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V/0385/2012

Umbenennung des Stehrwegs

Vorlagen 11.05.2012

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Nächste Beratung: Bezirksvertretung Münster-Ost, Sitzung am 23.08.2012, TOP 3.5

Anlage-4-Anregung-121-2011

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Ansehen

Anlage-5-Anregung-135-2011

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Ansehen

Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse

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Anlage-6-Stadtarchiv-zu-5

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Anlage-3-Anregung-101-2011

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Anlage-2-Straßennamen-Vorschläge

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Beschlussvorlage

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Anlage-8-Übersichtsplan

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Ansehen

Anlage-7-Antrag-SPD-0008-2012

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Ansehen

Anlage-4-Anregung-121-2011

1704 Zeichen

Anregung Nr. 121/2011

Anlage 4

Stadt Mom
An Bag ter
Bezirksverwatung Ost ®

An die 12. Okt. 201
Bezirksverwaltung Ost

Frau Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek
Frau Groh

Vennemannstraße 5

48157 Münster

Sehr geehrte Frau Klimek,
Sehr geehrte Frau Groh,

in einer öffentlichen Veranstaltung des münsterschen „Grafschaft Glatz e. V.“ am 9. 10. 2011 habe
ich über die Absicht der Thamer-Kommission berichtet, den Stehrweg in Münster umzubenennen.
Die anwesenden Grafschaft Glatzer waren über dieses Ansinnen empört und sprachen sich
einhellig dafür aus, den Namen des hoch geschätzten Dichters Hermann Stehr und damit ein Stück
Heimat zu erhalten.

Ihre Erwartung an die Stadt Münster haben die Anwesenden in den beigefügten Unterschriftslisten
(Kopien) dokumentiert.

Ich darf Sie bitten, diese Meinung der heimatvertriebenen Grafschaft Glatzer in Ihre
Bemühungen, den Stehrweg zu erhalten, einfließen zu lassen.

Mit Dank und freundlichen Grüßen

Ihr ° -

Anregung Nr. 121/2011

Die Grafschaft Glatzer in Münster im Oktober 2011
An die Stadt Münster
Unterschriftenliste „Stehrweg muß bleiben“

‘Straßennamen, die sich auf Heimatorte, ostdeutsche Landschaften, Dichter,
Künstler und Wissenschaftler aus dem Deutschen Osten beziehen, sind für
‚uns ein Stück Heimat. Solche Straßennamen dürfen nicht gestrichen werden. ;
"Als Grafschaft Glatzer erwarten wir von der Stadt Münster, daß der Name, ;
‘der an unseren Heimatdichter Hermann Stehr erinnert, nicht getilgt wird.

Name Anschrift Unterschrift
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Anlage-5-Anregung-135-2011

2769 Zeichen

Anregung Nr. 135/2011

Anlage 5

BdV Bund der Vertriebenen Vereinigte Landsmannschaften

Frau z e
VE
Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek Kreisverband Milnater-Stndt

Bezirksverwaltung Münster-Ost
Vennemannstraße 5
48157 Münster

45 1201 munsuwer
Telefon und Fax |

; Bankverbindung:
Spa Münsterland Ost
Nr. 400 501 50

Münster, im Oktober 2011

Betr.: Umbenennung von Münsterschen Straßennamen
Sehr geehrte Frau Klimek,

der Bund der Vertriebenen bittet hiermit, von einer Umbenennung der Straßen Agnes-
Miegel-Straße und Stehrweg abzusehen.

Bei der Ansiedlung der deutschen Heimatvertriebenen in den neuen Baugebieten in den
50er und 60er Jahren wurden bundesweit Straßennamen vergeben, die sich auf Städte,
Landschaften und Personen aus den Kulturräumen der Vertriebenen beziehen. Zur
Begründung wurde damals im Rahmen der Pflege des Kulturgutes der Heimatvertriebenen
gemäß $ 96 BVFG Folgendes ausgeführt:

„Wenn eine Gemeinde einer Straße einen ostdeutschen Namen gibt, so trägt sie dadurch
dazu bei, dass die Erinnerung an die ostdeutschen Gebiete auch bei der einheimischen
Bevölkerung wach bleibt. Zugleich beweist sie den von ihr aufgenommenen Vertriebenen
ihren guten Willen, sie auch auf diese Weise heimisch werden zu lassen.“

Diesem Anliegen, den Flüchtlingen und Vertriebenen durch vertraute Namen von Orten
und Persönlichkeiten ein heimatliches Gefühl zu geben, hat die Stadt Münster mit der
Vergabe von insgesamt etwa 100 Straßennamen in allen Stadteilen in Münster in
erfreulich großem Umfange Rechnung getragen.

Der Wegfall eines solchen heimatlich-vertrauten Straßennamens würde bei den in dieser
Frage sehr sensiblen Heimatvertriebenen ein großes Gefühl der Enttäuschung auslösen.
Und dieses trifft besonders auf Heimatschriftsteller zu, deren Werke für die Vertriebenen
einen Rest Heimat bedeuten, wie etwa bei der Schriftstellerin Agnes Miegel, der
bedeutendsten deutschen Balladendichterin.

Keine Frage: Wenn ein Lebenswerk durch Propaganda für das Unrechtsregime des
Dritten Reiches geprägt ist oder wenn ein Geehrter, geschützt durch das Regime,
Unrechtstaten begangen hat, ist sein Name zu tilgen.

Ein bedeutendes Lebenswerk aber in Kunst, Literatur oder Wissenschaft behält als Teil
der deutschen Geschichte bleibenden Wert auch dann, wenn seinem Schöpfer heute

Anregung Nr. 135/2011

vereinzelte Sympathiekundgebungen gegenüber dem damaligen Regime vorgeworfen
werden, Bekundungen, die sich aus den damaligen Zeitumständen ergeben haben.

Auf Einzelheiten zu Agnes Miegel, Straßenbenennung 1960 und Hermann Stehr,
Straßenbenennung 1954, wollen wir an dieser Stelle nicht eingehen, da Begründungen für
die Beibehaltung der Namen nach unserer Kenntnis bereits von anderer Seite vorgetragen
worden sind.

Mit Dank und freundlichen Grüßen

Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse

4166 Zeichen

Anlage 1    
Anlage 1, Seite 1 
 
Bürgerumfrage 2012 „Ehrung von Personen durch 
Straßenbenennungen“ - Zusammenfassung der Ergebnisse  
 
 
1. Auftragslage und Zielstellung 
- Beschluss des erweiterten Ältestenrates der Stadt  Münster vom 07.07.2011 
- Grundlage: Ergebnisse der Kommission „Straßenname n“ 
- Gewinnung zusätzlicher Informationen mittels eine r repräsentativen Bürgerumfrage 
parallel zur Informations- und Kommunikationsphase (v. a. Ausstellung „Ehre, wem 
Ehre gebührt?!“ vom 26.01. – 16.03.2012) 
- Leitfrage: „Wie soll sich Münster zu Persönlichke iten stellen, die sie durch 
Straßennamen für ihr Lebenswerk in besonderer Weise geehrt hat, wenn sich diese 
Ehrung aufgrund neuer Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist?“ 
 
 
2. Methodik 
- Befragungszeitraum: 25.01. – 15.02.2012 
- Zufallsstichprobe: 5.126 Bürgerinnen und Bürger ( über 18 Jahre, Hauptwohnsitz) 
- Rücklauf: 1.937 Fragebögen (37,8 % Rücklaufquote)  
- Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auf Münstera ner Bevölkerung übertragen 
 
 
3. „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher 
Bedeutung durch Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu 
ehren?“ (Frage 1) 
- Ja, auf jeden Fall: 69,7 % 
- Ja, aber nur für Personen mit Bezug zu Münster: 1 7,5 % 
- Nein: 6,5 % 
- Ist mir egal: 4,4 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 0,8 % 
- Ohne Angabe: 1,1 % 
 
 
4. „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige 
Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. 
Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den 
größten Platz Münsters zu ehren?“ (Frage 2) 
- Ja: 35,0 % 
- Nein: 48,3 % 
- Ist mir egal: 7,3 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 6,6 % 
- Ohne Angabe: 2,8 %

Anlage 1, Seite  2 
2 
5. „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürgerschaft 
und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie 
vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren 
quellengestützten Forschungsergebnissen als Stützen des NS-Regimes erwiesen 
haben?“ (Frage 3) 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind: 27,6 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind; es soll aber jeweils ein 
Zusatzschild mit Erläuterungen zu den Namensgebern angebracht werden: 30,2 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden ; auf den künftigen 
Straßenschildern soll aber auf die ehemaligen Namen hingewiesen werden: 16,2 % 
- Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden : 22,6 % 
- Ist mir egal: 0,6 % 
- Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 1,3 % 
- Ohne Angabe: 1,5 % 
 
