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V/1011/2007

Erfahrungsbericht "Writers in exile"

Vorlagen 21.11.2007

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Nächste Beratung: Kulturausschuss, Sitzung am 05.12.2007, TOP 4

Berichtsvorlage

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Berichtsvorlage

7981 Zeichen

V/1011/2007 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Kulturamt 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Erfahrungsbericht "Writers in exile" 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
05.12.2007 Kulturausschuss Bericht 
 
 
Bericht: 
 
Ausgangslage 
 
Im Jahr 199
9 haben der Initiativkreis „Münster – Stadt der Zuflucht“ sowie die Gesellschaft für 
bedrohte Völker Anregungen an die Stadt Münster gerichtet, dem Programm „Stadt der Zuflucht“ 
beizutreten. 
Die Anregungen beriefen sich auf die Charta des Internationalen Schriftstellerparlaments (ISP), 
die auf die zunehmende Bedrohung und Verfolgung von Schriftstellerinnen und Schriftstellern in 
der Welt hinwiesen.  
Im Rahmen der Etatberatungen für das Jahr 2000 hat der Rat einstimmig beschlossen, die Anre-
gung aufzugreifen. 
 
Zur Umsetzung schlug die Verwaltung eine Zusammenarbeit mit dem Internationalen PEN vor, 
der international sehr erfahren ist und sich seit Jahren mit der Betreuung verfolgter Autoren be-
schäftigt. Wichtige Argumente, dem Programm „Writers in exile“ beizutreten, waren seinerzeit 
auch die Betreuung durch ortsansässige PEN-Mitglieder und das Beratungsangebot bei allen 
wichtigen organisatorischen und persönlichen Fragen. 
In der Folge wurde das Stipendium an Herrn Prof. Pahlavan vergeben, der daraufhin von 2001 
bis 2006 Gast der Stadt Münster war. 
 
Am 05.04.2006 hat der Rat beschlossen, das „Writers in exile“-Programm nach Ablauf des aktu-
ellen Stipendiums zunächst nicht weiterzuführen. Die Verwaltung wurde beauftragt, einen Bericht 
über das bisherige Programm zu erstellen. In diesem Bericht seien auch die Erfahrungen anderer 
Städte aufzunehmen. Auf der Grundlage dieses Berichtes könne dann in 2007 gegebenenfalls 
über eine Fortführung des Programms entschieden werden. 
 
 
 
Vorlagen-Nr.: 
V/1011/2007 
Auskunft erteilt: 
Herr  Hengstmann 
Herr Ehling 
Ruf: 
492 41 05 
492 41 00 
E-Mail: 
Hengstmann@stadt-muenster.de 
Ehling@stadt-muenster.de 
Datum: 
21.11.2007 
Öffentliche Berichtsvorlage

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V/1011/2007 
 
„Writers in exile“ in Münster 
 
Das Stipendium in Münster wurde an Herrn Prof. Pahlavan aus dem Iran vergeben. Herr Prof. 
Pahlavan war Professor für Sozialpolitik und Kultursoziologie an mehreren Universitäten in Tehe-
ran. Nach seiner Teilnahme an der Heinrich-Böll-Konferenz „Iran nach den Parlamentswahlen“ 
vom 07. bis 09. April 2000 wurde gegen ihn ein Haftbefehl erlassen. Mit Hilfe der Heinrich-Böll-
Stiftung und der Hamburger Stiftung für Politische Verfolgte konnte er zunächst in Deutschland 
bleiben, bevor er das Stipendiumsangebot der Stadt Münster im April 2001 annahm. 
 
Durch Ratsbeschluss wurden städtische Mittel in Höhe von rd. 30.000 € p. a. zur Verfügung ge-
stellt. Hiervon wurden zunächst Miet- und Nebenkosten sowie Beiträge zur Krankenversicherung 
bestritten. Die verbleibenden Mittel standen Herrn Prof. Pahlavan als Stipendiumsgeld zur Verfü-
gung. 
 
Mithilfe der Wohn- und Stadtbau GmbH konnte eine zentrale Wohnung zur Verfügung gestellt 
werden. 
Die Ersteinrichtung konnte zusammen mit einigen Vertretern des Initiativkreises vor Ankunft von 
Herrn Prof. Pahlavan ergänzt und somit eine eingerichtete Wohnung übergeben werden. 
 
