2010/0364
Prüf- und Maßgabebeschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 18.12.2008 anlässlich der Änderung der Abwasserbeitrags- und Gebührensatzung zum 01.01.2009; hier: Kosten der Abwasserbeseitigung
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2010/0364
21073 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
19.01.2011
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat II EAD
Finanzverwaltung
Straßenverkehrs- und
Tiefbauamt
an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
Amt: Rechtsamt
Behandlung in
öffentl. Sitzung
Ja
Nein
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Ja
Nein
Internetfähig
Verteiler:
Vorlage-Nr. 2010/0364
Magistratsbeschluss-Nr.
Betreff: Prüf- und Maßgabebeschluss der Stad tverordnetenversammlung vom 18.12.2008
anlässlich der Änderung der Abwasserbeitrags- und Gebührensatzung zum 01.01.2009;
hier: Kosten der Abwasserbeseitigung
Vorlage vom: 17.01.2011
Beschlussvorschlag:
Von dem Bericht der Arbeitsgruppe Abwasserkosten wird Kenntnis genommen.
Anlagen:
Datenschutzrelevante Anlage:
Beschluss des Magistrats vom
2
...
Begründung zur Magistratsvorlage vom 17.01.2011:
Am 18.12.2008 hat die Stadtve rordnetenversammlung zur Magistratsvorlage 2008/0484 –
Änderung der Abwasserbeitrags- und Gebührensatzung u.a. folgenden Prüf- und
Maßgabebeschluss gefasst:
„Der Magistrat wird außerdem aufgefordert, zusammen mit dem städtischen
Vertragspartner, der HSE Abwasserreinigung GmbH, zu prüfen, welche Möglichkeiten
bestehen, zur nachhaltigen Reduzierung der Kosten der Abwasserreinigung – eventuell
auch durch Nach- bzw. Neuverhandlung der bestehenden Verträge zwischen allen
Beteiligten.
Der Magistrat wird beauftragt zu prüfen, ob die Kosten für die Betriebsführung der
Kläranlage auch unabhängig von einem Rückkauf durch die Stadt durch andere
organisatorische Maßnahmen reduziert werden können.“
Zur Umsetzung des Beschlusses ist eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern der
Kämmerei, des Rechtsamtes und der HSE Abwasserreinigung GmbH & Co. KG gebildet
worden, die nach zeitaufwändigen Überprüfungen zu folgenden Ergebnissen gekommen
ist:
1. Möglichkeiten zur Reduzierung der Kosten der Abwasserbeseitigung seitens der
Stadt (Straßenverkehrs- und Tiefbauamt/EAD)
Da auch der Betrieb und die Erneuerung des städtischen Kanalnetzes die Kosten der
Abwasserbeseitigung erheblich beeinflussen, ist das Straßenverkehrs- und Tiefbauamt
sowie der EAD um Stellungnahme gebeten worden, ob hier Einsparmöglichkeiten
gegeben sind. Im Ergebnis werden hier keine Einsparmöglichkeiten gesehen und zwar
aus folgenden Gründen:
• Nach dem aktuellen Gesamtentwässerungsplan sind fast 20 % der städtischen
Abwasserkanäle überlastet. Eine Reduzierung der Kosten für die Erneuerung des
städtischen Kanalnetzes ist aus hydraulischer Sicht und im Hinblick auf den zu
erwartenden Klimawandel mit größeren Starkregenereignissen nicht möglich. Die der
Gebührenkalkulation zugrunde gelegte jährliche Investitionsrate von 5 Mio. Euro kann
daher aus fachlicher Sicht keinesfalls reduziert werden. Mit den Kosten in Höhe von 5
Mio. Euro werden auch Neubaugebiete erschlossen und schadhafte Kanäle
haltungsweise saniert.
• Aufgrund der zahlreichen Schäden im öffentlichen Kanalnetz darf auch der Aufwand
für die punktuelle Kanalsanierung einschließlich der TV-Untersuchungen mit jährlich
2,6 Mio. Euro nicht reduziert werden. Die Abarbeitung der notwendigen
Kanalsanierungen beruht auf Forderungen des Regierungspräsidiums als
Aufsichtsbehörde. Zu diesem Zweck werden die Schäden am Kanalnetz in
unterschiedliche Schadensklassen aufgeteilt. Ende 2008 wurden der Schadensklasse
0 (sofort sanieren) ca. 1,5 km, der Schadensklasse 1 (kurzfristig sanieren) ca. 13 km
und der Schadensklasse 2 (mittelfristig sanieren) ca. 27 km der Kanallänge
zugeordnet. Mit den eingeplanten Mitteln können jährlich lediglich ca. 2,5 km Kanäle
saniert werden.
