V/0733/2018
"Familiensprechstunde", Zwischenbericht des vom Land geförderten Präventionsprojektes für Kinder und Jugendliche mit psychisch erkrankten oder suchterkrankten Eltern
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Anlage A
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Anlage A zur V/0733/2018 Kurzüberblick Die Familiensprechstunde für Kinder psychisch erkrankter und suchterkrankter Eltern ist ein Prä- ventionsprojekt in psychiatrischen Kliniken, das im Rahmen der Landesinitiative NRW „Starke Seelen“ vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW (MAGS) im Zeitraum zwi- schen dem 15.09.2016 und dem 31.03.2019 finanziell gefördert wird. Durchgeführt wird das Pro- jekt vom Gesundheits- und Veterinäramt der Stadt Münster als Pilotprojekt in der LWL-Klinik Münster. Die finanzielle Förderung durch das Land NRW beträgt 55.000 Euro, der kommunale Eigenanteil beläuft sich auf 15.000 Euro. Der vorgelegte Zwischenbericht für das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW gibt Einblick in die Projektarbeit bis zum 30.04.2018. Der umfassendere und differenziertere Ab- schlussbericht wird Mitte 2019 vorliegen. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Das Projekt hat das Ziel, Kinder und Jugendliche als Angehörige frühzeitig zu erreichen, nachhaltig zu fördern und ihre Gesundheit zu stärken. Die Familiensprechstunde in der LWL- Klinik spricht insbesondere die Familien an, die die Angebots- und Hilfestrukturen im Stadtteil nicht ausreichend, nicht vernetzt oder nicht zielführend nutzen können. Durch die Einbindung der Familiensprechstunde in die kommunalen Präventions- und Hilfeketten in Münster werden die Schnittstellen zu anderen Hilfesystemen verbessert und die Netzwerkstrukturen ausgebaut. Die Auswertung der Projektarbeit bis zum 30.04.2018 hat gezeigt, dass sich die Familiensprech- stunde als wichtiges Präventionsangebot für Kinder und Jugendliche psychisch erkrankter und suchterkrankter Eltern in Münster etabliert hat. Finanzierung Produktgruppe: 0701 Gesundheitsdienst Auswirkungen auf den Ergebnisplan Ja Nein X Stellen- plan 2019 Auswirkungen auf den Finanzplan Ja X Nein Im beschlossenen (Nachtrags-)Haushaltsplan 2018 enthalten? X Ja Nein teilw. Im Entwurf des (Nachtrags-)Haushaltsplan 2019 enthalten? Ja Nein X teilw. Belastungen in zukünftigen HH-Jahren? Ja Nein X Stellen- plan- abhän- gig Bereits veranschlagt? Ja Nein Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig X überwiegend freiwillig vollständig frei- willig ÖGDG, Präventionsgesetz, teilweise vor- und nachsorgende Hilfen nach PsychKG Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die Vorlage nimmt Bezug auf das Thema: Inklusion bei psychisch besonders belasteten Perso- nengruppen.
