V/0342/2005
Familien stärken - Eltern im Fokus präventiver Angebote - Ein dreijähriges Modellprojekt
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Anlage 1 - Antrag der CDU-Fraktion an den AKJF vom 22.02.2005 "Präventive Hilfen zur Erziehung"
3023 Zeichen
CDU-Fraktion im Rat der Stadt Münster Fraktionsgeschäftsstelle Mauritzstraße 7-8 . 48143 Münster Telefon (0251) 4 18 43-0 . Telefax (0251) 4 31 36 e-mail fraktion@cdu-ms.de . http://www.cdu-ms.de 22. Februar 2005 bm Antrag Präventive Hilfen zur Erziehung Im Rahmen ihrer Tätigkeiten und zum Haushaltsjahr 2005 haben der Deutsche Kinderschutzbund, das Haus der Familie, die Beratungsstelle Südviertel und das Anna-Krückmann-Haus Anträge gestellt bzw. in Gesprächen mit der CDU-Fraktion ihr Interesse bekundet, Projekte durchzuführen, die die Stärkung der Erziehungs- und Bindungsfähigkeit von Eltern zum Ziel haben. Diese Aktivitäten finden bei der CDU-Fraktion großes Interesse. Der Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien möge daher beschließen: Die Verwaltung wird beauftragt zu prüfen, ob diese Vorhaben im Rahmen eines dreijährigen Projektes umgesetzt werden können. Wenn diese Möglichkeit, einschließlich der nachfolgend beschriebenen Finanzierung, ein gangbarer Weg ist, soll die Verwaltung dem Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie die Umsetzung in Form einer Beschlussvorlage vorlegen. Durch ein Controlling, begleitet durch eine Berichterstattung im Ausschuss, soll nachgewiesen werden, ob und wie diese Projekte dazu beitragen können spätere kostenintensive Hilfen zur Erziehung zu reduzieren. Die Finanzierung dieses Projektes soll durch Mittel aus den HHSt 455.770.000.X (Heimerziehung, sonstige betreute Wohnformen) und 4561.770.0000.4 (Stationäre Hilfen für junge Volljährige) erfolgen. Begründung: Die Stadt Münster wendet erhebliche finanzielle Mittel für Heimerziehung, sonstige betreute Wohnformen und stationäre Hilfen für junge Volljährige auf. Dies ist gesetzlich so vorgesehen und auch richtig so. Grundsätzlichen wäre es allerdings besser, diese Notwendigkeit erst gar nicht entstehen zu lassen. Wichtig aus Sicht der CDU wäre hier eine verstärke Prävention. Nun haben verschiedene freie Träger im Rahmen ihrer Antragstellung zum Haushalt bzw. im Rahmen von Informationsgesprächen eine Verstärkung ihrer Tätigkeiten hinsichtlich präventiver Ansätze zur Stärkung der Erziehungsfähigkeit von Eltern vorgeschlagen. Diese Tätigkeit soll niedrigschwellig angesetzt sein, um Eltern möglichst frühzeitig zu erreichen. Die CDU-Fraktion ist der Meinung, dass dieser Grundgedanke richtig ist und durch Prävention Entwicklungen vermieden werden können, die die Notwendigkeit von Erziehungshilfen hervorrufen. Deswegen soll die Finanzierung aus Finanzmitteln der o.g. Haushaltsstelle im Rahmen eines dreijährigen Projektes erfolgen. Die notwendige Höhe der Mittel soll die Verwaltung nach Rücksprache mit den Trägern dem Ausschuss im Rahmen der zu erstellenden Vorlage benennen. Die Umsetzung dieser Projekte soll während der dreijährigen Laufzeit intensiv durch die Verwaltung begleitet werden. Dem Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie wird regelmäßig Bericht erstattet, um über Konsequenzen entscheiden zu können. Für die CDU-Fraktion: Carmen Greefrath Markus Funk Josef Rickfelder Anlage 1
Beschlussvorlage
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DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Kinder, Jugendliche und Familien Betrifft Familien stärken Eltern im Fokus präventiver Angebote - Ein dreijähriges Modellprojekt Beratungsfolge 16.06.2005 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Entscheidung Beschlussvorschlag: Sachentscheidung: 1. Für den Zeitraum von drei Jahren - beginnend zum 01.08.2005 - werden jährlich 76.200 € Gesamtbetrag (Gesamtsumme für den Projektzeitraum: 228.600 €) aus der HHSt. 4551.770.0000.X (Heimerziehung, sonstige betreute Wohnformen) für fünf im Bereich der Prävention angesiedelte Einzelfall-Projekte zur Verfügung gestellt. 2. Zum Ende der Modellprojektlaufzeit (I Quartal 2008) wird über die gewonnenen Erkenntnisse Bericht erstattet. 3. Der Antrag der CDU-Fraktion vom 22.02.2005 „Präventive Hilfen zur Erziehung“ ist damit erledigt. Kosten/Folgekosten Es wird zur Kenntnis genommen, dass sowohl Kosten in Höhe von 50.000 € , als auch Folgekos- ten in Höhe von 178.600 € entstehen. Mittelbereitstellung/Finanzierung Die oben genannte Sachentscheidung ist wie folgt zu finanzieren: Vorlagen-Nr.: V/0342/2005 Auskunft erteilt: Herr Heintze Ruf: 492 5157 E-Mail: HeintzeO@stadt-muenster.de Datum: 28.04.2005 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - Ausgaben Haush.- stelle Bezeichnung Haush.- jahr Betrag € Bemerkung 4551.770.0000.X Heimerziehung, betreute Wohnformen, Abklärung 2005 50.000 Einschl. Investitions- kosten für das Projekt „Sure Start“ 2006 76.200 2007 76.200 2008 26.200 Insgesamt: 228.600 * Die Finanzierung berücksichtigt die Förderung folgender Träger in den einzelnen Jahren: Träger / Jahr Deutscher Kin- derschutzbund Caritasverband Münster Anna- Krückmann- Haus * Haus der Familie * Beratungsstelle Südviertel 2005 6.041,65 € 3.854,15 € 17.093,78 € 17.093,78 € 5.916,65 € 2006 14.500,00 € 9.250,00 € 19.125,00 € 19.125,00 € 14.200,00 € 2007 14.500,00 € 9.250,00 € 19.125,00 € 19.125,00 € 14.200,00 € 2008 8.458,35 € 5.395,85 € 2.031,22 € 2.031,22 € 8.283,35 € Insgesamt 43.500,00 € 27.750,00 € 57.375,00 € 57.375,00 € 42.600,00 € * = Das Anna-Krückmann-Haus und das Haus der Familie haben bei der Aktion Mensch einen Antrag auf Kostenübernahme für das Projekt Sure Start gestellt. Je nach Entscheidung kann sich hier der notwendige städtische Zuschuss bei den beiden Trägern bis auf 0 € reduzieren. Sollte die Aktion Mensch das Projekt Sure Start bezuschussen, wird der Förderbetrag anteilig zurück gefah- ren; die Gesamtausgabe kann sich folglich um insgesamt 114.750 € auf 113.850 € reduzieren. Begründung: 1. Anlass Die Kosten für stationäre Hilfen für Kinder und Jugendliche (siehe Vorlage Rahmenkonzept: Wei- terentwicklung der Hilfen zur Erziehung in Münster, Teil IV stationäre Hilfen zu Erziehung, Vorlage V/0470/05) steigen im Bundestrend bis zu jährlich 4 % an. In Münster ist eine vergleichsweise mo- derate Kostenentwicklung von bis zu 2,4 % für den Jahreszeitraum 2003-2004 zu beobachten. Die vorliegenden Maßnahmen zur Stärkung der Erziehungsfähigkeit von Eltern und zur Verhinderung von Fallzahlsteigerungen, sollen in einem 3-jähri gen, evaluierten Modellversuch dieser Entwick- lung mit unterschiedlichen Projektansätzen entgegenwirken. Anlass für diese Vorlage ist auch der Antrag de r CDU-Fraktion vom 22. Februar 2005 „Präventive Hilfen zur Erziehung“ (siehe Anlage 1). 2. Ausgangslage Der Begriff Prävention hat im Rahmen sozialer Arbeit seit Jahren eine große Bedeutung und wird in vielen Arbeitsfeldern als Bestandteil zielorientierter Hilfen mitgedacht. Auch aktuelle Entwicklun- gen wie das Modellprojekt „Soziale Frühwarnsysteme in NRW“ machen deutlich, wie zeitgemäß - 3 - das Thema Prävention ist und welche Erfordernisse gelingende Prävention braucht. Als ein Amts- ziel des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien ist Prävention ein verankerter Leitgedanke. Die Notwendigkeit, sich zunehmend mehr mit den Chancen präventiver Angebote auseinander zu setzen, drängte sich auch in Münster in den letzten Jahren immer stärker in den Vordergrund. U. a. wurde dies in den Bezirkskonferenzen des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien, in Träger- gesprächen, in Qualitätszirkeln und den Sitzungen der Arbeitsgemeinschaften nach § 78 SGB VIII deutlich. 3. Ziel der Vorlage Mit dieser Vorlage werden mehrere Zielrichtungen miteinander verbunden. So ist mit der Durchführung der Projekte die Erwartung verknüpft, dass die teilnehmenden Eltern in ihrer Erziehungs- und Bindungsfähigkeit so unterstützt werden, dass in späteren Jahren der Hilfe- bedarf der Eltern und ihrer Kinder geringer ist, als wenn sie nicht an einem Angebot des Modellpro- jekts teilgenommen hätten. Dieser Überlegung liegt die These zugrunde, dass durch eine verbes- serte Erziehungs- und Bindungsfähigkeit die Chancen für ein gesundes Aufwachsen der Kinder erheblich steigen. Ob dieser Effekt sich auch finanziell nachweisen lässt – im Sinne geringerer Ausgaben im Bereich der stationären Hilfen zur Erziehung –, ist schwierig vorherzusagen. Daher sollen im Rahmen der Evaluation die individuellen Entwicklungsverläufe erfasst und die Wirkung der Angebote auf die individuellen Entwicklungsverläufe überprüft werden. Ein weiteres zentrales Ziel dieser Vorlage ist es jedoch auch, innerhalb der drei Projektjahre ge- meinsam mit den beteiligten Trägern im Rahmen eines Qualitätszirkels ein Grundsatzpapier für einen gelingenden präventiven Ansatz vor der Inanspr uchnahme von „kostenintensiven“ Hilfen im Bereich der Heimerziehung oder sonstigen Hilfen in Münster zu entwickeln. 4. Eingrenzung des Themenfeldes Da Prävention ein allumfassendes Thema ist, sollen in einem ersten Schritt Angebote ausgewählt werden, die sich an Eltern in unterschiedlichen Lebenssituationen wenden, die Fragen zu Erzie- hungsunsicherheiten haben. Dies ist unabhängig von sozialen Schichten, ein immer stärker auftre- tendes Elternthema. 5. Das Modellprojekt Das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien initiiert gemeinsam mit freien Trägern der Jugendhil- fe ein dreijähriges Modellprojekt verschiedenster Konzeptansätze für unterschiedliche Zielgruppen. An dem Modellprojekt nehmen fünf Träger mit vier unterschiedlichen Angeboten teil (siehe Anlage 2). Folgende Träger sind mit ihrem jeweiligen Angebot am Modellprojekt beteiligt: − Deutscher Kinderschutzbund „Starke Eltern - Starke Kinder“: gewaltfreie Erziehung durch Stär- kung der Erziehungskompetenz der Eltern − Caritasverband „Elterntraining für Mütter mit kleinen Kindern in Münster Süd-Ost“: Vermittlung basaler Erziehungsfähigkeiten − Anna-Krückmann Haus „Sure Start“ (gemeinsames Projekt mit dem Haus der Familie): Förde- rung der Babies und Kleinkinder über die Stärkung der Mutter-Kind-Beziehung - 4 - − Haus der Familie „Sure Start“ (gemeinsames Projekt mit dem Anna-Krückmann-Haus): Förde- rung der Babies und Kleinkinder über die Stärkung der Mutter-Kind-Beziehung − Beratungsstelle Südviertel e. V . „Präventionsgruppe für schwangere und minderjährige Mütter und deren Kinder“: Schulung und Unterstützung der jungen Mütter in und bei der Versorgung ihrer Kinder Die Angebote haben zum Ziel, die Erziehungs- und Bindungsfähigkeit der Eltern zu stärken und richten sich im Schwerpunkt an sozial Benachteiligte, aber auch an Eltern mit allgemeinen Erzie- hungsunsicherheiten. 5.1 Finanzierung der ausgewählten Projekte Für die Finanzierung de r fünf ausgewählten Projekte sollen für den Zeitraum von drei Jahren be- ginnend zum 01.08.2005 jährlich 76.200 € aus der HHSt. 4551.770.0000.X (Heimerziehung, sons- tige betreute Wohnformen) zur Verfügung gestellt werden. Im Haushaltsjahr 2005 wird die HHSt. aufgrund des Projektbeginns im August somit mit 50.000 € belastet. Der bereitzustellende Betrag kann sich ggf. noch reduzieren, da für das Projekt des Anna- Krückmann-Hauses und des Hauses der Familie parallel ein Finanzierungsantrag bei der Aktion Mensch gestellt wurde. Eine Entscheidung hierüber wird im August 2005 erwartet. 5.2 Familie im Wandel Durch den demographischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandel haben sich tief grei- fende Veränderungen vollzogen und vollziehen sich auch weiterhin. Diese Veränderungen zeigen sich auch im Alltag von Familien. Der Familienalltag gestaltet sich zunehmend komplexer. Neben einem hohen Maß an Freiheit und Selbstbestimmung, welches Familien einen zuvor nie gekannten Gestaltungsspielraum eröffnet, ist das alltäglic he Leben auch durch den Verlust von Strukturen, Grenzen, Werten und tradierten Rollenbildern gekennzeichnet. Soziale und emotionale Unterstüt- zungsräume wie z. B. die Großfamilie und nachbarschaftliche Kontexte stehen weitaus weniger zur Verfügung. Der Familienbegriff hat sich gewandelt. Eltern, die mit ihren Kindern gemeinsam eine Familie bilden, Alleinerziehende und die Patchworkfamilie sind heute bekannte familiäre Lebens- formen. In ihrer Familie erfahren Kinder grundlegende Werte und Einsichten über menschliche Beziehun- gen, den Umgang miteinander, über Verantwortung und soziales Lernen. Die in der Familie erfah- renen Bindungen, Orientierungen und Kompetenzen sind entscheidende Grundlage für die Per- sönlichkeitsentwicklung. Im Hinblick auf die Bewältigung des Familienalltags zeigen sich Familien kreativ und belastbar, aber manchmal auch über fordert und unsicher. Gerade in sensiblen Le- bensphasen, wie z. B. der Familiengründung, der Gestaltung elterlicher Partnerschaft, der Ein- schulung etc. werden Wünsche nach Unterstützung und Begleitung benannt. Eltern nutzen vielfach außerfamiliäre Angebote, damit sie ihre Handlungskompetenz zur Gestaltung des familiären Zu- sammenlebens erweitern. 