2008/0570
Beteiligungen: Zusatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 18.12.2007 zur Magistratsvorlage Nr. 2007/0513
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2008/0570
24846 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
10.12.2008
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I HEAG Holding AG
Stadtwirtschaftskoordination an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Amt: Rechtsamt
– Stadtwirtschafts–
koordination
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Ja
Nein
Internetfähig
Verteiler:
Vorlage-Nr. 2008/0570
Magistratsbeschluss-Nr.
Betreff: Beteiligungen:
Zusatzbeschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 18.12.2007 zur
Magistratsvorlage Nr. 2007/0513
Vorlage vom: 10.12.2008
Beschlussvorschlag:
Der Bericht zum Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 18.12.2007 wird zur Kenntnis
genommen.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Beschluss des Magistrats vom
2
...
Begründung:
Die Stadtverordnetenversammlung hat am 18.12.2007 folgenden Antrag in
geschäftsordnungsgemäße Behandlung gegeben:
„Der Magistrat wird beauftragt, zusammen mit der HEAG Holding
Beteiligungsmanagement AG eine Bewertung aller ca. 100 mittelbaren und
unmittelbaren kommunalen Bete iligungen unter mindestens den folgenden 7
Kriterien zu erstellen:
1. Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Daseinsvorsorge
– d.h. ist die
Beteiligung tätig im Sinne der Daseinsvorsorge
– eindeutig & vollständig // nur zum Teil // unmittelbar// mittelbar // eher nicht.
2. Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Region – d.h. ist die Beteiligung
aktiv
– in der Region Darmstadt ausschließlich und zu 100% // nur zum Teil in DA,
ansonsten im Rhein–Main–Neckar–Gebiet // außerhalb des Rhein–Main–
Neckar–Gebietes // außerhalb Deutschlands
3. Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium soziale Verantwortung
– d.h. sind
dafür die städtischen Anteile bzw. Alleinbesitz
– unabdingbar // sehr wichtig // weniger wichtig // unwesentlich
4. Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Umwelt, Nachhaltigkeit
– d.h. sind
städtische Anteile bzw. Alleinbesitz deswegen
– unverzichtbar // sehr wesentlich // hilfreich // eher unbedeutend // nicht
erforderlich
5. Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Einflussnahme
– d.h. erlaubt der
Anteil der Stadt an der Beteiligung eine unternehmerische Einflussnahme im
Sinne – einer vollständigen Kontrolle // einer mehrheitlichen Kontrolle // eines
nur mittelbaren Einflusses bei Wohlwollen der anderen Gesellschafter // eines
geringen oder keinem Einfluss
3
...
6. Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Wettbewerb, private Anbieter – d.h.
das Produkt bzw. die Leistung der Bete iligung wird gleichwertig angeboten –
von keinem anderen Unternehmen // von anderen kommunalen bzw.
öffentlichen Firmen // von Firmen in privat–öffentl. Partnerschaft //von reinen
Privatfirmen
7. Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Beteiligung Dritter
– d.h. bei
welcher Beteiligung kann ein erfahrener professioneller Partner gewonnen
werden, um
– den operativen Betrieb komplett in eigener Verantwortung und Risiko zu
übernehmen // seine Fachkenntnisse und Verbindungen als Teileigentümer
einzubringen // Teilaufgaben auszuführen // ein überwiegendes oder
wesentliches Finanzierungsrisiko zu übernehmen
8. Die Zusammenstellung soll zunächst den Mitgliedern des Haupt– und
Finanzausschusses als nicht öffentliche Vorlage
übergeben werden und dort
beraten werden.
9. Diese Vorlage soll spätestens zum Ende des 1. Quartals 2008 vorgelegt
werden.“
Die Bewertung durch die HEAG Holding AG – Beteiligungsmanagement der
Wissenschaftsstadt Darmstadt –, die mit dem Referat Stadtwirtschaftskoordination
abgestimmt ist, kommt zu folgendem Ergebnis:
Als Beteiligung werden im Folgenden neben den Personen- und
Kapitalgesellschaften auch die Eigenbetriebe, Zweckverbände und die Sparkasse
definiert.
