3488/2022
Elternbefragung "von4nach5" 2022
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Mitteilung Ausschuss
3686 Zeichen
Dezernat, Dienststelle IV/IV/2 Vorlagen-Nummer 11.11.2022 3488/2022 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Schule und Weiterbildung 21.11.2022 Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) 01.12.2022 Bezirksvertretung 2 (Rodenkirchen) 05.12.2022 Bezirksvertretung 3 (Lindenthal) 05.12.2022 Bezirksvertretung 4 (Ehrenfeld) 05.12.2022 Bezirksvertretung 5 (Nippes) 01.12.2022 Bezirksvertretung 6 (Chorweiler) 06.12.2022 Bezirksvertretung 7 (Porz) 01.12.2022 Bezirksvertretung 8 (Kalk) 24.11.2022 Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 28.11.2022 Elternbefragung "von4nach5" 2022 Nach Beschluss durch den Ausschuss Schule und Weiterbildung vom 18.01.2021 (vgl. Vorlage 2149/2020) hat die Verwaltung in 2021 das Wuppertaler Institut für bildungsökonomische Forschung (WIB) an der Bergischen Universität Wuppertal mit der Durchführung einer Elternbefragung zur Schulwahl im Übergang von der Primar- in die Sekundarstufe beauftragt. Nachdem die Befragung mit dem Titel „von4nach5“ von Eltern mit Kindern in Kölner Grundschulen und in Primarstufen von För- derschulen im Januar 2022 online durchgeführt wurde, liegt im September 2022 der Ergebnisbericht des WIB vor (s. Anhang 1). Ziel der Elternbefragung war es, mehr über die Motive und Einstellungen von Eltern hinsichtlich ihres Schulwahlverhaltens und ihren Blick auf die Kölner Schullandschaft zu erfahren, um die kommunale Schulentwicklungspla nung zu unterstützen. Zuletzt waren 2012 und 2009 großangelegte Elternbefragungen im Schulbereich durchgeführt worden. Neu an der diesjähri- gen Elternbefragung war die Beteiligung eines interdisziplinären Begleitgremiums, das schulpolitische Sprecher*innen, die Stadtschulpflegschaft, Sprecher*innen von Kölner Grundschulen, Vertretungen des Schulamts für die Stadt Köln sowie des Schulträgers bildeten. Durch die frühe Einbindung konnte die jeweilige Expertise dieser Interessensgruppen bereits im Entstehungspro zess des Befragungs- designs berücksichtigt werden. 6.476 Eltern von Grundschulkindern aller Jahrgangsstufen in Köln haben sich an der Befragung betei- ligt, was knapp 16% der Schüler*innen an öffentlichen und privaten Grund - und Förderschulen ent- spricht. 85% der Fragebögen wurde vollständig ausgefüllt und von 129 der 141 öffentlichen Grund- 2 schulen (Stand Schuljahr 2021/22) liegen Daten vor. Um repräsentative Ergebnisse zu erhalten, sind die Eigenschaften der Teilnehmenden mit den Eigen- schaften aller Schüler*innen der Primarstufe (Grundgesamtheit) in Köln verglichen worden unter Zu- hilfenahme von Informationen aus der Schulstatistik und Sozialrauminformationen der Stadtteile und - bezirke. So konnten über - oder unterrepräsentierte Schüler*innengruppen entsprechend geringer oder höher gewichtet werden (vgl. dazu auch Anhang A - Hochrechnungsfaktoren) und repräsentative Aussagen für alle Schüler*innen der Primarstufe in Köln getroffen werden. Je differenzierter jedoch kleinere Untergruppen betrachtet werden, beispielsweise bei einer Auswertung auf Stadtbezirksebe- ne, desto mehr nimmt die Repräsentativität der Daten ab, weshalb solche Ergebnisse nicht ohne wei- teres verallgemeinerbar sind. Dennoch liefern sie interessante erste Eindrücke, die es aber zukünftig zu verifizieren gilt. Für Förderschulen lässt die erhaltene Datenlage keine validen Aussagen zu. Die Verwaltung bittet um Kenntnisnahme des hiermit vorgelegten Ergebnisberichts des Wuppertaler Instituts für bildungsökonomische Forschung (WIB) zur Elternbefragung „ von4nach5“ 2022 (Anhang 1). Die Verwaltung stellt außerdem ihre schulentwicklungsplanerischen Einschätzungen der Ergeb- nisse zur Diskussion (Anhang 2). Gez. Voigtsberger
Anlage 1 Ergebnisbericht Elternbefragung Köln 2022
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www.wib.uni-wuppertal.de
Elternbefragung zur Schulwahl im Übergang
von der Primarstufe in die Sekundarstufe I
in der Stadt Köln
Bericht
Anna M. Makles
Monika Piegeler
Kerstin Schneider
von4nach5
Elternbefragung zur Schulwahl im Übergang
von der Primarstufe in die Sekundarstufe I
in der Stadt Köln
Dr. Anna M. Makles
Dr. Monika Piegeler
Prof. Dr. Kerstin Schneider
Wuppertal, August 2022
WIB - Wuppertaler Institut für
bildungsökonomische Forschung
Bergische Universität Wuppertal
Gaußstr. 20
42097 Wuppertal
www.wib.uni-wuppertal.de
Autorinnen:
Dr. Anna M. Makles
Dr. Monika Piegeler
Prof. Dr. Kerstin Schneider
Kontakt:
Tel.: +49 (0)202-439-3783; E-Mail: makles@wiwi.uni-wuppertal.de
Tel.: +49 (0)202-439-5174; E-Mail: piegeler@wiwi.uni-wuppertal.de
Tel.: +49 (0)202-439-2483; E-Mail: schneider@wiwi.uni-wuppertal.de
Zitiervorschlag:
Makles, A.M., Piegeler, M., Schneider, K. (2022): von4nach5 - Elternbefragung zur Schulwahl
im Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln. Bericht, Bergische
Universität Wuppertal.
Der vollständige Bericht ist auf der Homepage des WIB
https://www.wib.uni-wuppertal.de
abrufbar.
Danksagung
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Danksagung
An dem Gelingen der Studie hatte eine Reihe von Akteur *innen Anteil. Unser Dank gilt den
beteiligten Ämtern der Stadt Köln, die uns in unserer Strategie tatkräftig unterstützt haben und
uns mit ergänzenden Daten und Informationen hilfreich zur Seite standen . Wir danken dem
Begleitgremium aus schulpolitischen Sprecher*innen, der Stadtschulpflegschaft, dem Schul-
amt für die Stadt Köln, Sprecher*innen der Grundschulen und der Schulverwaltung der Stadt
Köln für die zielführenden Impulse im gemeinsamen iterativen Prozess des Studiendesigns.
Wir bedanken uns insbesondere bei zwei Grundschulen für die Bereitschaft, uns in Interviews
weitere Einblicke zu erlauben und die Studie dadurch qualitativ zu ergänzen. Wir danken den
beiden Grundschulen sowie den Eltern*, die für den Pretest zur Verfügung st anden, sowie
ausdrücklich allen beteiligten Grund- und Förderschulen, die in der Kommunikation mit den
Eltern ein verlässlicher Partner waren und durch ihr Engagement ganz erheblich zum Gelingen
der Studie beigetragen haben. Unser besonderer Dank gilt aber den Eltern der Grund-
schulkinder in Köln, die den Fragebogen – trotz der pandemiebedingten sehr großen
Belastung – ausgefüllt haben. Ohne diese Beteiligung hätte die Studie nicht erfolgreich
durchgeführt werden können.
*Die Umfrage wurde als Elternbefragung betitelt, adressiert dabei allerdings die erziehungs-
berechtigten Personen bzw. die mit der Erziehung des Kindes im Wesentlichen befassten Per-
sonen. Dies sind nicht notwendigerweise die Eltern des Kindes. Folglich wurde bei der Formu-
lierung der Fragen darauf geachtet, dass sich der für die Erziehung des Kindes verantwortliche
Personenkreis angesprochen fühlt. Im Rahmen dieses Berichts findet aus Gründen der Ver-
einfachung der Begriff ‚Eltern‘ Verwendung.
Management Summary
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Management Summary
Es herrscht breiter Konsens in der Schulpolitik der Stadt Köln, dass für die Weiterentwicklung
der Schullandschaft der Elternwille eine wichtige Rolle spielt; ins besondere dann, wenn über
die Schulformen neuer Schulen und über Veränderungen von Schulformen an bestehenden
Schulstandorten zu entscheiden ist. Für eine bedarfsgerechte Schulentwicklungsplanung
(SEP) der Stadt Köln sollte daher eine Elternbefragung im Schuljahr 2021/22 zur Schulwahl
im Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I eine aktualisierte empirische Fundie-
rung liefern.
In der Befragung sollten sowohl Wünsche und Einstellungen zu Schulen und Schulfor-
men im Übergang von der 4. in die 5. Jah rgangsstufe als auch Informationen zu erwarteten
Schulformempfehlungen und wahrscheinlichen Schulwahlentscheidungen erfragt werden.
Darüber hinaus sollten Motive der elterlichen Schulwahl erhoben werden. Mit der Durchfüh-
rung dieser Elternbefragung wurde da s WIB – Wuppertaler Institut für bildungsökonomische
Forschung an der Bergischen Universität Wuppertal beauftragt.
Die Ergebnisse der Elternbefragung von4nach5 spiegeln neben dem Anmeldeverhal-
ten auch die Rahmenbedingungen wider, unter denen Eltern in Köln Schulwahlentscheidun-
gen treffen – dies sollte bei der Interpretation der Befragungsergebnisse berücksichtigt wer-
den. Eltern bewerten ihre Optionen vor dem aktuellen, subjektiv als gut oder schlecht wahrge-
nommenen Schul(form)angebot der Sekundarstufe I und treffen hierauf basierend ihre Ent-
scheidung. Die Stadt Köln bzw. der Schulträger Stadt Köln kann die Ergebnisse der Elternbe-
fragung von4nach5 daher im Rahmen seiner SEP für die zukünftige Planung und Ausgestal-
tung der Bildungslandschaft nutzen. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass sich eine zu-
künftige Änderung der Schulangebote auch auf die zukünftigen Entscheidungen der Eltern
auswirkt. Zudem wurde die Befragung im Januar 2022 durchgeführt, als viele Familien noch
sehr unter dem Eindruck de r Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Beschulung ihrer
Kinder standen. Die Ergebnisse der Elternbefragung von4nach5 sind also nicht ohne weiteres
auf ein verändertes Angebot an Schulen übertragbar. Sie geben aber wertvolle Hinweise auf
die Akzeptanz möglicher schulpolitischer Planungsansätze in der aktuellen Situation.
Der vorliegende Bericht fasst die Ergebnisse der Elternbefragung von4nach5, die im
Januar 2022 als Online-Befragung durchgeführt wurde, zusammen. Zur besseren Einordnung
der Ergebnisse aus der Elternbefragung wird auch die amtliche Schulstatistik in die Analysen
einbezogen.
Ergebnisse der Schulstatistik
Die Stadt Köln ist zum Schuljahr 2021/22 Schulträger von 12 Hauptschulen, 18 Realschulen,
15 Gesamtschulen und 31 Gymnasien, die Schüler*innen in den 5. Jahrgang aufnehmen. Um
den Übergang von der Grundschule in die Sekundarstufe I zu unterstützen, bekommen die
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Kinder eine Schulformempfehlung durch die Grundschule, die zwar nicht bindend ist, der aber
häufig gefolgt wird. Den größten Anteil unter den Schulformempfehlungen hatten in den letzten
vier Schuljahren (2018/19 bis 2021/22) die Gymnasialempfehlungen mit 40 bis 45%. Zusam-
men mit bedingten Gymnasialempfehlungen sind es sogar mehr als die Hälfte aller Empfeh-
lungen. Realschulempfehlungen machen 26 bis 29% aus und bedingte Realschulempfehlun-
gen noch einmal 5 bis 7%. In 8 bis 10% der Fälle wird eine Hauptschule empfohlen.
Der Anteil der Eltern, der der Schulformempfehlung folgt, ist sehr hoch. 91 bis 92% der
Schüler*innen mit einer Gymnasialempfehlung gehen auf ein Gymnasium über und 7 bis 9%
der Kinder besuchen eine Gesamtschule. Schüler*innen mit einer Realschulempfehlung be-
suchen in fast gleichen Anteilen eine Realschule (45 bis 48%) oder eine Gesamtschule (43 bis
47%). Schüler*innen mit einer Hauptschulempfehlung besuchen in weniger als 50% der Fälle
eine Hauptschule (42 bis 49%), 32 bis 38% gehen auf eine Gesamtschule über.
Bei der Wahl der weiterführenden Schule könnten auch Entfernungen zur Schule ein
relevantes Argument für die Entscheidung sein, denn die Entfernung zwischen Grundschule
und weiterführender Schule ist für die meisten Schüler*innen moderat – im Mittel liegt sie bei
unter 2 km – und Schüler*innen tendieren dazu, beim Übergang im Stadtbezirk zu verbleiben.
Die Zahl der Schüler*innen, die beim Übergang die Rheinseite wechselt, ist mit 3 bis 4% ver-
gleichsweise sehr gering.
Während die Haupt - und Realschulen gesamtstädtisch betrachtet ausreichende Auf-
nahmekapazitäten haben, auch wenn die Auslastung zwischen den Schulen durchaus variiert,
müssen die Gesamtschulen jedes Jahr etwa 1.000 Kinder ablehnen. Auch die Gymnasien
verzeichnen seit Jahren Anmeldezahlen, die die Regelkapazitäten um etwa 600 Plätze über-
steigen. Die große Übernachfrage nach Gymnasialplätzen konnte bislang nur durch zusätzli-
che Anstrengungen und Maßnahmen (wie Mehrklassenbildung oder Ausreizen der maximalen
Klassengröße) an den bestehenden Schulstandorten abgebaut werden. Doch auch wenn ge-
samtstädtisch betrachtet Gymnasien und insbesondere Gesamtschulen übernachgefragt wer-
den, so gilt das nicht für alle Schulen gleichermaßen. Es gibt sowohl Gesamtschulen im Süd-
westen der Stadt als auch Gymnasien in den Stadtbezirken Mülheim, Innenstadt und Kalk, die
zum Schuljahr 2021/22 mehr Plätze als Anmeldungen zählten.
Rücklauf zur Elternbefragung von4nach5
An der Elternbefragung von4nach5, die im Januar 2022 durchgeführt wurde, haben sich
6.476 Eltern von Grundschulkindern in Köln beteiligt, was zum Schuljahr 2020/21 insgesamt
15,93% der Schüler*innen an öffentlichen und privaten Grund- und Förderschulen entspricht.
Die Elternbefragung wandte sich somit an die Eltern aller Grundschulkinder, nicht nur der Viert-
klässler*innen der Grundschulen in Trägerschaft der Stadt Köln . Von den 6.476 Fragebögen
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wurden 5.520 (85%) vollständig ausgefüllt und es liegen für 129 der 141 öffentlichen Grund-
schulen Informationen vor. Obwohl der Rücklauf im erwartbaren Rahmen für Online-Befragun-
gen liegt, was angesichts der besonderen Situation – Eltern und Schulen waren zu der Zeit
durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sehr belastet – als Erfolg zu
werten ist, ist zu erwarten, dass die teilnehmenden Eltern nicht repräsentativ für alle Kölner
Eltern von Grundschüler*innen sind. Zum einen nehmen Familien mit einem geringeren sozi-
alen Status tendenziell seltener an Befragungen teil. Zum anderen ist zu erwarten, das s Fa-
milien, die sich wegen der beschriebenen Kapazitätsengpässe Sorgen um die Schullaufbahn
ihrer Kinder machen, ein besonderes Interesse an der Befragung haben; auch weil sie damit
ein Signal an die Schulpolitik senden können.
Um die Ergebnisse der Elternbefragung von4nach5 für die SEP und Schulpolitik be-
lastbarer zu machen, werden daher mithilfe von Informationen aus der Schulstatistik und So-
zialrauminformationen der Stadtteile und -bezirke Korrekturfaktoren berechnet, mit denen
über- oder unterrepräsentierte Schüler*innengruppen entsprechend geringer oder höher ge-
wichtet werden. Die Gewichtung anhand der Schulstatistik und der Rauminformationen kann
jedoch nicht vollständig dafür korrigieren, dass bestimmte Eltern überrepräsentiert sind. Ins-
besondere jene, die sich aktiv an der Diskussion über übernachgefragte Schulformen wie Ge-
samtschulen und Gymnasien beteiligen möchten, werden eher an der Elternbefragung teilneh-
men.
Ergebnisse der Elternbefragung von4nach5
Ziel der Elternbefragung von4nach5 war, sowohl Wünsche und Einstellungen zu Schule und
Schulformen im Allgemeinen, als auch Informationen zu wahrscheinlichen Schulwahlentschei-
dungen und den zugrundeliegenden Motiven zu erfragen. Im Folgenden werden die wichtigs-
ten Ergebnisse zusammengefasst.
Insgesamt strebt mehr als die Hälfte aller Eltern (54%) für ihr Kind die Allgemeine Hoch-
schulreife als Schulabschluss an. Von den Eltern der Viertklässler*innen, die sich für ihre Kin-
der das Abitur als Schulabschluss wünschen, wählen 87% ein Gymnasium (72%) oder eine
Gesamtschule (15%) beim Übergang an. Folgerichtig ist das Gymnasium die wichtigste Schul-
form. Dies trifft nicht nur auf Eltern von Viertklässler*innen zu, sondern auf Eltern aller Grund-
schuljahrgänge: 73% der Eltern finden diese Schulform wichtig. Ebenfalls wichtig sind den
Eltern Gesamtschulen mit insgesamt 62% Zustimmung . Aber auch die Schulformen Real-
schule und Hauptschule werden mit 47% und 21% als wichtig eingeschätzt.
Befragt nach der angewählten oder zukünftig zu wählenden Schulform gaben 47% der
Kölner Eltern an, ein Gymnasium anzuwählen oder anwählen zu wollen. 17% entschieden sich
für eine Gesamtschule, 6% für eine Realschule und weniger als 1% für eine Hauptschule;
17%, insbesondere Eltern jüngerer Kinder, sind jedoch noch unentschlossen. Dabei zeigt die
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Befragung zudem, dass der Schulformempfehlung durch die Schule überwiegend gefolgt wird
und dass Eltern sich besonders intensiv mit Schulformen auseinandersetzen, die ihnen wichtig
sind und die sie wahrscheinlich auch anwählen werden.
Eltern, die als Erstwunsch ein Gymnasium anwählen (möchten), befürworten das aktu-
elle mehrgliedrige Schulangebot in Köln. Unter den Befürwortern der Hauptschulen würden
fast drei Viertel der Eltern ihr Kind an einem Gymnasium anmelden. Von Eltern, die Gesamt-
und Realschulen befürworten, wählen 52% bzw. 61% ein Gymnasium. Bei den Realschulen
ist das Bild differenzierter. Unter den Eltern, die ein Angebot an Realschulen in der Kölner
Schullandschaft als sehr wichtig erachten, hat fast ein Viertel (22%) eine Realschulempfehlung
ausgesprochen bekommen oder erwartet eine solche. Hauptschulen werden darüber hinaus
von Eltern als wichtig eingeschätzt , deren Kinder eine Grundschule der Sozialindexstufe 7
oder 8 besuchen, also Grundschulen mit vielen Herausforderungen. Streben Eltern von Viert-
klässler*innen einen Hauptschulabschluss für ihr Kind an, so wählen sie überwiegend (65%)
auch eine Hauptschule.
Ein wichtiges bildungspolitisches Thema im Kontext von Schulwahl im mehrgliedrigen
Schulsystem ist die soziale Mobilität. Mehr als der Hälfte aller Eltern ist es wichtig, dass das
Kind den gleichen Schulabschluss erlangt, wie ihn die Eltern haben. Der Wunsch zum ‚Status-
erhalt‘ im Bildungsabschluss ist jedoch erwartungsgemäß in Grundschulen der Sozialin-
dexstufe 1 besonders ausgeprägt und s inkt dann mit steigender Sozialindexstufe . Eltern hö-
herer Sozialindexstufen wünschen sich für ihre Kinder eher einen Bildungsaufstieg.
Variation in der Schulwahl gibt es aber nicht nur auf dieser Ebene, sondern auch zwi-
schen den Schulbezirken. Dies zeigt als Beispiel ein Vergleich von Lindental und Chorweiler.
In Lindenthal geben 64% aller Eltern an, dass sie ihr Kind an einem Gymnasium anmelden
möchten. Gesamtschulen spielen hier mit 12% eine weniger wichtige Rolle und die Nachfrage
nach Real- und Hauptschulen ist vernachlässigbar gering. Demgegenüber findet die Gesamt-
schule in Chorweiler mit 25% einen hohen Zuspruch, auf das Gymnasium entfallen 36% und
10% entscheiden sich für eine Realschule.
Eltern entscheiden sich aber nicht nur nach der Schulform für eine weiterführende
Schule, sondern auch andere Kriterien spielen eine Rolle. Für die meisten Eltern ist die Qua-
lität der Lehrkräfte das wichtigste Kriterium bei der Auswahl einer konkreten Schule. Für weit
über 70% sind auch die Aspekte soziales Umfeld der Schule, Wunsch des Kindes, bisherige
schulische Leistungen des Kindes und die an der Schule angebotenen Schulabschlüsse wich-
tig. Es folgen der Schulweg mit 70% Zustimmung. Eine besondere Bedeutung für die Schul-
wahlentscheidungen kommt aber auch der sozialen Zusammensetzung der Schulen zu. Eltern
bevorzugen an den weiterführenden Schulen eine ähnliche soziale Zusammensetzung wie an
der besuchten Grundschule. Soziale Segregation in den Grundschulen kann sich somit an den
weiterführenden Schulen fortsetzen.
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In der Elternbefragung von4nach5 wurde auch versucht, den Einfluss der durch die
Corona-Pandemie geschuldeten besonderen Umstände zu erfassen. Dabei zeigte sich, dass
Kinder in Grundschulen mit einer hohen Sozialindexstufe durch die Pandemie stärker betroffen
waren. So ist der Anteil der Grundschüler*innen, die freiwillig ein Schuljahr aufgrund von
Corona wiederholt haben, in Grundschulen mit einer hohen Sozialindexstufe (5%) fast doppelt
so hoch wie in Grundschulen mit einer niedrigen Sozialindexstufe (3%). Auch der Einfluss der
Pandemie auf die Schulformwahl schwankt über die Kölner Stadtbezirke und ist bei Schüler*in-
nen einer Grundschule mit hoher Sozialindexstufe deutlich höher als bei Schüler*innen einer
Grundschule mit niedriger Sozialindexstufe. Dies zeigt, dass die Bewältigung der Folgen der
Pandemie für die Schüler*innen eine nach Sozialindexstufe differenzierte Unterstützung der
Schulen erfordert.
Implikationen für die Schulentwicklungsplanung
Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Befragung, das s sowohl Merkmale der Eltern und des
Kindes als auch Merkmale des privaten/sozialen Umfelds wichtig für die Schulwahlentschei-
dung sind. Darüber hinaus spielen Kontextmerkmale der abgebenden und (potenziell) aufneh-
menden Schulen aber auch die Qualität der Schule und der Schulweg für das Kind eine zent-
rale Rolle bei der Schulwahl. Wenn auch einige Kontextmerkmale gut zu messen sind, ist das
Kriterium Qualität problematisch. Wie kann die Qualität der Schule erfasst werden? Und wel-
chen Einfluss kann der Schulträger auf die Qualität nehmen? Für die SEP lässt sich aus den
Analysen ableiten, dass viele der von den Eltern genannten Aspekte im gemeinsamen Zusam-
menspiel betrachtet werden müssen. Eltern treffen Entscheidungen unter simultaner Berück-
sichtigung vieler Aspekte. Es ist also z.B. nicht zunächst der Schulweg und dann die Zusam-
mensetzung der Schule (oder umgekehrt) relevant sondern beide Aspekte sind gleichzeitig in
einer bestimmten, meist subjektiven, Gewichtung zueinander entscheidend. Eine darauf aus-
gelegte SEP muss somit bei der Bereitstellung von Schulraum auch mehrere Faktoren gleich-
zeitig und entsprechend gewichtet berücksichtigen. Konkrete Implikationen für die SEP kön-
nen somit sein:
Solange sich Eltern weiterhin an der Schulformempfehlung orientieren, können die Schul-
formempfehlungen der vergangenen Jahre als Prädiktor für den zukünftigen Bedarf an
Schulplätzen in die SEP eingehen.
Eltern stehen dem bestehenden mehrgliedrigen Schulsystem nicht eindeutig ablehnend
gegenüber. Die Einstellung der Eltern zu verschiedenen Schulformen variiert jedoch mit
dem sozialen und regionalen Umfeld. Eine Gleichverteilung der Schulformen über die Stadt
Köln kann damit vermutlich die Nachfrage nicht optimal bedienen.
Der Schulträger muss den Aspekt ‚Schulweg‘ weiterhin in seinem Bemühen, gut gelegene
Standorte zu erschließen, priorisieren. Denn der Schulweg ist allen Eltern gleichermaßen
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wichtig. Dies gilt für ganz Köln und über alle Stadtbezirke hinweg und spricht für eine SEP,
die bei der räumlichen Verteilung neuer Schulen die Erreichbarkeit der Schule als wichtiges
Kriterium heranzieht.
Gymnasien sind für einen Großteil der Eltern nicht ohne weiteres durch Gesamtschulen zu
ersetzen (und umgekehrt). Für Eltern von Kindern mit einer Haupt- oder Realschulempfeh-
lung ist die Gesamtschule eine attraktive Schulform. Bis zu einem gewissen Grad lassen
sich Haupt- und Realschulen somit durch Gesamtschulen substituieren. Eltern betreiben
Schulwahl aber vor dem Hintergrund des bestehenden Angebots im Stadtbezirk – und die
soziale Zusammensetzung der Schulen ist ein weiteres wichtiges Kriterium. Im Rahmen
der SEP muss der Schulträger somit die genauen Rahmenbedingungen vor Ort analysie-
ren, insbesondere bevor bildungsgangbezogene Schulformen durch Gesamtschulen er-
setzt werden. Eine Schulentwicklungsplanung in einer heterogenen Stadt wie Köln sollte
den Kontext und die Wünsche vor Ort berücksichtigen.
Inhaltsverzeichnis
ix
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ................................ ................................ ................................ ....................... 1
Hintergrund und Ziel der Elternbefragung ................................ ................................ 1
Aufbau des Berichts ................................ ................................ ................................ 2
2 Schulen in Trägerschaft der Stadt Köln ................................ ................................ .......... 5
3 Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln ................................ ......................... 7
Übergangsverfahren in der Stadt Köln................................ ................................ ..... 7
Übergangsempfehlungen aus Sicht der abgebenden öffentlichen Grundschulen .... 9
Übergangsempfehlungen aus Sicht der aufnehmenden öffentlichen weiterführenden
Schulen ................................ ................................ ................................ .........................19
Schulplatznachfrage und -angebot ................................ ................................ .........23
4 Elternbefragung von4nach5 ................................ ................................ ...........................33
Konzeption der Online-Befragung ................................ ................................ ..........33
Rücklaufquoten ................................ ................................ ................................ ......40
Beschreibung der Kölner Grundschüler*innen und deren Eltern .............................45
Determinanten der Schulformwahl ................................ ................................ .........48
Determinanten der Schulwahl ................................ ................................ ................80
Einfluss der Corona Pandemie ................................ ................................ ...............86
5 Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von
Schulwahlentscheidungen ................................ ................................ .............................89
Definition von Schulwahlentscheidungen ................................ ............................... 89
Modellierung von Schulwahlentscheidungen ................................ ..........................93
Durchschnittliche Marginale Effekte ................................ ................................ ..... 107
Fazit der Multivariaten Analysen ................................ ................................ ........... 110
6 Limitationen der Elternbefragung ................................ ................................ ................. 113
7 Fazit und Implikationen aus der Elternbefragung ................................ ......................... 115
Literaturverzeichnis ................................ ................................ ................................ ............ 121
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis ................................ ................................ ................. 123
Anhang ................................ ................................ ................................ ............................... 126
Anhang A - Hochrechnungsfaktoren ................................ ................................ ............ 126
Anhang B - Konzeption der Elternbefragung von4nach5 ................................ ............. 127
Anhang C - Interviews ................................ ................................ ................................ . 139
1. Einleitung
1
1 Einleitung
Als Schulträger ist die Stadt Köln gesetzlich verpflichtet, eine Schulentwicklungsplanung (SEP)
für ihr Gebiet aufzustellen und umzusetzen. Nach § 80 Abs. 5 SchulG soll der Schulträger dabei
„1. das gegenwärtige und zukünftige Schulangebot nach Schulformen, Schularten, Orten des
Gemeinsamen Lernens, Schulgrößen (Schülerzahl, Klassen pro Jahrgang) und Schulstandorten,
2. die mittelfristige Entwicklung des Schüleraufkommens, das ermittelte Schulwahlverhalten der
Eltern und die daraus abzuleitenden Schülerzahlen nach Schulformen, Schularten, Orten des
Gemeinsamen Lernens und Jahrgangsstufen,“ sowie „3. die mittelfristige Entwicklung des Schul-
raumbestands nach Schulformen, Schularten, Orten des Gemeinsamen Lernens und Schulstand-
orten“ berücksichtigen.
Eine zentrale Herausforderung besteht also darin, abzuschätzen, wie sich die städtische
Schullandschaft entwickeln muss, damit auch langfristig der Schulplatzbedarf abgedeckt werden
kann. Hier hat die Nachfrage nach bestimmten Bildungsangeboten oder die Erwartung an zukünf-
tige Angebote seitens der Eltern eine hohe Bedeutung. Sie zeigt, ob die Schul- und Bildungsland-
schaft den individuellen Wünschen und Ansprüch en der Eltern bzw. Schüler *innen genügt oder
ob das Schulangebot weiterentwickelt werden muss. Eine Möglichkeit, das ‚ermittelte Schulwahl-
verhalten der Eltern‘ in die SEP einfließen zu lassen, ist die Extrapolation des aus vergangenen
(schulstatistischen) Analysen bekannten Schulwahlverhaltens. Eine andere Möglichkeit ist, die
Eltern explizit nach Ihren (zukünftigen) Wünschen und Bedarfen zu fragen.
Hintergrund und Ziel der Elternbefragung
Der Rat der Stadt Köln hat am 18. Juni 2020 die Fortschreibung der SEP Köln 2020 (0418/2020)
als Rahmenplanung beschlossen, mit der schulorganisatorische Maßnahmen vorzubereiten sind.
Im Zuge der Erörterung der SEP in den politischen Gremien wurde auch eine neue Elternbefra-
gung initiiert, die zuletzt 2009 und 2012 in ande rer Form in der Stadt Köln durchgeführt wurde.
Die neue Elternbefragung zur Schulwahl soll grundsätzlich der aktualisierten empirischen Fun-
dierung schulpolitischer Debatten zur bedarfsgerechten zukünftigen Schulstruktur in Köln dienen.
Denn es besteht ein großes Einvernehmen in der Schulpolitik, dass mit Blick auf die Weiterent-
wicklung der Schullandschaft in Köln der Elternwille eine wichtige Rolle spielt. Dieser Elternwille
ist aktualisiert zu ermitteln, um zukünftige schulpolitische Entscheidungen über die Schulformen
neuer Schulen und über Veränderungen von Schulformen an bestehenden Schulstandorten zu
unterstützen.
Mit der neuen Elternbefragung sollen Elternpräferenzen zur Schulwahl beim Übergang
von der Primarstufe in die Sekundarstufe I ermittelt werde n. Es geht also zum Beispiel um die
1. Einleitung
2
Fragen, an welcher Schulform Eltern ihre Kinder gerne anmelden möchten und welche Schul-
formempfehlung die Eltern für ihr Kind realistisch erwarten. Darüber hinaus sollen weitere Wün-
sche, Einstellungen und Motive der Elte rn erhoben werden. Mit der Durchführung der Elternbe-
fragung zur Schulwahl im Übergang von der Primarstufe zur Sekundarstufe I sollte ein externes
Institut beauftragt werden. Das WIB – Wuppertaler Institut für bildungsökonomische Forschung
an der Bergischen Universität Wuppertal hat im Mai 2021 den Zuschlag für die Durchführung und
Auswertung der Elternbefragung erhalten.
Dieser Bericht stellt den Abschlussbericht der Elternbefragung von4nach5 dar.
Aufbau des Berichts
Der vorliegende Bericht fasst die Ergebnisse der Elternbefragung von4nach5 zusammen, die im
Januar 2022 als Online-Umfrage durchgeführt wurde. Da Eltern ihre Wünsche und Bedarfe i.d.R.
vor dem Hintergrund der bestehenden Schulstruktur äußern ist es wichtig, die Ergebnisse dem-
entsprechend auch einzurahmen. Daher beginnt der Bericht in Kapitel 2 mit der Darstellung der
Schulen in Trägerschaft der Stadt Köln und wertet in Kapitel 3 zunächst für den Übergang rele-
vante Aspekte der amtlichen Schulstatistik aus. In diesem Kapitel werden das Übergangsverfah-
ren, die Übergangsempfehlungen der abgebenden Grundschulen sowie das bisherige Schulwahl-
ergebnis, also der Übergang selbst, ausgewertet. Darüber hinaus werden erste gesamtstädti-
sche, regionale und einzelschulische Analysen zum Angebot an und der Nachfrage nach Schul-
plätzen der jeweiligen Schulform dargestellt. In Kapitel 4 wird dann die Elternbefragung
von4nach5 dargestellt und deren Ergebnisse präsentiert. In Abschnitt 4.1 werden das theoreti-
sche Konzept, die gestellten Fragen sowie die Durchführung d er Elternbefragung beschrieben.
Abschnitt 4.2 diskutiert die Rücklaufquoten und Aspekte der Repräsentativität, bevor in Abschnitt
4.3 dargestellt wird, welche soziodemografischen Merkmale die Grundschüler*innen bzw. deren
Eltern aufweisen. Abschnitt 4.4 be fasst sich mit der Auswertung der Motivation, Wünsche und
Bedarfe der Eltern, deren Kinder jetzt oder in den kommenden Jahren die Grundschule verlassen
und auf eine weiterführende Schule wechseln werden. Hier werden zunächst Einstellungen zum
Schulsystem, der Informationsstand der Eltern zu den einzelnen vorhandenen Schulformen und
daran anschließend die Schulformempfehlungen und die Schulformwahl deskriptiv ausgewertet.
Auch die Einstellung zur Schule und zu Bildung im Allgemeinen werden in diesem Abschnitt un-
tersucht. In Abschnitt 4.5 werden Motive der Schulwahl, also der Entscheidung für eine bestimmte
Schule, beschrieben. Abschnitt 4.6 befasst sich mit möglichen Effekten der Corona-Pandemie
auf die Eltern bzw. Schüler*innen und das Schulwahlverhalten. Aufbauend auf den deskriptiven,
meist uni- oder bivariaten Auswertungen der Abschnitte 4.4 bis 4.6 wird in Kapitel 5 eine weiter-
1. Einleitung
3
führende Analyse durchgeführt, bei der mit Hilfe ökonometrischer/statistischer Modelle, ein be-
stimmtes Schulwahlverhalten erklärt werden soll. Hierfür werden zunächst bestimmte (theoreti-
sche aber auch beobachtete) Schulwahlentscheidungen definiert, wie z.B. die Wahl der nächst-
gelegenen Schule der durch die Grundschule empfohlenen Schulform, und dann mit Hilfe vieler
individueller Merkmale der Eltern und Kinder aber auch der Kontextmerkmale der abgebenden
und weiterführenden Schulen erklärt. Mit diesen Analysen soll geprüft werden, welche Aspekte
unter Kontrolle vieler anderer Merkmale relevant bzw. statistisch signifikant sind. Hier durch wird
ein tiefergehender Einblick in die Bedeutung der in Kapitel 4 identifizierten wichtigen Merkmale
ermöglicht. Kapitel 6 diskutiert abschließend Limitationen, die mit den Ergebnissen der Elternbe-
fragung von4nach5 einhergehen bevor Kapitel 7 mit einem Fazit und Implikationen für die SEP
der Stadt Köln schließt.
2. Schulen in Trägerschaft der Stadt Köln
5
2 Schulen in Trägerschaft der Stadt Köln
In der Stadt Köln existieren private und öffentliche Schulen. Bis auf fünf Förderschulen, bei denen
der Landschaftsverband Rheinland (LVR) Schulträger ist sowie ein Berufskolleg der Landwirt-
schaftskammer, befinden sich alle öffentlichen Schulen in Trägerschaft der Stadt Köln. Die Stadt
ist somit Schulträger vers chiedener allgemeinbildender Schulen, inkl. Schulen für Erwachsene
(Abendschulen), und beruflicher Schulen. Als Schulträger ist die Stadt Köln verpflichtet, eine
Schulentwicklungsplanung (SEP) für ihr Gebiet aufzustellen und zu realisieren. Nach § 80 Abs. 5
SchulG soll der Schulträger dabei „1. das gegenwärtige und zukünftige Schulangebot nach Schul-
formen, Schularten, Orten des Gemeinsamen Lernens, Schulgrößen (Schülerzahl, Klassen pro
Jahrgang) und Schulstandorten, 2. die mittelfristige Entwicklu ng des Schüleraufkommens, das
ermittelte Schulwahlverhalten der Eltern [Hervorhebung als Anm. der Autorinnen] und die da-
raus abzuleitenden Schülerzahlen nach Schulformen, Schularten, Orten des Gemeinsamen Ler-
nens und Jahrgangsstufen,“ sowie „3. die mittelfristige Entwicklung des Schulraumbestands nach
Schulformen, Schularten, Orten des Gemeinsamen Lernens und Schulstandorten“ berücksichti-
gen.
Im Primarbereich unterhält die Stadt Köln zum Schuljahr 2021/22 141 Grundschulen,
darunter eine Evangelische Bekenntnisgrundschule (EGS) und 50 Katholische Bekenntnisgrund-
schulen (KGS). 90 Grundschulen sind Gemeinschaftsgrundschulen (GGS). In den Sekundarstu-
fen I und II werden (inkl. auslaufender Schulen) 13 Hauptschu len (drei davon als Katholische
Hauptschulen), 20 Realschulen, 15 Gesamtschulen und 31 Gymnasien betrieben. Darüber hin-
aus sind noch 17 Förderschulen und zwei Schulen für Kranke als allgemeinbildende Schulen in
Trägerschaft der Stadt Köln.
Abbildung 1 zeigt eine Karte der Stadt Köln mit ihren Stadtteilen und Stadtbezirken und
den Standorten der beschriebenen öffentlichen allgemeinbildenden Schulen.
2. Schulen in Trägerschaft der Stadt Köln
6
Abbildung 1: Allgemeinbildende Schulen in Trägerschaft der Stadt Köln, Schuljahr 2021/22
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Offene Daten Köln, z.T. eigene Georeferenzierung; eigene Darstellung.
Hinweise: Allgemeinbildende Schulen mit Schüler*innen zum Schuljahr 2021/22, d.h. inkl. auslaufender Schulen.
Schule nach Schulform/Schulart
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
7
3 Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
Das Schulgesetz NRW (SchulG) sieht in § 11 (5) vor, dass Eltern von Grundschüler*innen mit
dem Halbjahreszeugnis der 4. Klasse eine Empfehlung für den weiteren Bildungsweg ihres
Kindes erhalten. Diese begründete Empfehlung, basierend auf dem Leistungsstand, der Ler-
nentwicklung und den Fähigkeiten des Kindes, soll helfen, die richtige Schulform der Sekun-
darstufe I zu wählen. Die Empfehlung ist als Hilfestellung gedacht und nicht bindend (vgl.
§ 11 (6) SchulG). Eltern können ihr Kind somit an einer weiterführenden Schule bzw. Sc hul-
form ihrer Wahl anmelden.
Um die Ergebnisse der Elternbefragung von4nach5 und Schulwahlentscheidungen von
Eltern besser einordnen zu können, wird in einem ersten Schritt zunächst das Übergangsver-
fahren der Stadt Köln beschrieben. Daran anschließend werden erste Auswertungen präsen-
tiert, um die Übergänge sowie das Angebot an und die Nachfrage nach Schulplätzen, wie sie
sich in der Schulstatistik darstellen, zu beschreiben.
Übergangsverfahren in der Stadt Köln
3.1.1 Das Anmeldeverfahren
Zu den weiterführenden allgemeinbildenden Schulen der Stadt Köln zählen Hauptschulen, Re-
alschulen, Gesamtschulen und Gymnasien sowie Förderschulen (wobei die allgemeine Schule
der Regelförderort ist, wenn ein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf vorliegt, vgl.
Stadt Köln 2022; Stadt Köln 2021, S. 8). Eltern können ihr Kind somit an den oben genannten
Schulformen zur Aufnahme anmelden. Für die Anmeldung benötigt werden ein Anmelde-
schein, eine Kopie des Halbjahreszeugnisses der 4. Klasse und eine Empfehlung der Grund-
schule für die zukünftige Schulform, die auf dem genannten Anmeldeschein vermerkt ist (vgl.
Stadt Köln 2022). Der Anmeldeschein mit der Schulformempfehlung inkl. schriftlicher Begrün-
dung und eine Elternbenachrichtigung werden zusammen mit dem Halbjahreszeugnis ausge-
händigt. Vorab erfolgt im ersten Schulhalbjahr eine Beratung der Eltern, zum einen in Bezug
auf das Schulangebot allgemein und zum anderen in Bezug auf das einzelne Kind individuell
(vgl. Stadt Köln 2021, S. 4, 11f.).
Die Anmeldung des Kindes an einer öffentlichen weiterführenden Schule erfolgt durch
die Eltern selbst bei den einzelnen Schulen. Grundsätzlich sind Mehrfachanmeldungen mög-
lich und zulässig, sodass Eltern den Anmeldeschein kopieren und an mehreren Schulen zur
Aufnahme des Kindes vorzeigen können. 1 Schulen, die nicht in Trägerschaft der Stadt Köln
1 Das Ministerium für Schule und Bildung Nordrhein-Westfalen hat am 22. August 2022 einen Entwurf zur Ände-
rung des § 1 APO-SI vorgelegt. Dieser sieht ein Verbot der Mehrfachanmeldung vor, welches bereits im Anmel-
deverfahren zum Schuljahr 2023/24 wirksam werden soll. Die Entscheidung des Landtags Nordrhein-Westfalen
hierzu steht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des vorliegenden Berichts noch aus.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
8
sind, sind diesem Verfahren angeschlossen, können aber eigene Fristen setzen. Liegt ein son-
derpädagogischer Unterstützungsbedarf vor, entscheiden die Eltern, ob ihr Kind eine Schule
mit Gemeinsamen Lernen oder eine Förderschule besucht. Das Kind kann dann an allen all-
gemeinen Schulen mit Gemeinsamen Lernen im regulären Anmeldeprozess angemeldet wer-
den, indem eine Kopie des Antrags auf Teilnahme am Gemeinsamen Lernen den Anmelde-
unterlagen beigefügt wird. Der entsprechende Antrag ist vorab bei der Schulaufsicht zu stellen
(vgl. Stadt Köln 2021, S. 12f.).
Darüber hinaus kann bei den Anmeldungen ein Zweitwunsch vermerkt werden, sodass
die Anmeldungen innerhalb der Schulen weitergegeben werden, sofern der Erstwunsch nicht
berücksichtigt werden konnte ( vgl. Stadt Köln 2021a). Da Eltern ihre Kinder – theoretisch –
jedoch an beliebig vielen Schulen anmelden können und zu vermuten ist, dass sie davon auf
Grund der hohen Nachfrage nach bestimmten Schulplätzen auch Geb rauch machen, ist un-
klar, inwiefern die Angabe des Zweitwunsches für den Prozess praktische Relevanz hat.
Wie auch in den vergangenen Jahren wurde das Anmeldeverfahren für die Gesamt-
schulen auch im Schuljahr 2022/23 vorgezogen. Ebenfalls vorgezogen waren d ie Anmelde-
verfahren für zwei neue Gymnasien. Die Anmeldung an allen weiteren öffentlichen Gymna-
sien, Haupt- und Realschulen starteten erst danach, sodass sich von Gesamtschulen oder von
den beiden neuen Gymnasien abgelehnte Kinder ohne einen Nachteil an an deren (Wunsch-
)Schulen anmelden konnten (vgl. Stadt Köln 2021a). Diejenigen, denen nach Abschluss des
(ersten) Auswahlverfahrens kein Schulplatz angeboten wurde, konnten sich in einer zweiten
Anmeldephase an Schulen mit noch freien Kapazitäten anmelden. Auch in der zweiten Runde
waren Mehrfachanmeldungen nicht ausgeschlossen und Wartelisten aus der ersten Runde
wurden geführt. Die Auswahl der Kinder erfolgte analog zur ersten Phase ( vgl. Stadt Köln
2022; Stadt Köln 2021a).