Ein Betreuungsangebot vor Ort durch Mitglieder des Initiativkreises wurde nur während der ers-
ten Zeit des Stipendiums funktionsfähig aufrechterhalten. Herrn Pahlavan mit anderen Institutio-
nen oder Personen in Kontakt zu bringen, gelang teilweise, zumal er selbst den ausdrücklichen 
Wunsch geäußert hat, sich seiner Arbeit voll widmen zu wollen und daher nicht zu sehr öffentlich 
eingebunden zu werden. 
Herr Pahlavan wurde dennoch in Münster Mitglied des Schriftstellerverbandes und hat rege bei 
dortigen Veranstaltungen teilgenommen. Es gab Lesungen zusammen mit anderen münsteraner 
Schriftstellern, wo er seine Exilliteratur vortrug. So hat er während dieser Zeit Sachtexte in seiner 
Muttersprache verfasst und mehrere Bände in Eigenregie veröffentlicht. Bei Kontakten zu Dru-
ckereien und Verlagen war das Kulturamt behilflich. Des Weiteren hat er deutschsprachige Lyrik 
in seine Muttersprache übersetzt (z.B. Ingeborg Bachmann, Ernst Jandl). Diese Arbeiten wurden 
in einem zweisprachigen Band (deutsch-persisch) veröffentlicht. Er hat außerdem an Veranstal-
tungen u. a. des Franz-Hitze-Hauses und der VHS  teilgenommen.  
Herr Pahlavan wurde mehrfach privat eingeladen, um ihn mit Schriftstellern, Literaturinteressier-
ten und Theaterleuten zusammenzubringen. Dadurch entstand Kontakt zum damaligen Intendan-
ten des Theaters und Herrn Pahlavan war häufiger Gast sowohl im Stadttheater wie auch bei 
anderen Bühnen. Er nahm durchaus interessiert am kulturellen Leben der Stadt teil, wahrte aber 
immer eine gewisse Distanz. 
 
Unterstützung erbat Herr Prof. Pahlavan bei Fragen rund um die ausländerrechtliche Beurteilung 
seines Aufenthaltsstatus, bei finanziellen oder versicherungstechnischen Fragen oder auch, s. o., 
bei Fragen nach Kontakten zu Verlagen und Druckereien etc. Hier hat die Verwaltung versucht, 
ihm jeweils im konkreten Einzelfall weiterzuhelfen.  
 
Das Stipendium endete im April 2006. Herr Prof. Pahlavan hat auf eigenen Wunsch das Stipen-
dium einige Wochen vor Ablauf beendet und ist zurück in den Iran gereist. Die Wohnung wurde 
aufgelöst und der Wohn- und Stadtbau GmbH übergeben. Erforderliche Renovierungen konnten 
aus Mitteln des Jahres 2006 bestritten werden. 
 
Erfahrungen anderer Städte 
 
Das PEN-Z
entrum Deutschland als Ansprechpartner des Kulturamtes schilderte einige Erfahrun-
gen anderer Städte mit dem Programm „Writers in exile“. Der PEN wies darauf hin, dass das Sti-
pendium in jeder Stadt individuell zu beurteilen sei. Manche Stipendiaten hätten von sich aus das 
Stipendium gar nicht erst angetreten oder es vorzeitig beendet, andere Städte würden wiederum 
das Stipendium für eine wesentlich kürzere Laufzeit vergeben (z. B. 1 Jahr). Einfacher sei es 
sicherlich, wenn die Kommunikation in englischer oder in deutscher Sprache erfolgen könne. Für

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V/1011/2007 
 
die Stipendiaten sei es auch einfacher, wenn die Familie oder Lebenspartner vor Ort seien. Hier 
werde das Stipendiumsgeld für Angehörige erhöht und auch eine Krankenversicherung sicherge-
stellt.  
 
Lt. PEN ist es sowohl für Städte als auch für den PEN problematisch, wenn der Stipendiat vor 
Ablauf des Stipendiums nicht zurückkehren kann, aber auch keinen Asylantrag stellt. Die meisten 
der Stipendiaten haben einen Asylantrag gestellt, der PEN wisse aber auch, dass besonders 
Iraner dies oftmals ablehnen. 
 
Nach Aussage des PEN sind die münsterschen Erfahrungen teilweise auch in anderen Städten 
bekannt bzw. existent. Städte, die im Rahmen von „Writers in exile“ auch Iraner zu Gast haben, 
hätten ähnliche Erfahrungen geschildert.  
Es liege aber immer natürlich auch sehr individuell an der Person des Stipendiaten, der sich per-
sönlich in extremen, z. T. bedrohlichen Lebenssituationen befindet. Darauf müssen sich die 
betreuenden Städte, Initiativen und Personen einstellen.  
 
Perspektive 
 
Das PEN-Z
entrum Deutschland hat sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass das Stipendium in 
Münster zunächst nicht weitergeführt werden soll.  
 
Aus Sicht der Kulturverwaltung sollte eine mögliche Fortsetzung des Programms in erster Linie 
davon abhängig gemacht werden, dass die erforderliche umfassende Begleitung und Unterstüt-
zung des /der Stipendiaten/-in sichergestellt ist. Hierzu ist es erforderlich, dass über die Aktivitä-
ten der Kulturverwaltung hinaus Partner/Vereine/Menschen dazu bereit und in der Lage sind, den 
Gast verlässlich im Alltag zu begleiten, um der Gastgeberrolle gerecht werden zu können; hier 
stieß das Kulturamt allein an vielen Stellen an seine Grenzen. Diese Struktur muss auch so trag-
fähig sein, dass sie diese Begleitung auch über einen längeren Zeitraum leisten und aufrechter-
halten kann. 
 
Der finanzielle Aufwand einer Fortführung des Programms „Writers in exile“ ist mit rd. 30.000 € 
p.a. zu beziffern. 
 
I. V. 
 
 
gez. 
Dr. Hanke 
Stadträtin

Beratungsverlauf (1)

05.12.2007 Kulturausschuss
TOP 4 Bericht

Beschluss: zur Kenntnis genommen

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Details

Vorlagen-Nr.
V/1011/2007
Typ
Vorlagen
Datum
21.11.2007
Erstellt
06.10.2020 14:37