4021/2022
Beantwortung einer Anfrage der BV Mülheim zur Aufwertung des Wiener Platzes (AN/1155/2022)
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Anlage 1 Anfrage Wiener Platz
2589 Zeichen
SPD-Fraktion in der
Bezirksvertretung 9 (Mülheim)
51065 Köln - Wiener Platz 2a
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Gleichlautend an:
Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker
Rathaus Köln
Herrn Bezirksbürgermeister Norbert Fuchs
Bezirksrathaus Köln-Mülheim
Köln, den 27.05.2022
Anfrage zur Aufwertung des Wiener Platzes
Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin,
sehr geehrter Herr Bezirksbürgermeister,
die SPD-Fraktion bittet Sie, die nachfolgende Anfrage in die Tagesordnung der nächsten Sitzung
der Bezirksvertretung Mülheim aufzunehmen:
In seiner Sitzung am 05.12.2019 beschloss der Stadtentwicklungsausschuss den Antrag zur
Aufwertung des Wiener Platzes (AN/1701/2019). Die Verwaltung wurde beauftragt:
1. Ein Zielbild für den Wiener Platz unter den Aspekten Aufenthaltsqualität, städtebauliche
Gestaltung, Sicherheit, Sauberkeit, Begrünung und Funktionalität zu erarbeiten.
2. Bei der Erarbeitung die Vertreter der Bezirksvertretung Mülheim, örtlicher Vereine,
Einzelhandel, Polizei, städtische Akteure und interessierte Bürgerinnen und Bürger
einzubeziehen.
3. Für die Erarbeitung des Zielbildes eine externe Beratung heranzuziehen. Die Antragsteller
haben hierfür Mittel im Haushaltsplan 2020/21 bereitgestellt, siehe TP 0901“ Wiener Platz,
Steigerung der Aufenthaltsqualität, Entwicklung eines Platzkonzeptes unter Beteiligung der
Bürgerschaft.
Die Bezirksvertretung Mülheim hat einen ähnlich lautenden Antrag in der Sitzung am
09.12.2019 beschlossen.
Vor diesem Hintergrund stellen wir die folgenden Fragen:
1. Welche Arbeitsschr itte sind seitens der Verwaltung bislang erfolgt, um den im STEA
formulierten Auftrag vom 05.12.2019 abzuarbeiten?
2. Wie ist der aktuelle Sachstand der Zielbildformulierung und wurden bzw. werden hierbei
alle in dem Antrag genannten Aspekte berücksichtigt?
3. Welche externen Beauftragungen sind erfolgt und wie belastbar sind die hierbei
erarbeiteten Empfehlungen?
4. Wann ist mit der Fertigstellung des Zielbildes für den Wiener Platz zu rechnen?
5. Wie plant die Verwaltung den nächsten Schritt –die Umsetzung des erarbeiteten
Zielbildes- zu realisieren?
.
gez. Alexander Lünenbach gez. Thomas Portz gez. Torsten Tücks
Alexander Lünenbach Dr. Thomas Portz Torsten Tücks (FDP)
(SPD-Fraktionsvorsitzender) (CDU-Fraktionsvorsitzender)
Anlage 2 Fahrplan Zielbildentwicklung Wiener Platz
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1 Grundlagenermittlung FahrplanfürdieZielbildentwicklungzurAufwertung desWienerPlatzes,Köln-Mülheim KonzeptioneinespartizipativenProzessesunterbesonderer Berücksichtigungvonpandemie-bedingten(Covid-19) Anpassungen. StädtehabendieFähigkeitfüralleihreBewohner:innenetwaszubieten,nurweilundnurwenn sichvonallenBewohner:innenerschaffenwurden. – Jane Jacobs – Autorinnen: Gabi Linde & Sonja Langner, Agora Köln e.V. Stand: 30.5.2021 2 Kopfdaten Name der beauftragten Organisation Agora Köln e.V. Körnerstraße 77-79 50823 Köln www.agorakoeln.de Ansprechpersonen mit Kontaktdaten Konzept&Inhalt: Gabi Linde gabi.linde@agorakoeln.de +49 176 632 905 32 Sonja Langner sonja.langner@agorakoeln.de +49 176 457 078 37 Auftraggeberin Stadt Köln Stadthaus Deutz - Westgebäude Stadtplanungsamt Vertreten durch Johannes Geyer Willy-Brandt-Platz 2 50679 Köln 3 Inhaltsverzeichnis Kopfdaten.....................................................................................................................................2 Kurzbeschreibung.......................................................................................................................4 1Hintergrund ...............................................................................................................................5 1.1RatsbeschlussZielbildentwicklungWienerPlatz .........................................................5 2Vision .........................................................................................................................................5 2.1Ziele ...................................................................................................................................6 2.2Zielgruppen .......................................................................................................................7 3PhasenundMeilensteine .........................................................................................................8 3.1Phase1:Vorbereitung ......................................................................................................8 3.1.1BildungeinesPlatzrates ...........................................................................................8 3.1.2SchaffungvonArbeitsgrundlagen ..........................................................................9 3.2Phase2:Konzeption .........................................................................................................9 3.2.1GemeinsamesVerständnisvonPartizipation ........................................................9 3.2.2DurchführungeinerSozialraumanalyse ...............................................................10 3.2.3EntwicklungeinerKommunikationsstrategie ......................................................10 3.2.4BildungvonArbeitsgruppenbeieinemAuftaktwochenende .............................10 3.2.5AufgabenderAGs ...................................................................................................12 3.2.6WienerPlatzBarcamp ZusammenführungineinenKonzeptentwurf ...............13 3.3Phase3:ErprobungvonMaßnahmen ..........................................................................13 3.4Phase4:WertigkeitdesZielbildesschaffen ................................................................14 3.4.1PolitischeGrundlagefürUmsetzungschaffen ....................................................15 4Ausblick:PerspektivenundNachhaltigkeit .........................................................................15 5Meilensteinplan ......................................................................................................................16 4 Kurzbeschreibung Dieser“FahrplanZielbildentwicklungzurAufwertungWienerPlatz” konzipiertdieAufwertung des Wiener Platzes unter den Aspekten Aufenthaltsqualität, städtebauliche Gestaltung, Sicherheit,Sauberkeit,BegrünungundFunktionalität. Durch die Gründung eines Platzrates wird eine partizipative und transparente Zusammenarbeit aller städtischen, wirtschaftlich, und zivilrechtlichen Akteure am Platz zu Grunde gelegt. Dieser wird durch eine externe Beratung unterstützt und mit externen Personen besetzt. Basis ist der BeschlussStadtentwicklungsausschuss Köln vom 5.12.2019 / AN/1701/2019, durch den die Verwaltung beauftragt wurde ein neues Zielbild zu entwickeln. Die dauerhafte Umwandlung des Wiener Platz von einem vernachlässigtem Ort mit seinen Angsträumen, hin zu einem großartigen Ort mit gefühlter Sicherheit mitten in Köln-Mülheim - einem “Veedelsplatz für alle” wird als nachhaltige Perspektive mit Hilfe der Zielbildentwicklung angestrebt. Mit den Hauptmerkmalen wie gute Erreichbarkeit, Vermittlung von Geborgenheit, einem atmosphärischen Erscheinungsbild und einer hohen Anziehungskraft für Begegnungen oder Aktivitäten jeder Art soll der Wiener Platz ein Platz sein, an dem sich kulturell verschiedene Gruppen versammeln und aktiv sein können. der alle seine Besucher:innen zum Verweilen einlädt und Geborgenheit bietet. der in seiner Größe der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung steht. an dem ein Platz-Gastgeber:innen-Model erprobt wird. der den Stadtteil Mülheim als positive Präsentation dient. Markt, Treffpunkt und Ort für politische Meinungsäußerung In einer Vorbereitungsphase werden Arbeitsgrundlagen geschaffen, wie digitale KommunikationstoolsunddieErstellungeines3D-digitalenNachbausdesWienerPlatz,umeine Pandemie-gerechte Beteiligung zu gewährleisten. Außerdem sollten notwendige Mitarbeiter:innen beauftragt werden, die Stellenausschreibungen sind in dem Fahrplan umrissen. Zu Beginn der Konzeptionsphase steht eine Sozialraumanalyse, Entwicklung einer Kommunikationsstrategie durch den Platzrat und die Information und Einbeziehung aller Interessensgruppen.UmLösungenzudenvielfältigenThemen-undProblemfelderzuerarbeiten werden spezifische Arbeitsgruppen gegründet. Die Ergebnisse einerSchreibphase werden in einem Barcamp zum Wiener Platz öffentlich dargestellt, diskutiert und zusammengeführt. Jede AG soll Vorschläge für praktische Erprobung zur demokratischen Abstimmung vorlegen. DieErprobungphasedientnichtnurzurÜberprüfungderQualitätderLösung,sondernsollauch Erfahrungsgrundlagen schaffen um eine Umsetzung oder Verstetigung zu planen. In derletztenPhasewirddasKonzeptdesZielbildesfixiert und in Handlungsempfehlungen für die Stadt Köln, ihre Dezernate und in städtische Wirtschaftsbetriebe übergeleitet. Außerdem wird eine neue Platzverwaltung aufgezeigt. 5 1Hintergrund 1.1PolitischeBeschlüssealsGrundlageder ZielbildentwicklungWienerPlatz MitdemBeschlussdesStadtentwicklungsausschussKölnvom5.12.2019/AN/1701/2019 wird die Verwaltung Köln mit einstimmigem Abstimmungsergebnis beauftragt, ein Zielbild für den Wiener Platz zu entwickeln. 1. ein Zielbild für den Wiener Platz unter den Aspekten Aufenthaltsqualität, städtebauliche Gestaltung,Sicherheit,Sauberkeit,BegrünungundFunktionalitätzuerarbeiten. 2. bei der Erarbeitung die Vertreter:innen der Bezirksvertretung Mülheim, örtliche Vereine, Einzelhandel, Polizei, städtische Akteure und interessierte Bürgerinnen und Bürger einzubeziehen. 3. fürdieErarbeitungdesZielbildeseineexterneBeratungheranzuziehen.DieAntragsteller habenhierfürMittelimHaushaltsplan2020/21bereitgestellt,sieheTP0901"WienerPlatz, Steigerung der Aufenthaltsqualität, Entwicklung eines Platzkonzeptes unter Beteiligung derBürgerschaft. MitdemBeschlussvon9.12.2019BezirksvertretungMülheim wird Die Verwaltung beauftragt ein Konzept zur Umgestaltung und Weiterentwicklung des Wiener Platz zu erstellen. Hierbei sollen nach einem ersten offenen Workshop mit interessierten Bürger*innen, Anwohner*innen und Initiativen Ideen und Gestaltungswünsche erarbeitet werden, auf dessen Grundlage die Verwaltung ein Konzept, möglichst mit verschiedenen Varianten erstellt und der Öffentlichkeit und der Bezirksvertretung zur Diskussion vorstellt. Dieses Konzept soll konkrete Veränderungsmöglichkeiten enthalten. Besondere Aspekte, an denen sich das Konzept orientieren soll, sind: Aufenthaltsqualität, Begrünung und Funktionalität (Einbezug von Wochenmarkt, Café etc.). Die Stadt Köln hat den Agora e.V. im Rahmen einer Grundlagenermittlung mit der Entwicklung eines Fahrplans dessen beauftragt. Der Agora Köln e.V. hat sich seit seiner Gründung auf die Arbeit des nachhaltigen, positiven, sozialen Wandels in Köln spezialisiert, was u. A. in seiner Arbeit des Nachbarschafts- Formates „Tag des guten Lebens“ mehrfach mit Nachbar:innen, Vereinen und Interessierten erprobt und gelebt wurde. Durch die intensive Vorbereitungsarbeit mitAnwohnenden,Nachbar:innenundVereinen,alsauchdieDurchführungdesTagesdesguten Lebens und die Nacharbeit in verstetigter Veedels-Arbeit, sowie Arbeitsgruppen nachhaltiger Themen wie Freiraum, Mobilität, Klimaschutz, Nachbarschaft, Essbare Stadt & Grün und Stadtgestaltung hat Agora Köln e.V. die Expertise und das Know How als externe Beratung für die Zielbildentwicklung Wiener Platz herangezogen werden zu können. Inhaltlich greift dieser Fahrplan auch das im August 2020 durchgeführte Aktuers-Mapping zum Wiener Platz auf und basiert auf einer Voranalyse nach den 12-Gehl-Kriterien des Jan-Gehl Institutes. 6 2Vision DieVision ist einWienerPlatzfürAlle . Die dauerhafte Umwandlung des Wiener Platz von einem vernachlässigtem Ort mit seinen Angsträumen,hinzueinemgroßartigenOrtmitteninKöln-Mülheim-einem“Veedelsplatzfüralle” wird als nachhaltige Perspektive mit Hilfe der Zielbildentwicklung angestrebt. Mit den HauptmerkmalenwieguteErreichbarkeit,VermittlungvonGeborgenheit,einematmosphärischen Erscheinungsbild und einer hohen Anziehungskraft für Begegnungen oder Aktivitäten jeder Art soll der Wiener Platz ein Platz sein, an dem sich kulturell verschiedene Gruppen versammeln und aktiv sein können. der alle seine Besucher:innen zum Verweilen einlädt und Geborgenheit bietet. der in seiner Größe der breiten Öffentlichkeit zur Verfügung steht. Der Fahrplan schließt alle Akteursgruppen ein, um eine gemeinsame Zusammenarbeit aller Akteure am Prozess Beteiligten zu ermöglichen und ein übergreifendes Zielbild für alle zu erstellen. Damit wird eine Vernetzung der städtischen, wirtschaftlichen, zivilgesellschaftlichen und wissenschaftlichen Akteuren geschaffen. Weiter ist ein agiles Arbeiten am Konzept und mit den Lösungen daraus angedacht, d.h. es werden einzelne Elemente des Konzeptes temporär erprobt und evaluiert. Die Schaffung politischer Grundlagen zur Umsetzung der Aufwertung durch die erarbeiteten MaßnahmensindBestandteilderKonzeption,daunsereVisionmitderUmsetzungdesZielbildes einhergeht. 