 
6. „Fühlen Sie sich zum Thema 'Ehrung von Personen durch 
Straßenbenennungen' ausreichend informiert?“ (Frage 4) 
- Ja: 56,4 % 
- Ja, zum Teil: 30,3 % 
- Nein: 11,4 % 
- Ohne Angabe: 1,9 % 
 
 
7. Fehlt Ihnen etwas an Informationen zu diesem Thema? (Frage 5) 
- Offene Frage: 512 Nennungen von 422 Befragten, d.  h. 21,8 % der 
Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich mittels Freitext geäußert 
- Nur ein geringer Teil der Nennungen bezieht sich auf „weitergehenden 
Informationen“: 4,3 % „weitere Informationen fehlen“; 3,1 % „mehr Informationen in 
Medien“ 
- Häufiger wird die Frage der „Kosten“ kritisch angesprochen: 7,6 % „Kosten 
insgesamt“, 7,0 % „Kosten der Umbenennung“  
- Auch machen die Anmerkungen deutlich, dass nicht alle Befragten die neueren 
Forschungen teilen, dass Hindenburg und weitere Namensgeberinnen/-geber als 
Stützen des NS-Regimes anzusehen sind: 8,2 % „Suggestive Fragestellung“,  
5,5 % „Begründung zweifelhaft“ (Hindenburg) bzw. 5,1 % (weitere Namensgeber) 
- Bezogen auf alle Umfrageteilnehmer/innen liegen d iese Antwortanteile bei 2,2 % 
(„Suggestive Fragestellung“), 1,4 % („Begründung Hindenburg zweifelhaft“) und 1,3 
% („Begründung weitere Namensgeber zweifelhaft“) 
- Ebenso werden auch „neue Namensvorschläge“ für de n Hindenburgplatz genannt 
(5,5 % aller Nennungen bzw. 1,4 % bezogen auf alle Umfrageteilnehmerinnen und -
teilnehmer), wobei hier der „Schlossplatz“ (3,7 %) überwiegt; vereinzelt werden 
weitere Namen genannt (z. B. Neuplatz, Friedensplatz)

Anlage-6-Stadtarchiv-zu-5

4667 Zeichen

Datum Anlage 6
29.12.2011

Name des Absenders
Anja Gussek

4702
7727

Aktenzeichen
47-0-4/17

62 — Vermessungs- und Katasteramt
Herrn

Betrifft
Stellungnahme zur Anregung gem. $ 24 GO Nr. 101/2011 von

Bezug: Ihr Schreiben vom 11.10.2011

In seiner an die Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek gerichteten Begründung führt Herr
zahlreiche Gründe an, die aus seiner Sicht eine Umbenennung des Stehrweges
als nicht gerechtfertigt erscheinen lassen.

Zu Hermann Stehr wurden aufgrund eines Prüfauftrages des damaligen OB Tillmann
2009 u. a. durch das Stadtarchiv Informationen zusammengetragen, die seine Beziehung
zum Nationalsozialismus aufzeigen sollten. Auf diesen Informationsstand, der in den
„Sstammblättern zu Straßennamen“ 2011 veröffentlicht wurde, stützt sich wesentlich die
Anregung von Herrn , den Stehrweg nicht umzubenennen. Er führt dabei Einzelhei-
ten auf, die seiner Meinung nach, eine Umbenennung als unbegründet erscheinen las-
sen. Zur Klarstellung: Es handelte sich bei den Stammblättern nicht um Ergebnisse der
‚Kommission Straßennamen’. Deren Empfehlungen sehen die Umbenennung des Stehr-
weges vor und zwar mit der folgenden Begründung: „Ausschlaggebend dafür ist, dass
Stehr sehr früh bereits die NS-Politik voll unterstützt hat, die Morde anlässlich der Röhm-
Affäre gerechtfertigt hat und aktiv in Bücherverbrennungen verstrickt war.“

Inzwischen liegt ein neuer, seit kurzem veröffentlichter Prüfstand vor. Die in den Stamm-
blättern zusammengetragenen Erkenntnisse zur NS-Vergangenheit von Hermann Stehr
sind damit überholt. Die Ergebnisse der jüngsten städtischen Nachforschungen stehen im
Internetangebot „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ zum Nachvollzug durch Herrn " bereit.

Das von Herrn angeführte entlastende Zitat Stehrs zu Adolf Hitler vom 31.01.1933
wird von ihm nicht belegt, ebenso wenig das Zitat zur „Gleichschaltung“.

Zu den von Herrn genannten Ehrungen des Dichters Hermann Stehr während der
NS-Zeit wird ebenfalls auf das Internet-Angebot verwiesen. Dort wird deutlich, dass die
umfänglichen Ehrungen des Dichters auf Initiative hoher NS-Funktionäre zurück gingen
oder die Feierlichkeiten von NS-Organisationen ausgerichtet wurden.

Stellung möchte ich darüber hinaus nehmen zu einem Punkt, den Herr ebenfalls
als „entlastend“ für Hermann Stehr wertet. Herr äußert sich in seinem Schreiben
zur Beisetzung Stehrs, auf der „die Partei nicht vertreten“ gewesen sei.

Ein Aufsatz von G. Dziedzic zur „Ehrung Hermann Stehrs zur NS-Zeit in Schlesien“ von
2009 zeichnet dazu folgendes Bild: Die Trauerfeier von Stehr fand am 11.09.1940 in
Oberschreiberhau statt. Danach wurde der Leichnam nach Habelschwerdt überführt, um
dem Wunsch des Verstorbenen entsprechend auf dem Floriansberg beigesetzt zu wer-
den. Zu den Trauerfeierlichkeiten berichtete das Tageblatt für Kreis- und Stadt Ha-
belschwerdt, dass die Ehrenwache von Vertretern der Hitleriugend und der Feuerwehr
gestellt wurde. Eine Gedenkrede hielt Hans Christoph Kaergel im Namen des Präsiden-
ten der NS-Reichsschrifttumskammer Hans Johst. In seiner Rede fehlten die ideologi-
schen Einwürfe nicht. Die Trauerfeier wurde öffentlich übertragen. Im Trauerzug gingen
der Reihe nach folgende Gruppen: Hitlerjugend, Fahnenabordnungen, NS-Formationen,
Vereine, Trommler usw. Anwesend war unter anderem NS-Kreisleiter Stumpe. Am Grab
ergriff der Landrat des Kreises und NSDAP-Mitglied Streu das Wort und noch einmal
Kaergel. Es wurden 400 Kränze niedergelegt, davon 50 am Floriansberg, u. a. — um nur
die von der NSDAP getragenen zu nennen - von Reichsminister Goebbels, SS-
Reichsführer Himmler, Reichsminister Rust, Gauleiter Wagner, NS-Lehrerbund, Kreislei-
tung NSDAP.

Mit dem Dritten Reich ist Hermann Stehr zu weit größerem Ruhm gelangt, als er es in der
Zeit davor gewohnt war. Und dies war dem Autor auch bewusst. Beleg ist ein Zitat von
Hermann Stehr von 1939: „Das Dritte Reich ist zu mir gekommen, und ich habe von den
höchsten Stellen die glückhafte Versicherung erhalten, daß mein Werk zu den Grund-
steinen gehört, auf denen sich die neue Menschenart, die neue Volks- und Staatsord-
nung aufbaut.“ (Zitiert — wie im Aufsatz angegeben - nach Felix Taubitz, Stätten des Wer-
dens und Wirkens. In: Schlesische Monatshefte 1939, Nr. 2, S. 47)

In Bezug auf den weiteren von Herrn angeführten Aspekt des nicht ns-konformen
dichterischen Werkes sowie zu von Stehr formulierten das Regime unterstützenden poli-
tischen Erklärungen sei noch einmal auf das Internet-Angebot
(www.muenster.de/stadt/strassennamen) verwiesen.

Ob letztlich die Ehrung Hermann Stehrs durch einen Straßennamen in Münster aufrecht
erhalten werden sollte, liegt in der Entscheidung der BV-Ost.
h) h

Anlage-3-Anregung-101-2011

11563 Zeichen

Anregung Nr. 101/2011

48157 Münster, 14. September 2011
02

Frau
Bezirksbürgermeisterin Martina Klimek
Willingrott 49

48157 Münster

Sehr geehrte Frau Klimek,

eine von der Stadt Münster eingesetzte Kommission prüft derzeit, ob Personen, nach denen
münstersche Straßen benannt sind, das NS-Regime unterstützt haben. Gegebenenfalls sollen die
betreffenden Straßen umbenannt werden. Auf Empfehlung der von einem Professor Thamer
geleiteten Kommission soll neben anderen Straßen und Plätzen auch der Stehrweg seinen Namen
verlieren.

