V/0317/2023
S-Bahn Münsterland - Voruntersuchungen Knotenbahnhöfe
KI-Zusammenfassung
Klicken Sie, um eine KI-Zusammenfassung dieses Vorgangs zu erstellen.
KI-Analyse läuft...
vergangen
Was passiert gerade?
- 📄 Dokumente werden analysiert...
- 🤔 KI denkt nach (Reasoning-Modell)...
- ✍️ Zusammenfassung wird geschrieben...
- ⏳ Das dauert etwas länger bei komplexen Dokumenten...
Dieser Vorgang kann 1-3 Minuten dauern. Bitte lassen Sie die Seite geöffnet.
Anlage A
2056 Zeichen
Anlage A zur V/0317/2023 Kurzüberblick Die Realisierung der S-Bahn Münsterland ist eines der bedeutendsten Verkehrsvorhaben für die Stadtregion Münster und bildet einen wesentlichen Baustein hin zu einer nachhaltigen Mobilitäts- wende. In diesem Zusammenhang werden von Seiten des NWL unterschiedliche Bahnhaltepunk- te geprüft, die einen hohen verkehrlichen Nutzen erwarten lassen. Im vorliegenden Bericht wer- den Analyseergebnisse zur Integration eines Knotenbahnhofes „Nordkreuz“ vorgestellt. Ziele/Teilziele/Zielerreichung Um das SPNV-Angebot im Münsterland zu verstetigen, zu vereinheitlichen und den künftigen Anforderungen gerecht zu werden, haben die Stadt Münster und die Kreise Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf unter Einbindung des Verkehrsministeriums NRW und der Bezirksregie- rung Münster gemeinsam mit dem NWL im Frühjahr 2019 vereinbart, ein weitreichendes Ange- botskonzept zu entwickeln. Dabei soll insbesondere geprüft werden, in wie weit ein tragfähiges S- Bahn-System für das Münsterland konzipiert werden kann. Das Zielnetz soll zudem mit dem wei- teren Taktfahrplan sowie den weiteren ÖV harmonieren. Angebotsseitige Vorstufen sollen nach Möglichkeit abgeleitet werden. Dieses S-Bahn-Projekt fungiert als ein wesentlicher Teil des über- geordneten Projektes „Mobiles Münsterland“, bei dem unter anderem auch ergänzende Buslinien entwickelt werden sollen. Pflichtigkeitsgrad Die Maßnahme/Leistung ist vollständig pflichtig überwiegend pflichtig überwiegend freiwillig X vollständig freiwillig Unmittelbare, grundsätzliche Relevanz für Querschnittsthemen (Demographie, Gleichstellung, Inklusion, Klimaschutz, Migration) Die genannten Maßnahmen sind geeignet zusätzliche Fahrgäste für den Schienenpersonennah- verkehr und den straßengebundenen Nahverkehr zu gewinnen und damit zu einer Reduzierung des motorisierten Individualverkehrs führen. Durch die Verringerung verkehrsbedingter Emissio- nen würde ein wirkungsvoller Beitrag zum Klimaschutz und einer nachhaltigen Entwicklung ge- leistet.
Berichtsvorlage
14383 Zeichen
V/0317/2023
V/0317/2023
Öffentliche Berichtsvorlage
Betrifft
S-Bahn Münsterland - Voruntersuchungen Knotenbahnhöfe
Beratungsfolge
01.06.2023 Ausschuss für Verkehr und Mobilität Bericht
13.06.2023 Bezirksvertretung Münster-Mitte Bericht
Bericht:
Ausgangslage
Mit der Konzeptstudie zur S -Bahn-Münsterland (Vorlage V/1179/2019 „Projekt S-Bahn-Münsterland“)
wurden die Überlegungen und Grundannahmen für ein münsterlandweites S-Bahnnetz zur Kenntnis
gegeben. Die Realisierung der S -Bahn ist eines der bedeutendsten Verkehrsvorhaben für die Stadt-
region und bildet einen wesentlichen Baustein hin zu einer nachhalti gen Mobilitätswende. Mithin ist
das unter Federführung des Nahverkehrsverbandes Westfalen -Lippe (NWL) in Planung befindliche
Projekt einer der wichtigsten Hebel im Rahmen des Masterplans Mobilität Münster 2035+ wie auch
perspektivisch des Masterplans Mobilität für das gesamte Münsterland. Das Projekt wird daher von
der Stadt Münster und den umliegenden Kreisen ausdrücklich befürwortet und unterstützt. Um dem
überdurchschnittlichen Bevölkerungswachstum der Stadt Münster und vieler Umlandgemeinden
Rechnung zu tragen sowie eine nachhaltige Stärkung des Umweltverbundes zu erwirken, soll mit
dem System S-Bahn Münsterland eine Steigerung der Fahrgastzahlen um den Faktor 2,5 erzielt wer-
den1.
Die Verwaltung informiert mit dieser Vorlage über eine erste Abschätzung aus dem Zusammenspiel
der Fahrbeziehungen mit der notwendigen Infrastruktur, die einen hohen verkehrlichen Nutzen ver-
muten lässt. Dieser Nutzen erscheint, mit Blick auf die Ziele zur Veränderung der Verkehrsmittelwahl,
so relevant, dass daraus der Aufwand für eine weitere Detailuntersuchung begründet wird.
Der ganzheitliche Netzgedanke einer S-Bahn Münsterland ist wesentlich für den Erfolg eines solchen
Konzeptes. Dies gilt sowohl für die Vernetzung der S -Bahn-Strecken untereinander als auch für die
Verknüpfung der S -Bahnstrecken mit dem (lokalen) straßengeb undenen ÖPNV. Demnach sind
Bahnhaltepunkte zu identifizieren, die an strategisch sinnvollen Standorten zur stärkeren Vernetzung
1 Die Einführung der S -Bahn Münsterland ist durch eine Vorstufe sowie zwei weitere Umsetzungsstufen ge-
kennzeichnet. Eine Übersicht der damit verbundenen Meile nsteine in den Jahresscheiben 2027, 2032 und 2040
ist dem Anhang 1 (Abb. 1, S. 2) zu entnehmen.
Amt für Mobilität und Tiefbau
23.05.2023
Ihr/e Ansprechpartner/in:
Herr König
Telefon: 492-6501
KoenigD@stadt-muenster.de
- 2 -
V/0317/2023
des Gesamtsystems beitragen. Neben dem lokalen Zugang zu den Einzelstrecken über strategisch
gut verortete Bahnhöfe und Haltepunkte kommt demnach möglichen Knotenbahnhöfen eine besonde-
re Bedeutung zu. Diese müssen bereits zum jetzigen Zeitpunkt Gegenstand tiefergehender Untersu-
chungen sein.