5.3 Familie in Münster (Zahlen/Fakten, Stichtag: 31.12.2004) Anzahl der Personen in der Stadt Münster insgesamt Anzahl der Kinder (0-17 Jahre) Anzahl der Haushalte Paare mit mindestens einem Kind Allein Erziehende mit mindestens einem Kind 1 2 3 4 5 270.971 44.384 142.026 19.432 6.969 - 5 - 5.4 Präventive Ansätze in Münster Das SGB VIII definiert die rechtlichen Grundlagen für Beratungs- und Unterstützungsleistungen. Im Sinne eines präventiven Ansatzes bedeutet dies, El tern frühzeitig Hilfe und Unterstützung bei der Ausübung ihrer Rolle anzubieten. Prävention beinhaltet neben dem Vorhalten vielfältiger Angebote den Anspruch, diese sinnvoll miteinander zu verk nüpfen. Prävention ist in diesem Sinne eine rechtzeitige Intervention. Unterscheidet man zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention, so umfasst 1. primäre Prävention eine Orientierung auf lebenswerte, stabile Verhältnisse, gelingendes Erzie- hungsgeschehen 2. die sekundäre Prävention eine vorbeugende Hilfe in Situationen, die belastend sind und die sich zu Krisen auswachsen können, und 3. die tertiäre Prävention eine Hilfe in Situationen, die bereits durch eine Krise gekennzeichnet ist. Durch die Vielfalt von Beratungseinrichtungen, Familienbildung und sonstigen Unterstützungsan- geboten für Eltern sind präventive Ansätze in Münster vielerorts bereits realisiert. Zahlreiche Trä- ger bieten präventive Angebote für Familien an. Sie nehmen die Bedürfnisse und den Hilfebedarf von Kindern, Jugendlichen und Eltern wahr und sind in der Ausgestaltung ihrer Angebote deutlich daran orientiert, familiäres Zusammenleben zu verbessern und elterlichen Handlungs- und Kompe- tenzzuwachs zu realisieren. 5.5 Struktur des Modellprojekts Das aufgezeigte Modellprojekt wurde von den benannten Trägern konzipiert. Der Projektzeitraum erstreckt sich über drei Jahre. Start des Modellprojekts ist der 1. August 2005. Die beteiligten Trä- ger kommen aus dem Feld der Familienförderung/-beratung nach den §§ 16 ff. SGB VIII und besit- zen somit spezifisches Wissen zum Thema Präventi on. Es handelt sich um zwei Familienbildungs- stätten und drei Beratungsstellen. Alle Träger beteiligen sich mit einem Eigenanteil an der Finan- zierung der Projekte. Die Angebote sind im sekundär- und tertiärpräventiven Bereich anzusiedeln. Die Träger bedienen sich unterschiedlicher methodischer Ansätze. Alle Angebote sind als Grup- penangebot konzipiert. Die Zielgruppe soll möglichst frühzeitig erreicht werden. Drei Angebote sprechen als Zielgruppe auch Mütter mit Säuglingen an . Wirksame und somit erfolgreiche Präventionsprogramme müssen ebenfalls hohen Qualitätskrite- rien standhalten. Bei der Auswahl der Projekte wurden fünf zentrale Qualitätskriterien zugrunde gelegt, die der folgenden Übersicht zu entnehmen sind: − Frühzeitigkeit; die Programme setzen frühzeitig ein. − Differenzierung und Systemspezifizierung; di e Programme sind an die spezifischen Fragen, Bedürfnisse und Problemlagen der Zielgruppen angepasst. − Nachhaltigkeit; Prävention setzt einen langfristigen Ansatz voraus. − Emotionalität; lernen allgemein und soziales Lernen im Besonderen ist immer dann effektiv und wirksam, wenn die Emotionen der Adressaten beteiligt sind. − Evaluation; zur Sicherung der Qualität von Präventionsprogrammen ist eine fundierte Evaluati- on wichtig. 5.6 Qualitätszirkel in der Modellphase Unter Federführung des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien wird ein Qualitätszirkel mit den beteiligten Trägern eingerichtet. Ziel ist es, die Arbeit der Träger zu begleiten, einen gemein- samen Erfahrungsaustausch anzuregen und Perspek tiven gelingender präventiver Arbeitsansätze - 6 - für Münster herauszuarbeiten. Hierbei sollen u. a. neue frühzeitige Zugangswege zur Zielgruppe gefunden und ausprobiert werden. Anknüpfungspunkte bieten dabei auch aktuelle, wissenschaftli- che Erkenntnisse zu präventiven Arbeitsansätzen wie das Modellprojekt „Soziale Frühwarnsyste- me in NRW“. Die Erkenntnisse aus der Qualitätszirkelarbeit sollen sich in der Berichterstattung an den Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien niederschlagen. 5.7 Evaluation Um Projektmaßnahmen zu identifizieren, die sich bewähren und diese in die kommunale Regel- praxis zu überführen, ist ein reflexives und konzeptionelles Vorgehen erforderlich. Dabei sind nicht nur die Ergebnisse der Einzelprojekte von Bedeutung, sondern ebenso wichtig ist eine stetige Be- trachtung des Projektfortgangs. Zur Erfassung und Sicherung der Qualität der ausgewählten Prä- ventionsprogramme soll eine fundierte prozessbegleitende Evaluation durchgeführt werden. Ange- zeigt ist zunächst die Durchführung einer „formativen Evaluation“, dies meint eine Evaluation wäh- rend eines Projektverlaufs. Nach Ablauf der Projektlaufzeit sollen dann mit Hilfe einer „summativen Evaluation“ die Ergebnisse auf ihren Erfolg hin überprüft werden. Der Evaluationsansatz soll dabei so ausgestaltet werden, dass sowohl aus der Sicht der Adressat/innen als auch der Fachkräfte die Qualität der Angebote und deren Ertrag erfasst wird. Mögliche Kriterien für die Überprüfung der Wirksamkeit der Projekte sind: − Verbesserung der Lebensqualität der Eltern mit ihren Kindern − Verbesserung der Förderung und Erziehung der Kinder − Früherkennung von Krisen − Hilfe in Krisen − Entwicklung von persönlichen Ressourcen und sozialen Kompetenzen − Erhöhung gewaltfreier, sozialer Konfliktlösungskompetenzen Die Evaluation eines schon begonnenen Präventionspr ojektes „Präventionsgruppe für schwangere und minderjährige Mütter und deren Kinder“ der Beratungsstelle Südviertel e.V. liegt seit Mai 2004 vor. Parallel zu dieser Vorlage wurde die textliche Fassung des o. a. Berichts versandt. Die ge- wonnenen Erkenntnisse sollen in die Qualitätszirkelarbeit aufgenommen werden. An diesem Bei- spiel wird die Nützlichkeit von Evaluationsverfahren deutlich, denn nur so lassen sich der fachliche und der wirksame Einsatz von finanziellen Ressourcen nachweisen. 6. Weiteres Verfahren Das dreijährige Modellprojekt bietet die Chance, präventive Arbeitsansätze in Münster sichtbar zu machen, zu stärken und fachlich zu qualifizieren. Im Sinne eines zeitgemäßen Präventionsver- ständnisses bedeutet dies auch, effektive und effiziente fachliche Ansätze zu identifizieren. Mit Anwachsen der gesellschaftlichen Komplexität bei gleichzeitiger Verknappung der öffentlichen Mittel muss die Jugendhilfe nach neuen Lösungs- und Unterstützungsformen für Kinder, Jugendli- che und Familien in Münster suchen. Der Ansatz, frühzeitig die Erziehungs- und Bindungsfähigkeit der Eltern zu stärken, ist dabei viel versprechend. Über das Ergebnis der Evaluation des fachlichen Controllings wird dem Ausschuss je nach Fort- schritt der Projekte berichtet. I. V. gez. Dr. Klein
Projektbericht
74160 Zeichen
Bericht über das Projekt
"Präventionsgruppe für schwangere und
minderjährige Mütter und deren Kinder"
der Erziehungsberatungsstelle
Südviertel e.V.
Verfasserinnen: Irmgard Köster-Goorkotte
Leiterin der Erziehungsberatungsstelle Südviertel e. V.
Petra Gittner
Fachliches Controlling und Planung der Hilfen zur Erziehung
im Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster
Münster, Mai 2004
2
Impressum
Herausgeber : Der Oberbürgermeister der Stadt Münster
Amt für Kinder, Jugendliche und Familien
in Koperation mit der
Beratungsstelle Südviertel e. V. für Kinder, Jugendliche und
Erwachsene
Redaktion : Petra Gittner, Iris Bäumker, Stadt Münster
Irmgard Köster-Goorkotte, Beratungsstelle Südviertel e. V.
Mai 2004, 250
3
Inhalt
Vorwort ..................................................................................... 4
Einleitung.................................................................................. 5
Projektkonzeption ..................................................................... 6
Zur Bedarfslage ...................................................................................................................6
Präventionsprogramm für junge Mütter und junge schwangere Frauen..............................7
Feinkonzept............................................................................... 9
Projektevaluation .....................................................................21
Vorbemerkungen ...............................................................................................................21
Teil I: Soziodemografische Daten und Angaben zu den Müttern ......................................22
Teil II: Ausgangslage und Problemsituation ......................................................................26
Teil III: Sozialpädagogische Maßnahmen, Hilfeverlauf und Kooperation mit
KSD/Fachdiensten.............................................................................................................32
Teil IV: Einschätzung der Belastungen bei Projektstand 1 Jahr/Projektende....................36
Zusammenfassende Bewertung der Fragebogen-Evaluation ...........................................39
Selbstevaluation junge Mütter ..................................................41
Ziele der Selbstevaluation .................................................................................................41
Methodischer Ansatz .........................................................................................................42
Ablauf und Ergebnisse.......................................................................................................42
Zusammenfassung der Ergebnisse und Konsequenzen...................................................44
Gesamtbewertung und weiteres Verfahren ................................45
Anlage......................................................................................47
4
Vorwort
Sehr geehrte Damen und Herren!
Das Amt für Kinder, Jugendliche und Familien stellt mit dem vorliegenden Bericht die Ar-
beit und die Ergebnisse des Projektes "Präventionsgruppe für schwangere und minderjäh-
rige Mütter und deren Kinder" vor. Grundlage dieses Berichtes ist ein auf mehrere Jahre
angelegtes Präventionsprojekt, das von der Beratungsstelle Südviertel e.V. in Kooperation
mit dem Amt für Kinder, Jugendliche und Familien in der Stadt Münster durchgeführt wird.
Mit der beschriebenen Projektkonzeption soll der Situation minderjähriger und junger
Mütter (Alter 14 bis 21 Jahre bei Schwangerschaft und Geburt des ersten Kindes) Rech-
nung getragen werden. Diese befinden sich häufig in einer schwierigen und teilweise ü-
berfordernden Alltagssituation. Ihnen fehlen oftmals sozial unterstützende Beziehungen.
Hinzu kommen materielle Belastungen, vor allem dann, wenn der Lebensunterhalt durch
Sozialhilfeleistungen bestritten wird. Die jungen Mütter haben durch die Entscheidung für
die frühe Mutterschaft in der Regel ihre Schul- oder Berufsausbildung noch nicht abge-
schlossen. Ihre Chance eine dauerhafte, gesicherte Beschäftigung zu finden, wird durch
die Verantwortung für das Kind stark vermindert. Diese schwierigen Bedingungen wirken
sich oftmals auf die Beziehungen der Mütter zu ihren Kindern aus.
Frühe und präventive Angebote für minderjährige und junge Mütter sind zur Verhinderung
der beschriebenen Belastungs- und Risikofaktoren dringend angezeigt. Um die Betroffe-
nen zu erreichen, sind besondere Konzepte und Angebote erforderlich. Die Ergebnisse
zeigen, wie für Mütter und Kinder frühzeitig wirksame, niedrigschwellige Unterstützung
geleistet werden kann.
gez. Anna Pohl
Leiterin des Amtes für
Kinder, Jugendliche
und Familien
5
Einleitung
In den letzten Jahren zeichnet sich ab, dass die Zahl der Schwangerschaften/ Mutter-
schaften minderjähriger Mädchen und sehr junger Frauen in Münster wie auch auf Lan-
des- und Bundesebene wieder ansteigt. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl der Fälle
um Mädchen und Frauen aus - oft seit Generationen - armutsbelasteten Familien.
Der Hilfebedarf ergibt sich einerseits aus den Lebenslagen der minderjährigen Mäd-
chen/jungen Frauen. Für sie entstehen durch die sozioökonomischen Bedingungen Be-
nachteiligungen und Ausgrenzungen. Andererseits sind mit einer frühen Schwangerschaft
und Mutterschaft im Jugendalter, Ansprüche auf Unterstützungs- und Hilfeleistungen aus
dem SGB VIII abzuleiten. Beide Aspekte begründen einen Hilfebedarf, dem nur durch
langfristig angelegte Hilfe- und Unterstützungsleistungen der freien und öffentlichen Ju-
gendhilfe nachhaltig entsprochen werden kann.
Der nun vorliegende Bericht beschreibt das Projekt "Präventionsgruppen für minderjährige
schwangere, junge Mütter und deren Kinder" das von der Beratungsstelle Südviertel e.V.
in Kooperation mit dem Amt für Kinder, Jugendliche und Familien in der Stadt Münster
durchgeführt wurde. Konzeption und Inhalte dieser Projektarbeit, der Verlauf der Arbeit
und die Evaluation der Ergebnisse werden in den folgenden Ausführungen dargestellt.
Die Zielgruppe des Projektes wird in den folgenden Beschreibungen unterschiedlich be-
nannt (Mädchen, junge Mütter, Auszubildende etc.). Hintergrund dafür ist, dass mit den
unterschiedlichen Beschreibungen die Komplexität der Rollenerwartungen, mit denen die
Projektteilnehmerinnen konfrontiert sind, verdeutlicht werden soll.
6
Projektkonzeption
Präventionsgruppen für minderjährige schwangere, junge Mütter
und deren Kinder (Stand: Juli 2002)
Zur Bedarfslage
Die Anzahl der minderjährigen jungen Mütter nimmt im Südviertel - insbesondere im Be-
reich des statistischen Bezirks "Schützenhof “ - wieder zu. Bereits in den 70er und 80er
Jahren war die Anzahl sehr junger Mütter mit einem oder mehreren Kindern in diesem
Wohngebiet sehr hoch. Seinerzeit wurden mehrjährige Präventionsgruppenprogramme für
junge Mütter und für jugendliche Mädchen konzipiert und durchgeführt.
Die Ergebnisse zeigten seinerzeit, dass
1. die jungen Frauen, die bereits Mutter waren und in ihrer Lebensplanung begleitet wur-
den und dadurch ihrer Erziehungs- und Versorgungsaufgabe verantwortlich nach-
kommen konnten. Dieses umfasste auch den bewussten Umgang mit der Entschei-
dung bzgl. weiterer Schwangerschaften.
2. die jugendlichen Mädchen an ihren Lebensentwürfen unter Begleitung gearbeitet ha-
ben. Eine Schwangerschaft und Mutterschaft als Mittel zur Verselbständigung stand
nicht mehr im Mittelpunkt. Stattdessen wurde eine aktive prozessuale Lebensplanung
angestrebt. In der Priorisierung der Ziele im Rahmen der Lebenswegplanung stand bei
den betroffenen Mädchen an erster Stelle ein Schulabschluss. Im Anschluss daran
war eine Ausbildung und/oder Arbeitsaufnahme mit dem Ziel der eigenständigen E-
xistenzsicherung vorgesehen. Der Bezug einer eigenen Wohnung (Autonomie) und
der Aufbau und die Entwicklung einer Partnerschaft wurden als weitere Ziele benannt.
