V/0081/2013
Sucht im Alter
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Beschlussvorlage
3800 Zeichen
V/0081/2013 DER OBERBÜRGERMEISTER Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten Betrifft Sucht im Alter Beratungsfolge 29.04.2013 Kommunale Seniorenvertretung Vorberatung 30.04.2013 Kommission zur Förderung der Inklusion von Menschen mit Behinderungen Vorberatung 07.05.2013 Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung Entscheidung Beschlussvorschlag: I. Sachentscheidung: 1. Der Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeitsförderung nimmt den Bericht „Sucht im Alter – Ein Bericht zur aktuellen Lage in Münster“ zustimmend zur Kenntnis. 2. Der von der Gesundheitskonferenz eingerichtete Arbeitskreis wird Handlungsempfehlungen für Münster erarbeiten, die der Gesundheitskonferenz und den zuständigen politischen Gremien vorgelegt werden. 3. Der SPD-Antrag an den Rat Nr. A-R/0006/2012 zum Thema „Süchte älterer Menschen er- kennen und handeln!“ ist hiermit erledigt. II. Finanzielle Auswirkungen: keine Begründung: Der Antrag der SPD Fraktion an den Rat zum Thema „Süchte älterer Menschen erkennen und handeln!“ wurde mit Beschluss des Hauptausschusses vom 09.05.2012 zur we iteren Beratung an die Kommunale Seniorenvertretung sowie den Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Arbeit s- förderung verwiesen. Die Verwaltung hat unter Beteiligung der Kommunalen Seniorenvertretung, der Wohlfahrtsverbä n- de, der Einrichtungen der Suchthi lfe sowie der Ärzte- und Apothekerkammer einen Gesundheit s- bericht „Sucht im Alter – Ein Bericht zur aktuellen Lage in Münster “ erstellt. Dabei wurden auch Anregungen aus der Gesundheitskonferenz berücksichtigt. Vorlagen-Nr.: V/0081/2013 Auskunft erteilt: Frau Dr. Schnabel Ruf: 492-5350 E-Mail: Schnabel@stadt-muenster.de Datum: 19.04.2013 Öffentliche Beschlussvorlage - 2 - V/0081/2013 Der Bericht gibt einen Überblick über die aktuelle suchtmedizinische Versorgung älterer Menschen in Münster. Er beschreibt die Problemstellung „Sucht im Alter“ und die in Münster nach Einschä t- zung verschiedener Institutionen der Sucht -, Kranken- und Altenhilfe vorhandene Versorgungsl a- ge. Im Kapitel 9 wurden auf der Grundlage der formulierten Anregungen der Expertinnen und Experten erste Handlungsempfehlungen skizziert, die dazu beitragen können, dem Missbrauch und der A b- hängigkeit von Suchtmitteln auch im höheren Lebensalter wirkungsvoll zu begegn en und die Ve r- sorgungslage in Münster durch koordiniertes Zusammenwirken aller Akteure zu verbessern. Zur Konkretisierung dieser Empfehlungen hat die Kommunale Gesundheitskonferenz zum Thema „Sucht im Alter“ einen Arbeitskreis eingerichtet, der voraussichtlich bis Ende 2014 entsprechende Handlungsempfehlungen für Münster erarbeiten wird. Die Ergebnisse werden der Gesundheitskon- ferenz und den zuständigen politischen Gremien vorgelegt. Das Thema Sucht im Alter ist nicht nur in der Stadt Münster von Interes se. Herr Dr. Weth, als Ge- schäftsführer des Gesunde Städte -Netzwerkes, hat anlässlich einer Besprechung im Büro der Drogenbeauftragten der Bundesregierung zum Thema „Nationales Gesundheitsziel Gesund älter werden“ auf den Gesundheitsbericht der Stadt Münste r aufmerksam gemacht. Das Bundesg e- sundheitsministerium zeigte sich sehr interessiert. Herr Dr. Weth wurde zu einer Fachtagung der Drogenbeauftragten des Bundes am 19.06.2013 nach Berlin eingeladen und wird dort zum Thema „Sucht im Alter – auch eine kommuna le Herausforderung! Kommune als Partner im Hilfesystem am Beispiel der Stadt Münster“ über die Aktivitäten in Münster berichten. In Vertretung gez. Thomas Paal Stadtrat Anlagen: • Antrag der SPD-Fraktion Nr. A-R/0006/2012 „Süchte älterer Menschen erkennen und handeln!“ vom 31.01.2012 • Bericht „Sucht im Alter“
Sucht im Alter_Bericht_13-04-19
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Sucht im Alter
Ein Bericht zur aktuellen Lage in Münster
April 2013
Amt für Gesundheit,
Veterinär- und
Lebensmittelangelegenheiten
Sucht im Alter
Impressum
Herausgeberin:
Stadt Münster, Amt für Gesundheit, Veterinär- und Lebensmittelangelegenheiten
Text: Dr. Tina Schnabel
Redaktion: Dr. Norbert Schulze Kalthoff
Dr. Claus Weth
Brigitte Kempe
Druck: Stadt Münster
Stand: 19.04.2013
Inhaltsverzeichnis
1 Auftrag und Ziel ........................................................................................................4
2 Einleitung ..................................................................................................................5
3 Problemstellung ........................................................................................................6
4 Daten ........................................................................................................................7
5 Einrichtungen der Prävention, Versorgung und Hilfen in Münster ............................9
6 Bewertung der Versorgungslage in Münster durch Expertinnen und Experten
der Sucht-, Kranken- und Altenhilfe: .......................................................................11
7 Umfrageergebnisse aus der Befragung „Süchte älterer Menschen erkennen
und handeln“ – Münster 2012 und Bewertung........................................................14
8 Weitere Stellungnahmen und Anregungen aus der Gesundheitskonferenz............23
9 Handlungsempfehlungen für Münster.....................................................................26
10 Anlagen...................................................................................................................28
4
1 Auftrag und Ziel
1.1 SPD-Antrag Süchte älterer Menschen erkennen und handeln!
Die SPD Fraktion hat am 31.01.2012 den Antrag an den Rat Nr. A-R/0006/2012 ein-
gebracht. Am 09.05.2012 hat der Hauptausschuss den Antrag zur weiteren Beratung
an die Seniorenvertretung und an den Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Ar-
beitsförderung verwiesen. Die SPD regt an, einen Bericht vorzulegen, der:
1. einen quantitativen und qua litativen Problemaufriss für die Stadt Münster darstellt,
2. den kommunalen Hilfebedarf umreißt,
3. die Zusammenarbeit der unterschiedlic hen Professionen und Hilfsangebote für
Suchtkranke dokumentiert und die Passgenauigkeit von Hilfeangeboten für Seni-
orinnen und Senioren ermittelt,
4. die zukünftig notwendigen kommunalen Ha ndlungsschritte aufzeigt (insbesondere
Aufklärungskampagnen, Schulungen für Angehörige und Pflegende/Betreuende,
lokale Therapieeinrichtungen).
5. In die Zusammenarbeit zur Berichters tattung sind die Seniorenvertretung, die
Wohlfahrtsverbände, die Einrichtungen der Suchthilfe sowie Ärzte- und Apothe-
kerkammer einzubeziehen. Die Berichterstattung ist geschlechtergerecht auszu-
richten, insbesondere die Handlungsempfehlungen sind für Frauen und Männer
gesondert auszuweisen.
Die Begründung dazu erläutert der Antrag.
1.2 Ziel
Ziel muss es sein, die Suchtproblematik im Alter sichtbarer zu machen und Empfeh-
lungen sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Situation zu erarbeiten bzw. zu initi-
ieren. (vgl. auch Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.; DHS)
Die Umsetzung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und erfordert auch auf
kommunaler Ebene eine Verantwortlichkeit und ein koordiniertes Zusammenwirken
aller Akteure aus der gesundheitlichen Vorsorge und Versorgung, der Suchtkranken-
hilfe mit den Beratungsdiensten vor Ort bis hin in die Bereiche von Selbsthilfe und
Dienstleistungen der Altenhilfe und Pflege. Daher wird dieser Bericht u. a. auch der
Kommunalen Gesundheitskonferenz und der kommunalen Seniorenvertretung zur
Beratung, Mitwirkung und Unterstützung vorgelegt.
5
2 Einleitung
Sucht stammt aus dem Begriff „siechen“ als Leiden an einer Krankheit. Später wurde
Sucht in der Fachsprache durch Missbrauch und Abhängigkeit ersetzt, ist jedoch im
allgemeinen Sprachgebrauch als „Sucht“ erhalten geblieben. Man unterscheidet zwi-
schen stoffabhängigen (z. B. Alkohol, Tabletten) und nicht stoffgebundenen Süchten
(z. B. Spielsucht, Ess-Sucht, Magersucht). Heute ist der Begriff international klassifi-
ziert (International Classification of Diseases, ICD F10 - ICD F19) im Sinne eines un-
erlaubten bis hin schädigenden Gebrauches einer bestimmten Substanz mit sozia-
len, physischen und psychischen Folgen für den Menschen. Hierzu gehören z. B.
Entzugserscheinungen wie Unruhe, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Angstzustän-
de und Schweißausbrüche. Abhängigkeit wird heute als Krankheit angesehen. Ins-
besondere der Missbrauch von Alkohol, Medikamenten, sog. illegalen Drogen und
Tabakkonsum können in eine Abhängigkeit führen.
Alkohol und psychoaktive Medikamente können auch im höheren Alter zu Miss-
brauch und Abhängigkeit und damit auch zu schweren gesundheitlichen Schäden
führen. Das Thema bedarf einer besonderen Aufmerksamkeit, weil die Anzahl der
Menschen jenseits des 60. Lebensjahres steigt und weiter wachsen wird. Insgesamt
wird mit dieser demografischen Entwicklung ein Anstieg der Fälle von Suchtmittel-
missbrauch und Suchterkrankungen im Alter erwartet. Dies gilt auch für die Gruppe
älterer Konsumenten von sog. Illegalen Drogen, deren Anteil derzeit eher sehr ge-
ring ist, auch weil diese Menschen früher sterben. Somit beschäftigt sich dieser Be-
richt vorrangig mit der Alkohol- und Arzneimittelsucht im Alter.
Das Wegbrechen sozialer Kontakte, Einsamkeit, Gefühle der zunehmenden Wertlo-
sigkeit, Ängste und familiäre Probleme sind häufige Ursachen, die zu Konflikten mit
dem Umfeld, zum Rückzug aus der Gesellschaft, zu weiteren gesundheitlichen Ein-
schränkungen, zur Verwahrlosung bis hin zur Depression und Entwicklung von
Suchterkrankungen führen können.
6
3 Problemstellung
Die Personengruppe ab Eintritt in das Rentenalter ist in Bezug auf das Thema Sucht
sowohl von der Suchtforschung als auch von der Suchtprävention eine bisher wenig
beachtete Zielgruppe. Ein mangelndes Problembewusstsein in der medizinischen
und pflegerischen Versorgung z. B. in Bezug auf Medikamentengabe wird immer
wieder beobachtet und durch den aktuellen Arzneimittelreport 2011 der BarmerGEK
(Kurzfassung S.15 ff), bestätigt. Stationäre Einweisungen werden auch aufgrund
multimorbider Erkrankungen selten auf Grund der Diagnose „Sucht“, sondern eher
wegen anderer, z. B. psychischer Erkrankungen vorgenommen, obwohl eine mani-
feste Abhängigkeit das eigentliche Problem darstellt. Sucht spielt sich vielfach „hinter
verschlossenen Türen“ ab, wird nicht richtig erkannt bzw. bagatellisiert (vgl. DHS).