2.1Ziele SteigerungderAufenthaltsqualitätundKorrekturmangelnderFunktionalität Der Wiener Platz soll ein repräsentativer, offen, lebensbejahender Platz werden, der seinen Besucher:inneneinOrtdesSchutzes,derSicherheitundderBegegnungenbietet.AndiesemOrt sollen Bedürfnisse der Nutzenden erfüllt werden können. Beispielsweise fehlen, wie an vergleichbarenPlätzen,öffentlicheToiletten.EinmobilerKonsumraumfürdrogenkonsumierende Menschen in Mülheim wird diskutiert. Teilweise herrschen hier sehr unterschiedliche PerspektivenzwischenPolitikundVerwaltung,wiemandieseProblemeangehtbzw.lösenmuss. Ebensobraucht esLösungenfürmehrSauberkeitdesPlatzes,vielleichtnachdemMotto„Putzen & Nutzen“. Der Schutz vor klimatischen Einflüssen wie durch Regen-, Wind- und Sonne, die Schaffung von sicheren Begegnungszonen, die Schaffung von Barrierefreiheit, Vermehrung von AufzügenzudenBahnenunddieInstandhaltungderRolltreppenamPlatzundinderBuchheimer Straße müssen neu konzipiert und geplant werden. Im Zielbilderstellungs-Prozess soll festgestellt werden, welche weiteren Probleme am Platz herrschen, welche die Aufenthaltsqualität oder Funktionalität einschränken, z.B. in Bezug auf die Pandemie. 7 UmverteilungdesRaumesaufdemPlatz Motorisierter Individualverkehr um den Wiener Platz herum nimmt sehr viel Raum ein, während nichtmotorisierterIndividualverkehrzuwenigPlatzfüreinesichereQuerungdesPlatzeshat.Die Haltestellen am Wiener Platz zählen zu den höchst frequentiertesten in Köln, bieten jedoch nur wenig Raum für die wartenden Fahrgäste. Es kommt täglich zu Konflikten zwischen Fuß- Radverkehr und Wartenden, da für alle zu wenige Raum zur Verfügung steht. Ein Entwurf zur Umverteilung des Raumes für den Individualverkehr und ein Entwurf zur Vergrößerung der Wartezonen des ÖPNV soll entwickelt werden. Steigerung der Identifikationsmöglichkeiten der Zivilgesellschaft mitdemWienerPlatz Um sich mit dem Wiener Platz stärker identifizieren zu können und sich für ihn mitverantwortlich zu fühlen, soll für Mülheimer:innen im Umgang mit dem Wiener Platz eine dauerhafte Mitgestaltung des Platzes ermöglicht werden. Eine Umverteilung der Organisation des Platzes soll erprobt werden durch die Maßnahmen: eines rotierenden Platzgastgeber:innen Modells: Abwechselnde Akteursgruppen bespielen den Wiener Platz. Wer sich um einen Platz kümmert, möchte ihn auch schön für sich und andere gestalten. Unterschiedliche Nutzer:innen Gruppen können in abwechselnder Verantwortlichkeit den Platz nach Absprache, bzw. Konzeptvorlage der SteuerungsgruppeunterEinholungallernotwendigenGenehmigungenderStadtfüreinen definierten Zeitraum in Selbstverwaltung bespielen. Nach ähnlichem EU Parlament- Vorbild wechseln sich die Platzgastgeber-innen ab, um so eine möglichst diverse Interessensvertretung auf dem Platz zu etablieren. Dafür muss ein Budget gedacht, diskutiert und beschlossen werden. einerPlatz-Station: Die Einrichtung einer zentralen Platz Station oder eines Platz-Büros, soll einen niedrigschwelligen Zugang zu Partizipations-Angeboten und Informationen für die Zivilgesellschaft ermöglichen. Die Platz -Station kann temporäre Wirkungsstätte ausgewählter, möglichst niedrigschwelliger Maßnahmen, Dokumentationsstätte, InformationszentrumundBasisfür ForschungsaufträgeanWissenschaftundGesellschaft fungieren. Im Sinne eines Reallabors, einer transdisziplinären Forschung und Entwicklungseinrichtung, sollen Wissenschaft und Gesellschaft dort gemeinsam an der Zielbildentwicklung Wiener Platz arbeiten und partizipativ und kooperativ Transformationsprozessen anstoßen, dessen Lernprozesse verstetigt werden sollen. PolitischewirksameBeschlüssealsGrundlagezurUmsetzungdesKonzeptes Bis jetzt gibt es keine politische Wirksamkeit des Konzeptes zum Zielbild. Dies soll während der Konzepterstellung bereits angestrebt werden. 2.2Zielgruppen Laut Ratsbeschluss sollen bei der Erarbeitung des Zielbildes die Vertreter:innen der Bezirksvertretung Mülheim, örtliche Vereine, Einzelhandel, Polizei, städtische Akteure und interessierteBürgerinnenundBürgereinbezogenwerden.SinnvollistdieseGruppezuerweitern um die städtischen Wirtschaftsbetriebe AWB und KVB, Wissenschaft und Bildung, Sozialarbeiter:innen, weitere Stakeholder, sowie der Wiener Platz Architekt Dr. Stefan Schmitz. Die Zielgruppen können in drei Kategorien unterteilen. 8 1. DieNutzendendesWienerPlatzes Die breite Bürgerschaft / Stadtgesellschaft umfasst Anwohner:innen, im Stadtteil lebende Menschen jeden Alters, Besucher:innen aus anderen Stadtteilen Kölns, sowie Tourist:innen und Geschäftsreisende, die in den umliegenden Hotels logieren. Initiativen, Vereine und Multiplikator:innen beinhalten u.A. Vertreter:innen und MitgliedervonlokaltätigenEinrichtungen,Initiativen,Schulen,Kitas,dasSchauspielhaus Köln, Umweltorganisationen, Verbände, Jugendzentren, Kulturschaffende, Kirchen und Bürgerinitiativen, Drogenberatung, Streetworker:innen, Sozialraumkoordinator:innen samt Stadtteilkonferenzen. ZurWirtschaft zählen sowohl Vertreter:innen und Mitglieder von Unternehmen aller Art mit räumlicher Nähe zum Wiener Platz, als auch Gastronomiebetriebe in der direkten Umgebung zum Wiener Platz, Marktbetreiber:innen, Schausteller:innen, AWB, ArchitekturbüroStefanSchmitz,TagesnutzendeundamWienerPlatzArbeitende,Polizei. 1. Entscheidungsträger:innen ● Politik: Stadtentwicklungsausschuß,Bezirksvertretung 9 (Mülheim), Rat der Stadt Köln, Integrationsrat der Stadt Köln, ggf. Weitere, die recherchiert werden sollen. ●Verwaltung / ÄmterStadtplanungsamt, Amt für Straßen und Verkehrsentwicklung, Amt für Landschaftspflege und Grünflächen, Amt für öffentliche Ordnung, Sportamt, , Amt für Kinder, Jugend und Familie, Kulturamt, Amt für Integration und Vielfalt, Pressestelle der Stadt Köln, Stabsstelle Events, Beirat Öffentlichkeitsbeteiligung, Seniorenvertretung der Stadt Köln Stadtbezirk Mülheim, Fahrradbeauftragte:r, ggf. weitere Entscheidungsträger:innen, die recherchiert werden sollen. 1. WissenschaftundBildung Eine ausgewählte, interdisziplinäre Akteurs-Gruppe, sowie Kooperationen mit akademischen Forschungsgruppen sollen durch ihre Expertise, Beratung, Recherche, kritische Hinterfragung und Bearbeitung relevanter Forschungsfelder und -Fragen zur Zielbilderstellung Wiener Platz beitragen. MöglicheExpert:innen :Prof. Dr.-Ing. Florian Kluge – Alanus Hochschule,Prof. Dr. phil. Dipl.-Ing.CarolinHöfler–KISD , Dipl.Ing.SusanneKohte–ArchitektenkammerNRW, Prof. Isabell Maria Finkenberger, Freie Stadtplanerin AKBW. 3PhasenundMeilensteine Mit den vier Phasen dieses Fahrplans werden Meilensteine und Maßnahmen abgeleitet, für die Konzeption des Zielbildes, an den sich die Mitwirkenden zeitlich und inhaltlich orientieren können. 9 3.1Phase1:Vorbereitung Die Vorbereitungsphase soll die Grundlagen für ein gemeinsames Arbeiten schaffen. 3.1.1BildungeinesPlatzrates UmalleAspekteallerAkteursgruppenzubearbeiten,isteinPlatzratzugründen.DieKoordination sollte von einer externen Beratung/Stellen übernommen werden. Zweck des Platzrates ist die Koordination der Zielbildkonzeption, die Sicherung der Qualität der Ergebnisse sowie die Kommunikation und Beteiligung aller Akteuren und dem Veedel. Wichtig hierbei ist, dass Verantwortlichkeiten, Kompetenzen und Aufgabenfelder klar definiert werden, eine Evaluations-Strategie der Zielbildentwicklung und ein gemeinsames Verständnis von Partizipation diskutiert werden. 3.1.2SchaffungvonArbeitsgrundlagen Wichtige Arbeitsgrundlagen sind die Verständigung auf ein transparentes Kommunikationstool, welches von allen Akteuren genutzt werden kann. Zur Teamarbeit und SchaffungeneinervertrauenswürdigenundeffektivenArbeitsweisesollendigitaleKollaborations- Tools eingesetzt werden. Dazu kann die Agora Köln Vorschläge machen, ist jedoch nicht involviert in die Pläne der Digitalisierung der Stadt Köln Des weiteren ist eindigitales 3D Modell des Wiener Platzesvon großem Nutzen, um die erarbeitet Maßnahmen digital ausprobieren, erproben, visualisieren und kommunizieren zu können. Auswirkungen der Auflagen des Infektionsschutzgesetzes können ebenfalls damit auffangen werden. Zusätzlich ist ein Projektbüro/PlatzStation am Wiener Platz wünschenswert. 10 3.2Phase2:Konzeption 3.2.1GemeinsamesVerständnisvonPartizipation DasVerständnisvonPartizipationimZielbildentwicklungs-ProzessWienerPlatzsollvonPlatzrat diskutiert und in einem gemeinsamen Konsens in alle weiteren Arbeitsbereiche kommuniziert werdenunddorteinfließen.Dasbetrifftz.B.denGradderTeilhabeanthematischenDiskussionen und Entscheidungen. Dies ist für eine transparente und gute Zusammenarbeit nötig, um Missverständnisse in der Begrifflichkeit “Partizipation” zu vermeiden. 3.2.2DurchführungeinerSozialraumanalyse Die Durchführung einer Sozialraumanalyse dient der Erhebung von aktuellen Bedürfnissen, die an den Wiener Platz gestellt werden. Primärforschung ‘aus erster Hand’ als direkte Befragung wie z.B. Interviews oder Fragebögen, als auch Sekundärforschung anhand von Recherchen, können hierbei verwendet werden. Hier kann ein:e externe:r Anbieter:in herangezogen werden. Ein Teilaspekt der übergeordneten Sozialraumanalyse ist die Ethnographie, welche von einem weiteren (schon durch die Stadt Köln beauftragten Wissenschaftlers) durchgeführt wird. Die Ethnographie ist eine zeitgenössische Forschungshaltung der Sozialwissenschaften, der Kulturgeographie und Ethnologie, welche es ermöglicht ergebnisoffen und in steter Wechselwirkung von Theorie und Praxis eben solche Konzepte und Narrative zu generieren, die unmittelbar an die Lebenswelten der Menschen vor Ort anknüpfen. Die Ergebnisse der ethnographischen Forschung werden für spätere Planungs- und Partizipationsprozesse verfügbar gemacht. 3.2.3EntwicklungeinerKommunikationsstrategie DieKommunikationundihreStruktur ist ein zentrales Instrument in der Partizipation und der transparenten Teamarbeit, sowohl in der externen als auch in der internen Kommunikation aller Beteiligten. Die Basis dafür stellt eine barrierefreie (d.h.u.a. leichte Sprache und Mehrsprachigkeit) Kommunikationsstrategie/-kultur dar. Die Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit wird von einem externen Kommunikations-Team, als Teil des Platzrates umgesetzt. Eine Kombination aus analogen und digitalen Methoden zum Erreichen unterschiedlicher Zielgruppen ist notwendig. In zwei Informations-Kampagnen soll erst alle städtischen Akteure wie AWB, KVB, Bezirksvertretung, involvierte Verwaltungen und Ämter, als auch Wirtschaftsbetriebe am Platz, sowiederArchitektS.SchmitzüberdengeplantenProzessinformiertundvernetztwerden.Dann die (Mülheimer) Zivilgesellschaft über den Prozess der Zielbildentwicklung informiert werden, und über Beteiligung aufgerufen werden. Erstellungeiner barrierearmenInternetpräsenz&SocialMediaKanäle schaffenZugangzum Konzeptionsprozess zu jeder Zeit. 11 3.2.4BildungvonArbeitsgruppenbeieinem Auftaktwochenende Arbeitsgruppen sind ein zentraler Bestandteil des Zielbildentwicklungs-Prozesses. Sie dienen dazu, dass sich Menschen zu relevanten Themenfeldern zusammenfinden. IneinerdigitalenzweitägigenAuftaktveranstaltungwerdendieArbeitsgruppengebildet,instruiert, informiert, vernetzt und motiviert. SindersteVerantwortlichegefunden,organisierensieentsprechendeArbeitsgruppen,diedaraus ihre Arbeits- und Vorgehensweise definieren und Zielinhalte festlegen. In den AGs sollen Ideen zum Zielbild Wiener Platz entwickelt, Lösungsansätze entwickelt werden, nach Machbarkeit überprüft, evtl. erprobt, dokumentiert und evaluiert werden. Die Mitglieder der Platzrates initiieren die AGs nach Vorgaben des STEA-Beschlusses und dem Bschluss der BV 9 aus Dezember 2019 und begleiten sie in der Arbeit. Es sollten regelmäßige übergeordnete digitale und nach Möglichkeit analoge Austausch-Treffen stattfinden. ThemenfelderderAGs Die Aspekte der AG-Themenfelder sind durch die politischen Beschlüsse vorgegeben und beziehen sich auf: Aufenthaltsqualität, Städtebauliche Gestaltung, Sicherheit, Sauberkeit, Begrünung, Funktionalität. Themen, die im Zielbildungsentwicklungs-Prozess herausgearbeitet werden und zu AGs / Aspekten zugeordnet werden können beispielsweise sein: Öffentliche Toiletten, Schaffung alternativer Orte wie ein Konsumraum für Drogenkonsumierende, Raumverteilung auf dem Wiener Platz in Bezug auf Verkehr & ÖPNV, kulturelle Angebote, Installationen und Skulpturen (temporär/permanent), Identifikation und Image des Wiener Platzes, Wohlbefinden (Sicherheit), atmosphärische Gestaltung, Schutz vor Wettereinflüssen, Angsträume verändern, Platzorganisation bei Nutzungskonflikten, Transit/Individualverkehr, Begrünung, Platzgastgeber:innen Konzept und Organisation der Verantwortungen, politische 12 Wirksamkeit der Ergebnisse, Barrierefreiheit, etc.. Mögliche AGs wären, wie in der Grafik dargestellt: 3.2.5AufgabenderAGs In den AGs sollen Lösungen für den Status Quo der einzelnen Themenfelder erarbeitet werden. Dazu muss zunächst der Status Quo erkundet und dargestellt werden. LösungsansätzewerdenverschriftlichtumspäteralseinzelneKapitelindasKonzeptdes Zielbildes bilden zu können. Eine Machbarkeitsprüfung wird in den einzelnen AGs durchgeführt und evtl. Erprobungen vorgeschlagen. In den AGs. kann auch auf gemachte Erfahrungen am Ebertplatz zugegriffen werden. ZumAuftaktIdeensammlung&Brainstorming Zu Beginn der Arbeitsphase der AGs stehen Ideensammlungen. Zu diesen laden die AGS gemeinsam über das Kommunikations-Team ein. Bereits erarbeitete Vorschläge und Handlungsempfehlungen sollen den AGs von der BV und ihrer Amtsleitung zur Verfügung gestellt werden. In analogen (corona-konformen), digitalen und hybriden Beteiligungsformaten werden Meinungen,Vorschläge,Ideen,Stimmungsbilder,Optimierungs-undLösungsvorschläge gesammelt und ausgearbeitet. Den AGs werden vom Platzrat Informationen zu Kreativmethoden zur Verfügung gestellt. Dabei bieten digitale Formate wie Barcamp online, Hackathon, Mapping, Podcast, Video-Konferenzen, virtueller Rundgang viele Möglichkeiten. Wichtig ist aber auch analoge Formate wie Schaufenster-Ausstellung, Beteiligungs-Kit, oder coronafreie Public Dinner zu schaffen. FormulierungvonLösungenindenAGs Die Lösungsansätze -und Vorschläge werden innerhalb den AGs auf einer cloudbasiertenPlattformengeschrieben.IneinembestimmtenTurnuswerdendieseTeil- Konzepte öffentlich zugänglich gemacht / kommuniziert. Der Platzrat gibt einen Zeitplan 13 vor, wann die Teil-Konzepte fertig sein müssen, fügt diese zusammen und lektoriert diese. 