V/0385/2012
Umbenennung des Stehrwegs
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Anlage-4-Anregung-121-2011
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Anregung Nr. 121/2011 Anlage 4 Stadt Mom An Bag ter Bezirksverwatung Ost ® An die 12. Okt. 201 Bezirksverwaltung Ost Frau Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek Frau Groh Vennemannstraße 5 48157 Münster Sehr geehrte Frau Klimek, Sehr geehrte Frau Groh, in einer öffentlichen Veranstaltung des münsterschen „Grafschaft Glatz e. V.“ am 9. 10. 2011 habe ich über die Absicht der Thamer-Kommission berichtet, den Stehrweg in Münster umzubenennen. Die anwesenden Grafschaft Glatzer waren über dieses Ansinnen empört und sprachen sich einhellig dafür aus, den Namen des hoch geschätzten Dichters Hermann Stehr und damit ein Stück Heimat zu erhalten. Ihre Erwartung an die Stadt Münster haben die Anwesenden in den beigefügten Unterschriftslisten (Kopien) dokumentiert. Ich darf Sie bitten, diese Meinung der heimatvertriebenen Grafschaft Glatzer in Ihre Bemühungen, den Stehrweg zu erhalten, einfließen zu lassen. Mit Dank und freundlichen Grüßen Ihr ° - Anregung Nr. 121/2011 Die Grafschaft Glatzer in Münster im Oktober 2011 An die Stadt Münster Unterschriftenliste „Stehrweg muß bleiben“ ‘Straßennamen, die sich auf Heimatorte, ostdeutsche Landschaften, Dichter, Künstler und Wissenschaftler aus dem Deutschen Osten beziehen, sind für ‚uns ein Stück Heimat. Solche Straßennamen dürfen nicht gestrichen werden. ; "Als Grafschaft Glatzer erwarten wir von der Stadt Münster, daß der Name, ; ‘der an unseren Heimatdichter Hermann Stehr erinnert, nicht getilgt wird. Name Anschrift Unterschrift . nv wm\Wıaholal WM ap rd e na IN tc B Dr ' 115 _ 2; ! en Kr Lud up-? f Te pr “ me: 17 we Im u . 6 5 ch ZB) N m onrRum nn SC L Mr uge Han sı her TV 2 oo aber ISC db ine, W. yir N R Yıruı lan wur Pat s
Anlage-5-Anregung-135-2011
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Anregung Nr. 135/2011 Anlage 5 BdV Bund der Vertriebenen Vereinigte Landsmannschaften Frau z e VE Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek Kreisverband Milnater-Stndt Bezirksverwaltung Münster-Ost Vennemannstraße 5 48157 Münster 45 1201 munsuwer Telefon und Fax | ; Bankverbindung: Spa Münsterland Ost Nr. 400 501 50 Münster, im Oktober 2011 Betr.: Umbenennung von Münsterschen Straßennamen Sehr geehrte Frau Klimek, der Bund der Vertriebenen bittet hiermit, von einer Umbenennung der Straßen Agnes- Miegel-Straße und Stehrweg abzusehen. Bei der Ansiedlung der deutschen Heimatvertriebenen in den neuen Baugebieten in den 50er und 60er Jahren wurden bundesweit Straßennamen vergeben, die sich auf Städte, Landschaften und Personen aus den Kulturräumen der Vertriebenen beziehen. Zur Begründung wurde damals im Rahmen der Pflege des Kulturgutes der Heimatvertriebenen gemäß $ 96 BVFG Folgendes ausgeführt: „Wenn eine Gemeinde einer Straße einen ostdeutschen Namen gibt, so trägt sie dadurch dazu bei, dass die Erinnerung an die ostdeutschen Gebiete auch bei der einheimischen Bevölkerung wach bleibt. Zugleich beweist sie den von ihr aufgenommenen Vertriebenen ihren guten Willen, sie auch auf diese Weise heimisch werden zu lassen.“ Diesem Anliegen, den Flüchtlingen und Vertriebenen durch vertraute Namen von Orten und Persönlichkeiten ein heimatliches Gefühl zu geben, hat die Stadt Münster mit der Vergabe von insgesamt etwa 100 Straßennamen in allen Stadteilen in Münster in erfreulich großem Umfange Rechnung getragen. Der Wegfall eines solchen heimatlich-vertrauten Straßennamens würde bei den in dieser Frage sehr sensiblen Heimatvertriebenen ein großes Gefühl der Enttäuschung auslösen. Und dieses trifft besonders auf Heimatschriftsteller zu, deren Werke für die Vertriebenen einen Rest Heimat bedeuten, wie etwa bei der Schriftstellerin Agnes Miegel, der bedeutendsten deutschen Balladendichterin. Keine Frage: Wenn ein Lebenswerk durch Propaganda für das Unrechtsregime des Dritten Reiches geprägt ist oder wenn ein Geehrter, geschützt durch das Regime, Unrechtstaten begangen hat, ist sein Name zu tilgen. Ein bedeutendes Lebenswerk aber in Kunst, Literatur oder Wissenschaft behält als Teil der deutschen Geschichte bleibenden Wert auch dann, wenn seinem Schöpfer heute Anregung Nr. 135/2011 vereinzelte Sympathiekundgebungen gegenüber dem damaligen Regime vorgeworfen werden, Bekundungen, die sich aus den damaligen Zeitumständen ergeben haben. Auf Einzelheiten zu Agnes Miegel, Straßenbenennung 1960 und Hermann Stehr, Straßenbenennung 1954, wollen wir an dieser Stelle nicht eingehen, da Begründungen für die Beibehaltung der Namen nach unserer Kenntnis bereits von anderer Seite vorgetragen worden sind. Mit Dank und freundlichen Grüßen
Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse
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Anlage 1 Anlage 1, Seite 1 Bürgerumfrage 2012 „Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen“ - Zusammenfassung der Ergebnisse 1. Auftragslage und Zielstellung - Beschluss des erweiterten Ältestenrates der Stadt Münster vom 07.07.2011 - Grundlage: Ergebnisse der Kommission „Straßenname n“ - Gewinnung zusätzlicher Informationen mittels eine r repräsentativen Bürgerumfrage parallel zur Informations- und Kommunikationsphase (v. a. Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ vom 26.01. – 16.03.2012) - Leitfrage: „Wie soll sich Münster zu Persönlichke iten stellen, die sie durch Straßennamen für ihr Lebenswerk in besonderer Weise geehrt hat, wenn sich diese Ehrung aufgrund neuer Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist?“ 2. Methodik - Befragungszeitraum: 25.01. – 15.02.2012 - Zufallsstichprobe: 5.126 Bürgerinnen und Bürger ( über 18 Jahre, Hauptwohnsitz) - Rücklauf: 1.937 Fragebögen (37,8 % Rücklaufquote) - Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auf Münstera ner Bevölkerung übertragen 3. „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ (Frage 1) - Ja, auf jeden Fall: 69,7 % - Ja, aber nur für Personen mit Bezug zu Münster: 1 7,5 % - Nein: 6,5 % - Ist mir egal: 4,4 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 0,8 % - Ohne Angabe: 1,1 % 4. „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den größten Platz Münsters zu ehren?“ (Frage 2) - Ja: 35,0 % - Nein: 48,3 % - Ist mir egal: 7,3 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 6,6 % - Ohne Angabe: 2,8 % Anlage 1, Seite 2 2 5. „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürgerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stützen des NS-Regimes erwiesen haben?