In einer Studie von Prof. Dr. Heike Dech (FH für Soziale Arbeit, Gesundheit, Erzie-
hung und Bildung in Berlin) und in einer Stellungnahme der DHS werden folgende
eine Suchterkrankung im Alter begünstigende Faktoren benannt:
• Beendigung des Berufslebens, Anpassung an einen neuen Lebensabschnitt
• Gefühl nicht mehr gebraucht zu werden
• Einsamkeit, Wegfall sozialer Netze
• Verwitwung, Verlust von Freunden und Angehörigen
• unzureichende Freizeitgestaltung
• Heimaufnahme
• Erlernte Hilflosigkeit durch Rollen- oder Kompetenzverlust
• Nachlassende körperliche und intellektuelle Fähigkeiten
• Zunahme von Krankheiten und körperlichen Beschwerden
• zunehmende gedankliche Beschäftigung mit dem Tod
Die Betrachtung der Problemstellung stellt folgende Hypothesen und Fragen in den
Vordergrund:
1. Sucht im Alter ist in der Öffent lichkeit ein wenig beachtetes Problem.
2. Fehlen ausreichende Informationsmög lichkeiten über das Krankheitsbild, Hilfe-
system, die Diagnostik und Therapieformen?
3. Fehlen zielgruppen- und gender spezifische Konzepte?
4. Gibt es zu wenige niederschwell ige Beratungs-/ Informationsangebote?
5. Sind Sucht- und Altenhilfe unzureichend vernetzt und deren Mitarbeiter in diesem
speziellen Themengebiet unzureichend qualifiziert?
6. Ist das Hilfesystem von der medizini schen Versorgung bis hin zur Apotheke zu
wenig sensibilisiert im Themenfeld Sucht im Alter?
7
4 Daten
4.1 Alkohol und Medikamente
Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, dass Frauen nicht mehr als 20
Gramm Alkohol täglich zu sich nehmen sollten. Männer dürfen aufgrund abweichen-
der physiologischer Voraussetzungen mit 30 Gramm etwas mehr trinken. Den WHO
Grenzwert haben Frauen nach rund einem halben Liter Bier erreicht, beim Wein
schon nach einem Glas. Männern gesteht die WHO etwa 0,75 Liter Bier oder 0,3 Li-
ter Wein zu. Ein Alkoholgenuss im Rahmen dieser Empfehlung wird als risikoarm
eingestuft.
Die DHS schreibt in ihrem Jahrbuch Sucht 2013 zur Frage nach der Mortalität (Sterb-
lichkeitsrate), dass in aktuelle Analysen zu alkoholbezogenen Gesundheitsstörungen
und Todesfällen von jährlich etwa 74.000 Todesfällen durch Alkoholkonsum allein
(26%) oder durch den Konsum von Tabak und Alkohol bedingt (74 %) ausgegangen
wird. (Quelle: John, U.; Hanke, M. (2002): Alcohol-attributable mortality in a high per
capita consumption country - Germany. In: Alcohol and Alcoholism, 37(6), 581-585. )
Bezogen auf die Morbidität (Erkrankungsrate) berichtet die DHS, dass eine psychi-
sche oder verhaltensbezogene Störung durch Alkohol im Jahr 2011 als zweithäufigs-
te Einzeldiagnose in Krankenhäusern mit 338.400 Behandlungsfällen diagnostiziert
wurde.
17,8% der Frauen und 28,4% der Männer in Deutschland über 65 Jahre wird ein Ri-
sikoalkoholkonsum, also ein Genuss oberhalb der o. g. Empfehlungen, zugeschrie-
ben, der zu einer Abhängigkeit führen kann. Je höher die Bildungsgruppe umso grö-
ßer ist der Alkoholmissbrauch. (GBE Bund 2009)
Die DHS schätzt, dass ca. 1 % der Frauen über 60 Jahre und 2-3 % der Männer
schwerwiegende Alkoholprobleme haben und mehr als die Hälfte aller Medikamen-
tenverordnungen für Patientinnen und Patienten über 60 Jahre bestimmt sind. Damit
sind gerade ältere Menschen von Missbrauch und Nebenwirkungen betroffen.
Nach einer Studie des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) schätzen Pflege-
kräfte, dass ca. 14 % der Menschen die von ambulanten Pflegediensten und in stati-
onären Einrichtungen betreut werden, Alkohol oder Medikamentenprobleme haben
(Pressemitteilung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung 20.10.2010).
Zum Medikamentenmissbrauch gibt es eine Vielzahl von Beschreibungen und Hin-
weisen seitens der DHS und der Suchthilfeeinrichtungen. Auch Forschungsberichte
machen auf Missstände aufmerksam. Die Beauftragte der Bundesregierung für Dro-
genfragen schätzt, dass es in der BRD ca. 1,4 bis 1,9 Millionen Medikamentenab-
hängige gibt. Dabei sind im Gegensatz zum Alkoholmissbrauch Frauen häufiger be-
troffen als Männer. Der Arzneimittelreport 2011 der BarmerGEK beschreibt, dass 20
% der Versicherten, vor allem die älteren, 80% der Arzneimittelmengen verordnet
bekommen (Arzneimittelreport 2011 BarmerGEK, Kurzfassung S.11).
Ende der 90er Jahre hatte sich das Gesundheitsamt Münster mit der Thematik „Frau-
en und Medikamente - Gebrauch oder Missbrauch?" beschäftigt und einen Gesund-
heitsbericht dazu erstellt. Dieser Bericht behandelte allerdings das Thema Sucht im
Alter nur am Rande.
8
4.2 Krankenhausfalldaten und Mortalitätsdaten für Münster
Die Krankenhausfalldaten für Münster aus dem Jahr 2010 zeigen keine besonderen
Auffälligkeiten, wobei, wie bereits erwähnt, ältere Patientinnen und Patienten mit ei-
ner Suchtproblematik vielfach mit einer anderen Diagnose in die stationäre Versor-
gung eingewiesen werden. Im Jahr 2010 hat es vier Sterbefälle im Alter 80 und älter
(2x w und 2x m) klassifiziert im Sinne ICD F10 – F 19, gegeben.
4.3 Beschreibung der Datenlage allgemein
Es gibt bislang nur wenige Studien zur Häufigkeit, Entstehung, Verlauf und Behand-
lung von Suchtkrankheiten im höheren Lebensalter. Erste Ergebnisse aus Wissen-
schaft und Praxisprojekten verschaffen uns jedoch Einblicke in die Situation und zei-
gen Bedarfe und notwendige Hilfen auf (siehe: Sucht im Alter-Herausforderungen
und Lösungswege für diakonische Arbeitsfelder Juli 2008; siehe auch DHS und För-
derschwerpunkt „Sucht im Alter“, BMG). Die Kommunalen Gesundheitskonferenzen
Duisburg und Düsseldorf haben sich vor wenigen Jahren intensiv mit dieser Thema-
tik auseinander gesetzt, Befragungen durchgeführt, bewertet und Empfehlungen er-
arbeitet (www.psag-duisburg.de, www.duesseldorf.de/Gesundheitsamt).
Nach Veröffentlichungen der DHS kennt Sucht keine Altersgrenzen. Alkohol, Tabak
und psychoaktive Medikamente führen auch im höheren und hohen Lebensalter zu
Missbrauch und Abhängigkeit sowie weiteren schweren gesundheitlichen Schäden.
Auch bei illegalen Drogen gibt es eine wachsende Gruppe älterer Konsumenten, de-
ren Bedarf an Hilfe und Unterstützung über die Behandlung der Drogenabhängigkeit
hinausgeht.
Verbreitung illegaler Drogen (Bevölkerungsbezogene Daten)
Tabelle 1: Prävalenz des Konsums illegaler Drogen bei Über-40jährigen in den letzten
12 Monaten (Prävalenz = die (relative) Häufigkeit von Krankheitsfällen zu einem be-
stimmten Zeitpunkt.)
Altersgruppen 40-49 50-59 60-64
Irgendeine illegale
Droge
2,4 % 1,1 % 0,3 %
Cannabis 2,3 % 1,1 % 0,1 %
Auf die Darstellung der Daten für "Amphetamine", "Ecstasy", "LSD", "Heroin", "Ande-
re Opiate", "Kokain", "Crack", "Pilze" und "Spice" wurde hier verzichtet. Die Präva-
lenz des Konsums illegaler Drogen übersteigt für keine der dargestellten Altersgrup-
pen und Substanzen den Wert 0,4 %. Vielfach sind Prävalenzzahlen in Bevölke-
rungsumfragen kaum messbar. Der Konsum in den hier dargestellten Altersgruppen
ist in der Bevölkerung so wenig verbreitet, dass auch in großen Stichproben keine
Konsumenten auftauchen. Quelle: Epidemiologischer Suchtsurvey 2009 (Pabst et al.
2010)
Diese Untersuchungen zeigen, dass illegale Drogen in der Altersklasse jenseits
des 60. Lebensjahres derzeit noch eine sehr untergeordnete Rolle spielen. Die-
sem Sachstand folgend haben wir uns im Wesentlichen bei der Datenerhebung
und Analyse in Münster auf Missbrauch (Abusus) und Abhängigkeiten von Al-
kohol und Medikamenten beschränkt.
9
5 Einrichtungen der Prävention, Versorgung und Hilfen in Münster
5.1 Ambulante Hilfen
5.1.1 Schwerpunkt: Legale Drogen
Caritasverband für die Stadt Münster e.V.
Suchtberatung
Josefstr.2
48151 Münster
Tel. 0251-53 009-341
Fax 0251-53 009-311
E-Mail suchtberatung@caritas-ms.de
www.caritas-ms.de
Diakonie Münster e.V.
Evangelisches Beratungs- und BildungsCentrum GmbH
Suchtberatung
Hörsterplatz 2b, 48147 Münster
Tel. 0251-49 01 50
Fax 0251-49 01 530
Email ebd@diakonie-muenster.de
www.diakonie-muenster.de/pics-
downloads/einrichtungen/beratungsdienste/sucht.pdf
5.1.2 Schwerpunkt: Illegale Drogen
Indro e.V.
Institut zur Förderung qualitativer Drogenforschung, akzeptierender Drogenarbeit und
rationaler Drogenpolitik e. V.
Bremer Platz 18-20, 48155 Münster
Tel. 0251-6 01 23
Fax 0251-66 65 80
Email INDROeV@t-online.de
www.indro-online.de/
Drogenhilfe der Stadt Münster - Drobs
Schorlemerstraße 8, 48155 Münster
Tel. 0251-492-51 73
Fax 0251-492-77 82
Email drobs(@)stadt-muenster.de
www.muenster.de/stadt/drogenhilfe/kontakt.html
Niedergelassene Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie,
Hausärzte (Allgemeinmediziner und Internisten), www.kvwl.de
10
5.1.3 Selbsthilfegruppen
Kreuzbund e. V.