An das Ende dieser Entwicklungskette setzen die Mädchen den Wunsch, eine Familie
zu gründen. Das heißt; dieser Schritt sollte nach ihrem Wunsch zwischen dem 23. und
25. Lebensjahr umgesetzt werden.
In den 90er Jahren wurden in dem Wohngebiet nur noch wenige Einzelfälle bekannt, die
aufgrund früher Schwangerschaft und Mutterschaft, Hilfebedarfe nach sich zogen.
Zurzeit vollzieht sich diesbezüglich wieder ein Wandel. Einerseits ist dieser mitbedingt
dadurch, dass die Präventionsarbeit für nachwachsende junge Mädchen nicht konsequent
weiter durchgeführt werden konnte. Andererseits bedeuten die finanziellen Anreize der
Bundesregierung zur Steigerung der Geburtenrate (Kindergeld, Erziehungsgeld) im sub-
jektiven Erleben armer und benachteiligter Frauen und Mädchen eine Einkommenssiche-
rung und damit einhergehende - vermeintliche - Autonomie.
In unserer Beratungsstelle gab und gibt es direkte Anfragen nach Unterstützung von jun-
gen Müttern im Alter von 13 - 19 Jahren. Durch die Kooperation mit dem Kommunalen
7
Sozialdienst, des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien haben wir von weiteren
jungen Frauen im Südviertel in ähnlichen Lebenslagen Kenntnis erhalten.
Diese jungen Frauen/Mädchen weisen gemeinsame Merkmale in ihrer Lebensentwicklung
auf:
Sie stammen aus Ursprungsfamilien, die in vorhergehenden Generationen von Ob-
dachlosigkeit betroffen oder bedroht waren.
Sie haben keine qualifizierte Schulausbildung,
Sie haben keine Ausbildung, keinen Arbeitsplatz.
Sie verfügen i. d. R. über kein eigenes Einkommen und
Sie wohnen bei den Eltern (unter beengten Verhältnissen).
Durch die Schwangerschaft haben sie ein Anrecht auf eine Wohnung sowie laufende
Hilfe zum Lebensunterhalt.
In ihrem sozialen Umfeld erhalten sie Anerkennung, Fürsorge, Wertschätzung - ihr
sozialer Status ändert sich.
Präventionsprogramm für junge Mütter und junge schwangere Frauen
Zielgruppe:
8 - 10 jugendliche schwangere Frauen, Mütter und deren Kinder.
Ziele:
Diese Präventionsarbeit ist langfristig angelegt. Die jungen Mütter sollen sich durch konti-
nuierliche Teilnahme an den Gruppenangeboten
- sozial binden,
- in ihren Fähigkeiten erfahren und diese weiterentwickeln,
- unterstützt und begleitet fühlen,
- eine Identität als Jugendliche/ Mutter/Auszubildende entwickeln,
- im eigenen Umfeld vernetzen können.
Die Teilnahme an der Gruppenarbeit soll ihnen eine Alltagsstrukturierung erleichtern. Ih-
nen sollen Erziehungs- und Versorgungskompetenzen vermittelt werden. Die kontinuierli-
che Sicherung der Beratungsräume soll den jungen Müttern eine bewusste Lebenspla-
nung ermöglichen. Die Arbeit im Projekt verfolgt das Ziel, für die Kinder gesunde Ent-
wicklungsbedingungen zu sichern.
Die methodische Arbeit ist so angelegt, dass jeweils Gesprächsabende und ein „prakti-
scher“ Abend im Wechsel durchgeführt werden. Die Inhalte der Gruppenabende sind ritu-
alisiert gestaltet. Mit den Teilnehmerinnen werden die Gruppenregeln gemeinsam erar-
beitet und fortgeschrieben. Die Planung der Gruppenthemen mit den jungen Müttern er-
folgt jeweils für ein halbes Jahr im Voraus. Freigewordene Gruppenplätze z. B. durch
Wegzug, können durch neue Teilnehmerinnen belegt und genutzt werden.
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Inhalte:
Vermittlung von Wissen = Bildung
Erziehungs- und Versorgungsfragen
Alltagsorganisation /-gestaltung
Lebens-/Berufsplanung
Ablösung vom Elternhaus / Verselbständigung
Gesundheitsvorsorge /-pflege
Sexualität (Aufklärung / Verhütung)
Partnerschaftsentwicklung
Familienplanung
Vermittlung von handwerklichen und praktischen Fähigkeiten
Sozialformen - Gruppenarbeit (Frauengruppe / Mutter-Kind-Gruppe)
- Einzelberatung in der Gruppe
- sozialpädagogische Einzelfallbetreuung
Methoden - Gesprächskreise
- Selbsterfahrung
- Rollenspiele
- Teilnahme an Kursen in Familienbildungsstätten
- Bildungsfahrten
- Werken und Basteln
- Aktivitäten zur Freizeitgestaltung
- Körperarbeit
Angebotsrahmen - 1x wöchentlich Gruppenabend (2 Stunden)
- 1x wöchentlich Mutter-Kind-Spielgruppe (vormittags/2 Stunden)
- bei Bedarf: Hausbesuche, Begleitung bei Behördengängen
- Amtbesuchen, Familiengesprächen etc.
- 1x jährlich: Familienbildungsfreizeit (1 Woche)
Personalbedarf - 1 berufserfahrene Fachfrau
(Dipl. Soz. Päd. u. Familientherapeutin)
- 1 Praktikantin
- 1 Projektleiterin
(Dipl. Soz. Päd., Kinder- u. Jugendlichen Psychotherapeutin)
Raumbedarf Gruppenraum, Werkraum, Spielzimmer, Küche
Vernetzungsebenen Amt für Kinder, Jugendliche und Familien, Familienbildungsstät-
ten, Arztpraxen, Hebammen, Beratungsstellen, SKF e.V. Münster
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Feinkonzept
Wie viel Teilhabe braucht die Armut? – Ein Praxisprojekt
Das Angebot "Präventionsgruppe für minderjährige schwangere Mädchen, junge
Mütter und deren Kinder" wird in Zusammenarbeit mit dem Amt für Kinder, Jugendliche
und Familien in Münster seit Dezember 2002 durchgeführt. Die praktische Umsetzung
erfolgt im Rahmen zweier Gruppenangebote (Müttergruppe/Mutter-Kind-Gruppe), die je-
weils einmal wöchentlich stattfinden.
Grundlage für dieses Projekt sind die Lebenslagen der jungen Mütter und ihrer Kinder,
aus denen ein Anspruch auf Hilfen nach §§ 27 ff. SGB VIII abzuleiten ist.
Der Hilfebedarf ist einzelfallbezogen auf drei Ebenen gegeben:
1. für die Jugendlichen, die aus mehrfach belasteten Familienverhältnissen
stammen und für sich selbst schon kompensatorischer Hilfen bedürfen
2. für sie als i.d.R. allein erziehende Mütter, die noch Jugendliche sind und unter
schwierigsten Bedingungen ein Kind aufziehen und erziehen sollen.
3. für ihre Kinder, die auf diesem familiären Hintergrund ebenso hilfebedürftig
sind.
Gruppen-
konzeption
Rechtsan-
spruch
gem. SGB
VIII
Lebensla-
gen der
Mütter/
Kinder
Gruppenarbeit
Mütter Mütter
& Kinder
Ressource
Erziehungs-
beratung
§§ 28,29
SGB VIII
10
Altersstruktur der betreuten jungen Frauen und ihrer Kinder 1 (Stand April 2003)
1 Die grafischen Darstellungen sind so angelegt, dass Rückschlüsse auf Namen und Person der Teil-
nehmerinnen entsprechend dem Gebot der Schweigepflicht nicht möglich sind.
9
Mon.
19 Jahre
6 Mon.
schwan-
ger
14 Jahre
21 Jahre
8
Mon.
11
Mon.
23 Jahre
2 Jahre
1 Mon.
1
Jahr
21 Jahre
3
Jahre
3
Jahre
15 Jahre
5
Mon.
18 Jahre
16 Jahre
11
Sozialer Status der Kindesmutter
Schulabschluss, Ausbildung, Sozial-
hilfebezug, Erziehungsgeld, eigene
Wohnung, Kontakt zum Kindesvater
Schulabschluss, ohne Ausbil-
dung, Sozialhilfebezug, Erzie-
hungsgeld, eigene Wohnung
mit Partner
ohne Schulab-
schluss, ohne
Ausbildung,
Sozialhilfebezug,
Erziehungsgeld,
eigene Wohnung
mit Vater
ohne Schulab-
schluss, ohne
Ausbildung,
Sozialhilfebezug,
Erziehungsgeld,
eigene Wohnung
mit Partner, kein
Kontakt zum
Kindesvater
sporadischer
Schulbesuch,
LB-Schule, lebt
bei Eltern, kein
Kontakt zum
Kindesvater
ohne Schulabschluss,
ohne Ausbildung, Sozial-
hilfebezug, Erziehungs-
geld, alleinerziehend,
eigene Wohnung, Vater-
schaft ungeklärt
ohne Schulab-
schluss, ohne Aus-
bildung, Sozialhilfe-
bezug, Erziehungs-
geld, Wohnung ge-
meinsam mit Vater,
Partnerschaft mit
Kindesvater
spor. Hauptschulbe-
such, Sozialhilfebe-
zug, lebt bei Mutter,
intakte Partnerschaft
mit Kindesvater
12
Sozio-ökonomische Belastungen und Risiken der Herkunftsfamilie
Mutter: Angestellte
Vater: Arbeiter
Geschwister: 2
Mutter: Armutsfamilie mit 8 Kindern, o. Schulab-
schluss, o. Ausbildung, Sozialhilfebezug
Vater: obdachlose Herkunftsfamilie m. 6 Kin-
dern,
o. Schulabschluss, o. Ausbildung, Arbeiter
Geschwister: 2 (Bruder/Schwester)
Mutter: obdachlose
Herkunftsfamilie,
o. Schulabschluss,
o. Ausbildung
Vater: unbekannt
Mutter: obdach-
lose Herkunfts-
familie mit 8
Kindern, o.
Schulabschluss,
o. Ausbildung,
Sozialhilfebezug
Vater: obdachlo-
se Herkunftsfa-
milie m. 11 Kin-
dern, o. Schul-
abschluss, o.
Ausbildung,
Arbeiter
Geschwister:
1 Schwester
Mutter: o. Schulab-
schluss, o. Ausbildung,
Hilfsarbeiterin
Vater: obdachlose Her-
kunftsfamilie
mit 13 Kindern, o. Schul-
abschluss, o. Ausbil-
dung, Hilfsarbeiter
Geschwister:
3 Schwestern
Mutter: obdachlose Her-
kunftsfamilie mit 11 Kin-
dern, o. Schulabschluss,
o. Ausbildung, Sozialhil-
febezug.
Vater: englischer Soldat,
unbekannt
Geschwister: 5
Mutter: o. Ausbil-
dung,
Sozialhilfebezug,
getrennt lebend
Vater: langzeitar-
beitslos, chronisch
krank, Sozialhilfebe-
zug
Geschwister: 1
Mutter: Aussiedlerin,
o. Schulabschluss,
o. Ausbildung, Gele-
genheitsarbeiterin/
Sozialhilfe
Vater: Arbeiter
Geschwister: 6
13
Als Ergebnis lässt sich generalisierend feststellen, dass die jungen Mütter und somit auch
ihre Kinder mehrfach benachteiligt sind bezogen auf:
· Einkommen ( Versorgungsmöglichkeiten der Mütter, Versorgungslagen der
Kinder)
· Bildungshintergrund ( eingeschränkter Lern- und Erfahrungsspielraum)
· Beziehung zu Gleichaltrigen ( Wegbrechen dieser sozialen Netze durch die
Mutterschaft)
· Wohnsituation (Einschränkung von Rückzugs- und Regenerationsmöglichkeiten)
· Entscheidungs- und Planungsautonomie ( generationsbezogene Abhängig-
keitsmuster). 2
Die Mehrzahl der jungen Mütter hat in der eigenen Kindheit (emotionale) Vernachlässi-
gung und (sexuelle) Gewalt erfahren. Sie stehen vor der Aufgabe, neben den sozioöko-
nomischen Einschränkungen und deren Folgen auch die in der jeweils individuellen Bio-
grafie begründeten Risikofaktoren in der Erziehung zum Wohl ihrer Kinder möglichst gut
zu kompensieren. Erschwerend kommt hier hinzu, dass die jungen Mütter sich in einer
Lebensaltersphase befinden, die Erziehungsreife nur bedingt sichert.
Trotz der beschriebenen strukturellen, innerfamiliären und individuellen Einschränkungen
verfügen die Mütter über ein Potential an Ressourcen:
· die Liebe zu ihrem Kind
· ihre Bindungsbereitschaft
· den Wunsch, (nach) zu lernen
· (oft große) familiäre/ verwandtschaftliche Netze
Sie stehen vor der - ungeübten - Aufgabe
· die Liebe zu ihrem Kind in tätiges Handeln umzusetzen (Versorgung, Förderung,
Schutz)
· sich über ihr Tun an ihr Kind zu binden/ das Kind an sich zu binden
· Wissen zu erwerben, wie dies gelingen kann
· die Ressourcen ihrer Herkunftsnetze zu nutzen
Um sie bei dieser Aufgabe und in der eigenen Lebensplanung zu unterstützen, orientiert
sich die Gruppenarbeit an folgenden Richtzielen:
· Implementierung von Schutz im Alltag
- für die Kinder
- für die Mütter
· Sicherung einer Teilhabe an gesellschaftlichen Bildungsräumen
- Kindertagesstätten
- Schulen
- Hausaufgabenhilfen
2 vgl.: Zander,Margeritha 2002: Zeit zum Handeln – Was wir über Kinderarmut wissen In: Thema Ju-
gend, Zeitschrift für Jugendschutz und Erziehung Heft 4, 2002 Seite 4
14
- Präventions(kinder)gruppen
- Freizeitgruppen
- Familienbildungsstätten
· Sicherung einer kontinuierlichen Unterstützung im Alltag
- Versorgung
- Lebensplanung
- Erziehung/Förderung
- Krisen- und Konfliktbearbeitung
- Ablösung von der Herkunftsfamilie
Die professionelle Arbeit in den Gruppen orientiert sich an folgenden Prinzipien
bezogen auf die Grundhaltungen:
· Subjektstellung der Kinder und Mütter
· Freiwilligkeit der Entscheidung zur Teilnahme
· Ganzheitlichkeit des Angebotes und der Aktivitäten der Gruppe
· Allparteilichkeit der GruppenleiterInnen
bezogen auf das pädagogische Vorgehen:
· Prävention
· Ressourcen- und Selbsthilfestärkung
· Stärkung des persönlichen Wachstums in der Gemeinschaft
· System- und Lebensweltbezogenheit
bezogen auf die methodische Umsetzung:
· Erlebnis- und Handlungsorientierung
· Themenzentrierung
· Ergebnisorientierung
· Schaffung von Freiräumen und Schutzräumen.