Liegt auch nach der zweiten Auswahlrunde für ein Kind keine Aufnahmezusage vor, so
erfolgt eine Beratung der Eltern und es werden individuell noch freie Kapazitäten geprüft (vgl.
Stadt Köln 2022). Im Hinblick auf das Schuljahr 2022/23 gibt der Schulträger an, dass nach
Abschluss des Anmeldeverfahrens allen Schüler*innen in Köln ein Schulplatzangebot unter-
breitet wurde, wenn auch nicht immer an der gewünschten Schule. Wichtig für den gesamten
Prozess ist dabei folgender Aspekt: Liegt die Zusage einer Schule vor, muss der angebotene
Schulplatz innerhalb einer genannten Frist angenommen werden und das Kind nimmt nicht
weiter am Auswahlverfahren teil. Freie Plätze werden entsprechend einer Rangliste nachbe-
setzt (vgl. Stadt Köln 2022; Stadt Köln 2021a). 2 Abbildung 2 zeigt den zeitlichen Ablauf des
Anmeldeverfahrens für das Schuljahr 2022/23.
2 „Die Schulen können über das Programm SchILD-Zentral erkennen, ob ein Platz an einer anderen Schule aktiv
angenommen wurde und dadurch für die eigene Schule gesperrt ist. So haben sie die Übersicht, ob und gege-
benenfalls wie viele Plätze frei geworden sind und können Nachrücker*innen kontaktieren.“ (Stadt Köln 2022)
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
9
Abbildung 2: Ablaufdiagramm zum Anmeldeverfahren der Stadt Köln für das Schuljahr
2022/23
Quellen: Stadt Köln 2021a, Stadt Köln 2022, Stadt Köln 2022a; eigene Darstellung.
3.1.2 Das Auswahlverfahren
Lt. § 46 Absatz 1 SchulG liegt die Entscheidungshoheit über die Aufnahme der Schüler*innen
an einer weiterführenden Schule bei den jeweiligen Schulleitungen – innerhalb eines vom
Schulträger festgelegten Rahmens. In der Ausbildungs- und Prüfungsordnung Sekundarstufe
I – APO-S I § 1 sind die Kriterien zur Aufnahme im Falle eines Anmeldeüberhangs zu finden.
So ist in APO-S I § 1 Abs. 2 geregelt, dass im Falle einer Übernachfrage – die Zahl der An-
meldungen übersteigt die Aufnahmekapazität – die Schulleitungen über Härtefälle entschei-
den und im Weiteren ein oder mehrere der folgenden Kriterien heranziehen: „1. Geschwister-
kinder, 2. Ausgewogenes Verhältnis von Mädchen und Jungen, 3. Ausgewogenes Verhältnis
von Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Muttersprache, 4. Schulwege, 5. Besuch ei-
ner Schule in der Nähe der zuletzt besuchten Grundschule, 6. Losverfahren.“ Welches Krite-
rium oder welche Kriterien an Schulen bzw. im Einzelnen Anwendung finden, bleibt aus Sicht
der Eltern unklar. Hierdurch – so zeigt auch die Umfrage – kann es zu Unmut und Frustration
bei den Eltern kommen. Daher wäre es im Sinne der Transparenz hilfreich, wenn die ange-
wandten Kriterien besser kommuniziert würden.
Übergangsempfehlungen aus Sicht der abgebenden öffentlichen
Grundschulen
Wie in Abschnitt 3.1 beschrieben, spricht die abgebende Grundschule eine Empfehlung für die
zukünftige Schulform des Kindes aus. Diese ist zwar nicht bindend, soll aber die Familien im
Entscheidungsprozess unterstützen. Ob und wie stark die Empfehlungen von den tatsächli-
chen Entscheidungen abweichen, zeigen die folgenden Auswertungen basierend auf den Da-
ten der amtlichen Schulstatistik. Die nachfolgenden Abbildungen zeig en die Übergangsemp-
fehlungen (vgl. Abbildung 3) und die tatsächlichen Übergänge (vgl. Abbildung 4 und Abbildung
Anmeldung Ge-
samtschulen (plus
neue Gymnasien)
28.01.-05.02.2022
Rückmeldung der
Schulen
08.02.-11.02.2022
Rückmeldung der
Eltern
Anmeldung Haupt-
und Realschulen,
Gymnasien
21.02.-04.03.2022
Rückmeldung der
Schulen
14.03.-23.03.2022
Rückmeldung der
Eltern
Anmeldung zweites
Auswahlverfahren
31.03.-04.04.2022
Rückmeldung der
Schulen ab 19.04.
Rückmeldung der
Eltern
Individuelle Bera-
tung
Abschluss des Ver-
fahrens
30.04.2022
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
10
5) aus Sicht der abgebenden Grundschulen in Trägerschaft der Stadt Köln für die letzten vier
Schuljahre, 2018/19 bis 2021/22.
In Abbildung 3 sind die Übergangsempfehlungen der Grundschulen in Trägerschaft der
Stadt Köln (nachfolgend auch vereinfachend: öffentliche Grundschulen) differenziert nach
Schulart und Schuljahr sowohl in absoluten Zahlen (vgl. Abbildung 3 a) als auch in prozentu-
alen Werten (vgl. Abbildung 3 b) abgebildet. Insgesamt besuchen etwa doppelt so viele Schü-
ler*innen eine Gemeinschaftsgrundschule im Vergleich zu den katholischen/evangelischen
Grundschulen, was ungefähr der Anzahl der jeweiligen Schularten entspricht ( 90 zu 51, vgl.
Kapitel 2). Den größten Anteil unter den Schulformempfehlungen hatten in den letzten
vier Schuljahren die Gymnasialempfehlungen mit 40 bis 45% . Nimmt man die bedingten
Gymnasialempfehlungen hinzu, sind es sogar mehr als die Hälfte aller Empfehlungen. Real-
schul- und bedingte Realschulempfehlungen machen ungefähr ein Drittel aller Empfehlungen
aus. Während zwischen 26 und 29% Realschulempfehlungen ausgesprochen werden,
machen die bedingten Realschulempfehlungen weitere 5 bis 7% aus. In 8 bis 10% der
Fälle wird eine Hauptschule empfohlen.
Insgesamt zeigt die Abbildung, dass die ausgesprochene Empfehlung durch die Grund-
schulen über Zeit recht stabil und auch die Unterschiede im Empfehlungsverhalten zwischen
den Gemeinschaftsgrundschulen und den Bekenntnisgrundschulen gering sind.
Abbildung 3: Übergangsempfehlungen der öffentlichen Grundschulen nach Schulart, Schul-
jahr 2018/19 bis 2021/22
(a) absolut
527
330
1.586
731
2.444
173
319
207
834
377
1.279
65
499
340
1.645
762
2.289
154
282
163
850
321
1.236
98
468
338
1.544
753
2.369
199
272
174
858
346
1.277
77
443
331
1.452
725
2.529
205
243
155
781
378
1.317
78
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
Anzahl Empfehlungen
2018 2019 2020 2021
GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS
Hauptschule Hauptschule - bed. RS Realschule Realschule - bed. GY Gymnasium Ohne
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
11
Fortsetzung Abbildung 3
(b) in Prozent (%)
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: GGS = Gemeinschaftsgrundschule, KGS/EGS = Katholische/Evangelische Grundschule, RS = Real-
schule, GY = Gymnasium.
Auch die Betrachtung der tatsächlichen Übergänge auf die verschiedenen Schulformen, aus-
gehend von den öffentlichen Grundschulen und differenziert nach Schulart und Schuljahren,
zeigt ein ähnliches Bild. Abbildung 4 a) zeigt die absoluten und Abbildung 4 b) die prozentualen
Werte. Knapp die Hälfte aller Schüler*innen ging in den letzten vier Schuljahren auf ein
Gymnasium über (46 bis 50%), gut ein Viertel auf die Gesamtschule (25 bis 28%), unge-
fähr ein Fünftel auf die Realschule (18 bis 21%) und nur 4 bis 6% auf die Hauptschule.
Weitere Schulformen sind z.B. die Förderschulen, die hier unter ‚Andere‘ fallen. Freie Waldorf-
schulen sind in Köln durchgängig von der 1. bis zur 13 Klassenstufe organisiert, sodass Über-
gänge zu dieser Schulform eine Ausnahme darstellen. Gemeinschaftsschulen, Sekundarschu-
len und PRIMUS -Schulen werden in Köln zwar nicht angeboten, unter ‚Andere‘ fallen aber
auch Übergänge auf weiterführende Schulen dieser Schulformen außerhalb von Köln.
Vergleicht man die Empfehlungen in Abbildung 3 und die tatsächlichen Übergänge in
Abbildung 4 miteinander, so finden sich bei den Gymnasien die größten Übereinstimmungen.
Für Gesamtschulen kann der Vergleich nicht erfolgen, da für diese Schulform keine explizite
Empfehlung ausgesprochen wird; sie kann von allen Schüler*innen unabhängig der schulform-
bzw. bildungsgangbezogenen Empfehlung angewählt werden. Da die Übergänge auf Haupt -
und Realschulen jedoch einige Prozentpunkte unter den Empfehlungen liegen, ist anzuneh-
men, dass vor allem Kinder mit einer solchen Empfehlung eher eine Gesamtschule anwählen.
Um diese Vermutung zu überprüfen wird daher noch Abbildung 5 betrachtet.
9
6
27
13
42
3
10
7
27
12
42
2
9
6
29
13
40
3
10
6
29
11
42
3
8
6
27
13
42
4
9
6
29
12
43
3
8
6
26
13
44
4
8
5
26
13
45
3
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Anteil Empfehlungen
2018 2019 2020 2021
GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS
Hauptschule Hauptschule - bed. RS Realschule Realschule - bed. GY Gymnasium Ohne
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
12
Abbildung 4: Übergänge von den öffentlichen Grundschulen nach Schulart, Schuljahr 2018/19
bis 2021/22
(a) absolut
(b) in Prozent (%)
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: GGS = Gemeinschaftsgrundschule, KGS/EGS = Katholische/Evangelische Grundschule, Andere Schul-
formen: Freie Waldorfschule, Förderschule (G/H), Förderschule (R/Gy), Gemeinschaftsschule, PRIMUS -Schule,
Sekundarschule (auch außerhalb der Stadt Köln).
Abbildung 5 bildet die Übergänge von den öffentlichen Grundschulen nach Übergangsemp-
fehlung für die letzten vier Schuljahre ab. Es bestätigt sich, dass ein Großteil (91 bis 92%)
der Schüler*innen mit einer Gymnasialempfehlung auch tatsächlich auf ein Gymnasium
290
1.179
1.480
2.783
59
185
627
774
1.471
24
254
1.136
1.618
2.626
55
165
623
768
1.356
38
275
1.085
1.564
2.695
52
151
594
790
1.450
19
247
1.060
1.539
2.783
56
126
519
812
1.469
26
0
1.000
2.000
3.000
4.000
5.000
6.000
Anzahl Übergänge
2018 2019 2020 2021
GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS
Hauptschule Realschule Gesamtschule Gymnasium Andere
5
20
26
48
1
6
20
25
48
1
4
20
28
46
1
6
21
26
46
1
5
19
28
48
1
5
20
26
48
1
4
19
27
49
1
4
18
28
50
1
0
10
20
30
40
50
60
70
80
90
100
Anteil Übergänge
2018 2019 2020 2021
GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS GGS KGS/EGS
Hauptschule Realschule Gesamtschule Gymnasium Andere
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
13
übergeht. Auch hier zeigen sich über die vier Schuljahre kaum Unterschiede. Die verbleiben-
den 8 bis 9% der Kinder mit Gymnasialempfehlung besuchen überwiegend eine Gesamt-
schule, nur wenige eine Realschule. Ungefähr die Hälfte (49 bis 58%) der Schüler*innen
mit einer bedingten Gymnasialempfehlung geht auf ein Gymnasium über, ein weiteres
Drittel (30 bis 38%) auf eine Gesamtschule und alle anderen überwiegend auf eine Re-
alschule. Betrachten wir die Schüler*innen mit einer Realschulempfehlung, so gehen
diese in fast gleichen Anteilen auf eine Realschule (45 bis 48%) oder auf eine Gesamt-
schule (43 bis 47%) über. Ein Großteil der verbleibenden Schüler*innen (8 bis 9%) mit einer
Realschulempfehlung geht auf ein Gymnasium über. Schüler*innen mit einer bedingten Re-
alschulempfehlung gehen ebenfalls häufig auf eine Realschule (41 bis 53%) oder eine
Gesamtschule (39 bis 47%) über. Alle anderen Schüler*innen mit einer bedingten Realschu-
lempfehlung wechseln überwiegend auf eine Hauptschule (6 bis 11%). Auffallend ist, dass die
Anteile der Schüler*innen mit einer bedingten Realschulempfehlung, die an eine Hautschule
übergehen, in den letzten Jahren gestiegen sind. Lag der Anteil im Schuljahr 2018/2019 noch
bei 7%, so war er im Schuljahr 2021/22 bei 11%. Schüler*innen mit einer Hauptschulemp-
fehlung besuchen in weniger als 50% der Fälle eine Hauptschule (42 bis 49%). Dieser
Anteil fällt im Laufe der betrachteten Jahre kontinuierlich von 49 bis auf zuletzt 42%. 17
bis 19% dieser Schüler*innen gehen auf eine Realschule und 32 bis 38% auf eine Ge-
samtschule über. Insb. der Anteil derer, die mit einer Hauptschulempfehlung auf eine Ge-
samtschule übergehen, ist in den letzten vier Jahren um 6 Prozen tpunkte gestiegen. Zukünf-
tige weiterführende Analysen könnten die Ursachen dieser Entwicklungen untersuchen. Dabei
es wäre bspw. hilfreich zu klären, ob es sich um einen stadtweiten Trend handelt, oder ob
dieser durch einzelne Stadtbezirke bzw. bestimmte Schulen und Schulschließungen getrieben
wird.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
14
Abbildung 5: Übergänge von den öffentlichen Grundschulen nach Übergangsempfehlung, Schuljahr 2018/19 bis 2021/22
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: HS = Hauptschule, HS+ = Hauptschule - bed. Realschule, RS = Realschule, RS+ = Realschule - bed. Gymnasium, GY = Gymnasium , Andere Schulformen: Freie Wal-
dorfschule, Förderschule (G/H), Förderschule (R/Gy), Gemeinschaftsschule, PRIMUS-Schule, Sekundarschule (auch außerhalb der Stadt Köln).
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
15
Neben der Schulform ist die Entfernung zur weiterführenden Schule eine wichtige Information,
da die Länge des Schulwegs für die Entscheidung für eine bestimmte Schule eine relevante
Rolle spielen kann (vgl. auch Abschnitt 3.1.2 und Anhang C - Interviews). Aus der Schulstatis-
tik sind Entfernungen zwischen Wohnort des Kindes und gewählter Schule nicht bekannt. Da-
her werden in Abbildung 6 a) die Distanzen zwischen abgebender Grundschule und be-
suchter weiterführender Schule je Kind in Kilometern als Boxplot3 dargestellt. Abbildung
6 b) [c)] zeigt die Distanzen nur für weiterführende Schulen auf der linken (rechten) Rheinseite.
Zu prüfen ist, ob der Übergang auch wohnortnah bzw. grundschulnah erfolgt. Jede Box bildet
die mittleren 50% der Beobachtungen ab, wobei der horizontale Strich in der Box den Median
repräsentiert, d.h. 50% der Schüler*innen haben eine kürzere und 50 % eine längere Distanz
zwischen Grundschule und der weiterführenden Schule. Der Median für Gymnasien l iegt
z.B. im Schuljahr 2021/22 bei 1,66 km, wenn beide Schulen auf der gleichen Rheinseite
liegen und bei 5,30 km, wenn die Schulen auf unterschiedlichen Rheinseiten liegen. Be-
trachtet man nur Gymnasien auf der linken (rechten) Rheinseite sind es 1,45 km ( 2,09 km),
wenn sich die Grundschule auf derselben Seite des Rheins befindet. Grundsätzlich sind also
die Distanzen für die Mehrheit der Schüler*innen deutlich geringer, wenn sie eine weiterfüh-
rende Schule auf der gleichen Rheinseite besuchen. Wechseln sie hingegen auf die andere
Rheinseite, so vergrößern sich die Distanzen naturgemäß. Allerdings ist die Zahl derer, die
die Rheinseite tatsächlich wechseln, sehr gering. In allen vier Schuljahren waren es nur
3 bis 4% aller Schüler*innen. Insofern ist die Distanz für die meisten Schüler*innen mo-
derat – auch wenn einzelne Schüler*innen sehr große Distanzen überwinden müssen.
Die Ergebnisse für die Schulformen Hauptschule, Realschule, Gesamtschule und Gym-
nasium ähneln sich hierbei sehr und auch im Zeitverlauf über die letzten vier Schuljahre
zeigen sich keine nennenswerten Veränderungen. Zukünftige Untersuchungen könnten die
Schüler*innenbewegungen und die Bedeutung des Rheins als natürliche Grenze, auch durch
das Durchführen von qualitativen Studien, tiefer analysieren.
3 Ein Boxplot ist ein Diagramm zur Dar stellung einer Verteilung, z.B. der Verteilung von Distanzen zu Schulen
von einzelnen Personen. Der horizontale Strich innerhalb der Box entspricht dem Median. Der Median zeigt die
Stelle an, bei der jeweils 50% der Datenpunkte liegen. D.h., z.B. bei einer Median-Distanz von 2 km, dass 50%
der Datenpunkte (also Personen) 2 km oder weniger zurücklegen und 50% 2 km oder mehr. Die Box beschreibt
den Bereich, in dem die ‚mittleren‘ 50% der Daten liegen, also alle Datenpunkte die zwischen dem 25% - und
75%-Perzentil liegen, z.B. zwischen Distanzen von 0,5 km und 4 km. Dieser Bereich wird auch Interquartilsab-
stand (IQA) genannt. Multipliziert man den IQA mit 1,5 gelangt man an die Stellen, wo die so g. ‚Whisker‘ (Füh-
ler) enden. Vom untersten bis zum obersten Whisker wird somit der Bereich der Verteilung beschrieben, der als
‚in der Norm liegend‘ angenommenen werden kann, Werte darüber oder darunter, die als Punkte dargestellt
werden, sind somit außergewöhnlich hoch oder niedrig, z.B. Distanzen von 0,001 km oder 60 k m. Fallen alle
Werte in den Bereich von max. 1,5 x IQA, dann stellt das Ende des Whiskers den jeweiligen Minimal - bzw.
Maximalwert der Verteilung dar.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
16
Abbildung 6: Distanz zwischen der abgebenden öffentlichen Grundschule und der aufnehmen-
den weiterführenden Schule nach Rheinseite und Schulform, Schuljahr 2018/19 bis 2021/22
(a) insgesamt
(b) nur linksrheinische weiterführende Schulen
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
17
Fortsetzung Abbildung 6
(c) nur rechtsrheinische weiterführende Schulen
Distanz in km, Schuljahr 2021/22
Hauptschule Realschule Gesamtschule Gymnasium Andere
Abbil-
dung
and.
Rheins.
gl.
Rheins.
and.
Rheins.
gl.
Rheins.
and.
Rheins.
gl.
Rheins.
and.
Rheins.
gl.
Rheins.
and.
Rheins.
gl.
Rheins.
(a) 5,12 1,55 7,55 1,79 4,32 1,96 5,30 1,66 10,23 5,18
(b) 5,12 1,47 8,05 1,66 4,04 2,20 6,22 1,45 10,23 5,44
(c) 5,68 1,60 6,56 1,88 7,19 1,69 3,71 2,09 n.a. 4,19
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik; z.T. eigene Georeferenzierung; eigene Berechnung,
eigene Darstellung.
Hinweise: Ohne Übergänge in Schulen außerhalb von Köln; and. Rheins = andere Rheinseite, gl. Rheins. = gleiche
Rheinseite, GS = Grundschule, WS = weiterführende Schule; n.a. = Keine Beobachtungen für dieses Schuljahr.
Abbildung 7 zeigt ergänzend, dass Schüler*innen auch eine Tendenz dazu haben , beim
Übergang, im Stadtbezirk zu verbleiben – und nicht nur auf derselben Rheinseite. Auf der
linken Seite der Abbildung sind die Stadtbezirke dargestellt, die die Grundschüler*innen des
4. Jahrgangs zum Schuljahr 2021/22 abgeben. Auf der rechten Seite sind die Stadtbezirke
dargestellt, die diese in Jg. 5 aufnehmen. Aus dem Stadtbezirk Chorweiler wechselten z.B.
588 Grundschüler*innen in eine weiterführende Schule des Stadtbezirks Chorweiler (verblei-
ben also im Stadtbezirk) und 36 in eine des Stadtbezirks Ehrenfeld (Verbindung von links nach
rechts zwischen Chorweiler und Ehrenfeld in Dunkelblau). In den Stadtbezirk Chorweiler (Ver-
bindung von rechts nach links) wechseln 19 Grundschüler*innen aus dem Stadtbezirk Ehren-
feld und 67 aus Nippes. Der Stadtbezirk Innenstadt ist am stärksten von diesen ‚Wande-
rungen‘ betroffen und hat ein positives Wanderungssaldo. Insgesamt nimmt dieser Stadt-
bezirk 2021/22 1.120 Schüler*innen in die Sekundarstufe I auf. Die Zahl der Übergänger aus
Grundschulen des Stadtbezirks beträgt aber nur 629 Schüler*innen.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
18
Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass Schüler*innen die Tendenz haben, beim Über-
gang in die Sekundarstufe I in ihrem Stadtbezirk zu verbleiben. Diese Tendenz ist in den Stadt-
bezirken aber unterschiedlich ausgeprägt und hängt höchstwahrscheinlich auch mit dem je-
weiligen Schulformangebot des Stadtbezirks zusammen . Eine Schulentwicklungsplanung
sollte die ‚Verweiltendenz‘ dennoch berücksichtigen, ebenso wie die verstärkte (Ab -)Wande-
rungsbewegung in/aus bestimmte/n Stadtbezirke/n.
Abbildung 7: Übergänge von den öffentlichen Grundschulen nach abgebendem und aufneh-
mendem Stadtbezirk, Schuljahr 2021/22
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
19
Fortsetzung Abbildung 7
Aufnehmender Stadtbezirk
C. E. I. K. L. M. N. P. R. Summe
Abgebender Stadtbezirk Chorweiler 588 36 4 3 33 668
Ehrenfeld 19 571 77 34 3 55 760
Innenstadt 31 445 10 49 18 24 4 46 629
Kalk 5 130 579 5 228 20 7 974
Lindenthal 157 105 666 4 18 951
Mülheim 77 64 14 1.114 5 1.280
Nippes 67 111 76 10 14 523 806
Porz 124 5 18 797 4 954
Rodenkirchen 13 82 81 478 657
Summe 678 928 1.120 661 863 1.399 644 830 556 7.679
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Offene Daten Köln, z.T. eigene Georeferenzierung;
eigene Berechnung; Darstellung mit Hilfe von googleVis für R (vgl. Gesmann & de Castillo 2011).
Hinweise: Ohne abgebende und aufnehmende private Schulen und Förderschulen; Werte <3 nicht berichtet.
Übergangsempfehlungen aus Sicht der aufnehmenden öffentlichen
weiterführenden Schulen
Im vorausgehenden Abschnitt wurden Übergangsempfehlungen und Übergänge aus Sicht der
abgebenden Grundschule in Trägerschaft der Stadt Köln beschrieben. Nun wechseln wir die
Perspektive und betrachten Übergangsempfehlungen und Übergänge aus Sicht der aufneh-
menden öffentlichen weiterführenden Schulen in Köln. Für die letzten vier Schuljahre, 2018/19
bis 2021/22 zeigt Abbildung 8 a) die absoluten und Abbildung 8 b) die prozentualen Übergänge
auf die einzelnen Schulformen, erneut auf Basis der amtlichen Schulstatistik.
Jährlich wechseln ca. 8.000 Schüler*innen auf weiterführende Schulen der Stadt Köln.
Die meisten Schüler*innen wechseln jedes Jahr auf ein Gymnasium. Mit 45 bis 48% ist
das fast die Hälfte aller in Kö ln aufgenommenen Schüler*innen. Gut ein Viertel (26 bis
28%) wechselt auf eine Gesamtschule, ungefähr ein Fünftel (18 bis 21%) auf eine Real-
schule und 5 bis 6% auf eine Hauptschule. Andere Schulformen (wie z.B. Förderschulen)
machen einen verschwindend geringen Anteil aus.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
20
Abbildung 8: Übergänge auf die öffentlichen weiterführenden Schulen, Schuljahr 2018/19 bis
2021/22
(a) absolut
(b) in Prozent (%)
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: Andere Schulformen: Förderschule (G/H), Förderschule (R/Gy).
Abbildung 9 zeigt, welche Schulformempfehlung die aufgenommenen Schüler*innen mitbrin-
gen. Dabei wird nach Schulform und Schuljahr differenziert. Es zeigt sich, dass Schüler*in-
nen, die auf eine öffentlich e Hauptschule in Köln übergehen, in der Regel auch eine
Hauptschulempfehlung mitbringen. In den betrachteten vier Jahren liegt der Anteil bei 76
bis 88%, wobei dieser kontinuierlich von 88 auf 84 auf 77 und zuletzt auf 76% gesunken ist.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
21
Weitere 7 bis 15% haben eine bedingte Realschulempfehlung. Weniger als 10% der Schü-
ler*innen haben eine Realschulempfehlung oder erhalten keine Empfehlung (bspw. Schü-
ler*innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf an Förderschulen) bzw. ein ent-
sprechender Eintrag ist in der Schulstatistik nicht hinterlegt.
Auch Schüler*innen die in eine Realschule aufgenommen werden haben über-
wiegend (63 bis 66%) eine entsprechende Empfehlung erhalten. Weitere 14 bis 17% ha-
ben eine bedingte Realschulempfehlung, 8 bis 9% eine Hauptschulempfehlung und weitere
6 bis 7% kommen mit einer bedingter Gymnasialempfehlung an die Realschulen. Einige we-
nige weitere Schüler*innen bringen eine Empfehlung für das Gymnasium oder keine Empfeh-
lung mit.
Die Gesamtschule, für die es keine eigenständige Empfehlung gibt, die aber alle
Bildungsgänge vereint, hat die heterogenste Zusammensetzung – legt man die Schul-
formempfehlungen als Maßstab zugrunde. Neben Schüler*innen mit einer Realschulemp-
fehlung, die mit 44 bis 46% den größten Anteil ausmachen, sind auch Schüler*innen mit an-
deren Empfehlungen vertreten: 11 bis 13% haben eine Hauptschulempfehlung, 9 bis 10% eine
bedingte Realschulempfehlung, 14 bis 17% eine bedingte Gymnasialempfehlung, 11 bis 13%
eine Gymnasialempfehlung und 4 bis 5% keine Empfehlung.
Ähnlich wie die Haupt- und Realschüler*innen bringt die überwiegende Zahl der
Schüler*innen an Gymnasien eine entsprechende bildungsgangbezogene Empfehlung
mit. 78 bis 81% der Gymnasiasten haben eine entsprechende Empfehlung erhalten. Wei-
tere 15 bis 16% Gymnasialschüler*innen eine bedingte Gymnasialempfehlung. Zusammen
macht dies im jeweiligen Jahr mindestens 94% aus. Die verbleibenden Schüler*innen haben
größtenteils eine Realschulempfehlung.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
22
Abbildung 9: Übergänge auf die öffentlichen weiterführenden Schulen nach Schulform, Schuljahr 2018/19 bis 2021/22
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: HS = Hauptschule, RS = Realschule, GE = Gesamtschule, GY = Gymnasium, Andere Schulformen: Förderschule (G/H).
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
23
Die bisherigen Auswertungen anhand der Schulstatistik zeigt, dass insb. Schüler*innen mit
einer (bedingten) Gymnasial - oder Hauptschulempfehlung, bildungsgangbezogen und
-konform übergehen. Lediglich die Realschulen und die Gesamtschulen weisen eine hetero-
gene Schülerschaft in Bezug auf die Empfehlung auf. Was die obigen Auswertungen jedoch
nicht zeigen ist, wie die Nachfrage nach Schulplätzen ist und wie und ob diese bedient werden
kann. Da hier die erfolgte Entscheidung untersucht wurde (der Übergang ist bereits erfolgt)
wird im nachfolgenden Abschnitt noch das das Angebot an und die Nachfrage nach Schulplät-
zen analysiert.
Schulplatznachfrage und -angebot
In Trägerschaft der Stadt Köln finden sich zum Schuljahr 2021/22 12 Hauptschulen, 18 Real-
schulen, 15 Gesamtschulen und 31 Gymnasien, die Schüler*innen in den 5. Jahrgang aufneh-
men. D.h. auslaufende Schulen werden nachfolgend nicht betrachtet. Welches Schulplatzan-
gebot die Schulen bis zu diesem Schuljahr hatten und wie dieses jeweils nachgefragt wurde,
wird nachfolgend – ebenfalls mit Daten der Schulstatistik und noch nicht mit Daten der Eltern-
befragung von4nach5 – untersucht.
Im ersten Schritt wird die gesamtstädtische Perspektive eingenommen, bevor im wei-
teren Verlauf schulform- und schulstandortbezogene Auswertungen erfolgen. Tabelle 1 zeigt
für die Schuljahre 2018/19 bis 2021/22 die jährlichen Kapazitäten, Anmeldungen, Aufnahmen
sowie die tatsächliche Schülerzahl in Jahrgangsstufe 5. Bei der Kapazität wird jene angege-
ben, d ie sich entsprechend der Zügigkeit der Schulen und des Klassenfrequenzrichtwerts
(KFRW) nach SchulG (vgl. VO zu § 93 Abs. 2 SchulG) ergibt. Dies ist die so genannte ‚Regel-
kapazität‘ und ex ante vorgegeben. Ist eine Hauptschule z.B. dreizügig , kann sie bei einem
KFRW von 24 Schüler*innen je Klasse bis zu 72 Schüler*innen aufnehmen. Realschulen, Ge-
samtschulen und Gymnasien haben einen KFRW von 27. Für die Gymnasien ist neben der
Regelkapazität auch die ‚realisierte Kapazität‘ dargestellt.4 Seit einigen Jahren wird in Köln für
die gymnasiale Aufnahmekapazität nicht mit dem KFRW von 27 sondern mit dem Klassenfre-
quenzhöchstwert (KFHW) von 31 Schüler*innen bei dreizügigen und 30 Schüler*innen bei vier-
oder mehrzügigen Gymnasien kalkuliert . Darüber hinaus werden m ögliche Klassenmehrbil-
dungen, also Klassenbildungen oberhalb der eigentlichen Zügigkeit, mit in die realisierte Ka-
pazität eingerechnet. Diese Ausnahmeregelung wird verfolgt, um zusätzliche Schulplätze zu
schaffen, damit die deutlich über dem Regelangebot liegende Nachfrage in Köln bedient wer-
den kann. Dies wird jährlich zwischen Schulträger und oberer Schulaufsicht in Vorbereitung
4 Für die Schulformen Hauptschule, Realschule und Gesamtschule entspricht die realisierte Kapazität der Regel-
kapazität. Etwaige Minderklassenbildungen durch zu geringe Nachfrage bleiben bei den nachfolgenden Aus-
wertungen unberücksichtigt.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
24
der kommenden Anmeldeverfahren festgelegt. Die Ausschöpfung der maximalen Bandbreiten
zur Klassenbildung (KFHW) wird seitens des Schulträgers Köln und der Schulaufsicht als tem-
poräre Maßnahme angesehen, um ein quantitativ ausreichendes Schulplatzangebot unterbrei-
ten zu können, bis die erforderlichen Schulbaumaßnahmen zur Erweiterung des Angebotes
umgesetzt sind. Als pädagogisch sinnvoll und unbedingt erstrebenswert wird aber der KFRW
von 27 angesehen. Insofern handelt es sich bei der realisierten Kapazität im Vergleich zur
Regelkapazität um die ex post Kapazität, die nach Ausschöpfung der KFHW und ergänzender
Maßnahmen des Schulträgers (Mehrklassenbildung) an Gymnasien unter großer Anstrengung
bereitgestellt werden kann.
Während die stadtweite Regelkapazität in den betrachteten Schuljahren zwi-
schen 7.914 und 7.974 Schulplätzen liegt, schwanken die Anmeldungen zwischen 8.581
und 9.009 (vgl. Tabelle 1). Setzt man die Zahlen ins Verhältnis, so liegen die Anmeldun-
gen zwischen 8 und 14% über der gesamtstädtischen Regelkapazität. Diese hohe Zahl
der Anmeldungen muss jedoch vor dem Hintergrund der vorgezogenen Anmeldungen für Ge-
samtschulen und neuen Gymnasien sowie möglichen Mehrfachanmeldungen eingeordnet
werden (vgl. dazu auch Abschnitt 3.1). Die tatsächlichen Aufnahmezahlen liegen in jedem der
betrachteten Jahre entsprechend unter der Zahl der Anmeldungen. Dennoch, werden die Auf-
nahmen der Regelkapazität gegenübergestellt wird ebenfalls deutlich, dass in den
Schuljahren 2018/19 und 2020/21 die gesamtstädtische Regelkapazität nicht ausge-
reicht hat, um alle Schüler*innen aufzunehmen. Vermutlich nur durch die Ausschöpfung
der maximalen Klassengröße und Mehrklassenbildung an den Gymnasien konnte – bei einer
gesamtstädtischen Betrachtung – allen Schüler*innen erst ein Schulplatz angeboten werden.
Das reguläre Platzangebot ist somit insgesamt zu gering und wird darüber hinaus auch
auf Grund anderer Einflussfaktoren weiter reduziert. So liegt die Zahl der Schüler*innen in
Jahrgangsstufe 5 stets über der Zahl der Aufnahmen in die Jahrgangsstufe 5 – da hierbei z.B.
auch Seiteneinsteiger*innen, Querversetzungen und/oder Klassenwiederholungen berück-
sichtigt werden. Dadurch ist das Verhältnis Schüler*innen in Jahrgangsstufe 5 zu Aufnahmen
ebenfalls stets größer 1 und liegt zwischen 1.01 und 1.03. Dies ist ein weiterer Hinweis auf
eine stärkere Auslastung der Klassen bzw. größere Klassen als regulär vorgesehen.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
25
Tabelle 1: Verhältnis von Angebot und Nachfrage der öffentlichen weiterführenden Schulen,
Schuljahr 2018/19 bis 2021/22
Absolute Werte
Schuljahr Regelkapazität
Realisierte Ka-
pazität Anmeldungen Aufnahmen
Schüler*innen
in Jg. 5
2018 7.914 8.642 9.009 8.025 8.276
2019 7.920 8.517 8.581 7.829 8.070
2020 7.920 8.535 8.911 7.998 8.113
2021 7.974 8.625 8.589 7.797 7.918
Verhältnisse
Schuljahr
Anmeldungen /
Regelkapazität
Anmeldungen /
Aufnahmen
Aufnahmen /
Regelkapazität
Schüler*innen
in Jg. 5 / Auf-
nahmen
2018 1.14 1.12 1.01 1.03
2019 1.08 1.10 0.99 1.03
2020 1.13 1.11 1.01 1.01
2021 1.08 1.10 0.98 1.02
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik;
eigene Berechnung.
Hinweise: Nur weiterführende Schulen der folgenden Schulformen: Hauptschule, Realschule, Gesamtschule, Gym-
nasium. Etwaige Minderklassenbildungen an Haupt- und Realschulen bleiben unberücksichtigt.
Gesamtstädtisch, über alle Schulformen und Schulen hinweg, ist somit kein quantitativ ausrei-
chendes Schulplatzangebot vorhanden. Übernachfragen, insb. nach Gymnasialschulplätzen,
können nach Aussagen des Schulträgers aktuell nur durch die zusätzlichen Anstrengungen
(Mehrklassenbildung und Ausreizen der Klassenstärke) bedient werden. Insofern ist zu ver-
muten, dass nicht nur die Übernachfrage sondern auch der Unmut bezüglich des Anmelde -
und Aufnahmeverfahrens (vgl. Abschnitt 3.1) durch bestimmte Schulformen (wie Gymnasien)
und/oder Schulen erklärt werden kann und andere Schulformen bzw. Schulen eher eine gute
Angebot-Nachfrage-Passung aufweisen. Dies soll im Folgenden überprüft werden.
Abbildung 10 bildet die Kapazitäten, Anmeldungen, Aufnahmen sowie Schüler*innen
in Jahrgangsstufe 5 nach Schulform ab. Die gesamtstädtische Kapazität der Hauptschulen
liegt jährlich deutlich über den Anmeldungen und Aufnahmen. Die Zahl der Schüler*innen
in Jahrgangsstufe 5 ist allerdings auch an den Hauptschulen durch z.B. Seiteneinsteiger*in-
nen, Querversetzungen und Klassenwiederholungen in allen Jahren größer als die Zahl der
Anmeldungen und Aufnahmen. Bei den Realschulen zeigt sich ein sehr ähnliches Bild .
Die Anmeldungen, Aufnahmen und die Zahl der Schüler*innen in Jahrgangsstufe 5 lie-
gen stets etwas unter der Kapazität. Diese Schulformen scheinen daher gesamtstädtisch
gut ausgelastet, aber auch nicht überlastet. Bei den Gesamtschulen und Gymnasien zeigt
sich jedoch eine deutliche Übernachfrage von jährlich ungefähr 1.000 bzw. 600 Plätzen,
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
26
wenn die Anmeldungen der Regelkapazität gegenübergestellt werden . Ob jedoch tat-
sächlich gut 1.000 Gesamtschulplätze fehlen, lässt sich durch das vorgezogene Anmeldever-
fahren für die Gesamtschulen im Rahmen dieser Auswertung nicht sagen (vgl. Abschnitt 3.1).
Durch das für die Gesamtschulen vorgezogene Anmeldeverfahren entsteht den Eltern kein
Nachteil, wenn sie ihr Kind zunächst an einer Gesamtschule anmelden und dann – sofern das
Kind nicht aufgenommen wird – an einer bildungsgangbezogenen weiterführenden S chule
(Gymnasium, Realschule oder Hauptschule). Insofern ist der große Nachfrageüberhang zu
einem unbekannten Anteil durch das Anmeldeverfahren und zu einem anderen ( eben-
falls unbekannten) Anteil durch die tatsächliche (hohe) Nachfrage determiniert.
Da die Kapazität der Gesamtschulen entsprechend limitiert ist und an Gesamtschulen
keine Mehrklassen gebildet werden, entspricht die Anzahl der Aufnahmen und die Zahl der
Schüler*innen in Jahrgangsstufe 5 ziemlich genau der Kapazität. Die Gesamtschulen sind
somit voll ausgelastet und vermutlich besteht eine Übernachfrage, deren Höhe sich
aber anhand der Anmeldestatistik nicht bestimmen lässt.
Bei den Gymnasien kann davon ausgegangen werden, dass die Zahl der Anmeldungen
der Nachfrage nach Gymnasialschulplätzen entspricht. Insofern sind die Gymnasien jedes
Jahr übernachgefragt. Betrachtet man das Verhältnis Anmeldungen zu Regelkapazität,
können gut 20% der Nachfrage nicht bzw. nur durch die Ausnahmeregelungen (Aus-
schöpfung der maximalen Klassengröße und Mehrklassen bildung) bedient werden.
Doch auch an dieser Stelle lässt sich nicht explizit schlussfolgern, dass tatsächlich rd. 600
Gymnasialschulplätze fehlen. Die Nachfrage nach Gymnasialschulplätzen kann auch durch
die hohe Ablehnungsquote der Gesamtschulen determin iert sein. So können z.B. Eltern von
Kindern mit einer Gymnasialempfehlung, die lieber eine Gesamtschule anwählen wollten aber
keinen Platz bekommen haben, nun einen Gymnasialplatz nachfragen gleichwohl sie keine
Präferenz für ein Gymnasium haben. Somit ka nn auch die Nachfrage nach Gymnasialschul-
plätzen nach oben verzerrt sein. Dies lässt sich jedoch anhand der vorliegenden amtlichen
Schulstatistik ebenfalls nicht überprüfen.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
27
Abbildung 10: Schulplätze, Anmeldungen, Aufnahmen und Schüler*innen in Jg. 5 an öffentlichen weiterführenden Schulen nach Schulform, Schuljahr
2018/19 bis 2021/22
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: Etwaige Minderklassenbildungen an Haupt- und Realschulen bleiben unberücksichtigt.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
28
In Abbildung 11 wird ergänzend überprüft, wie viele Schulen einer Schulform übernachgefragt
oder unternachgefragt sind. Denn auch bei einer gesamtstädtischen Passung für be-
stimmte Schulformen oder sogar einer Übernachfrage existieren ggf. einzelne
Haupt-, Real-, Gesamtschulen oder Gymnasien, die mehr als andere nachgefragt sind
oder die nicht oder nur wenig nachgefragt werden.
Um dies zu prüfen, wurde die Differenz der Regelschulplätze, d.h. unter Verwendung
des Klassenfrequenzrichtwerts, zu den Anmeldungen an öffentlichen weiterführenden Schulen
für jede Schule nach Schulform und Schuljahr bestimmt. In dieser Auswertung werden insge-
samt sechs Schuljahre ab 2016/17 bis 2021/22 betrachtet. Vor allem für die Hauptschulen (vgl.
Abbildung 11 a) und Gesamtschulen (vgl. Abbildung 11 b) bestätigt sich der Eindruck aus
Abbildung 10; die Kapazität der Hauptschulen ist auch einzelschulisch betrachtet nicht
ausgelastet. Die Gesamtschulen haben hingegen mit wenigen Ausnahmen über die
Jahre hinweg eine Nachfrage, die ihre Kapazität überschreitet. Bei Realschulen und Gym-
nasien zeigt sich hingegen ein differenziertes Bild. Gleichwohl die Realschulen gesamtstäd-
tisch nicht zu 100% ausgelastet sind (vgl. dazu Abbildung 10) existieren einzelne Schulen,
die stark übernachgefragt sind. Gleichzeitig existieren aber auch Realschulen, bei denen
die Zahl der Anmeldungen unter der möglichen Regelkapazität liegt (vgl. Abbildung 11 b), d.h.
die Nachfrage nach diesen Schulen ist eher gering . Von besonderem Interesse sind die ein-
zelschulischen Ergebnisse für Gymnasien. Sie zeigen zum einen deutlich, dass die Nachfrage
an den meisten Gymnasien das reguläre Angebot jedes Jahr deutlich übersteigt ( vgl. Abbil-
dung 11 d) und die Maßnahmen des Schulträgers (Ausschöpfung der maximalen Klassen-
größe und Mehrklassenbildung) erforderlich sind, um möglichst viele Kinder am Gymnasium
aufzunehmen. Gleichzeitig zeigt sich auch, dass, wie bei Realschulen, einzelne Schulen exis-
tieren, die in den entsprechenden Schuljahren nicht so stark nachgefragt waren. Die einzel-
schulischen Ergebnisse nach Schulform stützen somit die Vermutung, dass es einzelne
Schulformen (insb. Gesamtschule und Gymnasium) und einzelne Schulen bestimmter
Schulformen (Gesamtschule, Realschule und Gymnasium) gibt, die bei den Familien
beliebt und nachgefragt sind, so dass die Ablehnung an dieser bestimmten Schulform oder
Schule zur Frustration führen kann.
Abbildung 12 zeigt die unterschiedlichen Nachfragesituationen noch einmal anhand ei-
ner Stadtkarte für das Schuljahr 2021/22. Die einzelnen Schulen sind regional verortet und in
Bezug auf die Schulform durch unterschiedliche Symbole und die Nachfrage durch unter-
schiedliche Farben markiert. Schulen mit einer Übernachfrage sind rot (Regelkapazität-Anmel-
dungen < -5), Schulen mit einem Überangebot grün ( Regelkapazität-Anmeldungen > 5) und
Schulen mit ungefährer Passung gelb markiert. Die Grenzen (-5 bis +5) sind hierbei aus Grün-
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
29
den der Übersichtlichkeit und Vergleichbarkeit gezogen worden – sie haben keine inhaltl i-
che/wertende Bedeutung. Am Beispiel des Gymnasiums ist eine Legende/Lesehilfe angege-
ben.
Es zeigt sich, dass bei den Gesamtschulen zum Schuljahr 2021/22 nur jene Ge-
samtschulen nicht übernachgefragt waren, die im Südwesten der Stadt liegen. Bei den
Realschulen und den Gymnasien zeigt sich kein eindeutiges Bild. Allerdings finden sich
gerade im Stadtbezirk Mülheim, Innenstadt und Kalk deutliche Unterschiede bei der
Nachfrage nach den dort vorhandenen jeweiligen Gymnasien. Im Stadtbezirk Kalk und
Porz zeigen sich unterschiedliche Nachfragen nach den dort verorteten Realschulen.
