3480/2018
Infotafel ehemaliger Schießplatz in Dünnwald zur Erinnerung an die Opfer der NS-Militärjustiz
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Entwurf von Ruedi und Vera Baur
375 Zeichen
KÖLN Memorial — Propositions and studies — Civic-City—September 2018 9 Vorschlag 2 (B - 9m) - vertikale Schrift Bei diesem Vorschlag steht eine vertikal verlaufende, dreidimensionale Schrift auf einem 2.50 Meter hohen Stahlsockel. 1 m 1 m 2,50 m 9 m 25 cm 20 cm --------------- 2,5 cm 15 cm ------------------------------------------------------------------- --------------
Beschlussvorlage Bezirksvertretung
10135 Zeichen
Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/4520 4520/2-25-26 Vorlagen-Nummer 3480/2018 Freigabedatum Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Infotafel ehemaliger Schießplatz in Dünnwald zur Erinnerung an die Opfer der NS-Militärjustiz Beschlussorgan Bezirksvertretung 9 (Mülheim) Gremium Datum Beschluss: Die Bezirksvertretung Mülheim beschließt die Aufstellung einer Informationstafel am ehemaligen Schießplatz Dünnwald gemäß der vom NS-Dokumentationszentrum ausgearbeiteten und mit Bürge- rinnen und Bürgern aus Dünnwald abgestimmten Konzeption. Die Informationstafel ist so gestaltet, dass sie am originalen Schauplatz der Erschießungen den Unrechtscharakter des NS-Regimes deut- lich macht und dem mahnenden Erinnern an jene Soldaten der Wehrmacht dient, die dort wegen Kriegsdienstverweigerung, Wehrkraftzersetzung, Desertion oder Kriegsverrat um ihr Leben gebracht wurden. Das Erinnerungszeichen soll dort aufgestellt werden, wo sich der vom Kalkweg zum Waldbad Dünn- wald führende Waldweg mit einem quer durch die ehemaligen Schießbahnen verlaufenden Trampel- pfad kreuzt. Realisiert wird ein Entwurf von Ruedi und Vera Baur (Paris), der sich visuell an das Denkmal für die Opfer der NS-Militärjustiz am Appellhofplatz anlehnt. Er besteht aus einem stilisierten Fahnenmast, der von einem Zitat von Ludwig Baumann (1921-2018), dem Vorreiter für eine Rehabilitierung der Deserteure der Wehrmacht, geprägt ist, und der auf dem Sockel einen Informationstext zum histori- schen Ort und dem Geschehen in der NS-Zeit enthält (siehe Begründung). Zur Realisierung stehen Mittel in Höhe von 20.000,00 Euro aus dem Bürgerhaushalt zur Verfügung, die 2016 mit dem Vorschlag Nr. 751 beantragt wurden. Diesen Vorschlag hat die Bezirksvertretung Mülheim in ihrer Sitzung am 29.05.2017 einstimmig zur Umsetzung auf Platz 7 priorisiert. Alternative Die Bezirksvertretung Mülheim lehnt die Aufstellung der Informationstafel am ehemaligen Schießplatz Dünnwald gemäß der vom NS-Dokumentationszentrum ausgearbeiteten und mit Bürgerinnen und Bürgern aus Dünnwald abgestimmten Konzeption ab. Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 05.11.2018 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Ja, investiv Investitionsauszahlungen € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Ja, ergebniswirksam Aufwendungen für die Maßnahme 20.000 € Zuwendungen/Zuschüsse Nein Ja % Jährliche Folgeaufwendungen (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € c) bilanzielle Abschreibungen € Jährliche Folgeerträge (ergebniswirksam): ab Haushaltsjahr: a) Erträge € b) Erträge aus der Auflösung Sonderposten € Einsparungen: ab Haushaltsjahr: a) Personalaufwendungen € b) Sachaufwendungen etc. € Beginn, Dauer Begründung: Der ehemalige Schießplatz in Dünnwald zählt zu den Stätten des NS-Terrors in Köln. Seine Ge- schichte ist jedoch weitgehend unbekannt. Seit längerem besteht in Bürgerschaft, Politik und