“ (Frage 3) - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind: 27,6 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind; es soll aber jeweils ein Zusatzschild mit Erläuterungen zu den Namensgebern angebracht werden: 30,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden ; auf den künftigen Straßenschildern soll aber auf die ehemaligen Namen hingewiesen werden: 16,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden : 22,6 % - Ist mir egal: 0,6 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 1,3 % - Ohne Angabe: 1,5 % 6. „Fühlen Sie sich zum Thema 'Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen' ausreichend informiert?“ (Frage 4) - Ja: 56,4 % - Ja, zum Teil: 30,3 % - Nein: 11,4 % - Ohne Angabe: 1,9 % 7. Fehlt Ihnen etwas an Informationen zu diesem Thema? (Frage 5) - Offene Frage: 512 Nennungen von 422 Befragten, d. h. 21,8 % der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich mittels Freitext geäußert - Nur ein geringer Teil der Nennungen bezieht sich auf „weitergehenden Informationen“: 4,3 % „weitere Informationen fehlen“; 3,1 % „mehr Informationen in Medien“ - Häufiger wird die Frage der „Kosten“ kritisch angesprochen: 7,6 % „Kosten insgesamt“, 7,0 % „Kosten der Umbenennung“ - Auch machen die Anmerkungen deutlich, dass nicht alle Befragten die neueren Forschungen teilen, dass Hindenburg und weitere Namensgeberinnen/-geber als Stützen des NS-Regimes anzusehen sind: 8,2 % „Suggestive Fragestellung“, 5,5 % „Begründung zweifelhaft“ (Hindenburg) bzw. 5,1 % (weitere Namensgeber) - Bezogen auf alle Umfrageteilnehmer/innen liegen d iese Antwortanteile bei 2,2 % („Suggestive Fragestellung“), 1,4 % („Begründung Hindenburg zweifelhaft“) und 1,3 % („Begründung weitere Namensgeber zweifelhaft“) - Ebenso werden auch „neue Namensvorschläge“ für de n Hindenburgplatz genannt (5,5 % aller Nennungen bzw. 1,4 % bezogen auf alle Umfrageteilnehmerinnen und - teilnehmer), wobei hier der „Schlossplatz“ (3,7 %) überwiegt; vereinzelt werden weitere Namen genannt (z. B. Neuplatz, Friedensplatz)
Anlage-6-Stadtarchiv-zu-5
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Datum Anlage 6 29.12.2011 Name des Absenders Anja Gussek 4702 7727 Aktenzeichen 47-0-4/17 62 — Vermessungs- und Katasteramt Herrn Betrifft Stellungnahme zur Anregung gem. $ 24 GO Nr. 101/2011 von Bezug: Ihr Schreiben vom 11.10.2011 In seiner an die Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek gerichteten Begründung führt Herr zahlreiche Gründe an, die aus seiner Sicht eine Umbenennung des Stehrweges als nicht gerechtfertigt erscheinen lassen. Zu Hermann Stehr wurden aufgrund eines Prüfauftrages des damaligen OB Tillmann 2009 u. a. durch das Stadtarchiv Informationen zusammengetragen, die seine Beziehung zum Nationalsozialismus aufzeigen sollten. Auf diesen Informationsstand, der in den „Sstammblättern zu Straßennamen“ 2011 veröffentlicht wurde, stützt sich wesentlich die Anregung von Herrn , den Stehrweg nicht umzubenennen. Er führt dabei Einzelhei- ten auf, die seiner Meinung nach, eine Umbenennung als unbegründet erscheinen las- sen. Zur Klarstellung: Es handelte sich bei den Stammblättern nicht um Ergebnisse der ‚Kommission Straßennamen’. Deren Empfehlungen sehen die Umbenennung des Stehr- weges vor und zwar mit der folgenden Begründung: „Ausschlaggebend dafür ist, dass Stehr sehr früh bereits die NS-Politik voll unterstützt hat, die Morde anlässlich der Röhm- Affäre gerechtfertigt hat und aktiv in Bücherverbrennungen verstrickt war.“ Inzwischen liegt ein neuer, seit kurzem veröffentlichter Prüfstand vor. Die in den Stamm- blättern zusammengetragenen Erkenntnisse zur NS-Vergangenheit von Hermann Stehr sind damit überholt. Die Ergebnisse der jüngsten städtischen Nachforschungen stehen im Internetangebot „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ zum Nachvollzug durch Herrn " bereit. Das von Herrn angeführte entlastende Zitat Stehrs zu Adolf Hitler vom 31.01.1933 wird von ihm nicht belegt, ebenso wenig das Zitat zur „Gleichschaltung“. Zu den von Herrn genannten Ehrungen des Dichters Hermann Stehr während der NS-Zeit wird ebenfalls auf das Internet-Angebot verwiesen. Dort wird deutlich, dass die umfänglichen Ehrungen des Dichters auf Initiative hoher NS-Funktionäre zurück gingen oder die Feierlichkeiten von NS-Organisationen ausgerichtet wurden. Stellung möchte ich darüber hinaus nehmen zu einem Punkt, den Herr ebenfalls als „entlastend“ für Hermann Stehr wertet. Herr äußert sich in seinem Schreiben zur Beisetzung Stehrs, auf der „die Partei nicht vertreten“ gewesen sei. Ein Aufsatz von G. Dziedzic zur „Ehrung Hermann Stehrs zur NS-Zeit in Schlesien“ von 2009 zeichnet dazu folgendes Bild: Die Trauerfeier von Stehr fand am 11.09.1940 in Oberschreiberhau statt. Danach wurde der Leichnam nach Habelschwerdt überführt, um dem Wunsch des Verstorbenen entsprechend auf dem Floriansberg beigesetzt zu wer- den. Zu den Trauerfeierlichkeiten berichtete das Tageblatt für Kreis- und Stadt Ha- belschwerdt, dass die Ehrenwache von Vertretern der Hitleriugend und der Feuerwehr gestellt wurde. Eine Gedenkrede hielt Hans Christoph Kaergel im Namen des Präsiden- ten der NS-Reichsschrifttumskammer Hans Johst. In seiner Rede fehlten die ideologi- schen Einwürfe nicht. Die Trauerfeier wurde öffentlich übertragen. Im Trauerzug gingen der Reihe nach folgende Gruppen: Hitlerjugend, Fahnenabordnungen, NS-Formationen, Vereine, Trommler usw. Anwesend war unter anderem NS-Kreisleiter Stumpe. Am Grab ergriff der Landrat des Kreises und NSDAP-Mitglied Streu das Wort und noch einmal Kaergel. Es wurden 400 Kränze niedergelegt, davon 50 am Floriansberg, u. a. — um nur die von der NSDAP getragenen zu nennen - von Reichsminister Goebbels, SS- Reichsführer Himmler, Reichsminister Rust, Gauleiter Wagner, NS-Lehrerbund, Kreislei- tung NSDAP. Mit dem Dritten Reich ist Hermann Stehr zu weit größerem Ruhm gelangt, als er es in der Zeit davor gewohnt war. Und dies war dem Autor auch bewusst. Beleg ist ein Zitat von Hermann Stehr von 1939: „Das Dritte Reich ist zu mir gekommen, und ich habe von den höchsten Stellen die glückhafte Versicherung erhalten, daß mein Werk zu den Grund- steinen gehört, auf denen sich die neue Menschenart, die neue Volks- und Staatsord- nung aufbaut.“ (Zitiert — wie im Aufsatz angegeben - nach Felix Taubitz, Stätten des Wer- dens und Wirkens. In: Schlesische Monatshefte 1939, Nr. 2, S. 47) In Bezug auf den weiteren von Herrn angeführten Aspekt des nicht ns-konformen dichterischen Werkes sowie zu von Stehr formulierten das Regime unterstützenden poli- tischen Erklärungen sei noch einmal auf das Internet-Angebot (www.muenster.de/stadt/strassennamen) verwiesen. Ob letztlich die Ehrung Hermann Stehrs durch einen Straßennamen in Münster aufrecht erhalten werden sollte, liegt in der Entscheidung der BV-Ost. h) h
Anlage-3-Anregung-101-2011