Die vorliegende Auswertung der Daten aus der Schulstatistik deutet damit erneut an,
dass eine differenzierte Analyse der Schulwahlentscheidungen erforderlich ist, um auch in der
Schulentwicklungsplanung die (wahren) Wünsche der Familien und die (wahre) Nachfrage be-
rücksichtigen zu können. Daher wurde in der Stadt Köln eine Elternbefragung durchgeführt
deren Ergebnisse im Folgenden berichtet werden.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
30
Abbildung 11: Differenz der Regelschulplätze zu den Anmeldungen an öffentlichen we iterführenden Schulen je Schule nach Schulform, Schuljahr
2016/17 bis 2021/22
(a) Hauptschule (b) Realschule
(c) Gesamtschule (d) Gymnasium
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: Bei Werten <0 gibt es mehr Anmeldungen als Schulplätze.
3. Übergang in die Sekundarstufe I in der Stadt Köln
31
Abbildung 12: Differenz der Regelschulplätze zu den Anmeldungen an öffentlichen weiterfüh-
renden Schulen je Schule nach Schulform, Schuljahr 2021/22
(a) Hauptschule (b) Realschule
(c) Gesamtschule (d) Gymnasium
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Offene Daten Köln, z.T. eigene Georeferenzierung; eigene Berechnung, eigene Darstellung .
Hinweise: Nur allgemeinbildende Schulen, die Schüler*innen zum Schuljahr 2021/22 aufgenommen haben.
4. Elternbefragung von4nach5
33
4 Elternbefragung von4nach5
Konzeption der Online-Befragung
Die Elternbefragung von4nach5 wurde als Vollerhebung in Form einer Online-Umfrage konzi-
piert. Zur Teilnahme aufgefordert waren alle Eltern bzw. die im Schwerpunkt mit der Erziehung
des Kindes befassten Personen von Grund- und Förderschüler*innen im Primarbereich, die
eine Schule in Köln besuchen. Im Unterschied zu vorangegangenen Elternbefragungen in der
Stadt Köln (vgl. Stadt Köln 2012, 2009) wurden alle Klassen des Primarbereichs einbezogen.
Ziel der Elternbefragung war es, Aufschluss über das elterliche Schulwahlverhalten im Über-
gang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I in Köln zu erlangen.
4.1.1 Theoretischer Rahmen
Dem in der Praxis für die Bildungsplanung re levanten Nachfrage-Konzept (engl.: social -de-
mand-approach) folgend, wurden in der Umfrage die individuellen Bildungswünsche abgefragt,
die dann in die Schulentwicklungsplanung einfließen sollen. Denn sind elterliche Wünsche be-
kannt, können sie die Schulentwicklungsplanung, die üblicherweise auf Prognosen zu Bevöl-
kerungsentwicklung und Übergangsquoten basiert, sehr gut ergänzen.
Der Fragebogen wurde daher so konzipiert, dass er das elterliche Schulwahlverhalten
möglichst gut abbildet. In der Konzeption der B efragung orientiert sich die Umfrage stark an
Mahr-George (1999). Hier werden insbesondre die Reproduktionstheorie und der Rational -
Choice-Ansatz als Grundlage der Nachfrageentstehung fokussiert. Eine Reihe von Einfluss-
faktoren auf die Bildungsaspiration der Eltern lassen sich aus dem Reproduktionsansatz (vgl.
Bourdieu 1973) ableiten. Nach diesem sind sowohl die Chancen der individuellen Zielerrei-
chung wie auch die Zielsetzung selbst abhängig von der ökonomischen und kognitiven inkl.
affektiven Ausstattung und der Kultur des familiären Umfeldes. Dieser Ansatz kann das insb.
in Deutschland beobachtbare Phänomen der intergenerationalen Statusimmobilität gut erklä-
ren, d.h. dass der individuelle Bildungsweg und -erfolg stark von der sozialen Herkunft der
Eltern abhängt. Der Einfluss der sozialen Herkunft kann sich in der schulischen Leistung des
Kindes, der Einstellung gegenüber Schule und deren Relevanz für den späteren Lebensweg
des Kindes und dem Wunsch nach Statuserhalt zeigen. Diese Einstellungen stehen in einem
positiven Verhältnis zur Ausstattung an kulturellem Kapital (vgl. Bourdieu 1983). Somit hat die
familiäre Ausstattung an kulturellen Kapital nach Mahr-George (1999) einen positiven Einfluss
auf die Grundschulempfehlung, auf die Bildungsaspiration der Eltern, auf die Schulwahl der
Eltern und auf die durch die Eltern als relevant erachteten Schulwahlkriterien. Im Einzelnen
stellt sich der Zusammenhang wie folgt dar (vgl. Mahr -George 1999, S. 56): Die Ausstattung
4. Elternbefragung von4nach5
34
der Herkunftsfamilie hat einen direkten Effekt auf das Herausbilden von Fähigkeiten und Ein-
stellungen des Kindes, die wiederum einer guten schulischen Leistung förderlich sind (indirek-
ter Effekt). Diese Fähigkeiten können kognitiver Art sein, indem das Kind im Hinblick auf für
die Schule relevanten Fragestellungen unterstützt und vorbereitet wird. Gleichzeitig wird die
Einstellung des Kindes gegenüber Schule positiv beeinflusst, Schule bzw. Bildung gelten als
wichtig und erstrebenswert. Hieraus folgt eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer guten Grund-
schulempfehlung. Die schulische Leistung unterliegt zudem einem direkten Effekt durch die
Kapitalausstattung. Schulische Leistung des Kindes und erneut die Kapitalausstattung selbst
haben wiederum einen positiven Effekt auf die Bildungsaspiration. Gute Leistungen begründen
aus Sicht der Eltern einen hohen angestrebten Schulabschluss, der auch durch die gute Schul-
formempfehlung gestützt wird. Gleichzeitig wird auf Grund des gewünschten Statuserhalts der
Wunsch nach einem hohen Schulabschluss verstärkt und die vorgefasste Bildungsaspiration
bestätigt. Die Bildungsaspiration selbst ist nun wiederum direkter Prädiktor der Schulwahl.
Ergänzt werden oben genannte Betrachtungen durch die Theorie des Rationalen Wahl-
verhaltens (Rational-Choice-Ansatz). Basierend auf der Annahme, dass Haushalte auf Grund
der für sie optimalen Kosten-Nutzen-Relation entscheiden, benennt Mahr-George (1999) un-
terschiedliche Nutzenfaktoren bzgl. Bildungsgängen: Neben der Bildung als Selbstzweck, bei
der eine höhere Bildung ceteris paribu s zu einem höheren Nutzen führt, werden zudem die
berufliche und die soziale Verwertbarkeit genannt. Diese zielen zum einen auf den Bildungs-
abschluss als Anforderung des Arbeitsmarktes bzw. des Stellenprofils und zum andern auf
das mit dem Abschluss einher gehende gesellschaftliche Prestige; dem gegenüberstehende
Kosten sind zum einen materieller Natur, wie Ausgaben für Arbeitsunterlagen oder längere
Unterhaltszahlung sowie Opportunitätskosten auf Grund von Lohnverzicht wegen schulischer
Begleitung, oder imm aterieller Art, wie Risiko, Rechtfertigungsdruck oder Statusverlust (vgl.
Mahr-George 1999, S. 65 f.) Der Rational -Choice-Ansatz ermöglicht es, Unterschiede im
Wahlverhalten innerhalb von Gruppen gleicher sozialer Herkunft auf Grund individuell unter-
schiedlicher Wahrnehmung und Gewichtung von Kosten und Nutzen unter Bezugnahme von
variablen Faktoren wie Leistung zu erklären.
4. Elternbefragung von4nach5
35
4.1.2 Fragebogenaufbau und Befragungsablauf
Aus den oben genannten Betrachtungen ergibt sich unmittelbar der Aufbau des Fragebogens5:
Nach einem Begrüßungstext mit wesentlichen Informationen hinsichtlich des Zwecks der Um-
frage, Hinweise zur Anonymität und Datenschutz sowie Kontakt zur Projektgruppe gliedert e
sich die Umfrage in fünf thematische Blöcke:
A Fragen zum Kind (Klassenstufe; Gesc hwister; Alter; Geschlecht; im Schwerpunkt zu
Hause gesprochenen Sprache; sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf)
B Fragen zur besuchten Schule (Name der Grundschule/Förderschule; Länge des aktuellen
Schulwegs; Leistungsniveau der Schule; Interesse an Schule; schulische Leistung)
C Fragen zur Schulformwahl (angestrebter Schulabschluss; Informationsstand weiterführen-
den Schulen; Schulformempfehlung; gewählte Schulform; Relevanz der Mehrgliedrigkeit;
familiäre Relevanz von bzw. Einstellung zu Schule)
D Fragen zur Schulwahl (gewünschte Schule (Erst- bis Drittwunsch); Schulwahlkriterien)
E Fragen zu den Eltern (Wer hat den Fragebogen ausgefüllt?; Schulabschluss; Berufsab-
schluss; Einkommenszufriedenheit)
Ergänzt wurde der Fragebogen um zwei Fragen zur Corona-Pandemie (integriert in Themen-
bock A und Themenblock D), um die Effekte der Pandemie und der Schulschließungen auf
das Schulwahlverhalten abzubilden. Es wurde gefragt, ob auf Grund der pandemischen Be-
dingungen ein Schuljahr freiwillig wiederholt wurde. Die zweite Frage untersuchte den Einfluss
der Pandemie auf die Schulformwahl.
Grundsätzlich erfolgte der Fragebogenaufbau und die Itemauswahl in enger Anlehnung
an die Studie von Mahr-George (1999). Ergänzt und systematisiert wurde der Bereich der el-
terlichen Motive zur Schulwahl durch die in Clausen (2006, S. 76) genutzte Kategorisierung
und die Abfrage elterlicher Einstellung zu Schule und die Kosten und Nutzen von Bildung durch
Kleine, Paulus & Blossfeld (2009). Zudem erfolgte ein Abgleich von Formulierungen mit de m
Sozioökonomischen Panel (SOEP) des DIW.
Als Ergänzung zur Elternbefragung wurden Interviews mit zwei Schulleitungen durch-
geführt. Die Schulleitungen wurden befragt, um die Perspektive der Schulen auf das Thema
Schulwahl zu verstehen und um die Ergebnisse der Elternbefragung besser einordnen zu kön-
nen – insb. vor dem Hintergrund, dass bildungsfernere Familien vermutlich seltener an Befra-
gungen teilnehmen. Daher fiel die Wahl auf eine Grundschule in einer sehr hohen Sozialin-
dexstufe und eine Grundschule in einer mittleren Sozialindexstufe.6
5 Die Umfrage wurde in LimeSurvey umgesetzt, ein Umfrage-Tool, das seitens der Bergischen Universität Wup-
pertal zur Durchführung von Online-Umfragen den Studierenden wie Lehrenden und Forschenden zu Verfügung
gestellt wird. LimeSurvey wird von vielen Hochschulen in Deutschland genutzt.
6 Der Sozialindex identifiziert den Unterstützungsbedarf von Schulen, der sich auf Grund der sozialen Zusam-
mensetzung der Schüler*innen einer Schule ergibt und wird schulscharf für alle öffentlichen allgemeinen Schu-
len (Primar- und Sekundarbereich) berechnet (Schräpler & Jeworutzki 2021, S.1). Die Autoren legen die vier
Faktoren Kinder- und Jugendarmut, Schülerinnen und Schüler mit vorwiegend nichtdeutscher Familiensprache,
4. Elternbefragung von4nach5
36
Fragen je Fragenblock
Fragenblock A der Elternbefragung von4nach5 erfasste den soziodemografischen Hintergrund
des Kindes. Hierzu gehören das Alter und das Geschlecht, sowie die Anzahl der Geschwister.
Diese Informationen sind bereits für sich genommen relevant und helfen zudem, die Reprä-
sentativität der Umfrage zu prüfen (vgl. dazu Abschnitt 4.2). Auch können so Antworten auf
Plausibilität geprüft werden. Ein Beispiel ist der Vergleich von Alter und besuchter
Klasse(nstufe). Darüber hinaus stehen die Variablen in einem direkten Zusam menhang mit
dem elterlichen Schulwahlverhalten. So zeigen die Interviews mit Schulleitungen, dass es
nach wie vor Unterschiede in der elterlichen Bildungsaspiration in Abhängigkeit des Ge-
schlechts des Kindes gibt (vgl. dazu auch Anhang C - Interviews). Ferner steigt mit der be-
suchten Klasse(nstufe) die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern bereits eine Schulformwahl getrof-
fen haben. Auch Geschwister haben einen Einfluss auf die Schulwahl . Die Frage nach dem
Migrationshintergrund bzw. der kulturellen Nähe wurde in der Umfrage mit der Frage nach der
zu Hause im Schwerpunkt gesprochenen Sprache abgefragt. Mehrfachnennungen, also meh-
rere, zu gleichen Teilen, zu Hause gesprochenen Sprachen (die einen sehr geringen Teil des
Samples ausmachen) waren zugelassen. Fragen zu einem Sonderpädagogischen Unterstüt-
zungsbedarf wurden ebenfalls gestellt und durch entsprechende Filterfragen detaillierter ab-
gebildet.
Fragenblock B thematisierte die besuchte Grundschule/Förderschule. In diesem Be-
reich wurden mehrere Fragen zum Thema sc hulische Leistung gestellt, die eine wesentliche
Determinante elterlicher Bildungsaspiration und damit der Schulformwahl sein sollte (Rational-
Choice-Ansatz, vgl. Abschnitt 4.1.1). In den Block zu den Leistungsabfragen gehört insb. auch
die Frage nach der Schulformempfehlung. Da an der Befragung aber Eltern aller Jahrgänge
der Primarstufe teilnehmen sollten, z.B. auch Eltern von Kindern in der Schuleingangsphase,
wurde zunächst auf andere Leistungsindikatoren zurückgegriffen. Hierzu wurde das Interesse
des Kindes an Schule im Allgemeinen erfragt und die Eltern wurden gebeten die schulische
Leistung ihres Kindes auf einer Skala von sehr gut (1) bis mangelhaft (5) einzuordnen. Zudem
wurden die Eltern um eine Einschätzung des Leistungsniveaus der besuchten Grund-
schule/Förderschule gebeten. Durch diese Abfrage kann ein möglicher Zusammenhang zwi-
schen dem allgemeinen Leistungsniveau der Grundschule/Fördersch ule und der elterlichen
Bildungsaspiration (Fragenblock C - angestrebter Bildungsabschluss) sowie der (gewünsch-
ten) Schulformwahl im Übergang zur Sekundarstufe I untersucht werden. Ein entsprechendes
Item wurde in Anlehnung an Mahr-George (1999) übernommen.
Fragenblock C bezog sich auf die Schulformwahl. Neben der gewählten/gewünschten
Schulform wurden hier die Schulformempfehlung und der Kenntnisstand bzgl. der einzelnen
mit eigenem Zuzug aus dem Ausland und mit sonderpädagogischem Förderschwerpunkt LSE zu Grunde. Auf
Schulen einer hohen Sozialindexstufe treffen die Faktoren stark zu, bei einer niedrigen Sozialindexstufe nicht.
4. Elternbefragung von4nach5
37
Schulformen abgefragt. Die Schulformempfehlung ist dabei nicht nur ein starker Proxy für Leis-
tung, sie ist auch ein guter Prädiktor für die Schulformwahl – dies zeigen bereits auch die
Auswertungen der Schulstatistik (vgl. Abschnitt 3.2 und 3.3). Die Interviews mit den Schullei-
tungen zeigen, dass die durch die Klassenleitung a usgesprochene Schulformempfehlung für
die Eltern von hoher Relevanz ist. Den Einschätzungen der Lehrer*innen wird in der Regel
gefolgt oder sie werden zumindest sehr ernst genommen, da die Klassenleitung selbst als
langjährige Begleitperson des Kindes wahrgenommen wird, oder weil die Eltern selbst keine
klare Vorstellung bzgl. der Unterschiede der Schulformen haben (vgl. dazu auch Anhang
C - Interviews). Deshalb ist auch die Frage nach dem Informationsstand bzgl. unterschiedli-
cher Schulformen wichtig. Da nicht nur Kinder der vierten Klasse in die Umfrage einbezogen
wurden, sondern aller Klassenstufen, musste die Frage nach der Schulformempfehlung etwas
offener gestellt werden und es wurde in den Klassenstufen 1 bis 3 nach der ‚erwarteten‘ Schul-
formempfehlung gefragt. Die Frage nach dem angestrebten Schulabschluss, die bewusst an
die Eltern der Kinder aller Klassenstufen gestellt wurde, gibt bereits zu einem sehr frühen Zeit-
punkt (z.B. erstes Jahr in der Schuleingangsphase) Aufschluss über Bildungsaspirationen und
damit Hinweise auf mögliche zukünftige Bedarfe an bestimmten Schulformen.
Augenscheinlich erfolgt die elterliche Schulformwahl in Abhängigkeit des bereits beste-
henden Angebots, also vor dem Hintergrund des aktuellen Schulsystems in der jeweiligen
Wohnumgebung oder Region. Dies entspricht in NRW und auch in Köln dem so g. ‚erweiterten
traditionellen Schulsystem‘, dass sich neben Förderschulen aus dem traditionellen 3 -Säulen-
System (Gymnasium, Realschule, Hauptschule) und der Erweiterung durch Schulforme n mit
mehreren Bildungsgängen, insb. Gesamtschulen, zusammensetzt. Es folgt also der Idee einer
traditionellen leistungsorientierten Aufteilung der Kinder auf möglichst homogene Lerngrup-
pen, ergänzt durch die Möglichkeit der Leistungsdurchmischung, z.B. an Gesamtschulen (vgl.
BMBF 2020). Dieses erweitere traditionelle System (das nicht zwingend die Gesamtschule
umfasst) findet sich heute in insgesamt sechs Bundesländern, Baden -Württemberg, Bayern,
Bremen, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Niederdachsen, während die anderen Länder der
Bundesrepublik ein (erweitertes) 2-Säulensystem eingeführt haben (vgl. ebenda). Für die vor-
liegende Elternbefragung wurde entschieden, Fragen zur Relevanz der vorhandenen Schul-
formen auf die aktuell in Köln vorhandenen Schulformen zu beziehen und nicht ein mögliches
2-Säulensystem explizit zu thematisieren. Ein entsprechendes Item wurde durch das WIB ent-
wickelt. 7
7 Bei der Item-Entwicklung entsteht an dieser Stelle ein Dilemma zwischen den Frageeigenschaften ‚Präzision‘
und ‚Einfachheit‘. Da die Suggestion eines alternativen Schulsystems ( z.B. 2-Säulen-System oder erweitertes
2-Säulen-System) sehr komplex ist, wurde letztlich zu Gunsten der Einfachheit der Frage auf Kosten der Präzi-
sion entschieden und lediglich die Wichtigkeit der Existenz aller derzeit in Köln angebotenen Schulformen des
traditionellen erweiterten Systems abgefragt.
4. Elternbefragung von4nach5
38
Fragenblock D zielte auf die Schulwahl ab und fragte nach der konkret gewünschten
bzw. angewählten Schule, wobei hier die Möglichkeit zur Angabe von Erst -, Zweit- und Dritt-
wunsch bestand. Zudem wurden die Eltern gebeten, auf einer 16 Items umfassenden Likert -
Skala anzugeben, wie wichtig ihnen bestimmte Merkmale der weiterführenden Schule für ihre
Wahl sind.
Der bewusst an den Schluss der Umfrage platzierte Themenblock E mit Fragen zu den
Eltern umfasste Fragen zu deren Schul- und Berufsausbildung und fragte nach Einkommens-
zufriedenheit. Die Formulierungen wurden in Teilen mit dem Sozioökonomischen Panel abge-
glichen oder daraus übernommen. Dabei wurden die Fragen so formuliert, dass sich die erzie-
hungsberechtigten Personen oder mit der Erziehung des Kindes befassten Personen ange-
sprochen fühlen, also nicht notwendigerweise nur die Eltern – auch wenn, wie bereits einlei-
tend erwähnt, aus Gründen der Einfachheit ausschließlich dieser Begriff im Kontext der Be-
richtslegung verwendet wird. Dieser Fragenblock enthält wesentliche Determinanten des Re-
produktionsansatzes bzw. Faktoren des Rational-Choice-Ansatzes (vgl. Abschnitt 4.1.1).
Fragetypen
Alle Fragen wurden je Fragenblock auf einer Seite angelegt und in der Regel als Pflichtfragen
hinterlegt, d.h. erst nach der Beantwortung aller Fragen konnten die Eltern zum nachfolgenden
Themenblock wechseln. Um übermäßige Abbrüche zu vermeiden, wurden den Eltern Antwort-
möglichkeiten wie ‚weiß nicht‘ als Exit-Strategie angeboten. Freitextfelder wurden in der Regel
vermieden und es wurde nur mit vorgegeben Antwortkategorien, zumeist realisiert in Form von
so g. Select-Box-Elementen, gearbeitet. Dies betrifft auch einfache Fragen, wie z.B. das Alter
des Kindes, um bspw. Tippfehler und unplausible Antworten zu vermeiden. Antwortkategorien
wurden, dort wo als sinnvoll erachtet, um die Kategorie ‚Andere(s),
nämlich ...‘ erweitert, um individuellen Besonderheiten entsprechen zu können. Meinungen
und Wünsche der Eltern wurden mittels fünfstufigen Likert-Skalen abgefragt. Damit lässt sich
eine Vielzahl von Einzelfragen gebündelt abfragen, ohne hohe Abbruchquoten zu erzwingen.
Ebenfalls zur Vermeidung hoher Abbruchquoten bzw. zur Gewährleistung möglichst weitge-
hend ausgefüllter Fragebögen wurde der Fragenblock zu den Eltern (Fragenblock E) an das
Ende des Fragebogens gesetzt, da die dort abgefragten Informationen erfahrungsgemäß als
sensibel wahrgenommen und ungern beantwortet werden.
Sprachliche Ausgestaltung und Kommunikation
Um den Zugang zu der Umfrage möglichst barrierearm zu gestalten, wurde der Fragebogen
durch die Stadt Köln gesichtet und Hinweise im Hinblick auf eine möglichst einfache Sprache
gegeben, die für die Gestaltung des Fragebogens der leichten Sprache vorzuziehen sei. Dies
4. Elternbefragung von4nach5
39
bedeutet, dass auf Satz - und Wortebene Vereinfachungen inhaltlicher, sprachlich-grammati-
kalischer und gestalterischer Art vorgenommen wurden. 8 Zudem konnten die Eltern bei der
Umfrage zwischen einer deutsch-, englisch-, türkisch- und arabischsprachigen Version wäh-
len, in denen alle Fragen und Antworten sowie sämtliche Zusatzinformationen und Erläuterun-
gen übersetzt waren. Für Fragen und Anmerkungen zur Befragung stand ein Team des WIB
den Eltern telefonisch zur Verfügung oder war unter einer zu diesem Zwecke eingerichteten
E-Mail-Adresse zu erreichen. Diese Informationen war en auf der Startseite der Online -Um-
frage genannt.
Pretest
Um die inhaltlichen und technischen Aspekte der Elternbefragung unter realistischen Bedin-
gungen zu testen, fand ein so g. Pretest statt. Dieser wurde vom 27. November 2021 bis zum
7. Dezember 2021 an zwei Gemeinschaftsgrundschulen in Köln durchgeführt. Ziel der Testung
war im Schwerpunkt die Überprüfung des technisch/administrativen Ablaufs – d.h. dass alle
Informationen über die geplanten Kanäle (z.B. Sekretariate Klassenleitungen) in geplanter
Form ihren Empfänger ( die Eltern) erreichen und dass die Umfrage technisch reibungsfrei
funktioniert – und die inhaltliche Verständlichkeit der Umfrage – d.h. dass die gestellten Fragen
auch tatsächlich korrekt verstanden werden. Es wurde jeweils eine Klasse pro Jahrgang ein-
bezogen und die Auswahl der Testklassen fand in Abstimmung mit den jeweiligen Schulleitun-
gen statt. Die Eltern wurden mittels eines durch das WIB vorbereiteten Schreibens, das ihnen
durch die Schulleitung zugestellt wurde, über den T estcharakter, den Mehraufwand und die
Freiwilligkeit der Teilnahme informiert. Der Pretest wurde erfolgreich abgeschlossen und
konnte durch die aufmerksame Begleitung der Schulleitungen den technischen Ablauf und die
Verständlichkeit der Umfrage nochmals optimieren.
Durchführung der Elternbefragung
Die Elternbefragung von4nach5 wurde am 11. Januar 2022 freigeschaltet und konnte ab die-
sem Zeitpunkt von den Eltern ausgefüllt werden. Eine besondere Herausforderung stellten
jedoch die pandemischen Verhältnisse dar, die zum Zeitpunkt der Umfrage herrschten. Dies
betraf zum einem die Grundschulen/Förderschulen, über die die Verteilung der Umfragezu-
gänge an die Eltern erfolgte (eine genaue Beschreibung der Kommunikationswege findet sich
in Anhang B – Konzeption de r Elternbefragung von4nach5), zum anderen aber auch die
Schulleitungen, Lehrerschaft und Sekretariate, die durch immer neue Corona-Regelungen und
8 Einfache Sprache folgt im Gegensatz zu leichter Sprache keinen strikten Regeln. Zu den fakultativen Vorgaben
des Amts für Integration und Vielfalt gehören bspw. auf Satzebene der logische Satzaufbau, Vermeid ung von
Zeitsprüngen, ein Gedanke pro Satz, Nutzung aktiver Verben, max. 18 -20 Wörter und max. ein Komma pro
Satz, Sprachniveau A2/B1; auf Wortebene die Verwendung von Bindestrichen bei langen, zusammengesetzten
Wörtern, die Vermeidung von Negationen und Fremdwörtern; auf Gestaltungsebene das Einfügen großzügiger
Absätze, die Verwendung klarer Schriftart und das Markieren wichtiger Wörter.
4. Elternbefragung von4nach5
40
Testvorschriften an Schulen stark überbelastet waren. Gleichzeitig waren viele Familien durch
Distanzlern-Regelungen, Quarantäne und Unterrichtsausfall sehr belastet. Trotz dieser extre-
men Umstände stellten sich die Grundschulen/Förderschulen als äußerst verlässliche und in-
teressierte Partner der Elternbefragung dar und haben diese in vollem Umfang unterstützt.
Auch seitens der Eltern war Interesse an der Umfrage vorhanden. Dies lag wahrscheinlich
teilweise auch an dem ‚spürbaren‘ Unmut (vgl. dazu Abschnitt 3.1) mit Blick auf das zeitlich
nach Abschluss der Elternbefragung startende Anmeldeverfahren für das Schuljahr 2022/ 23
in Köln.
Rücklaufquoten
Die Befragung wurde an insgesamt 172 Schulen (Grund- und Förderschulen, inklusive privater
Schulen) mit der Bitte um Weiterleitu ng an die Eltern versendet. 141 der 172 Schulen sind
Schulen in Trägerschaft der Stadt Köln. Von diesen 141 Schulen hat sich aus 129 mindestens
jeweils ein Elternteil an der Elternbefragung beteiligt. Dies entspricht einem Anteil von 91,5%
aller 141 öffentlichen Grundschulen. Aus welchen Schulen wie viele Fragebögen beantwortet
wurden zeigt Abbildung 13.9 Zu erkennen ist, dass sich die Schulen über das gesamte Stadt-
gebiet verteilen und Stadtteile unterschiedlicher Lebenslagen repräsentieren.
9 Die Beteiligung der Eltern aus privaten Schulen und Förderschulen ist verschwindend gering, daher werden nur
die öffentlichen Grundschulen dargestellt.
4. Elternbefragung von4nach5
41
Abbildung 13: Rücklaufquote je Schulstandort der öffentlichen Grundschulen
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik,
Offene Daten Köln und Elternbefragung von4nach5, z.T. eigene Georeferenzierung; eigene Berechnung, eigene
Darstellung.
Hinweise: Allgemeinbildende Schulen mit Schüler*innen zum Schuljahr 2021/22; BG = Bedarfsgemeinschaft, HH =
Haushalt.
Lt. amtlicher Schulstatistik besuchen zum Schuljahr 2021/22 40.658 Schüler*innen die Primar-
stufe an öffentlichen und privaten Grund - und Förderschulen in der Stadt Köl n (nachfolgend
Grundschüler*innen). Mit einer Beteiligung von 6.476 bei der Elternbefragung von4nach5 lie-
gen somit Informationen für 1 5,93% der Grundschüler*innen vor. 10 Von diesen 6.476 Frage-
bögen wurden 5.520 (85%) vollständig ausgefüllt.
Um die Befragungsergebnisse auswerten und interpretieren zu können, stellt sich je-
doch zunächst die Frage nach der Repräsentativität der Teilnehmer*innen. Daher werden zu-
nächst die Eigenschaften der Teilnehmenden mit den Eigenschaften aller Schüler*innen der
Primarstufe (im Folgenden auch als Grundgesamtheit bezeichnet) in Köln verglichen. Dazu
werden Informationen aus der Schulstatistik und Sozialrauminformationen der Stadtteile und -
10 Insgesamt wurde der Fragebogen 7.131 Mal angeklickt. 655 von 7.131 (9,19%) beendeten den Fragebogen
ohne Angaben zu machen bereits auf der ersten Seite.
4. Elternbefragung von4nach5
42
bezirke herangezogen. So können über- oder unterrepräsentierte Schüler*innengruppen ent-
sprechend geringer oder höher gewichtet werden um verwertbare Ergebnisse zu gewährleis-
ten.
Von den 6.476 Grundschüler*innen der Elternbefragung besuchen 44,18% die 1. oder
2. Klassenstufe oder die Schuleingangsphase (1. bis ggf. 3. Schuljahr), 26 ,56% die 3. bzw.
vorletzte Klassenstufe und 29,26% die 4. bzw. letzte Klassenstufe der Primarstufe. Im Ver-
gleich zur Grundgesamtheit (48,76%, 27,24% und 24,00%) sind die Schüler*innen der 4. Klas-
senstufe in der Befragung somit etwas überrepräsentiert und j ene in der 1. oder 2. oder der
Schuleingangsphase etwas unterrepräsentiert.
Bezogen auf das Geschlecht sind unter den Befragten 48,75% weiblich (49,13% in der
Grundgesamtheit) und somit repräsentativ bezogen auf dieses Merkmal. 19,21% der Befrag-
ten geben a n, dass sie neben Deutsch eine andere oder nur mindestens eine andere Ver-
kehrssprache zu Hause sprechen. In der Grundgesamtheit sind dies mit 36,07% hingegen fast
doppelt so viele.11
Aus der Angabe der aktuell besuchten Schule lässt sich auch der Schulträg er (Stadt
Köln/andere), die Schulform (Grundschule oder Förderschule), die Schulart (GGS oder andere
Form bzw. mit Bekenntnis), der Stadtbezirk (als Standort der besuchten Schule) und die So-
zialindexstufe der Schule ableiten und hinsichtlich des Rücklaufs und der Repräsentativität
untersuchen. Wie erwartet sind unter den Befragten vergleichsweise wenige, die eine private
Grund- oder Förderschule besuchen (0,58% zu 4,78% in der Grundgesamtheit). Gleiches gilt
für die Schulform. 0,78% der Grundschüler*innen b esuchen eine Förderschule (im Vergleich
zu 12,76% in der Grundgesamtheit). Bezogen auf die Schulart von Grundschulen zeigt sich in
der Befragung ein leichter Überhang von Grundschüler*innen, die eine Bekenntnisschule oder
eine andere als die Gemeinschaftsf orm besuchen. Dies trifft auf 35,14% der Befragten und
nur auf 30,00% der Grundgesamtheit zu.
Die Auswertung nach Stadtbezirken zeigt, dass die Anteile unter den Befragten mal
mehr und mal weniger der Verteilung der Grundgesamtheut entsprechen (Abbildung 14). So
werden in den Grundschulen des Stadtbezirks Chorweiler 8,36% aller Grundschüler*innen der
Stadt Köln beschult. In der Befragung sind nur 6,05% der Grundschüler*innen aus dem Stadt-
bezirk Chorweiler vertreten, d.h., diese Schüler*innen sind etwas unterrepräsentiert während
z.B. jene aus der Innenstadt etwas überrepräsentiert sind (10,89% im Vergleich zu 9,16% in
der Grundgesamtheit). Insgesamt haben sich überproportional viele Eltern aus Schulen der
Stadtbezirke Innenstadt, Rodenkirchen und Lindenthal beteiligt, proportional viele aus Schulen
11 Es muss jedoch auch berücksichtigt werden, dass diese Information in der Schulstatistik anders erfasst wird als
in der Elternbefragung.
4. Elternbefragung von4nach5
43
der Stadtbezirke Ehrenfeld und Nippes sowie unterproportional viele aus Schulen der Stadt-
bezirke Chorweiler, Porz, Kalk und Mülheim. Dem muss im Rahmen der nachfolgenden Aus-
wertung ebenfalls angemessen entsprochen werden.
Auch bezogen auf die Sozialindexstufe12 der besuchten Schule zeigen sich z.T. deutli-
che Abweichungen zur Grundgesamtheit (vgl. Abbildung 15), was jedoch auch an der geringen
Beteiligung von Förderschulkindern und Grundschüler*innen privater Schulen liegt. Während
in der Grundgesamthei t 13,40% (21,34%) der Schüler*innen der Primarstufe Grundschulen
der Sozialindexstufe 1 (2) besuchen sind es mehr als 19% (29%) unter den Befragten. Hinge-
gen zeigt sich in den mittleren Sozialindexstufen 3, 4 und 5 zur Grundgesamtheit eine pas-
sende Beteiligung.
Es ist somit davon auszugehen, dass sich trotz aller Mühen um eine heterogene Betei-
ligung, überwiegend Eltern von Kindern mit Deutsch als Verkehrssprache und günstigeren
Rahmenbedingungen beteiligt haben.
Um die Repräsentativität der Angaben sicherzustellen, werden die Antworten der 6.476
Grundschüler*innen daher nachfolgend gewichtet (vgl. dazu auch Anhang A - Hochrech-
nungsfaktoren) und entsprechend mit diesen Gewichten auf die Grundgesamtheit aller Kinder
in der Primarstufe hochgerechnet. Die in den nachfolgenden Abschnitten berichteten deskrip-
tiven und multivariaten Ergebnisse sind somit als Ergebnisse für die Grundschüler*innen der
Stadt Köln zu interpretieren. Abweichungen hiervon bzw. Einschränkungen werden an ent-
sprechender Stelle genannt. Denn die Gewichtung adjustiert die Antworten im Hinblick auf die
Population der Schüler*innen (d.h., Schüler*innen nach regionaler und demografischer Her-
kunft, z.B. Jahrgangstufe und Schulart) und nicht im Hinblick auf die Wünsche, Einstellungen
und Bildungsaspirationen der Eltern oder deren eigenen Bildungshintergrund – dafür bräuchte
es Kenntnisse zu individuellen Merkmalen aller Eltern in Köln.
12 Zur Definition der Sozialindexstufe sei auf Fußnote 6 auf S. 35 verwiesen.
4. Elternbefragung von4nach5
44
Abbildung 14: Schüler*innen nach Stadtbezirk der besuchten Grund - oder Förderschule, Be-
fragte und Grundgesamtheit des Schuljahres 2021/22
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5 , z.T. eigene Georefe-
renzierung; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: Fehlend zu 100% durch fehlende Angabe der besuchten Schule unter den Befragten.
Abbildung 15: Schüler*innen nach Sozialindexstufe der besuchten Grund- oder Förderschule,
Befragte und Grundgesamtheit des Schuljahres 2021/22
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: Für private Schulen und Förderschulen wird kein Schulsozialindex berechnet; Fehlen d zu 100% durch
fehlende Angabe der besuchten Schule unter den Befragten.
4. Elternbefragung von4nach5
45
Beschreibung der Kölner Grundschüler*innen und deren Eltern
Um einen Eindruck von den Grundschüler*innen, deren Eltern sowie der generellen ‚Stim-
mungslage‘ in der Stadt Köln zu erhalten, wurden bei der Elternbefragung von4nach5 einzelne
Fragen zum Kind, zur familiären Situation und zur Zufriedenheit z.B. mit der schulischen Leis-
tung des Kindes oder dem eigenen Einkommen gestellt. Ausgewählte Fragen und Antworten
darauf werden in diesem Abschnitt deskriptiv beschrieben (vgl. auch Tabelle 2). Dabei ist zu
beachten, dass hierbei alle 6.476 Fragebögen, also auch nicht vollständig ausgefüllte, berück-
sichtigt werden und sich die gewichteten Antwortanteile daher stets auf 100% summieren.
Das Ausfüllen des Fragebogens erfolgte zu einem überwiegenden Teil (knapp 60%)
durch die Mütter (vgl. Tabelle 2), in gut 12% der Fälle haben die Väter den Fragebogen aus-
gefüllt. Der Großteil der Eltern (62%) gibt als höchsten Schulabschluss Fachabitur/Abitur oder
einen mit diesem vergleichbaren Abschlu ss an. Auch für ihre*n Partner*in geben die Eltern
diesen Schulabschluss mit 54% am häufigsten an. Um die finanzielle Situation der Eltern ein-
schätzen zu können, wurden diese nach ihrer Einkommenszufriedenheit gefragt : 35% geben
an, mit dem Haushaltseinkom men eher zufrieden zu sein , die wenigsten (weniger als 2% )
geben an, sehr unzufrieden zu sein und 2% wollten diese Frage nicht beantworten.
Da sich die Befragung an alle Kinder im Grundschulalter richtete, sind die meisten Kin-
der entsprechend der Angaben i hrer Eltern im Alter zwischen 7 und 9 Jahren. Die meisten
Kinder haben zudem keine jüngeren oder aber keine älteren Geschwister. Einen festgestellten
sonderpädagogischen Förderbedarf haben, nach Angaben der Eltern, gut 5% der Grundschü-
ler*innen. Gut 4% aller Grundschüler*innen haben auf Grund der Corona -Pandemie freiwillig
ein Schuljahr wiederholt. Die meisten Grundschüler*innen haben aktuell einen Schulweg von
ca. maximal 2 km vom Wohnort zur Grundschule, nur ein sehr geringer Anteil muss Schulwege
von 5 km oder mehr in Kauf nehmen.
Die meisten Eltern schätzen die Anforderungen an ihr Kind in der besuchten Grund-
schule ähnlich den Anforderungen aller Grundschulen ein; jeder fünfte Elternteil als vergleichs-
weise (viel) höher. Die wenigsten Eltern denken, dass ‚ihre‘ Grundschule im Vergleich zu an-
deren Grundschulen geringere Anforderungen aufweist. Der überwiegende Teil der Eltern
(knapp 70%) bescheinigt seinem Grundschulkind ein (sehr) großes Interesse an Schule. Auch
hier sagen nur sehr wenige Eltern, dass Ihr Kind ein (sehr) geringes Interesse an Schule auf-
weist. Auch bei den bisherigen schulischen Leistungen des eigenen Kindes sind sich ca. drei
Viertel der Eltern einig: Das Kind wei st eine gute schulische Leistung auf. 27% schätzen die
Leistung sogar als sehr gut ein. Gut 3% der Eltern können dies noch nicht einschätzten.
4. Elternbefragung von4nach5
46
Tabelle 2: Beschreibung der Grundschüler*innen und der Eltern anhand ausgewählter Merk-
male
Frage
Antworten, Anteil
in Prozent (%)
Wer hat den Fragebogen ausgefüllt?
Mutter 59,38
Vater 12,26
Eltern gemeinsam 10,90
Andere (mit Angabe) 0,90
[fehlend, k.A., abgebr.]* 16,56
Welchen Schulabschluss haben Sie?
Falls Sie nicht alleinerziehend sind, beantworten Sie die folgenden Fragen bitte auch für Ihre*n Le-
benspartner*in. Falls Sie alleinerziehend sind, füllen Sie nur für sich aus.
Keinen Abschluss 1,42
Noch Schüler*in 0,30
Grundschulabschluss/Volksschulabschluss oder vergleichbarer Abschluss 0,39
Hauptschulabschluss/Realschulabschluss oder vergleichbarer Abschluss 16,47
Fachabitur/Abitur oder vergleichbarer Abschluss 62,06
Keine Antwort 2,03
Einen anderen (mit Angabe) 0,56
[fehlend, k.A., abgebr.] 16,76
Welchen Schulabschluss hat Ihr*e Partner*in?
Keinen Abschluss 2,24
Noch Schüler*in 0,27
Grundschulabschluss/Volksschulabschluss oder vergleichbarer Abschluss 0,98
Hauptschulabschluss/Realschulabschluss oder vergleichbarer Abschluss 19,23
Fachabitur/Abitur oder vergleichbarer Abschluss 54,35
Keine Antwort 5,90
Einen anderen (mit Angabe) 0,27
[fehlend, k.A., abgebr.] 16,75
Ganz allgemein gesprochen, wie zufrieden sind Sie mit Ihrem Haushaltseinkommen?
Sehr zufrieden 22,22
Eher zufrieden 35,41
Teils-teils 17,02
Eher unzufrieden 5,08
Sehr unzufrieden 1,59
Keine Antwort 2,10
[fehlend, k.A., abgebr.] 16,58
Wie alt ist Ihr Kind? Mein Kind ist ….
4 Jahre oder jünger 0,04
5 0,00
6 14,64
7 23,84
8 25,29
9 24,07
10 10,76
11 1,31
12 oder älter 0,05
Wie viele Geschwister hat Ihr Kind? Ältere Geschwister:
Keine 49,54
1 32,66
2 12,69
3 3,24
4 1,21
5 oder mehr 0,67
4. Elternbefragung von4nach5
47
Fortsetzung Tabelle 2
Wie viele Geschwister hat Ihr Kind? Jüngere Geschwister:
Keine 48,95
1 38,70
2 9,72
3 1,26
4 0,45
5 oder mehr 0,93
Besteht bei Ihrem Kind aktuell ein durch die Schulaufsichtsbehörde festgestellter sonderpädagogi-
scher Unterstützungsbedarf?
Ja 5,45
Nein 90,31
Weiß nicht 4,23
Hat Ihr Kind auf Grund der Corona-Pandemie ein Schuljahr freiwillig wiederholt?
Ja 4,17
Nein 95,83
Wie lang ist derzeit der aktuelle Schulweg Ihres Kindes in Metern [m] bzw. Kilometern [km]?
Wenn Sie die genaue Entfernung nicht kennen, schätzen Sie diese ungefähr ab.
Weniger als 500 m 26,86
500 m bis 1 km 34,66
1 km bis 2 km 18,79
2 km bis 3 km 6,65
3 km bis 4 km 3,61
4 km bis 5 km 1,94
Mehr als 5 km 3,80
[fehlend, k.A., abgebr.] 3,68
Wie hoch sind die Anforderungen an Ihr Kind in der Grundschule im Vergleich zu anderen Grund-
schulen?
Sehr hoch 3,49
Eher hoch 17,85
Mittel 34,22
Eher niedrig 4,18
Sehr niedrig 0,49
Weiß nicht 35,99
[fehlend, k.A., abgebr.] 3,78
Wie groß ist das Interesse Ihres Kindes an der Schule insgesamt?
Sehr groß 31,11
Eher groß 38,16
Mittel 22,86
Eher gering 2,80
Sehr gering 0,89
Weiß nicht 0,43
[fehlend, k.A., abgebr.] 3,74
Wie schätzen Sie die bisherige schulische Leistung Ihres Kindes auf einer Notenskala von 1 (sehr
gut) bis 5 (mangelhaft) ein?
1 (sehr gut) 26,91
2 (gut) 47,60
3 (befriedigend) 15,38
4 (ausreichend) 2,47
5 (mangelhaft) 0,47
Ist noch zu früh, das zu sagen 2,88
Weiß nicht 0,56
[fehlend, k.A., abgebr.] 3,73
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: *fehlend = Antwort fehlt, k.A. = keine weitere/spezifische Angabe gemacht, abgebr. = Befragung wurde
vor der Frage abgebrochen.
4. Elternbefragung von4nach5
48
Determinanten der Schulformwahl
Mittels der im vorausgegangenen Abschnitt erläuterten und durchgeführten Elternbefragung
von4nach5 können wichtige Erkenntnisse zur Schul(form)wahl in der Stadt Köln gew onnen
werden. Dazu werden die gestellten Fragen zunächst univariat, d.h., einzeln und für sich, und
bivariat, z.B. in Kombination mit dem Stadtbezirk oder anderen Aspekten ausgewertet, bevor
im Anschluss (vgl. Kapitel 5) weiterführende multivariate Ergebnisse, also Beziehungen zwi-
schen vielen verschiedenen Variablen beschrieben werden.
Während einige Antworten der Befragung bereits herangezogen wurden, um
Aussagen zum Rücklauf und zur Repräsentativität treffen zu können oder die Kinder
und Eltern zu beschreiben, bilden die Fragen zu der Einstellung der Eltern gegenüber
dem Schulsystem sowie zur Schulformempfehlung und Schulformwahl den inhaltlichen
Kern der Studie un d werden nachfolgend detailliert dargestellt. Ausgewählte Auswer-
tungen werden dabei auch differenziert nach Stadtbezirk und/oder Sozialindexstufe be-
trachtet.
