V/0383/2012
Umbenennung des Castellewegs
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Beschlussvorlage
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V/0383/2012 DER OBERBÜRGERMEISTER Vermessungs- und Katasteramt Betrifft Umbenennung des Castellewegs Beratungsfolge 23.08.2012 Bezirksvertretung Münster-Ost Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Entsprechend der Empfehlung der Kommission Straßennamen wird der Castelleweg um- benannt. 2. Der bisherige Castelleweg erhält einen neuen Namen aus der Anlage 2. 3. Die Anregung nach § 24 Gemeindeordnung Nr. 84/2011 vom 05.07.2011 ist damit erledigt (Anlage 3). 4. Der Antrag der SPD-Fraktion der BV-Ost Nr. A-O/0008/2012 vom 19.04.2012 ist damit in Bezug auf den Castelleweg erledigt (Anlage 4). II. Finanzielle Auswirkungen: Es entstehen Kosten für neue Straßennamenschilder. Die Finanzierung ist aus laufenden Mi tteln des Tiefbauamtes aus dem Budget „1201-Straßenerhaltung“ sichergestellt. Begründung: Diese Beschlussvorlage zum Castelleweg steht im Zusammenhang mit de n stadtweiten Diskussi- onen über NS-belastete Straßennamen. Ein Ausgangspunkt der Diskussionen war im Mai 2007 der Antrag der SPD-Fraktion der BV-West auf Umbenennung des Carl -Diem-Weges. Ebenfalls im Mai 2007 ha t die SPD-Fraktion in der BV - Mitte um Prüfung der Vorwürfe gegen den Namensgeber des Jöttenweges gebeten sowie einen Bericht über die Straßennamen angefordert, deren Namensgeber in die Unrecht staten bzw. Vorlagen-Nr.: V/0383/2012 Auskunft erteilt: Herr Zimmermann Ruf: 492 62 42 E-Mail: ZimmermannBernhard@stadt-muenster.de Datum: 14.05.2012 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0383/2012 Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus verstrickt waren. Diese Prüfung führte zu einem Auftrag an den Historiker Dr. Schmidt, der die Namensgeber der Straßen im Stad tbezirk Mitte a uf deren Verstrickung in die Unrechtst aten des NS -Regimes überprüfen sollte. In seinem Gutachten b e- nannte Dr. Schmidt 29 Personen, die er in 4 Kategorien eingeteilt hatte: Kategorie 1: keine Nähe zum NS-Regime Kategorie 2: Haltung zum NS-Regime nicht eindeutig Kategorie 3: Aktive Stützen des NS-Regimes Kategorie 4: Beteiligung an Kriegsverbrechen oder Unrechtstaten Während in der Kategorie 4 keine Namensgeber auf Münsters Straßenschildern vorha nden sind, sind es in der Kategorie 3 nach dem Gutachten Schmidt 7 Personen (Franz Ludwig, Ludwig Hum- borg, Karl Wilh. Jötten, Hans Pfitzner, Alfred Stühmer, Karl Wagenfeld und Agnes Miegel), davon liegt die Agnes-Miegel-Straße im Stadtbezirk Ost. Ein weiterer Prüfauftrag des Oberbürgermeisters an das Stadtarchiv zu den Straßennamen im übrigen Stadtgebiet ergab drei weitere Namensgeber in der Kategorie 3 aus dem Stadtbezirk Münster -Ost (Friedrich Castelle, Heinrich Lersch und He r- mann Stehr). Darüber hinaus hatte der Ratsantrag der SPD -Fraktion vom Januar 2008 zur Umb e- nennung des Hindenburgplatzes die Debatte um Straßennamen sehr stark in die Öffentlichkeit getragen. Nach der Kommunalwahl 2009 hat der erweiterte Ältestenrat des Rates beschlossen, eine Kom- mission unter der Leitung des Oberbürgermeisters einzusetzen, der alle im Rat vertretenen Partei- en und die Historiker Prof. Dr. Thamer und Prof. Dr. Kenkmann angehören sollten. Diese Kommission sollte über die zehn Personen der Kategorie 3 (dazu Diem und Hinde nburg) also über zwölf Namensgeber beraten. Im Vordergrund des Prüfauftrags stand nicht die Bewertung der gesamten Lebensleistung dieser Personen, sondern ob und inwieweit die N amensgeber das NS-Regime gestützt ha ben. Außer der Beratung über historische Fakten sollte die Kommission den entscheidungsbefugten Gremien (Rat und Bezirksvertretungen) ihre Empfehlung mitteilen, ob die Ehrung durch den Straßennamen nach wie vor angemessen sei und ei ne Umbenennung statt- finden solle oder nicht. Nach Abschluss der Kommissionsarbeit hat der erweiterte Ältestenrat die Ergebnisse und Empfeh- lungen der Kommission am 07.07.2011 entgegengenommen und die Verwaltung beauftragt, diese Ergebnisse in einer breit angelegten Informations- und Kommunikationsphase zu veröffentlichen. Zusätzlich sollte die Verwaltung eine repräsentative Bürgerumfrage zur Frage der „Ehrung“, die mit der Benennung einer Straße nach einem Namensgeber verbunden ist, durchführen. Die se Bürge- rumfrage sollte eine