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Anregung Nr. 101/2011 48157 Münster, 14. September 2011 02 Frau Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek Willingrott 49 48157 Münster Sehr geehrte Frau Klimek, eine von der Stadt Münster eingesetzte Kommission prüft derzeit, ob Personen, nach denen münstersche Straßen benannt sind, das NS-Regime unterstützt haben. Gegebenenfalls sollen die betreffenden Straßen umbenannt werden. Auf Empfehlung der von einem Professor Thamer geleiteten Kommission soll neben anderen Straßen und Plätzen auch der Stehrweg seinen Namen verlieren. Unter Beifügung eines Unterschriftenordners beantrage ich hiermit namens der Anwohner, den Namen „Stehrweg“ zu erhalten Es gibt keinen relevanten Grund, den Stehrweg umzubenennen. Denn die Kommission kommt in ihrem eigenen über den Stehrweg angelegten „Stammblatt“ zu folgendem Ergebnis: Hermann Stehr (Zitat) „entzog sich weitgehend der Vereinnahmung (durch die Nazis) und schrieb auch keine Lobgesänge auf Hitler. Bei den im Stammblatt im übrigen aufgeführten Vorwürfen gegen den Dichter Hermann Stehr handelt es sich um die Übernahme von Behauptungen aus dem dubiosen Dritte-Reich-Lexikon des Journalisten Ernst Klee. Dazu nur einige Rezensionen: Frankfurter Rundschau: „wenig überzeugend“, Süddeutsche Zeitung: „eigenwillig, und mit aus dem Zusammenhang gerissenen Zitaten“, Literaturkritiker Fritz J. Raddatz: „verwuchertes Gestrüpp eines gänzlich zerbrochenen Buches“, Welt-online: „das Buch ist mehr als ein Ärgernis, ein geistiges Armutszeugnis, ein Skandal“. Und diesem Machwerk eines investigativen Journalisten hat die Kommission ihre - im Kern lächerlichen — Anschuldigungen gegen Stehr entnommen. So wird Hermann Stehr angelastet, er habe auch noch nach 1933 als Senator der Deutschen Akademie der Dichtung angehört. Diese Dichterakademie aber hatte er selber 1926, also noch zu Weimarer Zeit, mitgegründet und war seither Mitglied der Akademie. Warum hätte er aus der Akademie austreten sollen? Ein weiterer Vorwurf, Stehr habe die Maßnahmen des 3. Reiches beim sogenannten Röhm-Putsch in einem Zeitungsbeitrag verteidigt. Bei aller Kompliziertheit dieser Affäre muß man wissen, daß das deutsche Volk damals zwar die Ermordung der SA-Führung verurteilte, aber dennoch erleichtert war, daß es mit dem barbarischen Terror der SA-Braunhemden ein Ende hatte und keine SA-Militärdiktatur mehr drohte. Diese Erleichterung hatte Stehr in seinem Beitrag in der „Allgemeinen Deutschen Zeitung“ zum Ausdruck gebracht. Und weiter; Hermann Stehr erhielt wegen seiner Verdienste um die deutsche Literatur 1933 den Goethepreis der Stadt Frankfurt und 1934 den „Adlerschild des deutschen Reiches“, den höchsten deutschen Wissenschaftspreis. Nur weil in dieser Zeit die Nazis herrschten, sind die Umbenenner der Auffassung, Stehr hätte diese Preise ablehnen müssen. Und zusätzlich wird moniert, daß ein Festredner Stehr als Wegbereiter des Nationalsozialismus ausgerufen habe. - Sollte der Geehrte dem Festredner wohl den Mund verbieten? Noch eine Verurteilung: Stehr hat große Bauernromane geschrieben, z. B. „Der Heiligenhof“, in Westfalen angesiedelt, 2 Bände (1918). Vorwurf: Blut- und Boden-Ideologie (!?). Anregung Nr. 101/2011 Nun zum Wesentlichen: Der Stehrweg wurde 1954 auf Vorschlag des Kulturdezernenten Vernekohl vom Rat der Stadt Münster so benannt, um einen in der literarischen Welt angesehenen Dichter zu ehren. Begründung: „Hermann Stehr, geboren am 16. 2. 1864 in Habelschwerdt, gestorben am 11. 9. 1940 in Oberschreiberhau, schlesischer Dichter und Gottsucher, Schriftsteller in der Tradition der schlesischen Mystik. Münster ist Schauplatz einiger seiner Romane und Erzählungen“. Zur Person des Dichters Hermann Stehr nun ergänzend noch einige biographische Notizen: Hermann Stehr wurde als 5. Kind eines Sattlermeisters 1864 in Schlesien geboren. Nach Besuch des Lehrerseminars war er als Lehrer in verschiedenen kleinen Volksschulen tätig. Wegen seiner „sozialistisch-demokratischen“ Gesinnung wurde er in der Kaiserzeit häufiger strafversetzt, z.B. nach Pohldorf/Schlesien. Bei 135 Schülern erhielt er dort 66,70 Mark monatlich. 1911 wird Stehr dienstunfähig und widmet sich seither der Schriftstellerei. Ein reiches dichterisches Schaffen folgt: über 30 Romane, Novellen, Dramen, Märchen und Gedichte. Bedeutendste Werke: Der Münsterland-Roman „Der Heiligenhof“, „Der begrabene Gott“, Drei Nächte“, „Das Geschlecht der Maechler“ und die Münster-Novelle „Meister Cajetan“. Politisch stand Stehr der liberalen DDP nahe und war eng befreundet mit Reichsaußenminister Walther Rathenau, einem jüdischen Industriellen, und Gerhard Hauptmann. Daneben war Stehr mit großen Männern aus dem jüdischen Geistesleben befreundet: Martin Buber, Max Tau, Julius Levin u.a. Am 31. 1. 1933 äußerte sich Stehr zu einem Freund anläßlich eines Familientreffens Stehr/Hauptmann über Adolf Hitler wörtlich: „Dieser Viechskerl! Daß ich ihn ablehne muß Ihnen klar sein“. Wie die meisten Deutschen versuchte Stehr dennoch, sich mit der neuen Regierung abzufinden. Nach einer anfänglichen Zufriedenheit mit der Stabilisierung Deutschlands durch das neue Regime, die er auch schriftlich zum Ausdruck brachte, kam aber bald die Ernüchterung: „Wenn das neue Deutschland sich im Braunhemd, in der Gleichschaltung, ausdrückt, bin ich nicht mit Euch“. So nahm keine Parteistelle an der Verleihung des „Ehrendoktors“ anläßlich seines 70.Geburtstages durch die Universität Breslau 1934 teil. Auch bei der Beisetzung von Hermann Stehr am 15. September 1940 auf dem Floriansberg in Habelschwerdt war die Partei nicht vertreten. Denn Hermann Stehr war nicht Mitglied der NSDAP. Vor Beginn der Nazizeit hatte Stehr, 69jährig, sein Lebenswerk bereits weitgehend abgeschlossen. Von den rund 30 Schriften waren bis zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 25 erschienen Auch seine späteren Werke sind frei von jeglicher NS-Ideologie. So spricht also das Werk von Hermann Stehr für sich und gegen kleinliche Beckmessereien. Daher ein kritisches Wort an die Adresse der Historikerkommission: Ernst zu nehmende Geschichtsforscher kämen bei dieser Sachlage wohl kaum auf die Idee, dem Nicht-Parteimitglied Hermann Stehr die Unterstützung des Naziregimes anzulasten. Wer allerdings, wie Herr Thamer, seine Aufgabe als Historiker in der Dämonisierung des Dritten Reiches sieht und dabei aus nur heutiger Sicht und aus einem gut finanzierten Professorensessel heraus Menschen verunglimpft, die in einer schweren Zeit leben und überleben mußten, zeigt, wie wenig er zu einer differenzierten Betrachtung der damaligen Zeitumstände fähig ist. Im Namen der Bewohner des Stehrweges möchte ich Sie, sehr geehrte Frau Klimek, daher herzlich bitten, sich in der Bezirksvertretung dafür einzusetzen, daß die Wohnstraße Stehrweg, die zu Recht einen ehrenvollen Namen trägt, diesen behalten kann. Die bis jetzt eingegangenen Petitionen sind in Kopie beigefügt. Darüber hinaus haben zahlreiche Bewohner in Gesprächen ihren Unwillen überdeutlich bekundet. Auch die heimatvertriebenen Schlesier in Münster würden sich freuen, wenn diese Straßenbezeichnung sie weiterhin an ihren großen Landsmann erinnert. Im übrigen darf ich Grüße vom Enkel des Dichters übermitteln, von Herrn Professor Nico Stehr, Wangen im Allgäu. Auch er würde sich freuen, wenn mit dem Stehrweg die Erinnerung an seinen Großvater aufrechterhalten würde. Mit freundlichen Grüßen » Für die Stehrweg-Anwohner R g Anregung Nr. 101/2011 30 Stehrweg Fiioc 1. Straßenname Stehrweg (im Stadtbezirk Münster-Ost) Damasenkoweg 2 nsragon 3 Henich 2. Prominenz des Namensgebers Überörtlich 3. Frühere Namen Die Straße war neu und wurde am 12.04.1952 erstmalig benannt. Stepnana? 