AN/0298/2018
Bessere Erfassung der Feinstäube in Köln
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Linke Antrag nach § 3
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Die Linke.-Fraktion · Postfach 103564 · 50475 Köln Oberbürgermeisterin Reker, Ausschussvorsitzender Struwe Rathaus, Spanischer Bau 50667 Köln Postanschrift: Postfach 103564 · 50475 Köln Tel: 0221/221-27840 · Fax: 0221/221-27841 E-mail: DieLinke@stadt-koeln.de Fraktionsvorstand Eingang beim Büro der Oberbürgermeisterin: 26.02.2018 AN/0298/2018 Antrag gem. § 3 der Geschäftsordnung des Rates Gremium Datum der Sitzung Ausschuss für Umwelt und Grün 08.03.2018 Bessere Erfassung der Feinstäube in Köln Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin, sehr geehrter Herr Ausschussvorsitzender, DIE LINKE. Fraktion im Rat der Stadt Köln bittet Sie, den folgenden Antrag auf die Tagesordnung des nächsten Ausschusses für Umwelt und Grün am 08. März 2018 zu setzen. Gemäß epidemiologischer Studien verursachen Feinstäube in etwa vier- bis fünfmal so viele Opfer wie Stickoxide. Dennoch hat sich der als solches bezeichnete "Runde Tisch zur Luftreinhaltung" vor allem mit der Senkung der Stickoxidemissionen befasst. Dies mag den Umständen geschuldet sein, dass die derzeit gültigen Grenzwerte bei den Feinstäuben in der Regel eingehalten werden. Diese Grenzwerte sind jedoch deutlich höher als die Richtwerte der WHO, deren Empfehlungen in etwa die Hälfte der Grenzwerte des Bundes-Immissionsschutzgesetzes als zulässig erachten und in Köln zumeist nicht eingehalten werden. Die Ratsfraktion der Kölner LINKEN sucht daher nach Möglichkeiten um die Belastung für die Menschen zu reduzieren. Beschluss: Der Rat der Stadt Köln möge folgendes beschließen: 1) Die Stadt Köln unterstützt die Bemühungen zur Erfassung der Feinstäube durch ,"OK Lab" und stellt den sich hierzu engagierenden Menschen Standorte mit Internetzugang zur Installation ihrer Feinstaubmessgeräte zur Verfügung. 2) Die Stadt Köln fordert das Landesamt für Umwelt- und Verbraucherschutz auf, die Luftmessstellen Rodenkirchen und Clevischer Ring zusätzlich auf die Erfassung von Feinstäuben der Größenordnung (Fraktion) PM 2,5 umzurüsten. 3) Die Stadt Köln richtet zwei Messstellen für Feinstaub ein. Eine der Messstellen sollte am Neumarkt eingerichtet werden, die andere dagegen den Charakter einer Hintergrundmessstelle erhalten. An diesen Messstellen sollten die Feinstäube der Größenordnungen PM 10, PM2,5 und die ultrafeinen Stäube PM 0,1 erfasst werden. Über diese quantitative Erfassung hinaus sollten die erfassten Stäube im Hinblick auf ihre Quellgruppen, das bedeutet auf ihre Zusammensetzung, untersucht werden. Begründung: Um die Feinstaubemissionen wirksam reduzieren zu können, bedarf es der Klarheit über ihre Ursachen. Gerade Feinstäube sind in ihrer Zusammensetzung vielfältig und in ihrer Entstehung multikausal. Sie können unter anderem organisch, mineralisch, als auch metallisch sein. Neben der Entstehung primärer Feinstäube, beispielsweise durch Erosionsprozesse, Abrieb, Verbrennung und Aerosolen aus dem Meer, treten auch sogenannte sekundäre Feinstäube auf. Diese Feinstäube entstehen in Verbindung mit unterschiedlichen Gasen aus natürlichen und anthropogenen Quellen. Gliederungen der Partei die LINKE haben in den verschiedensten Gremien Fragen zur Ausbreitung und Zusammensetzung von Feinstäuben