zusätzliche Informationsquelle für die Diskussion in den Gremien bilden, diese aber nicht binden. Die Informations- und Kommunikationsphase hatte zum Ziel, über die Ergebnisse der Ko mmission zu informieren. Insbesondere sollte die auf n euen Erkenntnissen der historischen Forschung b a- sierende Einschätzung der Kommission zu den Namensgebern vermittelt werden, da diese E r- kenntnisse vermutlich in weiten Teilen der Bürgerschaft nicht bekannt sind. Im Vordergrund der Information sollte daher nicht die gesamte Lebensleistung der Namen sgeber stehen, sondern sollten insbesondere die neuen historischen Fakten stehen, nach denen die N a- mensgeber nach heutiger Bewertung nicht mehr als Vorbilder dienen können und eine Ehrung nicht verdient haben. - 3 - V/0383/2012 Die Information der Öffentlichkeit erfolgte unter dem Motto „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ - mit einer neuen Internetseite auf der Homepage der Stadt unter www.muenster.de/stadt/strassennamen, freigeschaltet seit 21.12.2011 - mit der Ausstellung „Widerstände im Münsterland“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 19.11. - 21.12.2011 - mit der Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt ?!“ in der Bürgerhalle des Rathauses vom 26.01. - 16.03.2012 - mit einer Eröffnungsveranstaltung zur Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ am 25.01.2012 im Rathaus-Festsaal - mit zwei Informationsveranstaltungen in den Stadtbezirken Ost und Mitte am 26.01.2012 und 09.02.2012 - mit einer Podiumsdiskussion „Ehre, wem Ehre gebührt?! - Geschichte und Verantwortung in einer demokratischen Gesellschaft“ mit prominenten Podiumsteilnehmern am 29.02.2012 im Rathaus-Festsaal Ergebnisse der Bürgerumfrage Die repräsentative Bürgerumfrage wurde vom Amt für Stadtentwicklung, Stadtplanung, Verkehr s- planung in der Zeit vom 25.01. - 15.02.2012 durchgeführt. Es wurde unter anderem die Frage g e- stellt: „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch B e- nennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ Knapp 70 Prozent der Antworten lauteten „Ja“. Auf die weitere Frage „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürge r- schaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stü t- zen des NS -Regimes erwiesen haben?“ sprachen sich knapp 40 Prozent der Befragten für eine Umbenennung aus. Die einzelnen Umfrageergebnisse sind in Anlage 1 beigefügt. Empfehlung der Kommission Straßennamen Die Kommission hat in ihrer abschließenden 4. Sitzung am 15. Juni 2011 zusammengefasst fo l- gende Empfehlungen abgegeben: "Die Kommission empfiehlt – wegen der Parallele zu Karl Wagenfeld - einstimmig die Umbe- nennung des Castelleweges." Nachrichtlich die Empfehlung der Kommission zu Karl Wagenfeld: "Die Kommission empfiehlt einstimmig (bei 1 Enthaltung) die Umbenennung der Wagenfeld- straße. Maßgeblich für das Votum war, dass Wagenfeld sich aus voller Überzeugung, nicht aus opportunistischen Gründen, dem NS-Regime angedient hat. Auf seine Arbeit vor 1933 konnte die nationalsozialistische Ideologie aufbauen." - 4 - V/0383/2012 Die im Folgenden angeführte Begründung für die Umbenennung ist dem vom Stadtarchiv aufberei- teten Internetangebot „Ehre wem Ehre gebührt!?“ entnommen. Castelleweg Die Straße wurde 1958 benannt nach Dr. Friedrich Castelle, * 30.04.1879 in Appelhülsen † 15.01.1954 in Rhe ine, Mundart-Dichter, Herausgeber literarischer Werke, Rezitator, Redakteur, Rundfunk-Sendeleiter und Intendant. Friedrich Castelle und der Nationalsozialismus Politische Mitgliedschaften 1. Mai 1933: Eintritt in die NSDAP (Mitgliedsnummer 2468358) 1933–1937: Obmann der NS-Kulturgemeinde für den Kreis Steinfurt Weitere NS-Mitgliedschaften: Deutsche Arbeitsfront, Nationalsozialistische Volkswohlfahrt, Natio- nalsozialistische Kriegsopferversorgung und Reichsluftschutzbund, Reichsschrifttumskammer (Zwangsorganisation für Schriftsteller und Publizisten), Reichsrundfunkkammer NS-Publizist Castelle "Gesundungsprozess" Schon vor 1933 leistete Castelle den Nationalsozialisten publizistische Unterstützung. Ab 1930 bestimmte er als Herausgeber der Zeitschrift "Der Türmer. Monatsschrift für Gemüt und Geist" die publizistische Leitlinie des Blattes. In einer Bücherschau im "Türmer" von 1932 machte er vor a l- lem Werbung für nationalsozialistische Autoren. Die Zunahme nationalsozialistischer Literatur sah