Berichtsvorlage
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V/0733/2018 V/0733/2018 Öffentliche Berichtsvorlage Betrifft "Familiensprechstunde", Zwischenbericht des vom Land geförderten Präventionsprojektes für Kinder und Jugendliche mit psychisch erkrankten oder suchterkrankten Eltern Beratungsfolge 30.10.2018 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit B e- hinderungen Bericht 31.10.2018 Ausschuss für Soziales, Stiftungen, Gesundheit, Verbrauche r- schutz und Arbeitsförderung Bericht 28.11.2018 Ausschuss für Kinder, Jugendliche und Familien Bericht Bericht: Mit dem ausführlichen Gesundheitsbericht „Kinder psychisch kranker Eltern“ (V/0079/2015) informier- te das Gesundheits- und Veterinäramt 2015 die politischen Gremien über die gesundheitsförderlichen und präventiven Hilfen für betroffene Familien in Münster. Im letzten Teil des Berichtes wurde das Präventionsprojekt „Familiensprechstunde in psychiatrischen Kliniken“ dargestellt. Für das Pilotprojekt in der LWL-Klinik Münster stellte das Gesundheits- und Ve- terinäramt im April 2015 einen Projektantrag beim damaligen Ministerium für Gesundheit, Emanzipa- tion, Pflege und Alter des Landes NRW (MGEPA) im Rahmen der Landesinitiative NRW „Starke See- len“. Die finanzielle Projektförderung wurde vom MGEPA im Juni 2016 für den Zeitraum vom 15.09.2016 bis 31.03.2019 bewilligt. Das Projekt hat das Ziel, Kinder und Jugendliche als Angehörige frühzeitig zu erreichen, nachhaltig zu fördern und ihre Gesundheit zu stärken. Die Familiensprechstunde in der LWL-Klinik spricht insbesondere die Familien an, die die Angebots- und Hilfestrukturen im Stadtteil nicht ausreichend, nicht vernetzt oder nicht zielführend nutzen können. Hier soll die Beratung in der Klinik einen wirksamen Erstkontakt schaffen, Vertrauen herstellen sowie die Vermittlung von Förderangeboten und Hilfen erleichtern. Durch die Einbindung der Familiensprechstunde in die kommunalen Präventions- und Hilfeketten in Münster werden die Schnittstellen zu anderen Hilfesystemen verbessert und die Netzwerkstrukturen ausgebaut. In dem vorgelegten Zwischenbericht für das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales NRW wird erläutert, dass sich die Familiensprechstunde als wichtiges Präventionsangebot für Kinder und Jugendliche psychisch erkrankter und suchterkrankter Eltern etabliert hat. Es konnten zwar weniger Familien beraten werden als dies zu Projektbeginn vorgesehen war. Die sehr positiven Rückmeldun- Gesundheits- und Veterinäramt 21.09.2018 Ihr/e Ansprechpartner/in: Frau Dr. Siemer-Eikelmann Telefon: 492-5350 Siemer-Eikelmann@stadt- muenster.de - 2 - V/0733/2018 gen der mitwirkenden Familien und der Netzwerkpartner zeigen aber, dass die Zielgruppe erreicht wird und von den Beratungen und Informationen profitiert. In Vertretung gez. Cornelia Wilkens Stadträtin Anlage: Familiensprechstunde in psychiatrischen Kliniken - Kinder und Jugendliche als Angehörige frühzeitig erreichen und nachhaltig fördern - Zwischenbericht
familiensprechstunde _zwischenbericht
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Anlage zur Berichtsvorlage V/0733/2018 Familiensprechstunde in psychiatrischen Kliniken - Kinder und Jugendliche als Angehörige frühzeitig erreichen und nachhaltig fördern - Zwischenbericht Die Familiensprechstunde für Kinder psychisch kranker und suchtkranker Eltern ist ein Präventionsprojekt, das im Rahmen der Landesinitiative NRW „Starke Seelen“ vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW (MAGS) im Zeitraum zwischen dem 15.09.2016 und dem 31.03.2019 finanziell gefördert wird. Durchgeführt wird das Projekt vom Gesundheits- und Veterinäramt der Stadt Münster als Pilotprojekt in der LWL-Klinik Münster. Die finanzielle Förderung durch das Land NRW beträgt 55.000 Euro, der kommunale Eigenanteil beläuft sich auf 15.000 Euro. Der Zwischenbericht gibt einen Einblick in die Projektarbeit bis zum 30.04.2018. Der Abschlussbericht wird eine umfassende und differenzierte Auswertung aller Daten mit Graphiken und Literaturliste enthalten. 