AN/1138/2021
Superblöcke für Köln - für Aufenthaltsqualität und die Verkehrswende im Veedel
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Gem. Antrag nach § 3 (Grüne BV1)
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Fraktion B90/Grüne Fraktion Die Linke KlimaFreunde DIE PARTEI Herrn Bezirksbürgermeister Andreas Hupke Herrn Bürgeramtsleiter Dr. Ulrich Höver Frau Oberbürgermeisterin Henriette Reker Eingang beim Bezirksbürgermeister: AN/1138/2021 Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates Gremium Datum der Sitzung Bezirksvertretung 1 (Innenstadt) 10.06.2021 Superblöcke für Köln - für Aufenthaltsqualität und die Verkehrswende im Veedel Beschlussvorlage Die Verwaltung wird gebeten, vorbereitende Maßnahmen zur Umsetzung von "Superblocks" nach dem Vorbild von Barcelona zu treffen und den Prozess zur Auswahl von geeigneten Gebieten zu starten. Die "Superblocks" sind dabei gekennzeichnet durch eine Unterbindung von Durchgangsver- kehren des MIV, sonstige Maßnahme der Verkehrsberuhigung (Tempo 20 / Tempo 30, Fahr- bahnverschwenkungen), eine Umwidmung von Parkflächen für mehr Aufenthaltsqualität sowie eine Umgestaltung ggf. auch mit künstlerisch-temporären Mitteln. Zur Vorbereitung gehören insbesondere die folgenden Maßnahmen: a) Eine Zusammenstellung der Gestaltungsprinzipien für "Superblöcke" sowie ein Kon- zept zur Umsetzung in Köln, insbesondere im Bereich der Kölner Innenstadt. b) Die Beantragung von Fördermitteln, insb. von Bundes- und Landesebene, zur Vorbe- reitung, Planungen, Umsetzung und Evaluierung von Superblöcken. - 2 - c) Vorbereitende Gespräche mit potentiellen Dienstleistern zur gestalterisch- künstlerischen Umsetzung von Markierungen und Möblierungen (u.a. CityLeaks, stadtkontraste) und die Erarbeitung zur Richtlinien im Umgang mit den Auflagen des des Gestaltungshandbuchs. Hierbei können die am Eigelstein / an der Deutzer Frei- heit entwickelten und umgesetzten Module weiterentwickelt werden. Zum Prozess zur Auswahl des Gebietes sollen die folgenden Schritte umgesetzt werden: a) Die Festlegung von Kriterien zu Auswahl eines Gebiets im Bereich der Innenstadt (be- stehende Mobilitäts-/Nachbarschaftsinitiativen, verkehrliche Machbarkeit, aktueller Modalsplit / Fahrzeugbestand, umliegende Parkhäuser). b) Die Erstellung von verkehrlichen Skizzen für verschiedene Gebiete zur effektiven Un- terbindung von Durchgangsverkehren, u.a. durch Diagonal- oder Quersperren, der Wegnahme von Fahrtrichtungen durch Einbahnstraßenregelungen sowie sonstiger Optionen der Verkehrsberuhigung. Sowohl die allgemein vorbereitenden Maßnahmen als auch die zur Auswahl von Gebieten sollen im Rahmen von ggf. mehreren Fachworkshops den Vertreter*innen der Politik sowie Expert*innen aus den für Superblocks relevanten Bereichen vorgestellt werden. Begründung: Die zukunftsgerechte Entwicklung der Innenstadt birgt eine Reihe von besonderen Heraus- forderungen. Die dichte Bebauung führt hier bereits heute zu einer deutlichen Überhitzung, die die Lebensqualität insbesondere von sehr jungen, alten und kranken Kölner*innen belas- tet. Die derzeitige Flächenaufteilung des knappen öffentlichen Raumes zu Gunsten des mo- torisierten Individualverkehrs erlaubt keine wesentliche Verbesserung der Situation. Unfälle, Luftschadstoffe und Lärm in Folge des MIV sind weitere entscheidende Faktoren, die die Gesundheit der Anwohner*innen negativ beeinflussen. Gleichzeitig bietet der in der Innenstadt gut ausgebaute öffentliche Nahverkehr große Chan- cen für eine Transformation der Mobilität. Entscheidende Voraussetzungen für eine gelun- gene Verkehrswende fehlen aber noch: gute und einladende Infrastruktur für Fußgän- ger*innen