er als "Gesundungsprozess". Mit größtem Lob versah er die Biografie Horst Wessels von Horst Ewers, die maßgeblich dazu beitrug, den SA-Mann zu glorifizieren: "Diese Anregung griff Ewers heraus und [erzählt] nun in der Gestalt des für die junge deutsche Freiheitsbewegung den Märtyrertod gestorbenen Horst Wessel das Schicksal unserer Tage und der deutschen Jugend." "Alles wird dem Dienst an Volk und Vaterland untergeordnet." Nach der NS-Machtübernahme 1933 warb Castelle im " Türmer" immer offensiver für die nationa l- sozialistische Bewegung. In Heft 3 des Jahrgangs 1933 findet sich seine Zielsetzung für die z u- künftige Gestaltung des Blattes: "Alles wird dem Dienst an Volk und Vaterland untergeordnet." Und "Der Kampf um die geistige Freiheit im Sinne des Führers ist immer unser erstes und letztes Ziel gewesen seit 35 Jahren, er wird unser letztes und erstes Ziel bleiben in der Zukunft." Die Bestimmung der Zei tschrift sei es, "bei diesem gewaltigen Aufbruch aus einer herrlichen Volkserneuerung heraus, die wertvollen und wesenhaften Errungenschaften des neuen Zeitalters zu sammeln und nutzbar zu machen für die Gesamtkultur des Volkes". Zu der von ihm bezeichne- ten neuen geistigen Freiheit trugen dann anscheinend auch anonyme Beiträge wie etwa "1600 Jahre 'deutschen' Judentums" bei. - 5 - V/0383/2012 "Ausrottung des "Untermenschentum" In der Stellungnahme "Deutsche Wandlung – Deutschlands Rettung" zur nationalsozialistischen Machtübernahme rief Castelle 1933 zur " Ausrottung" des "Untermenschentum, das in Kommuni s- mus und Bolschewismus seine gefährlichsten Ausstrahlungen hat", auf. Die Gefahr, die vom " Untermenschtum" ausgeht, sah er vorläufig gebannt durch den ' Zugriff einer starken Polizeimacht': "Es gärt und glimmt allüberall unter den Trümmern einer von dem unerbittl i- chen und unnachsichtlichen Zugriff einer starken Polizeimacht in Deutschland vorläufig vernicht e- ten Gewalt." Bei dieser Aussage hat es den Anschein, als wenn Castelle die erste nationalsozialis- tische Verfolgungswelle von politischen Gegnern nach der Machtübernahme legitimieren wolle. Das erschien ihm jedoch nicht ausreichend: " Wenn nicht die ganze Nation sich erhebt gegen das Untermenschentum, wenn es sich nicht immer wi eder vergegenwärtigt, daß diese Gefahr für die Kultur der Menschheit mit Stumpf und Stiel ausgerottet werden muß,[...] dann wird die Menschheit dieser vernichtenden Kraft niemals Herr werden." Castelles publizistische Tätigkeit für den Nationalsozialismus wurde wohlwollend betrachtet. Zu seinem 60. Geburtstag würdigte ihn der Münsterische Anzeiger am 30.04.1939. Mit seiner schon 1919 verkündeten Zielsetzung, dem Volk die Heimat zu erschließen, Stammesbewusstsein wieder zu wecken und für die Erneuerung des Vaterlandes sorgen, habe "Castelle eine Idee verwirklichen helfen, die, [...] heute als Programmpunkt des nationalsozialistischen Kulturschaffens siegreich sich durchgesetzt hat." Weiter lobte der Artikel: "Castelle hat dann auch den 'Türmer' mit beachtl i- chem Erfolge allen Widerständen der Zeit entgegen, mit unbeirrtem Gefühl für das völkisch Echte immer mehr ausgebaut." "Blutvolles Erlebnis" - Publizistische Aktivitäten Castelles in Westfalen Castelle setzte sich auch in seiner Heimat Westfalen publizistisc h und durch Herausgebertätigkeit für den Nationalsozialismus ein. Er unterstützte zusammen mit Karl Wagenfeld die westfälische Heimatbewegung und schrieb Beiträge für die Zeitschrift des Westfälischen Heimatbundes. In e i- ner von Castelle herausgegebenen Festgabe zum 70. Geburtstag von Karl Wagenfeld (1939) lässt er erneut seine Nähe zum Nationalsozialismus deutlich werden. In seiner Kurzbiographie Wage n- felds, den er als "Kämpfer fürs Volkstum" bezeichnete, beschrieb er im nationalsozialistisch g e- prägten Jargon die Volkstumsarbeit des Heimatbundes: "Vor allem galt es jetzt, zunächst einmal das in jüdischer Versklavung zerrüttete Bauerntum aufzurütteln und an seiner Ehre zu packen." (S. 13) Und weiter: "Das Jahr der Entscheidung brach an: 1933. Von Anbeginn an stellte sich der Stoßtrupp der Westfälischen Heimatbundes unter Karl Wagenfeld in die Kampfreihe der nationalsozialistischen Bewegung [...] begann mit dem Nationalsozialismus nun erst recht den Kampf für Volkstum und Heimat." (S. 14) Wagen- felds Gedichte sind für ihn "blutvolles Erlebnis". (S. 18) Castelle