1. Organisation Die strukturellen Vorbereitungen der „Familiensprechstunde“ konnten am 02.10.2016 beginnen. Seither arbeiten zwei erfahrene Sozialpädagoginnen (Frau Sterz und Frau Düvel) mit insgesamt 10 Wochenstunden im Projekt. Es wurden werbende Flyer und Poster für die Stationen und die Ambulanz in der LWL-Klinik entwickelt und verteilt. Außerdem erfolgten Hinweise auf das Projekt im Intranet der LWL-Klinik Münster und auf der Homepage des Gesundheits- und Veterinäramtes der Stadt Münster. Ärzteschaft, Sozialdienst und Pflegekräfte der LWL-Klinik wurden über das Projekt persönlich und ausführlich vor Ort informiert. Parallel entwickelten Frau PD Dr. Dlugosch mit ihrem Team des Zentrums für Empirische Pädagogische Forschung (zepf) der Universität Koblenz-Landau in enger Abstimmung mit dem Gesundheits- und Veterinäramt Messinstrumente zur Evaluation (s. u.). Anzuwendende Testverfahren wurden gemeinsam abgestimmt. Die Umsetzung des Projektes konnte am 01.01.2017 starten. Seither werden Familien in der LWL-Klinik im Rahmen der Familiensprechstunde gezielt angesprochen, untersucht und beraten. Im Mittelpunkt aller Bemühungen steht die Vermittlung von Fördermöglichkeiten und Präventionsangeboten für die betroffenen Kinder und Jugendlichen. Zur Unterstützung von Ressourcen und Bewältigungsstrategien nimmt die alters- und entwicklungsadäquate Informationsvermittlung und Aufklärung über die Erkrankung und Behandlung des betroffenen Elternteils (Psychoedukation) einen besonderen Stellenwert in der Familiensprechstunde ein. „Sie hilft, die Kinder zu befähigen, die Situation besser zu verstehen sowie sie bei der Bewältigung von Stress zu unterstützen und gegenüber den alltäglichen Belastungen widerstandsfähiger zu machen“ (Brockmann & Lenz, 2017). Die notwendigen, aber nicht überlastenden Informationen scheinen ein wirksamer protektiver Faktor zu sein, um Ängste bei den Kindern zu reduzieren, Schuldgefühle abzubauen und selbstwirksame Handlungsmöglichkeiten zu erschließen. Anlage zur Berichtsvorlage V/0733/2018 Auf der Erwachsenenebene werden neben den psychisch kranken oder suchtkranken Eltern auch die gesunden Bezugspersonen und nächsten Angehörigen in die Beratung einbezogen. Für jede Familie sind ca. 8 Gespräche vorgesehen. Es finden monatliche Rücksprachen und Reflektionen der beiden Sozialpädagoginnen mit der ärztlichen Projektleitung (Frau Dr. Siemer-Eikelmann) im Gesundheits- und Veterinäramt statt. Ferner gibt es enge telefonische und elektronische Abstimmungen mit dem zepf (Federführung Frau PD Dr. Dlugosch). 2. Manuale und Testverfahren Alle Beratungskontakte werden sogfältig dokumentiert. Es kommen festgelegte Testverfahren und zahlreiche neu entwickelte Erhebungsbögen zur Anwendung. Die Materialien werden nach der Bearbeitung datengeschützt dem zepf zur Auswertung übermittelt. Als Testverfahren zur Einschätzung der kindlichen Befindlichkeit und der kindlichen Ressourcen werden folgende Instrumente eingesetzt: CBCL/6-18 R (Child Behavior Checklist – Elternfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen), YSR/11-18 R (Youth Self-Report – Fragebogen für Jugendliche) b. B., TRF/6-18 R (Teachers Report Form – Lehrerfragebogen über das Verhalten von Kindern und Jugendlichen) b. B., Teile des SSKJ 3-8 (Fragebogen zur Erhebung von Stress und Stressbewältigung im Kindes- und Jugendalter) FRKJ 8-16 (Fragebogen zu Ressourcen im Kindes- und