2 Emo, 4. Anzahl der Anlieger/Bewohner Hausnummern: gemeldete Einwohner: 469 Statistische Angaben zum Stehrweg: 58 5. Vorgeschichte, Anmerkungen bzw. Anträge auf Umbenennung in Münster Anträge auf Umbenennung sind hier bisher nicht bekannt. 6. Historische Einschätzung Hermann Stehr (1864 bis 1940) Volksschullehrer, seit 1912 freier Schriftsteller. Er schrieb Romane, Erzählungen - in einigen von ihnen ist Münster der Schauplatz der Handlung -, Gedichte, ein Drama und zahlreiche Aufsätze und Reden. Hermann Stehr starb im Jahre 1940. Emst Kiee,"Das Kulturlexikon zum Dritten Reich, S. 587: Stehr, Hermann. Reichskultursenator, 1933 Senator der „gesäuberten“ Deutschen Akademie der Dichtung der Preuß. Akademie der Künstler. Am 19.08.1934 Unterzeichner des Aufrufs der Kulturschaffenden zur Volksbefragung zwecks Vereinigung des Reichskanzler- und Reichspräsidentenamts in der Person Hitlers. Rechtfertigung der Morde anlässlich des Röhm- Putsches. NS-Ehrung: Am 17.10.1933 erster Preisträger des Goethepreises der Stadt Frankfurt in der NS- Zeit. 1934 „Adlerschild des Deutschen Reiches“ (höchster Wissenschaftspreis), in der Festrede von Griese zum Wegbereiter des Nationalsozialismus ausgerufen. Siehe: In der Gründungsphase der Weimarer Republik trat Stehr als Wahlredner der Deutschen Demokratischen Partei für seinen Freund Walter Rathenau auf. Stehr siedelte sich 1926 mit finanzieller Unterstützung seines Mäzens, des Textilunternehmers Max Pinkus, Schreiberhau an. Er war 1926 Gründungsmitglied der Preußischen Dichterakademie, einer Unterabteilung der Preußischen Akademie der Künste. Anschließend näherte er sich der Blut-und-Boden-Ideologie an. Nach 1933 gehörte er weiterhin der „gesäuberten““ Akademie der Dichtung an. Nach dem Tod des Reichspräsidenten Hindenburg gehörte Stehr im August 1934 zu den Unterzeichnern des Aufrufs der Kulturschaffenden zur „Volksbefragung“ über die Zusammenlegung des Amts des Anregung Nr. 101/2011 31 Reichspräsidenten und Reichskanzlers in der Person Hitlers. Ebenso schrieb er eine Rechtfertigung zur Legalisierung der Morde anlässlich des Röhm-Putsches in der Deutschen Allgemeinen Zeitung. Der nationalsozialistische Kuiturbetrieb feierte Stehr als „Künder der deutschen Seele” und pries ihn wegen seiner „völkischen Erdverbundenheit“, doch entzog er sich weitgehend der Vereinnahmung und er schrieb auch keine Lobgesänge auf Adolf Hitler. Siehe: Stehr, Hermann, schlesischer Schriftsteller, * 16. 2. 1864 Habelschwerdt, f 11. 9. 1940 Oberschreiberhau; bekannte sich zum Nationalsozialismus; schrieb u. a. von schlesischer Mystik beeinflusste Bauern- und Familienromane. 7. Vergleich mit anderen Städten Es gibt fünf Straßenbenennungen nach Hermann Stehr in den Städten Dortmund, Hagen (Westf.), Lüneburg, Steinfurt und Münster. Juni 2010: In Neuenkirchen-St. Arnold wird die Straßenbenennung nach Stehr überprüft. 8. Entscheidungszuständigkeit für (Um-)Benennung der Straße Bezirksvertretung Münster-Ost 48155 Münster, September 2011 (Name) R An die Bezirksvertretung Münster-Ost z. H. Frau Bezirksbürgermeisterin Klimek - Stadt Münster — Stadthaus - 48143 Münster Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Klimek, wie bereits die Bewohner der Agnes-Miegel-Straße und des Castelleweges sprechen auch wir uns für die Beibehaltung unseres Straßennamens aus. Die Empfehlung der Historikerkommission, den Stehrweg zu streichen, ist uns unverständlich, weil doch die Kommission selbst in ihrem „Stammblatt Stehrweg“ bei Hermann Stehr folgendes anerkannt hat: „... doch entzog er sich weitgehend der Vereinnahmung, und er schrieb auch keine Lobgesänge auf Adolf Hitler“. Wenn Hermann Stehr sich also der Vereinnahmung durch die Nazis entzogen hat und nach unseren Informationen noch nicht einmal NSDAP-Mitglied war, fällt doch jeder Sachgrund für die Umbenennung, die uns ja auch viele Unannehmlichkeit beschert, weg. Freupatfchg Grüße
Anlage-2-Straßennamen-Vorschläge
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Anlage 2 Vorschläge für neue Straßennamen im Stadtbezirk Münster-Ost Seite 1 Nelly-Sachs-Straße Nelly Sachs (1891-1970) jüdisch-deutsche Schriftstellerin, Sie floh 1939 nach Schweden. 1966 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur Anna-Krückmann-Weg Anna Krückmann, * 01.02.1868, † 10.02.1955; Ratsfrau von 1924 bis 1930, Begründerin des Münsterschen Hausfrauenvereins 1915. Mathilde-Grönhoff-Straße Mathilde Grönhoff *1863 †1954, ehrenamtlich engagiert in der Krankenpflege und Fürsorge. Sie gehörte ab 1919 zu den ersten Frauen in der Stadtverordnetenversammlung. 1919-1929 Fürsorgerin am städtischen Gesundheitsamt und 1919-1924 Mitglied im Wohnungsausschuss. Vorschlag der AMF, Arbeitsgemeinschaft Münsterscher Frauenorganisationen, 1989 Henriette-Hertz-Weg Henriette Hertz *1913 † 2001 jüdische Münsteranerin vom NS-Regime verfolgt und beraubt. Sie überlebte die NS-Zeit untergetaucht im Rheinland. Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt stellte sie – wie viele andere Überlebende – einen Antrag auf Rückerstattung für den in der NS-Zeit geraubten Besitz ihrer Familie. Nur ein Bruchteil wurde erstattet. Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel Goldenbergstraße Die Familie Else Goldenberg (1903-1979), Siegfried Goldenberg (1900-1980) und Tochter Mirjam, *1937, wurden 1941 ins KZ Riga deportiert. Die Tochter Mirjam wurde 1942 von dort nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Else und Siegfried Goldenberg sind nach Jahren der KZ-Haft und Zwangsarbeit 1945 befreit worden und 1947 nach Münster zurückgekehrt. Jahrelang stellten sie in ihrer Wohnung einen Raum für den Gottesdienst zur Verfügung. Siegfried Goldenberg war von 1946 bis 1976 Gemeinde-Vorsitzender. Else und Siegfried Goldenberg wurde für ihre Verdienste um den Wiederaufbau der münsterischen jüdischen Gemeinde die Paulus-Plakette der Stadt Münster verliehen. Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel Franz-Ballhorn-Weg Franz-Josef Ballhorn (1908–1979); Studium der Sprach- und Gesellschaftswissenschaften in Münster; Leiter des katholischen Sportverbands „Deutsche Jugendkraft“; illegale Aktivitäten gegen den Nationalsozialismus; 1934 Flucht in die Niederlande; Arbeit als Redakteur bei katholischen Widerstandszeitungen; 1940 Verhaftung; 1940-1945 Haft in Berlin und im KZ Sachsenhausen; nach der Befreiung Mitglied in kommunalen Ausschüssen für Entnazifizierung und Wiedergutmachung; Mitglied der VVN, später Vorstandsmitglied des BVN; ab 1947 Amtsdirektor in Nottuln; 1964–1974 Bundesvorsitzender der „Deutschen Jugendkraft“; Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel, 2010 Seite 2 Josef-Henneböhl-Straße Josef Henneböhl *26.02.1909 †1990, hat als „grüner Polizist“ in Amsterdam viele Menschen vor der Deportation in deutsche KZs gerettet. Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel, 2010 Determeyerweg Carl Determeyer, *30.06.1897 Karlshafen, †02.05.1976 Münster, Maler. Determeyer kam 1900 mit seiner Familie nach Münster. In seiner Jugendzeit studierte er Architektur und Kunstgeschichte in Münster, Düsseldorf und München. Zum Lebenswerk des Malers wurde eine stets in Aquarelltechnik ausgeführte kunsthistorische Bestandsaufnahme alter Bauwerke Münsters und des Münsterlandes. Viele der von ihm dargestellten Gebäude existieren nicht mehr. Determeyers Bilder wurden häufig in Kunstzeitschriften publiziert. Werke von ihm befinden sich in 165 Museen des In- und Auslandes. Dobelmannweg Werner Dobelmann *1913 †1985, Finanzbeamter in Münster. Er erforschte in seiner Freizeit die Geschichte der Ortschaften, Bauerschaften und Höfe in Münster-Ost. Er veröffentlichte 1971 Kirchspiel und Stift St. Mauritz, Werse und Berg Fidel, 1974 Amelsbüren, Angelmodde, Handorf und Hiltrup, 1976 Albersloh. Dobelmann wohnte Niedersachenring 45. Vorschlag vom „Schützenverein Werse von 1821“ 1995 Heinrich-Böll-Weg Heinrich Böll (1917-1985) Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit, als moralische Autorität. 1972 Nobelpreis für Literatur. Nikolaus-Groß-Weg Nikolaus Groß *30.09.1898 †23.01.1945, deutscher Gewerkschafter der KAB, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und NS-Opfer. Groß wurde am 07.10.2001 durch Papst Joh.Paul II. seliggesprochen. Vorschlag von der KAB St.-Ida-Gremmendorf, 2007 Michael-Keller-Straße Michael Keller *1896 †1961, katholischer Theologe, 1947 bis 1961. Bischof von Münster, Förderer der katholischen Soziallehre und der Laienbewegung. Vorschlag aus der Anregung nach § 24 GO Nr. 130/2011 Monastirstraße Monastir ist Partnerstadt der Stadt Münster seit März 1968 mehrfach vorgeschlagen: z.B. vom Dezernent I von 1981, letzter Antrag A-R/0006/2007 vom 13.02.2007 der Fraktionsgemeinschaft UWG/ödp, Beschluss Hauptausschuss V/0182/2007.
Beschlussvorlage
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V/0385/2012
DER OBERBÜRGERMEISTER
Vermessungs- und Katasteramt
Betrifft
Umbenennung des Stehrwegs
Beratungsfolge
23.08.2012 Bezirksvertretung Münster-Ost Entscheidung
Beschlussvorschlag:
I. Sachentscheidung:
1. Entsprechend der Empfehlung der Kommission Straßennamen wird der Stehrweg umbe-
nannt.
2. Der bisherige Stehrweg erhält einen neuen Namen aus der Anlage 2.
3. Die Anregungen nach § 24 Gemeindeordnung Nr. 101/2011 vom 14.09.2011 und
Nr. 121/2011 vom 09.10.2011 sind damit erledigt. (Anlagen 3 und 4)
4. Die Anregung nach § 24 Gemeindeordnung Nr. 135/2011 ist damit in Bezug auf den
Stehrweg erledigt. (Anlage 5)
5. Der Antrag der SPD-Fraktion der BV-Ost Nr. A-O/0008/2012 vom 19.04.2012 ist damit in
Bezug auf den Stehrweg erledigt (Anlage 7).
II. Finanzielle Auswirkungen:
Es entstehen Kosten für neue Straßennamenschilder. Die Finanzierun g ist aus laufenden Mi tteln
des Tiefbauamtes aus dem Budget „1201-Straßenerhaltung“ sichergestellt.
Begründung:
Diese Beschlussvorlage zum Stehrweg steht im Zusammenhang mit den stadtweiten Diskussionen
über NS-belastete Straßennamen.
Ein Ausgangspunkt der Diskussionen war im Mai 2007 der Antrag der SPD-Fraktion der BV-West
auf Umbenennung des Carl -Diem-Weges. Ebenfalls im Mai 2007 hat die SPD -Fraktion in der BV -
Mitte um Prüfung der Vorwürfe gegen den Namensgeber des Jöttenweges gebeten sowie einen
Bericht über die Straßennamen angefordert, deren Namensgeber in die Unrecht staten bzw.
Vorlagen-Nr.:
V/0385/2012
Auskunft erteilt:
Herr Zimmermann
Ruf:
492 62 42
E-Mail:
ZimmermannBernhard@stadt-
muenster.de
Datum:
14.05.2012
Öffentliche Beschlussvorlage
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V/0385/2012
Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese Prüfung führte zu einem Auftrag
an den Historiker Dr. Schmidt, der die Namensgeber der Straßen im Stad tbezirk Mitte a uf deren
Verstrickung in die Unrechtst aten des NS -Regimes überprüfen sollte. In seinem Gutachten b e-
nannte Dr. Schmidt 29 Personen, die er in 4 Kategorien eingeteilt hatte:
Kategorie 1: keine Nähe zum NS-Regime
Kategorie 2: Haltung zum NS-Regime nicht eindeutig
Kategorie 3: Aktive Stützen des NS-Regimes
Kategorie 4: Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Unrechtstaten
Während in der Kategorie 4 keine Namensgeber auf Münsters Straßenschildern vorha nden sind,
sind es in der Kategorie 3 nach dem Gutachten Schmidt 7 Personen (Franz Ludwig, Ludwig Hum-
borg, Karl Wilh. Jötten, Hans Pfitzner, Alfred Stühmer, Karl Wagenfeld und Agnes Miegel), d avon
liegt jedoch die Agnes -Miegel-Straße im Stadtbezirk Ost. Ein weiterer Prüfauftrag des Oberbü r-
germeisters an das St adtarchiv zu den Straßennamen im übrigen Stadtgebiet ergab drei weitere
Namensgeber in der Kategorie 3 aus dem Stadtbezirk Münster -Ost (Friedrich Castelle, Heinrich
Lersch und Hermann Stehr). Darüber hinaus hatte der Ratsantrag der SPD -Fraktion vom Januar
2008 zur Umbenennung des Hindenburgplatzes die D ebatte um Straßennamen sehr stark in die
Öffentlichkeit getragen.
Nach der Kommunalwahl 2009 hat der erweiterte Ältestenrat des Rates beschlossen, eine Kom-
mission unter der Leitung des Oberbürgermeisters einzusetzen, der alle im Rat vertretenen Partei-
en und die Historiker Prof. Dr. Thamer und Prof. Dr. Kenkmann angehören sollten.
Diese Kommission sollte über die zehn Personen der Kategorie 3 (dazu Diem und Hinde nburg)
also über zwölf Namensgeber beraten. Im Vordergrund des Prüfauftrags stand nicht die Bewertung
der gesamten Lebensleistung dieser Personen, sondern ob und inwieweit die Namensgeber das
NS-Regime gestützt ha ben. Außer der Beratung über historische Fakten sollte die Kommission
den entscheidungsbefugten Gremien (Rat und Bezirksvertretungen) ihre Empfehlung mitteilen, ob
die Ehrung durch den Straßennamen nach wie vor angemessen sei und eine Umbenennung stat t-
finden solle oder nicht.
Nach Abschluss der Kommissionsarbeit hat der erweiterte Ältestenrat die Ergebnisse und Empfeh-
lungen der Kommission am 07.07.2011 entgegengenommen und die Verwaltung beauftragt, diese
Ergebnisse in einer breit angelegten Informations- und Kommunikationsphase zu veröffentlichen.