Tel. 0251-4 95 63 20
E-Mail info@kreuzbund-dv-muenster.de
www.kreuzbund-dv-muenster.de
Anonyme Alkoholiker
AA-Gruppen in Münster
Tel. 0251-1 92 92
E-Mail AAMuenster@aol.com
www.anonyme-alkoholiker.de
Selbsthilfe-Kontaktstelle Münster
Paritätisches Zentrum, Dahlweg 112, 48153 Münster
Tel. 0251-609 332 30
Fax 0251-618 511 2
E-Mail selbsthilfe-muenster@paritaet-nrw.org
http://www.selbsthilfe-muenster.de
5.2 Psychiatrische Kliniken und Ambul anzen mit suchttherapeutischen
Schwerpunkten
LWL-Klinik Münster
Friedrich-Wilhelm-Weber-Straße 30, 48147 Münster
Tel. 0251-91 555-0
www.lwl-klinik-muenster.de
LWL-Tagesklink Münster
Suchtmedizinische Tagesklinik
Schwelingstraße 11, 48147 Münster
Universitätsklinikum Münster
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Albert Schweizer Str. 11, 48149 Münster
Tel. 0251-83566-76
Fax 0251-83566-12
Alexianer Krankenhaus
Alexianerweg 9, 48163 Münster
Tel. 02501-9 66 20-0 00
Fax 02501-9 66 20-7 52
5.3 Betreutes Wohnen (mit speziellem Angebot für Suchterkrankte)
Netzwerk Suchthilfe gGmbH
Ambulant Betreutes Wohnen für Menschen mit schwerwiegenden, andauernden
Abhängigkeitserkrankungen
Bohlweg 66,48147 Münster
11
6 Bewertung der Versorgungslage in Münster durch Expertinnen und Ex-
perten der Sucht-, Kranken- und Altenhilfe:
6.1 Drogenhilfe der Stadt Münster
Die Zuständigkeit der städtischen Drogenhilfe wie auch des freien Trägers INDRO
e.V. liegt im Erwachsenenbereich bei den Konsument/innen illegaler Drogen. Aktuell
sind Konsument/innen illegaler Drogen, die älter als 65 Jahre sind, kein Thema in der
Arbeit der Drogenhilfe. Die Altersspanne der Klientel der Drogenhilfe (INDRO e.V.
und Drogenhilfe Stadt) wird jedoch zunehmend größer. So war in 2011 der jüngste
Klient der Drogenhilfe 13, der älteste opiatabhängige Klient 61 Jahre alt (vgl. Jahres-
bericht der Drogenhilfe 2011). In Münster sind mit fast 800 Personen, aktuell grob
geschätzt 2/3 aller Opiatabhängigen, substituiert. Dieses Ausmaß an Substitution
und die damit verbundene regelmäßige Behandlung durch einen Arzt lassen die Le-
benserwartung von Heroinkonsumenten im Durchschnitt ansteigen. Diese Entwick-
lung führt dazu, dass sich die Altenpflegeeinrichtungen mittelfristig konzeptionell
auch auf diese Klientel werden einstellen müssen.
Eine Unterbringung in „Spezialeinrichtungen“ (die ersten Einrichtungen entstehen
aktuell) mag in Einzelfällen sinnvoll sein, grundsätzlich würde jedoch aus Sicht der
Drogenhilfe die Qualifizierung des Pflegepersonals bestehender Einrichtungen der
Altenpflege für die Arbeit mit dieser Klientel begrüßt werden.
6.2 Sozialamt der Stadt Münster
In verschiedenen ambulant betreuten oder stationären Einrichtungen der Eingliede-
rungshilfe leben auch Menschen, bei denen als Zweitdiagnose eine Suchterkrankung
vorliegt. Im Vordergrund steht aber die Behandlung einer anderen Erkrankung. An-
bieter solcher Einrichtungen sind z. B. die Alexianer Münster GmbH und der Förder-
kreis Sozialpsychiatrie e.V.
Der LWL-Wohnverbund verfügt über eine Wohngruppe für Männer und Frauen, bei
denen eine Suchterkrankung vorliegt. Es werden 12 Plätze vorgehalten, einige Be-
wohner sind über 65 Jahre alt. Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe plant eine
neue ambulant betreute Wohngruppe an der Weseler Straße in Münster, in der Men-
schen Aufnahme finden können, bei denen eine Abhängigkeitserkrankung vorliegt
bzw. Menschen mit Doppeldiagnosen (Sucht und Psychosen).
Die Bischof-Hermann-Stiftung bietet das sogenannte „Langzeitwohnen“ an. Hier le-
ben Menschen, die über einen längeren Zeitraum wohnungslos waren und bei denen
häufig eine Suchterkrankung vorliegt. Auch hier gibt es keine Altersbegrenzung, so
dass einige von ihnen auch älter als 65 Jahre sind.
Spezielle Angebote in den Einrichtungen der Altenpflege für abhängigkeitserkrankte
Menschen gibt es derzeit nicht.
In einer Altenpflegeeinrichtung in Münster leben überdurchschnittlich viele Menschen
mit einer Suchterkrankung. Dies ist jedoch konzeptionell nicht verankert, sondern
Resultat einer langjährigen Entwicklung. Bedürfnisorientiert finden hier im Rahmen
der sozialen Betreuung u. a. viele Einzelgespräche statt. Ein spezielles Angebot für
suchterkrankte Menschen existiert hier aber nicht. Eine sinnvolle Ergänzung des An-
gebotes in Münster wird zukünftig eine Einrichtung der Bischof-Hermann-Stiftung
darstellen. In der umgebauten Dreifaltigkeitskirche werden zukünftig auch suchtkran-
ke Menschen mit Pflegebedarf aufgenommen und ambulant betreut.
Der Soziale Fachdienst Senioren und Pflege stellte wiederholt fest, dass auch bei
Menschen, die über 65 Jahre alt sind, Suchterkrankungen – insbesondere Alkoholer-
12
krankungen – vorliegen.
Bei fortgeschrittener Abhängigkeitserkrankung (z. B. Korsakowsyndrom), die auch in
Einzelfällen mit geringer Pflegebedürftigkeit einhergeht, ist das ambulante Setting oft
nicht ausreichend. Dieser Personenkreis benötigt eine feste Tagesstrukturierung wie
in stationären Einrichtungen sowie Betreuungspersonal, das täglich darauf achtet,
dass diese Menschen sich und ihre Wäsche pflegen sowie geregelte Mahlzeiten zu
sich nehmen. Sofern eine stationäre Betreuung zwingend erforderlich ist, greift der
Soziale Fachdienst Senioren und Pflege zunächst auf die in Münster vorhandenen
Möglichkeiten wie z. B. die Aufnahme im Meckmannshof, im Haus Thomas oder im
LWL-Pflegezentrum zurück. Sind hier keine freien Kapazitäten, werden Angebote in
der Umgebung genutzt.
Diese sind z. B.
• Maria Veen in Reken,
• Salze Stift in Bad Salzuflen,
• Haus Arca in Nottuln,
• Senioren Wohnpark Weser, Haus Glandorf in Glandorf,
• Altenzentrum St. Augustinus in Nordwalde.
Ein Bedarf für eine gesonderte Beratung von Einrichtungen der Altenpflege wird in
einer Stellungnahme des Sozialamtes Münster/ Informationsbüro Pflege nicht gese-
hen, ebenso wenig die Einrichtung spezieller Wohnformen für ältere Menschen mit
Süchten, vielmehr sollte dieser Personenkreis in den vorhandenen Einrichtungen
Aufnahme finden. Gegebenenfalls müssten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entspre-
chend fortgebildet werden, um eine bedürfnisorientierte Betreuung leisten zu können.
6.3 Anonyme Alkoholiker Münster
Zusammenfassend kommen die Sprecher (Betroffene und Angehörige) der AA zu
dem Ergebnis, dass es bezüglich der Selbsthilfe kein spezifisches Angebot für ältere
Suchtkranke geben muss. Es existieren bezogen auf Alter und Geschlecht heteroge-
ne Gruppen, es überwiegt bereits die Anzahl der über 50 jährigen. Als problematisch
werden zum Einen die Einsamkeit und die, nach wie vor, mangelnde Sensibilität der
Öffentlichkeit für das Thema genannt. Zum Anderen wird kritisch angemerkt, dass
nach wie vor die mangelnde Schulung /Wissen zum Thema Suchterkrankungen der
(Haus-)Ärzteschaft ein Problem sei. Es werde zu wenig geschult und seitens der Ärz-
teschaft zu selten über Suchterkrankungen aufgeklärt.
6.4 Kreuzbund Diözesan verband Münster e.V.
Zusammengefasst kommt man im Kreuzbund überein, dass kein spezielles Angebot
für ältere Suchtkranke in Münster benötigt werde. Verbesserungspotential wird an
folgenden Stellen gesehen:
Das Problem der zunehmenden Medikamentenabhängigkeit im Alter sollte offenge-
legt werden. Suchterkrankte, die in Altenheimen leben, sollten adäquate Beratung
und Behandlung erfahren. Hier sollte die Problematik offener thematisiert werden.
Es sei wichtig zu beachten, dass ältere oft zu anderen Tageszeiten aktiv sind als
jüngere Menschen, dementsprechend sollten die Angebote zeitlich angepasst wer-
den.
Eine verbreitete Problematik und möglicherweise Ursache von Suchterkrankungen
könnte eine mangelnde sinnvolle Freizeitgestaltung im Alter sein.
13
6.5 Interview mit Dr. Tilmann Fey,
Chefarzt Gerontopsychiatrie der LWL-Klinik Münster
Nach einer Einschätzung von Dr. T. Fey entspricht die Zunahme der älteren Patien-
tinnen und Patienten die eine Suchterkrankung aufweisen, der demographischen
Entwicklung in Deutschland. Ältere Menschen rechtfertigen ihre Suchterkrankung
häufig mit dem Argument, dass das Medikament vom Arzt verschrieben und somit
die Einnahme erlaubt sei, oder sehen dies als Lösungsstrategie um „Altersbe-
schwerden“ besser ertragen zu können. Tatsächlich gibt es nur einen relativ kleinen
Anteil an Patientinnen und Patienten, die eine Schmerzmittelabhängigkeit aufweisen.
Ein Großteil der abhängigen Älteren konsumiert Benzodiazepine (z. B. Lexotanil,
Tranxilium und Valium), wobei es hierfür möglicherweise Risikofaktoren gibt, die eine
Verschreibung der Medikamente begünstigen: weibliches Geschlecht, hohes Le-
bensalter, Heimbewohner/in. Der Anteil der low-dose-Benzodiazepinabhängigen
könnte seiner Einschätzung folgend ca. 10-20% der Allgemeinbevölkerung über 65
Jahre betragen (ca. 5 mg Diazepam o. ä. pro Tag).
Folgende Vorschläge zur Verbesserung der Versorgung /Behandlung älterer Men-
schen mit Suchterkrankungen wurden von Dr. Fey abgegeben:
• Bei älteren Menschen besteht relativ häufig eine sog. late-onset-Erkrankung,
(Eine in Fachkreisen übliche Klassifikation besteht darin, die Betroffenen entspre-
chend dem Beginn des problematischen Trinkens in „early onset“ – bzw. „late on-
set“-Trinker zu unterteilen.) Betroffen sind vielfach Menschen aus akademischen
Berufen, die ein anderes Beratungs- und Therapieangebot benötigen als die ear-
ly-onset-Patientinnen und - Patienten. Hier müssen Angebote differenzierter aus-
gerichtet werden.
• Eine Broschüre oder Internetseite, mit allen Informationen über Hilfen zum Thema
in Münster und im Umland für Betroffene, Angehörige und Professionelle, wäre
wünschenswert. (ähnlich „Wegweiser Demenz“).
• Es sollte eine Liste der Einrichtungen geben, die Entwöhnungsbehandlungen bei
über 65-jährigen durchführen.
• Es besteht weiter Aufklärungsbedarf über die benannte Problematik für Hausärz-
teschaft, Betroffene, Angehörige.
• Es muss in somatischen Krankenhäusern bei dem Personal ein Bewusstsein für
Suchterkrankungen älterer Menschen geschaffen werden.
• Es wären betreute Wohnplätze für ältere polytoxikomane (= vielfach abhängig-
keitserkrankte) Menschen wünschenswert, sowie eine Liste der Einrichtungen, die
sich prinzipiell zur Aufnahme bereit erklären.
14
7 Umfrageergebnisse aus der Befragung „Süchte älterer Menschen er-
kennen und handeln“ – Münster 2012 und Bewertung
Das Gesundheitsamt wurde vom Rat der Stadt Münster mit der Erstellung eines Be-
richtes zur o. g. Fragestellung beauftragt, der einen qualitativen und quantitativen
Problemaufriss geben und mögliche Handlungsempfehlungen für die Stadt Münster
beinhalten soll.