Jugendalter). Neu entwickelt wurden vom zepf folgende Erhebungsbögen: Codierungsrichtlinien, Informationsblatt für die Eltern und die Kinder, Einverständniserklärung für die Projektteilnahme, Basiserhebungsbogen, Bedarfsanalyse (Eltern) T1, Dokumentationsbogen T1 und Dokumentationsbogen Prozess, Vermittlungsbogen, Abschlussbefragung (Eltern) T2, Abschlussbefragung (Kinder) T2, Abschlussbefragung (Mitarbeiterinnen) T2, Vernetzungsbefragung (Mitarbeiterinnen) T2, Anlage zur Berichtsvorlage V/0733/2018 Gezielte Befragung (Eltern, Mitarbeiterinnen) nach mindestens 6 Monaten T3. 3. Ausgewählte Daten bis zum 30.04.2018 Bis zum 30.04.2018 wurden 31 Familien im Projekt angemeldet, es nahmen 25 Mütter und 6 Väter während ihrer Behandlungszeit in der LWL-Klinik Münster zur Familiensprechstunde Kontakt auf. Bei 10 betroffenen Eltern stand die Suchterkrankung im Vordergrund, bei den anderen eine psychische Erkrankung. 5 betroffene Eltern waren Migranten der ersten Generation. Bei 4 der 31 Familien kam nach einem motivierenden Vorgespräch kein weiterer persönlicher Kontakt mehr im Rahmen des Projektes zustande. 10 Familien beendeten die Projektteilnahme regulär. Die anderen 17 Familien befanden sich noch im Beratungsprozess. 24 der 31 Familien (77 %) waren dem Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheits- und Veterinäramtes bis dahin nicht bekannt gewesen. Insgesamt wurden 107 direkt betroffene Personen bis zum 30.04.2018 erfasst: 52 Erwachsene (31 psychisch erkrankte Eltern und 21 Bezugspersonen), 55 Kinder und Jugendliche. 62 Kontakte und Angebote konnten für die Familien im Stadtteil und im Hilfesystem (Netzwerk) hergestellt oder intensiviert werden. Bezogen auf die einzelnen Familien war die Spannbreite der Vermittlungen entsprechend dem unterschiedlichen Bedarf groß: zwischen 1 und 9 Netzwerkkontakten pro Familie. Auch die 4 Familien, bei denen kein persönlicher Kontakt zustande kam, profitierten von den Hinweisen auf weiterführende Hilfen. 4. Bisheriger Projektverlauf Die bisherigen Rückmeldungen der Familien und der Netzwerkpartner zum Projekt sind durchgehend positiv. Der Zugang ist niedrigschwellig und barrierefrei. Die Stationsmitarbeitenden in der LWL-Klinik vergaßen im ersten Projektjahr öfter, betroffene Familien zur Projektteilnahme anzumelden. Deshalb wurden vom Gesundheits- und Veterinäramt fortlaufende motivierende Kooperationsgespräche mit Ärzten, Sozialdienst und Pflegepersonal eingeplant. Dies stellte eine Mehrbelastung dar, wurde aber durch die Verbesserung der gegenseitigen Kooperation und Schnittstellengestaltung aufgewogen. Mittlerweile scheinen sich die Präsenz und die Motivationsarbeit auszuzahlen. Die Familiensprechstunde wird nunmehr als wichtiger Bestandteil der Präventionsarbeit in der Anlage zur Berichtsvorlage V/0733/2018 LWL-Klinik wertgeschätzt. Insofern hat sich das Projekt bereits jetzt als sinnvoll und nützlich erwiesen. Die bis zum 30.04.2018 im Projekt angemeldeten Familien zeigten mehrheitlich keine ausreichenden Vorkenntnisse über die möglichen Unterstützungs- und Förderangebote in der Stadt Münster. Die Bandbreite der Vermittlungen war – entsprechend dem Bedarf – vielfältig: sportliche und musikalische Angebote im Stadtteil, Familienpaten, Lernförderung, Hilfen zur Erziehung, psychotherapeutische Behandlungen u. a. Für 4 Familien in besonderen sozialen Problemlagen konnten auch erfolgreiche Stiftungs-Anträge zur Finanzierung von sozialen Aktivitäten ihrer Kinder auf den Weg gebracht werden. Entsprechend der präventiven Bedeutung von Psychoedukation (= alters- und entwicklungsadäquate Informationsvermittlung und Aufklärung der betroffenen Minder- jährigen über die psychische Erkrankung und Behandlung des Elternteils) nahm diese