Der präventive Ansatz wird in den pädagogischen Zielen verdeutlicht. Diese sind aus dem
Bedarf der Mütter und Kinder und aus ihrem Anspruch auf Hilfe abgeleitet. Hierbei handelt
es sich zunächst um die Auflistung der professionellen Ziele. Arbeitsauftrag und dessen
fachliche Umsetzung werden im Verlauf der Projektarbeit durch die Wünsche, Erwartun-
gen und Anliegen der Mütter sowie ihrer Kinder vervollständigt.
15
Die jungen Mütter sollen (sich) durch die Teilnahme an den Gruppenangeboten
sozial binden
ihre Fähigkeiten erleben und weiterentwickeln
eine Identität als Jugendliche-Mutter-Auszubildende entwickeln
ihre Erziehungs- und Versorgungskompetenzen ausbilden
möglichst sicher an ihre Kinder binden
im eigenen Umfeld vernetzen
in ihrer Lebensplanung und -gestaltung unterstützt
und begleitet fühlen
und mittelfristig
eigene Kindheitserfahrungen bearbeiten
mit diesen aussöhnen
beeinträchtigende Ambivalenzen ausgleichen können.
Die Kinder sollen durch die Gruppenangebote
möglichst sicher gebunden werden, an ihre Mütter und in einer öffentlichen Gruppe
angemessen versorgt werden
angemessen in ihrer Entwicklung gefördert werden
in ihren sozialen Kompetenzen mit anderen Kindern gefördert werden können.
Bedeutung für die Erziehungsberatung
Um die Wirksamkeit und Effizienz der Gruppenangebote für die Mütter, für ihre Kinder und
im Sinne des professionellen Auftrags sichern zu können, sind sowohl für die Aufbaupha-
se im Besonderen als auch für eine kontinuierliche Durchführung folgende Wirkfaktoren
von Bedeutung:
· Aufsuchende Arbeitsansätze
· Milieu- und Lebensweltkenntnisse
· Personenkontinuität
· Beziehungsqualität
· Kontinuität (Raum und Zeiten)
· Transparenz bzgl. professioneller Ziele und
· eine konsequente Ausrichtung des professionellen Handelns an den Zielen, Wün-
schen und Vorstellungen der jungen Mütter, später auch der Kinder.
16
Um den komplexen Anforderungen im Praxisalltag gerecht werden zu können, sind neben
einzelfallbezogenen pädagogischen, beraterischen und psychotherapeutischen Kompe-
tenzen zusätzliche professionelle Basiskompetenzen erforderlich, wie zum Beispiel:
· in der Analyse von Lebenswelten, Konflikten und komplexen Systemen
· im Umgang mit uns „fremden“ Menschen und Milieus
· in der Gesundheitsaufklärung
· in der Initiierung und Moderation von Lernprozessen in Gruppen
· in der Vernetzung, Kooperation, Koproduktion.
Im multiprofessionellen Team der regionalisiert arbeitenden Beratungsstelle Südviertel
e.V. sind diese Kompetenzen vorhanden.
Die Konzeptentwicklung für dieses präventiv ausgerichtete Gruppenprojekt basiert u.a.
auf fünf Thesen:
· Armut verhindert Bildung
· Armut grenzt aus
· Armut verursacht Gewalt
· Armut reproduziert sich permanent
· Armut wirkt transgenerativ
Zur Unterbrechung eines Kreislaufs von Armutsfolgen brauchen Kinder und Erwachsene,
die in Armut leben,
· „Dritte“ Personen und Systeme als Brücke zwischen Ausgrenzung und Teilhabe
· eine (Erziehungs-) Beratung mit anderen Methoden.
Dieses benötigen sie ein „Kinder-Leben-lang“.
Somit ist das beschriebene Gruppenprojekt auch nur ein Teil des langjährigen Gesamt-
konzeptes der Beratungsstelle Südviertel e.V. für in Armut lebende Familien in dieser
Stadt.
17
PRÄVENTIVE FAMILIENENTWICKLUNGSANGEBOTE FÜR ARMUTSFAMILIEN
hier: Zielgruppenorientierte Familienbildungs- und Präventionsarbeit für minderjährige und junge
Mütter mit ihren Kindern
Frauen-Mädchen-Gruppe
seit 01.2003
Jugendgruppe
geschlechtsspezifisch
Hausaufgabenbetreuung/
Lerngruppe
Familienbil-
dungsfreizeit
2003 und
Folgejahre
Mutter-Kind-Gruppe
seit 01.2003
Förderbedarf im
Einzelfall
Kindergruppe ab ca. 2005
18
Damit ein alltagsbegleitendes Gruppenprogramm in dieser langjährig geplanten Umset-
zung möglichst frei von „fürsorglicher Belagerung“ seitens der professionellen Hilfesyste-
me bleibt, ist Partizipation als Querschnittsaufgabe durchgängig zu sichern. Dieses kann
nur über die Ermöglichung einer Teilhabe der Mütter und Kinder (zukünftig) erfolgen.
· durch ihre Beteiligung an allen sie betreffenden Aushandlungs- und
Entscheidungsprozessen
· durch eine Erweiterung der Zugänge zum sozialen Leben
· durch eine Beteiligung an den Belangen der Zivilgesellschaft. 3
„Grundsätzlich geht es hierbei um die Frage, wie weitgehend der jugendlichen Mutter und
ihrem Kind Erfahrungs- und Handlungsoptionen offen stehen, wie viel Partizipation und
soziale Teilhabe ihnen möglich ist, wie weitgehend sie Gestaltungsspielräume nutzen
können“ 4 und in wie weit die Gruppenarbeit neue Räume eröffnet, so dass gemeinsames
(Nach-) Lernen möglich wird.
Dieser Frage im gemeinsamen Tun nach zu gehen und durch die jugendlichen Mütter
direkt – durch ihre Kinder indirekt – Antworten darauf zu erhalten, welche Handlungsspiel-
räume sie für sich zunächst erweitern wollen, setzt die Bereitschaft der pädagogischen
Fachkräfte voraus, die eigenen professionellen Fähigkeiten in den Dienst der anderen
Wünsche, Bedürfnisse und Ziele zu stellen. Das erfordert:
· kontinuierlich und gesichert einen Rahmen zu schaffen, in dem die Formulierung
dieser Wünsche, Bedürfnisse und Ziele permanent ermöglicht wird,
· daraus Arbeitsthemen für die Gruppentreffen abzuleiten und diese professionell aus-
zugestalten (Medien, Settings, Programmentwicklung, Vernetzung, Koproduktion etc.),
· diese gemeinsam immer wieder auszuwerten und prozesshaft miteinander weiter zu
entwickeln.
Darüber hinaus besteht das Erfordernis, Wünschen nach Veränderung und Unterstüt-
zung, die über den Rahmen der Gruppenarbeit hinaus gehen, Rechnung zu tragen. Um
dieses zu erreichen, ist die Einbeziehung anderer Institutionen z.b. Amt für Kinder, Ju-
gendliche und Familien, Sozialamt, Gesundheitsamt, Arztpraxen, Amt für Wohnungswe-
sen, Familienbildungsstätten etc. und aktive Überweisung ggf. auch Begleitung zu diesen
Institutionen und Einrichtungen angezeigt.
3 vgl.: von Salisch, Maria Dr. 2001: Statement zum Thema „ Partizipation“ aus entwicklungspsycholo-
gischer Sicht im Trialog – Beratungsstelle bei Familienkrisen, Trennung und Scheidung e.V. Jahresbe-
richt 2001, Münster
4 vgl.: Zander, Margeritha 2002: Zeit zum Handeln – Was wir über Kinderarmut wissen In: Thema Ju-
gend, Zeitschrift für Jugendschutz und Erziehung Heft 4, 2002, ebenda Seite 5
19
Die Bindungsbereitschaft der jungen/jugendlichen Mütter an ihre Kinder ist u.a. an der
regelmäßigen Teilnahme an den Gruppenangeboten ablesbar. Professioneller Auftrag ist
in diesem Zusammenhang, die Wissenserweiterung und den Wissenserwerb im gemein-
samen Tun so zu sichern, dass die jugendlichen Mütter den Prozess und die Ergebnisse
für ihre eigene Lebensplanung und Lebensgestaltung nutzen können. Darüber hinaus
sollen sie die vorhandene Liebe zur Tochter/zum Sohn in liebevolles und erzieherisches
Handeln umsetzen, einüben, reflektieren und permanent weiterentwickeln können.
Anhand zweier ausgewählter Beispiele soll dieses nachfolgend praktisch beschrieben
werden.
Beispiel 1:
Es war Wunsch aller Mütter, gemeinsam zu kochen. Die Kenntnisse und Fähigkeiten
sollten unter Berücksichtigung wirtschaftlichen Möglichkeiten, mit dem Ziel einer gesund-
heitsbewussten Ernährung für sich und ihr Kind, erweitert werden. Die Realisierung die-
ses Vorhabens, setzt neben der Beteiligung aller, Planung, Organisation und den passen-
den Raum (hier eine Küche) voraus. Eine nachhaltige Wirkung wird für die Mütter gesi-
chert, wenn über die Information und das „Lernen im Tun“ hinaus, die Situation so ges-
taltet ist, dass sie auch Freude, Spaß und Lust vermittelt. Antrieb für eine Übernahme in
den eigenen Alltag ist dann nicht nur das Wissen darum, wie es geht und wozu es dient,
sondern auch die Erinnerung an Lachen und gute Laune. Diese Erfahrungen können aus-
schlaggebend dafür sein, ob der Impuls zum „Schälmesser zu greifen“ auch zur Umset-
zung kommt oder dem Kind doch lieber eine „Milchschnitte“ gefüttert wird.
Beispiel 2:
In der ersten Bildungsfreizeit für Mütter und Kinder, erhielten die Mütter die Aufgabe, drei
Stichworte dazu zu benennen, was nach ihrem Wunsch ihr Sohn/ihre Tochter im Alter von
zwanzig Jahren erreicht haben sollte. Ein gemeinsames Ergebnis aller Mütter in dieser
Gruppenarbeitsphase wurde von ihnen wie nachfolgend aufgeführt formuliert:
„Er/sie soll einen anderen (besseren) Weg durch die Schule gemacht haben“
In dem Wissen darum, dass sie dieses nicht eigenständig erreichen können, entstand die
Formulierung eines Auftrags nach Unterstützung und Hilfe an die Gruppenleiterinnen, an
die Institution und an die öffentliche Jugendhilfe. Das Gelingen schulischen Lernens wird
nicht erst mit dem Eintritt in die Grundschule bedeutsam. Daher sind von diesem Wunsch
der jungen Mütter alle vorbereitenden und förderlichen Maßnahmen, wie die Unterstüt-
zung motorischer, geistiger und sozialer Entwicklung des Kindes sowie die Bedeutung
mütterlicher Fürsorge und Verantwortung für diesen Prozess abzuleiten. Diesem Auftrag
nachzukommen, erfordert von den GestalterInnen langfristiger Hilfepläne einiges mehr an
Kompetenzen und Verbindlichkeiten, als der Wunsch im ersten Beispiel. In der Konse-
quenz erfordert die Realisierung dieses Ziels längerfristige Begleitung.
20
Im Gruppenprozess der Mütter wechseln kindbezogene Themen, mit der Arbeit an der
Umsetzung eigener Wünsche und persönlicher Themen ab. Neben Gruppenabenden mit
Freizeitgestaltungscharakter und Informationsvermittlungsinhalten sind weitere Inhalte:
Genogramm-Arbeit, Zentrierung der eigenen Entwicklungsgeschichte und der zukünftigen
Lebensplanung sowie Körperarbeit.
In der Mutter-Kind-Gruppe steht die Anleitung zur unmittelbaren Beschäftigung mit dem
eigenen Kind im Mittelpunkt. Freude am gemeinsamen Tun (Singen, Basteln, Spielen,
Turnen, Essen...) zu vermitteln, einzuüben und Sicherheit zu entwickeln, ist fachliches
Ziel. Außerdem erhalten die Kinder einen Erfahrungsraum für den Umgang mit anderen
Kindern.
Die Gruppentreffen finden regelmäßig je einmal wöchentlich statt zur selben Zeit in ver-
trauten Räumen.
Es geht in dieser Arbeit auch um eine Identitätsentwicklung
· ICH als Jugendliche mit alterstypischen Wünschen und als Mutter eines Säuglings
· ICH als Lernende (Schule, Ausbildung) und als Mutter.
Das bringt eine permanente Gratwanderung zwischen Parteilichkeit und Allparteilichkeit
für die Gruppenleiterinnen mit sich:
Wie viel Einschränkung darf sein, ohne dass das Wohl des Säuglings gefährdet wird?
Wie viel Begrenzung dürfen die Mütter haben, ohne ihren Status als Alltags-Mutter zu
gefährden?
Was muss an (professioneller) Unterstützung wie lange erfolgen, damit Mutter und
Kind in dieser besonderen Lebenslage so gefördert werden, dass sie sich gesund ent-
sprechend der Normen, Werte und Traditionen ihres Milieus (weiter-)entwickeln kön-
nen?
Wie viel öffentliche und professionelle Verantwortung ist notwendig und hilfreich, um
beide so zu fördern und zu unterstützen, dass sie gute Chancen haben, als Kinder,
Jugendliche und später Erwachsene am sozialen Leben in unserer Gesellschaft teil-
haben, ein selbstverantwortetes Leben führen und dieses (möglichst eigenständig)
wirtschaftlich sichern und Verantwortung für gesellschaftliche Gestaltung in ihrem je-
weiligen Lebensrahmen mit übernehmen zu können?
Zu den Mitarbeiterinnen
Mitarbeiterinnen in diesem Projekt sind Carola Wissing, Dipl. Soz.-Pädagogin und Sys-
temische Familienberaterin und Julia Brinckmann, die ihr Praxishalbjahr im Rahmen
ihres Pädagogikstudiums in der Beratungsstelle abgeleistet hat und seitdem die Grup-
penarbeit mitgestaltet. Beide sind auch Mütter von Kleinkindern und über die fachliche
Qualifikation von Frau Wissing und die fachlichen Kompetenzen von Frau Brinckmann
hinaus, ist dadurch eine gute Grundlage für die Arbeit mit anderen Müttern gegeben.
21
Projektevaluation
Vorbemerkungen
Die nachfolgende Evaluation wurde vom Amt für Kinder, Jugendliche und Familien der
Stadt Münster durchgeführt.
Eine vertiefte Untersuchung des Projektes erfolgte vor folgendem Hintergrund:
Freie Träger (Schwangerschaftsberatung, Erziehungsberatungsstellen sowie Träger
von Hilfen gemäß § 19 sowie 27ff SGB VIII) erteilen vermehrt Rückmeldungen dazu,
dass ein Anstieg in der Altersgruppe der sogenannten „Jüngstmütter" zu beobachten
ist. In einer in 2002 durchgeführten Vollerhebung aller Fälle, in denen eine Hilfe ge-
mäß § 19 SGB VIII gewährt wurde, wurde im Ergebnis deutlich, dass mit dieser Hilfe
insbesondere Mütter im Heranwachsendenalter - 18-21 Jahre - erreicht wurden.
Im Rahmen der nunmehr vorliegenden Untersuchung der Projektarbeit der Beratungs-
stelle Südviertel e.V. sollte ermittelt werden, ob mit diesem niedrigschwelligen Ange-
bot auch jüngere schwangere Frauen und minderjährige Mütter frühzeitiger erreicht
werden können.