Zwischenzeitlich hat sich auch die 21. Landesgesundheitskonferenz NRW mit dem
Thema „Arzneimitteltherapiesicherheit als elementarer Baustein einer guten und si-
cheren gesundheitlichen Versorgung der Bürgerinnen und Bürger“ beschäftigt. In der
Entschließung vom 22. November 2012 wurde u. a. der Hinweis auf die Notwendig-
keit der Beachtung des Aspektes der Medikamentenabhängigkeit im Kontext der
Arzneimitteltherapiesicherheit gegeben.
http://www.mgepa.nrw.de/mediapool/pdf/gesundheit/LGK_2012_-
_Entschlie__ung_20121120.pdf Seite 8)
Zur Erstellung des Berichtes haben wir Daten aus diversen Anbietern der der Sucht-,
Kranken- und Altenhilfe in Münster erhoben. Insgesamt nahmen vier psychiatrische
Fachkliniken und fünf Beratungsstellen an der Umfrage des Gesundheitsamtes teil.
Zudem beteiligten sich 23 niedergelassene Hausärztinnen und -ärzte sowie Fachärz-
te für Psychiatrie/ Psychotherapie oder Nervenheilkunde aus Münster an der Umfra-
ge.
Die vom Sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamtes entwickelten und ver-
wendeten Fragebögen finden sich in der Anlage.
Die folgenden Definitionen liegen u. a. den nachfolgenden Daten zugrunde:
Unter (Suchtmittel-)Missbrauch allgemein versteht sich der Gebrauch einer Sache
in einer Weise, die vom üblichen Gebrauch bzw. vom ursprünglich dafür gesetzten
Zweck abweicht, und zwar in qualitativer und/oder quantitativer Hinsicht. Unter
Suchtmittelmissbrauch (= Abusus) ist daher ein erhöhter Konsum zu verstehen, der
zu körperlichen, psychischen und sozialen Schäden führt. Vom Suchtmittelmiss-
brauch gibt es fließende Übergänge zur Suchtmittelabhängigkeit.
Nach dem ICD 10 (= Internationale Klassifikation psychischer Störungen) soll eine
Diagnose "Abhängigkeitssyndrom bzw. Abhängigkeit" nur dann gestellt werden,
wenn bei einer betroffenen Person während des letzten Jahres mindestens drei oder
mehr der folgenden Kriterien gleichzeitig vorhanden waren:
a) Ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, ein Suchtmittel zu konsumieren.
b) Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der
Menge des Konsums des Suchtmittels.
c) Ein körperliches Entzugssyndrom bei Beendigung oder Reduktion des Kon-
sums.
d) Nachweis einer Toleranz: Um die ursprünglich durch niedrigere Mengen des
Suchtmittels erreichten Wirkungen hervorzurufen, sind zunehmend höhere
Mengen erforderlich.
e) Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen und Vergnügen zu-
gunsten des Suchtmittelkonsums und/oder erhöhter Zeitaufwand, um die Sub-
stanz zu beschaffen, zu konsumieren oder sich von den Folgen zu erholen.
f) Anhaltender Substanzgebr auch trotz des Nachweises eindeutiger schädlicher
Folgen (körperlicher, psychischer oder sozialer Art).
15
7.1 Ergebnisse und Bewertung
7.1.1 Beratungsstellen und Fachk liniken (relevante Ergebnisse)
Beratungsstellen gesamt Frauen Männer
Erstkontakte gesamt 49 33 16
Primäres Suchtmittel Alkohol 46 31 15
Opiatkonsum 1 1 0
Abhängigkeit/Missbrauch von Sedativa 2 1 1
Die weit überwiegenden Anlässe zum Aufsuchen einer Beratungsstelle stehen im
Zusammenhang mit dem Suchtmittel Alkohol. Frauen nutzen das Angebot etwa dop-
pelt so häufig wie Männer.
Menschen mit Abhängigkeitserkrankung, die
sich ambulant in einer Klinik in MS vorgestellt
haben (Erstkontakte)
gesamt Frauen Männer
Primäres Suchtmittel Alkohol 121 55 66
Opiatkonsum 1 0 1
Abhängigkeit/Missbrauch von Sedativa 10 9 1
Auch hier dominieren alkoholbedingte Anlässe, wobei keine eindeutige signifikante
Geschlechterdifferenz bei der Nutzung der Krankenhausambulanzen zu erkennen ist.
7.1.2 Arztpraxen
Geschätzte Gesamtzahl der Menschen, die in 2011 in
hausärztlichen oder psychiatrischen Fachpraxen betreut
wurden
Anzahl Praxen
Ges.: 23
bis 500 2
500-999 4
1000-1499 2
1500-1899 2
1900-2499 3
2500-3500 4
3500-4500 5
4500-7000 1
Die Gesamtzahl der betreuten Patienten in den rückgemeldeten Arztpraxen ist sehr
unterschiedlich, so dass kein Mittelwert oder eine andere verlässliche Statistikzahl
als Bezugsgröße zur Berechnung von absoluten Zahlen zu Grunde gelegt werden
kann.
16
Geschätzte Prozentzahlen der Menschen, die 65 Jahre oder
älter sind
(Vergleichsgröße: Alle Patientinnen und Patienten)
Anzahl Praxen
< 10% 2
10% 2
20% 6
30% 3
40% 3
50% 6
60% 1
Als Näherungswert kann davon ausgegangen werden, dass etwa ein Viertel der
Patientinnen und Patienten der teilnehmenden Praxen über 65 Jahre alt ist.
Geschätzte Prozentzahl der Menschen, die 65 Jahre oder älter
sind und einen Alkohol-Abusus betreiben
( ) = Abhängigkeit liegt vor
Anzahl Praxen
Ges.: 22
<=1% 3 (10)
2% 3 (3)
3-5% 8 (4)
7-10% 3 (4)
12-15% 3
> 20% 2 (1)
In dieser und den nachfolgenden Tabellen werden die Zahlen für Abusus (= Miss-
brauch) und Abhängigkeit (Zahlenwert in Klammern) zusammen dargestellt, da eine
differenziertere Betrachtung im Rahmen der Zielsetzung des Berichtes nicht erforder-
lich erscheint.
Im Mittel werden von den Praxisleitungen angenommen, dass etwa 3-5 % der Pati-
entinnen und Patienten, die über 65 J. alt sind, einen Missbrauch und etwa die Hälfte
davon eine manifeste Abhängigkeit aufweisen. Die Bandbreite ist allerdings groß.
Zwei Praxen gaben an, dass nach ihrer Einschätzung mehr als ein Fünftel ihrer Pati-
entinnen und Patienten über 65 einen Alkoholabusus betreiben.
17
Geschätzte Prozentzahl der Patienten, die 65 Jahre oder älter
sind und einen Schmerzmittel-Abusus betreiben
( ) = Abhängigkeit liegt vor
Anzahl Praxen
Ges.: 20
<=1% 2 (3)
2% 2 (2)
4-5% 9 (8)
7-10% 2 (7)
15% 2
18-20% 3
Durchschnittlich wird bei etwa 5 % der Patientinnen und Patienten in den teilneh-
menden Praxen ein Schmerzmittelabusus angenommen. Aber auch hier findet sich
eine große Bandbreite. In drei Praxen geht man davon aus, dass fast ein Fünftel der
Patientinnen und Patienten den genannten Abusus betreiben.
Geschätzte Prozentzahl der Patienten, die 65 Jahre oder älter
sind und einen Sedativa-Abusus betreiben
( ) = Abhängigkeit liegt vor
Sedativa = Beruhigungsmittel (z. B. Benzodiazepine)
Anzahl Praxen
Ges.: 21
<=1% 3 (6)
2% 3 (4)
3-5% 9 (5)
7-10% 1 (3)
15% 3 (2)
> 20% 2 (1)
Bei Beruhigungsmitteln sieht die Situation vergleichbar aus. Auch hier muss von 3-
5% der Patienten ausgegangen werden, die im Alter von über 65 J. einen Beruhi-
gungsmittelabusus betreiben oder schon eine Abhängigkeit aufweisen.
7.2 Kommentare und Anmerkungen der Institutionen
7.2.1 Frage: Wo besteht (bezogen au f > 65-jährige und den Gender-Aspekt)
Ihrer Meinung nach eine Unterversorgung, welche weiteren ambulan-
ten/stationären oder rehabilitativen Versorgungslücken gibt es?
(Frage 5 im Formular)
EOS-Klinik:
Niedrigschwellige, altersgemäße Beratungsangebote müssen ausgebaut werden, um
die Behandlungsbereitschaft zu erhöhen.
Teilstationäre psychotherapeutische Behandlungsangebote für medikamentabhängi-
ge Senioren müssen geschaffen werden.
DROBS:
Die Altersspanne der Klientel der Drogenhilfe (Indro e. V. u. Drogenhilfe der Stadt
18
MS) wird größer. So war in 2011 der älteste Klient der Drogenhilfe 61 Jahre alt. Per-
spektivisch werden sich die Altenhilfeeinrichtungen konzeptionell auf diese Klientel
einstellen müssen.
INDRO e. V.:
Das höchste Alter der Nutzer/innen unserer niedrigschwelligen Angebote - u. a. Kon-
sumraum - liegt bei 55 Jahren. Da viele schwer erkrankt sind, wird es in Zukunft si-
cherlich notwendig werden, über geeignete Pflegemaßnahmen bei Opiat-
/Methadonabhängigkeit (z. T. polyvalent) nachzudenken.
Diakonie Suchtberatung:
Problematisch ist es für lebensältere Menschen, die einer privaten Krankenkasse
angehören, eine stationäre Entgiftung bzw. stationäre Entwöhnungsbehandlung zu
bekommen, da die Privaten Krankenkassen Sucht i. d. R. aus ihrem Leistungskata-
log ausgeschlossen haben.
Lebensjüngere haben bei privater Krankenversicherung zumindest noch die Möglich-
keit der stationären Entwöhnung über die Rentenversicherung.
Caritas Suchtberatung:
Die Fragestellung sollte Bestandteil von Leistungsvereinbarungsgesprächen und
Qualitätsdialogen sein.
7.2.2 Frage: Haben Sie weitere An regungen oder Handlungsempfehlungen zur
Verbesserung von Beratungsangeboten, Vernetzung von Angeboten,
Selbsthilfegruppen oder Stärkung von ehrenamtlicher Tätigkeit?
(Frage 6 im Formular)
Diakonie Suchtberatung:
Oft fehlen für lebensältere Menschen „unter 80“ soziale Netzwerke und Treffmöglich-
keiten außerhalb des Suchtbereiches.
Auch Betätigungsmöglichkeiten inkl. ehrenamtlicher Tätigkeit sind oft schwer für älte-
re Menschen zu finden. Hierfür sind kreative Ideensammlung, Realisierungsbemü-
hungen und Informationsweitergabe nötig.
7.2.3 Frage: Gibt es Indizien dafür, da ss es eine stationäre oder ambulante Un-
terversorgung in Münster gibt?
Beratungsstellen:
In Münster gibt es 4 große Beratungsstellen für Menschen mit Suchterkrankungen,
zudem 3 große Selbsthilfegruppen und 3 psychiatrische Kliniken mit Ambulanzen,
die teilweise gezielt, teilweise unter anderem Menschen mit Sucherkrankungen bera-
ten. Hinweise für eine Unterversorgung werden nicht gegeben.
Ambulant betreutes Wohnen:
Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe plant eine neue ambulant betreute Wohn-
gruppe an der Weseler Straße, in der Menschen Aufnahme finden können, bei denen
eine Abhängigkeitserkrankung vorliegt bzw. Menschen mit Doppeldiagnosen (Sucht
19
und Psychosen).
Anbieter weiterer ambulanter Einrichtungen sind z. B. die Alexianer Münster GmbH
und der Förderkreis Sozialpsychiatrie e.V.