Es ist anzunehmen, dass sich Wünsche, Einstellungen und Gründe für ein bestimmtes
Schulwahlverhalten innerhalb der Stadt unterscheiden und/oder von der sozialen Umgebung
der Schule abgängig sind, daher werden die Befragungsergebnisse auch nach diesen Kriterien
differenziert betrachtet. Abbildung 16 zeigt die Stadtbezirke und die jeweiligen öffentlichen
Grundschulen mit ihrer Sozialindexstufe und verdeutlicht, dass es nicht notwendigerweise eine
exakte Übereinstimmung zwischen dem Stadtbezirk und der Sozialindexstufe der Grundschule
gibt.
Bei der Interpretation der nachfolgenden Ergebnisse der Elternbefragung ist in diesem
Zusammenhang aber zu beachten, dass sich diese mit dem Grad der Differenzierung, z.B.
gewählte Schulform je Stadtbezirk, auf eine z unehmend kleiner werdende Untergruppe der
Befragten stützen. Dem kann auch durch die Gewichtung nicht gänzlich entgegengewirkt wer-
den. Das bedeutet, dass eine Betrachtung auf z.B. Stadtbezirksebene, so interessant sie sich
für die Schulentwicklungsplaner darstellt, mit entsprechender Vorsicht zu bewerten ist. Denn
durch die Gewichtung können für die Kölner Eltern als Ganzes belastbare Aussagen getroffen
werden – eine Repräsentativität für spezifische Untergruppen oder Untergruppen auf z.B.
Stadtbezirksebene kann nicht gänzlich hergestellt werden. Nichts desto trotz können solche
Betrachtung Schulentwicklungsplanern ers te wichtige Eindrücke über die Situation in den
Stadtbezirken vermitteln, die es durch anschließendes ‚genaueres Hinschauen‘ zu verifizieren
gilt.
4. Elternbefragung von4nach5
49
Abbildung 16: Öffentliche Grundschulen nach Sozialindexstufe und Stadtbezirk, Schuljahr
2021/22
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Offene Daten Köln, z.T. eigene Georeferenzierung; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: Allgemeinbildende Schulen mit Schüler*innen zum Schuljahr 2021/22; BG = Bedarfsgemeinschaft, HH =
Haushalt.
4.4.1 Bildungsaspiration, Bedeutung von Schulformen und Schulformwahl
Welche Schulform wählen Eltern beim Übergang ihrer Kinder in die Sekundarstufe I an
und warum? Die Antwort auf diese Frage – insb. im Hinblick auf die vorzuhaltenden Schul-
plätze je Schulform – ist für die Schulentwicklungsplanung (SEP) von wesentlichem Interesse
(vgl. auch Abschnitt 4.1.1). Allerdings wird diese Frage von den Eltern auch in Abhängigkeit
des vorherrschenden Schulsystems gegeben (vgl. Abschnitt 4.1.2). Um also die Motivation der
Eltern, sich für oder gegen eine bestimmte Schulform ode r Schule zu entscheiden, zu analy-
sieren, wurden die Eltern im Rahmen der Elternbefragung in dem Fragenblock zur Schulform-
wahl und Schulwahl (Fragenblock C und D, vgl. Abschnitt 4.1.2) nach ihren Wünschen und
Einstellungen gefragt. Diese Fragenblöcke beinhalten z .B. Fragen danach, wie wichtig den
Eltern einzelne Schulformen sind, wie gut sie sich über diese informiert fühlen und welchen
Schulabschluss sie für ihre Kinder anstreben. Darüber hinaus wurde auch gefragt, wie wichtig
ihnen einzelne Aspekte, wie z.B. der Schulweg oder die Qualität der Lehrkräfte, für die Wahl
einer bestimmten Schule sind. Diese Antworten dienen – neben der Frage nach der konkreten
4. Elternbefragung von4nach5
50
Wahl – als Hinweise dafür, warum sich Eltern für eine bestimmte Schulform und Schule ent-
scheiden. In Anlehnung an den theoretischen Rahmen sowie den Aufbau der Elternbefragung
von4nach5 (vgl. Abschnitt 4.1) werden die Antworten der Eltern nachfolgend ausgewertet.
Bildungsaspiration der Eltern
In einer ersten Frage wurden die Eltern gebeten anzugeben, welchen Schulabschluss
sie sich für ihr Kind wünschen. Dies kann bereits als ein erster guter Prädiktor für die
Wahl einer bestimmten Schulform dienen. Es zeigt sich, dass ein erheblicher Anteil der
Eltern bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt in der Schullaufbahn des Kindes eine Vorstellung
über den konkreten Bildungsweg hat und diesen in Form eines angestrebten Schulabschlus-
ses äußern kann (etwa 60% der Eltern). Dabei gibt mehr als die Hälfte aller Eltern (54%)
an, dass sie für ihr Kind die Allgemeine Hochschulreife, also das Abitur, anstreben. Mehr
als jeder vierte Elternteil konnte diese Frage aber auch noch nicht beantworten; 27% gaben
an, es sei noch zu früh, diese Aussage zu treffen. Zu vermuten ist, dass dies überwiegend auf
Eltern von Kindern der ersten Jahrgangsstufen zutrifft und weniger auf Eltern von Kindern, die
kurz vor dem Übergang stehen. Abbildung 17 zeigt daher den angestrebten Schulabschluss
für das Kind nach Klassenstufe des Kindes und bestätigt diese Vermutung. Ein Drittel der El-
tern der Kinder in der Schuleingangsphase möchte oder kann hierzu noch keine Aussage tref-
fen.
Über alle Klassenstufen hinweg zeigt sich, dass nur ein kleiner Ant eil einen Haupt-
schulabschluss oder die Fachhochschulreife (FHR) anstrebt. Hingegen steigt der Anteil derer,
die einen Realschulabschluss als auch das Abitur/die Allgemeine Hochschulreife (AHR) an-
streben über die Jahrgangsstufen: Streben in den unteren Jahrgängen 4% der Eltern einen
Realschulabschluss für ihr Kind an, so sind es im 3. Schulbesuchsjahr 5% und in Jahrgangs-
stufe 4 8%. Das Abitur/die Allgemeine Hochschulreife streben in den unteren Jahrgängen 50%
an, im 3. Jahrgang 56% und im 4. 57%.
Neben der frühen Bildungsaspiration und einer Präferenz für das Abitur als Ab-
schluss einerseits zeigt die Grafik andererseits, dass auch beim Übergang in die Se-
kundarstufe I, also in Klassenstufe 4., ein nicht vernachlässigbarer Anteil (20%) unter
den Eltern existiert, der sich hinsichtlich des angestrebten Schulabschlusses nicht fest-
legen kann oder möchte (‚noch zu früh, das zu sagen‘ bzw. ‚weiß nicht‘, 22%).
4. Elternbefragung von4nach5
51
Abbildung 17: Angestrebter Schulabschluss nach Klassenstufe
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: HS = Hauptschulabschluss, RS = Realschulabschluss, FHR = Fachhochschulreife, AHR = Allgemeine
Hochschulreife/Abitur, abgebr. = Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Wichtigkeit der Schulformen
Da sich Eltern vor dem Hintergrund der existierenden Schulstruktur für oder gegen einzelne
Schulformen und Schulen entscheiden, wurden die Eltern für alle in Köln vorhandenen öffent-
lichen weiterführenden Schulformen (Gymnasium, Realschule, H auptschule, Gesamtschule
und Förderschule) auch danach gefragt, wie wichtig es ihnen ist, dass diese jeweils angeboten
werden. Dabei antworteten die Eltern auf einer 5 -stufigen Likert-Skala von sehr wichtig bis
völlig unwichtig.
Abbildung 18 zeigt, dass aus Sicht der Eltern, alle Schulformen wichtig sind. Die
größte Bedeutung kommt dabei den Gymnasien zu. 52% der Eltern finden diese Schulform
sehr wichtig (++), weitere 21% eher wichtig (+). Somit ist es fast drei Viertel aller Eltern wichtig,
dass Gymnasien als weiterführende Schulform in Köln angeboten werden. Ebenfalls wichtig
sind den Eltern Gesamtschulen mit insgesamt 62% Zustimmung (42% sehr wichtig, 20%
eher wichtig). In Verbindung mit den Ergebnissen zur Bildungsaspiration, die deutlich in
Richtung Abitur zeigt, sind die Ergebnisse für diese beiden Schulformen somit plausi-
bel.
Die Ergebnisse zeigen aber auch deutlich, dass 47% der Eltern die Existenz von
Realschulen wichtig ist (24% sehr wichtig, 23% eher wichtig). Ebenfalls wird die Existenz
der Hauptschulen von gut einem Fünftel (21%) aller Eltern als wichtig oder sehr wichtig
eingeschätzt (++ und +). Auch ein Angebot reiner Förderschulen erachtet gut ein Drittel der
Eltern als wichtig (insgesamt 34%, zusammengesetzt aus 22% sehr wichtig und 12% eher
4. Elternbefragung von4nach5
52
wichtig). Die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems wird durch die Eltern also eher befür-
wortet als abgelehnt. Um Aufschluss über mögliche Gründe des elterlichen Befürwortens zu
erlangen, ob z.B. eine leistungsorientierte Aufteilung in homogenen Gruppen gewünscht ist,
sind jedoch weiterführende Analysen notwendig. Auch wenn dies im Rahmen der vorliegenden
Studie nicht explizit möglich ist, lassen weitere Auswertungen (vgl. Abschnitte 4.4.2 bis 4.4.5)
ggf. einige Rückschlüsse auf die Gründe zu.
Abbildung 18: Wichtigkeit der Schulformen
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Informationsstand zu den Schulformen
Ein Blick auf die Selbsteinschätzung hinsichtlich des Informationsstands zu den weiterführen-
den Schulformen zeigt, dass sich Eltern nicht über alle Schulformen ausr eichend informiert
fühlen (vgl. Abbildung 19). Eltern fühlen sich insb. über Gymnasien gut informiert (fast
50%), danach folgen die Gesamtschulen mit 33%, bei den Hauptschulen sind es nur 11%
und 5% bei den Förderschulen . Ob hierbei aber eine Bring - oder Holschuld vorliegt, lässt
sich nicht gesichert sagen. Entweder zirkulieren tatsächlich zu wenige Informationen über die
Schulformen unter den Eltern – und der Schulträger und die Schulaufsicht müssen hier nach-
steuern – oder Eltern holen sich die entsprechenden Informationen nicht ein, da sie sich z.B.
für die Schulform grundsätzlich nicht interessieren. Auch dieser Aspekt wird mit weiteren Aus-
wertungen (vgl. Abschnitte 4.4.2 bis 4.4.5) näher untersucht.
4. Elternbefragung von4nach5
53
Abbildung 19: Informationsstand zu den Schulformen
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: FS = Förderschule, GE = Gesamtschule, GY = Gymnasium, HS = Hauptschule, RS = Realschule , ab-
gebr. = Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Schulformempfehlung und Schulformwahl
Eltern bzw. ihre Kinder erhalten mit dem Halbjahreszeugnis der vierten Klasse eine Schulform-
empfehlung. In der Befragung sind die Eltern der Viertklässler*innen deshalb zum einen da-
nach gefragt worden, welche Schulformempfehlung die Klassenleitung ihrem Kind ausgespro-
chen hat und zum anderen, an welcher Schulform sie ihr Kind anmelden werden. Eltern der
anderen Jahrgänge wurden hingegen nach der erwarteten Empfehlung oder der wahrschein-
lichen Schulformwahl gefragt.
Wie die vorangegangenen Auswertungen und auch die Auswertungen der Schul-
statistik vermuten lassen, erhalten oder erwarten die meisten Eltern der Viertklässler*in-
nen eine gymnasiale Empfehlung für ihr Kind (55% in der Elternbefragung). 23% erhal-
ten oder rechnen mit einer Realschulempfehlung oder einer bedingten Gymnasialemp-
fehlung (RS+). Wiederrum fast die Hälfte (48 %) der Eltern wählen ein Gymnasium an,
jeder vierte Elternteil eine Gesamtschule. Ca. 20% der Eltern haben die Angabe nicht ge-
macht bzw. die Befragung abgebrochen (vgl. Abbildung 20 a). Werden die fehlenden Angaben
ausgeklammert (vgl. Abbildung 20 b), zeigt sich ein noch höherer Anteil an Gymnasialempfeh-
lungen und -übergängen. Auch ein vergleichsweise hoher Übergang auf die Gesamtschulen
ist dann zu beobachten. Es ist aber zu vermuten, dass Eltern von Kindern mit Gymnasialemp-
fehlung und Eltern, die Gesamtschulen anwählen, in der Befragung überwiegen und dass auch
die Gewichtung (vgl. Abschnitt 4.2) diesen Umstand nicht eliminieren kann. Es kann jedoch
auch ein Hinweis darauf sein, dass Eltern, die eine Real- oder Hauptschulempfehlung erhalten
haben oder diese Schulformen anwählen, sich seltener an der Elternbefragung beteiligt haben,
4. Elternbefragung von4nach5
54
da sie mit dem Übergangsverfahren insgesamt und dem vorhandenen Schulplatzangebot zu-
friedener sind.
Abbildung 20: Schulformempfehlung und Schulformwahl von Viertklässler*innen
(a) insgesamt
(b) ohne fehlende Werte
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: HS = Hauptschule, HS+ = Hauptschule - bed. Realschule, RS = Realschule, RS+ = Realschule - bed.
Gymnasium, GY = Gymnasium, GE = Gesamtschule , k.A. = keine Angabe , abgebr. = Befragung wurde vor der
Frage abgebrochen.
Abbildung 21 zeigt die Schulformwahl ergänzend insgesamt sowie nach Jahrgangsstufe, er-
neut unter Berücksichtigung der Umfrageabbrüche und fehlenden Antworten ( vgl. Abbildung
21 a) und ohne diese ( vgl. Abbildung 21 b). Unter (Ohne) Berücksichtigung der fehlenden
4. Elternbefragung von4nach5
55
Angaben und Abbrüche ist in stadtweiter Betrachtung festzuhalten, dass 47% (53%) der Köl-
ner Eltern aller Grundsch üler*innen als Schulform ein Gymnasium anwählen oder an-
wählen möchten, 17% (19%) eine Gesamtschule, 6% (7%) eine Realschule und weniger
als 1% (1%) eine Hauptschule; 17% (19%) sind unentschlossen.
Darüber hinaus fällt auf, dass ein großer Anteil der Eltern bereits in der Schuleingangs-
phase Angaben zu einer gewünschten Schulform m achen kann (ca. 60% (bzw. ca. 70%)):
Knapp jeder zweite Befragte in dieser Gruppe möchte sein Kind an einem Gymnasium anmel-
den, 13% (14%) an einer Gesamtschule und 5 (5%) der Eltern an einer Realschule. Ein
Wunsch zur Anmeldung an einer Hauptschule existiert kaum. Gleichzeitig wird aber auch deut-
lich, dass etwa 30% der Eltern von Kindern in der Schuleingangsphase keine Angaben zur
gewünschten Schulform machen können, da ihnen der Zeitpunkt hierfür noch zu früh er-
scheint.
Abbildung 21: Schulformwahl, insgesamt und nach Jahrgangsstufe
(a) insgesamt
4. Elternbefragung von4nach5
56
Fortsetzung Abbildung 21
(b) ohne fehlende Werte
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: HS = Hauptschule, RS = Realschule, GY = Gymnasium, GE = Gesamtschule , k.A. = keine Angabe ,
abgebr. = Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Einstellung zu Bildung und Schule
Um Erkenntnisse bzgl. der elterlichen Einstellung zu Bildung und Schule zu gewinnen, sind in
der Befragung vier Aussagen getroffen worden, zu denen die Eltern ihre persönliche Zustim-
mung/Ablehnung auf einer fünfstufigen Skala von stimme voll und ganz zu über stimme eher
zu über teils-teils bis hin zu stimme eher nicht zu und stimme gar nicht zu ausdrücken konnten.
Die Aussagen lauteten: 1.) Um beruflich Erfolg zu haben, ist eine hohe Schulbildung nötig. 2.)
Mit einem hohen Schulabschluss genießt man ein hohes Ansehen. 3.) Mein Kind soll in etwa
den gleichen Schulabschluss erlangen, wie wir ihn haben. 4.) Zur Unterstützung meines Kin-
des in der Schule wende ich (und/oder andere nahestehende Personen) in der Woche viel Zeit
auf.
Die folgende Abbildung 22 zeigt die Einschätzung der Eltern. Mehr als zwei Drittel
(70%) der Eltern stimmen der Aussage zu, dass eine hohe Schulbildung für beruflichen
Erfolg wichtig ist (37% stimmen voll und ganz zu, 32% stimmen eher zu). Ablehnung zu
dieser Aussage gibt es kaum. Ein ähnliches Antwortverhalten zeigt sich bei der Aussage, dass
mit einem hohen Schulabschluss ein hohes Ansehen einhergeht (60%). Mehr als der Hälfte
aller Eltern ist es wichtig, dass das Kind den gleichen Schulabschluss erlangt, wie ihn
die Eltern haben. 16% der Eltern antworten mit teils -teils, 11% stimmen eher nicht zu und
weitere 8% stimmen gar nicht zu. 42% der Eltern stimmen (voll und ganz) zu, dass sie viel Zeit
für die Unterstützung ihres Kindes in der Schule aufwenden, mehr als ein Viertel antwortet mit
4. Elternbefragung von4nach5
57
teils-teils und gut ein Fünftel stimmt nicht zu (14% stimme eher nicht zu, 7% stimme gar nicht
zu).
Erweitert wurde dieser Aussagenblock um eine Aussage zur finanziel len Belastung
durch die in der Schule anfallenden Kosten (Wortlaut: Die durch die Schule anfallenden Kosten
(Bücher, Schulmaterial, Ausflüge, …) empfinde ich als erhebliche finanzielle Belastung). Zu-
nächst wird deutlich, dass fast 60% der Eltern keinerlei finanzielle Belastung durch die Schule
empfinden (- und --) – in Teilen aber bereits gut jeder Sechste (18%, o). Es sollte festgehalten
werden, dass ungefähr jeder zwanzigste Elternteil der Aussage voll und ganz zustimmt (++),
dass die durch die Schule anfallenden Kosten als eine erhebliche finanzielle Belastung emp-
funden werden. Unter Hinzunahmen der einfachen Zustimmung (++ und +) liegt der Anteil bei
insgesamt 13% – bei einem Klassengrößenrichtwert von 23 Kindern entspricht dies gut drei
Familien pro Klasse.
Abbildung 22: Einstellung zu Bildung und Schule
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
4.4.2 Erklärungsansätze für die Befürwortung der Mehrgliedrigkeit
Entsprechend der Auswertungen in Abschnit t 4.4.1 zeigen Eltern durchaus ein Interesse an
einem mehrgliedrigen Schulsystem – zumindest wird die Mehrgliedrigkeit des Schulsystems
durch die Eltern eher befür wortet als abgelehnt. Welche Eltern sind es, die dem System
eher positiv gegenüberstehen; diejenigen, die die einzelnen Schulformen auch anwäh-
len wollen/werden oder sind andere Gründe mit dieser Einstellung korreliert?
4. Elternbefragung von4nach5
58
Abbildung 23 (Lesehilfe unterhalb der Abbildung) zeigt, dass der Wunsch für ein Ange-
bot an Hauptschulen (zweite Balkengruppe von rechts) überwiegend durch Eltern mit einem
Gymnasialwunsch getrieben wird. Die Hälfte aller Eltern der Kinder der ersten bis vierten
Klasse, die eine Existenz der Hauptschule als sehr wichtig erachten, haben eine Gymnasial-
empfehlung erhalten oder erwarten eine solche. Dieser Befund findet sich auch, wenn andere
Proxys für Bildungsaspiration zugrunde gelegt werden (Schulformwahl, gewünschte oder ge-
wählte Schule). Wählen die Eltern als Erstwunsch ein Gymnasium an oder möchten dies
tun, befürworten fast drei Viertel der Eltern die Existenz von Hauptschulen – hingegen
nur 52% eine Ges amtschule und 61% eine Realschule (jeweiliger ‚Erstwunsch-Balken‘,
grün eingefärbt). Auch Eltern mit Realschulambitionen ist ein Angebot der Hauptschule sehr
wichtig, insb. unter Eltern mit (erwarteter) Realschulempfehlung (etwa 11%). Erwähnenswert
an dieser Stelle ist zudem, dass sich auch unter Eltern mit einer Präferenz für die Gesamt-
schule Befürworter der Hauptschule finden: Unter allen Eltern, die ein Angebot an Hauptschu-
len für sehr wichtig erachten, hat ca. jeder fünfte eine Gesamtschule für den weiteren Bildungs-
weg des Kindes gewählt. Insgesamt legen diese Betrachtungen nahe, dass es einen Wunsch
zur Segregation innerhalb der Kölner Elternschaft gibt. Dieser ist ausgeprägt bei Eltern mit
gymnasialer Bildungsaspiration, aber auch in der Gruppe der Elt ern mit Gesamtschul - oder
Realschulpräferenz.
Bezüglich der Wichtigkeit der Realschulen ist das Bild differenzierter. Unter den
Eltern, die ein Angebot an Realschulen in der Kölner Schullandschaft als sehr wichtig
erachten, hat fast ein Viertel (22%) eine Realschulempfehlung ausgesprochen bekom-
men oder erwartet eine solche. Die Betrachtung der weiteren Maßzahlen, z.B. die (wahr-
scheinlich) gewählte Schulform ‚Realschule‘ (16%) und die tatsächliche Schulwahl ‚Real-
schule‘ bei den Erstwünschen (16%) legen nahe, dass ein Angebot an Realschulen nicht nur
aus Gründen der Segregation – wie es das Antwortverhalten der Eltern im Hinblick auf die
Hauptschule suggeriert – sondern zu einem nennenswerten Teil auch auf Grund eines Eigen-
werts der Schulform Realschule gewüns cht ist. Diese Ergebnisse bleiben stabil, auch wenn
die Betrachtung um Eltern erweitert wird, die ein Angebot an Hauptschulen als wichtig (in Er-
weiterung zu sehr wichtig) erachten (ohne Abbildung/Tabelle).
Darüber hinaus zeigt die Abbildung, dass unter den Befürwortern von Gesamtschulen
auch Eltern mit gymnasialer Bildungsaspiration sind: 41 bzw. 52% der Befürworter eines Ge-
samtschulangebots möchten oder werden ein Gymnasium als Schulform oder Schule für ihre
Kinder anwählen. Hingegen finden sich unter den Eltern, die ein Gymnasialangebot als sehr
wichtig erachten, wenige, die eine Gesamtschule wählen (9% bei Schulformwahl und 12% bei
Schulwahl). Ein Angebot an Gymnasien wird somit von Eltern mit einer Gesamtschulpräferenz
als eher unwichtig angesehen.
4. Elternbefragung von4nach5
59
Abbildung 23: Wichtigkeit der Schulformen (++) nach Schulformempfehlung, Schulformwahl
und Erstwunschschule
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweis: FS = Förderschule, HS = Hauptschule, HS+ = Hauptschule - bed. Realschule, RS = Realschule, RS+ =
Realschule - bed. Gymnasium, GY = Gymnasium, GE = Gesamtschule; Nur Eltern, denen die Existenz der jeweili-
gen Schulform (Gesamtschule, Gymnasium, Hauptschule, Realschule) ‚sehr wichtig‘ ist; Balken beruhen auf unter-
schiedlichen Stichprobengrößen.
Lesehilfe am Beispiel Gesamtschule (Balken 1 bis 3 von links): Die Balken betreffen nur Eltern, denen die Existenz
von Gesamtschulen sehr wichtig ist. Der erste Balken ist wie folgt zu interpretieren: Eltern, denen die Existenz einer
Gesamtschule sehr wichtig ist, erhalten zu 43% eine Empfehlung für ein Gymnasium und zu 15% für eine Real-
schule. Für den zweiten Balken gilt: Eltern, denen die Existenz einer Gesamtschule sehr wichtig ist, wähle n als
Schulform zu 34% eine Gesamtschule und zu 41% ein Gymnasium an. Für den dritten Balken gilt: Eltern, denen
die Existenz einer Gesamtschule sehr wichtig ist, wählen als konkrete Schule zu 42% eine Gesamtschule und zu
52% ein Gymnasium.
Eine weitere Betrachtung des mehrgliedrigen Schulsystems und der Nachfrage nach diesem
erfolgt nach Sozialindexstufe der besuchten Schule (vgl. Abbildung 24) und Stadtbezirk (vgl.
Abbildung 25). Den höchsten Zuspruch erhält die Hauptschule hier von Eltern, deren
Kinder eine Grundschule der Sozialindexstufe 7 oder 8 besuchen, also aus Grundschu-
len mit vielen Herausforderungen (vgl. Abbildung 24 a). Der Anteil derjenigen, die ein An-
gebot an Hauptschulen für sehr wichtig halten, liegt bei 20 %. Eine mögliche Erklärung kann
der Reproduktionsansatz bzw. der Einfluss von Peer -Gruppen liefern. So zeigt das Interview
mit der Grundschule in einer sehr hohen Sozialindexstufe (vgl. Anhang C), dass durchaus
Familien existieren, aus deren Sicht in sb. die Töchter ihrer Rolle und ihren Aufgaben in der
Familie am ehesten entsprechen können, wenn sie eine Hauptschule besuchen – auch bei
Vorliegen einer Realschulempfehlung. In den Sozialindexstufen 1 bis 4 spielt das Hauptschul-
angebot dafür eine eher untergeordnete Rolle und wird nur von gut jedem zehnten Elternteil
als sehr wichtig erachtet. Die Betrachtung nach Sozialindexstufen bestätigt den Eigen-
4. Elternbefragung von4nach5
60
wert der Realschulen. Abgesehen von der Sozialindexstufe 4 befürwortet über alle un-
teren Sozialindexstufen ein Anteil von gut 50% ein Realschulangebot (++ und +). Liegt
die Sozialindexstufe bei 5 oder mehr sind es sogar über 50%, in der Sozialindexstufe 7
und 8 sind es über 60%. Dies suggeriert, dass das Erlangen der Mittleren Reife auf der
Schulform Realschule einen gewünschten Bildungsweg darstellt. Interessant ist auch, dass
für die Sozialindexstufe 7 und 8 das Realschulangebot deutlich wichtiger ist als das
Gesamtschulangebot (vgl. Abbildung 24 b mit c).
Bei der Frage nach Gesamtschulen und Gymnasien (vgl. Abbildung 24 c und d) ist
zu beobachten, dass die Wichtigkeit (++ und +) dieser Schulformen mit der Sozialin-
dexstufe der Grundschule fällt. In den Sozialindexstufen 1 und 2 erachten über 80% der
Eltern ein Gymnasialangebot für (sehr) wichtig, in der Sozialindexstufe 5+6 sind es we-
niger als 70% und der Anteil derer, die mit ‚sehr wichtig‘ geantwortet haben, ist im Ver-
gleich zu Sozialindexstufe 1 und 2 um rd. 10 Prozentpunkte geringer. Damit bietet sich
die Sozialindexstufe als früher Prädiktor der elterlichen Bildungsaspiration an. Die Wichtigkeit
der einzelnen Schulformen variiert über die Sozialindexstufen der besuchten Grundschulen
und liefert auch für die Schulentwicklungsplanung erste gute Hinweise: Dort, wo die Lernaus-
gangslagen eher ungünstig sind (höhere Sozialindizes) werden Realschulen und, wenn auch
auf einem geringerem Niveau, Hauptschulen verstärkt nachgefragt.
4. Elternbefragung von4nach5
61
Abbildung 24: Wichtigkeit der Schulformen nach Sozialindexstufe
(a) Hauptschule (b) Realschule (c) Gesamtschule
(d) Gymnasium (e) Förderschule
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe - und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene
Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität , abgebr. = Befragung wurde vor der Frage abgebrochen; Schulen ohne
Sozialindexstufe sind Förderschulen und Schulen privater Träger.
4. Elternbefragung von4nach5
62
Abbildung 25 zeigt, wie wichtig den Eltern die Schulformangebote sind, wenn nach Stadtbe-
zirken differenziert wird. Dabei beschreibt der Stadtbezirk hier jeweils den Stadtbezirk der be-
suchten Grundschule des Kindes. Sicherlich ist die Attraktivität und Wichtigkeit der Schulfor-
men auf Stadtbezirksebene von deren Verfügbarkeit und Tradition getrieben. So existieren
Stadtbezirke, in denen die Eltern ein entsprechendes Anwahlverhalten zeigen (z.B. Lindenthal
mit vielen Gymnasien). Das Interview mit der Grundschulleitung im mittleren Sozial indexbe-
reich (vgl. Anhang C) zeigt aber auch, wie schnell sich ein solches Bild ändern kann. Durch
einen externen Schock (hier die Schließung einer Hauptschule) kommt es zu einer Nachfra-
geverschiebung hin zu Realschulen, die wiederrum ebenfalls von einer N achfrageverschie-
bung betroffen sind, hin zu Gesamtschulen. Dies stützt die Annahme, dass Eltern die Schul-
wahl weniger in Abhängigkeit der Schulform treffen als vielmehr in Abhängigkeit der (antizi-
pierten) sozialen Zusammensetzung der Schule.
Insgesamt wird das Angebot an Hauptschulen über alle Stadtbezirke hinweg als
weniger wichtig angesehen als das Angebot der anderen Schulformen. Dennoch erach-
tet in jedem Stadtbezirk jeder achte bis zehnte Elternteil das Angebot an Hauptschulen
als sehr wichtig (vgl. Abbildung 25 a [++]), mindestens wichtig ist es für ca. 20% der Antwor-
tenden (vgl. ebenda, [++ und +]). Realschulen sind insb. in den Stadtbezirken Chorweiler,
Porz und vor allem Kalk als Schulformangebot erwünscht. Im Letzteren erachten gut 60%
der Eltern ein solches Angebot als (sehr) wichtig (++ und +). Die Gesamtschulen werden ge-
genüber den Schulformen Haupt- und Realschule insgesamt als wichtiger angesehen, es gibt
aber auch hier deutliche Unterschiede zwischen den Stadtbezirken. So erachten 70% der
Eltern in Ehrenfeld das Gesamtschulangebot als (sehr) wichtig, gefolgt von Innenstadt,
Lindenthal, Chorweiler und Nippes (je knapp unter 70%), hingegen liegt der Anteil in
Porz bei nur gut 50%. Dort befindet sich zum Schuljahr 2021/22 auch nur eine Gesamtschule
im Vergleich zu drei Realschulen. Die Relevanz des Haupt-, Real- und Gesamtschulange-
bots wird folglich in Köln als sehr hoch eingeschätzt, ist aber nicht gleichve rteilt und
mit dem bereits vorhandenen Angebot korreliert. Das Gymnasium ist – aus Sicht der
Eltern – jedoch die wichtigste Schulform; dies ist bei der überproportionalen Teilnahme von
Eltern mit einer höheren Bildungsaspiration (vgl. Abschnitt 4.4.1) auch so zu erwarten und, wie
bereits erwähnt, durch die Gewichtung alleine nicht zu adjustieren. Dennoch findet sich Vari-
anz im Stadtgebiet: Im Stadtbezirk Lindenthal sind es knapp 86% der Eltern, die ein Angebot
an Gymnasien als (sehr) wichtig erachten (++ und +), in Chorweiler sind es nur gut 70%. För-
derschulen sind als eigenständige Schulform über fast alle Stadtbezirke von mindes-
tens jedem fünften Befragten erwünscht . In der Innenstadt, Rodenkirchen, Ehrenfeld und
Nippes sind es 40%, in Lindenthal findet sich der höchste Zuspruch für diese Schulform, mit
43%. Eltern aus Chorweiler und Porz zeigen den geringsten Zuspruch zu den Schulformen
4. Elternbefragung von4nach5
63
Förderschule und Hauptschule und damit die geringsten Tendenzen zur Befürwortung von
Mehrgliedrigkeit im Schulsystem.
4. Elternbefragung von4nach5
64
Abbildung 25: Wichtigkeit der Schulformen nach Stadtbezirk
(a) Hauptschule (b) Realschule (c) Gesamtschule
(d) Gymnasium (e) Förderschule
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georeferenzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr. = Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
4. Elternbefragung von4nach5
65
Wie bereits erwähnt, korreliert die Einstellung zu den Schulformen mit der Sozialindexstufe
der besuchten Schule des Kindes und dem Angebot im Stadtbezirk. Insofern zeichnet sich
bereits ab, dass die Varianz im Antwortverhalten von verschiedenen Motiven der Kölner
Eltern getrieben ist – insb. von vorhandenen Angeboten, Bildungsaspiration und Seg-
regationstendenzen. Abbildung 26 stellt die diskutierten Ergebnisse und Erke nntnisse auf
einer Karte dar. Je dunkler das Grün des jeweiligen Stadtbezirks, desto größer ist der Anteil
der Befürworter der jeweiligen Schulform. Der genaue Anteil ist zusätzlich als Zahlenwert ab-
gebildet, da die Farbgebung zwischen den Grafiken nicht vergleichbar ist.
Abbildung 26: Wichtigkeit der Schulformen (++ und +) nach Sozialindexstufe und Stadtbezirk
(a) Hauptschule
4. Elternbefragung von4nach5
66
Fortsetzung Abbildung 26
(b) Realschule
(c) Gesamtschule
4. Elternbefragung von4nach5
67
Fortsetzung Abbildung 26
(d) Gymnasium
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik,
Offene Daten Köln und Elternbefragung von4nach5, z.T. eigene Georeferenzierung; eigene Berechnung, eigene
Darstellung.
4.4.3 Erklärungsansätze für unterschiedliche Informationsstände zu den Schul-
formen
Die vorangegangenen Analysen haben gezeigt, dass die Wichtigkeit einzelner Schulformen
insb. mit der elterlichen Bildungsaspiration und Segregationstendenzen zusammenhängt.
Nachfolgend wird geprüft, warum sich Eltern nicht über alle Schulformen ausreichend infor-
miert fühlen (Selbsteinschätzung der Eltern) bzw. womit dies ggf. zusammenhängt.
Abbildung 27 zeigt, dass Eltern, die die Existenz von Hauptschulen als sehr wichtig
oder wichtig einschätzen (++ und +), am häufigsten angeben, sich über diese Schulform
ausreichend informiert zu fühlen. 20 bzw. 14% der Eltern stimmen dieser Aussage zu. Auch
für die anderen Schulformen, Realschule, Gesamtschule und Gymnasium zeigt sich ein
solcher Zusammenhang deutlich (vgl. Abbildung 27 b, c und d). Festzustellen ist aber, dass
sich der Zusammenhang nicht immer in Kombination einzelner Schulformen zeigt; je unwich-
tiger Eltern ein Gymnasium ist, desto häufiger geben sie an, sich über Gesamtschulen ausrei-
chend informiert zu fühlen (vgl. Abbildung 27 e). Ein Zusammenhang zwischen Realschulen
4. Elternbefragung von4nach5
68
und Gesamtschulen lässt sich jedoch nicht feststellen (vgl. Abbildung 27 f). Die Abbildungen
liefern somit Hinweise auf zwei Effekte.
1) Eltern informieren sich selbst eher über Schulformen, die ihnen wichtig sind
und die sie wahrscheinlich auch anwählen werden und befassen sich dann nicht näher mit
den anderen Schulformen – eine Bringschuld scheint hiermit also nicht notwendigerweise vor-
zuliegen (vgl. Abschnitt 4.4.1).
2) Gesamtschulen und Gymnasien scheinen für einen Teil der Eltern nicht sub-
stituierbare Schulformen zu sein – Gesamtschulen und Realschulen jedoch schon. Dies
lässt sich insb. im Zusammensp iel mit 1) in Abbildung 27 d, e und f ableiten. Eltern die dem
Gymnasium eine hohe Bedeutung beimessen , fühlen sich über diese Schulform informiert –
nicht aber über Gesamtschulen. Eltern, die dem Gymnasium keine hohe Bedeutung beimes-
sen fühlen sich nicht über Gymnasien informiert – dafür aber über Gesamtschulen. D.h., viele
der Eltern interessieren (und informieren) sich entweder für die eine oder die andere Schulform
– nicht über beide. Mit Blick auf die Realschulen zeigt sich aber, dass sich alle der Eltern,
unabhängig davon, wie wichtig sie Realschulen einschätzen, über Gesamtschulen gleich (gut
oder schlecht) informiert fühlen. D.h., für einen Teil der Eltern schei nen Real- und Gesamt-
schulen substituierbar zu sein.
Abbildung 28 bestätigt die Vermutungen; Eltern sind insb. über die Schulform infor-
miert, die sie wählen werden ode r für die sie eine Schulformempfehlung bekommen haben
bzw. erwarten. Eltern von Kindern mit (erwarteter) Gymnasialempfehlung fühlen sich am häu-
figsten nicht gut über Gesamtschulen informiert während sich Eltern mit (erwarteter) Real- oder
Hauptschulempfehlung in dieser Hinsicht nicht nennenswert voneinander unterscheiden (vgl.
Abbildung 28 f).
4. Elternbefragung von4nach5
69
Abbildung 27: Wichtigkeit der Schulformen und Informationsstand zu Schulformen
(a) Bedeutung der Hauptschule und Informa-
tionsstand zur Hauptschule
(b) Bedeutung der Realschule und Informati-
onsstand zur Realschule
(c) Bedeutung der Gesamtschule und Infor-
mationsstand zur Gesamtschule
(d) Bedeutung des Gymnasiums und Infor-
mationsstand zum Gymnasium
(e) Bedeutung des Gymnasiums und Infor-
mationsstand zur Gesamtschule
(f) Bedeutung der Realschule und Informati-
onsstand zur Gesamtschule
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität; Ja = Ich fühle mich über diese Schulform ausreichend informiert.
4. Elternbefragung von4nach5
70
Abbildung 28: Wichtigkeit der Schulformen und Schulformempfehlung bzw. -wahl
(a) Schulformwahl und Informationsstand zur
Hauptschule
(b) Schulformwahl und Informationsstand zur
Realschule
(c) Schulformwahl und Informationsstand zur
Gesamtschule
(d) Schulformempfehlung und Informations-
stand zur Realschule
(e) Schulformempfehlung und Informations-
stand zum Gymnasium
(f) Schulformempfehlung und Informations-
stand zur Gesamtschule
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: HS = Hauptschule, HS+ = Hauptschule - bed. Realschule, RS = Realschule, RS+ = Realschule - bed. Gymnasium, GY = Gymnasium, GE = Gesamtschule.
4. Elternbefragung von4nach5
71
4.4.4 Erklärungsansätze für die Schulformwahl
Die Analysen der Schulstatistik (vgl. Abschnitte 3.2 bis 3.4) legen nahe, dass die Schulform-
empfehlung die Eltern bzw. ihre Kinder am Ende der 4. Jahrgangsstufe erhalten, ein guter
Prädiktor für die Wahl der Schulform ist . Auch Abbildung 29 bestätigt dieses bekannte Bild;
Eltern halten sich überwiegend an die Schulformempfehlung. D.h., sie wählen entweder
eine Gesamtschule oder eine Schulform, die ihrem empfohlenen Bildungsgang ent-
spricht. Die Passung mit bildungsgangbezogenen Schulformen ist insb. bei de n Gymnasien
zu sehen.
Abbildung 29: Schulformwahl von Viertklässler*innen nach Schulformempfehlung
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: HS = Hauptschule, HS+ = Hauptschule - bed. Realschule, RS = Realschule, RS+ = Realschule - bed.
Gymnasium, GY = Gymnasium, GE = Gesamtschule, k.A. = keine Angabe.
Aber auch die elterliche Bildungsaspiration ist ein guter Prädiktor für die Schulform-
wahl. Abbildung 30 zeigt die Schulformwahl in Abhängigkeit des angestrebten Schulabschlus-
ses für die Kinder der 4. Jahrgangsstufe. Es zeigte sich bereits (vgl. Abschnitt 4.4.1), dass ein
erheblicher Anteil der Eltern schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt eine Vorstellung über den
Bildungsweg des Kindes hat und diese in Form eines angestrebten Schulabschlusses äußern
kann (etwa 70% der Eltern der Kinder in der 4. Jahrgangsstufe ). Ebenfalls ein großer Anteil
der Eltern wählt eine Schulform, die dem angestrebten Schulabschluss entspricht. So wählen
87% der Eltern, die das Abitur/die Allgemeine Hochschulreife (AHR) anstreben, das
Gymnasium oder die Gesamtschule an. Nur 3% der Eltern (zunächst) eine Realschule.
Eltern, die für ihr Kind einen Hauptschulabschluss anstreben, wählen hingegen zu 65%
eine Hauptschule – nur 9% eine Gesamtschule.
4. Elternbefragung von4nach5
72
Die Wahl der Gesamtschule dominiert unter den Eltern mit einem Wunsch nach einem
Realschulabschluss aber auch unter den Eltern mit dem Wunsch nach einer Fachhochschul-
reife (FHR). Daneben zeigt die Grafik aber auch, dass jene Eltern, die sich hinsichtlich des
angestrebten Schulabschlusses nicht festlegen können oder möchten (‚noch zu früh,
das zu sagen‘ bzw. ‚weiß nicht‘), eine hohe Nachfrage nach Gesamtschulen aufweisen.
Dies gilt auch für die Eltern der Kinder in den Jahrgangsstufen 1 bis 3 (vgl. Abbildung 31). Es
ist zu vermuten, dass sich dies aus den zahlreichen angebotenen bzw. möglichen späteren
Schulabschlüssen ergibt.
Abbildung 30: Schulformwahl von Viertklässler*innen nach angestrebtem Schulabschluss
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: y-Achse: HS = Hauptschulabschluss, RS = Realschulabschluss, FHR = Fachhochschulreife, AHR = All-
gemeine Hochschulreife; x-Achse: HS = Hauptschule, RS = Realschule, GY = Gymnasium , GE = Gesamtschule,
k.A. = keine Angabe.
4. Elternbefragung von4nach5
73
Abbildung 31: Schulformwahl bei unentschlossenen Eltern nach Jahrgangsstufe
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: HS = Hauptschule, RS = Realschule, GE = Gesamtschule, GY = Gymnasium, k.A. = keine Angabe.
Dargestellt sind nur die Antworten der Eltern, die bei der Frage nach dem angestrebten Schulabschluss mit ‚noch
zu früh‘ oder ‚weiß nicht‘ geantwortet haben.
Die nachfolgenden Abbildungen zeigen die Schulformwahl der Kölner Eltern nach Stadtbezirk
einmal für alle Klassenstufen (Abbildung 32 a und b) und einmal allein für die 4. Klasse ( Ab-
bildung 33 a und b). Natürlich gilt es hier zu beachten, dass sich der Wunsch, das Kind auf
eine bestimmte Schulform zu senden, gerade in den ersten Jahrgängen im Zeitverlauf verän-
dern kann und daher nur eine Momentaufnahme darstellt. Unabhängig davon zeigt aber so-
wohl die Betrachtung über alle Schüler*innen wie auch nur für die Viertklässler*innen eine
deutliche Varianz über die Stadtbezirke. Neben der unterschiedlichen Wichtigkeit der Existenz
von Schulformen (vgl. Abschnitt 4.4.2) variiert auch die Nachfrage nach den Schulformen
über die Stadtbezirke. Geradezu diametral stehen hier Lindenthal und Chorweiler zu einan-
der. Unter (Ohne) Berücksichtigung fehlender Antworten geben in Lindenthal 64% (68%)
der Eltern an, dass Sie ihr Kind an einem Gymnasium anmelden möchten. Gesamtschu-
len spielen hier mit 12% eine weiniger wichtige Rolle. Die Nachfrage nach Real - und
Hauptschulen ist hier ohne nennenswerte Bedeutung. Demgegenüber findet die Gesamt-
schule in Chorweiler mit 25% (28%) – wie auch in vergleichbarer Höhe in Ehrenfeld und
Mülheim – höchsten Zuspruch, das Gymnasium fragen hier 36% (40%) der Eltern nach,
während sich 10% (11%) für die Realschule entscheiden. Auffällig ist auch der Stadtbezirk
Porz, in dem Realschulen mit 14% (16%) ebenso nachgefragt werden wie Gesamtschu-
len mit 13% (15%). Insgesamt existiert im Osten von Köln eine nennenswerte Nachfrage nach
Realschulen. Im Nord-Westen der Stadt sind Gesamtschulen vergleichsweise beliebt. Die ex-
4. Elternbefragung von4nach5
74
klusive Betrachtung der 4. Klassen (vgl. Abbildung 33 a und b), die auf einen möglichen Ent-
scheidungswechsel in Laufe des Curriculums reagiert, repliziert im Kern die vorangegangene
Betrachtung aus Abbildung 32 a und b.