Im Rahmen der nunmehr vorliegenden Untersuchung sollten zudem Erkenntnisse zu
den Bedarfen der Zielgruppe, zu geeigneten Angebotsformen und der Wirkung der
angebotenen Hilfe gewonnen werden, die für die Jugendhilfeplanung genutzt werden
sollen.
In den nachfolgenden Ausführungen erfolgt zunächst eine Auswertung und Bewertung der
Fälle, in denen minderjährige Schwangere sowie junge Mütter im Jahr 2002/2003 an der
genannten Hilfe teilgenommen haben. Im zweiten Auswertungsteil werden die Ergebnisse
der Selbstevaluation der jungen Mütter dargestellt.
Für die Aus- und Bewertung der Falldaten wurde ein Fragebogen erstellt, mit dem ver-
tiefte Informationen zur Zielgruppe und den jeweiligen Fallhistorien erfasst werden konn-
ten. Die projektverantwortlichen Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle Südviertel e.V. füll-
ten die Fragebögen aus. Neben der Beantwortung der Fragebögen wurden in Einzelge-
sprächen mit der Leiterin der Beratungsstelle zahlreiche Anregungen und Erfahrungen,
die über die jeweiligen Einzelfälle hinausgingen, ausgetauscht. Diese sind weitestgehend
in das Gesamtpapier eingearbeitet worden.
Mit den Teilnehmerinnen und Betreuerinnen des Projektes wurde im November 2003 eine
Selbstevaluation durchgeführt. Konkret wurden im Rahmen einer Gruppensituation ver-
tiefte Fragestellungen mit den jungen Müttern bearbeitet.
Der Zugang zum Projekt wurde nicht über das Hilfeplanverfahren geregelt. Es war somit
keine Federführung in den Einzelfällen im Rahmen der Bezirkssozialarbeit des Kommu-
nalen Sozialdienstes gegeben. Eine Evaluation der Fallverläufe, der Ergebnisse und der
Kooperationsbezüge konnte daher nicht vorgenommen werden.
22
Teil I: Soziodemografische Daten und Angaben zu den Müttern
Untersuchungszeitraum und Rücklauf
Im Rahmen der Erhebung wurden Fallkonstellationen untersucht, in denen junge Mütter
am Projekt der Beratungsstelle Südviertel e.V. teilnahmen. Insgesamt wurden 11 Fälle
erfasst, von denen alle ausgewertet werden konnten. Die Datengrundlage bezieht sich
somit auf 11 Fälle.
Verteilung der Fälle nach Sozialbezirken
Bezirke Ausgewertete Fälle
Anzahl Anzahl in %
Mitte 7 63,6
West 0 0
Nord 3 27,3
Ost 1 9,1
Südost 0 0
Hiltrup 0 0
Gesamt 11 100
Alter der Mütter bei Projektbeginn
Das durchschnittliche Alter der Schwangeren/Kindesmütter betrug 19,7 Jahre. Bei den
Schwangeren/jungen Müttern handelte es sich um Frauen mit deutscher Nationalität. Die
genaue Aufschlüsslung der Altersangaben ist nachfolgend in der Grafik dargestellt.
Erkennbar ist, dass in den während des bisherigen Projektzeitraums keine sogenannten
„Jüngstmütter", d.h. Mädchen im Alter von 12-14 Jahren am Angebot teilgenommen haben. Bezo-
gen auf diese Altersgruppe verzeichnete die Beratungsstelle keine Selbstmelderinnen sowie keine
Überweisungen des KSD und der Fachdienste. Auch von den Schwangerschaftsberatungsstellen
erfolgten keine Überweisungen von schwangeren und/oder Müttern dieser Altersstufe.
2
0
2
0
1 1
2
1 1 1
0
1
2
Anzahl
15 16 17 18 19 20 21 22 23 24
Alter in Jahren
Alter bei Projektbeginn
23
Alter der jungen Mütter bei der Schwangerschaft und Geburt des ersten Kindes
Frage 01: Zugang zum Projekt
Durch wen wurde der Hilfebedarf angeregt bzw. die junge Mutter an die Beratungsstelle
überwiesen?
Anregung des Hilfebedarfs durch Anzahl
1. Herkunftseltern
2. Nachbarn/ Verwandte
3. MitarbeiterIn der Beratungsstelle Südviertel e.V.
4. KSD - MitarbeiterIn
5. Mitarbeiterin Schwangerschaftsberatungsstelle
6. Mitarbeiter therapeutisch/ pädagogischer Einrichtungen
7. Weitere _____________________________________
Summe (Mehrfachnennung war möglich)
0
2
2
3
1
1
2
12
War die Mutter der Beratungsstelle Südviertel e.V. vor Pro-
jektbeginn bekannt?
Ja
5
Nein
6
War die Mutter dem KSD vor Projektbeginn bekannt?
Ja
7
Nein
5
0
1
2
3
4
5
Anzahl der
Fälle
14 15 16 17 18 19 20 21
Altersgruppen
Schwangerschaft
Geburt 1. Kind
24
Frage 02 und 03: Wie viele Kinder hatte die Mutter bei Projektbeginn?
Insgesamt wurden 14 Kinder im Rahmen der Projektarbeit erreicht. Davon waren 8 Kinder
männlich und 6 Kinder weiblich.
Die Aufschlüsslung der Kinderzahl pro Mutter bei Projektbeginn ergibt folgendes Bild:
Kinder in der
Familie
kein Kind 1 Kind 2 Kinder 3 Kinder
Anzahl der
Fälle
2 5 3 1
Eine aktuelle Schwangerschaft bestand bei drei Frauen zum Aufnahmetermin in die
Gruppe.
Die Altersgruppenaufteilung der erreichten Kinder bei Projektbeginn ist nachfolgend dar-
gestellt:
Das durchschnittliche Alter der Kinder betrug 25 Monate; d.h. 2,1 Jahre.
Altergruppenaufteilung der Kinder
5
3
3
1 1 1
unter 6 Monate
bis 1 Jahr
bis 2 Jahre
bis 3 Jahre
bis 4 Jahre
bis 5 Jahre
25
Frage 04 und 05: Anzahl der Erwachsenen im Haushalt sowie Wohnkonstellation der
jungen Mutter mit ihren Kind/ern
Die Wohnkonstellationen der jungen Mütter spiegeln ihre Altersgruppenzugehörigkeit wie-
der, wobei die minderjährigen Mütter mit ihrem Kind (noch) in den elterlichen Bezügen
leben. Die volljährigen Frauen leben entweder als alleinerziehende Mütter mit ihrem
Kind/ern in einem eigenen Haushalt oder sie leben mit dem Partner/der Partnerin bzw.
dem Kindesvater zusammen.
Frage 06: Schule und Ausbildung
Schulform/Beschäftigung Fallzahl davon mit
Abschluss
davon ohne
Abschluss
ohne Angabe
Schule für Lernbehinderte 3 1 - 2
Hauptschule 5 1 4 -
In Ausbildung 1 - - -
Beschäftigungslos 2 - - -
Frage 07: Zusätzliche Hilfen
In 10 Fällen erhielten die jungen Mütter neben ihrer Teilnahme am Projekt keine Hilfen zur
Erziehung, pädagogische Zusatzleistungen oder Therapien (Kostenträger Jugendhilfe). In
einem Fall war den MitarbeiterInnen der Beratungsstelle nicht bekannt, ob Zusatzhilfen
gewährt wurden.
0
1
3
111
4
0
1
2
3
4
Fallzahl
Kindesmutter
Kindesmutter, Mutter
Kindesmutter, Eltern
Kindesmutter, Eltern, Geschwister
Kindesmutter/PartnerIn
Kindesmutter, Kindesvater
Kindesmutter, Sonstige
Wohnkonstellation/Haushaltsangehörige
26
Teil II: Ausgangslage und Problemsituation
Bezogen auf die nachfolgenden Fragestellungen wurden Mittelwerte erhoben. Der Mittel-
wert ergibt sich zum einen daraus, ob der Aspekt überhaupt benannt wurde oder nicht.
Bei Nichtnennung erfolgte eine Wertung mit 0. Bei Nennung des Aspektes konnte zwi-
schen einer Bedeutsamkeit von "sehr" (=3), "mittel" (=2) und "wenig" (=1) gewichtet wer-
den. Der maximale Mittelwert liegt demnach bei 3 (entspricht in allen Fällen mit 3 beur-
teilt), der minimale Mittelwert liegt bei 0 (entspricht in allen Fällen mit 0 beurteilt).
Frage 1: Sozio-ökonomische Belastungen der Kindesmutter. Welcher der folgenden As-
pekte ist gegeben?
Bedeutsamkeit für die junge
Mutter/den EinzelfallMittelwert
(Gewicht und
Häufigkeit)
Sozio-ökonomische Aspekte
Sehr Mittel Wenig
1 Wohnungsprobleme 2 2 1
1 Probleme mit der Nachbarschaft 0 3 0
2 Finanzielle Probleme/Schulden 5 2 0
1 Noch in Ausbildung/Umschulung 2 1 0
3 Geringes Einkommen 8 2 0
1 Arbeitslosigkeit 4 0 0
0 Arbeitsplatzwechsel 1 0 0
2 Sozialhilfe 5 2 0
0 Sonstige 0 0 0
Frage 3: Probleme der jungen Mutter (personenbezogen). Welcher der folgenden As-
pekte ist gegeben?
Bedeutsamkeit für die junge
Mutter/den EinzelfallMittelwert
(Gewicht und
Häufigkeit)
Probleme der jungen Mutter
Sehr Mittel Wenig
1 Alkoholismus 1 2 0
0 Illegale Drogen 0 0 0
0 Psychische Erkrankung 0 1 0
0 Körperliche Erkrankung 0 2 0
0 Körperbehinderung 0 0 0
0 Straffälligkeit 0 0 0
1 Sonstige * 4 1 0
*Erklärung Sonstige: Als sonstige Faktoren wurden in 2 Fällen (Multi-)Problemlagen aus der Kind-
heit der jungen Mutter sowie in je einem Fall Unreife, Antriebsarmut und Isolation benannt.
27
Frage 5: Beeinträchtigungen im Erziehungsverhalten. Welcher der folgenden Aspekte
ist gegeben?
Bedeutsamkeit für die junge
Mutter/den EinzelfallMittelwert
(Gewicht und
Häufigkeit)
Beeinträchtigungen im Erziehungsverhalten
Sehr Mittel Wenig
2 Überforderung insgesamt 2 4 0
0 zu restriktiv 0 1 0
1 zu nachlässig 1 2 0
2 inkonsequentes Verhalten 5 3 0
1 zu wenig anregend und fördernd 2 4 0
0 missachtendes Verhalten 0 2 0
0 Vernachlässigung 0 0 2
0 gewalttätiges Verhalten 0 1 2
0 Misshandlung 0 0 0
0 sexueller Missbrauch 0 0 0
0 Sonstige 0 1 0
Frage 7: Probleme in der Herkunftsfamilie - systembezogen. Welcher der folgenden As-
pekte sind in der Herkunftsfamilie der jungen Mutter gegeben?
Bedeutsamkeit für die junge
Mutter/den EinzelfallMittelwert
(Gewicht und
Häufigkeit)
Familiäre Aspekte (Herkunftsfamilie)
Sehr Mittel Wenig
1 Soziale Isolation 1 3 0
1 Randgruppe 2 4 0
2 Verschuldung 4 3 0
2 Geringes Einkommen 5 2 0
1 Problematische Wohnverhältnisse 4 0 0
1 Problematisches Umfeld/Brennpunkt 3 2 0
1 Problematische Partnerbeziehung der Eltern 1 3 0
1 Trennung/Scheidung 2 1 0
0 Wechselnde Familienzusammensetzung 1 1 0
1,4 Überforderung der Eltern 3 3 0
0 Sonstige 0 0 0
28
Einschätzung der Belastungen bei Projektbeginn
Frage 2: Wie schätzen Sie die sozio-ökonomische Gesamtbelastung der jungen Mutter
bei Projektbeginn ein?
Frage 4: Wie schätzen Sie die personenbezogene Gesamtbelastung der jungen Mutter
bei Projektbeginn ein?
Frage 6: Wie schätzen Sie das Erziehungsverhalten der jungen Mutter bei Projektbeginn
ein?
Frage 8: Wie schätzen Sie die Auswirkungen der familiären Gesamtbelastung (Her-
kunftsfamilie) bezogen auf die junge Mutter bei Projektbeginn ein?
Die o.a. Fragestellungen wurden auf einer Skala von1=äußerst gering/wenig problema-
tisch bis 10=sehr stark/äußerst problematisch beurteilt.
Die Skala von 1-10 wurde der Übersicht halber in neue Beurteilungskategorien überführt:
1 und 2 3 und 4 5 und 6 7 und 8 9 und 10
Äußerst gering Gering Durchschnittlich Ziemlich stark Sehr stark
Zusammenge-
fasste Kategorien
Sozio-
ökonomische
Belastung 5
Gesamtbelastung
Mutter
Problemat.
Erziehungsver-
halten 6
Familiäre Ge-
samtbelastung
Herkunftsfamilie 7
Äußerst gering
Gering
Durchschnittlich
Ziemlich stark
Sehr stark
-
-
1 Fall
7 Fälle
2 Fälle
-
-
3 Fälle
6 Fälle
2 Fälle
-
-
4 Fälle
4 Fälle
1 Fall
-
-
3 Fälle
7 Fälle
-
5 In einem Fall war keine Bewertung möglich.
6 In zwei Fällen war keine Bewertung möglich.
7 In einem Fall war keine Bewertung möglich.
29
Frage 9: Gab es spezielle Belastungen in der früheren Lebensgeschichte der jungen
Mutter und/oder ihrer Herkunftsfamilie? (Mehrfachnennung)
Belastung Anzahl der Fälle
Ja
Nein
Nicht bekannt
8
0
3
Auffächerung nach
Häufigkeit
Anzahl der Fälle
Keine/Nicht bekannt
Eine
Zwei
Drei
Vier
3
3
2
1
2
Die 8 Fälle, in denen spezielle Belastungen vorliegen, verteilen sich wie folgt:
Art der Belastung Anzahl der
Nennung
Tod/Selbstmord einer wichtigen Bezugsperson
Plötzlicher Kindstod/Tod eines Kindes
Alkoholerkrankung/Drogenabhängigkeit
Heimunterbringungen
Finanzieller Abstieg/Ruin
Gewalt
Sexueller Missbrauch
Sonstiges
Summe (es waren Mehrfachnennungen möglich)
1
1
4
2
2
4
3
2
_____
19
30
Frage 10: Gab es in der Herkunftsfamilie der jungen Mutter vorangegangene Hilfen ge-
mäß JWG/SGB VIII
Vorangegangene
Hilfen
Anzahl der Fälle
Ja
Nein
Nicht bekannt
6
2
3
Wer hat die Hilfe/n erhalten?
Adressaten vorangegangener Hilfen Anzahl der Fälle
Junge Mutter
Geschwister der jungen Mutter
Elternteile (Herkunftsfamilie)
Herkunftsfamilie gesamt
5
2
4
4
Nachfolgend sind die installierten Hilfen aufgefächert. Es waren Mehrfachnennungen
möglich!