• Auch die mittlerweile vorliegende „Studie zur Optimierung von Klärwerkstandorten
und Reinigungsstufen“ führt zu keinen größeren Einsparmöglichkeiten. Hier können
3
...
zwar voraussichtlich Kostenreduzierungen durch Einnahmen bei der Mitbehandlung
des Merck Klärschlammes und bei der Vergährung von Lebensmittelresten und
Fettabscheiderinhalten in mittlerer fünfste lliger H öhe erzielt werden. Andere
Vorschläge zur Optimierung der Klärprozesse würden dagegen auch in Kombination
mit den vorgenannten Möglichkeiten sogar zu Mehrkosten in sechsstelliger Höhe
führen.
• Auch der Aufwand zur Überwachung von nicht häuslichen Abwassereinleitungen
(Industrie, Gewerbe, Dienstleistung, Krankenhäuser, Forschungsinstitute etc.)
ist weiterhin in der bisherigen Höhe erforderlich, um Gefahren und Schäden für
Menschen, Umwelt und Anlagenteile vorzubeugen. Wie in einem bundesweiten
Benchmarkingprozess gezeigt werden konnte, sind die hier für den
Abwassereinleiter anstehenden Kosten sehr gering und der Aufwand für den
Gebührenzahler gemessen am Gesamtaufwand unterdurchschnittlich.
Die städtischen Gremien haben im Zusammenhang mit der Verabschiedung des
Haushalts 2010 am 27. Mai 2010 das Haushaltskonsolidierungskonzept 2010 ff
beschlossen. Ein Punkt des Haushaltssicherungskonzeptes ist die „Überprüfung der
alleinigen Zuständigkeit des EAD für den Gesamtkomplex Abwasserbeseitigung
(einschließlich der bisher in der Finanzverwaltung angesiedelten Aufgaben)“. Bei dem
Prüfauftrag handelt es sich um ein komplexes Thema, das einer umfassenden
Aufbereitung aller vorhandenen Unterlagen bedarf. Ein externer Berater ist eingeschaltet,
der den Magistrat bei den erforderlichen Berechnungen unterstützt. Ein Ziel einer
Übertragung wäre es, zukünftig mit den Mitteln des Eigenbetriebes noch kostengünstiger
zu planen und zu sanieren, was sich positiv auf die Gebühr auswirken soll. Es ist
außerdem zu prüfen, ob sich gewünschte Synergieeffekte erzielen lassen. Ein
Prüfergebnis liegt noch nicht vor. Wann die entsprechende Magistratsvorlage den
städtischen Gremien vorgelegt werden kann, ist noch nicht abzuschätzen.
2. Möglichkeiten zur Reduzierung der Kosten der Abwasserbeseitigung seitens der
HSE Abwasserreinigung GmbH & Co. KG
Ein anderer Teil der Kosten der Abwasserbeseitigung sind die Kosten, die bei der
Klärung des Abwassers in den beiden Darmstädter Klärwerken entstehen und für die
die Stadt Abwasserreinigungsentgelte an die HSE Abwasserreinigung GmbH & Co. KG
bezahlt.
Hier soll zunächst die Entwicklung der vergangenen 10 Jahre aufgezeigt werden.
a.) Entwicklung der Abwasserreinigungsentgelte der letzten 10 Jahre
Die erste Grafik zeigt die Entwicklung der Gesamtkosten für Abwasserreinigung in der
Wissenschaftsstadt Darmstadt bei gleichzeitiger Darstellung der Kosten der beiden
Darmstädter Klärwerke („Abwasserreinigungsentgelte“) für den Zeitraum von 1996 bis
2008. Der Beginn der Darstellung liegt mit 1996 in dem Jahr, in dem das
Zentralklärwerk in der heutigen Form in Betrieb genommen wurde.
4
...