Abbildung 32: Schulformwahl nach Stadtbezirk, alle Jahrgänge
(a) insgesamt
(b) ohne fehlende Werte
Quellen: Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georeferenzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: HS = Hauptschule, RS = Realschule, GE = Gesamtschule, GY = Gymnasium, k.A. = keine Angabe ,
abgebr. = Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
4. Elternbefragung von4nach5
75
Abbildung 33: Schulformwahl nach Stadtbezirk, nur 4. Jahrgangsstufe
(a) insgesamt
(b) ohne fehlende Werte
Quellen: Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georeferenzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: HS = Hauptschule, RS = Realschule, GE = Gesamtschule, GY = Gymnasium, k.A. = keine Angabe,
abgebr. = Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Die Analysen zur Wichtigkeit der Schulformen, des Informationsstands und der Über-
gänge nach Schulformempfehlungen legen bereits nahe, dass bei Errichtung neuer
Schulen ein Gymnasium nicht ohne weiteres durch eine Gesamtschule zu substituieren
ist und vice versa. Dies zeigt auch die nachfolgende Betrachtung: Deutlich mehr als die Hälfte
der Eltern (56%), die im Erstwunsch ein Gymnasium wählen, halten im Zweitwunsch und zu
gut einem Drittel sogar im Drittwunsch (35%) am Gymnasium fest – sofern sie überhaupt einen
Zweitwunsch benennen können/wollen (vgl. Tabelle 3). Dabei unterliegt den ausgewiesenen
4. Elternbefragung von4nach5
76
Zahlen die Anwahl einer bestimmten Schule und nicht etwa generell einer Schulform. Vom
Erst- bis zum Drittwunsch ein Gymnasium anzuwählen deutet darauf hin, dass hier eine aus-
geprägte Präferenz für die Schulform Gymnasium vorliegt.
Tabelle 3: Anwahlverhalten bei einem gymnasialen Erstwunsch
Zweitwunsch Drittwunsch
Gymnasium 56,42% 34,73%
Gesamtschule 7,54% 7,64%
Realschule 3,41% 1,98%
Keine Angabe 32,54% 55,55%
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
4.4.5 Erklärungsansätze für die Einstellung zur Schule
Die Analysen des Abschnitts 4.4.2 zeigen, dass die Wichtigkeit einzelner Schulformen insb.
mit der elterlichen Bildungsaspiration und Segregationstendenzen zusammenhängt und dass
es teilweise deutliche Unterschiede nach Stadtbezirk und Sozialindexstufe gibt. Insofern ist
auch zu erwarten, dass sich die Einstellungen zur Bildung und Schule ebenfalls danach diffe-
renzieren lassen. So ist zu vermuten, da ss Eltern, z.B. je nach Sozialindexstufe der Grund-
schule, unterschiedlich viel Zeit für die Unterstützung ihrer Kinder aufwenden oder dem Re-
produktionsansatz (vgl. Abschnitt 4.1.1) zustimmen oder nicht. Dies wird nachfolgend genauer
untersucht.
Bei Betrachtung der durch die Eltern aufgewendeten Zeit zur Unterstützung nach Stadt-
bezirken (vgl. Abbildung 34) zeigt sich, dass diese in Chorweiler (56%) am größten und in der
Innenstadt ( 37%) am geringsten ist. In de r Summe aus stimme voll und ganz zu und
stimme eher zu wenden in Chorweiler, Porz und Kalk etwas mehr als die Hälfte der El-
tern nach eigener Aussage viel Zeit auf, gefolgt von Mühlheim und Nippes mit etwas mehr
als 40%. In den verbleibenden Stadtbezirken stimmen jeweils knapp unter 40% der Eltern
dieser Aussage zu (++ und +). Unterschiede zeigen sich auch bei einer differenzierten Be-
trachtung nach Sozialindexstufen der besuchten Grundschule (vgl. Abbildung 35). Grundsätz-
lich lässt sich ableiten, dass, je höher die Sozialindexstufe der besuchten Grundschule
ist, desto mehr zeitliche Unterstützung für die Kinder bringen die Eltern nach eigener
Aussage auf. In den höchsten Sozialindexstufen 7+8 sind es 58% der El tern (32% stimmen
voll und ganz zu, 26% stimmen eher zu), in der Stufe 1 37% (13% stimmen voll und ganz zu,
24% stimmen eher zu). Dies deutet zum einen auf ein aktives Bildungsstreben der Elternschaft
hin, die durch eine intensive Begleitung ihrer Kinder einen schulisch en Aufstieg ermöglichen
wollen. Eltern von Schülern einer Grundschule mit Sozialindexstufe 1 bis 4 investieren nach
eigener Aussage deutlich weniger Zeit in die schulische Bildung ihrer Kinder. Neben sozialer
4. Elternbefragung von4nach5
77
Erwünschtheit (social desirability), die das An twortverhalten in Umfragen verzerren
kann zudem angenommen werden, dass die familiäre Kapitalausstattung (vgl. Abschnitt
4.1.1) ein eigenständiges Zurechtkommen im schulischen Alltag des Kindes, eine güns-
tigere schulische Lernumgebung und/oder andere Unterstützungsangebote wie profes-
sionelle Nachhilfe, die Unterstützung durch die Eltern auf ein Mindestmaß reduzieren.
Abbildung 34: Zur Unterstützung des Kindes aufgewendete Zeit nach Stadtbezirk
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georefe-
renzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
4. Elternbefragung von4nach5
78
Abbildung 35: Zur Unterstützung des Kindes aufgewendete Zeit nach Sozialindexstufe
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Auch die Antworten auf die Fragen ‚Um beruflich Erfolg zu haben, ist eine hohe Schulbildung
nötig‘ und ‚Mein Kind soll in etwa den gleiche n Schulabschluss erlangen, wie wir ihn haben‘
werden nachfolgend differenziert nach Sozialindexstufe betrachtet. Abbildung 36 zeigt das
Antwortverhalten nach Sozialind exstufen für die erstgenannte Aussage. Über alle Sozialin-
dexstufen hinweg ist die Zustimmung auf einem recht hohen und konstanten Niveau, gut 70%
der Eltern stimmen der Aussage ( voll und ganz) zu. In den Sozialindexstufen 7+8 ist die Zu-
stimmung jedoch am höchsten, fast 80% der Eltern stimmen der Aussage ( voll und ganz) zu
(++ und +). Deutlich erkennbar ist somit, dass die Bedeutung der hohen Schulbildung
für den beruflichen Erfolg von Eltern an Grundschulen einer höheren Sozialindexstufe
als wichtiger anges ehen wird. Bildung scheint als Schlüssel für beruflichen und sozialen
Aufstieg erkannt zu werden. Gleichzeitig ist zu vermuten, dass die Anker bei den Befragten
über die Sozialstufen unterschiedlich gesetzt sind, d.h. es existieren unterschiedliche Auffas-
sung darüber, was als ‚beruflicher Erfolg‘ anzusehen ist. Dies zeigt sich auch eindrücklich,
wenn nur die höchste Zustimmung (++) betrachtet wird; mit steigender Sozialindexstufe steigt
der Anteil der Zustimmungen (positive Korrelation).
In Abbildung 37 wird das Antwortverhalten der Eltern im Hinblick auf den gleichen
Schulabschluss ausgewertet. Hier ist die höchste Zustimmung (++) über alle Sozialindexstufen
vergleichbar. So stimmen dieser Aussage 24% der Eltern von Grundschüler*innen an einer
Schule mit der Sozialindexstufe 1 voll und ganz zu, bei den So zialindexstufen 7+8 sind es
22%. Werden hingegen beide Zustimmungsanteile (++ und +) betrachtet, ändert sich das Bild.
4. Elternbefragung von4nach5
79
Hier zeigt sich ein zu Abbildung 35 umgedrehter Zusammenhang (negative Korrelation). Der
starke Wunsch zum ‚Statuserhalt‘ drückt sich in der Sozialindexstufe 1 am stärksten
aus und sinkt dann mit steigender Sozialindexstufe. Es ist zu vermuten, dass sich Eltern
höherer Sozialindexstufen für ihre Kinder einen Bildungsaufstieg wünschen. So ist der
höchste Bildungsabschluss der Eltern in Sozialindexstufe 1 in mehr als 85% der Fälle die
Fachhochschulreife oder die Allgemeine Hochschulreife. In den Sozialindexstufen 7+8 haben
gut 30% der Eltern diese Abschlüsse (ohne Abbildung/Tabelle).
Abbildung 36: Berufserfolg durch hohe Schulbildung nach Sozialindexstufe
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
4. Elternbefragung von4nach5
80
Abbildung 37: Wunsch zum Statuserhalt beim Schulabschluss nach Sozialindexstufe
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Determinanten der Schulwahl
Welche Faktoren sind für die Wahl einer bestimmten Schule entscheidend? Hierzu wur-
den die Kölner Eltern von Grund- und Förderschulkindern in Primarbereich gefragt, wie wichtig
einzelne Aspekte, insgesamt 15, für ihre Entscheidung für eine bestimmte weiterführende
Schule sind. Die verschiedenen Aspekte konnten auf einer 5 -stufigen Skala von sehr wichtig
(++) bis völlig unwichtig (--) bewertet werden.
Abbildung 38 zeigt, dass den Eltern alle 15 Aspekte eher wichtig als unwichtig sind.
Auch wenn Eltern mitunter Neutralität in Form von teils-teils ausdrücken, so wählen sie kaum
eher unwichtig oder gar völlig unwichtig an. Im Vergleich der Aspekte untereinander ist für
die meisten Eltern die Qualität der Lehrkräfte das wichtigste Kriterium bei der Auswahl
einer Schule. Über 80% der Eltern stufen die Qualität der Lehrkräfte als sehr wichtig (65%)
oder eher wichtig (16%) ein. Weit über 70% Zustimmung (++ und +) gibt es für die Aspekte
soziales Umfeld der Schule, Wunsch des Kindes, bisherige schulische Leistungen des
Kindes und den an der Schule angebotenen Schulabschluss/die angebotenen Schulab-
schlüsse. Es folgen der Schulweg mit 70% (++ und +) und der Ruf der Schule mit 65%.
Zwischen 40 und 60% Zustimmung haben die Aspekte Freunde in der Schule, berufsbezogene
Ausbildung, sonstige Ausstattung der Schule, hoher Grad an Digitalisierung, das Profil der
4. Elternbefragung von4nach5
81
Schule und ein Ganztagsangebot. Am wenigsten wichtig sind die beiden Aspekte, dass Ge-
schwister in dieselbe Schule gehen (knapp 40% insgesamt; knapp 50% wenn das Kind auch
Geschwister hat [ohne Abbildung/Tabelle]) und das Gemeinsame Lernen mit Kindern mit son-
derpädagogischem Unterstützungsbedarf (knapp 33%).
Abbildung 38: Wichtige Aspekte für die Schulwahl
Quellen: Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Einzelne Aspekte werden nun differenziert nach Stadtbezirk (Aspekte: Wunsch des Kindes,
Gemeinsames Lernen, Schulweg) und Sozialindexstufen der besuchten Schule (Aspekte: Pro-
fil der Schule, Geschwister in derselben Schule) betrachtet.
Mehr als drei Viertel der Eltern (77%) geben an, dass der Wunsch des Kindes wichtig
ist (Summe aus sehr wichtig und eher wichtig, vgl. Abbildung 38). Die nachfolgende Abbildung
39 zeigt, ob und inwiefern es dabei Unterschiede zwischen den einzelnen Stadtbezirken gibt.
In Summe scheint der Wunsch des Kindes über alle Stadtbezirke hinweg wichtig zu sein, mit
ungefähr jeweils 80% Zustimmung. Unterschiede zeigen sich allerdings im Ausmaß der Zu-
stimmung, ob also sehr wichtig oder eher wichtig genannt wurde. Insgesamt gibt es jedoch
kaum Eltern, die den Wunsch des Kindes unwichtig finden.
4. Elternbefragung von4nach5
82
Abbildung 39: Wichtigkeit des Wunsches des Kindes nach Stadtbezirk
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georefe-
renzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Neben dem Wunsch des Kindes wird noch ein weiterer Aspekt detaillierter nach Stadtbezirken
betrachtet, und zwar das Gemeinsame Lernen mit Kindern mit sonderpädagogischem Unter-
stützungsbedarf. Abbildung 38 hat gezeigt, dass Gemeinsames Lernen 13% der Eltern sehr
wichtig und weiteren 20% eher wichtig ist. Ein Viertel der Eltern hat mit teils-teils geantwortet,
weiteren 14% ist es eher unwichtig und 7% völlig unwichtig. Im Vergleich zu anderen 14 As-
pekten kommt bei diesem somit die ganze Bandbreite der Antwortmöglichkeiten zum Tragen.
Und auch nach Stadtbezirk zeigen sich deutliche Unterschiede (vgl. Abbildung 40). Nur wenige
Eltern, deren Kind eine Schule in Rodenkirchen oder Lindenthal besucht (jeweils unter 10%),
empfinden Gemeinsames Lernen für ihre Entscheidung für eine bestimmte Schule als rele-
vantes Kriterium. In Kalk ist dieser Aspekt für 2 3% der Eltern sehr wichtig bei der Wahl einer
weiterführenden Schule für ihr Kind. Für Eltern von überwiegend Kindern ohne sonderpä-
dagogischen Förderbedarf hat Gemeinsames Lernen über die Kölner Stadtbezirke folg-
lich einen sehr unterschiedlichen Stellenwert. Über die Einschätzung von Eltern mit Grund-
schulkindern mit sonderpädagogischen Förderbedarf kann keine Aussage getroffen werden,
da hierfür keine hinreichende Anzahl an Beobachtungen vorliegt.
4. Elternbefragung von4nach5
83
Abbildung 40: Wichtigkeit des Gemeinsamen Lernens nach Stadtbezirk
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georefe-
renzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Ebenfalls nach Stadtbezirken betrachtet wird die Wichtigkeit des Schulwegs. Knapp 70% der
Eltern ist der Schulweg sehr wichtig bis eher wichtig (vgl. Abbildung 38). Bei differenzierter
Betrachtung nach Stadtbezirken zeigt sich, dass Eltern, deren Kind eine Schule in Ro-
denkirchen oder Lindenthal besucht dem Schulweg die höchste Priorität beimessen,
wobei sich insgesamt über die Stadtbezirke ein recht einheitliches Bild zeigt. Im Hinblick
auf künftige Schulerrichtungen ist folglich zu beachten, dass der Schulweg für alle Eltern in
Köln ein (sehr) wichtiges Kriterium für die Schulwahl darstellt.
4. Elternbefragung von4nach5
84
Abbildung 41: Wichtigkeit des Schulwegs nach Stadtbezirk
Quellen: Stadt Köln, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georefe-
renzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Im Vergleich zum Wunsch des Kindes ist den Eltern das Schulprofil etwas weniger wichtig,
aber mit knapp 60% Zustimmung immer noch ein wichtiger Aspekt (vgl. Abbildung 38). Diffe-
renziert nach Sozialindexstufe der besuchten Schule zeigen sich im Bereich der Zustim-
mung insgesamt eher geringe Unterschiede. Mit mehr als 60% Zustimmung ist das
Schulprofil vielen Eltern wichtig (++ und +). Je höher die Sozialindexstufe der besuchten
Grundschule, umso wichtiger (++) ist den Eltern das Schulprofil. Hier wäre es sicherlich
interessant, genau zu prüfen, welche Profile (bspw. muttersprachlicher Unterricht) in den Au-
gen der Eltern als derart wichtig erachtet werden und welche von den jeweiligen Schulen an-
geboten werden.
Wie bereits in Abbildung 38 gezeigt, ist der Aspekt, dass Geschwister in dieselbe wei-
terführende Schule gehen im Vergleich zu den anderen Aspekten von nachrangiger Bedeu-
tung. Knapp 50% der Eltern ist dies sehr oder eher wicht ig, wenn das Grundschulkind auch
Geschwister hat. Bei differenzierter Betrachtung nach Sozialindexstufen zeigen sich auch nur
geringe Variationen in Abhängigkeit der Sozialindexstufen der Grundschulen und über die Nut-
zung aller Antwortoptionen. Geschwister spielen nach eigener Aussage der Eltern also nur in
gut 50% der Fälle eine zentrale Rolle bei der Entscheidung.
4. Elternbefragung von4nach5
85
Abbildung 42: Wichtigkeit des Schulprofils nach Sozialindexstufe
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen.
Abbildung 43: Wichtigkeit der Geschwister nach Sozialindexstufe
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: +(+) deutet eine (hohe) Zustimmung/Bedeutung an, -(-) eine (hohe) Ablehnung und o Neutralität, abgebr.
= Befragung wurde vor der Frage abgebrochen; Nur Schüler*innen mit Geschwistern.
4. Elternbefragung von4nach5
86
Einfluss der Corona Pandemie
Durch die Corona-Pandemie wurde den Eltern bzw. Kindern seitens der Landesregierung er-
möglicht, ein Schuljahr freiwillig zu wiederholen, ohne dass dies als Klassenwiederholung im
Bildungsverlauf geführt wird. Ziel war es, den Eltern bzw. Kindern zu ermöglichen, evtl. Leis-
tungsrückstände, die durch Unterrichtsausfall und Distanzlernen entstanden sind, aufzuholen.
Ob Eltern von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht haben und ob die Corona-Pandemie ggf.
auch Einfluss auf die Schulwahl der Eltern hat, wird nachfolgend untersucht.
Tabelle 4 zeigt den Anteil an freiwilligen Wiederholungen nach Sozialindexstufe der
Grundschule und nach Stadtbezirk. In der Tat ist deutlich ablesbar, dass der Anteil der
freiwilligen Wiederholungen (insgesamt rd. 4%) mit der Sozialindexstufe von 3% (Sozia-
lindexstufe 1) auf 5% (Sozialindexstufe 7+8) steigt. Der höchste Anteil findet sich an Grund-
schulen der Sozialindexstufen 5 und 6. Auch zwischen den Stadtbezirken zeigt sich eine
erhebliche Varianz. Während der Anteil in Ehrenfeld (1,7%) und Lindenthal (1,9%) bei unter
zwei Prozent liegt, weisen die Stadtbezirke Porz, Chorweiler und Mülheim mehr als doppelt so
hohe Anteile von gut 5% oder mehr aus. De r höchste Anteil findet sic h in Kalk mit 6%
coronabedingten freiwilligen Wiederholungen.
Da hier ausschließlich die freiwilligen Schuljahreswiederholungen betrachtet werden,
ist anzunehmen, dass die Auswirkungen der Schulschließung nicht vollständig abgebildet wer-
den. Dennoch kann die Auswertung als Indiz dafür gesehen werden, dass die Schülergruppen
nach Stadtbezirk und Sozialindexstufe unterschiedlich von Schulschließungen betroffen waren
und sind und dies entsprechend auch unterschiedliche Konsequenzen nach sich zog bzw.
zieht.
Tabelle 4: Freiwillige Klassenwiederholungen auf Grund der Corona-Pandemie nach Sozialin-
dexstufe und Stadtbezirk, Anteile in Prozent (%)
Sozialindexstufe
1 2 3 4 5+6 7+8
3,04 3,11 3,53 3,92 6,97 5,20
Stadtbezirk
Innen-
stadt
R.-kir-
chen Lindent. Ehren-
feld Nippes Chor-
weiler Porz Kalk Mülheim
4,01 3,76 1,85 1,71 4,12 5,20 5,07 6,01 5,39
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georeferenzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Die Corona-Pandemie hat aber auch Einfluss auf das Schulwahlverhalten der Eltern.
Gut 3% der Eltern geben an, dass sie eine andere Schulform für ihr Kind wählen (möch-
ten), als vor der Corona-Pandemie. Diese Einschätzung wird von Eltern in den höheren
4. Elternbefragung von4nach5
87
Sozialindexstufen stärker bejaht als in den unteren. Sie ist auch zwischen den Stadtbezir-
ken sehr verschieden (vgl. Tabelle 5), mit der höchsten Zustimmung in Chorweiler (5%). Wel-
che Schulform sie stattdessen wählen werden oder möchten geht über die Betrachtung dieser
Studie hinaus und kann den Bestandteil weiterführender Analysen werden.
Tabelle 5: Veränderte Schulformwahl auf Grund der Corona-Pandemie nach Sozialindexstufe
und Stadtbezirk, Anteile in Prozent (%)
Sozialindexstufe
1 2 3 4 5+6 7+8
2,39 2,10 2,13 3,66 4,43 7,19
Stadtbezirk
Innen-
stadt
R.-kir-
chen Lindent. Ehren-
feld Nippes Chor-
weiler Porz Kalk Mülheim
3,18 2,97 2,04 1,93 3,75 5,00 3,55 3,51 2,27
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georeferenzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
89
5 Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von
Schulwahlentscheidungen
Die vorangegangenen uni- und bivariaten Analysen haben bereits gezeigt, dass
Eltern der Schulformempfehlung i.d.R. folgen,
Gesamtschulen Gymnasien für einen Teil der Eltern nicht ersetzen können,
Gesamtschulen insb. für Kinder mit einer Haupt- oder Realschulempfehlung als attraktive
Schulform gelten,
Realschulen von vielen Elternteilen dennoch als wichtige Schulform empfunden werden,
Gruppen von Eltern existieren, die eher Segregations- als Integrationstendenzen (sozial,
leistungsbezogen, …) zeigen,
die Bildungsaspiration und der eigene Bildungsstand der Eltern für die Schulformwahl
wichtig sind,
die Wünsche und die Leistung des Kindes für die Wahl einer bestimmten Schule zentral
sind,
der Schulweg eine große Rolle bei der Schulwahl spielt, und dass
die Qualität der Schule bzw. der Lehrkräfte das wichtigste Kriterium ist.
Für welche weiterführende Schule und Schulform sich Eltern beim Übergang von der Primar-
stufe in die Sekundarstufe I entscheiden, ist somit von vielen verschiedenen Faktoren abhän-
gig (vgl. auch Abschnitt 4.1.1; zu den unt erschiedlichen Schulwahl-Theorien siehe z.B. auch
Suter 2013, Berends 2019). Neben den von außen vorgegebenen Determinanten, z.B. schul-
gesetzliche Regelungen, Schulformempfehlung, vorhandenes Angebot an Schulformen vor
Ort, etc., sind also individuelle Präferenzen und Merkmale der Schulen und des sozialen Um-
felds zentraler Treiber von Schulwahlentscheidungen. Wenn jedoch die Schulformempfeh-
lung alleine einen großen Anteil der Schulwahlentscheidung erklären kann, welche As-
pekte spielen dann und insb. im gemeinsamen Zusammenspiel eine weitere Rolle? Hat,
unter Kontrolle einzelner von den Eltern genannten relevanten Aspekte, der Schulweg
wirklich eine hohe Bedeutung? Wann entscheiden sich Eltern lieber für eine Gesamt-
schule statt für eine bildungsgangbezogene Schulform? Ist die Qualität der Schule ent-
scheidender als die soziale Zusammensetzung? Diesen Fragen wird in diesem Abschnitt
nachgegangen.
Definition von Schulwahlentscheidungen
Um die Determinanten der Schulwahl der Kölner Eltern mit Hilfe ökonometrischer Modelle zu
beschreiben, wird zunächst eine Annahme getroffen, die den Angaben der Eltern entspricht:
Sie wählen die Schulform die dem Kind empfohlen wurde und, da der Schulweg für 70% der
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlent scheidungen
90
Eltern entscheidend ist (vgl. dazu Abschnitt 4.5), wählen sie die nächstgelegene Schule der
empfohlenen Schulform. Tun sie dies nicht, muss sich dieses ‚abweichende‘ Verhalten durch
andere Merkmale, wie Merkmale der Eltern und des Kindes (soziodemografische Merkmale,
Fähigkeiten/Kompetenzen des Kindes), Merkmale des privaten/sozialen Umfelds (Geschwis-
ter, Freunde, Nachbarn, etc.; i.w.S. Merkmale der Peer-Gruppe) und Merkmale der anwählba-
ren Schulen (i.w.S. Kontextmerkmale) erklären lassen.
Die hier zu erklärende Schulwahlentscheidung kann somit verschiedene Ausprä-
gungen haben, die maßgeblich von der für das Kind empfohlenen Schulform und den
Distanzen zu den öffentlichen weiterführenden Schulen abhängt .13 Die interessierende
Variable (Schulwahlentscheidung) kann somit folgende mögliche Ausprägungen haben:
Tabelle 6: Mögliche Schulwahlentscheidungen
Kodierung Ausprägung Beispiele
1 Es wird die nächstgelegene
Schule der empfohlenen
Schulform gewählt.
Bei Gymnasialempfehlung wird das nächstgele-
gene Gymnasium gewählt.
Bei Realschulempfehlung wird die nächstgelegene
Realschule gewählt.
2 Es wird die nächstgelegene
Schule gewählt, die nicht der
empfohlenen Schulform ent-
spricht
Bei Hauptschulempfehlung wird die nächstgele-
gene Realschule gewählt.
Bei Gymnasialempfehlung wird die nächstgelegene
Realschule gewählt.
3 Es wird eine entfernte Schule
der empfohlenen Schulform
gewählt.
Bei Gymnasialempfehlung wird ein weiter entfern-
tes Gymnasium gewählt.
Bei Hauptschulempfehlung wird eine weiter ent-
fernte Hauptschule gewählt.
4 Es wird eine entfernte Schule
einer nicht empfohlenen
Schulform gewählt.
Bei Realschulempfehlung wird ein weiter entferntes
Gymnasium gewählt.
Bei Realschulempfehlung wird eine weiter entfernte
Hauptschule gewählt.
5 Es wird die nächstgelegene
Gesamtschule gewählt.
Bei Realschulempfehlung wird die nächstgelegene
Gesamtschule gewählt.
Bei Gymnasialempfehlung wird die nächstgelegene
Gesamtschule gewählt.
6 Es wird eine entfernte Ge-
samtschule gewählt.
Bei Realschulempfehlung wird eine weiter entfernte
Gesamtschule gewählt.
Bei Hauptschulempfehlung wird eine weiter ent-
fernte Gesamtschule gewählt.
7 Es wird ein anderer Schultyp
gewählt.
Bei Realschulempfehlung wird eine private Real-
schule gewählt.
Bei Hauptschulempfehlung wird eine private Ge-
samtschule gewählt.
Es wird eine Förderschule gewählt.
8 Sonstige Schulwahl Es wird ein Gymnasium gewählt, es konnte aber
nicht abgeschätzt werden, welche Schulformemp-
fehlung das Kind wohl erhalten wird.
Es wird eine Gesamtschule gewählt, die abge-
bende Grundschule ist aber nicht genannt worden.
13 Es wird die Distanz (Luftlinie) zwischen der aktuell besuchten Grundschule und der nächstgelegenen öffentli-
chen weiterführenden Schule der Schulform Gymnasium, Gesamts chule, Realschule oder Hauptsuche ermit-
telt. Die weiterführenden Schulen müssen sich auf der gleichen Rheinseite befinden wie die besuchte Grund-
schule.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
91
Abbildung 44 zeigt die Verteilung der möglichen Ausprägungen für alle Eltern, die Schulen
genannt haben, an denen sie ihr Kind anmelden möchten (ungewichtete Stichprogengröße
n = 3.230, Anteile in Prozent (%) gewichtet). Es zeigt sich, dass 28% der Eltern tatsächlich
die Referenzschule wählen. Also, die nahegelegene Schule der empfohlenen Schulform.
Nur 1% der Eltern wählt die nächstgelegene Schule einer nicht empfohlenen Schulform. 30%
wählen zwar eine Schule der empfohlenen Schulform, es ist jedoch nicht die nächstgelegene
Schule. 8% wählen die nächstgelegene Gesamtschule, 6% eine weiter entfernte Gesamt-
schule. 24% entfallen auf die ‚sonstige Schulwahl‘, also Fälle, die auf Grund fehlender einzel-
ner Angaben nicht eindeutig einer der anderen sieben Kategorien zugeordnet werden können.
Dies trifft insb. auf Eltern von Kindern der Jahrgangsstufen 1 bis 3 zu, die bei der Befragung
nicht abschätzen konnten, welche Schulformempfehlung ihr Kind wohl sp äter erhalten wird
(Antwortkategorie: es ist noch zu früh, das zu sagen).
Abbildung 45 zeigt das Schulwahlverhalten in Abhängigkeit der empfohlenen Schul-
form – sofern sie angegeben bzw. antizipiert wurde. Es zeigt sich, dass Eltern mit einer
erhaltenen oder erwarteten Gymnasialempfehlung der Empfehlung in rd. 90% der Fälle
folgen würden. Die Schulwahlentscheidung der Eltern spiegelt somit die aus der amtlichen
Schulstatistik (vgl. Abschnitt 3.2) ermittelte tatsächliche Wahl wider. 43% wählen dabei das
nächstgelegene Gymnasium, 47% ein weiter entfernt liegendes Gymnasium. Hat das
Kind eine Realschulempfehlung erhalten (oder wird diese erwartet) wählen Eltern am
häufigsten die nächstgelegene Gesamtschule (31%), danach folgt eine weiter entfernte
Gesamtschule. Auch dieses Bild deckt sich mit der amtlichen Schulstatistik (vgl. Abschni tt
3.2). Nur selten wird bei Realschulempfehlung die nächstgelegene nicht empfohlene Schul-
form gewählt (6%).
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
92
Abbildung 44: Mögliche Schulwahlentscheidungen, Anteile in Prozent (%)
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georeferenzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Abbildung 45: Eltern nach Schulformempfehlung und Schulwahlentscheidung, Anteile in Pro-
zent (%)
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; z.T. eigene Georeferenzierung, eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: Anteile < 4% werden nicht beschriftet. HS = Hauptschule, HS+ = Hauptschule - bed. Realschule, RS =
Realschule, RS+ = Realschule - bed. Gymnasium, GY = Gymnasium, Andere: Ohne Empfehlung oder keine An-
gabe.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlents cheidungen
93
Modellierung von Schulwahlentscheidungen
Zur Beschreibung der beobachteten möglichen Schulwahlentscheidungen werden multinomi-
ale Logit Modelle berechnet. Bei dieser Modellart wird für jedes Indivi duum die Wahrschein-
lichkeit geschätzt, ein bestimmtes Schulwahlverhalten zu zeigen. In der Modellierung wird
stets eine Ausprägung als Referenz festgelegt, dann wird berechnet, wie wahrscheinlich es
auf Basis von ausgewählten Merkmalen ist, von dieser Refe renzausprägung abzuweichen.
Nachfolgend ist die Merkmalsausprägung 1 (‚es wird die nächstgelegene Schule der
empfohlenen Schulform gewählt‘) die Referenz und es wird geschätzt, welche Merkmale
der Kinder und Familien, der Peer -Gruppe und der Schule(n) dazu führen, dass Eltern
eine andere als diese Entscheidung treffen und wie stark der Einfluss dieser Merkmale
dabei ist. Aus Gründen der Übersichtlichkeit und Nachvollziehbarkeit werden einzelne Grup-
pen aus Tabelle 6 bzw. Abbildung 44 zusammengefasst oder aus den Analysen ausgeschlos-
sen.
Auf Grund geringer Fallzahlen (vgl. Abbildung 44) werden die Ausprägungen 2 und 4
zusammengefasst. Da die Ausprägung 8 keine vollständigen Informationen zu dem Wahlver-
halten bzw. der Wünsche der Eltern abbildet (vgl. Abbildung 44 und Tabelle 6), wird diese
Gruppe gänzlich ausgeschlossen. Auch die Gruppe mit Ausprägung 7 wird aus der Betrach-
tung ausgeschlossen, zum einen wegen sehr geringer Fallzahlen und zum anderen, da die
Gruppe sehr heterogen ist (z.B. Förderschüler*innen und Schüler*innen von privaten Gymna-
sien). Die zu erklärende Variable ‚Schulwahlverhalten‘ ist dann wie folgt definiert und verteilt:
Tabelle 7: Abhängige Variable ‚Schulwahlverhalten‘
Kodierung Ausprägung in Prozent (%)
1 Es wird die nächstgelegene Schule der empfohlenen Schul-
form gewählt.
37,58
2 Es wird eine entfernte Schule der empfohlenen Schulform
gewählt.
39,06
3 Es wird die nächstgelegene Gesamtschule gewählt. 10,74
4 Es wird eine entfernte Gesamtschule gewählt. 8,44
5 Es wird eine Schule gewählt, die nicht der empfohlenen
Schulform entspricht (ohne Differenzierung nach Entfernung).
4,18
Summe 100,00
Dass der Anteil der Eltern, die eine Gesamtschule (Kodierung 3 und 4) wählen würden, nun
im Vergleich zu den deskriptiven Auswertungen mit knapp 20% vergleichsweise gering ist,
liegt daran, dass Eltern, die die Schulformempfehlung ihres Kindes nicht angege ben haben
bzw. noch nicht antizipieren konnten überdurchschnittlich oft eine Gesamtschule wählen wür-
den (rd. 80%, ohne Abbildung/Tabelle). Diese Eltern sind entsprechend in der letzten Katego-
rie der Tabelle 6 zu finden und damit nicht mehr Bestandteil der nachfolgenden Analysen.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
94
Die Ergebnisse der Schätzung der multinomialen Logit Modelle sind in Tabelle 9 bis
Tabelle 12 dargestellt. Dabei werden insgesamt acht verschiedene Modelle A bis H ge-
schätzt. Modell A ver wendet als erklärende Variablen für das Schulwahlverhalten z.B.
nur individuelle Merkmale des Kindes und des Haushalts. Modell B erweitert das Modell
A um Informationen zu z.B. den Leistungen des Kindes in der Grundschule und Grund-
schulmerkmalen. Ziel dies er Herangehensweise ist, herauszuarbeiten, welche Merk-
male ‚stabil‘ relevant für das Schulwahlverhalten bleiben, wenn immer mehr verschie-
dene Merkmale des Kindes, der Eltern, usw. zur Erklärung des Schulwahlverhaltens
herangezogen werden. Entsprechend erweitert Modell C das Modell B um weitere erklärende
Variablen usw. Die erklärenden Variablen, deren Kodierung und deskriptive Statistiken sind in
Tabelle 8 zu finden.
Die Koeffizienten in den Modellen A bis H der Tabelle 9 bis Tabelle 12 bilden das
so genannte relative Risiko (RR) ab. Dieses RR beschreibt das Verhältnis zwischen der
Wahrscheinlichkeit, eine andere Schulwahlentscheidung zu treffen, und der Wahr-
scheinlichkeit, die Referenzschule (näch stgelegene und der empfohlenen Schulform)
zu wählen. Am Beispiel der ersten Spalte des Modells A wird die Interpretation der Koeffizien-
ten erläutert. Die Koeffizienten geben das Verhältnis der Wahrscheinlichkeiten von ‚Wahl einer
entfernten Schule der empf ohlenen Schulform‘ und ‚Wahl der nächstgelegenen Schule der
empfohlenen Schulform‘ an. Dieses Verhältnis, das RR, wird für die Variable ‚Höchster Bil-
dungsabschluss der Eltern (1 = Abitur, 0 = sonst)‘ auf 1,6363 geschätzt und ist auf einem
geringen Niveau signifikant. D.h., dass für Eltern mit Abitur die Wahrscheinlichkeit, eine weiter
entfernte Schule der empfohlenen Schulform zu wählen rd. 64% höher ist als die nächstgele-
gene Schule der empfohlenen Schulform zu wählen. Hingegen ist für Eltern mit Abitur di e
Wahrscheinlichkeit die nächstgelegene Gesamtschule zu wählen (Spalte 2, Modell A) gegen-
über der nächstgelegenen Schule einer empfohlenen Schulform um fast 80% geringer (Koef-
fizient von 0,2070 und hoch signifikant). D.h. Eltern mit Abitur entscheiden sich häufiger für
eine weiter entfernte Schule der empfohlenen Schulform aber seltener für eine weiter entfernte
Gesamtschule. Ob jedoch der Einfluss der Variablen ‚Abitur‘ bestehen bleibt, wenn weitere
Variablen in die Modellierung aufgenommen werden, ist fraglich und wird mit Hilfe der weiteren
Modelle (Modell B bis H) überprüft.
Ebenfalls entscheidend für die Schulwahl ist die Einschätzung der Eltern bezüglich der
Anforderungen der abgebenden Grundschule (vgl. Modell B). Empfinden Eltern die Anforde-
rungen der abgebenden Grundschule als hoch oder sehr hoch, ist die Wahrscheinlichkeit, eine
weiter entfernte Schule der empfohlenen Schulform oder eine Gesamtschule (Spalte 1 und 3)
oder sogar eine nicht empfohlene Schulform zu wählen (Spalte 4) höher, als die näch stgele-
gene Schule der empfohlenen Schulform. Darüber hinaus ist zu beobachten, dass das RR des
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
95
höchsten Bildungsabschlusses in Modell B (3) im Vergleich zu Modell A (3) nicht mehr signifi-
kant ist und in den anderen Modellen (2 und 4) leicht zurückgeht. D.h., wird für die Anforde-
rungen, das Interesse und die Leistung des Kindes kontrolliert, dann ist der Einfluss
des elterlichen Bildungsstands nicht mehr so entscheidend für die Schulwahlentschei-
dung.
Modell C zeigt, dass sich das hier beschriebene Schulwahlverhalten der Eltern die Ein-
schätzung zu wichtigen Aspekten der Schulwahl widerspiegelt; ist der Schulweg für die El-
tern entscheidend, ist die Wahrscheinlichkeit, nicht die nächstgelegene Schule zu wäh-
len, geringer (Spalte 1 und 3). Interessant ist aber, dass, auch wenn der Schulweg wichtig
ist, eher die nächstgelegene Schule der empfohlenen Schulform als eine Gesamtschule
gewählt wird (Spalte 2, Koeffizient 0,5086 und schwach signifikant). Diese Einschätzung ver-
ändert sich nicht, wenn weitere Variablen in d as Modell aufgenommen werden. In Modell D
werden noch zwei weitere Aspekte der elterlichen Einschätzung aufgenommen; die Unterstüt-
zung des Kindes durch die Eltern und eine mögliche empfundene finanzielle Belastung durch
die Schule. Diese Merkmale haben jedoch keinen Einfluss auf ein abweichendes Schulwahl-
verhalten.
Der Wunsch des Kindes, der von den Eltern durchaus als wichtig angesehen wird (vgl.
Abschnitt 4.5), ist nur in der dritten Spalte des Modells E tatsächlich signifikant. D.h., dass
Eltern dann zwar seltener eine entfernte Gesamtschule wählen (im Vergleich zur nächstgele-
genen Schule der empfohlenen Schulform), aber nicht seltener oder häufiger ein anderes
Schulwahlverhalten zeigen. Ist hingegen für die Eltern der Aspekt relevant, dass Freunde in
der weiterführenden Schule des Kindes erwartet werden, ist die Wahrscheinlichkeit eine ent-
fernte Schule der empfohlenen Schulform zu wählen, um gut 50% geringer im Ver gleich zur
Wahrscheinlichkeit die nächstgelegene Schule der empfohlenen Schulform zu wählen. Die
Bedeutung der erwarteten Schulqualität hat – interessanterweise – keinen signifikanten
Einfluss auf ein abweichendes Schulwahlverhalten, gleichwohl Eltern die Qualitätskri-
terien in der Elternbefragung als sehr wichtig angeben (vgl. Abschnitt 4.5). Nur in Spalte
4 zeigt sich ein signifikanter Einfluss, also dann, wenn ohnehin eine nicht empfohlene Schul-
form gewählt wird (ob nächstgelegen oder nicht).
In den letzten drei Modellen (F, G und H) werden Kontextmerkmale der abgebenden
Grundschule und d er nächstgelegenen Schule der gewählten Schulform ergänzt. Steigt die
Sozialindexstufe der abgebenden Grundschule (was für mehr soziale Herausforderungen
steht), sinkt die Wahrscheinlichkeit von dem Referenzverhalten ‚Wahl der nächstgelegenen
Schule der empfohlenen Schulform‘ abzuweichen (Modell F, Spalte 1 bis 4). Dies zeigt, dass
Eltern dann eher ein ‚empfehlungskonformes‘ Verhalten aufweisen. Je höher die Sozialin-
dexstufe der abgebenden Grundschule, desto eher halten sich die Eltern a) an die Emp-
fehlung und b) wählen dabei diejenige Schule aus, zu der das Kind die geringste Distanz
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentsc heidungen
96
überwinden muss. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass für ein abweichendes Verhalten
die Opportunitätskosten (z.B. der Informationsbeschaffung zu anderen Schulformen und wei-
ter gelegenen Schulen aber auch eines weiten Schulwegs) zu hoch sein können. Auch weist
dieses Verhalten darauf hin, dass in der nächstgelegenen Schule der empfohlenen
Schulform eine der Grundschule ähnliche Zusammensetzung der Schülerschaft erwar-
tet wer den kann und somit der ‚Verbleib‘ in einer sozioökonomischen ähnlichen
Gruppe.
Wird darüber hinaus noch für die letzte Gymnasialübergangsquote der abgeben-
den Grundschule kontrolliert – was als Proxy für die (klassische) Bildungsaspiration
der Peer-Gruppe angesehen werden kann – zeigt sich, dass der Einfluss der Sozialin-
dexstufe der abgebenden Grundschule in Spalte 1 und 4 verschwindet (vgl. Modell G mit
Modell F). In Spalte 1 ist nun zu beobachten, dass Eltern dann eher eine weiter entfernte
Schule der empfohlenen Schulform wählen als die nächstgelegene. Die Sozialindexstufe der
nächstgelegenen weiterführenden Schule der gewählten Schulform ändert daran nichts (vgl.
Modell H). Lediglich in Spalte 2 bis 4 zeigt sich ein zur Sozialindexstufe der abgebenden
Grundschule vergleichbarer Einfluss; je höher die Sozialindexstufe, desto unwahrscheinlicher
ist es, dass Eltern vom Verhalten ‚Wahl der nächstgelegenen Schule der empfohlenen Schul-
form‘ abweichen. Dies unterstützt die These, dass hiermit auch der ‚Verbleib‘ in einer sozio-
ökonomischen ähnlichen Gruppe abgebildet wird.
Tabelle 8: Kodierung und Verteilung der erklärenden Variablen, gewichtete Anteile bzw. Mit-
telwerte
Anteil in
Prozent
(%)
Mittelwert Std.Fehler
Zu Hause gesprochene Sprache(n)
(Ref. = Nur Deutsch) 71,90 . .
Deutsch und andere 4,44 . .
Nur andere Sprache(n) 23,47 . .
Höchster Bildungsabschluss ist Abitur
(mind. 1 Person im HH hat Fachabitur/Abitur oder einen vergleichbaren Abschluss, keine Angabe)
Ja 83,65 . .
Nein 16,35 . .
Zufriedenheit mit dem Einkommen
(Ja = sehr zufrieden, eher zufrieden; Nein = teils-teils, eher unzufrieden, sehr unzufrieden)
Ja 73,13 . .
Nein 26,87 . .
Anforderungen an der Grundschule hoch
(Ja = sehr hoch, eher hoch; Nein = mittel, eher niedrig, sehr niedrig, weiß nicht)
Ja 24,93 . .
Nein 75,07 . .
Interesse des Kindes an Schule groß
(Ja = sehr groß, eher groß; Nein = mittel, eher gering, sehr gering, weiß nicht)
Ja 78,09 . .
Nein 21,91 . .
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
97
Fortsetzung Tabelle 8
Anteil in
Prozent
(%) Mittelwert Std.Fehler
Schulische Leistung des Kindes gut
(Ja = sehr gut, gut; Nein = befriedigend, ausreichend, mangelhaft, keine Angabe, zu früh)
Ja 86,33 . .
Nein 13,67 . .
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: Schulweg
(Ja = sehr wichtig, eher wichtig; Nein = teils-teils, eher unwichtig, völlig unwichtig, weiß nicht)
Ja 85,43 . .
Nein 14,57 . .
Zur Unterstützung meines Kindes wende ich viel Zeit auf
(Ja = stimme voll und ganz zu, stimme eher zu; Nein = teils-teils, stimme eher nicht zu, stimme gar
nicht zu, weiß nicht)
Ja 41,7 . .
Nein 58,3 . .
Die durch die Schule anfallenden Kosten empfinde ich als Belastung
(Ja = stimme voll und ganz zu, stimme eher zu; Nein = teils-teils, stimme eher nicht zu, stimme gar
nicht zu, weiß nicht)
Ja 13,35 . .
Nein 86,65 . .
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: Wunsch des Kindes
(Ja = sehr wichtig, eher wichtig; Nein = teils-teils, eher unwichtig, völlig unwichtig, weiß nicht)
Ja 90,28 . .
Nein 9,72 . .
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: Geschwister in der Schule
(Ja = sehr wichtig, eher wichtig; Nein = teils-teils, eher unwichtig, völlig unwichtig, weiß nicht)
Ja 53,14 . .
Nein 46,86 . .
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: Freunde in der Schule
(Ja = sehr wichtig, eher wichtig; Nein = teils-teils, eher unwichtig, völlig unwichtig, weiß nicht)
Ja 51,45 . .
Nein 48,55 . .
Schulqualitäta) . 0,01 0.0276
Sozialindexstufe abgebende GS . 2,86 0,0555
Gymnasialübergangsquote an GS . 53,62 0,6230
Sozialindexstufe nächstgelegene WS der gewählten Schulform . 2,39 0,0496
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung, eigene Darstellung.
