2007/0611
Koordination und Steuerung der Erhaltung und Entwicklung 'Mathildenhöhe' Schaffung des Aufgabengebietes 'Koordinator Mathildenhöhe'
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2007/0611
9542 Zeichen
Magistratsvorlage
Eingang Magistrats-
geschäftsstelle:
24.10.2007
Beteiligt vor
Magistratsbeschlussfassung:
Dezernat I/Dezernat III
Amt: Dezernat I
an den Magistrat
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
an die Stadtverordnetenversammlung
OBW zur Befassung
zur Kenntnis
zur Beschlussfassung
zur abschließenden Beschluss-
fassung Fachausschuss
OBW bei abschl.
Beschlussfassung Magistrat
Ja
Nein
Öffentlich:
Verteiler:
I III
VI 41
418 20
110 415
Kulturbeauftragte
Stvv.
Vorlage-Nr. 2007/0611
Magistratsbeschluss-Nr.
694
Betreff: Koordinati on und Steuerung der Erhaltung und Entwicklung "Mathildenhöhe"
Schaffung des Aufgabengebietes "Koordinator Mathildenhöhe"
Vorlage vom: 16.10.2007
Beschlussvorschlag:
1. Dem Leiter der städtischen Abteilung Denkmalschutz und Denkmalpflege, Herrn Nikolaus
Heiss, wird zum 1. Januar 2008 das neu geschaffene Aufgabengebiet „Koordinator
Mathildenhöhe“ übertragen.
2. Diese Aufgabe wird als Teil der Tätigkeit des städtischen Denkmalschutzbeauftragten in
Zusammenarbeit mit den Fachämtern geleistet.
3. Der Magistrat stimmt den Zielvorstellungen und dem Aufgabenprofil sowie den mit dieser
Funktion verbundenen Kompetenzen zu.
Anlagen:
Beschluss des Magistrats vom 31.10.2007
Nach eingehender Diskussion wird der Vorlage zugestimmt.
Die Vorlage ist der Stadtverordnetenversammlung zur Kenntnisnahme vorzulegen.
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...
Begründung:
Nach den vorliegenden Ergebnissen des im November 2006 von der Stadt Darmstadt
durchgeführten Forums „Entwicklung Mathildenhöhe“ besteht dringender Handlungsbedarf in
der Fortsetzung der inhaltlichen Beschäftigung mit dem Gesamtkunstwerk Mathildenhöhe.
Dies gilt für konkrete Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung des Jugendstilensembles
Mathildenhöhe ebenso wie zur visionären Ausrichtung dieses herausragenden Ortes für die
Zukunft.
Mit dem neuen Aufgabengebiet „Koordinator Mathildenhöhe“ ist die konzeptionelle
Entwicklung und die Koordination der zu leistenden städtischen Aufgaben beabsichtigt.
Durch seine jahrzehntelange intensive Beschäftigung mit der Mathildenhöhe besitzt der
Leiter der Abteilung Denkmalschutz und Denkmalpflege, Herr Nikolaus Heiss,
ausgezeichnete Kompetenzen für diese Aufgabe.
Leitgedanken für die Erhaltung und Entwicklung der Mathildenhöhe
Grundlage: Bedeutung der Mathildenhöhe für die Stadt Darmstadt
Die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe mit dem hauptsächlich von Joseph Maria Olbrich
geprägten „Darmstädter Jugendstil“ ist der Hauptanziehungspunkt Darmstadts für Besucher
aus aller Welt. Das im Laufe von 14 Jahren von 1901 bis 1914 in vier Ausstellungen
entstandene Ensemble ist – soweit erhalten - von außerordentlich hoher bau- und
kunstgeschichtlicher Bedeutung. Seine Ausstrahlung geht weit über die Region und das
Land hinaus. Die Architektur des „Darmstädter Jugendstils“ unterscheidet sich wesentlich
von der dekorativen Baukunst, die sich in den meisten anderen europäischen Zentren des
Jugendstils findet. Ihr Hauptmerkmal ist eine neue vor allem von Olbrich eingeführte
Auffassung des Gebäudeentwurfs, die ihren Schwerpunkt in der Stimmigkeit der inneren
Funktion hat, aus der sich die Hülle ergibt. Hier zeigt das Werk Olbrichs Wege zu einer
neuen Architektur und bereits am Beginn des 20-sten Jahrhunderts den Aufbruch zur
Moderne. Unter diesem Aspekt ist die Bebauung auf der Mathildenhöhe möglicherweise
einmalig auf der Welt und rechtfertigt in der Architekturgeschichte eine Sonderstellung, die
eines Tages eine Anerkennung als Weltkulturerbe denkbar macht.
