt. Dahinter stand und steht die oben bereits benannte fachliche
Vorstellung, dass das Le ben in einer Familie für Kinder und Jugendliche die bestmögliche Form
einer unvermeidbaren Fremdunterbringung ist. Die Erwart ungen, dass das Instru ment de r
Vollzeitpflege nach § 33 SG B VI II g egenüber de r Heim unterbringung n ach §§ 34, 35, 35a
SGB VIII vorrangig wird, erfüllen sich jedoch bundesweit nicht nur in diesem Benchmarkingkreis
kaum.
Siegen, Bremerhaven und V iersen allerdings ist es im Be richtsjahr gel ungen, m ehr statio näre
Fälle in Pflegefamilien als in Heimen zu betreuen.
In Siegen handelt es sich in zahlreich en Fällen um bereits lang andauernde Hilfen, die Kinder
und Jugendliche haben in der Pflegefamilie ihren neuen Lebensmittelpunkt gefunden.
Siegen be richtet von einer rückläuf igen Tendenz bei der Vermittlung in Pflegefamilien, die im
Wesentlichen auf die Prax is der F amiliengerichte zurückgef ührt wird. Ge richtliche
Entscheidungen gem. § 1666 BGB sind langwierig und schaffen nach den Erfahrungen der Stadt
con_sens
37
während des laufenden Verfahrens häufig keine Klarheit hinsichtlich de r Lebensperspektive für
die Kinder.
Um die Rückkehroption in die He rkunftsfamilie nicht zu verbauen, beschl ießen Familiengerichte
intensive Be suchskontakte zu den leiblichen Elter n, was häufig zu einer für Pflegefamilien als
schwierig empfundenen Belastung führt. Dies fü hrt dazu, dass die Juge ndämter in derart igen
Fällen die K inder in He imen ode r Kleinstg ruppen unterbring en und n icht auf Pflege familien
zurückgreifen können.
Viersen kann gleichzeitig darauf ve rweisen, weniger als die Hälfte aller HzE +-Fälle station är
betreut zu h aben (vg l. K eZa 55). Es ist hie r also gelu ngen, vergleichsweise wenige s tationäre
Leistungen zu erbring en und g leichzeitig für einen hohen Anteil der s tationären Fälle ein e
Pflegefamilie zu finden.
Ein Erklärungsfaktor fü r die erfolgreiche Ak quirierung u nd Betre uung von Pfle gefamilien i n
Viersen ist, dass die Stadt sich darum bemüht, in der Rege l auch Familien im Rahm en einer
erzieherischen Hilfe+ zu unterstützen, die mit ihnen verwandte Kinder und Jugendliche betreuen.
Darin zeigt sich eine spezifische konzeptionelle Herangehensweise der Stadt. Ausgangspunkt ist
die Einsch ätzung, dass Verwandte als Bezugspersonen im Rahmen einer Vollzeitpfle ge nach
§ 33 SGB VIII von einer Unterstützung des Jugendamtes profitieren und sie auch benötigen, da
die Situation in den Fam ilien oft auf Grun d der besonderen Dynamik in der Familie kompliziert
und krisenanfällig sein können.
Erfolgskritische Prozessfaktoren
im Pflegekinderwesen
Grundphilosophie: Heim ist
keine Lebensform auf Dauer – für
alle Kinder und Jugendlichen!
Verbindlichkeitsgrad der
Einbindung des PKD
Externe Überprüfung der
Heimunterbringung auf
Notwendigkeit
Intensive Betreuung von
Verwandtenpflegestellen
Näheres s. im Kapitel 6
Qualitatives Benchmarking.
Interessant im Austausch der Benchmarkingstädte w ar, dass
die Einschätzung, wie die Verwan dten von Pfleg ekindern auf
eine Int ervention de s Jugendamtes reagieren, sehr
unterschiedlich ist. So wurde in Viersen die Erfahrung gemacht,
dass die Bezugspersonen das Jugendamt als Unterstützung
wahrgenommen und diese positiv aufgenommen haben.
In anderen Städten wiederum herrscht eher die Einschätzung,
Verwandte würden das Agiere n de s Jugendam tes sehr viel
stärker a ls an dere Pfleg eeltern als u nangemessene
Einmischung in Familienangelegenheiten verstehen.
Ebenfalls a uffallend positive E rgebnisse im Pfleg ekinderwesen
weisen wie gesagt Bremerhave n und Siegen auf, beide
allerdings mit ein em vergle ichsweise hohen Ante il an
stationären Fällen insgesamt.
Da Brem erhaven be reits im letzten Berichtsjahr im Ve rgleich noch ohne die neu en Mitstreiter
Siegen und Viersen eine n verg leichsweise hohe n Anteil an Leistungen nach § 33 SGB VIII
aufwies, hatte der Benchmarkingkreis in diesem Projektjahr die Gelegenheit, die Bremerhavener
Vorgehensweise und ko nzeptionellen Überleg ungen im Pf legekinderwesen n äher kennen zu
lernen.
Hieraus haben sich zahlreiche Hinw eise zur pr ozessualen Ausgestaltung im Pfleg ekinderwesen
ergeben. Näheres hierzu ist dem Kapitel 6 zu entnehmen.
Im weiteren Projektverlauf wird auch der Siegener Ansatz näher betrachtet werden können. Als
Besonderheit festgestellt wurde bereits, dass Siegen die e inzige Stadt im V ergleichsring ist, die
die Aufgaben eines Pfle gekinderdienstes an ex terne Dienste verge ben hat und nic ht selbs t
durchführt.
con_sens
38
Deutlich seltener nehmen Familien in Potsdam und Rostock Kinder und Jugendliche in Pflege.
Beide Städte sehen die ses Erge bnis, das bereits im letzten Berichtsjah r deutlich wurde, als
zentrales Entwicklungspo tenzial in de r Arbeit des Jugendamtes. Rostock hatte im letzten Jahr
berichtet, im Jahr 2004 eine We rbekampagne zur verstärkten Akquirierung von Pflegeeltern
gestartet zu haben. Die ersten Erf ahrungen der Stadt sind im Stadtprofil Rostock in 5.6. näher
ausgeführt.
Auch Pots dam h at im Berichtsjahr a uch vor dem H intergrund der erste n
Benchmarkingergebnisse Steuerungsaktivitäten gestartet, um den Anteil der statio nären Fälle in
Pflegefamilien zu erhöhen, insbesondere im B ereich der Öffen tlichkeitsarbeit u.a. in r egionalen
Medien. Auch die int erne Arbeitsw eise des Pf legekinderdienstes wu rde im Rahmen eine r
Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Pfle geeltern ko nzeptionell überarbeit et. Nähere
Informationen sind dem Stadtprofil Potsdam (in 5.7.) zu entnehmen.
Grundsätzlich ist zu berücksichtigen, dass die Leistungsform „Heim“ zunehmend ausdifferenziert
und fam ilienähnlicher ausgerichtet wird. Qu asi im Gege nzug werde n im Rahmen der
Vollzeitpflege nach § 33 S. 2 SGB VIII zunehmend Ang ebote für „besonde rs
entwicklungsbeeinträchtigte Kinde r und Jugend liche geeigne te Form en der Familienpflege“
geschaffen. Die Folge ist, dass sich die Hilfsangebote konzeptionell annähern. Zur begrifflichen
Abgrenzung hat sich die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter in ihrer Empfehlung
Hilfe z ur Erziehung in Pfleg efamilien und i n fami lienähnlichen F ormen (1 5.11.2002 in
Würzburg) g eäußert. D iese Themat ik wird im nächsten Projektjahr des Benchmarkingkreises
näher bearbeitet.
Im Fo lgenden ist die G rafik KeZ a 55 abgebildet, auf die im Analyset ext mehrfac h Bezug
genommen wird.
Abb. 14: Anteil der stat. HzE+-Fälle nach § 33 und Anteil der sonstigen stat. HzE+ ohne § 33 (KeZa 55)
KeZa 55:
Anteil der stat. HzE+-Fälle nac h § 33 und Anteil der sonst igen st at. HzE+-Fälle ohne § 33
an al len HzE+-Fällen am 31.12. d. Bj.
36,4
9,8 9,1
30,4
22,1 19,3
22,9
25,7
26,1 40,7 42,2
24,1
19,6 28,8
19,015,3 11,9
29,1
0
20
40
60
80
100
BHV DA KA MA P HRO SI VIE MW
Anteil stationäre HzE+-Fälle nach §33 Anteil stationäre HzE+-Fälle (ohne §33-Fälle)Prozent
41,7
54,5
51,352,6
45,2
41,0
32,7
65,5
48,1
con_sens
39
4.3 Inputindikatoren
Die Inputindikatoren bilden ab, was die Städte in das Leistungsgeschehen HzE++ hineingeben, um
ihre Zielsetzungen in den Hilfen zur Erziehung+ zu erreichen.
Der Blick auf die Nettoausgaben HzE++ gesamt pro Einwohner unter 21 Jahre (KeZa
30) verdeutlicht, wie viele finanzie lle Mittel der Kommune im Berichtsjahr für Kinder
und Jugendliche in Zusammenhang mit HzE++ geflossen sind.
Die An alyse der Nettoausgaben HzE ++ gesamt pro Fall (KeZa 31) hing egen macht
Kostenunterschiede in der Betreuung der Fälle in den einzelnen Städten transparent.
Die Auswertung der Personalressourcen pro Fall (KeZa 20_21 sowie die KeZa 22) ,
die für die einzelnen Aufg abenfelder des Jugendamtes eingesetzt werden, ermöglicht
Hinweise auf unterschiedliche personalpolitische Konzepte.
4.3.1. Nettoausgaben pro Einwohner (KeZa 30) und Nettoausgaben pro Fall (KeZa 31)
Welche finanziellen Mittel werden in den
Benchmarkingstädten fü r erzieherische Hilfen +
aufgewendet? Dies bildet die Kennzahl der Nettoausgaben
gesamt pro jungen Einwohner u nter 2 1 Jahren ab
(KeZa 30).
Definition der Kennzahl
Nettoausgaben pro Einwohner
(KeZa 41)
Netto-Ausgaben HzE ++ gesa mt pro
Einwohner 0 bis unter 21 Jahre
Wirkungsfaktoren
▲ Anstieg der Netto-Ausgaben
entsteht durch
· Zunahme der Ausgaben
· Abnahme der Einnahmen oder
· Abnahme der Einwohner
▼ Sinken der Netto-Ausgaben entsteht
durch
· Abnahme der Ausgaben
· Zunahme der Einnahmen oder
· Zunahme der Einwohner
Hohe Leistungsdichten schlagen sich hier di rekt ni eder.
Eine Stadt, in der vergleichsweise oft Hilfen zur Erziehung+
erbracht werden, wird auch entsprechende Nettoausgaben
pro EW aufwenden.
Darüber hinaus wird betrachtet, wie viele N ettoausgaben
pro Fall aufgewandt werden (KeZa 31).
Anhand dieser Kennzahl können Hinweise auf die Effiz ienz
des Ressourceneinsatzes gewonnen werden. Auf der Basis
der Nettoausgaben pro Fall lassen sich daher Hinweise auf
Erklärungsfaktoren für die Ausgabenentwicklung und die
Steuerungspotenziale einer Stadt gewinnen.
Diese Kennzahl wird im Gegensatz zu den Nettoausgaben pro EW nicht durch die Häufigkeit der
Inanspruchnahme von erzieherischen Hilfen+ beeinflusst.
Unter Ausgaben werden die Ist-Ausgaben, die tatsächlich geflossenen Mittel des Haushaltsjahres
verstanden. Führt dies in einem relevante n Ausmaß zu buc hungstechnischen Versch iebungen
aufgrund von nicht periodenmäßig abgegrenzten Haushaltsmitteln, wird darauf im Rahmen de r
Berichtslegung hingewiesen.
con_sens
40
Im Rahmen des Benc hmarking werde n die Nettoausgaben für Hilf en zur Erziehung+
ausgewertet. Hierzu werden die Brutto-Ausgaben für HzE+ e rhoben, die wie in der f olgenden
Abbildung definiert werden. Abgezogen werden hiervon die Einnahmen der Kommunen.
Bestandteile der Bruttoausgaben für Hilfen zur Erziehung+
Die Brutto-Ausgaben für die HzE+ setzen sich wie folgt zusammen:
Personalausgaben für die Tätigkei t des ASD. Inklusive Ber atungsanteile im Vor feld zur Kl ärung von
HzE++- Maßnahmen (nach §§ 16, 17, 18 SGB VIII), fallübergreifende Stadtteilarbeit für junge Menschen,
Mitwirkung in familienrechtlichen und vormundschaftlichen Verfahren.
Personalausgaben für die Tätigkeit der Wirtschaftlichen Jugendhilfe,
Personalausgaben für die operativen Tätigkeiten der HzE++
Ausgaben für die extern erbrachten Hilfen zu r Erziehun g+ (mit Pflege kinderdienst, aber ohne
Adoptionsstelle, ohne Jugendgerichtshilfe).
Die Zie lsetzung de r Jug endämter besteht hier darin, die ko mmunalen Ressourcen möglichst
effizient und wirksam im Sinne des SGB VIII einzusetzen. Das bedeutet zum einen, dass nur die
Hilfen gewährt werden, die auch notwendig sind.
Zum an deren ist damit auch geme int, dass sic h die H ilfeerbringung auf die Umset zung de r
Hilfeplanung konzentrieren soll. D iskrepanzen zw ischen de m in de r Hilfeplanu ng formulierte n
Auftrag und den eingesetzten Leistungen sollen möglichst minimal gehalten werden.
Dabei sind die Nettoausgaben ob pro EW o der wie im we iteren Kapitel abgebildet pro Fall in
ihrer Zusammenschau mit der Outputanalyse zu interp retieren. N iedrige oder hohe Ausgaben
sind isoliert betrachtet keine Zielsetzung der Jugendämter.
Die folgende Grafik bildet die Net toausgaben pro jungen Einwoh ner unter 21 Jahre ab.
Differenziert dargestellt werden die Ausgaben für die einzelnen Aufgabenfelder, wobei die
Ausgaben für die Wirtschaftliche Jugendhilfe und de n ASD hier zu sammengefasst werden.
Differenziertere Aussag en zu den einzelnen Aufgabenf eldern sind der Analyse de r
Personalressourcen zu entnehmen (vgl. 4.3.2).
con_sens
41
Abb. 15: Nettoausgaben HzE+ gesamt pro EW 0- unter 21 Jahre (KeZa 30)
KeZa 30:
Netto-Gesamtausgaben HzE+
pro Einwohner 0 bis unter 21 Jahre
437
710
436
748
456
501
578
564 539
475 472
537
584
694
538
431
558
0
100
200
300
400
500
600
700
800
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
2004 2005 Mittelwert 2005
Potsdam, Siegen und Viersen haben im Berichtsja hr deutlich weniger Ne ttoausgaben für Hilfe n
zur Erz iehung+ pro EW unter 2 1 J ahren aufg ewandt als ih re Vergle ichspartner. H ierfür gi bt
stadtspezifisch sehr unterschiedliche Erklärungsfaktoren.