Das Beteiligungsportfolio der Wissenschaftsstadt Darmstadt umfasst rund
150 direkte und indirekte Beteiligungen mit einer gewachsenen Struktur, die den
Anforderungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt und ihrer Verantwortung für die
Region entspricht.
4
...
Die Beteiligungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt stellen sich unter dem
Beteiligungsmanagement wie folgt dar:
Stand: 31.12.2007
Beteiligungen, bei denen in allen Vorgesellschaften eine Anteilsquote von mind. 50
% besteht.
Summe aller Beteiligungen = 160 Beteiligungen
bereinigt um Mehrfachbeteiligungen = 150 Beteiligungen
1 inkl. Anteile an Genossenschaften
2 nicht in Beteiligungsmanagement einbezogen
Im Zuge der Neuordnung des Beteiligungsmanagements entwickelt die HEAG
gemeinsam mit der Wissenschaftsstadt Darmstadt und ihren Beteiligungen eine
übergreifende Stadtwirtschaftsstrategie, die eine Weiterentwicklung des
Beteiligungsportfolios ermöglicht. Diese Weiterentwicklung ist eine Kernaufgabe der
jeweiligen Geschäftsleitungen und ihren Aufsichtsgremien, des
Beteiligungsdezernenten und der HEAG als strategisch steuernde Einheit der
Wissenschaftsstadt Darmstadt.
79 Beteiligungen
Beteiligungsmanagement der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Kulturfreunde
gemeinnützige GmbH
HEAG
22 Beteiligungen
6 Beteiligungen
Eigenbetriebe
Zweckverbände
24
7
5
Beteiligungs-
dezernent
Stadtwirtschafts-
koordinator
Beteiligungs-
dezernent
Stadtwirtschafts-
koordinator
HSE AG
bauverein AG
HEAG mobilo GmbH
Stadt- und Kreis-Sparkasse
Darmstadt
21
7 Beteiligungen
1 Beteiligung
3 Beteiligungen
Kapital- und Personen-
gesellschaften
1
HEAG Wissenschaftsstadt Darmstadt
5
...
Eine Einzelanalyse aller rund 150 Beteiligungen ist anhand der von der
Stadtverordnetenversammlung beschlossenen Kriterien – und das ist entscheidend –
nicht zielführend. Diese Kriterien allein sind nicht allumfassend und damit nicht
ausschlaggebend für eine Beurteilung, ob es sinnvoll ist, eine Beteiligung weiterhin
zu halten oder sie aufzugeben. Vielmehr bedarf es für eine solche Entscheidung
einer viel tiefer gehenden (betriebs–) wirtschaftlichen Analyse und eines Abgleichs
mit den stadtwirtschaftsstrategischen Zielen, die zur Zeit erarbeitet und den
städtischen Gremien demnächst zur Beschlussfassung vorgelegt werden. Es ist
Aufgabe des Beteiligungsmanagements, d. h. der HEAG Holding AG, zu prüfen, ob
im Einzelfall eine Beteiligung nach den vorgenannten Bedingungen wirtschaftlich ist
und den Zielen der Stadt gerecht wird. Die HEAG wird die städtischen Gremien
gemäß dem Stadtverordnetenbeschluss aus 2007 zum Gutachten von Ernst &
Young mit dem künftig vorgesehenen Berichtswesen regelmäßig über wesentliche
Entwicklungen einzelner Gesellschaften sowie das Beteiligungsportfolio informieren
und eventuell erforderliche Handlungsschritte aufzeigen.
Schließlich ist darauf hinzuweisen, dass auf die optimale Erfüllung der Kriterien
Daseinsvorsorge, Region, soziale Verantwortung, Umwelt/Nachhaltigkeit, städtische
Einflussnahmemöglichkeiten, Wettbewerb sowie Beteiligung Dritter bei jeder
Gründung eines wirtschaftlichen Unternehmens oder der Beteiligung daran geachtet
wird. Ohne eine solche Prüfung wird den städtischen Gremien, die bei jeder
unmittelbaren und mittelbaren Beteiligung nach den Vorschriften der Hess.
Gemeindeordnung ihre Zustimmung erteilen müssen, keine Vorlage zur
Entscheidung vorgelegt.