Unter Beifügung eines Unterschriftenordners beantrage ich hiermit namens der Anwohner, den
Namen „Stehrweg“ zu erhalten

Es gibt keinen relevanten Grund, den Stehrweg umzubenennen.

Denn die Kommission kommt in ihrem eigenen über den Stehrweg angelegten „Stammblatt“ zu
folgendem Ergebnis: Hermann Stehr (Zitat) „entzog sich weitgehend der Vereinnahmung
(durch die Nazis) und schrieb auch keine Lobgesänge auf Hitler.

Bei den im Stammblatt im übrigen aufgeführten Vorwürfen gegen den Dichter Hermann Stehr
handelt es sich um die Übernahme von Behauptungen aus dem dubiosen Dritte-Reich-Lexikon des
Journalisten Ernst Klee. Dazu nur einige Rezensionen: Frankfurter Rundschau: „wenig
überzeugend“, Süddeutsche Zeitung: „eigenwillig, und mit aus dem Zusammenhang gerissenen
Zitaten“, Literaturkritiker Fritz J. Raddatz: „verwuchertes Gestrüpp eines gänzlich zerbrochenen
Buches“, Welt-online: „das Buch ist mehr als ein Ärgernis, ein geistiges Armutszeugnis, ein
Skandal“. Und diesem Machwerk eines investigativen Journalisten hat die Kommission ihre - im
Kern lächerlichen — Anschuldigungen gegen Stehr entnommen.

So wird Hermann Stehr angelastet, er habe auch noch nach 1933 als Senator der Deutschen
Akademie der Dichtung angehört. Diese Dichterakademie aber hatte er selber 1926, also noch zu
Weimarer Zeit, mitgegründet und war seither Mitglied der Akademie. Warum hätte er aus der
Akademie austreten sollen?

Ein weiterer Vorwurf, Stehr habe die Maßnahmen des 3. Reiches beim sogenannten Röhm-Putsch
in einem Zeitungsbeitrag verteidigt. Bei aller Kompliziertheit dieser Affäre muß man wissen, daß
das deutsche Volk damals zwar die Ermordung der SA-Führung verurteilte, aber dennoch
erleichtert war, daß es mit dem barbarischen Terror der SA-Braunhemden ein Ende hatte und keine
SA-Militärdiktatur mehr drohte. Diese Erleichterung hatte Stehr in seinem Beitrag in der
„Allgemeinen Deutschen Zeitung“ zum Ausdruck gebracht.

Und weiter; Hermann Stehr erhielt wegen seiner Verdienste um die deutsche Literatur 1933 den
Goethepreis der Stadt Frankfurt und 1934 den „Adlerschild des deutschen Reiches“, den höchsten
deutschen Wissenschaftspreis. Nur weil in dieser Zeit die Nazis herrschten, sind die Umbenenner
der Auffassung, Stehr hätte diese Preise ablehnen müssen. Und zusätzlich wird moniert, daß ein
Festredner Stehr als Wegbereiter des Nationalsozialismus ausgerufen habe. - Sollte der Geehrte
dem Festredner wohl den Mund verbieten?

Noch eine Verurteilung: Stehr hat große Bauernromane geschrieben, z. B. „Der Heiligenhof“, in
Westfalen angesiedelt, 2 Bände (1918). Vorwurf: Blut- und Boden-Ideologie (!?).

Anregung Nr. 101/2011

Nun zum Wesentlichen: Der Stehrweg wurde 1954 auf Vorschlag des Kulturdezernenten
Vernekohl vom Rat der Stadt Münster so benannt, um einen in der literarischen Welt angesehenen
Dichter zu ehren. Begründung: „Hermann Stehr, geboren am 16. 2. 1864 in Habelschwerdt,
gestorben am 11. 9. 1940 in Oberschreiberhau, schlesischer Dichter und Gottsucher, Schriftsteller
in der Tradition der schlesischen Mystik. Münster ist Schauplatz einiger seiner Romane und
Erzählungen“.

Zur Person des Dichters Hermann Stehr nun ergänzend noch einige biographische Notizen:
Hermann Stehr wurde als 5. Kind eines Sattlermeisters 1864 in Schlesien geboren. Nach Besuch
des Lehrerseminars war er als Lehrer in verschiedenen kleinen Volksschulen tätig. Wegen seiner
„sozialistisch-demokratischen“ Gesinnung wurde er in der Kaiserzeit häufiger strafversetzt, z.B.
nach Pohldorf/Schlesien. Bei 135 Schülern erhielt er dort 66,70 Mark monatlich. 1911 wird Stehr
dienstunfähig und widmet sich seither der Schriftstellerei. Ein reiches dichterisches Schaffen folgt:
über 30 Romane, Novellen, Dramen, Märchen und Gedichte. Bedeutendste Werke: Der
Münsterland-Roman „Der Heiligenhof“, „Der begrabene Gott“, Drei Nächte“, „Das Geschlecht
der Maechler“ und die Münster-Novelle „Meister Cajetan“. Politisch stand Stehr der liberalen
DDP nahe und war eng befreundet mit Reichsaußenminister Walther Rathenau, einem jüdischen
Industriellen, und Gerhard Hauptmann. Daneben war Stehr mit großen Männern aus dem
jüdischen Geistesleben befreundet: Martin Buber, Max Tau, Julius Levin u.a.

Am 31. 1. 1933 äußerte sich Stehr zu einem Freund anläßlich eines Familientreffens
Stehr/Hauptmann über Adolf Hitler wörtlich: „Dieser Viechskerl! Daß ich ihn ablehne muß Ihnen
klar sein“. Wie die meisten Deutschen versuchte Stehr dennoch, sich mit der neuen Regierung
abzufinden. Nach einer anfänglichen Zufriedenheit mit der Stabilisierung Deutschlands durch das
neue Regime, die er auch schriftlich zum Ausdruck brachte, kam aber bald die Ernüchterung:
„Wenn das neue Deutschland sich im Braunhemd, in der Gleichschaltung, ausdrückt, bin ich nicht
mit Euch“. So nahm keine Parteistelle an der Verleihung des „Ehrendoktors“ anläßlich seines
70.Geburtstages durch die Universität Breslau 1934 teil. Auch bei der Beisetzung von Hermann
Stehr am 15. September 1940 auf dem Floriansberg in Habelschwerdt war die Partei nicht
vertreten.

Denn Hermann Stehr war nicht Mitglied der NSDAP.

Vor Beginn der Nazizeit hatte Stehr, 69jährig, sein Lebenswerk bereits weitgehend abgeschlossen.
Von den rund 30 Schriften waren bis zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 25 erschienen Auch
seine späteren Werke sind frei von jeglicher NS-Ideologie. So spricht also das Werk von Hermann
Stehr für sich und gegen kleinliche Beckmessereien.

Daher ein kritisches Wort an die Adresse der Historikerkommission:

Ernst zu nehmende Geschichtsforscher kämen bei dieser Sachlage wohl kaum auf die Idee, dem
Nicht-Parteimitglied Hermann Stehr die Unterstützung des Naziregimes anzulasten. Wer
allerdings, wie Herr Thamer, seine Aufgabe als Historiker in der Dämonisierung des Dritten
Reiches sieht und dabei aus nur heutiger Sicht und aus einem gut finanzierten Professorensessel
heraus Menschen verunglimpft, die in einer schweren Zeit leben und überleben mußten, zeigt, wie
wenig er zu einer differenzierten Betrachtung der damaligen Zeitumstände fähig ist.

Im Namen der Bewohner des Stehrweges möchte ich Sie, sehr geehrte Frau Klimek, daher
herzlich bitten, sich in der Bezirksvertretung dafür einzusetzen, daß die Wohnstraße Stehrweg, die
zu Recht einen ehrenvollen Namen trägt, diesen behalten kann. Die bis jetzt eingegangenen
Petitionen sind in Kopie beigefügt. Darüber hinaus haben zahlreiche Bewohner in Gesprächen
ihren Unwillen überdeutlich bekundet. Auch die heimatvertriebenen Schlesier in Münster würden
sich freuen, wenn diese Straßenbezeichnung sie weiterhin an ihren großen Landsmann erinnert.

Im übrigen darf ich Grüße vom Enkel des Dichters übermitteln, von Herrn Professor Nico Stehr,
Wangen im Allgäu. Auch er würde sich freuen, wenn mit dem Stehrweg die Erinnerung an seinen
Großvater aufrechterhalten würde.