3.2.6WienerPlatzBarcamp ZusammenführungineinenKonzeptentwurf Nach der Schreibphase wird ein Barcamp stattfinden, um die erarbeiteten Inhalte in Workshop- und Gesprächsrunden-Sessions mit den gesamten Wiener Platz Akteuren zur Diskussion zu stellen, aufzuarbeiten und in einen Aktionsplan zur Erprobung von Maßnahmen umzusetzen. Das Wiener Platz Barcamp ist eine Mitmach-Konferenz, in der die Themen und Ergebnisse der AGs als Gesprächsrunde oder Workshop (=Sessions) für alle Interessierten öffentlich angeboten werden. Ziel ist es die Teilergebnisse zu vertiefen und vollständigen. Die Ergebnisse der Sessions sollen in die Teilkonzepte der AGs einfließen und diese komplettieren. 3.3Phase3:ErprobungvonMaßnahmen 3.3.1AuswahlvonMaßnahmenzurErprobung Der Platzrat erstellt einen Kriterienkatalogs anhand dessen Lösungsvorschläge aus den AGs auf Machbarkeit und Relevanz überprüft werden. Im Kriterienkatalog könnten beispielsweise kurzfristige Realisierbarkeit, Nutzen des Erprobens, Finanzierbarkeit, 14 Synergieeffekte, Grad der Eigendynamik / Ownership, Symbolcharakter, Grad der Partizipation, Verstetigung und weitere enthalten sein. Die Detailplanung ausgewählter Maßnahmen findet zwischen Stadtraum Management, PlatzratundAGstatt.UmTransparenzfüralleAkteurezuschaffen,insbesonderefürdas AGNetzwerk,sollendieausgewähltenMaßnahmenvisualisiertwerden.Evt.kannesein öffentliches Auswahl-Verfahren von verschiedenen Maßnahmen geben. An dieser Stelle empfehlen wir besonders die Erprobung eines Platzgastberber:innen Modelles wie oben beschrieben. 3.3.2DurchführungderMaßnahmen Die Erprobung ausgewählter Maßnahmen hängt eng mit dem Pandemie-Geschehen zusammen.SindanalogeMaßnahmen(temporär)nichtmöglich,kannüberSimulationen mit dem 3D Modell des Wiener Platzes werden. Da die Handhabung eines virtuellen Wiener Platzes in der digitalen Welt als hochschwellig eingestuft werden kann, sind entsprechend nicht alle Maßnahmen als Simulation mit der gewünschten Zielgruppe durchführbar. Jedoch kann die Arbeit mit dem Modell wichtige Erkenntnisse liefern, insbesondereinderPlatzgestaltung,demAufzeigenvonWegebeziehungenu.Ä.. Mitder Erstellung eines 3D-Modells wurde Marco Bodenstein beauftragt. Bei der Durchführung der Maßnahmen ist zu beachten, dass es sich bei Maßnahmen sowohl um einmalige Aktionen handeln kann, als auch um wiederkehrende, bzw. sich über einen Zeitraum erstreckende Maßnahmen. Iterationen sind in den zeitlichen Ablauf der Dauer von nicht-einmaligen Aktion mit einzuberechnen. In einem Lean-Management Ansatz sollen so die Prozesse während der Durchführung kontinuierlich optimiert werden. 3.3.3EvaluationundDokumentationderMaßnahmen Der Platzrat arbeitet eine Evaluations-Struktur aus, nach der die Erprobungen begleitet, evtl. optimiert und ausgewertet. Die Ergebnisse fließen umgehend in das Konzept des Zielbildes ein. Das Kommunikations-Team ist für eine ausführliche Dokumentation verantwortlich. Hierzu sind Honorartätigkeiten zu beauftragen. 3.4Phase4:WertigkeitdesZielbildesschaffen Die Akzeptanz der Ergebnisse wurde geschaffen durch die Beteiligung der verschiedenen Akteuer:innen am Wiener Platz. Das Konzept wurde gemeinschaftlich in Experten-AGs erstellt und teilweise wurde Maßnahmen zur Aufwertung des Wiener Platzes erprobt. Der Prozess lief transparent ab und ist weiterhin einsehbar und öffentlich nachvollziehbar. SollteneinodermehrereAspekteimProzessderKonzepterstellungandersoderschief gelaufen sein als in diesem Fahrplan beschrieben, ist eine breite Akzeptanz nicht unbedingt zu erwarten. 15 3.4.1PolitischeGrundlagefürUmsetzungschaffen Von Beginn an soll mit an der juristischen Wertigkeit des Konzeptes zum Zielbild gearbeitet werden. Den diese ist zur Zeit nicht gegeben. Dazu wird von Stadtplaungsamt und Stadtraummanagement eine Beschlußvorlage für die BV 9 erarbeitet. Daher soll der Platzrat die entsprechenden Anträge ausarbeiten und in den Rat bzw. bei den entsprechenden Gremien der Stadt Köln einbringen. 4Ausblick:PerspektivenundNachhaltigkeit Bei der Konzepterstellung sollen die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen beachtet werden. Der Platzrat soll diese auch in den Kriterienkatalog zur Bewertung von Maßnahmen einbeziehen. Besonders zu Beachten sind die Aspekte des Klimaschutzes, Nachhaltiger Städte und Gemeinden, Gesundheit und Wohlergehen. 16 5Meilensteinplan Projekt- beginn Ende Konze pterste llung Bemerkungen Phase1Vorbereitung M1 M2 M3 M4 M5 M6 M7 M8 Schaffung von Arbeitsgrundlagen Abstimmung über den Fahrplan Bildung des Platzrates, Auftaktveranstaltung Arbeitsaufträge an Externe in Q3 erteilen Konzeption Gemeinsames Verständnis von Partizipation In M3 Ausarbeitung und festlegen. Durchführung einer Sozialraumanalyse, Erstellung eines 3D- Modelle des WP Analyse vor Projektstart Überprüfung in M4 Entwicklung einer Kommunikationsstrategie Start der öffentlichen Kommunikation in M3 Bildung von Arbeitsgruppen Arbeits Kick-Off Ende M3 Teilkonzepte in den AGs erstellen Schreibphase Zusammenführung Teilkonzepte, Barcamp Maßnahmen& Erprobung Auswahl der Maßnahmen Auswahlkriterien durch den Platzrat Erprobung von Maßnahmen Evaluation von Maßnahmen Findet parallel und nach Erprobung statt. Zusammenstellung der Teilkonzepte Überarbeitung nach Erprobung Umsetzungdes Zielbildes Grundlagen der Umsetzung Legende: Vorbereitung & Nachbereitung Durchführung
Beantwortung einer Anfrage (BV)
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Dezernat, Dienststelle VI/61 613 Wegm Tr Vorlagen-Nummer 4021/2022 Freigabedatum 26.01.2023 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 9 (Mülheim) 30.01.2023 Beantwortung einer Anfrage der BV Mülheim zur Aufwertung des Wiener Platzes (AN/1155/2022) Die Fraktionen SPD und CDU sowie Einzelmandatsträger Herr Torsten Tücks (FDP) haben in der Sitzung der BV 9 am 13.06.2022 folgende Fragen gestellt: 1. Welche Arbeitsschritte sind seitens der Verwaltung bislang erfolgt, um den im STEA for- mulierten Auftrag vom 05.12.2019 abzuarbeiten? 2. Wie ist der aktuelle Sachstand der Zielbildformulierung und wurden bzw. werden hierbei alle in dem Antrag genannten Aspekte berücksichtigt? 3. Welche externen Beauftragungen sind erfolgt und wie belastbar sind die hierbei erarbeite- ten Empfehlungen? 4. Wann ist mit der Fertigstellung des Zielbildes für den Wiener Platz zu rechnen? 5. Wie plant die Verwaltung den nächsten Schritt - die Umsetzung des erarbeiteten Zielbildes zu realisieren? Antwort der Verwaltung: Die Verwaltung wurde 2019 vom Stadtentwicklungsausschuss beauftragt, ein sogenanntes „Zielbild“ für den Wiener Platz zu erarbeiten. Die Aspekte Aufenthaltsqualität, städtebauliche Gestaltung, Sicherheit, Sauberkeit, Begrünung und Funktionalität sollen dabei Gegenstand des Konzeptes sein. Gefordert wurde ferner, bei der Erarbeitung des Zielbildes eine externe Beratung heranzuziehen und dabei Vertreter der Bezirksvertretung Mülheim, örtliche Vereine, Einzelhandel, Polizei, städtische Akteure und interessierte Bürgerinnen und Bürger einzube- ziehen. Da der Auftrag ein großes Spektrum unterschiedlichster Fachbelange umfasst, die zudem in einem möglichst breiten interdisziplinären Beteiligungsprozess gebündelt werden sollen, hat sich die Verwaltung zunächst intensiv mit der Fragestellung befasst, wie solch ein komplexer Zielbildungsprozess gestaltet und organsiert werden kann. Hierfür wurde basierend auf Er- gebnissen vorangegangener Impulsveranstaltungen und Potenzialanalysen ein Konzept ent- wickelt. Die Auseinandersetzung mit dem sogenannten „Fahrplan zur Zielbildentwicklung“ ergab folgende Erkenntnisse: 2 Es gibt eine Vielzahl von Aktionen, Initiativen und Beteiligungsmodule, die in den letz- ten Jahren rund um das Thema „Aufwertung Wiener Platz“ von städtischen Dienststel- len, engagierten Einzelpersonen, Gruppen, Vereine etc. parallel angestoßen wurden. Um ein möglichst integriertes Aufwertungskonzept zu erhalten, ist es zielführend, diese zu bündeln. Diesen Ansatz verfolgt bereits die Sozialraumkoordination Mülheim-Nord/ Keupstraße, dessen Sozialraumgebiet im Zuge eines Ratsbeschlusses Ende 2019 zur Weiterent- wicklung des Programms "Lebenswerte Veedel" um den Wiener Platz erweitert wurde. Die von Dezernat V (Soziales, Gesundheit und Wohnen) beauftragten Sozialraumko- ordinatorinnen des Trägers CSH Köln gGmbH verfügen über ein umfassendes lokales Netzwerk und organisieren in regelmäßigen Abständen Stadtteilkonferenzen zum Wiener Platz. In Abstimmung mit dem Zentrum für Kriminalprävention und Sicherheit (ZKS), das den Fachkreis „Plätze mit besonderem Handlungsbedarf“ betreut, ist zu- dem die Durchführung eines Workshops zum Wiener Platz beabsichtigt. Die Erwartung in den verschiedenen Foren an ein ganzheitliches „Zielbild“ ist, dass aus dem Prozess konkrete Maßnahmen hervorgehen. Das Konzept soll nicht bloß eine Sammlung von abstrakten Absichten sein. Ähnlich formuliert es auch der Beschluss der Bezirksvertretung Mülheim vom 09.12.2019 (AN/1636/2019), der die Erarbeitung konkreter Veränderungsmöglichkeiten von der Verwaltung fordert. Um die Machbarkeit der Maßnahmen frühzeitig zu prüfen und um die tatsächliche Um- setzung verbindlich beschließen zu können, sind dann allerdings schon zu Beginn des Prozesses Verantwortlichkeiten für die jeweiligen Fachbelange sowie Ressourcen der zu beteiligenden Dienststellen abzustimmen. Die Problemlage ist weit gefächert. Neben gestalterischen Defiziten tragen vor allem soziale und gesundheitliche sowie hygienische Defizite zum Negativimage des Platzes bei. Diese Problemlage muss ganzheitlich gelöst werden. Seit dem Auftrag zur Zielbildentwicklung wurde in den letzten beiden Jahren von Be- zirkspolitik und Verwaltung der Fokus auf Maßnahmen rund um die Aspekte Sicherheit und Sauberkeit gesetzt - z.B. arbeitet die Verwaltung bereits an der Sondierung und Aufstellung einer ‚Problemlösertoilette‘/ Pissoir sowie der Einrichtung eines Drogen- konsumangebots für Bürger*innen mit Drogenerkrankungen. Dies deckt sich mit den Erkenntnissen aus der Potenzialanalyse und mit den Rückmeldungen der verschiede- nen Nutzer*innen vor Ort: Den größten akuten Handlungsbedarf gibt es zu diesen bei- den genannten Themen. Umgestaltungsbedarfe zielen eher auf sozialräumliche Defizi- te des Platzes ab, als auf bauliche Missstände. Größere Umgestaltungen des Platzes sind ohnehin durch Fördermittelbindungen (bis 2034) nur schwer umsetzbar. Zu Frage Nr. 1, 2 und 3 Noch bevor erste Schritte zur Auseinandersetzung mit dem Auftrag durch die Verwaltung er- folgen konnten, wurde ein Workshop – ein sogenanntes „Akteursmapping“ durch die „icon Kommunikation für Kultur und Wirtschaft GmbH“ sowie dem „AGORA e.V.“ initiiert. Für die Durchführung wurden bezirksorientierte Mittel durch die BV 9 freigegeben. Dieses fand unter Beteiligung von KVB, Polizei, Vertreter*innen von Vereinen, Sozialraummanagement, vielen weiteren Stakeholder*innen sowie Vertreter*innen der BV 9 im August 2020 statt. Die Verwal- tung hat sich aktiv an diesem Prozess beteiligt. In diesem Zuge wurden Themenfelder und Gruppen von Beteiligten für einen Aufwertungs- prozess skizziert, auf die die Verwaltung folgende Schritte aufbaute: Potentialanalyse (1. bis 2. Quartal 2021) Die Verwaltung hat gemeinsam mit einigen ausgewählten interdisziplinären Vertreter*innen des Akteursmappingprozesses Potentialanalysen des Ortes anhand einer Bewertungsmatrix 3 des Gehl Instituts (Nonprofit-Forschungseinrichtung des renommierten Stadt- und Verkehrs- planers Jan Gehl) vorgenommen. 