Aus den verschiedenen oben genannten Aspekten sowie der Tatsache, dass die
Tätigkeiten der Unternehmen der Stadtwirtschaft zum Teil eng miteinander verwoben
sind, wird daher von einer Einzelbewertung abgesehen und zur Systematisierung der
nachfolgenden Untersuchung die Leistungen der Beteiligungen der
Wissenschaftsstadt Darmstadt in folgende Geschäftsfelder gegliedert:
6
...
HSE und Töchter HEAG mobilo und Töchter
D A D I N A
R M V
Integriertes Verkehrsmanagement
Region Frankfurt RheinMain
GmbH
Kulturfreunde Darmstadt gGmbH
Eigenbetrieb Bürgerhäuser und
Märkte
Eigenbetrieb Kulturinstitute
Kulturregion Frankfurt Rhein Main
gGmbH
Gemeinnützige Kulturfonds
Frankfurt Rhein Main GmbH
Wissenschaft- Kongresszentrum
GmbH & Co. KG
bezuschusst:
Centralstation
Staatstheater
Betrieb gewerblicher Art Vivarium
Süddeutsche Zuckerrüben-
verwertungs-Genossenschaft e.G.
E - c y c l e e . G .
Wissenschaftsst. DA Beteiligungs.-
GmbH & Co. KG
Gernsheimer Hafenbetriebs-
Gesellschaft mbH
ekz.Bibliotheksservice GmbH
Wissenschaftsstadt Darmstadt
Marketing GmbH
Frankfurt RheinMain GmbH
International Marketing of the
Region
cesah GmbH Centrum für
Satellitennavigation Hessen
ARGE Darmstadt-Zentrum für
Arbeit und Existenzsicherung
bauverein AG und Töchter
Institut Wohnen u. Umwelt
Eigenbetrieb
Immobilienmanagement (IDA)
Nassauische Heimstätten
Wohnungs- u. Entwicklungs-GmbH
Grundstücksentwicklungs- u.
Verwertungsgesellschaft
Neue Wohnraumhilfe
gemeinnützige Gesellschaft mbH
HSE – Wohnpark
Versorgung Mobilität Immobilien
Kultur Weitere Aktivitäten
Klinikum Darmstadt
Krankenhaus
Dienstleistungsgesellschaft
Südhessen und Töchter
Darmstädter gem.
Kinderklinikenbetriebe GmbH
Eigenbetrieb Bäder
Einkaufsgemeinschaft kommunaler
Krankenhäuser eG
Verein der kommunalen
Großkrankenhäuser Region Mitte
e.V.
Zweckverband für das
Gesundheitsamt für Stadt und
Landkreis
Eigenbetrieb Darmstädter
Werkstätten und
Wohneinrichtungen
Gesundheit
HEAG Medianet und Töchter, wie
Lictor, MediaLine etc.
Telekommunikation
EAG und Töchter
EAD
D E D
HSE – Abwasserreinigung
Z A S
Biolog GmbH
ARGE Meinhardt / DED
Darmstädter Recycling Zentrum
GmbH (DRZ)
Entsorgung / Abwasser
Dies vorausgeschickt ist zu den einzelnen Kriterien allgemein festzustellen:
1.) Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium der Daseinsvorsorge
Das Gemeinschafts-, Bundes- und Landesrecht kennt keine verbindliche Definition
oder einen abschließenden Katalog von Tätigkeiten, die der Daseinsvorsorge
zuzuordnen sind. Die Kompetenz zur Einstu fung einer bestimmten Dienstleistung als
"im allgemeinen wirtschaftlichen Interesse liegend“, steht vielmehr als so genannte
Definitionshoheit in Deutschland den Gebietskörperschaften, insbesondere den
Kommunen, als Trägern der örtlichen Daseinsvorsorge zu. Dies ist von überragender
Bedeutung für deren Funktionsfähigkeit. Es ermöglicht bestimmte Tätigkeitsbereiche
der Daseinsvorsorge nach Maßgabe der individuellen örtlichen Gegebenheiten und
in Abhängigkeit von den gesellschaftlichen und politischen Vorstellungen "vor Ort"
zuzuordnen und - soweit erforderlich - zu finanzieren.