Verwal- tung der Wunsch, diesen historischen Ort zu erläutern und am originalen Schauplatz konkret an die Opfer der NS-Militärjustiz zu erinnern. Durch intensive Forschungen ist es dem NS-Dokumentationszentrum gelungen, das Geschehen wäh- rend der Jahre 1939 bis 1945 aufzuhellen, die Namen der Opfer und die Hintergründe ihrer Erschie- ßung zu recherchieren. Damit besteht nun eine fachwissenschaftliche Grundlage zur Anbringung ei- ner Information. Das Projekt wurde von einer Arbeitsgruppe begleitet, die sich aus Mitgliedern des Bürgervereins Köln-Dünnwald, einzelnen geschichtlich Engagierten aus dem Stadtteil sowie Mitgliedern der „Pro- jektgruppe Opfer der NS-Militärjustiz in Köln“ im Verein EL-DE-Haus zusammensetzt. Bei Ortsbege- hungen und in mehreren Treffen wurden die Anforderungen ausgearbeitet. 2017 wurde der in Paris lebende Künstler Ruedi Baur dazu eingeladen, einen Entwurf für den Stand- ort in Dünnwald auszuarbeiten. Hintergrund für die direkte Ansprache dieses Künstlers ist, dass er das in Köln sowie bundesweit und international viel gelobte und weithin beachtete „Denkmal für die Opfer der NS-Militärjustiz“ am Appellhofplatz realisiert hat. Es ist ausdrücklicher Wunsch von allen Beteiligten, dass das Erinnerungszeichen in Dünnwald aufgrund des inhaltlichen Bezuges und der gestalterischen Qualität die gleiche Handschrift wie das zentrale Denkmal trägt. Trotz des knapp be- messenen Budgets willigte der Künstler aufgrund der Bedeutung des Vorhabens ein, sich zusammen mit seiner Partnerin Vera Baur an der Gestaltung zu beteiligen. Mehrere 2017 vorgestellte Entwürfe waren aus verschiedenen Gründen (pflegerischer Aufwand, mutmaßlich hohe Kosten, nicht kompatibel mit Naturschutz) nicht geeignet. Daraufhin arbeitete das 3 Künstlerpaar einen neuen Entwurf aus, der den gestellten Anforderungen in jeder Hinsicht gerecht wird. Das Erinnerungszeichen in Dünnwald soll das eher allgemein gehaltene Denkmal am Appellhofplatz um einen wesentlichen Aspekt ergänzen. Es soll die Menschen in den Mittelpunkt rücken, die von einem verbrecherischen Regime um ihr Leben gebracht wurden, und deren Familien nach 1945 oft- mals mit dem Makel des „Verrats“ behaftet blieben. Deshalb besteht das Erinnerungszeichen aus drei Elementen. Ein an einen Fahnenmast erinnernder Schriftzug bildet zusammen mit dem Sockel eine etwa acht Meter hohe Skulptur. Sie besteht aus den farbigen Lettern eines Zitates von einem der betroffenen „Deserteure“, womit die menschliche Dimension in den Vordergrund gerückt wird. Das Zitat stammt von dem in Hamburg geborenen Ludwig Baumann (1921-2018), der für das Entstehen des Kölner Denkmals am Appellhofplatz wichtig war und dessen Lebensweg beispielhaft ist. Baumann wurde 1942 wegen Desertion zum Tode verurteilt, nach zehn Monaten in der Todeszelle begnadigt und in ein Strafbataillon überstellt. Durch das Erlebte nach 1945 körperlich und seelisch ohnehin schwer zerrüttet, litt Ludwig Baumann zusätzlich schwer unter der fortgesetzten Diskriminie- rung der ehemaligen Wehrmachtdeserteure. 1990 gründete er die „Bundesvereinigung Opfer der NS- Militärjustiz“. Mit seinem Engagement trug er maßgeblich dazu bei, dass der Bundestag das Unrecht der NS-Militärjustiz anerkannte. Das von ihm gewählte Zitat lautet: „Was kann man Besseres tun, als den Krieg zu verraten?