gestellt, um hier Klarheit zu erlangen. Diese ist bisher jedoch nicht erzielt worden. Im Gegenteil: Unserer Kenntnis nach gibt es derzeit keine Bemühungen zu einer gesonderten Erfassung der besonders gefährlichen ultrafeinen Feinstäube. Auch eine Untersuchung der Zusammensetzung von Feinstäuben findet kaum statt. So erhielten wir (die Fraktion der LINKEN im Regionalrat) von der Bezirksregierung auf unsere Anfrage zur Feinstaubsituation in Köln (Drucksache Nr. RR 19/2017) die Auskunft, dass die Quellgruppen der Feinstäube derzeit nicht erfasst werden. Eine solche Analyse wäre unserer Auffassung nach aber notwendig, denn wir haben den Eindruck, dass auch in Köln den Verantwortlichen nicht klar ist, wie sich die Stäube zusammensetzen und woher sie in welchen Anteilen kommen. Dies ist aber gerade bei den Feinstäuben von ganz entscheidender Bedeutung, da die Immissionsmesswerte an den Verkehrsmesspunkten die Hintergrundbelastung nur um 3-9 Mikrogramm überschreiten ( LANUV Fachbericht 73 ). Anders ausgedrückt: Der lokale Verkehr wirkt sich also auf die Immissionswerte in einem deutlich geringerem Maß aus als es bei den Stickoxiden der Fall ist. Deswegen stellt sich ganz besonders die Frage nach den Ursachen der sogenannten Hintergrundbelastung. Ein Beispiel für die Unklarheit über die Ursachen der Hintergrundbelastung ist die Bedeutung der Landwirtschaft für die Kölner Situation. So stand im Luftreinhalteplan 2012 folgende Passage: "Die Untersuchungen ergeben für die Emittenten-Gruppe Landwirtschaft keine Relevanz für den Luftreinhalteplan Köln." Demgegenüber steht ein Zitat aus einem Artikel vom 24.05.2016 zu einer Wissenschaftssendung des WDR: "Denn selbst mitten in der Stadt kommt ein großer Teil des Feinstaubes von außerhalb: aus der Landwirtschaft!" Auch die Bedeutung der Braunkohlentagebaue im rheinischen Revier für die Feinstaubsituation erscheint uns, zumindest in ihrem Umfang, als ungeklärt. So musste die vorherige Landesregierung in ihrer Beantwortung der kleinen Anfrage (5357) unseres damaligen Landtagsabgeordneten Daniel Schwerd am 19.12.16 Folgendes eingestehen: "Bisher gibt es zur Frage, wieviel Staub letztlich aus den Tagebauen emittiert wird, noch keine belastbaren Daten." Demzufolge räumte sie in der Beantwortung der nachfolgenden Frage nach den gesundheitlichen Folgekosten Folgendes ein: "ln den Antworten auf die Fragen 3 und 4 ist dargelegt, dass die derzeitige Datenlage keine abschließende Modeliierung der Expositionssituation erlaubt. Die Kenntnis der Exposition ist jedoch eine unersetzliche Voraussetzung für eine Abschätzung möglicher Gesundheitseffekte." Diese Gesundheitseffekte sind nicht nur im Zusammenhang mit der Menge, sondern auch mit der Zusammensetzung der Feinstäube zu sehen. So ist es für jeden nachvollziehbar, dass beispielsweise die ggf. auftretenden Seesalzanteile der Feinstaubfraktion eine völlig andere Wirkung entfalten als Rußpartikel. Es reicht also aus verschiedenen Gründen nicht aus, nur die Menge der Stäube zu erfassen, sondern es Bedarf klarer Erkenntnisse über deren Charakter. gez. gez. Michael Weisenstein Hamide Akbayir Fraktionsgeschäftsführer Mitglied des Ausschusses für Umwelt und Grün
Beratungsverlauf (1)
Beschluss: zurückgestellt
Zur SitzungDetails
- Aktenzeichen
- AN/0298/2018
- Typ
- Die Linke. Antrag nach § 3
- Datum
- 27.02.2018
- Erstellt
- 26.02.2018 14:42