Für Potsdam sind die unterdurc hschnittlichen Nettoausgabe n pro jungen Einwohner
insbesondere auf die im Vergleich sehr geringe Leistungsdichte zurückzuführen.
In Siegen hingegen mit einer Leistungsdichte, die nur leicht unter dem Mittelwert liegt, dürften
insbesondere die vergleichsweise geringen Fallkosten ein Erklärungsfaktor für das Erg ebnis sein
(s. KeZa 31 in diesem Abschnitt).
Diese sind vor dem Hintergrund überraschend, dass der Anteil der stationären und in der Regel
kostenintensiveren Fälle an den Gesamtfällen in Siegen deutlich über dem Mitte lwert liegt
(s. KeZa 53.a).
Zum T eil liegt dies dara n, da ss mehr als die Hä lfte al ler sta tionären Fä lle in S iegen in
Pflegefamilien leben können. Neben den posit iven Sozialisationsmöglichkeiten, die sich für die
Kinder und Jugendlichen dadurch ergeben, handelt es s ich hier auch in de r Rege l um eine
deutlich weniger kostenintensive Hilfeform.
Des Weit eren handelt es sich in Siegen bei einem ho hen Ante il der Le istungen nach
§ 34 SGB VIII um Erzie hungsstellen in professi onelle Pfleg efamilien, die im Vergl eich zu
Heimerziehung weniger kostenintensiv sind.
Ferner könnte sich auswirken, dass Siege n be i der Gewäh rung von Zu satzleistungen für di e
Regelbetreuung im Rahmen stationärer Unterbringung eine restriktive Praxis zugrunde legt. Nach
Einschätzung der Stadt gelingt dies deshalb, weil das Jugendamt eng mit den örtlichen Anbietern
kooperiert und eine ortsnahe Belegungspolitik verfolgt. Dies führt nebe n der Stabilisierung des
con_sens
42
Preisniveaus auch zu einem effektiven Qualitätsdialog zwischen öffentlichem und freiem Träger
der Jugendhilfe.
Diskutiert wurde im Kreis auch die Thematik, in welcher Form sich die ortsnahe Betreuung auf
die Dauer einer Hilfe auswirken kann. Angenommen
wird, dass die Hilfeplanung und die
Zusammenarbeit mi t d en
Personensorgeberechtigten sehr viel effekt iver
erfolgen k ann. Im nächsten Proj ektjahr wird in
diesem Z usammenhang zu klären sein, was unter
„ortsnah“ jeweils verst anden wird. Hier scheint es
sehr unterschiedliche Definitionen in den Städten zu
geben, die auch mit de r jeweiligen geograf ischen
Lage beispielsweise als Oberzentrum etc. zu tun
haben kann.
Das Kennzahlenergebnis in Viersen ist durch unter
dem Mitte lwert liegende Nettoausg aben p ro EW ch arakterisiert. Diese e rklären s ich bei der
deutlich ü berdurchschnittlichen Leistungsdichte der Stadt in erster L inie da durch, d ass das
Leistungsportfolio der Stadt im Berichtsjah r durch einen großen Anteil an ambulanten
Hilfearrangements gekennzeichnet ist. An den vergleichsweise sehr geringen Fallkosten wird dies
ebenfalls deutlich.
Erklärungsfaktoren für
niedrige Nettoausgaben pro EW
Geringe Leistungsdichte (KeZa 50.a.)
Geringe Fallkosten (KeZa 31) auf
Grund eines hohen Anteils an
ambulanten Fällen (KeZa 53.a.)
Geringe Fallkosten auf Grund eines
hohen Anteils an Pflegefamilien
Faktoren bei der Ausgestaltung der
Leistungsbeziehung zwischen
Leistungsträger und Anbieter
Hinzu kommt, dass es der Stadt Viersen im Berichtsjahr ebenso wie Siegen und Bremerhaven
gelungen ist, viele ihrer stationären Fälle in Pflegefamilien zu betreuen. Es ist davon auszugehen,
dass es darüber hinaus weitere Faktoren gibt , beisp ielsweise be i de r Ausgestalt ung de r
Leistungsbeziehung zwischen Leis tungsträger und Anbieter, die es im weitere n
Benchmarkingprozess zu eruieren gilt.
Nettoausgaben pro EW, die deutlic h über dem Mittelwert der acht Ve rgleichsstädte liegen,
weisen Bremerhaven und Rostock auf.
Der Wert in Bremerhaven ist darauf zurückzuführen, dass erzieherische Hilfen+ im Vergleich sehr
oft erbracht werden ( KeZa 53.a) , die Fallk osten hinge gen lieg en trotz eine s deutlic h
überdurchschnittlichen Anteils an stationären Hilfen sogar unter dem Mittelwert.
Obwohl auch Bremerhaven mehr seiner stationäre n Fällen in Pflegef amilien betreut, dürfte die s
nicht alleiniger Erklärungsfaktor für die niedrigen Fallkosten sein. Auch hier gilt es im weiteren
Projektverlauf die Ausgestaltung der Leistungsbeziehung zwischen Kommune und Anbieter näher
zu betr achten. E inige Im pulse sin d bereits dem Sta dtprofil Bremerhaven im K apitel 5.1 . zu
entnehmen.
In Rostock hingegen sind die hohen Nettoausgaben pro EW nicht auf eine hohe Leistungsdichte
zurückzuführen, diese liegt nur leicht übe r dem Mittelwert. Zentraler Erklärungsfaktor für das
Ergebnis ist die Höhe der Fallkosten.
An dieser Stelle wirkt sich aus, dass Rostock seine fallu nspezifische und fallübergreifende Arbeit
ausgebaut hat, um verstärkt Ressourcen im Sozialraum zu mobilisieren und Hilfen zur
Erziehung+ soweit wie möglich bereits im Vorfeld zu vermeiden. Die Kosten für die
fallübergreifende Arbeit werden ebenso wie die übrigen Hz E+-Ausgaben auf die Gesamtzahl de r
HzE+-Fälle bezogen. W enn es daher gelingt, du rch fallübe rgreifende Arbeit alternative
Unterstützungsarrangements zu installieren und form ale H zE+ zu ve rmeiden, sinkt die
Bezugsgröße für die HzE +-Kosten, die „Fall“-Kosten steigen in der Fo lge. Die Ergebnisse aus
Rostock könnten ein Hinweis auf gute Praxis im Sinne einer verstärkten Hilfevermeidung sein.
con_sens
43
Die We rte der übrig en Städte gruppieren sich um den Mittelwert, Darm stadt und Mannheim
leicht unter, Karlsruhe leicht über dem Mittelwert.
Darmstadt verfolgt die fachliche Strategie, ambulante Hilfearrangements durch einen ggf. auch
sehr intensiven Ressourceneins atz so auszuge stalten, dass Kindern und Jugendlichen ein Leben
in ihre r Her kunftsfamilie auch bei schwierige n Konstel lationen und P roblemlagen e rmöglicht
wird. Daraus folgt für Darmstadt, dass ein hohe r Anteil ambulante r Hilfen weder zu niedrigen
Nettoausgaben pro EW noch zu niedrigen Fallkosten führt. Das Ergebnis der Stadt mit unter dem
Mittelwert liegenden Ne ttoausgaben pro jungen Einwohner ist davon unabhängig auch aus rein
fiskalischer Sicht positiv zu bewerten.
Für K arlsruhe werden le icht über de m Mitte lwert liegende N ettoausgaben pro EW abge bildet.
Dies ko rrespondiert mit dem Ergebnis, dass die Leistungsdichte der Stadt de utlich ü ber dem
Mittelwert liegt, gleichzeitig aber der Anteil ambulanter Fälle an allen HzE+-Fällen deutlich höher
ist als der Mittelwert der acht Benchmarkingstädte.
Entwicklungstendenzen in den Städten
Grundsätzlich sind die Wirkungsfaktoren der Kennzahl bei der Analyse von stadts pezifischen
Entwicklungstendenzen zu berücksichtigen. So kann ein Anstieg der Nettoausgaben im Vergleich
zum Vorjahr nicht nur darauf zurückzuführen, sein, dass Ausgaben steigen, sondern auch darauf,
dass die Einnahmen weniger geworden sind oder auch, dass die Einwohnerzahl zurückgegangen
ist (s. auch Abb. zu Wirkungsfaktoren zu Beginn des Kapitels).
Generell ist zu berücksichtigen, dass die Ergebnisse auf der Basis von zwei Jahrgängen
zurückhaltend zu interpretieren sind. Zu prüfen ist, ob Schwankungen im Vergleich zum Vorjahr
auf zufällige Entwicklungen und quasi natürliche Bewegungen in der Entwicklung der Ausgaben
und Fallzahlen zurückzuführen sind.
Auffallend ist im Hin blick auf M annheim, dass die Ausgaben pro Einwohner unt er 21 Jahre
minimal gesunken sind, obwohl die Leistungsdichte im gleichen Jahr merklich gestiegen ist (vgl.
KeZa 50.a).
Zum Teil erklärt sich dies daraus, dass die Steigerung der Man nheimer Fallzahlen nur auf eine
Steigerung der ambulant en Fälle zurückzuführen ist, die Anz ahl der stationä ren Fälle hat sich
kaum ve rändert (e rkennbar auch an de n Dichte n KeZ a 51.a und KeZ a 52. a). Inso fern ist es
kaum überraschend, dass di e Ne ttoausgaben pro HzE +-Fall in Mannheim im Ve rgleich zum
Vorjahr deutlich gesunken sind. Dies ist auch ei n Beleg für einen effizient eren Mitteleinsatz, da
mit dem vorhandenen Budget mehr Familien erreicht wurden.
Dies erklärt das E rgebnis allerdings nur zum Tei l die F rage, wie es Man nheim gelungen ist, di e
Nettoausgaben pro Einwohner trotz deutlich steigender Dichte auf gleichem Niveau zu halten, da
auch am bulante Leistungen selbst verständlich Kosten ve rursachen. Beispielsweise weist
Karlsruhe bei einer v ergleichbaren Steigerung der ambulanten Dichte und einer ebenf alls
gelungenen Stabilisierung der stationären Fallzahlen eine Steigerung bei den Nettoausgaben pro
EW auf.
Erklärunsgfaktor für das Er gebnis in Ma nnheim ist auch die in Mannheim durchgeführte
kostenneutralen Steigerung der am bulanten Fälle, d.h. es wurden Tagesgruppenp lätze reduziert
und die gewonnenen Finanzmittel in gleicher Höhe für den A ufbau einer größeren Anzahl von
Plätzen in Angeb oten der Sozialen Gruppenarbeit eingesetzt. Das erklärte Ziel des Fachbereichs
im Rahmen des Umstrukturierungsprozesses ist hier die frühzeitigere Unterstützung der Familien
zur Vermeidung kosten- und eingriffsintensiverer Hilfen.
con_sens
44
Im Folgenden wird die G rafik der Ausgaben pro 100 HzE+-Fälle abgebildet, auf die im obigen
Analyseabschnitt Bezug genomme n wird. Die eingan gs ausgefüh rte Def inition für die
Nettoausgaben gilt hier entsprechend.
Definition der erhobenen vollzeitverrechneten Mitarbeiter für Hilfen zur Erziehung+
Der Allgemeine Soziale Dienst (ASD) mit steuernden Funkti onen wie der Einschätzung des Hilfebedarfs
und der Führung des Hilfeplanprozesse s. Aufgaben, die für di e HzE+ wie si e im Benchmar king definiert
werden, anfallen. Inklusive: Arbeitsanteile nach §§ 16,17,18 SGB VIII, für sozialraumorientierte Netzwerk-
und Stadtteilarbeit für die Zielgruppe junger Menschen, Anteile der mittleren Führungsebene, die für HzE+
eingesetzt werden.
Die Wirtschaftliche Jugendhilfe (WJH) mit administrativen Aufgaben beispielsweise der Zahlbarmachung,
der Heranziehung zu den Kosten inkl. der Beitreibung, der Überprüfung von Zuständigkeiten etc.
Die intern wahrgeno mmene Durchfüh rung von Hilfen zur Erziehu ng+ wie beispielsweise de r
Pflegekinderdienst oder die Dur chführung von flexiblen ambulanten Hilfen, ohne Aufgaben in
Zusammenhang mit Adoptionsfällen.
Ohne: Mitarbeiter des Overhead (Jugendhilfeplaner, Controller, Mitarbeiter in Stabstellen)
Ohne: Externe, die Hilfen zur Erziehung+ durchführen. Da sie auf Grund der Abrechnungsmodalitäten mit
externen Leistungserbringern nicht erhoben werden können, werden sie im Rahmen der Inputanalyse in
den Ausgabegrößen für die externe Durchführung von HzE+ abgebildet.
Abb. 16: Nettoausgaben HzE+ gesamt pro Fall (KeZa 31)
KeZa 31:
Netto-Ausgaben HzE+ gesamt
pro Fall am 31.12.
9.027
20.445
20.432
20.626
23.170
25.924
17.936
15.778
20.651
20.211
19.411
24.275
18.283
15.108
19.201
27.944
20.636
0,0
5.000,0
10.000,0
15.000,0
20.000,0
25.000,0
30.000,0
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
Netto-Ausgaben HzE+ gesamt (Jahressumme) pro Fall am 31.12. 2004
Netto-Ausgaben HzE+ gesamt (Jahressumme) pro Fall am 31.12. 2005
Mittelwert 2005
BHV: Die starke Steigerung von 2004 zu 2005 ist auf einen erhebungstechnischen Fehler bei der Fallzählung im Jahr 2004 zurückzuführen,
daher sind die Werte für ´04 schraffiert und aus dem MW genommen.
4.3.2 Mitarbeiter
Im Folgenden werden die Personalressourcen der Städte pro Einwohner und pro Fall abgebildet.
Es wird differenziert dargestellt, für welche Aufgabenfelder die Mitarbeiter der Städte jeweils tätig
sind. Diese sind in der folgenden Abbildung aufgelistet.
Wenn Mitarbeiter nicht vollständig für HzE+ zuständig waren, wurden ihre den HzE+ zugehörigen
Stellenanteile ermitt elt, entwede r direkt erhoben aus der Kosten-Leistungsrechnung ode r
con_sens
45
qualifiziert g eschätzt - auf der B asis von em pirischen Erhebunge n und Befragu ngen, die
beispielsweise in Zusammenhang mit Organisationsuntersuchungen, Personalbemessungen oder
r Vorbereitung von Stellenbeschreibungen vorgenommen wurden.
chmarking dient daz u, Hinweise auf
nterschiedliche personalpolitische Konzepte zu erhalten.
esamtausgaben für Hilfen zur Erziehung+ ausmachen (vgl. KeZa 35 am
nde dieses Kapitels).
fallsteuernden Aufgaben effektiv im Sinne der Zielsetzungen
er Jugendämter wahrzunehmen.
ersonalressourcen im ASD und in der WJH
bracht werden, unabhängig davon, dass ein A SD häufig noc h
eitere Aufgaben wahrnimmt.
