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A-H/0001/2018

Ursache des sinkenden Pegels des Wasserstands im Hiltruper See prüfen

Antrag an die BV Hiltrup 22.01.2018

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Hiltrup, Sitzung am 06.03.2018, TOP 6.1

A-H-0001-2018

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Stellungnahme zu Antrag A-H-0001-2018

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A-H-0001-2018

1818 Zeichen

A-H/0001/2018 | | = Freie Be:
22:5] Demokraten

Amt für Bürger- und Ratsservice

Bezirksverwaltuna Hiltrup
FDP in der

12. Jan. 2018

Bezirksvertretung Hiltrup
Geringhoffstraße 48
48163 Münster
Tel. 0251 - 987 30 60
Fax: 0251 - 987 30 61
Email: bv-hiltrup@fdp-ms.de
www.bvhiltrup.fdp-ms.de

FDP in der BV Hiltrup « Geringhoffstraße 48 « 48163 Münster

Ulrich Eckervogt

Bezirksvertreter

Münster, 8.1.2018

Die Bezirksvertretung Münster-Hiltrup möge die Verwaltung auffordern:

Der Hiltruper See, elementarer Bestandteil der Wassergewinnung in der Hohen Ward, droht zu
verlanden. Die Verwaltung wird gebeten, schriftlich und mündlich durch einen Vertreter in der BV
Hiltrup zu erläutern, weshalb der Wasserstand im Hiltruper See seit ca. 10 Jahren stetig sinkt. In
diesem Zeitraum ist der Wasserspiegel um etwa 1,50 Meter gefallen. Welche Ursachen hat der
sinkende Pegel, welche Auswirkungen hat das für das Naherholungsgebiet Hiltruper See, was
bedeutet das für die Trinkwassergewinnung in der Hohen Ward und wie kann man
gegensteuern?.

Ist es’möglich, durch eine Verbindungsleitung zwischen Dortmund Ems Kanal und dem Hiltruper
See den sinkenden Wasserstand in den Griff zu bekommen??.

Begründung:

Der Hiltruper See ist für die Menschen in unserem Bezirk eine wichtige Zone der Naherholung.
Wenn die deutlich sichtbare Entwicklung des Wasserstandes so weitergeht, wird der See sicherlich
im Laufe der Zeit verlanden. An vielen Stellen ist der See schon heute nicht mehr als 1,50 Meter
tief. Wenn 2020 die beiden Wasserwerke Vennheide/ Geist und Kinderhaus vom Netz gehen,
sollen die verbleibenden Wasserwerke Hohe Ward und Hornheide durch eine deutliche Erhöhung
der Wassergewinnung die entstehende Lücke schließen. Ist dann das Ende des Hiltruper See's
besiegelt?

Für die FDP in der BV-Hiltrup

Ulrich Eckervogt

Stellungnahme zu Antrag A-H-0001-2018

9322 Zeichen

Stadt Münster
Amt für Bürger- und Ratsservice
Bezirksverwaltung Hiltrup

67.30.0044 0.6. März 2018

27.02.2018
67 93

Bezirksvertretung Münster-Hiltrup
über

Herrn Stadtrat Peck DM

Antrag Ifd. Nr. A-H/0001/2018 der FDP-Fraktion in der Bezirksvertretung Münster-
Hiltrup vom 12.01.2018;
„Ursache des sinkenden Pegels des Wasserstands im Hiltruper See prüfen“

Seit 2001 bewegt sich der Wasserstand des Hiltruper Sees überwiegend in einem Bereich
um den langjährigen Mittelwert von 54,30 ü.NN. Vom Sommer 2016 bis Ende 2017 ist der
Pegel kontinuierlich auf einen zwischenzeitlichen Tiefstand von 53,73 ü.NN gefallen. Aktuell
sind seitdem wieder 30 cm hinzugekommen (54,03 ü.NN). Es stellt sich die Frage, welche
Zusammenhänge zwischen Wasserstand, Wassergewinnung und Klimafaktoren bestehen
und ob eine Verbindungsleitung zwischen dem Dortmund-Ems-Kanal und dem Hiltruper See
möglich ist.

Die Prüfung dieser Fragestellungen hat zusammengefasst folgendes ergeben:

Der Hiltruper See wird stärker von klimatischen Faktoren als von der Wasserentnahme
beeinflusst. Die Zuleitung von Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal erscheint schon
allein aus Kostengründen problematisch. Darüber hinaus sind keine Maßnahmen
erkennbar, die geeignet sind, den Seewasserspiegel in Zeiten geringer Niederschläge
merklich anzuheben. Langfristig sind keine negativen Auswirkungen auf das
Naherholungsgebiet und die Trinkwassergewinnung zu erwarten, da der See und
seine Umgebung auch in der Vergangenheit schon häufiger Zeiten mit niedrigen
Wasserständen erlebt und überwunden haben.

1. Welchen Einfluss hat die Wassergewinnung auf den Wasserstand des Hiltruper
Sees?

Der Hiltruper See verfügt über einen Grundwasseranschluss und wird neben den natürlichen
klimatischen Faktoren von der Trinkwassergewinnung im Gewinnungsgebiet Hohe Ward
beeinflusst.