Als Daseinsvorsorge werden von der Wissenschaftsstadt Darmstadt und der HEAG
die kommunalen Tätigkeiten in der Region verstanden, die durch Verwaltung,
Eigenbetriebe, Eigengesellschaften oder beauftragte Dritte erbracht werden, um
wirtschafts-, sozial-, umwelt- und kulturpolitische Ziele im öffentlichen Interesse für
den Bürger und Unternehmen vor Ort zu erbringen. Als öffentliches Interesse wird
dabei das Angebot von Infrastruktur und Dienstleistungen zur Gewährleistung der
7
...
Grundversorgung und Zukunftsvorsorge sowie zur Sicherung des Wirtschafts- und
Lebensstandorts Darmstadt verstanden. Dabei sind gerade auch die Chancen für
zukünftige Generationen zu wahren und die Erfüllung von fachspezifischen Zielen zu
berücksichtigen.
Zu diesen Aufgaben gehören neben den klassischen Infrastrukturleistungen der Ver-
und Entsorgung sowie des Öffentlichen Personennahverkehrs auch Leistungen in
den Bereichen der sozialen Fürsorge, des Wohnungsbaus, der Bildung und der
Kultur sowie vielfältige Aufgaben im Gesundheitswesen.
Vorrangiges Ziel ist dabei, jeweils eine möglichst gleichmäßige und qualitativ
hochwertige Versorgung der Bürgerinnen und Bürger sowie der lokalen und privaten
Wirtschaft sicherzustellen. Die Erbringung dieser Leistungen für Bürger und
Wirtschaft ist aufgrund ihres allgemeinwirtschaftlichen Charakters jedoch nicht immer
kostendeckend möglich, so dass ohne öffentliche und insbesondere kommunale
Zuschüsse dieses Ziel in der Praxis häufig nicht verwirklicht werden kann.
Die HGO bietet für alle bis zum 1. April 2004 erbrachten Leistungen Bestandsschutz.
Sie sieht vor, dass Ergebnisbeiträge aus Leistungen, welche keinen direkten
Daseinsvorsorgecharakter haben, für Ziele der Daseinsvorsorge verwendet werden.
Darüber hinaus sichern auch Beteiligungen an Unternehmen mit Profitabilität aus
überregionalen Leistungen den städtischen Auftrag zur Daseinsvorsorge nachhaltig.
Im Ausblick kann hierzu auch die Nutzung eines steuerlichen Querverbunds
zwischen der Versorgung und dem ÖPNV sowie Bäderbetrieb zählen.
2.) Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Region
Die folgende Grafik zeigt die räumliche Ausdehnung der Tätigkeiten der
Beteiligungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt differiert nach Geschäftsfeld und -
bereich.
Als lokal wird dabei das Gebiet der Wissenschaftsstadt Darmstadt, als regional der
Wirtschaftsraum Rhein-Main gesehen. Im Bereich Immobilien dehnt sich dies auch
auf wenige Gebiete nördlich Frankfurts aus.
8
...
überregional
Versorgung
davon Vetrieb u. Anlagenbau
davon Versorgungsnetz
davon sonstiges
Entsorgung
Abwasser
davon Abw assertechnik
Telekommunikation
Kultur
Immobilien
Mobilität
Gesundheit
Sparkassenw esen
lokal und regional bundesw eit u. ggf darüber hinaus
Im Rahmen der Diskussionen zur Stadtwirtschaftsstrategie zwischen der
Wissenschaftsstadt Darmstadt, HEAG und der Geschäftsleitung der jeweiligen
Beteiligungen sowie im Rahmen der jeweiligen Jahresplanungen wird die
Eigenerstellung der überregionalen Leistungen überprüft. Neben einer Reduktion des
eigenen Angebots kann dies auch zu einer Ausweitung führen, um die Finanzierung
der Leistungen der Daseinsvorsorge für die Stadt und die Region zu unterstützen.
3.) Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium soziale Verantwortung
Die Unternehmen der Stadtwirtschaft leisten mit ihren Aktivitäten einen wichtigen
Beitrag zur wirtschaftlichen und sozialen Stabilität sowie zur Entwicklung der Region.