Daher hat die Stadt Münster neben der grundsätzlichen Bestätigung des Konzeptansatzes S -Bahn
Münsterland Prüfaufträge an den NWL formuliert. In diesem Zusammenhang sind die Ergebnisse der
von der Verwaltung beauftragten „Machbarkeitsstudie für einen Bahnhaltepunkt im Bereich Münster-
Geist/ Preußenstadion“ im weiteren Verfahren der Konzeptentwic klung von besonderer Bedeutung,
da dieser Bahnhaltepunkt neben der lokalen Erschließung insbesondere der Verknüpfung von S -
Bahn-Strecken untereinander sowie S-Bahn zu lokalem ÖPNV und damit dem Gedanken einer opti-
mierten Gesamtvernetzung Rechnung trägt.
Weiterhin sollten die Haltepunkte „Handorf/Warendorfer Straße/Handorfer Straße“, „Coerde/ Spei-
cherstadt/Holtmannsweg“ und „Mondstraße/Warendorfer“ Straße“, die im Netz nicht vorgesehen wa-
ren, seitens der Stadt Münster jedoch angesichts der bedeutenden Gesamtmaßnahme in den Unter-
suchungen zwingend zu berücksichtigen sind, im weiteren Verfahren geprüft werden. Zu diesen Hal-
tepunkten liegen bereits Anträge aus der Politik vor (vgl. auch hierzu Vorlage V/1179/2019).
Überlegungen zur Vernetzung und Stärkung der Stammstrecke
Als strategisches Kernelement des S -Bahn-Netzes soll eine sog. Stammstrecke (vgl. Abbildung 1)
realisiert werden, die in Verbindung mit den bestehenden Bahnhöfen Münster Zentrum Nord – Haupt-
bahnhof – Münster-Hiltrup das Rückgrat des S-Bahn-Systems im Stadtgebiet bildet. Die Stammstre-
cke soll zukünftig durch einen 15-Minuten-Takt bedient werden.
Abbildung 1: Übersicht der Stammstrecke (Quelle: NWL 2023)
Bereits mit der Inbetriebnahme der Stammstrecke werden erhebliche Fahrgaststeigerungen im S -
Bahn-System prognostiziert. Hieraus leitet sich die Notwendigkeit einer bedarfsgerechten Organisati-
on und Lenkung der neuen Fahrgastströme ab. In diesem Zusammenhang ist insbesondere die Ent-
- 3 -
V/0317/2023
lastung des Hauptbahnhofes Münster notwendig, da dieser bereits im Status Quo zu Stoßzeiten an
seine Kapazitätsgrenzen stößt.
Im Verlauf der Stammstrecke läge auch der mögliche Knotenbahnhof im Bereich Stadion an der
Hammerstraße (Arbeitstitel „Südkreuz“), mit insgesamt vier Schienen verbindungen nach Coesfeld,
Recklinghausen/Essen, Lünen/Dortmund und Hamm. Planungsgrundlage des neuen Knotenbahnho-
fes bildet die von der Verwaltung beauftragte „ Machbarkeitsstudie für einen Bahnhaltepunkt im Be-
reich Münster -Geist/ Preußenstadion“ (Vorlage V/0087/2021). Das sog. Südkreuz ermöglicht es
Fahrgästen innerhalb des S-Bahn-Systems umzusteigen, ohne zwangsläufig zum Hauptbahnhof fah-
ren zu müssen. Hieraus resultieren erhebliche Reisezeitvorteile sowie eine wesentliche Entlastung
des Hauptbahnhofes.
Dieser Systematik folgend, hat der NWL analog zum „Südkreuz“ einen möglichen Standort für einen
weiteren Knotenbahnhof im Stadtgebiet Münster identifiziert. Wie das Südkreuz kann dieser Bahnhof
der weiteren Stärkung der Stammstrecke sowie Optimierung der Umsteigebeziehungen innerhalb der
S-Bahn Münsterland dienen. Der als „Nordkreuz“ bezeichnete Bahnhof würde nördlich des Münstera-
ner Hauptbahnhofs in Höhe der Kreuzung Bohlweg/Niedersachsenring liegen und besäße ebenfalls
eine wichtige Verteilerfunktion im Zulauf an den Hauptbahnhof. Hier werden die zukünftigen fünf S-
Bahn-Linien S 4 (Münster Hbf. – Gronau – Enschede), S 5 (Rheine – Münster-Hiltrup), S 6 (Münster
Hbf. – Osnabrück Hbf.), S 7 (Münster Hbf. – Warendorf – Bielefeld Hbf.) und S 9 (Hamm – Münster
Zentrum Nord) aus der Region zusammengeführt.
Durch die Einrichtung eines Knotenbahnhofs in diesem Bereich ergäbe sich wie schon für das Süd-
kreuz eine sehr gute Einbindung in die Stammstrecke. Diese würde folglich über fünf im dichten Takt
bediente Bahnhöfe (Zentrum Nord – „Nordkreuz“ – Hauptbahnhof – „Südkreuz“ – Münster-Hiltrup) im
Stadtgebiet verfügen und damit zusätzlich gestärkt.
Im Rahmen einer ersten Voruntersuchung des NWL und der Stellschrauber GmbH 2 zeichnet sich
durch einen Haltepunkt „Nordkreuz“ ein deutlicher Verkehrsnutzen ab, der sich gleichsam positiv auf
eine nachhaltige Verkehrswende auswirken könnte. Folgende Ausführungen zur Vernetzung und zu
möglichen Ein-Aussteiger-Potenzialen legitimieren aus Sicht der Verwaltung und des NWL eine ver-
tiefende Berücksichtigung des „Nordkreuzes“ im weiteren Verfahren der Konzeptentwicklung (vgl.
auch Anlage 1: Voruntersuchung Knotenbahnhof Münster Nordkreuz).
Vernetzung S-Bahn - S-Bahn
Durch die fächerförmige Gleisstruktur im Bereich des „Nordkreuzes“, wobei S-Bahn-Linien der nördli-
chen Schienenkorridore Gronau bzw. Rheine, Osnabrück sowie Warendorf/Bielefeld zusammenge-
führt werden, ergibt sich eine geeignete Grundlage für neue Umsteigemöglichkeiten. Hierbei werden
insbesondere für Pendelnde aus den Korridoren S 6 (Münster Hbf. – Osnabrück Hbf.) und S 7 (Müns-
ter Hbf. – Warendorf – Bielefeld Hbf.) mit dem Ziel des Gewerbe- und Dienstleistungszentrums „Zent-
rum Nord“ Reisezeitvorteile erzielt, da der Umweg über den Münsteraner Hauptbahnhof ent fällt. Zu-
gleich wird der Hauptbahnhof in Bezug auf steigende Fahrgastströme entlastet. Von den verbesser-
ten Umsteigemöglichkeiten des „Nordkreuzes“ profitieren nach Berechnung des NWL ca. 1.400 Ein-
und Aussteiger.