Zusätzlich sollte die Verwaltung eine repräsentative Bürgerumfrage zur Frage der „Ehrung“, die mit
der Benennung einer Straße nach einem Namensgeber verbunden ist, durchführen. Die se Bürge-
rumfrage sollte eine zusätzliche Informationsquelle für die Diskussion in den Gremien bilden, diese
aber nicht binden.
Die Informations- und Kommunikationsphase hatte zum Ziel, über die Ergebnisse der Kommission
zu informieren. Insbesondere sollte die auf neuen Erkenntnissen der historischen Forschung b a-
sierende Einschätzung der Kommission zu den Namensgebern vermittel t werden, da diese E r-
kenntnisse vermutlich in weiten Teilen der Bürgerschaft nicht bekannt sind.
Im Vordergrund der Information sollte daher nicht die gesamte Lebensleistung der Namensgeber
stehen, sondern sollten insbesondere die neuen historischen Fakte n stehen, nach denen die N a-
mensgeber nach heutiger Bewertung nicht mehr als Vorbilder dienen können und eine Ehrung
nicht verdient haben.
Die Information der Öffentlichkeit erfolgte unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt?!“
- mit einer neuen Internetseite auf der Homepage der Stadt unter
www.muenster.de/stadt/strassennamen, freigeschaltet seit 21.12.2011
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V/0385/2012
- mit der Ausstellung „Widerstände im Münsterland“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom
19.11. - 21.12.2011
- mit der Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt ?!“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom
26.01. - 16.03.2012
- mit einer Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ am
25.01.2012 im Rathaus-Festsaal
- mit zwei Informationsveranstaltungen in den Stadtbezirken Ost und Mitte am 26.01.2012
und 09.02.2012
- mit einer Podiumsdiskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?! - Geschichte und Verantwortung
in einer demokratischen Gesellschaft“ mit prominenten Podiumsteilnehmern am
29.02.2012 im Rathaus-Festsaal
Ergebnisse der Bürgerumfrage
Die repräsentative Bürgerumfrage wurde vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehr s-
planung in der Zeit vom 25.01. - 15.02.2012 durchgeführt. Es wurde unter anderem die Frage g e-
stellt: „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch B e-
nennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ Knapp 70 Prozent der Antworten
lauteten „Ja“.
Auf die weitere Frage „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere An träge aus Bürge r-
schaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn
sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stü t-
zen des NS -Regimes erwiesen haben?“ sprachen sich knapp 40 Prozent der Befragten für eine
Umbenennung aus.
Die einzelnen Umfrageergebnisse sind in Anlage 1 beigefügt.
Empfehlung der Kommission Straßennamen
Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst fo l-
gende Empfehlungen abgegeben:
"Die Kommission empfiehlt einstimmig die Umbenennung des Stehrweges. Ausschlaggebend
dafür ist, dass Stehr sehr früh bereits die NS-Politik voll unterstützt hat, die Morde anlässlich
der Röhm-Affäre gerechtfertigt hat und aktiv in Bücherverbrennungen verstrickt war."
Die im Folgenden angeführte Begründung für die Umbenennung ist dem vom Stadtarchiv aufberei-
teten Internetangebot „Ehre wem Ehre gebührt!?“ entnommen.
Stehrweg
Die Straße wurde 1954 benannt nach Hermann Stehr, * 16.02.1864 in Habel schwerdt/Schlesien,
Grafschaft Glatz † 11.09.1940 in Oberschreiberhau/Schlesien, Volksschullehrer und Schriftsteller
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V/0385/2012
Hermann Stehr und der Nationalsozialismus
Politische Mitgliedschaften
Kein Mitglied der NSDAP
1935: Reichskultursenator
Politische Erklärungen
"Der alte Kämpfer Hitler ist mit den Landesverrätern in einer Nacht fertig geworden."
Hermann Stehr wurde durch das NS -Regime stark hofiert, mehrfach ausgezeichnet und finanziell
gefördert. Seinen Aufstieg honorierte Stehr mit Unterstützung des NS -Regimes. So befürwortete
Stehr in der Deutschen Allgemeinen Zeitung im August 1934 die Übertragung der Befugnisse des
Reichspräsidenten auf Hitler – "den großen Führer". Er tat dies mit ausdrücklicher Berufung auf die
nur kurze Zeit zurückliegenden Morde an SA-Funktionären vom 30. Juni 1934 und schrieb in
Übereinstimmung mit der offiziellen Erklärung vom "Putschversuch der Röhmverbrecher":
"Der alte Kämpfer Hitler ist mit den Landesverrätern in einer Nacht fertig geworden, der
Staatsmann Hitler hat mit der Übernahme der Reichspräsidentschaft auch diese letzte Hoff-
nung auf die Gefährdung des neuen Reiches zunichte gemacht." [Stehr, Zum 19. August, in:
DAZ 18.08.1934]
Uns sollen die Zähne ausfallen [...], wenn wir am 10. April nicht dem Führer und seinen Ta-
ten ein begeistertes Ja zurufen."
Hermann Stehr verfasste mindestens eine weitere politische Stellungnahme, die Aktionen der N a-
tionalsozialisten legitimierte. In einem in seinem Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach
befindlichen Text spricht er sich vehement für den Anschluss Österreichs im Jahr 1938 aus:
"...so stürmte das neu erstehende Volk einer neuen deutschen Welt trotz Tod und Verderben
entgegen, denn ihm war von Gott in Adolf Hitler ein Führer gegeben worden, dem sie vertrau-
ten, wie ihrem eigenen Herzen. [...] "
Weiter schwärmte er von den Vorzügen und Erfolgen des neuen Regimes: ( "Huldigungsbrief
Stehrs auf Hitler")
"Der Hunger floh aus den Hütten der Armen, die Schlote rauchten wieder, die Räder sausten.
Aus einer erliegenden wurde eine siegende Wirtschaft. Das war das Ja der Zuversicht, das
Deutschland unter der Führung Hitlers dem immer betroffener werdenden feindlichen Ausland
aufdrängte."
Stehr schloss mit einer politischen Aufforderung:
"Und nun, zum letzten, hat er die jahrtausendalte Sehnsucht der Deutschen nach Wiederverei-
nigung mit Österreich erfüllt. Das einige Großdeutschland ist erstanden aus Heloten sind Her-
ren geworden. Uns sollen die Zähne ausfallen und die Zunge im Munde verdorren, wenn
wir am 10. April nicht dem Führer und seinen Taten ein begeistertes Ja zurufen."
Am 19. Februar 1934 soll Hermann Stehr einen Protestbrief geschrieben haben, um sich direkt bei
Hitler über das vom Polizeipräsidenten und SA-Obergruppenführers Heines in Breslau und Schl e-
sien geführte Terrorregiment zu beschweren. (Jahn, S. 286)
Anfang April 1934 wird Stehr von der Deutschen Studentenschaft um Unterstützung für "eine vier-
wöchige Gesamtaktion gegen den jüdischen Zersetzungsgeist und für volksbewußtes Denken und
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V/0385/2012
Fühlen im deutschen Schrifttum" gebeten, die im Mai in öffentlichen Bücherverbrennungen kulm i-
nierte. (Erdmann, S. 323f.)
"Genius des Führers"
Im Werk Stehrs trat nach 1933 teilweise eine Wandlung ein. Er kam dem NS-Regime in seinen
Schriften entgegen. Die Zeiten von 1919, als Stehr noch Wahlreden für die DDP und für Rathenau
hielt, hatte er hinter sich gelassen.
Für seine Anpassung an die NS -Zeit lassen sich etwa in der Veröffentlichung "Das Stundenglas"
(1936) Beispiele finden. In "Über Kunst im heutigen Deutschland" (Stehr, Stundenglas, S. 83ff. )
wandte er sich gegen den "Weltkreuzzug der demokratischen Zivilisation" und entschied sich für
"den deutschen Geist". Weiter schwärmte er: "Unter dem großen Sachwalter deutscher Kraft und
deutschen Sinnes ist vor Jahr und Tag der gewaltige Umschwung geko mmen." Es begann "die
Aufrichtung eines neuen Deutschland".