Abb. 17: Anzahl der vollzeitverrechneten Mitarbeiter pro 100 Fälle – nach ASD und WJH (KeZa 20-21)
zu
Die An alyse der Pe rsonalressourcen im Rahmen des Ben
u
Der Kennzahlenvergleich zeigt deut lich, dass die verwaltungsinternen Personalkosten einen nur
geringen Anteil an den G
E
D.h. für die Ressourcen effizienz de r Jugendämt er ist im Hinblick auf den Person aleinsatz in
erster Linie die Frage entscheide nd, wie das Personal eingesetzt wird und über welch e
Qualifikationen es verfüg t, um die
d
P
Die folg ende Grafik bildet ab, wi e vi ele Pe rsonalressourcen die einze lnen Jugen dämter für die
Fallsteuerung von HzE+ im ASD und für die Wirtschaftliche Jugendhilfe pro 100 Fälle einsetzen.
Es geht an dieser Stelle nur um die Aufgaben, die für Hilfe n zur Erziehung + entsprechend der
Definition im Benchm arking er
w
KeZa 20_21:
Vollzeitverrechnete Mitarbeiter für den ASD und für die Wirtschaftliche Jugendhilfe
pro 100 Fälle 2005
0,8 0,6 0,7 0,5
0,8
0,6 0,6
2,84
2,42 2,24
2,16
3,20 3,50
1,67
2,43
0,70,6
2,56
3,04 3,22
2,23
3,63
3,07 2,98
4,054,03
2,70
0,0
0,5
1,0
1,5
2,0
2,5
3,0
3,5
4,0
4,5
BHV DA KA MA P HRO SI VIE MW
WJH-Mitarbeiter pro 100 Fälle 2005 Interne vollzeitverrechnete (vzv) ASD-Mitarbeiter pro 100 Fälle 2005 Summe ASD + WJH pro 100 Fälle
ung durch die W irtschaftliche Jugendhilfe als wenig
euerungsrelevant betrachtet wird.
Die Grafik zeigt eine merkliche Spannbreite im Hinblick auf den quantitativen Personaleinsatz in
der Wirtschaftlichen Jugendhilfe. Diese ist im Rahmen des Benchmarking zu vernachlässigen, da
die Thematik der Kostenheranzieh
st
con_sens
46
Der ASD hingegen hat die Aufg abe der Fallst euerung, hier wird übe r den erz ieherischen
Hilfebedarf und die Aus gestaltung der Hilfearrangements ent schieden. Der A SD ist damit die
Stellschraube für eine effiziente und e ffektive Steuerung der Hilfe n zur Erzieh ung+. Diese
strategische Be deutung des A SD wird dadurc h dokumentiert, dass das Volumen, das ein
inzelner ASD-Mitarbeiter pro Jahr bewegt, im Mittel run d 770.000 Euro be trägt (v gl. hierz u
terscheidet sich die Personalausstattung im ASD in den acht
enchmarkingstädten erheblich, die Zahl der ei ngesetzten v ollzeitverrechneten Mitarbeiter pro
us dem quantitativen Kennzahlenvergleich erg eben sich unterschie dliche Fragste llungen im
H
e
Grafik KeZa 39 die am Ende dieses Kapitels abgebildet ist).
Wie die Grafik KeZa 20_21 zeigt, un
B
100 Fälle reicht von 1,67 bis 3,5.
A
inblick auf die Personalausstattung im ASD ziehen:
Lohnt sich eine intensiver Ressourceneinsa tz im ASD, damit die Installie rung einer
passgenauen Hilfe gelingt?
Oder ist ein vergleichsweise geringer Personaleinsatz im ASD ein Zeichen für einen effizienten
Ressourceneinsatz im Jugendamt und hat auch positive Auswirkungen auf die Fallsteuerung?
Welche kritische Grenze gibt es im Hinblick auf die Personalausstattung?
Der Kennzahlenvergleich zeigt, dass keine der Thesen eindeutig unterstützt werden kann. Es gibt
tädte mit hohem Personaleinsatz im ASD und sehr unterschiedlichen Ergebnissen im Hinblick
von auszugehen, dass qualitative Komponenten der pe rsonalpolitischen Konzepte
den Städten relevant sind, um Hinweise auf die Optimierung der Hilfeplanung und Steuerung
nächsten Projektjahr sollen daher die Arbe itsabläufe und die
ufgabenwahrnehmung in den Allge meinen Sozialen Diensten der Bench markingstädte näher
adt und in
iegen ausschließlich den emotional stark beanspruchenden Bereich der erzieherischen Hilfen+,
ende Frage. R ostock arbe itet de rzeit an de r Qualif izierung des Personals, um de n
rgleichsweise hohen Personale insatz im ASD stärke r für die Optimierung der Hilfeplanung zu
utzen.
ersonalressourcen für die verwaltungsinterne Durchführung von Hilfen zur Erziehung+
en Grafik wird abg ebildet, wie viele v ollzeitverrechnete Mit arbeiter in der
erwaltung Hilfen zur Erziehung + (wie sie im Benchm arking def iniert werde n) selbs t
S
auf die Fallzahlen und Ausgaben.
Es ist eher da
in
zu erhalten.
Hier gilt es im Rahmen des weiteren Projektverlaufs den Personaleinsatz im ASD in den Städten
qualitativ zu vergleiche n, um releva nte Unterschi ede un d da von ausgehe nd auch gut e Prax is
herauszuarbeiten. Im
A
untersucht werden.
So zeigen die bisherigen Ergebnisse des Austausch zum Beispiel, dass Darmstadt und Siegen mit
einem verg leichsweise eher geringe n Person aleinsatz im ASD gute Erfahrungen m it einer
verstärkten Arbeitsteilung gemacht hat. So bearbeitet keiner der Mitarbeiter in Darmst
S
sondern ist immer mit mehreren Aufgaben und Themenbereichen betraut.
Auch für R ostock ist aktue ll die konzeptionelle Neugestaltung des Personale insatzes die
entscheid
ve
n
P
In der fo lgend
V
durchführen.
con_sens
47
Die Definition eines vo llzeitverrechneten Mitarbeiters für HzE +, die oben ausgeführt ist, gilt
entsprechend.
Abb. 18: Anzahl der vollzeitverrechneten Mitarbeiter für operative Aufgaben pro 100 Fälle (KeZa 22)
KeZa 22:
intern vollzeitverrechnete Mitarbeiter für operative Aufgaben
pro 100 Fälle 2005
0,23 0,19
1,00
1,57
0,30
0,21
1,09
0,00
0,66
0,2
0,4
0,6
0,8
1,0
1,2
1,4
1,6
1,8
Vollzeitverrechnete Mitarbeiter für operative Aufgaben pro 100 Fälle Mittelwert 2005
0,0
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
Deutlich wird, dass insbesondere Mannheim, Viersen und Karlsruhe Hilfen zur Erziehung+ selbst
urchführen. Es handelt sich hierbei um die Durchführung ambulanter Hilfen wie beispielsweise
en HzE+-Bereich pro Bezirksgruppe
ine halbe Psychologen stelle der Psychologischen Beratungsstelle zugeordnet wird. Dies e
er Pflegekinderdienst wird m it A usnahme von Siegen in allen Städten durch die Verwaltung
ie personalpolitischen Konzepte sind im Benchmarkingkreis also durchaus unterschiedlich. Die
m bis zu 1,6 vollzeitverrechneten Mitarbeitern pro 100 Fälle.
iert, dass soweit geeignete Ein richtungen, Dienste und
eranstaltungen von anerk annten Trägern de r freien Jug endhilfe be trieben werden ode r
en häufig die internen Personalkosten im Fokus, die durch die
rwaltungsinterne Durchführung von Aufgaben anfallen. Dies gilt insbesondere für Kommunen
d
die Du rchführung von Schüle rgruppen, Erzieh ungsbeistandschaften un d sozi alpädagogischen
Familienhilfen.
In Karlsruhe besteht die Besonderheit, dass für den operativ
e
Mitarbeiter erhalten ihre Arbeits aufträge ausschließlich über die Bezirkssozi alarbeit des Sozialen
Dienstes und sind wie dieser aufsuchend und proaktiv tätig.
D
selbst durch geführt, in Viersen wird der Pflegekinderdienst zu einem Teil durch städtische
Mitarbeiter und zum Teil durch externe Kräfte durchgeführt.
D
Spannbreite der verwaltungsinternen vollzeitverrechneten Mitarbeiter für die operativen Aufgaben
reicht von keine
Die De batte um die v erwaltungsinterne Durc hführung von Aufgaben hat unte rschiedliche
Dimensionen.
Zunächst is t im SG B VIII form ul
V
rechtzeitig ge schaffen we rden kö nnen, di e ö ffentliche Jugendhilfe vo n ei genen Ma ßnahmen
absehen soll. (§ 4 Abs. 2 SGB VIII).
In der politischen Diskussion steh
ve
con_sens
48
mit Haushaltssicherungs konzepten, da diese Ko nzepte meist strikte Vorg aben zum Abbau von
Verwaltungspersonal enthalten.
Der Kennzahlenvergleich zeigt in diesem Zu sammenhang, dass die Person alkosten für di e
us Steuerungssicht die int eressantere Frag e ist daher, welch e Auswirkungen die
teuerung durch das Jugendamt und
amit auf die Wirksamkeit und die Effizienz des Leistungsgeschehens haben.
Zun
operative D urchführung von Aufgaben e inen minimalen Anteil an den Gesamtausgabe n fü r
erzieherische Hilfen+ ausmachen (vgl. hierzu KeZa 35 in diesem Kapitel).
A
unterschiedlichen personalpolitischen Konzepte auf die Falls
d
ächst sind hier ganz unterschiedliche Thesen plausibel:
Benchmarkingstädte selbst
durchgeführt wird. Die Tatsache, dass viele Jugendämter den Pf legekinderdienst s elbst
Lohnt es s ich für e in Jugendamt, eine be stimmte Aufgabe selbst durchzuführen, weil
dadurch ein Großteil von HzE+-Fällen in der entscheidenden Phase des Hilfeprozesses in der
Hand der Jugendämter liegt? Denkbar wäre dies zum Beispiel beim Pflegekinderdienst, der
mit Ausnah me von Siegen vo n allen Jugendämtern de r
durchführen, kann aber auch auf historisch g ewachsene Strukturen und we niger au f
Steuerungsüberlegungen der Jugendämter zurückzuführen sein.
Oder bietet die strik te Trennung vo n de r Fall steuerung und der Leis tungsträgerschaft z um
auf das
fachliche und fiskalische Controlling der durchführenden Stellen?
kussion wird im weiteren Benchmarkingprozess noch zu führen sein.
en
wurde:
Abb. 19: Bewegtes Volumen für die interne u. externe Durchführung von HzE+ (operative Aufgaben) (KeZa 39)
einen und der Du rchführung der Hilf en zum an deren en orme Vorteile im Hinblick
Diese Dis
Im Folgenden werden zwei Graf iken abgebildet, auf die im o bigen Abschnitt Bezug genomm
KeZa 39:
Bewegtes Volumen HzE+ für die interne und externe Durchführung von HzE+
pro vollzeitverrechneten ASD-Mitarbeiter gesamt in Euro
2005
608.052
873.969
846.427
896.457
465.803
771.924
765.565
1.054.567785.346
0
200.000
400.000
600.000
800.000
1.000.000
1.200.000
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
con_sens
49
Abb. 20: Anteil der Ausgaben für Aufgabenfelder an den HzE+-Gesamtausgaben in Prozent (KeZa 35)
KeZa 35:
Anteil der Ausgaben für Aufgabenfelder
an den HzE+-Gesamtausgaben in Prozent
2005
4,4 7,9
90,2 92,5 90,0 89,0 92,1 92,9 94,2
86,7
7,0 5,6 5,7 5,6 5,96,0 6,0
1,51,91,40,81,41,41,81,5
2,0
1,53,50,00,30,54,02,50,5
0,7
90,9
0,0
0,1
0,2
0,3
0,4
0,5
0,6
0,7
0,8
0,9
1,0
BHV DA KA MA P HRO SI VIE MW
Anteil Ausgaben für
extern operativ an
den HzE+-
Gesamtausgaben
in Prozent 2005
Anteil Ausgaben für
intern operativ an
den HzE+-
Gesamtausgaben
in Prozent 2005
Anteil Ausgaben für
WJH an den HzE+-
Gesamtausgaben
in Prozent 2005
Anteil Ausgaben für
ASD an den HzE+-
Gesamtausgaben
in Prozent 2005
con_sens
50
4.4. Outcomeindikatoren
Der Vergleichsring hat in sein em zweiten Projektjahr we iter an seine m Kennzah lenset für
Outcomeindikatoren gearbeitet und bereits erste Daten plausibilisiert.
Das Kennzahlenset des Benchmarkingkreises zum Outcome im Einzelnen:
Planmäßige Beendigung von erzieherischen Hilfen+ insgesamt unter anderem als Erfolg
des Jugendamtes. W as unter „p lanmäßig b eendet“ zu verstehen ist, hat der
Benchmarkingkreis m it einem R aster zur Bewertung des Ziele rreichungsgrades im
Einzelfall definiert. Es wurden fünf Bewertungsst ufen im Sin ne eines Schulnotensystems
definiert, an hand de rer die Bewe rtung als „planmäßig bee ndet“ oder al s „abgebrochen“
möglich ist.
Planmäßige Beendigung und Abbruchquoten einzelner Leistungstypen . Die Auswert ung
der p lanmäßig be endeten Fä lle bzw. der Abbruchquoten für spezifische Leistu ngstypen
lohnt sich bei eingriffsintensiven und eher langfristiger angelegten Hilfeformen wie z.B. für
die Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII.
Hohe Abbru chquoten vo n Pflegeve rhältnissen, ve rbunden mit einem hoh en Ante il an
Leistungen nach § 33 SGB VIII könnten beispielsweise darauf hinw eisen, dass zu
unreflektiert auf das Inst rument der Pflegefamilie gesetzt wir d, wei l es a ls das f achlich
günstigere Instrument gilt.
Ausbildungsstatus der Kinder und Jugendlichen bei Beendigung der HzE +. Bei
eingriffsintensiven erzieh erischen Hilfen + wie den statio nären Maßn ahmen geht der
Benchmarkingkreis davon aus, dass die Jugendämter im Rahmen der H ilfeplanung einen
merklichen (wenn auch bei weitem keinen alleinigen) Einfluss auf den Ausbildungsverlauf
der Kinde r und Jug endlichen habe n. Eine berufliche Perspektive zu h aben, ist e ine
zentrale Voraussetzung für ein eigenverantwortliches Leben.