Hinweise: Fehlend zu 100% durch fehlende Werte. a)Schulqualität: Auf einer Skala von ‚ sehr wichtig‘ bis ‚völlig
unwichtig‘ haben Eltern die folgenden Aspekte auf Ihre Bedeutung für die Schulwahl hin beurteilt: Qualität der
Lehrkräfte, Ruf der Schule, Schulprofil, berufsbezogene Ausbildung, mögl. Schulabschlüsse, Ganztagsangebote,
Gemeinsames Lernen, soziales Umfeld der Schule, Digitalisierung und sonstige Ausstattung (vgl. auch Abschnitt
4.5). Eine hohe Zustimmung spiegelt jeweils wider, dass diese Aspekte den Eltern bei der Schulwahl wichtig sind.
Mit Hilfe einer Faktorenanalyse wurde aus den zehn einzelnen Aspekten eine eindimensionale Variable zur Bedeu-
tung der ‚Schulqualität‘ insgesamt generiert. Je höher der Wert dieser Variablen (>0) ‚Schulquali tät‘ desto eher
wurde vielen Aspekten zugestimmt. Je geringer die Werte (<0) desto unwichtiger sind Eltern diese Aspekte. Ein
Wert von 0 spiegelt die durchschnittliche Bedeutung/Wichtigkeit der Eltern wider.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
98
Tabelle 9: Modellierung der abhängigen Variablen ‚Schulwahlverhalten‘
Modell A Modell B
(1) (2) (3) (4) (1) (2) (3) (4)
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Zu Hause gesprochene Sprache(n) (Ref. = Nur Deutsch)
Deutsch und andere 1,5542 0,8779 0,1357** 1,3264 1,5428 1,0507 0,1756** 1,4886
(0,4978) (0,4942) (0,1227) (1,0245) (0,4992) (0,6415) (0,1524) (1,0095)
eine oder mehrere andere Sprachen 1,1295 0,7550 0,4979** 2,5594*** 1,1134 0,8170 0,4993+ 2,6232***
(0,2239) (0,2911) (0,1719) (0,8816) (0,2206) (0,3162) (0,1790) (0,9467)
Höchster Bildungsabschluss (1 = Abitur) 1,6363+ 0,2070*** 0,3691*** 0,5756 1,6936+ 0,4668** 0,7256 0,7844
(0,4481) (0,0674) (0,1231) (0,2360) (0,4774) (0,1597) (0,2501) (0,3262)
Zufriedenheit mit dem Einkommen (1 = ja) 0,6654** 0,4296*** 0,5464** 0,3623*** 0,6530*** 0,4264*** 0,5311** 0,3699***
(0,1065) (0,1188) (0,1464) (0,1227) (0,1053) (0,1270) (0,1503) (0,1264)
Anforderungen an der Grundschule hoch 1,3948** 1,2367 1,6330+ 3,3133***
(1 = ja) (0,1989) (0,3468) (0,4169) (1,0781)
Interesse des Kindes an Schule groß 1,3339+ 0,5301** 0,6193 0,8526
(1 = ja) (0,2211) (0,1534) (0,1821) (0,3021)
Schulische Leistung des Kindes gut 0,8253 0,0992*** 0,1641*** 0,2763***
(1 = ja) (0,2181) (0,0323) (0,0560) (0,1162)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS:
Schulweg (1 = ja)
Zur Unterstützung meines Kindes wende
ich viel Zeit auf (1 = ja)
Die durch die Schule anfallenden Kosten
empfinde ich als Belastung (1 = ja)
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentsch eidungen
99
Fortsetzung Tabelle 9
Modell A Modell B
(1) (2) (3) (4) (1) (2) (3) (4)
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS:
Wunsch des Kindes (1 = ja)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS:
Geschwister in der Schule (1 = ja)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS:
Freunde in der Schule (1 = ja)
Schulqualität (Faktorenanalyse)
Sozialindexstufe abgebende GS
Gymnasialübergangsquote an GS
Sozialindexstufe nächstgelegene WS der
gewählten Schulform
Konstante 0,7560 0,0456*** 0,0125*** 0,0507*** 0,6690 0,2493** 0,0464*** 0,1134***
(0,2966) (0,0237) (0,0073) (0,0341) (0,2994) (0,1690) (0,0320) (0,0869)
N 2527 2527
Pseudo R” 0.2803 0.3034
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung.
Hinweise: Gewichtete Modelle, robuste Standardfehler in Klammern; Koeffizienten sind relatives Risiko; Weitere Kontrollvariablen sind: Klassenstufe, Geschlecht, Anzahl der Geschwister,
Aktueller Schulweg zur Grundschule, Nachfrage - oder Angebotsüberhang der nächstgelegenen öff. weiterführenden Schulen (MW der letzten vier Jahre); bei Likert-Skalierten Antwort-
möglichkeiten wurden die erste und zweite Ausprägung (z.B. sehr hoch und hoch) jeweils zusammengefasst; + p < 0,10, ** p < 0,05, *** p < 0,01.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
100
Tabelle 10: Modellierung der abhängigen Variablen ‚Schulwahlverhalten‘
Modell C Modell D
(1) (2) (3) (4) (1) (2) (3) (4)
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Zu Hause gesprochene Sprache(n) (Ref. = Nur Deutsch)
Deutsch und andere 1,6085 1,0593 0,1892+ 1,4832 1,6128 1,0403 0,1866+ 1,6053
(0,5176) (0,6435) (0,1671) (1,0042) (0,5207) (0,6334) (0,1668) (1,0986)
eine oder mehrere andere Sprachen 1,1377 0,8300 0,5448+ 2,6269*** 1,1406 0,7631 0,5044+ 2,2324**
(0,2339) (0,3177) (0,1944) (0,9510) (0,2411) (0,2955) (0,1816) (0,8571)
Höchster Bildungsabschluss (1 = Abitur) 1,7193+ 0,4809** 0,7289 0,7968 1,7167+ 0,4962** 0,7501 0,8469
(0,5082) (0,1654) (0,2525) (0,3332) (0,5070) (0,1703) (0,2572) (0,3306)
Zufriedenheit mit dem Einkommen (1 = ja) 0,6593** 0,4369*** 0,5717+ 0,3726*** 0,6663** 0,4723** 0,6178+ 0,4250**
(0,1092) (0,1307) (0,1636) (0,1273) (0,1106) (0,1433) (0,1781) (0,1514)
Anforderungen an der Grundschule hoch 1,4536** 1,2551 1,7268** 3,3688*** 1,4597** 1,1942 1,6744** 2,9717***
(1 = ja) (0,2118) (0,3543) (0,4441) (1,0935) (0,2147) (0,3337) (0,4366) (0,9077)
Interesse des Kindes an Schule groß 1,3529+ 0,5419** 0,6243 0,8540 1,3466+ 0,5365** 0,6168 0,8659
(1 = ja) (0,2267) (0,1558) (0,1846) (0,3016) (0,2252) (0,1550) (0,1819) (0,3021)
Schulische Leistung des Kindes gut 0,8347 0,1016*** 0,1617*** 0,2761*** 0,8258 0,1031*** 0,1623*** 0,2835***
(1 = ja) (0,2269) (0,0330) (0,0546) (0,1162) (0,2248) (0,0335) (0,0546) (0,1191)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: 0,3605*** 0,5086+ 0,2576*** 0,5666 0,3595*** 0,4973+ 0,2547*** 0,5373
Schulweg (1 = ja) (0,0702) (0,2011) (0,0858) (0,2253) (0,0699) (0,1945) (0,0842) (0,2111)
Zur Unterstützung meines Kindes wende 0,9277 1,1794 1,0650 1,4528
ich viel Zeit auf (1 = ja) (0,1311) (0,3050) (0,2656) (0,4687)
Die durch die Schule anfallenden Kosten 1,1357 1,5358 1,5564 1,8556
empfinde ich als Belastung (1 = ja) (0,2859) (0,5749) (0,5511) (0,7175)
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
101
Fortsetzung Tabelle 10
Modell C Modell D
(1) (2) (3) (4) (1) (2) (3) (4)
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS:
Wunsch des Kindes (1 = ja)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS:
Geschwister in der Schule (1 = ja)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS:
Freunde in der Schule (1 = ja)
Schulqualität (Faktorenanalyse)
Sozialindexstufe abgebende GS
Gymnasialübergangsquote an GS
Sozialindexstufe nächstgelegene WS der
gewählten Schulform
Konstante 1,5987 0,4500 0,1475** 0,1901+ 1,6507 0,3904 0,1337** 0,1430**
(0,8297) (0,3864) (0,1174) (0,1631) (0,8556) (0,3459) (0,1091) (0,1211)
N 2527 2527
Pseudo R” 0.3122 0.3139
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung.
Hinweise: Gewichtete Modelle, robuste Standardfehler in Klammern; Koeffizienten sind relatives Risiko; Weitere Kontrollvariablen sind: Klassenstufe, Geschlecht, Anzahl der Geschwister,
Aktueller Schulweg zur Grundschule, Nachfrage - oder Angebotsüberhang der nächstgelegenen öff. weiterführenden Schulen (MW der letzten vier Jahre); bei Likert-Skalierten Antwort-
möglichkeiten wurden die erste und zweite Ausprägung (z.B. sehr hoch und hoch) jeweils zusammengefasst; + p < 0,10, ** p < 0,05, *** p < 0,01.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentsc heidungen
102
Tabelle 11: Modellierung der abhängigen Variablen ‚Schulwahlverhalten‘
Modell E Modell F
(1) (2) (3) (4) (1) (2) (3) (4)
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Zu Hause gesprochene Sprache(n) (Ref. = Nur Deutsch)
Deutsch und andere 1,4414 0,8848 0,1646** 1,5915 1,5551 1,2498 0,2280+ 1,7032
(0,4905) (0,5672) (0,1501) (1,0059) (0,5062) (0,7580) (0,2010) (1,0861)
eine oder mehrere andere Sprachen 0,9903 0,6913 0,4501** 2,0870+ 1,2801 1,1382 0,7400 2,8578***
(0,2106) (0,2855) (0,1660) (0,8259) (0,2768) (0,5009) (0,2770) (1,1484)
Höchster Bildungsabschluss (1 = Abitur) 1,8253** 0,5301+ 0,7866 0,9169 1,6772+ 0,4634** 0,6911 0,8573
(0,5373) (0,1991) (0,2775) (0,3609) (0,5118) (0,1724) (0,2453) (0,3370)
Zufriedenheit mit dem Einkommen (1 = ja) 0,6943** 0,4859** 0,6374 0,4518** 0,6628** 0,4392*** 0,5776+ 0,4201**
(0,1151) (0,1514) (0,1883) (0,1563) (0,1111) (0,1350) (0,1702) (0,1480)
Anforderungen an der Grundschule hoch 1,4909*** 1,1888 1,6416+ 2,8708*** 1,3097+ 0,9322 1,2787 2,4120***
(1 = ja) (0,2153) (0,3317) (0,4296) (0,8585) (0,1929) (0,2673) (0,3472) (0,7036)
Interesse des Kindes an Schule groß 1,3069 0,5236** 0,6216 0,8205 1,3313+ 0,5141** 0,6111+ 0,8628
(1 = ja) (0,2184) (0,1552) (0,1865) (0,2820) (0,2189) (0,1513) (0,1811) (0,3020)
Schulische Leistung des Kindes gut 0,8588 0,1052*** 0,1649*** 0,2948*** 0,8349 0,1059*** 0,1649*** 0,2735***
(1 = ja) (0,2409) (0,0348) (0,0556) (0,1244) (0,2332) (0,0349) (0,0556) (0,1143)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: 0,4138*** 0,4961+ 0,2777*** 0,5640 0,4250*** 0,5156+ 0,2896*** 0,5809
Schulweg (1 = ja) (0,0823) (0,1979) (0,0961) (0,2390) (0,0844) (0,2017) (0,0989) (0,2449)
Zur Unterstützung meines Kindes wende 0,8818 1,0581 0,9821 1,3333 0,8957 1,1020 1,0157 1,3745
ich viel Zeit auf (1 = ja) (0,1216) (0,2683) (0,2456) (0,4400) (0,1247) (0,2847) (0,2530) (0,4534)
Die durch die Schule anfallenden Kosten 1,1486 1,4759 1,4692 1,6342 1,2178 1,5952 1,5933 1,7260
empfinde ich als Belastung (1 = ja) (0,2938) (0,5609) (0,5155) (0,6275) (0,3147) (0,6144) (0,5691) (0,6669)
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
103
Fortsetzung Tabelle 11
Modell E Modell F
(1) (2) (3) (4) (1) (2) (3) (4)
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: 0,9727 0,5483 0,4094** 0,6212 1,0134 0,5967 0,4431** 0,6653
Wunsch des Kindes (1 = ja) (0,2060) (0,2017) (0,1500) (0,3195) (0,2148) (0,2236) (0,1647) (0,3438)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: 1,1325 0,9611 0,7944 0,4839** 1,1426 0,9656 0,8022 0,4987**
Geschwister in der Schule (1 = ja) (0,1675) (0,2823) (0,2274) (0,1554) (0,1686) (0,2828) (0,2266) (0,1585)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: 0,5042*** 0,7246 0,6998 0,9134 0,4825*** 0,6688 0,6409+ 0,8661
Freunde in der Schule (1 = ja) (0,0680) (0,2007) (0,1869) (0,2690) (0,0650) (0,1830) (0,1687) (0,2599)
Schulqualität (Faktorenanalyse) 1,1044 1,2900 1,2670 1,3745** 1,1261 1,3485 1,3267 1,4143**
(0,0908) (0,2935) (0,2253) (0,2202) (0,0973) (0,3140) (0,2370) (0,2317)
Sozialindexstufe abgebende GS 0,8346*** 0,7292*** 0,7263*** 0,7979**
(0,0448) (0,0612) (0,0593) (0,0736)
Gymnasialübergangsquote an GS
Sozialindexstufe nächstgelegene WS der
gewählten Schulform
Konstante 2,0433 0,7402 0,3347 0,2286 3,5043** 1,7297 0,7920 0,4322
(1,1097) (0,6755) (0,2975) (0,2258) (1,9619) (1,4958) (0,6801) (0,4431)
N 2527 2527
Pseudo R” 0.3241 0.3301
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung.
Hinweise: Gewichtete Modelle, robuste Standardfehler in Klammern; Koeffizienten sind relatives Risiko; Weitere Kontrollvariablen sind: Klassenstufe, Geschlecht, Anzahl der Geschwister,
Aktueller Schulweg zur Grundschule, Nachfrage - oder Angebotsüberhang der nächstgelegenen öff. weiterführenden Schulen (MW der letzten vier Jahre); bei Likert-Skalierten Antwort-
möglichkeiten wurden die erste und zweite Ausprägung (z.B. sehr hoch und hoch) jeweils zusammengefasst; + p < 0,10, ** p < 0,05, *** p < 0,01.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
104
Tabelle 12: Modellierung der abhängigen Variablen ‚Schulwahlverhalten‘
Modell G Modell H
(1) (2) (3) (4) (1) (2) (3) (4)
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Zu Hause gesprochene Sprache(n) (Ref. = Nur Deutsch)
Deutsch und andere 1,6109 1,1093 0,1915+ 1,6903 1,6050 1,0296 0,1706+ 1,6172
(0,5286) (0,7348) (0,1767) (1,0757) (0,5310) (0,7074) (0,1586) (0,9850)
eine oder mehrere andere Sprachen 1,2498 1,1867 0,7475 2,2322+ 1,2561 1,2478 0,7835 2,1858+
(0,2716) (0,5442) (0,2923) (0,9505) (0,2723) (0,5862) (0,3150) (0,9454)
Höchster Bildungsabschluss (1 = Abitur) 1,5398 0,5190+ 0,8382 1,0554 1,4051 0,3520** 0,5362 0,8094
(0,4741) (0,2006) (0,3040) (0,4323) (0,4447) (0,1579) (0,2257) (0,3467)
Zufriedenheit mit dem Einkommen (1 = ja) 0,6582** 0,4812** 0,6266 0,4465** 0,6572** 0,4760** 0,6044+ 0,4348**
(0,1110) (0,1469) (0,1849) (0,1549) (0,1113) (0,1477) (0,1792) (0,1511)
Anforderungen an der Grundschule hoch 1,2072 0,9711 1,5539 2,8918*** 1,2014 0,9340 1,4737 2,8537***
(1 = ja) (0,1804) (0,2902) (0,4233) (0,8850) (0,1795) (0,2801) (0,3945) (0,8597)
Interesse des Kindes an Schule groß 1,3634+ 0,4429*** 0,5954+ 0,7541 1,3539+ 0,4415** 0,5809+ 0,7591
(1 = ja) (0,2247) (0,1385) (0,1814) (0,2576) (0,2249) (0,1448) (0,1842) (0,2607)
Schulische Leistung des Kindes gut 0,8315 0,1195*** 0,1658*** 0,2736*** 0,7739 0,0796*** 0,1029*** 0,1756***
(1 = ja) (0,2380) (0,0412) (0,0572) (0,1181) (0,2321) (0,0311) (0,0403) (0,0843)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: 0,4257*** 0,6539 0,3331*** 0,5177 0,4192*** 0,5935 0,2956*** 0,4954
Schulweg (1 = ja) (0,0870) (0,2587) (0,1097) (0,2225) (0,0866) (0,2420) (0,0981) (0,2184)
Zur Unterstützung meines Kindes wende 0,8769 1,1194 0,8954 1,2590 0,8815 1,1287 0,9172 1,2910
ich viel Zeit auf (1 = ja) (0,1222) (0,2990) (0,2243) (0,4208) (0,1227) (0,3019) (0,2270) (0,4109)
Die durch die Schule anfallenden Kosten 1,2682 1,4656 1,4768 1,5374 1,2596 1,4266 1,3884 1,4944
empfinde ich als Belastung (1 = ja) (0,3329) (0,5959) (0,5407) (0,6056) (0,3288) (0,5869) (0,5158) (0,5753)
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
105
Fortsetzung Tabelle 12
Modell G Modell H
(1) (2) (3) (4) (1) (2) (3) (4)
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform ge-
wählt
Es wird die
nächstgele-
gene Gesamt-
schule ge-
wählt
Es wird eine
entfernte Ge-
samtschule
gewählt
Es wird eine
Schule einer
nicht empfoh-
lenen Schul-
form gewählt
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: 0,9899 0,6633 0,4182** 0,6873 0,9824 0,6714 0,4308** 0,6920
Wunsch des Kindes (1 = ja) (0,2128) (0,2492) (0,1492) (0,3505) (0,2098) (0,2517) (0,1508) (0,3400)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: 1,1098 0,9867 0,8177 0,4905** 1,1033 0,8973 0,7246 0,4819**
Geschwister in der Schule (1 = ja) (0,1630) (0,2871) (0,2285) (0,1622) (0,1618) (0,2641) (0,2023) (0,1571)
Wichtiger Aspekt für eine bestimmte WS: 0,4839*** 0,6368 0,5712** 0,9072 0,4882*** 0,6563 0,5826** 0,9451
Freunde in der Schule (1 = ja) (0,0661) (0,1761) (0,1495) (0,2762) (0,0662) (0,1870) (0,1534) (0,2873)
Schulqualität (Faktorenanalyse) 1,1429 1,3144 1,3900+ 1,3863** 1,1466 1,3395 1,4359+ 1,4136**
(0,1006) (0,3331) (0,2701) (0,2079) (0,1026) (0,3292) (0,2704) (0,2058)
Sozialindexstufe abgebende GS 1,0148 0,4954*** 0,5745*** 0,9489 1,0341 0,5465*** 0,6572*** 1,0433
(0,0729) (0,0563) (0,0657) (0,1141) (0,0730) (0,0665) (0,0755) (0,1329)
Gymnasialübergangsquote an GS 1,0220*** 0,9567*** 0,9639*** 0,9967 1,0217*** 0,9561*** 0,9652*** 0,9960
(0,0049) (0,0091) (0,0098) (0,0116) (0,0049) (0,0091) (0,0093) (0,0115)
Sozialindexstufe nächstgelegene WS der 0,9415 0,7197*** 0,6436*** 0,7727**
gewählten Schulform (0,0521) (0,0767) (0,0680) (0,0929)
Konstante 0,6223 37,4368*** 10,2340** 0,3744 0,8143 92,9874*** 27,2515*** 1,0071
(0,4159) (40,3054) (11,4913) (0,5316) (0,6166) (112,1708) (32,6242) (1,5106)
N 2527 2527
Pseudo R” 0.3510 0.3557
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung.
Hinweise: Gewichtete Modelle, robuste Standardfehler in Klammern; Koeffizienten sind relatives Risiko; Weitere Kontrollvariablen sind: Klassenstufe, Geschlecht, Anzahl der Geschwister,
Aktueller Schulweg zur Grundschule, Nachfrage - oder Angebotsüberhang der nächstgelegenen öff. weiterführenden Schulen (MW der letzten vier Jahre); bei Likert-Skalierten Antwort-
möglichkeiten wurden die erste und zweite Ausprägung (z.B. sehr hoch und hoch) jeweils zusammengefasst; + p < 0,10, ** p < 0,05, *** p < 0,01.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
107
Durchschnittliche Marginale Effekte
Die in Abschnitt 5.2 beschriebenen multinomialen Logit Modelle zeigen welche Merkmale der
Eltern, der Kinder, des sozialen Umfeldes und der Schulen dazu führen, dass Eltern von dem
Schulwahlverhalten ‚Wahl der nächstgelegenen Schule der empfohlenen Schulform‘ abwei-
chen. Tabelle 13 zeigt abschließend noch die Bedeutung aller Variablen des vollständigen
Modells (Modell H) für die jeweiligen individuellen Entscheidungen. Dargestellt sind die so ge-
nannten durchschnittlichen marginalen Effekte (englisch: average marginal effects, AME), die
aufzeigen, wie die Veränderung der Merkmale um jeweils eine Einheit die entsprechende Ent-
scheidung der Eltern beeinflussen.
Sprechen Eltern statt nur Deutsch, Deutsch und eine weitere Sprache oder nur
andere Sprache(n) zu Hause, hat dies i.d.R. keinen Effekt auf die jeweilige Schulwahl-
entscheidung (z.B. die nächstgelegene Schule der empfohlenen Schulform zu wählen) – die
AME sind statistisch nicht signifikant. Lediglich in Spalte 4 zeigt sich, dass die Wahrscheinlich-
keit eine entfernte Gesamtschule zu wählen sinkt, wenn die Eltern statt nur Deutsch, Deutsch
und eine weitere Sprache zu Hause sprech en. Dies zeigt, dass sich die Schulwahlentschei-
dungen der Eltern – in Abhängigkeit der zu Hause gesprochenen Sprac he – statistisch nicht
signifikant voneinander unterscheiden. Ob die nächstgelegene bildungsgangbezogene
Schule gewählt wird oder eine andere Schulwahlentscheidung getroffen wird, hängt
nicht signifikant von der zu Hause gesprochenen Sprache, sondern von a nderen Fak-
toren ab.
Der höchste Bildungsabschluss der Eltern beeinflusst nur die Wahl der nächst-
gelegenen Gesamtschule. Ist dieser das Abitur (d.h., die Variable steigt um eine Einheit
von 0 [=kein Abitur] auf 1 [=Abitur]), sinkt ceteris paribus (c.p.) die Wahrscheinlichkeit,
dass Eltern die nächstgelegene Gesamtschule für ihr Kind wählen um rd. 5 Prozent-
punkte (vgl. Tabelle 13, Spalte 3). Dies zeigt, dass Eltern mit Abitur sich eher gegen die
nächstgelegene Gesamtschule entscheiden, aber nicht automatisch für eine weiter entfernte
Gesamtschule oder eine bildungsgangbezogene weiterführende Schule – die AME sind in den
anderen Spalten (1, 2, 4 und 5) nicht signifikant. Ist Eltern der Schulweg wichtig oder sehr
wichtig (d.h., die Variable steigt um eine Einheit von 0 [=völlig unwichtig, eher unwich-
tig, teils-teils] auf 1 [=eher wichtig, sehr wichtig]), steigt c.p. die Wahrscheinlic hkeit,
dass Eltern die nächstgelegene Schule der empfohlenen Schulform wählen um 0,15,
also 15 Prozentpunkte (vgl. Tabelle 13, Spalte 1). Auch sinkt die Wahrscheinlichkeit c.p. um
13 Prozentpunkte (vgl. Tabelle 13, Spalte 2) eine weiter entfernte Schule der empfohlenen
Schulform zu wählen. Hingegen zeigt sich kein signifikanter Eff ekt auf die Wahl der
nächstgelegenen Gesamtschule (vgl. Tabelle 13, Spalte 3). Der Vergleich dieser drei Spal-
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
108
ten bzw. Entscheidungen zeigt, dass die Bedeutung des Sch ulwegs die Wahl einer bil-
dungsgangbezogenen weiterführenden Schule beeinflusst, jedoch nicht die Wahl der
nächstgelegenen Gesamtschule. Für diese Entscheidung sind somit erneut andere Fak-
toren entscheidender als der Schulweg.
Interessante Einflüsse zeigen sich auch für die Schulqualität, die Sozialindexstufe der
abgebenden Grundschule, die Gymnasialübergangsquote der abgebenden Grundschule und
die Sozialindexstufe der nächstgelegenen weiterführenden Schule der gewählten Schulform.
Eltern, die die Schulquali tät um eine Einheit höher einschätzen, wählen mit rd. 3 Pro-
zentpunkten seltener die nächstgelegene Schule der empfohlenen Schulform (vgl. Ta-
belle 13, Spalte 1) hingegen treffen sie nicht signifikant eher eine andere Schulwahlentschei-
dung – die AME sind in den Spalten 2 bis 5 nicht oder nur schwach signifikant. Die Einstellung
der Eltern zur Bedeutung der Schulqualität scheint somit die Entscheidung gegen die
nächstgelegene Schule zu sein, nicht jedoch automatisch für eine weiter entfernte
Schule oder Gesamtschule. Steigt aber die Übergangsquote auf das Gymnasium der abge-
benden Grundschule um eine Einheit (z.B. von 50% auf 51%) sinkt die Wahrscheinlichkeit, die
nächstgelegene Schule der empfohlenen Schulform zu wählen, um 0,0023, also um 0,23 Pro-
zentpunkte. D.h., je höher die Gymnasialübergangsquote der abgebenden Grundschule
in der Vergangenheit war, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass Eltern die
nächstgelegene Schule der empfohlenen Schulform wählen. Ein doppelt so hoher AME
wird für die Entscheidung eine weiter entfernte Schule der empfohlenen Schulform zu wählen
ermittelt. Steigt die Übergangsquote auf das Gymnasium der abgebenden Grundschule um
eine Einheit, s teigt die Wahrscheinlichkeit, eine weiter entfernte Schule der empfohlenen
Schulform zu wählen um 0,0047, also um 0,47 Prozentpunkte.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
109
Tabelle 13: Marginale Effekte auf das ‚Schulwahlverhalten‘
(1) (2) (3) (4) (5)
Es wird die
nächstgele-
gene Schule
der empfoh-
lenen Schul-
form ge-
wählt.
Es wird eine
entfernte
Schule der
empfohlenen
Schulform
gewählt.
Es wird die
nächstgele-
gene Ge-
samtschule
gewählt.
Es wird eine
entfernte
Gesamt-
schule ge-
wählt.
Es wird eine
Schule einer
nicht emp-
fohlenen
Schulform
gewählt.
Zu Hause gesprochene Sprache(n)
(Ref. = Nur Deutsch) . . . . .
Deutsch und andere -0,0685 0,0879 0,0373 -0,0657*** 0,0090
Nur andere Sprache(n) -0,0447 0,0275 0,0154 -0,0216 0,0234
Nominale Variablen (jeweilige Ref.: 0 = Nein):
Höchster Bildungsab-
schluss ist Abitur -0,0222 0,0814 -0,0467*** -0,0028 -0,0096
Zufriedenheit mit dem Ein-
kommen 0,0857*** -0,0497+ -0,0192 0,0024 -0,0192
Anforderungen an der
Grundschule hoch -0,0451+ 0,0109 -0,0191 0,0181 0,0352***
Interesse des Kindes an
Schule groß -0,0233 0,0725*** -0,0318** -0,0051 -0,0123
Schulische Leistung des
Kindes gut 0,1345*** 0,0635 -0,0888*** -0,0479** -0,0613**
Wichtiger Aspekt für eine
bestimmte WS: Schulweg 0,1503*** -0,1277*** 0,0210 -0,0395*** -0,0042
Zur Unterstützung meines
Kindes wende ich viel Zeit
auf 0,0148 -0,0275 0,0097 -0,0072 0,0102
Die durch die Schule an-
fallenden Kosten emp-
finde ich als Belastung -0,0460 0,0285 0,0060 0,0030 0,0084
Wichtiger Aspekt für eine
bestimmte WS: Wunsch
des Kindes 0,0217 0,0154 0,0058 -0,0327+ -0,0102
Wichtiger Aspekt für eine
bestimmte WS: Geschwis-
ter in der Schule -0,0009 0,0335 0,0044 -0,0123 -0,0247**
Wichtiger Aspekt für eine
bestimmte WS: Freunde
in der Schule 0,1188*** -0,1233*** 0,0008 -0,0080 0,0117
Kontinuierliche Variablen:
Schulqualität
(Faktorenanalyse) -0,0313** 0,0135 0,0026 0,0073 0,0078+
Sozialindexstufe abge-
bende GS 0,0053 0,0143 -0,0195*** -0,0028 0,0026
Gymnasialübergangs-
quote an GS -0,0023*** 0,0047*** -0,0015*** -0,0006 -0,0003
Sozialindexstufe nächst-
gelegene WS der gewähl-
ten Schulform 0,0200** -0,0001 -0,0030 -0,0108*** -0,0061
Quellen: Stadt Köln, Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung, Amt für Stadtentwicklung und Statistik
und Elternbefragung von4nach5; eigene Berechnung.
Hinweise: + p < 0,10, ** p < 0,05, *** p < 0,01; für weitere Hinweise siehe Tabelle 9.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
110
Fazit der Multivariaten Analysen
Treiber von individuellen Schulw ahlentscheidungen sind sowohl Merkmale der Eltern
und des Kindes als auch Merkmale des privaten/sozialen Umfelds. Darüber hinaus spie-
len Kontextmerkmale der abgebenden und (potenziell) aufnehmenden Schule n eine
zentrale Rolle bei der Schulwahl. In diesem Abschnitt wurde die Schulwahlentscheidung der
Kölner Eltern unter Zuhilfenahme dieser Merkmale modelliert, beschrieben und wichtige As-
pekte herausgearbeitet. Beschrieben wurde, wann Eltern von der ‚naheliegenden‘ Schulwahl-
entscheidung ‚Wahl der nächstgelegenen Schule der empfohlenen Schulform‘ abweichen und
welche Merkmale diese Entscheidung beeinflussen.
Zunächst lässt sich herausstellen, dass die berichteten Schulwahlentscheidungen der
Kölner Eltern in der Befragung und die tatsächlich getroffenen Entscheidungen aus der amtli-
chen Schulstatistik im Wesentlichen übereinstimmen: die meisten Eltern wählen eine bildungs-
gangbezogene Schule der empfohlenen Schulform oder eine Gesamtschule. Darüber hinaus
wählt gut die Hälfte auch die nächstgelegene Schule, was ebenfalls den moderaten Distanzen
zwischen den Schulen in der amtlichen Schulstatistiken entspricht.
Für die Wahl der nächstgelegenen Schule der empfohlenen Schulform ist insb.
entscheidend, dass Eltern dem Schulweg tatsächlich eine hohe Bedeutung beimessen.
Ist dieser Aspekt wichtig, steigt die Wahrscheinlichkeit, die nächstgelegene Schule der emp-
fohlenen Schulform zu wählen. Gleichzeitig sinkt die Wahrscheinlichkeit, eine entfernte Schule
der empfohlenen Schulform zu besuchen. D.h., der Schulweg ist sowohl bei der Entschei-
dung für als auch gegen eine bildungsgangbezogene Schule zentral. Hingegen spielt er
bei der Wahl einer Gesamtschule keine Rolle. Hier ist aber im Vergleich zu den anderen
Schulwahlentscheidungen der höchste Bildungsabschluss der Eltern relevant. Hat mindestens
ein Elternteil Abitur, sinkt die Wahrscheinlichkeit sich für die nächstgelegene Gesamtschule zu
entscheiden. Gleiches gilt, wenn das Interesse des Kindes an Schule groß ist. Dann sinkt die
Wahrscheinlichkeit sich für die nächstgelegene Gesamtschule zu entscheiden – gleichzeitig
steigt die Wahrscheinlichkeit sich für eine weiter entfernte bildungsgang bezogene Schule zu
entscheiden.
Der Wunsch des Kindes und Geschwisterkinder spielen im Zusammenhang mit
den anderen Merkmalen in den Modellen weder für noch gegen eine bestimme Entschei-
dung eine zentrale Rolle. Anders ist es hingegen mit Freunden. Ist Eltern wichtig, dass
Freunde des Kindes dieselbe Schule besuchen steigt die Wahrscheinlichkeit, die nächstgele-
gene Schule der empfohlenen Schulform zu besuchen. Gleichzeitig sinkt die Wahrscheinlich-
keit eine weiter entfernte Schule der empfohlenen Schulform zu wählen. Auf die Gesamtschul-
wahl hat auch dieser Aspekt keinen Einfluss.
5. Weiterführende Ergebnisse: Ökonometrische Modellierung von Schulwahlentscheidungen
111
Interessant im Hinblick auf die Schulwahlentscheidung ist aber die Bedeutung
von Schulqualität. Ist Eltern die Schulqualität wichtig, so sinkt nur die Wahrscheinlich-
keit die nächstgelegene Schule der empfohlenen Schulform zu wählen. D.h. die Beur-
teilung der Schulqualität ist ein zentraler Treiber gegen eine Entscheidung, aber nicht
für eine Entscheidung.
Eine besondere Bedeutung für die Schulwahlentscheidungen kommt den Kon-
textmerkmalen der Schulen zu. Wird zusätzlich zu den anderen Merkmalen für die Sozialin-
dexstufe der abgebenden Schule kontrolliert zeigen die Eltern mit steigender Sozialindexstufe
ein ‚empfehlungskonformes‘ Verhalten; je höher die Sozialindexstufe der abgebenden Grund-
schule, desto eher halten sich Eltern an die Empfehlung und wählen dabei die nächstgelegene
Schule. Allerdings verschwindet dieser Einfluss teilweise sobald für die letzte Gymnasialüber-
gangsquote der abgebenden Grundschule kontrolliert wird. Dann spielt die Sozialindexstufe
der abgebenden Grundschule bei einer bildungsgangbezogenen Wahl keine Rolle mehr – nur
noch die Wahl einer Gesamts chule wird davon negativ beeinflusst. Die Gymnasialüber-
gangsquote hat hingegen einen ‚erwarteten‘ Effekt. Je höher diese in der abgebenden
Grundschule in der Vergangenheit war, desto eher wählen Eltern nicht die nächstgele-
gene Schule. Dieser Effekt wird au ch dann beobachtet, wenn für die Sozialindexstufe
der nächstgelegenen Schule der gewählten Schulform kontrolliert wird.
6. Limitationen der Elternbefragung
113
6 Limitationen der Elternbefragung
Zunächst ist herauszustellen, dass sich die Ergebnisse der Umfrage als äußerst valide dar-
stellen. Obwohl Eltern mit Gymnasialwunsch in der Umfrage etwas überrepräsentiert sind, ist
hinreichend Variation in den Daten vorhanden und durch die vorgenommene Gewichtung kön-
nen belastbare Aussagen aus dem Antwortverhalten abgeleitet werden. Dennoch sollten auch
kurz die Limitationen der Studie diskutiert werden.
Das Schulwahlverhalten von Eltern unterliegt einer Reihe von unterschiedlichen
Einflussfaktoren. Neben den tatsächlichen (wahren) Präferenzen hinsichtlich der ge-
wünschten Schulform und Schule spielen auch strategische Überlegungen eine Rolle,
die aus d em Anmeldeverfahren resultieren . In diese strategischen Überlegungen fließen
z.B. die Aufnahmekriterien, Kapazitätsgrenzen oder Angebots - und Nachfragesituation der
vergangenen Schuljahre mit ein. Das bedeutet, dass aus den Ergebnissen nicht abzuleiten ist,
ob eine Entscheidung für eine Schule auf Grund der besten individuellen Passung getroffen
wird, oder ob sie strategischer Natur ist. Es finden sich aber deutliche Hinweise in den Anmel-
dezahlen der Schulstatistik, dass Eltern bestimmte Schulen als Substitute ansehen, und je
nach Auslastung der Schule im Vorjahr auf eine jeweils andere Schule derselben Schulform
ausweichen (nicht explizit in Kapitel 3 berichtet). Auch Hinweise der Eltern in Form von
Kommentaren während der Elternbefragung von4nach5 zeigen, dass nicht unbedingt
die Wunschschule angewählt wird, sondern jene Schule, bei der am ehesten mit einer
Aufnahme zu rechnen ist. So fasst ein Elternteil prägnant zusammen, dass es „[…] in Köln
kein Wunschkonzert mehr [ist], eine weiterführende Schule für sein Kind zu finden. Innerhalb
eines Umkreises von 3 Kilometern um die Wohnung spielt die Schulform bzw. der Ruf einer
Schule vielleicht eine führende Rolle. Wenn aber die Gefahr besteht, dass der Weg 10 km
oder sogar noch mehr (km) werden, ändern sich die Prioritäten. [...] Die Anmeldung hat dann
doch eher was mit Strategie, Taktik oder Blauäugigkeit zu tun.“ Die angegeben Wünsche
sind folglich nicht gleichzusetzen mit der tatsachlich zu beobachtenden Schulwahl.
Die Elternbefragung unterscheide t zwischen Schüler*innen mit und ohne festgestell-
tem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf und eine Reihe von Fragen wurden zu die-
sem Aspekt gestellt (Art des Unterstützungsbedarfs, Feststellung einer zielgleichen oder ziel-
differenten Förderung und dem Wuns ch nach einer Regel- oder Förderschule). Wie im Vor-
feld der Elternbefragung bereits vermutetet wurde, lässt sich der Bedarf an Förderschu-
len/Förderschulplätzen nicht gut in eine solch breit angelegte Elternbefragung integrie-
ren, sondern sollte durch eine gezielte Erfassung erfolgen. Dies bestätigen nicht nur die
geringen Rücklaufquoten in dieser Gruppe, sondern auch die Rückmeldungen der El-
ternschaft an das Projektteam. Die sehr komplexen Entscheidungssituationen der Familien
6. Limitationen der Elternbefragung
114
mit Kindern mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf werfen neben der Bildungsaspi-
ration viele sehr dringliche, mitunter praktische Fragestellungen auf. Dazu empfehlen die Au-
torinnen der Studie eine entsprechende gesonderte Erhebung.
Die Limitationen sollten Inhalt weiterer Untersuc hungen der Kölner Schullandschaft
ausmachen. Im nachfolgenden Kapitel werden die wesentlichen Ergebnisse dieser Studie auf-
gezeigt und Handlungsempfehlungen für die Kölner Schulentwicklungsplanung abgeleitet.
7. Fazit und Implikationen aus der Elternbefragung
115
7 Fazit und Implikationen aus der Elternbefragung
Aus der Analyse der Elternbefragung von4nach5 lassen sich Implikationen für die Schulent-
wicklungsplanung der Stadt Köln ableiten.
So zeigen die deskriptiven Analysen, dass Eltern i.d.R. der durch die Klassenleitung
ausgesprochenen Schulformempfehlung folgen. 80% der Eltern wählen ein Gymnasium, wenn
das Kind auch eine Gymnasialempfehlung erhalten hat, über 70% die Gesamt - oder Real-
schule bei Realschulempfehlung und über 60% die Gesamt- oder Hauptschule bei Hauptschu-
lempfehlung. Ob dies darauf zurückzuführen ist, dass die Empfehlungen den Leistu ngsstand
und das Leistungspotenzial der Kinder sehr gut widerspiegeln oder dass Eltern sich auf die
Einschätzung der Lehrkräfte verlassen, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. In
jedem Fall hat die Einschätzung der Lehrer*innen einen großen Einfluss auf die Schulformwahl
der Eltern für ihre Kinder. Dies bedeutet, dass Abschätzungen des zukünftigen Bedarfs
an Schulplätzen nach Schulform sich durchaus an der Entwicklung der Schulformemp-
fehlungen gegenüber den Eltern orientieren sollten und entsprechend als Prädiktoren
in die Schulentwicklungsplanung eingehen können.
Eltern von Kölner Grundschulkindern erachten alle vorhandenen Schulformen
des mehrgliedrigen Systems als wichtig , wobei der Hauptsc hule das geringste Gewicht
beigemessen wird, das Gymnasium und Gesamtschulen sind den Eltern besonders wichtig.
Dabei variiert die Wichtigkeit des jeweiligen Schulformangebots über die Sozialin-
dexstufe der abgebenden Grundschule wie auch über die Stadtbezi rke, sodass eine
Gleichverteilung der Schulformen über die Stadt Köln der Nachfrage nicht optimal ent-
sprechen kann. Regionale Unterschiede zeigen sich z.B. darin, dass Eltern von Kindern, die
eine Grundschule in Köln Kalk besuchen, zu einem höheren Anteil ein Realschulangebot als
wichtig erachten – wichtiger sogar als ein Gesamtschulangebot. Allerdings kann an dieser
Stelle nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass dies auch mit der sozialen Zusam-
mensetzung der Grundschulen und der möglichen sozialen Zusammensetzung der wei-
terführenden Schulen korreliert. So sind z.B. in Köln -Kalk in der Nähe der Realschulen
Grundschulen niedrigerer Sozialindexstufen zu finden, in der Nähe der Gesamtschulen finden
sich hingegen Grundschulen höherer Sozialindexstufen. Eltern äußern ihre Wünsche oder
betreiben Schulwahl somit vor dem Hintergrund des bestehenden Angebots im Stadt-
bezirk und berücksichtigen dabei das soziale Umfeld – was als Kriterium höher wiegen
kann als die genaue Schulform. Die Bedeutung des vorhandenen Angebots für die Entschei-
dung von Eltern findet sich auch in anderen Stadtbezirken . So dominiert z.B. im Stadtbezirk
Lindenthal der Wunsch nach Gymnasien deutlich – dort sind jedoch auch viele Gymnasien
verortet. Darüber hinaus sind dort viele Grundschulen niedriger Sozialindexstufen zu finden.
7. Fazit und Implikationen aus der Elternbefragung
116
Für Eltern von Kindern, die eine Grundschule einer sehr hohen Sozialindexstufe
besuchen, ist ein Haupt - und Realschulangebot wichtiger als Eltern mit Kindern in
Grundschulen niedriger Sozialindexstufen. Das Angebot an Realschulen ist in der Sozia-
lindexstufe 7 und 8 sogar deutlich wichtiger als das Angebot an Gesamtschulen. In den Sozia-
lindexstufen 1 und 2 dominiert die Wichtigkeit der Existenz von Gymnasien und Gesamtschu-
len. Dabei sind aber Gymnasien – so zeigen die Analysen weiter – für einen Großteil der
Eltern nicht ohne weiteres durch Gesamtschulen zu ersetzen. So hält ein wesentlicher
Anteil der Eltern mit Erstwunsch ‚Gymnasium‘ auch beim Zweit - und Drittwunsch an
einem Gymnasium fest – sofern sie überhaupt eine zweite Option äußern. Weniger als
10% der Eltern mit gymnasialem Erstwunsch nennen beim Zweit- oder Drittwunsch eine
Gesamtschule. Diese deutliche Präferenz für die Schulform Gymnasium, in Verbindung mit
dem ‚empfehlungskonformen‘ Wahlverhalten, sollte bei möglichen geplanten schulorganisato-
rischen Maßnahmen Berücksichtigung finden. Für Eltern von Kindern mit einer Haupt- oder
Realschulempfehlung ist die Gesamtschule eine attraktive Schulform. Bis zu einem ge-
wissen Grad lassen sich Haupt- und Realschulen somit mit Gesamtschulen substituie-
ren – gleichwohl dies, wie bereits diskutiert, je nach Stadtbezirk auch anders wahrge-
nommen werden kann. Im Rahmen der SEP muss der Schulträger somit die genauen
Rahmenbedingungen vor Ort analysieren, bevor bildungsgangbezogene Schulformen
durch Gesamtschulen ersetzt werden.