Zustand der Mathildenhöhe
Nachdem die letzte Ausstellung der Künstlerkolonie mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs
ein abruptes Ende gefunden hatte, versank die Mathildenhöhe in einen „Dornröschenschlaf“.
Die in den 1920-er und 1930-er Jahren offenbar nicht mehr geschätzte Architektur
verschwand ebenso wie die gärtnerischen Anlagen unter üppig wuchernder Vegetation. Die
„Brandnacht“ 1944 riss auch auf der Mathildenhöhe Lücken, die nicht mehr geschlossen
wurden. 1963 wurden als Ergebnis eines Gestaltungswettbewerbs viele noch erhaltene
historische Elemente beseitigt, so dass die Mathildenhöhe weiter an Gesicht verlor. Mit der
Wiederentdeckung des Jugendstils, die ihren Ausdruck auch in der 1976 in Darmstadt
veranstalteten Jubiläumsausstellung „Ein Dokument Deutscher Kunst 1901 - 1976“ fand,
änderte sich grundlegend die Sichtweise und Wertschätzung der baulichen Zeugnisse aus
der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Ab 1974 begann mit der Sanierung der
Ausstellungshallen die schrittweise Rekonstruktion der städtischen Gebäude unter
denkmalpflegerischen Vorgaben. Der Hochzeitsturm konnte durch Privatinitiative des
Förderkreises im Inneren umfassend restauriert und durch Einbau eines Aufzugs auch für
Ältere und Behinderte zugänglich gemacht werden. 1984 bis 1990 wurde das Ernst-Ludwig
Haus rekonstruiert und zum Museum Künstlerkolonie ausgebaut. Von 1989 bis 1992 erfolgte
die denkmalpflegerische Instandsetzung des Hauses Deiters. Dabei konnten Teilbereiche
der Außenanlagen, die unmittelbar zu den restaurierten Gebäuden gehörten in ihrer
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ursprünglichen Gestalt wieder hergestellt werden. Die Sanierung der Russischen Kapelle –
Dach, Fassade, Innenraum und Außenanlagen – wird 2007 abgeschlossen.
Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Gründung der Künstlerkolonie 1899 und der
ersten Ausstellung der Künstlerkolonie am 24. Mai 1901 hat die Stadt Darmstadt dann ab
1999 auch große Teile der Außenanlagen unter gartendenkmalpflegerischen Aspekten nach
historischem Vorbild wiederherstellen lassen. Die Rekonstruktion der gärtnerischen
Einfassung des Albin-Müller-Beckens, der Treppe am Schwanentempel und der Rankgitter
im Platanenhain gehören zu den augenfälligsten Veränderungen, die die gestalterische
Qualität der ursprünglichen Anlage haben wiedererstehen lassen. Die Gesamtmaßnahme
umfasst auch die Rekonstruktion der Pergolen an Nord – und Ostseite der
Ausstellungshallen. Im Jahr 2006 wurde zunächst ein Teil der Betonpergolen an der
Nordseite wieder aufgebaut.
Heute ist also baulich ein verhältnismäßig guter Zustand erreicht. Dennoch wirkt die
Mathildenhöhe bei näherer Betrachtung an vielen Stellen vernachlässigt oder ‚unstimmig‘,
hinterlässt bei Besuchern einen teilweise ungepflegten, unsauberen Eindruck: Skulpturen,
Treppen, Mauern, Einfriedigungen haben Schäden, sind zum Teil von Pflanzen
zugewachsen. Pflastermosaike sind zugeparkt und immer wieder beschädigt. Außerdem gibt
es Baulichkeiten, die den Zusammenhang des ursprünglichen Ensembles nicht mehr
erkennen lassen, weil sie nach dem Krieg falsch oder gar nicht wieder aufgebaut wurden.