Die Zahl der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen durch Misshandlung,
Vernachlässigung und Missbrauc h können als Anzeige dienen, wie gut die
Zusammenarbeit der Bürger und professionellen Einrichtungen mit dem Jugendamt ist.
Die Jugendämter haben das Ziel, aktiv so vi ele potenzielle Kindeswohlgefährdungen wie
möglich in Erfahrung zu bringen (die Dunkelziffer ist hier erfahrungsgemäß enorm hoch),
um ihrem A uftrag nach § 8a SG B V III gerecht zu werde n. Damit die Jugendämte r ihr
Wächteramt effektiv wahrnehmen können, müssen sie frühzeitig entspreche nde möglichst
umfassende Informationen haben.
Das bedeutet je meh r Fälle von Kindeswohlgefährdungen gemeldet werden, desto besser
ist de r I nformationsfluss zu den Jugendämtern. Eine ho he Za hl der gemeldeten
Kindeswohlgefährdungen ist daher e in Hinw eis auf ein g utes Kommunik ationsnetzwerk
und damit den Erfolg eines Jugendamtes.
con_sens
51
Die Zahl der Anrufungen von Familien- oder Vormun dschaftsgerichten wege n
Kindeswohlgefährdung durch Misshandlung, Vernachlässigu ng und Mis sbrauch nach
§ 1666 BGB. Anhand dieses Indikators solle n Rückschlüsse auf das tats ächliche
Ausmaß an Kindeswohlgefährdung geschlossen werden.
Hier werde n Fälle g ezählt, in dene n das Jugendamt ein Tätigwerden des
Familiengerichtes für notwendig erh ält, um eine (weitere) K indeswohlgefährdung nac h
§ 1666 BGB zu verhindern.
Die Juge ndämter des Benchmarkingkreises gehen davon aus, dass sie durch eine
wirkungsvolle Arbeit im Vorfeld bzw. währe nd e iner laufenden Hilfeplanung die
Eskalation v on Konf likten in Familien verme iden un d das Ausmaß an festgestellte n
Kindeswohlgefährdungen minimieren können.
Ein großer Teil des Kennzahlensets bezieht sich auf
die int endierten Wirkung en im einzelnen HzE +-Fall,
d.h. darauf, ob die Hilfe i m Einzelfall er folgreich
verlaufen ist.
Definition Outcome im Benchmarking
Outcome oder die Wirkung einer Leistung
(des Outputs) sind Resultate von Maßnahmen.
Dabei ist eine plausible Relation zwischen
Ursache und Wirkung ausreichend, ein
Ursachennachweis ist im Rahmen des
Benchmarking nicht notwendig.
D.h.: Die Resultate sind wahrscheinlich auch
auf die jeweiligen Maßnahmen in der
Jugendhilfe zurückzuführen. Der Einfluss des
Jugendamtes kann stärker oder schwächer
sein.
Die Kennziffern in Zusammenhang mit der
Kindeswohlgefährdung bezi ehen sich hingege n auf
die sozialen Begebenheiten des Gemeinwesens.
Anhand der Interve ntionsquote der Jugendämt er
(gemessen an der Zahl Anrufungen des
Familiengerichts), werden Rückschlüsse auf das
tatsächliche Ausmaß an Kindeswohlgefährdung in
einem Gemeinwesen gezogen.
Mit der Outcome-Analyse verfolgt der Benchmarkingkreis zwei zentrale Zielsetzungen.
Zum einen gibt die Wirkungsmessung, so heraus fordernd sie im Feld der erzieherischen Hilfen+
auch sein mag, Hinweise auf die Optimierung der Hilfeplanprozesse in den Jugendämte rn. Zum
Beispiel können hohe Abbruchquoten bei der Heimunterbringung in ein er Stadt Impulse für das
Hinterfragen der Installierung von § 34-Leistungen im Rahmen der Hilfeplanung geben.
Zum anderen erschließt sich hier f ür die Ju gendämter die Mög lichkeit, die Jugendhilfe i n der
kommunalpolitischen Diskussion nicht nur al s Verbrauch er von Ressourcen, so ndern als
Produzent v on Wirkung en darzustellen, die sic h für das Gemeinwesen insgesamt bemerk bar
machen.
con_sens
52
5 Stadtprofile
Im Rahmen der Ko ntext-, Input- und Output-Analyse werden die acht Benchmarkingstädte im
Hinblick auf die Ausprägung einzelner Kennzahlen untereinander verglichen.
Die Stadtprofile hingegen bilde n die Erge bnisse für ausgewählte zentrale Kennziffe rn jeweils für
eine Stadt insgesamt ab. Dies sind folgende:
• Nettoausgaben pro EW
• Nettoausgaben pro Fall
• vollzeitverrechnete Mitarbeiter pro 100 Fälle
• ASD-Mitarbeiter pro 100 Fälle,
• Falldichte insgesamt
• Anteil stationärer Fälle an allen Fällen
Dadurch ist es möglich, Wechse lwirkungen und Zusammenhänge zwischen zentralen
Kennzahlen zu verdeutlichen, beispielsweise zwischen Ausgaben und dem Leistungsportfolio der
Stadt. So können Hinweise auf gu te Prax is und En twicklungspotenziale einze lner Städt e
gewonnen werden.
Im Hinblick auf die Stadtprofile ist z u berücksichtigen, dass die angeg ebenen Werte nicht die
absoluten A usprägungen des jeweil igen In dikators ab bilden, wie di es in den bisherigen
grafischen Darstellungen der Fall ist, sondern die Abweichungen vom Mittelwert darstellen. Dies
ist notwendig, um die unterschiedlichen Indikatoren vergleichbar zu machen.
Zusätzlich enthä lt da s Stadtprofil
Informationen zu de n
soziostrukturellen Kontextdaten, die
im Kap itel 4.1. des Berichtes
bereits in einer Zusa mmenschau
abgebildet sind.
Die Kont ext-Indikatoren sind im
Folgenden a ls Netzgrafik pro St adt
abgebildet.
Je höher de r Wert des Indikat ors
ist, desto größer ist die
entsprechende Problemlage in der Stadt einzuschätzen und desto größer auch die in der Grafik
aufgespannte Fläche.
LEGENDE
Bezieher nach SGB II
(pro 100 EW)
Bezieher u25 nach SGB II
(pro 100 EW)
Schulabgänger ohne
Abschluss (15-u.21 J.)
Scheidungskinder pro 100
EW
(0-u.18 J.)
unterdurchschnittlicher
Jugendetat
(0-21 J.)
unterdurchschnittliche
Anzahl Kita-Plätze
(0-14 J.)
Damit alle Indik atoren mit de r gle ichen Wirkun gsrichtung, d.h. in diesem Zusammenhang als
belastende Faktoren abgebildet werden kö nnen, wurd e der Indikat or „Anzahl der Kita-Plätze“
und der „Brutto-Jugendetat“ entsprechend transformiert.
Zu berüc ksichtigen ist, dass di e Inf ormationen in den St adtprofilen kn app zusammengefasst
werden, um zentrale Zusammenhänge zu fokussi eren. Dahe r sind die Stadtprofile immer in
Zusammenhang mit dem gesamten Berichtstext zu sehen.
con_sens
53
5.1 Stadtprofil Bremerhaven
Bremerhaven ist einde utig die
Stadt mit den im V ergleich
größten soziostrukturelle n
Problemlagen im Hi nblick auf
die aus gewählten Kontextindika-
toren.
Im Hin blick auf all e
ausgewählten Belastungs-
indikatoren, wie die Abhängig-
keit von SG B II -Leistungen, die
Schulabgänger ohne Abschluss,
sowie die Häufigk eit, mit der
Kinder und ihrer Jug endliche
durch die Scheidu ng de r Elte rn
betroffen sind, weist die Stadt mehr als deutlich überdurchschnittliche Problemlagen auf.
175,4
174,5
126,2
203,6
101,2
SGB II-HE u65
SGB II-HE
u25
Schulabg.
Scheidung
Jugendetat
Kita
Bremerhaven 2005 MW = Index 100
n.v.
Im Hinblick auf die Ausgaben für Kinder- und Jugendarbeit und Jugendverbandsarbeit sind die
Rahmenbedingungen für das Leistungsgeschehen erzieherischer Hilfen+ durchschnittlich. Dies ist
vor dem Hinterg rund der sehr stark ausgep rägten sozialen Pro blemlagen de r Stadt eher
überraschend. Ein Gege npol durc h gut ausge baute präve ntive Strukt uren wird ange sichts des
stark belasteten soziostrukturellen Kontextes so nicht gesetzt.
Der Versorgungsgrad an Kindertagesbetreuung ist auf Grund von Spezifika in der Datenlage nicht
mit den ü brigen Benchmarkingstädten verg leichbar un d wi rd i n der R adargrafik daher nicht
abgebildet.
Stadtprofil Bremerhaven
(*jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
36,3
-7,0
10,9
-0,4
24,5
38,1
-50,0
-40,0
-30,0
-20,0
-10,0
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro
100 Fälle*
Mitarbeiter gesamt pro
100 Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre
HzE+Fälle an allen
HzE+Fällen*
Vor dem H intergrund dieser soziostrukture llen Rahmenbedingungen ist e s nicht übe rraschend,
dass die Leistungsdichte der Stadt Bremerhaven se hr deutlich üb er dem Mit telwert de r a cht
Vergleichsstädte liegt.
con_sens
54
Dies korrespondiert mit den ebenfalls deutlich überdurchschnittlichen Nettoausgaben pro EW.
Auffallend ist, dass die Nettoausgaben pro Fall im Vergle ich unte r dem Durchschnitt lieg en,
obwohl der Anteil an stationären Fällen vergleichsweise hoch ist.
Das liegt zum einen daran, dass es Breme rhaven im Vergleich sehr häufig gelingt, Pflegefamilie n
für stationär zu betreuende Kinder und Jugendli che zu finde n. Diese Hilfe form ist in der Rege l
weniger kostenintensiv als eine Heimunterbringung. Insbesondere sind es aber fachliche Gründe,
die f ür e ine Stärkung die ser Hilf eform sprechen, weil sie Kindern un d Jugendlichen, die nicht
mehr in ihrer Herk unftsfamilie bleiben könn en, tragfähige emotionale Familienbeziehungen
ermöglichen.
Dieses Ergebnis w urde be reits im letzten Bericht beschrieben. Daher h at s ich de r
Benchmarkingkreis in diesem Projekt jahr mit dem Bremerhavener Ansatz im Pflegek inderwesen
auseinandergesetzt. Im Rahmen dieses Austausches wurden erfolgskritische Faktoren einer guten
Praxis in Bremerhave n ident ifiziert. Näheres hierzu ist dem Kap itel 6 zu den qua litativen
Ergebnissen des Benchmarking zu entnehmen.
Über die st arke Orientierung am I nstrument der Vollze itpflege hinaus können je doch noch
weitere positive Ansätze vermutet werden, da die niedrigen Fallkosten nicht nur auf die häufige
Installierung der Vollzeitpflege nach § 33 SGB VIII zurückgeführt werden können.
Als ein Steuerungsinstrument bei der Ausges taltung der Le istungsbeziehung zwische n
Leistungsträger und Anbieter wird in Bremerhaven benannt, dass ein Fo rmblatt zur
durchschnittlichen Berechnung von Entgelten e ntwickelt w urde, um die A nbieter in ih ren
Leistungen vergleichbar zu machen.
Benötigen f reie Träger mehr Pe rsonal zu r Leistungserbringung als in diesem Formblatt
festgehalten ist, müssen sie dies begründen. Dies könnte ein Faktor se in, de r zu e inem seh r
effizienten Ressourceneinsatz bei der Leistungserbringung führt.
Als Entwicklungspotenzial der Stadt ist zum eine n der Anteil ambulanter Hilfen z u sehen, de r
noch vergleichsweise gering au sfällt. Einen Ans atzpunkt sie ht Brem erhaven für sich in der
verstärkten Rückführung der Pfle gekinder in ihre Herkunftsfamilien, etwas das in den
vergangenen Jahren nach einem gewissen Betreuungszeitraum eher vernachlässigt wurde.
In diesem Z usammenhang ist die Frage offen, ob kumulie rte soziale Problemlagen nur die
Häufigkeit der Inanspruchnahme von Hilfen zur Erziehung+ bee influssen oder auch die
Eingriffsintensität der Hilfen.
con_sens
55
5.2 Stadtprofil Darmstadt
Darmstadt weist für di e
Kontextindikatoren, die beliefert
werden kon nten, im V ergleich
positive so ziostrukturelle
Rahmenbedingungen auf.
Daten für die Schulabgänger
ohne Abschluss werden vom
Land Hessen nicht erhoben.
Besonders auffallend ist wie auch
im letzten Berichtsj ahr der
außerordentlich hohe Anteil an
Fällen, die ambulant betre ut
werden, bzw. der sehr geringe
Anteil an stationären Hilfearrangements, der im folgenden Stadtprofil deutlich wird.
66,0
71,1
n.
69,8
85,8
107,8
SGB II-HE u65
SGB II-HE
u25
Schulabg.
Scheidung
Jugendetat
Kita
Darmstadt 2005 MW = Index 100
v.
Stadtprofil Darmstadt
(*jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
-3,5
0,1
-5,2
-0,5
-15,6
-31,9
-50,0
-40,0
-30,0
-20,0
-10,0
0,0
10,0
20,0
30,0
40,0
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro
100 Fälle*
Mitarbeiter gesamt pro
100 Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre
HzE+Fälle an allen
HzE+Fällen*
Dieses Ergebnis ist i nsbesondere deshalb int eressant, weil es Darmstadt gelungen ist, dies bei
einer Le istungsdichte z u erre ichen, die leicht unter dem Mittelwert liegt, wie e benfalls im
Stadtprofil abgebildet ist.
Dies be deutet, dass a mbulante Hilfe arrangements nicht als nie derschwellige Hi lfen quas i
‚zusätzlich’ erbracht, sondern als Alternative für die stationäre Betreuung entwickelt werden.
Darmstadt verfolgt hie r die fachliche Strateg ie, Kindern und Jugendlichen auch be i schwierigen
Konstellationen zu ermö glichen, in i hrer Herk unftsfamilie zu leben . Um dies zu re alisieren,
werden die ambulanten Hilfearrangements teilweise sehr re ssourcenintensiv gestaltet. Es geht
daher wenig er um eine fiskalische Strateg ie, die ambulant mit wenige r kostenint ensiv gleich
gleichsetzt, sondern um die fachlich begründete Strategie, alle Möglichkeiten für ein ambulantes
Hilfearrangement auszuloten (Näheres s. auch im Kapitel 6 Qualitatives Benchmarking).
con_sens
56
Dies spiegelt sich im Stadtprofil wider. Die Fallkosten liegen knapp über dem Mittelwert, ein bei
einem derart hohen Anteil ambulanter Hilfen eher überraschendes Ergebnis.
