1932/2017
Darstellung der Sparten
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Anlage1 Szenebericht Literatur 2017
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Szenebericht Literatur 2017 Anlage 1 Vorbemerkung: Dieser Szenebericht ist das Ergebnis eines Austauschs unter Kölner Autor*innen und mit dem Literaturhaus Köln. Bei einem ersten Termin im Literaturhaus und in einem anschließenden, vielstimmigen E-Maildialog wurde sowohl ein Fragebogen entwickelt (und an mehr als 100 Kölner Autor*innen geschickt) als auch ein Katalog mit Anregungen und Wünschen zur Literaturförderung in Köln formuliert. Nicht zuletzt angeregt durch den Austausch im Rahmen des Runden Tisches Literatur wurde die Literaturszene animiert, weitere Überlegungen zur eigenen Fortentwicklung anzustellen. Diese sollten nach Möglichkeit in die Fortführung der Gespräche zur Umsetzung des Kulturentwicklungsplans eingebracht werden. Zur besseren Durchsetzung ihrer Interessen, erwägt die Literaturszene, eine Interessenvertretung einzurichten. Zur Fortentwicklung der Literatur in Köln und zur Verbesserung der Situation der Schreibenden sind zahlreiche produktive Ideen entstanden, die die Literaturszene dazu motivieren, bestehende Möglichkeiten der Literaturförderung verstärkt zu beanspruchen. Zusetzungen in diesem Bereich sind unbedingt wünschenswert. Zustandsbeschreibung: Im Jahr 1969 hat sich Heinrich Böll vorgestellt, was eigentlich geschähe, wenn alle Autoren in Deutschland streikten: jeder Drehbuchschreiber, jede Sachbuchautorin, jeder Lyriker, jede Romandichterin, jeder Dramatiker, jede Kinderbuchautorin, jeder Hörspielschreiber, jede Essayistin, einfach alle. Plötzlich hätten die Verlage nichts mehr zu tun, die Fernsehsender könnten keine Filme mehr drehen, schnell fehlte es den Buchhändlern an neuen Büchern, die Kritiker hätten nichts mehr zu kritisieren. Der ganze Literaturbetrieb wäre lahmgelegt, die Verwertungskette der umsatzstärksten Kulturbranche des Landes unterbrochen, ein Grundnahrungsmittel unserer Kultur vergriffen. In seiner Rede vor dem Schriftstellerkongress, später auch gedruckt, forderte Böll deshalb das „Ende der Bescheidenheit“. Sehr deutlich formulierte er die Probleme: „Hin und wieder mögen wir ganz kluge Leute sein, als Vertreter unserer Interessen in einer Gesellschaft, die von Interessenvertretern dirigiert wird, sind wir wie Schwachsinnige ... Ich fürchte, wir sind sehr feine Idioten.“ Böll hatte Recht. Aktuelle Zahlen aus der Umsatzstatistik 2016 und eine Umfrage des Literaturhauses unter Kölner Schriftsteller*innen verdeutlichen, dass es ausgerechnet die Schreibenden selbst sind, die am unteren Ende der Einkommenspyramide einer Branche stehen, die es ohne sie gar nicht gäbe. Etwa die Hälfte aller Selbstständigen, die auf dem Kölner Buchmarkt tätig sind, haben 2016 weniger als 17.500€ im Jahr verdient. Die Verwerter (gewerbliche Unternehmen wie Buchhändler und Verlage) setzten im Schnitt 90.800€ um. Und nicht nur die Umsatzzahlen sprechen diese Sprache. Je nach Buchvertrag erhalten Autor*innen nicht einmal zehn Prozent am erzielten Nettoladenpreis eines Buches. Kostet ein Buch beispielsweise 20,00 € erhält der Autor also nur 1,87€ pro verkauftem Exemplar oder weniger. Um mit Buchverkaufstantiemen den jährlichen Bruttodurchschnittslohn in Höhe von 41.000 € zu erwirtschaften, müssten also in einem Jahr 21.925 Bücher verkauft werden. Die