Stationär betreutes Wohnen:
LWL-Wohnverbund: Wohngruppe für Männer und Frauen, bei denen eine Suchter-
krankung vorliegt, 12 Plätze. Menschen, die älter als 65 Jahre sind, gehen zunächst
in das LWL-Pflegezentrum (Ernst-Kirchner-Haus, Kinderhauser Str. 92). Dieses bie-
tet vollstationäre Pflege im Sinne des SBG XI auch für Menschen mit erhöhtem psy-
chosozialem Hilfebedarf.
Weitere Hinweise auf einen zusätzlichen spezifischen Bedarf für stationäre Einrich-
tungen des betreuten Wohnens werden von den Anbietern nicht gegeben. Zur Ver-
sorgungslage wird auf Kapitel 6.2 verwiesen.
Angebote der Altenhilfe
Spezielle Angebote in den Einrichtungen der Altenpflege für abhängigkeitserkrankte
Menschen gibt es derzeit nicht.
In einer Altenpflegeeinrichtung in Münster leben überdurchschnittlich viele Menschen
mit einer Suchterkrankung (Ev. Altenhilfezentrum Meckmannshof, Meckmannweg
74). Dies ist jedoch konzeptionell nicht verankert, sondern Resultat einer langjähri-
gen Entwicklung. Bedürfnisorientiert finden hier im Rahmen der sozialen Betreuung
u. a. viele Einzelgespräche statt. Ein spezielles Angebot für suchterkrankte Men-
schen existiert hier aber nicht.
Im Haus Thomas, dessen Träger die Alexianer Münster GmbH ist, leben ältere Men-
schen, die geistig oder psychisch behindert sind. Psychische Behinderungen stehen
häufiger im Zusammenhang mit einer Suchterkrankung.
Eine sinnvolle Ergänzung des Angebotes in Münster wird eine neue Einrichtung der
Bischof-Hermann-Stiftung darstellen. Derzeit wird die frühere Dreifaltigkeitskirche
umgebaut, in der zukünftig auch suchtkranke Menschen mit Pflegebedarf aufge-
nommen und ambulant betreut werden.
7.2.4 Frage: Gibt es Indizien dafür, dass es zu wenig qualifiziertes Personal
oder zu wenige Fortbildungen für diesen Themenbereich gibt?
Fortbildungsangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
Die Caritas GmbH bietet z. B. eine Veranstaltung zum Thema „Menschen mit geisti-
ger Behinderung und Suchtverhalten“ an.
Beim DPWV NRW besteht die Möglichkeit, sich zum "Suchtberater" ausbilden zu
lassen.
Auch die Alexianer GmbH schult ihr Personal hinsichtlich der Abhängigkeitserkran-
kungen von Bewohnern. Hier wird der „Basiskurs Sucht“ ebenso angeboten wie der
„Basiskurs Psychiatrie“, bei dem sich ein Modul mit Abhängigkeitserkrankungen be-
schäftigt.
Zahlreiche Fortbildungen werden über die LWL-Koordinationsstelle Sucht angeboten.
Themen sind u. a. Sucht und Medizin, Sucht und Recht, geistige Behinderung und
20
Sucht, Ressourcenaktivierung und Suchttherapie, Psychosoziale Betreuung Substitu-
ierter.
Im Juni 2012 fand die Aktionswoche "Sucht hat immer eine Geschichte" statt. In die-
sem Rahmen hatte die Caritas eine Veranstaltung für Pflegedienste zum Thema
"Sucht im Alter" angeboten, die mangels Interesse ausfallen musste. Herr Dr. Fey
(Chefarzt Gerontopsychiatrie der LWL Klinik Münster) hielt einen Vortrag zum glei-
chen Thema, der an alle Interessierten gerichtet war, und leider nur mit sehr geringer
Besucherzahl stattfand.
7.2.5 Frage: Gibt es Indizien dafür, dass die Wartezeiten für eine Beratung
oder Behandlung zu lang sind?
Caritas Suchtberatung Münster
Jeden Montag gibt es eine offene Sprechstunde, ein erster Kontakt kann innerhalb
einer Woche stattfinden. Von dort oder über telefonische Anmeldung wird ein Erstge-
spräch in einer der Caritas Beratungsstellen vereinbart. Die Caritas ist ebenfalls bei
den Anträgen auf ambulante Rehabilitation, ärztliche Gutachten und Sozialberichte
behilflich.
Die Klientin/der Klient bleibt während dieser Zeit, bis zur stationären oder Rehabe-
handlung weiterhin in Einzelgesprächen angebunden und erhält dann zeitnah nach
der Kostenzusage in einer Therapiegruppe einen Aufnahmetermin; d. h. die Kontinui-
tät der Beratung bleibt in jedem Fall für den Klienten/die Klientin durchgehend ge-
wahrt.
7.2.6 Frage: Liegen die Probleme vielle icht eher in der privathaushaltlichen
Versorgung?
Das Wegbrechen sozialer Kontakte, Einsamkeit, Gefühle der Wertlosigkeit, Ängste,
familiäre Probleme sind Ursachen, die zu Konflikten mit dem Umfeld, zum Rückzug
aus der Gesellschaft, zu weiteren gesundheitlichen Einschränkungen, zur Verwahr-
losung bis hin zur Depression und Entwicklung von Suchterkrankungen führen kön-
nen.
Zu dieser Frage trafen keine Rückmeldungen ein. Offensichtlich liegen dem ange-
sprochenen Personenkreis bzw. den angesprochenen Institutionen keine Daten oder
Erfahrungen zu diesem Thema vor.
Bezüglich der theoretischen Annahmen wird auf die Ausführungen im Kapitel 3 ver-
wiesen.
7.2.7 Frage: Wie ist die Polypharmazie im Alter zu bewerten, trägt dies zur
Suchtentwicklung bei?
Ein mangelndes Problembewusstsein in der medizinischen und pflegerischen Ver-
sorgung z. B. in Bezug auf Medikamentengabe wird immer wieder beobachtet und
durch den aktuellen Arzneimittelreport 2011 der BarmerGEK (Kurzfassung S.15 ff)
bestätigt.
Es wird in dem genannten Bericht auch beschreiben, dass 20% der Versicherten, vor
allem die älteren, 80% der Arzneimittelmengen verordnet bekommen (Kurzfassung
S.11).
Wie oben bereits erwähnt, hat sich die Landesgesundheitskonferenz NRW in ihrer
21
Entschließung zur Arzneimitteltherapiesicherheit vom November 2012 ebenfalls des
Themas angenommen.
Antworten zu diesem Themenfeld gingen bei der "Münsterumfrage" nicht ein.
7.3 Zusammenfassende Bewertung der Umfrage
Die DHS schreibt zu der Problematik von „Missbrauch und Abhängigkeit im Alter“:
"Hauptziel ist es, Suchtmittel konsumierenden Frauen und Männern im höheren und
hohen Lebensalter, den Zugang zu fachgerechter Beratung und Behandlung zu er-
leichtern. Die weitgehende Ausklammerung des Themas in Öffentlichkeit, Medien,
Politik, Wissenschaft und Forschung muss aufgehoben werden.
Zum Hintergrund: Suchtprobleme sind auch im höheren und hohen Lebensalter weit
verbreitet: Mehr als 2 Mio. ältere Männer und Frauen rauchen, bis zu 400.000 sind
von einem Alkoholproblem betroffen und bei 1 bis 2 Mio. Menschen weist der
Gebrauch psychoaktiver Medikamente zumindest Gewohnheitscharakter auf. In den
Einrichtungen der Suchthilfe sind ältere Männer und Frauen jedoch nur selten anzu-
treffen. Im Jahr 2004 waren von insgesamt rund 250.000 Betreuten, deren Beratung
und Behandlung dokumentiert wurde, nur rund 12.400 im Seniorenalter. Damit erhält
nur ein sehr kleiner Teil der Betroffenen angemessene fachliche Hilfe."
Die Ergebnisse der Umfrage "Sucht im Alter" für Münster stellen aufgrund der gerin-
gen Datenmenge kein statistisch repräsentatives Ergebnis für die Stadt dar. Es be-
steht eine relativ hohe Streuungsbreite der Zahlen, die von niedergelassenen Ärztin-
nen/Ärzten, Kliniken und Beratungsstellen in Münster angegeben wurden. Dies dürfte
mit Schwerpunktbildungen, sozialräumlicher Lage und/oder vertraglich geregelter
Ausrichtung der Leistungsanbieter begründet sein. Die Rücklaufquote der Fragebö-
gen von Beratungsstellen und Kliniken war 100%, so dass hier verlässliche Aussa-
gen möglich sind. Der Rücklauf aus den Praxen (21 % der Angefragten) war jedoch
relativ gering.
Insgesamt verfügt Münster nach hiesiger Expertenmeinung über eine gute suchtme-
dizinische Versorgung. Die Wartezeiten für Beratungen sind kurz, die Einrichtungen
jedoch oftmals nicht speziell auf die Altersgruppe jenseits des 65. Lebensjahres aus-
gerichtet. Es gibt z.B. keine Seniorenheime, die auf ältere suchtkranke Menschen
spezialisiert sind, bisher werden suchtkranke Menschen in vorhandene Strukturen
mehr oder weniger gut integriert. Bis dato existieren keine offiziellen Vernetzungs-
strukturen zwischen Alten- und Suchthilfesystemen. Angebote zu Fortbildungen in
diesem Bereich sind zwar vorhanden, die Annahme dieser Angebote scheint jedoch
gering zu sein.
Möglicherweise ist das ein Grund dafür, dass sich den Antworten aus der Umfrage
nicht entnehmen lässt, dass es bereits gender- oder migrationsspezifische Angebote
in Münster gibt (s. Antworten zur Frage 7.2.4). Hier muss allerdings zwischen dem
präventiven und dem kurativen Bereich differenziert werden. Im präventiven Bereich
werden spezielle Zielgruppen angesprochen. Hier sind spezifische Ansätze grund-
sätzlich vielversprechend. Das Wagnis liegt eher darin, dass die Gruppengrößen
aufgrund der hohen Spezifität (Differenzierungskriterien: Sucht, Alter, Geschlecht
und Migrationsvorgeschichte) zu klein werden, um längerfristig einigermaßen tragfä-
hig zu sein. Im kurativen Bereich dominiert ohnehin der individuelle Ansatz (Einzelbe-
ratung und/oder Einzeltherapie), so dass individuelle Faktoren wie Alter, Geschlecht,
Migrationsvorgeschichte etc. selbstverständlich voll umfänglich berücksichtigt werden
22
können.
Genderspezifisch gibt es allerdings besondere Aspekte zu berücksichtigen:
Frauen und Männer unterscheiden sich häufig bezüglich Ursachen und Verläufen
von Suchterkrankungen sowie hinsichtlich ihrer bevorzugten Suchtmittel und komor-
biden Störungen (zusätzliche Begleiterkrankungen).
Komorbide Störungen, z. B. Depression, Angst-, Posttraumatische Belastungsstö-
rung, treten bei suchtkranken Frauen häufiger auf (Lieb & Isensee, 2002). Die ver-
fügbaren epidemiologischen Daten zu den verschiedenen Abhängigkeiten können je
nach den unterschiedlichen Erhebungsformen und Veröffentlichungen schwanken,
zudem finden sich kaum Daten über Menschen mit Suchterkrankungen, die älter als
65 Jahre sind.
Alkohol (Kraus & Augustin, 2001): Für das Jahr 2000 wurden 1,5 Millionen Alkohol-
abhängige geschätzt. Die Ergebnisse zeigen eine 12-Monats-Prävalenz von 1,3%
bei den Frauen und 4,8% bei den Männern.
