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1932/2017

Darstellung der Sparten

Mitteilung Ausschuss 21.06.2017

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Anlage1 Szenebericht Literatur 2017

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Anlage1 Szenebericht Literatur 2017

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Szenebericht Literatur 2017          Anlage 1 
Vorbemerkung:  
Dieser Szenebericht ist das Ergebnis eines Austauschs unter Kölner Autor*innen und mit dem Literaturhaus 
Köln. Bei einem ersten Termin im Literaturhaus und in einem anschließenden, vielstimmigen E-Maildialog 
wurde sowohl ein Fragebogen entwickelt (und an mehr als 100 Kölner Autor*innen geschickt) als auch ein 
Katalog mit Anregungen und Wünschen zur Literaturförderung in Köln formuliert. Nicht zuletzt angeregt 
durch den Austausch im Rahmen des Runden Tisches Literatur wurde die Literaturszene animiert, weitere 
Überlegungen zur eigenen Fortentwicklung anzustellen. Diese sollten nach Möglichkeit in die Fortführung der 
Gespräche zur Umsetzung des Kulturentwicklungsplans eingebracht werden. Zur besseren Durchsetzung ihrer 
Interessen, erwägt die Literaturszene, eine Interessenvertretung einzurichten. 
Zur Fortentwicklung der Literatur in Köln und zur Verbesserung der Situation der Schreibenden sind zahlreiche 
produktive Ideen entstanden, die die Literaturszene dazu motivieren, bestehende Möglichkeiten der 
Literaturförderung verstärkt zu beanspruchen. Zusetzungen in diesem Bereich sind unbedingt 
wünschenswert. 
Zustandsbeschreibung: 
Im Jahr 1969 hat sich Heinrich Böll vorgestellt, was eigentlich geschähe, wenn alle Autoren in Deutschland 
streikten: jeder Drehbuchschreiber, jede Sachbuchautorin, jeder Lyriker, jede Romandichterin, jeder 
Dramatiker, jede Kinderbuchautorin, jeder Hörspielschreiber, jede Essayistin, einfach alle. Plötzlich hätten die 
Verlage nichts mehr zu tun, die Fernsehsender könnten keine Filme mehr drehen, schnell fehlte es den 
Buchhändlern an neuen Büchern, die Kritiker hätten nichts mehr zu kritisieren. Der ganze Literaturbetrieb 
wäre lahmgelegt, die Verwertungskette der umsatzstärksten Kulturbranche des Landes unterbrochen, ein 
Grundnahrungsmittel unserer Kultur vergriffen. In seiner Rede vor dem Schriftstellerkongress, später auch 
gedruckt, forderte Böll deshalb das „Ende der Bescheidenheit“. Sehr deutlich formulierte er die Probleme: 
„Hin und wieder mögen wir ganz kluge Leute sein, als Vertreter unserer Interessen in einer Gesellschaft, die 
von Interessenvertretern dirigiert wird, sind wir wie Schwachsinnige ... Ich fürchte, wir sind sehr feine 
Idioten.“  
Böll hatte Recht. Aktuelle Zahlen aus der Umsatzstatistik 2016 und eine Umfrage des Literaturhauses unter 
Kölner Schriftsteller*innen verdeutlichen, dass es ausgerechnet die Schreibenden selbst sind, die am unteren 
Ende der Einkommenspyramide einer Branche stehen, die es ohne sie gar nicht gäbe. Etwa die Hälfte aller 
Selbstständigen, die auf dem Kölner Buchmarkt tätig sind, haben 2016 weniger als 17.500€ im Jahr verdient. 
Die Verwerter (gewerbliche Unternehmen wie Buchhändler und Verlage) setzten im Schnitt 90.800€ um. Und 
nicht nur die Umsatzzahlen sprechen diese Sprache. Je nach Buchvertrag erhalten Autor*innen nicht einmal 
zehn Prozent am erzielten Nettoladenpreis eines Buches. Kostet ein Buch beispielsweise 20,00 € erhält der 
Autor also nur 1,87€ pro verkauftem Exemplar oder weniger. Um mit Buchverkaufstantiemen den jährlichen 
Bruttodurchschnittslohn in Höhe von 41.000 € zu erwirtschaften, müssten also in einem Jahr 21.925 Bücher 
verkauft werden. Die durchschnittliche Auflage eines Romans, der in Deutschland erscheint, beträgt aber nur 
etwa 4.000 Stück. Buchautor*innen sind also zwingend auf Nebeneinkünfte aus Lesungen, Lizenzvergaben, 
Auftragswerken und Lehrtätigkeiten sowie auf Preise und Stipendien angewiesen. Mit der Veröffentlichung 
eines Buches lässt sich kaum Geld verdienen, aber sie ist Anlass, um überhaupt Geld verdienen zu können. 
Eine gut ausgestattete und organisierte literarische Infra- und Förderstruktur trägt entschieden zur 
Funktionalität dieser Mischkalkulation von Autor*innen bei.  
Dies ist die eingeschränkte finanzielle Ausgangssituation, in der Autor*innen in Köln sich vielfach 
wiederfinden. Zugleich erlebt der Großteil der Schreibenden die Literaturszene im Aufwind (siehe 
Szenebericht von 2016): Neue Veranstaltungsinitiativen und die Entwicklungen an Universität und KHM 
werden positiv beurteilt. Nun gilt es, diese positive Stimmung aufzugreifen, und mit klugen und 
wirkungsvollen Maßnahmen Produktion, Vernetzung und Diskurs von und zwischen Schreibenden zu fördern, 
um professionell arbeitenden Autor*innen in Köln eine Situation zu schaffen, aus der heraus sie der 
Selbstausbeutung entkommen können. Die Stadt Köln würde davon als Ganzes profitieren. Literatur ist kein