in der Beratung der Familien einen hohen Stellenwert ein. Es wurde stets auf eine geschlechtergerechte und kultursensible Ausrichtung geachtet. Die meisten Minderjährigen nahmen dieses Angebot als entlastend und bereichernd wahr. Bei einigen Familien mussten zunächst Vorbehalte durch eine differenzierte Aufklärung ausgeräumt werden. Die psychoedukativen Gespräche mit den betroffenen Kindern waren zeitaufwändiger als im Projektplan vorgesehen, insbesondere bei den Kindern im Vor- und Grundschulalter. Wegen des hohen protektiven Faktors hinsichtlich der psychischen Gesundheitskompetenz haben wir uns aber zur regelhaften Beibehaltung dieses Angebotes entschlossen. Durch frühzeitige Entlassungen von Patientinnen und Patienten aus der Klinik zogen sich die Termine mit den Familien oft über mehrere Wochen/Monate hin. Die Motivation zur Mitwirkung an den Testverfahren und zum Ausfüllen der Erhebungsbögen ließ bei diesen Familien deutlich nach. Hierdurch konnte das umfassende Evaluationsprogramm oft nicht bis zum Ende durchgeführt werden. Außerdem wurden zusätzliche Termine (auch Hausbesuche) erforderlich, die erhebliche zeitliche Ressourcen in Anspruch nahmen. Deshalb haben wir hier eine Anpassung im Projekt vorgenommen. Nach Rücksprache mit dem zepf kann auch nur eine Auswahl aus den Evaluationsinstrumenten eingesetzt werden. Die Prüfung der Verwendungsnachweise für das Haushaltsjahr 2016 und 2017 durch die Bezirksregierung Münster hat keine Beanstandungen bei der Verwendung der Fördergelder ergeben. 5. Veröffentlichungen Das Projekt kann seit der Bewilligung durch das Ministerium (MAGS) in der Projekt- Datenbank des Landeszentrums Gesundheit NRW (LZG) eingesehen werden: www.lzg.nrw.de/praevention/dist/index.php Auf Anfrage der Bundesarbeitsgemeinschaft „Kinder- und Jugendpsychiatrie im öffentlichen Gesundheitsdienst“ (BAG) wurde die Familiensprechstunde vom Gesundheits- und Veterinäramt der Stadt Münster auf dem bundesweiten ÖGD-Kongress im Mai 2017 in Anlage zur Berichtsvorlage V/0733/2018 München präsentiert. Auch für den nächsten ÖGD-Kongress in Kassel im April 2019 haben wir auf Wunsch der BAG eine Darstellung des Projektverlaufes mit vorläufigen Ergebnissen zugesagt. Die KommunalAkademie der Konrad-Adenauer-Stiftung wählte bundesweit 30 Präventionsprojekte (4 in NRW) als gute Praxisbeispiele aus, worauf sie auf ihrer Webseite hinweisen. Zu diesen ausgewählten Projekten gehört unsere Familiensprechstunde. Nach Rücksprache mit dem Ministerium (MAGS) wurde im Juli 2018 eine Veröffentlichung freigegeben. In Kürze wird das Projekt dort auf der Themenseite „Gesundheit und Pflege“ eingesehen werden können: http://www.kas.de/wf/de/71.16767/ Darüber hinaus wird dieser Zwischenbericht auch als öffentliche Berichtsvorlage (V/0733/2018) im Oktober / November 2018 in den politischen Gremien der Stadt Münster vorgestellt. 6. Bewertung Nach mehr als der Hälfte der Projektzeit kann festgestellt werden, dass sich die Familiensprechstunde in der LWL-Klinik Münster als wichtiges Präventionsangebot für Kinder und Jugendliche psychisch erkrankter und suchtkranker Eltern etablieren konnte. Die Rückmeldungen zum Projekt sind bislang durchgehend positiv – sowohl von den betroffenen Familien als auch von den Netzwerkpartnern. Die Zusammenarbeit zwischen dem Gesundheits- und Veterinäramt der Stadt Münster (Projektleitung und Durchführung) und der LWL-Klinik gestaltete sich von Beginn an vertrauensvoll. Die Bedeutung der Gesundheitsförderung betroffener Mädchen und Jungen wurde im Projektverlauf von den Stationsmitarbeitenden in der LWL-Klinik zunehmend berücksichtigt. Dies führte zu einer deutlich verbesserten Schnittstellengestaltung, auch im Kontakt mit weiteren Partnern (z. B. Jugendamt). Eine