Nach wie vor trinken Männer deutlich mehr Alkohol als Frauen und weisen riskantere
Konsummuster auf. Dennoch ist bei Frauen seit Jahren ein steigender Alkoholkon-
sum zu beobachten. Ein Vergleich europäischer Studien zum Alkoholkonsum von
Frauen deutet zudem darauf hin, dass ein Zusammenhang zwischen dem Leben in
gesellschaftlich weniger anerkannten Rollen (z. B. in Deutschland alleinstehende,
berufstätige Frauen) und einem hohen Alkoholkonsum besteht (Gmel, Bloomfield,
Ahlström, Choquet & Lecomte, 2000).
Medikamente (Kraus & Augustin, 2001): Frauen nehmen bis zu zweimal häufiger als
Männer psychoaktive Medikamente ein. Die 12-Monats-Prävalenz für Medikamen-
tenabhängigkeit (hier: Beruhigungs-, Schlaf-, Schmerz-, Anregungsmittel und Appe-
titzügler) beträgt 3,2% der weiblichen Wohnbevölkerung sowie rund 2,5% der männ-
lichen. Sie steigt mit zunehmendem Alter. Von den mind. 1,4 Millionen Medikamen-
tenabhängigen sind ca. 1,1 Millionen von Beruhigungs- und Schlafmitteln aus der
Benzodiazepingruppe abhängig (Glaeske, 2003).
Eine geschlechtsspezifisch ausgerichtete Therapie bietet – mutmaßlich – auch für
Menschen jenseits des 65. Lebensjahres Vor- und Nachteile. In einer Studie (C.
Zenker, 2009, „Gender in der Suchtarbeit“) wurde nachgewiesen, dass:
• Frauen, gerade zu Beginn, Behandlungen mit anderen Frauen und durch Thera-
peutinnen ablehnen.
• Männer soziale Fähigkeiten besonders gut in gemischtgeschlechtlichen Gruppen
entwickeln
• Männer besonders von strukturierten Gruppen, die auf Kognition zielen und gülti-
ge Überzeugungen vermitteln profitieren (z. B. AA)
• Frauen eher von wenig strukturierten Gruppen, die Gefühlsbearbeitung integrieren
sowie Selbstbewusstsein und Selbstwirksamkeit stärken, profitieren
„Geschlechtergerechte Suchtarbeit stellt sicher, dass Frauen und Männer in ihren
Erfahrungen und Bedürfnissen gleichberechtigt behandelt werden und gleicherma-
ßen ernst genommen und kompetent unterstützt sind. Deshalb verbessert geschlech-
tergerechte Suchtarbeit den Zugang zum Hilfeangebot und erhöht dessen Wirksam-
keit“. (zitiert nach www.lwl.org/ks-download/downloads/fwb/leitfaden_maenner.PDF
,
April 2006).
23
An dieser Stelle gilt es jedoch folgendes zu beachten:
1. Behandlungen von Abhängigk eitserkrankungen sollten primär Stoff-bezogen sein,
da sich die Ursachen, Verlaufsformen und Konsummuster bei Alkohol- und Medi-
kamentenabhängigkeit oftmals stark unterscheiden.
2. Angesichts der relativ kleinen Menge der für diesen Bericht erhobenen Daten ist
noch nicht absehbar, ob zum jetzigen Zeitpunkt eine geschlechtsspezifische Aus-
richtung der Suchtbehandlung möglich ist, d. h., ob es ausreichend behandlungs-
willige Frauen und Männer in Münster gibt, die älter als 65 Jahre sind und unter
der gleichen Abhängigkeitsform (Alkohol- oder Medikamentenabhängigkeit) lei-
den.
Eine geschlechtsspezifische Ausrichtung bleibt generell bei der Erarbeitung von Zie-
len, Maßnahmen und Umsetzung im Fokus der Aktivitäten.
Auf die Frage „Wie ist die Polypharmazie im Alter zu bewerten, trägt dies dazu bei?“
(Frage 7.2.7), gab es leider keine Antwort. Hier muss offensichtlich noch ein Prob-
lembewusstsein in den Fachkreisen geweckt werden, da unumstritten eine Mehr-
fachmedikation (insbesondere bei Schmerzmitteln und Psychopharmaka) das Risiko
für die Entstehung einer Abhängigkeit erhöht.
Es werden zu folgenden Themen Anregungen seitens der Experten im Einzelnen
erteilt:
• Spezielle Beratungs- und Therapieangebote für ältere Menschen, differenziert
nach early onset- und late onset-Betroffenen.
• Informationen bzw. Übersicht über Hilfen zum Thema in Münster und im Umland
für Betroffene, Angehörige und Professionelle mit Listen von Kliniken, Beratungs-
stellen und Selbsthilfegruppen
• Schulung über benannte Problematik für die Hausärzteschaft, für Personal im
Pflegebereich und in der Suchthilfe; Wissenstransfer und Vernetzung der Profes-
sionellen.
• Weiterentwicklung der Versorgung mit Blick auf die derzeitige und zukünftige
Problematik, insbesondere betreute Wohnplätze für ältere suchtkranke Menschen
8 Weitere Stellungnahmen und Anregungen aus der Gesundheitskonferenz
Kommunale Seniorenvertretung
Die Kommunale Seniorenvertretung Münster (KSVM) wird den aufgezeigten Hand-
lungsempfehlungen im Bericht zur aktuellen Lage in Münster insbesondere hinsicht-
lich der "Verbesserten Prävention durch mehr Öffentlichkeitsarbeit" (s. u. 9.1) folgen
und unterstützt das Vorhaben Informationsangebote an für Senioren gut erreichbaren
Orten anzubieten, Vorträge in Senioreneinrichtungen zu halten und Presseartikel in
Medien zu veröffentlichen, die von Senioren genutzt werden. Dazu wird die KSVM
eine enge Zusammenarbeit mit den Beratungsstellen und dem Gesundheitsamt su-
chen.
Apothekerkammer Westfalen-Lippe
Die Vertreterin der Apothekerkammer in der Gesundheitskonferenz wies darauf hin,
dass vor allem Frauen oft ungewollt in eine Medikamentenabhängigkeit geraten, da
teilweise Informationen über die abhängig machenden Eigenschaften von Schlaf-,
Schmerz- und Abführmitteln fehlen. Sie legte besonderen Wert auf präventive Arbeit
24
bei Frauen ab dem 55. Lebensjahr.
Ärztekammer Westfalen-Lippe
Die Beratungskommission „Sucht und Drogen“ der Ärztekammer Westfalen-Lippe
begrüßt die Initiative der Stadt Münster, sich mit dem Thema „Sucht im Alter“ ausei-
nanderzusetzen. Allerdings vertritt die Beratungskommission die Ansicht, dass die
spezielle Problematik der Suchtentwicklung im Alter durch einen suchtspezifischen
Bericht allein nicht ausreichend differenziert erfasst wird.
Suchtentwicklungen bei älteren Patientinnen und Patienten sind häufig nicht ein pri-
märes Problem, sondern eine – wenn auch dysfunktionale – Coping Strategie zur
Bewältigung von Einsamkeit, Angst und Leiden.
Deshalb ist die Beratungskommission der Ansicht, dass die Situation älterer Men-
schen in einer Kommune umfassender aufgegriffen und angegangen werden sollte.
Es sollte dabei auch um die Beschreibung und Benennung der sozialen und struktu-
rellen Situation der betroffenen Personengruppe (Menschen ab 65) gehen (als
Stichworte seien hier genannt: „Teilhabe“, „Altersarmut“, „Isolation“ usw.) Es stelle
sich die Frage, ob die Informationen des vorgelegten Berichts nicht eher Bestandteil
bzw. ein Aspekt des umfassenderen Seniorenberichts der Seniorenvertretung in
Münster sein sollten. Hier wurde ja bereits, wie in anderen Kommunen auch, ein
stadtteilbezogener, quartiers- bzw. gemeinwesenbezogener Ansatz gewählt, unter
dem auch das Thema „Sucht im Alter“ konkreter betrachtet werden kann.
Strukturelle und gesellschaftliche Probleme könnten nicht (alleine) durch die Ärzte-
schaft gelöst werden. Es sei erforderlich, das Thema „Sucht und Missbrauch“ bereits
im Vorfeld der Entstehung einer Suchterkrankung anzugehen (Stichwort: Prävention
im Alter).
Nach Ansicht der Beratungskommission ist eine Kooperation des gesamten Un-
terstützungs- und Hilfesystems für die in Rede stehende Altersgruppe notwendig. Ein
wirksames Hilfesystem solle sich nicht nur auf suchtspezifische Aspekte begrenzen.
Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) leiste seit Jahren durch verschiedene
Aktivitäten ihren Beitrag, um das Thema „Sucht“ zu entstigmatisieren. Dabei seien
nicht nur die Patienten und Patientinnen betroffen, sondern häufig auch ihre Behand-
ler und Behandlerinnen. So scheine der Hinweis auf das mangelnde Problembe-
wusstsein in der medizinischen und pflegerischen Versorgung (Pkt. 7.2.7) zu kurz
gegriffen.
Als eine Handlungsstrategie sei vorstellbar, das Thema „Sucht“ als Standardthema in
der Aus- und Fortbildung von Gesundheits- und Sozialberufen zu etablieren.
Die ÄKWL biete seit Jahren regelmäßig sowohl für ihre Mitglieder als auch für medi-
zinische Fachangestellte und andere Interessierte entsprechende Veranstaltungen
an. Eine besondere Zielgruppe, z. B. bei der nächsten Veranstaltung im Rahmen der
Fortbildungswoche auf Borkum, seien die Hausärzte und Hausärztinnen.
Als Handlungsempfehlung für Münster schlägt die ÄKWL ergänzend und in Konkreti-
sierung der bereits formulierten Vorschläge vor, gemeinsam modellhaft ein
Fortbil-
dungsmodul für die verschiedenen Berufsgruppen zu entwickeln und dabei das je-
weils vorhandene spezifische Wissen zu nutzen.
Die Beratungskommission „Sucht und Drogen“ stehe dafür gerne unterstützend zur
25
Verfügung.
Gesundheitskonferenz
Von verschiedenen Mitgliedern der Gesundheitskonferenz wurden folgende Hinweise
zur weiteren Planung gegeben:
• Als Zielgruppen für Präventionsmaßnahmen sollten Menschen von 55 bis 65
Jahren, 66 bis 75 und über 75 Jahre ins Auge gefasst werden. Zum Einen sollte
man früh genug anfangen, um den Einstieg in die Sucht im Alter zu verhindern,
zum Anderen bestehen in den genannten Altersgruppen sehr unterschiedliche
Probleme, die auch unterschiedlich angegangen werden müssen.
• Einerseits muss man „Sucht“ differenzieren, weil Sucht nicht gleich Sucht ist
und andererseits
• muss der Stigmatisierung der Sucht im Alter entgegen gewirkt werden. Das
Thema muss im medizinischen und pflegerischen Bereich bewusst wahrgenom-
men und bearbeitet werden.
• Als Mitglieder für den einzurichtenden Arbeitskreis der Gesundheitskonferenz
werden empfohlen bzw. benannt:
o TelefonSeelsorge
o Krisenhilfe
o Fachhochschule Münster, FB Sozialwesen, LB Gesundheitswissen-
schaften und Sozialmedizin, Frau Prof. Gläseker
o Ärztekammer und gleichzeitig Ge rontopsychiatrische Beratung,
Frau Oberfeld
o AWO Modellprojekt „Sucht und geistige Behinderung“,
Frau Kretschmann-Weelink
o Vertreter/in der ambulanten Pflegedienste
• Die Verwaltung wurde gebeten zu prüfen, ob eine Teilnahme an einem Förderpro-
jekt des Bundes in Betracht kommt.