weicher Standortfaktor, der nur fürs Stadtmarketing taugt, im Gegenteil, eine ganze Stadt kann sich darüber 
definieren.  
Anregungen/Ideen & Wünsche: „Das Ende der Bescheidenheit“  
 Gleichstellung mit anderen Kunstsparten 
Im Kulturentwicklungsplan 2009 ist die Literatur als „weiteres Handlungsfeld“ benannt – eine Aufwertung 
zum „profilbildenden Handlungsfeld“ ist gerade zum gegenwärtigen Zeitpunkt wünschenswert, da z.B. an 
der Universität und der KHM begonnen wird, Schreiben zu lehren. Diese sehr positive Entwicklung sollte 
gestärkt werden: Nach dem Motto: „Stärken stärken!“ und weil eine Gleichstellung mit anderen 
Kunstsparten auch im „wording“ geboten ist. 
 Arbeitsstipendien für Kölner Autor*innen und Übersetzer*innen 
Stipendien erleichtern die langfristige und konzentrierte Arbeit an einem literarischen Projekt. In Köln 
leben nach Berlin die meisten Schreibenden in Deutschland, die Stadt sollte sie bei ihrer Arbeit 
unmittelbar unterstützen. Stipendiendauer und -höhe sowie Ausschreibungs- und Vergabemodalitäten 
sollten in ihrer Ausgestaltung an die unterschiedlichen Projekte und Lebensumstände von Autor*innen 
angepasst sein. Ein möglicher Orientierungspunkt ist die stufenartige Stipendienstruktur des 
Bundeskanzleramts der Republik Österreich. Um diese Punkte gewährleisten zu können, sollte das 
Stipendienprogramm in enger Zusammenarbeit mit den Kölner Schreibenden entwickelt werden.  
 Die Ausschreibung eines Schreibraums wird von Kölner Autor*innen sehr begrüßt. 
Angesichts des Umstandes, dass angemessene Räume (d.h. Räume, die zehn Schreibenden zugleich den 
gemeinsamen Schreibaufenthalt sowie Präsentationen und soziales Netzwerken ermöglichen) auf dem 
Kölner Immobilienmarkt beträchtliche Mieten aufweisen, haben die Autor*innen Sorge, dass der 
ausgeschriebene Betrag auch bei Selbstbeteiligung nicht ausreicht. Erweisen die Schreibräume sich als 
erfolgreiches Projekt, sollte dringend über eine Erhöhung der Förderung nach dem Hamburger Beispiel 
des Writers’ Room entschieden werden. 
 Förderung von Netzwerkstrukturen  
Persönliche Netzwerke sind Kapital für Schreibende. Sie zu knüpfen erfordert persönliche Begegnungen 
und professionellen Austausch, dafür sind Anlässe zu schaffen, wie zum Beispiel der Saisonauftakt für die 
Literaturszene, der vom Literaturhaus und Kulturamt initiiert wurde (siehe auch „Austausch, 
Wissenstransfer, Fortbildung“ sowie „Kölner Literaturnacht“).  
 Literaturveranstalter stärken 
Die Kölner Literaturveranstalter*innen arbeiten häufig genauso selbstausbeuterisch wie die Autor*innen, 
die sie einladen. Gleichzeitig gibt es kaum Orientierungshilfe, kaum Vergleichsmöglichkeiten und erst 
recht keine verbindlichen Regelungen zur Honorarstruktur von Autor*innen und freien 
Projektmitarbeiter*innen, im Gegensatz zu sonstigen Angestelltenverhältnissen (vgl. Mindestlohn, 
Tarifverträge). Deshalb ist es wünschenswert eine Honorarordnung für städtisch geförderte 
Literaturprojekte zu entwickeln und darin Honoraruntergrenzen für alle Mitwirkenden festzuschreiben. 
Grundsätzlich wird ein Auftrittshonorar von wenigstens 300 € (zzgl. MwSt) empfohlen. 
Außerdem ist die Etablierung einer Vier-Jahres-Förderung für Literaturprojekte sinnvoll. Sie ermöglicht 
eine kontinuierliche und professionelle Vermittlungsarbeit aus der freien Literaturszene. Nicht zuletzt, 
weil Autor*innen häufig auch Veranstalter*innen sind.  
 Austausch, Wissenstransfer und Fortbildung 
Kölner Autor*innen wünschen sich professionell organisierten Austausch und Fortbildungsangebote auf 
diesen Feldern:  
o Werkstattgespräche zum Austausch über die eigene Arbeit, auch im Bereich Kinderbuch. 
Wünschenswert wären Fördermaßnahmen die keinen unmittelbar sichtbaren Nutzen für die 
Öffentlichkeit haben, jedoch nach innen stärkend wirken.. 
o Diskurs/Symposien unter Einbeziehung aller Branchenkräfte  
o Interdisziplinärer Austausch zu gesellschaftlichen Themen 
o Marketingmaßnahmen für Veranstalter