0
10.000.000
20.000.000
30.000.000
40.000.000
50.000.000
60.000.000
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Kosten für Abwasserreinigung Darmstadt gesamt Kosten der Klärwerke
Nachstehende Grafik zeigt die Entwicklung der Abwasserreinigungsentgelte bis 2009.
Abgerechnete Abwasserreinigungsentgelte 1996 - 2009 (inkl. USt)
22.500,00
25.000,00
27.500,00
30.000,00
32.500,00
35.000,00
37.500,00
40.000,00
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Jahr
T€
Der Verlauf der Abwasserreinigungsentgelte in den Jahren 1997-2004 ist wesentlich durch
den Rückgang der Abschreibungen bedingt. Ab dem Jahr 2005 werden die Auswirkungen
des neuen Finanzierungsmodells (Forfaitierung) sichtbar (s.S. 6). Der in den Jahren 2005-
5
...
2008 zu verzeichnende Anstieg der Abwasserreinigungsentgelte ist wesentlich auf
Sondereffekte wie die Abzinsung von Pensionsrückstellungen, die Erhöhung des
Umsatzsteuersatzes auf 19% in 2007 und eine Steuernachzahlung in 2008 zurückzuführen.
Ferner sind der Anstieg des Zinsaufwandes sowie die allgemeine Kostensteigerung (siehe
auch b)) zu berücksichtigen.
Die Absenkung der Abwasserreinigungsentgelte im Jahr 2009 ergibt sich unter anderem aus
einer erheblichen Reduktion sowohl der kalkulierbaren Steuern als auch des Zinsaufwandes,
Einsparungen im Energiebezug sowie beim Bezug von Fremdleistungen.
Im Jahr 2010 werden die Abwasserreinigungsentgelte mit 25.875 T€ stabil bleiben. Für das
Jahr 2011 wird sogar nur mit Abwasserreinigungsentgelten i.H.v. 22.000 T € gerechnet. Der
Rückgang liegt im Wesentlichen an dem Auslaufen von Nutzungszeiten im Anlagevermögen,
z.B. in der biologischen Reinigung und in der Schlammbehandlung, die sich auf die
bilanziellen Abschreibungen auswirken.
Die Schmutzwassergebühren werden beim Kunden üblicherweise auf der Basis des
verbrauchten Frischwassers berechnet (Frischwassermaßstab). Das jährliche
Abwasserreinigungsentgelt ist für die Gebührenfestlegung demnach auf die Menge des
verbrauchten Frischwassers umzulegen. In der folgenden Grafik wird deutlich, dass die
verbrauchte Frischwassermenge in Darmstadt teils erheblichen Schwankungen unterworfen
ist. In den letzten Jahren ist dabei eine fallende Tendenz zu beobachten. Zu beachten ist,
dass ein sinkender Frischwasserverbrauch zu steigenden spezifischen Kosten der
Abwasserreinigung führt, da viele Kostenpositionen, wie z. B. die Kapitalkosten, von der
gereinigten Abwassermenge unabhängig sind. Die auf die verbrauchte Frischwassermenge
bezogenen spezifischen Kosten der Abwasserreinigung sind in der Grafik ebenfalls
dargestellt.
Trinkwassermenge und spezifische Kosten der Abwasserreinigung
-
0,50
1,00
1,50
2,00
2,50
3,00
3,50
4,00
4,50
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
8.000.000
8.200.000
8.400.000
8.600.000
8.800.000
9.000.000
9.200.000
9.400.000
9.600.000
9.800.000
Reinigungskosten in €/m³ Trinkwassermenge in m³
Die Finanzierung wurde Ende 2004 auf ein sog. Forfaitierungsmodell (Forderungsabtretung)
mit einem günstigen Zinssatz in Höhe von 3,89% umgestellt. Daraus ergab sich in Summe
für die Jahre 2005-2009 ein Kostenvorteil in Höhe von ca. 14 Mio. €. In den Jahren
2010/2011 ergab bzw. ergibt sich ein Kostenvorteil i.H.v. insgesamt 1,25 Mio €. Für die
kommenden Jahre bis 2018 wird sich der Kostenvorteil vermutlich bei 600.000 € jährlich
€/m³ m³
6
...
einpendeln. Konkret stellt sich der Verlauf des Kapitaldienstes (Zinsen + Abschreibungen)
als Teil der Abwasserreinigungsentgelte in den Jahren 1996 bis 2009 wie folgt dar:
Kapitaldienst für die Abwasserreinigungsanlagen
0
5.000.000
10.000.000
15.000.000
20.000.000
25.000.000
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Jahr
Weitere Kostensenkungspotenziale sind in diesem Bereich nicht mehr vorhanden.