So konnte der HEAG-Konzern im Jahr 2007 mehr als 628 Mio. EUR Wertschöpfung
für die Region erwirtschaften. Im Einzelnen setzt sich die Wertschöpfung aus
Personalaufwand, Aufwand für bezogenen Leistungen, sonstige betriebliche
Aufwendungen, Investitionen, Steuern und Dividenden zusammen.
Neben der reinen Wertschöpfung spielen bei den Unternehmen die sozialen Aspekte
eine wesentliche Rolle. Dazu gehört das Zahlen von leistungsgerechten Löhnen,
Vermeidung betriebsbedingter Kündigungen und das Minimieren von
Leiharbeitsverhältnissen.
Leistungserbringung durch Beteiligungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt
Schraffiert = Leistungserbringung durch Minderheitsgesellschaften im Raum Freiberg /
Sachsen
9
...
Die Bedeutung der sozialen Verantwortung wird insbesondere auch durch die
gegebenen Einflussmöglichkeiten der Wissenschaftsstadt Darmstadt in den Gremien
nachhaltig gestärkt. Damit können richtungsweisende Entscheidungen getroffen
werden. So stehen die Entscheidungen in einem ausgewogenen Verhältnis zwischen
wirtschaftlichen Interessen und der sozialen Verantwortung der Wissenschaftsstadt
Darmstadt. Im Gegensatz zu einem ausschließlich profitmaximierenden
Wirtschaftsstreben ist die soziale Verantwortung ein Eckpfeiler der Entscheidungen.
Weiterhin bilden die Unternehmen einen der größten Arbeitgeber in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt und in der Region. Dabei haben die meisten
Mitarbeiter ihren Lebensmittelpunkt in der Region und stärken mit ihrer Kaufkraft die
Wirtschaft in der Region. Gerade dem Erhalt von Arbeitsplätzen sowie der
Verantwortung für Aus- und Weiterbildung wird eine große Bedeutung
zugeschrieben, so dass die Unternehmen des Stadtkonzerns auch weit über den
eigenen Bedarf ausbilden.
Zudem sind die Unternehmen im Stadtkonzern bestrebt, Aufträge an lokale
Handwerker und andere Dienstleister zu vergeben.
Alle genannten Aspekte unterstreichen die soziale Verantwortung der Unternehmen
der Stadtwirtschaft und sind integraler Bestandteil der Stadtwirtschaftsstrategie. Nur
durch den Einfluss der Wissenschaftsstadt Darmstadt kann dies nachhaltig
sichergestellt werden.
4.) Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Umwelt / Nachhaltigkeit
In der Stadtwirtschaftsstrategie haben auch die Aspekte Nachhaltigkeit und
Umweltschutz eine hohe Bedeutung. Für die Unternehmen ist dies wichtiger denn je.
Ein Vergleich mit einem privaten Dritten hängt vom Einzelfall ab und
generalisierende Aussagen sind daher nicht möglich.
Bereits heute nehmen die Unternehmen der Wissenschaftsstadt Darmstadt ihre
Verantwortung für die Nachhaltigkeit wahr und achten streng darauf, dass die
Gesetze und Richtlinien zum Schutz der Umwelt eingehalten werden. Darüber
hinaus ist jedes Unternehmen bestrebt, sein Engagement auszubauen.
10
...
Beispiele hierfür sind:
• Die HSE und ihre Tochter Entega haben schon frühzeitig erkannt, dass eine
nachhaltige Energieversorgung von hohem Stellenwert ist. Dafür baut die HSE
die Energieerzeugung im Bereich der erneuerbaren Energien konsequent aus
und sieht in den nächsten Jahren hierfür ein Investitionsvolumen von 400 Mio.
EUR vor. Auch die Errichtung der ersten Biogasanlage in Hessen
unterstreicht dieses Engagement. Durch den attraktiven Ökostromtarif konnte
sich die HSE zu einem der größten Ökostromanbieter bundesweit etablieren.
• Die bauverein AG strebt im Bereich der Immobilien auf ihrem Leistungsgebiet
stets energieeffizientes Bauen an und achtet somit auch auf energetische
Komplettsanierung. Neubauten sind generell energieeffizient. So wurde
erstmals ein Mehrgenerationenhaus im Passivhausstandard errichtet.