4 Ergebnis: Physisch bietet der Ort viele funktionale Potentiale und Aufenthaltsqualitäten (Sitzen, Schat- ten, Schauen, Konzerte, Markt, Durchgang/ Aufenthalt/, Überschaubarkeit, Multifunktionalität etc.). Mängel gibt es hauptsächlich bei den Themen Orientierung, verkehrliche Engstellen, Sauberkeit & Pflege sowie dem subjektiven Sicherheitsgefühl der Nutzer*innen. Zudem besitzt der Biergarten keine gestalterische Qualität und wirkt sich in seiner Erscheinung und Positio- nierung eher negativ auf den Stadtplatz aus. Fahrplan für die Zielbildentwicklung (3. Quartal 2021 bis 2. Quartal 2022) Im Anschluss hat die Verwaltung – um die im Akteursmapping entstandenen Erwartungen an einen weiteren Prozess zu erfüllen – den AGORA e.V. damit beauftragt, einen sogenannten “Fahrplan“ für die Zielbildentwicklung zu erarbeiten. Es wurde eine Strategie entwickelt, in welchem ein mehrjähriger Dialog- und Umsetzungspro- zess mit mehreren Arbeitsgruppen und einem ‚Platzrat‘ vorgeschlagen wird. Zur Konzeptionsphase gehören laut Vorschlag der AGORA auch die Durchführung von Work- shops, die Formulierung von Maßnahmen und die Durchführung von Machbarkeitsstudien. Wie einleitend beschrieben, fehlt hierfür noch die notwendige ressortübergreifende Koordina- tion bzw. ist grundsätzlich über die Art und den Umfang des Aufwertungsprozesses zu ent- scheiden. Zu Frage Nr. 4 und 5 Es gilt zunächst, den politischen Auftrag mit Blick auf die Erkenntnisse hin neu zu bewerten. Demnach sind soziale und gesundheitliche Probleme deutlich relevanter als die stadtgestalte- rischen Defizite. Dies bedingt eine breiter aufgestellte Aufwertungsstrategie. Anlagen - Fahrplan für die Zielbildentwicklung zur Aufwertung des Wiener Platzes, Köln-Mülheim - Ethnographische Annäherungen an den Wiener Platz
Anlage 3 Etnographische Annäherung
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Ethnographische Annäherungen an den Wiener Platz Im Zeitraum 04/2021 - 10/2021 Die Forschung wurde im Rahmen der „Grundlagenermittlung zum Aufwertungskonzept Wiener Platz“ durchgeführt. Forschender: Fabian Laute, MSc. 51065 Köln fabian.laute@posteo.de I . Einleitung ................................................................................................................................................................. 1 II. Methodik & Diskussion des Forschungskontextes ................................................................................ 3 a. Ethnographisches Arbeiten .......................................................................................................................................... 4 b. Kartierungsverfahren ..................................................................................................................................................... 5 c. Zukunftsvignetten ............................................................................................................................................................ 8 d. Feldzugang .......................................................................................................................................................................... 9 III. Sieben ethnographische Steckbriefe ....................................................................................................... 11 IV. Diskussion der Ergebnisse .......................................................................................................................... 36 Literaturverzeichnis ................................................................................................................................................... Anhang............................................................................................................................................................................... Urheberrechtserklärung............................................................................................................................................ 1 I . Einleitung Der Wiener Platz ist das Bezirkszentrum des rechtsrheinischen Stadtteils Köln-Mülheim und fungiert als zentraler Platz, Geschäftszentrum und Verkehrsknotenpunkt. In den 1920er Jahren entstand der damalige Oscar-Platz mit dem Bau der Mülheimer Brücke als Verbindungselement zweier Industriebahnhöfe und der Geschäftsachse Frankfurter Allee (STADT KÖLN 2014: 50). Inzwischen wurde die Straßenbahnlinie auf der Frankfurter Straße unter die Erde gelegt, die Bundesstraße 8 (Frankfurter Straße) am Platz vorbeigeführt und der Platz so umgebaut, dass er nun als ununterbrochene Fläche von Ost nach West schräg abfällt und stufenlos überquerbar ist. Er wird im Süden vom Bezirksrathaus, im Westen durch eine Straßenbahnhaltestelle der Linien 3 und 4 und den U-Bahnhof, im Norden durch eine Einkaufspassage, Geschäfts- und Bürohäuser sowie durch die ihn im Osten tangierende Frankfurter Straße eingerahmt (Abb. 1). Abbildung 1: Luftaufnahme des Wiener Platzes mit Blick in Richtung Norden. Die Aufnahme erfolgte durch den Forschenden. Der Bezirk Mülheim zählt knapp 150.000 Einwohner und kommt einer Großstadt in der Großstadt gleich (STADT KÖLN 2017: 5). Das Stadtentwicklungsprojekt Mülheim 2020 schrieb Köln-Mülheim erhebliche Defizite zu. Deindustrialisierungsprozesse hinterließen 2 um die Jahrtausendwende neben „Brachflächen, vor allem auch soziale Probleme“ (AGIPLAN 2009: 6). Überdurchschnittlich viele Erwerbslose, „soziale Verinselung“ (ebd.: 7) und räumliche Segregation zwischen der „alteingesessenen deutschstämmigen Bevölkerung und den Einwohnerinnen und Einwohnern mit Migrationshintergrund“ (ebd.) sollten durch Interventionen in den Programmschwerpunkten lokale Ökonomie, Bildung und Städtebau bearbeitet werden. Da der Wiener Platz „wenig Urbanität und Aufenthaltsqualität“ (ebd.: 67) vermittle, wurde er für 2,7 Millionen Euro saniert, indem die Barrierefreiheit des Platzes erhöht, Sitzbänke an Baumwurzelringe angebracht, die Oberfläche im Bereich der U-Bahnstation erneuert und eine Machbarkeitsstudie zur gastronomischen Nutzung des Platzes erstellt wurde (STADT KÖLN 2014: 50). Eine Studie aus dem Jahr 2013 kommt zu dem Schluss, der Platz sei „ausschließlich negativ belegt“. Die Außenwahrnehmung sei „charakteristisch für den Stadtteil [...], in einem sehr negativen Sinne“ (BOLLER 2013: 92). Auch das Projekt Mülheim 2020 stellt vorwiegend die Strukturschwäche und die als negativ empfundenen Qualitäten des Ortes in den Fokus (DLUGOSCH 2016: 169f). Dem gegenüber steht der Diskurs des strukturellen Wandels Mülheims und des Wiener Platzes. ÜBLACKER beschreibt beispielsweise, dass der Stadtteil „äußerst vielseitig“ und von Gentrifizierungsprozessen betroffen sei (2016: 108ff.). Die im Folgenden dargelegte Forschungarbeit zum Wiener Platz ist zunächst abseits der einleitend dargelegten Literatur und den medialen Darstellungen des Platzes angesiedelt. Als „ethnographische Annäherung“ betitelt, macht sie den gewollt lückenhafter Versuch den Menschen zuzuhören, die den Wiener Platz zu dem Raum machen, der mir in meiner Forschung begegnet ist. Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung sollen bei den Leser:innen dazu beitragen eine Sensibilität für die großen und kleinen Narrative, Handlungen und Wechselwirkungen am Platz zu entwickeln. Auf diese Weise leistet die vorliegende Arbeit einen Beitrag zu einer nachhaltigen Umgestaltung des Raumes „Wiener Platz“; das heißt einer Umgestaltung, welche seine gegenwärtige Funktionsweise versteht und berücksichtigt, um vorhandene Potentiale respektvoll aufzugreifen und gemeinsam zu konkretisieren. Ich möchte im Folgenden zunächst auf die Auswahl der Methodik zu sprechen kommen und das eigens für diese Forschung entwickelte Kartierungsverfahren vorstellen (II.). Anschließend werde ich sieben mittels dieses Verfahrens generierte ,ethnographische 3 Steckbriefe’ darlegen (III.). Die vorgestellten Ergebnisse werden abschließend, u.A. in ihrem Verhältnis zu einem möglichen Planungsprozess und ihrem Forschungskontext diskutiert und daraus entstehende Forschungsderivate dargelegt (IV.). II. Methodik & Diskussion des Forschungskontextes Für die vorliegende Forschungsarbeit erfolgte die Auswahl der Methodik anhand zweier Kriterien. Das erste Kriterium betraf den zu untersuchenden Raum selbst – den Wiener Platz. Wie bereits BOLLER (2013: ff.) aufgezeigt hat, zeichnet sich der Stadtteil Köln-Mülheim durch seine Vielzahl (teils konträrer) sozialer Konstruktionen aus; sowohl außerhalb, als auch innerhalb des Stadtteils. Nach eigenen Beobachtungen im Rahmen einer früheren Forschungsarbeit verdichten sich diese Positionen in besonderem Maße am Wiener Platz, dem „Herzstück“, dem „Knotenpunkt“ des Stadtteils (s. III). Übertrüge man diesen Sachverhalt auf das Verfahren der Kartierung, so existierten dementsprechend mehrere Karten des Platzes, welche alle gleichermaßen Gültigkeit besäßen, obgleich sie auf den ersten Blick womöglich widersprüchlich erscheinen Das für diese Arbeit entwickelte Verfahren musste dieser Multiperspektivität, dieser Vieldeutigkeit des Platzes, angemessen Rechnung tragen; und zwar auf eine Weise die keine Perspektive der anderen vorzieht. Hierzu war es notwendig ein Interview- und Kartierungsformat zu entwickeln, welches jede hinzugezogene Person gleichermaßen dazu ermächtigt ihr Narrativ darzustellen. Dazu gehörte ebenfalls eine visuelle und schriftliche Darstellung zu finden, die es ermöglicht alle erarbeiteten Narrative gleichberechtigt nebeneinander zu stellen. Das zweite Kriterium welches es zu beachten galt ist die besondere Stellung dieser Forschungsarbeit in einem Planungsprozess. Während die politische Wirksamkeit (sozial-) wissenschaftlicher Arbeit im akademischen Kontext oftmals vage bleibt, so ist sie hier unmittelbar gegeben; beispielsweise in der Auswahl der befragten Personen, durch die Herstellung spezifischer Narrative des Platzes durch den Forschenden, oder auch durch das Erzeugen von Transparenz und Akzeptanz zwischen Stadt(entwicklung) und Bürger:innen, bis hin zu deren unmittelbarer Beteiligung am Prozess durch das Aufgreifen von Narrativen. Die politische Dimension dieser Forschungsarbeit, als auch deren Funktion als 4 Bindeglied galt und gilt es kritisch zu reflektieren. Damit diese Kritik gelingen kann gilt es zu diskutieren, inwiefern an die Stelle des peer-reviews, als Weg der Legitimation wissenschaftlicher Wissensproduktion, ein barrierearmer Zugang zum erzeugten Wissen treten muss. Eine solche Annahme würde bedeuten, dass die Ergebnisse dieser Arbeit allgemein verfügbar und verständlich sein müssen, beispielsweise durch den Einsatz visueller Verfahren, einen affektiven, das heißt auf persönlicher Ebene nachempfindbaren Schreibstil, oder die Präsentation der Ergebnisse vor Ort mittels verschiedener Ausstellungsformate. Die Gültigkeit der hier vorgestellten Ergebnisse müsste in diesem Sinne im Prozess selbst und in der Verwendung und Reproduktion durch die beteiligten Akteure generiert werden. Ich lege diese zwei Kriterien dar, um zu zeigen, dass für die vorliegende Forschungsarbeit sehr spezifische Anforderungen an die Methodik gelten; sowohl aufgrund des zu untersuchenden Raumes, als auch aufgrund des Forschungskontexts. Um diesen Anforderungen gerecht werden zu können kam ein eigens entwickeltes Kartierungsverfahren zum Einsatz, welches sich aus verschiedenen qualitativen Methoden zusammensetzt und in seiner Funktionsweise und Zielsetzung an ein ethnographisches Arbeiten angelehnt ist. Der Nachvollziehbarkeit halber möchte ich das ethnographische Arbeiten (II.a), das entwickelte Kartierungsverfahren (II.b), das dabei verwendete Format der Zukunftsvignette (II.c) und eine Auswahl weiterer verwendeter Methoden (II.d) bündig im Hinblick auf ihren Nutzen für die vorliegende Forschung darstellen. a. Ethnographisches Arbeiten Das ethnographische Arbeiten lässt sich als spezifische Forschungshaltung begreifen, welche die Beobachtung sozialer Phänomene in ihrer natürlichen Umgebung zum Ziel hat. Diese natürliche Umgebung, das „Feld“, wird dabei als unvorhersehbares und heterogenes Sammelsurium von Lebenswelten begriffen, welchem es „unvoreingenommen und zweckfrei“ zu begegnen gilt (LINDNER 2004: 117; (LÜDERS 2008: 389). Fasste man die Paradigmen einer ethnographischen Forschung in Kürze zusammen, so ließen sich diese wie folgt darstellen: 1) die Untersuchung von, vor allem durch alltägliche Praktiken hergestellten Lebenswelten; 2) ein prozessuales Forschungsdesign, bei dem die 5 pragmatische Wahl von Methoden ein ergebnisoffenes Forschen gewährleistet, wobei vorwiegend qualitative