Die Analysen geben auch erste Hinweise auf die Gründe für das Befürworten der
Mehrgliedrigkeit des Schulsystems. Im Wesentlichen lassen sich zwei Aspekte identifi-
zieren: Individuelle Nachfrage und Segregation. Es existieren Gruppen von Eltern, die eher
Segregations- als Integrationstendenzen zeigen. So äußern Eltern mit gymnasialer Bildungs-
aspiration eher den Wunsch zur Segregation, d.h., sie wünschen sich z.B. die Existenz von
Hauptschulen mehr als die Existenz von Real- und Gesamtschulen. Andererseits haben die
bildungsgangbezogenen Schulformen, insbesondere die Realschule, auch ei nen eige-
nen Stellenwert – diese Schulform wird individuell für das eigene Kind nachgefragt. Für
die Schulentwicklungsplanung kann an dieser Stelle somit festgehalten werden, dass
integrierte Schulformen, wie die Gesamtschule, nicht bei allen Kölner Eltern gleicher-
maßen auf Zustimmung oder Ablehnung stoßen und dass dies bspw. in der Informati-
onspolitik hinsichtlich der Schulform Berücksichtigung finden sollte.
Eltern bilden zu einem nennenswerten Anteil bereits in der Schuleingangsphase – also
zu einem sehr frühen Zeitpunkt – eine Bildungsaspiration aus, vor allem für das Abitur. Auch
dies ist relevant für die Schulentwicklungsplanung, da sich die Bildungsaspiration auf die
Schulformwahl auswirkt. So zeigt die Elternbefragung von4nach5, dass Eltern, die für I hre
Kinder das Abitur anstreben, zu einem überwiegenden Teil das Gymnasium als Schulform
wählen.
7. Fazit und Implikationen aus der Elternbefragung
117
Auch die tatsächliche Nachfrage nach den Schulformen variiert deutlich über die
Stadtteile. So zeigen die Stadtteile Lindenthal, Innenstadt und Rodenkirchen ein starkes
Anwahlverhalten von Gymnasien, im Kölner Norden werden Gesamtschulen verstärkt
angewählt (Chorweiler, Ehrenfeld und Mülheim), während im Osten Kölns Realschulen
in nennenswerter Höhe nachgefragt werden und hier einen vergleichbaren Stellenwert
zu den Gesamtschulen einnehmen. Für eine gelungene SEP sollte dieses aktuelle Anwahl-
verhalten zur Kenntnis genommen werden, allerdings auch hier in dem Verständnis, dass die
Schulformwahl vor dem aktuellen Schulangebot getroffen wird. Es empfiehlt sich, im Z uge
möglicher planerischer Aktivitäten die spezielle Situation in den Stadtteilen und an den
Schulen im Einzelfall zu betrachten. Hierbei sollte auch beleuchtet werden, ob die Nach-
frage tatsächlich schulformgetrieben ist, oder z.B. aus Gründen des sozialen Umfeldes
entsteht.
Die Umfrageergebnisse geben zudem Auskunft über die wesentlichen Motive bei der
Wahl der weiterführenden Schule. Diese sind vor allem die bisherige oder eingeschätzte Leis-
tung des Kindes, der Schulweg und die Qualität der Schule. Den Sc hulweg in der SEP zu
berücksichtigen ist theoretisch sehr einfach, indem ein entsprechendes Bildungsangebot vor-
gehalten und geplant wird, dass der Besiedelung der Stadtbezirke entspricht und Schulstand-
orte in die Umsetzung großer Wohnbauprojekte integriert . Praktisch ist dies auf Grund man-
gelnder geeigneter Bauflächen jedoch oft nicht möglich. Standorte für Schulbauten müssen
mehreren (und and eren) Anforderungen genügen als Wohn - oder Gewerbebauten und sind
daher nicht immer ‚optimal‘ verortet. Der Schulträger muss den Aspekt ‚Schulweg‘ aber
weiterhin in seinem Bemühen , gut gelegene Standorte zu erschließen priorisieren.
Denn, so zeigen die Ergebnisse der Elternbefragung, der Schulweg ist unabhängig von
Stadtbezirk allen Eltern gleichermaßen wichtig.
Schwieriger für den Schulträger ist es, individuelle Aspekte der Kinder und Eltern bei
der SEP zu berücksichtigen. Den Leistungsstand der Kinder oder die Qualität der Lehrkräfte
kann der Schulträger nicht beeinflussen. Für die Bedarfsplanung an Schulplätzen könnt e
aber die Erfassung und Verfolgung des Leistungsstandes der vergangen Jahrgänge zur
Verbesserung der Bedarfsprognose beitragen – gleichwohl den Autorinnen durchaus
bewusst ist, dass dies in Ermangelung eines einfachen Zugangs zu entsprechenden
Daten ein s chwieriges Unterfangen ist. Die Qualität der Schule und die der Lehrer*innen
gehört zu den entscheidenden Kriterien, nach denen sich Eltern für eine bestimmte Schule
entscheiden. Könnte durch Schaffung von entsprechenden Rahmenbedingungen eine
hohe Qualität der Schule/Lehre unterstützt werden, hätte dies sicherlich großen Ein-
fluss auf die Schulwahl. Eine Rahmenbedingung, die der Schulträger berücksichtigen kann,
könnte sein, dass ausreichend Schulplatz vorhanden ist, um die Klassen an den einzelnen
Schulen nicht zu groß werden zu lassen – doch auch das Bestreben , Klassen minimal (und
7. Fazit und Implikationen aus der Elternbefragung
118
nicht maximal) zu füllen erfordert ggf. zusätzliches Lehrpersonal, das wiederum von Seiten
des Landes bereitzustellen ist. In jedem Fall ist davon auszugehen, dass für die Erhaltung
und Verbesserung der Qualitätsstandards an Schulen signifikante Investitionen, so-
wohl aus Sicht der inneren als auch der äußeren Schulangelegenheiten, notwendig sein
werden.
Welche Rückschlüsse für die SEP lassen sich aus den weiterführenden Analysen ‚Ökonomet-
rische Modellierung von Schulwahlentscheidungen‘ für die Schulentwicklungsplanung ziehen,
die über die der oben diskutieren uni - und bivariaten deskriptiven Ergebnisse hinausgehen?
Zunächst zeigt sich, dass die Wahl einer bestimmten Schule – unter Kontrolle zahlrei-
cher Merkmale, die für sich durchaus einen großen Einfluss haben – maßgeblich von
individuellen Präferenzen und Merkmalen bestimmt wird, auf die der Schulträger eben-
falls keinen Einfluss hat (z.B. die Einkommenszufriedenheit der Eltern, die bisherige schuli-
sche Leistung des Kindes, ob Freunde dieselbe weiterführende Schule besuchen werden oder
ob das Kind Interesse an Schule hat). Weiterhin zeigen sich Merkmale der Peer -Gruppe,
sowohl der der abgebenden Grundschule als auch der nächstgele genen weiterführen-
den Schule als bedeutend für die Entscheidung der Eltern für oder gegen eine be-
stimmte Schule und unterstützen die Vermutung der unterschiedlichen Tendenzen
(Segregation/Integration und individuelle Nachfrage). So erhöht eine hohe vergangene Gym-
nasialübergangsquote der abgebenden Grundschule (die auf eine homogene Peer -Gruppe
deutet) die Wahrscheinlichkeit, nicht die nächstgelegene bildungsgangbezogene Schule oder
eine Gesamtschule zu besuchen. Dies deutet darauf hin, dass Eltern bestimmte Erwartun-
gen an die weiterführende Schule eines konkreten Bildungsgangs knüpfen und bereit
sind, höhere Kosten (insb. längere Schulwege) in Kauf zu nehmen, um ihre Kinder auf
diese, möglicherweise ‚Traditionsschule‘ oder Schule mit der ein besonders guter Ruf
einhergeht, unterzubringen. Messbare Qualitätskriterien der weiterführenden Schulen,
die die Eltern selbst als wichtig nennen, spielen hierbei keine zentrale Rolle mehr.
Schulen mit mehreren Bildungsgängen, also Gesamtschulen, ob nahegelegene
oder weiter entfernte, werden hingegen von jenen Eltern gewählt, die ein gemeinsames
Lernen der Kinder auf unterschiedlichen Niveaus befürworten bzw. die Leistung und
das Interesse ihrer eigenen Kinder (noch nicht) als hoch einschätzen (können). Darüber
hinaus spielt aber auch hier die soziale Zusammensetzung eine große Rolle, insbesondere
wenn es um die Entscheidung für oder gegen die nächstgelegene Gesamtschule geht. Eltern
mit dem höchsten Schulabschluss Abitur oder die ihre Kinder aus einer Grundschule
abgeben, die in der Vergangenheit eine hohe Übergangsquote auf das Gymnasium ver-
zeichnet hat, wählen seltener die nächstgelegene Gesamtschule (Segregationstendenz)
7. Fazit und Implikationen aus der Elternbefragung
119
während z.B. mehrsprachige Eltern seltener eine weiter entfernte Gesamtschule wählen
(Integrations- bzw. Verbleibtendenz).
Die Wahl einer Schulform, die durch die Grundschule nicht empfohlen wurde,
wird überwiegend von Eltern betrieben, die besondere Anforderungen an die Förderung
ihres Kindes haben (Förderschulen, private Schulen). Dies wird insb. deutli ch, da hier
der Aspekt der Schulqualität positiv (wenn auch schwach signifikant) auf die Entschei-
dung wirkt, wohingegen hohe Anforderungen der Grundschule positive und gute schulische
Leistungen des Kindes negativ wirken. Dies ist ein wesentlicher Untersch ied zu anderen
Schulwahlentscheidungen.
Für die SEP lässt sich hieraus ableiten, dass viele der von den Eltern genannten As-
pekte im gemeinsamen Zusammenspiel betrachtet werden müssen. Eltern treffen Entschei-
dungen somit nicht hierarchisch sondern heterarch isch. Es ist also z.B. nicht zunächst der
Schulweg und dann die Zusammensetzung der Schule (oder vice versa) relevant sondern
beide Aspekte gleichzeitig in einer bestimmten, meist subjektiven, Gewichtung zueinander ent-
scheidend. Eine darauf ausgelegte SEP muss somit bei der Bereitstellung von Schul-
raum auch mehrere Faktoren gleichzeitig und entsprechend gewichtet berücksichtigen.
Literaturverzeichnis
121
Literaturverzeichnis
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Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
123
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
Abbildung 1: Allgemeinbildende Schulen in Trägerschaft der Stadt Köln, Schuljahr 2021/22 6
Abbildung 2: Ablaufdiagramm zum Anmeldeverfahren der Stadt Köln für das Schuljahr
2022/23 ................................ ................................ ................................ ...................... 9
Abbildung 3: Übergangsempfehlungen der öffentlichen Grundschulen nach Schulart,
Schuljahr 2018/19 bis 2021/22 ................................ ................................ ..................10
Abbildung 4: Übergänge von den öffentlichen Grundschulen nach Schulart, Schuljahr 2018/19
bis 2021/22 ................................ ................................ ................................ ...............12
Abbildung 5: Übergänge von den öffentlichen Grundschulen nach Übergangsempfehlung,
Schuljahr 2018/19 bis 2021/22 ................................ ................................ ..................14
Abbildung 6: Distanz zwischen der abgebenden öffentlichen Grundschule und der
aufnehmenden weiterführenden Schule nach Rheinseite und Schulform, Schuljahr
2018/19 bis 2021/22................................ ................................ ................................ ..16
Abbildung 7: Übergänge von den öffentlichen Grundschulen nach abgebendem und
aufnehmendem Stadtbezirk, Schuljahr 2021/22 ................................ ........................18
Abbildung 8: Übergänge auf die öffentlichen weiterführenden Schulen, Schuljahr 2018/19 bis
2021/22 ................................ ................................ ................................ .....................20
Abbildung 9: Übergänge auf die öffentlichen weiterführenden Schulen nach Schulform,
Schuljahr 2018/19 bis 2021/22 ................................ ................................ ..................22
Abbildung 10: Schulplätze, Anmeldungen, Aufnahmen und Schüler*innen in Jg. 5 an
öffentlichen weiterführenden Schulen nach Schulform, Schuljahr 2018/19 bis 2021/22
................................ ................................ ................................ ................................ .27
Abbildung 11: Differenz der Regelschulplätze zu den Anmeldungen an öffentlichen
weiterführenden Schulen je Schule nach Schulform, Schuljahr 2016/17 bis 2021/22 30
Abbildung 12: Differenz der Regelschulplätze zu den Anmeldungen an öffentlichen
weiterführenden Schulen je Schule nach Schulform, Schuljahr 2021/22 ...................31
Abbildung 13: Rücklaufquote je Schulstandort der öffentlichen Grundschulen .....................41
Abbildung 14: Schüler*innen nach Stadtbezirk der besuchten Grund - oder Förderschule,
Befragte und Grundgesamtheit des Schuljahres 2021/22 ................................ .........44
Abbildung 15: Schüler*innen nach Sozialindexstufe der besuchten Grund- oder Förderschule,
Befragte und Grundgesamtheit des Schuljahres 2021/22 ................................ .........44
Abbildung 16: Öffentliche Grundschulen nach Sozialindexstufe und Stadtbezirk, Schuljahr
2021/22 ................................ ................................ ................................ .....................49
Abbildung 17: Angestrebter Schulabschluss nach Klassenstufe ................................ ...........51
Abbildung 18: Wichtigkeit der Schulformen ................................ ................................ ..........52
Abbildung 19: Informationsstand zu den Schulformen ................................ ..........................53
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
124
Abbildung 20: Schulformempfehlung und Schulformwahl von Viertklässler*innen ................54
Abbildung 21: Schulformwahl, insgesamt und nach Jahrgangsstufe ................................ .....55
Abbildung 22: Einstellung zu Bildung und Schule ................................ ................................ .57
Abbildung 23: Wichtigkeit der Schulformen (+ +) nach Schulformempfehlung, Schulformwahl
und Erstwunschschule ................................ ................................ .............................. 59
Abbildung 24: Wichtigkeit der Schulformen nach Sozialindexstufe ................................ .......61
Abbildung 25: Wichtigkeit der Schulformen nach Stadtbezirk ................................ ...............64
Abbildung 26: Wichtigkeit der Schulformen (++ und +) nach Sozialindexstufe und Stadtbezirk
................................ ................................ ................................ ................................ .65
Abbildung 27: Wichtigkeit der Schulformen und Informationsstand zu Schulformen .............69
Abbildung 28: Wichtigkeit der Schulformen und Schulformempfehlung bzw. -wahl ...............70
Abbildung 29: Schulformwahl von Viertklässler*innen nach Schulformempfehlung ..............71
Abbildung 30: Schulformwahl von Viertklässler*innen nach angestrebtem Schulabschluss ..72
Abbildung 31: Schulformwahl bei unentschlossenen Eltern nach Jahrgangsstufe ................73
Abbildung 32: Schulformwahl nach Stadtbezirk, alle Jahrgänge ................................ ...........74
Abbildung 33: Schulformwahl nach Stadtbezirk, nur 4. Jahrgangsstufe ................................ 75
Abbildung 34: Zur Unterstützung des Kindes aufgewendete Zeit nach Stadtbezirk ..............77
Abbildung 35: Zur Unterstützung des Kindes aufgewendete Zeit nach Sozialindexstufe ......78
Abbildung 36: Berufserfolg durch hohe Schulbildung nach Sozialindexstufe ........................79
Abbildung 37: Wunsch zum Statuserhalt beim Schulabschluss nach Sozialindexstufe .........80
Abbildung 38: Wichtige Aspekte für die Schulwahl ................................ ............................... 81
Abbildung 39: Wichtigkeit des Wunsches des Kindes nach Stadtbezirk ............................... 82
Abbildung 40: Wichtigkeit des Gemeinsamen Lernens nach Stadtbezirk .............................. 83
Abbildung 41: Wichtigkeit des Schulwegs nach Stadtbezirk ................................ .................84
Abbildung 42: Wichtigkeit des Schulprofils nach Sozialindexstufe ................................ ........85
Abbildung 43: Wichtigkeit der Geschwister nach Sozialindexstufe ................................ .......85
Abbildung 44: Mögliche Schulwahlentscheidungen, Anteile in Prozent (%) ..........................92
Abbildung 45: Eltern nach Schulformempfehlung und Schulwahlentscheidung, Anteile in
Prozent (%) ................................ ................................ ................................ ...............92
Tabelle 1: Verhältnis von Angebot und Nachfrage der öffentlichen weiterführenden Schulen,
Schuljahr 2018/19 bis 2021/22 ................................ ................................ ..................25
Tabelle 2: Beschreibung der Grundschüler*innen und der Eltern anhand ausgewählter
Merkmale ................................ ................................ ................................ ..................46
Tabelle 3: Anwahlverhalten bei einem gymnasialen Erstwunsch ................................ ..........76
Tabelle 4: Freiwillige Klassenwiederholungen auf Grund der Corona -Pandemie nach
Sozialindexstufe und Stadtbezirk, Anteile in Prozent (%) ................................ ..........86
Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
125
Tabelle 5: Veränderte Schulformwahl auf Grund der Corona-Pandemie nach Sozialindexstufe
und Stadtbezirk, Anteile in Prozent (%) ................................ ................................ .....87
Tabelle 6: Mögliche Schulwahlentscheidungen ................................ ................................ ....90
Tabelle 7: Abhängige Variable ‚Schulwahlverhalten‘ ................................ ............................93
Tabelle 8: Kodierung und Verteilung der erklärenden Variablen, gewichtete Anteile bzw.
Mittelwerte ................................ ................................ ................................ ................96
Tabelle 9: Modellierung der abhängigen Variablen ‚Schulwahlverhalten‘ .............................. 98
Tabelle 10: Modellierung der abhängigen Variablen ‚Schulwahlverhalten‘ .......................... 100
Tabelle 11: Modellierung der abhängigen Variablen ‚Schulwahlverhalten‘ .......................... 102
Tabelle 12: Modellierung der abhängigen Variablen ‚Schulwahlverhalten‘ .......................... 104
Tabelle 13: Marginale Effekte auf das ‚Schulwahlverhalten‘ ................................ ............... 109
Anhang
126
Anhang
Anhang A - Hochrechnungsfaktoren
Bei der Elternbefragung von4nach5 waren Eltern von 40.658 Grundschüler*innen in der Stadt
Köln angesprochen. 6.476 (5.520) haben sich mit einem (vollständig) ausgefüllten Fragebogen
an der Online -Befragung beteiligt. Für die Auswertung der Angaben und die spätere Hoch-
rechnung der Angaben auf alle Grundschüler*innen der Stadt Köln ist es erforderlich, die Re-
präsentativität der Angaben sicherzustellen. So ist z.B. denkbar, dass Eltern von Grundschü-
ler*innen der vierten Jahrgangsstufe eher an der Befragung teilnehmen als Eltern von Kindern
der ersten Jahrgangsstufe und/oder dass Eltern, die mit dem Schulplatzvergabesystem insge-
samt unzufriedener sind, eher antworten als zufriedene Eltern. Auch ist möglich, dass das
Antwortverhalten von soziodemografischen Merkmalen der Eltern und Kinder abhängig ist und
nicht jede Personengruppe durch die Antworten repräsentiert wird. Sind z.B. Eltern von Viert-
klässler*innen unter den 6.476 beantworteten Fragebögen im Vergleich zu ihrem Vorkommen
in der Grundgesamtheit deutlich überrepräsentiert, führt eine ungewichtete Hochrechnung der
Motive und Bedarfe auf alle Grundschüler*innen zu einer Unterschätzung der Situation in der
Stadt Köln. Daher ist es erforderlich für diesen Umstand zu korrigieren. Hierfür werden Hoch-
rechnungsfaktoren generiert, die die Repräsentativität der Antworten für die Grundgesamtheit
sicherstellen sollen. Die Hochrechnungsfaktoren richten sich an allen Merkmalen der Grund-
schüler*innen und Grundschulen des Schuljahres 2021/22 der Stadt Köln und werden simul-
tan, also in einem Schritt ermittelt. In die Hochrechnung sind folgende Merkmale der Schü-
ler*innen und der Grundschulen eingegangen:
Zahl der Schüler*innen je Schulträger (Stadt Köln (öffentliche Grundschule) oder andere)
Zahl der Schüler*innen je Schulform (Grundschule oder Förderschule)
Zahl der Schüler*innen je Schulart bei Grundschulen (GGS oder KGS/EGS)
Zahl der Schüler*innen je Jahrgangsstufe (1.+2. bzw. Schuleingangsphase, 3. oder 4.)
Zahl der Schüler*innen nach Verkehrssprache (Deutsch oder andere Sprache[n])
Zahl der Schüler*innen nach Stadtbezirk der besuchten Schule (Innenstadt, Rodenkirchen,
Lindenthal, Ehrenfeld, Nippes, Chorweiler, Porz, Kalk oder Mülheim)
Zahl der Schüler*innen nach Sozialraum des Stadtteils (Kombination der ordinal skalierten
Merkmale Anteil der SGB II -Bedarfsgemeinschaften mit Kindern an allen Haushalten mit
Kindern [unter 9%, 9-16%, 16-23%, 23-34%, über 34%] und Anteil der 6 bis unter 10-Jäh-
rigen mit Migrationshintergrund an allen Kindern im Alter von 6 bis unter 10 Jahren [unter
46%, 46-58%, 58-70%, 70-82%, über 82%]).
Zahl der Schüler*innen nach Sozialindexstufe der besuchten Schule (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8
oder ohne)
Anhang
127
Anhang B - Konzeption der Elternbefragung von4nach5
Kern der vorliegenden Studie bildet die Online-Umfrage von4nach5. Die zu leistenden Aufga-
ben im Projekt gehen all erdings weit über die Erstellung eines Fragebogens hinaus. Hierzu
gehören neben einer wissenschaftlich fundierten Fragensammlung (vgl. Abschnitt 4.1.2) und
deren Digitalisierung und Auswertung vor allem ein ganzheitliches Marketing -Konzept sowie
das Bereitstellen eines verlässlichen Verteilungskanals, durch den die Kölner Eltern über die
Befragung informiert werden und ihren Zugang zu dieser erhalten. Das Marketing-Konzept der
Elternbefragung setzt sich zusammen aus einem Branding, einem Kommunikations-Strategie-
Mix und dem Einbezug eines Begleitgremiums. Alle Strategien und Maßnahmen erfolgten in
enger Absprache und Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber, der Stabsstell e Integrierte Ju-
gendhilfe- und Schulentwicklungsplanung (Dezernat IV/2) der Stadt Köln und unter Vernet-
zung mit angelehnten Ämtern der Stadt. Von Beginn an wurde ein interdisziplinäres Begleit-
gremium zur Gewährleistung der Akzeptanz der Elternbefragung bei den unterschiedlichen
Interessengruppen hinzugezogen. Das Gremium setzte sich zusammen aus schulpolitischen
Sprecher*innen, der Stadtschulpflegschaft, dem Schulamt für die Stadt Köln, Sprecher*innen
der Grundschulen und der Schulverwaltung der Stadt Köln. Diese wurden über die Inhalte und
Kommunikationsstrategie der Umfrage informiert und auch Namensgebung und Logo wurden
gemeinsam diskutiert. Auch der Inhalt des Fragebogens wurde an dieser Stelle thematisiert,
sowohl im gesamten Aufbau und Zielsetzung bis hin zu der Diskussion einzelner Fragen. Die
Konzeption der Umfrage und ihre Einzelkomponenten wurde im gemeinsamen Konsens durch
das WIB, das Dezernat IV/2 und das Begleitgremium verabschiedet. Im Folgenden wird die
Konzeption der Umfrage im Einzelnen erläutert.
Branding
Teil der durch das WIB implementierten ganzheitlichen Kommu-
nikationsstrategie stellt das Branding dar. Dadurch werden ein
Wiedererkennungswert und eine Eindeutigkeit der Umfrage ge-
schaffen. Geeignete Umsetzungsinstrumente stellt die Entwicklung eines Namen s und eines
Logos dar. Anforderungen an den zu entwickelnden Namen sind zum einen ein Bezug zu dem
Inhalt der Elternbefragung und zum anderen eine Einfachheit. Die Elternbefragung thematisiert
das Schulwahlverhalten der Eltern im Übergang von der Primarstu fe in die Sekundarstufe I.
von4nach5
Anhang
128
Dies wird im Namen als Thema aufgegriffen: von4nach5 beschreibt den Übergang der Schul-
kinder von der vierten in die fünfte Jahrgangsstufe. Die Findung des Namens unterlag einem
Entwicklungsprozess in Rücksprache mit der Stabsstelle Integrierte Jungendhilfe- und Schul-
entwicklungsplanung und dem Amt für Presse - und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln. Zur
Gewährleistung einer Wiedererkennung ist neben einem eindeutigen Namen auch ein Logo
notwendig. Für den Entwurf des Logos wurde seitens des Amts für Presse - und Öffentlich-
keitsarbeit nahegelegt, auf ein bestehendes Logo einer vergangenen Elternbefragung zurück-
zugreifen. Das Logo selbst wurde angepasst durch den Satz- und
Layoutservice der Stadt Köln. Hierbei wurde das dominierende
Fragezeichen in seinen Proportionen erhalten und der Text an die
Elternbefragung von4nach5 eingepasst. Die Farbgebung ent-
spricht dem Corporate Design des WIB. Das Logo wurde auch sei-
tens des Begleitgremiums als ansprechend empfunden.
Kommunikation I
Die Kommunikation rund um die Elternbefragung wurde gemeinsam mit dem Auftraggeber,
der Stabsstelle Integrierte Jugendhilfe - und Schulentwicklungsplanung (IV/2) der Stadt Köln
durchgeführt. Die Kommunikationsstrategie wurden zudem sehr eng mit dem Amt für Schu l-
entwicklung abgesprochen. Darüber hinaus wurde die Terminierung der Elternbefragung in-
tern, also innerhalb der Ämter und angelehnten Verbände der Stadt Köln kommuniziert und
auch die Eltern wurden im Vorlauf informiert. Hierfür fand am 21. September 2021 eine Infor-
mationsveranstaltung für die Fachberater der Schulsozialarbeiter statt, die von der Integrierten
Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung durchgeführt wurde. Anhand eines durch das WIB
entwickelten Leitfadens wurde durch das Projekt geführt. Erste Informationen an die Schulen
wurden am 20. Oktober 2021 durch den Infobrief des Amtes für Schulentwicklung mit ange-
hängten Fachinformationen und dem Leitfaden zum Projekt an die Schulleitungen übermittelt.
Damit waren die Schulleitungen über das Projekt informiert und angehalten, die Informationen
an das Kollegium zu streuen. Der Leitfaden und der Onepager konnten dabei als Handrei-
chung genutzt werden. In jedem Dokument und im Zuge jeder Kommunikation wurde das WIB
als Ansprechpartner genannt. Auch in de r externen Kommunikation nahmen die Ämter des
Dezernats IV der Stadt Köln eine wesentliche Rolle ein. Am 26. November 2021 wurde der in
vier Sprachen (Deutsch, Englisch, Türkisch, Arabisch) verfasste Elternbrief über das Amt für
Schulentwicklung an die Sch ulleitungen der Kölner Grund - und Förderschulen im Primarbe-
reich übermittelt, mit der Bitte, diesen an die Eltern zuzustellen. Der Elternbrief erklärt den
Zweck der Elternbefragung und fordert die Eltern zur Teilnahme auf. Er wurde durch den De-
zernenten für Bildung, Jugend und Sport der Stadt Köln unterzeichnet, um die Relevanz der
Anhang
129
Elternbefragung nochmals zu untermauern. Transparenz hinsichtlich des Inhalts und der Or-
ganisation der Befragung wurden von Beginn an versiert und das WIB als Ansprechpartner
vorgestellt. Der hier beschriebene Kommunikationsweg wird in der untenstehenden Abbildung
visualisiert.
Kommunikation I: beteiligte Ämter, Informationsinstrumente und Aufgaben
Kommunikation II - Medien
Website
Das WIB hat eine Internetseite zur Online-Umfrage von4nach5 erstellt. Die Seite wurde in die
Homepage des Instituts integriert. Sie diente vorrangig dem Bereitstellen von Informationen
über den Zweck und den Inhalt der Befragung. Wichtiges Informationsmaterial wurde grund-
sätzlich in vier Sprachen zu Verfügung gest ellt (Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch).
Ferner wurde an unterschiedlichen Stellen wiederkehrend das WIB als Kontakt genannt. Auf
der Startseite des Projekts wurden die Leser*innen mit dem Logo der Umfrage und einem
Anreißer-Text empfangen. Von der Startseite aus hatte man die Möglichkeiten, a) auf weitere
intern
Amt für
Schulent-
wicklung
Teil des Konsortiums
Verteilung
Infobrief 40
Amt für
Stadtent-
wicklung und
Statistik
stellt amtli-
che Schul-
statis-tik be-
reit
1000 Zent-
rale Dienste
1000/214 –
Satz- und
Layout-ser-
vice
Informiert über IV/2
Logo-Ent-
wurf
Amt für
Presse und
Öffentlich-
keitsarbeit
Presse- ar-
beit
Fachbera-
tung der
Grundschul-
sozialarbeit
Informa-ti-
onsver-brei-
tung; Hilfe
vor Ort
extern
Schulleitungen
Grund- und Förder-
schulen im Primar-
bereich
Informiert durch In-
fobrief 40
Informieren des
Kollegiums (Leh-
rer*innen Sekretari-
ate
Schulsozial-arbei-
ter*
innen)
Eltern
Informiert durch
Elternbrief (DE,
EN, TR, AR), un-
terzeichnet durch
Dezernenten
Teilnahme an der
Elternbefragung
PLANUNG UND ORGANISATION: Wuppertaler Institut für bildungsökonomische Forschung (WIB) in
Zusammenarbeit mit der Stabsstelle Integrierte Jugendhilfe- und Schulentwicklungsplanung
KOMMUNIKATIONINSTRUMENTE: Informationsveranstaltungen für Fachberatungen der Grundschulsozialarbeiter*in-
nen am 21.09.2021, Onepager von4nach5, Leitfaden von4nach5, Infobrief 40 Elternbrief am 20.10.2021, Elternbrief am
26.11.2021, Fachinformation zur Elternbefragung
Anhang
130
Informationen zum Projekt zuzugreifen, b) Antworten auf häufig gestellte Frage zu erhalten
und c) zur Online-Umfrage zu gelangen.
zu a) Hier stellte das WIB umfangreiches Informationsmaterial zur Elternbefragung zur
Verfügung. Zweck und Inhalt der Elternbefragung wurden kurz und prägnant in drei Sätzen
erfasst. Die nachfolgende Projektbeschreibung führt die Inhalte des Projekts für die interes-
sierten Leser*innen ausführlicher aus. Das WIB war von Beginn des Projekts an um Transpa-
renz bemüht. Deshalb enthielt der Internetauftritt einen Onepager, anhand dessen das Projekt
auf einen Blick in seinen Etappen vorgestellt und grafisch ansprechend aufbereitet wurde. Zu-
dem wurden die Abläufe und Kommunikatio nswege im Projekt durch die Gestaltung eines
Leitfadens in Form einer fünfseitigen Präsentation ausformuliert und auf die Internetseite ge-
stellt. Diese Elemente, Onepager und Leitfaden, wurden auch der Stadt Köln zur Kommunika-
tion mit den Fachberatungen der Schulsozialarbeit und weiteren involvierten Gruppen wie Ver-
einen und Verbänden zur Verfügung gestellt. Unter dem Menüpunkt ‚weitere Informationen
und Dokumente‘ fanden sich neben speziellen Hinweisen auch der durch den Beigeordneten
für Bildung, Jugend u nd Sport der Stadt Köln unterzeichnete Elternbrief, der im November
2021 an die Eltern übersendet wurde. Dieser wurde den Eltern in vier Sprachen zur Verfügung
gestellt und fand sich auf der Internetseite entsprechend in den Sprachen Deutsch, Englisch,
Türkisch und Arabisch zum Download.
Der Onepager stellt das Projekt auf einen Blick dar und visualisiert die Ziele der einzelnen Bausteine.
Anhang
131
Um die Umfrage weiter zu bewerben, erstellte das WIB einen Podcast, indem sich das WIB
vorstellte und die Inhalte und den Hintergrund der Elternbefragung nochmals darstellte. Zudem
erfolgte ein Appell an die Eltern der Grundschüler*innen in Köln, an der Umfrage teilzunehmen.
Um die Eltern bei der Umfrage zu unterstützen, entstand der Wunsch zur Erste llung
eines Erklärvideos, aus dem hervorgeht, wie die Eltern zu der Online-Umfrage gelangen und
wie sie durch diese navigieren. Das WIB hatte entsprechende Screencasts in den Sprachen
Deutsch, Englisch, Türkisch und Arabisch produziert und auf der Projekthomepage eingestellt.
Zudem übersendete das WIB diese Videos auf Anfrage an die S chulsozialarbeiter*innen.
Diese wurden dann vor Ort und/oder über LOGINEO an die Eltern kommuniziert.
zu b) Unter dem Reiter FAQ wurden häufig gestellte Fragen beantwortet. Diese wurden
anhand der Rückmeldungen der Eltern zu der Befragung laufend aktualisiert. Die Fragen be-
schäftigten sich im Schwerpunkt mit dem Inhalt der Befragung, der Anonymität und möglicher
Rückverfolgung durch die Vergabe von Zugangscodes sowie anwendungs technischen Hin-
weisen.
zu c) Mit Freischaltung der Online-Umfrage konnte man von der Startseite des Projekts
aus direkt zur Elternbefragung gelangen, die Eingabe des Zugangscodes war dann erforder-
lich. Die Stadt Köln hatte auf ihrer Homepage ebenfalls eine Internetseite zu der Befragung
erstellt, die auf die Seite des WIB verlinkte. Entsprechend fand sich eine Rückverlinkung nach
Köln auf der Projekthomepage. Auch hier war die Gewährleistung der Transparenz maßgeb-
lich. Den Eltern musste versichert und verdeutlicht werden, dass das WIB im Auftrag der Stadt
Köln handelt. Barrierefreiheit und Datenschutz wurden über die Bergische Universität Wup-
pertal hergestellt und durch das Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln über-
prüft.
Die beiden nachfolgen Abbildungen zeigen den Aufbau und die Struktur der Projekt-
homepage.
Anhang
132
Das gemeinsam mit dem Layout-
service der Stadt Köln entwi-
ckelte Logo der Umfrage
(ehem.) offizielles Logo der Stadt
Köln
Anreißertext
Menüpunkte
Verlinkung zur Umfrage
Verlinkung zum WIB zur Ge-
währleistung der Transparenz
(Wer führt die Umfrage durch?)
von4nach5 Projektstartseite integriert in die WIB -Homepage, wiederum integriert in den Internetauftritt der Bergi-
sche Universität Wuppertal (BUW) und ihrer Lehrstühle und Institute.
Anhang
133
von4nach5 in drei Sätzen
kurze Projektbeschreibung
Podcast: Warum ist es wichtig, dass
Kölner Eltern bei der Online -Umfrage
mitmachen?
von4nach5 auf einem Blick: Onepager
Der Leitfaden zur Orientierungshilfe
und zur Weitergabe an unterschiedli-
che Interessengruppen (Fünfseitige
Präsentation)
Erklärvideo zum Ausfüllen der Online -
Umfrage in den Sprachen Deutsch,
Englisch, Türkisch und Arabisch
Bereitstellung weitre Informationen und
Dokumente in Form von häufig gestell-
ten Fragen, Elternbrief in den Sprachen
Deutsch, Englisch, Türkisch und Ara-
bisch
Namentliche Nennung des Projekt-
teams
E-Mail-Adresse als Kontakt
Auftraggeber
Die von4nach5-Projekthomepage bewarb die Elternbefragung von4nach5 und half beim Verständnis ihres Ziels,
als auch bei technisch -operativen Angelegenheiten wie das Ausfüllen des Online -Fragebogens. Auch weiterfüh-
rende Informationen standen hier zum Download zur Verfügung.
Anhang
134
Presse
Um die Information über das Stattfinden der Elternbefragung möglichst öffentlichkeitswirksam
zu kommunizieren, waren eine Reihe von Formaten angedacht, durch welche die Kölner Be-
völkerung insgesamt hätte erreicht werden können. Neben den lokalen Printmedien stand en
auch lokale Fernsehformate zur Diskussion, um die Elternbefragung und deren Relevanz in
der Mitte der Gesellschaft zu platzieren. Mit der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit betraut war
das Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Köln. Hier fand am 22. November 2021
eine Mitteilung im Ausschuss für Schule und Weiterbildung statt. Aus der Pressemitteilung
resultierten insgesamt zwei Artikel, einer in der Kölnischen Rundschau und einer im Kölner
Stadtanzeiger, beide am 5. Januar 2022 erschienen, die auf das Stattfinden der Elternbefra-
gung aufmerksam machten. Gruppenspezifische Maßnahmen, wie bspw. die Platzierung der
Informationen in einem verbreiteten Stadtmagazin für Familien in Köln/Bonn, konnten nicht
umgesetzt werden.
Verteilung der Zugänge
Bei der Verteilung der Zugänge zur Online-Umfrage kam den Grund- und Förderschulen eine
Schlüsselrolle im Projekt zu, wodurch eine gute Informationsstrategie den Schulen gegenüber
erforderlich wurde (s. Anhang B, Kommunikation I). Da den Schulen im Rahmen der Kommu-
nikation das WIB durch die Stadt Köln als ausführendes Institut bekannt gemacht wurde, konn-
ten die Vorabinformationen zu der Umfrage direkt durch das WIB an die Schulen übersendet
werden. Zur Kommunikation genutzt wurde über die gesamte Projektlaufzeit hinweg die Schul-
nummern-E-Mail-Adresse der Schulen. In den Vorabinformation wurden die Schulen angelei-
tet, wie die Zugänge an die Eltern zu überstellen seien. Um eine Kontrollmöglichkeit zu be-
wahren, wurden die Zugänge klassenweise bzw. klassenstufe nweise konzipiert, je nach Or-
ganisation der Schule. Informationen über die Schulorganisation wurden aus der amtlichen
Schulstatistik entnommen. Die dezidierte Anleitung zum Übersenden der Zugänge, welche
auch ein Beispiel zur Illustration des Vorgangs vorhielt, wurde am 14. Dezember 2021 mit dem
Hinweis übersendet, dass die Umfrage im Januar 2022 stattfinden wird. Auch ein durch das
Amt IV/2 erstelltes Poster wurde in diesem Zuge an die Schulen übersendet, mit dem die Um-
frage vor Ort beworben werden konnte. Das WIB stand unter einer eigens für die Umfrage
eingerichteten E-Mail-Adresse für Fragen zur Verfügung. Rückfragen seitens der Schulen in
Bezug auf den geplanten Ablauf und der speziellen Rolle der Schule traten nicht auf. Die Über-
sendung der eigentlichen Zugänge zur Online-Umfrage erfolgte am 11. Januar 2022. Dieser
Termin ergab sich unmittelbar durch das Ende der Weihnachtsferien 2021/22 (erster Schultag
im neuen Jahr war der 10. Januar 2022) und dem Halbjahresende am 31. Januar 2022, zu
dem die Elternb efragung abgeschlossen sein sollte. Die Schulen wurden gebeten, die Zu-
gänge bis zum 13. Januar – dem offiziellen Start der Umfrage – an die Klassenleitungen oder
Anhang
135
direkt an die Eltern weiterzuleiten. Dabei müssen die E-Mails durch die Schulen weder geöffnet
noch gelesen werden, da der Adressat sich eindeutig aus dem jeweiligen Betreff ergab. Frei-
geschaltet war die Umfrage bereits zum 11. Januar 2022, sodass nach Erhalt der Zugänge die
Eltern direkt an der Umfrage teilnehmen konnten. Ab dem 13. Januar 2022 hatten die Eltern
bis zum 21. Januar 2022 Zeit, an der Umfrage teilzunehmen. Allerdings war von Vornherein
eine Verlängerung der Laufzeit bis zum 30. Januar 2022 geplant. Hierzu wurde am 20. Januar
2022 eine erneute, nicht personalisierte E-Mail versandt, die über die einmalige Verlängerung
der Laufzeit informierte. Zum 30. Januar 2022 wurde die Online-Umfrage endgültig geschlos-
sen. Sowohl in dem Elternanschreiben als auch in der Elternbefragung selbst wurden die El-
tern auf die E-Mail-Adresse des WIB aufmerksam gemacht, die bei Rückfragen gerne in An-
spruch genommen werden sollte. Zudem gab es eine Verlinkung zu der Projekthomepage, auf
der sich die Eltern detailliert über die Umfrage informieren konnten (s. Anhang B, Kommuni-
kation II).
Um sicher gehen zu können, dass die Zugänge zur Online -Umfrage ihren Weg in die
Schulen und schlussendlich zu den Eltern gefunden hatten, wurden durch das WIB mehrere
Kontrollen in den Verteilungsprozess integriert. Zum einen wurde zwischen dem 12. und 14.
Januar 2022 bei 50% der Schulen (zufällig ausgewählt) eine fernmündliche Abfrage vorge-
nommen, um das Eingehen der E-Mails bestätigen zu lassen. Ergänzend erfolgte ab dem 14.
Januar 2022 über die Schulpflegschaftsvorsitzende, die nach eigenen Angaben etwa 50% der
Elternschaft über ihren Verteiler erreicht, eine Abfrage direkt bei den Eltern. Insgesamt wurde
für 74 Schulen der Erhalt und das Weiterleiten bzw. der Erhalt durch die Eltern bestätigt. Damit
haben sich die Kölner Grund - und Förderschulen als verlässlicher Partner in der Verteilung
der Zugänge bestätigt. Auf Grund des hohen Engagements und der Bereitschaft, das Projekt
aktiv zu unterstützen, konnte das Verteilungskonzept sehr erfolgreich umgesetzt werden.
Um mögliche Barrieren weiter abzubauen und allen Eltern die Teilnahme an der Online-
Umfrage zu ermöglichen, entstand auf Anregen der Sozialarbeit der Grundschule Konrad -A-
denauer-Straße, Köln-Finkenberg, ein besonderes Konzept. Die Schulsozialarbeiter*innen der
Kölner Grund- und Förderschulen wurden über den Verteiler der Fachberatungen mit der Bitte
angeschrieben, Unterstützung vor Ort im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu leisten. Das Konzept
war derart aufgestellt, dass die Schulsozialarbeiter*innen ein- bis zweimal in der Woche einen
ein- bis zweistündigen Termin anbieten sollten, in dem sie gemeinsam mit den Eltern die On-
line-Umfrage ausfüllen. Das WIB stellte dazu die Screencasts, Onepager, Elternbriefe und
Leitfaden zur Verfügung. Seitens der Schulsozialarbeit der GGS Konrad -Adenauer-Straße
wurde das vom WIB bereitgestellt e umfangreiche Informationsmaterial sehr begrüßt und die
Umfrage insgesamt als sehr gut vorbereitet empfunden. Der Rücklauf seitens der Schulsozi-
alarbeit war sehr gering, sodass diese Maßnahme hier nicht bewertet werden kann. Im Falle
der GGS Konrad-Adenauer-Straße nahmen nach sehr hohem Aufwand insgesamt fünf Eltern
Anhang
136
das Angebot durch die Sozialarbeit wahr. Es muss zu diesem Zeitpunkt davon ausgegangen
werden, dass der Nutzen der Maßnahme in Anbetracht des enormen Aufwands sehr gering
war. Eine Übersicht üb er den Prozess der Zustellung der Zugänge und der implementierten
Kontrollen zeigt die untere Abbildung.
Prozess der Zustellung der Zugänge und der durch das WIB implementierten Kontrollen
Vorankün-di-
gung
14. Dez.
2021
Nutzung und Testung des Schulnummernverteilers
Schriftliche Erläuterung an die Sekretariate/Schulleitungen bzgl. der Verfahren bei der Zustellung der
Zugänge an die Eltern inkl. Beispiel
Hinweis, dass die Umfrage im Januar stattfinden wird
Übersenden eines Posters (IV/2) zwecks Werbung vor Ort
von4nach5@wiwi.uni-wuppertal.de als Ansprechpartner
Vorlauf
11. Jan. 2022
Übersendung der Zugänge klassenweise bzw. klassenstufenweise direkt aus der Umfragesoftware
heraus ab dem 11. Jan. 2022 mit der Bitte, die Zugänge bis zum 13. Jan. an Eltern zu übersenden
Gleichzeitiges Freischalten der Umfrage ab 11. Jan. 2022
Information über Schulorganisation aus amtlicher Schulstatistik
von4nach5@wiwi.uni-wuppertal.de als Ansprechpartner
Start
13. Jan 2022
Bis zum 13. Jan. 2022: Übersenden der Zugänge an die Eltern der Klassen bzw. Klassenstufen durch
die Schulleitung/Sekretariate/Klassenleitungen
E-Mail mit Zugängen enthält Erläuterungstext für die Eltern und Zugang zur Online-Umfrage direkt
über Link oder über QR-Code
offizielles Ende der Umfrage am 21. Jan. 2022
Kontrolle I ab
13. Jan. 2022
Zwischen dem 12. und 14. Jan. 2022 wurden stichprobenartig 50% der Schulen fernmündlich kontak-
tiert, ob die Zugänge eingegangen sind und/oder sich Fragen ergeben haben
Kontrolle II ab
24. Jan. 2022
Ab den 14. Jan. 2022: Abfrage direkt bei den Eltern über Verteiler der Schulpflegschaftsvorsitzenden,
welcher ca. 50% der Elternschaft umfasst
Aus Kontrolle I und II resultiert insgesamt zu 74 Schulen eine Rückmeldung, dass Zugänge erhalten /
(demnächst) weitergeleitet (werden) / bei Eltern eingegangen sind
EXTRA:
Schulsozial-
arbeit
Auf Initiative der GGS Konrad-Adenauer-Straße Köln-Finkenberg: Erarbeitung eines Konzepts, wie
Schulsozialarbeiter*innen die Eltern vor Ort beim Ausfüllen der Umfrage unterstützen können.