• Das Engagement der HEAG mobilo zeigt sich im Betrieb der Verkehrsmittel.
Die HEAG mobilo betreibt ihre 48 Straßenbahntriebwagen ausschließlich mit
Ökostrom. Damit ist es bundesweit das erste Verkehrsunternehmen, das
seine Fahrstromversorgung komplett aus regenerativen Energien bezieht. Die
Erzeugung von Ökostrom erfolgt völlig CO 2-frei. Das Unternehmen verringert
somit seinen Kohlendioxidausstoß jährlich um mehr als 6700 Tonnen. Etwa
die Hälfte der Fahrzeuge der HEAG mobiBus erfüllt die Euro-5-Norm oder die
noch höheren Anforderungen des so genannten EEV-Standards (Enhanced
Environmentally Friendly Vehicle). Von dem niedrigen Schadstoffausstoß
profitieren neben den Fahrgästen auch alle übrigen Darmstädter Bürger.
• Dieser nachhaltige Umgang findet sich auch in der Konzeption des
darmstadtiums wieder, welches nachhaltig den Begriff „green meeting“
umgesetzt hat. Im darmstadtium trifft Alt auf Neu und ebenso
architektonischer Reiz auf ressource nschonende Nachhaltigkeit. Denn durch
die umfangreiche Nutzung von Erdwärme, Biomasse und Solarenergie
erreicht das darmstadtium in der Gesamtbilanz eine vollständige Versorgung
des Gebäudes durch erneuerbare Energien.
11
...
• Im Bereich der Abwassertechnik liegt ein Augenmerk auf Anlagen, die für die
Entfernung von Schwermetallen, Mineralölen, Lackrückständen sowie
anderen organischen Verbindungen konzipiert sind.
5.) Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Einflussnahme
Die nachfolgende Grafik zeigt den städtischen Anteil an den mittel- und
unmittelbaren Personen- und Kapitalgesellschaften:
Anteilssquoten der Wi ssenschaftsstadt D armstadt
7
14
37 36
44
0
10
20
30
40
50
1 00% 99,99% - 7 5,01 % 75,00% - 50,01 % 50,00% - 25,01 % 25,00% - 0,01 %
Anzahl
Eine starke Einflussnahme im Sinne von Mehrheitsbeteiligungen besteht bei
58 Unternehmen sowie bei den sieben Eigenbetrieben und vier Zweckverbänden.
Darüber hinaus besteht an weiteren 36 Unternehmen eine Sperrminorität.
Der Einfluss der Stadt ist in allen maßgeblichen Unternehmen des Stadtkonzerns
durch die städtischen Vertreter in den Aufsichtsgremien und den
Anteilseignerversammlungen gegeben.
Von den rund 100 Beteiligungen in Form von Kapital- oder Personengesellschaften,
an denen die Wissenschaftsstadt Darmstadt mehr als 20 % der Anteile direkt und
indirekt hält, sind nur knapp 25 Unternehmen mit einem Aufsichtsgremium
58
Mehrheitsbeteiligungen
12
...
ausgestattet. Hierbei sind städtische Mandatsträger in rund 20 Unternehmen
vertreten. Aktuell sind über 80 Mandate von der Wissenschaftsstadt Darmstadt
besetzt und mehr als 50 städtische Vertreter nehmen diese Aufgabe in den
Aufsichtsgremien wahr.
Minderheitsbeteiligungen sind im Wesentlichen Finanzbeteiligungen und
Beteiligungen, die der Sicherung der städtischen Einflussmöglichkeiten dienen, wie
beispielsweise Beteiligungen am RMV, der Nassauische Heimstätte Wohnungs- und
Entwicklungs GmbH sowie an projektbezogenen Gesellschaften. Auch bei diesen
Gesellschaften ist die Einflussnahme durch die direkte Teilnahme der
Wissenschaftsstadt Darmstadt oder Gesellschaften mit städtischen
Aufsichtsratsvertretungen an den Anteilseignerversammlungen gegeben.