Der Abwasserreinigungsvertrag zwischen der Stadt und der HSE Abwasserreinigung GmbH
& Co. KG hat grundsätzlich eine Laufzeit bis zum 31.12.2018. Durch den 3.
Nachtragsvertrag zum Abwasserreinigungsvertrag vom 17.12.2004 ist das von der Stadt zu
zahlende Reinigungsentgelt im Zusammenhang mit der oben dargestellten Forfaitierung in
eine Finanzierungsvergütung und eine Restvergütung aufgegliedert worden. Die dadurch
entstandenen und zukünftig noch enstehenden Kostenersparnisse wurden oben aufgezeigt.
Mit diesem 3. Nachtragsvertrag zum Abwasserreinigungsvertrag sind die vertraglichen
Verhältnisse zwischen der Stadt und der HSE Abwasserreinigung GmbH & Co. KG optimiert
worden, so dass eine Nachverhandlung des Abwasserreinigungsvertrages derzeit nicht
möglich ist.
Festzustellen ist, dass die HSE Abwasserreinigung GmbH & Co. KG durch Übernahme von
zusätzlicher Verantwortung trotz Risiken stetig um eine Absenkung der für die
Wissenschaftsstadt Darmstadt entstehenden Kosten bemüht ist. So hat die HSE
Abwasserreinigung GmbH & Co. KG durch eine freiwillige Reduzierung des
Überwachungswertes für Stickstoff (und damit verbundene Übernahme eines erhöhten
rechtlichen Risikos bei der Betriebsführung) der Wissenschaftsstadt Darmstadt die
Möglichkeit gegeben, für die Jahre 2009 -2011 Investitionen in Höhe von ca. 700.000 €
gegen die Abwasserabgabe zu verrechnen.
b.) Entwicklung der Betriebskosten der Kläranlage in den letzten 10 Jahren
Das folgende Bild zeigt den Verlauf der Betriebskosten der Klärwerke im Zeitraum
1996 bis 2009 einschließlich der Einzeldarstellung der Werte für den Bezug von Energie,
Material, Personal und Fremdleistungen. Die Senke in den Betriebskosten
für die Jahre 1998 bis 2004 ergibt sich aus der Tatsache, dass die
Instandhaltungskosten einer neuen Anlage in den ersten Jahren erheblich geringer
€
7
...
sind als einer bereits einige Jahre betriebenen Anlage. Die Betriebskosten
beinhalten auch die Personalkosten, die allenfalls langfristig beeinflussbar sind. Die
Schwankungen in den Fremdleistungen ergeben sich durch auf einzelne Jahre
beschränkte Großmaßnahmen, wie z.B. die Sanierung des Vorklärbeckens in 1998,
der Austausch von Belüfterkerzen in 2004, die Großrevision eines
Blockheizkraftwerkes in 2005, Einsparungen im Energiebezug sowie beim Bezug
von Fremdleistungen in 2009, etc.
0
2.000.000
4.000.000
6.000.000
8.000.000
10.000.000
12.000.000
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Jahr
EUR
Personalaufwand Energie Material Fremdleistungen Betriebskosten
Zu beachten ist, dass der Lebenshaltungskostenindex mit Basis 1996=100 bis 2009 um über
21 Punkte anstieg. Unter Berücksichtigung der allgemeinen Preissteigerung ergibt sich
nachstehendes Bild für die Betriebskostenentwicklung.
7.000.000
8.000.000
9.000.000
10.000.000
11.000.000
1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009
Jahr
0
20
40
60
80
100
120
140
Index
Betriebskosten Betriebskosten indiziert auf Basis 1996 Vebraucherpreisindex (1996=100)
In diesem Bild wird deutlich, dass die Betriebskosten nach Bereinigung um die allgemeinen
Preissteigerungen seit 2004 kontinuierlich reduziert werden konnten. So wurde nicht nur die
€
€
8
...
allgemeine Preissteigerung aufgefangen, sondern es wurden weitere Einsparpotentiale
genutzt.
c.) Maßnahmen zur Stabilisierung der Betriebskosten der Kläranlage.