Methoden Anwendung finden; 3) ein enger Bezug zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten, bzw. dem Gesellschaftlichen und Individuellen, welcher mittels des ethnographischen Schreib- und Arbeitsstils vollzogen wird; und 4) die Annahme der Kopräsenz der Forschenden mit dem Feld, mit der eine Reflektion der eigenen Positionalität, eine Situiertheit des Wissens und ein Bruch mit dem klassischen Paradigma der Objektivität einhergeht (u.a. CRANG & COOK 2007; WATSON & TILL 2010; CLOKE ET AL. 2007; LÜDERS 2008; LINDNER 2004; ELY ET AL. 1997; HARAWAY 1988). Gerade im Kontext des Wiener Platzes, der allgemein zunächst einer scheinbaren Eindeutigkeit unterliegt (vgl. BOLLER 2013), macht es diese Forschungshaltung möglich Alternativen zu vorherrschenden Deutungsmustern zu begegnen und diese aufzuzeigen (vgl. JENKS & NEVES 2000: 4), ohne in einen „Romantizismus des Anderen“ zu verfallen (vgl. LINDNER 2004: 115). Aus dieser ethnographischen Haltung heraus möchte ich im Folgenden unter Einbezug moderner Rezeptionen des „Sense of Place“-Konzeptes (vgl. TUAN 2001; PINK 2008) ein Kartierungsverfahren vorschlagen, welches verschiedene Narrative des Wiener Platzes verständlich und gleichwertig nebeneinander stellen kann. b. Kartierungsverfahren Das für diese Forschung entwickelte Kartierungsverfahren lehnt sich an eine ethnographische Rezeption des Konzeptes des „Sense of Place“ an. Dabei wird ein Ort als Gefüge von Erinnerungen und Affekten, Alltagserlebnissen, diskursiven und materiellen Wechselwirkungen und Zukunftsvorstellungen begriffen (vgl. TUAN 2001; PINK 2008). Ein besonderer Geruch, oder ein Geräusch, ein Zeitungsartikel oder ein soziales Netzwerk spielen hier ebenso eine Rolle wie die eigene Biographie und die alltäglichen Praktiken die ein Mensch vor Ort vollzieht. Aus dieser Fülle von Qualitäten generiert sich dann ein Gefühl für einen Ort, welches sich als „Sense of Place“ bezeichnen lässt. Es wird schnell deutlich, dass für einen Ort oftmals verschiedene „Senses of Place“ existieren. Die Gesamtheit dieser differenten Vorstellungen eines Ortes, in diesem Falle des Wiener Platzes, bildet den Gegenstand, den es in der vorliegenden Forschungsarbeit darzulegen gilt. 6 In der Regel geht eine ethnographische Forschung mittels langzeitiger Untersuchungen und einem engen Austausch mit den Kontaktpersonen einher, um deren Narrativ dann ausführlich mittels einer Monographie oder eines Papers darzustellen. Diese Arbeitsweise war für das vorliegende Vorhaben jedoch weder praktikabel noch zielführend, da zum Einen der zeitliche und finanzielle Rahmen zu begrenzt, zum Anderen das ,Einzugsgebiet‘ einer solchen ethnographischen Arbeitsweise im anzustrebenden Umfang zu gering ausfallen würde. Aus diesem Grund möchte ich für einen Kontext wie den hier vorliegenden (s.o.) ein Verfahren vorschlagen, welches auf transparente Weise kurze Einblicke in die je verschiedenen „Senses of Place“ generiert und barrierearm transportierbar macht. Bei diesem Verfahren wurden zunächst verschiedene Kontaktpersonen ausgewählt. Die Auswahl der Kontaktpersonen erfolgte auf Grundlage von Beobachtungen des Feldes, u.A. mittels Vignetten (vgl. ELY ET AL. 1997), teilnehmenden Beobachtungen (vgl. LÜDERS 2008), Dérives (vgl. DEBORD 1958) und informellen Gepsrächen mit Nutzer:innen und ,Gatekeeper:innen’, also Personen mit dem Zugang zu einem für die Forschung potentiell relevanten sozialen Netzwerk oder Wissen. Vor diesem Hintergrund wurden dann Kontaktpersonen nach den Kriterien der Raumwirksamkeit, der Repräsentativität und der Differenz, also des jeweiligen (scheinbaren) narrativen Abstands zu den je anderen kontaktierten Personen ausgewählt. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal betonen, dass dieses Auswahlverfahren stark durch die forschende Person bestimmt ist. Dennoch ist es in keiner Weise willkürlich, sondern basiert auf einer empirischen Vorarbeit mittels der oben genannten Methoden, welche sich dann zur Auswahl bestimmter Kontaktpersonen hin verdichtet. Nach dieser Phase der Identifikation von Kontaktpersonen wurden je zweistündige Termine mit den einzelnen Personen vereinbart. Die Termine fanden ausnahmslos am Wiener Platz statt, um einen unmittelbaren (kognitiven) Bezug zum Untersuchungsort herzustellen und den Ort methodisch nutzbar zu machen (s.u.). Nach einer kurzen Darstellung meines Vorhabens gegenüber den Kontaktpersonen erfolgte ein ca. fünfzehnminütiges narrativ gestaltetes Interview, in dem die je individuelle Geschichte zum Ort erfragt und dann zum gegenwärtigen Alltag der Person auf und an dem Platz hingeführt wurde. Die Gesprächspartner:innen erhielten dann von mir eine Kamera, mit der Aufgabe sich ca. fünfzehn Minuten Zeit zu nehmen den Platz entlang einer Alltagsroute zu begehen, 7 oder zu „erschlendern“ (vgl. DEBORD 1958). Während dieser Phase sollten sie ganz bewusst zwei bis drei Orte wahrnehmen, die sie als interessant, sowohl im positiven, als auch im negativen Sinne empfinden. Nach einigen bewussten Atemzügen an diesen Orten sollten die Kontaktpersonen dann ein Foto mithilfe der ihnen bereitgestellten Kamera machen. Diese Methodik stellt sich als Hybrid der (auto-)ethnographisch verankerten Methoden der Auto-Fotografie und des Dérives dar (vgl. PINK 2007; DEBORD 1958). Nach dieser Phase der Begehung des Feldes durch die Inteviewpartner:innen fanden wir uns an einem ausgemachten Ort erneut zusammen. Anhand eines A0-Drucks des Wiener Platzes (abgerufen auf TIM-ONLINE) wurden dann zunächst gemeinsam die Bereiche eingezeichnet, welche die Person als angenehm (grün) oder unangenehm (rot) empfindet, als auch solche, die für ihre Wahrnehmung keine Relevanz besitzen (blau). Diese Bereiche wurden dann, je nach Gespräch mehr oder weniger, mit entsprechenden Assoziationen auf Karteikarten versehen. Auf diese Weise war es möglich die Qualitäten dieser Bereiche des Platzes für die verschiedenen Personen festzuhalten; dies waren bspw. Erinnerungen, Sinneseindrücke wie Gerüche oder Geräusche, Emotionen, materielle Qualitäten oder soziale Praktiken. Anschließend gingen wir dazu über gemeinsam die zuvor gemachten Fotos zu betrachten. Anhand der Fotos wurde schnell ein tiefgreifenderes Verständnis der individuellen Wahrnehmung des Ortes möglich. Mittels dieses fotogestützten Interviews (vgl. PINK 2007) wurden dann die individuellen Eindrücke zu zehnsekündigen Aussagen verdichtet, welche dann von den Gesprächspersonen zu den jeweiligen Fotos eingesprochen, und gemeinsam mit dem Foto, als online abrufbarer QR-Code mithilfe der Sofortbildkamera (Instax Mini) gedruckt wurden. Diese ‚Audiofotographien’ wurden dann an den entsprechenden Orten auf der Karte platziert. Mithilfe dieses Verfahrens an der Schnittstelle von Fotographie und Audioaufnahme war es möglich, das je persönliche Narrativ eines Ortes durch die Stimme der Gesprächspersonen in verdichteter Form transportierbar und nahbar zu machen. Nach dieser Phase bat ich die Personen darum sich einen kurzen Moment lang zu überlegen, was der Wiener Platz ihnen bieten müsste, damit sie sich dort wohl(er) fühlten. Dazu konnten die Augen geschlossen werden, oder nicht. Die Gesprächspartner:innen sollten mir dann möglichst vorstellbar eine imaginäre Situation schildern, die diese von ihnen erdachten Qualitäten beinhaltet. Anschließend erhielten die Personen von mir ein 8 leeres Foto, mit der Bitte dieses Zukunftsbild auf der Karte zu platzieren und die Situation somit zu verorten. Die Schilderungen wurden dann später von mir ausgearbeitet (II.c). Abschließend forderte ich dazu auf den Wiener Platz in einem Wort zu benennen, Erwartungen an eine Umgestaltung zu formulieren, als auch das eigene Verständnis von Partizipation, sowie mögliche Partizipationsideen darzulegen. Insbesondere die letzten beiden Fragestellungen resulierten aus Vorgesprächen mit anderen am Prozess beteiligten Akteuren (Stadtraummangement & Agora Köln e.V.). Die mittels dieses Verfahrens generierten Daten wurden dann zu insgesamt sieben kurzen ethnographischen Steckbriefen verdichtet, in denen die jeweiligen Lebenswelten am und um den Platz kurz dargestellt wurden. Diese Steckbriefe wurden durch Portraitierungen der Interviewpartner:innen ergänzt, welche von der Künstlerin DANY VENT zu diesem Zwecke angefertigt wurden. Die ,Originale’ dieser Portraits sind den Interviewpartner:innen als Danksagung für ihr Mitwirken zugekommen. c. Zukunftsvignetten Im Rahmen des oben dargelegten Kartierungsverfahrens habe ich ein Schreibformat vorgeschlagen, das ich Zukunftsvignette nennen möchte. Bei einer Zukunftsvignette handelt es sich um eine lebhafte, schriftliche Darstellung einer durch die Interviewpartner:innen imaginierten, zukünftigen Situation. Der Ort, an dem sich diese imaginierte Situation ereignet ist auf den Karten durch ein weißes Polaroid-Foto repräsentiert (s. III.). In ihrer Form geht die von mir vorgeschlagene Methode auf die Vignette zurück (vgl. ELY ET AL. 1997; MILITZ & SCHURR 2015). Als (auto-) ethnographisches Schreibformat hat die Vignette eine stark verdichtete, subjektive Darstellung einer für die Feldforschung relevanten Situation zum Ziel. Dabei ist es von Bedeutung, dass der produzierte Text bei den Lesenden affektive Effekte erzeugt, das heißt nicht nur logisch nachvollziehbar, sondern auch körperlich, bzw. ‚emotional’ spürbar wird (die Begriffe „emotional“ und „affektiv“ sind im Kontext der Humangeographie voneinander zu unterscheiden; vgl. PILE 2010). Diese affektive Eigenschaft der Vignette adressiert die methodische Herausforderung, den komplexen Wechselwirkungen zwischen ‚Raum’ und ‚Individuum’ 9 angemessen Rechnung zu tragen und der affektiven Dimension, also dem persönlichen ‘Erleben von Raum‘ eine schriftliche Transportierbarkeit zu verleihen. Der Inhalt der Zukunftsvignette ergibt sich jedoch, anders als bei der klassischen Vignette, aus Annahmen moderner Interpretationen des „Sense-of-Place“-Konzeptes (u.A. PINK 2008; TUAN 2001). Diese gehen davon aus, dass (in)dividuelle Zukunftsvorstellungen die Wechselwirkungen zwischen Ort und Individuum (oder Gruppe) maßgeblich beeinflussen, indem sie Wahrnehmungen prägen, Identitäten hervorbringen, Praktiken konstituieren und Bedeutungen zuweisen. Ein angemessenes Verständnis eines Raumes ginge vor diesem Hintergrund stets auch mit der Erschließung ortsbezogener, persönlicher Zukünfte einher (ebd.). Diese Zukünfte zu erschließen und nachempfindbar zu transportieren ist Aufgabe der Zukunftsvignette. Anders als die klassische Vignette, welche durch die forschende Person erlebt und verfasst wird, wurden die Zukunftsvignetten im Rahmen dieser Feldforschung im gemeinsamen Gespräch zwischen Forschendem und Interviewpartner:innen erarbeitet und später durch die forschende Person niedergeschrieben; andere Formate sind hier zwar denkbar, konnten aufgrund des zeitlichen Rahmens jedoch nicht weiter erprobt werden. Betrachtet man den Kontext dieser Forschung – die Umgestaltung des Wiener Platzes –, so können diese Texte über ihre ethnographische Funktion hinaus planerische Impulse geben, die sich durch ein besonderes identifikatorisches Potential auszeichnen. Als ‚kleine Zukunftsnarrative’ erschließen sie planerische Vektoren, die sich entlang persönlicher Lebenswelten bewegen. Zeitgleich ermöglichen sie das jeweils Eigene in einem gemeinsamen ‚Fahrplan’ zu sehen und zu bewahren – und so Identifikation zu ermöglichen und Verantwortungsgefühl zu schaffen. d. Feldzugang Um einen initialen Feldzugang zum Wiener Platz zu erlangen kamen dérives (DEBORD 1958), das Erstellen von Luftaufnahmen mittels einer Ultra-Leicht-Drohne (s. I.), teilnehmende Beobachtungen und Feldnotizen (LÜDERS 2008), Mappings nach GEHL (2013) und Vignetten (ELY ET AL. 1997) zum Einsatz. Auch wurden Zeitungsartikel, wissenschaftliche Quellen, alte 10 Fotografien und informelle Gespräche genutzt, um sich einen Überblick über die Historie und entsprechende diskursive Formationen zu verschaffen. Eine Akteursübersicht, bereitgestellt von der Agora Köln e.V., trug ebenso zum Zustandekommen von Kontakten bei. Eine vorangehende Feldforschung im Rahmen eines Universitäts-Seminars diente zudem als grober Leitfaden für das Verfassen der geographischen Kontextualisierung des Wiener Platzes (I.). 11 III. Sieben ethnographische Steckbriefe 12 „SO EIN PLATZ IST JA EIGENTLICH DAFÜR GEMACHT, DASS MAN DA MAL SITZT!“ Lina ist Studentin und wohnt seit einem halben Jahr in unmittelbarer Nähe des Wiener Platzes. In einem Wort beschreibt sie den Wiener Platz als „Potenzial“. Sie erinnere sich an einen Fotowettbewerb in Köln-Mülheim, von welchem sie eine Postkarte der Platz-Unterführung in der Küche hängen habe: „Hier kommen voll viele Menschen zusammen und eigentlich empfinde ich es hier hauptsächlich als positiv. Und das an der roten [markierten] Stelle!