Um den Einfluss nachhaltig zu garantieren, strebt die Wissenschaftsstadt Darmstadt
die Sicherung und Weiterentwicklung dieser bedeutenden Stellung in den
Unternehmen an. Dies soll sowohl gegenüber den Mitgesellschaftern bei den
Anteilseignerversammlungen als auch in den Aufsichtsgremien gegenüber den
Mitgesellschaftern und Arbeitnehmervertretungen gewährleistet werden. Nur so kann
sichergestellt werden, dass die städtischen Interessen im Hinblick auf die
Daseinsvorsorge, die soziale Verantwortung sowie den Umweltschutz und andere
wesentliche Interessen wahrgenommen werden.
6.) Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Wettbewerb, private Anbieter
Es gibt Leistungen der Daseinsvorsorge, die nicht durch Dritte erbracht werden und
somit im Leistungsspektrum der Unternehmen der Wissenschaftsstadt Darmstadt
gehalten werden müssen. Diese hoheitlichen Leistungen werden von Ämtern,
Eigenbetrieben und Zweckverbänden erbracht.
Alle anderen Leistungen der Wissenschaftsstadt Darmstadt unterliegen einem
Entscheidungsprozess, der die Daseinsvorsorge, eine gewünschte Einflussnahme
der Wissenschaftsstadt Darmstadt, aber auch die Renditechancen berücksichtigt.
13
...
Somit ist aktuell ein bewusst gewähltes und damit ein optimales Verhältnis zwischen
Eigenerstellung und Fremdbezug gegeben.
Generell unterliegen alle Leistungen, welche von der Wissenschaftsstadt Darmstadt
eingekauft werden, dem freien Wettbewerb und müssen auch von städtischen
Beteiligungen zu Marktpreisen erworben und erbracht werden. Insbesondere durch
das Vergaberecht ist sichergestellt, dass die Leistungen für die Wissenschaftsstadt
Darmstadt immer zu günstigen Preisen bezogen werden.
7.) Bewertung der Tätigkeit unter dem Kriterium Beteiligung Dritter
Die Wissenschaftsstadt Darmstadt ist an sieben Gesellschaften alleiniger
Anteilseigner. Für weitere rund 135 städtische Beteiligungen wurden bereits
strategische Partnerschaften eingegangen (bspw. HSE, mobilo, Darmstädter
Recycling Zentrum), um die Vorteile, die sich daraus ergeben können, zu realisieren.
Eine Prüfung, welche Möglichkeiten sinnvoll sind, um Kompetenzen oder andere
Vorteile privater oder anderer kommunaler Unternehmen einzubeziehen, erfolgt
durch die jeweiligen Geschäftsleitungen, die Aufsichtsgremien, den
Beteiligungsdezernenten und die HEAG.
Alternativ kann auch ein Know-How-Transfer aus der Privatwirtschaft in kommunale
Unternehmen durch die Einstellung von markterfahrenen Praktikern genutzt werden.
Die vorstehenden Ausführungen belegen, dass das Beteiligungsportfolio der
Wissenschaftsstadt Darmstadt entsprechend den Kriterien gut aufgestellt ist.
Dennoch ist es zur nachhaltigen Sicherung der städtischen Interessen und
Einflussnahme unerlässlich, durch ein effektives Beteiligungsmanagement das
Portfolio kontinuierlich zu prüfen. Nur so können Chancen und Potentiale genutzt
sowie eine strategische Weiterentwicklung erreicht werden. Das ist mit der
Übertragung der Aufgabe des Beteiligungsmanagements auf die HEAG Holding AG
sichergestellt.
14
...
Die Stadtverordnetenversammlung hatte ferner beschlossen, dass die Bewertung
dem Haupt– und Finanzausschuss zunächst als nicht öffentliche Vorlage übergeben
und dort beraten werden soll. Für die Behandlung in nicht öffentlicher Sitzung ist kein
Raum. Die Vorlage enthält keine Unternehmensgeheimnisse oder sonstige
schützenswerte Daten.
Mit Vorlage vom 16.01.2008 (2008/0029) wurde bereits dargelegt, warum der Bericht
nicht innerhalb des von der Stadtverordnetenversammlung vorgegebenen Zeitraums
vorgelegt werden konnte.
Darmstadt, den 10.12.2008
Walter Hoffmann
Oberbürgermeister
Beratungsverlauf (2)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2008/0570
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 10.12.2008
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00