0457/2023
Geothermie
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Anlage Karte_Massenkalk_Paffrather Mulde
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Massenkalk Devon (Top) Linie gleicher Tiefenlage Tektonik (Abschiebungen) Stadtgrenze Köln Verbreitung Paffrather Mulde
Beantwortung einer mündl. Anfrage Ausschuss
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Dezernat, Dienststelle VIII/57 Vorlagen-Nummer 16.02.2023 0457/2023 Beantwortung einer mündlichen Anfrage aus einer früheren Sitzung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Klima, Umwelt und Grün 09.03.2023 Geothermie Mündliche Anfrage der CDU-Fraktion - Frau Aangenvoort - betr.:"Geothermiebohrungen für Privathaushalte" Frau Aengenvoort fragt, ob es richtig sei, dass Bohrungen für Geothermie zur- zeit für Privathaushalte in Köln bis zu einer Tiefe von 20-35 Meter genehmigt werden und nicht darüberhinaus? Antwort der Verwaltung: Bei der Geothermie zur Nutzung von Wärme aus dem Untergrund wird zwischen ober- flächennahen Geothermienutzungen und Tiefengeothermie unterschieden. Die ober- flächennahe Geothermie bezieht Wärme aus den oberen Grundwasserleitern und Bo- denschichten bis in ca. 100 Meter Tiefe. Die Nutzung des Tiefenbereiches von 400 m bis etwa 2000 m wird als tiefe oder auch mitteltiefe Geothermie bezeichnet. Als oberflächennahe Geothermie kommen auf dem Kölner Stadtgebiet im Wesentli- chen Erdsondenanlagen und Wasser-Wasser-Wärmepumpenanlagen zum Einsatz. Diese Anlagentypen nutzen das Grundwasser mittelbar über eine Wärmeträgerflüs- sigkeit in einem geschlossenen Leitungssystem bzw. unmittelbar über Brunnen (Saug- und Schluckbrunnen) als Wärmequelle. Andere Verfahren wie z. B. Erdkollektoren mit hohem Platzbedarf, spielen keine nennenswerte Rolle. Die Wasser-Wasser-Anlagen nutzen dabei das Grundwasser des oberen, sehr ergie- bigen Grundwasserleiters. Auch Erdsondenanlagen können besonders aus dem stark wasserführenden obersten Grundwasserleiter sehr effektiv Wärme entziehen. Für Erdsondenanlagen gilt auf dem Kölner Stadtgebiet eine grundsätzliche Bohrtiefenbegrenzung von meist 20 – 35 Me- tern, bis zur Basis des ersten Grundwasserleiters. Diese Bohrtiefenbegrenzung dient zum vorsorglichen Schutz der hydrologischen Trennung zwischen dem ersten und tieferen Grundwasserstockwerken. Insbesondere in Bereichen mit hoher Siedlungs- dichte und vielen Erdsondenanlagen ist diese Vorsorgemaßnahmen auch zum Schutz des Kölner Trinkwassers erforderlich. In Einzelfällen - unter besonderen Auflagen und höherem Aufwand und Kosten - können auch größere Tiefen erbohrt werden. Für kleinere, private Anlagen ist dieser zusätzliche Aufwand nicht üblich, auch weil die Ergiebigkeit im oberen Grundwasserleiter für den Wärmebedarf in den meisten Fällen ausreicht, bzw. Wasser-Wasser-Anlagen eine Alternative bei höherem Energiebedarf darstellen können. 2 Aktuell gibt es auf dem Kölner Stadtgebiet rund 1400 Geothermieanlagen (ca. 900 Sonden- und 500 Wasser-Wasser-Anlagen), die zumeist bei Neubauvorhaben und in Neubaugebieten, und nur selten für Bestandsbauten, errichtet wurden. Die Möglichkeiten durch die oberflächennahe Geothermie zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung beizutragen, sind noch nicht ausgeschöpft. Die Umweltverwaltung entwickelt zurzeit im Rahmen der Umsetzung des Beschlusses Mediation Klimawende eine Übersicht über das Standortpotential für zukünftige oberflächennahe Geother- mieanlagen auf dem Kölner Stadtgebiet. Das Ergebnis soll, über die innerbehördliche Verwendung hinaus, als Planungshilfe für Interessent*innen verfügbar gemacht wer- den. Im Mediationsverfahren der Rheinenergie mit Klimawende ist vereinbart worden, dass geprüft wird, ob tiefere Bohrungen in Zukunft genehmigt werden. Wie ist der Sachstand zu dieser Prüfung? Antwort der Verwaltung: Tiefengeothermie-Potentiale bieten