bemühte sich intensiv um den Aufbau eines Kultes um den Dichter Hermann Löns. Als Herausgeber des Gesamtwerks von Löns kümmerte er sich um die durch Hitler unterstützte Über- führung der sterblichen Überres te des Dichters von Frankreich nach Deutschland. In einem groß inszenierten Bestattungsakt trat er in Partei-Uniform auf und hielt eine Totenrede auf Löns. Er stell- te ihn als literarischen Wegbereiter des NS-Staates dar. Castelle schwärmte im Löns-Gedenkbuch von der Bestattung: "Die Kupferbüchse mit der Urkunde des Führers blinkte in der Sonne. Frie d- rich Castelle legte sie nieder, dankte der Wehrmacht des neuen Reiches für die Ehrung." Das von Castelle zusammengestellte "Löns -Gedenkbuch" trug dazu bei, Her mann Löns für den NS-Staat zu vereinnahmen. Sein Vorwort im Löns -Gedenkbuch schloss er mit den Worten: "Denn diese deutsche Persönlichkeit hat in dem Niederbruch eines ganzen Volkes sich unter Kampf und - 6 - V/0383/2012 Not alle jene Tugenden gerettet, aus denen sich der n eue deutsche Mensch im Dritten Reich g e- staltet. Dr. Friedrich Castelle." Während er nach außen anscheinend zuverlässig dem Nationalsozialismus zugetan war und auch die Gunst hoher Nationalsozialisten genoss, scheint Castelle in internen Parteigremien auch durch problematisches Verhalten aufgefallen zu sein. In den Akten der Reichsschrifttumskammer finden sich Belege aus der Zeit nach 1939 für seine geringe Neigung, Parteibeitragsleistungen zu zahlen. Er hatte auch in den Folgejahren mehrfach Probleme mit de n NSDAP-Stellen in Berlin. Castelle wurde sogar in einem Schreiben als " Konjunkturritter" und damit als politisch wenig zuverlässig bezeichnet. Dieser Konflikt scheint jedoch nicht unbedingt Ausdruck politischer, sondern eher menschlicher Schwächen zu sein. Karriere beim Rundfunk Durch seine Unterstützung des Nationalsozialismus und die engen Beziehung zu hohen NSDAP - Funktionären erreichte Castelle einige Karrieresprünge. Heinrich Glasmeier, dem nationalsoziali s- tischen Intendanten des Kölner Rundfunksenders, verdankte er seinen beruflichen Einsatz bei der Sendestelle Münster. Glasmeier hatte nach seinem Dienstantritt sofort für die Entlassung politisch und "rassisch" unliebsamer Mitarbeiter gesorgt. Eine der frei werdenden Stellen besetzte er 1933 mit Castelle. Die Nationalsozialisten Heinrich Glasmeier und Gauleiter Alfred Meyer ermöglichten Castelle eine weitere Position in der Sendeleitung in Köln. Bei der Antrittsfeier zeigte er sich wie schon früher demonstrativ in Partei -Uniform. In Beiträgen stellte er seine enge Bindung zum Nationalsoziali s- mus immer wieder unter Beweis. So berichtete er in der Zeitschrift "Rundfunk" 1938 von seinem anscheinend für ihn eindrucksvollen Besuch des Reichsparteitages in Nürnberg mit den Worten: "Hier ist jene geheimnisvolle Gemeinschaft des Dritten Reiches [zu spüren], jene Gemeinschaft, die Bekenntnis wird zu den gewaltigen Errungenschaften des neuen Reiches." Auch in den Folge- jahren bis zu seiner Abordnung nach Luxemburg bestätigte er seine Nähe zum Nationalsoziali s- mus. Heranziehung einer einsatzbereiten, wehrhaften deutschen Jungmannschaft Noch 1933 ergab sich eine weitere Karrierechance im kulturpolitischen Bereich. Sein NS - konformes Verhalten brachte ihm eine leitende Funktion im "Reichsfachamt für Volksbildungsw e- sen" ei n. Castelle fasste seine Aufgaben Ende 1933 in den "Blättern für nationalsozialistische Volkstumsarbeit und Lebensgestaltung" zusammen: "Hand in Hand mit der Facharbeit muß die Aufklärungsarbeit gehen. Deshalb wird unter Befür- wortung des Reichspropagandaministeriums die Gesellschaft für Volksbildung in die Arbeit des RVH eingesetzt. Die Gesellschaft für Volksbildung trug nämlich Volkskulturarbeit schon in früheren Jahren in weiteste Kreise der Arbeiter- und Bauernschaft hinein. Ihr obliegt ein wichti- ger Teil der Werbearbeit, das Wollen der deutschen Volkstumsbewegung seiner Verwirklichung zuzuführen. Die Aufklärungsarbeit von Mund zu Mund, die Werbearbeit eigener Redner wird den Volkstums- und Heimatgedanken bis an die letzten Volksgenossen herantragen und sie für die Volkstumsarbeit und Heimatarbeit gewinnen." Es galt, in Veranstaltungen, Vorträge und Aufführungen das völkische Bewusstsein und die "seeli- sche Wehrhaftmachung" zu fördern. Die Leitungsfunktion hatte Castelle bis zur Auflösung des Am- tes 