• Kosteneinsparungen durch ein neues Instandhaltungsmanagement
Die HSE Abwasserreinigung GmbH & Co. KG hat den finanziellen Aufwand für die
vorbeugende Instandhaltung unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Kostenreduzierung
überprüft. Eine Reduzierung des Instandhaltu ngsaufwandes ist demnach möglich, bedeutet
aber eine Erhöhung des Ausfallrisikos.
Um die Verantwortlichen bei der Bewertung von Ausfallrisiken zu unterstützen, wurde u.a.
eine Bewertungsmatrix für dieses Ausfallrisiko entwickelt, die ab sofort bei der
Finanzplanung angewendet wird. Die Bewertungsmatrix ist ein nachvollziehbares einfaches
Hilfsmittel für den Betrieb, um Entscheidungen für die Instandhaltungsplanung einzelner
Aggregate treffen zu können.
Das geänderte Instandhaltungsmanagement dient dabei der weitergehenden Optimierung
der Betriebskosten und der Kostensteuerung. Es wird mit Kostensenkungen von ca.
200.000 € im Vergleich zum Referenzjahr 2008 gerechnet.
• Fortführung der Energieoptimierung
Die bereits laufenden Maßnahmen zur Energieoptimierung auf den beiden Kläranlagen
werden in den folgenden Jahren weiter fortgesetzt. Im Fokus steht dabei der Einsatz von
energieeffizienter Antriebstechnik, z. B. für Rührwerke und Pumpen. Darüber hinaus wird die
Verfahrenstechnik kontinuierlich auch unter dem Aspekt der Energiekosten optimiert.
Vorgesehen ist beispielsweise der Ersatz vorhandener Zentrifugen durch Siebbandpressen
mit einem geringeren Stromverbrauch. Im Jahr 2010 wurde darüber hinaus eine
Energieanalyse für das Klärwerk Süd durchgeführt.
• Optimierung des Personalbestands / Entwicklung des Personalbestandes 1996 -
2011
Im Zeitraum von 1998 bis 2011 wurde der Personalsbestand um ca. 30 % reduziert und das
trotz des zunehmenden Alters der Anlagen. Im Jahr 2011 werden voraussichtlich noch 44
Beschäftigte in den Klärwerken tätig sein. Dieser Personalbestand wird vermutlich auch in
den nächsten Jahren erforderlich sein, wobei bei jeder freiwerdenden Stelle eine
Wiederbesetzung kritisch geprüft wird.
• Bereitschaftseinsätze
Aufgrund fortschreitender Automatisierung der Betriebe und Ausstattung mit angepasster
Technik wurde die Zahl der Bereitschaftseinsätze in den letzten 5 Jahren von ca. 400 auf
150 Einsätze pro Jahr reduziert, was zu Kostenersparnissen führt.
• Weiterführung der Betriebsoptimierung
Durch ein Programm Betriebsoptimierung, das Mitte 2010 gestartet wurde, werden Zahlen
und Arbeitsabläufe analysiert, Handlungsfelder ermittelt und erkannte
Verbesserungsmöglichkeiten in der Praxis umgesetzt.
Erste Ergebnisse mit Blick auf eine Kostenoptimierung werden für Mitte 2011 erwartet.
9
...
• Einführung der Steuerung der Verfahrenstechnik mit Hilfe so genannter
„neuronaler Netze“
Die Technik der „neuronalen Netze“ lässt sich kurz wie folgt zusammenfassen: Mit Hilfe
eines Prozessrechners simuliert man den (Reinigungs-)Prozess auf Grund historischer
Daten, die in den Datenarchiven der Leitwarte über viele Jahre gespeichert wurden. Dieser
Prozessrechner wirkt wie ein großer "Erinnerungsspeicher" und erkennt die
Zusammenhänge zwischen z.B. Zulaufdaten, Daten der Belebungsstufe und Ablaufdaten
einer Anlage. Gleichzeitig kann er die unterschiedlichen Wirkungsgrade der Anlage
erkennen, die sich auf Grund der jeweils herrschenden Randbedingungen eingestellt haben.