Vernetzung S-Bahn - ÖPNV
Neben der bereits genannten besseren systeminternen Vernetzung der S-Bahn würden im Sinne ei-
ner vernetzten Mobilität auch das Forschungs-, Uni-Klinik- und Hochschulquartier im Bereich des Co-
esfelder Kreuzes sowie der Nordwesten mit dem Modellquartier Stein furter Straße und der Stadtteil
Kinderhaus von einer verbesserten Anbindung an die Stammstrecke der S-Bahn Münsterland profitie-
ren. Ein dezentraler Verknüpfungspunkt Münster „Nordkreuz“ würde die Möglichkeit für attraktive Um-
steigemöglichkeiten auf eine leistungsfähige und beschleunigte Stadtbusachse über die Nordtangente
(heute Ringlinie) eröffnen. Hierdurch wäre die Anbindung und Erreichbarkeit der gesamten nördlichen
2 Die Stellschrauber GmbH übernimmt die externe Projektleitung zur Umsetzung des Angebotszielkonzepts S -
Bahn Münsterland.
- 4 -
V/0317/2023
und westlichen Innenstadt sowie des Bereiches rund um das Coesfelder Kreuz gewährleistet . Mit
optimierten Umsteigemöglichkeiten von Bus auf Bus könnten auch die nördlichen Hochleistungsach-
sen angebunden werden. In diesem Zusammenhang ist das Umsteigekreuz so zu gestalten, dass
kurze Wege zwischen Bus und Bahn gewährleistet sind. Auch wäre ein e leistungsfähige Umgestal-
tung der zweiten Nordtangente geboten, die auf eine umfassende Bevorrechtigung und Beschleuni-
gung des ÖPNV ausgerichtet ist. In diesem Bereich wäre folglich eine deutliche Fahrzeitreduzierung
und Betriebsstabilisierung des ÖPNV zu verzeichnen.
Abbildung 2: Vernetzungsmöglichkeit von SPNV und ÖPNV (Quelle: NWL 2023)
Unter diesen Voraussetzungen ergäben sich im Rahmen der Entwicklung des Knotenbahnhofes
Münster „Nordkreuz“ und des ÖPNV-Hochleistungsnetzes bedeutende Synergieeffekte zur Förderung
des Umweltverbundes, die mit der Realisierung des städtischen Mobilstationskonzepts um ein weite-
res gestärkt würden.
Mit Blick auf potenzielle Pendelbeziehungen hat der NWL in seiner Vorstudie eine Umsteigerpotenzi-
alabschätzung der potenziell über das „Nordkreuz“ verlaufenden Korridore S 6 (Münster Hbf. – Osn-
abrück Hbf.), S 7 (Münster Hbf. – Warendorf – Bielefeld Hbf.), S 4 (Münster Hbf. – Gronau - Ensche-
de) und S 5 (Rheine – Münster-Hiltrup) ab der Umsetzungs stufe 1 (vgl. Anlage 1, S. 2) vorgenom-
men. Unter Annahme einer attraktiven Anbindung an den Hochleistungs-ÖPNV in Richtung Uniklinik /
Universität werden nach der Berechnung für ca. 2.600 Ein- und Aussteiger neue Umsteigebeziehun-
gen zwischen SPNV und ÖPNV ermöglicht.
Potenzial Quartierserschließung
In Bezug auf die Quartierserschließung wäre für Einwohner der Stadtteile Mauritz -Mitte, Mauritz
West, Schlachthof, Rumphorst -Süd und dem Erphoviertel eine fußläufige Erreichbarkeit des Knoten-
bahnhofes gegeben. Auch für Arbeitgeber, Schulen und Hochschulen in den genannten Quartieren
wäre eine unmittelbare Anbindung an das S -Bahn-System gewährleistet. Die Anzahl von neuen
Fahrgästen der jeweiligen Gruppe hat der NWL im Rahmen einer Erschließungspotenzialanalyse für
die Einzugsradien von 600 m und 1800 m ermittelt (vgl. Anlage 1, Tab. 1). Hierbei ergeben sich ins-
gesamt etwa 6.200 Ein- und Aussteiger für den Knotenbahnhof Münster „Nordkreuz“.
In einer Übersicht fasst der NWL die Gesamtpotenziale in vier Angebotsszen arien zusammen, die
sich an den Umsetzungsstufen der S -Bahn Münsterland orientieren (Status Quo, Vorstufe, Stufe 1
- 5 -
V/0317/2023
und Stufe 2). Hierbei kristallisiert sich heraus, dass bereits im Status Quo werktags ca. 9.500 Ein- und
Aussteiger pro Tag den Bahnhaltepunk t Münster „Nordkreuz“ nutzen würden. Im Zuge der Umset-
zungsstufen steigert sich diese Zahl auf ca. 10.400 (Vorstufe), 13.300 (Stufe 1) und schließlich auf ca.
16.700 Ein- und Aussteiger (Stufe 2) pro Tag (vgl. Anlage 1, Tab. 1).
Die grundsätzliche fahrplantechnische Machbarkeit einer Bedienung mit allen Zügen der Stammstre-
cke ist durch den Gutachter SMA3 für den Haltepunkt Münster „Nordkreuz“ bestätigt worden.
Städtebauliche Ersteinschätzung
Im Rahmen einer Ersteinschätzung erachtet das Stadtplanungsamt die Einrichtung des Haltepunktes
sowohl planungsrechtlich als auch liegenschaftlich als grundsätzlich realisierbar. Auch städtebaulich
ist der Knotenbahnhof grundsätzlich vorstellbar, wenngleich dieser mit einer erheblichen Veränderung
der umliegenden öffentlichen Räume einhergeht. Hier bedarf es einer überzeugenden Gestaltung der
notwendigen Erschließungsanlagen in Bezug auf die Überwindung der Höhenunterschiede sowie den
geplanten Bahnsteigen selbst. Zudem sind sensible Gestaltungsansätze hinsichtlich der baulichen
Errichtung eines angemessenen Lärmschutzes zu wählen, um Beeinträchtigungen der angrenzenden
Wohngrundstücke zu begrenzen.
Weiteres Vorgehen
Vor dem Hintergrund der genannten Potenziale und der Notwendigkeit den Umweltverbund im Sinne
der Klimaneutralität konsequent zu fördern, soll die Realisierbarkeit des „Nordkreuzes“ und damit ver-
bundene Auswirkungen auf das Gesamtsystem S -Bahn Münsterland in einer tiefergehenden Unter-
suchung des NWL ergebnisoffen geprüft werden. Hierbei sollen fahrplantechnische Möglichkeiten und
notwendige Infrastrukturbedarfe identifiziert sowie daraus entstehende Planungsvarianten für die un-
terschiedlichen Maßnahmen unter verkehrlichen, technischen und ökonomischen Parametern bewer-
tet werden. Hierzu dient der eingerichtete Arbeitskreis Planung Kernbereich S-Bahn Münsterland mit
Vertretern der Stadt Münster, DB Netz, DB Station&Service und des NWL. Die Ergebnisse der Detail-
untersuchung sollen mit den Projektpartnern bis zum 1. Quartal 2024 vollständig abgestimmt sein und
im nächsten Schritt der Politik zur Entscheidung vorlegt werden.
In Vertretung
gez.
Robin Denstorff
Stadtbaurat
Anlagen:
Anlage A
S-Bahn Münsterland. Voruntersuchung Knotenbahnhof Münster Nordkreuz. Herleitung der Re-
levanz für die weitere Detailuntersuchung eines neuen Knotenbahnhofs im urbanen Raum.