“, sie lacht. In ihrem Alltag betrete Lina den Platz meistens um die Bahnanbindung zu nutzen, gelegentlich auch um auf dem Markt einzukaufen. Ansonsten überquere sie den Platz vor Allem um zu den nahegelegenen Supermärkten zu gelangen. Oft meide sie die Angebote in der Galerie, da es ihr dort „zu voll und zu stressig“ sei, was sie auch durch die „Corona-Situation“ begründet. Generell bevorzuge sie die Einkaufsmöglichkeiten an der Buchheimer Straße, wobei sie jedoch jedesmal überlege, wo sie langgehe: „Die Unterführung versuche ich oft zu vermeiden, da ist es eng, es ist viel los und drückend“, „die Leute kommen von allen Seiten“, aber „oben ist die Ampelführung nervig“ – oft bleibe sie lieber „draußen“ sagt sie. „Mittendrauf [auf dem Platz], das ist schon ja… besonders“, dort stehe man nicht, sagt sie. Auch die Ecke am Wendehammer empfinde sie als unangenehm. Hier stinke es, „abends pinkeln alle Leute hin“ – sie lacht und zeigt auf die durch den Wind umgekippten Dixie-Toiletten in der Nähe des Wendehammers. Es sei eine „dubiose Ecke“, insgesamt sei es aber schon „Okay“. Während sie im Rahmen der gemeinsamen Feldbegehung die Fotos macht ist Lina sich unsicher, wie manche Leute auf die Kamera reagieren, da sie „Sachen machen wo sie vielleicht nicht bei fotografiert werden wollen“; sie weist auf einen „Alkoholikertreff“ hin. „Manche Situationen hier fand ich schon überfordernd […]“ sagt sie. Beispielsweise sei eine 13 „bettelnde“ Person an der „Bahnhaltestelle ausgerastet“: „Hier sind schon ein paar auffällige Leute unterwegs“. Es sei manchmal „ einfach unangenehm“. Trotzdem habe sie aber keine Angst auf dem Platz – insbesondere wenn Leute dort seien. Als positiv wertet sie die Demonstrationen die des Öfteren auf dem Platz stattfinden und an denen sie gelegentlich teilgenommen habe. Mobilität, Verweilen und Versammlungen sind für sie drei Dinge, die den Wiener Platz auf besondere Weise ausmachen, auch wenn sie sich derzeit nicht selbst zum Verweilen auf dem Platz aufhalte, sondern eher zum Rhein gehe. Sich in den Biergarten zu setzen kann sie sich nicht vorstellen, sagt sie, auch wenn sie die Idee von Gastronomie auf dem Platz gut finde. Aber der Biergarten komme ihr vor wie ein „verlassener Posten im Asphaltmeer“. Viel eher würde sie sich mit einem „Bier vom Kiosk auf die Treppen bei den Bäumen setzen“: „So ein Platz ist ja eigentlich dafür gemacht, dass man da mal sitzt!“. Auch das Wasserspiel finde sie gut sagt sie. Lina würde sich wünschen auch als Laie gefragt zu werden, wie der Platz in Zukunft aussehen könnte um Ideen einbringen zu können. Ihre Erwartungen an eine Umgestaltung sind, dass kleine Sachen umgesetzt werden, die merkbar das Leben für Alle verbessern; „Dinge die einladend sind und nicht teuer sein müssen“ sagt sie und verweist gestalterisch auf den Ebertplatz. 14 „Es ist warm, es ist Sommer. Ich sitze unter einem Baum auf einem Holzplateau. Es hat eine Beleuchtung für den Abend. Es ist leicht windig. Das Rauschen der Blätter und das der Autos passt irgendwie gut zusammen. Es ist etwas los auf dem Platz: Kinder spielen am Wasserspiel und in der Mitte des Platzes steht ein Kaffeewagen wo man sich leckeren Kaffee holen kann. Die Leute kaufen sich dort etwas und setzen sich auf die Sitzmöglichkeiten. Es gehen Leute vorbei und machen alltagliche Besorgungen – sie sind nicht gestresst.“ 15 „WE’RE LIKE A FAMILY.“ Christiana, von ihren Freunden auch „Mama T“ genannt, kennt den Wiener Platz seit knapp 30 Jahren. Im alten Bezirksrathaus, dort, wo heute Woolworth ist, habe sie damals ihren Asyl-Antrag gestellt und ihre Arbeitsg-enehmigung bewilligt bekommen. Nach einer Abschiebung im Jahr 1997 kehrte sie zwei Jahre später zurück nach Köln und lebt seitdem in Buchheim, ganz in Nähe des Bahnhofs Mülheim. An Mülheim gefalle ihr, dass es im Zentrum liege und es dort sicher sei. Für Christiana und ihre Freunde sei der Platz außerdem „der einzige Treffpunkt für ‘blacks und africans‘ den [sie] haben“ und ein „schöner Ort für Alle“: „We come almost every day, especially in summertime, because you have the Rhine, not far, and you have the breeze coming this way and it’s really cool. […] Everybody’s so crazy about that Wiener Platz. It’s really beautiful.“ „We“, das sind „Mama T“ und verschiedene Freunde, aus verschiedenen Ländern, welche Großteils in der Nähe wohnen – „black people, you know?“. Manche davon, sagt sie, brauchen einfach jemanden zum Reden, andere beispielsweise Hilfe beim Ausfüllen von Formularen oder jemanden, der ein Gespräch dolmetschen könne: „Sometimes they are waiting for me, […] so i can help them with their form or make a call.“. Christiana erzählt auch, dass sie, als viele Menschen in Nigeria Probleme hatten, sie gemeinsam mit ihren Freunden eine Demonstration angemeldet und veranstaltet habe. Außerdem teilen sie Jobangebote miteinander und halten sich gegenseitig auf dem Laufenden, wie es den Anderen so gehe; „We’re like a family.“. Vor ungefähr vier Jahren haben sie jedoch ihren Treffpunkt, den Callshop in der Eulenbergerstraße, verloren, erzählt Mama T: „We used to have a shop there, not only for black, well, 90% black came there.“. Wenn man irgendetwas brauchte, verloren war, jemanden suchte, dort sei einem geholfen worden. „It was really nice, we had a place we 16 can sit down, we can meet, we can ask if you have problems, you can just walk in there.“, erzählt sie. „Sadly we lost it. It was the best ever.“. Seitdem haben sie, bis auf den „african shop“ am Ebertplatz keinen anderen Ort sagt Mama T – und dieser sei zu weit weg. „Now we just sit here. The only thing here is, when it’s dark and we drink, you gotta have facility.“. Die Dixie-Toiletten die nun am Platz stehen empfinde sie einfach nur als traurig, sagt sie. Auch habe sie sich bereits mehrmals um neue Räumlichkeiten beworben. Sie sei jedoch jedesmal abgelehnt worden, denn man wolle keine „africans“ als Mieter:innen haben. Sie empfinde das als „manipuliert“ und „diskriminierend“. Als wir uns den Platz gemeinsam auf der von mir mitgebrachten Karte anschauen erklärt mir Christiana die ganz eigenen Qualitäten der verschiedenen Sitzplätze. Die Seite an der Galerie sei besonders sonnig, „für Vitamin D“, wie einer ihrer Freunde sage. Die Sitzgelegenheiten in Richtung Wendehammer hingegen seien besonders schattig und kühl an den heißen Tagen. An den Plätzen vor dem Eingang des Bezirksrathauses wiederum habe man eine Brise die vom Rhein herwehe, die Luft sei frischer und man könne den Sonnenuntergang besonders gut sehen. Die Bäume unter denen sie hier sitze erinnere sie an schöne Wälder in Afrika: „At our house there, the garden is full of big trees like this. Very nice and shady!“. Auch das Wasserspiel gefalle ihr, denn dort könne man den Kindern beim Spielen zuschauen: „I love it when they play and put their legs in the water... it’s really nice and very good for the kids!“. Die Galerie am Platz nutze sie außerdem häufiger zum Einkaufen und auch der Biergarten gefalle ihr, insbesondere durch die besondere Architektur des Zeltes und dadurch, dass es dort im Sommer Sand gebe. Obwohl es ihr hier so gut gefalle, habe sie sich ein Jahr lang nicht am Wiener Platz aufgehalten. Ein Freund von ihnen sei dort vor zwei Jahren durch einen Messerangriff gestorben. Das darauffolgende Jahr haben sie und ihre Freunde sich daher vor allem am Bahnhof Mülheim aufgehalten. Insgesamt sagt Christiana jedoch, finde sie den Platz weder gefährlich noch „aggressive“. Sie und ihre Freundin liefen auch spät nachts, nach der Arbeit alleine nach Hause und fühlen sich dabei sicher: „I’m not afraid of anything! And if it’s dangerous i keep my mouth shut and it’s fine.“. Dennoch: Aufgrund des Vorfalls vor zwei Jahren begrüßt sie die Kameras auf dem Platz, und dass die Polizei innerhalb kürzester Zeit vor Ort sei und regelmäßig den Platz kontrolliere. 17 An einer Umgestaltung mitzuwirken, sagt Christiana, sei für sie eine große Ehre; sie könne sich vorstellen beispielsweise Unterschriften zu sammeln oder Menschen zu organisieren um Projekte, insbesondere für die „african community“ umzusetzen. Ihre Hoffnung für eine Umgestaltung sei, dass der Wiener Platz für sie und ihre Freunde als Treffpunkt erhalten bleibt – „otherwise i would be really, really sad.“. 18 „In einem der Räume unter der Mülheimer Brücke gibt es einen offenen Treffpunkt für die Menschen. Hier sind alle willkommen und doch halten sich hier vorwiegend Afrikaner:innen auf. Hier kann man sich hinsetzen, sich mit anderen Menschen auszutauschen, Dart und Kicker spielen, sich gegenseitig bei behördlichen Angelegenheiten unterstützen, oder einfach nur ein kaltes Getränk von der Theke bei afrikanischer Musik genießen. Auch eine Toilette gibt es hier. Gleichzeitig steht dieser Ort im Austausch mit der Stadt. Er dient dazu einen Überblick über die sozialen Gefüge am Platz zu haben; genau zu sehen, wo es Probleme gibt und wo Hilfe benötigt wird. Und diese Dinge in direktem Austausch miteinander anzugehen.“ 19 „DU KENNST GOTT UND DIE WELT UND DEREN KINDER.“ Helmut ist gelernter Kaufmann und seit 1984 als selbstständiger Unternehmer in Köln-Mülheim tätig. Er betreibt die Gastronomie im Bezirksrathaus und den Biergarten auf dem Wiener Platz. Er habe den großen Vorteil hier in Mülheim aufgewachsen und zur Schule gegangen zu sein: „Du kennst Gott und die Welt und deren Kinder.“. Diese Netzwerke und sein Kontakt „im Haus“ seien für sein unternehmerisches Engagement, seinen damaligen Vorsitz in der Interessensgemeinschaft und seine Tätigkeit in der Bürgervereinigung Köln-Mülheim von großer Bedeutung. Aufgrund seiner Arbeit halte er sich zwar fast täglich vor Ort auf; nach Feierabend brauche er dann aber auch Abstand. Für ihn sei der Wiener Platz eine „Betonwüste […] ohne schöne Ecken“, aufgrund seines „Image“ „nicht gerade das Vorzeigeobjekt für Viele“ – und dennoch bedeutender Teil seines Alltags und unternehmerischen Engagements. Damals, erzählt Helmut, habe er „das große Glück“ gehabt einen vier Quadratmeter großen Würstchenstand unter dem Vordach des Woolworth-Kaufhauses eröffnen zu können. Dafür habe er seinen vorherigen Job aufgegeben, denn seine „heiße Ecke“ sei eine „1A Lage“ und eine kleine „Goldgrube“ gewesen. Mit der Planung der U-Bahn habe er diese jedoch aufgeben müssen, auch wenn die Fläche letzten Endes nicht von dem Bau berührt wurde. Im Zuge der Errichtung des neuen Bezirksrathauses zu Beginn der 90er Jahre eröffnete Helmut dann eine Kantine im „Haus“. Sein später eröffneter Biergarten, der in der Mitte des Platzes steht, ist bis heute auf eine jährliche Verlängerung der Genehmigung angewiesen und habe „leider nie eine langfristige Perspektive“ gehabt. Dies bedauere er: Er „hätte gerne irgendwas gebaut“, denn das Bierzelt, welches derzeit die Mitte des Platzes besetzt, empfinde er nichtmehr als „zeitgemäß“ und insgesamt sei der Biergarten „kaufmännisch nicht das non-plus-ultra.“. 20 Dabei sei sein Biergarten eigentlich „genau am richtigen Platz“. Hier könne man „die Leute auffangen“: „Du musst auch mit den Leuten reden und das kannste natürlich ideal, wenn du so’n Biergarten betreibst – und den sozial betreibst.“. Helmut verweist auf den Kontakt zu Linda, die mehrere Tage pro Woche vor Ort sei, um hilfsbedürftigen Menschen Unterstützung anzubieten. Auch die Polizei befürworte den Biergarten, sagt er, da dieser ein Mittel der Sozialkontrolle sei. Dass Mülheim in den letzten zwanzig Jahren „bunt“ geworden sei, das sehe er auch an seinem Klientel, erzählt Helmut. Sein Biergarten sei „damals sehr gut deutsch besucht gewesen“, inzwischen jedoch „total multikulti besetzt“. Zwar gebe es Leute die sagen, man könne dort deswegen nicht mehr hingehen; Helmuts Auffasung sei jedoch: „Kein Veedel für Rassismus alle gleich behandeln, und und und. […] Der Deutsche muss sich eben daran gewöhnen – das is‘ halt so.“. Durch seinen Biergarten, und auch durch seinen damaligen Vorsitz in der Interessensgemeinschaft habe Helmut Straßenfeste veranstaltet, einen Bikertreff mit Rock’n’Roll, Gottesdienst und Airbrush-Stand ausgerichtet, ein Olivenfest in Kooperation mit einer Baumschule auf dem Platz organisiert, einen kleinen Strand aufgeschüttet und ein Schwimmbad aufgestellt. Er habe auf diese Weise Situationen geschaffen, die Leute von „überall her […] zusammenführen“; denn „ein Stadtteil müsse interessant sein.“. Als störend empfinde Helmut beispielsweise die schiefen und wackelnden Bodenplatten hinter dem Bezirksrathaus: „Guck dir mal die Platten an, wie scheiße das aussieht. Wenn die Leute, die jeden Tag hier langlaufen, dieses Fingerspitzengefühl nich haben... Ich versteh nich, dass man da nich‘ als Stadt sagt: wir machen das jetzt!“. Ebenso treffe das auf die Steine und die Treppen auf dem Platz zu. Bei einer gemeinsamen Begehung des Platzes, bemängelt er ein fehlendes Verantwortungsgefühl der Nutzenden und der anliegenden Betriebe für den Platz. Er ärgere sich über die Leute die „kein Verständnis für Sauberkeit haben“ – darunter seien auch viele junge Leute, „oft auch vom Gymnasium.