Chancen zur Dekarbonisierung der Wärmeversor- gung. Ob auch für Köln tatsächlich Chancen auf eine Nutzung der geothermischen Energie bestehen, ist einerseits von den lokal sehr unterschiedlichen geologischen Rahmenbedingungen und andererseits von der obertägigen Abnehmer - bzw. Wär- meinfrastruktur abhängig. Im Rahmen des Projektes „Geothermale Charakterisierung der Teilräume Rheinland und Nordrand Rheinisches Schiefergebirge“ des Geologischen Dienstes wurden bis Ende des Jahres 2022 die Daten über die räumliche Ausbreitung des devonischen Massenkalkes erarbeitet. Die Daten sind auf dem Geothermieportal seit dem 30.01.2023 öffentlich zugänglich (https://www.gd.nrw.de/ew_gp.htm). Hiermit stehen erste wichtige Informationen über das Reservoirgestein und den Zielhorizont für ge- othermale Nutzungen bereits zur Verfügung. Die Ergebnisse und Auswertungen des geologischen Dienstes zeigen, dass im Stadtzentrum und im Osten von Köln, im Be- reich der sogenannten Paffrather Mulde (Anlage), Massenkalkvorkommen in einer Mächtigkeit von 200-300m – am Rand der Mulde abnehmend – zu erwarten sind. Für den Massenkalk sind Hohlraumbildung durch Verkarstung und Dolomitisierung ty- pisch, die den Wärmetransport über das Grundwasser begünstigen. Dasselbe gilt für Störungen und Verwerfungen, die für den Kölner Raum ebenfalls auf dem Geother- mieportal abgebildet sind. Die Kalkbasis liegt – in Anhängigkeit von der Lage im Stadtgebiet - voraussichtlich bei 300 bis 800 Meter unter Gelände. Dem Temperatur- gradienten (+ 3°C je 100 Meter) entsprechend sind in dieser Tiefenlage Grundwasser- temperaturen von ca. 20 bis maximal 30 Grad zu erwarten. Die verfügbare Grundwas- sermenge kann mit den vorliegenden Daten nicht sicher vorhergesagt werden. Die Nutzung des Tiefenbereiches von 400 m bis etwa 2000 m wird als tiefe oder auch mitteltiefe Geothermie bezeichnet. Aufgrund der nun vorliegenden ersten Erkenntnis- se über den Untergrund kommen hydrothermale Nutzungssysteme in Betracht. Hier wird das Thermalwasser des Untergrundes über eine oder mehrere Produktionsboh- rungen aus dem Reservoir gefördert und, nachdem ein Teil der darin gespeicherten Wärmeenergie entzogen wurde, über mindestens eine weitere Bohrung in das Reser- voir zurückgeführt. Im Falle einer Produktions - und einer Injektionsbohrung spricht man von einer Dublette. 3 Eine Hebung des vorhandenen tiefengeothermischen Potentials bedarf aufgrund der sehr hohen Investitionskosten intensiver Recherche und Erkundungen, um die Wirt- schaftlichkeit und die wirkungsvolle Einbindung in die Wärmeinfrastruktur zu prüfen. Bevor also über ein konkretes geothermisches Projekt eine Entscheidung getroffen werden kann, sind die wirtschaftliche und technische Machbarkeit und die rechtliche Verfügbarkeit zu ermitteln. Im nächsten Schritt wird daher von der Rheinenergie eine Machbarkeitsstudie beauf- tragt. Im Ergebnis steht die Analyse des geothermischen Potentials, die Abschätzung der möglichen thermischen Leistung aus Tiefengeothermie im Bereich der Paffrather Mulde, eine Wirtschaftlichkeitsanalyse sowie ein konkreter Vorschlag für das weitere Vorgehen, sofern Erfolgsaussichten für Heizkraftwerksstandorte oder städtische Ent- wicklungsstandorte identifiziert werden können. Mit ersten Ergebnissen zum techni- schen Potential ist nach Einschätzung der Verwaltung bis Ende 2023 zu rechnen. Die weiteren Arbeiten für den Abschluss der Machbarkeitsstudie werden voraussichtlich bis Mitte 2024 erfolgen. Eine finale Aussage dazu kann jedoch erst nach Vorlage der Angebote erfolgen. Des Weiteren soll die Förderfähigkeit geplanter Geothermieprojekte geprüft und im Bedarfsfall die Projektförderung beantragt werden. Gez. Wolfgramm
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 0457/2023
- Typ
- Beantwortung e. mündl. Anfrage (Auss.)
- Datum
- 16.02.2023
- Erstellt
- 01.02.2023 10:02