 Transparenz der Angebote 
Im Prozess der Klärung über Maßnahmen und Know-How-Transfer, die die Situation von Autor*innen in 
Köln verbessern würden, stellte sich heraus, dass die Verwaltung bereits vielfältige Unterstützung 
anbietet. Die meisten Schreibenden wissen von diesen Möglichkeiten allerdings nichts. Eine erweiterte 
Kommunikation der Angebote ist wünschenswert.  
o Antragsstellung, Verwendungsnachweise  
o Pressearbeit  
o Vermittlung von potentiellen Förderern/Projektbörsen  
 Weiterer Ausbau des Literaturkalenders/Digitalpräsenz der Literaturszene 
Für die Sichtbarkeit der Literaturszene ist die Stärkung und Entwicklung eines eigenen 
Kommunikationskanals, der über eine reine Kalenderfunktion hinausgeht, ein wichtiger 
Aufmerksamkeitsfaktor. Mittel zur Modifikation aus dem Jahr 2016 wurden nutzbringend eingesetzt. Der 
Literaturkalender kann allerdings in der monatlichen Betreuung nicht auf die Dauer vom Literaturhaus 
finanziert werden. Die Wahrnehmung der Literaturszene in der Öffentlichkeit zu stärken, ist eine wichtige 
Unterstützung.  
 Angebot einer „Kölner Literaturnacht“ entwickeln und fördern 
Eine öffentliche Bestandsaufnahme des literarischen Lebens der Stadt richtet über das einzelne Erlebnis 
hinaus ein Schlaglicht auf die regelmäßigen Initiativen und Institutionen und bietet einen Anlass für 
nachhaltige Vernetzung. 
 Honorarförderung nach Vorbild der „Werkproben“ (Kultursekretariats NRW in Wuppertal) 
Mit dieser Form der Honorarförderung hätten öffentliche Literaturveranstalter*innen und Schulen dank 
Sonderkonditionen die Möglichkeit, Kölner Autor*innen zu Lesungen und Schreibworkshops vergünstigt 
einzuladen. Die „Werkproben“ bezuschussen Autorenhonorare mit 300,00 €, bei 150,00 € 
Veranstalteranteil. So wird Autor*innen ein angemessenes Honorar garantiert. Gleichzeitig erhalten die 
Schreibenden durch die Auswahl und die Veröffentlichung in einem solchen Programm mehr 
Aufmerksamkeit für ihre Arbeit und Veranstalter*innen und Lehrer*innen eine wirksame 
Orientierungshilfe bei der Suche nach geeigneten Autor*innen.  
 Geförderter Ankauf von Büchern  
Etablierung eines „Kölner Fördermodells“ in Anlehnung an die staatliche Literatur-Förderung in 
Norwegen oder Dänemark: Abnahmegarantie von Neuerscheinungen von Kölner Autor*innen und 
Bestückung der Kölner Bibliotheken (inkl. Schulbibliotheken). Das Modell sichert Köln eine Vorreiterrolle 
in Sachen Lese- und Literaturförderung, fördert Autoren sowie Schulen und Bibliotheken gleichermaßen 
und sorgt vielleicht für Zuzug von Verlagen und Autoren. 
 Stärkung der Schnittstellen zwischen Literatur und Schule 
Lehrer*innen sind selten Szenekenner und der Aufbau von Kommunikationskanälen zur Umsetzung von 
Lesungen und Workshopprojekten an Schulen übersteigt den Aufgabenbereich von Autor*innen. Eine 
agenturgleiche Vermittlungsstelle würde neue Impulse für die Schreib- und Leseförderung an Schulen 
gewährleisten.  
 Internationales Literaturfestival mit Kölns 24 Partnerstädten  
Internationalisierung und Stärkung des Literaturstandorts Köln sind das Ziel. 
 Einrichtung einer Bibliothek arabischer Literatur 
Geflüchtete Autor*innen wünschen sich eine solche Bibliothek, die mit eigenen und gestifteten Büchern 
eingerichtet werden sollte. Sie kann als Treffpunkt und Ort der Anregung dienen. 
 Aufenthaltsstipendium für verfolgte Autor*innen gemeinsam mit dem PEN entwickeln  
 