und Radfahrer*innen. Die Entwicklung innenstädtischer Viertel zum Superblock adressiert die genannten Defizite und nutzt die Chancen des Ist-Zustandes. Einschränkungen und Anreize, sogenannte Push- and-Pull-Faktoren, werden zu einer wirkungsvollen Kombination vereint: Modalfilter erlau- ben nur Fußgänger*innen und Fahrradfahrer*innen die Querung, während der motorisierte - 3 - Individualverkehr (MIV) auf dem Hauptstraßennetz verbleibt und die Quartiere nur im Ziel- und Quellverkehr, nicht mehr im Durchgangsverkehr nutzt. Mit dem Wohnumfeld verträgliche Geschwindigkeitsbegrenzungen (in Barcelona 10km/h) und konsequente Umwidmung der Autoparkplätze sind weitere wesentliche Gestaltungs- merkmale. Mit diesen gelingt es der aktiven Mobilität (Gehen, Radfahren) mehr Raum und ein damit einhergehendes Sicherheitsgefühl einzuräumen, während Durchgangsverkehr, Parksuchverkehr und Abkürzungen durch Wohnviertel unattraktiv werden. Trotzdem bleiben alle Ziele für den MIV erreichbar, Parkangebote insbesondere für Anwohner*innen können in Quartiersgaragen verlegt werden. Die Erfahrungen aus Barcelona zeigen eine eindrucksvolle Erhöhung des Wegeanteils, der mit den Verkehrsmitteln des Umweltverbundes zurückgelegt wird – ein zentrales Ziel der Verkehrswende zur Einhaltung des Pariser Klimaschutz-Abkommens. Der häufigen Befürch- tung von Vertreter*innen des Einzelhandels, dass eine Verkehrsberuhigung zu Umsatzeinbu- ßen führe, stehen Erkenntnisse aus Madrid entgegen: Nach einer Umgestaltung der dortigen Innenstadt zur autofreien Zone kam es zu einer Umsatzsteigerung von 9,5%. Die genannten Maßnahmen ermöglichen überdies eine bessere Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Frei werdende Flächen sollen zunächst auf mögliche Standorte für Bäume untersucht werden, um jedes Potential zur Kühlung zu nutzen. Jede Entsiegelung und an- derweitige Begrünung wirkt sich sowohl auf die Versickerung bei Starkregenereignissen als auch die psychische Gesundheit der Kölner*innen positiv aus. Übrige Flächen stiften durch vielfältige Nutzungsmöglichkeiten Gemeinsinn, hier kann Krea- tivität gelebt werden. Beispiele sind Bänke, Tische, Hochbette für gemeinschaftliches Gärt- nern, (Trink-)Brunnen, Spiel- und Sportangebote, (Lasten-)Radparken. Der so nach den Be- dürfnissen der Menschen umgestaltete öffentliche Raum ist nicht mehr bloßer Parkplatz, sondern lädt zur gesundheitsförderlichen Nutzung und Begegnung ein. Die Superblocks gehen auch auf Veränderungen im Freizeitverhalten, gerade in Corona- Zeiten, und fördert der (Rück-)Verlagerung des Lebens nach draußen in den öffentlichen Raum, eine wohnortnahe Freizeitgestaltung, sowie den Aufenthalt nach unkommerziellen Aufenthaltsorten. Er schließt an die positiven Erfahrungen im Projekt „Sitzen statt Parken“ an, die von Anwohnenden intensiv angenommen und quer durch verschiedene Bevölke- rungsgruppen gut akzeptiert wurden. Die Umsetzung der Superblocks in Barcelona zeichnet auch aus, dass hier statt langwierigen Umbauten mit den entsprechenden Planungsprozessen verkehrslenkende und freiraumge- staltende Maßnahmen mit einfachen, auch temporären Mitteln umgesetzt wurden. Hierbei ergeben sich besondere Chancen für eine bürgernahe, lernende Quartiers- und Freiraumge- staltung. - 4 - Mit freundlichen Grüßen, Antje Kosubek Michael Scheffer B90 / Die Grünen Die Linke Lea Horch Sabine Kader KlimaFreunde Die PARTEI
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: geändert beschlossen
Zur SitzungOrte (1)
- Eigelstein
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Details
- Aktenzeichen
- AN/1138/2021
- Typ
- Gem. Antrag nach § 3 BV1 (Grüne)
- Datum
- 27.05.2021
- Erstellt
- 26.05.2021 15:24