3 SMA und Partner AG ist ein unabhäng iges Consulting- und Softwareunternehmen für Bahnsysteme mit Sitz in
Zürich.
- 6 -
V/0317/2023
S-Bahn Münsterland Voruntersuchung Knotenbahnhof Münster Nordkreuz
29420 Zeichen
Version 1.0 S‐Bahn Münsterland Voruntersuchung Knotenbahnhof Münster Nordkreuz Herleitung der Relevanz für die weitere Detailuntersuchung eines neuen Knotenbahnhofs im urbanen Raum Münster Mai 2023 Dokumenteninformationen Umsetzung Angebotszielkonzept S‐Bahn Münsterland Interne Projektleitung: Nils Winter (Zweckverband Nahverkehr Westfalen‐Lippe) Externe Projektleitung: Dr. Ingo Heinrich (Stellschrauber GmbH) Auftraggeber Zweckverband Nahverkehr Westfalen‐Lippe (NWL) Bahnhofstr. 48 59423 Unna Erstellung Stellschrauber GmbH Brüderstraße 6 48145 Münster Redaktion: Tim Sonntag (Stellschrauber GmbH) Bearbeitung: Dr. Ingo Heinrich (Stellschrauber GmbH) Tim Sonntag (Stellschrauber GmbH) Mathias Riedel (Zweckverband Nahverkehr Westfalen‐Lippe) Oliver Kuhlmann (Zweckverband Nahverkehr Westfalen‐Lippe) Inhaltsverzeichnis 1 Einführung ....................................................................................................................... 1 2 Verkehrlicher Nutzen Knotenbahnhof Münster Nordkreuz .............................................. 5 2.1 Potential Quartiererschließung ...................................................................................... 5 2.2 Potential Umstieg S‐Bahn/S‐Bahn .................................................................................. 7 2.3 Potential Umstieg S‐Bahn/ÖPNV .................................................................................... 9 2.4 Zusammenfassung ........................................................................................................ 10 3 Technische und betriebliche Rahmenbedingungen ........................................................ 13 3.1 Bauliche Umsetzung ..................................................................................................... 13 3.2 Fahrplantechnische Einordnung ................................................................................... 13 3.3 Bahnstromversorgung .................................................................................................. 14 4 Ausblick und weiteres Vorgehen .................................................................................... 15 Abbildungsverzeichnis Abbildung 1: Übersicht Umsetzungsstufen S‐Bahn Münsterland ............................................. 2 Abbildung 2: Übersicht Stammstrecke und Knotenbahnhöfe (2040) ....................................... 3 Abbildung 3: Lage Knotenbahnhof Münster Nordkreuz im Stadtplan ...................................... 4 Abbildung 4: Übersicht Quartierserschließung ......................................................................... 5 Abbildung 5: Anzahl Bewegungen mit Ziel Münster Zentrum Nord ......................................... 7 Abbildung 6: Anzahl Bewegungen mit Ziel Coesfelder Kreuz / Uni ........................................... 9 Tabellenverzeichnis Tabelle 1: Berechnung Ein‐ und Aussteiger Quartierserschließung .......................................... 6 Tabelle 2: Berechnung Ein‐ und Aussteiger Umstieg S‐Bahn/S‐Bahn ....................................... 8 Tabelle 3: Berechnung Ein‐ und Aussteiger Umstieg SPNV/ÖPNV .......................................... 10 Tabelle 4: Berechnung Ein‐ und Aussteiger in unterschiedlichen Angebotsszenarien ............ 11 Anlagen Anlage 1 Liniennetzgrafik S‐Bahn Münsterland (Zielnetz 2040) Anlage 2 Erläuterungen Mobilfunkdatenanalyse 1 1 Einführung Die Stadt Münster sowie viele Kommunen im Münsterland zeigen im Landesvergleich ein überdurchschnittliches Bevölkerungswachstum. Um dem dadurch steigenden Mobilitätsbedürfnis gerecht zu werden und den Grundstein für eine funktionierende Verkehrswende im Münsterland zu legen, sollen durch die Einführung der S‐Bahn Münsterland der Anteil der umweltverträglichen Verkehrsnutzung im Münsterland überwiegen und außerdem den Menschen im Münsterland eine hohe Mobilität und eine nachhaltige Lebensqualität ermöglicht werden. Die wesentlichen Projektziele sind die Steigerung der Fahrgastzahlen um den Faktor 2,5, die Sicherstellung einer hohen Betriebsstabilität und der Einsatz emissionsfreier Fahrzeuge. Grundlage für die Entwicklung der S‐Bahn Münsterland ist die Landesplanung für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Nordrhein‐Westfalen als Zielfahrplan. Diese Landesplanung führt erstmals zu einer Umkehr in der Infrastrukturplanung auf der Schiene. Denn durch diese fahrplanbasierte Infrastrukturplanung wird die für den Zielfahrplan notwendige Infrastruktur ermittelt. Der Zielfahrplan und die damit verbundenen Infrastrukturausbauten sind zusätzlich zur Landesplanung auch Bestandteil des sogenannten Deutschlandtakts. Die zentralen Merkmale des Systems S‐Bahn Münsterland sind: Je Korridor mindestens drei Fahrten pro Stunde und Richtung Starke Angebotsausweitung auch in den Tagesrandlagen Integraler Bestandteil des städtischen ÖV‐Hochleistungsnetzes Schaffung einer Stammstrecke zwischen Münster‐Hiltrup und Münster Zentrum Nord (15‐Minuten Takt) Neue S‐Bahn Halte im urbanen Raum (Haltestellenabstand für Stadtverkehr) Infrastruktur für emissionsfreien Fahrzeugeinsatz Vermarktung als S‐Bahn Münsterland Die Einführung des Systems S‐Bahn Münsterland ist durch eine Vorstufe sowie zwei weitere Umsetzungsstufen gekennzeichnet. Dabei beinhaltet die Vorstufe die Inbetriebnahme der reaktivierten Westfälischen Landes‐Eisenbahn (Münster Hbf – Sendenhorst) sowie die Einführung von 30‐Minuten Takten auf den Relationen