Köln, 14.6.2017 
Verfasst von: Christina Bacher, Claudia Bleier, Liane Dirks, Gunther Geltinger, Doris Konradi, Marie T. Martin, 
Wolfgang Schiffer, Dorian Steinhoff, Ute Wegmann, Barbara Zoschke; Jabbar Abdullah

Mitteilung Ausschuss

1192 Zeichen

Die Oberbürgermeisterin 
Dezernat, Dienststelle 
VII/41 
 
Vorlagen-Nummer  21.06.2017 
 1932/2017 
Mitteilung 
öffentlicher Teil 
Gremium Datum 
Ausschuss Kunst und Kultur 27.06.2017 
Integrationsrat 11.09.2017 
 
Darstellung der Sparten 
hier: Szenebericht Literatur 
In seiner Sitzung am 07.09.2010 hat der Kulturausschuss die Verwaltung beauftragt, „den Sparten 
Musik, Darstellende Kunst (mit Theater und Tanz), Bildende Kunst (Fotografie) und Medien (Film, 
Literatur) die Möglichkeit zu geben“, regelmäßig über das Geschehen, die aktuelle Situation und die 
Perspektiven ihrer Arbeit schriftlich zu berichten. Dabei sollen die Spartenvertretungen in ihren jewei-
ligen Bereichen auch die interkulturellen Aktivitäten und Entwicklungen berücksichtigen. Der Bericht 
soll – wie in der Vergangenheit – drei Seiten nicht überschreiten. Außerdem muss erkennbar sein, 
wer die Unterlage erstellt hat und wer in die Erstellung einbezogen worden ist. 
 
Der Szenebericht der Sparte Literatur ist als Anlage 1 beigefügt. Für Rückfragen im Ausschuss für 
Kunst und Kultur stehen ein(e) Vertreter(in) der Kölner Autorenszene und Frau Bettina Fischer zur 
Verfügung. 
 
 
 
 
gez. Laugwitz-Aulbach

Beratungsverlauf (2)

27.06.2017 Ausschuss Kunst und Kultur
TOP 2.1 Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung
11.09.2017 Integrationsrat
TOP 5.2 Kenntnisnahme (Mitteilung) Entscheidung

Beschluss: Kenntnis genommen

Zur Sitzung

Details

Aktenzeichen
1932/2017
Typ
Mitteilung Ausschuss
Datum
21.06.2017
Erstellt
03.08.2017 00:27