Dass Darms tadt in hohem Ausmaß auf die Inst allierung am bulanter Hi lfeformen setz t, wurde
bereits im letzten Bericht deutlich. Daher wurde die langfristig angelegte Darmstädter Strategie
zur Sozialraumorientierung und Dezentralisierung des Hilfeprozesses im Zuge eines umfassenden
Reorganisationsprozesses vor zehn Jah ren in diesem Projektj ahr v orgestellt, s owie den
Benchmarkingstädten ausführliche Materialien zur Verfügung gestellt.
Mit der Mög lichkeit, sich im Benchmarkingkreis über die Vorgehensweise Darmst adts und die
konzeptionellen Überlegungen der Stadt auszutauschen, konnten zahlreiche erfolgsentscheidende
Prozessfaktoren identifiziert werden, die in diese m Bericht veröffentlicht werden (Näheres hierzu
ist dem Kapitel 6 Ergebnisse des qualitativen Benchmarking zu entnehmen.
Um die erf olgreich um gesetzten Steuerungsan sätze an die akt uellen Herausforderunge n
anzupassen und weiterzuentwickeln, hat Darmstadt seit 2004 gemeinsam mit der Evangelischen
Fachhochschule Darmstadt, der Universität Frankfurt und de n freien Träg ern eine n
Qualitätsentwicklungsprozess im Bereich der erzieherischen Hilfen+ eingeleitet.
Nach der Verabschiedung der Ergebnisse dieses Prozesses durch den Jugendhilfeausschuss im
Februar 2006, werden die einzelnen Maßnahmen nun konsequent umgesetzt.
So h at Darmstadt sein Diagnose - und Hilfep lanverfahren g emäss den erarbe iteten Standards
überarbeitet und zwis chenzeitlich umgesetzt. Die fre ien Träger ihrerseits p assen die
Leistungsbeschreibungen und Qualitätsentwicklun gsvereinbarungen so wie ihre
Entwicklungsberichte dem neuen Verfahren an.
Die Erge bnisse diese r Aktivit äten zur Weiterentwicklung de r Steue rung und der
Qualitätsentwicklung we rden im we iteren Projektverlauf des Benchm arking siche rlich erneut
Betrachtungsgegenstand sein.
con_sens
57
5.3 Stadtprofil Karlsruhe
Die soz iostrukturellen Rahmen-
bedingungen für Karlsruhe zeigen
sich im Vergleich eher positiv.
Insbesondere sind vergleichs-
llerdings si nd K inder und Ju-
er Versorgungsgrad an Kin der-
er Blick auf das im Folgenden abgebildete Stadtprofil zeigt insbesondere deutlich, dass es der
56,2116,1
60,7 57,8
112,7
55,3SGB II-HE u65
SGB II-HE
u25
Schulabg.
Scheidung
Jugendetat
Kita
Karlsruhe 2005 MW = Index 100
weise wenige Einwohner de r
Stadt von s taatlichen Transferl-
eistungen nach SGB II abhängig.
A
gendliche übe rdurchschnittlich
oft von der Sche idung ihre r
Eltern betroffen.
D
tagesbetreuung ist im V ergleich zu den Vergleichspartnern Rostock un d Potsdam w ie i n den
übrigen ehe mals westdeutschen St ädten auch unterdurch schnittlich, dahe r wird in de r
Radargrafik eine überdurchschnittliche Problemlage ausgewiesen.
D
Stadt im Ve rgleich gelu ngen ist, die Hilfe arrangements we nn mögl ich in am bulanter F orm
auszugestalten.
Stadtprofil Karlsruhe
(*jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
4,8
-2,1
2,6
10,4
-14,7-12,4
-50,0
-37,5
-25,0
-12,5
0,0
12,5
25,0
37,5
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro
100 Fälle*
Mitarbeiter gesamt pro
100 Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre
HzE+Fälle an allen
HzE+Fällen*
ies korrespondiert m it dem Erge bnis, dass di e Nettoausgaben pro EW trotz doch deutlich
benfalls pl ausibel ist i n diesem Z usammenhang, dass die Ausgaben pro Fall unter dem
D
überdurchschnittlicher Leistungsdichte nur leicht über dem Mittelwert liegen.
E
Mittelwert der acht Vergleichsstädte liegen.
con_sens
58
Auffallend ist, dass K arlsruhe im vergangenen Berichtsjahr einen nur durchschnittlichen Anteil
ies ist u.a. auf gezielte Steuerungsaktivitäten des Jugendamtes Karlsruhe zurückzuführen, die
iel der Stadt Karlsruhe war es, eine weitere Zunahme der stationären Fallzahlen zu vermeiden.
uf Grund dessen wurde in Ka rlsruhe verstärkt die aufsuchende Familientherapie nach § 27
u berücksichtigen ist in diesem Z usammenhang, dass die einzelnen Leistungstypen in den
esonders auffallend ist, dass dies K arlsruhe mit einem Personaleinsatz im ASD gelungen ist,
ntwicklungspotenziale der Stadt sind ggf. in einer Reduzierung der Leistungsdichte insgesamt
ambulanter Fä lle an d en Fä llen insgesa mt a ufwies (vgl. Bericht Bundesweites Be nchmarking
HzE+-KZV 2004, con_sens). In diesem Berichtsjahr hingegen konnte ein v ergleichsweise hoher
Anteil der Fälle ambulant betreut werden.
D
zu Beginn des Jahres 2005 initiiert wurden und sich bereits ausgewirkt haben.
Z
Die An alyse der Hilf everläufe ins besondere im ambulanten Bereich hatt e ergebe n, dass die
Hilfearrangements bei verhältnismäßig schwierigen Problemkonstellationen nicht ausreichen, um
eine ambulante Betreuung in der Herkunftsfamilie zu ermöglichen.
A
(3) SGB VIII als Leistung installiert, mittels derer eine sehr int ensive Betreuung der Familie vor
Ort ermöglicht wird. Im Unterschied zur sozialpädagogischen Familienhilfe, wie sie in Karlsruhe
ausgestaltet ist, wird je tzt ein effek tives Kris enmanagement ermög licht, z.B. durch eine 24-
Stunden-Rufbereitschaft. Dadurch kann nach Ein schätzung des Jugendamtes im Einzelfall auc h
bei sehr schwierigen Problemkonstellationen eine stationäre Betreuung vermieden werden.
Z
einzelnen Städten sehr unterschiedlich ausgestaltet sind, auch auf der Basis der Vereinbarungen
mit fre ien Trägern. So kann e ine I ntensivbetreuung in die ser Form in einer anderen Stadt
beispielsweise im Rahmen einer sozialpädagogischen Familienhilfe geleistet werden.
B
der deutlich unter dem Mittelwert liegt. Im weit eren Benchmarking wird es inte ressant sein, zu
analysieren, worin die Unterschiede der Städte beim Personaleinsatz liegen. Es geht ja nicht nur
um die quantitativen Ressourcen, sondern auch um die Form, in welcher die Arbeitsteilung statt
findet.
E
zu sehen, da trotz pos itiver soziostrukturelle r R ahmenbedingungen doch vergleichsweise viele
erzieherische Hilfen+ geleistet werden.
con_sens
59
5.4 Stadtprofil Mannheim
Die soziost rukturellen R ahmenbedingungen in Mannheim s ind insgesamt im Hin blick auf die
ausgewählten Kontext indikatoren v ergleichsweise positiv einzuschätzen. Vergleicht man
Mannheim j edoch ausschließlich mit der Grup pe de r südlic h gelegene n Stä dte (Ka rlsruhe,
Darmstadt, Mannheim), so ergibt sich in Bezu g auf die Kont extindikatoren ein verg leichsweise
weniger positives Bild.
Eine leicht überdurchschnittliche
Problemlage weist die Stadt im
Hinblick auf die K inder und
Jugendlichen, die vo n de r
Scheidung ihrer Eltern betroffe n
sind, auf.
Auch de r Versorgungsgrad a n
Kindertagesbetreuung lie gt unte r
dem Mitte lwert, der v or dem
Hintergrund der Ergebnisse der
beiden historisch bedingt gut
ausgestatteten Vergle ichspartner
Rostock und Potsdam z u sehen
ist. Diese w eisen einen sehr guten Versorgungsgrad auf . Da her nehmen sie in der derzeitigen
Diskussion um de n verstärkte n Aus bau de r K indertagesbetreuung e ine Vorreiterrolle ein. Im
Hinblick auf die übrige n Kontext indikatoren weist die Stadt vergleich sweise eher wenige r
belastete soziale Problemlagen auf.
80,5
82,5
84,1
103,7
78,3
114,1
SGB II-HE u65
SGB II-HE
u25
Schulabg.
Scheidung
Jugendetat
Kita
Mannheim 2005 MW = Index 100
Stadtprofil Mannheim
(*jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
-3,6
-15,7
-6,0
5,7
10,3
-5,9
-50,0
-37,5
-25,0
-12,5
0,0
12,5
25,0
37,5
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro
100 Fälle*
Mitarbeiter gesamt pro
100 Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre
HzE+Fälle an allen
HzE+Fällen*
Ein Ansatzpunkt für die Frage nach guter Praxis bietet das M annheimer Stadtprofil im Hinblick
auf den im Vergleich unter dem Mittelwert liegenden Anteil stationärer Fälle.
con_sens
60
Dies gilt insbesondere, weil sich hier im Vergleich zum Vorjahr deutliche Veränderungen ergeben
haben. Die se sind n icht nur auf die Aufnahme weiterer V ergleichspartner in de n
Benchmarkingkreis zurückzuführen, was sich immer auf die Mittelwert und damit auch auf di e
im Stadtprofil abgebildete Abweichung vom Mittelwert auswirkt.
Mannheim hat im Jahr 2005 - wie in de n vorigen Kapiteln ausgeführt ist - im Vergleich zum
Vorjahr eine deutliche Steigerung be i Leistung sdichte insgesamt (KeZa 50.a) zu verz eichnen.
Dies ist auf steigende ambulante Fallzahlen zurückzuführen (vgl. KeZa 51.a), die Leistungsdichte
der stat ionären Fälle st agnierte im gle ichen Jahr, h ier w urden bisherige Tagesgruppen in
Schülergruppen umgewandelt.
Im verg angenen Projektjahr h atte Mannheim berichtet (vg l. Bericht KZV 2004), das s der z u
geringe Anteil an ambulant en Fälle n intern be reits zur Initiierung verstärkter
Steuerungsaktivitäten geführt hat.
Insbesondere scheint sich po sitiv auszuwirken, dass die Anbiet er vo n statio nären H zE+ ihr
Leistungsportfolio um ambulante Hilfeformen ergänzt haben.
Ein weiterer zentraler Aspekt bei der Umsteuerung, der die diesj ährigen Ergebnisse beeinflusst
hat, ist die Einf ührung v on zeitlichen Befristu ngen im Jahr 2 003 insbeso ndere für st ationäre
Hilfen. Dies hat sich dahingehend ausgewirkt, dass die Zahl der stationären Fälle nicht gestiegen
ist, zurück zu führen auch auf die zeit- un d zielgerichtetere Hilfeplanung, die in Zusammenhang
mit der zeitlichen Befristung der Hilfen zu sehen ist.
Zu beobachten bleibt, wie sich dies in der weiteren Zeitreihenbetrachtung zeigt. Verstärken sich
diese Tendenzen? Ge lingt es persp ektivisch die Dichte st ationärer Fälle parallel zu senken?
Bestätigt sich die Vermutung, dass hier Effekte der Umsteuerungsaktivitäten erkennbar werden?
Eine weite re Besonderhe it in Mannheim ist, da ss vergleichs weise viele erzieherische Hilfen +
durch das Jugendamt selbst durchgeführt werden. Im Stadtprofil wird dies daran deutlich, dass
der Pe rsonaleinsatz der Stadt insgesamt pro 100 Fälle ver gleichsweise hoch ist. Dies beruht
nicht auf de m Personaleinsatz beim Sozialen Dienst oder bei der Wirtschaftlichen Jugendhilfe,
hier wird in der Stadt vergleichsweise weni g Personal eing esetzt (KeZa 20-21). Ursächlich
hierfür ist ausschließlich die eige ne Durchführung von erzieherischen Aufgaben. Die Stadt plant
daher, verstärkt Aufgaben an exte rne Träger zu vergeben, eine Leistungsvergabe im Bereich der
sozialen Gruppenarbeit an einen freien Träger hat bereits stattgefunden.
con_sens
61
5.5 Stadtpr ofil Potsdam
Potsdam verfügt übe r im Vergleich der acht Benchmarkingstädte über deut lich positive
soziostrukturelle Rahmenbedingungen.
Im Hin blick auf al le
ausgewählten Kontext indikatoren
weist Pots dam ver gleichsweise
geringe soziale Problemlagen
auf.
82,5
79,028,7
100,1
56,5
36,3
SGB II-HE u65
SGB II-HE
u25
Schulabg.
Scheidung
Jugendetat
Kita
Potsdam 2005 MW = Index 100
Einzig bei den Ausgaben für die
Jugendverbandsarbeit, als einem
entlastenden Faktor f ür das
Leistungsgeschehen der erzieher-
ischen Hi lfen+ lassen sich eher
durchschnittliche Werte
verzeichnen.
Das Erge bnis dieses Projektjahres zeigt deut lich, dass die Zahl der Schulabgänger ohne
Abschluss eine Zahl ist, die immer auch von zufälligen Schwankungen abhängig ist. Im letzten
Berichtsjahr wies hier Potsdam eine überdurchschnittliche Problemlage auf.
Stadtprofil Potsdam
(*jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
-22,8
25,1
-32,28
9,411,7
17,6
-50,0
-37,5
-25,0
-12,5
0,0
12,5
25,0
37,5
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro
100 Fälle*
Mitarbeiter gesamt pro
100 Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre
HzE+Fälle an allen
HzE+Fällen*
Besonders auffallend ist, dass in Po tsdam im Be richtsjahr vergle ichsweise selten Kinde r und
Jugendliche Hilfen zur Erziehung+ erhalten haben. Dies wirft die Frage nach der Ausgestaltung
der Zugangssteuerung vor Ort auf.
Da die soziostrukturellen Rahmenbedingungen der Stadt im Vergleich besonders positiv sind, ist
nicht davon auszugehen, dass eine zu restriktive Zugangssteuerung dafür verantwortlich ist, auch
wenn das Leistungsportfolio der Stadt eine starke Betonung eingriffsintensiver Hilfen aufweist.
con_sens
62
Im Rahmen des Bench marking biet et dieses Ergebnis zahlreiche Impuls e für weiterführende
Fragestellungen und Analysen im Sinne einer Suche nach guten Praxisansätzen.
Zum einen gilt es die Frage zu bearbeiten, wie die Zugangssteuerung vor Ort konkret ausgestaltet
ist. Das Ergebnis weist da rauf hin, dass die Notwendigkeit ins besondere n iedrigschwelliger
erzieherischer Hilfen + sehr konse quent geprüft und g esteuert w ird. Die Frage der
Zugangssteuerung in den einzelnen Benchmarkingstädten gilt es im weiteren Projektverlauf noch
vertieft zu bearbeiten, um Hinweise auf gute Praxis vor Ort zu gewinnen.