durchschnittliche Auflage eines Romans, der in Deutschland erscheint, beträgt aber nur etwa 4.000 Stück. Buchautor*innen sind also zwingend auf Nebeneinkünfte aus Lesungen, Lizenzvergaben, Auftragswerken und Lehrtätigkeiten sowie auf Preise und Stipendien angewiesen. Mit der Veröffentlichung eines Buches lässt sich kaum Geld verdienen, aber sie ist Anlass, um überhaupt Geld verdienen zu können. Eine gut ausgestattete und organisierte literarische Infra- und Förderstruktur trägt entschieden zur Funktionalität dieser Mischkalkulation von Autor*innen bei. Dies ist die eingeschränkte finanzielle Ausgangssituation, in der Autor*innen in Köln sich vielfach wiederfinden. Zugleich erlebt der Großteil der Schreibenden die Literaturszene im Aufwind (siehe Szenebericht von 2016): Neue Veranstaltungsinitiativen und die Entwicklungen an Universität und KHM werden positiv beurteilt. Nun gilt es, diese positive Stimmung aufzugreifen, und mit klugen und wirkungsvollen Maßnahmen Produktion, Vernetzung und Diskurs von und zwischen Schreibenden zu fördern, um professionell arbeitenden Autor*innen in Köln eine Situation zu schaffen, aus der heraus sie der Selbstausbeutung entkommen können. Die Stadt Köln würde davon als Ganzes profitieren. Literatur ist kein weicher Standortfaktor, der nur fürs Stadtmarketing taugt, im Gegenteil, eine ganze Stadt kann sich darüber definieren. Anregungen/Ideen & Wünsche: „Das Ende der Bescheidenheit“ Gleichstellung mit anderen Kunstsparten Im Kulturentwicklungsplan 2009 ist die Literatur als „weiteres Handlungsfeld“ benannt – eine Aufwertung zum „profilbildenden Handlungsfeld“ ist gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt wünschenswert, da z.B. an der Universität und der KHM begonnen wird, Schreiben zu lehren. Diese sehr positive Entwicklung sollte gestärkt werden: Nach dem Motto: „Stärken stärken!“ und weil eine Gleichstellung mit anderen Kunstsparten auch im „wording“ geboten ist. Arbeitsstipendien für Kölner Autor*innen und Übersetzer*innen Stipendien erleichtern die langfristige und konzentrierte Arbeit an einem literarischen Projekt. In Köln leben nach Berlin die meisten Schreibenden in Deutschland, die Stadt sollte sie bei ihrer Arbeit unmittelbar unterstützen. Stipendiendauer und -höhe sowie Ausschreibungs- und Vergabemodalitäten sollten in ihrer Ausgestaltung an die unterschiedlichen Projekte und Lebensumstände von Autor*innen angepasst sein. Ein möglicher Orientierungspunkt ist die stufenartige Stipendienstruktur des Bundeskanzleramts der Republik Österreich. Um diese Punkte gewährleisten zu können, sollte das Stipendienprogramm in enger Zusammenarbeit mit den Kölner Schreibenden entwickelt werden. Die Ausschreibung eines Schreibraums wird von Kölner Autor*innen sehr begrüßt. Angesichts des Umstandes, dass angemessene Räume (d.h. Räume, die zehn Schreibenden zugleich den gemeinsamen Schreibaufenthalt sowie Präsentationen und soziales Netzwerken ermöglichen) auf dem Kölner Immobilienmarkt beträchtliche Mieten aufweisen, haben die Autor*innen Sorge, dass der ausgeschriebene Betrag auch bei Selbstbeteiligung nicht ausreicht. Erweisen die Schreibräume sich als erfolgreiches Projekt, sollte dringend über eine Erhöhung der Förderung nach dem Hamburger Beispiel des Writers’ Room entschieden werden. Förderung von Netzwerkstrukturen Persönliche Netzwerke sind Kapital für Schreibende. Sie zu knüpfen erfordert persönliche Begegnungen