Das Wasserwerk Hohe Ward befindet sich im Bereich des Münsterländer Kiessandzugs. Die
Grundwasserentnahme erfolgt über 30 Brunnen (zwei neue sind bewilligt), die in einer
südöstlich-nordwest gerichteten Brunnengalerie liegen. Nordöstlich der Brunnen befinden
sich 18 Versickerungsbecken, über welche das gereinigte Oberflächenwasser aus dem
Dortmund-Ems-Kanal infiltriert wird.

Im Wasserrecht für das Gewinnungsgebiet Hohe Ward ist ein Versickerungs- und
Entnahmekonzept festgeschrieben (systematische Anreicherung). Danach werden steigende
Fördermengen grundsätzlich mit einer erhöhten Grundwasserinfiltraiion kompensiert
(Nettoentnahme). Dieses Konzept ermöglicht eine höhere Gesamtfördermenge, ohne die
Auswirkungen auf den Grundwasserstand zu verstärken.

Derzeit befindet sich eine Erweiterung der Versickerung durch die Anlage von fünf neuen
Infiltrationsbecken in der Umsetzung. Als vom DIPOL losgelöster Baustein stellt diese
Maßnahme eine Optimierung der systematischen Grundwasseranreicherung dar. Das
primäre Ziel der verstärkten/ausgeweiteten Infiltration ist die Steigerung der
Trinkwasserproduktion durch Rohwassergewinnung, ohne hierbei negative Auswirkungen
auf den Grundwasserkörper zu verschärfen.

Die Abbildung 1 zeigt einen Vergleich der Wasserstände im See mit der
Nettoentnahmemenge. Dabei fällt insbesondere auf, dass in den Jahren 2008 und 2015/16
eine gegenläufige Entwicklung zwischen Wasserstand und Nettoentnahme zu erkennen ist.
Obwohl in beiden Zeiträumen die Nettowasserentnahme gegenüber den Vorjahren erhöht
wurde, ist der Wasserspiegel gestiegen; hingegen ist trotz geringerer Entnahmen zwischen
2011 und 2014 sowie 2017 der Wasserstand abgesunken.

Da also kein konstant signifikanter Zusammenhang des Wasserstandes im Hiltruper See mit
dem Förderverhalten der Stadtwerke Münster erkennbar ist, sollte der Faktor
Klimaentwicklung näher betrachtet werden.

2. Welchen Einfluss haben die Niederschläge auf den Wasserstand des Hiltruper
Sees?

In den vergangenen Jahren sind im Hiltruper See immer wieder Wasserstandschwankungen
festzustellen. Generell ist es so, dass der Wasserspiegel von Frühjahr bis zum Ende eines
Jahres absinkt. Wintermonate, in denen die Niederschläge nicht durch die Vegetation
aufgenommen werden, tragen erhöht zur Grundwasserneubildung bei, während es im -
Sommerhalbjahr durch die Aufnahme des Wassers durch die Vegetation und die erhöhte
Verdunstung zu einer deutlich geringeren Grundwasserneubildung kommt. Eine Ausnahme
bildet das Jahr 2014, wo der Wasserstand aufgrund der starken Niederschläge ab dem
Sommer zum Jahresende anstieg.

Aktuell bewegt sich der Wasserstand mit 54,03 ü.NN (s. Abb. 2) auf einem eher niedrigen
Niveau, wie es in den vergangenen Jahren schon häufiger vorgekommen ist (1991-93, 1997,
2001, 2006, 2013). Die höchsten Wasserstände lagen im März 1995 (55,43 ü.NN), August
1998 (54,68 ü.NN), April 2000 (54,73 ü.NN) und Mai 2008 (54,97 ü.NN). Die größten
Schwankungen gab es zwischen Sept. 1993 und April 1995 (+1,39 m), März 1995 und
November 1996 (-1,25 m), Nov. 2006 bis Mai 2008 (+1,04 m) sowie zwischen Mai 2008 und
Oktober 2009 (-0,80 m).

Grundsätzlich kann man an der Grafik erkennen, dass der Wasserstand mit einer gewissen
Verzögerung im Wesentlichen den klimatischen Bedingungen (Niederschlag, Verdunstung)
folgt. Jahre bzw. Phasen mit hohen Niederschlägen führen zu einer Erhöhung der
Wasserspiegellage; geringe Niederschläge lassen den Pegel sinken.

Ein Zusammenhang zwischen Niederschlägen und der Grundwasserentwicklung wird auch
im hydrogeologischen Beweissicherungsbericht (Schmidt + Partner, 2017) bestätigt.
Demnach haben z.B. die stark defizitären Niederschläge im Winterhalbjahr 2016/17 (- 32%)
zu einer nur unvollständigen Regenerierung der Grundwasserspeicher und in der Folge zu
einer Niveauabsenkung geführt. Aber immerhin konnte durch die Anhebung der
Infiltrationsmenge am Wasserwerk Hohe Ward zu Beginn 2017, vor allem im östlichen
Bereich, der klimatisch bedingte Abfall der Grundwasserstände sogar verringert werden; hat
also zu einen positiven Effekt geführt.