Hierzu wird ein NeuroModel als Werkzeug eingesetzt. Die Modellierung z. B. einer
Belebungsstufe, des Schlammweges, der Gasproduktion, des Betriebes der Zentrifugen etc.,
geschieht vollautomatisch durch den Rechner. Damit werden alle Betriebszustände ermittelt,
die durch bestimmte Randbedingungen entstanden sind
Die Steuerung schlägt dann, basierend auf den aktuellen Werten, bestimmte
verfahrenstechnische Einstellungen vor, die die Prozessziele mit geringst möglichem Einsatz
an Energie erreichen und damit Kosten sparen bei guter Arbeitsqualität.
Je komplexer die Anlage und die Abhängigkeiten der einzelnen Arbeitsprozesse sind, desto
mehr kann diese Technologie ihre Vorteile unter Beweis stellen.
Einsatzbereiche der Optimierung sind die wesentlichen Arbeitsprozesse der
Abwasserreinigung und Schlammbehandlung.
Die Kosten für die Einführung eines solchen Steuerungssystems auf der Basis der
Verwendung neuronaler Netze amortisieren sich innerhalb der üblichen Zeiträume. Die CO
2-
Reduktion wirkt dagegen unmittelbar.
Die Technik befindet sich noch in der Erprobungsphase, auf anderen Kläranlagen werden
gegenwärtig erste Referenzerfahrungen gemacht. Sollten sich die positiven Erwartungen
dort bewahrheiten, so würde in den kommenden Jahren geprüft, ob sich diese Steuerung
auch in den Darmstädter Klärwerken erfolgreich kostensparend einsetzen lässt.
2. Fazit:
Zusammenfassend lässt sich Folgendes festhalten:
• Im Jahr 2010 sind die Abwasserreinigungsentgelte mit 25,875 Mio € stabil geblieben. Für
das Jahr 2011 wird mit einem Rückgang der Abwasserreinigungsentgelte um fast 4 Mio
€ auf 22 Mio € gerechnet.
• Die Umstellung der Finanzierung Ende 2004 auf ein Forfaitierungsmodell
(Forderungsabtretung) ergab für die Jahre 2005-2009 einen Kostenvorteil in Höhe von
ca. 14 Mio. €. In den Jahren 2010/2011 ergab bzw. ergibt sich ein Kostenvorteil i.H.v.
insgesamt 1,25 Mio €. Für die kommenden Jahre bis 2018 wird der Kostenvorteil
schätzungsweise 600.000 € jährlich betragen.
• Die HSE Abwasserreinigung GmbH & Co. KG hat technisch, organisatorisch und
wirtschaftlich optimal gearbeitet. Weitere Einsparpotentiale sind über die beschriebenen
Maßnahmen bei der HSE Abwasserreinigung GmbH & Co. KG nicht ersichtlich
• Bei der Unterhaltung und Pflege des städtischen Kanalnetzes ist ein Einsparpotential
nicht gegeben. Nach der „Studie zur Optimierung von Klärwerkstandorten und
Reinigungsstufen“ können lediglich Kostenreduzierungen durch Einnahmen bei der
10
...
Mitbehandlung des Merck Klärschlammes und bei der Vergährung von
Lebensmittelresten in voraussichtlich mittlerer fünfste lliger Höhe erzielt werden.
Offen ist, welches Einsparpotential bei einer Übertragung des Gesamtkomplexes
Abwasserbeseitigung in die alleinige Zuständigkeit des EAD gegeben wäre. Die Prüfung
ist noch nicht abgeschlossen.
Aus alledem folgt, dass es zur Zeit keine weiteren Möglichkeiten zur Reduzierung der
Kosten der Abwasserbeseitigung gibt. Die Stadt und die HSE Abwasserreinigung GmbH &
Co. KG prüfen aber auch in Zukunft jede Möglichkeit zur Reduzierung bzw. Stabilisierung der
Kosten und werden jedes mögliche Einsparpotential nutzen.
Darmstadt, den 17.01.2011
Wolfgang Glenz
Bürgermeister
Beratungsverlauf (3)
Details
- Vorlagen-Nr.
- 2010/0364
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 17.01.2011
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00