Hilfeform nach KJHG Junge Mutter Geschwister Elternteile Familie
gesamt
Pädagogische Lernhilfe § 13,1 2 1 - -
Therapeutische Leistungen § 13,1 3 1 1 -
Versorgung in Notsituationen § 20 - - - 1
Inst. Familienberatung § 28 3 2 4 3
Soziale Gruppenarbeit § 29 6 2 2 -
Heilpäd. Hort § 27,2 1 1 - -
Heimerziehung § 34 1 - - -
31
Frage 11: Über welche (unterstützenden) Ressourcen verfügt die junge Mutter? Mehr-
fachnennungen möglich!
Bedeutsamkeit für die junge
Mutter/den EinzelfallMittelwert
(Gewicht und
Häufigkeit)
(unterstützende) Ressourcen
der jungen Mutter
Sehr Mittel Wenig
1 Ausreichend finanzieller Rahmen 0 0 7
0 Befriedigende Arbeitssituation 0 1 3
2 Befriedigende Wohnsituation 2 6 3
2 Verwandte 6 2 0
0 Nachbarschaft 0 2 0
1 Soziale Integration in Gruppen 1 5 3
1 Soziale Integration in den Stadtteil 1 3 4
1 Gute Kommunikationsstrukturen in der
Herkunftsfamilie
1 5 2
1 Tragfähige Partnerschaft 1 3 2
0 weitere - - -
Frage 12: Wie schätzen Sie die unterstützenden Ressourcen insgesamt bei Projekt-
beginn ein?
Die o.a. Fragestellungen wurden auf einer Skala von1=wenig Ressourcen bis 10=sehr
viele Ressourcen beurteilt.
Die Skala von 1-10 wurde der Übersicht halber in neue Beurteilungskategorien überführt:
1 und 2 3 und 4 5 und 6 7 und 8 9 und 10
sehr wenig wenig durchschnittlich viele sehr viele
Zusammengefasste
Kategorien
Unterstützende Ressourcen
der jungen Mutter
(Anzahl der Fälle)
Sehr wenig
Wenig
Durchschnittlich
Viele
Sehr viele
-
1
5
5
-
32
Teil III: Sozialpädagogische Maßnahmen, Hilfeverlauf und Kooperation mit
KSD/Fachdiensten
Frage 13: Welche sozialpädagogischen Leistungen werden/wurden für diese Mutter im
Rahmen der Projektarbeit gewährt? (Mehrfachnennung)
Leistungen im Rahmen der Projektarbeit Anzahl der Nennung
Stundenweise Kinderbetreuung (Entlastung der Eltern-/teile)
Soziale Gruppenarbeit für junge Frauen
Gruppenangebote für junge Mütter
Spezifische Familienfreizeitangebote
Sozialräumlich orientierte Angebote
Therapeutisch orientierte Einzel-, Paar- oder Familienberatung
Weiteres
-
11
10
5
-
-
2
Frage 14: Wie häufig erfolgten bei den vom KSD/Fachdienst überwiesenen Müttern (te-
lefonische) Kontakte zwischen dem KSD/Fachdienst und den projektverantwortlichen Mit-
arbeiterinnen der Beratungsstelle Südviertel e.V.? Wie häufig wurden Sie zwischenzeitlich
(telefonisch) über aktuelle Dinge informiert?
Frage 14.1: Wie viele (Gesprächs-)Kontakte zwischen KSD/Fachdienst und Beratungs-
stelle Südviertel e.V. erfolgten vor Aufnahme in die Gruppe?
Insgesamt wurden 4 junge Mütter durch den KSD überwiesen. Davon erfolgten in einem
Fall zwei Gespräche, in 3 Fällen wurde je 1 Gespräch durchgeführt.
Frage 14.2: Zwischen Kontaktaufnahme (KSD/Fachdienst und Beratungsstelle Südviertel
e.V.) und der Aufnahme in die Gruppe vergingen
In einem Fall 3-5 Tage
In 2 Fällen 1 Woche
In einem Fall 1-2 Wochen
Frage 15: Wie häufig erfolgten bei den vom KSD/Fachdienst überwiesenen Müttern (te-
lefonische) Kontakte zwischen dem KSD/Fachdienst und den projektverantwortlichen Mit-
arbeiterinnen der Beratungsstelle Südviertel e.V.? Wie häufig wurden Sie zwischenzeitlich
(telefonisch) über aktuelle Dinge informiert?
Nur in einem Fall fanden regelmäßige Telefonate 1x pro Monat sowie bei besonderen
Anlässen und Problemen statt.
Frage 16: (Telefonische) Kontaktaufnahme der Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle Süd-
viertel e.V. zum KSD/Fachdienst, um sich über aktuelle Dinge im Einzelfall zu informieren.
In 3 Fällen fanden Kontakte statt, davon in 2 Fällen regelmäßig (einmal im Monat und alle
2 Monate) sowie zusätzlich bei besonderen Anlässen und Problemen. In einem Fall wurde
nur bei besonderen Anlässen und Problemen zum KSD/Fachdienst Kontakt aufgenom-
men.
33
Frage 17-19a: Mitwirkung, Lernfähigkeit und Veränderungsbereitschaft der Mutter
Item Bewertung Anzahl Fälle
Mitwirkung der Mutter Besonders gut
Eher gut
Durchschnittlich
Eher schlecht
Besonders schlecht
4
7
-
-
-
Item Bewertung Anzahl Fälle
Lernfähigkeit der Mutter Besonders gut
Eher gut
Durchschnittlich
Eher schlecht
Besonders schlecht
2
9
-
-
-
Item Bewertung Anzahl Fälle
Veränderungsbereitschaft
der Mutter
Besonders gut
Eher gut
Durchschnittlich
Eher schlecht
Besonders schlecht
4
7
-
-
-
34
Frage 19 b.: Was sind die stützenden bzw. einschränkenden Faktoren, die die Verän-
derungsfähigkeit der jungen Mutter beeinflussen?
Sowohl für den Bereich der stützenden als auch für die einschränkenden Faktoren waren
Mehrfachnennungen möglich. Die Einzelnennungen wurden zu übergeordneten Katego-
rien zusammengefasst die nachfolgend aufgeführt sind:
Stützende Faktoren (26 Nennungen) Einschränkende Faktoren (32 Nennungen)
Herkunfts-/Pflegefamilie
Partnerschaft
Bindung ans Kind
Freundschaft/Netzwerk
Hohe Mitwirkungsbereitschaft
Bildung
Nennungen
9
6
4
3
3
1
Armut
Wenig Bildung
Kindheitserfahrungen/Abhängigkeit
Herkunftsfamilie
Entwicklungsbedarf junge Mutter
Überlastung junge Mutter
Probleme Mutter-Kind-Beziehung
Suchtproblematik junge Mutter
Personenbez. Probleme Mutter
Nennungen
9
5
5
4
3
2
2
2
Frage 20: Hat die Mutter das bereitgestellte Angebot im Rahmen des Projektes regel-
mäßig wahrgenommen?
Von den 11 für das Projekt gemeldeten Frauen nahmen 5 regelmäßig und 6 Frauen unre-
gelmäßig teil. 6 Frauen sind mittlerweile aus dem Projekt ausgeschieden, 5 Frauen wer-
den weiterhin teilnehmen.
Die Auswertung ergab nicht, dass ein Zusammenhang zwischen dem Alter der Kindes-
mutter, der Kontinuität der Teilnahme und der längerfristigen Zugehörigkeit zur Gruppe
vermutet werden kann. In der Aufschlüsslung ergibt sich, dass das durchschnittliche Alter
der bereits aus dem Projekt ausgeschiedenen Frauen bei 19,3 Jahren liegt. Das Durch-
schnittsalter der weiter teilnehmenden Frauen beträgt 20,2 Jahre.
Die Gründe für die unregelmäßige Teilnahme wurden erfragt. Hier waren Mehrfachnen-
nungen möglich. Die 12 Einzelnennungen wurden zu übergeordneten Kategorien zusam-
mengefasst die nachfolgend aufgeführt sind:
Gründe für unregelmäßige Teilnahme (12 Nennungen)
Personenbezogene Probleme Mutter
Erkrankung/Sucht
Umzug/Anfahrtsweg
Nennungen
6
3
3
35
Planung weiterer Hilfen nach Abschluss (oder Abbruch) der Gruppenarbeit
Frage 21: Ist in diesem Einzelfall - nach fachlicher Einschätzung der Beratungsstelle Süd-
viertel e.V. - eine weitere Betreuung bzw. Unterstützung der jungen Mutter erforderlich
oder angezeigt?
Nach fachlicher Einschätzung der Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle Südviertel e.V. ist
eine weitere Betreuung/Unterstützung für alle Mütter (11 Fälle), die bislang das Angebot
in Anspruch genommen haben sinnvoll. Bezogen auf die Bereiche, in denen Betreuung
und Unterstützung in den jeweiligen Einzelfällen angezeigt sind, waren Mehrfachnennun-
gen möglich.
Die Einzelnennungen wurden zu übergeordneten Kategorien zusammengefasst die
nachfolgend aufgeführt sind:
Bereiche, in denen Betreuung/Unterstützung im
Einzelfall angezeigt sind (21 Nennungen)
Familien-/Erziehungsberatung
Persönliche Beratung (Beruf u.a.)
Kontrolle Kindeswohl
Nennungen
10
9
2
In 5 Fällen wurde der KSD/Fachdienst bereits über den Unterstützungsbedarf der jungen
Mutter informiert.
Frage 22: Sind nach Beendigung der Gruppenarbeit im Anschluss weitere Hilfen gemäß
SGB VIII geplant?
Hilfeform
Kind
Anzahl Fälle
Mutter
Anzahl Fälle
Mutter und
Kind/er
Anzahl Fälle
Gem. Wohnformen Mutter/Vater und Kind/er (§19)
Institutionelle Erziehungsberatung (§ 28)
Erziehungsbeistand (§ 30)
SPFH (§31)
Vollzeitpflege (§ 33)
Heimerziehung/sonst. Wohnform (§34)
Weitere
6
1
1*
*In einem Fall wurde zusätzlich zur Erziehungsberatung Einzelberatung angeregt.
36
Teil IV: Einschätzung der Belastungen bei Projektstand 1 Jahr/Projektende
Frage 23: Wie schätzen Sie die Sozio-ökonomische Gesamtbelastung der jungen Mutter
bei Hilfeende (jetzt) ein?
Frage 24: Wie schätzen Sie die personenbezogene Gesamtbelastung der jungen Mutter
bei Hilfeende (jetzt) ein?
Frage 25 Wie schätzen Sie das Erziehungsverhalten der jungen Mutter bei Hilfeende
(jetzt) ein?
Frage 26: Wie schätzen Sie die Auswirkungen der familiären Gesamtbelastung (Her-
kunftsfamilie) bezogen auf die Kindesmutter bei Hilfeende (jetzt) ein?
Frage 27: Wie schätzen Sie die eigenen Ressourcen und Selbsthilfepotentiale der Kin-
desmutter bei Hilfeende (jetzt) ein?
Frage 28: Wie schätzen Sie die unterstützenden Ressourcen (Partner-
schaft/Stadtteil/Herkunftsfamilie) bei Hilfeende (jetzt) ein?
Die o.a. Fragestellungen wurden auf einer Skala von1=äußerst gering/wenig problema-
tisch bis 10=sehr stark/äußerst problematisch beurteilt.
Die Skala von 1-10 wurde der Übersicht halber in neue Beurteilungskategorien überführt:
1 und 2 3 und 4 5 und 6 7 und 8 9 und 10
Äußerst gering Gering Durchschnittlich Ziemlich stark Sehr stark
Zusammenge-
fasste Katego-
rien
Sozio-
ökonomi-
sche
Belastung
Gesamt-
Belastung
Mutter
Problemat.
Erziehungs-
verhalten *
Auswirkung
fam. Gesamt-
belastung
Herkunfts-
Familie
Eigene
Ressourcen/
Selbsthilfe-
potentiale
Unterstüt-
zende
Ressourcen
Äußerst gering
Gering
Durchschnittlich
Ziemlich stark
Sehr stark
-
1 Fall
2 Fälle
6 Fälle
2 Fälle
-
-
4 Fälle
6 Fälle
1 Fall
1 Fall
4 Fälle
3 Fälle
2 Fälle
-
-
-
4 Fälle
7 Fälle
-
-
5 Fälle
2 Fälle
4 Fälle
-
-
1 Fall
7 Fälle
3 Fälle
-
*In einem Fall konnte keine Einschätzung getroffen werden.
37
Vergleich der Belastungen bei Projektbeginn und bei Projektende
Sozioökonomische Belastung junge Mutter
0 0
1
7
2
0
1
2
6
2
0
1
2
3
4
5
6
7
8
äußerst gering
gering
durchschnittlich
ziemlich stark
sehr stark
Anzahl Fälle
Hilfebeginn
Hilfeende
Gesamtbelastung junge Mutter
0 0
3
6
2
0 0
4
6
1
0
1
2
3
4
5
6
7
äußerst gering
gering
durchschnittlich
ziemlich stark
sehr stark
Anzahl Fälle
Hilfebeginn
Hilfeende
38
Problematisches Erziehungsverhalten
0 0
4 4
11
4
3
2
0
0
1
2
3
4
5
äußerst gering
gering
durchschnittlich
ziemlich stark
sehr stark
Anzahl Fälle
Hilfebeginn
Hilfeende
Auswirkung der familiären Gesamtbelastung
Herkunftsfamilie
0 0
3
7
00 0
4
7
0
0
1
2
3
4
5
6
7
8
äußerst gering
gering
durchschnittlich
ziemlich stark
sehr stark
Anzahl Fälle
Hilfebeginn
Hilfeende
39
Zusammenfassende Bewertung der Fragebogen-Evaluation
Die jungen Mütter sind hohen Belastungen ausgesetzt, die sich gegenseitig bedingen.
Armut, materielle Schwierigkeiten, dementsprechende Wohnsituationen und Arbeitslo-
sigkeit sowie fehlende berufliche Perspektiven prägen die Lebenssituation der Frauen.
Auch die Herkunftseltern der jungen Mütter waren und sind mehrheitlich überfordert.
In den meisten Fallkonstellationen sind jedoch tragfähige Ressourcen im Bezugssys-
tem (Familie/Partnerschaft) erkennbar. Die Mütter zeigen ein deutliches Interesse an
ihrem Kind/ihren Kindern.
Knapp die Hälfte der jungen Frauen bzw. deren Geschwister und/oder Eltern haben in
der Vergangenheit Hilfen nach dem KJGH erhalten. Bis auf einen Einzelfall in dem
stationäre Hilfe gemäß § 34 KJHG gewährt wurde, handelt es sich bei den seinerzeit
installierten Hilfen nicht um intensive Angebote. Sogenannte „Jugendhilfekarrieren"
sind nicht festzustellen.
Die Bewertung der Problemkonstellationen der Herkunftsfamilien der jungen Frauen
lässt jedoch die Vermutung zu, dass in mehreren Einzelfällen die Indikation für den
Einsatz „klassischer" Familien- bzw. erziehungsunterstützender Hilfen wie Sozialpä-
dagogischer Familienhilfe, Erziehungsbeistandschaft, Heilpädagogischer Tagesgrup-
pe oder intensiver sozialpädagogischer Einzelbetreuung etc. denkbar gewesen wäre.