1935 inne. - 7 - V/0383/2012 Friedrich Castelle nach 1945 "Weil stark positiv für die NSDAP taetig – Rehabilitierung abgelehnt." Nach Kriegsende blieb Castelle bis Ende 1945 im englischen Internierungslager Recklinghausen - Süd. Aufgrund seiner Mitgliedschaft bei der NSDAP und seine r Funktionen wurde seine Rehabil i- tierung im Juni 1946 zunächst abgelehnt. Die Empfehlung des zuständigen Entnazifizerungs - Sachverständigen lautete: "Weil stark positiv für die NSDAP taetig – Rehabilitierung abgelehnt." Castelle legte im Januar 1947 Berufu ng ein. Er spielte seine Rolle im Dritten Reich herunter und gab an, nur Opfer der Verhältnisse gewesen zu sein. Seinen Widerspruch begründete er damit, dass er nur in die NSDAP eingetreten sei, " weil ich in dem angekündigten, aber später leider nicht eingehaltenen kulturellen und sozialen Programm der NSDAP Vorteile für die Entwicklung eines gesunden deutschen Volkstums gesehen habe." Außerdem habe er größeres Unheil vermeiden wollen. Er habe bestimmte Ämter nur übernommen, "weil keine andere, in kulturell en Dingen erfahrene Persönlichkeit zu finden war" und weil ihn Heimatvereine darum gebeten hätten. Es könne ihm von 1933 bis 1937 "keinerlei aktive Tätigkeit im politischen Sinne nachgewiesen werden." Für die Zeit von 1937 bis 1942 sei er stets nur künstlerischer Programmdirektor gewesen und habe "stets neut- ral und objektiv, also völlig unparteiisch gearbeitet." Deshalb sei er auch von der Gestapo und den Gaufunkwarten "argwöhnisch beobachtet, der Reichsleitung des deutschen Rundfunks immer wie- der als der ‚ katholische Dichter’ verdächtigt, 1942 endlich als 'Reaktionär' angeprangert" und schließlich seines Amtes enthoben worden, weil er "politisch unzuverlässig" gewesen sei. Auch wenn man ihn für unzuverlässig hielt, habe man sein Gehalt bis 1945 weitergezahl t, weil er seinen Aufgabenbereich einwandfrei geführt habe. Zahlreiche Weggefährten attestierten Castelle im Entnazifizierungsverfahren, kein Nationalsozialist gewesen zu sein. Augustin Wibbelt bezeichnete ihn als "harmlose Singvogelnatur". Der politisch ebenfalls belastete Geschäftsführer des Westfälischen Heimatbundes, Dr. Wilhelm Schulte, best ä- tigte 1947, dass Castelle bei seinen Tätigkeiten keine politischen Absichten verfolgt habe. Friedrich Castelle wurde schließlich am 5. Mai 1947 von den zuständigen Stellen vollständig reha- bilitiert. An seinem Begräbnis im Jahr 1954 erwiesen ihm hochrangige Vertreter des öffentlichen Lebens die letzte Ehre. Zur Person Friedrich Castelle Lebenslauf ab 1898: Germanistik-Studium 1902: Promotion in Münster 1899–1904: Schriftleiter in verschiedenen Städten, Vortragskünstler, Schriftsteller 1904–1921: Feuilleton-Schriftleiter beim Münsterischen Anzeiger 1912–1915: Herausgeber der Zeitschrift "Deutschland" 1914–1919: Leitung der Presseabteilung Generalkommando des VII. Armeekorps 1916: Mitbegründer des Westfälischen Heimatbundes, Tätigkeit als Schriftführer - 8 - V/0383/2012 Ab 1919: Begründung und Herausgabe der Zeitschrift "Heimatblätter der Roten Er- de" (mit Karl Wagenfeld) 1919–1921: Dozent Pressewesen in Münster, danach in Düsseldorf 1919: Roman "Dreizehnmännergasse" 1921: Übernahme der Schrifttumsleitung der Volksschriftzeitung "Der Bergstadt" in Breslau, die später mit der Zeitschrift "Der Türmer" zusammen gelegt wurde 1922: Roman "Heilige Erde" 1930–1937: Herausgabe der Zeitschrift "Der Türmer" (Völkisch-Konservatives Periodi- kum aus Berlin) 1933–1937: Kreiskulturwart des Kreises Burgsteinfurt 1926–1930: Leitung der Sendestelle Düsseldorf des Westdeutschen Rundfunks. Seine Einstellung erfolgte gegen den Widerspruch des Intendanten Ernst Hardt, da sich das Sendeprofil nicht mit einem völkischen Heimatschriftsteller mit rechtsextremen Kontakten vereinbaren ließe. 