Screencasts und Poster wurden dazu vom WIB und Dez. IV/2 zu Verfügung gestellt.
Abfrage Resonanz Schulsozialarbeit: kaum Rückmeldungen
Verlängerung
(geplant)
Kurz vor Ablauf der Umfrage, am 20. Jan. 2022, erhalten die Sekretariate eine nicht personalisierte E-
Mail über die Umfragesoftware zwecks Weiterleitung an die Eltern, dass Online-Umfrage verlängert
wurde
Eltern werden an die Teilnahme erinnert und die Abgabefrist einmalig und endgültig auf den 30. Jan.
2022 verlängert
Umfrage-
stopp 30.
Jan. 2022
Die Online-Umfrage von4nach5 wurde geschlossen
Anhang
137
Resonanz
Das WIB stand über die gesamte Projektlaufzeit als Ansprechpartner für Schulen und Eltern
zur Verfügung. Es war dem Team dabei sehr wichtig, mögliche Hemmschwellen abzubauen
und neben der extra zu diesem Zwecke eingerichteten E-Mail-Adresse auch telefonisch unter
namentlich genannten Ansprechpartner*innen erreichbar zu sein.
Insgesamt wurde wenig von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Seitens der Schu-
len kamen fast ausschließlich Fragen organisatorischer Natur auf. Dies erfolgte überwiegend
im Falle einer Umorganisation der Schule von Klassen zu Klassenstufen oder umgekehrt, da
hier eine sinnvolle Zuordnung der Online-Zugänge nicht möglich war. Diese Ungenauigkeit in
der Passung ergab sich dadurch, dass eine aktuelle Umstellung der Organisation in der Schul-
statistik des Vorjahres naturgemäß nicht abgebildet war. Ein anderer Fall organisatorischer
Schwierigkeiten war das Eröffnen einer neuen Klasse. Es handelte sich hierbei um Einzelfälle,
in denen neue und/oder weitere Zugänge für die entsprechende Schule durch das WIB gene-
riert wurden. Allein durch die Tatsache, dass die Schulen sich bei Schwierigk eiten aktiv mel-
deten, zeigt das große Engagement und die Ernsthaftigkeit, die seitens der Schulen der El-
ternbefragung entgegengebracht wurde.
Auch Eltern nahmen die Möglichkeit der Kontaktaufnahmen wahr und auch hier waren
es i.d.R. Einzelfälle. Im Zentrum der Rückmeldungen stand der Unmut über das aktuelle An-
meldeverfahren bzw. Schulplatzvergabeverfahren in der Stadt Köln und zielte nicht primär auf
die Elternbefragung oder die Online-Umfrage selbst. Im Allgemeinen ist festzuhalten, dass die
aktuelle Situation durch viele Kölner Eltern als sehr belastend empfunden wird, was durch das
WIB der Stadt Köln auch entsprechend zurückgespiegelt wurde.
Insgesamt war der Zeitpunkt der Umfrage kein einfacher, da sowohl Schulen als auch
Eltern durch die Corona-Pandemie und die damit einhergehenden Vorschriften, Verbote und
Regelungen in extremer Weise belastet waren.
Anhang
139
Anhang C - Interviews
Zusammenfassung Interview I: Gemeinschaftsgrundschule, sehr hohe Sozialin-
dexstufe
Einstündiges Interview vom 30.03.2022, vor Ort, Gesprächspartner: Schulleitung
Bei der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) handelt es sich um eine Grundschule des Gemein-
samen Lernens einer sehr hohen Sozialindexstufe. Die Grundschule ist in 12 Lerngruppen
organisiert, seit wenigen Jahren sind 7 der 12 Lerngruppen als jahrgangsübergreifende Klas-
sen in der Schuleingangsphase konzipiert, seit 2015 Vorbereitungsklassen implementiert. Das
Kollegium setzt sich aus 60 Personen zusammen, hierunter 12 Lehrer*innen und 3 Fachleh-
rer*innen. Die Schule liegt in einem sozialen Brennpunkt und ist durch V ielsprachigkeit und
Analphabetismus der Elternschaft charakterisiert. Die Schulleitung ist Sonderpädagoge/Son-
derpädagogin und leitet die Grundschule wie eine Mischung aus Grundschule und Förder-
schule. Es wird eine Änderung des Curriculums angestrebt, sodass Deutsch als Fremdsprache
unterrichtet werden soll. Die Schulleitung selbst ist primär mit der Akquise und Organisation
von Programmen, Geldern und Personal beschäftigt.
Beschreibung der Schüler- und Elternschaft
Derzeit besuchen ca. 290 Kinder die Schule, davon haben 98% einen Migrationshintergrund.
Der Kindergarten wurde in der Regel nur sehr kurz besucht (oft nur 3 Monate) – erfolgte dies
im direkt angrenzenden Kindergarten, findet sich dort ein Migrantenanteil von 100%. Die Kin-
der kommen folglich mit geringen sprachlichen Kenntnissen in die Grundschule. Beherrscht
ein Kind, das von dem Kindergarten in die Grundschule wechselt normalerweise ca. 10.000
Worte, so ist das Kollegium an dieser Grundschule zufrieden, wenn 10.000 Worte beim Ver-
lassen der Schule beherrscht werden. Allerdings ist beim Verlassen der Schule die Sprache
nicht mehr problematisch – in dem Sinne, dass aus rein sprachlichen Defiziten die Schüler*in-
nen eine Haupt- oder Förderschule besuchen müssten.
Der Analphabetismus-Anteil unter den E ltern liegt bei ca. 40%, wobei nicht zu unter-
scheiden ist, ob echter oder funktionaler Analphabetismus vorliegt (arabische resp. kyrillische
Lettern anstelle der lateinischen). Folglich müssen hier oft Sonderwege zur Kommunikation
entwickelt werden, die si ch in einem gewöhnlichen Schulalltag nicht finden. So werden zur
Verständigung zwischen Lehrern und Eltern bspw. Piktogramme und Messenger Dienste zur
Übermittlung von Sprachnachrichten eingesetzt. Die sog. Mittel- und Oberschicht besucht die
Grundschule nicht, sondern wählt andere Grundschulen, wobei die Segregation bereits im Kin-
dergarten beginnt. Integration der Schüler*innen in die Gesellschaft ist beim Verlassen der
Schule trotz Sozialtraining problematisch.
Anhang
140
Insgesamt werden derzeit an der Grundschule 23 verschiedene Sprachen gesprochen.
Welcher Sprachanteil überwiegt, wechselt alle zwei bis drei Jahre, je nach aktueller Bevölke-
rungszusammensetzung des Stadtteils. Folglich herrscht eine extrem hohe Fluktuation unter
den Schüler*innen: Bspw. wurde festgestellt, dass von 25 Schüler*innen, die eine erste Klasse
besuchten, nur vier in der vierten Klasse (wieder 25 Schüler*innen) verblieben sind, die bereits
in der ersten Klasse die Schule besuchten. Von der ersten bis zur 4. Klasse hat die Lehrkraft
in diesem Beispiel 89 verschiedene Kinder über vier Jahre in dieser Klasse beschult. Diese
Fluktuation resultiert daraus, dass die Menschen im Stadtteil nicht ansässig werden. Auf Grund
des verfügbaren Wohnraums ist der Stadtteil für viele Zuzügler aus dem Ausland ein erster
Anlaufpunkt, von dem aus eine Verbesserung der Wohnsituation angestrebt wird. Die starke
Fluktuation ist keine gute Voraussetzung für Nachbarschaftsinitiativen oder sozialen Zusam-
menhalt. Auch in der Schule sind die Eltern nicht organisiert.
Ca. 4% der Eltern werden als der Bildungsexzellenz zugehörig beschrieben, etwa 8%
durch schulische Bildungsfremdheit. Dabei sind die Eltern im Allgemeinen überwiegend an
einer guten Schulbildung der Kinder interessiert. Es gibt allerdings kein Bewusstsein unter
weiten Teilen, dass Eltern einen aktiven eigenen Beitrag zum Bildungserfolg der Kinder leisten.
Die Eltern geben sich eher passiv, sehen die Verantwortung bei den Lehrer*innen.
Gewünschte Schule/Schulform
Eindeutig kann hier festgehalten werden, dass die Lage der Schule die Schulwahl determiniert,
die bestimmt dabei dann ‚nebenbei‘ die Schulformwahl. 100% der Eltern – unabhängig des
Bildungsstandes – wünschen eine weiterführende Schule in der unmittelbaren Umgebung.
Viele erhalten einen Schulplatz vo r Ort. Schüler*innen, die hier nicht angenommen werden,
werden über die Stadt verteilt. Dies ist eine große Schwierigkeit für die Eltern, die den Umkreis
des Stadtviertels auch sonst nicht verlassen. Motive sind Angst vor unsicheren Wegen und
Angst vor anderen sozialen Gruppen. Bereits befahrene größere Straßen stellen eine ernst-
hafte Hürde dar.
Übergangsempfehlungen
Die typische Verteilung der Empfehlungen im Schnitt der vergangenen sechs Jahre stellt sich
wie folgt dar:
ein Kind pro Klasse erhält eine Gymnasialempfehlung
ca. 50% der Kinder des Abschlussjahrgangs erhalten eine Realschulempfehlung
ca. 25% der Kinder des Abschlussjahrgangs erhalten eine Hauptschulempfehlung
ca. 25% der Kinder des Abschlussjahrgangs werden als Förderschüler*innen eingestuft
Anhang
141
Schwankungen treten gewöhnlich um jene Kinder auf, die unter die Ausbildungsordnung Son-
derpädagogischer Förderung (AOSF) fallen. Dieser Anteil wird im kommenden Abschlussjahr-
gang (2023) viel stärker vertreten sein. Diese Kinder erhalten keine echte Schulfor mempfeh-
lung, sondern werde auf die Schulen entsprechend des Förderschwerpunkts verteilt.
Die Schulformempfehlung wird vor dem Hintergrund einer sehr guten, langfristigen und
kontinuierlichen Diagnostik zum Ende des ersten Halbjahres der vierten Klasse ausg espro-
chen. Der Schulbesuch dauert i.d.R. fünf Jahre, die Möglichkeit zur 3-jährigen Eingangsphase
werden hier voll ausgeschöpft. Im Allgemeinen kann festgehalten werden, dass die Eltern sich
überwiegend der ausgesprochenen Schulformempfehlungen anschließen . Diskussionen tre-
ten im Einzelfall auf. Dabei spielt der Einfluss der Familie eine wesentliche Rolle; es entschei-
det die Familie im Sinne der Familie. Hier sind überwiegend Mädchen betroffen, die seitens
der Familie eine Hauptschule besuchen sollen/müssen , um zu Hause ihre durch die Familie
bestimmte Rolle einzunehmen. Die Familie und die Peer -Gruppe spielen eine sehr große
Rolle. So hat bereits ein*e Dolmetscher*in im Beratungsgespräch einen entscheidenden Ein-
fluss.
Bzgl. des Informationsstandes der Elter n ist nicht anzunehmen, dass diese sich der
Unterschiede zwischen den einzelnen Schulformen bewusst sind und einschätzen können,
welche Anforderungen damit einhergehen.
Wünsche
Wenn der Schulleitung Wünsche bzgl. der Schullandschaft offen stünden, wäre dies zum einen
ein Campus. Denn das Campusformat ermöglicht ein enges Zusammenarbeiten vor Ort mit
den Sozialpädagog*innen und/oder Lehrer*innen des herkunftssprachlichen Unterrichts (HKU)
als Begleiter der Kinder in die fünfte Klasse. Eine viel engere Ver zahnung von Primar - und
Sekundarbereich könnte umgesetzt werden, sodass die Kinder als Gesamtheit in die Sekun-
darstufe an einem Ort übergehen und dies wird kontinuierlich begleitet durch das Fachperso-
nal, das derzeit nur den Übergang gestaltet, aber nicht länger begleitet. Dies würde das Ein-
binden in langfristige Programme ermöglichen, die derzeit mit dem Übergang enden/ersetzt
werden. Denn die Schwierigkeiten beginnen in der Regel ab Klasse sechs. Zudem wird ein
Wunsch nach einem einphasigen Schulsystem ge äußert. Desweitern herrscht in Bezug auf
die Förderschulen der Wunsch nach Verbundschulen, was durch andere Städte auch prakti-
ziert wird. Köln hingegen betreibt im Förderschulbereich eine Trennung nach Schwerpunkten.
Dies führt dazu, dass die Förderschüler*innen über die gesamte Stadt verteilt werden, was als
nachteilig von Schüler*innen und Eltern empfunden wird. Letztlich äußert die Schulleitung ei-
nen Wunsch nach einem höheren Stellenwert von Schule in der Stadt Köln insgesamt.
Anhang
142
Zusammenfassung Interview II: Gemeinschaftsgrundschule, mittlere Sozialin-
dexstufe
Einstündiges Interview vom 31.03.2022, online, Gesprächspartner: Schulleitung
Bei dieser GGS handelt es sich um eine Schule des Gemeinsamen Lernens mittlerer Sozia-
lindexstufe. Die Schule ist als einzügig geführt, allerdings existieren bis auf eine Jahrgangstufe
in allen Jahrgängen zwei Klassen. Das Kollegium besteht aus insgesamt 14 Personen, davon
7 Lehrer*innen, 2 Fachlehrer*innen, ein/eine Sozialpädagoge/ -pädagogin und vier weiteren
Mitarbeitenden. Bis auf 2 Mitarbeiter*innen und der Leitung arbeitet das Kollegium in Teilzeit.
Der Offenen Ganztag organisiert sich in vier Gruppen mit jeweils einer Leitung zzgl. einer Er-
gänzungskraft. Es wird deutlich, dass die Schulleitung eine Vielzahl von Funktionen zu erfüllen
hat. Lehrbezogene Aufgaben sind das Erarbeiten von Konzepten mit dem und für das Kolle-
gium, Stundenplanerstellung, das Führen von Elterngesprächen und zudem immer noch das
Unterrichten. Ein Großteil der Zeit wird auf die Schulorganisation verwendet sowie der Koope-
ration mit den Trägern und der Schulaufsicht, aber auch für die Gebäudeinstandhaltung. Auf
Grund der zu dem Zeitpunkt geltenden Corona -Regelung gehörten auch das Bereitstellen,
Überwachen und Durchführen von Testverfahren sowie die Zusammenarbeit mit den Teststa-
tionen zu den Aufgaben.
Beschreibung der Schüler- und Elternschaft
Im Ganzen wird die Zusammenarbeit mit den Eltern als sehr vertrauensvoll angegeben. Die
Elternschaft lässt sich bei allem Mut zur Vereinfachung am besten mit ‚ Arbeiterelternschaft‘
beschreiben. Der Anteil an Akademikern unter den Eltern ist eher gering. Die Eltern werden
als sehr mithelfend beschrieben. Elternabende zeichnen sich durch eine gewisse Zielorientie-
rung aus, sodass diese vergleichsweise straff verlaufen und nicht in mehrstündige Veranstal-
tungen ausufern. Einen sehr hohen Stellewert hat seitens der Eltern die Verlässlichkeit des
Schulalltags. Hierzu gehören feste und verlässliche Abholzeiten, sodass sich die Schule mit
dem Arbeitsalltag sicher planen lässt. Würden hier Unregelmäßigkeiten auftreten, führte dies
zu massivem Unmut. Als Beispiel kann der ehemalige Träger der OGS dienen, der auf Grund
von Personalmangels sehr unzuverlässig war. Folglich wurde ein neuer, verlässlicher Träger
gefunden. Die Corona-Zeit mit ihren massiven Einschränkungen wurde allerdings sehr gut be-
wältigt. Hieraus hervorgehende Konflikte waren minimal. Dies liegt auch daran, dass das Kol-
legium und die Schulleitung ‚sehr nah an den Eltern ist‘ und in der Krise Präsenz zeigt. Insge-
samt zeigen sich die Eltern an der Grundschule zufrieden.
Als zur Bildungsexzellenz zugehörig werden mit ca. 2% eher wenige Eltern eingestuft,
als schulisch eher bildungsfremd werde mittlerweile – denn dieser Anteil steigt über die Jahre
– etwa ein Drittel der Eltern eingestuft.
Anhang
143
Gewünschte Schule/Schulform
Die Abfolge im Entscheidungsprozess der Eltern gestaltet sich derart, dass maßgeblich nach
der Schulform entschieden wird und darauf aufbauend die passende Schule gesucht wird.
Dabei ist die Entfernung zur weiterführenden Schule sehr wichtig. Vereinfacht darf festgehal-
ten werden, dass nahezu 100% der Eltern die weiterführende Schule in der Nähe wählen
möchten. Der Zusammenhang, dass Eltern höheren Bildungsstandes weitere Wege in Kauf
nehmen, kann explizit nicht bestätigt werden.
Aktuell herrscht eine besondere Situation an der Grundschule, die noch nie in der In-
tensität aufgetreten ist, wie in dem aktuellen Abschlussjahr. Alle Eltern von Schüler*innen mit
Realschulempfehlung möchten eine Anmeldung a n der örtlichen Gesamtschule vornehmen.
Wie kommt es dazu? Hierzu muss man sich bewusst machen, dass die Grundschule in einem
Stadtteil liegt, in dem die Realschule eine lange Tradition hat. Die örtliche Realschule selbst
war auch sehr beliebt und wurde in der Vergangenheit durch die absolute Überzahl der Eltern
angewählt. Durch die Schließung der örtlichen Hauptschule vor wenigen Jahren kommt es nun
zu einer Nachfrageverschiebung. So wird – durch das Wegfallen der Hauptschule – die Real-
schule verstärkt durch Schüler*innen mit Hauptschulempfehlung angewählt, überwiegend aus
angrenzenden Stadtteilen. Hierdurch ändert sich die Zusammensetzung der Schülerschaft an
der Realschule deutlich. Diese neue/andere Zusammensetzung wird durch die Eltern des
Stadtteils als weniger attraktiv bewertet. Die Realschule bekommt einen ‚schlechten Ruf‘ und
wird als Hauptschule wahrgenommen. Deswegen gehen die Eltern dazu über, die örtliche Ge-
samtschule anzuwählen. Eine stabile und hohe Realschul -Nachfrage im Stadtteil hat sich in
einem Zeitraum von ca. 3 Jahren in eine hohe Gesamtschul-Nachfrage gewandelt. Dies setzt
die örtliche Gesamtschule zunehmend unter Druck. Kinder mit einer Gymnasialempfehlung
gehen zwar oft auf das Gymnasium über, allerdings gilt in diesem Stadtteil, dass ein nennens-
werter Anteil an Kindern mit Gymnasialempfehlung auf die Gesamtschule übergeht. Dies liegt
daran, dass die soziale Zusammensetzung der Gesamtschule heterogener und weniger elitär
ist als im örtlichen Gymnasium. Somit gehen von den 10% der Schüler*innen, die eine Gym-
nasialempfehlung erhalten haben, ca. die Hälfte auf das Gymnasium und die Hälfte auf die
Gesamtschule über. Gut ausgebildete Handwerker*innen unter der Elternschaft sind mitunter
der Auffassung, dass das Gymnasium nicht die richtige Schulform für ihre Kinder ist. Hier wird
z.B. durch die Eltern angemerkt, dass sie ihr Kind nicht angemessen unterstützen können und
dass das Gymnasium per se zu intellektuell sei. So soll bspw. die Tochter besser auf der Re-
alschule starten und bei entsprechender Entwicklung später immer noch auf das Gymnasium
wechseln. Dass die Gesamtschule dem Gymnasium trotz entsprechender Empfehlung bevor-
zugt wird, scheint nicht unbegründet. So ist die Verweilquote der Kinder, die von der Grund-
schule auf das Gymnasium wechseln eher gering. So finden sich in Jahrbüchern der 10.
Klasse eher selten Kinder, die von der GGS stammen. Ein oder zwei Schüler*innen besuchen
Anhang
144
auch das katholische Gymnasium – sofern sie dort angenommen werden. F örderschüler*in-
nen, die einen Schulplatz zugewiesen bekommen, gehen meistens ins Gemeinsame Lernen
der Gesamtschule oder der Realschule. Bzgl. der elterlichen Präferenzen kann beobachtet
werden, dass Statuserhalt, Bildungsstreben und die Peer -Gruppe nach wie vor die entschei-
dende Rolle spielen. Sehr salopp formuliert schickt ‚der Handwerker‘ sein Kind nicht so gerne
auf das Gymnasium, ‚der Akademiker‘ nicht so gern auf eine Realschule.
Übergangsempfehlungen
Die ‚typische‘ Übergangsempfehlung der Grundschule setzt sich wie folgt zusammen:
Von 30 Kindern im Abschlussjahrgang, die aus den beiden vierten Klassen hervorgehen, er-
halten
ca. 10% eine Gymnasialempfehlung,
ca. 80% eine Realschulempfehlung und
ca. 10% eine Hauptschulempfehlung.
Im Jahr 2022 waren v ier Förderschüler*innen im Abschlussjahrgang. Diese bekommen eine
Schulplatz zugewiesen, Eltern haben keinen Einfluss auf die Schulwahl.
Die Beratungsgespräche selbst finden im November statt, die Schulformempfehlung
wird aber zum Halbjahr ausgesprochen (J anuar). Dies erfolgt vor dem Hintergrund, dass die
Gespräche noch einen Effekt auf die Zeugnisse haben sollen. Die Eltern kommen mit einer
relativ offenen Haltung in die Beratungsgespräche. Hierzu ist für jede Grundschule ein Infor-
mationsabend verpflichtend, an dem über das Schulsystem und über die Schulformen infor-
miert wird. Zumeist sind die Eltern bereits über Geschwisterkinder, Freunde usw. informell
informiert, gleichzeitig existieren aber auch wenige Eltern, die tatsächlich vollständig uninfor-
miert sind. Es wird der Versuch unternommen, die Eltern über die weiterführenden Schulen
dahingehend zu informieren, dass die Entscheidung an Gewicht verliert. Damit ist gemeint,
dass eine Entscheidung heute für bspw. eine Realschule nicht zwingend für ‚die Ewigkeit‘ ge-
troffen wird und dass Kinder, je nach Entwicklung, die unterschiedlichsten Abschlüsse im
Laufe ihrer Schullaufbahn anstreben können.
Die Schulformempfehlung ist sehr wichtig für die Eltern und wird sehr ernstgenommen,
da die Lehrer*innen über die dre ieinhalb Jahre hinweg ernstgenommen werden. Die Eltern
haben das Bewusstsein, dass die Klassenleitung das Kind gut kennt und nehmen dann die
Empfehlung sehr bewusst und als wertvoll wahr. Auch wenn es andernorts auch andere Sze-
narien gibt, hat an dieser Grundschule die Einschätzung der Lehrer*innen Gewicht.
Anhang
145
Wünsche
Wenn der Schulleitung ein Wunsch für die Schullandschaft des Stadtteils/Stadtbezirks offen
stünde, dann wäre dies eindeutig und unmissverständlich die Inbetriebnahme einer weiteren
Gesamtschule.
Veröffentlicht von:
WIB - Wuppertaler Institut für
bildungsökonomische Forschung
Bergische Universität Wuppertal
Gaußstr. 20
42097 Wuppertal
www.wib.uni-wuppertal.de
Anlage 2 Schulentwicklungsplanerische Einschätzungen Elternbefragung Köln 2022
18456 Zeichen
1
IV 13.10.2022
IV/2 Herr Pfeuffer
25208
Schulentwicklungsplanerische Einschätzungen zu ausgewählten Ergeb-
nissen der Elternbefragung zur Schulwahl „von4nach5“
Hintergrund und Zielsetzung
Die Verwaltung hat in 2021 das Wuppertaler Institut für bildungs ökonomische Forschung
(WIB) an der Universität Wuppertal mit der Durchführung einer Elternbefragung zur Schul-
wahl im Übergang von der Primar - in die Sekundarstufe beauftragt. Nachdem die Online -
Befragung von Eltern mit Kindern in Kölner Grundschulen und in Primarstufen von Förder-
schulen im Januar 2022 durchgeführt wurde, liegt im September 2022 der Ergebnisbericht
des WIB vor. Ziel der Elternbefragung war es, mehr über die Motive und Einstellungen
Kölner Eltern hinsichtlich ihres Schulwahlverhaltens und ihr en Blick auf die Kölner
Schullandschaft zu erfahren, um die kommunale Schulentwicklungsplanung zu unter-
stützen. Z uletzt waren 2012 und 2009 großangelegte Elternbefragungen im Schulbereich
durchgeführt worden.
Im Folgenden sollen ausgewählte Befragungs - und Analyseergebnisse aus Sicht der Schul-
entwicklungsplanung bewertet und interpretiert werden. Es geht also darum, die Befra-
gungsergebnisse mit schulentwicklungsplanerischen Überlegungen und Sichtweisen
zu spiegeln und Ableitungen für zukünftige schulentwic klungsplanerische Analysen
und Vorschläge vorzunehmen. Diese schulentwicklungsplanerischen Einschätzungen
und Ableitungen werden hiermit zur Diskussion gestellt.
Die Schulverwaltung sieht – wie in der Vergangenhei t dargelegt unmittelbar nach Vorliegen
einer neuen städtischen Bevölkerungsprognose – vor, voraussichtlich zum Jahresende 2022,
einen neuen, großangelegten und aktualisierten strategischen Schulentwicklungsplanungs-
prozess zu beginnen und den daraus resultierenden Rahmenplan zur Schulentwicklungsp la-
nung in 2023 in die politischen Gremien einzubringen. Die Ergebnisse der Elternbefragung
werden auch in der neuen Rahmenplanung aufgegriffen werden.
Schulentwicklungsplanerische Einschätzungen und Ableitungen
(1) Angebot von und Nachfrage nach Schulplätzen in den Eingangsklassen im Spie-
gel der Schulstatistik
Als Hintergrundfolie für Ergebnisdarstellung und -interpretation der Befragungsergeb-
nisse hat das WIB ausführliche schulstatistische Analysen zu den Anmeldeergebnissen
in Form einer Betrachtung der Schüler*innenzahlen in den Eingangsklassen der weiter-
führenden Schulen vorgenommen und diese mit den Schulplatzkapazitäten in den
2
Schulformen abgeglichen. Das WIB dokumentiert, dass in Köln in den Gymnasien und
Gesamtschulen Schulplätze in erheblichem Ausmaß fehlen, während das Schulplatz-
angebot in den Realschulen auskömmlich bis etwas überdimensioniert ist und in den
Hauptschulen stark überdimensioniert ist. Angebot von und Nachfrage nach Schulplät-
zen in Köln im Übergang von der Primarstufe in die Sekundarst ufe I klaffen erheblich
auseinander.
Die Schulentwicklungsplanung liest diese Ergebnisse als starke, unabhängige Bestä-
tigung ihrer eigenen Analysen , die seit 2012 ein quantitativ, im Zuge des starken
Bevölkerungswachstums in Verbindung mit rasant steigend en Schülerzahlen, deutlich
zu geringes und qualitativ im Zuge einer Schulstruktur im Wandel nicht bedarfsge-
recht auf die Schulformen verteiltes Schulplatzangebot nachweist. Hieraus wurde
und wird der Bedarf an einer Vielzahl von Maßnahmen ab geleitet. Es gilt, neue Schu-
len zu realisieren und bestehende Schulen zu erweitern sowie die mögliche Verände-
rung der Schulform an ausgewählten, bestehenden Schulstandorten zu überprüfen.
Entsprechend finden nach Ansicht der Schulentwicklungsplanung die aktuell in Umset-
zung und Vorbereitung befindlichen „Stärkungspakete“ (Beschleunigungspakete) für
Gymnasien und Gesamtschulen in Verbindung mit temporären Ad -hoc-
Erweiterungsmaßnahmen an bestehenden Schulen durch Schulcontainer und Anmie-
tungen eine nachhaltige Legitimation.
(2) Motive der Eltern und Kriterien für die Schulwahl
Befragt nach ihren Erwägungen bei der Schulwahl für ihr Kind , legen die Kölner Eltern
dar, dass ein Mix aus Gründen, die auf äußere und innere Strukturen von Schulen ab-
heben, eine wesentliche Rolle spie lt. Sehr e ntscheidend ist erstens die wahrgenom-
mene innere Qualität von Schulen, ihr Ruf und Profil sowie die dort tätigen Lehrkräfte.
Zweitens wünschen sich Eltern für ihr Kind den bestmöglichen formalen Schul-
abschluss und dabei ganz überwiegend den direk ten Weg zum Abitur ohne
Wechsel der Schule. Sehr interessant erscheint, dass im Mix an Erwägungen der El-
tern die Wohnortnähe der Wunschschule bzw. Wunschschulform eine sehr große
Rolle spielt.
Innere Strukturen von Schulen, also ihr Mikroklima und die Qua lität der Lehre und För-
derung sind innere Schulangelegenheiten des Landes und entziehen sich daher dem
Einfluss kommunaler Schulträger. Gleichwohl können hierfür mittelbar förderliche
Rahmenbedingungen gewährleistet werden, die z.B. auf adäquate räumlich -
gebäudliche Bedingungen abheben, auf Digitalisierung und auf den Einsatz nicht -
lehrenden Personals wie z.B. Schulsozialarbeiter*innen. Die Schulverwaltung fühlt
sich einerseits bestätigt und andererseits beauftragt, ihre Bemühungen zu gutem
Schulbau (Cluste rbauweise, Sanierungen), Ausstattung mit WLAN, digitalen
Schultafeln und digitalen Endgeräten sowie dem Einsatz von Schulsozialarbeit
aufrecht zu erhalten und weiter auszubauen. Sehr deutlich stellt sich hier aber auch
die Frage nach auskömmlichen Finanzierungsanteilen durch das Land.
3
Die schulentwicklungsplanerische Maßgabe, bei den erforderlichen neuen wei-
terführenden Schulen auf die Schulformen der Gymnasien und Gesamtschulen
zu setzen, findet nach Einschätzung der Schulentwicklungsplanung Bestätigung.
Zur Erinnerung: Die aktuelle „Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung Köln 2020“
(Session 0418/2020) erkennt den Bedarf an insgesamt mindestens 21 neuen weiter-
führenden Schulen, davon 13 neuen Gesamtschulen und 8 neuen Gymnasien, von de-
nen ein Teil scho n (teilweise im Interim) in den letzten Jahren an den Start gegangen
ist. Ein weiterer wesentlicher Anteil der jetzt schon benötigten neuen Schulen ist durch
die Maßnahmen der aktuellen Stärkungspakete in Vorbereitung und soll möglichst bis
2025/26 das Schulplatzangebot erheblich verbessern.
Für Eltern spielt die Wohnortnähe der weiterführenden Schule ihres Kindes eine sehr
wichtige Rolle. In schulentwicklungsplanerischer Lesart ergeben sich aus diesem
Befund folgende Einschätzungen : Erstens – in Verbindung mit dem Befragungser-
gebnis, dass die Sichtweisen auf die Schullandschaft je nach Stadtbezirk, in dem die
Eltern und Kinder wohnen , variieren – erscheint es richtig, dass die Schulentwick-
lungsplanung traditionell einen starken Akzent nicht nur auf stadtweite, sondern
insbesondere auch auf stadtbezirkliche Planungen wirft, der sich vor allem in aus-
führlichen stadtbezirklichen Maßnahmenplanungen in den Rahmenplänen zur Schul-
entwicklungsplanung 2020, 2018, 2016 etc. dokumentiert. Zweitens sind bei der Ge-
staltung der Schullandschaft bzw. der (bezirklichen) Schullandschaft (en) in Köln
Standortfragen nach wie vor und eher noch stärker in den Blick zu nehmen. D as
betrifft Fragen nach Lagegunst von Schulstandorten im Sinne von räumlicher
Nähe zu Wohnsiedlungen und verkehrlicher Erreichbarkeit. Für die Verteilung von
Grundschulen auf das Stadtgebiet gilt das Prinzip der kurzen Wege, welches noch
stärker auch auf weiterführende Schulen übertragen werden kann. Die Schulentwick-
lungsplanung sieht sich vor diesem Hintergr und bestätigt, in den großen neuen Wohn-
baugebieten in Köln grundsätzlich immer auch ein für die erwartete, jeweilige Einwoh-
ner*innenzahl auskömmliches Schulplatzangebot einzuplanen . Dass es sich bei den
weiterführenden Schulen in großen neuen Wohngebieten nach Vorschlag der Schul-
entwicklungsplanung immer um Gesamtschulen handeln soll, die alle möglichen
Schulabschlüsse anbietet, erscheint konsequent. Darüber hinaus sind ganz allgemein
Handlungsoptionen von Flächen für neue Schulstandorte mit großer Vorsicht wahrzu-
nehmen, die (noch) keine adäquate verkehrliche Anbindung an den öffentlichen Perso-
nennahverkehr und Radwege haben . Auch die Lage von möglichen neuen Schul-
standorten in Stadtgebieten, die – in Bezug auf die aktuelle und zukünftige Schü-
ler*innenzahl– ein für das Gebiet den Stadtbezirk grundsätzlich quantitativ auskömmli-
ches Schulplatzangebot aufweisen, aber ggf. nur mit weiten Fahrwegen einen Beitrag
zur Bedarfsdeckung in anderen Stadtgebieten leisten könnten, , muss in dieser Hin-
sicht kritisch bewertet werden.
Die Verwaltung leitet zwei konkrete Handlungsempfehlungen ab: Erstens gilt es,
bestehende Schulstandorte noch stärker im Kontext der erforderlichen Ver-
kehrswende in den Blick zu nehmen und den weiteren Ausbau des ÖPNV und
der Radwege auch an den Schulstandorten zu orientieren. Zweitens spricht die
Wichtigkeit bezirksbezogener Planungen der Schullandschaft für stärker beteili-
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gungsorientierte Diskussions- und Kommunikationsformate in Form von regio-
nalen, strategischen Schulentwicklungsplanungskonferenzen (mit Vertreter*innen
von Schulen, Schulaufsicht, örtlicher Schulpolitik und Elternvertreter*innen), die aber
entsprechende Personalressourcen der Schulentwicklungsplanung und weiterer zu be-
teiligender Ämter und Dienststellen, vor allem Amt für Schul entwicklung und Gebäu-
dewirtschaft, voraussetzt, gleichwohl aber in den Blick genommen werden soll.
(3) Schulsystem, gegliedert oder integriert? – Homogene und heterogene Lerngrup-
pen
Nach den Ergebnissen der aktuellen Elternbefragung sehen Eltern das vielfach
gegliederte Schulsystem in Köln und in Nordrhein -Westfalen eher positiv. Offen-
bar haben Eltern teilweise die Einstellung, dass unterschiedliche Lernvoraussetzungen
von Kindern durchaus für die Existenz der unterschiedlicher Schulformen Gymnasium,
Realschule und (eingeschränkt) Hauptschule mit ihren homogenen Lerngruppen spre-
chen. Eine Rolle für diese Sichtweise spielt offenbar der Wunsch, dem eigenen Kind
bestmögliche Chancen zu eröffnen, wobei diese – unter den aktuell wahrgenommen
Rahmenbedingungen – als beeinträchtigt wahrgenommen sein könnten, wenn die
Schülerschaft (an Gesamtschulen) zu heterogen ist und die individuelle Förderung aller
Kinder bei gegebenen Rahmenbedingungen nicht adäquat gewährleistet werden könn-
te. Dabei spielen auch Fragen der sozialen Distinktion eine Rolle.
Aus Sicht der Schulentwicklungsplanung ist diese eher konservativ-bewahrende Sicht-
weise der Eltern insofern überraschend, als dass sich in den vorgehenden Elternbefra-
gungen 2012 und 2009 tendenziell (alle rdings bei anderen Fragestellungen) eine eher
reformwillige Perspektive mit positiven Einschätzungen zu m integrierten Schulsystem
mit (längerem) gemeinsamen Lernen, Vielfalt und Heterogenität heraus lesen ließ. Die-
se Einstellung ist aktuell weiterhin vorhanden, ist aber nicht so stark ausgeprägt wie die
„Befürwortung“ der Schulform Gymnasium . Es werden zwei Erklärungsansätze ge-
sehen: Erstens könnte es sein, dass sich im Zeitverlauf Einstellungen verändert ha-
ben, was zum einen mit den aktuellen krisenhafte n Erlebnissen und Verunsicherungen
(z.B. Pandemie, Klimawandel), zum anderen mit einem individuellen und kollektivem
Erleben erklärt werden kann, dass die gegebenen schulischen Rahmenbedingungen
(innere und äußere Strukturen von Schule) das Ideal einer adä quaten Förderung aller
Schüler*innen bei gemeinsamer Beschulung (noch) nicht einlösen kann. Zweitens er-
scheint es denkbar, dass die unterschiedlichen Fragestellungen der Elternbefragungen
2009, 2012 und 2022 einmal die eher progressive und ein anderes Mal die eher kon-
servative Seite der Eltern ansprechen, wobei beide Seiten bei den meisten Eltern
gleichsam vorhanden sein könnten.
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Die Schulentwicklungsplanung leitet aus den Ergebnissen 1 die Überlegung ab, dass
schulstrukturelle Veränderungen weiter notwendi g sind (siehe oben, Angebot und
Nachfrage liegen weit auseinander). In der Vergangenheit wurden schon eine ganze
Reihe von Hauptschul - und Realschulstandorten insbesondere aufgrund geringer
Schülerzahlen bedarfsgerecht zu Teilstandorten von Gesamtschulen u nd Gymnasien
entwickelt. Gleichsam müssen aber nach wie vor Veränderungsüberlegungen
sehr gut kommuniziert werden, um die Eltern mitzunehmen . Dies betrifft einerseits
die Eltern der auslaufenden Schulen, andererseits auch die potentiellen Eltern der
neuen Schule. Es ist dabei sehr wichtig, die Rahmenbedingungen bei Neuerungen gut
und transparent zu belegen/begründen und insgesamt hinsichtlich der Geschwindigkeit
bzw. Vielzahl von (notwendigen) Veränderungen sehr umsichtig vorzugehen. Daraus
folgt, dass als bedarfsgerecht angesehene schulentwicklungsplanerische Veränderun-
gen von Haupt - und Realschulstandorten schrittweise und im Einzelfall sowie mit ei-
nem adäquaten Zeitansatz für offene Erörterungen in der Schulgemeinde und der
Schulpolitik erfolgen.
Die Schulverwaltung geht – wie in der Schulentwicklungsplanung 2020 zul etzt darge-
legt – nach wie vor davon aus, dass sich die Schulstruktur in Köln auf der Grundlage
des Elternwahlverhaltens weiter tendenziell in Richtung eines weniger stark geglieder-
ten Schulsystems entwickeln könnte. Beispiele liefern hier u. A. die Bundesl änder
Schleswig-Holstein und Rheinland -Pfalz, deren zweigliedriges Schulsystem langfristig
weiterhin eine Entwicklungsperspektive für Nordrhein -Westfalen darstellt. Die Ergeb-
nisse der Elternbefragung deuten aber auf eine gewisse Entschleunigung hin, wonach
sich mittelfristig eher ein „erweitert zweigliedriges Schulsystem“ mit Gymnasien und
Gesamtschulen sowie Realschulen abzeichnet.
(4) Anmeldepräferenzen der Eltern
Nach den Rückmeldungen der Eltern von Kindern, die die vierte Klasse besuchen ,
wollten in stad tweiter Betrachtung und hochgerechnet rund 59% ihr Kind an einem
Gymnasium anmelden, 30% an einer Gesamtschule, 9% an einer Realschule und 1%
an einer Hauptschule. In stadtbezirklicher Differenzierung ergeben sich dabei gro-
ße Unterschiede in den Präferenzen für bestimmte Schulformen, die bei Gymnasi-
en von 79% (Stadtbezirk Lindenthal) bis 45% (Stadtbezirk Mülheim) reichen, bei den
Gesamtschulen von 39% (Stadtbezirk Chorweiler) bis 18% (Stadtbezirk Lindenthal),
bei Realschulen von 20% (Stadtbezirk Porz) bis 0 % (Stadtbezirk Rodenkirchen) und
bei Hauptschulen von 4% (Stadtbezirk Kalk) bis 0% (Stadtbezirk Ehrenfeld). Die Un-
terschiede können durch unterschiedliche soziale Lagen der Eltern in den Stadt-
bezirken erklärt werden und durch das unterschiedliche , historisch gewachsene
und bestehende Angebot an Schulen und Schulformen vor Ort, im Nahbereich
der Eltern, welches die Schulformwünsche beeinflusst.
1 Bei möglichen Mehrfachnennungen halten 73% der Eltern die Schulform Gymnasium für „wichtig“
oder „sehr wichtig“. Die Schulform Gesamtschule wird in dieser Ausprägung von 62% der Eltern ge-
nannt. Bei Realschulen sind es 47%, bei Hauptschulen 21%.
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Dass die dokumentierten, stadtweiten Anmeldepräferenzen dem tatsächlichen Ergeb-
nis des Anmeldeverfahrens zum Schul jahr 2022/23 entsprechen, war aus mehreren
Gründen nicht zu erwarten. Erstens sind tatsächlich deutlich weniger Anmeldungen an
Gymnasien gezählt worden. Dies kann ggf. damit erklärt werden, dass ein Teil der El-
tern auf die Frage nach ihrem konkreten Anmeld everhalten eher mit ihrem Wunsch
nach einem bestmöglichen Abschluss für ihr Kind geantwortet haben und dafür die
Schulform Gymnasium als Synonym herangezogen haben. Zweitens können die An-
teilswerte der Schulformen nach Elternbefragung und tatsächlichem Erg ebnis des An-
meldeverfahrens nicht übereinstimmen, da fast 1.000 Interessent*innen von den Ge-
samtschulen im vorgezogenen Anmeldeverfahren mangels Platzkapazitäten abgelehnt
werden mussten und sich diese im weiteren Anmeldeverfahren auf die anderen Schul-
formen verteilten.
Trotz dieser Hinweise ist die dokumentierte Präferenz für eine Anmeldung an einer
bestimmten Schulform, insbesondere in ihrer stadtbezirklichen Ausdifferenzie-
rung, eine gute grundsätzliche Orientierung für zukünftige schulentwicklungs-
planerische Überlegungen, weil sie Tendenzen und Proporze aufzeigt. In Rechnung
zu stellen ist, dass diese Präferenzen eine Momentaufnahme darstellen. Die Vielzahl
neuer Schulen, die aktuell bedarfsgerecht realisiert werden, wird das Angebot nachhal-
tig verändern und dies beeinflusst wiederum die Elternwünsche.
(5) Inklusion
Zu den Motiven, Einstellungen und Wünschen von Eltern, deren Kinder einen
sonderpädagogischem Förderbedarf aufweisen und für die sich die Frage stellt,
ihre Kinder (weiterhin) an einer Fördersch ule oder im gemeinsamen Lernen (nun
an einer weiterführenden Schule) zu sehen, können auf der Grundlage der Befra-
gung keine belastbaren Ergebnisse ausgewiesen werden , weil die Teilnahme die-
ser Eltern zu gering ausfiel. Es muss – wie von Seiten des WIB darg elegt – konstatiert
werden, dass die gewählte Form der ausführlichen schriftlichen Online -Befragung trotz
realisierter Mehrsprachigkeit, einfacher Spr ache und Unterstützungsangebote für die
Teilnahme an der Befragung, zum Beispiel durch Schulsozialarbeit v or Ort, zu hoch-
schwellig war.
Aus Sicht der Schulentwicklungsplanung verbleibt die Frage nach den Sichtweisen von
Eltern, deren Kinder einen sonderpädagogischen Förderbedarf aufweisen, auf der Ta-
gesordnung. In Abhängigkeit vorliegender Personalressourcen werden zu einem
späteren Zeitpunkt ergänzend gesonderte, eher indirekte Beteiligungsformate in
den Blick genommen. Gedacht wird hier zum einen an qualitative Interviews mit der
Inklusionskoordination des Schulamtes für die Stadt Köln, die im Rahmen ihrer B era-
tungen im Übergang einen guten Einblick in Wünsche und Einstellungen der Eltern ha-
ben. Zum anderen sind auch leitfadengestützte Gespräche mit Elternvertre-
ter*innen denkbar, z. B. in Form einer Gruppendiskussion mit Mitgliedern von Schul-
pflegschaften an Schulen mit gemeinsamem Lernen und Förderschulen.
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Die Verwaltung bittet um Kenntnisnahme und Erörterung dieser schulentwicklungsplaneri-
schen Einschätzungen zu den Ergebnissen der Elternbefragung.
Beratungsverlauf (10)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3488/2022
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 22.11.2022
- Erstellt
- 19.10.2022 13:46