Mit freundlichen Grüßen » Für die Stehrweg-Anwohner R

g

Anregung Nr. 101/2011

30

Stehrweg

Fiioc

1. Straßenname

Stehrweg
(im Stadtbezirk Münster-Ost)

Damasenkoweg
2 nsragon

3 Henich

2. Prominenz des Namensgebers

Überörtlich

3. Frühere Namen

Die Straße war neu und wurde am
12.04.1952 erstmalig benannt.

Stepnana? 2 Emo,
4. Anzahl der Anlieger/Bewohner

Hausnummern:
gemeldete Einwohner: 469

Statistische Angaben zum Stehrweg:
58

5. Vorgeschichte, Anmerkungen bzw. Anträge auf Umbenennung in Münster

Anträge auf Umbenennung sind hier bisher nicht bekannt.

6. Historische Einschätzung

Hermann Stehr (1864 bis 1940) Volksschullehrer, seit 1912 freier Schriftsteller. Er schrieb
Romane, Erzählungen - in einigen von ihnen ist Münster der Schauplatz der Handlung -, Gedichte,
ein Drama und zahlreiche Aufsätze und Reden. Hermann Stehr starb im Jahre 1940.

Emst Kiee,"Das Kulturlexikon zum Dritten Reich, S. 587:

Stehr, Hermann. Reichskultursenator, 1933 Senator der „gesäuberten“ Deutschen Akademie der
Dichtung der Preuß. Akademie der Künstler. Am 19.08.1934 Unterzeichner des Aufrufs der
Kulturschaffenden zur Volksbefragung zwecks Vereinigung des Reichskanzler- und
Reichspräsidentenamts in der Person Hitlers. Rechtfertigung der Morde anlässlich des Röhm-
Putsches.

NS-Ehrung: Am 17.10.1933 erster Preisträger des Goethepreises der Stadt Frankfurt in der NS-
Zeit. 1934 „Adlerschild des Deutschen Reiches“ (höchster Wissenschaftspreis), in der Festrede
von Griese zum Wegbereiter des Nationalsozialismus ausgerufen.

Siehe:

In der Gründungsphase der Weimarer Republik trat Stehr als Wahlredner der Deutschen
Demokratischen Partei für seinen Freund Walter Rathenau auf. Stehr siedelte sich 1926 mit
finanzieller Unterstützung seines Mäzens, des Textilunternehmers Max Pinkus, Schreiberhau an.
Er war 1926 Gründungsmitglied der Preußischen Dichterakademie, einer Unterabteilung der
Preußischen Akademie der Künste. Anschließend näherte er sich der Blut-und-Boden-Ideologie
an.

Nach 1933 gehörte er weiterhin der „gesäuberten““ Akademie der Dichtung an. Nach dem Tod des
Reichspräsidenten Hindenburg gehörte Stehr im August 1934 zu den Unterzeichnern des Aufrufs
der Kulturschaffenden zur „Volksbefragung“ über die Zusammenlegung des Amts des

Anregung Nr. 101/2011

31

Reichspräsidenten und Reichskanzlers in der Person Hitlers. Ebenso schrieb er eine
Rechtfertigung zur Legalisierung der Morde anlässlich des Röhm-Putsches in der Deutschen
Allgemeinen Zeitung. Der nationalsozialistische Kuiturbetrieb feierte Stehr als „Künder der
deutschen Seele” und pries ihn wegen seiner „völkischen Erdverbundenheit“, doch entzog er sich
weitgehend der Vereinnahmung und er schrieb auch keine Lobgesänge auf Adolf Hitler.

Siehe:
Stehr, Hermann, schlesischer Schriftsteller, * 16. 2. 1864 Habelschwerdt, f 11. 9. 1940

Oberschreiberhau; bekannte sich zum Nationalsozialismus; schrieb u. a. von schlesischer Mystik
beeinflusste Bauern- und Familienromane.

7. Vergleich mit anderen Städten

Es gibt fünf Straßenbenennungen nach Hermann Stehr in den Städten Dortmund, Hagen (Westf.),
Lüneburg, Steinfurt und Münster.

Juni 2010: In Neuenkirchen-St. Arnold wird die Straßenbenennung nach Stehr überprüft.

8. Entscheidungszuständigkeit für (Um-)Benennung der Straße

Bezirksvertretung Münster-Ost

48155 Münster, September 2011
(Name) R

An die

Bezirksvertretung Münster-Ost

z. H. Frau Bezirksbürgermeisterin Klimek
- Stadt Münster — Stadthaus -

48143 Münster

Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Klimek,

wie bereits die Bewohner der Agnes-Miegel-Straße und des Castelleweges sprechen auch wir uns für
die Beibehaltung unseres Straßennamens aus.

Die Empfehlung der Historikerkommission, den Stehrweg zu streichen, ist uns unverständlich, weil
doch die Kommission selbst in ihrem „Stammblatt Stehrweg“ bei Hermann Stehr folgendes anerkannt
hat: „... doch entzog er sich weitgehend der Vereinnahmung, und er schrieb auch keine Lobgesänge
auf Adolf Hitler“.

Wenn Hermann Stehr sich also der Vereinnahmung durch die Nazis entzogen hat und nach unseren
Informationen noch nicht einmal NSDAP-Mitglied war, fällt doch jeder Sachgrund für die
Umbenennung, die uns ja auch viele Unannehmlichkeit beschert, weg.

Freupatfchg Grüße

Anlage-2-Straßennamen-Vorschläge

4877 Zeichen

Anlage 2 
Vorschläge für neue Straßennamen im Stadtbezirk Münster-Ost 
Seite 1 
Nelly-Sachs-Straße 
Nelly Sachs (1891-1970) jüdisch-deutsche Schriftstellerin, Sie floh 1939 nach Schweden. 1966 
erhielt sie den Nobelpreis für Literatur 
Anna-Krückmann-Weg 
Anna Krückmann, * 01.02.1868, † 10.02.1955; Ratsfrau von 1924 bis 1930, Begründerin des 
Münsterschen Hausfrauenvereins 1915. 
 
Mathilde-Grönhoff-Straße 
Mathilde Grönhoff *1863 †1954, ehrenamtlich engagiert in der Krankenpflege und Fürsorge. 
Sie gehörte ab 1919 zu den ersten Frauen in der Stadtverordnetenversammlung. 1919-1929 
Fürsorgerin am städtischen Gesundheitsamt und 1919-1924 Mitglied im Wohnungsausschuss. 
Vorschlag der AMF, Arbeitsgemeinschaft Münsterscher Frauenorganisationen, 1989 
Henriette-Hertz-Weg 
Henriette Hertz *1913 † 2001 jüdische Münsteranerin vom NS-Regime verfolgt und beraubt. 
Sie überlebte die NS-Zeit untergetaucht im Rheinland. Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt 
stellte sie – wie viele andere Überlebende – einen Antrag auf Rückerstattung für den in der 
NS-Zeit geraubten Besitz ihrer Familie. Nur ein Bruchteil wurde erstattet. 
Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel 
Goldenbergstraße 
Die Familie Else Goldenberg (1903-1979), Siegfried Goldenberg (1900-1980) und Tochter 
Mirjam, *1937, wurden 1941 ins KZ Riga deportiert. Die Tochter Mirjam wurde 1942 von dort 
nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Else und Siegfried Goldenberg sind nach Jahren 
der KZ-Haft und Zwangsarbeit 1945 befreit worden und 1947 nach Münster zurückgekehrt. 
Jahrelang 
stellten sie in ihrer Wohnung einen Raum für den Gottesdienst zur Verfügung. 
Siegfried Goldenberg war von 1946 bis 1976 Gemeinde-Vorsitzender. Else und Siegfried 
Goldenberg wurde für ihre Verdienste um den Wiederaufbau der münsterischen jüdischen 
Gemeinde die Paulus-Plakette der Stadt Münster verliehen.  
Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel 
Franz-Ballhorn-Weg 
Franz-Josef Ballhorn (1908–1979); Studium der Sprach- und Gesellschaftswissenschaften in 
Münster; Leiter des katholischen Sportverbands „Deutsche Jugendkraft“; illegale Aktivitäten 
gegen den Nationalsozialismus; 1934 Flucht in die Niederlande; Arbeit als Redakteur bei 
katholischen Widerstandszeitungen; 1940 Verhaftung; 1940-1945 Haft in Berlin und im KZ 
Sachsenhausen; nach der Befreiung Mitglied in kommunalen Ausschüssen für 
Entnazifizierung und Wiedergutmachung; Mitglied der VVN, später Vorstandsmitglied des 
BVN;  ab 1947 Amtsdirektor in Nottuln; 1964–1974 Bundesvorsitzender der „Deutschen 
Jugendkraft“; 
Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel, 2010

Seite 2 
Josef-Henneböhl-Straße 
Josef Henneböhl *26.02.1909 †1990, hat als „grüner Polizist“ in Amsterdam viele Menschen 
vor der Deportation in deutsche KZs gerettet. 
Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel, 2010 
Determeyerweg 
Carl Determeyer, *30.06.1897 Karlshafen, †02.05.1976 Münster, Maler. Determeyer kam 1900 
mit seiner Familie nach Münster. In seiner Jugendzeit studierte er Architektur und 
Kunstgeschichte in Münster, Düsseldorf und München. Zum Lebenswerk des Malers wurde 
eine stets in Aquarelltechnik ausgeführte kunsthistorische Bestandsaufnahme alter Bauwerke 
Münsters und des Münsterlandes. Viele der von ihm dargestellten Gebäude existieren nicht 
mehr. Determeyers Bilder wurden häufig in Kunstzeitschriften publiziert. Werke von ihm 
befinden sich in 165 Museen des In- und Auslandes. 
 