1930: Rückkehr in Münster Ab 1933: Leitende Funktion im Reichsfachamt für Volksbildungswesen im Amt für Volkstum und Heimat 1937–1940: Sendeleiter des Reichssender Köln, später stellvertretender Intendant 1940–1942: Leiter einer Presse- und Nachrichtenabteilung sowie Leiter des Senders Luxemburg 1945: Verhaftung und Internierung im englischen Lager Recklinghausen-Süd Nach der Haftentlassung lebte er in Burgsteinfurt, übernahm Rezitations- und Vortragstätigkeiten und verfasste plattdeutsche Hörspiele. Ehrungen 1925: Literaturpreis des Deutschen Bundes für Nationales Schrifttum für den westfälischen Bauernroman „Heilige Erde“ 29.07.1958: Straßenbenennung in Münster-Ost 1987/1988: Wiederherrichtung seines Grabes auf dem Mauritzfriedhof Weitergehende Informationen Weitere Dokumente, Quellen - und Publikationsangaben finden sich auf der Internetse ite www.muenster.de/stadt/strassennamen/ Die Anregung Nr. 84/2011 Mit der Anregung Nr. 84/2011 vom 05.07.2011 sprechen sich Anlieger des Castellewegs g egen eine Umbenennung aus. Der Anregung liegt eine Unterschriftenliste (4 Seiten) bei. - 9 - V/0383/2012 Der Antrag der SPD-Fraktion Nr. A-O/0008/2012 Mit dem Antrag spricht sich die SPD -Fraktion in der BV Münster -Ost unter Verweis auf die Em p- fehlung der Kommission Straßennamen für die Umbenennung des Castellewegs und weiterer Straßen im Bezirk Münster-Ost aus. Fazit Aufgrund der einstimmigen Empfehlung der Kommission schlägt die Verwaltung die Umbenennung des Castellewegs vor. Von der Umbenennung sind 43 gemeldete Einwohnerinnen und Einwohner unter 14 Hausnummern betroffen. Neuer Straßenname In Anlage 2 schlägt die Verwaltung Straßennamen vor, die für die Verwendung im Stadtbezirk Münster-Ost geprüft sind. In Vertretung Schultheiß Stadtdirektor Anlagen: 1 Ergebnis der Bürgerumfrage 2 Vorschläge für neue Straßennamen 3 Anregung § 24 GO Nr. 84/2011 4 Antrag SPD Nr. A-O/0008/2012 5 Übersichtsplan
Anlage-5-Übersichtsplan
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Castell we e g Anlage 5 V/0383/2012
Anlage-1-Bürgerumfrage-Ergebnisse
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Anlage 1 Anlage 1, Seite 1 Bürgerumfrage 2012 „Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen“ - Zusammenfassung der Ergebnisse 1. Auftragslage und Zielstellung - Beschluss des erweiterten Ältestenrates der Stadt Münster vom 07.07.2011 - Grundlage: Ergebnisse der Kommission „Straßenname n“ - Gewinnung zusätzlicher Informationen mittels eine r repräsentativen Bürgerumfrage parallel zur Informations- und Kommunikationsphase (v. a. Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ vom 26.01. – 16.03.2012) - Leitfrage: „Wie soll sich Münster zu Persönlichke iten stellen, die sie durch Straßennamen für ihr Lebenswerk in besonderer Weise geehrt hat, wenn sich diese Ehrung aufgrund neuer Forschungsergebnisse als fragwürdig erweist?“ 2. Methodik - Befragungszeitraum: 25.01. – 15.02.2012 - Zufallsstichprobe: 5.126 Bürgerinnen und Bürger ( über 18 Jahre, Hauptwohnsitz) - Rücklauf: 1.937 Fragebögen (37,8 % Rücklaufquote) - Ergebnisse lassen sich grundsätzlich auf Münstera ner Bevölkerung übertragen 3. „Sind Sie generell dafür, Personen mit besonderer zeitgeschichtlicher Bedeutung durch Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen in Münster zu ehren?“ (Frage 1) - Ja, auf jeden Fall: 69,7 % - Ja, aber nur für Personen mit Bezug zu Münster: 1 7,5 % - Nein: 6,5 % - Ist mir egal: 4,4 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 0,8 % - Ohne Angabe: 1,1 % 4. „Nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen ist der damalige Reichspräsident Paul von Hindenburg als Stütze des NS-Regimes anzusehen. Besteht heute noch ein Anlass, Hindenburg durch die Namensgebung für den größten Platz Münsters zu ehren?“ (Frage 2) - Ja: 35,0 % - Nein: 48,3 % - Ist mir egal: 7,3 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 6,6 % - Ohne Angabe: 2,8 % Anlage 1, Seite 2 2 5. „Es gibt - neben dem Hindenburgplatz - noch weitere Anträge aus Bürgerschaft und Politik zur Umbenennung von Straßen und Wegen: Was würden Sie vorschlagen, wenn sich deren Namensgeber/innen nach neueren quellengestützten Forschungsergebnissen als Stützen des NS-Regimes erwiesen haben?“ (Frage 3) - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind: 27,6 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen so bleiben wie sie sind; es soll aber jeweils ein Zusatzschild mit Erläuterungen zu den Namensgebern angebracht werden: 30,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden ; auf den künftigen Straßenschildern soll aber auf die ehemaligen Namen hingewiesen werden: 16,2 % - Die Namen der Straßen/Wege sollen geändert werden : 22,6 % - Ist mir egal: 0,6 % - Weiß nicht/kann ich nicht beurteilen: 1,3 % - Ohne Angabe: 1,5 % 6. „Fühlen Sie sich zum Thema 'Ehrung von Personen durch Straßenbenennungen' ausreichend informiert?