Zum anderen verfolgt Potsdam seit einiger Zeit den Ansatz, insbesondere stationäre Fälle wenn
möglich sch neller als bisher durch eine Optimi erung des Hilfeplanverfahrens zu beenden.
Bewährt h at sich in diesem Zusammenhang insbesondere die Inst allierung e iner Budg et-
Arbeitsgruppe vor drei J ahren. Qu artalsweise we rten dort Mit arbeiter aus den Te ams und de r
Wirtschaftlichen Jugen dhilfe, der K oordinator i m ASD, Co ntroller sowie Jug endhilfeplaner
gemeinsam die Ausgaben- und Fallzahlenentwicklung auf Teamebene aus.
Analysiert werden di e E inhaltung d es Ja hresbudgets so wie auch t iefergehende fachliche
Fragestellungen, wie be ispielsweise die Ve rweildauer i n H eimen, das Alter von in Heimen
betreuten Kindern und Jugendlichen. Werden beispielsweise zu viele K inder unter 6 Jahren in
Heimen betreut, wird gegengesteuert.
Nach Einschätzung des Jugendamtes hat sich durch diese Arbeitsgruppe das Kostenbewusstsein
der fallführenden Bearbeiter in Potsdam verstärkt. Ein weiterer zentraler Effekt ist, dass durch
diese Kooperation h äufiger die Arbeitsweise und das Vo rgehen in Teams besproc hen wird,
beispielsweise ausgehend von de r unterschie dlichen Häuf igkeit, mit de r e rzieherische Hilfen +
installiert werden.
Die ge ringe Leistungsdichte korresp ondiert m it den Netto ausgaben pro EW, die de utlich unte r
dem Mittelwert der acht Vergleichsstädte liegen und die ebenfalls im Stadtprofil abgebildet sind.
Erklärungsfaktor für die relativ hohen Fallkosten ist zum einen, dass ein vergleichsweise hoher
Anteil der Fä lle in Potsdam statio när betreut wird. Hinz u kommt, dass wie de r
Kennzahlenvergleich gezeigt hat, in Potsdam im Vergleich nur wenige stationär betreute Kinder
und Jugendliche in Pflegefamilien leben können (vgl. hierzu im Bericht KeZa 55 und KeZa 56).
Insbesondere an dieser Stelle ist auch da s Entwicklungsp otenzial der Stadt Pots dam z u
vermuten. Erste Akt ivitäten zur ve rstärkten Ak quirierung u nd Betreuung von Pf legefamilien
wurden bereits unternommen. Potsdam hat u.a. nach den Ergebnissen des Berichtes von 2004 ,
der bereits Entwick lungspotenziale in diesem Feld ve rdeutlichte, zahlre iche Aktivit äten
insbesondere im Bere ich der Öffentlichkeitsarbe it gestartet, u.a. im reg ionalen Fe rnsehen, in
Tageszeitungen, im Internet etc.
Darüber hinaus wurde die auch die interne Arbeitsweise des Pflegekinderdienstes konzeptionell
überdacht.
Des Weiteren könnte der Anteil der stationären Fälle insgesamt gesenkt werde n. Allerdings sind
dabei die N ettoausgaben pro Einwo hner im Aug e zu beh alten, die j a aufgrund der niedrigen
Falldichte insgesamt erfreulich niedrig liegen. Die Herausforderung besteht hier darin, verstärk t
ambulante Hilfen als Alternative zur stationäre Betreuung zu entwickeln.
Eine zu re striktive Zugangssteue rung ist ni cht zu vermuten, da die soziostrukture llen
Rahmenbedingungen der Stadt Potsdam im Vergleich der acht Benchmarkingstädte sehr positiv
sind. Neben den im Städtevergleich abgebildeten Kontextdaten wirken s ich nach Einschätzung
con_sens
63
der Stadt auch die hohe Kaufkraft, der hohe Durchschnittsverdienst der Bevölkerung sowie eine
gute Wohnraumversorgung positiv auf die soziostrukturellen Rahmenbedingungen aus.
Darüber hin aus sin d die hier abgebildet en Erge bnisse nach Einschätzung Potsdams auch als
Effekt von vor drei Jahren initiierten Steuerungsaktivitäten zu sehen, die u.a. auf eine verstärkte
Beendigung von HzE+ abzielen.
Im weiteren Projektverlauf wäre es darüber hinaus interessant für den Be nchmarkingkreis, die
Zugangssteuerung in den einzelnen Städten zu vergleichen, um an dieser zentralen Stellschraube
Erfolgsfaktoren identifizieren zu können.
Ferner wirkt sich für das Jahr 2 005 bereits eine Umsteuerung des Juge ndamtes Potsdam aus,
verstärkt aus dem Budget fü r Hilfen zur Erziehung+ a uch pr äventive fa llunspezifische Hilf en,
beispielsweise für Elte rnzentren, zu finanzieren, um erzieheris che Hilfen + zu vermeide n. Dies
wird sich im nächsten Berichtsjahr 2006 bereits in einer relevanten Größenordnung auswirken.
con_sens
64
5.6 Stadtprofil Rostock
Die Analyse der sozials trukturellen Rahmenbedingungen de r St adt Ros tock zeigt deutliche
Problemlagen für die Stadt im Hi nblick auf das Ausm aß an A bhängigkeit von staat lichen
Transferleistungen nach SGB II auf.
Dies gilt sow ohl für die gesamten Leistungsbezieher nach SGB II als auch für die Jugendlichen
unter ihnen. Erschwerend kommt für Rostock hinzu, dass die Jugendlichen der Stadt besonders
häufig arbeitslos gemeldet sind (vgl. hierzu die Grafik KeZa 1.1. im Anhang).
Für die Kontextfaktoren de r vo n Scheidung betroffenen K inder u nd Jugendliche n un d der
Schulabgänger ohne Abs chluss weist die Stadt eine leicht unterdurchsch nittliche P roblemlage
auf.
Im Hinblick auf die Faktoren, die
das Leist ungsgeschehen HzE+
entlasten kö nnen, ste llt sich der
Kontext für Rostock positiver dar.
So ist de r Versorgu ngsgrad an
Plätzen auf Gr und der historisch
gewachsenen Traditio n in de n
neuen Bu ndesländern in Kinder-
tagesstätten erwartungsgemäß
gut. Zwar liegt die Vereinig ung
der beiden deutschen Sta aten
schon 16 Jahre zurück, die
Unterschiede in der
Kindertagesbetreuung
insbesondere für die unte r 3 jährige n sowie die schulpflichtigen Kinder sind aber immer noch
sehr d eutlich. In der aktuellen politi schen Di skussion werden starke Schwerpunkte auf den
Ausbau der Betreuungsmöglichkeiten insbesondere für diese Zielgruppe gesetzt. Daher nehmen
Rostock ebenso wie Potsdam im Benchmarkingkreis in dieser Frage eine Orientierungsfunktion
wahr.
98,2
90,8
125,7
88,3
136,4
47,3
SGB II-HE u65
SGB II-HE
u25
Schulabg.
Scheidung
Jugendetat
Kita
Rostock 2005 MW = Index 100
Auch die A usgaben für die Juge ndarbeit und Jugendverbandsarbeit (nach §§ 11, 12 SGB VIII)
liegen im Vergleich der acht Städte zwar nicht deutlich aber noch übe r dem Mittelwert. In der
Radargrafik wird dies auf Grun d des um gedrehten Wirku ngsfaktors ausgew iesen als
vergleichsweise gering aufgespannte Fläche.
con_sens
65
Stadtprofil Rostock
(*jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
36,9
10,2
6,8
35,434,1
2,1
-50,0
-37,5
-25,0
-12,5
0,0
12,5
25,0
37,5
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro
100 Fälle*
Mitarbeiter gesamt pro
100 Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre
HzE+Fälle an allen
HzE+Fällen*
Auffallend is t, dass di e Leistu ngsdichte in Rost ock nur knap p über dem Mitte lwert liegt, im
Vergleich jedoch deutlich viele Nettoausgaben pro EW aufgewandt werden.
Der Erklärungsfaktor, der sich aus dem quantitativen stadtspezifischen Profil ergibt, ist, dass die
Fallkosten überdurchschnittlich hoch sind.
Zum Teil liegen diese da rin begründet, dass Rostoc k vergleichsweise viele seiner Fälle stationär
betreut.
Hinzu kom mt, dass die stationär betreuten Kind er und Jugendlichen in Rostock selten in
Pflegefamilien leben, sondern in den in der Regel kostenintensiveren Heimen betreut werden.
Dieses Feld wird von R ostock als no twendiges Handlungsfeld gesehen. Daher wu rden be reits
2004 Aktivitäten gestartet, ins besondere durch eine verstärkt e Öffentlichkeitsarbe it zu r
Akquirierung von Pflegeeltern, be ispielsweise du rch Wer bekampagnen un d
Informationsveranstaltungen. Darü ber hinaus wurd e die Arbe it des Pflege kinderdienst im Jahr
2005 neu k onzeptioniert. Die Bewe rbergruppenarbeit sowie der Arbeit mit Pf legeeltern wu rde
ausgebaut. Es erfolgte die Intensivierung der Schulungszyklen im Zusammenhang mit der
Überprüfung de r Bewerber, die Entwicklung eines K onzeptes de r s eminaristischen un d
thematischen Begleitung von Pflegeeltern sowie die Evaluation interner Arbeitsprozesse.
Die beschriebenen Prozesse der Gewinnung vo n Pflegeeltern können sich allerdings 2005 noch
nicht auf die aktuellen Fallzah len im stationären Be reich auswirken, da mit den p otentiellen
Bewerbern noch gearbeitet wird. Es bleibt weiter zu beobachten, inwieweit diese Aktivitäten sich
in den Zahlen der kommenden Jahre niederschlagen werden.
Ein fach licher Schwerpunkt Rostocks, der sich ebenfalls in diesem Stadtprofil zeigt ist der
Ausbau der sog. fallunspezifischen und fallübergreifenden Arbeit. Es sollen verstärkt Ressourcen
im Sozi alraum mobi lisiert un d alternative Unterstützung smöglichkeiten für K inder und
Jugendliche sowie ihre Familien installiert werden. Ziel ist es, Hilfen zur Erziehung+ soweit wie
möglich bereits im Vo rfeld zu ve rmeiden. Diese Strateg ie zeigt bere its erste Erge bnisse. Die
Leistungsdichte de r Stadt ist t rotz so ziostruktureller Belastung en nu r durchschnittlich, was im
Zusammenhang der stadtspezifischen Vorgehensw eise auf eine verst ärkte Hilfeve rmeidung
con_sens
66
hinweisen kann. Dass die Fa llkosten der Stadt vergleichsweise hoch sind, kann ebenfalls als ein
Hinweis auf die in Ansätzen bereits erfolgreiche Umsetzung der Strategie gedeutet werden. Denn
die Gesamtausgaben für Hilfen zur Erziehung um fassen neben den Einzelfallausgaben auch die
Ausgaben für die fallunspezifische und fallübergreifende Arbeit in diesem Bereich, werden bei der
Bildung der Kennzahl aber nur auf die Fallzahl der formalen HzE+ bezogen. Die Ausprägung der
Kennzahl ist daher entsprechend hoch.
Neben diese m fachlich gewünschten Ergebnis sind die hoh en Fallkoste n jedoch auch auf
Aspekte in der Ausgestaltung der Leistungsbeziehung mit den Anbietern zurückzuführen, für die
Effizienzpotenziale vermutet werde n. In dies em Zusammenhang erwartet Rostock durch seine
Teilnahme an e inem Bundesmodellprogramm zur Einführung vo n wirku ngsorientierten
Vereinbarungen zent rale Impulse . Z usätzlich wird davon ausgegangen, dass die mittlerweile
eingeführten Pauschalf inanzierungen einzelner Leistungsarten weitere Potenziale für einen
gezielteren Ressourceneinsatz bieten. Die Ergebnisse im weiteren Projektverlauf werden hierüber
Aufschluss geben.
con_sens
67
5.7 Stadtprofil Siegen
Die Kont extanalyse für Siegen
zeigt im V ergleich ü berdurch-
schnittliche soziale
Problemlagen, wenn a uch im
Vergleich eher leicht.
Zur Dichte der Kinder und
Jugendlichen, die vo n der
Scheidung ihrer Elte rn betr offen
sind, kann keine Aussage
getroffen werden.
Für al le a nderen Fa ktoren wei st
die G rafik l eicht bis merkl ich
überdurchschnittliche Problem-
lagen auf.
103,8
111,0
107,2
119,9 102,0
SGB II-HE u65
SGB II-HE
u25
Schulabg.
Scheidung
Jugendetat
Kita
Siegen 2005 MW = Index 100
n.v.
Stadtprofil Siegen
(*jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
13,5
-11,4
-34,7
-42,5
-18,2
-4,7
-50,0
-37,5
-25,0
-12,5
0,0
12,5
25,0
37,5
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro
100 Fälle*
Mitarbeiter gesamt pro
100 Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre
HzE+Fälle an allen
HzE+Fällen*
Das quantitative Stadtprofil für Siegen zeigt z unächst, dass in der Stadt vergleichsweise selten
erzieherische Hilfen+ erbracht werden.
Zusätzlich zeigt das Stadtprofil, das s das Le istungsportfolio in Siege n ve rgleichsweise deut lich
durch stat ionäre H ilfearrangements gepräg t ist. D.h. das Ju gendamt int erveniert im Vergleic h
eher selten und wenn, dann vergleichsweise häufig eingriffsintensiv.
Nach Einsc hätzung der St adt Sie gen ist die insbesondere vo r de m Hinte rgrund der
überdurchschnittlichen soziale n Problemlagen vergleichsweise geringe Leistungsdichte auf
unterschiedliche Faktoren zurückzuführen. Von eine r zu restriktiven Zugangssteuerung wird nicht
ausgegangen.
con_sens
68
So nimmt das Jugendamt Siegen bei Leistungen nach § 35 a SGB VIII i nsbesondere fü r sog.
Teilleistungsstörungen wie z. B. die Lese- und Rechtsschreibschwäche seine
Entscheidungskompetenz, ob eine seelische Behinderung vorliegt und die Teilhabe am Leben in
der Gemeinschaft beeinträchtigt ist, in hohem Maße wahr.
Die enge Kooperation des Jugendamtes mit der örtlichen Erziehungsberatungsstelle im Rahme n
der Beg utachtung wird in diesem Zusammenhang als äuße rst hilfreich gewertet. So lehnt das
Jugendamt ca. die Hälfte der Anträge ab, weil die Voraussetzungen gem. § 35 a SGB VIII nicht
vorliegen bzw. andere Leistungsträger oder Schulen in der Pflicht sind.