“ Mit dieser markanten Entgegnung machte Ludwig Baumann immer wieder darauf aufmerksam, dass das Handeln der damaligen „Deserteure“ kein Verrat war, sondern ange- sichts des Unrechtscharakters des Regimes und des von ihm geführten Krieges eine richtige Ent- scheidung. Die jahrzehntelange Verleugnung eines Verhaltens, das zwar gegen damals geltende Prinzipien verstieß, aber aus heutiger Sicht mutig und richtig war, wird in dem knappen Zitat zum Ausdruck gebracht. Auf dem Sockel wird folgender Informationstext angebracht: SCHIESSPLATZ DÜNNWALD Seit 1887 befand sich hier eine Schießanlage des preußischen Militärs. Sie bestand zunächst aus drei Schießständen, ab 1899 wurde auf insgesamt sechs Schießständen mit 400 bis 600 Metern Länge geschossen. Heute noch zu erkennen sind die Erdwälle, die die einzelnen Schießbahnen voneinander abtrennten, sowie Reste der Mauer, die am Ende der Bahnen als Kugelfang diente. Nach der Niederlage des Deutschen Reiches im Ersten Weltkrieg wurde die Anlage im Zuge der Entmilitarisierung durch die Alliierten außer Betrieb genommen. Mit der völkerrechtswidri- gen Remilitarisierung des Rheinlandes durch das NS-Regime im Jahr 1936 wurde bald auch das Areal am Kalkweg wieder einer militärischen Nutzung zugeführt. Hinrichtungsstätte der Wehrmacht Den Schießplatz nutzte die Wehrmacht bis 1945 als militärischen Übungsplatz. Er diente aber auch als Ort für die Hinrichtung von Soldaten der Wehrmacht, die von Militärgerichten zum Tode verurteilt worden waren. Mindestens 22 Männer im Alter von 18 bis 41 Jahren wurden hier in den Jahren 1940 bis 1943 erschossen. Kurz vor Kriegsende wurden in der Nähe des Schießplatzes ein 18- sowie ein 22-jähriger Sol- dat standrechtlich erschossen. Diese Jugendlichen und Männer wurden Opfer einer von nationalsozialistischen Vorstellungen geprägten Militärjustiz. Sie bezahlten mit ihrem Leben dafür, dass sie sich aus privaten Grün- den dem Vernichtungskrieg entzogen oder aus Überzeugung aktiv dem NS-Regime ihren 4 Dienst verweigerten. Nach 1945 galten die Opfer der NS-Militärjustiz weiterhin als Feiglinge oder Verräter. Ihre Fa- milien wurden oftmals diskriminiert und erhielten keine Hinterbliebenenrenten. Erst in den Jah- ren 1998, 2002 und 2009 erklärte der Deutsche Bundestag die NS-Urteile gegen Kriegs- dienstverweigerer, Wehrkraftzersetzer, Wehrmachtdeserteure und Kriegsverräter für nichtig. Das Zitat stammt von Ludwig Baumann (1921-2018), der 1942 wegen Desertion zum Tode verurteilt, begnadigt und in ein Strafbataillon überstellt wurde. Er war der wichtigste Vorkämp- fer für eine Rehabilitierung dieser Opfergruppe. Stadt Köln, 2019 Das dritte Element ist die Internetseite des NS-Dokumentationszentrums, wo Informationen über die in Köln-Dünnwald Erschossenen mit Fotografien und Dokumenten versehen präsentiert werden sol- len. Diese Form der Präsentation hat den Vorzug, dass vertiefende biographische Informationen und eventuell neue Erkenntnisse über die Anzahl der in Dünnwald Erschossenen laufend ergänzt werden können. Text und Entwurf wurden zwischen dem NS-Dokumentationszentrum und den beteiligten Bürgerinnen und Bürgern abgestimmt. Zu der in 2019 geplanten Eröffnung sollen auch Angehörige der in Köln- Dünnwald Hingerichteten eingeladen werden. Finanzierung Zur Realisierung stehen Mittel in Höhe von 20.000,00 Euro aus dem Bürgerhaushalt zur Verfügung, die 2016 mit dem Vorschlag Nr. 751 beantragt wurden. Diesen Vorschlag hat die Bezirksvertretung Mülheim in ihrer Sitzung am 29.05.2017 einstimmig zur Umsetzung auf Platz 7 priorisiert. Finanzstel- le/Finanzposition: 4520.572.990.3. Anlage Entwurf von Ruedi und Vera Baur
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 3480/2018
- Typ
- Beschlussvorlage Bezirksvertretung
- Datum
- 25.10.2018
- Erstellt
- 23.10.2018 14:59