Stehr sprach vom "Genius des Führers" und machte deutlich: " Darauf beruht die Möglichkeit und
das Recht dessen, der aus rassischer und geschichtlicher Wirklichkeit Deutscher ist, im Deutsc h-
tum er kannt und erhalten zu werden. Hier wird deutlich, daß Volk sich nur unter der Herrschaft
eines sinnvollen Willens, als Gefolgschaft des Führers, zu erfüllen und zu erhalten vermag."
Der Sammelband "Das Stundenglas" enthält weitere Beiträge, etwa die Anspr ache "An die deu t-
sche Jugend", die erkennen lassen, dass der Autor eine " herrliche Wendung" sah:
"Es ist nicht getan mit dem Ruf 'Heil Hitler' [...] dadurch dokumentiert Ihr wohl äußerlich die Bereit-
willigkeit zur Hingabe an die Verantwortung, die Ihr nac h dem Befehl des Führers auf Euch g e-
nommen habt. Allein die Verantwortung muß, bis ins Innerste vertieft, zur Selbstverantwortung
werden. [...] Dadurch allein wird die Arbeit im Dienst des nationalen Sozialismus zur Weltanscha u-
ung vertieft und geweitet." (S. 116)
Stehr bediente sich nach 1933 vermehrt des aktuellen NS -Vokabulars, sprach vom "Zwang des
Blutes" und ließ sich offiziell als " Seher und Führer" des neuen Deutschland feiern. Seine Wel t-
sicht, seine Auffassung von der Gemeinschaft, sein "Glaube an deutsche Art und deutsches W e-
sen" seien – so Erich Mühle, 1937 – "ganz deutsch". (Stroka, S. 104)
"Seine Stellungnahme zum 'Dritten Reich' war, wie die so manchen anderen namhaften deutschen
Autors von der Wahnvorstellung durchdrungen, dass Hitler eine deu tsche Sendung zu erfüllen
hätte." So berichtete Alfons Hayduck von einem Besuch bei Stehr kurz vor seinem Tode:
"Hermann Stehr ist voll tiefer Bewunderung für die Waffentaten des erneuerten Deutschland [...],
für die säkulare Erscheinung des Führers, von dem der Dichter meint, dass die Kernpunkte seiner
Kraft [...] in der Überwindung der sprichwörtlichen deutschen Zwietracht." (Bundesarchiv, RKK,
Stehr)
Gesinnungswechsel
"Stehr war ein Autor, dessen Stilmischung […] ihm zwar manchen literaturkundigen Bewu nderer
[...], aber insgesamt nicht die Resonanz eintrug, die der sendungsbewußte Dichter für sich rekl a-
mierte." Er sah "die große Chance seines Lebens im Machtwechsel von 1933, als er in offizieller
Sicht zum ersten Dichter der Nation avancierte" . "Jetzt hast du", schrieb ihm der ehemalige Sekt i-
onssekretär für Dichtkunst Oskar Loerke im Dezember 1933, "mächtigere Freunde." (Scholdt, S.
740)
Hermann Stehr wird in den 1920er Jahren noch als progressiver Autor beschrieben. Politisch zei g-
te er während der Weima rer Zeit Bereitschaft, sich an einem demokratischen Gemeinwesen zu
beteiligen. Um 1930/31 tritt eine Wandlung ein. Er wandte sich zunehmend konservativ -nationalen
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rechtsgerichteten Dichterkreisen zu, die etwa gegen den Import "wesenfremden" Schriftgutes auf-
traten. Nach 1933 sollten diese Kreise dann eine wichtige Rolle im Literaturbetrieb des Dritten Rei-
ches spielen. (Kunicki, 2009)
Am 15. März 1933 gehörte Stehr zu den ersten der 27 befragten Mitglieder der Sektion für Dich t-
kunst der Preußischen Akademie d er Künste, die eine von den Nationalsozialisten geforderte E r-
klärung positiv beantworteten, sich "unter Anerkennung der veränderten geschichtlichen Lage"
weiterhin diesem Gremium zur Verfügung zu stellen. Stehr und seine Freunde konnten die durch
Ausschaltung sozialistischer und jüdischer Künstlerkollegen "gesäuberte" Akademie für sich nu t-
zen. Dies beschrieb der abgesetzte Oskar Loerke: "Als die Herrschaften sich selbst überlassen
waren, wurde es unangenehm. Die guten alten triumphieren. Strauß, Stehr. Sie fühlen sich jetzt
würdig und wichtig. Man hat ihnen Senatsstellen gegeben." (Tagebucheintrag Loerkes vom
09.06.1933, EDV-Abschrift DLA Marbach, zit. nach Sprengel, S. 56)
„Zugleich gilt der Preis dem mannhaften Kämpfer im Geiste"
Stehr erhielt nach 1933 von den neuen nationalsozialistischen Machthabern erhöhte Aufmerksam-
keit und Ehrung. Ein Zeitgenosse äußerte sich entsprechend:
"Für Hermann Stehr eröffnete sich endlich die Aussicht, über [Gerhart] Hauptmanns Schatten zu
springen. Am 17. Oktober 1933 erhielt er im Goethe-Haus zu Frankfurt den ersten Goethe-Preis im
Neuen Deutschland – den letzten im Alten Deutschland hatte Hauptmann erhalten -, und als im
Februar 1934 auch er siebzig Jahre alt wurde, tat man, was man konnte, um ein Stehr -Jahr aufzu-
ziehen, das es dem Hauptmann-Jahr gleichtat." (Menselssohn, S. 1262 f.)
1933 erhielt Stehr den Goethepreis der Stadt Frankfurt. In der Widmungsurkunde steht: "Im Jahr
der nationalen Erhebung verleiht die Stadt Frankfurt den von ihr gestifteten Goethe -Preis dem
Schriftsteller Hermann Stehr." Der nationalsozialistische Oberbürgermeister Dr. Friedrich Krebs
begründete die Verleihung:
"Er gilt dem ahnungsvollen Deuter der Gewalten, die alles irdische Geschehen von Höhen und
Tiefen her bewegen. Es liegt aber auch in diesem Preis das Bekenntnis zu einem mannhaften,
unermüdlichen Kämpfer im Geiste."
Ein Jahr später folgte eine weitere hohe Ehrung. Aus Anlass des 70. Geburtstages Hermann
Stehrs regte NS-Gaukulturwart und Chefdramaturg Bethge die Verleihung der Goethe-Plakette der
Stadt Frankfurt a. M. an und bat darum, zu betonen, "dass es sich bei der Verleihung der Goethe -
Plakette um eine ganz seltene Auszeichnung handelt, die im Gegensatz zu den Verleihungen u n-
ter dem alten Regime heute nur noch an ganz besonders hervorrag ende Persönlichkeiten des kul-
turellen Lebens erfolgt. Bis jetzt wurde mit der Plakette nur der Preuss. Staatskommissar im Mini s-
terium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, der Leiter des Kampfbundes für deutsche Kultur,
Herr Hans Hinkel ausgezeichnet."
Der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt schrieb 1934 zur Verleihung der Goetheplakette an
Stehr: "Im ersten Jahre der deutschen Erhebung, an der sie mit besonderem Zielwillen und beson-
derem Verantwortungsbewusstsein teilnimmt, hat die Stadt Frankfurt am Main zum Träger ihres
Goethepreises Sie erwählt."
Ausrichtung der Hermann-Stehr-Feiern durch nationalsozialistischen "Kampfbund für
Deutsche Kultur"
Aus Anlass seines 70. Geburtstags fanden 1934 reichsweite "Hermann-Stehr-Feiern" statt. Am
07.11.1934 etwa huldigte der gesamte deutsche Buchhandel mit "selbstverständlicher Pflicht" dem
Dichter mit einem Sonderschaufenster. Der nationalsozialistische "Kampfbund für Deutsche Kultur"
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richtete zahlreiche Feiern aus, wie etwa eine Matinée im Staatlichen Schauspielhaus in Berlin oder
durch Ortsgruppen in Dittersbach, Oberschreiberhau, Breslau, Hirschberg und Beuthen. Bei der
Feier im Staatlichen Schauspielhaus in Berlin lobte ihn Staatskommissar Hinkel als "Vater, Kämp-
fer und Kameraden".