Des Weit eren ist nach Einschätzu ng der Stadt die eher geringe Leistungsdichte darauf
zurückzuführen, dass die Hilfen vergleichswei se zeitnah be endet werde n können, weil die
Hilfeplanüberprüfung nicht nur alle 6 Monate, sondern häufiger erfolgt.
Ferner wirkt sich aus, dass die Falleingangsphase in Sie gen in hohem Ausmaß gesteuert wird
und Alternativen für HzE+ installiert werden sowie der ASD alte rnative Ressourcen aktiviert. Die
konkrete Ausgestaltung diese r Fa lleingangsphase gilt es im Benchmark ing noch weiter z u
betrachten.
Die niedrigen Fallkosten in Sieg en, die ebenfalls im St adtprofil ab gebildet wer den, geb en
darüber hinaus Hinweise auf einen effizienten Ressourceneinsatz in der Stadt, insbesondere weil
sie angesichts des vergleichsweise hohen Anteils an stationären Fällen nicht zu erwarten waren.
Zum einen ist dies darauf zurückzuführen, dass Siegen für vergleichsweise viele stationäre HzE+-
Fälle Pf legefamilien f indet und H ilfen gem. § 34 SGB VIII v ergleichsweise häufig i n Form der
weniger kostenintensiven Erziehungsstellen in professionellen Pflegefamilien erbringt.
Darüber hinaus können jedoch noc h weitere interessante Ansätze bei der Ausgest altung der
Leistungsbeziehung zwischen Kommune und Anbietern vermutet werden.
Nach Einsc hätzung der St adt Siegen sind die n iedrigen Fallkosten auch a uf e ine e nge
Kooperation mit den ört lichen Anbietern zurückzuführen, die in einem hohen Ausmaß für die
Erbringung erzieherischer Hilfen+ in Anspruch genommen werden.
Diese Zusammenarbeit in Form von regelmäßigen Qualitätsdialogen und Absprachen hinsichtlich
der Gestaltung von Pflegesätzen führt dazu, dass das Leistungsangebot in der Regio n
bedarfsorientiert weit erentwickelt wird und der Kostenrahmen in den le tzten Jahren stabil
geblieben ist. Insbesondere kann das Jugendamt in dieser Ko operation darauf hinw irken, dass
Zusatzleistungen die Aus nahme und nicht die Regel sein sollen. Erfah rungsgemäß ist dies ein
häufiger Problem punkt in der Zu sammenarbeit mit aus wärtigen Le istungserbringern. Die
Pflegesätze scheinen zwar zunächst kostengünstig, die im nachhinein dann jedoch geforderten
Zusatzleistungen lassen die Kosten für die Hilfesettings stark ansteigen.
Als Entwick lungspotenzial de r Stadt ist die R eduzierung der s tationären Fälle zu sehe n. Nach
Einschätzung der St adt könnte dies durch e ine höhere Personalausstatt ung im A SD erreicht
werden, die in der Tat im Vergleich deutlich unter dem Mittelwert der Benchmarkingstädte liegt.
Zielsetzung wäre es dann, insbesondere meh r präventive H ilfen zu installie ren, um HzE+ zu
vermeiden, intens ivere Begle itung von stationären HzE+ mit dem Ziel der frühzeitige ren
Rückführung und die Intensivierung von Evaluation und Controlling.
con_sens
69
5.8 Stadtprofil Viersen
Die soz iostrukturellen Rahmen-
bedingungen könn en de rzeit nu r
teilweise abgebildet we rden, da
die Bundes agentur für Arbe it
keine Date n für das St adtgebiet
Viersen zur Verfügung stelle n
kann.
Darüber hinaus zeige n sich
differenzierte Problem lagen für
die Stadt Viersen.
Während die Quote der
Schulabgänger ohne Abschluss
deutlich über dem Mit telwert liegt, zeigt sich der Kontext im Hinblick auf die Betroffenheit von
Kindern un d Juge ndlichen durch die Sche idung ih rer Elte rn im Vergle ich der ach t
Benchmarkingstädte sehr positiv. Hierzu ist allerdings an zumerken, dass die Zah l der von
Scheidung betroffenen Kinder und Ju gendlichen nur für die Ebene des Amt sgerichtsbezirkes zur
Verfügung steht und für das Stadtgebiet Viersen umgerechnet wurde.
115,1
163,1
50,7
162,4
SGB II-HE u65
SGB II-HE
u25
Schulabg.
Scheidung
Jugendetat
Kita
Viersen 2005 MW = Index 100
n.v.
n.v.
Im Rahmen der Kontextanalyse ist besonders auffallend, dass die Stadt über einen sehr geringen
Jugendetat v erfügt. Da sich die Aufw endungen der Kommun e für Leist ungen für J ugendarbeit
und Jugendverbandsarbeit (nach §§ 11 und 12 SGB VIII) entlastend auf das Leistungsgeschehen
der erziehe rischen Hilfen+ auswirken könne n, w eist Viersen in diesem Punkt eine deutliche
Problemlage auf.
Der unterdurchschnittliche Versorgungsgrad an Plätzen in Kindertageseinrichtungen ist ebenfalls
vor dem H intergrund der Ergebnisse der be iden historisch bedingt gut ausge statteten
Vergleichspartner Rostock und Potsdam zu sehen. Allerdings is t an dieser St elle darauf
hinzuweisen, dass Viersen im Vergleich der Benchmarkingstädte über die am g eringsten
ausgebaute Versorgung f ür die unt er 3-Jährigen verfügt. Hier zeigt sich daher noch deutliches
Entwicklungspotenzial
con_sens
70
Stadtprofil Viersen
(*jeweils ausgewiesen: die Abweichung des Stadtergebnisses der Kennzahl
vom Mittelwert der Städte in Prozent)
-4,9
6,8
-13,3
-26,8
-15,3
19,3
-50,0
-37,5
-25,0
-12,5
0,0
12,5
25,0
37,5
50,0
Netto-Ausgaben HzE+ pro
EW*
Netto-Ausgaben HzE+ pro
Fall*
vzv. ASD-Mitarbeiter pro
100 Fälle*
Mitarbeiter gesamt pro
100 Fälle*
HzE+Fälle gesamt pro 100
EW*
Anteil stationäre
HzE+Fälle an allen
HzE+Fällen*
Die Auswertung des quantit ativen Stadtprofils zeigt zunächst die Auff älligkeit, dass es der St adt
gelungen ist, bei einer relativ hohen Leistungsdichte insgesamt die Ne ttoausgaben pro EW im
Vergleich sehr niedrig zu halten.
Dies wird im Stadtprofil auch daran ersichtlich, dass die Fallk osten im Vergleich ebenfalls sehr
niedrig sind.
Dies ist zum einen darauf zurückzuführen, dass Viersen einen im Vergleich sehr geringen Ante il
seiner HzE +-Fälle stat ionär betreut. Hinzu k ommt, dass es der St adt vergleichsweise häufig
gelungen ist , Pflegef amilien fü r F älle zu find en, für die sich eine Fremdunterbringung nicht
vermeiden lässt. Dies ist nicht im Stadtprofil erkennbar, nähere Ausführungen hierzu s ind dem
Kapitel 4.2. (vgl. KeZa 56 und KeZa 55) zu entnehmen.
Im qualit ativen Aust ausch konnte be reits he rausgearbeitet w erden, dass Vie rsen besonderen
Wert darauf legt, auch pflegende Verwandte im Rahmen von Hilfen zur Erziehung+ zu betreuen,
um den Abbruch eines Pflegeverhältnisses zu vermeiden. Der Benchmarkingkreis wird im Verlauf
des weit eren Projektverlauf noch G elegenheit haben, die V orgehensweise in V iersen nähe r
kennen zu lernen, um hieraus Impulse zu ziehen.
Des Weiteren sind die niedrigen Fallkosten in Viersen darauf zurückzufüh ren, dass in besonders
hohem Ausmaß nie derschwellige u nd wenig ei ngriffsintensive ambu lante Hilfeforme n erbr acht
werden. St rategie der Stadt ist es, durch die frü hzeitige I nstallierung n iederschwelliger Hi lfen
eine Verfest igung von Problem lagen und dadurch eingriffsintensivere Hilfe n zu vermeiden. Als
Entwicklungspotenzial sieht die Stad t Viersen für sich, noch präventive r zu wirken, damit Hilfe n
zur Erziehung+ gar nicht erst notwendig werden.
con_sens
71
6 Ergebnisse des qualitativen Benchmarking
Der Benchmarkingkreis hat sich auch in seine m zweiten Projektjahr intensiv über zentrale
Aspekte der Organisation und Steuerung von Hilfen zur Erziehung+ ausgetauscht.
Erfolgskritische Prozessfaktoren im Pflegekinderwesen
Ausgehend von den Ergebnissen de r ersten Be richtsjahres mit ausgeze ichneten Erg ebnissen
Bremerhavens bei der Akquirie rung un d Betreuung von Pfleg efamilien h atte de r
Benchmarkingkreis die Möglichkeit, die Bremerhavener Vorgehensweise näher kennen zu lernen.
Zusätzlich konnten die neuen Mitstreiter im bundesweiten Benchmarking Siegen und Viersen, die
beide ebenfalls posit ive Ergebn isse im Pflegek inderwesen aufw eisen, e inzelne Punkte in die
Diskussion ein bringen. Ein e umfassende Bet rachtung der Abläufe im Pflegek inderwesen in
Siegen und in Viersen gilt es im weiteren Projektverlauf noch vorzunehmen.
Im Rahmen des qualitativen Austausches konnten konkrete Prozessfaktoren identifiziert werden,
von denen anzunehmen ist, dass sie entscheidend zum Erfolg der Städte beigetragen haben.
Im Rahmen des Austausches wurden ebenfalls Erfolgsfaktoren benannt, auf die die Jugendämter
nur geringen Einfluss haben, die also weniger steuerungsrelevant, weil weniger steuerbar sind.
Hierzu ist nach Einschätzung der Städte insbesondere die geografische Lage der Stadt zu zählen.
Verfügt m an als Oberze ntrum, umg eben vo n ländli chen K reisen, über eher viele p otenzielle
Pflegefamilien? Oder ist die Stadt als Oberzentrum von anderen Städten umgeben, die ebenfalls
besonders viele Pflegefamilien benötigen und daher wenig bereit sind, welche „abzugeben“? Als
ein zentrale r Erf olgsfaktor in Breme rhaven wurde die ausgezeichnete Kooperation mit dem
Umland benannt, die n icht durch das eher ü bliche Konk urrenzverhältnis geprägt ist. Die
Vorreiterrolle der St adt Bremerh aven beim A ufbau des PKD sichert dem st ädtischen
Pflegekinderdienst heute eine entsprechende Position.
Grundsätzlich ist in diesem Zusammenhang anzumerken, dass der quantitative
Kennzahlenvergleich Impulse für stadtinterne Prüfungen und Überlegungen geben kann. Er kann
nicht die Antwort darauf geben, ob die Städte ggf. mehr ihr er stat ionären Fä lle in Form von
Vollzeitpflege nach § 33 SG B V III betreuen kö nnten, d.h. o b sie ih r P otenzial ausschöpfen.
Empfohlen wird, bei e ntsprechenden Kennzahlenergebnissen – einem vergle ichsweise geringen
Anteil an Leistungen nach § 33 SGB VIII – zunächst von noch gegebenen Steuerungsspielräumen
auszugehen, um alle etwaige Möglichkeiten auszuloten.
Folgende M erkmale i n der V orgehensweise un d Konzeption der Arbe it im Pflegekinderwesen
insbesondere in Bremerhaven wurden als erfolgsentscheidend herausgearbeitet:
Die Haltung gegenüber den Pflegeeltern
Entscheidend für die Akquirierung von Pflegeeltern ist eine posit ive Haltung gegenü ber
potenziellen Pflegef amilien, eine Haltung, die vermittelt, dass sie nicht p erfekt sein müssen,
Fehler mach en und auch scheitern dürfen (wie leibliche Elt ern auch). Diese H altung wird in
Bremerhaven den Mitarbeitern immer wieder vermittelt.
Insbesondere die Erstgespräche mit möglichen Pflegeeltern w erden in Bremerhaven s o wenig
formalisiert wie möglich gestal tet. Dass dies nicht selbstverst ändlich ist, zeigten
con_sens
72
Erfahrungsberichte anderer Städte, die die Fragebögen ihrer Stadt in ihrer Ausführlichkeit und in
ihrem kontrollierenden Charakter als eher weniger einnehmend einschätzen.
Eine weite re wichtige „ Stellschraube“ zur Ge winnung von Pflegee ltern sind die Kurse zu r
Grundbildung, auch hie r gil t d ie of fensive Ve rmittlung einer posit iven und fehlert oleranten
Haltung.
Grundphilosophie: Heim ist keine Lebensform auf Dauer
Der Bericht aus Bremerh aven macht e deut lich, dass die Vo rgehensweise der Stadt durchweg
durch die Philosophie geprägt ist, dass ein Heim keine Le bensform auf Dauer ist. Dies gilt – das
ist ein entscheidender Punkt und macht den Unterschied – zunächst für jedes Kind, unabh ängig
von seinen individuellen Problemlagen und Herausforderungen.
Diese Pos ition wird nic ht in allen Pflegekinderdiensten der teilnehmenden Städte geteilt. S o
wurde aus anderen Städten berichtet, dass Pflegefamilien von den zuständigen Sachbearbeitern
in der Regel nur für kleine Kinder mit geringen sozialen Auffälligkeiten als die geeignete Hilfeform
eingeschätzt werden.
In Brem erhaven wa r der Auf bau des e rfolgreichen Pflegeki nderwesens durch das
außerordentliche Eng agement einer Einze lperson geprägt, die diese Mentalität g elebt hat.
Dadurch wird es aber nicht überflüssig, dass die jetzigen Steuerer diese Grundphilosophie immer
wieder vermitteln und ggf. auch einfordern müssen.
Philosophie als roter Faden im Steuerungskreislauf
Um die Hilfeplanung immer wieder an der Philosophie auszurichten dass das Heim zunächst für
jeden k eine Le bensform auf Dauer ist, werden in Breme rhaven unte rschiedliche
Steuerungsinstrumente in stalliert. D iese ziehen sich wie e in roter Faden durch de n g esamten
Steuerungskreislauf.
In Bremerhaven wi rd wi e auch in a nderen Städten der Pflegekinderdienst in die Phase de r
Hilfeplanung einge bunden. Der U nterschied besteht in dem hohen Verbin dlichkeitsgrad de r
Einbindung, der in Bremerhaven praktiziert wird.
So werden in Bre merhaven Kinder unter 14 Jahren grundsätzlich von sog.
Fremdplatzierungsteams betre ut. Der PK D ist verpflichtend in de n Platzierungsprozess
institutionell eingebunden.
Darüber hinaus – und dies wurde in der Diskussion als zentraler Unterschied deutlich – ist das
Votum des PKD bei der Unterbringung der Kinder vorrangig.