Dobelmannweg 
Werner Dobelmann *1913 †1985, Finanzbeamter in Münster. Er erforschte in seiner Freizeit 
die Geschichte der Ortschaften, Bauerschaften und Höfe in Münster-Ost. Er veröffentlichte 
1971 Kirchspiel und Stift St. Mauritz, Werse und Berg Fidel, 1974 Amelsbüren, Angelmodde, 
Handorf und Hiltrup, 1976 Albersloh. Dobelmann wohnte Niedersachenring 45. 
Vorschlag vom „Schützenverein Werse von 1821“  1995 
Heinrich-Böll-Weg 
Heinrich Böll (1917-1985) Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der 
Nachkriegszeit, als moralische Autorität. 1972 Nobelpreis für Literatur. 
 
Nikolaus-Groß-Weg 
Nikolaus Groß *30.09.1898 †23.01.1945, deutscher Gewerkschafter der KAB, 
Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und NS-Opfer. Groß wurde am 
07.10.2001 durch Papst Joh.Paul II. seliggesprochen.  
Vorschlag von der KAB St.-Ida-Gremmendorf, 2007 
Michael-Keller-Straße   
Michael Keller *1896 †1961, katholischer Theologe, 1947 bis 1961.  Bischof von Münster, 
Förderer der katholischen Soziallehre und der Laienbewegung. 
Vorschlag aus der Anregung nach § 24 GO Nr. 130/2011 
Monastirstraße 
Monastir ist Partnerstadt der Stadt Münster seit März 1968 
mehrfach vorgeschlagen: z.B. vom Dezernent I von 1981, letzter Antrag A-R/0006/2007 vom 
13.02.2007 der Fraktionsgemeinschaft UWG/ödp, Beschluss Hauptausschuss V/0182/2007.

Beschlussvorlage

24177 Zeichen

V/0385/2012 
DER OBERBÜRGERMEISTER 
Vermessungs- und Katasteramt 
 
 
 
 
 
 
 
 
Betrifft 
 
Umbenennung des Stehrwegs 
 
 
 
Beratungsfolge 
 
 
23.08.2012 Bezirksvertretung Münster-Ost Entscheidung 
 
 
Beschlussvorschlag: 
I. Sachentscheidung: 
1. Entsprechend der Empfehlung der Kommission Straßennamen wird der Stehrweg umbe-
nannt. 
2. Der bisherige Stehrweg erhält einen neuen Namen aus der Anlage 2. 
3. Die Anregungen nach § 24 Gemeindeordnung Nr. 101/2011 vom 14.09.2011 und 
Nr. 121/2011 vom 09.10.2011  sind damit erledigt. (Anlagen 3 und 4) 
4. Die Anregung nach § 24 Gemeindeordnung Nr. 135/2011 ist damit in Bezug auf den 
Stehrweg erledigt. (Anlage 5) 
5. Der Antrag der SPD-Fraktion der BV-Ost Nr. A-O/0008/2012 vom 19.04.2012 ist damit in 
Bezug auf den Stehrweg erledigt (Anlage 7). 
 
II. Finanzielle Auswirkungen: 
Es entstehen Kosten für neue Straßennamenschilder. Die Finanzierun g ist aus laufenden Mi tteln 
des Tiefbauamtes aus dem Budget „1201-Straßenerhaltung“ sichergestellt.  
 
 
Begründung: 
Diese Beschlussvorlage zum Stehrweg steht im Zusammenhang mit den stadtweiten Diskussionen 
über NS-belastete Straßennamen.  
Ein Ausgangspunkt der Diskussionen war im Mai 2007 der Antrag der SPD-Fraktion der BV-West 
auf Umbenennung des Carl -Diem-Weges. Ebenfalls im Mai 2007 hat die SPD -Fraktion in der BV -
Mitte um Prüfung der Vorwürfe gegen den Namensgeber des Jöttenweges gebeten sowie einen 
Bericht über die Straßennamen angefordert, deren Namensgeber in die Unrecht staten bzw. 
 
Vorlagen-Nr.: 
  
V/0385/2012 
Auskunft erteilt: 
Herr Zimmermann 
Ruf: 
492 62 42 
E-Mail: 
ZimmermannBernhard@stadt-
muenster.de  
Datum: 
14.05.2012 
Öffentliche Beschlussvorlage

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V/0385/2012 
Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese Prüfung führte zu einem Auftrag 
an den Historiker Dr. Schmidt, der die Namensgeber der Straßen im Stad tbezirk Mitte a uf deren 
Verstrickung in die Unrechtst aten des NS -Regimes überprüfen sollte. In seinem Gutachten b e-
nannte Dr. Schmidt 29 Personen, die er in 4 Kategorien eingeteilt hatte: 
Kategorie 1: keine Nähe zum NS-Regime 
Kategorie 2: Haltung zum NS-Regime nicht eindeutig 
Kategorie 3: Aktive Stützen des NS-Regimes 
Kategorie 4: Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Unrechtstaten 
Während in der Kategorie 4 keine Namensgeber auf Münsters Straßenschildern vorha nden sind, 
sind es in der Kategorie 3 nach dem Gutachten Schmidt 7 Personen (Franz Ludwig, Ludwig Hum-
borg, Karl Wilh. Jötten, Hans Pfitzner, Alfred Stühmer, Karl Wagenfeld und Agnes Miegel), d avon 
liegt jedoch die Agnes -Miegel-Straße im Stadtbezirk Ost. Ein weiterer Prüfauftrag des Oberbü r-
germeisters an das St adtarchiv zu den Straßennamen im übrigen Stadtgebiet ergab drei weitere 
Namensgeber in der Kategorie 3 aus dem Stadtbezirk Münster -Ost (Friedrich Castelle, Heinrich 
Lersch und Hermann Stehr). Darüber hinaus hatte der Ratsantrag der SPD -Fraktion vom Januar 
2008 zur Umbenennung des Hindenburgplatzes die D ebatte um Straßennamen sehr stark in die 
Öffentlichkeit getragen.  
Nach der Kommunalwahl 2009 hat der erweiterte Ältestenrat des Rates beschlossen, eine Kom-
mission unter der Leitung des Oberbürgermeisters einzusetzen, der alle im Rat vertretenen Partei-
en und die Historiker Prof. Dr. Thamer und Prof. Dr. Kenkmann angehören sollten.  
Diese Kommission sollte über die zehn Personen der Kategorie 3 (dazu Diem und Hinde nburg) 
also über zwölf Namensgeber beraten. Im Vordergrund des Prüfauftrags stand nicht die Bewertung 
der gesamten Lebensleistung dieser Personen, sondern ob und inwieweit die Namensgeber das 
NS-Regime gestützt ha ben. Außer der Beratung über historische Fakten  sollte die Kommission 
den entscheidungsbefugten Gremien (Rat und Bezirksvertretungen) ihre Empfehlung mitteilen, ob 
die Ehrung durch den Straßennamen nach wie vor angemessen sei und eine Umbenennung stat t-
finden solle oder nicht. 
Nach Abschluss der Kommissionsarbeit hat der erweiterte Ältestenrat die Ergebnisse und Empfeh-
lungen der Kommission am 07.07.2011 entgegengenommen und die Verwaltung beauftragt, diese 
Ergebnisse in einer breit angelegten Informations- und Kommunikationsphase zu veröffentlichen. 
Zusätzlich sollte die Verwaltung eine repräsentative Bürgerumfrage zur Frage der „Ehrung“, die mit 
der Benennung einer Straße nach einem Namensgeber verbunden ist, durchführen. Die se Bürge-
rumfrage sollte eine zusätzliche Informationsquelle für die Diskussion in den Gremien bilden, diese 
aber nicht binden. 
Die Informations- und Kommunikationsphase hatte zum Ziel, über die Ergebnisse der Kommission 
zu informieren. Insbesondere sollte die auf neuen Erkenntnissen der historischen Forschung b a-
sierende Einschätzung der Kommission zu den Namensgebern vermittel t werden, da diese E r-
kenntnisse vermutlich in weiten Teilen der Bürgerschaft nicht bekannt sind.  
Im Vordergrund der Information sollte daher nicht die gesamte Lebensleistung der Namensgeber 
stehen, sondern sollten insbesondere die neuen historischen Fakte n stehen, nach denen die N a-
mensgeber nach heutiger Bewertung nicht mehr als Vorbilder dienen können und eine Ehrung 
nicht verdient haben. 
Die Information der Öffentlichkeit erfolgte unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ 
- mit einer neuen Internetseite auf der Homepage der Stadt unter 
www.muenster.de/stadt/strassennamen, freigeschaltet seit 21.12.2011