Möglicherweise haben die betroffenen Frauen in ihrer Kindheit und frühen Jugend e-
her unauffällige Kompensationsformen und Verhaltensmuster für den Umgang mit der
häuslichen Problematik gefunden. Dieses könnte der Erklärungszusammenhang dafür
sein, dass es in den genannten Einzelfällen nicht zu Kontakten mit der Jugendhilfe
kam bzw. eher niedrigschwellige Hilfen eingerichtet und/oder angenommen wurden.
Jedoch ist vor dem Hintergrund der hier beschriebenen Bewertung der Vorgeschichte
der jungen Mütter und der frühen Mutterschaft aller betroffenen Frauen sicherlich der
Rückschluss vertretbar, dass hier ein Zusammenhang herzuleiten ist. So wird ein Teil
der jungen Frauen über die Schwangerschaft und Mutterschaft die Möglichkeit gese-
hen haben, sich aus dem elterlichen Haushalt herauszulösen. Ebenso werden fehlen-
de berufliche Perspektiven und materielle Belastungen sowie der Wunsch über die
Mutterrolle einen Status zu erlangen, mit zu der beobachteten frühen Mutterschaft
geführt haben.
Ein qualifizierter Schulabschluss und eine berufliche Ausbildung sind zentrale Voraus-
setzungen für soziale Teilhabechancen in unserer Gesellschaft. Sie entscheiden in
gravierender weise, ob ein Einkommen erzielt werden kann, dass jenseits des Exis-
tenzminimums eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Die schulische
und berufliche Situation der jungen Mütter verweist in ihren Ergebnissen auf eine gra-
vierende Bildungsbenachteiligung, die aufgezeigte Konsequenzen nach sich zieht
bzw. ziehen wird.
Von großer Bedeutung ist das „Sich-einlassen-können" auf die Beratungsstelle Süd-
viertel e.V. als Institution, um darauf aufbauend die Gruppenangebote (Müttergrup-
pe/Mutter-Kind-Gruppe) mit den damit einhergehenden individuellen und sozialen
Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten.
Gleichzeitig ist das „Sich-einlassen" der jungen Frauen sowie eine damit einherge-
hende möglichst kontinuierliche Teilnahme für die Projektmitarbeiterinnen sehr be-
deutsam, um die Angebote zu planen und angemessene Ziele formulieren zu können.
40
Es steht zu vermuten, dass die Dauer und der frühzeitige der Hilfe bei diesem spe-
ziellen Angebot einen gewichtigen Einfluss auf die Erfolgschancen hat bzw. haben
wird. Dies setzt jedoch voraus, dass ausreichend Zeit besteht, damit die Beteiligten
(Mütter untereinander, Mütter und Betreuerinnen) sich aufeinander einlassen können
und tragfähige Beziehungen aufgebaut werden.
Die Auswertungsergebnisse weisen darauf hin, dass die jungen Mütter von der ange-
botenen Hilfe profitiert haben. Dieses wird insbesondere an der ablesbar verbesserten
erzieherischen Kompetenz der Mütter gegen Ende des Untersuchungszeitraums deut-
lich.
41
Selbstevaluation junge Mütter
Wie erleben minderjährige und junge Mütter die Arbeit in der Präventions-
gruppe der Beratungsstelle Südviertel e.V. ?
Dokumentation und Auswertung der Selbstevaluation der Adressatinnen
vom 17.11.2003
Im Folgenden wird der Gesprächsabend mit minderjährigen und jungen Müttern, die zum
Stichtag am Projekt der Beratungsstelle teilnahmen, dargestellt. Eine ausführliche Doku-
mentation des Verlaufs, der Methoden und der Ergebnisse wird nachfolgend aufgezeigt.
Gesprächsabend mit den jungen Müttern
Mit den Teilnehmerinnen und der Betreuerinnen des Projektes wurde eine sogenannte
„Selbstevaluation" durchgeführt. Ausschlaggebend für die Realisierung dieses Vorhabens
war, dass die Akteurinnen der Selbstevaluation im Vorfeld selbst über die Inhalte, die
Durchführung und die Verwertung der Ergebnisse bestimmen konnten. Vor diesem Hin-
tergrund zeigten sich die jungen Mütter bereit, die Untersucherin zu einem Gruppenabend
in die Beratungsstelle einzuladen.
Ziele der Selbstevaluation
Ziel des Treffens war es, die Erfahrungen und Einschätzungen der jungen Mütter zum
Projekt abzufragen. Ihre kritischen Aussagen und Anregungen sollten in die konkrete
Gruppenarbeit einfließen und darüber hinaus Erkenntnisse für die Jugendhilfeplanung im
Bereich der Arbeit mit minderjährigen und jungen Müttern liefern. Hier sollte u.a. die Wirk-
samkeit (Ergebnisqualität) der Projektarbeit zum Stichtag untersucht werden. Beurtei-
lungskriterien sollten dabei die Überprüfung folgender Handlungsprinzipien bezogen auf
die Konzeptumsetzung sein:
Prävention
Dient das Angebot der positiven Gestaltung von Lebensverhältnissen? Ist der Anspruch
einer vorbeugenden Hilfe erfüllt?
Lebensweltorientierung
Findet die Unterstützung da statt, wo sich die jungen Mütter aufhalten?
Alltagsorientierung
Sind sie Zugänge zur Hilfe adressatengenau ausgestaltet? Entspricht das Angebot den
Bedarfen und Bedürfnissen der jungen Frauen/Mütter und ihrer Kinder?
Integrative Orientierung
Steht das Angebot vom Grundsatz her allen mitwirkungsbereiten schwangeren jungen
Frauen bzw. jungen Müttern offen?
Partizipation und Freiwilligkeit
Besteht die Möglichkeit einer mitgestaltenden Beteiligung der Adressatinnen am Grup-
pengeschehen?
42
Methodischer Ansatz
Bei der Vorbereitung des Termins hatten die jungen Frauen beschlossen, dass sie im
Rahmen einer Videosequenz eine Positionierung zum Angebot und dessen Ausgestaltung
Stellung beziehen wollten. Das Video sollte der Untersucherin vorgestellt werden. Darüber
hinaus sollte in einer weiteren Videosequenz, die Inhalte des Mutter-Kind-
Gruppenangebots dargestellt werden. In einem weiteren Teil sollte dann die Möglichkeit
sein, gezielte Fragestellungen in einer lockeren Gesprächsrunde zu beantworten.
Ablauf und Ergebnisse
Nach einer Vorstellungsrunde wurde mit den beteiligten jungen Müttern und den Betreue-
rinnen der Ablauf des Gruppenabends, die Ziele und Methoden geklärt und vereinbart.
Um die Erfahrungen und Anregungen der jungen Mütter herauszuarbeiten, wurden von
der Untersucherin im Vorfeld Fragen formuliert, die im Laufe des Abends besprochen
werden sollten.8 Die für die Evaluation ausgearbeiteten Fragestellungen sind nachfolgend
aufgeführt:
Fragestellungen:
Wie haben Sie von dem Projekt erfahren? Waren die Informationen, die Sie erhielten
zutreffend bezogen auf die Inhalte des Angebotes?
Welchen Nutzen haben Sie und Ihr/e Kind/er davon, dass sie an den Gruppenange-
boten teilnehmen?
Wie hoch ist die Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit mit den Inhalten der Gruppenan-
gebote? Haben Sie Veränderungsvorschläge?
Können Sie das Projekt weiterempfehlen?
Ist das Angebot gut zu erreichen? Würden Sie es begrüßen, wenn Sie das Angebot
auch unmittelbar in Ihrem Stadtteil nutzen könnten?
Auf welchen Zeitraum sollte das Angebot angelegt sein?
Für welche Mädchen und Frauen sollten Gruppenangebote vorgehalten werden?
Hinweis auf das Projekt
Die jungen Frauen formulierten mehrfach, dass ihnen gute Informationen und Beratung
wichtig sind. Sie führten dazu aus, dass die angebotene Hilfe (hier das Angebot der Be-
ratungsstelle Südviertel e.V.) im Vorfeld der Entscheidung konkret im Ablauf, der Aus-
gestaltung und Organisation vorgestellt werden sollte.
In diesem Zusammenhang berichteten sie davon, dass sie von den überweisenden städti-
schen Kolleginnen und Kollegen in sehr unterschiedlicher Qualität über das Angebot in-
formiert worden wären, was je nach Qualität der Beratung dazu geführt hätte, dass die
junge Mutter sich gut informiert oder aber mit Bedenken auf das Angebot einlassen
konnte.
8 Anmerkung der Verfasserin: Durch die Selbstaussagen der jungen Mütter in der gezeigten Video-
sequenz erübrigten sich manche Fragestellungen. Konkret sind die Inhalte der Videosequenzen in
ihren wesentlichen Aussagen in das Evaluationsergebnis eingearbeitet worden.
43
Zufriedenheit bzw. Unzufriedenheit mit den Angebotsinhalten
Es wurde insgesamt eine hohe Zufriedenheit mit den Inhalten formuliert. Dieses bezog
sich sowohl für das Gruppenangebot für die Mütter als auch für die Mutter-Kind-Gruppe.
An dieser Stelle wiesen die Projektbetreuerinnen darauf hin, dass aufgrund der unregel-
mäßigen Teilnahme einiger Mütter bestimmte Angebote nicht wie geplant durchgeführt
werden können. Diese Aussage wurde von einigen Teilnehmerinnen bestätigt.
Deutlich wurde in diesem Zusammenhang, dass die Frauen mit den Inhalten, die von den
Betreuerinnen vorbereitet und eingebracht werden, einverstanden und zufrieden sind.
Hinweise darauf, dass die jungen Mütter in naher Zukunft mehr Eigeninitiative im Hinblick
auf eigene Gestaltungsvorstellungen für die Gruppentreffen entwickeln wollen, wurden
nicht deutlich.
Persönlicher Nutzen der Angebote
Als Gewinn wurde von den jungen Frauen formuliert, dass die Gruppenarbeit für sie und
ihre Kinder neue Kontakte eröffnet hat. Sie formulierten in diesem Zusammenhang, dass
die Gruppenarbeit ihnen und den Kindern "gut tut". Die Frauen berichteten übereinstim-
mend, dass ihre Kinder sehr von den Kontakten mit den anderen Kindern profitieren.
Die einzige Unzufriedenheit, die bezogen auf die Gruppenangebote formuliert wurde, be-
zog sich nicht auf die Inhalte. Konkret wurde hier von mehreren Frauen gewünscht, dass
eine kontinuierliche Teilnahme aller Frauen wünschenswert ist.
Eine junge Frau wies darauf hin, dass sie durch die Teilnahme am Projekt für sich die
Möglichkeit sieht, weitere Angebote der Beratungsstelle in Anspruch zu nehmen. Sie
fühlte sich auch darin bestärkt zukünftig, situations- und problembezogen Jugendhilfe-
leistungen durch den Kommunalen Sozialdienst anzunehmen.
Weiterempfehlung des Angebotes
Die Teilnehmerinnen erklärten, dass sie das Angebot aufgrund der guten Erfahrungen, die
sie und ihre Kinder im Rahmen der Angebote machen konnten, gerne weiter empfehlen.
Erreichbarkeit
Die jungen Frauen, die nicht im Südviertel wohnen, erklärten, dass sie keine Probleme
haben das Angebot mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Für die Gruppenabende
ist eine Kinderbetreuung organisiert. Vor diesem Hintergrund schien es ihnen nicht so
wichtig zu sein, dass ihnen unmittelbar in ihrem Stadtteil ein vergleichbares Angebot zur
Verfügung gestellt werden sollte. Sie beschrieben, dass ihnen die Gruppenarbeit so viel
gibt, dass sie auch weitere Wege akzeptieren und bewältigen würden.
Projektdauer
Einhellige Aussage der Teilnehmerinnen war, dass das Angebot nicht nur auf ein Jahr
begrenzt sein sollte, sondern eher langfristig angelegt sein sollte. Als Begründung dafür
wurde angegeben, dass der Kennenlernprozess eine Zeit dauert und, dass sich im Alltag
der jungen Mütter immer wieder Fragen und Anliegen entwickeln, die in dem genannten
Angebot aufgefangen werden.
Die jungen Frauen, deren Mütter/Verwandte an dem früheren langfristigen Projekt der
Beratungsstelle Südviertel teilgenommen hatten, berichteten davon, dass das damalige
Angebot seinerzeit zu einem festen Punkt im Alltag ihrer Mütter und Verwandten gehörte.
Sie selbst (hier: die jungen Mütter) hatten als Kinder die begleiteten Freizeitangebote
44
wahrgenommen. Sie beschrieben, dass die Gruppe für ihre Mütter/Verwandten immer
wieder Kontaktmöglichkeiten eröffnet hätte. Auch die Freizeitangebote hoben sie positiv
hervor. Die Beratungsstelle Südviertel e.V. wurde von ihnen in diesem Rahmen als eine
Anlaufstelle beschrieben, an die man sich immer wieder im Bedarfsfall wenden kann. Von
den Töchtern/Nichten der ehemaligen "Gruppenfrauen" wurde betont, dass eine Erkennt-
nis bezogen auf das damalige - als sehr gut funktionierende Gruppenarbeit beschriebene
- Angebot, die regelmäßige Teilnahme aller Beteiligten ist.
Adressatinnenkreis für Gruppenangebote
Hier stellten die Frauen heraus, dass Angebote für Mädchen aller Altersgruppen sinnvoll
und wünschenswert sind. Gruppenangebote sollten möglichst nicht erst dann vorgehalten
werden, wenn Mädchen bereits schwanger oder junge Frauen bereits Mutter geworden
sind. In diesem Zusammenhang betonten die jungen Frauen, dass es sehr viele Themen
gäbe, die besser im Rahmen der Gruppenarbeit besprochen werden können.
Eine exaktere Konkretisierung der Angebote, die bearbeitet werden sollten, erfolgte an
dieser Stelle nicht.
Zusammenfassung der Ergebnisse und Konsequenzen
Die jungen Mütter erfahren in der Gruppenarbeit, dass sie angenommen und verstan-
den werden. Das allein dürfte für einige von ihnen eine Erfahrung sein, die sie in ihrem
sonstigen Alltag nicht häufig erleben werden.
Den Frauen wird die Möglichkeit geboten, sich mit anderen Müttern in ähnlichen Le-
benslagen auszutauschen. Die Gruppenangebote bieten einen Rahmen für gemein-
sames Lernen. Auch können die jungen Frauen durch ihre Teilnahme der persönli-
chen Isolation und Vereinsamung entgegenwirken. Deutlich erkennbar ist, dass die
Teilnehmerinnen ein "Wir-Gefühl" entwickelt haben und sich als Gruppe verstehen.9
Die Inhalte der Gruppenangebote werden positiv bewertet. In der Gruppe ist hohes
kreatives Potenzial vorhanden, dass an der Gestaltung des "Auftrages" Selbstevalua-
tion (Videosequenzen/Gruppenabend) ablesbar war.
Die jungen Mütter sind "Expertinnen" für ihre Lebenslage. Sie benennen die Notwen-
digkeit dessen, dass weiterhin die Beratungsstelle Südviertel e.V. als Anlaufstelle eine
große Bedeutung für sie hat.