erste Auswertung der Daten bis zum 30.04.2018 ergab zusammenfassend folgende Erkenntnisse: • Die Familiensprechstunde wurde bis zum o. g. Stichtag überwiegend (81%) von Familien (n=31) mit erkrankten Müttern in Anspruch genommen. Dies entspricht den allgemeinen Erkenntnissen, dass betroffene Väter im Durchschnitt weniger häufig Hilfen für ihre Kinder in Anspruch nehmen. • Bei ca. einem Drittel (32 %) der Familien (n=31) hatte das erkrankte Elternteil eine primäre Suchterkrankung. In Anbetracht der Tatsache, dass Eltern mit Suchterkrankungen oft besonders misstrauisch auf Hilfesysteme reagieren, ist dieser Anteil bemerkenswert. • Insgesamt nahmen 107 Personen (31 psychisch erkrankte Eltern, 21 Bezugs- personen sowie 55 betroffene Kinder und Jugendliche) am Beratungsprozess in der Familiensprechstunde teil. Somit profitierten auch viele Bezugspersonen von der Familiensprechstunde. Anlage zur Berichtsvorlage V/0733/2018 • Die bedarfsorientierte Vermittlung in Förderangebote wurde von den Familien bereitwillig angenommen. Es konnten für die betroffenen Minderjährigen 62 Angebote zur Entwicklungsförderung im Stadtteil und im Hilfesystem über Netzwerke neu installiert oder verbessert werden. Die Integration der Familiensprechstunde in die kommunalen Präventions- und Hilfeketten ist aus hiesiger Sicht gelungen. • 77 % der 31 Familien waren dem Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheits- amtes nicht bekannt. Somit profitierte eine große Gruppe bislang nicht erreichter Minderjähriger von den Beratungs- und Vermittlungsangeboten in der Familiensprechstunde. Hier zeigt sich schon jetzt ein deutlicher Mehrwert. • Die Psychoedukation mit den betroffenen Minderjährigen (= alters- und entwicklungsadäquate Informationsvermittlung und Aufklärung über die psychische Erkrankung und Behandlung des Elternteils) wurde wegen der hohen präventiven Bedeutung als fester Bestandteil in die Familiensprechstunde aufgenommen. Durch die positiven Rückmeldungen der Familien fühlen wir uns hierin bestätigt und ermutigt. Dies bindet allerdings deutlich mehr zeitliche Ressourcen als anfangs vorgesehen. • Es schlossen weniger Familien als in der Konzeption ursprünglich angedacht bis zum 30.04.2018 das Projekt komplett (mit allen Evaluationsbögen) ab. Nach unseren bisherigen Analysen sind hierfür verschiedene Gründe verantwortlich. Zum einen „ermüdeten“ manche Eltern im aufwändigen Evaluationsprozess, fühlten sich zeitlich und inhaltlich überfordert. Zum anderen führte die frühzeitige Entlassung einiger psychisch erkrankter Eltern aus der Klinik zu einer aufwändigeren Termingestaltung, z. T. in Form von Hausbesuchen, was eine reduzierte Motivation der Familien zur Folge hatte. In diesem Punkt haben wir das Projekt den Erfahrungswerten angepasst. In Abstimmung mit dem zepf kann auch eine Auswahl aus den Evaluationsinstrumenten genutzt werden. Die Verstetigung der Familiensprechstunde nach dem Projektende im März 2019 befindet sich bereits in der konkreten Planung. Sie soll als reguläres kommunales Präventionsangebot des Gesundheits- und Veterinäramtes der Stadt Münster fortgesetzt werden – sowohl in der LWL-Klinik als auch in anderen psychiatrischen Kliniken der Stadt. Literatur Brockmann, E. & Lenz, A. (2017) Kinder und Jugendliche psychisch kranker Eltern. Psychoedukation als spezifischer Schutzfaktor zur Stärkung der individuellen und familiären Resilienz, in: Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen – Zeitschrift für die psychosoziale Praxis, 13. Jg. (1+2), 2017, S. 23-36.
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- V/0733/2018
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 31.08.2018
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37