26
9 Handlungsempfehlungen für Münster
Nachfolgende Handlungsempfehlungen sollen dazu dienen, die o. g. Anregungen
aufzugreifen und langfristig ein Konzept zur Verbesserung der suchtmedizinischen
Versorgung älterer Menschen in Münster zu entwickeln. Sie sollen helfen, dem Miss-
brauch und der Abhängigkeit von Suchtmitteln auch im höheren Lebensalter wir-
kungsvoll zu begegnen. Dabei gilt es in erster Linie, durch Suchtprävention und Ge-
sundheitsförderung ein kritisches Bewusstsein gegenüber Suchtmitteln in der Bevöl-
kerung zu erzeugen ("primäre Prävention").
Des Weiteren soll die Qualität der vorhandenen Angebote der Suchtkrankenhilfe ge-
sichert bzw. verbessert und zielgruppenspezifische Maßnahmen gefördert werden.
Hierbei muss beachtet werden, dass die vorhandenen und neu zu entwickelnden
Maßnahmen behindertengerecht und barrierefrei sind, zudem sollte auf eine ge-
schlechtsspezifische Ausrichtung der Angebote Wert gelegt werden.
Diese Handlungsempfehlungen wenden sich grundsätzlich an alle Verantwortlichen
in Politik und Verwaltung, an die Einrichtungen der Suchtkrankenhilfe sowie an
Dienste der Gesundheitsförderung und -hilfe. Die Konkretisierung soll federführend
durch die unter 9.2 benannte Projektgruppe geplant und umgesetzt werden.
Auf eine praxisnahe Evaluation suchtpräventiver und Suchthilfe-Angebote sollte zum
Zwecke der Qualitätssicherung künftig verstärkt Wert gelegt werden. Dabei kann die
angebotene Mitarbeit der Fachhochschule sehr hilfreich sein.
9.1 Verbesserte Prävention durch mehr Öffentlichkeitsarbeit
• Öffentlichkeitsarbeit weiterentwickeln, d. h. institutionsübergreifende Informations-
angebote schaffen, an für Senioren gut erreichbaren, wohnortnahen Orten und
Zeiten,
barrierefrei und multimedial
• Vorträge in Senioreneinrichtungen, Kirchengemeinden und Volkshochschule
• Presseartikel besonders in Medien, die von Senioren genutzt werden
Auf Vorschlag der Kommunalen Seniorenvertretung wird das Thema „Sucht im Alter“
das Schwerpunktthema der Veranstaltung „Gesund & aktiv – älter werden in Müns-
ter“ am 24.10.2013, 14.30 -17.30 Uhr im Gesundheitshaus.
Erläuterung
In Münster existiert ein recht gut ausgebautes Netz ambulanter und stationärer
Suchthilfen; dies bestätigen viele der vor Ort tätigen Beratungsstellen, Kliniken und
Experten der Suchthilfe. Trotzdem erkranken immer wieder auch ältere Menschen an
Abhängigkeitserkrankungen oder bleiben über lange Zeit unbehandelt. Die Umfrage
zeigt, dass ältere betroffene Menschen oder deren Angehörige, auf den herkömmli-
chen Wegen der Suchthilfe nur unzureichend erreicht werden und solche Angebote
Betroffenen und Angehörigen oft zu wenig bekannt sind.
Daher muss die Problematik bekannter und der Öffentlichkeit zugänglicher gemacht
werden. Öffentliche Informationsveranstaltungen und die Bereitstellung von schriftli-
chem Informationsmaterial (z. B. Info-Broschüren oder Webseiten) tragen zu einer
erhöhten Aufmerksamkeit der Bevölkerung bei.
Informationen zu allen Fragen der Beratungsmöglichkeiten, der Suchtentwicklung
27
und Behandlungsoptionen im Alter sollten zur Verfügung gestellt werden, möglicher-
weise bestehende Zugangsbarrieren (wie z. B. lediglich per Internet verfügbare In-
formationen) müssen aufgedeckt werden.
Um die Betreuung und Versorgung älterer Menschen mit Suchterkrankung nachhaltig
zu verbessern, sollte neben den gesundheitlichen Problemen für die Betroffenen,
auch auf die gesellschaftspolitische Relevanz des Themas hingewiesen werden.
Diese Handlungsempfehlung kann nur unter Mitwirkung aller in der Suchtprävention
und Suchthilfe tätigen Institutionen und Personen gelingen. Vorhandene Netzwerk-
strukturen sollen zur Umsetzung der Handlungsempfehlung genutzt und motiviert
werden. Eine wichtige Rolle wird dabei die Psychiatriekoordination des Gesundheits-
amtes übernehmen.
9.2 Krankheitsverständnis und Sensibilität bei Betroffenen, Angehörigen
und Fachleuten wecken bzw. fördern
• Einrichtung eines Arbeitskreises der Gesundheitskonferenz aus Mitgliedern der
vorhandenen Arbeitsgruppe "Suchtprävention" sowie den Akteuren aus dem Be-
reich der Suchthilfe/-versorgung und Selbsthilfe, die sich mit Fragen der Weiter-
entwicklung von Angeboten für ältere suchtkranke Menschen beschäftigt, ein
Konzept zur besseren Information und Schulung von Betroffenen, Angehörigen
und Fachleuten entwickelt und an der Umsetzung mitwirkt. Als weitere Mitglieder
sollen die unter Punkt 8 genannten Expertinnen und Experten eingeladen werden.
• Im Rahmen der kommunalen Aufgabe psychosoziale Betreuung, Suchthilfe und -
beratung vorzuhalten, übernehmen die Träger subsidiär Leistungen in diesem Be-
reich. Mit der Diakonie Münster und dem Caritasverband Münster existieren sol-
che Leistungsvereinbarungen. Die Stadt Münster gewährt dem Träger der Sucht-
beratungsstelle als Gegenleistung eine finanzielle Vergütung. Die Ziele im Rah-
men der Aufgabenwahrnehmung umfassen u. a. auch die Entwicklung eines be-
darfsgerechten Angebots zur Suchtprävention und -hilfe im Alter, die Unterstüt-
zung bei der Stärkung der Suchtselbsthilfepotentiale, sowie die Bereitstellung und
Anpassung der Präventions- und Hilfeangebote.
Vor dem Hintergrund dieser Leistungsvereinbarung streben wir auch in Bezug auf
das Thema Sucht im Alter eine Weiterentwicklung der Kooperation an. Hier böte
sich die Möglichkeit der Einrichtung eines spezifischen Beratungsangebotes oder
auch die Weitervermittlung von Hilfsangeboten an.
Erläuterung
Im Arbeitskreis sollen dann die einzelnen Handlungsempfehlungen operationalisiert
und deren schrittweise Umsetzung begleitet werden. Der damit verbundene Beteili-
gungs- und Vernetzungsprozess wird mit dazu beitragen, das Thema „Sucht im Alter“
in Münster präsenter zu machen und die Angebotsvielfalt zu erhöhen. Dabei soll
auch die Berücksichtigung geschlechts- und migrationsspezifischer Aspekte geför-
dert werden. Der Arbeitskreis wird sich auch mit der Frage befassen, ob Projektmittel
des Bundes beantragt werden können.
9.3 Über gemeindenahe Angebote für Betroffene, Angehörige und Helfer in-
formieren und deren Kooperation bzw. Vernetzung fördern
• Auflistung vorhandener profe ssioneller Hilfe-Strukturen, z. B. durch das Erstellen
einer Informationsbroschüre mit einer Übersicht über Institutionen mit unterschied-
lichen Angeboten und deren Kontaktadressen (Federführung: Gesundheitsamt
unter Einbeziehung der relevanten Akteure und Strukturen im Stadtgebiet)
• Förderung der Kooperation der Sucht- und Altenhilfe, z. B. im Rahmen einer ge-
28
meinsamen Fortbildungsveranstaltung für Fachkräfte aus beiden Bereichen (Fe-
derführung: Geschäftsstellen der Gesundheits- und Pflegekonferenz)
Erläuterung
Die Erstellung einer barrierefreien Kontaktadressen-Liste mit Überblick über alle be-
stehenden Angebotsstrukturen in Münster mit dem Ziel einer optimalen Verknüpfung
bestehender Beratungs- und Hilfemöglichkeiten erleichtert Betroffenen, deren Ange-
hörigen aber auch den professionellen Helfern eine effiziente Suche nach Hilfeange-
boten und erscheint daher sinnvoll. Inhaltlich sollten folgende Institutionen mit aufge-
nommen werden: ambulante Pflegedienste, Einrichtungen der Tagespflege, Betreu-
tes Wohnen, Träger der offenen Altenarbeit, stationäre Altenhilfe, niedergelassene
Ärztinnen/Ärzte, spez. Stationen in Krankenhäusern, Sozialpsychiatrischer Dienst
des Gesundheitsamtes, gesetzliche Betreuerinnen/Betreuer, Betreuungsvereine, So-
ziale Dienste, Einrichtungen der Suchthilfe und Selbsthilfegruppen.
Möglichkeiten der Kooperation und des Wissenstransfers bieten sich beispielsweise
auch in Qualitätszirkeln, Fallkolloquien und gemeinsamen, fachübergreifenden Fort-
bildungsveranstaltungen. Es ist notwendig, dass neben einem behandelnden Haus-
arzt auch die Möglichkeit einer fachärztlichen und einer psychotherapeutischen Be-
handlung dieser Menschen gegeben ist.
Im Sinne einer guten Vernetzung sollten Einrichtungen der Sucht- und der Altenhilfe
enger zusammen arbeiten und Schnittstellen definiert werden. Fachkräfte aus allen
Bereichen müssen ausreichend qualifiziert sein, um dieser vernetzten Aufgabenstel-
lung gerecht werden zu können. Aufgabe und Ziel der Fachkräftequalifizierung sollte
ein gegenseitiger Wissensaustausch zwischen den Expertinnen und Experten der
jeweiligen Einrichtungen aus Sucht- und Altenhilfe sein. Hierzu könnten sich Semina-
re, aber auch regelmäßige Qualitätszirkel und Supervisionen eignen, nicht nur um
fachliches Wissen, sondern auch um konzeptionelles Knowhow auszutauschen. Re-
gelmäßige Fortbildungen im eigenen Arbeitsbereich und Wissenstransfer zu den Ko-
operationspartnern würde die Möglichkeiten der Weiterbildung multiplizieren und die
interdisziplinäre Zusammenarbeit zusätzlich fördern.
10 Anlagen
Fragebogen des Sozialpsychiatrischen Dienstes
29
Ratsantrag: Süchte älterer Menschen erkennen und handeln!
- Fragebogen für Beratungsstellen-
Name der Institution:
1. Erstkontakt: Wie hoch war die Anzahl der Menschen ab dem 65. Lebens-
jahr, die sich aufgrund einer Sucht- Problematik erstmalig im Jahr 2011 in Ih-
rer Institution beraten ließen?
Gesamt Männlich Weiblich
Alkoholabhängigkeit:
Opiatabhängigkeit:
Sedativaabhängigkeit*:
Multiple Substanzabh.*²:
2. Abhängigkeit: Wie hoch war die Anzahl der medikamenten- und/oder alko-
holabhängigen Menschen, die 65 Jahre oder älter sind und in Ihrer Institution
beraten wurden, im Jahr 2011? (2. Kontakt oder öfter, unabhängig vom Zeit-
punkt des Erstkontaktes)
Gesamt Männlich Weiblich
Alkoholabhängigkeit:
Opiatabhängigkeit:
Sedativaabhängigkeit*:
Mult. Substanzabh.*²:
30
3. Missbrauch: Wie hoch war die Anzahl der Menschen, die 65 Jahre oder älter
sind und Medikamente und/oder Alkohol missbräuchlich konsumieren?