Münster Hbf – Gronau, Münster Hbf – Warendorf und Münster Hbf – Coesfeld. Das eigentliche System S‐Bahn Münsterland soll ab Dezember 2032 mit der Stufe 1 in Betrieb genommen werden. Hierzu zählt auch die 2 Inbetriebnahme der neuen S‐Bahn‐Stammstrecke zwischen Münster‐Hiltrup und Münster Zentrum Nord. Mit der Umsetzung der Stufe 2 wird die S‐Bahn Münsterland um zusätzliche Leistungen sowie um weitere Halte erweitert. Außerdem ist mit dieser Stufe ebenfalls eine Ausweitung der S‐Bahn‐Verkehre bis in den niederländischen Raum Enschede/Hengelo/Zwolle geplant. Eine Übersicht zu den einzelnen Umsetzungsstufen ist der folgenden Grafik zu entnehmen: Abbildung 1: Übersicht Umsetzungsstufen S‐Bahn Münsterland Ab der Umsetzung der Stufe 1 werden starke Fahrgaststeigerungen erwartet. Hieraus entwickelt sich eine verkehrliche Notwendigkeit zur bedarfsgerechten Lenkung dieser neuen Fahrgastströme. Dies betrifft insbesondere den Hauptbahnhof Münster und die damit verbundenen erforderlichen Maßnahmen zur Entlastung des Hauptbahnhofs. In Verbindung mit der neuen Stammstrecke ist im Bereich Preußenstadion eine neue Verknüpfung von S‐Bahn Linien Bestandteil der aktuellen Planung. In diesem neuen Knotenbahnhof Münster Preußenstadion können Fahrgäste innerhalb des Systems S‐Bahn Münsterland ohne Fahrt zum Hauptbahnhof Münster umsteigen. So kommt es zu interessanten neuen Umsteigebeziehungen und zusätzlich zu einer Entlastung des Hauptbahnhofs Münster. Neben dem neuen Knotenbahnhof Preußenstadion ergibt sich im zukünftigen Liniennetz ein weiterer Bereich zur Errichtung eines Knotenbahnhofs. Nämlich nördlich vom Hauptbahnhof Münster, und zwar in dem Bereich, in denen die einzelnen S‐Bahn‐Linien aus der Region im Kernbereich 3 zusammengeführt werden. So werden auch hier interessante, neue Verkehrsrelationen geschaffen, die einen sehr deutlichen Reisezeitvorteil im Vergleich zur heutigen Situation aufweisen1. Beispielsweise können zukünftig Reisende aus Telgte/Warendorf mit dem Ziel Münster Zentrum Nord im nördlichen Knotenbahnhof umsteigen. In der folgenden Darstellung sind die neuen Umsteigerelationen in Verbindung mit der Stammstrecke veranschaulicht: Abbildung 2: Übersicht Stammstrecke und Knotenbahnhöfe (2040) Für die erste Grobplanung zu den beiden Knotenbahnhöfen hat der Zweckverband Nahverkehr Westfalen‐Lippe folgende Planungsprämissen festgelegt: Haltepolitik mit Halt jeder dort verkehrenden S‐Bahn Linie Schaffung attraktiver Umsteigebeziehung im Fahrplan und in den Wegebeziehung beim Umstieg Attraktive Verknüpfung mit dem städtischen ÖPNV‐Hochleistungsnetz 1 vgl. Kapitel 2.2 4 Der südliche Knotenbahnhof ist unter dem Arbeitstitel Münster Preußenstadion bereits zu überwiegenden Teilen Bestandteil der Landesplanung NRW. Der nördliche Knotenbahnhof weist den internen Arbeitstitel Münster Nordkreuz auf und soll zukünftig in die Landesplanung mit aufgenommen werden. Die untenstehende Grafik gibt einen Überblick über die Lage des Knotenbahnhofs Münster Nordkreuz im Stadtplan: Abbildung 3: Lage Knotenbahnhof Münster Nordkreuz im Stadtplan Eine erste Abschätzung aus dem Zusammenspiel der Fahrplangestaltung mit der notwendigen Infrastruktur lässt einen hohen verkehrlichen Nutzen vermuten. Dieser Nutzen erscheint, mit Blick auf die Ziele zur Veränderung der Verkehrsmittelwahl, so relevant, dass daraus der Aufwand für eine weitere Detailuntersuchung begründet wird. Der volkswirtschaftliche Nutzen soll dann im Zuge der weiteren Untersuchung ermittelt werden. 5 2 Verkehrlicher Nutzen Knotenbahnhof Münster Nordkreuz Der verkehrliche Nutzen im Zusammenhang mit der Errichtung eines neuen Knotenbahnhofs Münster Nordkreuz wird maßgeblich durch die zu erzielenden Fahrgastpotentiale (Ein‐ und Aussteiger an Mo‐Fr) definiert. Diese Potentiale setzen sich im Wesentlichen aus den folgenden Teilpotentialen zusammen: Quartiererschließung (Einwohner, Schul‐ und Hochschulplätze sowie Arbeitsplätze) Umstiege S‐Bahn von/nach S‐Bahn Umstiege S‐Bahn von/nach ÖPNV Eine Bewertung des volkswirtschaftlichen Nutzens, mit Gegenüberstellung des Bezugsfalls und des Planfalls, erfolgt im Rahmen der weiteren Untersuchung. Im Folgenden werden die Ansätze und die Berechnungen zu diesen drei Teilpotentialen für einen Knotenbahnhof Münster Nordkreuz näher erläutert. 2.1 Potential Quartiererschließung Durch die Errichtung des Knotenbahnhofs Münster Nordkreuz wird unteranderem ein direktes Fahrgastpotential aus dem betroffenen Quartier erschlossen. Einwohner der Stadtteile Mauritz‐Mitte, Mauritz‐West, Schlachthof, Rumphorst‐Süd und dem Erphoviertel können den zukünftigen Knotenbahnhof fußläufig erreichen. Außerdem werden Arbeitsplätze (z.B. Zahnärztekammer, Verwaltungsgericht), Schulen (z.B. Ratsgymnasium) und Hochschulen (z.B. Katholische Hochschule) in den genannten Quartieren durch den neuen Knotenbahnhof direkt an den Schienenpersonennahverkehr angeschlossen. Abbildung 4: Übersicht Quartierserschließung 6 Um zu ermitteln wie viele Nutzer aus der Gruppe der Einwohner, der Arbeitsplätze und der Schul‐ und Hochschulplätze neu für den SPNV erschlossen werden, hat der NWL eine Erschließungspotentialanalyse durchgeführt, die im Folgenden erläutert und ihre Ergebnisse dargestellt werden sollen. Das Erschließungspotential einer Station wird anhand der Einwohnergleichwerte (EGW) bestimmt. Für die Bestimmung der EGW werden in zwei Einzugsbereichen von 600 m und 1.800 m (realer Fußweg, nicht Luftradius) die neu erschlossenen Einwohner, Arbeitsplätze, Schulplätze und Hochschulplätze ermittelt. Dabei werden die beiden Einzugsbereiche unterschiedlich gewichtet, indem die Einwohner, Arbeitsplätze, Schulplätze und