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V/0385/2012 
- mit der Ausstellung „Widerstände im Münsterland“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 
19.11. - 21.12.2011 
- mit der Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt ?!“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 
26.01. - 16.03.2012 
- mit einer Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ am 
25.01.2012 im Rathaus-Festsaal 
- mit zwei Informationsveranstaltungen in den Stadtbezirken Ost und Mitte am 26.01.2012 
und 09.02.2012 
- mit einer Podiumsdiskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?! - Geschichte und Verantwortung 
in einer demokratischen Gesellschaft“ mit prominenten Podiumsteilnehmern am 
29.02.2012 im Rathaus-Festsaal 
Ergebnisse der Bürgerumfrage 
Die repräsentative Bürgerumfrage wurde vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehr s-
planung in der Zeit vom 25.01. - 15.02.2012 durchgeführt. Es wurde unter anderem die Frage g e-
stellt: „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch B e-
nennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ Knapp 70 Prozent der Antworten 
lauteten „Ja“.  
Auf die weitere Frage „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere An träge aus Bürge r-
schaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn 
sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stü t-
zen des NS -Regimes erwiesen haben?“  sprachen sich knapp 40 Prozent der Befragten für eine 
Umbenennung aus.  
Die einzelnen Umfrageergebnisse sind in Anlage 1 beigefügt.  
Empfehlung der Kommission Straßennamen 
Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst fo l-
gende Empfehlungen abgegeben: 
"Die Kommission empfiehlt einstimmig die Umbenennung des Stehrweges. Ausschlaggebend 
dafür ist, dass Stehr sehr früh bereits die NS-Politik voll unterstützt hat, die Morde anlässlich 
der Röhm-Affäre gerechtfertigt hat und aktiv in Bücherverbrennungen verstrickt war." 
 
Die im Folgenden angeführte Begründung für die Umbenennung ist dem vom Stadtarchiv aufberei-
teten Internetangebot „Ehre wem Ehre gebührt!?“ entnommen. 
Stehrweg 
Die Straße wurde 1954 benannt nach Hermann Stehr, * 16.02.1864 in Habel schwerdt/Schlesien, 
Grafschaft Glatz  † 11.09.1940 in Oberschreiberhau/Schlesien, Volksschullehrer und Schriftsteller

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V/0385/2012 
Hermann Stehr und der Nationalsozialismus 
Politische Mitgliedschaften 
Kein Mitglied der NSDAP 
1935:   Reichskultursenator 
Politische Erklärungen 
"Der alte Kämpfer Hitler ist mit den Landesverrätern in einer Nacht fertig geworden." 
Hermann Stehr wurde durch das NS -Regime stark hofiert, mehrfach ausgezeichnet und finanziell 
gefördert. Seinen Aufstieg honorierte Stehr mit Unterstützung des NS -Regimes. So befürwortete 
Stehr in der Deutschen Allgemeinen Zeitung im August 1934 die Übertragung der Befugnisse des 
Reichspräsidenten auf Hitler – "den großen Führer". Er tat dies mit ausdrücklicher Berufung auf die 
nur kurze Zeit zurückliegenden Morde an  SA-Funktionären vom 30. Juni 1934 und schrieb in 
Übereinstimmung mit der offiziellen Erklärung vom "Putschversuch der Röhmverbrecher": 
"Der alte Kämpfer Hitler ist mit den Landesverrätern in einer Nacht fertig geworden, der 
Staatsmann Hitler hat mit der Übernahme der Reichspräsidentschaft auch diese letzte Hoff-
nung auf die Gefährdung des neuen Reiches zunichte gemacht." [Stehr, Zum 19. August, in: 
DAZ 18.08.1934]  
Uns sollen die Zähne ausfallen [...], wenn wir am 10. April nicht dem Führer und seinen Ta-
ten ein begeistertes Ja zurufen." 
Hermann Stehr verfasste mindestens eine weitere politische Stellungnahme, die Aktionen der N a-
tionalsozialisten legitimierte. In einem in seinem Nachlass im Deutschen Literaturarchiv Marbach 
befindlichen Text spricht er sich vehement für den Anschluss Österreichs im Jahr 1938 aus: 
"...so stürmte das neu erstehende Volk einer neuen deutschen Welt trotz Tod und Verderben 
entgegen, denn ihm war von Gott in Adolf Hitler ein Führer gegeben worden, dem sie vertrau-
ten, wie ihrem eigenen Herzen. [...] " 
Weiter schwärmte er  von den Vorzügen und Erfolgen des neuen  Regimes: ( "Huldigungsbrief 
Stehrs auf Hitler") 
"Der Hunger floh aus den Hütten der Armen, die Schlote rauchten wieder, die Räder sausten. 
Aus einer erliegenden wurde eine siegende Wirtschaft. Das war das Ja der Zuversicht, das 
Deutschland unter der Führung Hitlers dem immer betroffener werdenden feindlichen Ausland 
aufdrängte." 
Stehr schloss mit einer politischen Aufforderung: 
"Und nun, zum letzten, hat er die jahrtausendalte Sehnsucht der Deutschen nach Wiederverei-
nigung mit Österreich erfüllt. Das einige Großdeutschland ist erstanden aus Heloten sind Her-
ren geworden. Uns sollen die Zähne ausfallen und die Zunge im Munde verdorren, wenn 
wir am 10. April nicht dem Führer und seinen Taten ein begeistertes Ja zurufen." 
Am 19. Februar 1934 soll Hermann Stehr einen Protestbrief geschrieben haben, um sich direkt bei 
Hitler über das vom Polizeipräsidenten und SA-Obergruppenführers Heines in Breslau und Schl e-
sien geführte Terrorregiment zu beschweren. (Jahn, S. 286) 
Anfang April 1934 wird Stehr von der Deutschen Studentenschaft um Unterstützung für "eine vier-
wöchige Gesamtaktion gegen den jüdischen Zersetzungsgeist und für volksbewußtes Denken und