Besonders unschön ist die Zufahrt zur Mathildenhöhe über den östlichen Olbrichweg. Es
entsteht in keiner Weise das Gefühl, die „Krone“ Darmstadts zu besuchen. Unzureichende
Parkmöglichkeiten und der ungestaltete Parkplatzes des Fachbereichs Gestaltung der
Hochschule Darmstadt geben ein unansehnliches Bild ab.
Zielvorstellungen
1. Kontinuierliche Betreuung sämtlicher Maßnahmen zur Erhaltung und Verbesserung
des Jugendstilensembles.
2. Ideensammlung und Entwicklung von Zukunftsvorstellungen zur weiteren Entfaltung
der Mathildenhöhe.
3. Erkennung und Bewusstmachung vorhandener Potentiale.
4. Einbindung der Mathildenhöhe in die unmittelbare Umgebung und Verflechtung mit
der Stadt.
Konzeption und Finanzierung
Alle Überlegungen und Empfehlungen sind in einer abgestimmten Gesamtkonzeption
„Entwicklung der Mathildenhöhe“ zu konkretisieren. Dies ist insbesondere wichtig, als im
Bereich Mathildenhöhe unterschiedliche Zuständigkeiten zusammentreffen, die
Mathildenhöhe jedoch als Gesamtheit betrachtet werden muss.
Ein Finanzierungskonzept ist zu erarbeiten. Dabei sollen alle Möglichkeiten einbezogen
werden, wie Stiftung, private Investoren, Sponsoren oder Patenschaften.
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Aufgabenbeschreibung und Kompetenzen
1. Koordination und Steuerung aller Aktivitäten zur Erhaltung und Entwicklung der
Mathildenhöhe
2. Abstimmung mit den Dezernenten I und III sowie dem Kulturamt
3. Einbindung der städtischen Ämter und anderer Institutionen zur Durchführung der
Aufgaben (Regelung durch Rundverfügung der Dezernenten I und III).
4. Durchführung regelmäßiger Sitzungen zur Entwicklung der Mathildenhöhe
5. Erarbeitung eines mittelfristigen Erhaltungskonzeptes.
6. Initiierung von Konzeptstudien für Rekonstruktionen von Jugendstilvillen und zur
Gestaltung des Osthangs
7. Begleitung gutachterlicher Stellungnahmen zur Bedeutung der Mathildenhöhe als
mögliches Weltkulturerbe
8. Öffentlichkeitsarbeit in Abstimmung mit den Dezernenten I und II: Begleitende
Vorträge, Führungen, Diskussionen, Veröffentlichungen, Ausstellungen, Pressearbeit,
Web-Auftritte zu den Maßnahmen.
Kontinuität des Aufgabengebietes
Um die Kontinuität des Aufgabengebietes zu gewährleisten und die Zielvorstellungen
mittelfristig umzusetzen, ist geplant, Herrn Heiss über das 65. Lebensjahr hinaus in der
Funktion des „Koordinators Mathildenhöhe“ ab 1. November 2008 weiter zu beschäftigen.
Ein entsprechender formloser Antrag des städtischen Denkmalschutzbeauftragten liegt dem
Kulturdezernenten bereits vor.
Darmstadt, den 11.10.2007
Kulturdezernent Dezernent für Denkmalschutz
und Denkmalpflege
Oberbürgermeister Stadtrat
Walter Hoffmann Klaus Feuchtinger
Beratungsverlauf (2)
Orte (1)
- Olbrichweg
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Details
- Vorlagen-Nr.
- 2007/0611
- Typ
- Magistratsvorlage
- Datum
- 16.10.2007
- Erstellt
- 29.09.2026 00:00