“. Neben der Schulbildung sehe er jedoch auch die Eltern und Großeltern in der Verantwortung dieses Feingefühl zu vermitteln: „[Man muss] das vorleben! […] und dann kriegste das hin.“, sagt Helmut. Ein weiteres Problem auf dem Platz sei für ihn die fehlende öffentliche Toilette. Er ärgere sich über die zwei Dixies, welche nun am Woolworth stehen: „Wenn wir uns die jetzt angugucken würdest du kotzen!“. Zwar stelle er in Absprache mit Norbert Fuchs derzeit 21 einen Container auf dem Platz bereit, welcher, finanziert durch den Interkulturellen Dienst, von einer bulgarischen Familie betreut werde; so langsam sei es jedoch auch gut, sagt er. An allen anderen Plätzen in Köln sei das Aufstellen einer Toilette kein Problem. Am Wiener Platz werde man jedoch „so’n bisschen von der Verwaltungsspitze liegen gelassen.“. Die Stufen am Platz finde Helmut grundsätzlich nicht schlecht, denn dort könne man sich in der Sonne hinsetzen. Für eine Umgestaltung wünsche er sich jedoch eine Festigung der Außengastronomie, womöglich auch einen Spielplatz und ordnungsgemäße Kontrollen, um das negative Image anzugehen. Er könne sich vorstellen, dass der Wiener Platz durch Ordnungsteams, Erziehung und Bildung, aber insbesondere auch durch das Vorleben von Verantwortungsgefühl und Fingerspitzengefühl an Aufenthaltsqualität gewinnen könne. 22 „DER PLATZ ERDET EINEN.“ Für A. ist der Wiener Platz ein Ort, welchen sie fast ausschließlich als Polizistin in Uniform erfährt. Aufgrund der Einkaufsmöglichkeiten, der Treppen und Bänke, der KVB Anbindung und des Rathauses beschreibt sie ihn als einen Dreh- und Angelpunkt für verschiedenste soziale Gruppen – als einen Ort an dem viele Bedürfnisse auf wenig Raum zusammen-kommen. Durch die Einstufung des Platzes als „Brennpunkt“ zeige die Polizei hier „Präsenz“, was sie als gerechtfertigt empfinde. Gleichzeitig habe man jedoch als Fremde:r „hier nicht die riesen Probleme“, im Gegenteil: Grundsätzlich habe sie hier mit höflichen, freundlichen Menschen zu tun, die „einfach sehr viele Probleme haben“, mit sich selbst und miteinander. In ihren Augen sei es besonders das Bild des Platzes, was verschrecke: zu dreckig, Kippen, Binden, Müll, laut, viel; „die Treppenabgänge stinken“ und es „vermischen sich sonst wieviele Gerüche: harter Alkohol, Urin, Erbrochenes…“. Persönlich empfinde sie das, trotz ihres langjährigen Dienstes, als „ekelhaft“: „Nichts auf der Welt würde mich dazu bewegen mich auf die Treppe zu setzen und mich auszuruhen.“. Während unseres Gesprächs erinnert sie sich an eine Dienstsituation im „tiefsten Winter“, in der sie Mitgefühl und Scham für einen obdachlosen Menschen empfunden habe, der sich eine Spritze an den Rolltreppen in der Unterführung gesetzt habe. Dort und an den Abgängen zur U-Bahn, an den Treppen am Platz, in der Galerie und an der nahegelegenen Kirche liege bei der Begehung des Platzes ein besonderer Fokus, sagt sie. An diesen Plätzen sehe man oft „geballt ganz viel Elend“. Solche Beobachtungen seien für sie jedoch auch Momente der Selbstreflektion und des Glücks, in denen die eigenen Sorgen klein erscheinen: „Das erdet einen“. 23 Den Biergarten in der Mitte des Platzes empfinde sie als durchweg positiv. Dieser sei für sie ein Symbol kölschen Lebensgefühls: „Zoch weiß alles und kennt jeden“, das sei „typisch kölsche Klüngel“, ein Ort an dem viele verschiedene Menschen zusammen seien und „Kölsch fließe“. Während ihrer Dienste nutzten sie dort die sanitäre Infrastruktur. Bei der Frage was sie sich für den Platz wünsche fallen A. zunächst zwei Dinge auf: 1. Obwohl überall Mülleimer stehen bleibe alles liegen, was sie darauf zurückführe, dass die Leute, die den größten Teil ihres Tages am Platz verbringen größere Probleme hätten, als Müll; 2. Es fühle sich auf dem Wiener Platz nicht nach einem guten Miteinander an. Partizipation im Rahmen eines Umgestaltungsprozesses hieße für sie, dass die Leute die am Platz viel Zeit verbringen auch eingebunden werden, insbesondere die „Drogen- und Trinkerszene“. Ihre Erwartungen an eine Umgestaltung seien, dass diese nachhaltig, das heißt auch langfristig und personenunabhängig ist und „aus einem guten Miteinander heraus“ Kraft schöpfe. 24 „Ich steige am Wiener Platz aus der Bahn aus und gehe die Treppen in Richtung Platzfläche herunter. Es ist warm. In der Mitte des Platzes ist ein kleiner Spielplatz. Die Eltern sitzen zum Teil auf den Treppen am Wasserfall und zum Teil auf den Treppen am Rathaus. Sie haben Wassereis in der Hand. Der Biergarten steht offen und es gibt viel Kölsch und Schnitzel. Auf den Treppen sitzen viele kleine Grüppchen. Einige trinken Bier. Überall ist es sauber, keine Flecken auf den Treppen. Keine Bierdeckel und keine Scherben. Es herrscht ein geschäftiges Treiben. Der Eine rennt zur Bahn, der Andere telefoniert laut und muss noch zu Rossmann; der andere facetimed, weil es überall kostenloses WLAN gibt. Es werden viele verschiedene Sprachen gesprochen. Ich komme an der Bushaltestelle an, drehe mich noch einmal und denke... es ist irgendwie ein netter Tag.“ 25 „DER PLATZ HAT NICHTS, WORAN SICH DAS AUGE ERFREUEN KANN.“ Max wohnt „um die Ecke“. Er geht in seinem Alltag regelmäßig über den Wiener Platz. Als Mülheims direkt gewähltes Mitglied im Kölner Stadtrat trage er jedoch auch eine „politische Brille“. Die Bahnanbindung und die Verbindung zum Rhein oder zum Supermarkt seien für ihn die primären Funktionen des Platzes. Für ihn sei er vor Allem ein „Drüber-Geh-Ort“ ohne identitätsstiftendes Merk-mal; das heißt der Platz selbst sei für ihn kein Ziel und auch kein Ort, an dem er sich gerne aufhalte oder an dem man stehen bleibe: Das habe „[…] nichts mit den Menschen zu tun“, der Wiener Platz „[biete] einfach keine Aufenthaltsqualität.“. Er habe „[…] nichts, woran sich das Auge erfreuen kann […]“ – er sei eine „Betonwüste“, wie eine „Zirkusarena“, „nicht einladend“ und durch die abfallende Ebene des Platzes erzeuge er des Gefühl „ […] in die Erde getrieben zu werden“. Zudem seien die Sitzbänke meistens belegt und die Mitte des Platzes „ohne Funktion“. Wenn Max den Platz mit dem Fahrrad überquere empfinde er es als besonders problematisch, da die Flanken des Platzes sowohl für Fußgänger, als auch für Radfahrer gleichermaßen freigegeben seien. Auch den Weg durch die Unterführung empfinde er oft als „Hürdenlauf“ und „Geknubbel“. Im Sommer, sagt Max, sei der Platz besonders „drückend“ und bemängelt fehlende Begrünung; die wenigen Bäume die es dort gebe seien vielmehr „Zierde“ und dem Bild einer klimaneutralen Stadt nicht angemessen. Diskussionen über die „schöne alte Zeit“ am Wiener Platz empfinde er als „Unsinn“. Seiner Position nach hat sich der Platz, insbesondere das Angebot auf der Frankfurter Straße vielmehr zum Positiven entwickelt. Max spricht den Platz auch als Ort an, an dem es besondere „soziale Gefüge“ gebe, die Leute dazu bewegen sich dort aufzuhalten. Dies habe jedoch nichts mit dem Platz selber zu tun, 26 sondern lasse sich vor Allem auf soziale Bedürfnisse zurückführen. Manchen dieser Gruppen müsse man mit Hilfsangeboten begegnen sagt er; diese Angebote würden, so aus seiner eigenen Erfahrung, besonders wertgeschätzt. Die Hilfsbedürftigkeit einzelner sozialer Gruppen zu ignorieren empfinde er hingegen nicht als sinnvoll. Für eine Partizipation im Rahmen einer Umgestaltung des Platzes wünsche er sich vor Allem eine breite Beteiligung mit digitalen Tools und die Entstehung kleiner Initiativen, welche sowohl divers als auch alltagsnah sein sollten. Kurzfristig könnten bereits „kleine praktische Dinge“ schnell umgesetzt werden – er verweist dabei auf den nahegelegenen Bahnhofsvorplatz, wo es begrünte Sitzmöglichkeiten und Kinoabende gebe. Bei einer längerfristigen Umgestaltung stellt sich Max beispielsweise das „nach unten Legen des Verkehrs“, oder einen Fußgängerüberweg in Richtung Rhein, so wie beispielsweise „in Krakau“ vor. 27 „Auf der Mitte des Platzes stehen mehrere kleine begrünte Parzellen, wo die Leute sitzen und chillen und Kinder spielen. Sie sind überdacht von einem begrünten Baldachin, der als Sonnensegel dient. Es herrscht ein anderes Flair.“ 28 „EIN LEBENSRAUM WO MAN DIE FAMILIE TRIFFT, DIE MAN NOCH NICHT KENNT.“ Uwe ist Anfang fünfzig, Künstler und gelernter Koch und hält sich nun bereits seit mehreren Jahren regelmäßig am Wiener Platz auf. Zwar wohne er nicht in Mülheim, kenne sich aber auf dem Platz aus, welchen er in einem Wort als „Mülheimer Drehkreuz“ beschreibt. Uwe sagt er sei überzeugt, dass in dem Platz „echt Potential [stecke]“. Die „scene“ vor Ort kenne er gut – er sei jedoch selbst „jetzt weg vom Konsum“ und habe mittlerweile einen „etwas distanzierteren Blick“ auf das Geschehen am Platz. Als ich ihn Frage sagt er, dass die „scene“ am Wiener Platz „nich‘ so asi, nich‘ gewalttätig und ehrlicher […]“ sei als beispielsweise die am Neumarkt: „Man kennt sich hier, […] es ist angenehmer – Abzieherei haste hier nich so, hier is‘ es persönlicher. Ich hab‘ hier noch nie Scheiß verkauft bekommen.“. Am Wiener Platz sei es ihm zufolge „eher Aufenthalt“, es gebe „wenig Tourismus“, manche Leute kommen zwar nur zum „Einkaufen“, ein großer Teil der Leute sei jedoch beispielsweise aus dem nahegelegenen „Sozialhotel“. „Manche Leute kommen auch von der Vergabestelle um ihre Vergabe einzunehmen und warten hier, bis die Substitution anschlägt.“. „Ein Kollege von mir […] ist Rentner, der hängt auch immer hier ab, weil er sonst halt keine Möglichkeiten hat […]“ erzählt er mir. Die verschiedenen Treppen und Bereiche des Platzes unterscheidet Uwe sehr genau. An den Treppen vor der Galerie beispielsweise sei das Publikum durchmischt und man habe auch viele „Drogenunbelastete“. An diesem Ort finde Begegnung statt, man esse und trinke gemeinsam; es sei, bis auf die Tauben, ein angenehmer Ort. Die Sitzgelegenheiten hinter der Unterführung in Richtung Rewe seien hingegen der Ort, wo man sich aufhält, wenn man wisse, dass man länger bleibe. Am Wasserspiel wiederum habe man keine „scene“. Hier komme man eher nach Feierabend her um für sich alleine zu sein, denn treffe man sich hier nicht unbedingt; es sei eher wie „Wohnzimmer, Balkon und Fernsehen […]“. 29 In der Unterführung finde man die „Leute zum Verkauf“, denn hier habe man keine Kameras. Hier sei es „unangenehm und nich‘ schön“ sagt Uwe. Es sei für ihn ein „beklemmender Ort“, „düster“ aber man sei „gezwungen sich dort aufzuhalten“: „Du stehst einfach im Durchgang und durch die Kameras sind die Leute auch dahin getrieben.[…] Die Leute stehen da immer um die Mülltonnen rum und auch als Unbeteiligter, du weißt was da abgeht. Für die machts das auch unangenehm. […] Du wirst ja auch doof angeguckt, das ist sehr unangenehm, weil’s is‘ ja eigentlich nur n‘ Durchgang und du stehst da rum. Du kommst dir vor wie im Zoo…“. Als unangenehm empfinde er auch die Ecke mit den Altkleidercontainern in Richtung Bachstraße. Dieser Ort diene für Viele als Toilette, er sei „ein Sumpfgebiet“ er „stinke“, sei „ekelhaft“, „dreckig“ und „schmutzig“ und dennoch: „Wenn man sich hier aufhält musste leider dort hin“. Eine öffentliche Toilette wäre daher „dringend notwendig“ sagt Uwe, weist jedoch auch darauf hin, dass diese auf jeden Fall „übernommen“ werde, wenn man nicht auch einen Konsumraum anbiete. Dieser wiederum „würde auch angenommen“, denn es sei „für alle angenehmer“, solange ein paar grundlegende Dinge gewährleistet seien. Der Raum dürfe beispielsweise nicht im „Blickfeld“ sein, so dass man unauffällig dorthin und wieder weg gelange. Man müsse „das Gefühl haben nicht beobachtet zu werden“. Außerdem müsse der Raum gut gelegen sein, mit Anbindung an den Stadtgarten, da es dort auch „einige Ecken [gebe] wo konsumiert [werde]“. Uwe könne sich vorstellen, dass am Wendehammer in Richtung Stadthalle ein guter Platz dafür sei. Die Innengestaltung des Raumes wäre eher simpel: „Eine Empfangshalle mit Theke, Wasser und Werkzeugvergabe“, „kleine Parzellen, gerne steril und mit Dunstabzugshauben für eventuellen Rauchkonsum“, damit alle „[…] Vorschriften eingehalten werden“. Eine Möglichkeit zum Ausstieg könne man auch anbieten. Ein Sozialarbeiter oder Psychologe könne vor Ort ,zum Beispiel durch Flyer, „unaufdringlich“ auf „Angebote zum Ausstieg“ hinweisen. Für einen partizipativen Prozess wünsche sich Uwe ein „bürgernahes Umgestalten“, das heißt ein echtes „aufeinander zugehen“, nicht „von oben herab“, sondern ein „multikulturelles Begegnen“ in einem gemeinsamen gestalterischen Prozess. Erwartungen an den Prozess formuliert er eindrucksvoll: „[…] dass es wie ein Phantasialand wird, ein Ort zum Einhalten und zur Begegnung: Ein Lebensraum wo man die Familie trifft, die man noch nicht kennt.