Hochschulplätze aus dem 600 m Einzugsbereich mit 1,00 und die Werte aus dem 1.800 m Einzugsbereich mit 0,25 multipliziert werden. Abschließend werden die auf diese Weise ermittelten EGW aus beiden Einzugsbereichen zum Erschließungspotential aufaddiert. Tabelle 1: Berechnung Ein‐ und Aussteiger Quartierserschließung2 Anschließend wird die SPNV‐Mobilitätsrate bestimmt. Die SPNV‐Mobilitätsrate ist das Verhältnis von Ein‐ und Aussteigern zum Erschließungspotential einer Station. Die 2 Bei den Einwohnern, Arbeitsplätzen und Schul‐ und Hochschulplätzen handelt es sich um exklusive Werte. In der Erreichbarkeit bestehen räumliche Überschneidungen mit anderen SPNV‐Haltestellen – nördlich mit Münster Zentrum Nord und südlich mit Münster Hauptbahnhof. Diese bereits erschlossenen Fahrgastpotentiale fließen nicht in die Berechnungen mit ein. 7 Mobilitätsrate wird von den umliegenden, bestehenden Stationen für die neue Station abgeleitet3. Schließlich wird das Erschließungspotential mit der SPNV‐Mobilitätsrate multipliziert. So ergeben sich 6.184 Ein‐ und Aussteiger für den Knotenbahnhof Münster Nordkreuz. 2.2 Potential Umstieg S‐Bahn/S‐Bahn Neben dem neu gewonnenen Quartierserschließungspotential4, ermöglicht der Knotenbahnhof außerdem neue Umsteigebeziehungen zwischen verschiedenen S‐Bahn‐ Linien. Die fächerförmige Gleisstruktur in Höhe der Kreuzung Bohlweg/Niedersachsenring teilt den vom Münsteraner Hauptbahnhof kommenden Zugverkehr in drei Strecken. Die westlichste Strecke führt nach Gronau bzw. Rheine, die mittlere Strecke verläuft Richtung Osnabrück und die östlichste Strecke bildet die Relation Richtung Warendorf/Bielefeld ab. Eine solche fächernde bzw. bündelnde Funktion stellt eine gute Grundlage für einen Knotenbahnhof dar. Abbildung 5: Anzahl Bewegungen mit Ziel Münster Zentrum Nord Durch den Knotenbahnhof Münster Nordkreuz werden neue Umsteigebeziehungen für die nördlichen Schienenkorridore geschaffen. Hierfür sind vor allem die Korridore S 6 (Münster Hbf – Osnabrück Hbf)5 und S 7 (Münster Hbf – Warendorf – Bielefeld Hbf)6 von 3 Bestandswerte aus MS Zentrum Nord, MS‐Albachten und MS‐Hiltrup 4 vgl. Kapitel 2.1 5 im Status Quo und in der Vorstufe als RB 66 6 im Status Quo und in der Vorstufe als RB 67 8 Relevanz. Fahrgäste, die aus diesen Bereichen kommen und beispielsweise Münster Zentrum Nord anfahren, wird die Möglichkeit geboten bereits am Halt Münster Nordkreuz in eine Linie umzusteigen, die zum Zentrum Nord verkehrt. Den Fahrgästen wird so der Umweg über den Münsteraner Hauptbahnhof erspart. Außerdem ermöglicht der Knotenbahnhof Münster Nordkreuz für Reisende kürzere Umsteigezeiten7 als vergleichbare Umstiege im Hauptbahnhof Münster. Beide Aspekte kombiniert führen zu einer deutlichen Zeitersparnis für Fahrgäste und tragen so zu einer erhöhten Attraktivität für das spätere Gesamtsystem S‐Bahn Münsterland bei. Außerdem kann durch die neu gewonnen Umsteigebeziehungen am Knotenbahnhof Münster Nordkreuz der Münsteraner Hauptbahnhof in Bezug auf Fahrgastzahlen wesentlich entlastet werden. Durch den monozentrischen Charakter der Stadt Münster im Münsterland sind die Fahrgastzahlen am Hauptbahnhof bereits heute hoch. Zu Hauptverkehrszeiten geraten Fahrgasttunnel, Bahnsteige und Eingangshalle schon im jetzigen Zustand teilweise an ihre Belastungsgrenzen. Aufgrund von steigenden Fahrgastzahlen durch die Inbetriebnahme der S‐Bahn Münsterland gilt es den Hauptbahnhof perspektivisch zu entlasten. Mittels neuer Umsteigebeziehungen am Knotenbahnhof Münster Nordkreuz können Fahrgäste, die heute am Hauptbahnhof umsteigen8, in Zukunft bereits im Halt Münster Nordkreuz ihren Zug wechseln. Tabelle 2: Berechnung Ein‐ und Aussteiger Umstieg S‐Bahn/S‐Bahn9 Mittels einer Mobilfunkdatenanalyse hat der NWL ermittelt wie viele potentielle Fahrgäste zwischen dem Postleitzahlgebiet des Bahnhofs Münster Zentrum Nord (48147) und den Postleitzahlgebieten an den Korridor S 6 und den Korridor S 7 täglich pendeln. Für diese 7 durch kürzere Laufwege 8 analog zum Knotenbahnhof Münster Preußenstadion 9 die Mobiltätsrate ist gleich dem SPNV‐Modal‐Split für Pendelnde (0,24=24% der Pendelnden Nutzen den Zug) 9 Fahrgäste bietet der Knotenbahnhof eine deutliche Zeitersparnis10. Um die Fahrgastpotentiale zu bestimmen, werden anonymisierte Mobilfunkdaten der Telefónica herangezogen11. Die Bewegungen aus den Korridoren S 6 und S 7 zum Bahnhof Münster Zentrum Nord werden aufaddiert und mit der Mobilitätsrate 0,24 multipliziert. Die Mobilitätsrate für diese Verbindung ergibt sich aus dem Modal‐Split für Pendler12. Im Ergebnis profitieren 1.402 Ein‐ und Aussteiger als Pendler von einer verbesserten Umsteigemöglichkeit in einem neuen Knotenbahnhof Münster Nordkreuz. 2.3 Potential Umstieg S‐Bahn/ÖPNV Neben den Umsteigerpotentialen zwischen S‐Bahn und S‐Bahn bildet der neue Knotenbahnhof auch ein großes Potential zur Anbindung des Forschungs‐, Uni‐Klinik‐ und Hochschulquartiers rund um das Coesfelder Kreuz. Hier bestehet die Möglichkeit über einen städtischen Hochleistungs‐ÖPNV den Bereich Coesfelder Kreuz / Uni direkt mit dem System S‐Bahn Münsterland zu verknüpfen. Abbildung 6: Anzahl Bewegungen mit Ziel Coesfelder Kreuz / Uni Für die Umsteigerpotentialabschätzung wird hier das Postleitzahlgebiet 48149 betrachtet in dessen Mitte der Bereich Coesfelder Kreuz / Uni liegt. Für potentielle Pendelbeziehungen werden neben dem S 6 und S 7 Korridor13 hier nun weiteren Korridore betrachtet, dessen 10 auch für Umsteiger zwischen den Osnabrücker und Warendorfer Korridor und weiter nördlich folgenden Stationen auf den Gronauer und Rheiner Korridor bietet Münster Nordkreuz eine Zeitersparnis 11 für eine detaillierte