und professionellen Austausch, dafür sind Anlässe zu schaffen, wie zum Beispiel der Saisonauftakt für die Literaturszene, der vom Literaturhaus und Kulturamt initiiert wurde (siehe auch „Austausch, Wissenstransfer, Fortbildung“ sowie „Kölner Literaturnacht“). Literaturveranstalter stärken Die Kölner Literaturveranstalter*innen arbeiten häufig genauso selbstausbeuterisch wie die Autor*innen, die sie einladen. Gleichzeitig gibt es kaum Orientierungshilfe, kaum Vergleichsmöglichkeiten und erst recht keine verbindlichen Regelungen zur Honorarstruktur von Autor*innen und freien Projektmitarbeiter*innen, im Gegensatz zu sonstigen Angestelltenverhältnissen (vgl. Mindestlohn, Tarifverträge). Deshalb ist es wünschenswert eine Honorarordnung für städtisch geförderte Literaturprojekte zu entwickeln und darin Honoraruntergrenzen für alle Mitwirkenden festzuschreiben. Grundsätzlich wird ein Auftrittshonorar von wenigstens 300 € (zzgl. MwSt) empfohlen. Außerdem ist die Etablierung einer Vier-Jahres-Förderung für Literaturprojekte sinnvoll. Sie ermöglicht eine kontinuierliche und professionelle Vermittlungsarbeit aus der freien Literaturszene. Nicht zuletzt, weil Autor*innen häufig auch Veranstalter*innen sind. Austausch, Wissenstransfer und Fortbildung Kölner Autor*innen wünschen sich professionell organisierten Austausch und Fortbildungsangebote auf diesen Feldern: o Werkstattgespräche zum Austausch über die eigene Arbeit, auch im Bereich Kinderbuch. Wünschenswert wären Fördermaßnahmen die keinen unmittelbar sichtbaren Nutzen für die Öffentlichkeit haben, jedoch nach innen stärkend wirken.. o Diskurs/Symposien unter Einbeziehung aller Branchenkräfte o Interdisziplinärer Austausch zu gesellschaftlichen Themen o Marketingmaßnahmen für Veranstalter Transparenz der Angebote Im Prozess der Klärung über Maßnahmen und Know-How-Transfer, die die Situation von Autor*innen in Köln verbessern würden, stellte sich heraus, dass die Verwaltung bereits vielfältige Unterstützung anbietet. Die meisten Schreibenden wissen von diesen Möglichkeiten allerdings nichts. Eine erweiterte Kommunikation der Angebote ist wünschenswert. o Antragsstellung, Verwendungsnachweise o Pressearbeit o Vermittlung von potentiellen Förderern/Projektbörsen Weiterer Ausbau des Literaturkalenders/Digitalpräsenz der Literaturszene Für die Sichtbarkeit der Literaturszene ist die Stärkung und Entwicklung eines eigenen Kommunikationskanals, der über eine reine Kalenderfunktion hinausgeht, ein wichtiger Aufmerksamkeitsfaktor. Mittel zur Modifikation aus dem Jahr 2016 wurden nutzbringend eingesetzt. Der Literaturkalender kann allerdings in der monatlichen Betreuung nicht auf die Dauer vom Literaturhaus finanziert werden. Die Wahrnehmung der Literaturszene in der Öffentlichkeit zu stärken, ist eine wichtige Unterstützung. Angebot einer „Kölner Literaturnacht“ entwickeln und fördern Eine öffentliche Bestandsaufnahme des literarischen Lebens der Stadt richtet über das einzelne Erlebnis hinaus ein Schlaglicht auf die regelmäßigen Initiativen und Institutionen und bietet einen Anlass für nachhaltige Vernetzung. Honorarförderung nach Vorbild der „Werkproben“ (Kultursekretariats NRW in Wuppertal) Mit dieser Form der Honorarförderung hätten öffentliche Literaturveranstalter*innen und Schulen dank Sonderkonditionen die Möglichkeit, Kölner Autor*innen zu Lesungen und Schreibworkshops vergünstigt einzuladen. Die „Werkproben“ bezuschussen Autorenhonorare mit 300,00 €, bei 150,00 € Veranstalteranteil. So wird Autor*innen ein angemessenes Honorar garantiert. Gleichzeitig erhalten die Schreibenden durch die Auswahl und die Veröffentlichung in einem solchen Programm mehr Aufmerksamkeit für ihre Arbeit und Veranstalter*innen und Lehrer*innen eine wirksame Orientierungshilfe bei der Suche nach geeigneten Autor*innen. Geförderter Ankauf von Büchern Etablierung eines „Kölner Fördermodells“ in Anlehnung an die staatliche Literatur-Förderung in Norwegen oder Dänemark: Abnahmegarantie von Neuerscheinungen von Kölner Autor*innen und Bestückung der Kölner Bibliotheken (inkl. Schulbibliotheken). Das Modell sichert Köln eine Vorreiterrolle in Sachen Lese- und Literaturförderung, fördert Autoren sowie Schulen und Bibliotheken gleichermaßen und sorgt vielleicht für Zuzug von Verlagen und Autoren. Stärkung der Schnittstellen zwischen Literatur und Schule Lehrer*innen sind selten Szenekenner und der Aufbau von Kommunikationskanälen zur Umsetzung von Lesungen und Workshopprojekten an Schulen übersteigt den Aufgabenbereich von Autor*innen. Eine agenturgleiche Vermittlungsstelle würde neue Impulse für die Schreib- und Leseförderung an Schulen gewährleisten. Internationales Literaturfestival mit Kölns 24 Partnerstädten Internationalisierung und Stärkung des Literaturstandorts Köln sind das Ziel. Einrichtung einer Bibliothek arabischer Literatur Geflüchtete Autor*innen wünschen sich eine solche Bibliothek, die mit eigenen und gestifteten Büchern eingerichtet werden sollte. Sie kann als Treffpunkt und Ort der Anregung dienen. Aufenthaltsstipendium für verfolgte Autor*innen gemeinsam mit dem PEN entwickeln Köln, 14.6.2017 Verfasst von: Christina Bacher, Claudia Bleier, Liane Dirks, Gunther Geltinger, Doris Konradi, Marie T. Martin, Wolfgang Schiffer, Dorian Steinhoff, Ute Wegmann, Barbara Zoschke; Jabbar Abdullah
Mitteilung Ausschuss
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Die Oberbürgermeisterin Dezernat, Dienststelle VII/41 Vorlagen-Nummer 21.06.2017 1932/2017 Mitteilung öffentlicher Teil Gremium Datum Ausschuss Kunst und Kultur 27.06.2017 Integrationsrat 11.09.2017 Darstellung der Sparten hier: Szenebericht Literatur In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Kulturausschuss die Verwaltung beauftragt, „den Sparten Musik, Darstellende Kunst (mit Theater und Tanz), Bildende Kunst (Fotografie) und Medien (Film, Literatur) die Möglichkeit zu geben“, regelmäßig über das Geschehen, die aktuelle Situation und die Perspektiven ihrer Arbeit schriftlich zu berichten. Dabei sollen die Spartenvertretungen in ihren jewei- ligen Bereichen auch die interkulturellen Aktivitäten und Entwicklungen berücksichtigen. Der Bericht soll – wie in der Vergangenheit – drei Seiten nicht überschreiten. Außerdem muss erkennbar sein, wer die Unterlage erstellt hat und wer in die Erstellung einbezogen worden ist. Der Szenebericht der Sparte Literatur ist als Anlage 1 beigefügt. Für Rückfragen im Ausschuss für Kunst und Kultur stehen ein(e) Vertreter(in) der Kölner Autorenszene und Frau Bettina Fischer zur Verfügung. gez. Laugwitz-Aulbach
Beratungsverlauf (2)
Beschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungBeschluss: Kenntnis genommen
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- 1932/2017
- Typ
- Mitteilung Ausschuss
- Datum
- 21.06.2017
- Erstellt
- 03.08.2017 00:27