“ 30 31 „Auf der Mitte des Platzes, zwischen Wasserspiel und Biergarten, sitzen und stehen die Menschen an zwei großen Schachfeldern mit überdimensionierten Figuren. Die Figuren können nicht weggetragen werden und gegen Pfand an einem Automaten ausgelöst werden. Rundherum stehen Tische und Bänke unter einer Überdachung. Von hier aus kann man zuschauen oder seinem gegenüber an einem Spieltisch begegnen. Auf der zuvor brachliegenden Mitte des Platzes riecht es jede Woche anders, wenn regelmäßig an den Markttagen gemeinsam gegrillt wird und Gerichte ausgetauscht werden – denn essen muss jeder, unabhängig von Herkunft und Muttersprache. Ein Trinkwasserbrunnen plätschert im Hintergrund. An einer Klamottenbörse und einem Bücherschrank treffen sich Menschen und ganze Familien verschiedenster Kulturen und tauschen Dinge aus. Gerade Kinderkleidung wird hier viel getauscht, weil die Kinder schnell aus ihren Klamotten herauswachsen. Geht man von der Bürgerbörse in Richtung Schachfelder, so läuft man über einen Tartanboden. Dieser dient als Playground für die Kinder zum Spielen und wird regelmäßig für Sportveranstaltungen, wie beispielsweise Volleyballspiele genutzt. Eine kleine Hütte nebenan dient als Hilfsstation für Behördengänge. Hier kann man sich beim Ausfüllen von Formularen und beim Vereinbaren von Terminen von Bürgern helfen lassen. Die Mitte des Platzes wird durch Streetworker betreut und auch manche alleinstehenden älteren Leute kommen hier gerne hin um Anschluss zu finden. Wenn man den Bereich betritt merkt man direkt: Hier ist es anders. Alle Menschen gestalten gemeinsam einen angenehmen kulturen- und generationsübergreifenden Lebensraum.“ 32 „DER WIENER PLATZ IST DAS HERZSTÜCK MÜLHEIMS,[…] AUCH WENN ER NERVEN KOSTET.“ Thomas ist für die AWB als Gruppenleiter des Bezirks 9 tätig. Aus seiner Jugend kenne er den Platz als „große Umsteigemöglichkeit“, um beispielsweise das E-Werk zu erreichen. „Klar war aber auch, dass man spät abends jetzt hier nicht unbedingt sein wollte, weil’s dann doch auch ein bisschen gruselig war.“ sagt er. Heute sei der Platz für ihn privat nichtmehr relevant, dafür jedoch Hauptbestandteil seiner Arbeit: Thomas ist jeden Tag vor Ort, koordiniert die Reinigungskräfte und ist Ansprechpartner für Bürger:innen und Verwaltung. Für ihn sei der Wiener Platz das „Herzstück des Bezirks“, aber es sei auch ein „sozialer Brennpunkt […] und eine ganz andere Nummer hier zu reinigen […]“ als an anderen Orten in seinem Zuständigkeitsgebiet. Es sei „ein besonders wichtiger Platz, auch wenn er Nerven [koste]“: „Er gehört einfach zu Mülheim wie der Kölner Dom zu Köln.“. Die „schöne Seite“ am Wiener Platz, sagt er, sei, dass „die Leute sich unten schön hinsetzen können bei Sonnenschein“ es sei „schön weitläufig“, man könne „ein bisschen gucken“ und habe „ein bisschen Grün“. Doch man kenne „halt auch seine Ecken, wo die Hauptprobleme [seien].“. Die Treppenanlage auf Seite der Galerie sei besonder stark genutzt, denn sie lade „zum Verweilen ein, mit jeglichem Alkoholkonsum und allem was [dazugehöre].“. Dort gebe es deutlich mehr „Dreck und Vandalismus“ als beispielsweise auf den Treppen auf der Seite des Rathauses, wo es „nicht viele negative Ereignisse“ gebe. Auch der Brunnen sei, wenn er nicht laufe, problematisch. Hier habe man ein „massives Dreckaufkommen“, weil „die Leute alles dort liegen lassen“ und Tauben gefüttert werden, was wiederum zu „Vogelkot und Problemen mit der Gesundheit“ führe. Dies sei ebenso an den „Windecken“, links und rechts oberhalb des Wasserspiels der Fall. Dort sammle sich der Dreck jedoch auch schon alleine durch die baulichen Gegebenheiten. 33 Die Glasdächer, ebenso wie die Unterführung seien auch regelmäßiges Thema bei Anrufen und Meldungen von Bürger:innen. Diese Orte seien jedoch ein Sonderfall erklärt Thomas: „Das ist schon ein leichtes Problem was wir haben, aber eher weil wir keine Zuständigkeit haben […], das ist Reinigungsgebiet der KVB.“. Hier seien ihm „die Hände gebunden“: „Die Bürger können garnicht verstehen warum wir städtische Dinge nicht reinigen.“. Durch den fehlenden Reinigungsauftrag habe man in der Unterführung auch keinen Versicherungs-schutz. Wenn Reinigungen auf der anderen Seite der Unterführung anständen würde man daher auch „einmal rumfahren um dahinter zu kommen.“. Die Platzfläche hingegen habe man „gut im Griff“ sagt er, auch wenn die tiefen Fugen im Belag für die Reinigung ein Problem darstellen. Dort wachse Gras heraus und es sei besonders „mühselig“ die Fläche sauber zu halten und dennoch: „Du weißt was hier manchmal abgeht […]“, sagt Thomas, und trotzdem sei der Platz morgens sauber. Das müsse auch so sein, denn der Bürgermeister, zu dem Thomas einen „sehr regen und guten Kontakt“ pflege, komme hier morgens rein und gehe abends hier wieder raus – dieser sehe den Platz. Während unseres Gesprächs bemängelt Thomas, dass es eigentlich „genug Papierkörbe“ auf dem Platz gebe, nur wenn diese nicht benutzt würden, dann „[sei] das halt so ‚ne Sache.“. Dementsprechend wünscht er sich, dass durch eine Umgestaltung ein Bewusststein bei den Leuten entstehe und diese sich so stark mit dem Platz identifizeren, dass es „Klick“ mache; dass sie sagen: „Ich lass das hier nicht liegen sondern ich werf’s weg, denn es ist schön hier und ich möchte, dass es so bleibt.“. Dorthin gelange man in Thomas’ Augen nur mit einer pragmatischen Zusammenarbeit, das heißt einer Zusammenarbeit die aus verschiedensten Perspektiven „ganz praktische Dinge gemeinsam erarbeitet.“. 34 35 „An den ehemals grauen Betonwänden am Eingang der Unterführung hängen Blumenkübel. Sie sind mit Pflanzen besetzt, die man nicht unbedingt Zuhause hat. Sie sind bunt und blühen und Rankenpflanzen bedecken die Wände. Die Blumenkübel werden mittels des Abflusses aus den Windecken bewässert und dienen sowohl Flora und Fauna. Einige Bienen fliegen um die bunte Bepflanzung. Auf den Treppen am Platz sitzen die Menschen und genießen die Sonne. Der Untergrund auf dem sie sitzen ist sauberer und leichter zu reinigen als noch vor einigen Jahren, denn er wurde mittels einer Nanotechnologie versiegelt. Wenn nun ein Weinglas oder eine Shisha umkippen ist es für die Reinigungskräfte ein leichtes die Treppen wieder zum Sitzen herzurichten.“ 36 IV. Diskussion der Ergebnisse Die Ergebnisse dieser ersten ethnographischen Erschließung des Raumes „Wiener Platz“ und seiner Narrative gliedern sich in eine Phase ein, die man im Rahmen einer umfangreichen ethnographischen Forschung als „Feldzugang“ benennen würde. Sie sind in diesem Sinne geeignet, sich einen ersten Eindruck der Lebenswelten am Platz zu verschaffen, um so ein Gefühl für den Ort und seine Vielzahl von Lebenswelten entwickeln zu können. Da zu vermuten war, dass die Forschung nicht über die erste Phase hinaus finanziert werden kann und gleichzeitig der Zeitraum der Forschung auf eine Dauer von ungefähr sechs Monaten beschränkt war, wurden die Methoden (II.) so gewählt, dass bereits nach dieser ersten Phase der Forschung visuelle Inhalte bereitgestellt und eine abgeschlossene schriftliche Form gefunden werden kann. Die so entstandenen Ergebnisse liegen nun, wie dargestellt (III.), vor. Aufgrund der gerade beschriebenen Rahmenbedingungen kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle für den Wiener Platz relevanten Positionen erfasst und schriftlich vertreten sind. Aus den unmittelbaren Beobachtungen vor Ort ergeben sich beispielsweise weitere mögliche Interviews mit zumindest den folgenden Gruppen: Senioren (m/w/d, alleinstehend und als Ehepaar, aus verschiedenen finanziellen Lagen, mit und ohne Migrationshintergrund); Jugendliche (m/w/d, sowohl ohne unmittelbaren Migrations-hintergrund, als auch solche erster und zweiter Generation); Familien mit Kleinkindern (mit und ohne Migrationshintergrund); Einzelhändler: und Gastronom:innen (bspw. aus der Unterführung oder der Galerie); Sozialarbeiter:innen (u.A. „Linda“ oder solche des Vision e.V.); KVB-Mitarbeiter:innen (m/w/d); Kinder (als Freizeitnutzer:innen und/oder aus den nahegelegenen Schulen). Die von mir in III. dargelegten Positionen wurden im Forschungsprozess aufgrund ihrer Repräsentationswirkung und ihrer Raumwirksamkeit ausgewählt. Es ist jedoch von großer Bedeutung die so entstandende, wenn auch implizite Differenzierung von Nutzer:innengruppen als vom Forschenden erzeugtes Kategoriensystem zu reflektieren und mögliche Differenzen innerhalb dieser vermeintlichen Nutzer:innengruppen nicht unbeachtet zu lassen. Gerade während des Forschungsprozesses wurde diese Eingeschränktheit immer wieder deutlich, weswegen an dieser Stelle noch einmal ausrücklich darauf hingewiesen sei, dass die dargelegten Narrative zu allererst als 37 Narrative von unabhängigen Einzelpersonen zu begreifen sind – alle weiteren Schlussfolgerungen oder Kategorienbildungen sind an dieser Stelle nicht wissenschaftlich legitimierbar. Obgleich ihres sehr „blitzlichtartigen“ Charakters können die dargelegten Forschungsergebnisse einen substantiellen Mehrwert für ein Planungsvorhaben generieren. Die einzelnen Darstellungen der Ergebnisse aus den Feldbegehungen ermöglichen es Dritten ein näheres Verständnis für die Menschen vor Ort und ihre persönlichen Narrative zu erlangen. Dieses Verständnis wird insbesondere auf affektiver Ebene durch die begleitenden Portraits, den ethnographischen Schreibstil und die Fotoaudiographien ermöglicht. Auf inhaltlicher Ebene wurde versucht die je eigenen Logiken der Lebenswelten der Gesprächspartner:innen am Wiener Platz anhand aussagekräftiger Zitate deutlich zu machen und deren Zukunftsvorstellungen und Bedürfnisse anhand von Zukunftsvignetten sichtbar zu machen. Darüber hinaus konnten vielversprechende Verknüpfungen zwischen Bürger:innen und Stadt hergestellt werden und eine potentielle Mitarbeit der Interviewpartner:innen bei einem Umgestaltungsprozess gefördert werden. In ihrer Gesamtheit stellen die vorliegenden Forschungsergebnisse auf diese Weise einen multiperspektivischen Blick auf einen Ort zur Verfügung, der den einzelnen Menschen ernst nimmt und dennoch den Wiener Platz als Wechselspiel verschiedener Lebenswelten greifbar macht. Die so entstehende Wahrnehmung des Platzes für die Lesenden kann dazu beitragen 1) einen Stadtplanungsprozess anzustoßen, der auf einer Sensibilität für den spezifischen und sehr heterogenen Raum „Wiener Platz“ fußt, 2) die Akzeptanz und Beteiligung der Bürger:innen bei künftig stattfindenden Umgestaltungsprozessen zu fördern, insofern an die im Rahmen dieser Forschungsarbeit dargestellten Lebenswelten angeknüpft wird. 38 Literaturverzeichnis AGIPLAN 2009: Mülheim 2020. Integriertes Handlungskonzept. 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Opladen, Berlin, Toronto. 40 Anhang Einwilligungserklärung Hiermit willige ich, ________________________________, geb. _____________________________, ein, dass die meine Person betreffenden Ergebnisse der Feldbegehungen im Rahmen der Grundlagenermittlungen zum „Aufwertungskonzept Wiener Platz“ von der Stadt Köln zu Zwecken der Ausschreibung Verwendung finden und zur weitergehenden Planung des Wiener Platzes an Dritte weitergegeben werden dürfen. Darüber hinaus erkläre ich mich einverstanden, dass Herr Fabian Laute die oben genannten Inhalte zu Präsentationszwecken vor den beteiligten städtischen Einrichtungen und zur Fortführung seiner wissenschaftlichen Arbeit verwenden darf. Ich wurde darüber aufgeklärt, dass ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen die Einwilligung mit Wirkung für die Zukunft widerrufen kann. Im Falle eines Widerrufs wird die Rechtsmäßigkeit der bis dahin auf Grundlage der Einwilligung vorgenommenen Veröffentlichungen nicht berührt. Köln, den __________________ ______________________________________ (Unterschrift d. einwilligenden Person) 41 Urheberrechtserklärung Ich versichere hiermit, dass im Rahmen der von mir geleisteten Arbeit, unter dem Titel “Ethnographische Annäherungen an den Wiener Platz”, keinerlei Urheberrechte oder Geschäftsgeheimnisse Dritter verletzt wurden. Alle dargelegten Inhalte wurden durch den Forschenden im Rahmen der Forschung generiert; Inhalte und Methoden Dritter wurden im Text als solche gekennzeichnet und sind darüber hinaus im Literaturverzeichnis einsehbar. Zu den personenbezogenen Inhalten im Rahmen der Feldforschung liegen dem Forschenden von allen Beteiligten Einwilligungserklärungen vor. Diese werden zu Zwecken der Anonymität vom Forschenden einbehalten und können im Rechtsfall vorgelegt werden. Die Bedingungen dieser Einwilligungen können im Anhang eingesehen werden. Köln, den _________________ ____________________________________________________ Fabian Laute, MSc.
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungOrte (14)
- Keupstraße
- Frankfurter Straße
- Buchheimer Straße
- Körnerstraße 77
- Wiener Platz 2a
- Ebertplatz
- Mülheimer Brücke
- Bahnhofsvorplatz
- Willy-Brandt-Platz 2
- Bachstraße
- Am Bahnhof
- Markt
- Neumarkt
- Im Feld
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Details
- Aktenzeichen
- 4021/2022
- Typ
- Beantwortung einer Anfrage (BV)
- Datum
- 26.01.2023
- Erstellt
- 23.11.2022 11:38