Beschreibung der Mobilfunkdatenanalyse siehe Anhang 2 12 Quelle: Stadt Münster 13 im Status Quo und in der Vorstufe als RB 67 und RB 66 10 künftige S‐Bahn‐Linien am Nordkreuz halten sollen. Die weiteren Korridore sind S 4 (MS‐Hbf – Gronau)14 und S 5 (MS‐Hiltrup – Rheine)15. Der Korridor S 9 (Hamm – Münster Zentrum Nord) wird im Status Quo und in der Vorstufe nicht betrachtet und erst mit Inbetriebnahme der Stammstrecke (ab Stufe 1) berücksichtigt16. Tabelle 3: Berechnung Ein‐ und Aussteiger Umstieg SPNV/ÖPNV Für diese Korridore ergibt sich durch den Knotenbahnhof Münster Nordkreuz eine attraktive Umsteigebeziehung in Richtung Coesfelder Kreuz / Uni. Die Berechnung der Umsteigerpotentiale zeigt, dass für 2.645 Ein‐ und Aussteiger als Pendler eine solche Umsteigebeziehung ermöglicht werden kann. 2.4 Zusammenfassung Die Summe der drei Teilpotentiale17 ergibt das Gesamtpotential an Ein‐ und Aussteigern für einen neuen Knotenbahnhof Münster Nordkreuz. Dabei wurden Überschneidungen aus der Ermittlung der Potentiale zu den Arbeitsplätzen sowie zu den Schul‐ und Hochschulplätzen in der Berechnungsmethodik berücksichtigt und so die Gesamtbetrachtung entsprechend bereinigt. Außerdem wurde bei der Bewertung des Gesamtpotentials eine attraktive Anbindung an den städtischen Hochleistungs‐ÖPNV, insbesondere in Richtung Coesfelder Kreuz / Uni angenommen18. 14 im Status Quo und in der Vorstufe als RB 64 15 im Status Quo und in der Vorstufe als RB 65 nur Rheine – Münster Hbf 16 vgl. Kapitel 2.4 17 vgl. Kapitel 2.1, 2.2 und 2.3 18 vgl. Kapitel 2.3 11 Die folgende Tabelle stellt die Gesamtpotentiale in vier Szenarien gegenüber. Die Szenarien orientieren sich dabei an den Umsetzungsstufen der S‐Bahn Münsterland19 und stellen somit Angebotsszenarien im System S‐Bahn Münsterland dar. Tabelle 4: Berechnung Ein‐ und Aussteiger in unterschiedlichen Angebotsszenarien Im Ergebnis zeigt sich, dass bereits unter der Annahme der Bestandsverkehre im Schienenpersonennahverkehr, also dem Angebotsszenario Status Quo, täglich 9.481 Ein‐ und Aussteiger an Mo‐Fr für eine Station Münster Nordkreuz generiert werden. Diese Werte sind beispielsweise vergleichbar mit den Verkehrsstationen in Unna20 oder Soest21. Im Szenario Vorstufe wurde die heutige RB 67 (Münster Hbf – Warendorf) sowie die heutige RB 64 (Münster – Gronau) jeweils im 30‐Minuten Takt unterstellt. Hieraus ergeben sich leichte Potentialsteigerungen für die Umsteigebeziehung S‐Bahn auf/von S‐Bahn22 und S‐Bahn auf/von Hochleistungs‐ÖPNV23. Insgesamt wurden für dieses Szenario 10.364 Ein‐ und Aussteiger berechnet. Im Szenario Stufe 1 wird unterstellt, dass die S‐Bahn Münsterland als System und damit insbesondere die Stammstrecke24 in Betrieb genommen wurde. Dies führt maßgeblich bei der Umsteigebeziehung S‐Bahn auf/von Hochleistungs‐ÖPNV25 zu größeren Potentialsteigerungen. Aber auch die Umsteigebeziehung S‐Bahn auf/von S‐Bahn weist in 19 vgl. Kapitel 1 20 Unna: 10.358 Ein‐ und Aussteiger an Mo‐Fr in 2019 (Quelle: KC ITF NRW) 21 Soest: 8.197 Ein‐ und Aussteiger an Mo‐Fr in 2019 (Quelle: KC ITF NRW) 22 in der Vorstufe als Regionalbahn, Berechnung vgl. Kapitel 2.2 23 in der Vorstufe als Regionalbahn, Berechnung vgl. Kapitel 2.3 24 Abschnitt Münster‐Hiltrup bis Münster Zentrum Nord im 15‐Minuten Takt 25 vgl. Kapitel 2.3 12 diesem Szenario leichte Steigerungen bei den Ein‐ und Aussteigern auf. Für das Szenario Stufe 1 wurden 13.342 Ein‐ und Aussteiger abgeschätzt. Schlussendlich wird naturgemäß im Szenario Stufe 2 die größte Steigerung im Fahrgastpotential erzielt. Hier kommt es zu täglich 16.662 Ein‐ und Aussteigern an Mo‐Fr. Dabei wird in diesem Szenario der finale Ausbau der S‐Bahn Münsterland rechnerisch unterstellt. Gerade bei der Umsteigebeziehung S‐Bahn auf/von städtischen Hochleistungs‐ ÖPNV26 führt dies zu Fahrgastströmen, die ein entsprechend leistungsfähiges System im städtischen ÖPNV notwendig machen27. Die berechneten Werte für das Gesamtpotential an Ein‐ und Aussteigern für einen neuen Knotenbahnhof Münster Nordkreuz im Szenario Stufe 2 übersteigen dabei beispielsweise deutlich die täglichen Ein‐ und Aussteiger der westfälischen SPNV‐Halte in Paderborn28 und in Rheine29. 26 vgl. Kapitel 2.3 27 8.465 Umsteiger in/aus den städtischen Hochleistungs‐ÖPNV 28 Paderborn: 11.370 Ein‐ und Aussteiger an Mo‐Fr in 2019 (Quelle: KC ITF NRW) 29 Rheine: 12.599 Ein‐ und Aussteiger an Mo‐Fr in 2019 (Quelle: KC ITF NRW) 13 3 Technische und betriebliche Rahmenbedingungen In Folgenden wird ein erster grober Überblick zu den Möglichkeiten der baulichen Umsetzung sowie zu den eisenbahnbetrieblichen Rahmenbedingungen gegeben. 3.1 Bauliche Umsetzung Die Lage eines neuen Knotenbahnhofs Münster Nordkreuz im Stadtplan macht in jedem Fall eine sensible und durchaus städtebaulich anspruchsvolle Betrachtung notwendig. Gerade die recht enge Wohnbebauung in Verbindung mit den großen Fahrgastströmen erfordern eine intensive Auseinandersetzung mit dem Lärmschutz, der Lenkung der Reisenden und auch insgesamt mit der gestalterischen Ausführung der neuen Anlagen. Dem gegenüber steht die Möglichkeit die größere Spannweite der vorhandenen Bahnbrücken auch für zusätzliche Brücken mit neuen Bahnsteiganlagen zu nutzen. So können die neuen Bahnsteiganlagen im bestehenden Verkehrsraum integriert und Zugänge direkt zum Hochleistungs‐ÖPNV hergestellt werden. Für die Umsteigebeziehung S‐Bahn auf/von S‐Bahn sollte die Strecke von Osnabrück (S 6) einen gemeinsamen Bahnsteig mit den Strecken nach Rheine (S 5 und S 9) bzw. nach Gronau (S 4) erhalten. So können bahnsteig‐ und niveaugleiche Umstiege aus der Relation Osnabrück – Lengerich – Ostbevern – Westbevern zum Dienstleistungs‐ und Verwaltungszentrum Münster Zentrum Nord angeboten werden. 