Da e ine H eimunterbringung n icht dem Leitgedanken en tspricht, wird jede Heim unterbringung
spätestens nach zwei Jahren auf mögliche Alternativen regelhaft hin überprüft, durch – und dies
ist auch ein entscheide ndes Element – externe Träger (gem äß de r in § 34 Nr. 1 u nd Nr. 2
SGB VIII formulierten Zielsetzung.).
Wenn die Betreuung in einem Heim nicht zu verm eiden ist, wird dies nicht als Dauerlösung
betrachtet und K inder und Jugendliche in e inem Heim kö nnen sich durch sog. Patenfamilien
(potenzielle künftige Pfle geeltern o der be treuende Personen aus dem so zialen Umfe ld) an das
Leben in einer Familie gewöhnt und emotionale familienähnliche Beziehungen aufbauen.
Rückkehroption von Pflegekindern in die Herkunftsfamilien – eine Herausforderung für
die Jugendämter
Bremerhaven berichtete, dass das gute Kennzahlenergebnis der Stadt bei den Pflegekindern zu
einer kritischen Prüfung geführt hat, ob nicht zu wenige Pfl egekinder in ihre Herkunftsfamilien
con_sens
73
zurückgeführt werden. Denn dies ist natürlich auch ein Erklärungsfaktor für einen hohen An teil
an Fällen nach § 33 SGB VIII.
Dabei wurde deutlich, dass nach der Abg abe der Bet reuung de r P flegekinder und der
Pflegefamilien an den PKD nach zwei Jahren keine regelmäßigen Hilfepläne mehr erstellt werden
In der Folge geraten die Kinder und Jugendlichen meist aus dem Blickfeld des PKD. Dies wird
künftig stärker in den Fokus der Bremerhavener Aktivitäten gerückt.
Diese Tendenz zeigt sich nicht nur in Breme rhaven. Auch Sieg en und Vie rsen berichteten über
diese Schwierigkeit.
Diese He rausforderung wird bundesweit diskut iert (s. hi erzu Juge ndhilfe Report, 2 / 200 6,
Erfahrungsberichte aus Düsseldorf und Mülheim an der Ruhr). In allen Städten stellt s ich
zunehmend die Frage, wie eine Rückkehropt ion von Pflege kindern u nd Jugen dlichen in ihre
Herkunftsfamilien gefö rdert werde n kann. Es wird ein e zentrale Herausforderung sein,
zunehmend mittelfristige flexible Pflegeformen zu entwickeln, die eine nachhalt iger systematisch
geplante u nd org anisierte Rückführung von Kindern u nd Jugen dlichen in ihre Fam ilien
einbezieht. Daher ist die W eiterentwicklung de r bestehenden Angeb ote in dem
Pflegekinderwesen sowie die Erarbeitung neuer Konzeptionen wichtig.
Betreuung von Verwandtenpflegestellen durch das Jugendamt
Im Rahmen des Austausches wurde deutlich, dass es deutliche Untersc hiede zwisc hen den
Jugendämtern in der Frage der Betreuung von Verwandtenpflegestellen gibt.
In Viersen wird die intensive Bet reuung von Verw andtenpflegeverhältnissen als ein Erfolgsfakto r
für die verst ärkte Betreuung in Pflegefamilien gesehen. Es wi rd davon ausgegangen, dass auch
Verwandtenpflegeverhältnisse die U nterstützung des Jugendamtes brauch en, um ein Scheitern
des Pflegeverhältnisses und eine spätere Unterbringung in einem Heim zu vermeiden.
Die fachlich e Unterstü tzung du rch den Soz ialen Dienst sowie die Gruppe nangebote des
Pflegekinderdienstes stehen in alle n Städten auch den Verw andtenpflegefamilien zur Verfügung.
Der Unterschied zwischen den Städte n ist darin zu sehen, wie proaktiv das Jugendamt auf die
Verwandten mit Unterstützungsangeboten zugeht. Die Einschätzung der Kooperationsbereitschaft
von Ve rwandten als Pf legeeltern unterscheidet s ich denn au ch deu tlich in den Stä dten. Ggf .
könnte man sich im Rahmen des Benchmarking über unterschiedliche Formen der Ansprache
austauschen, die eher Kooperationsbereitschaft oder Abwehrhaltung der Pflegeeltern hervorrufen.
Stärkung ambulanter Hilfen durch Dezentralisierung und Sozialraumorientierung
Die Kennzahlenergebnisse für Darmst adt aus dem ersten (wie auch dem zweiten Berichtsjahr)
weisen deutlich darauf hin, dass es der St adt gelungen ist, ambulante Hilfeformen als frühzeitig
greifende Alternative zu stationären Hilfearrangements zu installieren. Bei einer insgesamt knapp
unterdurchschnittlichen Leistungsdichte, werden fast 70 Prozent der Hilfen in ambulanter Form
erbracht.
Ausgehend hiervon h atte der Benchmarkingkreis Gelegenheit die Vo rgehensweise in Darmstadt
näher ke nnen zu lern en. Die Rahm enbedingungen de r lang fristig angelegten Umst euerung
wurden bereits beschrieben. In diesem Kapi tel werden die im R ahmen der Diskussion
identifizierten Erfolgsfaktoren beschrieben.
con_sens
74
Ambulante Angebote stärken
Ein wesentlicher Faktor für das Erg ebnis ist, da ss die fach liche Strategie im Vorde rgrund steht,
Kindern un d Juge ndlichen das Lebe n in der He rkunftsfamilie zu ermög lichen, auch we nn die
Konstellationen und Bedingungen sehr schwierig sind. Und auch, wenn dies für das Jugendamt
bedeutet, mit einem sehr intensiven Ressourceneinsatz in die Familie zu gehen, um die Situation
für die Kinder und Jugendlichen positiv zu gestalten.
Starke Präsenz vor Ort
Ein Erfolgsfaktor ist sich erlich, dass Darmstadt se ine Anlaufstellen sehr bürgernah ausgestaltet
hat, so beispielsweise in Einkaufszentren. Auch die Stadtteilbüros wurden an Orten eingerichtet,
die ein en hohen Pu blikumsverkehr aufweisen . Hie r kann un bürokratisch un d ohn e
Stigmatisierung unterstüt zt werden. Die Hemmschwelle de r Kliente n, um Unterstüt zung zu
bitten, ist hierdurch enorm gesunken.
Keine Angst vor neuen Fällen!
Die angesprochene gesunkene Hem mschwelle kann ggf. auch zu steigenden Fallzahlen führen,
gerade in de r Anfangsphase der Umsteuerung. Daher scheint ein wesentli cher Erfolgsfaktor zu
sein, die Linie de r bürg ernahen Präsenz durchz uhalten, auc h wenn die Fallzahle n zunächst
steigen. Außerdem ist eine Steigerung der Fallzahlen auch kein Automatismus.
Wer vor Ort ist, muss auch entscheiden können!
Dezentralisierung ist äh nlich wie Sozialraumor ientierung in de r fa chlichen wie politischen
Diskussion ein schillernder Begr iff, der sehr unterschiedlich gefüllt wird. Wichtig für eine
erfolgreiche Umsteuerung in Richtung ambulante r erziehe rischen Hilfe n+ ist, dass di e Bürg er
nicht nur Anlaufstellen vor Ort haben, sondern dass in diesen Anlaufstellen auch fallsteuernde
Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Die se können dann den ggf. notwendigen Hilfeprozess gleich
entsprechend vorbereiten.
Keine Angst vor Feed-back der Klienten!
Darmstadt führt Befragungen der Klienten zu ihrer Zufriedenheit du rch. Im Wesentlichen geht es
darum zu gewährleisten, dass die Klienten am Prozess der Hilfeplanung beteiligt sind und auch
verstehen, um was es für sie dabei geht.
Haltung der Mitarbeiter
Eine zwar selbstve rständliche aber nicht leicht umzusetzende Voraussetz ung für die Stärkung
ambulanter Hilfefo rmen ist, dass die Mit arbeiter die dahinterstehende Philosophie mitragen.
Dass Kinder und Juge ndliche auch dann in ihren Herkunftsfamilien bleibe n sollen, we nn diese
durch schwierige Problemlagen und Konstellati onen gekennzeichnet sind – abgesich ert durch
einen intensiven Ressourceneins atz des Jugendamtes – ist eine Forderung, die den Mitarbeitern
oftmals emotional viel abverlangt.
Der Rückhalt im Team und bei der Le itung und e ine ausgefeilte Risikoeinsch ätzung zur
Kindeswohlgefährdung sind hier von besonderer Bedeutung.
Flexible Angebotsformen müssen vorhanden sein, um genutzt zu werden!
Es ist von zentraler Bedeutung, zu überprüfe n, ob die An gebotsstrukturen vo r Ort auch
ausreichend flexibel sind, um Alternativen für stationäre Hilfearrangements zu haben. Darmstadt
hatte hie r in de r Anf angsphase seine r Umste uerung im Rahmen de r Hilf eplanung eine
Standardfrage für die fallsteuernden Mitarbeiter eingeführt, die laute te „Würden Sie eine andere
Leistungsform oder ein anderes Maßnahmenpaket wählen, wenn es Ihnen zur Verfügung stünde?
Wie wäre dies ausgestaltet ?“.
con_sens
75
7 Ausblick
Der bundesweite Bench markingkreis Hilfen zur Erzieh ung+ hat sich mit den be iden neue n
Teilnehmern Sieg en un d Viersen ve rgrößert und damit erf reulicherweise auch seine bisherige
nordrhein-westfälische „Lücke“ geschlossen.
Im zweiten Projektjahr des K reises standen ausgehend vo n den Ke nnzahlenergebnissen des
ersten Be richtsjahres St euerungsansätze im Pf legekinderwesen sowi e zur Stärkung amb ulanter
Hilfen im Mittelpunkt des Austausches. So konnten zahlreiche erfolgskritische Prozessmerkmale
für eine verstärkte Steuerung durch die Jugendämter identifiziert werden.
Auch der diesjährige Kennzahlenvergleich bietet wieder zahlreiche Impulse zur Optimierung der
Steuerung in den Jugendämtern für wirksame und effiziente erzieherische Hilfen+.
So gilt es künftig ve rstärkt die Z ugangssteuerung der Jug endämter vor Ort zu vergle ichen, um
Hinweise für eine möglichst zielgenaue Ausges taltung zu erhalt en. In diese Richtung geht
beispielsweise auch der Ansa tz e iner Stadt, in der e rsten mehrw öchigen Ph ase de r
Kontaktaufnahme mit dem Jugendamt bewusst keine formale HzE+ zu installieren, um verstärkt
alternative Möglichkeiten auszuloten.
Ein we iteres Thema fü r das Bench marking wird die Thematik der f allunspezifischen un d
fallübergreifenden Hilfen im Hinblick auf Konzeption und Finanzierungsmöglichkeiten sein.
Ab dem nächsten Projektjahr können im Rahmen des Benchmarking drei Jahrgänge ausgewertet
werden. H ierdurch wi rd es verst ärkt mögl ich, Entwick lungstendenzen in einzelnen Städten
abzubilden.
Ein we iterer Schwerpunkt des weite ren Be nchmarkingprozesses wird ein vertiefter Austausch
über de n Aufgabenzusc hnitt und die Aufg abenwahrnehmung im ASD sein. Aufschlussreich
dürften hier in e rster Linie qualitative Komp onenten sein, be ispielsweise die Frage der
Arbeitsteilung o der auch d ie F rage, wi e und d urch wen so zialraumorientierte A ufgaben
wahrgenommen werden.
Da der Benc hmarkingkreis sein Kennz ahlenset zum Outcome von erziehe rischen Hilfen+ weiter
präzisiert und be reits eine erste Datenerhe bung durchgeführt hat , w ird er sich in seiner
diesjährigen Tagung zur Prozessanalyse am Ende des Jahres mi t der The matik der
wirkungsorientierten Steuerung auseinandersetzen.
Zum einen dient diese Tagung dazu, einen Übe rblick über bundesweite Ak tivitäten zu e rhalten,
beispielsweise zur F rage wi rkungsorientierter Ver einbarungen u nd e rfolgsorientierte
Vergütungsbestandteile o der auch die Optimierung der Hilfeplanung im Jugendamt durch eine
verstärkte Wirkungsmessung.
Zum an deren werde n si ch die Stä dte übe r ihre bere its laufenden Aktivitäten aust auschen,
beispielsweise zur Auswertung von Zielerre ichungsgraden bei den Hilfen zur Erziehung+ oder zu
den ersten Erfahrungen mit der Installierung spezifischer Organisationsstrukturen zur verstärkten
Ergebnisorientierung in der Hilfeplanung des Jugendamtes.
con_sens
76
8 Anhang
Abb. 21: Arbeitslosendichte der 15 bis U25 am 31.12. des Bj. pro 100 EW 15 bis unter 25 Jahre (KeZa 1.1.)
KeZa 1.1:
Arbeitslosendichte der 15 bis unter 25-jährigen am 31.12. des Berichtsjahres
pro 1000 altersgleiche Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz
24,8
12,6
11,0
7,3
19,1
30,8
21,3
14,8
17,7
0,0
5,0
10,0
15,0
20,0
25,0
30,0
35,0
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
Arbeitslosendichte der 15-u.25-jährigen je 100 EW 15-u.25 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz
2005
Mittelwert 2005
Abb. 22: rbeitslosendichte der 15 bis unter 65 J. am 31.12. des Bj. pro 100 EW 15 bis unter 65 J. (KeZa 1.)
KeZa 1:
Arbeitslosendichte der 15 bis unter 65-jährigen am 31.12. des Berichtsjahres
pro 1000 altersgleiche Einwohner mit Haupt- und Nebenwohnsitz
5,5 6,0
11,9 11,7
9,2
7,5
15,4
9,0
9,5
0,00
2,00
4,00
6,00
8,00
10,00
12,00
14,00
16,00
18,00
BHV DA KA MA P HRO SI VIE
Arbeitslosendichte der 15-u.65-jährigen je 100 EW 15-u.65 Jahre mit Haupt- und Nebenwohnsitz 2005
Mittelwert 2005
con_sens
77
Abb. 23: Definition Basiszahl und Kennzahl
Definition Basiszahl und Kennzahl
Eine Basiszahl ist eine Grundzahl, quasi eine „Rohinformation“
Kennzahl ist die Bezeichnung für quantitative Infor mationen über Str ukturen, E igenschaften und Leistu ngen eine s
Systems.
Eine Kennzahl wird aus mehreren Basiszahlen errechnet.
Beispiel:
Kennzahl: Nettoausgaben pro Einwohner
Basiszahlen, die für die Berechnung dieser Kennzahl benötigt werden sind:
Basiszahl: Bruttoausgaben
Basiszahl: Einnahmen
Basiszahl: Einwohner
Berechnung der Kennzahl:
(Bz Bruttoausgaben minus Bz Einnahmen) dividiert durch die Bz Anzahl der Einwohner
con_sens
78
Abb. 24: Berechnung der Stadtprofile
Beratungsverlauf (1)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2006/0739
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 16.11.2006
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00