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V/0385/2012 
Fühlen im deutschen Schrifttum"  gebeten, die im Mai in öffentlichen Bücherverbrennungen kulm i-
nierte. (Erdmann, S. 323f.) 
"Genius des Führers" 
Im Werk Stehrs trat nach 1933 teilweise eine Wandlung ein. Er kam dem  NS-Regime in seinen 
Schriften entgegen. Die Zeiten von 1919, als Stehr noch Wahlreden für die DDP und für Rathenau 
hielt, hatte er hinter sich gelassen.  
Für seine Anpassung an die NS -Zeit lassen sich etwa in der Veröffentlichung "Das Stundenglas" 
(1936) Beispiele finden. In "Über Kunst im heutigen Deutschland" (Stehr, Stundenglas, S. 83ff. ) 
wandte er sich gegen den "Weltkreuzzug der demokratischen Zivilisation" und entschied sich für 
"den deutschen Geist". Weiter schwärmte er: "Unter dem großen Sachwalter deutscher Kraft und 
deutschen Sinnes ist vor Jahr und Tag der gewaltige Umschwung geko mmen." Es begann "die 
Aufrichtung eines neuen Deutschland".  
Stehr sprach vom "Genius des Führers"  und machte deutlich: " Darauf beruht die Möglichkeit und 
das Recht dessen, der aus rassischer und geschichtlicher Wirklichkeit Deutscher ist, im Deutsc h-
tum er kannt und erhalten zu werden. Hier wird deutlich, daß Volk sich nur unter der Herrschaft 
eines sinnvollen Willens, als Gefolgschaft des Führers, zu erfüllen und zu erhalten vermag."  
Der Sammelband "Das Stundenglas" enthält weitere Beiträge, etwa die Anspr ache "An die deu t-
sche Jugend", die erkennen lassen, dass der Autor eine " herrliche Wendung"  sah:  
"Es ist nicht getan mit dem Ruf 'Heil Hitler' [...] dadurch dokumentiert Ihr wohl äußerlich die Bereit-
willigkeit zur Hingabe an die Verantwortung, die Ihr nac h dem Befehl des Führers auf Euch g e-
nommen habt. Allein die Verantwortung muß, bis ins Innerste vertieft, zur Selbstverantwortung 
werden. [...] Dadurch allein wird die Arbeit im Dienst des nationalen Sozialismus zur Weltanscha u-
ung vertieft und geweitet." (S. 116)  
Stehr bediente sich nach 1933 vermehrt des aktuellen NS -Vokabulars, sprach vom "Zwang des 
Blutes" und ließ sich offiziell als " Seher und Führer"  des neuen Deutschland feiern. Seine Wel t-
sicht, seine Auffassung von der Gemeinschaft, sein "Glaube an deutsche Art und deutsches W e-
sen" seien – so Erich Mühle, 1937 – "ganz deutsch". (Stroka, S. 104) 
"Seine Stellungnahme zum 'Dritten Reich' war, wie die so manchen anderen namhaften deutschen 
Autors von der Wahnvorstellung durchdrungen, dass Hitler eine deu tsche Sendung zu erfüllen 
hätte." So berichtete Alfons Hayduck von einem Besuch bei Stehr kurz vor seinem Tode:  
"Hermann Stehr ist voll tiefer Bewunderung für die Waffentaten des erneuerten Deutschland [...], 
für die säkulare Erscheinung des Führers, von dem der Dichter meint, dass die Kernpunkte seiner 
Kraft [...] in der Überwindung der sprichwörtlichen deutschen Zwietracht." (Bundesarchiv, RKK, 
Stehr) 
Gesinnungswechsel  
"Stehr war ein Autor, dessen Stilmischung […] ihm zwar manchen literaturkundigen Bewu nderer 
[...], aber insgesamt nicht die Resonanz eintrug, die der sendungsbewußte Dichter für sich rekl a-
mierte." Er sah "die große Chance seines Lebens im Machtwechsel von 1933, als er in offizieller 
Sicht zum ersten Dichter der Nation avancierte" . "Jetzt hast du", schrieb ihm der ehemalige Sekt i-
onssekretär für Dichtkunst Oskar Loerke im Dezember 1933, "mächtigere Freunde." (Scholdt, S. 
740) 
Hermann Stehr wird in den 1920er Jahren noch als progressiver Autor beschrieben. Politisch zei g-
te er während der Weima rer Zeit Bereitschaft, sich an einem demokratischen Gemeinwesen zu 
beteiligen. Um 1930/31 tritt eine Wandlung ein. Er wandte sich zunehmend konservativ -nationalen

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V/0385/2012 
rechtsgerichteten Dichterkreisen zu, die etwa gegen den Import "wesenfremden" Schriftgutes auf-
traten. Nach 1933 sollten diese Kreise dann eine wichtige Rolle im Literaturbetrieb des Dritten Rei-
ches spielen. (Kunicki, 2009) 
Am 15. März 1933 gehörte Stehr zu den ersten der 27 befragten Mitglieder der Sektion für Dich t-
kunst der Preußischen Akademie d er Künste, die eine von den Nationalsozialisten geforderte E r-
klärung positiv beantworteten, sich "unter Anerkennung der veränderten geschichtlichen Lage"  
weiterhin diesem Gremium zur Verfügung zu stellen. Stehr und seine Freunde konnten die durch 
Ausschaltung sozialistischer und jüdischer Künstlerkollegen "gesäuberte" Akademie für sich nu t-
zen. Dies beschrieb der abgesetzte Oskar Loerke: "Als die Herrschaften sich selbst überlassen 
waren, wurde es unangenehm. Die guten alten triumphieren. Strauß, Stehr. Sie fühlen sich jetzt 
würdig und wichtig. Man hat ihnen Senatsstellen gegeben." (Tagebucheintrag Loerkes vom 
09.06.1933, EDV-Abschrift DLA Marbach, zit. nach Sprengel, S. 56) 
„Zugleich gilt der Preis dem mannhaften Kämpfer im Geiste" 
Stehr erhielt nach 1933 von den neuen nationalsozialistischen Machthabern erhöhte Aufmerksam-
keit und Ehrung. Ein Zeitgenosse äußerte sich entsprechend: 
"Für Hermann Stehr eröffnete sich endlich die Aussicht, über [Gerhart] Hauptmanns Schatten zu 
springen. Am 17. Oktober 1933 erhielt er im Goethe-Haus zu Frankfurt den ersten Goethe-Preis im 
Neuen Deutschland – den letzten im Alten Deutschland hatte Hauptmann erhalten -, und als im 
Februar 1934 auch er siebzig Jahre alt wurde, tat man, was man konnte, um ein Stehr -Jahr aufzu-
ziehen, das es dem Hauptmann-Jahr gleichtat." (Menselssohn, S. 1262 f.) 
1933 erhielt Stehr den Goethepreis der Stadt Frankfurt. In der Widmungsurkunde steht: "Im Jahr 
der nationalen Erhebung verleiht die Stadt Frankfurt den von ihr gestifteten Goethe -Preis dem 
Schriftsteller Hermann Stehr."  Der nationalsozialistische Oberbürgermeister Dr. Friedrich Krebs 
begründete die Verleihung: 
"Er gilt dem ahnungsvollen Deuter der Gewalten, die alles irdische Geschehen von Höhen und 
Tiefen her bewegen. Es liegt aber auch in diesem Preis das Bekenntnis zu einem mannhaften, 
unermüdlichen Kämpfer im Geiste."  
Ein Jahr später folgte eine weitere hohe Ehrung. Aus Anlass des 70. Geburtstages Hermann 
Stehrs regte NS-Gaukulturwart und Chefdramaturg Bethge die Verleihung der Goethe-Plakette der 
Stadt Frankfurt a. M. an und bat darum, zu betonen, "dass es sich bei der Verleihung der Goethe -
Plakette um eine ganz seltene Auszeichnung handelt, die im Gegensatz zu den Verleihungen u n-
ter dem alten Regime heute nur noch an ganz besonders hervorrag ende Persönlichkeiten des kul-
turellen Lebens erfolgt. Bis jetzt wurde mit der Plakette nur der Preuss. Staatskommissar im Mini s-
terium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, der Leiter des Kampfbundes für deutsche Kultur, 
Herr Hans Hinkel ausgezeichnet." 
Der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt schrieb 1934 zur Verleihung der Goetheplakette an 
Stehr: "Im ersten Jahre der deutschen Erhebung, an der sie mit besonderem Zielwillen und beson-
derem Verantwortungsbewusstsein teilnimmt, hat die Stadt Frankfurt am  Main zum Träger ihres 
Goethepreises Sie erwählt."  
Ausrichtung der Hermann-Stehr-Feiern durch nationalsozialistischen "Kampfbund für 
Deutsche Kultur" 
Aus Anlass seines 70. Geburtstags fanden 1934 reichsweite "Hermann-Stehr-Feiern" statt. Am 
07.11.1934 etwa huldigte der gesamte deutsche Buchhandel mit "selbstverständlicher Pflicht" dem 
Dichter mit einem Sonderschaufenster. Der nationalsozialistische "Kampfbund für Deutsche Kultur"

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richtete zahlreiche Feiern aus, wie etwa eine Matinée im Staatlichen Schauspielhaus in Berlin oder 
durch Ortsgruppen in Dittersbach, Oberschreiberhau, Breslau, Hirschberg und Beuthen. Bei der 
Feier im Staatlichen Schauspielhaus in Berlin lobte ihn Staatskommissar Hinkel als "Vater, Kämp-
fer und Kameraden". 
Der NS-Staatskommissar Hans Hinkel regte 1933 an, Stehr aus Anlass seines Geburtstages die 
Ehrendoktorwürde der Universität Breslau zu verleihen. Der Geschäftsführer der Reichsschrif t-
tumskammer wandte sich entsprechend im Januar 1934 an den Rektor der Universität Breslau. 
Die Anregung war erfolgreich; Stehr erhielt die Ehrendoktorwürde im Jahr 1934. 
Zur Person Hermann Stehr 
Lebenslauf 
 