3.2 Fahrplantechnische Einordnung Grundsätzliche Planungsprämisse für die fahrplantechnische Herstellung von Knotenbahnhöfen im System S‐Bahn Münsterland ist eine Haltepolitik mit Halt jeder dort verkehrenden S‐Bahn Linie30. Für den Knotenbahnhof Münster Nordkreuz bedeutet dies den Halt aller Züge der Stammstrecke S 5 / S 9 (Rheine – Münster‐Hiltrup / Hamm Hbf – Münster Zentrum Nord) sowie aller Züge der S 4 (Münster Hbf – Gronau – Enschede), der S 6 (Münster Hbf – Osnabrück Hbf) und der S 7 (Münster Hbf – Warendorf – Bielefeld Hbf). Eine erste Voruntersuchung durch den Gutachter SMA31 hat unterschiedliche Möglichkeiten aufgezeigt, unter welchen Voraussetzungen alle Züge der betroffenen Linien im neuen Knotenbahnhof Münster Nordkreuz halten können. Dabei hat sich die grundsätzliche fahrplantechnische Machbarkeit eines solchen Knotenbahnhofs gezeigt. Die weitere Detailbetrachtung soll die verschiedenen Varianten weiter differenzieren und bewerten. Dies betrifft maßgeblich das 30 vgl. Kapitel 1 31 SMA und Partner AG, Zürich 14 Zusammenspiel aus den weiteren Verkehren (RE‐Verkehre, Fernverkehr und Güterverkehr) auf den Mischverkehrsstrecken32 mit der dafür notwendigen Infrastruktur. 3.3 Bahnstromversorgung Die geplante Elektrifizierung der Strecke von Münster Zentrum Nord bis Gronau bzw. bis Enschede sowie die zukünftig deutlich größer dimensionierte Bahnstromversorgung des Hauptbahnhofs Münster, erfordern eine Anpassung der Bahnstromschalttechnik in diesem Bereich. Dafür sieht die Planung der DB Netz ein neues Schalthaus33 in Münster im Bereich Bohlweg/Niedersachsenring vor. Diese Maßnahme ist unabhängig von der Errichtung des Knotenbahnhofs Münster Nordkreuz zu betrachten. Gleichwohl sollen beide Maßnahmen abgestimmt und koordiniert geplant werden. Aus jetziger Sicht erscheint eine Integration dieses Schalthauses in die Planungen zur Station Münster Nordkreuz möglich. 32 Münster – Rheine – Emden und Münster – Osnabrück – Bremen – Hamburg 33 nach erster Abschätzung 13,0 x 5,0 x 3,5 Meter (b x l x h) 15 4 Ausblick und weiteres Vorgehen Die Berechnungen und Abschätzungen zu den möglichen Potentialen34 und den damit verbundenen verkehrlichen Nutzen in Verbindung mit der Errichtung eines neuen Knotenbahnhofs Münster Nordkreuz, rechtfertigen die weitere Detailuntersuchung. Dazu sollen im nächsten Schritt die fahrplantechnischen Möglichkeiten detailliert geklärt und daraus die notwendige Infrastruktur abgeleitet werden35. Die so entstehenden Varianten werden auf dieser Basis verkehrlich, technisch und wirtschaftlich bewertet und so eine Grundlage für die weitere Entscheidungsfindung aufgestellt. In der praktischen Arbeit wird dazu der bereits implementierte Arbeitskreis Planung Kernbereich S‐Bahn Münsterland genutzt. Hier organisieren sich die Projektpartner der DB Netz, der DB Station&Service, der Stadt Münster und des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen‐Lippe (NWL) zur Aufstellung und Bewertung einzelner Planungsvarianten für die unterschiedlichen Maßnahmen im Zusammenhang mit der S‐Bahn Münsterland. In Verbindung mit dem Knotenbahnhof Münster Nordkreuz ist mit belastbaren und zwischen den Projektpartnern abgestimmten Ergebnissen aus dieser noch folgenden Detailuntersuchung im 1. Quartal 2024 zu rechnen. 34 tägliche Ein‐ und Aussteiger an Mo‐Fr 35 vgl. Kapitel 3.2 Abbildungsnachweis Zweckverband Nahverkehr Westfalen‐Lippe Abbildung 4,5,6 Stellschrauber GmbH Titelbild, Abbildung 1,2,3 Anlagen Anlage 1 Liniennetzgrafik S‐Bahn Münsterland (Zielnetz 2040) Anlage 2 Erläuterungen Mobilfunkdatenanalyse Anlage 1 (Liniennetzgrafik S‐Bahn Münsterland 2040) Anlage 2 (Erläuterungen Mobilfunkdatenanalyse) Im regulären Geschäftsbetrieb der Telefónica fallen große Mengen an Daten an, die vor allem dann entstehen, wenn die Mobilfunkgeräte mit den Mobilfunkzellen kommunizieren. Diese Daten werden zunächst anonymisiert und stehen anschließend für Bewegungsanalysen zur Verfügung. Ein Datenpunkt entsteht beispielsweise bei Anrufen (eingehend oder abgehend), mobiler Internet‐ bzw. App‐Nutzung, Versand/Empfang von SMS/MMS, beim Ein‐ und Ausschalten des Mobilfunkgeräts sowie durch weitere passive periodische Events. Ein Datenpunkt umfasst eine anonyme ID, einen Zeitstempel sowie die Position der Funkzelle. So werden Bewegungen von A nach B nachvollziehbar. Die anonymisierten Daten aus den Mobilfunknetzen werden zunächst aggregiert und anhand weiterer sozioökonomischer Strukturdaten auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland repräsentativ hochgerechnet und können abschließend Endkunden wie dem NWL zur Verfügung gestellt werden. Bei der Analyse der vorliegenden Daten wurden Reisen aufgrund technischer Ungenauigkeiten mit weniger als zwei Kilometern Länge aus der Analyse ausgeklammert. Des Weiteren sind aus datenschutzrechtlichen Gründen nur Bewegungen von Personengruppen ≥ 5 Personen in den Analysen enthalten. Reisebewegungen sind formell definiert als Bewegungen zwischen stationären Punkten. Ein Punkt gilt als stationär, wenn für mindestens 30 Minuten keine Bewegung stattgefunden hat (Quelle Telefónica Next 2018).
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: zur Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (10)
- Bahnhofstraße 48
- Brüderstraße 6
- Mondstraße
- Bohlweg
- Niedersachsenring
- Warendorfer Straße
- Handorfer Straße
- Preußenstadion 9
- Holtmannsweg
- Kinderhaus
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Aktenzeichen
- V/0317/2023
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 15.05.2023
- Erstellt
- 15.05.2023 09:29