1558/2023
Schenkung einer Skulpturengruppe Hl. Anna Selbdritt, Köln um 1500, aus rheinischem Privatbesitz an das Museum Schnütgen
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Beschlussvorlage Rat
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Dezernat, Dienststelle VII/4516 Vorlagen-Nummer 1558/2023 Freigabedatum 15.05.2023 Beschlussvorlage zur Behandlung in öffentlicher Sitzung Betreff Schenkung einer Skulpturengruppe Hl. Anna Selbdritt, Köln um 1500, aus rheinischem Privatbesitz an das Museum Schnütgen Beschlussorgan Rat Gremium Datum Beschluss: Der Rat nimmt die Schenkung der Skulpturengruppe Hl. Anna Selbdritt, Köln um 1500, aus rheinischem Privatbesitz an das Museum Schnütgen mit Dank an. Ausschuss Kunst und Kultur 06.06.2023 Rat 15.06.2023 2 Haushaltsmäßige Auswirkungen Nein Auswirkungen auf den Klimaschutz Nein Ja, positiv (Erläuterung siehe Begründung) Ja, negativ (Erläuterung siehe Begründung) Begründung: Einer der Sammlungsschwerpunkte des Museum Schnütgen ist die Kunst des Mittelal- ters in Köln und im Rheinland, darunter besonders die Skulptur. Dazu zählen natürlich auch Werke der an der Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert führenden Bildhauer in Köln, Tilman Heysacker, gen. Krayndunck und des Meisters der Gedächtnisstiftung der Familie Viktor von Carben im Kölner Dom, dessen namen- gebendes Werk im Zentrum ebenfalls eine Hl. Anna Selbdritt, in diesem Fall aus Sandstein ist. Aus einem dieser beiden in Köln um 1500 führenden Bildhauerateliers dürfte die nun dem Museum Schnütgen als Schenkung angebotene, überaus qualität- volle Figurengruppe der Hl. Anna Selbdritt stammen. Dargestellt ist das damals außerordentlich beliebte Motiv der Hl. Anna, der Mutter der Gottesmutter Maria, zusammen mit Maria und dem Christkind. Besonders in der Skulptur war dieses in den Nuancen der Interpretation vielfach variierte Dreigeneratio- nenbild entweder als eine Art Synthese des in Tafelmalerei verbreiteten noch figuren- reicheren Bildes der „Heiligen Sippe“, der Familie Jesu, oder als um die Einbeziehung ihrer Mutter ergänzten Bildes der thronenden Muttergottes mit Kind außerordentlich beliebt. Die hl. Anna galt als Schutzpatronin der Familie. Ein Aspekt in der Beliebtheit des Themas ist auch die Idee, dass nicht nur die Geburt Jesu durch die Jungfrau Ma- ria, sondern auch schon die Geburt Mariens durch Anna von der Erbsünde „unbe- fleckt“ war. Die Annengruppen sind deshalb auch eine Form, die Verehrung der von der Erbsünde freien „Maria Immaculata“ zur Darstellung zu bringen. Das Museum Schnütgen besitzt bereits über 30 plastische Darstellungen der Hl. Anna Selbdritt, un- ter denen die hier als Geschenk angebotene Gruppe keineswegs die Wiederholung eines in der Sammlung bereits vorhandenen Typs verkörpert, sondern einen neuen Höhepunkt. Es bereichert die Sammlung des Museums sowohl im Blick auf die ikono- graphische Thematik der Annenguppen als auch im Blick auf den stilistischen Samm- lungsschwerpunkt Kölner Skulptur um 1500, insbesondere aus den Werkstätten von Meister Tilman und des Von-Carben-Meisters. Zu den Besonderheiten dieser Gruppe zählt es, dass die Figur der Maria mit dem auf ihrem Schoß sitzenden Christkind nahezu wie eine eigenständige thronende Madonna angelegt ist, während ihre Mutter Anna mit dem aufgeschlagenen Buch, das der Un- terweisung Mariens wie der des Christkindes oder auch als Dokument der heiligen Legenden dienen kann, ebenfalls für sich stehen kann. Die beiden ursprünglich auf der Rückseite mit einer Zapfenverbindung verbundenen Figuren standen in der Kapel- le von Burg Bodenheim um 1900 offenbar voneinander getrennt und wurden so be- schrieben. Noch zu untersuchen ist die Bedeutung des von der hl. Anna in der rechten Hand gehaltenen Gegenstandes. Stilistisch vergleichbare Skulpturen in der Muse- umssammlung gibt es viele, darunter die Figur einer hl. Jungfrau Inv. A 829. Die 3 Skulpturengruppe kann in jedem Fall als eine ganz besondere Bereicherung der be- reits bedeutenden Museumssammlung angesehen werden. Die alte Farbfassung wurde unter späteren Übermalungen wohl in den 1960er oder 1970er Jahren von der Restauratorin Grete Brabender freigelegt und im Stil der Zeit etwas retuschiert. Die Provenienz des Stückes ist vorzüglich und insbesondere der Zeitraum 1933-45 unproblematisch, zumal es bereits 1900 in der Hauskapelle von Burg Bodenheim do- kumentiert ist und sich seitdem ununterbrochen im Besitz der Eigentümerfamilie der Burg befindet (Clemen, Paul / Renard, Edmund: Die Kunstdenkmäler des Kreises Euskirchen; Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, hg. von Paul Clemen, Bd. 4.4, Düsseldorf 1900, S. 572). Der Verkehrswert ist mit 150.000-160.000 Euro anzusetzen. Dazu liegt dem Museum Schnütgen ein Wertgutachten von Prof. Henrik R. Hanstein, Kunsthaus Lempertz, vor. Das entspricht übrigens dem Versicherungswert, wie er 2003 von der früheren Direk- torin des Museums, Frau Prof. Dr. Westermann-Angerhausen, angesetzt wurde, die diese Skulptur im Rahmen einer Sonderausstellung als besondere Leihgabe vorge- stellt und publiziert hatte (Westermann-Angerhausen, Hiltrud: Gegenwart Mittelalter, in: 2003 n. Chr. Neueröffnung des Museum Schnütgen mit der Sonderausstellung Gegenwart Mittelalter (Vernissage - Die Zeitschrift zur Ausstellung Nr. 2/03 11. Jahr- gang, Heidelberg 2003, S. 31)). Anlage: Abbildung der Skulpturengruppe
Anlage 1 Schenkung Annaselbdritt
154 Zeichen
Hl. Anna Selbdritt Eichenholz, farbig gefasst, 68 x 51, x 21,5 cm Köln, um 1500 Dem Museum Schnütgen als Schenkung aus rheinischem Privatbesitz angeboten
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: ungeändert beschlossen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1558/2023
- Typ
- Beschlussvorlage Rat bzw. Hauptausschuss
- Datum
- 15.05.2023
- Erstellt
- 04.05.2023 18:06