Für weitere Angebotsplanungen ist auch der Hinweis auf die Bereitstellung von prä-
ventiven Gruppenangeboten für jüngere Mädchen in Vorfeld einer möglichen Schwan-
gerschaft entscheident.
9 Anmerkung der Verfasserin: Die getroffene Aussage bezieht sich sowohl auf den Gruppenabend als
auch auf die beobachteten Videosequenzen.
45
Gesamtbewertung und weiteres Verfahren
Im ersten Jahr war die Erfahrung mit dem vorgestellten Arbeitsansatz nicht nur durch ein
Gelingen geprägt. Schwierigkeiten entstanden durch die Diskontinuität in der Teilnahme
an den Gruppensitzungen, die allen Beteiligten ein hohes Maß an Durchhaltevermögen
abverlangte. In der Planung war für diese Phase ein halbes Jahr vorgesehen; tatsächlich
zog sie sich etwas länger hin.
Obwohl die Zielgruppe für dieses Projekt in der Planung exakt definiert wurde, wurden
vom Amt für Kinder, Jugendliche und Familien Frauen überwiesen, die zu diesem Zeit-
punkt bereits mit ihren Kindern in einer anderen Altersphase lebten. Sie wurden zu Pro-
jektbeginn mit aufgenommen, wenn es dazu eine Entscheidung von allen Beteiligten gab.
Hier wurde vor allem auch das Ziel verfolgt, die Gruppe möglichst schnell zu füllen. Die-
ses Vorgehen führte neben anderen Gründen auch zu einer hohen Diskontinuität in der
Teilnahme. Für die Zukunft muss daher die Zielgruppenorientierung mehr im Vordergrund
stehen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sich das Projekt zum "Sammelbecken" für
jene Mütter entwickelt, für die aktuell keine passgenauere Hilfe vorgehalten werden kann.
Das Konzept sieht vor, dass insgesamt acht Frauen am Projekt teilnehmen können. Mitt-
lerweile hat sich eine feste Kerngruppe von fünf Müttern mit ihren Kindern herausgebildet.
Drei junge Mütter nehmen kontinuierlich seit Projektbeginn an den Angeboten teil. Von
den Teilnehmerinnen sind untereinander verbindliche Gruppenregeln vereinbart worden
und diese werden inzwischen von den Mädchen/Frauen selbst an „Neue“ weitergegeben.
Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass die Kontinuität der Gruppenleiterinnen für den Auf-
bauprozess als das wichtigste Modell anzusehen ist.
Der Umgang mit dem Kinderschutz ist eine wichtige Frage, für die Vereinbarungen ge-
troffen werden müssen. Da die Teilnehmerinnen Klientinnen der Beratungsstelle sind,
steht die Arbeit mit Ihnen somit unter Schweigepflicht, die den Teilnehmerinnen auch
deutlich zugesichert wurde. Eine Ausnahme von dieser Schweigepflicht wurde von den
Mitarbeiterinnen des Projektes für die jungen Mütter in einer verständlichen Sprache wie
nachfolgend aufgeführt formuliert:
„Wenn wir merken, dass es dir oder deinem Kind einmal nicht mehr gut gehen
sollte und wir dieses mit Hilfe der Gruppe nicht ändern können, sind andere Hilfen
über das Jugendamt nötig.“
Von den Müttern wurde die o.a. Regelung bzw. Gruppenregel zustimmend akzeptiert. D.h.
vor dem Hintergrund, dass die Mütter ihre Kinder sehr lieben, wurde für ein solches Vor-
gehen quasi eine „Vollmacht“ ausgesprochen. Zuvor wurde ihnen versichert, dass dieses
- die Kontaktaufnahme zum Jugendamt - keinesfalls ohne ihr Wissen und eine Vorberei-
tung mit ihnen erfolgen wird.
Aus diesem Kontext ergeben sich folgende - alltägliche - Fragestellungen, deren Antwort
sich voraussichtlich prozessual ergeben wird:
Wie sieht es grundsätzlich aus mit einer Zusammenarbeit, da ja alle Mütter auch in
Kontakt mit dem Jugendamt stehen, teilweise auch eine Amtsvormundschaft besteht?
Wie niedrigschwellig soll/muss ein solches Angebot sein, damit es einen freien Zu-
gang sichert?
46
Sowohl in der inhaltlichen Projektbeschreibung als auch in den Ergebnissen des Evaluati-
onsprozesses zeichnet sich deutlich ab, dass der Anspruch auf Hilfe auf drei Ebenen
deutlich wird:
1. In Bezug auf die Erziehungsfähigkeit geht es um den Ausbau und die Weiterentwick-
lung vorhandener Kompetenzen und somit um einen emanzipatorischen Arbeitsan-
satz.
2. Zur kontinuierlichen Sicherung einer altersentsprechenden Förderung der Säuglinge
und Kleinkinder sind kompensatorische Hilfen nötig, die durch öffentliche Institutionen
gewährleistet werden müssen, im Sinne einer Ausfallbürgschaft.
3. Eine Teilhabe am sozialen Leben kann dauerhaft ebenfalls nur durch öffentliche Kom-
pensationsleistungen ermöglicht werden. Obwohl die Zugänge grundsätzlich gegeben
sind (Kita, Schule, Freizeitgruppen, Bildungsangebote usw.), ist deren eigenständige
Nutzung durch die sozioökonomischen Bedingungen und deren Folgen erheblich ein-
geschränkt, manchmal auch unmöglich.
Insgesamt ist es äußerst lohnenswert, die Entwicklung von Kindern und ihren jugendli-
chen Müttern mitzuerleben und den Sinn der professionellen Arbeit hautnah und hoffent-
lich über einen langen Zeitraum zu erfahren. Dieses erfordert personelle Kontinuität, die
mit einem einen relativ hohen Arbeitseinsatz einhergeht sowie die Bindung an das Projekt
über lange Zeit. Dem gegenüber stehen relativ geringe Kosten, wenn diese auf die ein-
zelnen Familien umgerechnet werden.
47
Anlage
Friedrich-Ebert-Str. 114 · 48153 Münster ·Tel. 0251 - 7 74 66 · Fax 0251 - 79 79 60 ·
eMail: beratung@muenster.de
· Sie sind schwanger oder junge Mutter und
wohnen im Südviertel
· Sie freuen sich an Ihrem Kind und
wünschen sich aber auch regelmäßige Ge-
spräche mit anderen Müttern
· Sie haben Lust auf gemeinsame
Feizeitgestaltung
· Sie gehen gerne auch mal in die Disco und
brauchen eine verlässliche Versorgung für
Ihr Kind
Wenn einige dieser Punkte für Sie zutreffen,
könnte unser
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GRUPPENANGEBOT FÜR JUNGE MÜTTER
UND IHRE KINDER
für Sie von Interesse sein.
Wir treffen uns 1x pro Woche
– zu einem Gruppenabend, um miteinander zu reden, zu bas-
teln, auszugehen und sich bei Problemen zu helfen und zu un-
terstützen .....
– und zu einer Mutter-Kind-Gruppe an einem Vormittag, um
gemeinsam mit den Kindern zu spielen, zu singen, zu turnen, zu
lachen .........
1. Termin für den Gruppenabend:
Montag, 09.12.02 von 20:00 – 22:00 Uhr
1. Termin für die Mutter-Kind-Gruppe:
Donnerstag, 05.12.02 von 10:00 – 11:30 Uhr
Die Treffen finden in der Beratungsstelle statt.
Haben Sie Lust, an dieser Gruppe teilzunehmen. Dann melden
Sie sich doch bitte unter der Telefonnummer 7 74 66 kurz an. Auf
Wunsch kann Ihnen eine Wegbeschreibung zugeschickt werden.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen.
Carola Wissing Julia Brinkmann Irmgard Köster-Goorkotte
Anlage 2 - Angebote der Träger im Rahmen des dreijährigen Modellprojekts
5689 Zeichen
Anlage 2 zur Vorlage „Familien stärken - Eltern im Fokus präventiver Angebote - Ein dreijähriges Modellprojekt“
1
Angebote der Träger im Rahmen des dreijährigen Modellprojekts
Deutscher Kinderschutzbund
Ortsverband Münster e.V.
Caritasverband für die Stadt
Münster e.V.
Anna-Krückmann-Haus e.V. in
Kooperation mit dem Haus der
Familie e.V.
Beratungsstelle für Kinder,
Jugendliche und Erwachsene
Südviertel e.V.
Angebot
Elternkurse „Starke Eltern – Starke
Kinder“ für besonders belastete
Zielgruppen
Elterntrainingskurs für Mütter mit
kleinen Kindern in Münster Süd-Ost
Sure Start – ein Projekt für die
Arbeit mit bildungs- und
wirtschaftlich armen Müttern
Präventionsgruppe für minderjährige
Schwangere, junge Mütter und deren
Kinder
Zielgruppe
Insbesondere auch benachteiligte
Eltern und Familien, die oftmals an-
dere Angebote nicht wahrnehmen
Ein Elternkurs pro Jahr für russisch-
deutsche Familien
Mütter mit kleinen Kindern (max. bis
zur Einschulung), die durch die bis-
herigen Angebote der Familien-
förderung nicht bzw. kaum erreicht
werden
Mütter und ihre Babys bzw.
Kleinkinder aus bildungs- und
wirtschaftlich armen Milieus
Schwangere, Minderjährige und
junge Mütter und deren Kinder aus
Hochrisikofamilien
Ziele
Gewaltfreie Erziehung durch Stär-
kung der Erziehungskompetenz der
Eltern
· Festigung des Selbstvertrau-
ens der Eltern in ihre Erzie-
hungskompetenz
· Verbesserung der Kommu-
nikation in der Familie
· „Anleitender Erziehungsstil“ als
Erziehungshaltung
· Vermittlung basaler Erzie-
hungsfähigkeiten
· Kontinuität in der Teilnahme
· Bedürfnisse eines Kindes
richtig erkennen und verstehen
· Angemessen auf die Bedürf-
nisse von Kindern reagieren zu
können
Förderung der Babies und Klein-
kinder über die Stärkung der
Mutter-Kind-Beziehung
· Mütter erkennen die Kom-
petenzen unddie Entwick-
lungsmöglichkeiten ihres
Kindes und lernen, dies
entsprechend zu fördern
· Stärkung des Urvertrauens
beim Baby/Kind, durch die
Unterstützung der Mutter
beim angemessenen Umgang
mit ihrem Kind
· Sicherstellung einer guten
emotionalen und körperlichen
Grundversorgung der Kinder
· Schulung und Unterstützung der
jungen Mütter in und bei der
Versorgung und Erziehung ihrer
Kinder
· Vermittlung von Versorgungs-
und Erziehungskompetenzen
· Einübung eines am Wohl des
Kindes ausgerichteten Umgangs
mit dem Kind
· Stärkung der Eigenwahrneh-
mung der Mütter
· Stärkung des Selbstwertes der
jungen Mütter
Umfang
Pro Jahr zehn Elternkurse „Starke
Eltern – Starke Kinder“ (6 bis 12
TeilnehmerInnen), die in Koopera-
tion mit unterschiedlichen Einrich-
tungen der Jugendhilfe durch-
geführt werden
sowie ein spezieller Elternkurs für
russisch-deutsche Familien
eine durchgehende Gruppe von
6 bis 12 Teilnehmerinnen, die je
nach Kapazität und Bedarf bis zur
Maximalzahl an Teilnehmerinnen
aufgestockt wird
Zwei durchgehende Gruppen für
je 12 Mütter mit ihren Babys
Eine Gruppe von 8 bis 10 jungen
Schwangeren, Müttern und deren
Kindern
Anlage 2
Anlage 2 zur Vorlage „Familien stärken - Eltern im Fokus präventiver Angebote - Ein dreijähriges Modellprojekt“
2
Deutscher Kinderschutzbund
Ortsverband Münster e.V.
Caritasverband für die Stadt
Münster e.V.
Anna-Krückmann-Haus e.V. in
Kooperation mit dem Haus der
Familie e.V.
Beratungsstelle für Kinder,
Jugendliche und Erwachsene
Südviertel e.V.
Beantragter
Jahreszuschuss
14.500 € 9.250 € 19.125 € 1 Anna Krückmann Haus
19.125 € Haus der Familie
14.200 €
Methoden
Ausgehend von fünf Fragestel-
lungen werden die Inhalte kurz
theoretisch beleuchtet und dann auf
Basis gruppendynamischer und
rollenspezifischer Prozesse
eingeübt.
1. Welche Werte und Erzie-
hungsziele haben wir in der
Familie?
2. Wie kann ich das Selbstwert-
gefühl des Kindes unter-
stützen?
3. Wie kann ich meinem Kind
helfen, wenn es Probleme hat?
4. Wie drücke ich meine
Bedürfnisse aus?
5. Wie lösen wir Probleme in der
Familie?
Die Methoden orientieren sich
grundsätzlich an den Vorausset-
zungen in Bezug auf Bildungs-
stand, verbale Fähigkeiten und
soziale Kompetenz der Eltern. Es
werden dem entsprechend unter-
schiedliche Lernmethoden einge-
setzt:
· Modelllernen
· Rollenspiele
· Kleingruppenarbeit
· Einsatz verschiedener Medien
· Gemeinsames Tun: z.B.
Aufwärm- und Entspan-
nungsübungen, meditative
Angebote
· Gruppenerfahrungen
Einsatz von Foto- und Video-
kameras ist zentrales Element
Gemeinsame Reflexion der auf-
gezeichneten Sequenzen führen
zu einem besseren Verstehen der
Bedürfnisse und Entwicklungen
der Kinder, in der Folge erhöht
sich die Qualität der Förderung
der Kinder durch die Mütter und
letztendlich die Mutter Kind-
Bindung insgesamt
· Gesprächskreise
· Selbsterfahrung
· Rollenspiele
· Teilnahme an Kursen in
Familienbildungsstätten
· Bildungsfahrten
· Werken und Basteln
· Aktivitäten zur Freizeitgestaltung
· Körperarbeit
Bezugsraum
Nach Bedarf, alle Stadtteile,
beginnend mit Hiltrup und Mitte
Münster Süd-Ost Coerde und Gievenbeck Insbesondere Südviertel und Berg
Fidel, aber auch andere Stadtteile
Kooperation
Mit anderen Trägern der Jugend-
hilfe (z.B. Kindertageseinrich-
tungen, Stadtteiltreffs), u.a. auch
zur Verortung des Angebots
Internes Kooperationsprojekt zwi-
schen der Sozialpädagogischen
Familienhilfe und der Erziehungs-
beratungsstelle des CV
sowie Kooperationspartner aus
dem Stadtteil
Kooperationspartner aus den
jeweiligen Stadtteilen
· KSD
· Familienbildungsstätten
· Arztpraxen
· Beratungsstellen
· Freie Träger der Jugendhilfe
1 Das Anna Krückmann Haus und das Haus der Familie haben bei der Aktion Mensch einen Antrag auf Kostenübernahmen für das Projekt Sure Start gestellt, je nach
Entscheidung kann sich hier der notwendige städtische Zuschuss reduzieren
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (2)
- Friedrich-Ebert-Straße 114
- Mauritzstraße 7
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0342/2005
- Typ
- Vorlage
- Datum
- 28.04.2005
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37