Seit 2009 (Ausnahme Winter 2015/16) sind die für die Grundwasserneubildung relevanten
Winterhalbjahre durch defizitäre Niederschlagsmengen gekennzeichnet. Vor allem aber
haben die Niederschlagsdefizite zwischen August 2016 und Juni 2017 zu einem weiteren
stetigen Absinken des Wasserstandes geführt mit dem niedrigsten Wert von 53,73 ü.NN im
November 2017. Der relativ niederschlagsreiche Zeitraum seit Juli 2017 ließ den Pegel
seitdem wieder um 30 cm steigen, sodass der Ausgangsstand von Anfang 2017 leicht
überschritten wird.

Interessant ist auch der Vergleich der Pegelganglinien mit denen des ähnlich großen
Sandruper See südlich von Sprakel (s. Abb. 3). Obwohl dieser See im Wasserschutzgebiet
Kinderhaus keiner Beeinflussung durch Grundwasserentnahmen unterliegt, zeigt er doch
nahezu einen identischen Entwicklungstrend der Wasserstände.

3. Wäre die Einleitung von Kanalwasser in den Hiltruper See sinnvoll?

Als eine mögliche Lösung, den Wasserspiegel im See anzuheben, wird das Einleiten von
Wasser aus dem Dortmund-Ems-Kanal (DEK) angeregt.

Für die Einleitung von Wasser aus dem DEK in den Hiltruper See bedarf es einer
wasserrechtlichen Erlaubnis gem. $ 9 Abs. 1 Nr. 1 bzw. Nr. 4 Wasserhaushaltsgesetz
(WHG). Die Zuständigkeit liegt bei der Bezirksregierung Münster als obere Wasserbehörde.
Außerdem ist $ 27 Abs. 1, Nr. 1 (Verschlechterungsverbot) WHG zu beachten. Darüber
hinaus wäre zum nachhaltigen Schutz des Grundwasserkörpers eine Aufbereitung des DEK-
Wassers wie bei den Stadtwerken erforderlich und sehr aufwändig.

Bereits 2002 ist der seinerzeit sehr niedrige Wasserstand thematisiert und eingehend
untersucht worden. Im Ergebnis wurde als Grund das allgemeine klimatisch bedingte
hydrogeologische Geschehen angesehen und nicht die Grundwasserentnahme durch das
Wasserwerk Hohe Ward (Gutachterliche Stellungnahme von Dr. Muntzos & Partner,
beratende Geologen, März 2002). Das Gutachten weist auch darauf hin, dass der
Wasserstand im Hiltruper See insgesamt mit der allgemeinen tendenziellen Entwicklung der
Grundwasserstände in Münster korrespondiert.

Aufgrund des niedrigen Wasserstands wurde zeitgleich auch das Thema Wasserzufluss aus
dem DEK behandelt, mit der Fragestellung, ob durch die Einleitung von Kanalwasser eine
Verbesserung der Situation mit einem annehmbaren Aufwand erreicht werden kann.
Festgestellt wurde, dass für einen Anstieg des Wasserstandes im See um 0,50 m eine
Wasserzuflussmenge (unter- oder oberirdisch) von ca. 62.000 m°/d und für einen Anstieg um
1,00 m von ca. 70.000 m’/d notwendig wäre. Die zu installierende Pumpenleistung müsste
dann bei ca. 30 KW liegen. Bei einem Strompreis von ca. 0,25 €/KWh würden sich dann
Jahresstromkosten von ca. 65.000 € ergeben. Unabhängig von der wasserrechtlichen
Prüfung und technischen Machbarkeit bzw. auch der Zustimmung durch die
Bundeswasserstraßenverwaltung lassen diese Zahlen Zweifel an einer vertretbaren Kosten-
Nutzen-Relation aufkommen, zumal die Anschaffung und Installation der Pumpen sowie
eines Ableitungsbauwerkes weitere erhebliche Kosten verursachen würden.

Abb. 1: Nettoentnahme und Wasserstand

= Grundwasserförderung (jährliche Nettoentnahme) — Wasserstand Hiltruper See

Abb. 2: Pegelstände 1992 - 2018 und Niederschlagsmengen

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Abb. 3: Vergleich Pegel Hiltruper See/Sandruper See

— Wasserstand Hiltruper See —- Wasserstand Sandruper See (Sprakel)

Beratungsverlauf (1)

06.03.2018 Bezirksvertretung Münster-Hiltrup
TOP 6.1 Antrag Entscheidung

Beschluss: zur Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Orte (3)

  • Geringhoffstraße 48
  • Hohe Ward
  • Kinderhaus

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Details

Aktenzeichen
A-H/0001/2018
Typ
Antrag an die BV Hiltrup
Datum
22.01.2018
Erstellt
06.10.2020 14:37