1885:  Erste Lehrerprüfung 
1887:  Zweite Lehrerprüfung 
Bis 1913: Volksschullehrer (Landschullehrer in Pohldorf, ) 
Wegen liberaler Ansichten von Kirche und Schulbehörde gemaßregelt, 
Versetzungen u.a. nach Dittersbach 
1893:  Veröffentlichung erster Gedichte 
1898:  Erste literarische Veröffentlichung ("Auf Leben und Tod") 
Um 1908:  erste Begegnung mit Walther Rathenau. In der Gründungsphase der Wei-
marer Republik trat Stehr als Wahlredner der Deutschen Demokratischen 
Partei für Walter Rathenau auf.  
1911:  Ausscheiden aus dem Schuldienst, danach freier Schriftsteller, Verfassung 
eines umfangreichen literarischen Werkes 
1915:  Umsiedlung nach Warmbrunn (Riesengebirge) 
1923:  Verlagswechsel von Samuel Fischer ("In den gegen Fischer gerichteten 
Vorwürfen manifestiert er bereits seinen Antisemitismus" , Stroka)  
1926:  Aufnahme in die Dichtersektion der Preußischen Akademie der Künste 
1926/27:  Umzug nach Oberschreiberhau (Unterstützung beim Hauskauf durch sei-
nen Mäzen, den jüdischen Textilunternehmer Max Pinkus) 
15. Nov. 1933: Teilnahme an einem Defilee vor Hitler anlässlich der Eröffnung der 
Reichskulturkammer  
 Herausgabe weiterer Werke: Romane (Hauptwerk: Roman in zwei Bän-
den: Der Heiligenhof, 1918), Erzählungen, Gedichte, ein Drama, Aufsätze 
und Reden. Sein Frühwerk galt als Inbegriff der literarischen Moderne, sein 
Spätwerk wird heute als epigonal und weltanschaulich problematisch be-
wertet.

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V/0385/2012 
Ehrungen 
 
1910:  Bauernfeld-Preis 
1919:  Fastenrath- und Schillerpreis 
1926:  Wahl zum Senator in der Preußischen Akademie der Dichter 
1932:  Wartburg-Rose und Goethe-Medaille 
18.10.1933:  Goethepreis der Stadt Frankfurt am Main 
1933:  Senator und Mitglied der "gesäuberten" Deutschen Akademie der Dichtung 
der Preußischen Akademie der Künstler 
1933:  Ehrensenator des Reichsverbands deutscher Schriftsteller 
1934:  Hermann-Stehr-Feiern zum 70. Geburtstag in Schlesien und im Reich 
(Berlin) 
16. 02.1934: Goethe-Plakette der Stadt Frankfurt am Main 
1934:  Verleihung "Adlerschild des Deutschen Reiches" (höchster Wissenschafts-
preis) durch Reichspräsidenten Paul von Hindenburg; in der Festrede wird 
Stehr von Griese zum Wegbereiter des Nationalsozialismus ausgerufen. 
21.02.1934:  Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Breslau im Rahmen einer 
vom "Kampfbund für Deutsche Kultur" organisierten Feier 
1935:  Berufung zum Reichskultursenator  
(Reichskultursenat: Gründung durch Propagandaminister Joseph Goeb-
bels "repräsentatives Forum" deutscher Kultur, bestehend aus den Präsi-
denten, Vizepräsidenten, Geschäftsführern und Präsidialräten der einzel-
nen Reichskulturkammern sowie bekannten Einzelrepräsentanten des NS-
Kunstwesens. In den Reichskultursenat werden vom Präsidenten hervor-
ragende, um Volk und Kultur verdiente Persönlichkeiten berufen.) 
1937:  Ehrensold  (Bundesarchiv, R 43 Reichskanzlei R 43-II/1646) 
1939:  Feierlichkeiten zum 75. Geburtstag Stehrs 
06.10.1940:  Gedächtnisfeier im Schiller-Theater, Berlin, Gedenkwort durch Reichskul-
turwalter Hans Hinkel 
1954:  Straßenname in Münster 
Weitergehende Informationen 
Weitere Dokumente, Quellen - und Publikationsangaben finden sich auf der Internetseite 
www.muenster.de/stadt/strassennamen/ 
Die Anregung Nr. 101/2011 
In der Anregung Nr. 101/2011 vom 14.11.2011 beantragt ein Bürger im Namen der Anwohner, den 
Straßennamen Stehrweg zu erhalten. Der Antragsteller findet „keinen relevanten Grund, den 
Stehrweg umzubenennen“ (Anlage 3).

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V/0385/2012 
Die Anregung Nr. 121/2011 
In der Anregung Nr. 121/2011 vom 09.10 .2011 fordern Mitglieder des Vereins Grafschaft Glatzer 
e.V., dass die Straßennamen nicht gestrichen werden dürfen, die sich auf Heimatorte, ostdeutsche 
Landschaften, Dichter, Künstler und Wissenschaftler aus dem Deutschen Osten beziehen. Dieser 
Anregung liegt eine Unterschriftenliste mit 54 Unterschriften bei (Anlage 4). 
Die Anregung Nr. 135/2011 
In der Anregung Nr. 135/2011 fordern die Landsmannschaften der Vertriebenen die Stadt Münster 
auf, die Agnes -Miegel-Straße und den Stehrweg nicht umzubenennen auc h wenn den Künstlern 
heute vereinzelte Sympathiekundgebungen gegenüber dem damaligen Regime vorgeworfen we r-
den. Dieser Anregung liegt eine Unterschriftenliste mit 59 Unterschriften bei (Anlage 5).  
Auf einige Inhalte dieser Anregung hat das Stadtarchiv in der Stellungnahme vom 29.12.2011 g e-
antwortet (Anlage 6). 
Der Antrag der SPD-Fraktion Nr. A-O/0008/2012 
Mit dem Antrag spricht sich die SPD -Fraktion in der BV Münster -Ost unter Verweis auf die Em p-
fehlung der Kommission Straßennamen für die Umbenennung des S tehrwegs und weiterer Str a-
ßen im Bezirk Münster-Ost aus. 
Fazit 
Aufgrund der einstimmigen Empfehlung der Kommission Straßennamen schlägt die Verwaltung 
die Umbenennung des Stehrwegs vor. Von der Umbenennung sind  469 gemeldete Einwohneri n-
nen und Einwohner unter 58 Hausnummern betroffen. 
Neuer Straßenname 
In Anlage 2 schlägt die Verwaltung Straßennamen vor, die für die Verwendung im Stadtbezirk  
Münster-Ost geprüft sind. 
 
In Vertretung 
 
 
 
Schultheiß 
Stadtdirektor 
 
Anlagen: 
1  Ergebnis der Bürgerumfrage 
2  Vorschläge für neue Straßennamen 
3  Anregung § 24 GO Nr. 101/2011 
4  Anregung § 24 GO Nr. 121/2011 
5  Anregung § 24 GO Nr. 135/2011 
6  Stellungnahme Stadtarchiv zu Anlage 5 
7  Antrag SPD Nr. A-O/0008/2012 
8  Übersichtsplan

Anlage-8-Übersichtsplan

63 Zeichen

Wolbec e  Straße
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Ste rweh
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Ste
weg
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Anlage 8
V/0385/2012

Anlage-7-Antrag-SPD-0008-2012

421 Zeichen

A-0/0008/2012

19. April 2012 age 7

in der BV Münster Ost

Antrag an die BV

Betr.: Straßenumbenennungen

Die BV möge beschließen:

Der Stehrweg, der Castelleweg und die Agnes-Miegel-Straße werden umbenannt.
Begründung

Es wird auf die Empfehlungen der Kommission „Straßennamen“ sowie auf die
Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ verwiesen.

Weiterer mündlicher Vortrag erfolgt nach Aufruf der Sache.

Für die Fraktion

Beratungsverlauf (1)

23.08.2012 Bezirksvertretung Münster-Ost
TOP 3.5 Entscheidung Entscheidung

Beschluss: mehrheitlich abgelehnt

Zur Sitzung

Orte (12)

  • Vennemannstraße 5
  • Goldenbergstraße
  • Agnes-Miegel-Straße
  • Stehrweg
  • Schlossplatz
  • Anna-Krückmann-Weg
  • Henriette-Hertz-Weg
  • Nikolaus-Groß-Weg
  • Castelleweg
  • Willingrott 49
  • Grafschaft
  • Werse

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Details

Vorlagen-Nr.
V/0385/2012
Typ
Vorlagen
Datum
11.05.2012
Erstellt
06.10.2020 14:37