Gesamt Männlich Weiblich
A l k o h o l m i s s b r a u c h :
O p i a t m i s s b r a u c h :
Sedativamissbrauch:
M u l t . S u b s t a n z m i s s b r .
*Sedativaabhängigkeit: Abhängigkeit von Benzodiazepinen oder Hypnotika
*²Multiple Substanzabhängigkeit: Abhängigkeit von mindestens 2 unterschied. Stoffen
4. Gibt es in Ihrer Einrichtung spezielle ambulante, stationäre oder rehabilitative
Konzepte und Angebote für >65- jährige Patienten?
Nein Ja wenn ja welche?
Sind diese Konzepte gender- spezifisch ausgerichtet?
Nein Ja
5. Wo besteht (bezogen auf >65-jähri ge und den Gender- Aspekt) Ihrer Meinung
nach eine Unterversorgung, welche weiteren ambulanten/ stationären oder re-
habilitativen Versorgungslücken gibt es?
6. Haben Sie weitere An regungen oder Handlungsempfehlungen zur Verbesse-
rung von Beratungsangeboten, Vernetzungen von Angeboten, Selbsthilfegrup-
pen oder Stärkung von ehrenamtlichen Tätigkeiten?
Der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes der Stadt Münster
dankt für Ihre Unterstützung!
Hr. Korn/ Fr. Dr. Schnabel
31
Ratsantrag: Süchte älterer Menschen erkennen und handeln!
- Fragebogen für Kliniken -
Name der Institution:
1. Erstkontakt: Wie hoch war die Anzahl der Patienten/innen ab dem 65. Le-
bensjahr, die sich aufgrund einer Sucht- Problematik erstmalig im Jahr 2011
in Ihrer Institution ambulant oder stationär beraten oder behandeln ließen?
Ambulant:
Gesamt Männlich Weiblich
I C D 1 0 F 1 0 :
I C D 1 0 F 1 1 :
I C D 1 0 F 1 3 :
I C D 1 0 F 1 9 :
Stationär:
Gesamt Männlich Weiblich
I C D 1 0 F 1 0 :
I C D 1 0 F 1 1 :
I C D 1 0 F 1 3 :
I C D 1 0 F 1 9 :
32
2. Abhängigkeit: Wie hoch war die Anzahl der medikamenten- und/oder al-
koholabhängigen Patienten, die 65 Jahre oder älter sind und in Ihrer Insti-
tution ambulant oder stationär behandelt wurden, im Jahr 2011? (2. Kon-
takt oder öfter, unabhängig vom Zeitpunkt des Erstkontaktes)
Ambulant:
Gesamt Männlich Weiblich
I C D 1 0 F 1 0 . 2 :
I C D 1 0 F 1 1 . 2 :
I C D 1 0 F 1 3 . 2 :
I C D 1 0 F 1 9 . 2 :
Stationär:
Gesamt Männlich Weiblich
I C D 1 0 F 1 0 . 2 :
I C D 1 0 F 1 1 . 2 :
I C D 1 0 F 1 3 . 2 :
I C D 1 0 F 1 9 . 2 :
33
3. Missbrauch: Wie hoch war die Anzahl der ambulant oder stationär be-
handelten Patienten, die 65 Jahre oder älter sind und Medikamente
und/oder Alkohol missbräuchlich konsumieren?
Ambulant:
Gesamt Männlich Weiblich
I C D 1 0 F 1 0 . 1 :
I C D 1 0 F 1 1 . 1 :
I C D 1 0 F 1 3 . 1 :
I C D 1 0 F 1 9 . 1 :
Stationär:
Gesamt Männlich Weiblich
I C D 1 0 F 1 0 . 1 :
I C D 1 0 F 1 1 . 1 :
I C D 1 0 F 1 3 . 1 :
I C D 1 0 F 1 9 . 1 :
4. Gibt es in Ihrer Einrichtung spezielle ambulante, stationäre oder rehabilita-
tive Konzepte und Angebote für >65- jährige Patienten?
Nein Ja wenn ja welche?
Sind diese Konzepte gender- spezifisch ausgerichtet?
Nein Ja
34
5. Wo besteht (bezogen auf >65-jähr ige und den Gender- Aspekt) Ihrer Mei-
nung nach eine Unterversorgung, welche weiteren ambulanten/ stationären
oder rehabilitativen Versorgungslücken gibt es?
6. Haben Sie weitere An regungen oder Handlungsempfehlungen zur Verbes-
serung von Beratungsangeboten, Vernetzungen von Angeboten, Selbsthil-
fegruppen oder Stärkung von ehrenamtlichen Tätigkeiten?
Der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes der Stadt Münster
dankt für Ihre Unterstützung!
Hr. Korn/ Fr. Dr. Schnabel
35
Ratsantrag: Süchte älterer Menschen erkennen und handeln!
- Fragebogen -
Namen der an der Umfrage beteiligten ärztlichen Kollegen:
Facharztrichtung:
Bitte beachten Sie, dass sich die von Ihnen genannten Zahlen lediglich auf das Jahr
2011 beziehen sollen!
1. Wie hoch schätzen Sie die Prozentzahl ihrer Patienten die 65 Jahre oder älter
sind?
2. Wie hoch schätzen Sie die Prozentzahl ihrer Patienten die 65 Jahre oder älter
sind und…
a) einen Alkohol- Abusus betreiben?
b) eine Alkohol- Abhängigkeit aufweisen?
3. Wie hoch schätzen Sie die Prozentzahl ihrer Patienten die 65 Jahre oder älter
sind und…
a) einen Schmerzmittel- Abusus betreiben?
b) eine Schmerzmittel- Abhängigkeit aufweisen?
36
4. Wie hoch schätzen Sie die Prozentzahl ihrer Patienten die 65 Jahre oder älter
sind und…
a) einen Sedativa- Abusus betreiben?
b) eine Sedativa- Abhängigkeit aufweisen?
5. Anmerkungen/Anregungen:
Der Sozialpsychiatrische Dienst der Stadt Münster dankt Ihnen für Ihre Bemühungen
und Kooperation!
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag
Dr. med. T. Schnabel
Fachärztin für Psychiatrie/ Psychotherapie
Abteilungsleitung Sozialpsychiatrischer Dienst
Psychiatriekoordination
0203_Antrag Sucht im alter
4250 Zeichen
Antrag an den Rat Nr. A-R/0006/2012 Antrag 31.01.2012 SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster Süchte älterer Menschen erkennen und handeln! Die dritthäufigste psychische Erkrankung im Alter n ach Depression und Demenz ist bereits heute die Sucht. Bislang sind in unserer Stadt keine eigenständigen Konzepte für suchtkranke Seniorinnen und Senioren entwickelt worden. Daher wird die Verwaltung beauftragt, einen Bericht vorzulegen, 1. der einen quantitativen und qualitativen Problem aufriss für die Stadt Münster darstellt, 2. den kommunalen Hilfebedarf umreißt, 3. die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Profess ionen und Hilfsangebote für Suchtkranke dokumentiert und die Passgenauigkeit von Hilfeangeboten für Seniorinnen und Senioren ermittelt, 4. die zukünftig notwendigen kommunalen Handlungssc hritte aufzeigt (insbesondere Aufklärungskampagnen, Schulungen für Angehörige und Pflegende/Betreuende, lokale Therapieeinrichtungen). 5. In die Zusammenarbeit zur Berichterstattung sind die Seniorenvertretung, die Wohlfahrtsverbände, die Einrichtungen der Suchthilf e sowie Ärzte- und Apothekerkammer einzubeziehen. Die Berichterstattun g ist geschlechtergerecht auszurichten, insbesondere die Handlungsempfehlungen sind für Frauen und Männer gesondert auszuweisen. Begründung Bei Begriffen wie Drogenmissbrauch, Sucht und Abhän gigkeit denken viele Menschen zuerst an junge Menschen, die massiv Alkoh ol trinken und in der Öffentlichkeit auffallen, oder an jüngere KonsumentInnen von illegalisierten Drogen. Im Gegensatz zu Jugendlichen fallen ältere Menschen in der Öffentlichkeit mit ihrem Suchtverhalten zumeist wenig auf. Suchtprobleme, Ve reinsamung und Isolation zeigen sich eher im häuslichen Umfeld, seltener auc h in Pflegeeinrichtungen. Sucht im Alter existiert daher in der öffentlichen Wahrnehmung kaum als Problemlage. Dies liegt auch daran, dass das Spektrum der zur Sucht f ührenden Stoffe im Alter anders ist und dass das Suchtverhalten weniger öffentlich und kontrollierter ist. Außerdem ist die Unterscheidung zwischen den Folgen von Sucht un d einem Demenz-Prozess im Alter häufig schwer zu unterscheiden. Schließlich b esteht auch immer noch das Vorurteil, dass Menschen im höheren Lebensalter gar nicht mehr süchtig sein können. SPD-Fraktion im Rat der Stadt Münster Münzstraße 15 . 48143 Münster Telefon: (0251) 45 314 . Fax : (0251) 511 750 Mail: fraktion@spd-muenster.de www.spd-fraktion-muenster.de 2 Mit der Zunahme des Anteils älterer Menschen in der Gesamtbevölkerung verschärft sich auch die Suchtproblematik. So schätzt die Deut sche Hauptstelle gegen Suchtgefahren (DHS) den Anteil der über 60 jährigen Männer mit einem schwerwiegenden Alkoholproblem auf 2% bis 3% und de n Anteil der Frauen auf ca. 1%. Zwischen 5% und 10% der über 60 jährigen weisen einen problematischen / nicht bestimmungsgemäßen Gebrauch von psychoaktiven Medikamenten und / oder Schmerzmitteln auf. Fachleute schätzen, dass bundesweit mehr als 1,7 Mi llionen Menschen abhängig von Arzneimitteln sind. Zwei Drittel davon nehmen S chlaf- und Beruhigungsmitteln missbräuchlich ein, die übrigen vor allem starke Sc hmerz- und Migränemittel, Hustenmitteln und Psychostimulanzien. Stoffgebundenes Suchtverhalten kann aber auch im Al ter erfolgreich präventiv angegangen und therapiert werden. Dazu ist es insbe sondere wichtig, auf dieses Thema hinzuweisen und Angehörige sowie die in der A ltenhilfe Berufstätigen zu schulen. Dies ist auch eine Aufgabe kommunaler Gesu ndheitspolitik. Daher ist es notwendig, die Einrichtungen der Altenhilfe auf kom munaler Ebene entsprechend zu schulen, die Therapiemöglichkeiten auf kommunaler E bene zu beschreiben und die Zusammenarbeit von Altenhilfe, Suchthilfe und Gerontopsychiatrie zu verstärken. Beanka Ganser Dr. Michael Jung Kurt Pölling Holger Wigger Marianne Koch Friedhelm Schade Dr. Fritz Baur Dr. Thorsten Kornblum Anne Sch ulze Wintzler Thomas Fastermann Gaby Kubig-Steltig Petra Se yfferth Philipp Gabriel Thomas Marquardt Beate Vilhj almsson Anne Hakenes Robert von Olberg Maria Winkel Ralf Hubert
Beratungsverlauf (3)
Beschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungBeschluss: einstimmig beschlossen
Zur SitzungOrte (13)
- Josefstraße
- Schorlemerstraße 8
- Friedrich-Wilhelm-Weber-Straße 30
- Schwelingstraße 11
- Weseler Straße
- Kinderhauser Straße 92
- Münzstraße 15
- Hörsterplatz 2b
- Bremer Platz 18
- Dahlweg 112
- Alexianerweg 9
- Bohlweg 66
- Meckmannweg 74
Ortsbezüge werden automatisch aus den Dokumenten ermittelt und können unvollständig sein.
Details
- Vorlagen-Nr.
- V/0081/2013
- Typ
- Vorlagen
- Datum
- 08.04.2013
- Erstellt
- 06.10.2020 14:37