Der NS-Staatskommissar Hans Hinkel regte 1933 an, Stehr aus Anlass seines Geburtstages die
Ehrendoktorwürde der Universität Breslau zu verleihen. Der Geschäftsführer der Reichsschrif t-
tumskammer wandte sich entsprechend im Januar 1934 an den Rektor der Universität Breslau.
Die Anregung war erfolgreich; Stehr erhielt die Ehrendoktorwürde im Jahr 1934.
Zur Person Hermann Stehr
Lebenslauf
1885: Erste Lehrerprüfung
1887: Zweite Lehrerprüfung
Bis 1913: Volksschullehrer (Landschullehrer in Pohldorf, )
Wegen liberaler Ansichten von Kirche und Schulbehörde gemaßregelt,
Versetzungen u.a. nach Dittersbach
1893: Veröffentlichung erster Gedichte
1898: Erste literarische Veröffentlichung ("Auf Leben und Tod")
Um 1908: erste Begegnung mit Walther Rathenau. In der Gründungsphase der Wei-
marer Republik trat Stehr als Wahlredner der Deutschen Demokratischen
Partei für Walter Rathenau auf.
1911: Ausscheiden aus dem Schuldienst, danach freier Schriftsteller, Verfassung
eines umfangreichen literarischen Werkes
1915: Umsiedlung nach Warmbrunn (Riesengebirge)
1923: Verlagswechsel von Samuel Fischer ("In den gegen Fischer gerichteten
Vorwürfen manifestiert er bereits seinen Antisemitismus" , Stroka)
1926: Aufnahme in die Dichtersektion der Preußischen Akademie der Künste
1926/27: Umzug nach Oberschreiberhau (Unterstützung beim Hauskauf durch sei-
nen Mäzen, den jüdischen Textilunternehmer Max Pinkus)
15. Nov. 1933: Teilnahme an einem Defilee vor Hitler anlässlich der Eröffnung der
Reichskulturkammer
Herausgabe weiterer Werke: Romane (Hauptwerk: Roman in zwei Bän-
den: Der Heiligenhof, 1918), Erzählungen, Gedichte, ein Drama, Aufsätze
und Reden. Sein Frühwerk galt als Inbegriff der literarischen Moderne, sein
Spätwerk wird heute als epigonal und weltanschaulich problematisch be-
wertet.
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Ehrungen
1910: Bauernfeld-Preis
1919: Fastenrath- und Schillerpreis
1926: Wahl zum Senator in der Preußischen Akademie der Dichter
1932: Wartburg-Rose und Goethe-Medaille
18.10.1933: Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main
1933: Senator und Mitglied der "gesäuberten" Deutschen Akademie der Dichtung
der Preußischen Akademie der Künstler
1933: Ehrensenator des Reichsverbands deutscher Schriftsteller
1934: Hermann-Stehr-Feiern zum 70. Geburtstag in Schlesien und im Reich
(Berlin)
16. 02.1934: Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main
1934: Verleihung "Adlerschild des Deutschen Reiches" (höchster Wissenschafts-
preis) durch Reichspräsidenten Paul von Hindenburg; in der Festrede wird
Stehr von Griese zum Wegbereiter des Nationalsozialismus ausgerufen.
21.02.1934: Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Breslau im Rahmen einer
vom "Kampfbund für Deutsche Kultur" organisierten Feier
1935: Berufung zum Reichskultursenator
(Reichskultursenat: Gründung durch Propagandaminister Joseph Goeb-
bels "repräsentatives Forum" deutscher Kultur, bestehend aus den Präsi-
denten, Vizepräsidenten, Geschäftsführern und Präsidialräten der einzel-
nen Reichskulturkammern sowie bekannten Einzelrepräsentanten des NS-
Kunstwesens. In den Reichskultursenat werden vom Präsidenten hervor-
ragende, um Volk und Kultur verdiente Persönlichkeiten berufen.)
1937: Ehrensold (Bundesarchiv, R 43 Reichskanzlei R 43-II/1646)
1939: Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag Stehrs
06.10.1940: Gedächtnisfeier im Schiller-Theater, Berlin, Gedenkwort durch Reichskul-
turwalter Hans Hinkel
1954: Straßenname in Münster
Weitergehende Informationen
Weitere Dokumente, Quellen - und Publikationsangaben finden sich auf der Internetseite
www.muenster.de/stadt/strassennamen/
Die Anregung Nr. 101/2011
In der Anregung Nr. 101/2011 vom 14.11.2011 beantragt ein Bürger im Namen der Anwohner, den
Straßennamen Stehrweg zu erhalten. Der Antragsteller findet „keinen relevanten Grund, den
Stehrweg umzubenennen“ (Anlage 3).
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Die Anregung Nr. 121/2011
In der Anregung Nr. 121/2011 vom 09.10 .2011 fordern Mitglieder des Vereins Grafschaft Glatzer
e.V., dass die Straßennamen nicht gestrichen werden dürfen, die sich auf Heimatorte, ostdeutsche
Landschaften, Dichter, Künstler und Wissenschaftler aus dem Deutschen Osten beziehen. Dieser
Anregung liegt eine Unterschriftenliste mit 54 Unterschriften bei (Anlage 4).
Die Anregung Nr. 135/2011
In der Anregung Nr. 135/2011 fordern die Landsmannschaften der Vertriebenen die Stadt Münster
auf, die Agnes -Miegel-Straße und den Stehrweg nicht umzubenennen auc h wenn den Künstlern
heute vereinzelte Sympathiekundgebungen gegenüber dem damaligen Regime vorgeworfen we r-
den. Dieser Anregung liegt eine Unterschriftenliste mit 59 Unterschriften bei (Anlage 5).
Auf einige Inhalte dieser Anregung hat das Stadtarchiv in der Stellungnahme vom 29.12.2011 g e-
antwortet (Anlage 6).
Der Antrag der SPD-Fraktion Nr. A-O/0008/2012
Mit dem Antrag spricht sich die SPD -Fraktion in der BV Münster -Ost unter Verweis auf die Em p-
fehlung der Kommission Straßennamen für die Umbenennung des S tehrwegs und weiterer Str a-
ßen im Bezirk Münster-Ost aus.
Fazit
Aufgrund der einstimmigen Empfehlung der Kommission Straßennamen schlägt die Verwaltung
die Umbenennung des Stehrwegs vor. Von der Umbenennung sind 469 gemeldete Einwohneri n-
nen und Einwohner unter 58 Hausnummern betroffen.
Neuer Straßenname
In Anlage 2 schlägt die Verwaltung Straßennamen vor, die für die Verwendung im Stadtbezirk
Münster-Ost geprüft sind.
In Vertretung
Schultheiß
Stadtdirektor
Anlagen:
1 Ergebnis der Bürgerumfrage
2 Vorschläge für neue Straßennamen
3 Anregung § 24 GO Nr. 101/2011
4 Anregung § 24 GO Nr. 121/2011
5 Anregung § 24 GO Nr. 135/2011
6 Stellungnahme Stadtarchiv zu Anlage 5
7 Antrag SPD Nr. A-O/0008/2012
8 Übersichtsplan
Anlage-8-Übersichtsplan
63 Zeichen
Wolbec e Straße k r Ste rweh g Ste weg hr Anlage 8 V/0385/2012
Anlage-7-Antrag-SPD-0008-2012
421 Zeichen
A-0/0008/2012 19. April 2012 age 7 in der BV Münster Ost Antrag an die BV Betr.: Straßenumbenennungen Die BV möge beschließen: Der Stehrweg, der Castelleweg und die Agnes-Miegel-Straße werden umbenannt. Begründung Es wird auf die Empfehlungen der Kommission „Straßennamen“ sowie auf die Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ verwiesen. Weiterer mündlicher Vortrag erfolgt nach Aufruf der Sache. Für die Fraktion
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich abgelehnt
Zur SitzungOrte (12)
- Vennemannstraße 5
- Goldenbergstraße
- Agnes-Miegel-Straße
- Stehrweg
- Schlossplatz
- Anna-Krückmann-Weg
- Henriette-Hertz-Weg
- Nikolaus-Groß-Weg
- Castelleweg
- Willingrott 49
- Grafschaft
- Werse
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0385/2012
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 11.05.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37