“ (Frage 4) - Ja: 56,4 % - Ja, zum Teil: 30,3 % - Nein: 11,4 % - Ohne Angabe: 1,9 % 7. Fehlt Ihnen etwas an Informationen zu diesem Thema? (Frage 5) - Offene Frage: 512 Nennungen von 422 Befragten, d. h. 21,8 % der Umfrageteilnehmerinnen und -teilnehmer haben sich mittels Freitext geäußert - Nur ein geringer Teil der Nennungen bezieht sich auf „weitergehenden Informationen“: 4,3 % „weitere Informationen fehlen“; 3,1 % „mehr Informationen in Medien“ - Häufiger wird die Frage der „Kosten“ kritisch angesprochen: 7,6 % „Kosten insgesamt“, 7,0 % „Kosten der Umbenennung“ - Auch machen die Anmerkungen deutlich, dass nicht alle Befragten die neueren Forschungen teilen, dass Hindenburg und weitere Namensgeberinnen/-geber als Stützen des NS-Regimes anzusehen sind: 8,2 % „Suggestive Fragestellung“, 5,5 % „Begründung zweifelhaft“ (Hindenburg) bzw. 5,1 % (weitere Namensgeber) - Bezogen auf alle Umfrageteilnehmer/innen liegen d iese Antwortanteile bei 2,2 % („Suggestive Fragestellung“), 1,4 % („Begründung Hindenburg zweifelhaft“) und 1,3 % („Begründung weitere Namensgeber zweifelhaft“) - Ebenso werden auch „neue Namensvorschläge“ für de n Hindenburgplatz genannt (5,5 % aller Nennungen bzw. 1,4 % bezogen auf alle Umfrageteilnehmerinnen und - teilnehmer), wobei hier der „Schlossplatz“ (3,7 %) überwiegt; vereinzelt werden weitere Namen genannt (z. B. Neuplatz, Friedensplatz)
Anlage-4-Antrag-SPD-0008-2012
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A-0/0008/2012 in der BV Münster Ost 19. April 2012 Anlage 4 Antrag an die BV Betr.: Straßenumbenennungen Die BV möge beschließen: Der Stehrweg, der Castelleweg und die Agnes-Miegel-Straße werden umbenannt. Begründung Es wird auf die Empfehlungen der Kommission „Straßennamen“ sowie auf die Ausstellung „Ehre, wem Ehre gebührt?!“ verwiesen. Weiterer mündlicher Vortrag erfolgt nach Aufruf der Sache. Für die Fraktion
Anlage-3-Anregung-84-2011
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Anregung Nr. 84/2011 OB Zu run Kurt 48155 Münster Rückfragen an Oberbürgermeister der Stadt Münsi£r Herrn Markus Lewe Stadthaus ! 48127 Münster Münster, 5. Juli 2011 Sehr geehrter Herr Lewe, wie wir den Westfälischen Nachrichten vom 18.06. und 23 06.2011 entnehmen mussten, soll der Castelleweg in 48155 Münster-St.Mauritz umbenannt werden Wir, die wahlberechtigten Eigentümer und Anwohner des Castellewegs, sind mit einer Umbenennung nicht einverstanden. Bisher haben 93,6 % der Anwohner für die Beibehaltung des Straßennamens votiert (s. beiliegende Unterschriftenliste in Kopie) Drei Personen unterstützen unser Anliegen nicht. Wir gehen davon aus, dass das mehrheitliche Votum der Eigentümer und Anwohner bei der anstehenden Entscheidung berücksichtigt wird Mit freundlichen Grüßen £ Anlage: Unterschriftenliste Castelleweg (vier Seiten) cc: - Oberbürgermeister Herr M. Lewe - Bezirksbürgermeisterin Frau M. Klimek - Bezirksleiterin Frau Groh - Ratsherr Herr W. von Göwels Betreff: Umbenennung des Straßennamens — Castelleweg — 48155 Münster Wir, die Anlieger und Unterzeichnenden, bekunden hiermit, dass der Straßenname — Castelleweg — in Münster beibehalten werden soll. Mit einer Umbenennung sind wir nicht einverstanden. Anlage Nr. Vorname Nr. | Castelleweg , Münster [Datum 48155 Unterschrift 3 ! Ä - 3: ht IC.06 -71 m) x 06 ‘An ) D fest Br 3 6 12 N IE net | Een Fo Unterschriften der volljährigen Anwohner des Castelleweos Münster LLOZIPg IN Bunßauuy
Anlage-2-Straßennamen-Vorschläge
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Anlage 2 Vorschläge für neue Straßennamen im Stadtbezirk Münster-Ost Seite 1 Nelly-Sachs-Straße Nelly Sachs (1891-1970) jüdisch-deutsche Schriftstellerin, Sie floh 1939 nach Schweden. 1966 erhielt sie den Nobelpreis für Literatur Anna-Krückmann-Weg Anna Krückmann, * 01.02.1868, † 10.02.1955; Ratsfrau von 1924 bis 1930, Begründerin des Münsterschen Hausfrauenvereins 1915. Mathilde-Grönhoff-Straße Mathilde Grönhoff *1863 †1954, ehrenamtlich engagiert in der Krankenpflege und Fürsorge. Sie gehörte ab 1919 zu den ersten Frauen in der Stadtverordnetenversammlung. 1919-1929 Fürsorgerin am städtischen Gesundheitsamt und 1919-1924 Mitglied im Wohnungsausschuss. Vorschlag der AMF, Arbeitsgemeinschaft Münsterscher Frauenorganisationen, 1989 Henriette-Hertz-Weg Henriette Hertz *1913 † 2001 jüdische Münsteranerin vom NS-Regime verfolgt und beraubt. Sie überlebte die NS-Zeit untergetaucht im Rheinland. Nach der Rückkehr in ihre Heimatstadt stellte sie – wie viele andere Überlebende – einen Antrag auf Rückerstattung für den in der NS-Zeit geraubten Besitz ihrer Familie. Nur ein Bruchteil wurde erstattet. Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel Goldenbergstraße Die Familie Else Goldenberg (1903-1979), Siegfried Goldenberg (1900-1980) und Tochter Mirjam, *1937, wurden 1941 ins KZ Riga deportiert. Die Tochter Mirjam wurde 1942 von dort nach Auschwitz verschleppt und ermordet. Else und Siegfried Goldenberg sind nach Jahren der KZ-Haft und Zwangsarbeit 1945 befreit worden und 1947 nach Münster zurückgekehrt. Jahrelang stellten sie in ihrer Wohnung einen Raum für den Gottesdienst zur Verfügung. Siegfried Goldenberg war von 1946 bis 1976 Gemeinde-Vorsitzender. Else und Siegfried Goldenberg wurde für ihre Verdienste um den Wiederaufbau der münsterischen jüdischen Gemeinde die Paulus-Plakette der Stadt Münster verliehen. Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel Franz-Ballhorn-Weg Franz-Josef Ballhorn (1908–1979); Studium der Sprach- und Gesellschaftswissenschaften in Münster; Leiter des katholischen Sportverbands „Deutsche Jugendkraft“; illegale Aktivitäten gegen den Nationalsozialismus; 1934 Flucht in die Niederlande; Arbeit als Redakteur bei katholischen Widerstandszeitungen; 1940 Verhaftung; 1940-1945 Haft in Berlin und im KZ Sachsenhausen; nach der Befreiung Mitglied in kommunalen Ausschüssen für Entnazifizierung und Wiedergutmachung; Mitglied der VVN, später Vorstandsmitglied des BVN; ab 1947 Amtsdirektor in Nottuln; 1964–1974 Bundesvorsitzender der „Deutschen Jugendkraft“; Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel, 2010 Seite 2 Josef-Henneböhl-Straße Josef Henneböhl *26.02.1909 †1990, hat als „grüner Polizist“ in Amsterdam viele Menschen vor der Deportation in deutsche KZs gerettet. Vorschlag von C. Spieker, Leiter des Geschichtsorts Villa ten Hompel, 2010 Determeyerweg Carl Determeyer, *30.06.1897 Karlshafen, †02.05.1976 Münster, Maler. Determeyer kam 1900 mit seiner Familie nach Münster. In seiner Jugendzeit studierte er Architektur und Kunstgeschichte in Münster, Düsseldorf und München. Zum Lebenswerk des Malers wurde eine stets in Aquarelltechnik ausgeführte kunsthistorische Bestandsaufnahme alter Bauwerke Münsters und des Münsterlandes. Viele der von ihm dargestellten Gebäude existieren nicht mehr. Determeyers Bilder wurden häufig in Kunstzeitschriften publiziert. Werke von ihm befinden sich in 165 Museen des In- und Auslandes. Dobelmannweg Werner Dobelmann *1913 †1985, Finanzbeamter in Münster. Er erforschte in seiner Freizeit die Geschichte der Ortschaften, Bauerschaften und Höfe in Münster-Ost. Er veröffentlichte 1971 Kirchspiel und Stift St. Mauritz, Werse und Berg Fidel, 1974 Amelsbüren, Angelmodde, Handorf und Hiltrup, 1976 Albersloh. Dobelmann wohnte Niedersachenring 45. Vorschlag vom „Schützenverein Werse von 1821“ 1995 Heinrich-Böll-Weg Heinrich Böll (1917-1985) Er gilt als einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller der Nachkriegszeit, als moralische Autorität. 1972 Nobelpreis für Literatur. Nikolaus-Groß-Weg Nikolaus Groß *30.09.1898 †23.01.1945, deutscher Gewerkschafter der KAB, Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und NS-Opfer. Groß wurde am 07.10.2001 durch Papst Joh.Paul II. seliggesprochen. Vorschlag von der KAB St.-Ida-Gremmendorf, 2007 Michael-Keller-Straße Michael Keller *1896 †1961, katholischer Theologe, 1947 bis 1961. Bischof von Münster, Förderer der katholischen Soziallehre und der Laienbewegung. Vorschlag aus der Anregung nach § 24 GO Nr. 130/2011 Monastirstraße Monastir ist Partnerstadt der Stadt Münster seit März 1968 mehrfach vorgeschlagen: z.B. vom Dezernent I von 1981, letzter Antrag A-R/0006/2007 vom 13.02.2007 der Fraktionsgemeinschaft UWG/ödp, Beschluss Hauptausschuss V/0182/2007.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: mehrheitlich abgelehnt
Zur SitzungOrte (9)
- Agnes-Miegel-Straße
- Goldenbergstraße
- Schlossplatz
- Castelleweg
- Anna-Krückmann-Weg
- Henriette-Hertz-Weg
- Nikolaus-Groß-Weg
- Stehrweg
- Werse
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Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0383/2012
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 10.05.2012
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37